T. Württembergische Nebenlinie

Wie die drei der Generation 12 angehörenden Neffen des Franz Ludwig bzw. Söhne des Zweiggründers STANISLAUS VON WIMPFFEN (1721 – 1793) namens CHRISTIAN FRIEDRICH DE WIMPFFEN (1756 – 1824), GERMAIN (HERMANN) DE WIMPFFEN (1754 – 1820) vorübergehend bzw. FRANZ LUDWIG DE WIMPFFEN (1752 – 1823) bleibend im Herzogtum bzw. Königreich Württemberg Fuß fassen und deren Vetter FRIEDRICH WILHELM VON WIMPFFEN (1784 – 1845), Jüngster der sechs Söhne des Franz Ludwig, im Dienste von König Wilhelm I. von Württemberg es bis zum Generalmajor und zu dessen Generaladjudanten bringt und wie aus diesem in der Residenz Stuttgart eine Württembergische Nebenlinie der Freiherren von Wimpffen herauswächst, die dort über 5 ½ Jahrzehnte hinweg bis Mitte der 1860er Jahre im Militär- , Adjudanten-, Kammerfrauen- und Kammerherrendienst steht.

Nunmehr wieder zu den Freiherren von Wimpffen zurückkehrend, jedoch die begonnene systematische Beschreibung der Nachkommen des in Kapitel P. Zweiggründer Franz Ludwig ausgiebigst behandelten Begründers des Franzens-Zweiges FRANÇOIS LOUIS (FRANZ LUDWIG) DE (VON) WIMPFFEN (1732 – 1800) unterbrechend, seien zunächst kurzgefasst die in das Herzogtum bzw. ab 1806 Königreich Württemberg, im ersten Fall dauerhaft, im zweiten und dritten Fall nur vorübergehend, geführten Lebenswege der drei am Leben gebliebenen Söhne dessen ältesten Bruders namens STANISLAUS GUSTAV LUDWIG (1721 – 1793) geschildert, der laut der II. Stammtafel von Wurzbach mit JULIE LUDOVICA DE LATOUR-FOISSAC (gest. 27. Juni 1795) verheiratet gewesen ist. Diese alle sind zu finden in der nachfolgenden

  • Abb. T 1: Ausschnitt der II. Stammtafel des Constantin von Wurzbach, zeigend oben die Zweiggründer vom a) Stanislaus’ Zweig, b) Josephs Zweig und c) Franzens Zweig der Generation XIII bzw. 11 sowie die Nachkommen der erstgenannten beiden Zweiggründer, markiert mit Blau bzw. Gelb.

Was die als Zielpersonen angeführten drei am Leben gebliebenen Söhne des Ältesten der Zweiggründer STANISLAUS GUSTAV LUDWIG VON WIMPFFEN anbelangt, so ist der Blick auf die blau hervorgehobene Generationsleiste XIVa bzw. 12a zu richten, wo dessen 10 Namen umfassende Kinderreihe in der Altersfolge, darunter 6 Söhne und 4 Töchter, aufgereiht ist; die Gesuchten sind:
– Der an 3. Stelle zu findende FRANZ LUDWIG, geb. am 16. Februar 1752;
– der an 4. Stelle stehende HERMANN (französisch: GERMAIN), geb. am 8. August 1854, gest. am 11. März 1818; sowie
– der die 7. Stelle einnehmende CHRISTIAN FRIEDRICH, geb. am 5. April 1856, gest. am 20. Dezember 1824.
Der an 1. Stelle der Geschwisterreihe genannte GEORG wie auch die an der 8. und 9. Stelle stehenden Brüder VICTOR und GUSTAV sind als „jung gestorben” bezeichnet, und die an 2., 5. und 6. Stelle zu findenden drei Schwestern DOROTHEA, geb. am 31. Juli 1749, LUISE, geb. am 7. Juli 1761 und gest. 1827, sowie ROSALIE, geb. am 23. Mai 1762 und gest. am 16. Juli 1835, sind jeweils als „Stiftsdame” ausgewiesen, die erstgenannte zu Roeremond (Niederlande), die zweit- und drittgenannte zu Metz (Lothringen), währenddem der an 10. und letzter Stelle zu findenden 4. Tochter namens VICTORINE keinerlei Angaben beigegeben sind.

Diese Abschweifung macht aus dem folgenden Grund zentralen Sinn: Die vorgenannte Bruder-Dreierschaft kann nämlich quasi als Vorläufer oder Schrittmacher der Rückwanderung der im Gange des 18. Jahrhunderts durch die letztendliche Niederlassung des jüngsten Sohnes des JOHANN FRIEDRICH VON WIMPFFEN namens JOHANN KARL (siehe in Kapitel N. Umorientierung) in den unter die Regentschaft von Ludwig XIV. gekommenen Amtsort Minfeld am Rande vom Elsass französische Staatsbürger gewordenen Von bzw. De Wimpffen in das Heilige Römische Reich und damit Rückkunft in das deutsche Sprachgebiet sowie in diesem Falle speziell in das Herzogtum bzw. ab 1806 Königreich Württemberg gelten, wo schließlich vorübergehend eine Württembergische Nebenlinie entstanden ist. Diese findet sich nachstehend dargestellt in

  • Abb. T 2: Ausschnitt der nachbearbeiteten II. Stammtafel des Constantin von Wurzbach, zeigend mittig rechts die Württembergische Nebenlinie der Von Wimpffen mit ihrem Begründer, den im Generationsband 12c rechtsaußen zu findenden jüngsten Sohn des FRANZ LUDWIG VON WIMPFFEN (1732 – 1800) namens FRIEDRICH WILHELM VON WIMPFFEN (1784 – 1845).     

Dieser ist dort unschwer als Vetter der drei Vorgenannten zu erkennen, nachdem deren Vater STANISLAUS ein Bruder des FRANZ LUDWIG gewesen ist. Vergegenwärtigt man sich dessen Geburtsjahr 1784 (zu erinnern gilt, wie in Kapitel P. Zweiggründer Franz Ludwig ausgeführt, geboren in Kirn an der Nahe!) und vergleicht man dieses mit den Geburtsjahren der vorgenannten drei elsässischen Vettern FRANZ LUDWIG , HERMANN/GERMAIN und CHRISTIAN FRIEDRICH, die schon in den 1750er Jahren geboren sind, wie auch die der o. a. vier Kusinen, so wird klar, dass dieser knapp 3 bis 3 1/2 Jahrzehnte und damit um eine gute Generation jünger als diese alle gewesen ist, ein Umstand, der auf den Altersunterschied der Väter (Stanislaus 11 Jahre älter als der Bruder Franz Ludwig) plus die Stellung des Friedrich Wilhelm an Ende der 12-köpfigen Geschwisterreihe zurückzuführen ist.

Was deren aller Tätigkeit in Württemberg und vornehmlich ganz speziell in Stuttgart betrifft, so wurden von mir, um die bestehende äußerst lückenhafte Überlieferung aufzuhellen und Unklarheiten zu beseitigen, im August und Oktober 2013 im Archiv der Stadt Stuttgart diesbezüglich umfängliche Quellen-Recherchen durchgeführt. Diese mussten sich allerdings, was die untere Zeitgrenze anbelangt, aus Zeitmangel auf das ausgehende 18. Jahrhundert beschränken, konnten aber im Hinblick auf die schließlich wieder erfolgte Abwanderung der dort entstandenen Württembergischen Nebenlinie bereits bei den ausgehenden 1860er/beginnenden 1870er enden. Wenn bei der nunmehr beginnenden Beschreibung der Lebenswege der o. a. drei Stanislaus-Söhne – entgegen der üblichen Reihenfolge – mit dem Jüngsten, nämlich

— CHRISTIAN FRIEDRICH VON WIMPFFEN, ursprünglich CHRISTIAN FRÉDÉRIC DE WIMPFFEN, laut der II. Stammtafel von Wurzbach geb. am 5. April 1756, gest. am 20. November (laut der Lebensdarstellung Nr. 5 von Wurzbach dagegen am 20. Dezember) 1824 in Wonoklos in Böhmen, begonnen wird, so deshalb, weil dieser als Erster der drei Brüder nach Württemberg abgewandert ist. Da, wie gesagt, die diesbezügliche Quellensuche erst ab der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert einsetzte, müssen wir uns bei der Lebensbeschreibung desselben zunächst fast ganz auf das beschränken, was bei Constantin von Wurzbach zu erfahren ist. Nach dessen vorgenannter Lebensdarstellung vollzog sich Christian Friedrichs Lebensgang so: Ursprünglich war dieser, wie es die vorstehend angeführten drei seiner vier Schwestern realisiert haben, anfänglich für den geistlichen Stand bestimmt, gab aber nachmals diese Laufbahn auf und trat als Hofjunker und Gardelieutenant (wie ca. 1 ½ Jahrzehnte zuvor schon sein Onkel Franz Ludwig) in herzoglich-württembergische Dienste. Dort soll Christian Friedrich in seinen „Oheimen Franz Ludwig und Hermann einflußreiche Verwandte” besessen haben. Diese Feststellung ist dahingehend zu korrigieren, dass der Begriff „Oheim” nur für Franz Ludwig, aber nicht für Hermann zutrifft, der ja einer von seinen zwei überlebten Brüdern gewesen ist. Christian Friedrich sei, so Wurzbach, 1782 (er war damals also erst ca. 26 Jahre alt) aus diesen Diensten Württembergs wieder ausgeschieden und Lieutenant im k. u. k. Husaren-Regiment Wurmser geworden. Dies geschah demnach zu der Zeit, da sein Onkel Franz Ludwig – siehe in Kapitel P. Zweiggründer Franz Ludwig – die Leitung des Kriegsdépartements des Herzogtums Württemberg und die Fortsetzung seiner Weiterarbeit dort bereits schon 6 Jahre zuvor aufgegeben und sich jetzt nach dem Kauf der Bornburg bei Frankfurt vorläufig im Residenzstädtchen des Fürstentums Salm-Kyburg Kirn an der Nahe niedergelassen hatte. Somit kann dieser, der Onkel, in Württemberg kaum mehr Einfluss auf das Fortkommen des Christian Friedrich ausgeübt haben. Und das gilt erst recht für seinen Bruder Hermann, der, wie wir später sehen werden, erst lange nach der 1789 ausgebrochenen Französischen Revolution nach Württemberg und somit dorthin zu einer Zeit gekommen ist, da Christian Friedrich dieses ja längst wieder verlassen hatte. Dieser habe die Stelle als Offizier der k. u. k. Armee , so heißt es nämlich weiter, 1786 quittiert und darauf die Herrschaft Wonoklos in Böhmen erworben, wo er künftig gelebt habe und auch gestorben sei. Aus seiner 1786 mit MARIA ANNA FREIIN geborenen SCHERZER VON KLEINMÜHL (in Von Wurzbachs laufendem Text jedoch verändert: VON SCHERZER-KLEINMÜHL) geschlossenen Ehe seien zahlreiche Kinder hervorgegangen. In der blau gekennzeichneten Generationsreihe XVa bzw. 13a der II. Stammtafel finden sich insgesamt 8 solche verzeichnet, darunter am Anfang der Älteste der 7 Söhne namens CHRISTIAN FRANZ ANTON, geb. am 7. Juli 1787. Aus dessen Ehe mit MARGARETHA ENGELTHAL VON EHRENHORST, geb. am Juli 1792, sind dem Erstgenannten 5 Enkel und in der Folgegeneration über FRANZ CAJETAN ANTON, geb. am 3. Februar 1829, und dessen Gattin BERTHA GRÄFIN KOTTULINSKY, geb. am 7. September 1839, 5 Urenkel gewachsen. Offenbar bemühte sich dieser nach seiner Heirat und dem Gutskauf in Böhmen um Nachweise des Werdens sowie der Adelserlangung seines Geschlechtes, was in Anbetracht seiner nunmehrigen Existenz als Gutsbesitzer eher aus Prestige- denn aus Existenzgründen geschehen sein dürfte. Wie aus der mir von Dr. Hans H. von Wimpfen zugesandten Kopie eines in Französisch abgefassten Antwortbriefes dessen Vaters STANISLAUS hervorgeht, der mit „Molsheim, le 21 aout (21. August) 1788” datiert ist, hatte CHRISTIAN FRIEDRICH zu diesem Zweck den Vater angeschrieben und unter Hinweis auf eine offenbar in seiner eigenen Hand befindliche Genealogie seines Geschlechts um die Zusendung einer Kopie eventuell vorhandener Adelsbriefe gebeten. Die aus dem damals dem Vater als Wohnsitz dienenden elsässischen Städtchen Molsheim, gelegen am Fuße der Vogesen 30 km westlich von Straßburg, geschickte Antwort klingt höchst ungehalten: Die in Christians Händen befindliche Genealogie befinde er zwar für gut. Anderes, gemeint wohl, mehr als diese Genealogie aussagt, besitze er jedoch nicht. Und er sehe keinen Grund, sich mit der Suche nach dem Adel der Ahnen abzuquälen, welcher sich schlechtenfalls auf eine Spanne von 400 Jahren erstrecke, die er nachweisen könne. „Wegen ihrem bekannten adelichen Herkommen” seien sie in das Niveau all der anderen Adligen gehoben worden. Und seitdem der höchste Rat des Elsass’ die Familie in den Baronrang durch einen vom König unterschriebenen Brief erhoben habe, seien sie immer als in der Höhe der Größe der deutschen diplomierten Barone stehend betrachtet worden. Solches sei der gegenwärtige Stand. – Wir werden auf diese „das adlige Herkommen” der De oder Von Wimpffen betreffende ebenso unwirsche wie nebulöse briefliche Aussage von STANISLAUS DE WIMPFFEN, des Ältesten unter den sieben überlebten Söhnen des FRANZ LUDWIG DE WIMPFFEN und Gründers des nach ihm benannten a) Stanislaus-Zweiges, gegenüber seinem seinen Hilfe suchenden jüngsten der am Leben gebliebenen drei Söhne CHRISTIAN FRIEDRICH im Endkapitel Z. Rück- und Weiterschau zurückkommen. Genau wie Christian Friedrich trat auch sein älterer (bereits in Kapitel P. Zweiggründer Franz Ludwig hinsichtlich seiner erfolgreichen Verteidigung von Thionville des Jahres 1792 umschriebener) Bruder namens

— HERMANN VON WIMPFFEN, ursprünglich GERMAIN DE WIMPFFEN, zunächst in den Militärdienst Frankreichs. Dies geht zunächst aus der II. Stammtafel von Wurzbach in Verbindung mit dessen Lebensbeschreibung Nr. 25 hervor, wonach dieser der Sohn des (ersten) Zweigstifters a) STANISLAUS GUSTAV LUDWIG VON WIMPFFEN und seiner Ehefrau JULIE LUDOVICA GEB. LATOUR-FOISSAC gewesen ist und am 8. August 1754 geboren und am 11. März 1818 gestorben sein soll. Dieser diente, so sagt Wurzbach weiter, vorübergehend zunächst in der französischen Armee, in welcher er bis zum Range eines Generallieutenants aufstieg. Nachdem er seinen Abschied genommen hatte, bekleidete er das Amt eines Maire (Bürgermeisters) in Neuf-Breisach bis zu seinem Tode. Aus seiner Ehe mit THERESE VON KOßMANN, gestorben 1830, hinterließ er zwei Töchter, die in der II. Stammtafel, Generation XVa bzw.13a, folgendermaßen aufgeführt sind: CONSTANZE, geb. 1794, vermählt mit LESCOTET DE MENNEVAL, ermordet in Spanien 1813, und ALBERTINE CLOTILDE, geb. 1806, vermählt mit ARISTIDES GÉHIN, gest. am 19. August 1873. Anders als Wurzbach beschreibt Dr. Hans H. von Wimpffen dessen Leben sehr viel intensiver in seiner Website wimpffen.hu, Rubrik „biographien”, durch eine ausführliche 4 ½ DIN A4-Seiten umfassende Lebensdarstellung des Titels „Germain (Hermann) de Wimpffen”. Diese stützt sich, weit über die vorstehenden Angaben des C. von Wurzbach hinausgehend, hauptsächlich auf das Studium der folgenden neueren elsässischen Quellen der 1970er und 1980er Jahre:
– Alphonse Halter, Wimpffen, der Maire der Vaubanfeste; in: Dernières Nouvelles d’Alsace vom 6. Mai 1970;
– Alphonse Halter-Roger Herrrscher-Jules Roth, Neuf Brisach, Colmar 1981.
Da sich, wie aus dieser ebenso farben- wie detail- und aufschlussreichen Betrachtung hervorgeht, der Lebensweg dieses Hermann bzw. Germain überraschenderweise auch Wimpfen am Neckar, die vermutliche Ahnenstadt seines Geschlechtes, wenngleich offenbar nur einen mehr oder minder kurzen Zeitraum im ausgehenden 18. Jahrhundert, berührt hat, soll diese Betrachtung ausnahmsweise ungekürzt wiedergegeben werden, wobei die gelegentlich in Aufrechtschrift wiedergegebenen Partien meinerseitige Erläuterungen darstellen:
Germain (Hermann) de Wimpffen, geboren am 8. Oktober 1749 (laut Wurzbach dagegen am 8. August 1754) in Neuwiller/Elsass, gestorben am 3. Februar 1820 (laut Wurzbach jedoch am 11. März 1818) in Neuf-Brisach/Elsass.-
Der Vater, Stanislas Gustave-Louis de Wimpffen, war Rat und Kammerherr am fürstlichen Hofe von Pfalz-Zweibrücken und erblicher Großvogt der Herrschaft Guttenberg. Entsprechend der militärischen Tradition seiner Familie trat er am 19. Februar 1768 mit 19 Jahren in das Regiment de la Mark ein, in welchem zahlreiche Mitglieder seiner Familie Dienst taten und das zur Zeit seines Eintritts vom Bruder seines Vaters, Christian de Wimpffen, als Oberst befehligt wurde. In diesem Regiment nahm er als Unter-Lieutenant an den Feldzügen der französischen Armee zur Eroberung von Korsika teil.-
Am 4. August 1781 wurde er ins Regiment Bouillon als Capitaine de grenadiers (Grenadier-Hauptmann) übernommen. Aufgrund seines tapferen Verhaltens wurde er vom Inspecteur der Truppe als 2. Méstre de camp (2. Feldmarschall) vorgeschlagen und in dieser Eigenschaft nahm er in den folgenden Jahren an allen Kämpfen des Regiments Bouillon teil, so am amerikanischen Freiheitskampf unter dem General Lafayette und an der Eroberung von Mahon und Gibraltar. Er zeichnete sich in diesen Kämpfen besonders aus und der König Ludwig XVI. bewilligte ihm eine außenordentliche Belohnung von 300 Livres. Am 28. Januar 1791 ernannte ihn der König zum Ritter des Saint-Louis Ordens und beförderte ihn wenig später zum Oberstleutnant im Regiment Deux-Ponts (Zweibrücken). Auch in diesem Regiment, dessen Angehörige zum größten Teil Elsässer und Pfälzer waren, dienten zahlreiche Mitglieder der Familie Wimpffen.-
Am 20. Mai 1792 verließ er sein Regiment, da er zum Kommandanten der Stadt Philippeville ernannt wurde. Damit verteidigten drei Mitglieder seiner Familie wichtige französische Grenzbefestigungen gegen die vereinigten Armeen Preußens, Österreichs und der Emigranten:
– Felix de Wimpffen als Kommandant der Festung Thionville,
– Francois Louis de Wimpffen Neuf-Brisach und
– Hermann de Wimpffen Philippeville.

(Siehe hierzu die bereits in Kapitel P. erfolgten diesbezüglichen Ausführungen in Kapitel P. Zweiggründer Franz Ludwig).-
Die Ereignisse in Paris Anfang August, insbesondere das Niedermetzeln der Schweizergarde, der Sturz der Monarchie ließen bei ihm die ersten Zweifel an einer demokratischen Entwicklung wach werden. Im Herzen ein Royalist, vom Verstand her ein Girondist, entschloss er sich als erster der drei Generäle das Kommando niederzulegen und zu emigrieren. Er ging nach Deutschland und ließ sich zunächst in Düsseldorf nieder, damals ein Zentrum der französischen Emigranten. Das Angebot, in der Armee der emigrierten Prinzen ein Kommando zu übernehmen, lehnte aber ab, wahrscheinlich mit Rücksicht auf die beiden Verwandten, die trotz der Pariser Ereignisse zur Revolution standen. Durch seine ablehnende Haltung hat er ein Zusammentreffen mit seinem Onkel, der Thionville gegen die Armeen der Preußen, Österreicher und der Emigranten verteidigt hat, vermeiden können.-
Die kommenden Jahre verbrachte er in Düsseldorf, siedelte dann nach Wimpfen am Neckar, in die Stadt seiner Vorfahren, und er trat um die Jahrhundertwende in den Dienst des Herzogs von Württemberg. Dieser beauftragte ihn mit Organisationsaufgaben bei der Armee.-
Neben seinen Aufgaben als Militärorganisator erhielt er auch diplomatische Aufträge: Im Juli 1806 wurde er als württembergischer Gesandter nach Berlin und Dresden geschickt.-
Das sich anbahnende Bündnis Württembergs mit Napoleon förderte die militärische Karriere von Hermann von Wimpffen; wenige Tage vor Abschluss eines Bündnisvertrages zwischen Frankreich und Württemberg, am 7. Oktober 1805, wurde er zum Oberst in der württembergischen Armee ernannt, drei Jahre später, am 5. November 1808 zum Generalmajor befördert. In dieser Eigenschaft nahm er an allen Kampfhandlungen württembergischer Rheinbundtruppen teil, bis ein Dekret Napoleons vom 26. August 1811, das alle in fremden Dienste stehenden französischen Offiziere verpflichtet, nach Frankreich zurückzukehren, ihn zwingt, die württembergische Armee zu verlassen und nach Frankreich zurückzukehren. Der dankbare König von Württemberg gewährte ihm eine Pension auf Lebenszeit in Höhe von 900 Franken.-
Am 2. Februar 1812 kehrte Wimpffen nach Frankreich zurück und ließ sich in der elsässischen Grenzfestung Neuf-Brisach nieder. Hier war sein Onkel François Louis de Wimpffen während der Revolution Gouverneur, hier lebte seine Schwester, Rosalie de Wimpffen und seine Frau, Therese Kossmann, eine gebürtige Neuf-Brisacherin.-
Nach seiner Rückkehr richtete er sofort ein Gesuch an Napoleon, ‚mir den Dienstrang eines Brigadegenerals zu verleihen und mich entweder im Militärdienst oder als Diplomat’ zu verwenden.-
Napoleon, der inmitten der Vorbereitungen seines Russlandfeldzuges war, hat das Gesuch Wimpffens unbeantwortet gelassen; wäre er in württembergischen Diensten geblieben, hätte er nach Russland marschieren müssen, und er wäre wahrscheinlich nicht zurückgekehrt. So aber verbrachte er die Tage und Wochen in Neuf-Brisach.-
Nach der Verbannung Napoleons auf die Insel Elba, richtete Wimpffen erneut ein Gesuch, jetzt an den Kriegsminister und erbat eine Verwendung; diesmal beanspruchte er die Platzkommandantur von Neuf-Brisach, die ein napoleontreuer Offizier, der General Dermoncourt, bekleidet hatte.-
Napoleons Rückkehr der 100 Tage verzögerten die Beantwortung seines Antrags; deshalb schrieb er am 20. Juli 1815 erneut an den neuen Kriegsminister und bewarb sich um die Festungskommandantur. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt. Wenig später erfolgte jedoch seine Ernennung zum Bürgermeister (Maire) von Neuf-Brisach.-
Seine Anträge auf Gewährung einer Pension aufgrund seiner Zugehörigkeit zur französischen Armee vor und während der Revolution wurden stets abgelehnt. Hermann de Wimpffen war bei Ludwig XVIII. in Ungnade gefallen. Man hat nicht vergessen, dass er sich 1792 dem Ruf, sich der Emigrantenarmee anzuschließen, verweigerte; es wurde ihm vorgehalten, eine Pension vom ehemaligen Rheinbundkönig von Württemberg anzunehmen, kurz, er musste sehen, wie er seine Familie aus dem Gehalt eines Bürgermeisters durchbringt.-
Im Kriegsministerium war man jedoch über die offensichtliche Unrechtmäßigkeit der Ablehnung des Pensionswunsches eines um Frankreich verdienten Offiziers im klaren – immerhin trug er eine der höchsten Auszeichnungen des Ancien régimes, so dass der Kriegsminister sich gezwungen sah, eine geheime Untersuchung über die Vermögensverhältnisse des Generalmajors von Wimpffen anzuordnen.-
Die Untersuchung wurde von der Gendarmerie durchgeführt; darin wurde festgestellt, ‚dass der Generalmajor de Wimpffen als ganzes Vermögen ein Haus und einen Garten besitzt, was sehr wenig in dieser Stadt bedeutet und dass er heute noch einem gewissen Roux (de Damiani) eine ziemlich bedeutende Summe schuldig ist (bei dem Gläubiger könnte es sich um den späteren Schwiegervater seines unter Generation XVc bzw. 13c erscheinenden Neffen Wilhelm von Wimpffen namens Baron Philipp von Roux-Damiani, handeln), die dieser ihm geborgt hatte für den Kauf des Hauses und für welche er Zinsen zu zahlen habe. Der Baron habe zu seinen Lasten seine Tochter, die Witwe eines in Spanien gefallenen französischen Offiziers und deren Kind. Als Existenzmittel besitzt der Baron bloß ein ihm vom großherzoglichen Hofe von Baden bezahltes Gehalt.’ –
Der Untersuchungsbericht hat offensichtlich nichts Positives für den General bewirkt.-
Dann, Monate später, schrieb der Präfekt des Departements Haut-Rhin, Casdéja, einen Bittbrief an den Kriegsminister, den ehemaligen napoleonischen General Gouvion-St. Cyr, um Wimpffen eine Pension des Ritterordens Saint Louis, dessen Mitglied er war, zu erwirken. In einem Brief, datiert v. 14. September 1818, hieß es: ‚Monseigneur, Euere Exzellenz haben mehrere Briefe erhalten vom Baron de Wimpffen, Maréchal de Camp (diesen Rang bekleidete von Wimpffen in der alten französischen Armee) ohne Pension, dessen ganz besonderen Verhältnisse in den zuständigen Ämtern Ihres Ministeriums untersucht worden sind. Sehr betrübt hat der alte und tapfere Offizier im Generalsrang an Euere Exzellenz einen Pensionsantrag an den Ritterorden Saint Louis gerichtet und Monseigneur versprach ihm in Ihrem Brief v. 17. August letzthin, dieses Gesuch an den König zu unterbreiten. Ohne Vermögen, doch sehr ehrenwürdig, hat M. de Wimpffen wirkliche Anrechte auf die Güte des Königs. Seine ihm vom König von Württemberg gewährte Pension kann für seine und seiner Familie Bedürfnisse nicht genügen. Zugunsten des Baron de Wimpffen als Administrateur von Neuf-Brisach ist festzuhalten, dass dieser sich angestrengt hat, dem Städtchen zu einem Wohlstand zu verhelfen. Diesbezüglich hat er sich am 31. März 1816 an den Präfekt von Colmar gewandt, damit Neuf-Brisach ein Teil des Bannes von Vogelsheim als Bannmeile zugesprochen wurde. M. de Wimpffen hat dabei geltend gemacht, dass Neuf-Brisach vielleicht die einzige Stadt in Frankreich ist, welche über keinen Bann verfügt, deren Bewohner aber ¾ des Gebiets von Vogelsheim besitzen und deren Interessen nur durch die Verwaltung der Stadt gut gewährt werden können.’-
Es ist anzunehmen, dass der Präfekt lediglich einen Vorwand gesucht hat, um den Kriegsminister auf die missliche Situation des Generals aufmerksam zu machen, denn die Frage der Bannmeile hatte mit dem Saint-Louis-Orden herzlich wenig zu tun. Wie auch immer, Gouvion-St. Cyr hat den Antrag befürwortet und der König hat schließlich die Pension ab September 1818 gewährt. Doch der innerlich gebrochene General Germain von Wimpffen konnte die Vorzüge dieses königlichen Gunstbeweises nicht lange genießen: Anfang 1820 erkrankte er an einer schweren Lungenentzündung und starb wenig später am 3. Februar 1820. Er wurde auf dem Friedhof der Stadt Neuf-Brisach beerdigt.-
Der Lebensweg des Germain-Hermann von Wimpffen war ein typisch elsässischer; welches Land war sein Vaterland? Frankreich oder das Heilige Römische Reich deutscher Nation? Vor der französischen Revolution war das für viele Elsässer ein Problem, das jedoch durch die Zugehörigkeit zur Armee eines Königs oder eines regierenden Fürsten keine allzu große Bedeutung besaß. Man lebte zwar im französischen Königreich, diente aber in einem deutschen Regiment – oder umgekehrt.-
Viele Mitglieder der Familie Wimpffen begannen ihre militärische Karriere in den deutschsprachigen (nicht in deutschen) Regimentern der französischen Armee: Edouard de Wimpffen, gefallen 18909 bei Wagram im Regiment Bouillon; Germain de Wimpffen im Regiment Bouillon; Christian de Wimpffen im Regiment de la Marck (dessen Kommandeur er wurde); Felix de Wimpffen, der siegreiche Verteidiger von Thionville, begann seine militärische Laufbahn ebenfalls im Regiment de la Marck und wurde später Oberst des Regiments Bouillon; Francois Louis de Wimpffen trat im jugendlichen Alter ins Regiment de la Marck ein, während sein Vater im deutsch-pfälzischem Regiment in französischen Diensten ‚Royal Deux-Ponts’ diente; Georges François de Wimpffen (geb. 1760; gemeint: der Gründer des Zweiges d) namens FRANZ GEORG, allerdings geb. 1735begann seine Laufbahn im deutschsprachigen Regiment ‚Alsace’ und beendete diese als österreichischer Feldmarschall-Leutnant.-
Über diese ‚deutschen’ Regimenter in französischen Diensten sind unzählige Bücher geschrieben worden, meist als Anklage gegen die Fürsten, die gegen ‚gutes Geld’ ihre Landeskinder verkauft haben sollen. Liest man jedoch die zeitgenössischen Dokumente, Briefe, Lebensbeschreibungen, sie ergeben ein völlig anderes Bild. Für den einfachen Soldaten war es ziemlich gleichgültig, für welchen König oder Fürsten er leiden und sterben musste – der Dienst in einem preußischen Regiment war ungleich härter und unbarmherziger als in diesen deutschen Regimentern der französischen Armee. In diesen Regimentern galt die Muttersprache als Kommandosprache – dafür stritten die Politiker der Österreichisch-Ungarischen Monarchie bis ans Ende der k. u. k. Armee. Und, nachdem das Elsass Teil Frankreichs geworden ist, musste man sich damit abfinden und, statt verteilt auf das ganze Königreich, blieb man im eigenen Kampfverband.-
Wie sehr diese Regimenter sich zum französischen Königreich gehörig betrachteten, beweisen nicht nur ihre Ruhmestaten, sondern auch die Tatsache, dass ihre Tradition niemals von einer deutschen Armee – auch nicht in der Zeit der deutschen Besatzung nach 1870 – sondern nur von der französischen Armee fortgeführt wurde bzw. werden: Das Regiment ‚Royal Deux-Ponts’ heißt in der modernen französischen Armee ‚Infanterie de Ligne Nr. 99’, das ehemalige ‚Regiment de la Marck’ ist heute das ‚77. Infanterieregiment’; und es ist anzunehmen, dass die 2001 beschlossene Abschaffung der Wehrpflicht diese Traditionslinie nicht unterbrechen wird.-
Dem jungen Offizier Germain de Wimpffen erging es wie all seinen Brüdern und Verwandten als die Revolution ausbrach: anfänglich waren sie alle ‚bei der Stange’ geblieben, hofften auf eine konstitutionelle Monarchie und verteidigten die Revolution an vorderster Front; den drei Festungskommandanten, Germain in Philippeville, Francois Louis in Neuf-Brisach und Felix in Thionville haben die Emigranten, vereint mit den Österreichern und Preußen vorteilhafte Bedingungen für die Kapitulation, für die Übergabe der Grenzbefestigungen angeboten, und alle drei haben abgelehnt, während Longwy und Verdun unter ihren französischen Kommandanten beinahe kampflos kapitulierten. Doch als der König hingerichtet wurde, war es vorbei mit der Illusion einer konstitutionellen Monarchie. Vom Wohlfahrtsausschuss des Robespierre als Verräter, Girondisten, verkappte Royalisten verfolgt, und in vielen Fällen knapp der Guillotine entgangen, verließen sie nicht nur ihre Regimenter, sondern auch ihr Vaterland: Germain de Wimpffen trat der württembergischen Armee bei, ebenso sein Onkel, François Louis, der Sieger von Thionville (hier irrt der Autor; denn dieser trat nach seiner Freilassung aus der Conciergerie und dem Entgehen der Guillotine wieder in den französischen Armeedienst); Felix de Wimpffen ging in der Normandie in den Untergrund; Francois Georges verließ Frankreich für immer und stellte sich in den Dienst des deutsch-römischen Kaisers.-
Hatten die Vertreter des Terrors recht als sie diese Offiziere als verkappte Royalisten bezeichneten, die sie am liebsten hingerichtet hätten wie den siegreichen General Custine? Wären sie Royalisten gewesen, sie hätten das Angebot der Prinzen-Armee angenommen und die ihnen anvertrauten Festungen übergeben und der Weg wäre nach Paris frei geworden. Nach dem Fall der zwei starken Grenzfestungen Longwy und Verdun konnte man bei den Invasoren zu recht annehmen, auch die übrigen Festungen würden kapitulieren, denn sie wurden alle von ehemaligen Offizieren der königlichen Armee befehligt – doch es kam anders. Die sog. ‚verkappten Royalisten’ hielten zur Revolution, hielten dem Ansturm stand und wurden schließlich vom Konvent belobigt. Die Generale Custine, Lafayette, Dumouriez, Wimpffen, Luckner waren vielleicht in ihrem Herzen dem König verbunden, doch ihr Verstand vertrat die Prinzipien Freiheit, Gleichheit (vor dem Gesetz), Brüderlichkeit. Nicht sie, sondern die Befürworter des Terrors, Robespierre, Saint-Just, Marat, Hebert und wie sie alle hießen, haben diese Prinzipien verraten – die Generäle waren nicht Gegner der Revolution, sondern einer aufziehenden, für jeden erkennbaren Schreckensherrschaft.-
Der französische Maréchal de camp und württembergische Generalmajor Germain-Hermann de Wimpffen war mit einer Neuf-Brisacherin verheiratet: Thérese Kossmann, Tochter eines Arztes (demnach einer Nicht-Adligen, wogegen Wurzbach diese ja mit ,Therese von Koßmann‘ benamt), mit der er zwei Töchter hatte: Constance, geboren 1796 (nach Wurzbach geb. 1794), war mit dem Oberstleutnant Lescotet de Meneval (bei Wurzbach geschrieben: Menneval) verheiratet, der 1811 in Spanien im Kampf gegen eine Guerilla-Einheit fiel, weshalb die älteren Quellen behaupten, er sei ermordet worden (siehe auch Wurzbach, der ja ‚ermordet in Spanien 1813’ angibt). Sie hatten eine Tochter, Honorine Benedicte, die später in Neuf-Brisach den Capitaine de Dussancy heiratete. Die zweite Tochter, Albertine, wurde 1803 geboren, auch sie heiratete einen Militär: Charles Gehin, Adjutant der Festung Neuf-Brisach.-
Das Haus des Generals von Wimpffen in Neuf-Brisach wurde bei der Bombardierung 1945 zerstört. Es stand am Place d’Armes Nr. 4. Der Garten befand sich dort, wo heute die Häuser Nr. 2 und 4 in der ‚Rue du 28. Regiment’ befinden.-
Die beiden Töchter wurden nach ihrem Tode ebenfalls in Neuf-Brisach im Familiengrab beerdigt, das alle Kriege überdauert hat und heute (2006) noch vorhanden ist. Eine in Holz geschnitzte Frauengestalt wurde vom Grab abmontiert und im Museum Vauban der Stadt aufgestellt.” –
In Anbetracht des Umstandes, dass Dr. Hans H. von Wimpffen in dieser Biographie des Hermann/Germain de Wimpffen eine Fülle von Bezugspunkten darlegt, die Angehörige des Geschlechts der Von Wimpffen mit den sog. Deutschen Regimentern Frankreichs verband, dazuhin die Vielzahl von Ausführungen über deren aller Einstellung und Umgang mit den Ereignissen der Französischen Revolution ließen sich zwar eine Unmenge von Bezugsetzungen zu gleichgerichteten Darlegungen der Vorkapitel herstellen. Dies zu tun, soll jedoch allein dem Leser überlassen bleiben. Nicht übergangen werden kann dagegen das Auseinanderdriften der Geburts- und Sterbedaten von Wurzbach (8. August 1754 und 11. März 1818) einerseits und Dr. Hans H. von Wimpffen (8. Oktober 1749 und 3. Februar 1820) andererseits. Bezüglich der Richtigkeit des um fast 5 Jahre früher liegenden Geburtsdatums des Letztgenannten bestehen insofern berechtigte Zweifel, als in dem bereits in Kapitel O. Johann Georg erwähnten Brief in französischer Sprache an den König Friedrich von Württemberg, der die Datierung „Stuttgardt, le 3 Janvier 1807” (Stuttgart, 3. Januar 1807) und die Unterschrift „Le Baron de Wimpffen” (gemeint der eine der beiden Brüder des Hermann/Germain namens Franz Ludwig/François Louis de Wimpffen) trägt, der Briefschreiber die auf sich bezogene Wendung „à l’ainé d’une famille” (an den Erstgeborenen oder Ältesten einer Familie) gebraucht und sich damit als den Ältesten der Bruderreihe deklariert. Anders verhält es sich wohl mit dem von Dr. Hans H. von Wimpffen angegebenen um knapp 2 Jahre früheren Todesdatum; denn das erscheint aus dem örtlichen damaligen Todes- und Begräbnisgeschehen in Neuf-Breisach geschöpft. Somit wurde ein Kompromiss in der Weise ausgewählt, dass in der Überschrift des hier anstehenden Kapitels T. Württembergische Nebenlinie hinter dem Namen „HERMANN bzw. GERMAIN” die Lebensdaten 1754 – 1820 beigegeben sind.
Hier sei der Vollständigkeit halber noch einmal das über Hermann/Germain herausgestellt, was bereits in Kapitel P. Zweiggründer Franz Ludwig ausgesagt worden ist: Am 6. März 1892 finden wir diesen als einen der Trauzeugen bei der in seinem Wohnort Neu-Breisach stattgefundenen Eheschließung seiner Kusine namens (MARIE DOROTHEE) LOUISE BARONNE DE WIMPFFEN (1764 – 1841), Tochter von General oder auch Maréchal de Camp et armée du Roi et Commandant des troupes françaises Sur le haut Rhin (Feld- und Armeemarschall der französischen Truppen des Königs am Hochrhein) FRANÇOIS DE WIMPFFEN, wie dieser in der Heiratsurkunde erscheint, und dessen Gattin MARIE CUNEGONDE DE LA GAY (merkwürdigerweise entgegen der an früherer Stelle zweifesfrei richtig angegebenen Namensbezeichnung GOY), mit LEON THEOPHILE DE LIÈVREVILLE, der damals Aide de camp (Adjudant) deren Vaters gewesen ist. Auf Hermann/Germain wird noch einmal in anderem Zusammenhang an späterer Stelle (in Kapitel V. Sedangeneral ) hinzuweisen sein.
Wenn abschließend noch angemerkt wird, dass meine Recherchen des Jahres 2013 im Stadtarchiv Stuttgart hinsichtlich der Person des immerhin von ca. 1800 – 1811/12 im Herzogtum bzw. Königreich Württtemberg als Militär und Diplomat beschäftigt gewesenen HERMANN/GERMAIN VON bzw. DE WIMPFFEN keinerlei Zeugnisse dergleichen Tätigseins erbracht haben, so erklärt sich dies daraus, dass dieser jeweils überörtlich in Württemberg in seiner Gesamtheit und darüber hinaus im Kriegsgeschehen bzw. in diplomatischer Mission tätig gewesen ist. Und was eventuell im Stadtarchiv Bad Wimpfen auffindbare Spuren seines angeblichen zeitlich wohl ziemlich begrenzten Wohnaufenthaltes im Wimpfen der ausgehenden 1790er Jahre betrifft, so fanden sich bei der genauen Durchsicht der Ratsprotokolle der Jahre 1795 – 1801 keine solchen. Da die Chancen, solche in anderen urkundlichen Unterlagen des Stadtarchivs Wimpfen zu finden, als schlecht eingeschätzt werden müssen, wurde auf die Weiterführung der Suche solcher verzichtet.

Anders als Christian Friedrich und Hermann/Germain kehrte der als der Älteste der drei Brüder anzusehende
 —  FRANZ LUDWIG VON WIMPFFEN, ursprünglich FRANÇOIS LOUIS DE WIMPFFEN – wohlgemerkt der Vetter des Friedrich Wilhelm von Wimpffen (1784 – 1845), nicht zu verwechseln mit dessen gleichnamigem Vater, d. h. dem gleichnamigem Onkel des hier zur eingehenden Betrachtung Kommenden:
Laut Wurzbach geb. (dort zu finden in der Lebensbeschreibung Nr. 17) am 10. (demgegenüber in dessen der II. Stammtafel am 16.) Februar 1752; gest. am 17. Januar 1823 in Stuttgart., nicht mehr nach Frankreich zurück und fand sein Grab in Stuttgart. Folgen wir Wurzbach weiter, so diente dieser „vorerst als königlich französischer Hauptmann im deutschen Regimente La Mark (1775 – 1785), wurde noch General in französischen Diensten und kam dann als wirklicher geheimer Rath und erster Kammerherr der Königin Witwe von Württemberg nach Stuttgart, wo er als Minister und Obersthofmeister des Königs starb.” Mit der vorgenannten sog. Königinwitwe ist die englische Königstochter CHARLOTTE MATHILDE VON GROßBRITANNIEN (1766 – 1828) gemeint, die (wie bereits in Kapitel P erwähnt) im Mai 1897 mit FRIEDRICH VON WÜRTTEMBERG (1754 – 1816) die Ehe schloss, der in kurzer Folge im ausgehenden Jahr der Eheschließung zum HERZOG, 1803 zum KURFÜRSTEN und 1806 zum KÖNIG VON WÜRTTEMBERG (von Napoleons Gnaden) aufgestiegen ist und dem 1816 im Herrscheramt sein Sohn KÖNIG WILHELM I. VON WÜRTTEMBERG (1781 – 1867) gefolgt ist.

Aus Kapitel P. Zweiggründer Franz Ludwig wissen wir bereits ebenfalls, dass dieser bereits 1788 ein (nicht fassbares) Reisewerk geschrieben und spätestens 1797 (und höchstwahrscheinlich bereits schon einige Jahre früher) sich im Dienste des vorgenannten damals noch als Erbprinz bzw. ab ausgangs 1897 als Herzog von Württemberg fungierenden späteren Königs FRIEDRICH VON WÜRTTEMBERG befunden hat; auch dass dieser in den Jahren 1797/1798/1799 ein zunächst in englischer Sprache unter dem Vornamenspseudonym FRANCIS ALEXANDER STANISLAUS BARON DE WIMPFFEN, in dann auch französischer und deutscher Sprache unter dem auf den Vornamen beschränkten Autorennamen BARON DE WIMPFFEN bzw. FREIHERR VON WIMPFEN ein umfängliches Werk über seine (wie er in der deutschen Ausgabe sagt) „neueste“ Reise nach Saint Domingo herausgegeben hat. Besonders aufschlussreich ist, dass dessen deutsche Ausgabe der Jahre 1798/99 dem vorbeschriebenen ehemaligen Erbprinzen, jetzt Herzog von Wirtemberg, als seinem „gnädigsten Herrn“, demgegenüber er „die höchste Gnade habe, in tiefster Unterthänigkeit zu seyn“, gewidmet ist. Damit erscheinen die oben dargelegten Angaben von Wurzbach, dass dieser zunächst in den Diensten der Königinwitwe getreten und dann in denen des Königs (die jeweils angegebenen Betitelungen seien hier vorerst ausgeklammert) gestorben sei, als die Wirklichkeit zeitmäßg verkehrend betrachtet werden. Dazuhin brachte meine ausführliche Spurensuche im Stadtarchiv Stuttgart des Jahres 2013 bezüglich der Diensttätigkeiten und Dienstränge dieses Franz Ludwig, Fakten, durch welche die vorstehenden Angaben von Wurzbach in der Tat gewisse Korrekturen erfahren müssen. Hier nun die gefundenen Tatsachen in chronologischer Folge (wichtige Orte und Örtlichkeiten durch Unterstreichung herausgehoben):

– 1799: Erstmalig ließ dieser sich in Stuttgart erst 1799 (und nicht, wie dies laut der vorstehenden Ausführungen realiter gewesen ist, bereits schon 1797 oder gar früher) in den sog. Seelbeschreibungen der Stadt Stuttgart als Haushaltsvorstand Nr. 321 des Namens und Berufs „von Wimpfin, Kammerherr” nachweisen, dessen Wohnplatz sich in der Reichen Vorstadt befand. Das war die ausgedehnte nordwärtige Vorstadt, die sich um das damalige Bürger-Hospital (mit Spitalkirche) erstreckte. Diese hatte das Prädikat „reich” deshalb erhalten, weil sie im Gegensatz zum alten unregelmäßig, engstens bebauten und somit als hässlich, schmutzig und ungesund empfundenen alten Stadtkern regelmäßig und weiträumiger bebaut sowie höher gelegen war, folglich als gesünder und damit als das „bessere Viertel” galt. Der Genannte wohnte dort zur Miete. Laut „Seelbeschreibung” der Jahre 1794 und 1800 befand sich Haus Nr. 321 im Besitz des dieses ebenfalls bewohnenden Buchhändlers Franz Christian Löfflund. Da „Kammerherr von Wimpfin” sich dort im letztgenannten Jahr 1800 nicht mehr als Mitbewohner, stattdessen „Frau Petif Wittib” aufgeführt findet, ist zu schließen, dass er die Wohnung um diese Zeit gewechselt hat. In seiner Eigenschaft als herzoglich-württembergischer Kammerherr dürfte diesem die Bedienung, Handreichung und insbesondere Begleitung beim Ausfahren, Ausreiten und Außerhausgehen des Herrschers und/oder seiner Gemahlin sowie anderer im Schlosse anwesender hoher bis höchster Herrschaften sowie auch das Überbringen von Botschaften und Leistung von notwendigen Diensten inner- und außerhalb der Hofhaltung der verschiedensten Art, außerdem die Organisation der herrschaftlichen Reisen und deren Begleitung auf diesen als eine Art Gesellschafter und Helfer in allen Dingen oblegen haben. In dieser herrschernahen Tätigkeit war er freilich nicht allein, sondern es übten diese Funktion am Hofe immer mehrere solche aus, über denen ein Oberstkammerherr stand. Für die vorgenannten Jahre 1799 und 1800 lässt sich nach den Beständen des Landesarchivs Baden-Württemberg Stuttgart nachweisen, dass mit Franz Ludwig von Wimpffen der württembergische Erste Staats- und Conferenz-Minister und wirkliche Geheime Rat JOHANN KARL REICHSGRAF VON ZEPPELIN (1767 – 1801) im Briefwechsel stand, der Jugendfreund und Reisebegleiter des früheren Erbprinzen (seit Ende 1797 Herzogs) Friedrich von Württemberg durch Deutschland, Holland und Frankreich gewesen und 1897 als Oberkammerherr mit Takt und Geschicklichkeit die o. a. eheliche Verbindung Friedrichs mit der, nimmt man die vielbelachten Satirebilder des zeitgenössischen englischen Karikaturisten JAMES GILLRAY (1757 – 1815) ernst, nicht minder als ihr Gatte überbeleibten und angeblich mit einer Mitgift von 80.000 £ ausgestatteten CHARLOTTE MATHILDE VON GROßBRITANNIEN (1766 – 1828) zustandegebracht hatte. Ob und, wenn ja, in welcher Art und Weise der im Zusammenhang mit der Herausgabe der englischen Fassung seines Reisewerkes über Saint Domingo am 23. April 1797 in London zeichnende Untertan und in dessen Diensten Befindliche, wie er zeichnete, „FREIHERR VON WIMPFEN“ in Sachen Vorbereitung und Durchführung der oben genannten glanzvollen Eheschließung in London tangiert gewesen ist, muss leider offenbleiben.

– 1804: Im Adress-Verzeichnis des vorgenannten Jahres finden wir diesen dann als „von Wimpfen, Kammerherr” verzeichnet, der in einer der vielen von höchsten bis niedersten adligen wie nichtadligen Hofbediensteten und Militärs und deren Familien bewohnten sog. Logiren der ehemaligen Akademie” wohnt. Mit dieser war der hinter dem Königlichen Residenz-Schloss sich anfügende mächtige Baukomplex gemeint, der einst die 1770 von Herzog Karl Eugen als „Militärakademie” auf der Solitude begründete und hernach von 1775 – 1793 in Stuttgart bestandene berühmte „(Hohe) Carlsschule” beherbergt hatte. Hier gilt es, noch einmal zu erinnern, dass in den Anfängen dieser in militärischer Strenge geführten Elite-Bildungs- und Erziehungeinrichtung die beiden ältesten Söhne des FRANZ LUDWIG VON WIMPFFEN (1732 – 1800) namens GEORG (1760 – 1807) und FRANZ KARL EUGEN VON WIMPFFEN (1762 – 1835) als Zöglinge aufgenommen gewesen sind. In welch illustrer Wohnnachbarschaft sich der aus seinen von Frankreich okkupierten Stammlanden nach Württemberg eingewanderte von Wimpffen-Abkömmling Franz Ludwig befand, geht hervor aus

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  • Abb. T 3: Die im Adressbuch der Stadt Stuttgart verzeichnete (auf die Vorstände der jeweiligen Familie beschränkte) Bewohnerschaft der sog. ehemaligen Akademie des Jahres 1804,

wo der Gesuchte in der 5. Zeile zu finden ist. Von besonderer Bedeutung erscheint vorwegnehmend, dass unter den vielen Adelsnamen auch die Nachnamen und Betitelungen „von Moltke, Ober-Lieutenant” und „von Lüzow, Ober-Jägermeister” und damit jene Namen erscheinen, welche die Herkunft der an späterer Stelle im Zusammenhang mit FRIEDRICH WILHELM zu umreißenden ELISABETH (auch: ELISE) VON MOLTKE aufzeigen, deren Mutter FRIEDERIKE VON LÜTZOW gewesen ist und durch deren Heirat des Jahres 1817 mit FRIEDRICH WILHELM VON WIMPFFEN dessen Adelsgeschlecht sich insbesondere mit dem der VON MOLTKE und letztlich auch mit dem der VON LÜTZOW verband.

– ca. 1805/06 – 1807: Nicht übersehen werden darf die bereits schon mehrfach erwähnte und mir von Dr. Hans H. von Wimpffen übergebene Kopie eines Bittbriefes in französischer Sprache des Franz Ludwig an den König Friedrich von Württemberg unterzeichnet ist, der mit „Stuttgardt, le 3 Janvier 1807” und „Le Baron de Wimpffen” beginnt; dazu die Kopie des an „Chambellan (= Kammerherr) Baron de Wimpffen” gegangenen Antwortbriefes des Königs vom 9. Januar 1807. Franz Ludwig bringt in seinem Brief vor, dass sein in zurückliegender Zeit im Dienste von König Friedrich von Württemberg als „Colonel” (Hauptmann) gestandener Bruder Hermann de Wimpffen in einem amtlichen Schreiben aufgefordert worden sei, seine Adelsbücher vorzulegen. Dieses Verlangen geschah sicherlich zum Zwecke der nach altem Herkommen für den Hofzutritt und die Hofwürde wie auch für die Verleihung der Kämmererwürde abverlangten sog. Adels- oder auch Ahnenprobe. Unter Hinweis auf seine Eigenschaft als Ältester (der drei Brüder) weist er unter der Vorlage entsprechender Dokumente darauf hin, dass sowohl sein Onkel Christian als auch sein Vater Stanislaus Louis (siehe diese aufgeführt in der II. Stammtafel in den Anfängen der Generation XIII a – Stanislaus’ Zweig) im Jahr 1781 in den eingesessenen Adel des Niederelsass immatrikuliert worden seien und die bis in das 13. Jahrhundert zurückreichende adlige Abstammung durch einen im Besitz seines Vaters gekommenen Abstammungsbrief des Namens „Memorialis” (lat.: zum Andenken) über die Bezeichnung „d’adlichen Wohlbekannten Herkommen” belegt sei. Dass diese zeitlich vier Jahrhunderte über die nachweisbare erste Adelssprechung des Jahres 1656 hinausreichende Eindatierung der Adelswerdung mehr als fragwürdig erscheint, das wird über das bis hierher im Gang durch die bisherigen Kapitel (so vor allen Dingen in Kapitel L. Adelswerdung) bereits diesbezüglich Gesagte hinaus noch genauer und schlüssig in den beiden Kapiteln Y. Georgs Zweig und Z. Rück- und Weiterschau zu belegen sein. Dazuhin, so argumentiert Franz Ludwig weiter, habe zu Beginn der Französischen Revolution das Direktorium diese Beweise öffentlich niedergelegt und gesiegelt. Was den (französischen) Baron-Titel betreffe, so hätten die Wimpffen diesen laut einer Verordnung von Louis XIV. angenommen, der allen in der Provinz Elsass immatrikulierten Edelleuten zur Zeit deren Wiederzusammenführung mit Frankreich zugekommen sei. Auch füge er einen Brief des Direktors der Ritterschaft Baron de Wangen an seinen Vater bei, durch den dieser 1789 in der Eigenschaft eines Mitglieds dieser Adelsvereinigung zur Versammlung der Generalstände berufen worden sei. Der höflich-entschuldigende Antwortbrief von König Friedrich von Württemberg an seinen „lieben Kammerherren Baron de Wimpffen” spricht von einer irrigen Auslegung seiner Weisungen durch das Kriegsministerium und es würden somit die besagten Dokumente nicht abverlangt, sondern ihm zurückgegeben, um in der Zukunft in der Art besten Gefallens darüber zu verfügen.

– 1811: In diesem Jahr lässt sich Franz Ludwig von Wimpffen an zwei Stellen fassen: Zum einem im Personen-Register des Stuttgarter Adressbuches durch den folgenden Eintrag: Friedrichstraße 2 … Wimpffen, Frhr., Major, Kammerherr und Adjutant Seiner Majestät d. Königs (a. D.)”. Das Haus Friedrichstraße 2 lag schräg gegenüber der Innenfront des im Nordwesten des Stadtberings gelegenen sog. Friedrichs-Thores. Zum andern erscheint dieser im alphabetischen Namensverzeichnis dieses Adressbuches in der folgenden anderen Form: im Königlichen alten Schlosse … Königliches Schloß-Nebengebäude” v. Wimpfen, Major, erster Kammerherr ihrer Maj. der Königin”. Also dürfte sich damals dessen Funktion am württembergischen Hofe in der Weise verändert haben, dass er als Kammerherr jetzt nicht mehr König Friedrich, sondern der Königinwitwe Charlotte Mathilde, und zwar aufgestiegen zum ersten solchen, zugeordnet war. Damit hängt vermutlich auch der angeführte Wohnungswechsel zusammen. Höchst aufschlussreich ist es, aus dem Personenregister die vielen dortigen adligen und nichtadligen Mitbewohner des Nebengebäudes des Alten Schlosses sowie deren großteils hohen bis höchsten militärischen und (meist gleichzeitigen) hofdienstmäßigen Funktionen zu erfahren und somit wahrzunehmen, in welch teilweise ranghoher Umgebung der links an 8. Stelle zu findende Franz Ludwig von Wimpffen damals zu wohnen für würdig befunden worden ist:

Fürst Hohenl.-Schillingsfürst, Capitaine des Gardes, Generallieutenant von Späth, Rittmeister, Königlicher Flügeladjudant
Freiherr von Dillen, General-Ober-Intendant, Generallieutenant von Bernhausen, Kammerherr
von Collignon, Hauptmann, Cadetten-Institut
Graf von Jenison, Oberst-Kammerherr von Dillmann, Hauptmann, Cadetten-Institut
von Lüzow, Oberstjägermeister Hahn, Aufseher, Cadetten-Institut
von Münchhausen, Hofmarschall Reichert, Aufseher, Cadetten-Institut
von Scheeler, General-Lieutenant, Generaladjudant Mann, Aufseher, Cadetten-Institut
von Vellnagel, Staats-Sekretär Schwilg, Aufseher, Cadetten-Institut
von Wimpffen, erster Kammerherr Ihro Majestät der Königin Reichert, Aufseher, Cadetten-Institut
Reinhard, Hauptmann, Trabanten-Wachtmeister
von Geismar, Reichs-General-Ober-Post-Direktor von Düvernoy, Leibmedicus
Frau von Königseck von Bernard, Geheimer Hofrat
von Beulwitz, Obrist, Direktor der geheimen Kriegskanzlei Lehr, Hofrat, Privat-Bibliothekar
Schinz, Hofprediger
von Moltke, Obrist Holland, Jagd-Sekretär
Graf von Beroldingen, Obrist Pfau, Bibliothekar
von Breuning, Oberst-Lieutenant Hirsch, Hof-Fourier
Prinz von Hohenlohe Kirchberg, Oberst-Lieutenant, Königlicher Flügeladjudant Barmann, Bereiter
von Lüzow, Rittmeister, Königlicher Flügeladjudant Beck, Kammerdiener

– 1823: Schließlich ist im Kirchenregister der Stadt Stuttgart dessen Tod wie folgt vermerkt: „1823 am 17. Januar: Franz Freiherr v. Wimpfin (statt richtigerweise Wimpfen) 1. Geheimer=Rath und 1. Kammerherr der Königin Majestät Witwe, ledig, alt 72 Jahr – Entkräftung.” Die dort angegebenen Funktionen seiner letzten Lebenszeit am Hofe vertragen sich mit jenen von Wurzbach (siehe oben) angegebenen solchen als „Minister und Obersthofmeister des Königs” nicht und sind dahingehend zu korrigieren, dass dieser, wie aus dem oben Gesagten hervorgeht, zunächst bis ca. 1811 die Ämter des Wirklichen Geheimen Rates und Kammerherrn von KÖNIG FRIEDRICH VON WÜRTTEMBERG und danach, d. h. zuletzt, die des ersten Kammerherrn der KÖNIGIN bzw. (ab 1816) KÖNIGINWITWE CHARLOTTE MATHILDE VON WÜRTTEMBERG GEB. PRINZESSIN VON GROßBRITANNIEN innegehabt hat. Als Obersthofmeister und erster Kammerherr war er laut dem neuen Rangreglement der Königlichen Hofbediensteten, Beamten und Offiziere des Jahres 1811 immerhin in die zweitoberste der damaligen 10 Klassen eingestuft und stand z. B. einem Generalleutnant gleich. Unverrückbar fest steht Karl Ludwig von Wimpffens Nähe zur vorgenannten u. a. mit dem französischen Sprache bestens vertrauten, hoch gebildeten, sehr vermögenden sowie vom Volke bestens geschätzten Königin (ab 1806) bzw. Königin-Witwe (ab 1816) Charlotte Mathilde. Ganz sicher hat diese ihren ersten Kammerherrn, der ein Bewunderer des großen französischen Erziehungsphilosophen und Schriftstellers Jean-Jacques Rousseau gewesen ist, auch wegen seiner in jüngeren Jahren unternommenen großen Reisen und daraus schöpfenden späteren schriftstellerischen Tätigkeit geschätzt. Wie Wurzbach schreibt, wurde dieser bekannt „durch seine Reisen in Amerika und im Innern Africas, die er von 1788 – 1791 unternahm”.
Die Reisen desselben (u. a. auch nach England, dem Heimatland der Königin) sind bereits vorausnehmend in anderem Zusammenhang im Rahmen von Kapitel P. Zweiggründer Franz Ludwig durch das dort gezeigte Bildgut der Abb. P 14, P 15a u. P 15b sowie P 16a u. P16b mit anschließenden Erläuterungen mehr oder minder herausgestellt worden. Nachzuholen ist hier die genauere Vorstellung des dort nur kurz gestreiften dreibändigen Reisewerkes der Jahre 1813 und 1814, das folgenden Titel trägt:
– Briefe eines Reisenden, geschrieben aus England und Frankreich, einem Theil von Afrika, und aus Nord-Amerika, von dem Freyherrn von Wimpffen, wirklichem Geheimen Rath und erstem Kammerherrn von Ihro Majestät, der Königin von Würtemberg; aus der französischen Handschrift übersetzt und herausgegeben von P. J. Rehfués, Hofrath und Bibliothekär Sr. Königl. Hoheit des Kron=Prinzen von Würtemberg, und korrespondierendem Mitglied der italienischen Akademie zu Florenz.
Erster Band. Darmstadt, 1813. bey Heyer und Leske;
Zweyter Band. Darmstadt, 1814. bey Heyer und Leske;
Dritter Band. Darmstadt, 1814. bey Heyer und Leske.

Siehe dazu:

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  • Abb. T 4: Die Titelseite des zweiten Bandes der vorgenannten 1814 und 1815 in drei Folgebänden erschienenen „Briefe eines Reisenden, geschrieben aus England … ” des (Franz Ludwig) Freiherrn von Wimpffen, herausgegeben von Hofrat und Bibliothekar des Kronprinzen von Württemberg J. P. Rehfués.

Nach der Titelseite des Ersten Bandes steht die folgende dem Herrscher geltende Widmung zu lesen:
„Sr. Majestät, Friederich, dem Ersten König von Württemberg”. Dieser ist eine längere mit „Sire“ überschriebene Erläuterung angefügt, die mit den folgenden Worten endet: „Ihnen diesen öffentlichen Beweiß der innigsten Anhänglichkeit und tiefsten Ehrfurcht zu geben, womit ich stets seyn werde, Sire, Ew. Königlichen Majestät Stuttgart, d. Nov. 1813. allerunterthänigster Freyherr von Wimpffen.” Durch die im Buchtitel dem Verfasser zugeordneten Bezeichnungen „wirklichem Geheimen Rath und erstem Kammerherrn von Ihro Majestät, der Königin von Würtemberg” wird die oben getroffene Feststellung, dass FRANZ LUWIG VON WIMPFFEN zuerst im Dienste des Königs (gemeint: Friedrich von Württemberg) und danach der Königin bzw. der Königinwitwe (gemeint: Charlotte Mathilde von Württemberg) und nicht umgekehrt stand, erhärtet. Die wiederum in sog. Briefe gefasste Betrachtung der im Rahmen einer großen Reise über Land und noch mehr über die „hohe See” besuchten Objekte ist gespickt mit einer Fülle aus der Brille monarchischen sowie bildungsheischenden Denkens gespeisten historischen, philosophischen, moralisierenden Ideengutes. Für Interessierte besteht die Möglichkeit des digitalen Abrufes des gesamten Werkes über „Google, Original from University of Michigan, Full view 1,2,3”.

Wenn wir uns nunmehr, die noch nicht behandelten Lebensläufe des Viert- und des Fünftältesten der Söhne des FRANÇOIS LOUIS DE WIMPFFEN namens FÉLIX (1778 – 1813) und DAGOBERT SIGISMUND (1782 – 1862) überspringend und damit zurückstellend, dem sechsten und jüngsten Sohn desselben namens

— FRIEDRICH WILHELM VON WIMPFFEN, geboren – wie wir schon wissen – am 27. August 1784 in Kirn an der Nahe, gestorben am 16. März 1845 in Stuttgart, zuwenden, soll zunächst das aufgeführt werden, was Wurzbach in Nr. 18 seiner Lebensbeschreibungen über dieses hinaus über diesen (durchweg Richtiges) zu berichten weiß:
„Ein Sohn des Freiherren Franz Ludwig und der Marie Kunigunde von Goy … trat er früh in württembergische Kriegsdienste, in welchen er zuletzt Generalmajor und Generaladjudant des Königs (gemeint Wilhelm I.) war. 1817 vermählte er sich mit Elise geborene Freiin von Moltke (geb. 27. Mai 1793, gest. 8. August 1832). Die Kinder aus dieser Ehe: zwei Söhne Wilhelm und Dagobert, welche Beide ihre Zweige fortpflanzten, und zwei Töchter, deren jüngste, Pauline, sich mit ihrem Vetter Gustav Adolf Felix, einem jüngeren Bruder des k. k. Feldzeugmeisters verheiratete, sind aus der Stammtafel ersichtlich (siehe diese im letzten der grün markierten Generationsbänder XVc bzw. 13c).”
Ob es der Zufall so gewollt hat oder ob die vorbeschriebenen damals in der württembergischen Residenz Stuttgart bzw. in Württemberg tätigen beiden um eine ganze Generation älteren Vettern FRANZ LUDWIG und HERMANN = GERMAIN hier mitgewirkt haben, Tatsache ist, dass alle diese drei zunächst in den Militärdiensten ihres französischen Heimatlandes gestandenen De Wimpffen-Abkömmlinge um 1810 sich gleichzeitig in den Diensten des Königreiches Württemberg finden. Dieses wird besonders darin evident, dass die nunmehr ebenfalls in chronologischer Folge dargelegten Ergebnisse der auf FRIEDRICH WILHELM bezogenen ergiebigen Recherchen im Stadtarchiv Stuttgart, was die Jahresangeben betrifft, zunächst mit den vorhergehenden auf Franz Ludwig und Germain bezogenen solchen korrespondieren:

– 1811: Frühestens lässt sich FRIEDRICH WILHELM VON WIMPFFEN (damals also 27 Jahre alt) in Stuttgart im Adressbuch des genannten Jahres in der (wenig südwärtig des Hospital-Komplexes verlaufenden) Rothe Straße Nr. 197 und damit, wie früher sein Vetter Franz Ludwig, der zu dieser Zeit in einem Nebengebäude des Alten Schlosses wohnt, in der „Reichen Vorstadt” wohnend – als „v. Wimpfen, Major beim Generalstaab” vermerkt finden. Als Hausbesitzer ist die Kammerherren-Witwe von Palm vermerkt; die übrigen Hausbewohner sind: die Obristen-Witwe von Gemmingen und die ledige Dame von Poulanger, die Unterricht im Stricken und in der französischen Sprache erteilt.

– 1817: Dessen bereits angesprochene und nachfolgend immer wieder erscheinende Heirat mit ELISABETH (auch: ELISE) VON MOLTKE am 6. Dezember 1817 ist im gedruckten chronologischen Kirchenregister wie folgt dokumentiert (Passagen in Aufrechtschrift = Anmerkungen des Verfassers; diese Anmerkung gilt auch für die nachfolgenden Zitierungen): „December. Schl. (gemeint: registriert im Bezirk der Schlosskirche) 6. (Dezember) Herr Friedrich Wilhelm Heinrich Freih. v. Wimpfen, Cammerherr, Obrist u. Adjutant S. Majestät des Königs (gemeint: WILHELM I. VON WÜRTTEMBERG; also jetzt auch Kammerherr und Adjudant des Königs sowie als Offizier vom Major zum Oberst befördert), Command. des Militär=Verdienst=Ordens 2ter Classe, Ritter des Kaiserl. Russ. St. Annen=Ordens 2ter Classe und des Oesterr. Leopolds=Ordens, auch Offizier der Kön. Franzöß. Ehren Legion, led.- Fräul. Elisabethe Marie Louise v. Moltke, Herzogl. Mecklenburgischen Gereral=Majors Fräulein Tochter.” Aus dem damit übereinstimmenden alphabetischen Familienregister von Paul Nägele lassen sich, mit den anderen bereits zitierten Quellen korrespondierend, die folgenden ergänzenden Fakten entnehmen: Der vollständige Name des Vaters und der Vor- und Mädchenname der Mutter der Braut lauten „Adolf von Moltke” bzw. „Friederike geb. von Lützow”. Die durch diese Heirat entstandene verwandtschaftliche Verbindung zwischen dem französisch-württembergischen Hause der Von Wimpffen und dem dänisch-mecklenburgischen Hause der Von Moltke dürfte in Anbetracht der den beiden Adelsgeschlechtern zu eigenen Freiherrenwürde sowie des von den Vätern in beiden Fällen erreichten militärischen Ranges des Generalmajors beidseitig als in vollem Maße standesgerecht gegolten haben.

– 1818: Unter den aus dieser Ehe hervorgegangenen 4 Kindern, je 2 Jungen und Mädchen, war die am 10. 11. 1818 in Stuttgart geborene KATHARINA (auch: KATHARINE) die Älteste. Deren Vorname ist sicherlich von KATHARINA GEB. GROßFÜRSTIN VON RUSSLAND (1788 – 1819) hergeholt, die im Januar 1816 die zweite Gattin von KÖNIG WILHELM (I.) VON WÜRTTEMBERG geworden ist, nachdem ausgangs August 1814 dessen Ehe mit CHARLOTTE VON BAYERN 1792 – 1872) für nichtig erklärt worden war. Katharina blieb, wie es in adligen Familien gern und auch bei den Von Wimpffen immer wieder geschah, ledig und wurde Mitglied (Stiftsdame, später Ehrenstiftsdame) eines sog. Damenstifts, und zwar des 1667 für unversorgte Mitglieder des bayerischen Landadels gegründeten Damenstifts St. Anna in München an der Damenstiftstraße, einer in der Säkularisationszeit nach und nach mehr oder minder insbesondere durch die Abschaffung des gemeinsamen Lebens verweltlichten und jetzt auch für Protestantinnen und nichtadlige Damen offenen Versorgungsanstalt. Dass diese nach München ging, ist höchstwahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass eine dort lebende (an späteren Stellen noch in Erscheinung tretende) Tante (Schwester der früh verstorbenen Mutter), FRAU VON SÉVÉRIN, GEB. FREIIN VON MOLTKE, Gattin des KK. Russischen Gesandten in München, Einfluss nahm.

– 1820: Es folgte am 21. Juni 1820 die Geburt des ersten Sohnes WILHELM (erwähnt als wichtige Zielperson bereits in den Kapiteln A. Grundlegendes und P. Zweiggründer Franz Ludwig), so genannt nach dem damals regierenden württembergischen König. Während die Geburt dessen älterer Schwester Katharina nicht einzusehen versucht wurde, ergab die diesbezügliche Nachschau im Stuttgarter Kirchenregister im Falle von Wilhelm die folgende ungekürzt wiedergegebene instruktive umfängliche (mit bisher anderweitig Gefundenen voll übereinstimmenden) Eintragung von dessen Geburt sowie der vier Tage danach vollzogenen Taufe:
-„Kind, Kirche, Geb. u. Get. (geboren und getauft): 21. und 25. Juni. Marie Paul Wilhelm – (offenbar in Erweiterung der Vornamengebung) 29. Aug. u. 30. Sept. Friedrich Wilhelm Paul Dagobert Carl Julius
-Vater: Herr Friedrich Wilhelm v. Wimpfen, wirklicher Kammerherr Oberst und Adjutant S. M. des Königs – (bezogen auf den 29. u. 30. Sept.) Herr Friedrich Wilhelm Heinrich Freiherr v. Wimpfen, wirklicher Kammerherr, Obrist u. Adjutant des Königs Majestät
-Mutter: Frau Elisabethe Marianne Louise von Moltke, Hofdame bei I. M. d. regier. Königin – (bezogen auf den 29. u. 30. Sept.) Freifrau Elisabeth Marianne Louise, geb. Freiin von Moltke, Hofdame der Königin Majestät (gemeint mit „I. M. d. regier. Königin”: Ihre Majestät die regierende Königin PAULINE VON WÜRTTEMBERG, die KÖNIG WILHEM I. VON WÜRTTEMBERG nach dem frühen plötzlichen Tod seiner zweiten Gemahlin KATHARINA VON RUSSLAND in dritter Ehe geheiratet hat.
-Tauf-Pathen: Se. Majestät der König (Wilhelm) – Ihre Majestät die Königin (Pauline) – Ihre kaiserliche Hoheit die Frau Großfürstin Marie von Russland, Erbgroßherzogin von Weimar (1786 – 1859; jüngste Schwester der verstorbenen württembergischen Königin Katharina; verheiratet mit Erbgroßherzog Carl Friedrich von Sachsen-Weimar) (bezogen auf den 29. u. 30. Sept.) Se. Maj. der König – Ihre Majestät die Königin – Hr. Baron (Karl) von Seckendorf, Obrist-Hofmeister des Königs – (dessen) Fr. (Melanie) von Seckendorff (geb. von Spiegel aus Weimar), Staatsdame Ihrer Maj. der Königin – Frau Generalin von Moltke (Mutter bzw. Schwiegermutter der Eheleute von Wimpfen) – Abw. (abwesend) Hr. Obrist Dagobert von Wimpfen (gemeint: Dagobert Sigismund von Wimpffen, der nächstjüngere Bruder des Vaters und demnach Onkel des Täuflings; siehe dessen Lebenslauf am Ende von Kapitel U. Verwandtschaftliche Verknüpfungen) – Hr. v. Moltke, Russischer Legationsrat (vermutlich ein Onkel oder Bruder der Mutter).”
Das an der Spitze der üblicherweise langen Liste der Paten stehende königliche Paar sowie diesem folgend die aus dem russischen Kaiserhaus der Romanow stammende Anverwandte und danach schließlich der höchstgestellte Würdenträger der Hofbeamtenschaft lässt die damalige hohe gesellschaftliche Rangstellung der Von Wimpffen-Familie innerhalb der Stuttgarter Hofgesellschaft spüren, welche daraus erwachsen sein dürfte, dass damals gleich zwei ihrer Repräsentanten in hohe württembergische Offiziers- und Hofbedienstetenämter aufgestiegen waren und diese jeweils wohl gut versahen. Und immerhin fungierte die Mutter des Täuflings als Hofdame der Königin. Von den bei Wurzbach in der II. Stammtafel (siehe letztes derGenerationsbänder XVc bzw. 13c) angegebenen drei Vornamen WILHELM MAX. (MAXIMILIAN) PAUL ist der mittlere im Hinblick auf die Taufakten eigentlich als falsch anzusehen.

– 1821 und 1822: Am 29. August 1821 folgte die Geburt des zweiten Sohnes DAGOBERT und am 13. Juni 1822 die der zweiten Tochter bzw. des vierten und letzten Kindes, die nach dem Vorbild der Königin der Vorname PAULINE gegeben wurde. Die kurzgefasste Eintragung der Geburt und Taufe der Letztgenannten im Stuttgarter Kirchenregister des vorgenannten Jahres, wo wiederum König Wilhelm und Königin Pauline als Paten genannt sind und die Mutter wieder als Hofdame der Königin bezeichnet ist, lautet:
-„Kind: Hofk. (Hofkirche) 13. Juli und 11. Aug. Pauline Wilhelmine
-Vater: Hr. Friedrich Wilhelm Heinrich Freiherr von Wimpffen (der Nachname ist jetzt also mit ff geschrieben!), wirklicher Kammerherr Obrist, Adjutant Sr. Majestät des Königs
-Mutter: Fr. Elisabethe Marianne Louise, geb. Freiin von Moltke, Hofdame d. Königin Majestät
-Taufpaten: Se. Majestät der König, Ihre Majestät die Königin.”

– 1829, d. h. 7 Jahre danach bzw. 6 Jahre nach dem Tod des Vetters Franz Ludwig, findet sich FRIEDRICH WILHELM VON WIMPFFEN im Personenverzeichnis des Stuttgarter Adressbuches als im „Königlichen Schloßbau“, d. h. im Neuen Schloss, wohnend und mit „v. Wimpfen, Generalmajor“ verzeichnet. Somit war dieser in der Offiziers-Stufenleiter noch weiter hochgestiegen. Seinem Namen beigefügt ist „v. Wimpfen, Fräulein”, was sich, wie an späterer Stelle zu ersehen, auf dessen bei ihm und seiner Familie wohnende ledig gebliebene zweitjüngste seiner 6 Schwestern AMALIE VON WIMPFFEN (geb. am 8. November 1774 in Stuttgart) bezieht. Dieselbe Eintragung, doch mit der erweiterten Titulierung „General-Major, Adjutant des Königs”, findet sich in der nachfolgend gezeigten

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  • Abb. T 5: Alphabetische Auflistung (oben) jener Hofbediensteten sowie Militärs im „Stuttgarter Adress-Buch u. Wegweiser …” des Jahres 1829, die damals ihren Wohnsitz im Stuttgarter „Königlichen Schloßbau” hatten.

– 1832: Überraschenderweise blieb die intensive Suche im Stuttgarter Kirchenregister nach dem durch andere Quellen belegten frühen Tod der Gattin und Mutter ELISABETH (ELISE) VON WIMPFFEN, GEB. VON MOLTKE, im Alter von nur 37 Jahren am 8. August 1832 erfolglos, so dass angenommen werden muss, dass diese anderswo, vielleicht am Ort einer auswärtigen Behandlung oder Kur, verstorben ist.

Durch die hohe militärische Rangstellung sowie die Nähe zur Person von KÖNIG WILHELM I. VON WÜRTTEMBERG infolge der Zuordnung des Vaters zu diesem als Adjudant sowie das gesellschaftliche hohe Ansehen der Wimpffen-Familie war den beiden Söhnen
— WILHELM VON WIMPFFEN und DAGOBERT VON WIMPFFEN die Gunst beschieden, Spielkameraden und Jugendfreunde des knapp 3 bzw. 2 Jahre jüngeren KRONPRINZEN KARL VON WÜRTTEMBERG (geb. am 06. März 1823) sein zu dürfen. Wie aus den nachfolgend aufgeführten und mit den bisherigen genealogischen Angaben übereinstimmenden weiteren greifbaren Adressbuch-Eintragungen der nachfolgenden anderthalb Jahrzehnte hervorgeht, hatte die zusammen mit der bereits genannten Schwester bzw. Tante Amalie von Wimpffen nach dem Tod der Mutter Elisabeth (Elise) von Wimpffen 6 Personen umfassende Wimpffen-Familie ihren Wohnsitz jetzt nicht mehr im Neuen Schloss, sondern jetzt in der nordwärtig an den Schlossgarrten grenzenden Neckarstraße Nr. 16.

– 1833 und 1834: Die in

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  • Abb. T 6: Der auf den Wohnplatz Neckarstraße 16 bezogene Auszug des Wohnungsverzeichnisses des Stuttgarter Adressbuches 1833

gezeigte Eintragung nennt nicht allein den Namen des Haushaltsvorstandes (Friedrich Wilhelm) „v. Wimpffen” und dessen Titel, militärischen Rang und Hofdienst-Funktionen „Freiherr, General-Major, K. Kammerherr, Adjutant des Königs Majestät”, sondern führt auch die diesem verliehenen nicht wenigen Verdienstorden sowie am Schluss dessen Ehrenbetitelung „Officier der K. Franz. Ehren=Legion” auf. Außerdem ist unten die bei ihm und seinen hier üblicherweise nicht angeführten vier Kindern wohnende Schwester jetzt mit vollem Namen aufgeführt: „v. Wimpffen, Amalie, Freifräulein”. Sicherlich hat diese den jetzt verwitweten Bruder sowie die zwei Neffen und zwei Nichten in der Haushaltsführung, so weit sie es mit ihren jetzt 58/59 Jahren konnte, unterstützt. Interessanterweise wohnte damals im selben Gebäude außer dem Hausbesitzer Generalmajor a. D. Freiherr von Jett die über 30 Jahre (um 1830 bis zu dessen Tod 1864) mit König Wilhelm I. als Geliebte verbunden gewesene attraktive KÖNIGLICHE HOFSCHAUSPIELERIN AMALIE VON STUBENRAUCH (1805 – 1876), und zwar zusammen mit ihrer Mutter, der Witwe WALDBURGA VON STUBENRAUCH, ehe sie in ihr in der Nachbarschaft des Königlichen Schlosses liegendes eigenes Haus Neckarstraße 3 zog. Allerdings ist hier merkwürdigerweise vor derem Namen das „von” zu vermissen. Wir dürfen wohl annehmen, dass Friedrich Wilhelm von Wimpffen in seiner Funktion als Kammerherr und Adjudant von König Wilhelm der Pflicht mancherlei diesbezüglicher diskreter Dienste schweigend nachzukommen hatte.-
Laut der im Internet zu findenden Genealogischen Zusammenstellung von William Addams Reitwiesner des Titels „The Ancestors of Roman, Baron von Ungern-Sternberg (1885 – 1921) ist dem nunmehr bereits zumindest zweieinhalb Jahrzehnte in Stuttgart und damit im Königreich Württemberg lebenden und am Hof tätigen Friedrich Wilhelm von Wimpffen unter der Datierung „Stuttgart, 6. November 1834“ der Freiherrentitel zuerkannt worden, der bislang wohl allein auf der von seinem Vetter Franz Ludwig 1807 (siehe oben) brieflich berichteten Immatrikulation der De Wimpffen in den eingesessenen Adel des Niederelsass des Jahres 1781 sowie dem durch KÖNIG LOUIS XIV. zuerkannt gewesenen Baronstitel und -rang basierte. Somit waren Friedrich Wilhelm von Wimpffen mit Familie und Nachkommen quasi endgültig im Königreich Württemberg angekommen und als landessässige Adlige formal angenommen.

– 1839 und 1840: Bezüglich der Wimpffen-Familie (Personen, Hoffunktionen und Dienstgrad des Friedrich Wilhelm von Wimpffen) finden sich in diesen beiden Jahren zwar unverändert die Eintragungen des vorbeschriebenen Jahres 1833. Als Wohnsitz ist jedoch 1839 – und dies bis 1847 – die Friedrichstraße 2 aufgeführt. Somit wohnt die Familie jetzt genau dort, wo 1811 auch der Vetter Franz Ludwig von Wimpffen gewohnt hatte. Während 1840 als Besitzer dieses Hauses der Privatkaufmann namens Wergo genannt ist, findet sich ab 1841 Friedrich Wilhelm von Wimpffen selbst als solcher aufgeführt. Die Wimpffen besitzen offenbar somit nunmehr in der württembergischen Residenzstadt Stuttgart eine eigene Heimstatt. Dass die beiden nunmehr 19 – 21 bzw. 18 – 20 Jahre alten Söhne Wilhelm und Dagobert sich aber inzwischen, der Haustradition folgend, vom Elternhaus gelöst hatten und mit dem Ziel, die Offizierslaufbahn in der württembergischen Armee einzuschlagen, Kriegsschul-Kadetten der Kavallerie in der Garnison Ludwigsburg geworden waren, das geht aus einem 19-seitigen Brief des Jahres 1840 hervor, aus dem auch der bereits mehrfach beschriebene verwandtschaftliche Konnex der Von Wimpffen mit den Von Moltke evident wird. Denn geschrieben hat diesen der damalige 40-jährige Hauptmann im Generalstab des (IV.) sächsischen Armeekorps und spätere Generalfeldmarschall HELMUTH KARL BERNHARD VON MOLTKE (1800 – 1891) unter der Datierung „Mangadino am Lago Maggiore dem 2ten Novmbr” an seinen Vater FRIEDRICH PHILIPP VICTOR VON MOLTKE (1768 – 1845). In diesem berichtet er über seine nach einer Badekur in Ilmenau (Thüringen) angetretene lange Reise von dort über Stuttgart, Tübingen, Basel und den Rheinfall bei Schaffhausen ins Tessin, bei der er Gelegenheit nimmt, nach seiner Ankunft in Stuttgart am Sonntag, dem 25. Oktober 1840, im Rahmen eines eintägigen Aufenthalts mit Quartiernahme im „Marquardtschen Hotel, der beste Gasthof den ich irgend gefunden” dort die Familie seiner vor 8 Jahren (wie bereits dargestellt) im Alter von nur 37 Jahren verstorbenen Kusine ELISABETH (ELISE) VON WIMPFFEN GEB. VON MOLTKE zu besuchen. Nachdem er in seinem Brief – und zwar mit dem Auge des genialen Militärstrategen und in bewundernswert treffsicherer Sprache – die Neckarlandschaft und den Rebenbewuchs des Stuttgarter Talkessels, dann den Blick des Vormittags vom Turm der Stiftskirche über die Stadt und schließlich seine Eindrücke vom Besuch im Alten Schloss geschildert hat, setzt er seinen Brief folgendermaßen fort (Unterstreichungen = Hervorhebungen des Verfassers):
„Vormittag fuhr ich noch nach Cannstatt wo ich ein köstliches Bad in einem Sauerbrunnen nahm. Dieser sprudelt Mannesstark und zwei Fuß hoch in einer großen Marmorschale empor. Er hat einen höchst angenehmen Geschmack. Nach der Parade besah ich noch die königl. Ställe mit 250 Landbeschälern. Im Reitstall bewunderte ich einige ächte Araber, kleine Schimmel, die kaum 4’ 10’’ maßen und von denen man auf englischen Stuten die größten Pferde im Stall gezogen hatte. Der König (Wilhelm I.) kam drüber zu. Er geht öfters in seine Ställe, der Zutritt ist auch eigentlich untersagt. Indeß grüßte er freundlich. Nachmitags besuchte ich Wimpfens, welche mich sehr freundlich aufnahmen. Die beiden Vettern sind jetzt Lieutenants bei dem Cavallerie Regmt. in Ludwigsburg, der General wollte sie gleich am folgenden Tage herein citiren, aber ein Platz auf der Post war schon auf Morgens 5 Uhr gelöset.”
Die damals 20 bzw. 19 Jahre alten beiden „Vettern” (2. Grades) Wilhelm und Dagobert scheinen also damals die erste Sprosse der Offiziers-Stufenleiter erreicht zu haben. Mit „der General” ist der 56 Jahre alte Vater (und Gatte der verstorbenen Kusine) Generalmajor Friedrich Wilhelm von Wimpffen gemeint.

– 1841: Der im zitierten Moltke-Brief des Jahres 1840 mit „Lieutenants” angegebene Dienstgrad der beiden Wimpffen-Söhne ist insofern etwas zu korrgieren, als im Adressbuch des vorgenannten Jahres im Abschnitt „Militäretat” in der „Rubrik VI. Reiterei” die folgenden anderslautenden Eintragungen ins Auge springen:
S. 28: „I. Regiment (Garnison Ludwigsburg) Unter Lieutnant Wilhelm von Wimpffen (aggreditiert)”, gemeint: bestätigt;
S. 30: „IV. Regiment (Garnison Ludwigsburg) Unter Lieutnant Dagobert von Wimpffen (zugeteilt)”, gemeint: unbestätigt.
Demnach hatten diese zur Zeit des Moltke-Besuches im Jahr 1840 wie auch noch 1841 erst die Vorstufe der Offizierslaufbahn erreicht.

 – 1844: Jetzt ist (S. 116) deren Vater FRIEDRICH WILHELM VON WIMPFFEN mit „Freiherr, Generalmajor (a. D.)” betitelt; das bedeutet, dass sich dieser jetzt (nun 60/61 Jahre alt) im Ruhestand befindet.

 – 1845: Das Adressbuch enthält zwar wieder auf S. 270 die vorgenannte Betitelung, doch hält das Stuttgarter Kirchenregister kurzgefasst dessen Ableben in Stuttgart unter dem „16. März 1845 … im Alter von 61 Jahren und 7 Monaten” fest und gibt als Todesursache „Entkräftung” an. Hier sowie rückschauend auf den ebenfalls in Stuttgart erfolgten Tod des Jahres 1823 von Karl Ludwig von Wimpffen, dazu vorausschauend auf den an späterer Stelle zu konstatierenden Tod der Schwester des Friedrich Wilhelm Amalie wahrscheinlich des Jahres 1855, ist die bislang nicht verfolgte und somit nicht beantwortbare Frage zu stellen, ob sich unter den rund 1700 erhalten gebliebenen Grabstellen des Stuttgarter Hoppenlaufriedhofs nicht auch die des einen oder anderen oder gar der drei Vorgenannten zu finden sind. 

– 1847: Nunmehr sind auf S. 264 als Bewohner der Friedrichstraße 2 außer wieder „Wimpffen v., Amalie Fräulein” jetzt erstmalig „Wimpffen v. (gemeint: Wilhelm), Lieutnant bei d. k. (königlichen) Garde” und „Wimpffen v., (gemeint: Dagobert), Lieutnant im k. (königlichen IV.) Reiterregiment” aufgeführt. Demnach haben die nunmehr bereits 27 bzw. 26 Jahre alten Söhne jetzt – und dies wohl schon seit einigen Jahren – die Einstiegsstufe der Offizierslaufbahn erreicht. Und zwar ist der Ältere Angehöriger der aus 170 Mann in schönstem Uniformschmuck bestehenden vielbewunderten Königlichen Leibgarde zu Pferd geworden, die insbesondere den Ehrenwachdienst im Schlossgelände im Umfeld des Königs und seiner Familie sowie auch repräsentative Aufgaben wahrzunehmen hatte. Währenddem ist der Jüngere immer noch dem „4. Reiterregiment” zugeordnet, das 1845 von der Reiterkaserne Ludwigsburg jedoch in die Reiterkaserne Stuttgart gewechselt war und 1847 zur Niederhaltung der Maikrawalle in Stuttgart sowie darüber hinaus in den beiden Folgejahren 1848/49 der Unterdrückung der revolutionären Bewegungen auch in württembergischen Landen eingesetzt gewesen ist. Der Umstand, dass die beiden Brüder jetzt neben dem Vater als Bewohner des Gebäudes Friedrichstraße 2 aufgeführt sind, lässt den Schluss zu, dass diese nunmehr die Freiheit genießen, außerhalb des Standplatzes ihrer Truppe wohnen zu dürfen. Im vorgenannten Jahr ist erstmalig, und zwar als im Neuen Schloss wohnend, deren jüngere jetzt 25 Jahre alte Schwester PAULINE VON WIMPFFEN aufgeführt, die im Einwohnerverzeichnis des vorgenannten Jahres sowie auch in den beiden Folgejahren 1848 und 1849 als „Wimpffen v., Fräulein, Hofdame”, dem weiblichen Pendant des Kammerherren, erscheint und außer der im Schlosse in derselben Funktion noch „Frl. Auguste von Seckendorff” tätig gewesen ist. Bei der Letztgenannten handelt es sich um die Tochter von OBRIST-HOFMEISTER BARON KARL UND BARONIN MELANIE VON SECKENDORFF, die sich 1820 unter den zahlreichen Taufpaten des Wilhelm von Wimpffen verzeichnet finden.

– 1848: In diesen Jahren erscheinen die beiden Wimpffen-Brüder jetzt nicht mehr als in der Friedrichstraße 2, sondern in der von Norden her auf die Königsstraße und das Marstallgebäude und damit auf den Ostbereich des Schlossgartens hinlaufenden Kronenstraße Nr. 30 wohnend. Außerdem zeigt sich DAGOBERT VON WIMPFFEN bei seiner Einheit zum „Oberlieutnant” befördert.

– 1849 – 1852: Im Folgejahr 1850 hat WILHELM VON WIMPFFEN bei seiner Einheit ebenfalls den Rang eines Oberleutnants erreicht und ist ab 1851 zusammen mit der Tante Amalie wieder als in der Friedrichstraße 2 wohnend angegeben, während Dagobert von Wimpfen in den vorgenannten vier Jahren im Einwohnerverzeichnis aus nicht ersichtlichen Gründen (wahrscheinlich anderwärtige Verwendung im Zuge des auswärtigen Einsatzes des 4. Reiterregiments zur Niederhaltung der Kravalle bzw. revolutionären Umtriebe) nicht mehr aufgeführt ist. Dies gilt auch ab 1850 für deren jüngere Schwester, die bisherige im Neuen Schloss wohnende HOFDAME PAULINE VON WIMPFFEN. Letzteres erklärt sich daraus und wie bereits in Kapitel S. Gräfliche Linie angesprochen, dass diese am 17. 02. 1850, d. h. mit 27 ½ Jahren, denn doch – anders als ihre ledig gebliebene und Stiftsdame gewordene Tante KATHARINA VON WIMPFFEN – geheiratet hat; und zwar in Triest einen ihrer zahlreichen in Europa verstreuten Vettern, nämlich den um 16 ½ Jahren älteren GRAFEN GUSTAV ADOLF FELIX VON WIMPFFEN (geb. am 28. 12. 1805 zu Troppau – gest. am 25. 04. 1880 zu Meran). Über diesen sowie über diese für den württembergischen Freiherrenzweig bedeutsame Eheschließung und die daraus hervorgegangenen zwei Kinder wird gesondert im Folgekapitel U. Verwandtschaftliche Verknüpfungen berichtet werden. Pauline von Wimpffen ist übereinstimmend 1866 im Gotha als „k. bayer. Theresien-Ordens-Dame“, in der an späterer Stelle in Abb. W 5 erscheinenden Traueranzeige für ihre 1875 verstorbene Tante Katharina als „Theresien-Ordensdame” sowie bei Wurzbach (1888) als „königlich bayrische Theresien-Ordensdame” bezeichnet. Da diese Betitelung bereits 1866 und 1875, d. h. vor dem Tod ihres 1880 verstorbenen Gatten auftaucht, kann angenommen werden, dass diese nicht Insassin, sondern lediglich Wohltäterin des Münchener Theresienstifts vermutlich mit Anwartschaft der Aufnahme bei eingetretener Witwenschaft gewesen ist. Um dies hier vorwegzunehmen: Durch diese Heirat der Pauline von Wimpffen erfuhr die gering vermögende freiherrliche württembergisch-bayrische Nebenlinie der Von Wimpffen zweifellos eine Aufwertung ihres Ansehens und eine Beförderung ihrer Selbsteinschätzung.
Der Glanz, den die gräfliche Linie auszustrahlen begann, spiegelt sich in der zweitfrühesten auf die von Wimpffen bezogenen Tagebucheintragung der Eveline von Massenbach des Jahres 1852 wider. Nach dieser unternimmt im November des genannten Jahres das württembergische Thronfolgerpaar eine ganz besonders lange und mit vielen Begegnungen mit höchsten Herrschern Europas und weltlichen Würdenträgern sowie Besichtigungen und Vergnügungen verbundene Reise über den Splügenpass nach Oberitalien und durch dieses bis Venedig, von dort nach Triest, schließlich nach Wien und München und wieder zurück nach Stuttgart. Die Überquerung der Adria wird im Tagebuch so beschrieben: „Triest: Überfahrt auf der Santa Lucia, Admiral Graf Wimpffen. Völlige Windstille, Triest und seine Flotte waren mit bengalischem Feuer erleuchtet.” Der angegebene Admirals-Titel und Name bezieht sich auf den in Kapitel S. Gräfliche Linie ausführlich beschriebenen ältesten der drei Söhne des GRAFEN FRANZ KARL EDUARD VON WIMPFFEN, nämlich auf den 1849 zum Gouverneur von Triest und Statthalter der dortigen k. und k. Küstenlande ernannten sowie provisorisch das Kommando über die österreichische Kriegs- und Handelsmarine führenden und später als Generalfeldzeugmeister amtierenden GRAFEN FRANZ EMIL LORENZ VON WIMPFFEN, der 02. 04. 1797 in Prag geboren und am 26. 11. 1870 in Görz gestorben ist und dessen außerordentlichen Glanz ausstrahlendes Leben ebenfalls im vorgenannten Kapitel Würdigung findet.

Zweifellos gehörten die Stuttgarter Von Wimpffen damals, auch ohne diese Versippung mit der zu Grafen erhobenen Wimpffen-Linie, zu den Spitzenpersonen der damaligen Stuttgarter Hofgesellschaft. Dies geht vor allem auch aus dem 1987 im Druck erschienenen und die Jahre 1851 – 1866 umspannenden Tagebuch der BARONIN EVELINE VON MASSENBACH (1830 – 1904), der Tochter des FREIHERREN HERMANN VON MASSENBACH (1799 – 1847), dem Oberstleutnant und Flügeladjudanten, später (1829) Generalmajor und erster Adjudant von KÖNIG WILHELM I. VON WÜRTTEMBERG, hervor, aus dem bereits mehrfach Stellen, die sich auf Angehörige des Adelsgeschlechts der von Wimpffen beziehen, zitiert worden sind. Wie die Genannte in ihrem Tagebuch berichtet, war sie nach dem Tod ihres Vaters 1847 von der KRONPRINZESSIN (seit 1846 bzw. KÖNIGIN ab 1864) OLGA VON WÜRTTEMBERG (1822 – 1892), der Tochter von ZAR NIKOLAUS I. VON RUSSLAND und ALEXANDRA FJODOROWNA, GEB. CHARLOTTE PRINZESSIN VON PREUßEN, zur Probe als Hoffräulein eingestellt und 1851 von dieser endgültig zu ihrer speziellen Hofdame, dem weiblichen Pendant des Kammerherren, erwählt worden und hat dann später bis zum Tod der Königin Olga im Jahr 1892 die Funktion der dem gesamten württembergischen Hofstaat vorstehenden Staatsdame ausgeübt. Eveline von Massenbach war in Stuttgart im (oben bereits beschriebenen) sog. Akademie-Gebäude unter den dort wohnenden vielen Familien des Stuttgarter Hofes aufgewachsen. Bald zur – mit der Kronprinzessin Olga bestvertrauten – Hofdame, aufgestiegen, hatte sie diese auf ihren vielen Reisen nach Russland, Frankreich, England, Italien und der Schweiz etc. sowie bei deren häufigen sommerlichen Badekuren in internationalen Bädern des süd- und gesamtdeutschen Raumes etc. zu begleiten. Durch all das lernte diese die Stuttgarter und darüber hinaus die internationale Hofgesellschaft aufs Beste kennen. Zur erstgenannten gehörten, was die Männlichkeiten anbelangt, auch die Gebrüder WILHELM und DAGOBERT VON WIMPFFEN. Denn Eveline von Massenbach schreibt in der auf die Zeit um 1850 bezogenen „Einleitung über Stuttgarter Verhältnisse” ihres Tagebuches Folgendes (Unterstreichungen = Heraushebungen des Verfassers): „Von den Männern der damaligen Gesellschaft sind besonders anzuführendrei Prinzen zu Hohenlohe-Öhringen: Hugo, Fritz und Felix, die beiden Herren von Hügel, Karl und Julius, ersterer mit einer Russin … vermählt … , Julius, der schöne königliche Stallmeister, eine Zeitlang Hofmarschall des Kronprinzen, mit dem Hause Neipperg eng befreundet; ferner der Kanzler der Universität Tübingen, Dr. von Wächter, früherer Lehrer des Kronprinzen, der Präsident der Kammer, Fürst Konstantin Zeil … beide Barone von Wimpffen, Wilhelm und Dagobert, (einstige!) Spielkameraden des Kronprinzen, und mehrere Offiziere, die er in seine musikalischen Unternehmungen heranzog.”
Sicherlich hat nicht allein der Umstand, dass die damals um die dreißig Jahre zählenden beiden Barone Spielgefährten des 2 ¾ bzw. 1 ½ Jahre jüngeren KRONPRINZEN KARL (geb. am 21. März 1823; ) gewesen waren, zu ihrer hochgestellten Position in der Stuttgarter Gesellschaft geführt; sondern es dürften auch die hohen militärischen und hofdienstmäßigen Positionen ihres vor rund fünf Jahren verstorbenen Vaters zu dieser vordersten gesellschaftlichen Stellung beigetragen haben. Als Beleg der Fortdauer dieser Rangstellung kann, chronologisch um einige Jahre vorausgreifend, ein Tagebucheintrag der Eveline von Massenbach vom 25. Juni 1856 (Wilhelm war jetzt 36, Dagobert knapp 35 Jahre alt) gelten:
Kaiser Alexander (gemeint: ZAR – ab 1855 – ALEXANDER II., Bruder der KRONPRINZESSIN OLGA, deren prunkvolle Hochzeit mit KRONPRINZ KARL VON WÜRTTEMBERG im Sommer 1846 in Sankt Petersburg gefeiert worden war) überraschte seine Mutter (gemeint: ZARIN ALEXANDRA FJODOROWNA) mehrere Male von Kissingen aus mit seinem Besuch. Dann wurden in dem großen Saal des Hotels Bellevue unter dem Dache der wohlwollenden, freigebigen, immer gerne mit der Jugend sich freuenden Fürstin thé dansants improvisiert. Man ließ die Blüte der jungen Herrn aus Stuttgart kommen, u. a. beide Wimpffen, Baron Otto Walterskirchen, den neuen österreichischen Sekretär o. A.”

– 1854: Jetzt tauchen beide Brüder in Stuttgart wieder zusammen auf, und zwar laut S. 152 und 434 des Einwohnerverzeichnisses (zusammengefasst): WILHELM nach wie vor als Oberleutnant der Königlichen Leibgarde zu Pferd, DAGOBERT jedoch jetzt als Oberleutnant und Kommandant der Königlichen Feldjägerschwadron, einer militärischen Sondereinheit, die beim Volke besonders beliebt, in der Feldjägerkaserne (spätere Infanterie- bzw. Rotebühlkaserne) stationiert, nach preußischem Vorbild insbesondere mit Erkundungs- und Kurierdiensten im Bereich um den König und seine Familie, den Hof und die Regierung betraut gewesen ist. Über diese Funktion wuchs Dagobert auch in die eines der Adjudanten des seit 1853 den Rang eines Generalleutnants führenden Kronprinzen Karl hinein, wobei er dem Adjudanten und Leiter der kronprinzlichen Hofhaltung FREIHERR KARL VON BERLICHINGEN unterstellt war. Die Brüder haben jetzt vorübergehend zusammen mit Tante Amalie einen gemeinsamen Wohnsitz im 1. Stock vom zur Feldjägerkaserne gehörenden „herrschaftlichen Gebäude” Gartenstraße 11, wo parterre noch der Trompeter der Königlichen Feldjägerschwadron namens Mößner wohnt.

– 1855: Die Angaben dieses Jahres sind identisch mit denen des Vorjahres, doch mit dem Unterschied, dass Wilhelm jetzt wieder in der Friedrichstraße 2 wohnt.

– 1856: Diese Gegebenheiten setzen sich in diesem Jahr fort, doch mit dem Unterschied, dass Tante AMALIE VON WIMPFFEN jetzt und auch später nicht mehr erscheint. Daraus ist mit Sicherheit zu schließen, dass diese im Vorjahr im hohen Alter von 80 oder 81 Jahren verstorben ist. Am 23. September 1856 schließt der wie sein Bruder bislang ledig gebliebene 36 Jahre alte Wilhelm von Wimpffen in Stuttgart die Ehe mit der erst 19-jährigen AMALIE (auch AMÉLIE) AUGUSTE VON ROUX-DAMIANI, geb. am 02. 03. 1837 in München als Tochter des kaiserlich-russischen Staatsrates BARON PHILIPP VON ROUX-DAMIANI. Über die Angetraute trifft die Tagebuchschreiberin Eveline von Massenbach anlässlich ihrer Schilderung eines im September 1856 stattgefundenen Aufenthaltes des württembergischen Hofes in Zürich im Hotel Baur mit Promenaden zu Wasser und zu Land zusammen mit den verschiedensten hinzukommenden Gästen und anschließendem Aufenthalt im immer wieder besuchten Friedrichshafen u. a. die folgende recht günstig wertende Feststellung:
„Auch Wilhelm von Wimpffen brachte seine sympathische junge Frau, geb. Bona von Damiani. Herr von Neurath, Titoff, Basarow
(Fußnote: Russischer Probst in Stuttgart), Kanzler Wächter [Fußnote: Karl Georg Wächter (1797 – 1880, Prof. in Tübingen, Kanzler und Kammerpräsident, seit 1852 in Leipzig)] kamen abwechselnd als Touristen.”
Und aus demselben Tagebuch ist, datiert mit „August 1856“, zu erfahren, dass Dagobert von Wimpffen als Adjudant des Kronprinzen – genau wie auch der ihm vorgesetzte andere Adjudant und Leiter der kronprinzlichen Hofhaltung Karl von Berlichingen – entlassen worden ist. Eveline von Massenbachs diesbezügliches (zweifellos sicheres) kritisches Urteil lautet:
Er (gemeint: Dagobert) war ein rechtschaffener Mann, aber sehr rechthaberisch und pedantisch, man hatte viel Geduld mit ihm.”

– 1857: Dass die Entlassung aber nur eine vorübergehende gewesen ist und offenbar der Jugendfreund Kronprinz Karl und auch König Wilhelm letztlich die Hand über ihn gehalten haben, das geht zum einen aus der Tatsache hervor, dass Dagobert im Einwohner- und Bewohnerverzeichnis des vorgenannten Jahres, S. 71 und 284, nach wie vor als „Rittmeister, Adj. Sr. K. H. d. Kronprinzen”, doch nunmehr sogar im neu erbauten und ausgangs 1854 eingeweihten Kronprinzenpalais beim Schlossplatz (an der Stelle des heutigen Kunstmuseums und der Buchhandlung Wittwer sowie ostwärtig des 1859 fertiggestellten Königsbaus) Königsstraße 32 wohnend registriert ist. Zum anderen begleitet er im vorgenannten Jahr in seiner Adjudanten-Eigenschaft das kronprinzliche Paar auf zwei ihrer zahlreichen vergnüglichen Reisen, die im Tagebuch der Eveline von Massenbach folgendermaßen festgehalten sind:
-28. Februar 1857: Teilweise per Bahn ist das kronprinzliche Paar mit Gefolge über Karlsruhe bis Marseille und dann per Schiff nach Nizza zum Treffen mit der ZARIN-WITWE ALEXANDRA FEODOROWNA, der Muttter der KRONPRINZESSIN OLGA, gereist und wohnt dort bestens in der Villa Orestis:
„Ihr Gefolge: Zeppelin (gemeint: Fritz Graf Zeppelin, damaliger Adjudant und Leiter der kronprinzlichen Hofhaltung), (Dagobert) Wimpffen und ich, ist im Erdgeschoss nicht weniger gut untergebracht.”
-04. Juli 1857 während eines Sommeraufenthalts in Wildbad:
„Die Kaiserin (gemeint die vorgenannte Zarinwitwe) läßt mich weiterhin rufen, ihr vorzulesen … – Ich bin zwei- oder dreimal mit (Dagobert) Wimpffen und Muchanow (Fußnote: Russischer Staatsrat und Kammerherr) zu Pferd ausgeritten.”
Und aus den Jugenderinnerungen („Was ich als Kind erlebt”, Stuttgart 1901) der Erfolgs-Schriftstellerin TONY SCHUMACHER (geb. 1848 und gest. 1931 in Ludwigsburg) erfahren wir aus dem Jahr des in Stuttgart stattgefundenen spektakulären und groß gefeierten sog. Zweikaisertreffens zwischen dem ZAREN ALEXANDER II. und dem KAISER NAPOLEON III. des Jahres 1857 die folgende Dagobert von Wimpffen berührende Begebenheit, welche die vorgenannte Autorin den Tagebucheintragungen ihres Vaters, dem württembergischen GENERAL und Kommandeurs der Artillerie des Landes FIDEL VON BAUR-BREITENFELD, entnommen hat (die Einlassungen in Klammern und Unterstreichungen stellen Erläuterungen des Verfassers dar):
Am 24. (September 1857) erwartete ich nachmittags auf dem Bahnhof in Ludwigsburg als Gouverneur (dieser Stadt) die Ankunft des Kaisers von Rußland, mit mir waren General von Donop und Regierungsdirektor Freiherr von Linden. Um drei Uhr kamen der Kronprinz (Karl) und die Kronprinzessin (Olga) an, begleitet von der Hofdame Baronin Cecile von Kahlden und dem Major Dagobert von Wimpfen. Man wartete fast drei Viertelstunden, in welcher Zeit die kronprinzlichen Herrschaften freundlich und gesprächig waren. Endlich kam der kaiserliche Zug an. Alexander stieg aus, umarmte seine Schwester und seinen Schwager, richtete einige freundliche Worte an uns, und nun stiegen die kronprinzlichen Herrschaften mit ihm ein, worauf der Zug eilend weiter ging. In Feuerbach erwartete der König (WILHELM I. VON WÜRTTEMBERG) den Kaiser und führte ihn auf die kronprinzliche Villa (Villa Berg), wo derselbe Wohnung nahm.”
Am Folgetag, dem 25. September, kam auch Napoleon, der Kaiser der Franzosen, mit der Eisenbahn in einem langen dreiteiligen Salonwagen in Stuttgart an und fand im Schloss die herzliche Begegnung der beiden Kaiser mit anschließendem längerem erstem Zusammensein in den Zimmern Napoleons statt. Diesem schlossen sich über vier Tage hinweg im Rahmen einer Folge großartiger von allen anwesenden vielen Fürstlichkeiten, Diplomaten und den ersten Damen und Herren Stuttgarts begleiteten Besuchen und Besichtigungen der baulichen und kulturellen Besonderheiten Stuttgarts mit Umgebung sowie Diners, Theaterbesuchen etc. eine Fülle von Gesprächsbegegnungen der beiden Kaiserlichen  Majestäten statt.           
Jedoch schlug die Absicht König Wilhelms von Württemberg, seine enge Verwandtschaft mit dem Zaren, seinem Onkel, für eine Befriedung der insbesondere durch den vorausgegangenen Krimkrieg verfeindeten zwei Großmächte Russland und Frankreich zu nutzen, fehl; denn der Zar gab Napoleon bei diesem Zweikaisertreffen, das am 28. September nach dem gemeinsamen Besuch des Volksfestes auf dem Cannstatter Wasen mit Landwirtschaftlichem Fest per Pferd in der kronprinzlichen Villa Berg im Rahmen eines Dejeuners mit einer abermaligen langen Besprechung der beiden Kaiser endete, so etwas wie grünes Licht für sein Vorgehen gegen Österreich in Norditalien. Dadurch wurde der Grund für den nächsten (wiederum die österreichischen wie die französischen Wimpffen-Militairs insbesondere in der schrecklichen Schlacht von Solferino gegeneinander führenden) Krieg zwischen Österreich des Jahres 1859 einerseits und Sardinien/Frankreich (Sardischer Krieg) andererseits gelegt.
Hierzu sei zur Belebung eine zeitgenössische Bilddarstellung angefügt, welche die folgende Beschriftung trägt:

  • Abb. T 7: „Einkunft des Königs v. Württemberg u. der Kaiser Napoleon u. Alexander im Einlas des Volksfestes zu Cannstat am 28. Sept. 1857. Holzschnitt nach einer Zeichnung“.

    Mittig vorne reitet KÖNIG WILHELM, zu seiner Rechten KAISER NAPOLEON, zu sein Linken, eine Tschapka (Ulanenhelm) tragend, KAISER (ZAR) ALEXANDER. Wir dürfen annehmen, dass sich DAGOBERT VON WIMPFFEN in Anbetracht seiner Rangstellung als Adjudant des Kronprinzen und vielleicht auch sein älterer Bruder WILHELM VON WIMPFFEN in dieser, wie GENERAL FIDEL BAUR VON BREITENFELD schreibt, „langen glänzenden Kavalkade“ befunden hat.
    Allerdings erscheint Wilhelm von Wimpffen im angesprochenen Jahr in den Adressangaben nicht mehr als „Rittmeißter b. d. k. Garde“, sondern als „Rittmeister b. den Feldjägern” und hat dieser demnach jene Schwadron Kavallerie übernommen, die drei Jahre zuvor noch als seinem Bruder Dagobert unterstellt vermerkt ist. Dazuhin wohnt Wilhelm jetzt mit seiner jungen Frau in der unweit der Ostflanke des Katharinenhospitals auslaufenden Seestraße Nr. 7. Als Hausbesitzer des Gebäudes ist angegeben: Böhme, G., der jedoch Alleenplatz Nr. 4 wohnt. Mitbewohner sind: Fauntleroi, k. u. k. Rentière; v. Holtzschuer, Regier.-Präsident a. D.; Sattler, Marktmeister; Sattler, k. Stadtrathsw(it)we. 

– 1858: Da die Rittmeister-Dienstgrade der nunmehr immerhin jetzt 39 bzw. 38 Jahre alten von Wimpffen-Brüder im Einwohnerverzeichnis (S. 93 und 259 bzw. 95 und 267) geblieben sind, ist anzunehmen, dass Dagobert von Wimpffen – entgegen der vorstehenden Klassifizierung – damals den Majors-Rang noch nicht erreicht hatte. Wilhelm mit Gattin haben ihren Wohnplatz abermals gewechselt und wohnen jetzt in der Neckarstraße Nr. 34a und damit nunmehr auf der Gegenseite (Südseite) des Schloss- und Schlossgarten-Zentrums. Mitbewohner sind: eine Witwe namens Dinar und der Baron von Luck. In einem im Winter 1858 von Eveline von Massenbach vorgenommenen Tagebucheintrag werden die offensichtlich bestehenden menschlichen wie beruflichen Grenzen der beiden Wimpffen-Brüder im Zusammenhang mit einer Notiz der zweifelsfrei höchst urteilsfähigen Schreiberin über die Interessen und Aktivitäten des Kronprinzen Karl folgendermaßen aufgezeigt, wobei natürlich die in der Vorliebe für Männerfreundschaften sich spiegelnden starken homoerotischen Neigungen desselben unausgesprochen bleiben:
„Der Kronprinz liebte ernste Lektüre, vor allem die klassische, war aber trotz allem desoevriert (Fußnote: Untätig, beschäftigungslos), hatte auch wenig passende Umgebung. Baron Dagobert von Wimpffen, sein jetziger Adjudant, ein phlegmatischer Biedermann, Wilhelm Wimpffen (Fußnote: Königlicher Kammerherr), der andere Jugendfreund, eine sympathische Natur, aber mehr enfant terrible als fördernd, jetzt neu verheiratet.”
Die Betitelung des älteren der beiden Brüder in der Fußnote zeigt, dass dieser – ganz nach dem Vorbild seines verstorbenen Vaters wie auch Großvetters – parallel zu seinem militärischen Rang noch in das hochgestellte Hofdienstamt des Kammerherrn, dessen Funktionen und Pflichten bereits an früherer Stelle beschrieben worden sind, eingerückt war. Dies gilt jedoch auch für den Jüngeren Dagobert, obgleich sich der Kammerherrn-Titel diesem wie auch Wilhelm in den aufgefundenen Stuttgarter Quellen kein einziges Mal zugeordnet findet. Über den obigen Tagebucheintrag hinaus kommt die konstatierte Begrenzung der Geistigkeit Dagoberts auch zum Ausdruck in zweien der nunmehr wiedergegebenen vier weiteren Tagebucheintragungen, die sich auf die von Mai bis September 1858 gegangene lange Reise der Kronprinzessin (in Begleitung des Kronprinzen) in ihr Heimatland Russland beziehen. Hierbei hatte Dagobert sich bei dieser Reise in und durch das ferne Zarenreich mit vielerlei Kontakten zu zahlreichen hohen und höchsten Herrschern und Persönlichkeiten des kulturellen, politischen und hofmäßigen Lebens als Reisebegleiter („Reisemarschall”, wie man am Hof auch sagte) zu betätigen und zu bewähren. Ins Blickfeld kommen in den Eintragungen natürlich nur wenige Splitter über die von den Genannten besuchten hochgerühmten Aufenthaltsorte der Zarenfamilie und russischen Aristokratie wie die Residenzen Petersburg und Zarskoje Selo oder die Sommerresidenz Peterhof, westwärtig von Sankt Petersburg am Finnischen Meerbusen (das „russische Versailles“, der Geburts- und Heiratsort der Kronprinzessin), der Sommersitz Oranienbaum, die Klosterinsel Wallam im Ladogasee u. v. a. m.:
-25. Juni in Peterhof: „Der gute Dagobert Wimpffen besucht mich jedenTag ein guter Junge, aber ohne Horizont.”
-07. Juli in Petersburg: „Ich verbrachte den Tag in der Stadt, war in der Festung … – dann ging ich zu Fräulein Nelidow, die sich zu freuen schien, mich wiederzusehen.- Wimpffen schloß sich mir an, wir aßen mit Lobstein (Fußnote: Württ. Geheimer Legationsrat a. D., königlicher Kammerherr) zu Mittag … .”
13. September in Petersburg: „Am Abend kommen Wimpffen und Slepzow (Fußnote: Russischer Staatsrat), als Adjudanten dem Prinzen zugeteilt, die mit Zufriedenheit von der Reise (nach Nischny Nowgorod) erzählen.”
19. September auf der Rückfahrt über Swinemünde: „Alle wurden herausgetrommelt. Man machte Wimpffen glauben, die Komtesse Lakonska (Vorspeise zum Frühstück) würde ihm sehr gefallen. Er glaubte wirklich, es handle sich um eine Dame und beeilte sich!
Offenbar wurde der Genannte, obgleich Kammerherr, Reisemarschall und Rittmeister, von der Hofgesellschaft nicht ganz für voll genommen.

– 1859: Die Personenangaben und die Wohnplätze haben sich zwar nicht verändert. Doch ist in diesem Jahr als Mitbewohner des RITTMEISTERS UND KAMMERHERREN WILHELM VON WIMPFFEN im Gebäude Neckarstraße 34a über die an früherer Stelle Genannten hinaus noch angegeben: „Roux de Damiani, Baron”. Es dürfte sich bei diesem um den Vater oder einen Bruder der Amalie von Wimpffen gehandelt haben, der damals sich offenbar länger in Stuttgart – aus welchen Gründen auch immer – aufgehalten und im selben Hause gewohnt hat. Als in der Stuttgarter Hofgesellschaft jetzt Schwätzereien im Umlauf sind, Amalie von Wimpffen habe ein Verhältnis mit dem geistreichen Sekretär der russischen Gesandtschaft BARON FELIX VON MEYENDORFF, nimmt die Hofdame Eveline von Massenbach im beginnenden Jahr 1859 diese mit den folgenden aufschlussreichen Zeilen in Schutz, wobei ihr Gatte Wilhelm abermals eine abwertende Beurteilung findet:
„Seiner geistig bedeutenden, rechtschaffenen aber reizlosen Frau (Schwester der Frau von Staal) gab er wohl Anlaß zur Eifersucht, doch habe ich nie an ein wirkliches Verhältnis zu A. W. geglaubt. Frauen, die unbedeutende Männer haben, sind so leicht der Verleumdung ausgesetzt.”
Und kurz dahinter trifft Eveline von Massenbach über die junge Gemahlin des Wilhelm von Wimpffen die folgende höchst positive Wertung:
„Außer Amelie Wimpffen gehören Edith Fleischmann geb. Gräfin Metfort, Louise Beroldingen geb. Gräfin Lodron, Pauline Gräfin Salm-Hoogstraten zu den gefeiertsten Damen der Stuttgarter Aristokratie.”
Da sich die Tagebuchschreiberin mit „Amelie” von Wimpffen, wie diese von ihr genannt wird, bestens versteht, bildet sich, was aus späteren Eintragungen hervorgeht, zwischen beiden wie auch zu Wilhelm von Wimpffen ein zu gegenseitigen Besuchen führendes Freundschaftsverhältnis.

– 1860: Änderungen der Wohnplätze beider gibt es nicht. Doch trägt Dagobert von Wimpffen im Gegensatz zum immer noch mit Rittmeister bezeichneten älteren Bruder Wilhelm jetzt den Majors-Titel. Dies geht hervor aus:

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  • Abb. T 8: Die im Stuttgarter Einwohner-Verzeichnis des Jahres 1860 (S. 71) aufgeführten Namen und Titel bzw. Dienstbezeichnungen jener am württembergischen Königshof tätigen Haushaltsvorstände, die damals im Kronprinzenpalais, Königsstraße 32, ihren Wohnsitz hatten.

Dort ist DAGOBERT VON WIMPFFEN also unmittelbar nach dem Kronprinzen (Karl) mit „Major, Adjut. S. K. H. d. Kronprinzen” verzeichnet. Diesem folgt das oben bereits im Zusammenhang mit der geschilderten Szene des sog. Zweikaisertreffens 1857 neben Dagobert in Erscheinung getretende Hoffräulein (Cecile) von Kahlden sowie das Hoffräulein (Eveline) von Massenbach. Dann folgen zwölf Hofbedienstete niederer bis niederster Charge, nämlich drei Kammerfrauen, je eine Weißzeug-Verwalterin, Garderobe-Jungfrau, Jungfrau, Nähterin, Köchin, schließlich drei Hofknechte und ein Portier. Um eine Vorstellung des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gebäudes zu geben, sei hier beigegeben die

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  • Abb. T 9: Das kurz vor Weihnachten 1854 mit einem großen Ball eingeweihte Kronprinzenpalais, Haupt-Wohnplatz nicht nur von Kronprinz Karl und Kronprinzessin Olga von Württemberg, sondern auch Wohnsitz (im Parterre bzw. 2. Stock) einer Reihe Hofbediensteter, darunter dem Major und kronprinzlichen Adjudanten Dagobert von Wimpffen in den Jahren 1857 – 1863.

Im Sommer 1860 begibt sich das Thronfolgerpaar über Ostende zu einem Badeaufenthalt auf die Isle of Wigth. Und von dort aus wird u. a. auch London besucht. Darüber heißt es in einer Eintragung der Vorgenannten vom 16. August: „Montags waren Ihre Königlichen Hoheiten meist unter sich. (Dagobert) Wimpffen und ich wollten über die Hauptbrücken Londons in die City gelangen, was eine charakteristische Fahrt abgab.”

– 1861: Wieder erbringt die Sichtung des Einwohnerverzeichnisses weder Wohnplatz- noch Statusänderungen. Im Laufe dieses Jahres macht Eveline von Massenbach gleich drei die Von Wimpffen berührende Einträge, deren erster die obige Feststellung der bestandenen Freundschaft zwischen dieser und dem Von-Wimpffen-Ehepaar bestätigt. Und zwar steht dort, bezogen auf den Juni, Folgendes zu lesen:
„Ich gehe oft zu den Wimpffen (gemeint ist das seit 1858 in der Neckarstraße 34a wohnende Ehepaar Wilhelm und Amelie von Wimpffen) in ihren hübschen Garten.”
Unter dem 14. September 1861 heißt es:
„Ausflug zu Pferd zum Lager von Köngen, Wiedersehen mit dem General Miller [Fußnote: Moritz von Miller, Kriegsminister, General der Infanterie (1792 – 1866)], Mittagessen in Boihingen bei den Thumb.- Die Kronprinzessin ist solch eine elegante Reiterin, ich folge mit (Dagobert) Wimpffen auf einem Pferd des Grafen Beroldingen …”
Im Oktober 1861, geschrieben in der „Villa”, das ist die 1845 – 1853 für das Thronfolgerpaar im Stil der Neoreniassance erbaute „Villa Berg”, heißt es:
„Der König leidet sehr an Schwindelanfällen, er schickt seinen Sohn, ihn bei der Krönung in Königsberg (Fußnote: Krönung König Wilhelms I. von Preußen am 18. Oktober 1861) zu vertreten. General Hardegg, Graf C. von Beroldingen, (Dagobert) Wimpffen begleiten ihn.”

In dieses Jahr fällt auch die Geburt des ersten Kindes des Wilhelm und der Amalie von Wimpfen, einer Tochter namens SOPHIE CHARLOTTE (auch: SOPHIA CHARLOTTA), geb. am 25. 07. 1861 in Stuttgart. Hierzu sei

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  • Abb. T 10: Der Geburts- und Taufschein der Sophie Charlotte von Wimpffen

gezeigt. Aus diesem ist zu ersehen, dass „S. K. Hoheit der Kronprinz (Karl) von Württemberg” neben der Tante mütterlicherseits „Frau von Severin, Gattin des KK. russ. Gesandten in München” bei der am 31. August 1861 in der Stuttgarter Hofkirche stattgefundenen Taufe als Zeugen fungierten. Die Zeugenschaft des Kronprinzen wirft ein Licht auf das zwischen diesem und in frühen Jugendzeiten entstandene freundschafliche Verhältnis, das ganz offenkundig auch in deren Erwachsenen-Alter erhalten geblieben ist.

– 1862: Immer noch bestehen laut Einwohnerverzeichnis wohnplatz- sowie titel- und tätigkeitssmäßig die Gegebenheiten der beiden Vorjahre. Was die Bewohner des Gebäudes Neckarstraße 34a betrifft, so heißen diese jetzt wie folgt: Wimpffen von, Wilhelm, Rittmeister; von Fleischmann, Legationssekretär; Stolz, Direktors-Witwe; Wilhelmi, Hofschauspielerin. Am 28. Dezember des genannten Jahres erfolgt die folgende aufschlussreiche weitere Tagebuch-Eintragung:
Dagobert von Wimpffen verläßt den Hof wegen einer törichten Heirat – Pauline Salm ist sehr aufrichtig über Fragen des Hofes.”

Also hat DAGOBERT VON WIMPFFEN im vorgenannten Jahr geheiratet; und zwar (siehe in der II. Stammtafel) die am 02. Mai 1842 (in Starnberg) geborene LUISE LANG. Dass Eveline von Massenbach diese Heirat „töricht” nennt, hat nicht allein den Grund darin, dass die Braut erst 20 Jahre alt und Dagobert somit 21 Jahre älter als diese gewesen ist, sondern weil es sich um eine nichtadlige Dame gehandelt hat. Die Heirat eines Angehörigen des Adels und gar des Hofadels mit einer Bürgerlichen verstieß ganz eindeutig gegen den Sittenkodex des Adels wie Hofes und dürfte somit von der Stuttgarter Hofgesellschaft als Mesalliance gegeißelt worden sein. Zweifellos stellt der von der Tagebuchschreiberin ihrer Nachricht vom Abgang Dagoberts angefügte lakonische Satz, „Pauline Salm” – damit ist die zur höchsten Stuttgarter Aristokratie gerechnete GRÄFIN PAULINE SALM-HOOGSTRATEN gemeint – „ist sehr aufrichtig über Fragen des Hofes”, nichts anderes als die versteckte Andeutung dar, dass die Hofkreise der Liaison in abwertender Schärfe begegnet sind. Somit dürfte der Abschied des KAMMERHERRN, MAJORS UND ADJUDANTEN DES KRONPRINZEN DAGOBERT VON WIMPFFEN vom württembergischen Hof unvermeidlich gewesen sein. Darüber hinaus zog dieser es sogar vor, sich raschestens ganz aus dem Blickfeld desselben zu begeben, indem er in die königlich-bayrische Residenzstadt München und damit in das Herkunftsland seiner Frau sowie Wohnort sowohl seiner Tante mütterlicherseits von Severine als auch seiner älteren Schwester Katharina übersiedelte.

– 1863: Wieder finden sich in diesem Jahr zwei Tagebuch-Einträge: Zunächst unter dem 7. Januar 1863:
Schokolade bei H. Toll, A(melie). Wimpffen – Edith Fleischmann.” . Dann folgt unter dem 12. Mai 1863: „Übersiedlung in die Villa. – W. Spitzemberg ersetzt D. Wimpfen.”
Der vom württembergischen Hof geschiedene Dagobert von Wimpffen wurde demnach in seiner Funktion als Adjudant und Reisemarschall durch den Onkel der Eveline von Massenbach OBRISTKAMMERHERR, GENERALLEUTNANT UND GENERALADJUDANT VON KÖNIG WILHELM I. VON WÜRTTEMBERG FREIHERR WILHELM VON SPITZEMBERG (1825 – 1888) ersetzt, zu dem KRONPRINZ bzw. (ab 1864 nach dem Tod seines Vaters) KÖNIG KARL eine tiefe Freundschaft und langes intimes, sprich homophiles, Verhältnis pflegte. Dieses hinderte diesen anscheinend nicht und ergab sich vielleicht gerade wegen der anrüchigen Beziehung, gegen diesen auch Groll zu empfinden und diesen hofamtsmäßig (nur auf begrenzte Zeit natürlich) herabzustufen. Die angeführten Tagebuch-Einträge stellen verständlicherweise die Dagobert von Wimpffen geltenden letzten solchen dar. Im Blick darauf, dass sich dessen Name und Titel im Stuttgarter Einwohnerverzeichnis des o. g. Jahres (S. 73) immer noch, wenngleich letztmalig, findet, ist anzunehmen, dass dieser erst im Laufe des Jahres 1863 weggezogen ist. Im Vergleich zu 1860 (siehe Abb. 76) zeigen sich von den niedrigen Chargen des Hofes dort sechs verschwunden. Dafür finden sich im Parterre jetzt außer der Kanzlei des kronprinzlichen Hofmarschallamtes und der Ökonomieverwaltung noch die Russische Kapelle verzeichnet, die für die dem russisch-orthodoxen Glauben angehörige Kronprinzessin Olga sowie für eine Reihe von in Stuttgart wohnenden niederen bis hohen russischen Funktionsträgern des Hofes elementar wichtig gewesen ist:

Königsstraße 32, herrschaftliches Gebäude: Palais Sr. K. Hoh. des Kronprinzen:
Canzlei des kronprinzlichen Hofmarschall-Amtes p. (gemeint: parterre)
Oeconomieverwaltung p.
v. Wimpffen, Dagobert, Major und Adjutant des Kronprinzen p.
Russische Kapelle p.
v. Kahlden, Cäcilie, Fräul. 2. (gemeint: 2. Stock)
v. Maßenbach, Evel., Fräul. 2.
v. Rokoff, Kammerfrau 2.
v. Köstlin, Kammerfrau 2.
v. Lingen, Kammerfrau 2.
Opitz, Weißzeugverwalterin
Springer, Näherin
Scharpf, G. A., Portier p.

Da Wilhelm von Wimpffen in seinem militärischen Amt als Rittmeister und Kommandant der Feldjägerschwadron schon im Laufe des Vorjahres durch FREIHERR JOSEPH VON ELLRICHSHAUSEN ZU ASSUMSTADT (1832 – 1906) abgelöst worden war, findet sich dieser im Einwohner-Verzeichnis (S. 79 und S. 133) jetzt wie folgt verzeichnet: Kepplerstraße 24 (also nicht mehr Neckarstraße 34a wohnend); „v. Wimpffen, Wilh., Frhr., Rittmeister bei d. K. Leibgarde.” Demnach ist dieser in sein frühere Einheit zurückbeordert worden; doch dürfte er, da jetzt die frühere weitere Bezeichnung „und Commandant” fehlt, dort wahrscheinlich nicht mehr in die ehemalige Leitungs-Funktion eingerückt sein. Am 26. 07. 1863 kommt in Stuttgart dessen zweites und letztes Kind, der Sohn MAX(IMILIAN) PAUL, auf die Welt, über dessen Leben wie auch über das der Tochter SOPHIE und (ganz besonders) deren ältesten Sohnes ROBERT bzw. ROMAN in den Kapiteln W. Wilhelm von Wimpffen und X. Robert alias Roman noch eingehend zu berichten sein wird.

– 1864: Jetzt nach dem Wegzug Dagoberts erscheint im Einwohnerverzeichnis (S. 87) nun nur noch sein Bruder – und weiter in Kepplerstraße 24 wohnend – zusammen mit den Mitbewohnern so: „v. Wimpffen, Wilhelm, Freiherr, Rittmeister a. D. p.; Ford, Fr. Cl., engl. Gesandtschafts-Secretär, p. u. 1; Spingler, A., Traiteurs We., 3; Watkin, J. S., engl. Oberst, 2”. WILHELM VON WIMPFFEN ist demnach jetzt in den Ruhestand getreten, was insofern wundernimmt, als dieser erst 44 Jahre alt ist. Da dieser im Einwohner-Verzeichnis von Stuttgart des nachfolgenden Jahres 1865 sowie in den dortigen Verzeichnissen der zweiten Hälfte der 1860er sowie der ersten Hälfte der 1870er Jahre ebenfalls nicht mehr auffindbar ist, erscheint es sicher, dass dieser nach seiner Pensionierung mit seiner Frau und seinen noch im Kleinkindalter stehenden beiden Kindern ebenfalls aus Stuttgart weggezogen ist. Es ist zu vermuten, dass der Wegzug mit dem unrühmlichen Abgang des Bruders Dagobert in der Weise in Zusammenhang steht, dass die durch die Mesalliance desselben erfolgte Rufschädigung mehr oder minder sich auch auf Wilhelm und seine Familie übertragen hat. Möglicherweise hängt dessen Abgang auch damit zusammen, dass im Sommer 1864 KÖNIG WILHELM gestorben und der bisherige KRONPRINZ KARL an seine Stelle getreten war, der im Zuge seiner anderen politischen Einstellung nicht nur maßgebliche politische Kader austauschte, sondern auch manche Veränderungen personeller Art im Bereich der Hofchargen vornahm. Zunächst blieb es mir offen, wohin Wilhelm von Wimpffen mit Familie gezogen ist und wo diese im Zeitraum von ca. 1864/65 bis ca. 1875, da diese, wie bereits gesagt, Wimpfen am Berg als ihren künftigen Wohnort ins Auge gefasst hatte, gewohnt hat. Was Dr. Hans H. von Wimpffen mir als seine sichere Vermutung mitgeteilt hatte, nämlich dass Wilhelm von Wimpffen mit Frau und Kindern ebenfalls nach München, dem Wohnort sowohl seiner älteren Schwester Katharina als nunmehr auch seines Bruders Dagobert mit Frau und den bald hintereinander geborenen beiden Kindern gezogen sei, hat sich im Sommer 2015 durch Folgendes bestätigt: Unter den mir damals von meinem Jahrgangskameraden Otto Maisenhälder übergebenen, die Geschwister Katharina, Wilhelm, Dagobert und Pauline von Wimpffen betreffenden, Kopien von rund einem Dutzend Briefen und Urkundentexten befand sich eine auf den Nachlass der damals verstorben gewesenen Erstgenannten beziehende Verfügung des Landgerichts Wimpfen (Landrichter Ceßner) vom 24. 02. 1875 sowie ein am 10. März 1875 vom Königlichen Stadtgericht München (Stadtrichter Barth) ausgestelltes Erbschaftszeugnis, aus denen übereinstimmend hervorgeht, dass damals nicht nur Dagobert, sondern auch sein Bruder Wilhelm zu München wohnhaft gewesen ist. Denn in der erstgenannten Verfügung heißt es u. a.:
„Die Intestaterben derselben (gemeint: der Katharina von Wimpffen) sind 1. Freiherr Wilhelm von Wimpffen, 2. Freiherr Dagobert von Wimpffen, 3. Gräfin Pauline von Wimpffen, sämtlich Geschwister der Verstorbenen, gewöhnlich zu München wohnend”. I
m zweitgenannten in München ausgestellten Erbschaftszeugnis steht u. a.: „Wilhelm Freiherr von Wimpffen, kgl. württ. Kammerherr dahier, 2. Dagobert Freiherr von Wimpffen, kgl. württemb. Kammerherr dahier”.
Somit dürfte die vorgenannte Annahme von Dr. Hans H. von Wimpffen bestätigt sein.
Aus der vorbeschriebenen Ehe des Bruders Dagobert von Wimpffen geht im vorgenannten Jahr 1864 das erste Kind hervor, nämlich KATHARINA FRIEDERIKA, geb. am 05. 06. 1864 in Starnberg, gest. bereits am 14. 02. 1895 in München.

– 1865: Es folgt als zweites Kind ein Junge: WILHELM FRIEDRICH, geb. am 26. 04. 1865 ebenfalls in Starnberg, gest. am 23. 10. 1911 ebenfalls in München. Wie schon gesagt, ist Wilhelm von Wimpffen ab jetzt in den Einwohnerverzeichnissen Stuttgarts nicht mehr aufzufinden.

– 1866: In dem Ende 1866 aufgegebenen Tagebuch der Eveline von Massenbach ist AMALIE VON WIMPFFEN unter dem 29. Oktober letztmalig – und zwar wieder höchst positiv sowie zusammen ihrem Gatten WILHELM VON WIMPFFEN, folgendermaßen erwähnt:
A. Wimpffen kommt mit Mann und Kind.- Ich finde sie so behaglich.”
Da die Familie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Stuttgart wohnt, muss man sich dem Kurzsatz entweder „gefahren” oder „angereist” hinzugefügt denken. Es ist wohl anzunehmen, dass von den beiden Kindern die damals knapp 5 ½ Jahre ältere Sophie und nicht der erst knapp 3 ½ Jahre alte Max(imilian) bei diesem Besuch nach Stuttgart mitgenommen worden ist.

– 1869: Dem in diesem Jahr geborenen dritten und letzten Kind des Dagobert und der Luise von Wimpffen namens PAULA SOPHIA, geb. am 08. 09. 1869, und zwar nicht wie die beiden Geschwister in Starnberg, sondern angeblich (unerklärbarerweise) in Ludwigsburg, ist nur ein kurzes Leben beschieden.

– 1870: Denn es stirbt bereits im Alter von nur 9 Monaten am 11. 06. 1870 in München.

Wie WILHELM VON WIMPFFEN mit Familie zur Mitte der 1870er Jahre dem namengebenden Ort seines Geschlechtes Wimpfen am Neckar die Ehre antut, nach dorthin zu ziehen und dort seinen Lebensabend zu verbringen und was sich denn dort in den wenigen Jahren bis seinem frühen Tod und wenig danach bezüglich des Lebens seiner Angehörigen ereignet, wird ausführlichst im Kapitel W. Wilhelm von Wimpffen zu schildern sein.