L. Adelswerdung

Wie der Sohn von Christoph dem Jüngeren JOHANN FRIEDRICH (1615 – 1668), Stammträger der Generation 8, über seine erste Einheirat in die zwar nur dem Zweiten Stand der sog. Ehrbarkeit angehörende, doch reiche Nürnberger Familie der FÜRLEGER und über seine zweite solche in die dem Ersten Stand zugehörige einflussreiche Sippe der KRESS VON KRESSENSTEIN den begehrten Posten eines Losungsamtmannes erlangt und zu großen Besitztümern und Einkünften kommt, für sich und seinen jüngeren im Dreißigjährigen Krieg zunächst dem Kaiser in Spanien, dann den Nürnbergern als Leutnant gedienten Bruder JOHANN DIETRICH  (1616 – 1679) im Jahr 1658 die Freiherrenwürde mit Wappenvermehrung durch die Beigabe einer Königskrone erringt, doch schließlich durch seine Hoffart, Unterschlagungen und Bestechungen in Kerkerhaft und dort unrühmlich geheimnisumwittert zu Tode und gerüchteumwoben unter die Erde kommt.

Bevor wir im Stammbaum Stör in die Betrachtung des Stammträgers eintreten, sei zuerst ein orientierender Blick auf die Gesamtheit der in diesem dargestellten Generation 8 geworfen. Hierzu sei gezeigt:

  • Abb. L 1: Ausschnitt des mit Kennzahlen- und -buchstaben versehenen, sonst unveränderten Stammbaumes des J. W. Stör, beschränkt auf die dort in der obersten Zone erscheinenden Generationen 7, 8 und 9.

Der im Vorkapitel K. Unterpfleger Christoph schon angesprochene Mittelbereich der elf Kinder von CHRISTOFF und ANNA MARIA SEMLERIN (7a), nämlich 8a sowie 8g – 8p, ist im Einzelnen folgendermaßen ausgewiesen (Anmerkung: Die Schreibweise der Namen folgt genau derjenigen des Stammbaums): Die 7 Söhne: JOHANN FRIEDRICH (8a, somit als Stammträger zu betrachten), JOH. CHRISTOFF (8g), JOH. WOLFF (8h), JOH. PAULUS (8i), JOH. DIETRICH (8j), HANß PHILIP (8k) und JOHAN JACOB (8o). Die 4 Töchter: URSULA CATHARINA (8l), ANNA MARIA (8m), SUSANNA CATHARINA (8n) und ANNA REGINA (8p).

Hinzu kommen linkerhand die fünf Kinder von HANß und PHILIPINA TUCHERIN (7l), nämlich 8b – 8f; daran schließen sich rechterhand zwei je vierköpfige Geschwistergruppen (8q – 8t sowie 8u – 8x), welche als Ururenkel von HANß, dem sog. Italienfahrer, und der LINDENMAIRIN (4f) festzustellen sind. Dieses lässt sich nachvollziehen, wenn man in der Abb. C 1 das vorgenannte Ahnenpaar unter 4f sucht und von dort aus den Weg über deren Sohn WILHELM mit dessen Ehefrau MAGDALENA SCHMUCKERIN (5d), zu dem Enkel CHRISTOFF mit Ehefrau SUSANNA WALTERIN (6n), dann zu den Urenkeln einerseits BERNHARD mit Gattin ANASTASIA SCHMOLTZIN (7t) bzw. andererseits CONRAD mit ANNA EGLOFIN (7w) nimmt. In der hier anstehenden Generation 8 finden sich 5 + 11 + 4 + 4 = 24 Namen aufgeführt.

Im Zentrum als Stammhalter unter 8a erscheint JOHANN FRIEDRICH mit links seiner ersten Gemahlin SUSANNA CATHARINA FÜRLEGERIN, rechts seiner zweiten solchen SUSANNA KREßIN. Fünf Plätze weiter links findet sich unter 8j dessen Bruder JOHANN DIETRICH mit links seiner ersten Gemahlin MARIA MAGD(ALENA) LÖFFELHOLTZIN und rechts seiner zweiten solchen KATHARINA BART(HOLOMEA) LÖFFELHOLTZIN. Der Blick in die nachstehend in Abb. L 2 angefügte (korrigierte und erweiterte) I. Stammtafel von Wurzbach (Generation IX bzw. 8) zeigt überraschenderweise und damit zum ersten Male seit Generation I bzw. 1, dass bezüglich der Namen der vorgenannten zwei Brüder wie auch deren Gattinnen zwischen Stör und Wurzbach (abgesehen von den bei Wurzbach aufgeführten fragwürdigen weiteren Ehefrauen des JOHANN DIETRICH Nr. 3 SABINA CREMONI und Nr. 4 ANNA VON ROSENBACH) Übereinstimmung besteht. Dass jedoch, was die von Wurzbach angegebenen Lebensdaten und Titulierungen der beiden Brüder sowie die seitlich aufgeführten beiden Geschwister betrifft, immer noch gravierende Unterschiede bestehen, wird sich konkret im Fortgang noch zeigen. Rückblickend ist außerdem in Bezugsetzung zu dem im letzten Abschnitt des Vorkapitels K. Unterpfleger Christoph noch einmal darauf hinzuweisen, dass von Wurzbach, den vorgenannten beiden Brüdern die quasi falschen Eltern namens JOHANN JACOB und MARIA DOROTHEA VON SCHWARZENBERG statt CHRISTOPH und ANNA MARIA SEMLERIN zugeordnet sind. Somit wurde in der I. Stammtafel bei Generation VIII in Rot eine dementsprechende Korrektur vorgenommen.
Siehe dazu

  • Abb. L 2: Die I. Stammtafel der Freiherren und Grafen von Wimpffen des Constantin von Wurzbach von 1888 in korrigierter und erweiterter Form. 

Um evtl. noch vorhandene Zweifel an der Richtigkeit der Feststellung, dass die von C. von Wurzbach und – wie schon mehrfach gezeigt – den diesem vorangegangenen sattsam bekannten Vorgänger-Autoren Kneschke, Gotha und Aubert des Bois die Hinordnung des Brüderpaares Johann Friedrich und Johann Dietrich von Wimpffen zu einem Johann Jacob als Vater und zu einer Maria Dorothea von Schwarzenberg als Mutter falsch ist und Stör und Sporhan-Krempel diesbezüglich richtig liegen, das können schlagend die nachfolgend gezeigten beiden Nürnberger Urkundenauzüge belegen. Siehe diese in

032

  • Abb. L 3: Zwei Teilkopien von im Stadtarchiv Nürnberg unter S I Lade 149 Nr. 6 unter vielem anderen bewahrten Urkundenabschriften, deren obere die am 12. Oktober 1645 proklamierte Eheschließung (in heutiger Sprache das sog. Aufgebot) des Johann Friedrich von Wimpf(f)en mit Susanna Catharina Fürleger und deren untere vom 4. April 1658 diejenige des Johann Dietrich von Wimpf(f)en mit Maria Magdalena Löf(f)elholtz von Colberg notiert.

In beiden Texten, jeweils durch rote Unterstreichung hervorgehoben, steht zwischen oben dem jeweiligen Gebrüder-Namen „Johann Friedrich von Wimpfen” bzw. „Johann Dietrich von Wimpfen” und unten dem jeweiligen Brautnamen „Susanna Catharina Fürleger” bzw. „Maria Magdalena Löffelholtz von Colberg” jeweils „Christoph Hermann von Wimpfen Ehelicher Sohn” vermerkt, was diesen unbezweifelbar als Vater des Gebrüderpaares ausweist. Im Hinblick auf das vor der Bilddarstellung schon mehrfach diesbezüglich Gesagte erscheinen hierzu weitere Erklärungen überflüssig. Während, wie oben schon gezeigt, im Stammbaum Stör in der Geschwisterreihe des vorgenannten Brüderpaares nicht weniger als elf Geschwister erscheinen, führt Wurzbach in seiner I. Stammtafel in der dementsprechenden Generation IX nur vier solche auf, und zwar links neben JOHANN FRIEDRICH einen Bruder SEBASTIAN, angeblich geb. 1580, und rechts neben JOHANN DIETRICH eine Schwester ELISABETH, angeblich geb. 1587. Da diese beiden Geschwisternamen in der oben dargelegten solchen des Stammbaumes Stör nicht erscheinen, ist anzunehmen, dass diese beiden von Wurzbach genannten Geschwister gar nicht existent gewesen sind.

Das vorgenannte Brüderpaar sticht in der I. Stammtafel von Wurzbach dadurch ins Auge, dass JOHANN FRIEDRICH als Stammvater vom sog. Aelteren Hauptast, JOHANN DIETRICH demhingegen als Stammvater vom sog. Jüngeren Hauptast deklariert ist. Dies scheint im Blick auf die beigegebenen Geburtsjahre 1581 für den Erstgenannten und 1583 für den Zweitgenannten zwar richtig zu sein; doch sind diese von Wurzbach angegebenen Geburtsjahre eindeutig falsch, was die notwendige Begründung an späterer Stelle erfahren wird, doch hier schon durch Einsetzung der richtigen Geburtsjahre 1615 und 1616 in Rot korrigierend vermerkt ist. Sehr bedeutsam erscheint, um dies andeutend vorwegzunehmen, dass es sich bei den erheirateten Ehefrauen dieses Brüderpaares um hoch- bis höchstvermögende Nürnbergerinnen gehandelt hat, wovon die Kreßin und die beiden Löffelholtzinnen sogar aus Familien des Ersten Standes, d. h. dem Patriziat, die Fürlegerin aus immerhin dem Zweiten Stand, der sog. Ehrbarkeit, stammten. Genaueres darüber siehe in der späteren GENEALOGISCHEN ÜBERSICHT II! Da die bezüglich der Generation 8 bzw. IX nunmehr gegebene Übereinstimmung der Angaben von Stör einerseits und Wurzbach (einschließlich derjenigen von Aubert Des Bois und Cellarius-Goldtbeeg) andererseits sich fast ausschließlich auf die Namengebung des Brüderpaares Johann Friedrich und Johann Dietrich sowie deren Frauen beschränkt und die sonstige Übereinstimmung zu vermissen ist, erscheint es unumgänglich, zunächst in der nachfolgenden GENEALOGISCHEN ÜBERSICHT I in Form einer vergleichend-kritischen Zusammenschau die übereinstimmenden richtigen Angaben über das Brüderpaar JOHANN FRIEDRICH VON WIMPFFEN und JOHANN DIETRICH VON WIMPFFEN von Stör, Sporhan-Krempel und – jetzt diese noch bestätigend wie ergänzend dazukommend – von G. E. Waldau einerseits sowie die teilweise unrichtigen solchen des Aubert Des Bois und dessen späteren hinlänglich bekannten beiden Adepten Cellarius-Goldtbeeg und Wurzbach andererseits darzustellen:

Vorauszuschicken ist der Hinweis, dass der über 3 Blätter gehende zweispaltige Text sich innerhalb jeder Spalte von Blatt zu Blatt fortsetzt.

Blatt 1:
GENEALOGISCHE ÜBERSICHT I: Das Nürnberger Brüderpaar JOHANN FRIEDRICH und JOHANN DIETRICH VON WIMPFFEN, GENANNT HERMANN, (Generation IX bzw. 8) Zusammenschau nach F. W. Spör (ca. 1750/60) sowie G. E. Waldau (1787) und Sporhan-Krempel (1984) - dazu korrigierend-vergleichend mit Aubert Des Bois (1770/78), Cellarius-Goldtbeeg (1853) und von Wurzbach (1888) - Siehe im Stammbaum Stör bei Nr. 8a, in der I. Stammtafel von Wurzbach bei Generation IX links der Mitte Siehe im Stammbaum Stör bei Nr. 8j, in der I. Stammtafel von Wurzbach bei Generation IX rechts der Mitte JOHANN (HANS) FRIEDRICH VON WIMPFFEN, GENANNT HERMAN(N) JOHANN (HANS) DIETRICH VON WIMPFFEN, GENANNT HERMAN(N) Geboren laut Sporhan-Krempel 1615 und getauft am 12. September 1615, jedoch laut Aubert Des Bois, Cellarius-Goldtbeeg und Wurzbach falscherweise schon 1581, womit dieser der vorhergehenden Generation zugewiesen ist. Laut den beiden Letzgenannten soll dessen Geburtsort (unrichtigerweise) Hirschbach (in der Oberpfalz, wichtiger Ort eines sog. Hammerwerkes zur Bearbeitung insbes. des aus Böhmen eingeführten Kupfers gewesen sein, den dieser allerdings, um das vorwegzunehmen,1664/66 erworben hat. Geboren laut Sporhan-Krempel 1616 und so um ein Jahr jünger als der Bruder Johann Friedrich, jedoch lt. Cellarius-Goldtbeeg u. Wurzbach falscherweise bereits 1583, was diesen genau wie den Bruder um eine ganze Generation älter sein lässt. Über den Geburtsort findet sich nichts vermerkt. Gestorben nachweislich in Gefängnishaft in Nürnberg in der Nacht des 13. Dezember 1668, laut Cellarius-Goldtbeeg und Wurzbach am 13. November 1668 (angegebener Monat demnach falsch) Todesdatum und -ort nirgendwo, aufgeführt, außer bei Geneall.net, wo (durchaus passend) angegeben ist: Durlach, 17. 11. 1679 Heiraten: 03. 11. 1645: 1) SUSANNA CATH. FÜRLEGERIN 04. 06. 1660: 2) SUSANNA KREßIN (KRESSIN) oder laut Wurzbach und Cellarius-Goldtbeeg SUSANNA KREß VON KRESSENSTEIN; laut Letztgenanntem geboren am 16. August 1622, gestorben am 5. Juli 1682 Heiraten: 1658: 1) MARIA MAGDALENA LÖFFELHÖLTZIN nach deren Tod 1663: 2) KATHARINA BARTHOLO- MEA LÖFFELHÖLTZIN lt. Aubert Des Bois allein mit MARIE DE ROSENBACH, lt. Cellarius-Goldtbeeg und Wurz- bach wohl falscherweise noch mit 3) MARIA SABINA bzw. SABINA VON CREMONI 4) ANNA VON ROSENBACH Die angeheiratete Familie der FÜRLEGER gehörte zwar „nur“ seit 1495 dem Zweiten Stand der Nürnberger Ehrbarkeit an, besaß aber eine Handelsniederlassung z. B. in Verona und bekam 1625 sogar den Adelstitel zuerkannt. Ihr großer Reichtum zeigt sich z. B. darin, dass von SUSANNA KATHARINA FÜRLEGER gesagt wurde, sie habe um die 60 bis 70.000 Gulden mit in die Ehe gebracht. Die Familie der Kreß dagegen, aus der die nach deren Tod geheiratete SUSANNA KRESSIN stammte, gehörte dem Vordersten Stand der Patrizier an. Die Kreß waren mit dem äußerst erfolgreichen Kaufmann Fritz Kreß zwar erst ab dem Jahr 1370 in Nürnberg belegt, doch 1418 erstmalig ratsfähig geworden. Im 16. Jahrhundert hatten sie sich vom Kaufmannsberuf ab- und bewusst zum Staatsdienst als Diplomaten und Kriegsleute hingewandt und 1531 vom Kaiser das Adelsprivileg mit der Benennung „Kreß von Kressenstein“ erlangt. Laut Sporhan-Krempel und Waldau war Susanna Kressin viermal verheiratet: in 1. Ehe mit HANS CHRISTOPH SCHLÜSSELFELDER, nach dessen Tod in 2. Ehe 1655 mit GABRIEL HARSDÖRFFER, Assessor am Nürnberger Stadtgericht, nach dessen Tod sowie dem ihres 3. Gatten JOHANN FRIEDRICH VON WIMPFFEN GENANNT HERMANN, in 4. Ehe mit Friedrich WALTER SCHLAHER VON DER NIMKAU, der Pfalz-Sulzbachischer Hof- und Stallmeister war.- Dass im Stammbaum Stör Johann Friedrich zusammen mit seinen beiden Frauen am Stamm und sein Bruder Johann Dietrich links seitab gesetzt ist, dürfte darauf zurückgehen, dass er der, wenn auch nur um ein Jahr, Ältere der beiden gewesen ist. Laut Waldau und übereinstimmend mit Sporhan-Krempel wurde Johann Friedrich 1645 (damals 30-jährig und gerade verehelicht) Gegenschreiber und 1646 Genannter im Größeren Rat, 1654 (knapp 40-jährig) Kassier im städtischen Leihhaus (Pfandhaus), 1655 Losungsamtmann in der Losungsstube der sog. Losunger (des Kleineren Rates). Letztere waren die Steuererheber und Verwalter der städtischen Finanzen, denen die Stadtkasse und die Verwahrung der Siegel und Freiheitsbriefe anvertraut war. Johann Friedrich war diesen als Schreiber und Rechner zugeteilt und damit in ein bedeutendes Nürnberger Stadtamt eingerückt. Als Losungsamtmann war es ihm verboten, Handel und Gewerbe zu betreiben. Bei Aubert Des Bois ist dieser als zweiter Sohn des angeblichen JEAN-JACQUES namens „JEAN-FRÉDÉRIC, né en 1581“ aufgeführt. Sonst verliert er über diesen kaum noch ein Wort, ganz im Gegensatz über dessen jüngerem Bruder Johann Dietrich, obgleich wegen Johann Friedrichs in Nürnberg erreichtem hohen Amt und seinem außergewöhnlich großen Güterbesitz, nicht zuletzt wegen seinem tiefen Fall und unglückseligen Ende (siehe die dieser Übersicht angeschlossene umfängliche Schilderung seines weiteren Werdens und Todes) sogar eine ausführliche Lebensschilderung erwartet werden müsste. Wurzbach dagegen führt zwar dessen zivile Tätigkeit als Losungsamtmann auf, behauptet aber fälschlicherweise, Johann Friedrich sei zuletzt kaiserlicher Feldoberster gewesen und gibt in seiner I. Stammtafel diesen imponierenden Titel auch dessen Namen bei. Dadurch entsteht von diesem ein völlig falsches Bild, indem dieser dort somit als Militär apostrophiert ist. Dies geschieht wohl bewusst in Angleichung an den daneben höchst übertreibend als kaiserlichen Feldobersten deklarierten Bruder Johann Dietrich (mehr dazu in der diesem geltenden rechten Spalte). Wurzbach trifft auch die Feststellung, Johann Friedrich habe von seinem Neffen Johann Paul (dieser an späterer Stelle Beschriebene erscheint in dessen I. Stammtafel jedoch als dessen Sohn, im Stammbaum Stör unter 9c richtigerweise als Sohn des Johann Dietrich) die sog. Rohooburg in der Ortenau gekauft. Aubert Des Bois, der diesen Johann Paul in Angleichung an die vorausgegangenen angeblichen Stammträger Jean I. der Generation IV, Jean II. der Generation V und Jean III. der Generation VI mit Jean IV. benennt, sieht und beschreibt den Vorgang dieses Verkaufs und Kaufs, ausgehend von Johann Friedrichs Bruder Johann Dietrich, vom Blickwinkel wie von der Sache her, komplexer: „Jean Dietrich, son pere, & son ayeul ayant dissipé tous les grands biens qu’ils possédoient, il ne resta à Jean IV qu’ une partie de la Seigneurie de Rohosbourg dans le Canton d’ Ortenau, q’il céda ensuite à son oncle Jean Frédéric pour prix & somme de 50 mille florins.“ Übersetzt: „Johann Dietrich, sein Vater (mit „sein“ gemeint dessen von ihm Jean IV. genannter Sohn der Generation VIII), nachdem er und sein Ahn (logischerweise gemeint der Stammträger der Vorvorgeneration VII namens Friedrich, bzw. nach Andern Sebastian) den großen Güterbesitz (damit ist nicht allein die sog. Herrschaft Rohosbourg, sondern sind auch die immer wieder aufgeführten Herrrschaften Brixenstein, Zabietstein und Ebershausen gemeint) vergeudet hatten und Jean IV. nur ein Rest der Herrschaft Rohosbourg im Kanton Ortenau geblieben war, den er alsdann an seinen Onkel Hans Friederich für eine Preissumme von 50.000 Gulden verkaufte. Dieses Besitztum „Rohosbourg“ ist von Aubert des Bois durch die Bezeichnung „Herrschaft Rohosbourg“ eher als ein von einer Burg überragter Herrschaftsort denn als ein bloßer Burgsitz deklariert. Diese von Cellarius-Goldtbeeg sowie von Wurzbach „Rohooburg“ geschriebene angebliche Burg oder/und Herrschaft wurde von mir lange Zeit in der von allen den vorgenannten Autoren angegebenen Ortenau trotz vielerlei Bemühens vergeblich gesucht. Zu finden war im oberrheinischern Umraum zunächst nur eine ehemalige „Rohrburg“; aber dieses nach 1700 unbewohnte und um 1770 endgültig verschwundene Wasserschloss war einstens nicht in der Ortenau, sondern ca. 30 km nordostwärtig deren Randes am Federbach nahe den Rheinauen bei dem zwischen Karlsuhe und Rastatt gelegenen und den Markgrafen von Baden gehörenden Ort Durmersheim gelegen. Dazuhin stellte es sich heraus, dass dieses sich seit Anbeginn unbezweifelbar ununterbrochen im Besitz der Markgrafen von Baden befunden hat und von diesen nachweislich von 1481 bis 1574 sowie von 1657 – 1687 an nicht weniger als 13 + 2 = 15 namensmäßig bekannte Adels- bzw. bürgerliche Familien zu Lehen gegeben worden ist, worunter keine Von Wimpffen zu finden sind, und dazwischen von 1577 – 1631 als Dienstsitz von nacheinander 5 badischen Forstbeamten meist adliger Abstammung gedient hat. Diese ehemalige Rohrburg kann also mit den Von Wimpffen keinerlei Berührung gehabt haben, ganz abgesehen davon, dass diese ja gar nicht in den von den Autoren übereinstimmend angegebenen Ortenau lag und eben „Rohrburg“ und nicht „Rohosbourg“ bzw. „Rohooburg“ geheißen hat. Ich hatte eine Weitersuche längst aufgegeben, als ich jüngstens denn doch im Bereich der Ortenau auf eine heiß erscheinende Spur dadurch stieß, dass ich von Dr. Hans H. von Wimpffen einen Pack Urkunden- und Briefkopien erhielt, in dem eine im Stadtarchin Nürnberg unter S I Lade 149 Nr. 6 aufbewahrte rudimentäre, d. h. nur aus deren erster Seite, bestehende und damit unsignierte und undatierte Kopie einer Urkunde stieß, die den folgenden Titel trägt: „Extract aus Herrn E. S. Kerstens von Kerstenstein gesammleten Notaminibus die von Wimpfische Familie betrfd:“. Deren Vorspann lautet folgendermaßen: „Dießes vornehme Geschlecht ist der Reichsfreyen Ritterschaft incorporiret und besitzt in dem Ortenauer Bezirk Rohrburg.“ So wie es da steht, ohne das „die“ vor dem Namen Rohrburg, haben die Von Wimpffen einstens einen in der Ortenau gelegenen Ort des Namens Rohrburg besessen. Die Suche im Internet erbrachte das folgende aus der Zerstreuung Zusammengeholte: In der neugebildeten Gemeinde Neuried unweit vom Oberrhein im heutigen Ortenaukreis gibt es ein Dorf Altenheim und bei diesem das Gehöft „Rohrburg“, wohin eine Straße namens „Rohrburger Mühle“ führt. In der Nähe der dort 1983 noch in Arbeit gestandenen Mühle soll es in alten Zeiten tatsächlich eine Wasserburg gegeben haben, die „Rohrburg“ hieß und bei der drei Freihöfe und etliche Gehöfte standen. Bis 1337 hieß der Name des Platzes „Wilre“ = Weiler, 1357 und 1373 Rorburg, 1432 Roreburg, 1435 Hof genant Rorburg. Johann Jacob Moser berichtet in „Vermischte Nachrichten von Reichs-Ritterschaftlichen Sachen, Band 9“ (Nürnberg 1772) von der „Rohrburg“, einem im Besitz des Freiherrlichen Hauses Baden gestandenen Schlösslein in der Ortenau, dessen Kollectation (Zinserhebung) 1722 durch Vergleich der Reichsritterschaft zugesichert worden sei. Was im Gang der Beschreibung der einzenen Generationen immer wieder herausgestellt worden ist, nämlich dass der von Aubert des Bois und seinen Adepten konstatierte Besitz der vorgenannten Reihe Herrschaften Brixenstein etc. durch die Hermann-Von Wimpffen durch alle diese Generationen von I bis nunmehr IX/X nicht nur als unglaubwürdig, sondern als schlichtweg erfunden zu betrachten ist, das dürfte auch für den mindestens die Generationen VI, VII und VIII berührenden angeblichen Besitz der Herrschaft und/oder Wasserburg namens Rohosbourg/Rohooburg gelten. Denn aus der weiter unten sich anfügenden detaillierten Lebensbeschreibung des Johann Friedrich wird hervorgehen, dass dieser sich, was seinen erworbenen großen Grund- und Güterbesitz betrifft, im mainfränkischen Raum betätigt hat, so dass der Erwerb eines solchen aus der Hand seines Bruders und Neffen im oberrheinischen Raum ganz unwahrscheinlich ist. Und wie noch im Kapitel Y zu erhärten ist, liegen die als Quelle der behaupteten Besitzerschaft von Rohrburg angegebenen „Gesammelten Notaminibus die von Wimpfische Familie betr.“ des E. S. Kersten von Kerstenstein ganz auf der Linie der von Aubert des Bois und Adepten alle bislang beschriebenen Generationen hinweg zugeschriebenen Streubesitztümer Brixenstein etc., die ganz und gar als zwecks Erhöhung des Von Wimpffen-Geschlechtes geschehene Vorspiegelung nicht vorhanden gewesener althergebrachter Besitzreichtümer und Herrschaftsrechte zu betrachten ist. Die beiden angeheirateten Löffelholtz-Frauen waren Schwestern. Die Familie der LÖFFELHOLTZ zählte zu den Vordersten Geschlechtern (Patriziern) Nürnbergs. Die Löffelhol(t)z (von Kolberg auf Steinach) hatten in und um Nürnberg große Besitzungen mit Herrensitzen, Schlössern u. v. a. m. (Ersterwähnung 1420, im Engeren Rat ab 1418; 1512 Namenszusatz als Adelstitel anerkannt). Thomas Löffelholtz (1472 – 1527) war ein erfolgreicher nürnbergischer Feld-hauptmann im Bayrisch-pfälzischen Erbfolgekrieg (1504/05) gewesen und dafür mit dem Schloss Kolberg bei Altötting belohnt worden, wonach sich die Familie in Erweiterung ihres Namens seither genannt hatte. Der Brautvater ERNST LÖFFELHOLTZ ist im Zusammenhang mit der Eheschließing mit „Rat allhier und in der Vorstadt Basteihof bestellter Unterpfleger“ tituliert. Laut Waldau und sich deckend mit Sporhan-Krempel war Johann Dietrich zuerst in kaiserlichen, dann in spanischen Diensten (es herrschte ja der 30-jährige Krieg) als Lieutenant zu Ross, dann in Nürnbergischen Diensten als solcher zu Fuß. In der Sternbeurkunde seiner Tochter Anna Catharina, des Jahres 1686 ist er als „Lieutenant seelig“ bezeichnet, wodurch belegt erscheint, dass die Bezeichung „kaiserlicher Feldoberster“ von Wurzbach in seiner I. Stammtafel dessen erreichten militärischen Grad mächtig überhöht. Laut einem Nürnberger Urkunden-Kommentar erscheint er 1658 bei seiner ersten Heirat als „der Römischen Kaiserlichen Majestät undt Hochfürstlichen Durchlaucht Zu Florentz unter der Leibgarde gewester Lieutenant zu roß“, 1659 dagegen als „Major des Landesausschusses zu Nürnberg“, was den Kommentator veranlasst, die Frage zu stellen, wie es zu verstehen sei, dass dieser vom Major zum Leutnant wird. Doch dürfte mit „Major“ nicht ein militärischer Dienstgrad, sondern die lateinische Bezeichnung im Sinne von „Höchster“ oder „Leiter“ gemeint sein. Nach Waldau wurde er 1659 Genannter des Größeren Rat, und er soll sich meistens auf seinem Gut zu Happurg (gelegen in der Hersbrucker Schweiz in Mittelfranken) aufgehalten haben. Dazu passend, ist er 1663, d. h. in der Zeit seiner zweiten Heirat mit Katharina Barbara Löffenholtz, in den Akten des Happurg nahe gelegenen Hammerwerkes Rothenbruck bei Markt Neuhaus an der Pegnitz als Hammerbesitzer und Hammermeister überliefert, wo die Löffelholtz und andere Nürnberger Patrizier 1659 mit ihrer Finanzkraft den kriegszerstörten Hammer wieder aufgebaut hatten. In dessen Besitz sowie auch wohl in dem des dazugehörigen Schlosses und Herrenhauses war dieser Hammer im vorgenannten Jahr durch einen Prozess mit der Nürnbergerr Patrizier-Gesellschaft der Löffelholtz-Tetzel-Kress gekommen, deren Teilhaber aus dem erst- und letztgenannten Geschlecht mit Johann Dietrich verschwägert waren. Demgegenüber soll dieser laut Aubert Des Bois, Cellarius-Goldtbeeg und Wurzbach die Stadt Nürnberg (schon!) im Jahr 1650 verlassen haben, was jedoch von der frühen Datierung her nicht stimmen kann. Er habe sich, so Aubert Des Bois, in Durlach niedergelassen, wo er Großkämmerer der Markgräfin von Baden-Durlach, geb. Prinzessin von Sachsen-Eisenach, wie der Nachweis seines Todes belege, geworden sei. Dorthin weist diesen auch Gene-Allnet, wo bei sonstiger Übereinstimmung mit Wurzbach als Ort und Datum des Todes „Durlach, 17. 11. 1679“ genannt ist. Wurzbach und Cellarius-Goldtbeeg sprechen jedoch von dessen Niederlassung zunächst in der Pfalz, aber denn doch ebenfalls davon, dass Johann Dietrich Kämmerer und Obersthofmeister der Markgräfin von Baden-Durlach geworden sei, wofür in der Tat neben der Angabe des Todesortes Durlach durch Geneall.net auch der Umstand spricht, dass 1885 und 1891 sich auch sein Neffe Hans Christoph wahrscheinlich als Mitglied des dortigen Hofes dort aufhielt. Was den schon in der Nebenspalte ausführlichst auf der Grundlage der Genealogien etc. berichteten angeblichen Verkauf des Johann Dietrich und seines Sohnes Johann Paul der sog. Rohooburg bzw. Rohosbourg an den Bruder bzw. Onkel Johann Friedrich betrifft, so soll es bei dem, was dort schon im Blick auf den Vorgenannten gesagt worden ist, bewendet bleiben.Blatt 2:
GENEALOGISCHE ÜBERSICHT I: Das Nürnberger Brüderpaar JOHANN FRIEDRICH und JOHANN DIETRICH VON WIMPFFEN, GENANNT HERMANN, (Generation IX bzw. 8) Zusammenschau nach F. W. Spör (ca. 1750/60) sowie G. E. Waldau (1787) und Sporhan-Krempel (1984) - dazu korrigierend-vergleichend mit Aubert Des Bois (1770/78), Cellarius-Goldtbeeg (1853) und von Wurzbach (1888) - Siehe im Stammbaum Stör bei Nr. 8a, in der I. Stammtafel von Wurzbach bei Generation IX links der Mitte Siehe im Stammbaum Stör bei Nr. 8j, in der I. Stammtafel von Wurzbach bei Generation IX rechts der Mitte JOHANN (HANS) FRIEDRICH VON WIMPFFEN, GENANNT HERMAN(N) JOHANN (HANS) DIETRICH VON WIMPFFEN, GENANNT HERMAN(N) Geboren laut Sporhan-Krempel 1615 und getauft am 12. September 1615, jedoch laut Aubert Des Bois, Cellarius-Goldtbeeg und Wurzbach falscherweise schon 1581, womit dieser der vorhergehenden Generation zugewiesen ist. Laut den beiden Letzgenannten soll dessen Geburtsort (unrichtigerweise) Hirschbach (in der Oberpfalz, wichtiger Ort eines sog. Hammerwerkes zur Bearbeitung insbes. des aus Böhmen eingeführten Kupfers gewesen sein, den dieser allerdings, um das vorwegzunehmen,1664/66 erworben hat. Geboren laut Sporhan-Krempel 1616 und so um ein Jahr jünger als der Bruder Johann Friedrich, jedoch lt. Cellarius-Goldtbeeg u. Wurzbach falscherweise bereits 1583, was diesen genau wie den Bruder um eine ganze Generation älter sein lässt. Über den Geburtsort findet sich nichts vermerkt. Gestorben nachweislich in Gefängnishaft in Nürnberg in der Nacht des 13. Dezember 1668, laut Cellarius-Goldtbeeg und Wurzbach am 13. November 1668 (angegebener Monat demnach falsch) Todesdatum und -ort nirgendwo, aufgeführt, außer bei Geneall.net, wo (durchaus passend) angegeben ist: Durlach, 17. 11. 1679 Heiraten: 03. 11. 1645: 1) SUSANNA CATH. FÜRLEGERIN 04. 06. 1660: 2) SUSANNA KREßIN (KRESSIN) oder laut Wurzbach und Cellarius-Goldtbeeg SUSANNA KREß VON KRESSENSTEIN; laut Letztgenanntem geboren am 16. August 1622, gestorben am 5. Juli 1682 Heiraten: 1658: 1) MARIA MAGDALENA LÖFFELHÖLTZIN nach deren Tod 1663: 2) KATHARINA BARTHOLO- MEA LÖFFELHÖLTZIN lt. Aubert Des Bois allein mit MARIE DE ROSENBACH, lt. Cellarius-Goldtbeeg und Wurz- bach wohl falscherweise noch mit 3) MARIA SABINA bzw. SABINA VON CREMONI 4) ANNA VON ROSENBACH Die angeheiratete Familie der FÜRLEGER gehörte zwar „nur“ seit 1495 dem Zweiten Stand der Nürnberger Ehrbarkeit an, besaß aber eine Handelsniederlassung z. B. in Verona und bekam 1625 sogar den Adelstitel zuerkannt. Ihr großer Reichtum zeigt sich z. B. darin, dass von SUSANNA KATHARINA FÜRLEGER gesagt wurde, sie habe um die 60 bis 70.000 Gulden mit in die Ehe gebracht. Die Familie der Kreß dagegen, aus der die nach deren Tod geheiratete SUSANNA KRESSIN stammte, gehörte dem Vordersten Stand der Patrizier an. Die Kreß waren mit dem äußerst erfolgreichen Kaufmann Fritz Kreß zwar erst ab dem Jahr 1370 in Nürnberg belegt, doch 1418 erstmalig ratsfähig geworden. Im 16. Jahrhundert hatten sie sich vom Kaufmannsberuf ab- und bewusst zum Staatsdienst als Diplomaten und Kriegsleute hingewandt und 1531 vom Kaiser das Adelsprivileg mit der Benennung „Kreß von Kressenstein“ erlangt. Laut Sporhan-Krempel und Waldau war Susanna Kressin viermal verheiratet: in 1. Ehe mit HANS CHRISTOPH SCHLÜSSELFELDER, nach dessen Tod in 2. Ehe 1655 mit GABRIEL HARSDÖRFFER, Assessor am Nürnberger Stadtgericht, nach dessen Tod sowie dem ihres 3. Gatten JOHANN FRIEDRICH VON WIMPFFEN GENANNT HERMANN, in 4. Ehe mit Friedrich WALTER SCHLAHER VON DER NIMKAU, der Pfalz-Sulzbachischer Hof- und Stallmeister war.- Dass im Stammbaum Stör Johann Friedrich zusammen mit seinen beiden Frauen am Stamm und sein Bruder Johann Dietrich links seitab gesetzt ist, dürfte darauf zurückgehen, dass er der, wenn auch nur um ein Jahr, Ältere der beiden gewesen ist. Laut Waldau und übereinstimmend mit Sporhan-Krempel wurde Johann Friedrich 1645 (damals 30-jährig und gerade verehelicht) Gegenschreiber und 1646 Genannter im Größeren Rat, 1654 (knapp 40-jährig) Kassier im städtischen Leihhaus (Pfandhaus), 1655 Losungsamtmann in der Losungsstube der sog. Losunger (des Kleineren Rates). Letztere waren die Steuererheber und Verwalter der städtischen Finanzen, denen die Stadtkasse und die Verwahrung der Siegel und Freiheitsbriefe anvertraut war. Johann Friedrich war diesen als Schreiber und Rechner zugeteilt und damit in ein bedeutendes Nürnberger Stadtamt eingerückt. Als Losungsamtmann war es ihm verboten, Handel und Gewerbe zu betreiben. Bei Aubert Des Bois ist dieser als zweiter Sohn des angeblichen JEAN-JACQUES namens „JEAN-FRÉDÉRIC, né en 1581“ aufgeführt. Sonst verliert er über diesen kaum noch ein Wort, ganz im Gegensatz über dessen jüngerem Bruder Johann Dietrich, obgleich wegen Johann Friedrichs in Nürnberg erreichtem hohen Amt und seinem außergewöhnlich großen Güterbesitz, nicht zuletzt wegen seinem tiefen Fall und unglückseligen Ende (siehe die dieser Übersicht angeschlossene umfängliche Schilderung seines weiteren Werdens und Todes) sogar eine ausführliche Lebensschilderung erwartet werden müsste. Wurzbach dagegen führt zwar dessen zivile Tätigkeit als Losungsamtmann auf, behauptet aber fälschlicherweise, Johann Friedrich sei zuletzt kaiserlicher Feldoberster gewesen und gibt in seiner I. Stammtafel diesen imponierenden Titel auch dessen Namen bei. Dadurch entsteht von diesem ein völlig falsches Bild, indem dieser dort somit als Militär apostrophiert ist. Dies geschieht wohl bewusst in Angleichung an den daneben höchst übertreibend als kaiserlichen Feldobersten deklarierten Bruder Johann Dietrich (mehr dazu in der diesem geltenden rechten Spalte). Wurzbach trifft auch die Feststellung, Johann Friedrich habe von seinem Neffen Johann Paul (dieser an späterer Stelle Beschriebene erscheint in dessen I. Stammtafel jedoch als dessen Sohn, im Stammbaum Stör unter 9c richtigerweise als Sohn des Johann Dietrich) die sog. Rohooburg in der Ortenau gekauft. Aubert Des Bois, der diesen Johann Paul in Angleichung an die vorausgegangenen angeblichen Stammträger Jean I. der Generation IV, Jean II. der Generation V und Jean III. der Generation VI mit Jean IV. benennt, sieht und beschreibt den Vorgang dieses Verkaufs und Kaufs, ausgehend von Johann Friedrichs Bruder Johann Dietrich, vom Blickwinkel wie von der Sache her, komplexer: „Jean Dietrich, son pere, & son ayeul ayant dissipé tous les grands biens qu’ils possédoient, il ne resta à Jean IV qu’ une partie de la Seigneurie de Rohosbourg dans le Canton d’ Ortenau, q’il céda ensuite à son oncle Jean Frédéric pour prix & somme de 50 mille florins.“ Übersetzt: „Johann Dietrich, sein Vater (mit „sein“ gemeint dessen von ihm Jean IV. genannter Sohn der Generation VIII), nachdem er und sein Ahn (logischerweise gemeint der Stammträger der Vorvorgeneration VII namens Friedrich, bzw. nach Andern Sebastian) den großen Güterbesitz (damit ist nicht allein die sog. Herrschaft Rohosbourg, sondern sind auch die immer wieder aufgeführten Herrrschaften Brixenstein, Zabietstein und Ebershausen gemeint) vergeudet hatten und Jean IV. nur ein Rest der Herrschaft Rohosbourg im Kanton Ortenau geblieben war, den er alsdann an seinen Onkel Hans Friederich für eine Preissumme von 50.000 Gulden verkaufte. Dieses Besitztum „Rohosbourg“ ist von Aubert des Bois durch die Bezeichnung „Herrschaft Rohosbourg“ eher als ein von einer Burg überragter Herrschaftsort denn als ein bloßer Burgsitz deklariert. Diese von Cellarius-Goldtbeeg sowie von Wurzbach „Rohooburg“ geschriebene angebliche Burg oder/und Herrschaft wurde von mir lange Zeit in der von allen den vorgenannten Autoren angegebenen Ortenau trotz vielerlei Bemühens vergeblich gesucht. Zu finden war im oberrheinischern Umraum zunächst nur eine ehemalige „Rohrburg“; aber dieses nach 1700 unbewohnte und um 1770 endgültig verschwundene Wasserschloss war einstens nicht in der Ortenau, sondern ca. 30 km nordostwärtig deren Randes am Federbach nahe den Rheinauen bei dem zwischen Karlsuhe und Rastatt gelegenen und den Markgrafen von Baden gehörenden Ort Durmersheim gelegen. Dazuhin stellte es sich heraus, dass dieses sich seit Anbeginn unbezweifelbar ununterbrochen im Besitz der Markgrafen von Baden befunden hat und von diesen nachweislich von 1481 bis 1574 sowie von 1657 – 1687 an nicht weniger als 13 + 2 = 15 namensmäßig bekannte Adels- bzw. bürgerliche Familien zu Lehen gegeben worden ist, worunter keine Von Wimpffen zu finden sind, und dazwischen von 1577 – 1631 als Dienstsitz von nacheinander 5 badischen Forstbeamten meist adliger Abstammung gedient hat. Diese ehemalige Rohrburg kann also mit den Von Wimpffen keinerlei Berührung gehabt haben, ganz abgesehen davon, dass diese ja gar nicht in den von den Autoren übereinstimmend angegebenen Ortenau lag und eben „Rohrburg“ und nicht „Rohosbourg“ bzw. „Rohooburg“ geheißen hat. Ich hatte eine Weitersuche längst aufgegeben, als ich jüngstens denn doch im Bereich der Ortenau auf eine heiß erscheinende Spur dadurch stieß, dass ich von Dr. Hans H. von Wimpffen einen Pack Urkunden- und Briefkopien erhielt, in dem eine im Stadtarchin Nürnberg unter S I Lade 149 Nr. 6 aufbewahrte rudimentäre, d. h. nur aus deren erster Seite, bestehende und damit unsignierte und undatierte Kopie einer Urkunde stieß, die den folgenden Titel trägt: „Extract aus Herrn E. S. Kerstens von Kerstenstein gesammleten Notaminibus die von Wimpfische Familie betrfd:“. Deren Vorspann lautet folgendermaßen: „Dießes vornehme Geschlecht ist der Reichsfreyen Ritterschaft incorporiret und besitzt in dem Ortenauer Bezirk Rohrburg.“ So wie es da steht, ohne das „die“ vor dem Namen Rohrburg, haben die Von Wimpffen einstens einen in der Ortenau gelegenen Ort des Namens Rohrburg besessen. Die Suche im Internet erbrachte das folgende aus der Zerstreuung Zusammengeholte: In der neugebildeten Gemeinde Neuried unweit vom Oberrhein im heutigen Ortenaukreis gibt es ein Dorf Altenheim und bei diesem das Gehöft „Rohrburg“, wohin eine Straße namens „Rohrburger Mühle“ führt. In der Nähe der dort 1983 noch in Arbeit gestandenen Mühle soll es in alten Zeiten tatsächlich eine Wasserburg gegeben haben, die „Rohrburg“ hieß und bei der drei Freihöfe und etliche Gehöfte standen. Bis 1337 hieß der Name des Platzes „Wilre“ = Weiler, 1357 und 1373 Rorburg, 1432 Roreburg, 1435 Hof genant Rorburg. Johann Jacob Moser berichtet in „Vermischte Nachrichten von Reichs-Ritterschaftlichen Sachen, Band 9“ (Nürnberg 1772) von der „Rohrburg“, einem im Besitz des Freiherrlichen Hauses Baden gestandenen Schlösslein in der Ortenau, dessen Kollectation (Zinserhebung) 1722 durch Vergleich der Reichsritterschaft zugesichert worden sei. Was im Gang der Beschreibung der einzenen Generationen immer wieder herausgestellt worden ist, nämlich dass der von Aubert des Bois und seinen Adepten konstatierte Besitz der vorgenannten Reihe Herrschaften Brixenstein etc. durch die Hermann-Von Wimpffen durch alle diese Generationen von I bis nunmehr IX/X nicht nur als unglaubwürdig, sondern als schlichtweg erfunden zu betrachten ist, das dürfte auch für den mindestens die Generationen VI, VII und VIII berührenden angeblichen Besitz der Herrschaft und/oder Wasserburg namens Rohosbourg/Rohooburg gelten. Denn aus der weiter unten sich anfügenden detaillierten Lebensbeschreibung des Johann Friedrich wird hervorgehen, dass dieser sich, was seinen erworbenen großen Grund- und Güterbesitz betrifft, im mainfränkischen Raum betätigt hat, so dass der Erwerb eines solchen aus der Hand seines Bruders und Neffen im oberrheinischen Raum ganz unwahrscheinlich ist. Und wie noch im Kapitel Y zu erhärten ist, liegen die als Quelle der behaupteten Besitzerschaft von Rohrburg angegebenen „Gesammelten Notaminibus die von Wimpfische Familie betr.“ des E. S. Kersten von Kerstenstein ganz auf der Linie der von Aubert des Bois und Adepten alle bislang beschriebenen Generationen hinweg zugeschriebenen Streubesitztümer Brixenstein etc., die ganz und gar als zwecks Erhöhung des Von Wimpffen-Geschlechtes geschehene Vorspiegelung nicht vorhanden gewesener althergebrachter Besitzreichtümer und Herrschaftsrechte zu betrachten ist. Die beiden angeheirateten Löffelholtz-Frauen waren Schwestern. Die Familie der LÖFFELHOLTZ zählte zu den Vordersten Geschlechtern (Patriziern) Nürnbergs. Die Löffelhol(t)z (von Kolberg auf Steinach) hatten in und um Nürnberg große Besitzungen mit Herrensitzen, Schlössern u. v. a. m. (Ersterwähnung 1420, im Engeren Rat ab 1418; 1512 Namenszusatz als Adelstitel anerkannt). Thomas Löffelholtz (1472 – 1527) war ein erfolgreicher nürnbergischer Feld-hauptmann im Bayrisch-pfälzischen Erbfolgekrieg (1504/05) gewesen und dafür mit dem Schloss Kolberg bei Altötting belohnt worden, wonach sich die Familie in Erweiterung ihres Namens seither genannt hatte. Der Brautvater ERNST LÖFFELHOLTZ ist im Zusammenhang mit der Eheschließing mit „Rat allhier und in der Vorstadt Basteihof bestellter Unterpfleger“ tituliert. Laut Waldau und sich deckend mit Sporhan-Krempel war Johann Dietrich zuerst in kaiserlichen, dann in spanischen Diensten (es herrschte ja der 30-jährige Krieg) als Lieutenant zu Ross, dann in Nürnbergischen Diensten als solcher zu Fuß. In der Sternbeurkunde seiner Tochter Anna Catharina, des Jahres 1686 ist er als „Lieutenant seelig“ bezeichnet, wodurch belegt erscheint, dass die Bezeichung „kaiserlicher Feldoberster“ von Wurzbach in seiner I. Stammtafel dessen erreichten militärischen Grad mächtig überhöht. Laut einem Nürnberger Urkunden-Kommentar erscheint er 1658 bei seiner ersten Heirat als „der Römischen Kaiserlichen Majestät undt Hochfürstlichen Durchlaucht Zu Florentz unter der Leibgarde gewester Lieutenant zu roß“, 1659 dagegen als „Major des Landesausschusses zu Nürnberg“, was den Kommentator veranlasst, die Frage zu stellen, wie es zu verstehen sei, dass dieser vom Major zum Leutnant wird. Doch dürfte mit „Major“ nicht ein militärischer Dienstgrad, sondern die lateinische Bezeichnung im Sinne von „Höchster“ oder „Leiter“ gemeint sein. Nach Waldau wurde er 1659 Genannter des Größeren Rat, und er soll sich meistens auf seinem Gut zu Happurg (gelegen in der Hersbrucker Schweiz in Mittelfranken) aufgehalten haben. Dazu passend, ist er 1663, d. h. in der Zeit seiner zweiten Heirat mit Katharina Barbara Löffenholtz, in den Akten des Happurg nahe gelegenen Hammerwerkes Rothenbruck bei Markt Neuhaus an der Pegnitz als Hammerbesitzer und Hammermeister überliefert, wo die Löffelholtz und andere Nürnberger Patrizier 1659 mit ihrer Finanzkraft den kriegszerstörten Hammer wieder aufgebaut hatten. In dessen Besitz sowie auch wohl in dem des dazugehörigen Schlosses und Herrenhauses war dieser Hammer im vorgenannten Jahr durch einen Prozess mit der Nürnbergerr Patrizier-Gesellschaft der Löffelholtz-Tetzel-Kress gekommen, deren Teilhaber aus dem erst- und letztgenannten Geschlecht mit Johann Dietrich verschwägert waren. Demgegenüber soll dieser laut Aubert Des Bois, Cellarius-Goldtbeeg und Wurzbach die Stadt Nürnberg (schon!) im Jahr 1650 verlassen haben, was jedoch von der frühen Datierung her nicht stimmen kann. Er habe sich, so Aubert Des Bois, in Durlach niedergelassen, wo er Großkämmerer der Markgräfin von Baden-Durlach, geb. Prinzessin von Sachsen-Eisenach, wie der Nachweis seines Todes belege, geworden sei. Dorthin weist diesen auch Gene-Allnet, wo bei sonstiger Übereinstimmung mit Wurzbach als Ort und Datum des Todes „Durlach, 17. 11. 1679“ genannt ist. Wurzbach und Cellarius-Goldtbeeg sprechen jedoch von dessen Niederlassung zunächst in der Pfalz, aber denn doch ebenfalls davon, dass Johann Dietrich Kämmerer und Obersthofmeister der Markgräfin von Baden-Durlach geworden sei, wofür in der Tat neben der Angabe des Todesortes Durlach durch Geneall.net auch der Umstand spricht, dass 1885 und 1891 sich auch sein Neffe Hans Christoph wahrscheinlich als Mitglied des dortigen Hofes dort aufhielt. Was den schon in der Nebenspalte ausführlichst auf der Grundlage der Genealogien etc. berichteten angeblichen Verkauf des Johann Dietrich und seines Sohnes Johann Paul der sog. Rohooburg bzw. Rohosbourg an den Bruder bzw. Onkel Johann Friedrich betrifft, so soll es bei dem, was dort schon im Blick auf den Vorgenannten gesagt worden ist, bewendet bleiben.Blatt 3:GENEALOGISCHE ÜBERSICHT I: Das Nürnberger Brüderpaar JOHANN FRIEDRICH und JOHANN DIETRICH VON WIMPFFEN, GENANNT HERMANN, (Generation IX bzw. 8) Zusammenschau nach F. W. Spör (ca. 1750/60) sowie G. E. Waldau (1787) und Sporhan-Krempel (1984) - dazu korrigierend-vergleichend mit Aubert Des Bois (1770/78), Cellarius-Goldtbeeg (1853) und von Wurzbach (1888) - Siehe im Stammbaum Stör bei Nr. 8a, in der I. Stammtafel von Wurzbach bei Generation IX links der Mitte Siehe im Stammbaum Stör bei Nr. 8j, in der I. Stammtafel von Wurzbach bei Generation IX rechts der Mitte JOHANN (HANS) FRIEDRICH VON WIMPFFEN, GENANNT HERMAN(N) JOHANN (HANS) DIETRICH VON WIMPFFEN, GENANNT HERMAN(N) Geboren laut Sporhan-Krempel 1615 und getauft am 12. September 1615, jedoch laut Aubert Des Bois, Cellarius-Goldtbeeg und Wurzbach falscherweise schon 1581, womit dieser der vorhergehenden Generation zugewiesen ist. Laut den beiden Letzgenannten soll dessen Geburtsort (unrichtigerweise) Hirschbach (in der Oberpfalz, wichtiger Ort eines sog. Hammerwerkes zur Bearbeitung insbes. des aus Böhmen eingeführten Kupfers gewesen sein, den dieser allerdings, um das vorwegzunehmen,1664/66 erworben hat. Geboren laut Sporhan-Krempel 1616 und so um ein Jahr jünger als der Bruder Johann Friedrich, jedoch lt. Cellarius-Goldtbeeg u. Wurzbach falscherweise bereits 1583, was diesen genau wie den Bruder um eine ganze Generation älter sein lässt. Über den Geburtsort findet sich nichts vermerkt. Gestorben nachweislich in Gefängnishaft in Nürnberg in der Nacht des 13. Dezember 1668, laut Cellarius-Goldtbeeg und Wurzbach am 13. November 1668 (angegebener Monat demnach falsch) Todesdatum und -ort nirgendwo, aufgeführt, außer bei Geneall.net, wo (durchaus passend) angegeben ist: Durlach, 17. 11. 1679 Heiraten: 03. 11. 1645: 1) SUSANNA CATH. FÜRLEGERIN 04. 06. 1660: 2) SUSANNA KREßIN (KRESSIN) oder laut Wurzbach und Cellarius-Goldtbeeg SUSANNA KREß VON KRESSENSTEIN; laut Letztgenanntem geboren am 16. August 1622, gestorben am 5. Juli 1682 Heiraten: 1658: 1) MARIA MAGDALENA LÖFFELHÖLTZIN nach deren Tod 1663: 2) KATHARINA BARTHOLO- MEA LÖFFELHÖLTZIN lt. Aubert Des Bois allein mit MARIE DE ROSENBACH, lt. Cellarius-Goldtbeeg und Wurz- bach wohl falscherweise noch mit 3) MARIA SABINA bzw. SABINA VON CREMONI 4) ANNA VON ROSENBACH Die angeheiratete Familie der FÜRLEGER gehörte zwar „nur“ seit 1495 dem Zweiten Stand der Nürnberger Ehrbarkeit an, besaß aber eine Handelsniederlassung z. B. in Verona und bekam 1625 sogar den Adelstitel zuerkannt. Ihr großer Reichtum zeigt sich z. B. darin, dass von SUSANNA KATHARINA FÜRLEGER gesagt wurde, sie habe um die 60 bis 70.000 Gulden mit in die Ehe gebracht. Die Familie der Kreß dagegen, aus der die nach deren Tod geheiratete SUSANNA KRESSIN stammte, gehörte dem Vordersten Stand der Patrizier an. Die Kreß waren mit dem äußerst erfolgreichen Kaufmann Fritz Kreß zwar erst ab dem Jahr 1370 in Nürnberg belegt, doch 1418 erstmalig ratsfähig geworden. Im 16. Jahrhundert hatten sie sich vom Kaufmannsberuf ab- und bewusst zum Staatsdienst als Diplomaten und Kriegsleute hingewandt und 1531 vom Kaiser das Adelsprivileg mit der Benennung „Kreß von Kressenstein“ erlangt. Laut Sporhan-Krempel und Waldau war Susanna Kressin viermal verheiratet: in 1. Ehe mit HANS CHRISTOPH SCHLÜSSELFELDER, nach dessen Tod in 2. Ehe 1655 mit GABRIEL HARSDÖRFFER, Assessor am Nürnberger Stadtgericht, nach dessen Tod sowie dem ihres 3. Gatten JOHANN FRIEDRICH VON WIMPFFEN GENANNT HERMANN, in 4. Ehe mit Friedrich WALTER SCHLAHER VON DER NIMKAU, der Pfalz-Sulzbachischer Hof- und Stallmeister war.- Dass im Stammbaum Stör Johann Friedrich zusammen mit seinen beiden Frauen am Stamm und sein Bruder Johann Dietrich links seitab gesetzt ist, dürfte darauf zurückgehen, dass er der, wenn auch nur um ein Jahr, Ältere der beiden gewesen ist. Laut Waldau und übereinstimmend mit Sporhan-Krempel wurde Johann Friedrich 1645 (damals 30-jährig und gerade verehelicht) Gegenschreiber und 1646 Genannter im Größeren Rat, 1654 (knapp 40-jährig) Kassier im städtischen Leihhaus (Pfandhaus), 1655 Losungsamtmann in der Losungsstube der sog. Losunger (des Kleineren Rates). Letztere waren die Steuererheber und Verwalter der städtischen Finanzen, denen die Stadtkasse und die Verwahrung der Siegel und Freiheitsbriefe anvertraut war. Johann Friedrich war diesen als Schreiber und Rechner zugeteilt und damit in ein bedeutendes Nürnberger Stadtamt eingerückt. Als Losungsamtmann war es ihm verboten, Handel und Gewerbe zu betreiben. Bei Aubert Des Bois ist dieser als zweiter Sohn des angeblichen JEAN-JACQUES namens „JEAN-FRÉDÉRIC, né en 1581“ aufgeführt. Sonst verliert er über diesen kaum noch ein Wort, ganz im Gegensatz über dessen jüngerem Bruder Johann Dietrich, obgleich wegen Johann Friedrichs in Nürnberg erreichtem hohen Amt und seinem außergewöhnlich großen Güterbesitz, nicht zuletzt wegen seinem tiefen Fall und unglückseligen Ende (siehe die dieser Übersicht angeschlossene umfängliche Schilderung seines weiteren Werdens und Todes) sogar eine ausführliche Lebensschilderung erwartet werden müsste. Wurzbach dagegen führt zwar dessen zivile Tätigkeit als Losungsamtmann auf, behauptet aber fälschlicherweise, Johann Friedrich sei zuletzt kaiserlicher Feldoberster gewesen und gibt in seiner I. Stammtafel diesen imponierenden Titel auch dessen Namen bei. Dadurch entsteht von diesem ein völlig falsches Bild, indem dieser dort somit als Militär apostrophiert ist. Dies geschieht wohl bewusst in Angleichung an den daneben höchst übertreibend als kaiserlichen Feldobersten deklarierten Bruder Johann Dietrich (mehr dazu in der diesem geltenden rechten Spalte). Wurzbach trifft auch die Feststellung, Johann Friedrich habe von seinem Neffen Johann Paul (dieser an späterer Stelle Beschriebene erscheint in dessen I. Stammtafel jedoch als dessen Sohn, im Stammbaum Stör unter 9c richtigerweise als Sohn des Johann Dietrich) die sog. Rohooburg in der Ortenau gekauft. Aubert Des Bois, der diesen Johann Paul in Angleichung an die vorausgegangenen angeblichen Stammträger Jean I. der Generation IV, Jean II. der Generation V und Jean III. der Generation VI mit Jean IV. benennt, sieht und beschreibt den Vorgang dieses Verkaufs und Kaufs, ausgehend von Johann Friedrichs Bruder Johann Dietrich, vom Blickwinkel wie von der Sache her, komplexer: „Jean Dietrich, son pere, & son ayeul ayant dissipé tous les grands biens qu’ils possédoient, il ne resta à Jean IV qu’ une partie de la Seigneurie de Rohosbourg dans le Canton d’ Ortenau, q’il céda ensuite à son oncle Jean Frédéric pour prix & somme de 50 mille florins.“ Übersetzt: „Johann Dietrich, sein Vater (mit „sein“ gemeint dessen von ihm Jean IV. genannter Sohn der Generation VIII), nachdem er und sein Ahn (logischerweise gemeint der Stammträger der Vorvorgeneration VII namens Friedrich, bzw. nach Andern Sebastian) den großen Güterbesitz (damit ist nicht allein die sog. Herrschaft Rohosbourg, sondern sind auch die immer wieder aufgeführten Herrrschaften Brixenstein, Zabietstein und Ebershausen gemeint) vergeudet hatten und Jean IV. nur ein Rest der Herrschaft Rohosbourg im Kanton Ortenau geblieben war, den er alsdann an seinen Onkel Hans Friederich für eine Preissumme von 50.000 Gulden verkaufte. Dieses Besitztum „Rohosbourg“ ist von Aubert des Bois durch die Bezeichnung „Herrschaft Rohosbourg“ eher als ein von einer Burg überragter Herrschaftsort denn als ein bloßer Burgsitz deklariert. Diese von Cellarius-Goldtbeeg sowie von Wurzbach „Rohooburg“ geschriebene angebliche Burg oder/und Herrschaft wurde von mir lange Zeit in der von allen den vorgenannten Autoren angegebenen Ortenau trotz vielerlei Bemühens vergeblich gesucht. Zu finden war im oberrheinischern Umraum zunächst nur eine ehemalige „Rohrburg“; aber dieses nach 1700 unbewohnte und um 1770 endgültig verschwundene Wasserschloss war einstens nicht in der Ortenau, sondern ca. 30 km nordostwärtig deren Randes am Federbach nahe den Rheinauen bei dem zwischen Karlsuhe und Rastatt gelegenen und den Markgrafen von Baden gehörenden Ort Durmersheim gelegen. Dazuhin stellte es sich heraus, dass dieses sich seit Anbeginn unbezweifelbar ununterbrochen im Besitz der Markgrafen von Baden befunden hat und von diesen nachweislich von 1481 bis 1574 sowie von 1657 – 1687 an nicht weniger als 13 + 2 = 15 namensmäßig bekannte Adels- bzw. bürgerliche Familien zu Lehen gegeben worden ist, worunter keine Von Wimpffen zu finden sind, und dazwischen von 1577 – 1631 als Dienstsitz von nacheinander 5 badischen Forstbeamten meist adliger Abstammung gedient hat. Diese ehemalige Rohrburg kann also mit den Von Wimpffen keinerlei Berührung gehabt haben, ganz abgesehen davon, dass diese ja gar nicht in den von den Autoren übereinstimmend angegebenen Ortenau lag und eben „Rohrburg“ und nicht „Rohosbourg“ bzw. „Rohooburg“ geheißen hat. Ich hatte eine Weitersuche längst aufgegeben, als ich jüngstens denn doch im Bereich der Ortenau auf eine heiß erscheinende Spur dadurch stieß, dass ich von Dr. Hans H. von Wimpffen einen Pack Urkunden- und Briefkopien erhielt, in dem eine im Stadtarchin Nürnberg unter S I Lade 149 Nr. 6 aufbewahrte rudimentäre, d. h. nur aus deren erster Seite, bestehende und damit unsignierte und undatierte Kopie einer Urkunde stieß, die den folgenden Titel trägt: „Extract aus Herrn E. S. Kerstens von Kerstenstein gesammleten Notaminibus die von Wimpfische Familie betrfd:“. Deren Vorspann lautet folgendermaßen: „Dießes vornehme Geschlecht ist der Reichsfreyen Ritterschaft incorporiret und besitzt in dem Ortenauer Bezirk Rohrburg.“ So wie es da steht, ohne das „die“ vor dem Namen Rohrburg, haben die Von Wimpffen einstens einen in der Ortenau gelegenen Ort des Namens Rohrburg besessen. Die Suche im Internet erbrachte das folgende aus der Zerstreuung Zusammengeholte: In der neugebildeten Gemeinde Neuried unweit vom Oberrhein im heutigen Ortenaukreis gibt es ein Dorf Altenheim und bei diesem das Gehöft „Rohrburg“, wohin eine Straße namens „Rohrburger Mühle“ führt. In der Nähe der dort 1983 noch in Arbeit gestandenen Mühle soll es in alten Zeiten tatsächlich eine Wasserburg gegeben haben, die „Rohrburg“ hieß und bei der drei Freihöfe und etliche Gehöfte standen. Bis 1337 hieß der Name des Platzes „Wilre“ = Weiler, 1357 und 1373 Rorburg, 1432 Roreburg, 1435 Hof genant Rorburg. Johann Jacob Moser berichtet in „Vermischte Nachrichten von Reichs-Ritterschaftlichen Sachen, Band 9“ (Nürnberg 1772) von der „Rohrburg“, einem im Besitz des Freiherrlichen Hauses Baden gestandenen Schlösslein in der Ortenau, dessen Kollectation (Zinserhebung) 1722 durch Vergleich der Reichsritterschaft zugesichert worden sei. Was im Gang der Beschreibung der einzenen Generationen immer wieder herausgestellt worden ist, nämlich dass der von Aubert des Bois und seinen Adepten konstatierte Besitz der vorgenannten Reihe Herrschaften Brixenstein etc. durch die Hermann-Von Wimpffen durch alle diese Generationen von I bis nunmehr IX/X nicht nur als unglaubwürdig, sondern als schlichtweg erfunden zu betrachten ist, das dürfte auch für den mindestens die Generationen VI, VII und VIII berührenden angeblichen Besitz der Herrschaft und/oder Wasserburg namens Rohosbourg/Rohooburg gelten. Denn aus der weiter unten sich anfügenden detaillierten Lebensbeschreibung des Johann Friedrich wird hervorgehen, dass dieser sich, was seinen erworbenen großen Grund- und Güterbesitz betrifft, im mainfränkischen Raum betätigt hat, so dass der Erwerb eines solchen aus der Hand seines Bruders und Neffen im oberrheinischen Raum ganz unwahrscheinlich ist. Und wie noch im Kapitel Y zu erhärten ist, liegen die als Quelle der behaupteten Besitzerschaft von Rohrburg angegebenen „Gesammelten Notaminibus die von Wimpfische Familie betr.“ des E. S. Kersten von Kerstenstein ganz auf der Linie der von Aubert des Bois und Adepten alle bislang beschriebenen Generationen hinweg zugeschriebenen Streubesitztümer Brixenstein etc., die ganz und gar als zwecks Erhöhung des Von Wimpffen-Geschlechtes geschehene Vorspiegelung nicht vorhanden gewesener althergebrachter Besitzreichtümer und Herrschaftsrechte zu betrachten ist. Die beiden angeheirateten Löffelholtz-Frauen waren Schwestern. Die Familie der LÖFFELHOLTZ zählte zu den Vordersten Geschlechtern (Patriziern) Nürnbergs. Die Löffelhol(t)z (von Kolberg auf Steinach) hatten in und um Nürnberg große Besitzungen mit Herrensitzen, Schlössern u. v. a. m. (Ersterwähnung 1420, im Engeren Rat ab 1418; 1512 Namenszusatz als Adelstitel anerkannt). Thomas Löffelholtz (1472 – 1527) war ein erfolgreicher nürnbergischer Feld-hauptmann im Bayrisch-pfälzischen Erbfolgekrieg (1504/05) gewesen und dafür mit dem Schloss Kolberg bei Altötting belohnt worden, wonach sich die Familie in Erweiterung ihres Namens seither genannt hatte. Der Brautvater ERNST LÖFFELHOLTZ ist im Zusammenhang mit der Eheschließing mit „Rat allhier und in der Vorstadt Basteihof bestellter Unterpfleger“ tituliert. Laut Waldau und sich deckend mit Sporhan-Krempel war Johann Dietrich zuerst in kaiserlichen, dann in spanischen Diensten (es herrschte ja der 30-jährige Krieg) als Lieutenant zu Ross, dann in Nürnbergischen Diensten als solcher zu Fuß. In der Sternbeurkunde seiner Tochter Anna Catharina, des Jahres 1686 ist er als „Lieutenant seelig“ bezeichnet, wodurch belegt erscheint, dass die Bezeichung „kaiserlicher Feldoberster“ von Wurzbach in seiner I. Stammtafel dessen erreichten militärischen Grad mächtig überhöht. Laut einem Nürnberger Urkunden-Kommentar erscheint er 1658 bei seiner ersten Heirat als „der Römischen Kaiserlichen Majestät undt Hochfürstlichen Durchlaucht Zu Florentz unter der Leibgarde gewester Lieutenant zu roß“, 1659 dagegen als „Major des Landesausschusses zu Nürnberg“, was den Kommentator veranlasst, die Frage zu stellen, wie es zu verstehen sei, dass dieser vom Major zum Leutnant wird. Doch dürfte mit „Major“ nicht ein militärischer Dienstgrad, sondern die lateinische Bezeichnung im Sinne von „Höchster“ oder „Leiter“ gemeint sein. Nach Waldau wurde er 1659 Genannter des Größeren Rat, und er soll sich meistens auf seinem Gut zu Happurg (gelegen in der Hersbrucker Schweiz in Mittelfranken) aufgehalten haben. Dazu passend, ist er 1663, d. h. in der Zeit seiner zweiten Heirat mit Katharina Barbara Löffenholtz, in den Akten des Happurg nahe gelegenen Hammerwerkes Rothenbruck bei Markt Neuhaus an der Pegnitz als Hammerbesitzer und Hammermeister überliefert, wo die Löffelholtz und andere Nürnberger Patrizier 1659 mit ihrer Finanzkraft den kriegszerstörten Hammer wieder aufgebaut hatten. In dessen Besitz sowie auch wohl in dem des dazugehörigen Schlosses und Herrenhauses war dieser Hammer im vorgenannten Jahr durch einen Prozess mit der Nürnbergerr Patrizier-Gesellschaft der Löffelholtz-Tetzel-Kress gekommen, deren Teilhaber aus dem erst- und letztgenannten Geschlecht mit Johann Dietrich verschwägert waren. Demgegenüber soll dieser laut Aubert Des Bois, Cellarius-Goldtbeeg und Wurzbach die Stadt Nürnberg (schon!) im Jahr 1650 verlassen haben, was jedoch von der frühen Datierung her nicht stimmen kann. Er habe sich, so Aubert Des Bois, in Durlach niedergelassen, wo er Großkämmerer der Markgräfin von Baden-Durlach, geb. Prinzessin von Sachsen-Eisenach, wie der Nachweis seines Todes belege, geworden sei. Dorthin weist diesen auch Gene-Allnet, wo bei sonstiger Übereinstimmung mit Wurzbach als Ort und Datum des Todes „Durlach, 17. 11. 1679“ genannt ist. Wurzbach und Cellarius-Goldtbeeg sprechen jedoch von dessen Niederlassung zunächst in der Pfalz, aber denn doch ebenfalls davon, dass Johann Dietrich Kämmerer und Obersthofmeister der Markgräfin von Baden-Durlach geworden sei, wofür in der Tat neben der Angabe des Todesortes Durlach durch Geneall.net auch der Umstand spricht, dass 1885 und 1891 sich auch sein Neffe Hans Christoph wahrscheinlich als Mitglied des dortigen Hofes dort aufhielt. Was den schon in der Nebenspalte ausführlichst auf der Grundlage der Genealogien etc. berichteten angeblichen Verkauf des Johann Dietrich und seines Sohnes Johann Paul der sog. Rohooburg bzw. Rohosbourg an den Bruder bzw. Onkel Johann Friedrich betrifft, so soll es bei dem, was dort schon im Blick auf den Vorgenannten gesagt worden ist, bewendet bleiben.

Anmerkung: Bei der Endkorrektur der vorstehenden „Genealogischen Übersicht I” zeigten sich noch die folgenden – der Einfachheit halber – nachstehend angezeigten Sach- oder Schreibfehler, die durch Fettdruck und Unterstreichung gekennzeichnet sind:
– 1. Blatt (in 4. Zeile): J. W. Stör
– 1. Blatt (linke Spalte in Zeile 16): Hirschbach (in der Oberpfalz);
– 1. Blatt (rechte Spalte in Zeile 53): 1515 Namenszusatz;
– 2. Blatt (rechte Spalte in Zeile 12 : Bezeichnung
– 2. Blatt (rechte Spalte in Zeile 43): Katharina Barbara Löffelholtz.*

Siehe zu dem in der oben in der rechten Spalte beschriebenen jüngeren der beiden Brüder Johann Dietrich die nachstehende

033

  • Abb. L 4: Ansicht des rund 30 km ostwärtig von Nürnberg in der Hersbrucker Schweiz gelegenen Dorfes Happurg, hier geschrieben „Happurgh“, laut G. E. Waldau der Hauptaufenthaltsort des Johann Dietrich von Wimpffen, der dort ein Gut (wohl in Gestalt des bei der Kirche stehenden Herrensitzes) besessen haben soll; Ausschnitt einer zeitgenössischen kolorierten Karte von 1669.

Und nun Grundsätzliches über die Kinder des vorstehend vorgestellten beiden Brüderpaares:
Wir beginnen mit Angaben über die Kinder des in der obigen Übersicht in der linken Spalte beschriebenen JOHANN FRIEDRICH:
Laut Sporhan-Krempel – übereinstimmend mit Stör und Waldau sowie auch mit Wurzbach – sind aus der zweiten Ehe des Johann Friedrich mit Susanna Kreßin keine Kinder, aus der ersten Ehe mit Susanna Katharina Fürlegerin dagegen die folgenden (alle in Nürnberg geborenen und getauften) vier Söhne hervorgegangen, deren erster vor dem Vater verstorben sein soll (in Klammer die Namensversionen und Schreibweisen von Stör sowie Cellarius-Goldtbeeg und Wurzbach; Waldau schreibt nie „Hans“, sondern grundsätzlich „Johann”):

1. 1646: HANS JACOB (JOHANN JACOB); siehe diesen bei Stör unter 9d bzw. bei Wurzbach unter Generation X ganz links);
2. 1648: GEORG ABRAHAM (GEORG ABRAHAM); siehe unter 9a bzw. X an zweiter Stelle, und zwar jeweils als Stammträger erscheinend; laut Wurzbach hat sich dieser angeblich mit ANNA VON TRAUTTENBERG vermählt; Weiteres später!
3. 1652: HANS CHRISTOPH (HANSS CHRISTOFF; HANS CHRISTOPH); siehe unter 9e bzw. X als Dritter der Reihe; Weiteres an späterer Stelle!
4. 1654 (lt. Waldau am 30. 10. 1656): HANS CARL (HANß CARL, HANS KARL, JOHANN CARL); siehe unter 9f bzw. X an letzter Stelle; Weiteres später!

Über die drei jüngeren Söhne, die laut Waldau den Vater Johann Friedrich im Gegensatz zum Ältesten HANS JACOB, überlebt haben, wird im Rahmen der nachfolgenden Schilderung des schillernden Lebens deren Vaters sowie danach im Zusammenhang mit der Darlegung deren Lebensganges noch zentral Wichtiges für das Verständnis des weiteren Werdens des Geschlechtes der Von Wimpffen (unter mannigfacher Korrektur der Angaben von Aubert Des Bois, Cellarius-Goldtbeeg und Wurzbach) zu berichten sein.

Nun folgen Angaben über die Kinder des in der obigen Übersicht in der rechten Spalte beschriebenen JOHANN DIETRICH:
Im Stammbaum von Stör sind nur die folgenden zwei Kinder, eine Tochter und ein Sohn, aufgeführt: MARIA MAGDALENA (9b) und JOHANN PAULUS (9c), von dem bereits die Rede als Verkäufer der angeblichen Rohosbourg/Rohooburg in der Ortenau zusammen mit seinem Vater Johann Dietrich an seinen Onkel Johann Friedrich die Rede war. Waldau spricht zwar von „mehreren verstorbenen Kindern”, weiß aber nur, wie auch Sporhan-Krempel, eine länger am Leben gebliebene und laut der Letztgenannten aus der zweiten Ehe, also von KATHARINA MARIA LÖFFELHOLTZIN, stammenden Tochter namens SUSANNA zu nennen, die 1694 den Nürnberger Consulenten FRIEDRICH ERNST FINKLER (Sporhan-Krempel: Ratskonsulent DR. FRIEDRICH ERNST FINCKLER) geheiratet habe und 1696 verstorben sei. Dieses wird bestätigt durch den folgenden in Kopie vorliegenden Eintrag im Urkundenbuch der Stadt Nürnberg pag. 465:
„A. 1694 d 16 9bris” (16. Okt. 1694) proclamirt. Die Wohl Edle Viel Ehr und Tugendreiche Jungfrau Susanna des wohlEdlen gestrengen und mannvesten Johann Dietrich von Wimpfen Lieutenant Seelig nachgelassener Ehelicher Tochter mit Herrn Doct. Friderich Ernest Finkler Advocato Ordinario.” Aus dem Zustandekommen dieser Ehe wird das sich vollziehende weitere Hineinheiraten der VON WIMPFFEN, wie diese in den Akten benamt sind, in reputierliche Nürnberger Familien deutlich.
Da diese Tochter SUSANNA im Stammbaum Stör nicht zu aufzufinden ist, wurde dort deren Name und daneben der des Ehegatten, bezeichnet mit 9g, ergänzend eingesetzt und zu diesem Paar eine von der zweiten Frau desselben KATHARINA MARIA LÖFFELHOLTZIN ausgehende Zweigverbindung eingezeichnet. Finckler habe, so Sporhan-Krempel, nach Susannas frühem Tod eine ENDTERIN geheiratet, die eine Tochter des bekannten Nürnberger Buchhändlers und Buchdruckers GEORG ANDREAS ENDTER gewesen sei. Der Sohn aus dieser Ehe, dessen Name nicht genannt ist, sei dann einziger Erbe des Vorgenannten gewesen und habe sowohl dessen Druckerei und Verlag als auch die beiden Papiermühlen zur Weidenmühle und zum Mühlhof in Nürnberg geerbt. Zufällig fand ich noch in einer mir von Dr. Hans H. von Wimpffen übergebenen Kopie einer Serie von im Stadtarchiv Nürnberg (mit S I Lade 149 Nr. 6 registrierten) Urkundenauszügen die folgende Eintragung:
„Todtenbuch Lit. E. E. E pag. 10. A. 1688 ad 20. (oder 23.) april angeschrieben: Die Edle Viel Ehr und Tugendreiche Jungfrau Anna Catharina, des Edlen gestrengen und mannvesten Johann Dietrich Von Wimpfen Eines WohlEdlen gestrengen und Hochweißen raths geweßen Lieutenant seelig hinterlaßner Tochter.”
Auch diese Tochter findet sich im Stammbaum Stör (siehe bei 9h) nachträglich eingefügt, wobei im Hinblick auf die Vornamens-Übereinstimmung deren Abkunftsstrang zu KATHARINA, der zweiten Gattin des JOHANN DIETRICH VON WIMPFFEN, hingeführt wurde. Mit dieser vorgenannten weiteren (dritten) Tochter sind also immerhin vier Kinder des Hans Dietrich einigermaßen zweifelsfrei nachgewiesen, nämlich:

1. Die aus der 1. Ehe stammende MARIA MAGDALENA (siehe bei 9 b);
2. die wohl aus der 2. Ehe hervorgegangene ANNA CATHARINA (siehe 9h);
3. die aus der 2. Ehe entsprossene SUSANNA  (siehe 9g);
4. der aus der 2. Ehe gekommene JOHANN PAULUS (siehe 9c).

Aubert Des Bois ordnet Hans Dietrich demgegenüber fünf Kinder zu; Cellarius-Goldtbeeg und Wurzbach nennen übereinstimmend sogar sechs Kinder, darunter drei Söhne und drei Töchter. Anders als die vier Söhne des Johann Friedrich sind diese nicht in Wurzbachs I. Stammtafel, sondern in dessen II. Stammtafel zu finden, die im Anschluss dieser Übersicht in der Abb. L 5 gezeigt ist. Diese sind dort in der Generationsreihe X (markiert links) bzw. 9 (markiert rechts) folgendermaßen hintereinander aufgelistet, wozu hier in Klammer die jeweilige (übereinstimmende) Namensversion des Aubert Des Bois hinzugegeben ist sowie dahinter noch evtl. weitere dortige Angaben aufgeführt sind:

1. CÄSAR AUGUST (CÉSAR AUGUSTE), 1618; laut Aubert Des Bois „mort sans postérité” (gestorben ohne Nachkommen );
2. JOHANN CHRISTOPH (JEAN CHRISTOPHE), geboren 1619, nach Aubert Des Bois 1620 und zwar „tué au service de l’Empereur” (getötet im Dienste des Kaisers) bzw. laut Cellarius-Goldtbeeg in kaiserlichen Kriegsdiensten auf dem Schlachtfelde geblieben;
3. JOHANN PAUL (JEAN IV.), geboren 1625; gestorben 1684; heiratete laut Aubert Des Bois 1654 in Baden-Dourlach ELISABETH DE GRIEDERINE, laut Cellarius-Goldtbeeg im selben Jahr in Durlach, auch laut Wurzbach SALOME VON KREITER AUF DIETSCH; Weiteres an späterer Stelle!
4. MARIA LUDOVICA (MARIE LOUISE), 1626, verheiratet laut Aubert Des Bois, Cellarius-Goldtbeeg und Wurzbach mit GRAF VON SAYN;
5. MARIA MAGDALENA (Name bei Aubert Des Bois fehlt); sonst keinerlei Angaben vorliegend;
6. ANNA BARBARA (ANNE-BARBE), 1929, „morte en bas-âge” (in frühem Alter) bzw. lt. Cellarius-Goldtbeeg gestorben als Kind.

Zwar erscheinen unter den sechs Namen der angeblichen Kinder des Hans Dietrich zwei, nämlich an 3. Stelle JOHANN PAUL (statt JOHANN PAULUS) und an 5. Stelle MARIA MAGDALENA, die mit den darüber aufgezeigten fraglos richtigen vier Namen übereinstimmen. Doch können diese beiden wie alle sechs aufgeführten Kinder, so wie sie von Wurzbach mit ihren von 1618 bis 1629 reichenden Geburtsdaten ausgestattet sind, mit Sicherheit nicht als solche des zweifelsfrei erst 1616 geborenen JOHANN DIETRICH betrachtet werden. Und selbst wenn diese Namenreihe ganz stimmig sein würde, müsste diese auch deshalb entfernt werden, weil, wie im letzten Textabschnitt der obigen linken Spalte bereits angedeutet, der auf der II. Stammtafel von Wurzbach ausgebreitete sog. Jüngere Hauptast der Von Wimpffen nicht von Johann Dietrich, sondern vom jüngsten der vier Söhne dessen älteren Bruders JOHANN FRIEDRICH namens JOHANN CARL (laut Waldau) bzw. HANS KARL (laut Wurzbach) aus weggeführt werden muss. Aus alledem war es zwingend notwendig, die in der nachstehend gezeigten II. Stammtafel von Wurzbach in der Generationsreihe X erscheinenden Namen und Daten der sechs Kinder des Johann Dietrich auszuklammern und damit als, was die Namen betrifft zu 2/3, was sie Geburtsdaten betrifft, ganz ungültig sowie dazuhin als hier unpassend zu deklarieren. Was die anderen ins Auge springenden Änderungen in den Anfängen der II. Stammtafel bei den Generationen IX – XII betrifft, so werden diese an späterer Stelle zur Sprache kommen.

Hier sei nunmehr die angekündigte, bereits im Eröffnungs-Kapitel A. Grundlegendes in der Abb. A 8 in ihrer Urform, d. h. ohne jeden Eingriff, gezeigte, doch nunmehr korrigierte, dazuhin ergänzte und erweiterte II. Stammtafel des Constantin von Wurzbach gezeigt:

  • Abb. L 5: Die „II. Stammtafel der Freiherren und Grafen von Wimpffen“ des Constantin von Wurzbach (1888), versehen nachträglich mit der in der I. Stammtafel begonnenen
    Durchzählung der Generationen,
    – links nach Aubert Des Bois etc. mit Römischen Zahlzeichen,
    – rechts nach Stör in Übereinstimmung mit Sporhan-Krempel mit Arabischen Zahlzeichen;
    Korrekturen, so
    – Einklammerung, d. h. Ausscheidung, der am Beginn stehenden Generationsleisten IX, X (mit zusätzlicher Streichung) und XI
    sowie
    – Ersetzung durch zwei andere der Generationsbezeichnung 9 und 10;
    Hervorhebungen,
    so der fünf in der Generationsreihe XIII bzw. 11 beginnenden sog. Zweige, nämlich dem
    – a) Stanislaus Zweig mit Blau,
    – b) Josephs Zweig mit Gelb,
    – c) Franzens Zweig mit Grün,
    – d) Georgs Zweig mit Braun,
    – e) Felix
     Zweig mit Orange;  
    – und der Gräflichen Linie, hervorgegangen aus Linie c), mit Rot;
    Anmerkungen, so
    – ganz oben rechts (zum Gründer vom d) Georgs Zweig,
    – ganz unten rechts zur Durchzählung der Generationen;
    Ergänzungen,
    so durch die Kennzeichnung
    – der Russisch-preußischen Seitenlinie,
    – des Französischen Nebenzweiges,
    – der
     Württembergischen Nebenlinie und
    – der Wimpffen-Mollberg;
    außerdem mit
    Teil-Weiterführung der Generationen
    – bei den Wimpffen-Mollberg (siehe ganz oben links unter Ergänzungen“) bis zur Gegenwart (Generation XIXd bzw. 17d),
    – der Württembergischen Nebenlinie (bis zur Generation XVIIc bzw. 15c), 
    – der Gräflichen Linie bis zur Gegenwart (Generation XIXc bzw. 17c)
    .

Bevor Weiteres über die Kinder und Enkel des Brüderpaares JOHANN FRIEDRICH und JOHANN DIETRICH gesagt wird, gilt es, nunmehr das bunte und vom Aufstieg gekennzeichnete Leben des Erstgenannten bis zu dessen tiefem Fall und tragischem Ende in der Nürnberger Kerkerhaft zu schildern, dem Lore Sporhan-Krempel, befördert durch eine Reihe von über diesen und sein Geschlecht vorliegenden Quellentexten, in ihrem 11 ½ Seiten füllenden Vortragstext nicht weniger als 8 Seiten widmet. Demgegenüber ordnet diese dessen jüngerem Buder Johann Dietrich anschließend nicht mehr als nur eine Drittelseite umfassenden Exkurs zu. „Er muss ein Mann gewesen sein”, so ist einleitend die Psyche des Johann Friedrich charakterisiert, „der gern groß auftrat, sich als Mäzen feiern ließ und vor Allem ein ungewöhnliches Geltungsbedürfnis an den Tag legte.” Was diese im Fortgang in größter Ausführlichkeit und Farbigkeit unter gelegentlicher Anführung ihrer Quellen über dessen in Nürnberg sich vollzogenen Aufstieg und Fall schildert, kann hier natürlich nur gerafft unter Hervorkehrung des chronologischen Ablaufs der Ereignisse sowie Beigabe hauptsächlich aus Peter Fleischmann, G. E. Waldau sowie allerlei Beschreibungen der Reichsstadt Nürnberg und deren Territoriums sowie Ständewesens des 17. Jahrhunderts u. a. m. wiedergegeben werden.
Wir beginnen beim Jahr

1651: Damals ist JOHANN FRIEDRICH noch im Nürnberger Leihhaus (Pfandhaus) tätig, als der Rat im vorgenannten Jahr seine (erste) Frau SUSANNA CATHARINA um 10 Gulden bestraft, weil sie beim Kirchgang eine ganz goldene Haube getragen habe. Hierzu muss man wissen, dass die Obrigkeit wie auch die Gesellschaft des patrizischen Stadtstaates Nürnberg in größter Strenge darauf achtete, dass die von der Standesordnung den einzelnen Ständen vor allem hinsichtlich der Bekleidung gesetzten Grenzen respektiert wurden und Übertretungen u. U. mit Strafgeldern belegte. Eine goldene Haube stand nur dem Ersten Stand zu, aus dem weder Johann Friedrichs erste Gattin Susanna Catharina Fürleger stammte, noch ihm eigentlich von seiner männlichen wie weiblichen Abstammung aus der Ehrbarkeit her zugestanden werden konnte. Nun setzte er alle Hebel in Bewegung, um nachzuweisen, dass seine Eltern und Voreltern stets dem Ersten Stand gleich geachtet worden waren. Dazu besorgte er sich, so Sporhan-Krempel, Unterlagen von dem mit ihm von der Frauenseite her als Nachkomme des Italienfahrers Hans (gemeint: HANß DER ÄLTERE, verheiratet mit BARBARA LINDENMAIRIN, zu finden im Stammbaum Stör unter 4f; siehe über diese in Kapitel F. Südfernhändler) weitläufig verwandten Augsburger Ratsherren und Stadtkämmerer Leonhard Weiß. Hier gilt es, zur Förderung des Verständnisses jene Aussage von Sporhan-Krempel zu wiederholen, die schon in Kapitel B. Sagenahn im Zusammenhang mit der Frage der Herkunft des Geschlechtes der Von Wimpffen getroffen worden ist:
 „Zur Geschichte der Hermann – auch Hörmann – von Wimpffen gibt es nur spärlich gedruckte Literatur, dafür aber verhältnismäßig zahlreiche schriftliche Aufzeichnungen. Eine im Jahre 1651 notwendig gewordene Untersuchung über den ‚Stand’ derer von Wimpffen übermittelt uns wichtige Unterlagen zur Tradition der Familie.”
Bei dem vorgenannten Informanten dürfte es sich nach meinen Recherchen in Wikipedia („Die Oberbürgermeister Augsburgs”; dort S. 7) um den 1653 in Augsburg gestorbenen und dort von 1649 bis 1653, d. h. genau in der Zeit der Besorgung der Augsburger Unterlagen, als sog. Stadtpfleger tätig gewesenen gleichnamigen LEONHARD WEIß gehandelt haben. In dieser Funktion oblag diesem der Vorsitz in der Ratsversammlung. Die Verwandtschaft dieser Augsburger WEIß der Mitte des 17. Jahrhunderts hin zu HANß DEM ÄLTEREN des 15./16. Jahrhunderts lässt sich im Stammbaum des J. W. Stör (siehe in Abb. 13) folgendermaßen zurückvollziehen:

Generation 7:
siehe 7 x:
HANß GEORG WEIß
und
MAGDALENA
(zu ergänzen: HÖRMANN oder auch HOERMANN);
Generation 6:
siehe 6n:
CHRISTOFF
und
SUSANNA WALTERIN;
Generation 5:
siehe 5d:
WILHELM
und
MAGDALENA SCHMUCKERIN;
Generation 4:
siehe 4f:
HANß
und
BARBARA LINDENMAIRIN.
Dazuhin sei noch der Urheber dieser genealogischen Rückbetrachtung beigegeben:
Generation 8:
siehe 8a:
JOHANN FRIEDERICH
mit seiner ersten Gattin
SUSANNA CATHARINA FÜRLEGERIN.

Sucht man nun, mittels der Prosopographie (siehe dort insbes. unter dem Leitnamen WEIß in den Lfd. Nrn. 1391 – 1411) die Herkunft von diesem HANß GEORG WEIß aufzudecken, der BARBARA HOERMANN heiratete, so ergeben sich als dessen Ahnen:

ANDREAS WEIß und Gattin ANNA LIEBHERR aus Wien
(Daten über diese liegen nicht vor.)
Als deren Söhne sind aufzufinden:
ULRICH WEIß (1468 – 1542) und GEORG I. WEIß
(Lebensdaten über den Letztgenannten fehlen).
Dem Erstgenannten wird später nachzugehen sein, während der Zweitgenannte in der gesuchten Spur  liegt:
GEORG I. WEIß heiratet 1492 KLARA STROBEL;
Sohn GEORG II. WEIß heiratet 1541 EUPHROSINA HAUG;
Sohn GEORG III. WEIß (1544 – 1585) 1564 SABINE GIENGER.

Der Letztgenannte ist 1563 – 1585 als Mitglied der Augsburger Kaufleutestube nachgewiesen. Aus der Ehe gehen 6 Kinder hervor. Deren zweites Kind ist der oben angeführte und von Johann Friedrich angegangene HANS GEORG WEIß (1566 – 1637), der in 1. Ehe 1592 FELICITAS WIDHOLZ, in 2. Ehe 1605 die o. g. MAGDALENA HOERMANN (siehe diese, wie oben schon gezeigt, unter 7x) heiratet. Dieser ist als „Protestant” bezeichnet und von 1589 – 1637 als Mitglied der Kaufleutestube nachgewiesen, ebenso als solcher sein Bruder HANS CHRISTOPH WEIß (geb. 1576) von 1602 – 1614. Demnach waren diese Vertreter der Augsburger Familie WEIß als Großkaufleute tätig, was u. a. Mark Häberlein in seiner „Geschichte der Augsburger Fugger” von 2013 dadurch bestätigt, dass er schreibt, die Weiß seien als solche seit Beginn des 16. Jahrhunderts in Erscheinung getreten. Häberlein hebt insbesondere den o. a. Bruder von GEORG I. WEIß namens ULRICH WEIß (geb. 1468 in Nürnberg – 1542) heraus, der 1510 die aus der weitgestreut tätigen und u. a. mit den Welsern wie auch den Kaufbeuren-Augsburger HÖRMANN versippten Fernhändlerfamilie der IMHOF namens URSULA IMHOF heiratete. Dieser ist um 1514 als Safranhändler in L’Aquila (Mittelitalien), 1538/39 in Augsburg als Angehöriger der Kaufleutezunft und deren Zunftmeister sowie Mitglied des Kleinen Rates und Steuermeister nachweisbar. Dessen in Nürnberg geborener Sohn ANTON I. WEIß (1515 – 1575) führte das Unternehmen fort, von dem zahlreiche Wechselgeschäfte mit Venedig und Beziehungen nach Leipzig, Antwerpen und Lyon belegt sind. Sein Vetter LEONHARD II. WEIß (1503 – 1547), nach dem die Weiße Gasse im Augsburger Lechviertel benannt sein soll, wo er ab 1532 eine ganze Häuserzeile besaß, konnte dem König Ferdinand I. in den 1530er Jahren mehrere größere Darlehen gewähren. Dieser gehörte von 1535 – 1544 zu den Geschäftspartnern der Fugger in Hall (Tirol), Wien und Antwerpen. Nach seinem frühen Tod leitete seine Witwe ANNA GEB. VOLZ, eine Tochter des NÜRNBERGER BURGGRAFEN NIKOLAUS VOLZ, das Unternehmen mit weiterem Erfolg, indem es sich u. a. am Wiener Ochsenhandel beteiligte, ehe es 1568/69 an deren Söhne DAVID (1531 – 1593), ELIAS (1536 – 1581), DANIEL (1540 – 1596), JONAS (1544 – 1586) und TOBIAS (geb. 1545) weiterging. ELIAS war mit einer Tochter des Augsburger Patriziers und Welthändlers LEONHARD WELSER namens SABINA WELSER verheiratet und knüpfte 1569 im Auftrag der Welser in Hamburg Kontakte zur englischen „Company of Merchant Adventurers”, während TOBIAS nach Wien übersiedelte. Die Witwe des DAVID WEIß, der 1580 nicht weniger als 15.000 Gulden für wohltätige Zwecke gestifttet hatte, gehörte 1604 zu den größten Augsburger Steuerzahlern. Doch wurde das Unternehmen bereits vor 1600, laut Mark Häberlein vermutlich mangels Nachkommen, aufgelöst. Auch, worauf die o. a. Erringung des hohen reichsstädtisch Augsburger Amts des Stadtkämmerers durch (den genealogisch nicht unterbringbaren) späteren LEONHARD WEIß (gest. 1653) der Jahre 1649 – 1653 wie auch später von 1675 – 1701 durch den gleichgenannten LEONHARD WEIß (gest. 1701) hindeutet, dürften sich die WEIß, genau wie die Nürnberger HERMANN/HÖRMANN VON WIMPFFEN, wachsend von der Handelstätigkeit ab- und der Versehung einträglicher Augsburger Reichsstadtämter zugewandt haben.
Der Augsburger Rat und Stadtkämmerer LEONHARD WEIß, um nun wieder auf JOHANN FRIEDRICH und sein Anliegen zurückzukommen, ließ diesem die 1651 erbetenen Unterlagen, die wir leider im Einzelnen nicht kennen, die aber all jene Feststellungen beinhalten, die Sporhan-Krempel über die Generationen 1 – 7/8 trifft. Männliche Nachkommen der Familie, so teilte der Angegangene mit, würden derzeit in Augsburg keine mehr leben. In einer nunmehr an den Rat gerichteten ausführlichen Eingabe verwies Johann Friedrich auf Wilhelm (siehe 5d), seinen Urgroßonkel, der ins Augsburger Patriziat aufgestiegen und auf Niclas (siehe 6f), seinen Großonkel, der an die 40 Jahre (es waren aber nur 28 Jahre) beim Bauerngericht Assessor gewesen sei. Seine Mutter, die Semlerin (siehe 7a), sei zwar nur aus dem „andern (gemeint dem Zweiten) Stand”, habe aber durch ihre Heirat sich dem Ersten Stand zugesellt und bei ihrer Hochzeit unangefochten ihre goldenen Armbänder, Halsketten und das damals gebräuchliche goldene Barettlein sowie dem vordersten Stand zugehörige Kleider getragen u. a. m. Er selbst habe seinen „Ehrentag” mit der Fürlegerin, deren Familie nun über 300 Jahre in Nürnberg und dem derzeit ältesten unter dem andern (gemeint Zweiten) Stand sei, „in der Enge” im Haus begangen und nur deshalb kein aufwändiges Fest gefeiert, weil Krieg und viel fremdes Volk in der Stadt gewesen sei und ihm die einflussreichen Herren aus dem Ersten Stand NIKLAS ALBRECHT RIETER, JOHANN JAKOB TETZEL und LUCAS FRIEDRICH BEHEIM zu einer stilleren Hochzeitsfeier geraten hätten. Trotzdem habe seine Frau damals unverhindert die goldenen Armbänder etc. und eine dreifacher Kette mit einem daran hängenden Kleinod getragen. Der um Erlass der Strafe gebetene Rat erklärt im Bescheid vom 2. Dezember 1651 nach seinerseits vorgenommenen Nachforschungen, dass man es zwar geschehen lassen wolle, dass gedachter von Wimpffen und die Seinen sich dem Ersten Stand gemäß kleiden und denjenigen im Ersten Stand gleich geachtet werde. In einem vom Rat eingeholten Bescheid wird jedoch ausdrücklich die Einschränkung ausgedrückt, dass die Wimpffen zwar gerichtsfähig, aber nicht ratsfähig (im Sinne des Engeren Rates; Johann Friedrich ist ja bereits 1646 Genannter des Größeren Rats) seien.

– 1654: Von diesem Jahr an (bis 1667) nehmen Bürgermeister und Rat teils von der ersten Frau des Johann Friedrich und nach deren Tod von den Erben insgesamt 15.600 Gulden auf.

– 1656: Er steigt nunmehr zum sog. Losungsamtmann auf. Das war laut Peter Fleischmann der 1626 der Bedeutung dieses Nürnberger Stadtamtes wegen dem ab 1429 bestellten sog. Losungsschreiber verliehene (und 1705 zu Losungsrat abermals veränderte und damit aufs Neue besser klingend gemachte) Titel, der nun auch den anderen beiden der schon im Laufe des 16./17. Jahrhundert auf drei vermehrten Losungsschreibern zukam. Offenbar war Johann Friedrich den anderen Losungsschreibern vorgesetzt. Sein Amt des Losungsamtmannes darf nicht verwechselt werden mit dem der damals führend amtierenden und ihm vorgesetzten drei sog. Losunger,  die – wie schon an früherer Stelle gesagt – unabdingbar dem Kleineren Rat angehören mussten und im vorgenannten Jahr von JOHANN WILHELM I. KREß (Vorderster Losunger), BURKHARD II. LÖFFELHOLZ (Zweiter Losunger) und GEORG IMHOFF (Dritter Losunger oder Dritter Oberster Hauptmann) ausgeübt wurden.

– 1657: Johann Friedrich hat es also schon weit gebracht und stiftet für Sankt Egidien gut dotierte Fastenmessen. Auf dem dortigen Engelschörlein lässt er Fenster einsetzen, die oben ein Wimpffen-Wappen mit der Jahreszahl 1515 enthalten. Auch beabsichtigt er sogar, die sieben Kirchentüren von Sankt Sebald neu machen zu lassen, wenn er dort seine Wappen anbringen dürfe. Er geriert sich damit ganz so wie die als Stifter für Kirchenkunst und kirchliche Einrichtungen führend tätigen Nürnberger Familien des Ersten Standes. Das wird ihm aber abgeschlagen und so lässt er dort nur zwei Türen, die sog. Ehetür und die Leichanschreibtür, auf seine Kosten erneuern.
1667 erwirbt er von der Witwe um 10.000 Gulden und 200 Gulden Leihkauf das an der Grenze zur Oberpfalz rund 35 km ostnordostwärtig von Nürnberg im Pflegamt Hersbruck bei der Einmündung vom Hirschbach in die Pegnitz gelegene Dorf mit Herrensitz Eschenbach. Die seit 1319 im Inneren Rat Nürnbergs vertretenen und im Fernhandel mit weitreichenden Geschäftsverbindungen, so vor allem nach Prag, in den Karpatenraum, zum Mittelrhein und nach Flandern, tätigen und zahlreiche andere Besitztümer in und um Nürnberg ihr Eigen nennenden EBNER hatten 1508 Teile des eine uralte „Mutterkirche“ (Paulskirche) und einen aus einer Wasserburg hervorgegangenen Herrensitz bergenden Ortes durch Heirat und den Rest 1528 durch Kauf erworben und nach seiner zweimaligen Niederbrennung in den Husittenkriegen und sich fortab nach diesem stattlichen Sitz den Namenszusatz VON ESCHENBACH gegeben. Im Markgräflerkrieg 1554 samt seinem zerstörten (eine typische Wasserburg mit dreistöckigem Palas und Vorburg darstellenden) sog. Schloss, wieder aufgebaut.
Außerdem kam Johann Friedrich um etwa dieselbe Zeit das aus einer Forsthube hervorgegangene und ein altes sowie neues Herrenhaus mit wenigen Untertanen umfassende kleine Herrengut Grünreuth zu, gelegen ca. 8 km nordnordostwärtig von Eschenbach im Nürnberger Pflegamt Velden unweit des Amts- und Burgortes Hartenstein. Dessen Amtsgebiet stellte mit Grünreuth und anderen anliegenden Kleinstorten innerhalb des Nürnberger Pflegamtsgebietes Velden sowie des Reichsstädtisch-Nürnberger Landgebietes überhaupt eine ursprünglich zur Rheinpfalz gehörige und 1618 nach der Schlacht am Weißen Berge zum katholischen Kurbaiern gelangte Kleinstexklave dar, die vom Pflegamt Hartenstein aus verwaltet wurde.

– 1658: Jetzt findet Johann Friedrich es sogar gegeben, in Wien beim Kaiser die Bitte um Aufnahme in die Ritterschaft des Kantons Altmühl für sich und auch für seinen Bruder Johann Dietrich zu beantragen; und er hat Erfolg: „Eine Urkunde“, so drückt  es Sporhan-Krempel aus, bestätigt feierlich, „daß Kaiser Leopold I. dem Hans Friedrich und Hans Dietrich von Wimpffen, genannt Hermann, ein Wappen verliehen und bestimmt habe, dass die Empfänger ,in ewige Zeiten rechtgebornene Lehen-Turniergenoss und rittermässige Edelleut sein’. Diese Verleihung datiert vom 13. November 1658.“ Erfreulicherweise konnte ich im November 2014, der hier anstehende Textteil erschien bereits abgeschlossen, von Dr. Hans H. von Wimpffen dreierlei auf dieses Adelsdiplom mit Wappenerweiterung bezogene Texte übernehmen: Eine vollständige Kopie der 11 Seiten umfassenden originalen gedruckten Verleihungsurkunde, dazu Bruchstücke (die erste sowie vier weitere Seiten) einer späteren mit dem Stempel „REICHS AKTEN” bezeichneten Transkription nicht ermittelbaren Datums, außerdem Bruchstücke (die ersten drei Seiten) einer mit „Traduit de l’allemand” überschriebenen Übersetzung derselben ins Französische ebenfalls unbekannten Datums.

Die erstgenannte dieser drei Kopienfolgen, die nicht weniger als 11 Seiten umfasst, soll nun Gegenstand einer einigermaßen genauen Analyse sein, wobei zunächst zwar nur eine Auswahl von 6 derselben gezeigt wird, jedoch im nachfolgenden Transkriptionstext alle Seiten textmäßig wiedergegeben sind. Um den notwendigen Konnex zwischen der für den Laien nur eingeschränkt entzifferbaren historischen Schrift und dem Transkriptionstext zu unterstützen, ist dieser wiederum topisch gegliedert.

Seite 1:

Seite 3:

Seite 5:
035a

Seite 7:

Seite 10:

Seite 11:
035c

Transkription: Anmerkungen: Die in Klammern stehenden Partien in Aufrechtschrift stellen Erläuterungen des Autors dar. Infolge eingeschränkter Druckqualität der Vorlage sind da und dort gewisse Teile des Wortgutes nicht zweifelsfreri entzifferbar, insbesondere Satz- und Trennungszeichen, sofern diese sich überhaupt eingebracht finden, sind vielfach nicht ausmachbar. Da und dort haben jedoch die Rudiment-Texte der deutschen wie auch der französischen Transkription Hilfestellung geleistet, obgleich diese im Detail nicht immer der Urvorlage genau entsprechen. Um die Lesbarkeit und Sinnaufnahme zu erleichtern, wurden hier Worttrennung und Kommasetzung nach heutiger Regelsetzung, unabhängig davon, wie diese sich in der (diesbezüglich nur unzureichend ablesbaren) Originalfassung darbieten, eingebracht. Der im Original häufig zu findende Doppelpunkt stellt in der Regel eine Wortabkürzung, manchmal aber auch die Auslassung einer Endsilbe vor einer nachher auftretenden Endsilbenwiederholung dar. „Z“ erscheint kaum je einmal klein geschrieben als „z“ und ist hier grundsätzlich in der vorgegebenen Weise wiedergegeben. 1. Seite: Wir Leopoldt von Gottes gnaden Erwöl- ter Römischer Kaißer, Zu Allen Zeit- ten Mehrer des Reichs in Germa- nien, Zu Hungarn, Böheimb, Dalma- tien, Croatien vnd Sclavonien, König, ErtzHertzog Zu Österrreich, Hertzog Zue Burgund, Zu Braband, Zu Steyer, Zu Kärn- den, Zu Cnein, Zu Lutzenburg, Zu Würt- temberg, Ober: vnd NiederSchlesien, Fürst Zu Schwaben, Marggrave des Hey: Rö- mischen Reichs, Zu Burgaw, Zu Mähren, Ober: vnd Nieder Laußnitz, gefürste: Gra- ve Zu Nablburg, Zu Tyrol, Zu Pfierd, Zu Ky- Burg vnd Zu Görtz, Landgrave in Elsas, Herr auff der Windischen Marckh, Zu Por- tenaw vnd Zu Salins etc. 2. Seite: Bekhennen für Unß vnd Unßere Nachkomen am Reich vnd andern Unsern Erblichen Königreichen, Fürsten- thumben vnd Landen öffentlich mit diesem Brieff, vnd thuen Kundt allermenniglich: Wiewohl Wir auß Römischer Kayserlicher Höhe vnd Würdigkeitt, darein Uns der Allmechtige nach seinem Göttlichen willen gesetzt hat, auch angeborner güette und mildigkeitt, alle Zeitt geneigt sein, aller vnd ieder Unserer und deß Hen: Röm: Reichs, auch Unserer ErbKönigreich Fürsten- thumb vnd Lande Underthanen vnd getreuen, Ehr Nutz auffnehmen vnd bestes Zu betrachten vndt Zu befördern. So würd doch Unser Kayserlich Gemüeth allZeitt mehrers bewegt vnd begierlicher denen Unser Kay: Gnad vnd Sanfftmüetigkeitt mit Zutheilen, vnd Sie mit sondern gnaden vnd Freyheitten Zu für- sehen vnd Zubegaben, deren VorEltern vnd Sie selbsten von altem Geschlecht vnd Standt herkhomen, deß- gleichen sich adelicher guetter Sitten,Tugend, Wan- del vnd Wesens befleissen vnd Unnß dem Hey: Röm: 3. Seite: Reich vnd Unserm löblichen Hauß Österreich mit stehter vndertheniger getreuer dienstbarkeitt vor andern allZeit gehorsamb anhängig vnd verwandt seind. Wan Wir nun gnediglich angesehen wargenohmen vndt be- trachtet, das alte Geschlecht, Standt und Herkommen, auch adeliche guete Sitten, Dapferkeit, Tugend, Wandel, Thaten vnd Vernunfft damit vor Unserer Kayserl: Mett:* Unsere vnd des Reichs liebe getreue Johann Friderich vnd Johann Dietrich von Wimpfen gnand Herman gebrüdere sonderbar be- rüembt worden, insonderheit aber, die angenehme treue gehorsambste dienst, so Sie und Ihre VorEltern des Ge- schlechts von Wimpfen, gnand Hermanner. Unnsern löblichen Vorfahren, dem Heyl: Röm: Reich und Unserm Hochlöblichen Erbhauß Österreich, zu Kriegs: vndt Fridens Zeitten ie: vnd alleZeitt in vile weeg, nutz: vnd hoch- erßbrieslich erzaigt vnd bewiesen, vnd das Ihr Geschlecht und Herkommen von unerdenckhlichen Jahren in Unser und des Hey: Reichs Stätten zu AugßBurg, anietso aber in Nürnberg bey hundert fünftZig Jahr vnder den (* = Majestät) 4. Seite: vorderisten Standt geachtet, in die Rathsfähige Geschlechten geheyrathet: vnd Ihme Johann Friderichen von obbmelter Unserer vnd des Reichs Statt Nürnberg innern geheimben Rath dero LosungAbtmans Charge, welche jederZeitt mit alten Geschlechts fähigen Subiectis ver- tretten würdt, anvertrauet worden. Und Er Johan Dietrich in Unsers in Gott Allerseeligst ruhenden herrn vnd Vatters Kaysers Ferdinanden des Dritten höchstseeligsten andenckhens lang vor dem zu Münster vnd Osnabruckh geschlossenen friden: Nach demselben aber in Unsers freündlich geliebten Vettern des Königs von Hißpanien 4den** Kriegsdiensten vile Jahr alls Leütenandt vnd in wehrender solcher Zeitt in vielfältigen bluedigen occasionen, Scharmützeln, Treffen, belager:, erober: vnd einnehmung vornehmer Vestungen, sein herzhaffte großmüetigkeitt, ungescheret einiger Leib- vnd Lebensgefahr, wohlverhalten, welches Zu seinem ruhmb vnd allen ritterlichen Siegliebenden Soldaten zu einem Exempel der nachfolg vorgesetzt werden kan, in welcher bestendigen Devotion gegen Unß dem Hey: (**„4“ dargestellt durch eine unten offene „8“, gemeint ist der spanische König von 1621 – 1665 Philipp IV.) 5. Seite (siehe Abb. 33a): Röm: Reich vnd Unserm löblichen Hauß Österreich Sie beede gebrüdere Zu verharren des vnderthenigsten erbietens seind, auch wohl thuen können, mögen vndt sollen. So haben Wir demnach in gnedigster erkändnuß solcher angesagener treue geleister dienst vnd alten Geschlechts besagten Johan Friderich vnd Johan Dietrichen von Wimpfen genand Herman gebrüderen diese beson- dere Kayserliche Gnad gethan, vnd Sie sambt allen Ihren ehelichen LeibsErben vnd derselben ErbensErben Manns: vnd Weibspersohnen ietzigen vnd Künfftigen in ewige Zeitt in den Stand vnd Grad des Adels Unserer vnd des Hey: Reichs, auch Unserer ErbKönigreich, Fürstenthumb vnd Lande recht gebornen Lehens Turniersgenoß vnd Ritter- messigen Edelleuthen erhebt, darzue gewürdiget, geschborßt, geadelt vnd Sie der Schw:*** Gesellschafft Gemeinschafft des Adels zuegesellet vnd vergleichet, allermaßen vnd ge- stalt, alls ob Sie von Ihren Vier Ahnen Vatter: und Müt- terlichen Geschlechts beederseiths rechtgeborne Lehens Tur- niers genoß vnd Rittermessige Edelleuth weren. Undt (*** „Schw“ = Schwaben) 6. Seite: Zu mehrer geZeügnus vnd gedechtnus solcher erhebung in den Stand vnd Grad des Adels haben Wir Ihnen Johan Friderich vnd Johan Dietrich von Wimpfen genant Hermann gebrü- dern, Ihren ehelichen LeibsErben vnd derselben Erbens Erben, Manns: und Weibspersohnen Ihres Geschlechts bishero geführters uhraltes von Weyland Kaiser Ferdi- nando Primo Christseeligen andenckens ertheiltes wap- pen vnd Cleinod folgender gestalt vermehrt vnd und verbessert, vnd hinfüro in ewige Zeitt alls zu führen vnd Zu gebrauchen gnedig- lich erlaubt vnd gegönnet. Also mit nahmen ein roth: oder rubinfarben Schild, in demselben aufrecht vnd fürnewerds zum Sprung geschickt erscheinend eines weissen oder silberfarben Her- man oder Widergestalt mir gelben Khlaun (?) und gelben ein- werts gekrümmten Hörnern vnd rother außgeschlagener Zungen, auff dem Schildt ein freyer offener adelicher Tur- niers Helmb mit weiß: oder silber: vnd roth oder rubinfarben Helmdeckhen vnd darob einer goldfarben Königlichen Cron geziert, auß welcher Zwischen Zweyen rothen Püffels Hörnern so ihre mundtlöcher von einander kehrend vnd in iedlichem 7. Seite (siehe Abb. 33b): mundloch ein gelbes Lindenplätel und bey seiths an iedem der- (Hier ist die auf den Seiten 6 – 8 beschriebene Wappendarstellung eingeschoben.) selben Püffelshörnern vornen nacheinander stehend ein ab- 8. Seite: gestimmelte gelbe Linden astel, das undere mit dreyen, die Zwey mittern iedes mit zweyen vnd das ober ästel mit einem under- lich hangenden gelben Lindenblädel entspringend, auffrecht vnd fürwerts ein vordertheil eines weißen Herman oder Widergestalt mit gelben Klaun (?) vnd Hörnern wie im Schild. Ehnun und geben Ihnen solche Gnad und Freyheitt, gönnen vnd erlauben Ihnen solches auch hiemit auß Römischer Kay- serlicher macht volkommenheit wissentlich in crafft dieses Brieffs und mainen, setzen und wollen das vorgedachte Johan Friderich vnd Johan Dietrich von Wimpfen genant Herman gebrüder, Ihre eheliche LeibsErben vnd derselben ErbensErben, Manß: vnd Weibspersohnen für und für in ewig Zeitt recht geborne Lehens Turniersgenoß und Rittermessige Edelleüth sein ge- heissen, vnd von menniglich aller orthen vnd enden in allen vnd ieden Händten, geschefften und sachen, Geistlichen vnd Welttlichen, also geehrt, genent, gehalten vnd geschrift werden, darzue alle vnd jede Gnad, Ehr, Würde, Freyheitt, ?????, Recht, Gerechtigkeitt, alt Herkommen vndt guete gewonheit haben, sich auch solcher in allen und ieden ehr- 9. Seite: lichen redlichen adelichen vnd Ritterlichen Sachen vnd Ge- schefften zu Schimpf vnd Ernst, in Stürmen, Streitten, Kempfen, Turniern, Gestechen, Gefechten, Ritterspilen, Veld- Zügen, Panniren, Gezelten auffschlagen, Insiglen, Pett- schafften, Cleinoden, Begrebnussen, Gemählten, und sonst an allen enden vnd orthen, nach ihren Ehren, Notturfften, willen vnd wohlgefallen, freuen, gebrauchen vnd geniessen, alls andere Unsere vnd des Hey: Reichs, auch Unserer Erb- Königreich, Fürstenthumb vnd Lande rechtgeborne Lehens- Turniersgenoß vnd Rittermessige Edelleuth von recht oder gewonheit von allermenniglichen unverhindert. Und gebietten darauf allen vnd Je- den, Churfürsten, Fürsten, Geistlichen und Welttlichen, Praelaten, Graven, Freyen Hei:n****, Rittern, Knechten, Landmarschalckhen, LandsHaubtleuthen, Landvögten, Haubtleuthen, Vitsdomben, Vögten, Pflegern, Verwesern, Ambtleuthen, Landrichtern, Schultheißen, Bürger- meistern, Richtern, Räthen, Bürgern, Gemeindten vnd sonst allen andern Unsern vnd des Reichs, auch Unsern (**** gemeint wohl: Freien Reichsstädten) 10. Seite: ErbKönigreich, Fürstenthumb vnd Lande underthanen und getreuen, was Würden Stand oder Wesens die sein, ernst: vnd bestiglich mit diesem Brieff vnd wollen, daß Sie mehrgedachte Johan Friderich vnd Johan Dietrich von Wimpfen genant Herman gebrüdere, Ihre eheliche leibsErben vnd derselben ErbensErben, Mans: vnd Weibspersoh- nen für und für in ewig Zeitt, also andere Unsere vndt des Heyligen Reichs, auch Unserer ErbKönigreich, Fürstenthumb vnd Lande rechtgeborne Lehens Turniers- genoß vnd Rittermessige Edelleuth, in allen Geistlichen vnd Welttlichen Ständen, Stifften vnd Sachen, wie vor- stehet, alle annehmen, halten, Zuelassen, würdigen, ehren vnd ahn deren obgeschribenen Unsern Kayserlichen Gaben, Gnaden, Freyheiten, Ehren, Würden, Vortheilen, Rech- ten, Gerechtigkeitten, Gesellschafften vnd Gemeinschaf- ten des Adels wie auch an dem adelichen Wappen vnd Cleinod weder hindern noch irren, sondern Sie deren in allen adelichen vnd Ritterlichern sachen vnd geschef- ten gernhiglich vnd ohne irrung gebrauchen, ge- 11. Seite (siehe Abb. 33c): niessen vnd gentslich darbey bleiben lassen, hierniden nicht anfechten, belaidigen oder beschweren, noch das jemants andern Zuthuen gestatten, in kein weiß noch weeg alls lieb einem jeden seye Unser vnd des Reichs schwere Ungnad vnd Straff und darzu ein Poen, nemblich Sechzig Mark lötigs Golds Zu vermeiden, die ein ieder, so offt er frevendlich hierwider thette, Unß halb in Unser vnd des Reichs Cam- mer vnd den andern halben theil offtgedachten gebrüdern Johan friderich vnd Johan Dietrich von Wimpfen genant Herman, Ihren ehe- lichen LeibsErben vnd Nachkommen so hierwider beleidiget vnd den unnachsessig Zu beZahlen verfallen sein solle. Mit vrkund diß Brieffs, besigelt mit Unserm Kayserlichen anhangen- den Insiegel, der Geben ist in Unserer Statt Wienn den Dreyzehenden Monatstag Novembris nach Christi Un- sers lieben Heren vnd Seeligmachers Gnadenreichen Ge- burth im Sechszehnhundert Acht vndFünffzigisten Unserer Reiche des Römischen im Ersten, des Hungarischen im Vierten Leopoldt vnd des Beheimbischen im Dritten Jahre. Ad mandatum Sac: Cas: Majestatis proprium (= Im Auftrag der Heiligen kaiserlichen Majestät persönlich) Unterschrift von: Wilhelmb SchröderTranskription: Anmerkungen: Die in Klammern stehenden Partien in Aufrechtschrift stellen Erläuterungen des Autors dar. Infolge eingeschränkter Druckqualität der Vorlage sind da und dort gewisse Teile des Wortgutes nicht zweifelsfreri entzifferbar, insbesondere Satz- und Trennungszeichen, sofern diese sich überhaupt eingebracht finden, sind vielfach nicht ausmachbar. Da und dort haben jedoch die Rudiment-Texte der deutschen wie auch der französischen Transkription Hilfestellung geleistet, obgleich diese im Detail nicht immer der Urvorlage genau entsprechen. Um die Lesbarkeit und Sinnaufnahme zu erleichtern, wurden hier Worttrennung und Kommasetzung nach heutiger Regelsetzung, unabhängig davon, wie diese sich in der (diesbezüglich nur unzureichend ablesbaren) Originalfassung darbieten, eingebracht. Der im Original häufig zu findende Doppelpunkt stellt in der Regel eine Wortabkürzung, manchmal aber auch die Auslassung einer Endsilbe vor einer nachher auftretenden Endsilbenwiederholung dar. „Z“ erscheint kaum je einmal klein geschrieben als „z“ und ist hier grundsätzlich in der vorgegebenen Weise wiedergegeben. 1. Seite: Wir Leopoldt von Gottes gnaden Erwöl- ter Römischer Kaißer, Zu Allen Zeit- ten Mehrer des Reichs in Germa- nien, Zu Hungarn, Böheimb, Dalma- tien, Croatien vnd Sclavonien, König, ErtzHertzog Zu Österrreich, Hertzog Zue Burgund, Zu Braband, Zu Steyer, Zu Kärn- den, Zu Cnein, Zu Lutzenburg, Zu Würt- temberg, Ober: vnd NiederSchlesien, Fürst Zu Schwaben, Marggrave des Hey: Rö- mischen Reichs, Zu Burgaw, Zu Mähren, Ober: vnd Nieder Laußnitz, gefürste: Gra- ve Zu Nablburg, Zu Tyrol, Zu Pfierd, Zu Ky- Burg vnd Zu Görtz, Landgrave in Elsas, Herr auff der Windischen Marckh, Zu Por- tenaw vnd Zu Salins etc. 2. Seite: Bekhennen für Unß vnd Unßere Nachkomen am Reich vnd andern Unsern Erblichen Königreichen, Fürsten- thumben vnd Landen öffentlich mit diesem Brieff, vnd thuen Kundt allermenniglich: Wiewohl Wir auß Römischer Kayserlicher Höhe vnd Würdigkeitt, darein Uns der Allmechtige nach seinem Göttlichen willen gesetzt hat, auch angeborner güette und mildigkeitt, alle Zeitt geneigt sein, aller vnd ieder Unserer und deß Hen: Röm: Reichs, auch Unserer ErbKönigreich Fürsten- thumb vnd Lande Underthanen vnd getreuen, Ehr Nutz auffnehmen vnd bestes Zu betrachten vndt Zu befördern. So würd doch Unser Kayserlich Gemüeth allZeitt mehrers bewegt vnd begierlicher denen Unser Kay: Gnad vnd Sanfftmüetigkeitt mit Zutheilen, vnd Sie mit sondern gnaden vnd Freyheitten Zu für- sehen vnd Zubegaben, deren VorEltern vnd Sie selbsten von altem Geschlecht vnd Standt herkhomen, deß- gleichen sich adelicher guetter Sitten,Tugend, Wan- del vnd Wesens befleissen vnd Unnß dem Hey: Röm: 3. Seite: Reich vnd Unserm löblichen Hauß Österreich mit stehter vndertheniger getreuer dienstbarkeitt vor andern allZeit gehorsamb anhängig vnd verwandt seind. Wan Wir nun gnediglich angesehen wargenohmen vndt be- trachtet, das alte Geschlecht, Standt und Herkommen, auch adeliche guete Sitten, Dapferkeit, Tugend, Wandel, Thaten vnd Vernunfft damit vor Unserer Kayserl: Mett:* Unsere vnd des Reichs liebe getreue Johann Friderich vnd Johann Dietrich von Wimpfen gnand Herman gebrüdere sonderbar be- rüembt worden, insonderheit aber, die angenehme treue gehorsambste dienst, so Sie und Ihre VorEltern des Ge- schlechts von Wimpfen, gnand Hermanner. Unnsern löblichen Vorfahren, dem Heyl: Röm: Reich und Unserm Hochlöblichen Erbhauß Österreich, zu Kriegs: vndt Fridens Zeitten ie: vnd alleZeitt in vile weeg, nutz: vnd hoch- erßbrieslich erzaigt vnd bewiesen, vnd das Ihr Geschlecht und Herkommen von unerdenckhlichen Jahren in Unser und des Hey: Reichs Stätten zu AugßBurg, anietso aber in Nürnberg bey hundert fünftZig Jahr vnder den (* = Majestät) 4. Seite: vorderisten Standt geachtet, in die Rathsfähige Geschlechten geheyrathet: vnd Ihme Johann Friderichen von obbmelter Unserer vnd des Reichs Statt Nürnberg innern geheimben Rath dero LosungAbtmans Charge, welche jederZeitt mit alten Geschlechts fähigen Subiectis ver- tretten würdt, anvertrauet worden. Und Er Johan Dietrich in Unsers in Gott Allerseeligst ruhenden herrn vnd Vatters Kaysers Ferdinanden des Dritten höchstseeligsten andenckhens lang vor dem zu Münster vnd Osnabruckh geschlossenen friden: Nach demselben aber in Unsers freündlich geliebten Vettern des Königs von Hißpanien 4den** Kriegsdiensten vile Jahr alls Leütenandt vnd in wehrender solcher Zeitt in vielfältigen bluedigen occasionen, Scharmützeln, Treffen, belager:, erober: vnd einnehmung vornehmer Vestungen, sein herzhaffte großmüetigkeitt, ungescheret einiger Leib- vnd Lebensgefahr, wohlverhalten, welches Zu seinem ruhmb vnd allen ritterlichen Siegliebenden Soldaten zu einem Exempel der nachfolg vorgesetzt werden kan, in welcher bestendigen Devotion gegen Unß dem Hey: (**„4“ dargestellt durch eine unten offene „8“, gemeint ist der spanische König von 1621 – 1665 Philipp IV.) 5. Seite (siehe Abb. 33a): Röm: Reich vnd Unserm löblichen Hauß Österreich Sie beede gebrüdere Zu verharren des vnderthenigsten erbietens seind, auch wohl thuen können, mögen vndt sollen. So haben Wir demnach in gnedigster erkändnuß solcher angesagener treue geleister dienst vnd alten Geschlechts besagten Johan Friderich vnd Johan Dietrichen von Wimpfen genand Herman gebrüderen diese beson- dere Kayserliche Gnad gethan, vnd Sie sambt allen Ihren ehelichen LeibsErben vnd derselben ErbensErben Manns: vnd Weibspersohnen ietzigen vnd Künfftigen in ewige Zeitt in den Stand vnd Grad des Adels Unserer vnd des Hey: Reichs, auch Unserer ErbKönigreich, Fürstenthumb vnd Lande recht gebornen Lehens Turniersgenoß vnd Ritter- messigen Edelleuthen erhebt, darzue gewürdiget, geschborßt, geadelt vnd Sie der Schw:*** Gesellschafft Gemeinschafft des Adels zuegesellet vnd vergleichet, allermaßen vnd ge- stalt, alls ob Sie von Ihren Vier Ahnen Vatter: und Müt- terlichen Geschlechts beederseiths rechtgeborne Lehens Tur- niers genoß vnd Rittermessige Edelleuth weren. Undt (*** „Schw“ = Schwaben) 6. Seite: Zu mehrer geZeügnus vnd gedechtnus solcher erhebung in den Stand vnd Grad des Adels haben Wir Ihnen Johan Friderich vnd Johan Dietrich von Wimpfen genant Hermann gebrü- dern, Ihren ehelichen LeibsErben vnd derselben Erbens Erben, Manns: und Weibspersohnen Ihres Geschlechts bishero geführters uhraltes von Weyland Kaiser Ferdi- nando Primo Christseeligen andenckens ertheiltes wap- pen vnd Cleinod folgender gestalt vermehrt vnd und verbessert, vnd hinfüro in ewige Zeitt alls zu führen vnd Zu gebrauchen gnedig- lich erlaubt vnd gegönnet. Also mit nahmen ein roth: oder rubinfarben Schild, in demselben aufrecht vnd fürnewerds zum Sprung geschickt erscheinend eines weissen oder silberfarben Her- man oder Widergestalt mir gelben Khlaun (?) und gelben ein- werts gekrümmten Hörnern vnd rother außgeschlagener Zungen, auff dem Schildt ein freyer offener adelicher Tur- niers Helmb mit weiß: oder silber: vnd roth oder rubinfarben Helmdeckhen vnd darob einer goldfarben Königlichen Cron geziert, auß welcher Zwischen Zweyen rothen Püffels Hörnern so ihre mundtlöcher von einander kehrend vnd in iedlichem 7. Seite (siehe Abb. 33b): mundloch ein gelbes Lindenplätel und bey seiths an iedem der- (Hier ist die auf den Seiten 6 – 8 beschriebene Wappendarstellung eingeschoben.) selben Püffelshörnern vornen nacheinander stehend ein ab- 8. Seite: gestimmelte gelbe Linden astel, das undere mit dreyen, die Zwey mittern iedes mit zweyen vnd das ober ästel mit einem under- lich hangenden gelben Lindenblädel entspringend, auffrecht vnd fürwerts ein vordertheil eines weißen Herman oder Widergestalt mit gelben Klaun (?) vnd Hörnern wie im Schild. Ehnun und geben Ihnen solche Gnad und Freyheitt, gönnen vnd erlauben Ihnen solches auch hiemit auß Römischer Kay- serlicher macht volkommenheit wissentlich in crafft dieses Brieffs und mainen, setzen und wollen das vorgedachte Johan Friderich vnd Johan Dietrich von Wimpfen genant Herman gebrüder, Ihre eheliche LeibsErben vnd derselben ErbensErben, Manß: vnd Weibspersohnen für und für in ewig Zeitt recht geborne Lehens Turniersgenoß und Rittermessige Edelleüth sein ge- heissen, vnd von menniglich aller orthen vnd enden in allen vnd ieden Händten, geschefften und sachen, Geistlichen vnd Welttlichen, also geehrt, genent, gehalten vnd geschrift werden, darzue alle vnd jede Gnad, Ehr, Würde, Freyheitt, ?????, Recht, Gerechtigkeitt, alt Herkommen vndt guete gewonheit haben, sich auch solcher in allen und ieden ehr- 9. Seite: lichen redlichen adelichen vnd Ritterlichen Sachen vnd Ge- schefften zu Schimpf vnd Ernst, in Stürmen, Streitten, Kempfen, Turniern, Gestechen, Gefechten, Ritterspilen, Veld- Zügen, Panniren, Gezelten auffschlagen, Insiglen, Pett- schafften, Cleinoden, Begrebnussen, Gemählten, und sonst an allen enden vnd orthen, nach ihren Ehren, Notturfften, willen vnd wohlgefallen, freuen, gebrauchen vnd geniessen, alls andere Unsere vnd des Hey: Reichs, auch Unserer Erb- Königreich, Fürstenthumb vnd Lande rechtgeborne Lehens- Turniersgenoß vnd Rittermessige Edelleuth von recht oder gewonheit von allermenniglichen unverhindert. Und gebietten darauf allen vnd Je- den, Churfürsten, Fürsten, Geistlichen und Welttlichen, Praelaten, Graven, Freyen Hei:n****, Rittern, Knechten, Landmarschalckhen, LandsHaubtleuthen, Landvögten, Haubtleuthen, Vitsdomben, Vögten, Pflegern, Verwesern, Ambtleuthen, Landrichtern, Schultheißen, Bürger- meistern, Richtern, Räthen, Bürgern, Gemeindten vnd sonst allen andern Unsern vnd des Reichs, auch Unsern (**** gemeint wohl: Freien Reichsstädten) 10. Seite: ErbKönigreich, Fürstenthumb vnd Lande underthanen und getreuen, was Würden Stand oder Wesens die sein, ernst: vnd bestiglich mit diesem Brieff vnd wollen, daß Sie mehrgedachte Johan Friderich vnd Johan Dietrich von Wimpfen genant Herman gebrüdere, Ihre eheliche leibsErben vnd derselben ErbensErben, Mans: vnd Weibspersoh- nen für und für in ewig Zeitt, also andere Unsere vndt des Heyligen Reichs, auch Unserer ErbKönigreich, Fürstenthumb vnd Lande rechtgeborne Lehens Turniers- genoß vnd Rittermessige Edelleuth, in allen Geistlichen vnd Welttlichen Ständen, Stifften vnd Sachen, wie vor- stehet, alle annehmen, halten, Zuelassen, würdigen, ehren vnd ahn deren obgeschribenen Unsern Kayserlichen Gaben, Gnaden, Freyheiten, Ehren, Würden, Vortheilen, Rech- ten, Gerechtigkeitten, Gesellschafften vnd Gemeinschaf- ten des Adels wie auch an dem adelichen Wappen vnd Cleinod weder hindern noch irren, sondern Sie deren in allen adelichen vnd Ritterlichern sachen vnd geschef- ten gernhiglich vnd ohne irrung gebrauchen, ge- 11. Seite (siehe Abb. 33c): niessen vnd gentslich darbey bleiben lassen, hierniden nicht anfechten, belaidigen oder beschweren, noch das jemants andern Zuthuen gestatten, in kein weiß noch weeg alls lieb einem jeden seye Unser vnd des Reichs schwere Ungnad vnd Straff und darzu ein Poen, nemblich Sechzig Mark lötigs Golds Zu vermeiden, die ein ieder, so offt er frevendlich hierwider thette, Unß halb in Unser vnd des Reichs Cam- mer vnd den andern halben theil offtgedachten gebrüdern Johan friderich vnd Johan Dietrich von Wimpfen genant Herman, Ihren ehe- lichen LeibsErben vnd Nachkommen so hierwider beleidiget vnd den unnachsessig Zu beZahlen verfallen sein solle. Mit vrkund diß Brieffs, besigelt mit Unserm Kayserlichen anhangen- den Insiegel, der Geben ist in Unserer Statt Wienn den Dreyzehenden Monatstag Novembris nach Christi Un- sers lieben Heren vnd Seeligmachers Gnadenreichen Ge- burth im Sechszehnhundert Acht vndFünffzigisten Unserer Reiche des Römischen im Ersten, des Hungarischen im Vierten Leopoldt vnd des Beheimbischen im Dritten Jahre. Ad mandatum Sac: Cas: Majestatis proprium (= Im Auftrag der Heiligen kaiserlichen Majestät persönlich) Unterschrift von: Wilhelmb SchröderTranskription: Anmerkungen: Die in Klammern stehenden Partien in Aufrechtschrift stellen Erläuterungen des Autors dar. Infolge eingeschränkter Druckqualität der Vorlage sind da und dort gewisse Teile des Wortgutes nicht zweifelsfreri entzifferbar, insbesondere Satz- und Trennungszeichen, sofern diese sich überhaupt eingebracht finden, sind vielfach nicht ausmachbar. Da und dort haben jedoch die Rudiment-Texte der deutschen wie auch der französischen Transkription Hilfestellung geleistet, obgleich diese im Detail nicht immer der Urvorlage genau entsprechen. Um die Lesbarkeit und Sinnaufnahme zu erleichtern, wurden hier Worttrennung und Kommasetzung nach heutiger Regelsetzung, unabhängig davon, wie diese sich in der (diesbezüglich nur unzureichend ablesbaren) Originalfassung darbieten, eingebracht. Der im Original häufig zu findende Doppelpunkt stellt in der Regel eine Wortabkürzung, manchmal aber auch die Auslassung einer Endsilbe vor einer nachher auftretenden Endsilbenwiederholung dar. „Z“ erscheint kaum je einmal klein geschrieben als „z“ und ist hier grundsätzlich in der vorgegebenen Weise wiedergegeben. 1. Seite: Wir Leopoldt von Gottes gnaden Erwöl- ter Römischer Kaißer, Zu Allen Zeit- ten Mehrer des Reichs in Germa- nien, Zu Hungarn, Böheimb, Dalma- tien, Croatien vnd Sclavonien, König, ErtzHertzog Zu Österrreich, Hertzog Zue Burgund, Zu Braband, Zu Steyer, Zu Kärn- den, Zu Cnein, Zu Lutzenburg, Zu Würt- temberg, Ober: vnd NiederSchlesien, Fürst Zu Schwaben, Marggrave des Hey: Rö- mischen Reichs, Zu Burgaw, Zu Mähren, Ober: vnd Nieder Laußnitz, gefürste: Gra- ve Zu Nablburg, Zu Tyrol, Zu Pfierd, Zu Ky- Burg vnd Zu Görtz, Landgrave in Elsas, Herr auff der Windischen Marckh, Zu Por- tenaw vnd Zu Salins etc. 2. Seite: Bekhennen für Unß vnd Unßere Nachkomen am Reich vnd andern Unsern Erblichen Königreichen, Fürsten- thumben vnd Landen öffentlich mit diesem Brieff, vnd thuen Kundt allermenniglich: Wiewohl Wir auß Römischer Kayserlicher Höhe vnd Würdigkeitt, darein Uns der Allmechtige nach seinem Göttlichen willen gesetzt hat, auch angeborner güette und mildigkeitt, alle Zeitt geneigt sein, aller vnd ieder Unserer und deß Hen: Röm: Reichs, auch Unserer ErbKönigreich Fürsten- thumb vnd Lande Underthanen vnd getreuen, Ehr Nutz auffnehmen vnd bestes Zu betrachten vndt Zu befördern. So würd doch Unser Kayserlich Gemüeth allZeitt mehrers bewegt vnd begierlicher denen Unser Kay: Gnad vnd Sanfftmüetigkeitt mit Zutheilen, vnd Sie mit sondern gnaden vnd Freyheitten Zu für- sehen vnd Zubegaben, deren VorEltern vnd Sie selbsten von altem Geschlecht vnd Standt herkhomen, deß- gleichen sich adelicher guetter Sitten,Tugend, Wan- del vnd Wesens befleissen vnd Unnß dem Hey: Röm: 3. Seite: Reich vnd Unserm löblichen Hauß Österreich mit stehter vndertheniger getreuer dienstbarkeitt vor andern allZeit gehorsamb anhängig vnd verwandt seind. Wan Wir nun gnediglich angesehen wargenohmen vndt be- trachtet, das alte Geschlecht, Standt und Herkommen, auch adeliche guete Sitten, Dapferkeit, Tugend, Wandel, Thaten vnd Vernunfft damit vor Unserer Kayserl: Mett:* Unsere vnd des Reichs liebe getreue Johann Friderich vnd Johann Dietrich von Wimpfen gnand Herman gebrüdere sonderbar be- rüembt worden, insonderheit aber, die angenehme treue gehorsambste dienst, so Sie und Ihre VorEltern des Ge- schlechts von Wimpfen, gnand Hermanner. Unnsern löblichen Vorfahren, dem Heyl: Röm: Reich und Unserm Hochlöblichen Erbhauß Österreich, zu Kriegs: vndt Fridens Zeitten ie: vnd alleZeitt in vile weeg, nutz: vnd hoch- erßbrieslich erzaigt vnd bewiesen, vnd das Ihr Geschlecht und Herkommen von unerdenckhlichen Jahren in Unser und des Hey: Reichs Stätten zu AugßBurg, anietso aber in Nürnberg bey hundert fünftZig Jahr vnder den (* = Majestät) 4. Seite: vorderisten Standt geachtet, in die Rathsfähige Geschlechten geheyrathet: vnd Ihme Johann Friderichen von obbmelter Unserer vnd des Reichs Statt Nürnberg innern geheimben Rath dero LosungAbtmans Charge, welche jederZeitt mit alten Geschlechts fähigen Subiectis ver- tretten würdt, anvertrauet worden. Und Er Johan Dietrich in Unsers in Gott Allerseeligst ruhenden herrn vnd Vatters Kaysers Ferdinanden des Dritten höchstseeligsten andenckhens lang vor dem zu Münster vnd Osnabruckh geschlossenen friden: Nach demselben aber in Unsers freündlich geliebten Vettern des Königs von Hißpanien 4den** Kriegsdiensten vile Jahr alls Leütenandt vnd in wehrender solcher Zeitt in vielfältigen bluedigen occasionen, Scharmützeln, Treffen, belager:, erober: vnd einnehmung vornehmer Vestungen, sein herzhaffte großmüetigkeitt, ungescheret einiger Leib- vnd Lebensgefahr, wohlverhalten, welches Zu seinem ruhmb vnd allen ritterlichen Siegliebenden Soldaten zu einem Exempel der nachfolg vorgesetzt werden kan, in welcher bestendigen Devotion gegen Unß dem Hey: (**„4“ dargestellt durch eine unten offene „8“, gemeint ist der spanische König von 1621 – 1665 Philipp IV.) 5. Seite (siehe Abb. 33a): Röm: Reich vnd Unserm löblichen Hauß Österreich Sie beede gebrüdere Zu verharren des vnderthenigsten erbietens seind, auch wohl thuen können, mögen vndt sollen. So haben Wir demnach in gnedigster erkändnuß solcher angesagener treue geleister dienst vnd alten Geschlechts besagten Johan Friderich vnd Johan Dietrichen von Wimpfen genand Herman gebrüderen diese beson- dere Kayserliche Gnad gethan, vnd Sie sambt allen Ihren ehelichen LeibsErben vnd derselben ErbensErben Manns: vnd Weibspersohnen ietzigen vnd Künfftigen in ewige Zeitt in den Stand vnd Grad des Adels Unserer vnd des Hey: Reichs, auch Unserer ErbKönigreich, Fürstenthumb vnd Lande recht gebornen Lehens Turniersgenoß vnd Ritter- messigen Edelleuthen erhebt, darzue gewürdiget, geschborßt, geadelt vnd Sie der Schw:*** Gesellschafft Gemeinschafft des Adels zuegesellet vnd vergleichet, allermaßen vnd ge- stalt, alls ob Sie von Ihren Vier Ahnen Vatter: und Müt- terlichen Geschlechts beederseiths rechtgeborne Lehens Tur- niers genoß vnd Rittermessige Edelleuth weren. Undt (*** „Schw“ = Schwaben) 6. Seite: Zu mehrer geZeügnus vnd gedechtnus solcher erhebung in den Stand vnd Grad des Adels haben Wir Ihnen Johan Friderich vnd Johan Dietrich von Wimpfen genant Hermann gebrü- dern, Ihren ehelichen LeibsErben vnd derselben Erbens Erben, Manns: und Weibspersohnen Ihres Geschlechts bishero geführters uhraltes von Weyland Kaiser Ferdi- nando Primo Christseeligen andenckens ertheiltes wap- pen vnd Cleinod folgender gestalt vermehrt vnd und verbessert, vnd hinfüro in ewige Zeitt alls zu führen vnd Zu gebrauchen gnedig- lich erlaubt vnd gegönnet. Also mit nahmen ein roth: oder rubinfarben Schild, in demselben aufrecht vnd fürnewerds zum Sprung geschickt erscheinend eines weissen oder silberfarben Her- man oder Widergestalt mir gelben Khlaun (?) und gelben ein- werts gekrümmten Hörnern vnd rother außgeschlagener Zungen, auff dem Schildt ein freyer offener adelicher Tur- niers Helmb mit weiß: oder silber: vnd roth oder rubinfarben Helmdeckhen vnd darob einer goldfarben Königlichen Cron geziert, auß welcher Zwischen Zweyen rothen Püffels Hörnern so ihre mundtlöcher von einander kehrend vnd in iedlichem 7. Seite (siehe Abb. 33b): mundloch ein gelbes Lindenplätel und bey seiths an iedem der- (Hier ist die auf den Seiten 6 – 8 beschriebene Wappendarstellung eingeschoben.) selben Püffelshörnern vornen nacheinander stehend ein ab- 8. Seite: gestimmelte gelbe Linden astel, das undere mit dreyen, die Zwey mittern iedes mit zweyen vnd das ober ästel mit einem under- lich hangenden gelben Lindenblädel entspringend, auffrecht vnd fürwerts ein vordertheil eines weißen Herman oder Widergestalt mit gelben Klaun (?) vnd Hörnern wie im Schild. Ehnun und geben Ihnen solche Gnad und Freyheitt, gönnen vnd erlauben Ihnen solches auch hiemit auß Römischer Kay- serlicher macht volkommenheit wissentlich in crafft dieses Brieffs und mainen, setzen und wollen das vorgedachte Johan Friderich vnd Johan Dietrich von Wimpfen genant Herman gebrüder, Ihre eheliche LeibsErben vnd derselben ErbensErben, Manß: vnd Weibspersohnen für und für in ewig Zeitt recht geborne Lehens Turniersgenoß und Rittermessige Edelleüth sein ge- heissen, vnd von menniglich aller orthen vnd enden in allen vnd ieden Händten, geschefften und sachen, Geistlichen vnd Welttlichen, also geehrt, genent, gehalten vnd geschrift werden, darzue alle vnd jede Gnad, Ehr, Würde, Freyheitt, ?????, Recht, Gerechtigkeitt, alt Herkommen vndt guete gewonheit haben, sich auch solcher in allen und ieden ehr- 9. Seite: lichen redlichen adelichen vnd Ritterlichen Sachen vnd Ge- schefften zu Schimpf vnd Ernst, in Stürmen, Streitten, Kempfen, Turniern, Gestechen, Gefechten, Ritterspilen, Veld- Zügen, Panniren, Gezelten auffschlagen, Insiglen, Pett- schafften, Cleinoden, Begrebnussen, Gemählten, und sonst an allen enden vnd orthen, nach ihren Ehren, Notturfften, willen vnd wohlgefallen, freuen, gebrauchen vnd geniessen, alls andere Unsere vnd des Hey: Reichs, auch Unserer Erb- Königreich, Fürstenthumb vnd Lande rechtgeborne Lehens- Turniersgenoß vnd Rittermessige Edelleuth von recht oder gewonheit von allermenniglichen unverhindert. Und gebietten darauf allen vnd Je- den, Churfürsten, Fürsten, Geistlichen und Welttlichen, Praelaten, Graven, Freyen Hei:n****, Rittern, Knechten, Landmarschalckhen, LandsHaubtleuthen, Landvögten, Haubtleuthen, Vitsdomben, Vögten, Pflegern, Verwesern, Ambtleuthen, Landrichtern, Schultheißen, Bürger- meistern, Richtern, Räthen, Bürgern, Gemeindten vnd sonst allen andern Unsern vnd des Reichs, auch Unsern (**** gemeint wohl: Freien Reichsstädten) 10. Seite: ErbKönigreich, Fürstenthumb vnd Lande underthanen und getreuen, was Würden Stand oder Wesens die sein, ernst: vnd bestiglich mit diesem Brieff vnd wollen, daß Sie mehrgedachte Johan Friderich vnd Johan Dietrich von Wimpfen genant Herman gebrüdere, Ihre eheliche leibsErben vnd derselben ErbensErben, Mans: vnd Weibspersoh- nen für und für in ewig Zeitt, also andere Unsere vndt des Heyligen Reichs, auch Unserer ErbKönigreich, Fürstenthumb vnd Lande rechtgeborne Lehens Turniers- genoß vnd Rittermessige Edelleuth, in allen Geistlichen vnd Welttlichen Ständen, Stifften vnd Sachen, wie vor- stehet, alle annehmen, halten, Zuelassen, würdigen, ehren vnd ahn deren obgeschribenen Unsern Kayserlichen Gaben, Gnaden, Freyheiten, Ehren, Würden, Vortheilen, Rech- ten, Gerechtigkeitten, Gesellschafften vnd Gemeinschaf- ten des Adels wie auch an dem adelichen Wappen vnd Cleinod weder hindern noch irren, sondern Sie deren in allen adelichen vnd Ritterlichern sachen vnd geschef- ten gernhiglich vnd ohne irrung gebrauchen, ge- 11. Seite (siehe Abb. 33c): niessen vnd gentslich darbey bleiben lassen, hierniden nicht anfechten, belaidigen oder beschweren, noch das jemants andern Zuthuen gestatten, in kein weiß noch weeg alls lieb einem jeden seye Unser vnd des Reichs schwere Ungnad vnd Straff und darzu ein Poen, nemblich Sechzig Mark lötigs Golds Zu vermeiden, die ein ieder, so offt er frevendlich hierwider thette, Unß halb in Unser vnd des Reichs Cam- mer vnd den andern halben theil offtgedachten gebrüdern Johan friderich vnd Johan Dietrich von Wimpfen genant Herman, Ihren ehe- lichen LeibsErben vnd Nachkommen so hierwider beleidiget vnd den unnachsessig Zu beZahlen verfallen sein solle. Mit vrkund diß Brieffs, besigelt mit Unserm Kayserlichen anhangen- den Insiegel, der Geben ist in Unserer Statt Wienn den Dreyzehenden Monatstag Novembris nach Christi Un- sers lieben Heren vnd Seeligmachers Gnadenreichen Ge- burth im Sechszehnhundert Acht vndFünffzigisten Unserer Reiche des Römischen im Ersten, des Hungarischen im Vierten Leopoldt vnd des Beheimbischen im Dritten Jahre. Ad mandatum Sac: Cas: Majestatis proprium (= Im Auftrag der Heiligen kaiserlichen Majestät persönlich)Transkription: Anmerkungen: Die in Klammern stehenden Partien in Aufrechtschrift stellen Erläuterungen des Autors dar. Infolge eingeschränkter Druckqualität der Vorlage sind da und dort gewisse Teile des Wortgutes nicht zweifelsfreri entzifferbar, insbesondere Satz- und Trennungszeichen, sofern diese sich überhaupt eingebracht finden, sind vielfach nicht ausmachbar. Da und dort haben jedoch die Rudiment-Texte der deutschen wie auch der französischen Transkription Hilfestellung geleistet, obgleich diese im Detail nicht immer der Urvorlage genau entsprechen. Um die Lesbarkeit und Sinnaufnahme zu erleichtern, wurden hier Worttrennung und Kommasetzung nach heutiger Regelsetzung, unabhängig davon, wie diese sich in der (diesbezüglich nur unzureichend ablesbaren) Originalfassung darbieten, eingebracht. Der im Original häufig zu findende Doppelpunkt stellt in der Regel eine Wortabkürzung, manchmal aber auch die Auslassung einer Endsilbe vor einer nachher auftretenden Endsilbenwiederholung dar. „Z“ erscheint kaum je einmal klein geschrieben als „z“ und ist hier grundsätzlich in der vorgegebenen Weise wiedergegeben. 1. Seite: Wir Leopoldt von Gottes gnaden Erwöl- ter Römischer Kaißer, Zu Allen Zeit- ten Mehrer des Reichs in Germa- nien, Zu Hungarn, Böheimb, Dalma- tien, Croatien vnd Sclavonien, König, ErtzHertzog Zu Österrreich, Hertzog Zue Burgund, Zu Braband, Zu Steyer, Zu Kärn- den, Zu Cnein, Zu Lutzenburg, Zu Würt- temberg, Ober: vnd NiederSchlesien, Fürst Zu Schwaben, Marggrave des Hey: Rö- mischen Reichs, Zu Burgaw, Zu Mähren, Ober: vnd Nieder Laußnitz, gefürste: Gra- ve Zu Nablburg, Zu Tyrol, Zu Pfierd, Zu Ky- Burg vnd Zu Görtz, Landgrave in Elsas, Herr auff der Windischen Marckh, Zu Por- tenaw vnd Zu Salins etc. 2. Seite: Bekhennen für Unß vnd Unßere Nachkomen am Reich vnd andern Unsern Erblichen Königreichen, Fürsten- thumben vnd Landen öffentlich mit diesem Brieff, vnd thuen Kundt allermenniglich: Wiewohl Wir auß Römischer Kayserlicher Höhe vnd Würdigkeitt, darein Uns der Allmechtige nach seinem Göttlichen willen gesetzt hat, auch angeborner güette und mildigkeitt, alle Zeitt geneigt sein, aller vnd ieder Unserer und deß Hen: Röm: Reichs, auch Unserer ErbKönigreich Fürsten- thumb vnd Lande Underthanen vnd getreuen, Ehr Nutz auffnehmen vnd bestes Zu betrachten vndt Zu befördern. So würd doch Unser Kayserlich Gemüeth allZeitt mehrers bewegt vnd begierlicher denen Unser Kay: Gnad vnd Sanfftmüetigkeitt mit Zutheilen, vnd Sie mit sondern gnaden vnd Freyheitten Zu für- sehen vnd Zubegaben, deren VorEltern vnd Sie selbsten von altem Geschlecht vnd Standt herkhomen, deß- gleichen sich adelicher guetter Sitten,Tugend, Wan- del vnd Wesens befleissen vnd Unnß dem Hey: Röm: 3. Seite: Reich vnd Unserm löblichen Hauß Österreich mit stehter vndertheniger getreuer dienstbarkeitt vor andern allZeit gehorsamb anhängig vnd verwandt seind. Wan Wir nun gnediglich angesehen wargenohmen vndt be- trachtet, das alte Geschlecht, Standt und Herkommen, auch adeliche guete Sitten, Dapferkeit, Tugend, Wandel, Thaten vnd Vernunfft damit vor Unserer Kayserl: Mett:* Unsere vnd des Reichs liebe getreue Johann Friderich vnd Johann Dietrich von Wimpfen gnand Herman gebrüdere sonderbar be- rüembt worden, insonderheit aber, die angenehme treue gehorsambste dienst, so Sie und Ihre VorEltern des Ge- schlechts von Wimpfen, gnand Hermanner. Unnsern löblichen Vorfahren, dem Heyl: Röm: Reich und Unserm Hochlöblichen Erbhauß Österreich, zu Kriegs: vndt Fridens Zeitten ie: vnd alleZeitt in vile weeg, nutz: vnd hoch- erßbrieslich erzaigt vnd bewiesen, vnd das Ihr Geschlecht und Herkommen von unerdenckhlichen Jahren in Unser und des Hey: Reichs Stätten zu AugßBurg, anietso aber in Nürnberg bey hundert fünftZig Jahr vnder den (* = Majestät) 4. Seite: vorderisten Standt geachtet, in die Rathsfähige Geschlechten geheyrathet: vnd Ihme Johann Friderichen von obbmelter Unserer vnd des Reichs Statt Nürnberg innern geheimben Rath dero LosungAbtmans Charge, welche jederZeitt mit alten Geschlechts fähigen Subiectis ver- tretten würdt, anvertrauet worden. Und Er Johan Dietrich in Unsers in Gott Allerseeligst ruhenden herrn vnd Vatters Kaysers Ferdinanden des Dritten höchstseeligsten andenckhens lang vor dem zu Münster vnd Osnabruckh geschlossenen friden: Nach demselben aber in Unsers freündlich geliebten Vettern des Königs von Hißpanien 4den** Kriegsdiensten vile Jahr alls Leütenandt vnd in wehrender solcher Zeitt in vielfältigen bluedigen occasionen, Scharmützeln, Treffen, belager:, erober: vnd einnehmung vornehmer Vestungen, sein herzhaffte großmüetigkeitt, ungescheret einiger Leib- vnd Lebensgefahr, wohlverhalten, welches Zu seinem ruhmb vnd allen ritterlichen Siegliebenden Soldaten zu einem Exempel der nachfolg vorgesetzt werden kan, in welcher bestendigen Devotion gegen Unß dem Hey: (**„4“ dargestellt durch eine unten offene „8“, gemeint ist der spanische König von 1621 – 1665 Philipp IV.) 5. Seite (siehe Abb. 33a): Röm: Reich vnd Unserm löblichen Hauß Österreich Sie beede gebrüdere Zu verharren des vnderthenigsten erbietens seind, auch wohl thuen können, mögen vndt sollen. So haben Wir demnach in gnedigster erkändnuß solcher angesagener treue geleister dienst vnd alten Geschlechts besagten Johan Friderich vnd Johan Dietrichen von Wimpfen genand Herman gebrüderen diese beson- dere Kayserliche Gnad gethan, vnd Sie sambt allen Ihren ehelichen LeibsErben vnd derselben ErbensErben Manns: vnd Weibspersohnen ietzigen vnd Künfftigen in ewige Zeitt in den Stand vnd Grad des Adels Unserer vnd des Hey: Reichs, auch Unserer ErbKönigreich, Fürstenthumb vnd Lande recht gebornen Lehens Turniersgenoß vnd Ritter- messigen Edelleuthen erhebt, darzue gewürdiget, geschborßt, geadelt vnd Sie der Schw:*** Gesellschafft Gemeinschafft des Adels zuegesellet vnd vergleichet, allermaßen vnd ge- stalt, alls ob Sie von Ihren Vier Ahnen Vatter: und Müt- terlichen Geschlechts beederseiths rechtgeborne Lehens Tur- niers genoß vnd Rittermessige Edelleuth weren. Undt (*** „Schw“ = Schwaben) 6. Seite: Zu mehrer geZeügnus vnd gedechtnus solcher erhebung in den Stand vnd Grad des Adels haben Wir Ihnen Johan Friderich vnd Johan Dietrich von Wimpfen genant Hermann gebrü- dern, Ihren ehelichen LeibsErben vnd derselben Erbens Erben, Manns: und Weibspersohnen Ihres Geschlechts bishero geführters uhraltes von Weyland Kaiser Ferdi- nando Primo Christseeligen andenckens ertheiltes wap- pen vnd Cleinod folgender gestalt vermehrt vnd und verbessert, vnd hinfüro in ewige Zeitt alls zu führen vnd Zu gebrauchen gnedig- lich erlaubt vnd gegönnet. Also mit nahmen ein roth: oder rubinfarben Schild, in demselben aufrecht vnd fürnewerds zum Sprung geschickt erscheinend eines weissen oder silberfarben Her- man oder Widergestalt mir gelben Khlaun (?) und gelben ein- werts gekrümmten Hörnern vnd rother außgeschlagener Zungen, auff dem Schildt ein freyer offener adelicher Tur- niers Helmb mit weiß: oder silber: vnd roth oder rubinfarben Helmdeckhen vnd darob einer goldfarben Königlichen Cron geziert, auß welcher Zwischen Zweyen rothen Püffels Hörnern so ihre mundtlöcher von einander kehrend vnd in iedlichem 7. Seite (siehe Abb. 33b): mundloch ein gelbes Lindenplätel und bey seiths an iedem der- (Hier ist die auf den Seiten 6 – 8 beschriebene Wappendarstellung eingeschoben.) selben Püffelshörnern vornen nacheinander stehend ein ab- 8. Seite: gestimmelte gelbe Linden astel, das undere mit dreyen, die Zwey mittern iedes mit zweyen vnd das ober ästel mit einem under- lich hangenden gelben Lindenblädel entspringend, auffrecht vnd fürwerts ein vordertheil eines weißen Herman oder Widergestalt mit gelben Klaun (?) vnd Hörnern wie im Schild. Ehnun und geben Ihnen solche Gnad und Freyheitt, gönnen vnd erlauben Ihnen solches auch hiemit auß Römischer Kay- serlicher macht volkommenheit wissentlich in crafft dieses Brieffs und mainen, setzen und wollen das vorgedachte Johan Friderich vnd Johan Dietrich von Wimpfen genant Herman gebrüder, Ihre eheliche LeibsErben vnd derselben ErbensErben, Manß: vnd Weibspersohnen für und für in ewig Zeitt recht geborne Lehens Turniersgenoß und Rittermessige Edelleüth sein ge- heissen, vnd von menniglich aller orthen vnd enden in allen vnd ieden Händten, geschefften und sachen, Geistlichen vnd Welttlichen, also geehrt, genent, gehalten vnd geschrift werden, darzue alle vnd jede Gnad, Ehr, Würde, Freyheitt, ?????, Recht, Gerechtigkeitt, alt Herkommen vndt guete gewonheit haben, sich auch solcher in allen und ieden ehr- 9. Seite: lichen redlichen adelichen vnd Ritterlichen Sachen vnd Ge- schefften zu Schimpf vnd Ernst, in Stürmen, Streitten, Kempfen, Turniern, Gestechen, Gefechten, Ritterspilen, Veld- Zügen, Panniren, Gezelten auffschlagen, Insiglen, Pett- schafften, Cleinoden, Begrebnussen, Gemählten, und sonst an allen enden vnd orthen, nach ihren Ehren, Notturfften, willen vnd wohlgefallen, freuen, gebrauchen vnd geniessen, alls andere Unsere vnd des Hey: Reichs, auch Unserer Erb- Königreich, Fürstenthumb vnd Lande rechtgeborne Lehens- Turniersgenoß vnd Rittermessige Edelleuth von recht oder gewonheit von allermenniglichen unverhindert. Und gebietten darauf allen vnd Je- den, Churfürsten, Fürsten, Geistlichen und Welttlichen, Praelaten, Graven, Freyen Hei:n****, Rittern, Knechten, Landmarschalckhen, LandsHaubtleuthen, Landvögten, Haubtleuthen, Vitsdomben, Vögten, Pflegern, Verwesern, Ambtleuthen, Landrichtern, Schultheißen, Bürger- meistern, Richtern, Räthen, Bürgern, Gemeindten vnd sonst allen andern Unsern vnd des Reichs, auch Unsern (**** gemeint wohl: Freien Reichsstädten) 10. Seite: ErbKönigreich, Fürstenthumb vnd Lande underthanen und getreuen, was Würden Stand oder Wesens die sein, ernst: vnd bestiglich mit diesem Brieff vnd wollen, daß Sie mehrgedachte Johan Friderich vnd Johan Dietrich von Wimpfen genant Herman gebrüdere, Ihre eheliche leibsErben vnd derselben ErbensErben, Mans: vnd Weibspersoh- nen für und für in ewig Zeitt, also andere Unsere vndt des Heyligen Reichs, auch Unserer ErbKönigreich, Fürstenthumb vnd Lande rechtgeborne Lehens Turniers- genoß vnd Rittermessige Edelleuth, in allen Geistlichen vnd Welttlichen Ständen, Stifften vnd Sachen, wie vor- stehet, alle annehmen, halten, Zuelassen, würdigen, ehren vnd ahn deren obgeschribenen Unsern Kayserlichen Gaben, Gnaden, Freyheiten, Ehren, Würden, Vortheilen, Rech- ten, Gerechtigkeitten, Gesellschafften vnd Gemeinschaf- ten des Adels wie auch an dem adelichen Wappen vnd Cleinod weder hindern noch irren, sondern Sie deren in allen adelichen vnd Ritterlichern sachen vnd geschef- ten gernhiglich vnd ohne irrung gebrauchen, ge- 11. Seite (siehe Abb. 33c): niessen vnd gentslich darbey bleiben lassen, hierniden nicht anfechten, belaidigen oder beschweren, noch das jemants andern Zuthuen gestatten, in kein weiß noch weeg alls lieb einem jeden seye Unser vnd des Reichs schwere Ungnad vnd Straff und darzu ein Poen, nemblich Sechzig Mark lötigs Golds Zu vermeiden, die ein ieder, so offt er frevendlich hierwider thette, Unß halb in Unser vnd des Reichs Cam- mer vnd den andern halben theil offtgedachten gebrüdern Johan friderich vnd Johan Dietrich von Wimpfen genant Herman, Ihren ehe- lichen LeibsErben vnd Nachkommen so hierwider beleidiget vnd den unnachsessig Zu beZahlen verfallen sein solle. Mit vrkund diß Brieffs, besigelt mit Unserm Kayserlichen anhangen- den Insiegel, der Geben ist in Unserer Statt Wienn den Dreyzehenden Monatstag Novembris nach Christi Un- sers lieben Heren vnd Seeligmachers Gnadenreichen Ge- burth im Sechszehnhundert Acht vndFünffzigisten Unserer Reiche des Römischen im Ersten, des Hungarischen im Vierten Leopoldt vnd des Beheimbischen im Dritten Jahre. Ad mandatum Sac: Cas: Majestatis proprium (= Im Auftrag der Heiligen kaiserlichen Majestät persönlich)

  • Abb. L 6a, L 6b, L 6c, L 6d, L 6e und L 6f: Die Kopien der Seiten 1, 3, 5, 7 (mit dem dort eingefügten Wappen), 10 und der Schlussseite 11 des Briefes über die von Kaiser Leopold I. den Gebrüdern – wie es am Schluss der Urkunde heißt – „Johan friderich und Johan Dietrich von Wimpfen genant Herman“ verliehene Adelseigenschaft mit Wappenerweiterung vom 13. September 1658 mit angefügter Gesamt-Transkription.

Die erste Seite (siehe Abb. L 6a) enthält die üblichen Floskeln der ellenlangen Beschreibung der dem erwählten Römischen Kaiser aus Gottes Gnaden LEOPOLDT zu Eigen gewesenen zahlreichen Herrschaftsgebiete sowie der aus denen diesem zugekommenen vielen Betitelungen. Als Wichtigstes erscheint die auf der im Mittelbereich der Seite 5 dieser Urkunde (siehe Abb. L 6c) – hier in unsere heutige Sprache umgesetzt – in gnädigster Anerkenntnis der Johann Friderich und Johan Dietrichen von Wimpfen genand Herman gebrüderen“ für die getreuen Dienste und wegen der Herkunft aus altem Geschlecht samt den männlichen und weiblichen ehelichen Leibeserben und derselben Erbeserben aus kaiserlicher Gnade auf ewige Zeit zuerkannte Erhebung in den Stand und den Grad des Adels des Heiligen Römischen Reichs sowie der Turniergenossen und Rittermäßigen Edelleute der kaiserlichen Erblande der Gesellschaft Schwaben. Zu beachten ist, dass die dortige doppelte Namensnennung (genau wie die anderen vielen solchen der Seiten 3, 6, 8, 10 und 11) durch dickere und größere Schrift herausgehoben ist, wobei die erste der Seite 3 durch die spätere Wendung „so Sie und Ihre VorEltern des Geschlechts von Wimpfen, gnand Hermanner” umschriebene Urname HERMAN(N) hinter den Hauptnamen JOHAN FRIDERICH UND JOHAN DIETRICH jetzt VON WIMPFEN (entgegen späterer allgemeiner Schreibweise nur mit „f” statt mit „ff” geschrieben) tritt und dieses jetzt nicht mehr als bloße Herkunftsbezeichnung, sondern als Adelsbezeichnung zu gelten hat. Danach ist auf Seite 6 unten zuerst die Wappenerweiterung in Gestalt von einem jetzt „freien offenen adeligen Turnierhelm mit weißer oder silberner und rot- oder rubinfarbener Helmdecke und darüber einer goldfarbigen königlichen Krone geziert” (statt bisher dem einfachen geschlossenen „Stechhelm” ohne aufsitzende Krone des Wappens von 1555) ausgesprochen. Dann sind die übrigen Teile, über die Seiten 7 (mit dortiger Darstellung desselben; siehe Abb. L 6c) und 8 gehend, beschrieben. Wichtig erscheint es, sich bewusst zu machen, dass dem Widder noch nicht das erst ausgangs des folgenden Jahrhunderts (1781) als weitere Wappenvermehrung zugestandene goldene Kreuz in die Vorderbeine gegeben ist. Aufschlussreich ist die auf den Seiten 3 und 4 vorausgehende ausführliche Angabe der Gründe der Verleihung, die mit dem Hinweis beginnen, dass dieses Geschlecht seit undenklichen Zeiten in den Reichstädten Augsburg und jetzt seit etwa 150 Jahren (d. h. seit etwa 1510, was mit der Angabe des Jahres der dortigen Einwanderung „1512” von Lore Sporhan-Krempel einhergeht) in Nürnberg „unter den vorderisten Stand geachtet” sei. Gemeint ist damit, diese seien dort als zum Ersten Stand (der Patrizier) gehörig betrachtet; dieses ist eine Formulierung, die wohlgemerkt gleichzeitig diskret andeutet, dass sie diesem letztlich dort denn doch als nicht zugehörig gewertet worden sind. Denn die Standesordnung Nürnbergs ließ ja eine Aufnahme in den Vordersten der Stände nur über die Geburt zu. Zu dieser Einschätzung passt genau das, was Peter Fleischmann über die Nürnberger Von Wimpffen sagt: Diese seien „trotz Adelsprädikats (seit 1658) als Juristen und Beamte den Geschlechtern Nicht-Ebenbürtige” geblieben. Das ist der Grund, warum diese in dessen fast 2.000 Seiten umfassen Standardwerk leider nicht zusammenhängend, sondern nur sporadisch und relativ selten auftauchen. Als weiterer Grund der Zuerkennung des Adelsranges kann der Hinweis auf deren Einheiraten in die ratsfähigen Geschlechter Nürnbergs gelten. Damit sind insbesondere jene Heiraten der Herman(n) von Wimpf(f)en gemeint, die Frauen aus dem Ersten Stand und damit solchen gegolten hatten, deren Vätern und männlichen Geschwistern die Ratsfähigkeit im Sinne des Kleineren (Engeren) Rats zustand. Dann folgt, bezogen auf Johann Friedrich, der Hinweis auf dessen erreichte „Charge” des Losungsamtmannes, die „jederzeit”, gemeint ausschließlich, mit „alten geschlechtsfähigen Subjekten vertreten” werde. Schließlich erfolgt der auf Johann Dietrich bezogene Hinweis auf dessen vor dem Frieden von Münster und Osnabrück, d. h. im diesem vorausgegangenen Dreißigjährigen Krieg, unter dem spanischen König als Leutnant geleisteten tapferen Kriegsdienste mit Aufzählung dessen Beteiligung an zahlreichen Arten von Kriegshandlungen.
Mit der Adelsverleihung und Wappenerweiterung hatten die Gebrüder von Wimpf(f)en das erreicht, was die ersten Nürnberger Geschlechter ebenfalls und, wie die bislang immer wieder eingestreuten Nachrichten über diese zeigen, meist auch mit Erfolg anstrebten. Obgleich diese in ihren zahlreichen Herrensitzen des ausgedehnten sog. Reichsstädtisch-Nürnberger Landgebietes  mehrere tausend bäuerliche Hintersassen besaßen, sprach der in der Reichsritterschaft vereinte Ritteradel den mit dem Adelsprädikat ausgezeichneten Nürnberger Patrizieren die Ebenbürtigkeit und insbesondere die Turnierfähigkeit konstant ab, die den Von Wimpf(f)en-Gebrüdern, wie der Text der Seite 5 des Adelsdiploms erkennen lässt, als nunmehrige Angehörige des Landadels der Adelsgesellschaft Schwaben jetzt zugesprochen war. Somit konnten sich Johann Friedrich und sein Bruder Johann Dietrich diesbezüglich jetzt sogar über das Nürnberger Patriziat gestellt betrachten. Das „von Wimpf(f)en” stellt von jetzt an, um dies abschließend wiederholend herauszustellen, eine Adelsbezeichnung dar. Und der Urname „Herman(n)” wird im Adelsdiplom zum nachgestellten Beinamen, der nach und nach außer Gebrauch kommt und schließlich abstirbt..

Nunmehr sei die Chronologie des Lebensganges von Johann Friedrich fortgesetzt. Diese basiert hauptsächlich auf der Abhandlung von Dr. Lore Sporhan-Krempel zuzüglich von dieser nicht erwähnten Fakten aus der Abhandlung des G. E. Waldau, doch schließlich von mir zuguterletzt noch in die Hände gelangtem Urkundengut, das die Angaben der vorgenannten beiden Autoren bereichern und verifizieren hilft:

– 1659: Jetzt lässt er das schöne Geländer um den Hauptaltar in Sankt Sebald aufführen, welches ihn 800 Gulden kostet. Dies alles kann er nur finanzieren, weil er, so Waldau „ein ansehnlicher und reicher Mann“ gewesen ist, der mit seiner ersten Frau SUSANNA CATHARINA, der Tochter des reichen ANDREAS FÜRLEGER, „ein Vermögen von etlich 60 biß 70 tausend Gulden erhalten, beträchtliche auf etlich und zwanzigtausend sich belaufende lehengüter besessen, und ausser denselben jährlich eine Einnahme von ohngefähr 120 Sra. Getraid an Gült und Zehenden gehabt hat“. Wie aus mir freundlicher- und hilfreicherweise von Herrn J. MICHAEL SUTTNER ca. Mitte November 2019 zugesandten Kopien von Urkunden mit angefügter Transkription hervorgeht, auf die dieser im Zuge der Erforschung der Geschichte seines Wohnortes 91284 Neuhaus an der Pegnitz und speziell seines dortigen Wohnplatzes Hammerschrott 13 in den Beständen des Staatsarchivs Bamberg gestoßen ist, reichten diese Zehntgerechtsame (inklusive später dazuerworbener weiterer solcher) bis hin zur 45 Kilometer nordöstlich von Nürnberg entfernt gelegenen und heute zum Landkreis Amberg-Sulzbach gehörenden Stadt Auerbach in der Oberpfalz. Dieses geht aus zwei dem Lehensherrn KURFÜRST FERDINAND MARIA VON BAYERN geltenden und die Anrede „Durchläuchtigster Churfürst, Gnädigster Herr“ tragenden Schreiben des JOHANN FRIEDRICH VON WIMPFFEN hervor. Dessen erstes mit „Nürnberg den 16. Octobris 1665″ wie dessen zweites mit „Nürnberg des 6/16. Maji 1666“ datiertes solches hat das von diesem im April 1665 in Auerbachs Ortsteil Ohrenbach erkauften dritten Teil des Zehnten zum Gegenstand.

Hiervon seien lediglich sowie unter Verzicht auf eine durchgängige Transkription gezeigt:

  • Abb. L 7a und L 7b: Der jeweilige Schlussabschnitt der vorerwähnten beiden in Nürnberg am 16. Oktober 1665 bzw. am 16. Mai 1666 gefertigten und mit „Vnderthaenigster (und) Kehorsambester Johann bzw. Joh: Friderich V: Wimpffen“ eigenhändig unterzeichneten Schreiben.  

Über die im Ausklang von jedem der beiden Schreiben „Euerer Churfürstlichen Durchlaucht“ gesendeten (heute schwülstig erscheinenden, doch die Regel des Umgangs mit den Herrschern dieses Zeitalters darstellenden) Wünsche zu einer glücklichen Regierung , Wohlstand, göttlicher hoher Protektion und fernerer Huld hinaus erscheint die hier vorliegende Endunterzeichnung des Johann Friedrich von Wimpffen ganz besonders wertvoll.

Seine ihm zu Besitzmehrung und Aufstieg im Reichsstädtisch-Nürnberger Amtswesen verholfene Frau SUSANNA CATHARINA stirbt jedoch.

– 1660: Durch die Heirat mit der aus einem der Nürnberger Ersten Geschlechter stammenden schwerreichen Witwe SUSANNA KRESSIN am 4. Juni des vorgenannten Jahres sucht und gewinnt Johann Friedrich von Wimpffen weiteres Ansehen und weiter zunehmende Mehrung des Besitzes. Wie durch die mir von Herrn J. MICHAEL SUTTNER zugestellte Kopie mit Transkription des diesbezüglichen am 01. Juli 1660 gefertigten und am 27. Juli 1660 mit dem Insiegel von BISCHOF PHILIPP VALENTIN VOIT VON RIENECK (1653 – 1672) versehenen Kaufbriefes belegt ist, erwerben „Johann Friderich von Wimpffen“ und sein Bruder „Johann Dieterich von Wimpffen“, so geschrieben deren dort stehende Namen, aus der Hand des vorgenannten bischöflich-bamberg’schen Lehengebers „zwey Hamergütter zu Rothenbruck, und Schrott“.
Siehe als Beleg für die Richtigkeit dieser Angaben zunächst die erste Seite, dann den Endteil der mir von Herrn Suttner zugestellten, sechs Blatt umfassenden, diesbezüglichen Urkunden-Kopie mit angeschlossenem Transkriptions-Text, bei dem das jeweilige Zeilenende des Urkundentextes mittels Senkrechtstrich angezeigt ist sowie an Stellen beeinträchtigter Entzifferbarkeit Punktierungen eingefügt sind:

Blatt 1:

Transkription:

Zweite Hälfte des Blattes 4 sowie Blatt 5 und 6: 

Transkription:

  • Abb. L 8a und L 8b: Das erste sowie die zweite Hälfte des vierten sowie das fünfte und sechste Blatt (einschließlich Transkriptionen) der Kopie des die Erwerbung der Hammergüter Rothenbruck und Schrott betreffenden Kaufbriefes, datiert mit „Nürnberg den ersten July Anno Ein Tausend Sechs Hundert und Sechzig“ sowie beglaubigt mit dem Kleinen Insiegel des Bischofs von Bamberg als Lehensherr und der Datierung „Bamberg den 29. July. Anno 1660“.  

Siehe nachfolgend die im Jahr 1660 seitens des vorgenannten Brüderpaares erworbenen beiden Hammerwerke, deren erstgenanntes „Rothenbruck“ wenig unterhalb des Burgortes Neuhaus an der Pegnitz linksufrig, der zweitgenannte „Hammer Schrott“ ebenfalls linksufrig nur knappe Kilometer Luftlinie oberhalb desselben und oberhalb nächst Neuhaus gelegen gewesen ist:

036

  • Abb. L 9a: Zeitgenössische farbige Darstellung (Ausschnitt einer kolorierten Karte von 1669) des 1660 in den Besitz der Gebrüder Johann Friedrich und Johann Dietrich von Wimpffen gelangten und hier mit „Der Hammer Rotenbruckh“ beschrifteten Hammerwerkes Rothenbruck an der Pegnitz, bestehend aus dem hochragenden Herrenhaus und daneben im Abstand dem Hammermühlenwerk sowie bergwärtig einigen anderen Gebäuden.

  • Abb. L 9b: Die mir von Herrn J. Michael Suttner übermittelte und mit „Hammer Schrott an der Pegnitz um 1660“ betitelte zeitgenössische farbige Darstellung, stammend aus der Plansammlung 3173 des Hauptstaatsarchivs München.

    Das erstgezeigte neue Besitztum Hammer oder auch Hammergut bzw. Hammerwerk Rothenbruck war stark 35 km nordostwärts von Nürnberg entfernt wiederum im Nürnbergischen Pflegamt Velden wenig flussabwärtig von Neuhaus an der Pegnitz Richtung Velden gelegen. Es bestand aus einem Herrenhaus (auch Schloss genannt), Hammerwerk und Mühle. Dessen Hammer hatte im Dreißigjährigen Krieg großen Schaden erlitten und war schließlich öd gelegen. Doch war dieser 1654 von den folgenden drei sich im Kaufmanns- und auch Montanbauwesen betätigenden unternehmungsfreudigen Nürnberger Patriziern erworben worden, nämlich: dem Ältesten Losunger BURCKHARD LÖFFELHOLTZ VON COLBERG und JOBST CHRISTOPH KREß VON KRESSENSTEIN dem Älteren, außerdem dem Mitglied des Inneren Rates CARL ERASMUS TETZEL VON KIRCHENSITTENBACH. Diese hatten den Hammer 1659 wieder aufgebaut und kurz danach laut Kaufbrief vom 29. Juli 1660 „auf erlangtes knädigstes Consens, und einwilligung deß hochwürdig Fürsten und Herrn, Herr Philipp Valentin Bischoffen Zu  Bamberg“ an JOHANN FRIDRICH VON WIMPFFEN und JOHANN DIETRICH VON WIMPFFEN (wie deren Name in der Urkunde geschrieben steht) für 6.000 Gulden Nürnberger Stadtwährung verkauft.
    Das zweitgezeigte neue Besitztum Hammer Schrott oder geschrieben auch Hammerschrott, das bereits 1326 in einem bayrischen Salbuch als „Hammer Schrotonis“, d. h. als Hammer des Schroto erscheint, war – wie der Hammer Rothenbruck – Bamberger Lehen und ein verhältnismäßig bedeutendes Industrieunternehmen der Eisenerzeugung und -bearbeitung. Dessen für die Hammereinrichtungen der Oberpfalz typischer sog. Schienhammer war, wie dies bei zwei Dritteln derselben und auch beim Hammer Rothenbruck der Fall gewesen ist, sowohl mit einem sog. Zerrennherd für die Eisenschmelze als auch mit einem sog. Wellherd für die Eisenbearbeitung ausgestattet. Somit gehörten zu seinen ständigen Beschäftigten ein sog. Zerrennmeister (Schmelzmeister), ein Schmiedemeister, ein Hauer und ein Kohl(en)messer, dazuhin Eisenarbeiter und Fuhrknechte. Wie die meisten Hämmer der Oberpfalz war dieser – siehe diesen mittig in der Abb. L 9b – ganz aus Holz gebaut. Wegen der von diesem ausgehenden Brandgefahr hielten die übrigen Gebäude einen deutlichen Abstand ein; typisch für die oberpfälzischen Hammergüter war auch der ums Wohnhaus führende Wassergraben. Was die üblicherweise dem Wechsel unterworfenen Besitzer zu Hammerschrott, die sog. Hammermeister, betrifft, so sei lediglich darauf hingewiesen, dass bei der vor Ausbruch des Landshuter Erbfolgekrieges 1504 vom reichsstädtischen Rat befohlenen Erkundung der Landschaft um Nürnberg zu Schrott ein Herrensitz und ein Hammer eines namentlich nicht genannten Nürnberger Bürgers festgestellt worden ist. Noch im frühen 16. Jahrhundert kam das Sulzbacher Hammerherrengeschlecht der ZERREIS(EN), das dort noch 1615 nachgewiesen ist. Wie schon gesagt, lässt aus der Kaufurkunde des Jahres 1660 nicht ersehen, wer vor Johann Friedrich und Johann Dietrich Hammerschrott innegehabt hat. Aus einer mit „Lehenbrief“ überschriebenen Urkunde des Jahres 1672, die an späterer Stelle eingehender zu behandeln sein wird, geht hervor, dass damals der Hammer Schrott auch „die glashütten“ genannt worden ist, was heutige Forscher vermuten ließ, dass sich dort eine Glashütte befunden habe. Dieses wird jedoch von J. Michael Suttner dahingehend berichtigt, dass er diesen hinzugekommenen Namen als Überbleibsel eines verschwundenen und in der heute noch bestehenden nahegelegenen Waldabteilung „Glashütte“ ansässig gewesenen Frauenklosters St. Nicolaus (verkürzt: Klaus oder Claus) deutet.
    Wie mir dieser überdies mitteilte, ist er im Rahmen seiner Suche nach Archivmaterial in Sachen seines Wohnplatzes Hammerschrott, heute Ortsteil von Neuhaus/Pegnitz, auf weiteres Urkundenmaterial gestoßen, das zeigt, dass sich Johann Friedrich von Wimpffen gemeinsam mit seinem Bruder Johann Dietrich um 1660 sogar, wenngleich infolge Widerstandes der dortigen Behörden vergebens, bemüht hat, im Bereich des im äußersten Nordwesten des Reichsstädtisch-Nürnberger Landgebietes gen Bayern gelegenen Pflegamtes Betzenberg-Stierberg in den Besitz von dort vorhandenen Bergwerksanlagen zu gelangen und damit für die erworbenen Hammerwerke eine Rohstoffgrundlage in Form von Eisen- und/oder vielleicht auch Kupfererz zu gewinnen.- 1661:Zehn Jahre nach dem an seine erste Gattin ergangenen Straferlass, erregen der Aufwand und Prunk sowie das allzu hochgestochene Auftreten Johann Friedrichs abermals den Unwillen des Rates. Zwar belässt der von Bürgermeister G. S. (= Georg Sigmund) Fürer unterzeichnete diesbezügliche Ratsbescheid vom 21. August die frühere Erlaubnis, dass sich die Wimpfen wie die vom Ersten Stand kleiden und halten dürfen; doch habe Hans Friedrich durch seine bisher übermächtige Pracht, seine Hoffart und seinen Übermut sich den ratsfähigen Geschlechtern nicht nur gleichhalten, sondern diesen noch etwas bevortun wollen. Dazuhin habe er noch sonderbare Monumenta und Gedächtnisse mit seinen beigefügten Wappen in die beiden Pfarrkirchen ohne Vorbewilligung der Herren Älteren und des Kirchenpflegers „eingeschlichen”. Dadurch und die gegenüber dem Kirchenpfleger und Anderen gebrauchten Anmaßungen und Anordnungen habe er nicht allein seinem anvertrauten Amt, sondern auch sich selbst böse Nachrede verschafft. Unter dem Ausdruck des Missfallens wird er ermahnt, sich seines Stands und Amts besser zu erinnern und zu fernerer Ahndung nicht weitere Ursache zu geben. An etwaige amtliche Unredlichkeiten denkt damals aber noch keiner.

– 1662: Ungeachtet dieser Ermahnung, stiftet er im nachfolgenden Jahr auf den hohen Altar von Sankt Sebald ein silbernes Kruzifix („10. Mark schwer“, wie Waldau berichtet) und der Spitalkirche ein hölzernes solches. Sporhan-Krempel stellt mit Recht die Frage, ob dies alles wirklich allein zur höhern Ehre Gottes, oder vielleicht doch nur zum eigenen Ruhm, geschehen sei. Und Waldau urteilt: „Man hielt ihn also billig für einen angesehenen Mann; er affectirte aber auch den rechtschaffenen, und wusste sich den Schein der liberalen Frömmigkeit zu geben.“

Einige Zeit nach 1663: Außerdem erwirbt Johann Friedrich bald darauf das aus einer Forsthube hervorgegangene und ein altes sowie neues Herrenhaus mit  wenigen Untertanen umfassende kleine Herrengut Grünreuth, gelegen ca. 8 km nordnordostwärtig von Eschenbach im Nürnberger Pflegamt Velden im waldreichen Gebiet unweit des Amts- und Burgortes Hartenstein. Dessen Amtsgebiet stellte mit Grünreuth und anderen anliegenden Kleinstorten innerhalb des Nürnberger Pflegamtsgebietes Velden sowie des Reichsstädtisch-Nürnberger Landgebietes überhaupt eine ursprünglich zur Rheinpfalz gehörige und 1618 nach der Schlacht am Weißen Berge zum katholischen Kurbayern gelangte Kleinstexklave dar, die vom Pflegamt Hartenstein aus verwaltet wurde.
Siehe dazu

Abb. L 10: Das kleine Herrengut Grünreuth; Ausschnitt eines Kupferstiches von J. A. Delsenbach von um 1722. 

1664 – 1665/66: Als JAKOB CHRISTOPH WALDSTROMER und seine Ehefrau MARIA SUSANNA etliche Rechte auf ihrem Gut im rund 35 km ostnordöstlich von Nürnberg an der Westgrenze des Fürstentums Sulzbach am gleichnamigen Bach wenig oberhalb von Eschenbach, wie Sporhan-Krempel einschätzt, „reizend gelegenen“ Ort Hirschbach zu verkaufen beginnen, tritt Johann Friedrich als Käufer auf und erwirbt schließlich von diesen im vorgenannten Zeitraum den dortigen sog. Herrensitz Hammerschloss Oberhirschbach. Ein anschauliches Bild dieser bedeutsamen Liegenschaft vermittelt der Text der Kopie des erst am 4. April 1668 abgeschlossenen Kaufvertrages. Dieser besagt, „dass Jacob Christoph Waldstromer und seine Frau Maria Susanna, geborene Holzschuher, an Herrn Herrn Johann Friedrich von Wimpffen auf Eschenbach und Grünreuth, Losungsamtmann des Rats zu Nürnberg ,als unserem Herrn Schwager’ … ihr Schloß oder Herrensitz im obern Hirschbach, mit Hammerwerk, Papier-, Schlag- und Mahlmühle, mit Mauern, Türmen, Gräben, Gebäuden und anderen Liegenschaften samt allen Rechten und Gerechtigkeiten um 2.000 Gulden Anweisung in die Losungsstube des Rats, 475 fl in bar und 25 fl Leikauf übergeben haben. Es wird bestätigt, daß die gesamte Kaufsumme bereits bezahlt worden ist.”
Dass in der Kaufurkunde Johann Friedrich als Besitzer von Eschenbach und Grünreuth bezeichnet ist, obgleich diese Besitztümer erst nach dem Kauf von Hirschbach erworben worden sind, geht darauf zurück, dass der Kaufvertrag erst 1668 und damit nach dem Kauf dieser beiden Herrengüter abgeschlossen worden ist.
Hierzu sei die nachfolgende zeitgenössischen Darstellung gezeigt:

037

  • Abb. L 11: Ansicht von Hammerwerk und Herrensitz Oberhirschbach aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Mit der Erwerbung von diesen vorbeschriebenen drei sog. Hammerwerken Rothenbruck, Hammerschrott und Hirschbach wagt Johann Friedrich es sogar, sich in die Geleise der einen Mischkonzern für Fernhandel, Papierherstellung, Bergbau und Hüttenwesen betreibenden und bis ins 13. Jahrhundert rückführbaren Nürnberger Patrizierfamilie der STROMER und später anderer solcher wie der EBNER oder BEHAIM oder TUCHER oder auch HARSDÖRFFER  u. a. m. zu begeben und glaubt sich offenbar jetzt besitz- und prestigemäßig durchaus den Nürnberger Familien des Ersten Standes voll ebenbürtig.
Jedoch wird ihm nunmehr vom Rat nahegelegt, in Geldsachen behutsam zu sein und für sich selbst ohne Zutun und Wissen und Befehl der Herren Losunger nichts zu unternehmen, was darauf hinweist, dass man Misstrauen ob der ehrlichen Wahrnehmung seiner Amtsgeschäfte hegt. Trotz dieser Bemisstrauung entleihen die Stadtoberen bei ihm wiederum Geld, nämlich 1.400 Gulden.

–  1667: Kurz danach erwirbt er von der Witwe des HANS IV. WILHELM EBNER namens MARIA HELENA GEB. FÜRER sowie MARGARETE EBNER um 10.000 Gulden und 200 Gulden Leihkauf den Gesamtbesitz vom an der Grenze zur Oberpfalz rund 35 km ostnordostwärtig von Nürnberg im Pflegamt Hersbruck bei der Einmündung vom Hirschbach in die Pegnitz und damit unweit unterhalb vom Hammergut Hirschbach gelegenen Dorf mit Herrensitz Eschenbach. Die seit 1319 im Inneren Rat Nürnbergs vertretenen und zunächst im Fernhandel mit weitreichenden Geschäftsverbindungen, so vor allem nach Prag, in den Karpatenraum, zum Mittelrhein und nach Flandern, tätigen und zahlreiche andere Besitztümer in und um Nürnberg ihr Eigen nennenden, doch sich im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts vom Handel zurückgezogenen und aus deren sowie aus den nunmehr übernommenen Tätigkeiten im Verwaltungsdienst der Reichsstadt Nürnberg sich zu nähren suchenden EBNER hatten 1508 Teile des eine uralte „Mutterkirche“ (Paulskirche) und einen aus einer Wasserburg hervorgegangenen Herrensitz bergenden Ortes samt Kirchenpatronat durch die Vermählung von HANS EBNER mit URSULA HARSDÖRFFER, einer der Töchter des Besitzers von Eschenbach HANS II HARSDÖRFFER, und den Rest 1525/1528 durch Hinzukauf erworben und sich nach diesem stattlichen Sitz den Namenszusatz VON ESCHENBACH gegeben. Nach dessen Niederbrennung insbesondere im Zweiten Markgrafenkrieg 1552 hatten diese den Ort samt seinem aus der Wasserburg mit dreistöckigem Palas und Vorburg herausgewachsenen sog. Schloss 1654 wieder aufgebaut.
Siehe hierzu

  •  Abb. L 12: „Eschenbach samt dem Schloss, wie solches nachgehends wieder erbauet worden“; Kupferstich von J. A. Delsenbach von um 1720. 

Mit der Erwerbung der Hammergüter Rothenbruck und Schrott (1660) sowie Hirschbach (1664 bis 1656/66) und wachsend mit dem Kauf des Landsassengutes Grünreuth (wenig nach 1663) und schließlich insbesondere des Dorfes und Herrensitzes Eschenbach (1667) war Johann Friedrich, gleich den führenden Nürnberger Patrizierfamilien, in den Rang eines Herren über mehrere Gruppen sog. Hintersassen gelangt. Zusammenfassend sei in der nachstehenden Abbildung die jeweilige genaue Lage jedes dieser fünf Besitztümer aufgezeigt, die Johann Friedrich im Laufe von nicht mehr als einem dreiviertel Jahrzehnt (im Falle von Rothenbruck und Schrott unter – wie aus dem oben vorgestellten Kaufbrief des Jahres 1660 hervorgeht – Miteignerschaft seines Bruders Johann Dietrich) an sich gebracht hat.
Siehe dazu die

  • Abb. L 13a: Historische farbige Kartendarstellung (mit rechts ganz unten Entfernungsleiste), die mit „Reichsstädtisches Landgebiet“ betitelt ist und in welche von mir die vorgenannten drei Hammergüter und zwei Herrensitze des Johann Friedrich durch Namenseintragung sowie Kennzeichnung ihres genauen Standortes mittels grüner Punktierung, dazuhin der vorwiegende Wohnplatz Happurg des Johann Dietrich, eingebracht worden sind.   

Die Besitztümer finden sich allesamt im mittleren Ostbereich des Nürnberger Landes gelegen, vier davon nahe beieinander im Pflegamt Velden, das Kirchdorf Eschenbach wie auch der hauptsächliche Wohnplatz Happurg des Johann Dietrich unweit südwärtig davon, sämtliche nicht mehr als jeweils eine knappe oder starke Wegstunde entfernt voneinander.

Dazuhin besaß dieser, wie G. E.Waldau berichtet, noch einen im nordostwärtig dem Gebiet der Reichsstadt Nürnberg anliegenden Landgerichtsbezirk Sulzbach des Fürstentums Sulzbach-Rosenberg gelegenen und von daher auch zu Lehen gehabten ansehnlichen hohen und niederen Wildbann, dessen Umstände der Inbesitznahme sowie genaue Lage, Umfang und Beschaffenheit jedoch nicht eruiert werden konnten.

– 1668/1669: In Anbetracht seiner den Nürnbergern vor Augen geführten besitzmäßigen, finanziellen und gesellschaftlichen Potenz kann es nicht verwundern, dass gerade von ihm ein in der Österreichischen Nationalbibliothek vorhandene Bilddarstellung erhalten geblieben ist. Siehe diese in


  • Abb. L 13b: Bildnis des Johann Friedrich Hermann von Wimpffen, Bürger und Losungsamtmann in Nürnberg, Kupferstich, bezeichnet unten mittig mit „Wimpfen“ und schrägrechts mit „J. F. L. f. 1671” = Johann Friedrich Leonhard (Kupferstecher in Nürnberg, geb. 1633, gest. 1680); gefertigt demnach 1671, Erstdruck jedoch von spätestens dem Todesjahr 1668.

Die Kommentierung dieses Stiches bei Waldau dürfte vorhandene Zweifel ob der Richtigkeit der Identität des Dargestellten mit dem Vorgenannten beseitigen, wobei zu beachten ist, dass das hier vorgestellte Exemplar die Beschriftung „Wimpfen” trägt, das der Beschreibung von Waldau zugrunde liegende solche diese jedoch nicht aufwies: „Man hat von dem J. F. Wimpfen ein in Kupfer gestochenes Bild, nämlich ein links gekehrtes Profil mit eigenen Haaren, mit einer Halskrause, in einem vermutlich langen Kleid mit Pelzumschlag; in einer achteckigen Einfassung. Eine Unterschrift hat es nicht, wohl aber den Platz dazu, welcher also leer ist, sondern blos die kleinen Buchstaben I. F. L. f. 1670, die den Kupferstecher Joh. Friedr. Leonhard bedeuten. Ob dieß Portrait wirklich den verunglückten Wimpfen vorstelle, daran ist öfters gezweifelt worden. Allein, es existiert ein anderer Abdruck der nämlichen Platte, wo der zur Unterschrift gehörige und in den meisten Exemplaren leer gebliebene Raum mit den in einander gezogenen Buchstaben I F H V W (welche Johann Friedrich Hörmann von Wimpfen bedeuten) und Nat…+ 1668 ausgefüllet ist. Und nun wird die Sache nicht mehr zweifelhaft seyn.”

Doch erfüllt sich im selben Jahr 1668, demnach ein Jahrzehnt nach der Adelserhebung, für diesen in prächtiger Robe Dargestellten sein trauriges Schicksal, das von Waldau kurzgefasst erklärend und wertend so geschildert wird:
„Allein alle diese Stiftungen und andere Frömmeleien konnten seine Untreue und Schalkungen nicht bedecken, die endlich an das Tageslicht kamen, und ihm Gefängniß und Inquisition (verschärfte Gefängnishaft) zuzogen. Er hatte sich bisher vor andern, die höheren Standes gewesen, sehr hervorgethan und noch kostbarer, als dieselben, oder ihnen doch gleich, gelebet, womit er sich, wie es unter Menschen zu geschehen pflegt, wenig Freunde gemacht, sondern vielmehr verlasset, desto genauer auf ihn zu sehen und keine Gelegenheit zu versäumen, bei welcher er möchte erniedriget und gedemüthiget werden können. Und so geschah es denn, daß er 1668. Freitags den 12. Jun. Abends ganz ongefähr durch den 4. Provisoner (Gehilfen) von der obern Losungstube hinabgeführet und bei dem Rathausvogt in Verwahrung gesetzet, den 23. Jul. aber zu Nachts auf den Wasserthurn in ein enges Gefängniß gebracht wurde. Die Inquisitions-Acta sind mir nicht zu Händen gekommen; aber aus andern guten Nachrichten ergiebt sich, daß durch viele wider Pflicht und Eid von ihm begangene schwere Verbrechen er dem Aerarium (Stadtetat) einen beträchtlichen Schaden zugefüget habe, weswegen denn auch die Obrigkeit sich aller seiner Habe und Güter bemächtiget … Während der Inquisition (gemeint: während des verschärften Arrestes) wurde er krank, und befand sich laut eines Originalbriefs seines ältern Sohnes, Georg Abrahams, den 7. Sept. schon, wie die eigenen Worte lauten, in miserablen Zustand, und ist auch noch vor Endigung der Inquisition ausser allem Zweifel natürlichen Todes im Gefängniß gestorben, den 13. Dec. 1668.” 
Die Aufdeckung seiner Verfehlungen begann damit, dass er – entgegen dem Ratserlass – sich der Familie Nusch in Rothenburg ob der Tauber, als diese auf Rückzahlung mehrerer tausend beim Nürnberger Losungsamt stehender Taler drängte, über ein persönliches Schreiben seine geheim zu haltende Vermittlung mit der Zusicherung der Erledigung der Angelegenheit anbot. Der Abgeordnete solle sich zuerst bei ihm in seinem „Losament“ anmelden, „deme er dann dergestalt an die hand zu gehen erbötig, dass sie, interessenten, sein zu dienen begieriges gemüt zur genüge abzunehmen haben würden, nicht zweifelnd, es werde diese sache zu einem gewünschten end gelangen”. Sporhan-Krempel deutet das von ihr aus den Akten entnommene Wort „Losament“ (wohl im Sinne von Logament = Logement) zwar als sein Zuhause; könnte damit jedoch nicht eher seine Amtsstube, die oben angeführte „obere Losungsstube“ gemeint sein? Wie dem auch sei: Die offenbar jedoch darüber ins Bild gesetzten und in Schock versetzten Herren des Inneren Rates reagierten in einem Erlass vom 11. Juni 1668, was von Sporhan-Krempel in allen Einzelheiten in etwa so geschildert ist: Man ersehe aus diesem Schreiben Wimpffens böses ungetreues Gemüt gegen das hochbedrängte Aerarium und gegen den ganzen Stadtstaat Nürnberg sowie seine Arroganz, seinen Hochmut und Eigennutz. Man glaube, dass dieser zweifellos solche Geschäfte mit den Losungsgeldern schon lange Zeit und oftmals praktiziert habe; nur dadurch sei er imstande gewesen, so viele liegende Güter und kostbare Mobilien nach und nach an sich zu bringen, ein sehr prächtiges Hauswesen zu führen und sich über seinen Stand und kundbares Vermögen hervorzutun. Andere aber neben sich, wohl gar die Herren Losunger und Herren Älteren und einen gesamten Rat, verachte er und rede schimpflich von ihnen bei jeder Gelegenheit; die Bedienten in der Losungsstube traktiere er wie Sklaven und führe sich im Amt und daheim so auf, dass man unter der ganzen Bürgerschaft, vor allem auf dem Marktpatz und bei ehrlichen Zusammenkünften, seit einer geraumen Zeit große Klagen und gar nachdenkliche und gefährliche Reden seinetwegen hören konnte. Vornehme, doch unschuldige Personen müssten darunter leiden. Pflicht und Gewissen ließen es nicht mehr zu, dass man zu all dem stillschweige und noch länger zusehe. Man sei also gewissermaßen verpflichtet, gegen Wimpffen einen Prozess anzustrengen und sofort damit zu beginnen, indem man ihn, der ohnehin im Rathaus sei, festhalte.- Wegen seiner Kränklichkeit wurde der am Abend des 12. Juni in Haft Gesetzte noch verhältnismäßig mild gehalten und durfte z. B. zusätzliche Kost und Besuch von Zuhause empfangen. Der aus Ratsmitgliedern gebildete Sonderausschuss tat sich mit seinen Verhören sehr schwer, nicht nur, weil der Inhaftierte hartnäckige Verstocktheit an den Tag legte und nur einen Teil seiner Verfehlungen zugab, sondern auch, weil dieser mit so vielen amtierenden Ratsmitgliedern und auch herangezogenen Juristen verschwägert war und diese sich befangen erklärten. Und zu Hause kämpfte seine zweite Frau, SUSANNA, GEB. KRESS VON KRESSENSTEIN, um die Widerlage ihrer Mitgift und die Freigabe des von ihr eingebrachten Gutes. Durch die Verstocktheit Johann Friedrichs sah sich der Rat schließlich gezwungen, ihn strenger zu behandeln. Und so ließ dieser ihn nach Ablauf von sechs Wochen milderer Haft am 23. Juli in den sog. Wasserturm „Männereisen” bringen – in die Inquisition, wie Waldau es ausdrückt. Das war ein Gefängnis- oder Schuldturm zwischen den Wassern der Pegnitz im Westberreich der Insel Schütt, Gegenstück zum dem anderen Geschlecht vorbehaltenen „Fraueneisen“, bei dem sich, böses Omen, auch die Wohnung des Scharfrichters befand. Die Verlegung geschah bei Nacht, wohl als Zugeständnis an sein früheres hohes Amt und seine Familie, um ihn vor Schimpf und Schande der Öffentlichkeit zu bewahren. Dort bekam er nur die gewöhnliche Gefangenenkost und jetzt durften ihn nur noch seine Ärzte und sein Beichtvater sprechen und war ein Wärter abgeordnet, der ständig um ihn bleiben musste. Auch nahm man ihm seinen (sein Amt des Losungsamtmannes verkörpernden) Stab mit der eingesteckten Degenklinge sowie Messer und Gabel ab, wohl um einem Selbstmordversuch vorzubeugen. Als Wimpffen immer noch nicht mit der vollen Wahrheit herausrückte, wurde ihm sogar mit dem Lochgefängnis gedroht, was auch die Anwendung der Folter bedeutet hätte. Was schon im Sommer nach seiner Inhaftsetzung befürchtet worden war, nämlich dass er vor Abschluss der Untersuchung sterben könnte und so die Untersuchungssache noch viel schlimmer werden würde, das wurde am 13. Dezember mit der Meldung des Wärters, dass der Gefangene in der Nacht gestorben sei, zur Wahrheit. Die vorsorglich sofort eingeleitete Untersuchung und Obduktion stellte zwar klar heraus, dass weder Mord noch Selbstmord vorliege. Dennoch konnte dieser Befund nicht verhindern, dass anschließend in Nürnberg die „Volkssage geisterte”, wie Waldau bzw. Sporhan-Krempel sagen, der Rat habe seinen Gefangenen heimlich töten lassen. Schon während seiner Gefängniszeit war in der Stadt am 4. August das Geschrei umgegangen, man wolle diesen vor Tags aus dem Lochgefängnis zum Galgen führen und hängen, weswegen viele Leute damals in der Nacht sich aus der Stadt zum Hochgerichte begeben und dort – natürlich vergebens und zum nachmaligen Gespött der daheim Gebliebenen – auf die Hinrichtung gewartet hatten. Als dann einige Tage nach der Bekanntgabe des Todes des Johann Friedrich die Nachricht umging, dass der Leichnam zur Nachtzeit nach Hirschbach abgeführt worden sei, da hieß es, man habe diesen, weil auf dem Turmgefängnis kein Platz zum Köpfen vorhanden sei, erwürgt und dann von Schützen auf einem Karren fortfahren und in eine Schiefergrube werfen lassen.
Wie in sehr viel späterer Zeit derlei Mär auch in die Literatur eingegangen ist, das erfahren wir aus dem zwölf Jahrzehnte nach dem traurigen Ereignis geschriebenen Beitrag des G. E. Waldau des Jahres 1787: Dieser will die „Volkssage” von Johann Friedrichs heimlicher Hinrichtung, die „sich in die bekannten nürnbergischen Chroniken eingeschlichen” und neuerlich in das „Journal von und für Deutschland …1784” und in „Herrn Hofrat Meusels Historisch-literarisches Magazin” aufgenommen worden sei aus der Welt schaffen. Und so versucht Waldau auf der Basis ihm zur Verfügung gestandener Familienakten und sonstiger Unterlagen in neun großteils umfänglichen Abschnitten den akribischen Nachweis zu führen, dass Johann Friedrich von Wimpffen nicht getötet worden sein kann, sondern diesen „kranken, gedemüthigten und beschimpften Mann ohne Zweifel ein heftiger Schlag getroffen und ihn sogleich getödtet” habe. Dr. Hans H. von Wimpffen lässt sich allerdings durch die Masse der wohl zur Ehrenrettung der damaligen Nürnberger Obrigkeit von Waldau als Beweis für einen natürlichen Tod Johann Friedrichs aufgeführten überzeugend klingenden Argumente nicht von seiner Meinung abbringen, dass dabei Gewalt im Spiel gewesen sei. Um hierüber Klarheit zu schaffen, müssten die neun Thesen von Waldau genauestens analysiert werden, wozu Nachforschungen in Nürnberger historischer Literatur und Archivbeständen unumgänglich sein würden, ein Aufwand, der von mir (bei Beginn der Abfassung des Textes fast Neunzigjährigem und nunmehr nach der Nachkorrektor desselben im Jahr 2019 Dreiundneunzigjährigem) nicht mehr geleistet werden kann, ganz abgesehen davon, dass dadurch der an sich schon überdimensionierte Text um Dutzende Seiten vermehrt werden müsste. Zumindest muss man einräumen, dass schon bei der Einschätzung der Strafwürdigkeit der Amtsführung des Johann Friedrich von Wimpffen sowie der Inhaftierung und der Verschärfung seiner Haft, schließlich auch bei der späteren Urteilsfindung Neid und daraus entstandene Missgunst gegenüber ihm, dem Aufsteiger, keine geringe Rolle gespielt haben dürften.
Die weitere traurige Wahrheit ist: Am 17. Dezember 1668 wurde auf Bitten der Angehörigen der Leichnam freigegeben. Durch ein früher als gewöhnlich geöffnetes Stadttor wurde dieser heimlich im Wagen vor Einbruch des Tages hinaus und nach dem Wimpffen’schen Herrensitz Eschenbach (nicht, wie im Umlauf, nach dem um ein Weniges weiter entfernten Hirschbach) gebracht und diese dort ohne Sang und Klang außerhalb von Kirche und Friedhof begraben.
Die Untersuchung brachte zu Tage, dass Johann Friedrich Losungsgelder veruntreut, Dokumente gefälscht, Bestechungsgelder nicht nur genommen, sondern auch erzwungen hatte.
Seine amtlichen sowie seine privaten Korrespondenzen wurden beschlagnahmt, sein mobiles und immobiles Vermögen inventarisiert, alle seine Güter eingezogen und zunächst der öffentlichen Hand zugeschlagen. Auch wurden seine Rüstungen kassiert, dazuhin seine und seiner Vorfahren Wappen und Gedächtnisse aus den Kirchen und allen sonstigen Orten entfernt und somit desselben sichtbares Andenken zunichte zu machen versucht.

—–

All dieses zog sich natürlich weit bis in das folgende Jahr 1669 hinein, so dass wir nunmehr ganz bei den Nachkommen des Johann Friedrich Hermann von Wimpffen angekommen sind und der Fortgang der besitzrechtlichen Auseinandersetzungen auf dem Hintergrund des weiteren Schicksals der zuvor bereits in die Betrachtungen hereingenommenen Nachfolgegeneration zu Ende geführt werden soll.

Zuvor drängt es mich jedoch, darauf hinzuweisen, dass keiner der Genealogen der Autorengruppe 1, weder Aubert Des Bois, noch der Gotha, noch Wurzbach, auch nicht Kneschke des gesellschaftlichen Absturzes und Todes von Johann Friedrich in der Nürnberger Kerkerhaft Erwähnung tut, d. h. dieser, seiner schlimmen Seite mit Ausschweigen begegnen und darüber hinaus ganz im Gegensatz zu der Autorengruppe 2 dessen Lebensbeschreibung keinen oder  kaum – und zudem teils falsch – Raum gönnen, sicher wohl, um diese Negativperson und diesen schwarzen Flecken aus der ruhm- und ehrerfüllten Von-Wimpffen-Genealogie herauszuhalten. So erwähnt z. B. Aubert Des Bois nicht mehr als seinen Namen und weist ohne Namensnennung auf dessen angeblich in „Saugershausen en Saxe” (gemeint: Sangershausen in Sachsen) niedergelassene Nachkommenschaft hin, was aber allein Johann Friedrichs zweitältestem Sohn Abraham, nicht jedoch den nachstehend angesprochenen und später weiter umrissenen drei anderen Söhnen, gilt.

Von den vier Söhnen des Johann Friedrich, die laut Sporhan-Krempel alle aus dessen erster Ehe mit der verstorbenen Fürlegerin stammten und in Nürnberg geboren und getauft worden waren, soll der Älteste JOHANN JACOB (9d), geb. 1646, zum Zeitpunkt des Todes seines Vaters bereits gestorben gewesen sein. Der nächstältere GEORG ABRAHAM (9a), geb. 1648, war damals 20 Jahre alt. Die beiden Jüngeren HANß CHRISTOFF (9e), geb. 1652, und HANß CARL (9f), geb. 1654, die erst 16 bzw. 14 Jahre alt waren, bekamen Curatoren (Pfleger) und Vormünder gesetzt. Auf flehendes Ansuchen und Bitten derselben und der Kinder (und sicher nicht zuletzt auch mit Unterstützung der einflussreichen hohen Nürnberger Verwandtschaft) wurde gnade- und rechtwaltend das mütterliche Erbe an die Kinder herausgegeben. Diese „Wimpfensche Sach” wurde durch einen am 20. Oktober 1669 getroffenen Vergleich zwischen dem Engeren Rat der Stadt Nürnberg einerseits, vertreten durch die vier Räte GEORG SEYFRIED KOHLER, MAX CHRISTOPH KRESS VON KRESSENSTEIN, CHRISTOPH BÜHLER und LEONHARD STÖBERLEIN sowie den NÜRNBERGER STADTARZT PAUL ROSENHARDT, genannt GLOCKENGIEßER, andererseits dem Onkel väterlicherseits JOHANN DIETRICH VON WIMPFFEN und mütterlicherseits TOBIAS FÜRLEGER als Curatoren und Vormünder der Söhne Georg Abraham und Johann Jacob von Wimpfen sowie dem STADTADVOKATEN DR. MAGNUS FETZER DEM JÜNGEREN als juristischer Beistand beurkundet. Danach betrug der Johann Friedrich von seiner ersten Ehewirtin zugefallene und jetzt an die Kinder herauszugebene Kindsteil 40.595 Gulden 13 Kreuzer und 1 Heller. Ebenso wurden die von Johann Friedrich neu erkauften Lehen freigegeben, doch unter der Bedingung, dass die Erben einige tausend Gulden Passivschulden des Verstorbenen bezahlen und die Gläubiger zufriedenstellen. Die Brüder lehnten deren Bezahlung aber ab und wollten lieber am mütterlichen Erbteil 3.000 Gulden hingeben, was der Rat schließlich auch genehmigte.
Als Dokument dieser Erbauseinandersetzungen kann eine mir von Herrn Suttner übersandte, drei Blatt umfassende, Urkunden-Kopie gelten, wonach den überlebten drei Söhnen des Johann Friedrich der Hammer Schrott am 1. Juni 1672, also ca. 3 1/2 Jahre nach ihres Vaters unrühmlichem Tod, aus den Händen des Lehensherren PETER PHILIPP (VON DEMBACH) BISCHOF VON BAMBERG (amtierend von 1672 – 1683) zugesprochen wird. Diese beginnt und endet folgendermaßen, wobei zwecks Förderung der Verständlichkeit da und dort die Zeileneinteilung geändert worden ist sowie nicht entzifferbare Stellen, außerdem der umfängliche Mittelbereich des Urkundentextes, beides angezeigt durch Punktierung, weggelassen worden sind:

Aus einer mir des Weiteren von Herrn Suttner übergebenen fünfteiligen Urkundenkopie-Serie, die mit „Designatio“ = Niederschrift überschrieben ist und die Datierungen 23. November 1677, 12. Juni, 13. August und 30. September 1678 trägt, geht hervor, dass damals der „Wimpfische Verwaldter“ namens LEONHARD CLEMENS sich mit Erfolg bemüht hat, die seitens der drei Söhne des „abgelebten vatter Johann Friedrich von Wimpffen vom Bambergischen Lehenprobst erbetene „Vogteylichkeit über beede Hammergütter Rockenbruck und Schrott, selbe auf 15 jahre lang zu vergünstigen … , ihnen die Vogteyrechte zu erhalten und des Gehorsams der Hammerleuth höchstnöthig“ bestätigt zu bekommen. Daraus zeigt sich, dass die drei Gebrüder, nachdem ca. ein  Jahrzehnt seit dem Tod ihres Vaters verstrichen gewesen ist, noch geschlossen bemüht gewesen sind, sich diese ererbten beiden Besitztümer zu erhalten.  

Gegen den Vergleich des Jahres 1669 in seiner Gesamtheit strengten die Wimpffenschen Erben jedoch später beim Reichskammergericht einen langwierigen Prozess mit der Begründung an, dass sie damals minderjährig gewesen seien, der jüngste der Brüder diesen gar nicht unterschrieben habe und ihrem Vater und ihnen mit der Einziehung des Vermögens und sonst auf mehrere Weise Gewalt und Unrecht geschehen sei. Über den Ausgang dieses Prozesses ist nichts bekannt.

Da die drei Gebrüder von vorneherein das Hammergut Hirschbach behielten und dieses nach mehrfachem Scheitern von Verkaufsabsichten erst ca. 1699 durch Verkauf zurück in die früheren Hände der Familie EBNER VON ESCHENBACH gaben, lässt sich, so Sporhan-Krempel, insbesondere durch den zwischen den Von Wimpffen und dem Nürnberger Rat diesbezüglich vonstatten gegangenen Briefwechsel die weitere Lebensgeschichte der drei den Tod des Vaters überlebten Von Wimpffen-Söhne, wenngleich lückenhaft, doch zweifelsfrei ablesen. Als weitere wichtige (bereits vielfach im Rahmen der Lebensbeschreibung des Johann Friedrich zu Rate gezogene) Quelle dient hierbei wieder auch die Abhandlung von Georg Ernst Waldau des Jahres 1787.

Alles Weitere über das Tun und Schicksal der oben genannten drei Söhne des Johann Friedrich einschließlich deren Nachkommen sei nunmehr der Klarheit halber in der nachfolgenden GENEALOGISCHEN ÜBERSICHT II zusammengefasst dargestellt. Als Anschauungs- und Verständnishilfe sei davor gezeigt in der

GENEALOGISCHE ÜBERSICHT II: Die drei der vier den Vater überlebten SÖHNE DES JOHANN FRIEDRICH HERMANN VON WIMPFFEN sowie - so weit ermittelbar - die NAMEN VON DEREN KINDERN 1. GEORG ABRAHAM VON WIMPFFEN (siehe im Stammbaum Stör unter 9a, in der I. Stammtafel von Wurzbach unter X auf Platz 2 der Kinderreihe), geboren und getauft laut Sporhan-Krempel 1648 in Nürnberg. ----- Demgegenüber, dass Stör den Wappenschild für eine evtl. Ehefrau des Stammhalters GEORG ABRAHAM (9a) - wie auch die von dessen zwei jüngeren Brüdern HANß CHRISTOFF und HANß CARL - leer lässt, wissen wir von Waldau, dass dieser ANNA KATHARINA VIATIS, Tochter von ANNA MARIA GEB. GUTTHÄTERIN UND BARTHOLOMÄUS VIATIS (dem Jüngeren) geheiratet hat. Somit wurde im Stammbaum Stör (siehe Abb. 36) in den vorgenannten leeren Schild deren Name eingetragen. Bei deren Vater handelte es sich um den Sohn aus der 1569 geschlossenen ersten Ehe des BARTHOLOMÄUS VIATIS DES ÄLTEREN (1538 – 1624) mit ANNA SCHEFFER(IN), der reichen Witwe eines Nürnberger Gewandschneiders und Mutter von 8 Kindern. Dieser war in Venedig als Sohn eines einfachen Krämers geboren und mit 12 Jahren vom Federmacher Hans Wollandt als Lehrling mit nach Nürnberg genommen und nach 7-jähriger dortiger Lehre von diesem nach Lyon geschickt worden. Dort hatte dieser Kontakte mit den Nürnberger Handelshäusern Tucher und Imhoff geknüpft und dann durch seine Heirat mit der Schefferin das Nürnberger Bürgerrecht erlangt. Nach Gründung einer eigenen Handelsgesellschaft mit den Nürnbergern Georg Forst und Melchior Lang im Jahr 1570 und Berufung in das Genanntenkollegium 1576 war er als Handelsherr und Großunternehmer (Fernkaufmann) für Leinen, Gewürze, Montan- und Metallwaren rasch zu hohem Reichtum gelangt, so dass er 1589 den Herrensitz Schoppershof hatte kaufen und zu einem der charakteristischsten solchen in Nürnberg hatte ausbauen können. Seine Tochter aus der zweiten Ehe ANNA hatte 1590 seinen patrizischen Geschäftspartner MARTIN PELLER geheiratet, der mit ihm zusammen am Egidienberg das sog. Pellerhaus, das prunkvollste aller Nürnberger Häuser, erbaut hatte. Bartholomäus Viatis der Ältere gilt als der hochbewunderte Erfinder des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, dessen 1621 im Rathausgewölbe eingerichtete „Banco Publico“ bis 1827 in Betrieb blieb. Sein Streben nach Ansehen etwa durch Ausbau des durch Größe und Dekor beeindruckenden sog. Viatishauses sowie die Zurschaustellung seines Reichtums durch das unstandesgemäße Tragen auserlesenster patrizischer Kleidung trotz ihm auferlegter hoher Strafgelder hatten es nicht ändern können, dass die politische Macht des nicht ratsfähigen aus der Fremde gekommenen Emporkömmlings begrenzt geblieben war. Seine Kinder aus erster Ehe MARIA und BARTHOLOMÄUS hatten nach seinem 1624 erfolgten Tod sein riesiges Vermögen und sein Schwiegersohn Martin Peller den Schoppershof geerbt.- Aus der Ehe des GEORG ABRAHAM mit ANNA KATHARINA VIATIS ging laut Waldau die Tochter MARIA HELENA (siehe deren Namensschild bei 10b) hervor. Als Ältester übernahm Georg Abraham laut Sporhan-Krempel zunächst das Gut Hammerhof in Hirschbach und zog mit seiner Familie dorthin. Doch verkaufte er dieses im Mai 1679 mit allen Rechten und Gerechtigkeiten an seine Brüder Johann Christoph und Johann Karl um 6.100 Gulden in bar. Er wurde zwar 1681 in Nürnberg noch Genannter des Größeren Rats, zog aber bald danach ganz weg, weil, wie er später erklärte, in Hirschbach für seine Kinder kein guter Präzeptor zu bekommen gewesen sei. Er wurde Fürstlich Oettingischer Rat und Amtmann im am Rand vom Nördlinger Ries gelegenen Christgarten, dessen Kartäuserklösterlein in den Besitz der vorgenannten Hochadelsfamilie gekommen und aufgelöst worden war. Seine Frau Anna Katharina geb. Viatis starb bereits 1684 in ihrem neuen Wohnsitz. Die obige Formulierung „für seine Kinder“ lässt erwarten, dass er noch weitere Kinder gehabt hat. Laut Cellarius-Goldtbeeg und Wurzbach dagegen ist Georg Abraham (von der Viatis-Ehe ist bei diesen nichts gesagt) mit ANNA VON TRAUTTENBERG (siehe I. Stammtafel Gen. X) verheiratet gewesen und aus dieser Ehe sollen vier Söhne hervorgegangen sein: KARL BERNHARD, HANS (JOHANN) CHRISTOPH, JOHANN CHRISTIAN und FRIEDRICH FERDINAND (siehe Generation XI). Nach Cellarius-Goldtbeeg soll sich der Stamm des zweitgenannten Sohnes Hans Christoph in Sachsen, Schlesien und Bayern ausgebreitet haben. Mehr darüber ist in der dieser GENEALOGISCHEN ÜBERSICHT II angefügten Kapitel M über das Werden und Sein des „Dänischen Zweiges“ ausgesagt. 2. HANß CHRISTOFF VON WIMPFFEN bei Waldau: JOHANN CHRISTOPH VON WIMPFEN bei Wurzbach: HANS CHRISTOPH VON WIMPFFEN (siehe im Stammbaum Stör unter 9e, in der I. Stammtafel von Wurzbach unter X auf Platz 3 der Kinderreihe), geboren und getauft laut Sporhan-Krermpel 1652 in Nürnberg. ----- 3. HANß CARL (bzw. JOH. CARL od. HANS KARL) VON WIMPFFEN (siehe 9f bei Stör bzw. X bei Wurzbach auf Platz 4 der Kinderreihe), geboren und getauft laut Sporhan-Krempel 1654 in Nürnberg, laut Waldau jedoch am 30. Oktober 1656 in Nürnberg. ----- Die oben genannten drei Brüder hatten laut Lore Sporhan-Krempel in der Zeit des Verkaufs des Hammergutes Hirschbach des Jahres 1679 durch Georg Abraham an die beiden jüngeren Brüder auch die im Nürnbergisch-Veldenschen Gebiet gehabten Güter Eschenbach, Rothenbruck und Finstermühl verkauft. Dem Verkauf von Hirschbach wollte der Nürnberger Rat nicht zustimmen mit der Begründung, die beiden Brüder würden das Nürnberger Bürgerrecht nicht mehr besitzen. Offenbar waren diese inzwischen ebenfalls für immer aus Nürnberg weggezogen. Der Verkauf konnte im Folgejahr 1680 jedoch durchgesetzt werden, nachdem die beiden jüngeren Brüder die vom Rat verlangte Erklärung abgegeben hatten, dass dieses im Falle eines Verkaufs an Nürnberger Bürger gegeben werde und sie die nach Nürnberg zur Offenhaltung ihres dortigen Sitzes notwendigen Steuern zahlen würden. HANS CHRISTOPH und HANS KARL waren - wie ihr Bruder GEORG ABRAHAM (wir schöpfen immer noch aus Sporhan-Krempel) - in die Dienste des Hochadels getreten und zwar in die des Markgrafen von Baden-Durlach, in dessen Regierungssitz Karlsruhe sie zunächst lebten. Von dort aus versuchten sie im Spätsommer 1685, ihr Gut zu Hirschbach zu verkaufen und boten es ordnungsgemäß dem Nürnberger Rat zum Kauf an. Warum die nunmehr geführten Verhandlungen und Ermittlungen der Beauftragten des Rates zu keinem Ergebnis führten, ist unklar. Bekannt ist, dass die Brüder von Wimpffen dort den Betreiber der dortigen Papiermühle namens Hans Georg Schäg als Verwalter eingesetzt hatten. Als dieser damals in einen heftigen Streit mit dem Hirten zu Hirschbach geraten war, setzte sich Hans Christoph von Durlach aus für diesen ein. Und 1688 befasst sich der Nürnberger Rat wiederum mit dem Hirschbacher Gut, wobei es jetzt um die Frage geht, ob der Verwalter dort als Vertreter der nicht mehr in Nürnberg ansässigen von Wimpffen die Gemeinrechte ausüben darf. Anfang des Jahres 1691 schreibt Hans Christoph in dieser Sache an den Rat vom Kurort Badenweiler aus, wo er sich zur Kur oder Erholung oder im Dienste seines Dienstherren MARKGRAF FRIEDRICH VII. VON BADEN-DURLACH (1677 – 1709) befindet, der dort ein Schlösschen besitzt, wo er sich häufig aufhält. Was den Besitz des Hammergutes Hirschbach anbelangt, so findet sich dieses 1699 immer noch im Besitz der beiden jüngeren Wimpffen-Brüder. Doch treten im März 1703 wieder die dortigen früheren Herren, nämlich die Ebner von Eschenbach, als Eigentümer auf. Damit verschwinden die beiden Brüder HANS CHRISTOPH und HANS KARL aus dem Nürnberger Gesichts- und Urkundenkreis. Doch weiß Waldau glücklicherweise über die beiden Brüder noch den folgenden aufschlussreichen und auch von Sporhan-Krempel dargebotenen Tatbestand zu berichten: Im 17. März 1678, demnach bereits schon ein Jahrzehnt nach dem Tod ihres Vaters, als der oben angeführte Kammergerichtsprozess läuft, schreiben beide an ihren Onkel JOHANN DIETRICH vom niederländischen Nimwegen aus, dass sie morgen die Reise nach Engeland mit einem Empfehlungsschreiben Ihrer Durchlaucht des Kurprinzen von der Pfalz antreten und von dort nach Frankreich gehen wollen und hoffen, es möchte das harte Verfahren gegen sie und das Ihrige sich glücklich ändern und das Kaiserliche Kammergericht einsehen, wie in ihrer Sache und der ihres seligen Vaters gehandelt worden sei und so von diesem und ihrem künftigen Fürsten Hilfe zu erlangen. Ob diese Reise getätigt wurde, ist nicht zu ersehen. Während Waldau über das weitere Leben des - JOHANN CHRISTOPH und ob er sich in männlichen Erben fortgepflanzt hat, nichts mehr zu berichten weiß, kann er über dasjenige des Jüngsten in voller Übereinstimmung mit Sporhan-Krempel, wiederum Beweis der trotz ihrer Lückenhaftigkeit gegebenen Zuverlässigkeit der Angaben beider Autoren, Folgendes über dessen Lebensumstände Folgendes (hier vorläufig zusammengefasst) sagen: - JOHANN CARL (HANS KARL): Geb. den 30. Oct. 1656. Er kam in Pfälzische Dienste, wurde Herzoglich Zweibrückischer Geheimer Rat und Oberamtmann zu Guttenberg, vermählte sich zuerst mit KATHARINA VON WEIDMANN, dann mit EVA VON ZOLLERN (siehe dazu Stör = Abb. 36 und dort ganz rechts unter 10a!) und pflanzte sein Geschlecht in der Pfalz fort. Sein Sohn war JOHANN GEORG VON WIMPFFEN (1689 – 1767). Weiteres später!

  • Abb. L 14: Der vergrößerte Ausschnitt des Stammbaumes von J. W. Stör (ca. 1750/60), beschränkt auf die mittlere Oberzone, mit Kennzeichnung insbesondere des Brüderpaares Johann Friedrich und Johann Dietrich und deren Gattinnen (Generation 8), beigegeben deren Kinder und deren Ehepartner – so weit bekannt – (Generation 9), dazuhin auch deren Kinder (Generation 10).

Anmerkung zur nachfolgenden Genealogischen Übersicht II:
Wie in der Genealogischen Übersicht I setzt sich der Text der beiden Spalten von Blatt zu Blatt fort.

 Blatt 1:

Blatt 2:

Abschließend sei hier noch auf die bereits im ausgehenden Kapitel H. Kaufbeuren-Augsburger Hörmann angesprochene Tatsache hingewiesen, dass in der zweiten Hälfte der 1690er Jahre und demnach um die anderthalb Jahrzehnte nach dem 1679 wohl in Durlach erfolgten Tod des JOHANN DIETRICH VON WIMPFFEN sowie bald danach in den beginnenden 1680er Jahren dem als Letzter der drei überlebten Söhne des zu Tode gebrachten Bruders JOHANN FRIEDRICH VON WIMPFFEN von Nürnberg weggegangenen GEORG ABRAHAM VON WIMPFFEN dorthin ein WILHELM GOTTFRIED HÖRMANN VON UND ZU GUTENBERG, Urururenkel des 1528 zum Reichsfreiherren erhobenen GEORG (JÖRG) HÖRMANN VON UND ZU GUTENBERG (geb. 1491 in Kaufbeuren, gest. 1552 in Augsburg), zugezogen ist und dort ein sich offenbar sehr erfolgreich entwickelndes und von den Söhnen weitergeführtes Handelsgeschäft gegründet hat. Dieser besaß solche Mittel, dass er 1732/33 nicht nur das Schloss am Orte des Stammsitzes seiner Familie Gutenberg im Ostallgäu total erneuern, sondern um die gleiche Zeit im nächst Nürnberg nordwestwärtig an der Reichsstraße nach Frankfurt a. M. gelegenen Weiler Schniegling an der Pegnitz ein um 1700 erbautes barockes schlösschenartiges Herrenhaus mit Volutengiebel (heute Nürnberg-Schniegling, Schnieglinger Straße 249) zu erwerben imstande gewesen ist, das nun der „Hörmannsche Sitz“ hieß.
Siehe dazu die

040

  • Abb. L 15: Darstellung von 1708, welche die in Nürnberg-Schniegling (Letzteres hier als Schnitling“ erscheinend), bis in die Gegenwart, wenngleich in veränderter Form, erhalten gebliebenen drei sog. Herrenhäuser zeigt, worunter das vorderste heute noch in Erinnerung an ihren einstigen Erwerber, den Fabrikanten Wilhelm Gottfried Hörmann von und zu Gutenberg, der „Hörmannsche Sitz” heißt.

Ob der Besagte sich wohl bewusst gewesen ist, dass er damit in Nürnberg tätigkeits- und ansehensmäßig in die Fußstapfen jener Familie trat, die bereits nach dem Beginn des 16. Jahrhunderts, aus Kaufbeuren stammend, ebenfalls aus Augsburg dorthin gekommen war und, wenn man den kleinen Unterschied des Selbstlautes „e” des Urnanens „HERMANN“ hier und des Umlautes „ö”  des Urnamens „HÖRMANN“ da übergeht, ursprünglich den gleichen Namen getragen hatte und unter Umständen mit ihm entfernt blutsverwandt gewesen ist; auch dass diese dann über rund 1 ⅔ Jahrhunderte hinweg in Nürnberg im Fernhandelsgeschäft und somit ebenfalls im Kaufmannswesen tätig gewesen sowie ebenfalls, wenngleich nicht schon, wie er, 1428, sondern erst 1558 und damit 130 Jahre später, in den Adelsrang durch die Zuerkennung des Namenstitels FREIHERR VON WIMPFFEN gelangt ist?