K. Unterpfleger Christoph

Wie CHRISTOPH DEM JÜNGEREN der 7. Generation 1607 die Einheirat in die der Ehrbarkeit (dem Zweiten Stand) angehörenden angesehenen Nürnberger Kaufmannsfamilie der SEMLER und später der Aufstieg in das Amt des Unterpflegers in Gostenhof gelingt.

Wir beginnen der Klarheit wegen zum dritten Mal mit

  • Abb. K 1: Die beidseits etwas eingegrenzten Generationen 5, 6 und 7 des Stammbaumes von J. W. Stör mit oben dem hier relevanten Stammträger der Generation 7 CHRISTOFF (DEM JÜNGEREN) und seiner Ehefrau ANNA MARIA SEMLERIN.

Von der genau drei Dutzend Glieder umfassenden äußerst langen Generationskette 7 des Stammbaumes von J. W. Stör (7a – 7z und 7aa – 7kk) ist im vorangehenden Kapitel in der stets am wichtigsten erscheinenden Kernzone bereits der Stammträger namens CHRISTOFF DER JÜNGERE (7a), der einzige Sohn von CHRISTOFF DEM ÄLTEREN (6a), aufgeführt und darüber hinaus von seinen drei Schwestern MARGARETE (7o), REGINA (7p) und SUSANNA (7q) das Wenige berichtet worden, was Sporhan-Krempel aus den Sterbevermerken über deren aller Unvermähltheit und frühen Tod Konkretes schöpfen konnte. Zentral bedeutsam für die HERMANN VON WIMPFFEN, wie sie sich seit HEINRICH DEM ÄLTEREN der Generation 4 nannten, erscheint hier der Umstand, dass sich deren am Stamm platzierter einziger Bruder, wie Sporhan-Krempel herausstellt, 1607 eine Frau namens ANNA MARIA aus der Nürnberger Familie der SEMLER zur Ehe nahm. „Sie war“, so schreibt diese, „die Tochter des ehrbaren und fürnehmen DIETRICH SEMLER. Die Semler waren angesehene Kaufleute. Christoph wurde später Unterpfleger in Gostenhof. Er hatte mit seiner Frau Anna Maria elf Kinder.”

Demnach wurden die Semler nicht zu den Ersten, sondern – wie die Hermann von Wimpffen – „nur” zu den Zweiten Geschlechtern Nürnbergs, der sog. Ehrbarkeit, gerechnet. Siehe hierzu die

  • Abb. K 2: Das im Stammbaum des J. W. Stör mit 7a gekennzeichnete Doppelschild des Stammträgers der Generation 7 CHRISTOPH (DEM JÜNGEREN) und Gattin ANNA MARIA SEMLERIN.

Trotzdem dürfte diese Heirat wohl ohne eine bereits erreichte höhergestellte Positionierung derselben in der Nürnberger hierarchischen Gesellschaft nicht zustande gekommen sein und dem Familienansehen einen weiteren Gewinn gebracht haben. Dass CHRISTOPH die Position eines Unterpflegers in Gostenhof erreichte, spricht für diese Einschätzung. Das heute an die Nürnberger Altstadt grenzende Gostenhof war damals ein südwestwärtiger Vorort Nürnbergs, wo ein mit Oberpfleger und Unterpfleger besetztes sog. Pflegamt bestand. Im reichsstädtischen Nürnberg des 16./17. Jahrhunderts oblag, bestimmt durch die Almosenordnung unter der Aufsicht von vier Ratsmitgliedern als Oberpfleger, neun Unterpflegern, entsprechend derselben Anzahl der Pfarreien der Stadt, zusammen mit vier vereidigten besoldeten Knechten die Erfassung und Beaufsichtigung der Almosenempfänger sowie die wöchentliche Verteilung der sog. Almosen, bestehend hauptsächlich aus Almosengeld. Die Zahl der in Nürnberg 1523 ermittelten Hausarmen betrug etwa 400. Die Klienten des Almosens waren verpflichtet, ein Zeichen zu tragen und ihre Wohnung durch einen Schild zu kennzeichnen.

Aus dem Eintritt von CHRISTOPF DEM JÜNGEREN in das Amt eines Unterpflegers zeigt sich, dass der von dessen ONKEL NIKLAS der 6. Generation durch seine lebenslange Tätigkeit des Assessors beim Bauerngericht vollzogene Übernahme eines Nürnberger Stadtamtes und damit die tätigkeitsmäßige Abkehr von der Urprofession der Handelsleute sich in der Folgegeneration 7 fortgesetzt hat. Allerdings drängt sich aus dem Wenigen, was vorstehend über das Amt des Unterpflegers gesagt werden konnte, die leider nicht beantwortbare Frage auf, ob dieser mit dieser Tätigkeit zeitlich und kräftemäßig ausgefüllt und salärmäßig in die Lage versetzt war, seine große Familie zu ernähren oder nicht doch noch, daneben oder gar hauptsächlich, eine andere (dann wohl kaufmännische) Tätigkeit ausgeübt hat. Die laut Sporhan-Krempel vorhandenen elf Kinder aufzuziehen, erforderte entsprechend hohen, auch pekuniären, Aufwand. Die Suche im Stammbaum Stör lässt diese alle unter 8a sowie 8g – 8p finden, also genaue Übereinstimmung erkennen. Die Beschreibung der bedeutendsten männlichen Glieder dieser stattlichen Kinderreihe einschließlich deren Frauen wird jedoch allein Aufgabe des umfänglichen Folgekapitels L. Adelswerdung sein.

Über HANß und PHILIPINA TUCHERIN (7l) derselben Generation, das sind der wohl im Handel tätig gewesenen Sohn und die Schwiegertochter von LIENHARD HERMANN und PIARINA DI ALDI (6b), sowie deren insbesondere in Italien tätigen Geschwister und deren von dort und auch aus Spanien stammenden Partner wurde bereits in Kapitel F. Südfernhändler berichtet.

Bevor wir zur Generation 8 weitergehen, erscheint wieder ein vergleichender Blick in die I. Stammtafel von Wurzbach notwendig, die hier wieder fast unverändert und unkorrigiert gezeigt werden soll:

  • Abb. K 3: Die I. Stammtafel der Freiherren und Grafen v. Wimpffen. Aeltere Linie des Constantin von Wurzbach von 1888 mit links der Kennzeichnung der ersten zehn Generationen durch Römische Zahlzeichen; sonst unverändert.

Der Blick auf die Generation VIII, die der Generation 7 des Stammbaumes von Spör entspricht, findet als Stammhalter nicht den oben behandelten und infolge der erwähnten Urkundennachweise fraglos als Stammträger dieser Generation nachgewiesene CHRISTOPH mit der ANNA MARIA SEMLERIN als Gattin, sondern den bereits in Kapitel I. Mysteriöser Hans aufgeführten JOHANN JACOB, geb. 1547, sowie als dessen Gattin die angeblich aus Franken stammende MARIA DOROTHEA VON SCHWARZENBERG erscheinen. Dasselbe steht bei Cellarius-Goldtbeeg (Gotha) zu lesen, doch mit dem Unterschied, dass der vorgenannten Gattin sogar der Adelsrang einer „Gräfin” beigegeben ist. Auf derselben Linie liegt Aubert Des Bois, bei dem es heißt: „VIII. Jean-Jacques de Wimpffen, né en 1547, Seigneur de Brixenstein, Zabietstein etc. épousa en Franconie, en 1571, Marie, Comtesse de Schwarzenberg”. Was das „etc.” hinter den diesem wiederum als „Seigneur” (Guts- und Lehensherrn) zugeschriebenen Plätzen Brixenstein und Zabietstein betrifft, so ist, entsprechend dem bereits an früheren Stellen Gesagten, insbesondere Ebershausen gemeint. Wie aus einer an späterer Stelle aufgeführten auf diesen Jean-Jacques bezogenen Textstelle abgeleitet werden kann, ist aus der Sicht von Aubert Des Bois des Weiteren noch die „Seigneurie de Rohosbourg dans le Canton d’Ortenau” (die Lehensherrschaft Rohosburg im Kanton Ortenau) zu diesen angeblichen Besitztümern hinzuzurechnen. Letzteres gilt auch für die Angaben im Gotha und des von Wurzbach, die, allerdings etwas anders geschrieben, doch sicherlich gleich gesprochen, „Rohooburg” angeben. Um es der Klarheit wegen noch einmal zu wiederholen: Der aus diesen gleichbleibenden stereotypen Angaben behauptete über drei Jahrhunderte hinweg reichende permanente Besitz dieser zerstreut liegenden Herrschaftsplätze in Schwaben, von denen der erste zudem lagemäßig gar nicht ausgemacht werden kann, ist als eine Unmöglichkeit zu betrachten. Im Übrigen war und hieß, um auch das noch einmal herauszustellen, der von Aubert Des Bois, dem Gotha (Cellarius-Goldtbeeg) und Wurzbach präsentierte Stammvater deren Generation VIII nicht JEAN-JACQUES (JOHANN JACOB), sondern – wie sich zweifelsfrei aus den obigen korrespondierenden Angaben von Stör und Sporhan-Krempel ergeben hat – CHRISTOFF/CHRISTOPH (DER JÜNGERE), und dessen Gattin nicht MARIA DOROTHEA VON SCHWARZENBERG, sondern ANNA MARIA SEMLER, einzureihen laut der Zählung nach Stör in die Generation 7.