F. Südfernhändler

Wie der ebenfalls Fernhandel betreibende Sohn von Hanß dem Älteren und weitere Bruder von Sybilla namens HANß DER JÜNGERE (Generation 5) eine Zypriotin und einer von dessen drei Söhnen namens LIENHARD (Generation 6) eine Italienerin heiratet und aus dessen im Süden Europas sich zahlreich ausbreitender Kinderschar der abermals HANß (gestorben 1606) geheißene Sohn (Generation 7) 1598 in die Großkaufmannsfamilie der TUCHER einheiratet, die zu den ganz großen Ersten (und zeitweise u. a. auch in Augsburg ansässig gewesenen) Geschlechtern Nürnbergs gehört.

Im Zuge des Durchschreitens des Stammbaumes des J. W. Stör in Vergleichung mit den Forschungsergebnissen von Lore Sporhan-Krempel wenden wir uns immer noch nicht dem nächsten Stammträger der Generation 5 zu und geben zur Orientierung, wie bereits im vorangehenden Kapitel in Abb. E 1 und D 3, bezeichnet mit gezeigt:

  • Abb. F 1: Die auf die Generationen 5 bis 7 der (vom Betrachter her gesehen) linken Hälfte beschränkte Ausschnitt des Stammbaumes von J. W. Stör, versehen mit Nummern und Buchstaben als Findehilfen.

Denn es erscheint vorrangig, innerhalb dieser den Blick nunmehr auf den ältesten der vier Söhne von HANß DEM ÄLTEREN und der LINDERIN bzw. LINDENMAIRIN zu richten, der ebenfalls HANß hieß und, wie Sporhan-Krempel angibt, CLARA DIOTÄT AUS ZYPERN geheiratet haben soll. Dieser erscheint bei Stör (siehe 5b) übereinstimmend als HANß DER JÜNGER, als dessen Gattin aber CLARA CLAUDIANI AUS ZIPERN. Siehe hierzu die

  • Abb. F 2: Der im Stammbaum des J.W. Stör mit 5b gekennzeichnete und oben mit den vorgenannten Nanensbezeichnungen HANß DER JÜNGER linker- und CLARA CLAUDIANI AUS ZIPERN rechterhand beschriftete Doppelschild mit dem zweigeteilten (oben einen schreitenden Löwen und unten einen Rundturm zeigenden) Wappen derselben.  

Zwar ist in Anbetracht der ganz erheblichen Unterschiedlichkeit des Zunamens der Frau der bislang da und dort verwendete Erklärungsversuch eventueller (und hier beiderseitiger) Lesefehler als fragwürdig anzusehen. Die Übereinstimmung deren Vornamens wie deren Herkunft spricht jedoch dafür, dass eine Ehe des Hanß mit einer Zypriotin fraglos bestanden hat und die folgende den beiden Namen angefügte Schlussfolgerung von Sporhan-Krempel als zutreffend anzusehen ist: „Man muß mit Recht annehmen, daß die Hermann Handel mit Cypern trieben.”

Sporhan-Krempel gibt weiterschreitend – womit wir vorausgreifend punktuell wieder zu Generation 6 und später sogar zu Generation 7 gelangen – Folgendes an: „Einer der Söhne von Hans und Clara, Leonhard, ging mit einer Italienerin die Ehe ein.” Dies bestätigt sich dadurch, dass bei Stör unter den aufgeführten drei Söhnen an erster Stelle (siehe bei 6b) sich der Name LIENHARD findet, was dem angegebenen Vornamen LEONHARD entspricht. Und der Name dessen beigegebener Gattin klingt in der Tat eindeutig italienisch; denn er lautet, sofern richtig entziffert, PIORINA DI ALDI. Siehe hierzu

  • Abb. F 3: Der im Stammbaum des J. W. Stör mit 6b gekennzeichnete LIENHARD mit seiner dort mit dem Namen PIORINA DI ALDI erscheinenden italienischen Gattin.  

„Der Sohn dieser beiden”, so schreibt Sporhan-Krempel weiter, „verheiratete sich mit ANNA MARIA TUCHERIN, also wieder eine Verbindung mit Nürnberg.” In der Tat tauchen in der Generationsreihe 6 von Stör unter den nicht weniger als insgesamt vier Söhnen (7b, 7g, 7l, 7n) und neun Töchtern (7c, 7d, 7e, 7f, 7h, 7i, 7j, 7k, 7m), demnach dreizehn aufgeführten Kindern (einschließlich deren Ehepartnern), an elfter Stelle (7 l) abermals der Name HANß und als dessen Gattin PHILIPINA TUECHERIN auf. Hier dürfte bei Sporhan-Krempel bezüglich des anderslautenden Vornamens ANNA MARIA ein Irrtum vorliegen. Denn im Namens-Register von Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg …“ taucht zwar eine erste ANNA MARIA TUCHER (1568 – 1606), Tochter des vermögenden CHRISTOPH V. TUCHER (1540 – 1610) auf, die sich aber mit MARKUS RIETER (1559 – 1607) verheiratet findet, außerdem eine zweite ANNA MARIA TUCHER (1574 – 1651), Tochter des MARKUS II. TUCHER (1532 – 1579); indem die Letztgenannte aber PHILIPP JAKOB I. TUCHER (1567 – 1632) ehelicht, heiratet diese, worauf auch Fleischmann hinweist, innerhalb ihrer Familie. Demgegenüber ist in der hier wiederum herangezogenen Proposographie „Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts“ unter der Laufenden Nummer 397 ein das Augsburger Bürgerrecht besitzender, jedoch 1593 als in Venedig wohnhaft nachgewiesener und von 1599 bis zu seinem Todesjahr 1606 der Augsburger Kaufleutestube angehörende HANS HERMANN angeführt, der mit diesem von Stör aufgeführten HANß HERMANN zweifelsfrei identisch ist; man ja muss eigentlich auch erwarten, dass dieser als Enkel des mit einer Zypriotin verheirateten HANß nicht mehr in Nürnberg beheimatet gewesen ist. Nicht nur, dass in dieser auf Augsburg bezogenen Proposographie dessen Nachname „HERMANN“ der einzige nummernmäßig erfasste solche ist, der sich mit „e“ und nicht wie alle die vielen anderen „HÖRMANN“ und somit mit „ö“ (da und dort auch HOERMANN“ mit „oe“)  geschrieben ist, was damit zu erklären ist, dass dieser eben ein Abkömmling der Nürnberger HERMANN und nicht der Augsburger HOERMANN gewesen ist. Und dazuhin ist dort als dessen Ehefrau, übereinstimmend mit Stör, eine PHILIPPINA TUCHER (und nicht eine ANNA MARIA TUCHER) und als deren Heiratsjahr 1598 vermerkt. Indem in der vorgenannten Quelle als des Vorgenannten Bruder ein LEONHARD II HERMANN und als deren Vater ein LEONHARD I HERMANN angegeben ist, besteht zwar vor- und nachnamenmäßig auch hier Übereinstimmung sowohl mit Stör als auch mit Sporhan-Krempel; doch ist dem Letztgenannten dort, wenngleich mit Fragezeichen versehen, die falsche Berufsbezeichnung „Schneider?“ (statt richterweise „Groß- oder Fernkaufmann“) beigegeben. Die Zuordnung dieser Berufsbezeichnung erfolgte höchstwahrscheinlich deshalb, weil zwei andere (allerdings – wie alle die wenigen weiteren Nürnberger solche – in Augsburg nur über Geschäfts- und/oder Mündelakten u. Ä. am Rande erfasste und verwandtschaftlich nicht zuordenbare) HERMANN, beide des Vornamens GEORG, (bei Lfdnr. 1003) als „Tuchgewander“ (1572) bzw. (bei Lfdnr. 1197) als „Weber“ (1578) berufsbezeichnet sind.

Als Geburtsname der Mutter von LEONHARD I HERMANN erscheint in der Proposographie jedoch enttäuschenderweise SCHOLASTIKA STÖCKLER, nicht, wie von Stör her zu erwarten, PIARINA DI ALDI. Im Hinblick darauf, dass sämtliche Angaben der sog. Augsburger Proposographie auf minutiös erfassten und einer stetig vergleichenden digitalen Kontrolle unterzogenen Urkundenunterlagen basieren und somit als höchst zuverlässig anzusehen sind, muss man davon ausgehen, dass LIENHARD/LEONHARD HERMANN zunächst zwar mit der Italienerin PIARINA DI ALDI verheiratet gewesen, diese aber früher oder später verstorben und SCHOLASTIKA STÖCKLER seine zweite Gattin gewesen ist, von der zumindest die an 11., 12. und 13. Stelle stehenden (und im Stammbaum von Stör mit 7l, 7m und 7l bezeichneten) Jüngsten der 13-köpfigen Kinderreihe HANß (DEM ÄLTEREN), FAUSTINA und LEONHARD (II.) stammen. Dass der Stammbaum von J. W. Stör in seinen über die Stammreihe hinausgehenden Angaben da und dort nicht nur Lücken (wie bei 6b die offenbar fehlende Nennung der 2. Gattin), sondern auch Fehler aufweist, das zeigt auch der Umstand, dass (siehe bei 7 l) der vorbeschriebenen Gattin von HANß (DEM JÜNGEREN) namens  PHILIPINA TUECHERIN ein unrichtiges Familienwappen beigegeben ist; siehe hierzu

  • Abb. F 4: Das im Stammbaum des J. W. Stör bei 7l zu findende Wappen der mit HANß HERMANN verheirateten PHILIPINA TUECHERIN.

Dieses zeigt einen waagerecht zweigeteilten Schild mit oben einem seine Schwingen ausbreitenden adlerartigen Vogel, währenddem die Tucher jedoch als Hauptzeichen das Kopfprofil eines auf den Heiligen Mauritius hindeutenden Mohren führen.

Im vorbeschriebenen Fall liegt also wiederum eine Einheirat der HERMANN (VON WIMPFFEN) in das Patriziat vor, und zwar jetzt wieder eines deren männlichen Abkömmlinge durch Verehelichung mit einer Patriziertochter. Zwar gehörten die TUCHER (VON SIMMELSDORF) nicht zu den ganz alten, doch zu den ganz großen Geschlechtern der Reichsstadt Nürnberg, die dort mit BERTHOLDUS TUCHER 1309 zum ersten Mal genannt, 1340 in den Engeren Rat eingezogen sind und über das 14. und 15. Jahrhundert hinweg z. B. des öfteren das wichtige Amt im Stadtregiment des Vordersten Losungers innehatten. Diese hatten eine Handelskompanie ins Leben gerufen und sich, wie bereits in Kapitel D. Auswanderer Heinrich teilweise erwähnt, ab dem 15./16. Jahrhundert in den Silberrevieren des Erzgebirges und Böhmens sowie in fränkischen und schlesischen Goldrevieren als Unternehmer engagiert, waren gleichzeitig in europäischen Handelszentren wie z. B. im Süden in Venedig und im Norden in Antwerpen sowie auch in Augsburg tätig gewordene Großkaufleute, die sich neben den mit ihnen konkurrierenden IMHOF ganz besonders im Safranhandel hervortaten, sich von allen riskanten Finanzgeschäften fernhielten und, zerteilt in eine Ältere und eine Jüngere Linie, im reichsstädtischen Nürnberg dauerhaft zu großem Einfluss sowie Geld- und Sachvermögen gelangten. Die Vermögendheit der Tucher manifestierte sich in diesen zu Eigen gewesenen zahlreichen herausragenden Anwesen in bester Lage innerhalb von Nürnberg wie etwa dem von der Älteren Linie um die Mitte des 16. Jahrhunderts fertiggestellten sog. Tucher-Palais oder Tucher-Stadtschloss in der Hirschelgasse und außerhalb im umgebenden Landgebiet der Reichsstadt in Gestalt von unzähligen Ortsherrschaften sowie oft prunkvoll ausgestatteten schloss- oder burgartigen und manchmal weihergesäumten Sommer- und Landhaussitzen. Auch waren sie, ihren Familienruhm und ihr Andenken mehrend, in Nürnberg dauerhaft herausragende Kirchenkunststifter. Ihren Namenszusatz bekommen sie schließlich im beginnenden 18. Jahrhundert von Kaiser Leopold sogar als Adelsname unter Immatrikulation im Ritterkanton Gebürg der Reichsritterschaft in Franken mit Sitz und Stimme auf den Rittertagen anerkannt. Was den Vater der PHILIPPINA TUCHER betrifft, so hieß dieser laut der Proposographie der Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts (siehe Lfdnr. 1314) PHILIPP JAKOB TUCHER, der das Augsburger Bürgerrecht besaß und dort von 1568 bis zu seinem dort am 04. 10. 1585 erfolgten Tod als Mitglied der dortigen Kaufleutestube nachgewiesen ist. Dessen (wahrscheinlicher) Vater HANS I TUCHER (siehe Lfdnr. 1311) ist, was dessen Geburts- und Todeszeit betrifft, in Augsburg zwar nicht weiter fassbar, doch ist dieser als Mitglied der Augsburger Kaufleutestube von 1541 – 1577 sowie dazuhin nachgewiesen, dass er im letztgenannten Jahr das Bürgerrecht in Augsburg aufgegeben und nach Böhmen gezogen ist. Und der ältere der beiden Brüder der PHILIPPINA (siehe Lfdnr. 1313) namens HANS JAKOB TUCHER (geb. 1541) ist ebenfalls als das Augsburger Bürgerrecht besitzend und 1565 als Mitglied der dortigen Kaufleutestube nachgewiesen.

Indem die Eheschließung von HANß HERMANN und PHILIPPINA TUCHER zwei aus alten Groß- und Fernkaufsmanngeschlechtern stammende Partner zusammenbrachte, fand deren beider über viele Generationen zurückreichende Herkunft aus solchen quasi eine Potenzierung. Bei Hanß dürfte diese lückenlos von seiner Generation 7 des 16./17. Jahrhunderts bis zurück bis zu Generation 1 des 14. Jahrhunderts reichen, wobei natürlich die HERMANN (VON WIMPFFEN) noch weitest davon entfernt waren, den TUCHERN (VON SIMMELSDORF) das Wasser reichen zu können.

Nimmt man im Stammbaum Stör die oben bereits angesprochene gesamte 13-köpfige Geschwisterreihe dieses HANß von 7b bis 7n (siehe oben in der Abb. F 1) prüfend ins Auge, so kommt man zu dem Schluss, dass diese, die Kinder des LIENHARD oder LEONHARD I. und der PIARINA DI ALDI (bzw. SCHOLASTIKA STÖCKLER), wohl eher in südlichen Ländern (Italien, Spanien) aufgewachsen sind und gelebt haben. Denn unter diesen findet sich am Ende zwar der den deutschen Vornamen des Vaters tragende LEONHARD (siehe bei 7n), der in der vorgenannten sog. Proposographie (siehe Lfdnr. 397) als LEONHARD II HERMANN auftaucht. Doch dürfte die in der langen Kette von Mädchen unter 7h zu findende Tochter MARIETTA mit Sicherheit mit einem Italiener des Namens LAZARUS NORDIO verheiratet gewesen sein. Und deren Schwester MAGDALENA (7j) ist mit dem aus derselben italienischen Familie stammenden (wohl Bruder von 7h) UINCENTZ (VINZENZ) NORDIO (siehe als deren Wappenzeichen das Griechische Kreuz) verheiratet zu erkennen. Vermutlich haben auch die Schwestern derselben namens CLARA (7f) und (wie diese mit Sicherheit heißt) SANTA (7e) keinen deutschen Mann geheiratet (leider sind die Namen im Stammbaum der Abb. 13 teilweise kaum, jedoch in der Vergrößerung der Urkopie fast zweifelsfrei lesbar); denn der Ehemann der Erstgenannten dürfte PETER ANTONI BEFENI, der Ehemann der Letztgenannten JUAN CREMONI geheißen haben. Dieser spanische Vorname JUAN erscheint auch innerhalb der vorgenannten 13-köpfigen Geschwisterreihe bei 7g. Allen diesen vielen Geschwistern dieses HANß bzw. den vielen Schwägern und Schwägerinnen dessen Gattin PHILIPPINA TUCHER der Generation 7 weiter nachgehen zu wollen oder gar den aus dieser Eheverbindung der Familien HERMANN (VON WIMPFFEN)-TUCHER hervorgegangenen vier Söhne der Generation 8 HANß LEONHARD, MARX CHRISTOFF, PHILIPP JACOB und HANß GEORG sowie einen Tochter ANNA ELISABETH (siehe diese unter 8b – 8f) nachzuspüren, würde eine unendliche Forschungsarbeit bedingen, die ich als nunmehr (in der Zeit der Überarbeitung im beginnenden März 2019) 93-Jähriger Späteren, so diese sich finden sollten, überlassen muss.