E. Sybilla und Wilhelm

Wie die Tochter von Hans dem Älteren und der Linderin namens SYBILLA (gest. 1556) der 5. Generation 1530 den aus dem Nürnberger Patriziat stammenden und als Fernhandelskaufmann in Venedig tätigen BALTHASAR DERRER (1509 – 1586) heiratet, der später nach Nürnberg zurückkehrt, dort in das im Stadtregiment höchst wichtige Amt des Losungers und schließlich in den Engeren Rat sowie in andere höchste Positionen des Stadtregiments einrückt, womit eine erste Eheverbindung der von Augsburg zugezogenen HERMANN mit einem Abkömmling von einem der führenden hochvermögenden patrizischen Geschlechter Nürnbergs zustande kommt; und wie Sybillas Bruder WILHELM zurück nach Augsburg geht und dort 1529 eine Angehörige der reichen Kaufmannsfamilie der SCHMUCKER zur Frau nimmt.

Bei der nunmehr anstehenden Betrachtung der Generation 5 wenden wir uns zunächst nicht deren Stammhalter zu, sondern den Kindern von HANS DEM ÄLTEREN, dem „Italienfahrer”, wie Sporhan-Krempel diesen wegen seiner Niederlassung in Venedig nennt, welcher mit der LINDERIN oder LINDENMAIRIN verheiratet gewesen ist (siehe diese in den Abb. C 3, D 1 und D 4, markiert mit 4f).
Siehe zur Veranschaulichung des Weiterschreitens in den Generationen die

  • Abb. E 1: Der auf die Generationen 5 bis 7 und an den Rändern etwas beschnittene Stammbaum von J. W. Stör, versehen mit Nummern und Buchstaben als Findehilfen.

sowie

  • Abb. E 2: Das im Stammbaum Stör mit 5c gekennzeichnete Ehepaar SYBILLA und BALTHASAER DÖRRER.

Laut dem Stammbaum Stör hatten die Vorgenannten fünf Kinder, vier Söhne namens HANß DER JÜNGER (5b), WILHELM (5d), LIENHARD (5e) und ZACHARIAS (5f) sowie eine Tochter SYBILLA (5c), die (siehe die vorstehende Abb. E 2) mit BALTHASAR DÖRRER verheiratet war. Damit übereinstimmend spricht Sporhan-Krempel von SYBILLE, die mit BALTHASAER DERRER verheiratet gewesen sei; die Abweichungen am Ende des Vornamens der Frau „e” statt „a” sowie „e” statt „ö” im Nachnamen des Mannes dürften keinerlei mindernde Rolle spielen. Deren Hochzeit fand nach Peter Fleischmann 1530 in Venedig und somit in jener mächtigen und glanzvollen Fernhandelsstadt statt, die seit der um den Beginn des 15. Jahrhunderts nach Unterwerfung zuerst von Genua und dann von Verona, Padua, Ravenna und Bergamo als Umschlagplatz von Orient und Okzident jahrhundertelang das Monopol für den europäischen Levantehandel besaß. Hergebracht über das Mittelmeer durch dessen allbeherrschende Flotte von Byzanz oder Alexandria, wurden von dort der Pfeffer und viele andere Gewürze sowie sonstige Kostbarkeiten und Luxuswaren wie Öl und Safran, Seide und Musseline, Balsam und Weihrauch und viele andere hochbegehrte fremde pflanzliche Rohstoffe und auch Fertigwaren aus dem Orient, aus Indien, China usw. sowie umgekehrt etwa auch italienische Handwerks- und Kunstgewerbeerzeugnisse über die verschiedenen zentralen Alpenpässe insbesondere nach Augsburg, Nürnberg, Regensburg etc. und von dort bis hin nach dem Norden Europas gebracht und gegen nach dem Süden Europas transportierte deutsche Leinwand, Erzeugnisse des florierenden deutschen Bergbaus und Metallwaren, flandrische Tuche, Pelzwerk usf. ausgetauscht.

Mit dieser Eheschließung vollzog sich zum ersten Male das, was bereits im vorangehenden Kapitel D unter Zitierung von G. E. Waldau angekündigt worden ist, nämlich das über mehrere Generationen hinweg erfolgte Einheiraten männlicher wie auch weiblicher Abkömmlinge der dem Zweiten Stand Nürnbergs zugehörigen HERMANN (VON WIMPFFEN) in den Ersten Stand Nürnbergs der hochvermögenden und die Geschicke Nürnbergs allein bestimmenden sog. Patrizier. Denn die DERRER VON DER UNTERN BÜRG oder auch VON UNTERBÜRG (so beigenannt nach der ihnen im ausgehenden 15. Jahrhundert zugekommenen und vom Kaiser als Stammsitz bestätigten Wasserburg nahe dem östlich von Nürnberg gelegenen Weiler Erlenstegen) gehörten zu den Ersten Nürnberger Geschlechtern, die sich als solches 1319 ersterwähnt und im Engeren Rat bereits seit 1355 (FRITZ DERRER) finden und ein erfolgreiches zwischen Nürnberg, Venedig und Wien operierendes Handelsgeschäft betrieben. Das Wappen der DERRER bzw. DÖRRER, ein mit drei stilisierten Blüten besetzter Schrägbalken, findet sich im Stammbaum von Stör nach (heraldisch gesehen) rechts statt richtigerweise nach links geneigt. Aus den weiteren Angaben von Sporhan-Krempel unter Hinzuziehung des dreibändigen Werkes von Peter Fleischmann „Rat und Patriziat in Nürnberg. Die Herrschaft der Ratsgeschlechter vom 13. bis zum 18. Jahrhundert” (2008) ist noch Folgendes entnehmen: Es handelte sich bei dem Gatten der Sybilla um BALTHASAR I. DERRER (1509 – 1586), dessen Vater HANS DERRER sich 1504 als Kaufmann am späteren Hochzeitsort des Sohnes Venedig als Fernhandels-Kaufmann niedergelassen hatte. Wegen des Geschäfts ist Balthasar I. Derrer mit seiner Familie bis spätestens 1532 in Venedig geblieben, wo er sicher reiche breitgefächerte fernkaufmännische Anregungen und Erfahrungen sammeln konnte. Viele junge Patrizier, ob sie nun von Nürnberg oder in einem anderen Ort des Fernhandels beheimatet waren, begannen als Lehrlinge, dann als sog. Faktoren (Handelsbevollmächtigte) ihrer als Familienunternehmung geführten Handelsgesellschaft ihre Laufbahn an solchen Brennpunkten des europäischen Handels oder blieben oft sogar dauernd im Ausland. Nach seiner nunmehrigen Rückkehr in seine Vaterstadt Nürnberg wurde Balthasar I. Derrer 1534 zum Genannten (des Engeren Rats) und gleichzeitig zum Schöffen am Untergericht, später auch am Stadt- und Ehegericht bestellt. Nachdem das Stammhaus der Derrer am Weinmarkt bei der nach diesem benannten Derrersbrücke 1522 aus dem Besitz der Familie ausgeschieden war, erwarb er 1535, Zeichen seiner finanziellen Potenz, ein stattliches Anwesen zwischen Rathaus und Kaiserstallung (Burgstraße 19). Während sein Bruder LADISLAUS III. DERRER (1496 – 1569) noch Alter Genannter des Kleineren Rates war, holten die Wähler 1536 Balthasar I. Derrer als Jüngeren Bürgermeister in die Ratsstube, so dass bis 1538, Beweis des Ansehens und der Machtstellung der Familie, sogar zwei Derrer im Kleineren Rat vertreten waren. Unverdrossen widmete Balthasar I. Derrer sich trotzdem daneben seinem Fernhandelsgeschäft, aber auch den Aufgaben im Kleineren Rat, der ihn 1543 zum Rugherrn (das Rugamt übte die Aufsicht über das Handwerk aus) bestellte. 1557 kommt er vertretungsweise und 1558 definitiv als Erster Bürgermeister an die Reihe. Zwei Jahre zuvor (1556) war seine immerhin der Ehrbarkeit (= dem Zweiten Stand) angehörende Frau SYBILLA GEB. HERMANN gestorben, die ihm 9 Kinder geboren hatte, ein Umstand, der natürlich im Stammbaum von J. W. Stör nicht in Erscheinung tritt. Ein halbes Jahr nach deren Tod ging er eine zweite Ehe mit MAGDALENA BAYER ein. Diese stammte ebenfalls nicht aus dem Patriziat, sondern wieder „nur” aus dem Zweiten Stand, „was bei den Derrer”, so Fleischmann (bezogen auf die Heiraten deren Frauen), „sehr häufig zu beobachten ist”. Die nachstehende

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  • Abb. E 3: Medaille mit dem Brustbild für Balthasar Derrer I. (1509 – 1586) und der Umschrift dessen Namens sowie „AETATIS. LX.”

zeigt den Vorbeschriebenen im Alter von 60 Jahren und damit zu einer Zeit, da sein älterer Bruder LADISLAUS III. starb und ihm alle Derrerschen Lehen und Grundherrschaften zufielen.
Hier auf die weitere Schilderung dessen permanenten Aufstiegs in der Nürnberger patrizischen Rats- und Ämterhierarchie verzichtend, seien nur noch die von diesem erreichten Endpunkte aufgeführt: Von 1580 ab amtiert er als der Vorderste der beiden sog. Losunger, deren Amtsbezeichnung auf das mittelhochdeutsche Wort „lôsunge” oder „loesunge” zurückgeht und u. a. die Auslösung mit Geld oder die Geldeinnahme mit Steuererhebung bedeutete. Dessen und des sog. Zweiten Losungers Aufgaben bestanden vor allem im Erheben und Verwahren der Vermögenssteuer und des seit Mitte des 13. Jahrhunderts erhobenen Ungelds (Getränkesteuer), im Entrichten der Reichssteuer sowie im Bestreiten der Ausgaben; damit waren die beiden Losunger für die Erhebung und Verwaltung der öffentlichen Einkünfte zuständig. Dieses verantwortungsvolle Amt wurde natürlich nur an Angehörige der Ersten Geschlechter vergeben, die sich bereits in anderen Ämterfunktionen bewährt hatten. Auch war den Losungern damals in Personalunion als Oberste Hauptleute der Staatsschatz anvertraut. In der im Rathaus befindlichen sog. Losungsstube, die schwer gesichert und nur durch eine versteckte Tür über eine schmale Wendeltreppe erreichbar war, befanden sich neben den Geldvorräten auch die wertvollsten Dokumente der Reichsstadt. Außerdem rückt Balthasar I. Derrer kurz danach ohne sein Zutun kraft seines hohen Alters von 70 Jahren zum vordersten Repräsentanten des Kleineren Rates und somit auch des führenden reichsstädtischen Stadtregiments in Nürnberg sowie als Verweser des Reichsschultheißenamtes auf. Daneben darf er aber auch weiterhin seine Kaufmannschaftshandlung betreiben, bis ihn am 16. März 1586 der Tod erteilt. Er findet seine letzte Ruhestätte in der Derrerschen Gruft in der Pfarrkirche St. Nikolaus und Ulrich in Mögeldorf. Sicherlich hat diese Einheirat in die zu den Ersten Geschlechern Nürnbergs gezählte Familie bei der nur dem Zweiten der Nürnberger Geschlechter der Ehrbarkeit zugerechneten Hermann-Familie hohen Gefallen gefunden und sehr zur Förderung deren öffentlichen Ansehens beigetragen. Eine Standesderhöhung konnte es deren Namensträgern jedoch in Anbetracht der starren oligarchischen Nürnberger Machtgegebenheiten nicht bringen.

Wir gehen nun weiter zum im Stammbaum von J. W. Stör unter 5d zweitgenannten der vier Söhne des älteren Hans und der Linderin, der WILHELM hieß und MAGDALENA SCHMUCKERIN oder vielleicht auch SCHMÜCKERIN bzw., so Sporhan-Krempel, MAGDALENA SCHMUCKER aus Augsburg geheiratet hat.

Siehe dazu:

  • Abb. E 4: Ausschnitt des Stammbaumes des J. W. Stör, beschränkt auf WILHELM und MAGDALENA SCHMUCKERIN oder vielleicht auch SCMÜCKERIN.  

Diese stammte, wie Sporhan-Krempel hinzufügt, aus Augsburg, der alten Heimat der Hermann von Wimpffen, wohin Wilhelm zurückgekehrt sei. Aus der vorgenannten Feststellung von Sporhan-Krempel ist zu schließen, dass entweder schon Wilhelms Vater Hans oder spätestens Wilhelm selbst (wie im Jahr 1512 der Vetter bzw. Onkel Heinrich der Ältere) ebenfalls von Augsburg nach Nürnberg ausgewandert ist, was von Sporhan-Krempel nicht angesprochen wird. Diese schreibt nur, dass diese Heirat 1529 erfolgt sei, eben in jenem Jahr, wo Wilhelm, wie es ausdrücklich in alten Aufzeichnungen heiße, „allda auf die Herrenstube gelanget”.Das bedeutetet”, so folgert Sporhan-Krempel, „daß Wilhelm in das Augsburger Patriziat aufgenommen wurde. Halten wir das für später fest.” Diese sog. Herrenstube war eine Augsburger gesellschaftliche Korporation, in der Patrizier und auch durch Heirat herrenstubenfähig gewordene Nichtpatrizier aufgenommen waren, die dadurch in die zwischen den Patriziern und den Mitgliedern Kaufleutezunft rangierenden Standesgruppe der „Mehrer“ aufstiegen. Die SCHMUCKER, die durch Barchenttuchhandel reich gewordene weberzünftige Kaufleute waren und zu den reichsten Augsburger Bürgern mit ganz beträchtlichem auswärtigem Streubesitz in Form mehrerer arrondierter Grundherrschaften gehörten, sollen 1538, d. h. bald nach der Heirat des Wilhelm, ins Augsburger Patriziat aufgenommen worden sein, in dem sie sich aber nur kurz hätten halten können. In der Prosopographie der Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts erscheint die Schmucker-Familie fast nicht, abgesehen von wenigen verstreuten männlichen und weiblichen Einzelvertretern, auch nicht ein Wilhelm Hermann (oder auch Hoermann bzw. Hörmann, wie die dort zu findenden Nachnamens-Varianten lauten). Das bedeutet aber nicht, dass die Schmucker im Augsburg des 16. Jahrhunderts nicht existent gewesen seien. Denn in der vorgenannten „Proposographie  der Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts“ sind nur solche Augsburger Großkaufleute erfasst, deren hohes Steueraufkommen aus örtlichen Einnahmen floss, während die hauptsächlich aus überörtlichen Einnahmen der Schmucker stammenden solchen unerfasst blieben und somit die Aufnahme der dahinter stehenden Personen in diese entfiel.

Das Wappen der Schmucker zeigt einen von drei sechsstrahligen Sternen umfangenen Sparren. Dieser Sparren mit drei Sternen sticht dem Betrachter des Stammbaums von Stör dadurch ins Auge, dass er zusammen mit den drei Sternen in den Wappenzeichen all der dieser Ehe entwachsenen Nachkommen über die drei Folgegenerationen 6, 7 und 8 hinweg enthalten ist, allerdings jetzt zusammen mit dem darüber gesetzten Widder der Hermann von Wimpffen zu einem sog. Allianzwappen vereint. Der Widder schreitet hier aber nicht mehr auf den beiden Hinterbeinen, sondern rennt auf allen vier Beinen voran, und zwar wie bei der Urform der männlichen Sprösslinge nach (heraldisch gesehen) links, bei den weiblichen solchen nach (heraldisch gesehen) rechts. Es erscheint schon kolossal, siehe dazu die

  • Abb. E 5: Die nach J. W.Stör aus der Ehe des WILHELM HERMANN mit der MAGDALENA SCHMUCKER aus Augsburg der Generation 5 hervorgegangenen zahlreichen Nachkommen der Generationen 6, 7 und 8, 

welche Zahl von Nachkommen laut Stör im Gang der Generationen aus Wilhelm und Magdalena herausgewachsen ist: Sind es in der Generation 6 nur 6 (6l – 6q) solche, dann in der Generation 7 bereits 9 (7r – 7z) + 3 (7aa – 7cc) + 7 (aus Platzgründen hinuntergesetzt: 7dd – 7kk) = 19 und in der Generation 8 weitere 4 (8q – 8t) + 4 (8u – 8x) = 8 solche, das sind insgesamt 33. Aus dieser mächtigen Anzahl von Wappenschilden mit dem Widder der Hermann bzw. Hörmann (späteren Hermann von Wimpffen) oben und dem Sparren mit den drei Sternen der Schmucker unten sei nachstehend eines zum Zwecke der besseren Sichtbarmachung der drei Sterne vergrößernd herausgegriffen:

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  • Abb. E 6: Das im Stammbaum Stör den weiblichen Abkömmlingen der aus der Eheschließung von 1529  des Wilhelm Hermann mit Magdalena Schmucker von Augsburg zugeordnete Allianzwappen, das unten einen von drei Sternen umschlossenen Sparren und oben einen springenden Widder zeigt.

Nunmehr die in der Abb. E 5 die Namen deren sechs Kinder betrachtend, finden wir fünf Söhne, nämlich CONSTANTIN (6l), CAROLUS (6m), CHRISTOFF (6n), merkwürdigerweise noch einmal CAROLUS (6p) und dann noch JOHANNES (6q) sowie eine Tochter namens MAGDALENA (6o), die mit MATTHEUS BERCKMÜLLER verheiratet war.

Laut Dr. Hans H. von Wimpffen war der vollständige Name des an letzter Stelle unter 6q der Kinderreihe als JOHANNES erscheinenden wohl ältesten Sohnes JOHANN ALBERT VON WIMPF(F)EN und ist dieser 1539 in Augsburg geboren und 1589 in Nürnberg gestorben; er habe in Straßburg studiert und den Beruf eines Arztes zuerst in Augsburg und dann in Nürnberg ausgeübt. In dem 1564 in Ingolstadt erschienenen Buch „Vier Leichenreden auf den Tod von Herrn Dr. Frid. Staphyl” erscheint er als einer der Leichenredner, der den Titel Doktor der sieben freien Künste und der Philosophie, Professor der Academie Ingolstadt, führt. Laut Günther Haberhauer „Illustrierte Chronik der Stadt Bad Wimpfen” von 2012 soll dieser „JOHANNES ALBRECHT DE WIMPINA” von 1563 – 1570 Fürstlich-Bayrischer Hofmedicus gewesen sein und 1574 als Präceptor in Vaihingen gewirkt haben. Unbezweifelbar erscheint, dass dieser ein enger Freund des berühmten und mit großem Erfolg neue Wege weisenden Arztes Paracelsus gewesen ist, dessen Werke er betreut und zum Teil herausgegeben hat. Die Titelseite seines Paracelsus geltenden Werkes des Jahres 1570 sei gezeigt in der nachfolgenden

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  • Abb. E 7: Titelseite: Archidoxa D. Philippi Theophrasti Paracelsi von Hohenheim/zwölff Bücher/darin alle gehaimnueß der natur eröffnet/ … Auch noch vier andere Büchlein/ So darzu gethan worden/ … Von D. Iohanne Alberto Vvimpinaeo, Medico & Philosopho, Gedruckt zu Münchenb/Bey Adam Berg Anno M. D. LXX … .

Wie dem Titelende dieses Werkes zu entnehmen, erscheint Johann Albert dort in der damaligen Manier des Humanismus „D. (Doctor) Iohann Albert Vvimpinae, Medicus & Philisophus”. Das Hauptwerk dieses der medizinischen Wissenschaft Huldigenden hieß „De concordia Hippocraticorum et Paracelsistarum libri magni. Excursiones defensivae cum appendice, quid medico sit faciundum”. An dessen Beispiel wird klar, dass in der Reihe der unzählig-unüberschaubaren Augsburger wie auch Nürnberger Abkömmlinge der Hermann bzw. Hermann von Wimpffen manche Berufe ergriffen haben bzw. ergreifen mussten, die völlig außerhalb derjenigen der hier im Fokus stehenden zentralen Personen des Geschlechtes lagen. Wichtig erscheint, sich zu vergegenwärtigen, dass in der Namensbezeichnung des vorbenannten Verfassers der Urname Hermann bereits ganz verschwunden ist, wobei natürlich das „de Wimpina” oder „von Wimpfen” – wie dies in der Regel bei den Gelehrten wie auch Studenten des Zeitalters des Humanismus allgemein der Fall gewesen ist und wie auch die Namensform im oben gezeigten Buchtitel  von „D. Johanne Alberto Vvimpinaeo” erkennen lässt – nur als Bezeichnung der Herkunft und nicht als Adelsbezeichnung zu betrachten ist. Das „von Wimpffen“, so ist mit Sicherheit aus den Angaben von Sporhan-Krempel zu schließen, hatte sein Vater WILHELM – wie alle Familienmitglieder – von seinem von Augsburg nach Nürnberg ausgewanderten Bruder HEINRICH (DEM JÜNGEREN) übernommen.

Beim Versuch, Aussagen über weitere der vorgenannten Kinder des WILHELM und der SCHMUCKERIN (5d) zu finden, sah es zum ersten Male so aus, als ob Angaben der 1575 Namen erfassenden „Prosopographie der Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts” mit solchen von Stör bezüglich der von diesem an der dritten Stelle deren Kinderreihe geführten und mit 6n gekennzeichneten Sohnes und dessen Frau zusammengehen, so mit:

CHRISTOFF HÖRMANN und SUSANNA WALTERIN
(siehe oben in der Abb.E 5, bezeichnet mit 6n).

Denn unter der Lfdnr. 460, Seite 321/322, ließen sich dort u. a. die folgenden korrespondierenden Sachverhalte entnehmen:

CHRISTOPH HOERMANN und SUSANNA WALTHER,

welche als die Eltern aufgeführt sind von:

  1. MATTHÄUS BERNHARD HOERMANN, der 1576 geboren und 1656 gestorben und Bürger in Augsburg gewesen ist, dem Berufsstand der Mehrer (Kaufleute) angehörte und seit 1602 mit BARBARA MENHARD verheiratet war.

Und als (der Generation 7 zuzurechnende) Geschwister desselben sind angegeben:

  1. BERNHARD HOERMANN, verheiratet 1599 mit ANASTASIA SCHMELZ;
  2. SUSANNA HOERMANN, verheiratet 1613 mit ZACHARIAS JENISCH;
  3. MARIA HOERMANN, verheiratet 1604 mit ANDREAS KREUZERER und später mit DANIEL HOSER;
  4. SABINA HOERMANN, verheiratet 1601 mit DAVID II KOCH.

Will man diesen CHRISTOPH HOERMANN und seine Gattin SUSANNA WALTHER der Proposographie dem vorgenannten gleichnamigen Ehepaar des Stammbaumes Stör der Kennzeichnung 6n CHRISTOFF HÖRMANN und SUSANNA WALTERIN gleichsetzen, so müssten beider Kinderreihen eigentlich übereinstimmen. Somit seien die im Stammbaum Stör aufgeführten Kinder des letztgenannten Paares und ggfls. deren Ehepartner zum Zwecke des Vergleichs nachstehend ebenfalls aufgeführt (zu finden oben in der Abb. E 5):

  1. (siehe 7r): HANß JACOB HÖRMANN;
  2. (siehe 7s): JOHANN CHRISTOFF HÖRMANN;
  3. (siehe 7t): BERNHARD HÖRMANN, verheiratet mit ANASTASIA SCHMELTZIN;
  4. (siehe 7u): SUSANNA HÖRMANN, verheiratet mit HIERONIMUS MAIR;
  5. (siehe 7v): MARIA HÖRMANN, verheiratet zuerst mit ANDREAS KREITZER, dann mit DANIEL HOSER;
  6. (siehe 7w): CONRAD HÖRMANN, verheiratet mit ANNA EGLOFFIN;
  7. (siehe 7x): MAGDALENA HÖRMANN, verheiratet mit HANß GEORG WEIß;
  8. (siehe 7y): SABINA HÖRMANN und
  9. (siehe 7z): SYBILLA HÖRMANN.

Es finden sich somit, was die Zahl der Geschwister anbelangt, irritierenderweise in der Prosopographie (oben) nur fünf gegenüber dem Stammbaum Stör (unten) dagegen neun solche. Was aber die Geschwisternamen als solche betrifft, so sind immerhin vier der oberen (Nr. 2, 3, 4 und 5) mit vier der unteren (Nr. 3, 4, 5 und 8) identisch und dazuhin stimmt bei zwei der Paare der Name des Ehepartners bzw. der Ehepartner überein, und zwar oben Nr. 2 und mit unten Nr. 3  sowie oben Nr. 4 und unten Nr. 5 (hier beide Namen). Der hauptsächliche Grund für die von der Prosopographie der Gegenwart erfasste wesentlich geringere Zahl der Kinder des CHRISTOFF HÖRMANN alias CHRISTOPH HOERMANN bzw. Enkel des WILHELM HÖRMANN und der SCHMUCKERIN dürfte auf die heute gegenüber der Zeit der Entstehung des Stammbaums Stör reduzierte Zahl vorhandener Archivunterlagen zurückgehen. Über das festzustellende offenkundige Auseinanderdriften der Aussage über den Gatten der beiderseits aufgeführten Tochter bzw. Enkelin SUSANNA HOERMANN bzw. HÖRMANN namens ZACHARIAS JENISCH da und HIERONIMUS MAIR dort ließe sich nur spekulieren.

Wie dem auch sei: Die Idendität der am Anfang der Vergleichung von Stör mit der Prosopographie aufgeführten Personenpaare

CHRISTOFF HÖRMANN – SUSANNA WALTERIN
und
CHRISTOPH HOERMANN –  SUSANNA WALTHER

erscheint zweifelsfrei gegeben. Und auch die Zutreffendheit der von Stör angegebenen Schar von deren neun Kindern mit Ehepartnern ist im Ganzen gesehen nicht in Frage zu stellen. Die vorstehende Einschätzung dürfte maßgeblich dazu beitragen, die grundlegenden Angaben des Stammbaumes von J. W. Stör als zuverlässig betrachten zu können. Höchst aufschlussreich erscheint auch der Umstand, dass in den „Anmerkungen” der Prosopographie (siehe dort Lfdnr. 460, Seite 322) u. a. Folgendes gesagt ist: „Christoph Hoermann stammt aus Wimpfen.” Damit kann zwar unter keinen Umständen gemeint sein, dass der Genannte direkt von Wimpfen nach Augsburg ausgewandert ist, sondern das, was von der Familienüberlieferung gesagt und dem Textautor, auf welchem Weg auch immer, bekannt gewesen ist, nämlich, dass die HERMANN oder auch HOERMANN ursprünglich aus Wimpfen gekommen sind.

Wir werden in der Eröffnung des Kapitels H. Kaufbeuren-Augsburger Hörmann der Herkunft von SUSANNA WALTERIN oder WALTHER und insbesondere der Berufstätigkeit ihres Mannes CHRISTOFF bzw. CHRISTOPH HÖRMANN bzw. HOERMANN nachzuspüren haben, wobei wir zu dem Schluss kommen werden, dass dieser sich höchstwahrscheinlich in die Spur der als Kaufleute und insbesondere Fernhändler tätigen Vorfahren wie Anverwandten begeben hat.