P. Zweiggründer Franz Ludwig

Wie der Fünftälteste der sieben überlebten Söhne des Johann Georg namens FRANÇOIS LOUIS DE WIMPFFEN bzw. FRANZ LUDWIG VON WIMPFFEN (1732 – 1800) der Generation 11, der von seiner Kindheit bis zu seinem Tod in wechselnden französischen und deutschen Herrscherdiensten, Regionen und Positionen im Militär- und Kriegsdienst u. a. als langjähriger Kriegsratspräsident in Württemberg unter Herzog Karl Eugen bis zuletzt als französischer General und Präsident des Revisionsgerichts in Mainz unter Napoleon steht, über seine sechs Söhne, von denen fünf sich dem Waffendienst zuwenden, zum Begründer des in vier Staaten Europas (Frankreich, Österreich-Ungarn, Russland, Deutschland) und innerhalb des letztgenannten in zahlreiche Länder weitzerstreuten sog. Franzens-Zweiges der Von Wimpffen wird.

Nach diesem vorausschauenden Exkurs heißt es, wieder zur schrittweisen Darstellung der Generationen zurückzukehren und aus der weitgespannten Generation Nr. XIII bzw. 11 sich dem bereits schon mehrfach herausgestellten fünftältesten Sohn des vorbehandelten JOHANN GEORG VON WIMPFFEN (1689 – 1767) und Gattin ANTOINETTE DOROTHEA MAZILLE DE FOUQUEROLLE (deren Geburts- und Todesdaten nicht bekannt) namens BARON FRANÇOIS LOUIS DE bzw. FREIHERR FRANZ LUWIG VON WIMPFFEN zuzuwenden. Bezüglich dessen und seiner Gattin Grunddaten liegen die folgenden klaren Aussagen vor:
– FRANÇOIS DE WIMPFFEN (wie Aubert Des Bois ihn nennt) bzw. LOUIS-FRANÇOIS DE WIMPFFEN-BORNEBOURG (nach Barbier) ist geb. am 02. 04. 1732 im „Schlosse der sieben Thürme” Minfelden, gelegen im Herrschaftsbereich der Pfalzgrafschaft Pfalz-Zweibrücken, gestorben am 24. 05. 1800 in Mainz; Gattin:
– MARIE KUNIGUNDE VON GOY, geb. am 31. 07. 1743 (bei Wurzbach: am 1. August 1844), gest. in Frankfurt a. M. am 24. 01. 1820; Heirat in Jesberg am 17. 09. 1759; Tochter des CHRISTIAN FRIEDRICH GOY, Hessen-Darmstädtischer Hofrat und der MARIA MARGARETHA GEB. HEISTER.

Das Leben des Vorgenannten soll nunmehr ganz speziell in ausführlicher Weise dargestellt werden. Dies geschieht nicht allein im Blick auf seinen Status des Großvaters des angezielten sog. Sedangenerals EMMANUEL FÉLIX DE WIMPFFEN (1811 – 1884) sowie gleichzeitig Großvaters des in dieser Untersuchung herausragend wichtig erscheinenden Freiherren WILHELM VON WIMPFFEN (1820 – 1879), sondern auch, weil dieser, wie bereits berichtet, der Begründer des Franzens-Zweiges gewesen ist, der wohl, weil besonders umfänglich, als der bedeutendste unter den Zweigen derer Von Wimpffen gelten kann. Hierbei können wir vor allem aus der schon mehrfach zitierten Autobiografie des Zweiggründers FRANÇOIS LOUIS bzw. FRANZ LUDWIG selbst schöpfen, die 8 + 215 = 223 Seiten umfasst und eine höchst aufschlussreiche Quelle seines Lebensganges bis hin in die Zeit vor dem Beginn der Französischen Revolution des Jahres 1789 darstellt. Siehe dazu die

  • Abb. P 1: Die Titelseite der Autobiografie des François Louis de Wimpffen „MÉMOIRES DU GÉNÉRAL BARON DE WIMPFFEN, ÉCRITS PAR LUI MÊME. TOME PREMIER, contenant sa vie privée et militaire … ”, erschienen 1788 in Paris.

Von der am Titelende zu findenden Bezeichnung „Tome premier” (Erster Teil) her ist auf einen nachgefolgten auf die letzten beiden Lebensjahrzehnte gerichteten „Tome deuxième” (Zweiter Teil) zu schließen, der aber offenbar nicht mehr zustande gekommen ist.

Der Autor stellt sein Werk, wie die unter den Titel desselben zwischen ein Strichpaar gesetzten zwei Reimzeilen zeigen, unter eine Sentenz des großen französischen Dramatikers JEAN RACINE (1639 – 1699) aus dessen Tragödie„Phèdre” (Phädra) gestellt ist und wie folgt lautet:

„Eh ! ne devroit-on pas des signes certains
ReconnoÎtre le coeur des perfides humains!”
Frei und nachreimend übersetzt:
„Ach, muss man nicht gewisse Zeichen nennen,
Das Herz der falschen Menschen zu erkennen!”

Was der Dichter dort den König von Athen Theseus zu seinem Sohn Hippolyte, nachdem dieser von seiner Stiefmutter Phädra, da er deren Liebe zu ihm nicht erwidert, verleumdet worden ist, grundlos bemisstrauend sagen lässt, findet sich auch schon im für Jean Racine Vorbild gewesenen Drama des Euripides (431 n. Chr.) „Medea” geschrieben. Das was der Autor François Louis de Wimpffen seinen Lesern damit sagen will, wird erst am Schluss dieses Kapitels (siehe dort) im Zusammenhang mit in der Zeit kurz vor dem Erscheinen dieser Selbstbiografie gegen ihren Verfasser von den Zeitungen Frankreichs ausgesprochenen Beschuldigungen des Gedankendiebstahls bei der Schaffung seiner 1787 veröffentlichten Reformschrift „Réfonte de L’économie de l’armée française … ” durchschaubar werden.

Aus dieser Selbstbiografie lässt sich die obige Feststellung, dass er im „Schlosse der sieben Thürme” Minfeld(en) geboren sei, aus der folgenden Passage der „Section première” belegen:

„Je suis né en 1732, dans un château appartenant á la Maison palatine, situé á deux lieues de la petite ville de Bergzabern, au duché des Deux-Ponts.”
(= „Ich bin 1732 in einem dem Herrschaftshause Pfalz gehörenden und zehn Meilen entfernt von der Stadt Bergzabern im Herzogtum Zweibrücken gelegenen Schlosse geboren.”)

Danach befasst er sich dort zunächst interessanterweise mit der Herkunft seines Geschlechts und will u. a. wissen, dass dieses bereits zu Anfang des 10. Jahrhunderts

„les villes, aujourd’hui libres et impériales, de Wimpffen, sur le Necker”
(„die Städte, heute Freie Reichsstädte, Wimpfen am Neckar”)

besessen habe.

Wir werden auf seine diesbezüglichen (der historischen Wahrheit baren!) Thesen und darauf, dass diese unverständlicherweise sogar noch von namhaften Genealogen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts übernommen worden sind, noch mehrfach ausführlich und kritisch, ganz besonders im Schlusskapitel Z. Rück- und Weiterschau, zurückkommen.

Die Beschreibung dessen militärischer Laufbahn beginnt sowohl laut Brockhaus- als auch laut Meyers Konversations-Lexikon und genau so bei Dr. Hans H. von Wimpffen mit der Feststellung, dass dieser am Österreichischen Erbfolgekrieg (1740/41 – 1748) – und zwar laut dem Vorgenannten am Rhein und in den Niederlanden – teilgenommen habe. Im Blick darauf, dass Franz Ludwig beim Ausbruch dieses nur wenige Staaten Europas verschonenden langen Krieges erst 8 Jahre und an dessen Ende nicht mehr als 16 Jahre alt gewesen ist, möchte man annehmen, dass diese Angabe falsch ist. Doch gefehlt! Denn im ersten Abschnitt seiner Selbstbiografie steht (aus heutiger Sicht erschreckenderweise) unter v. a. noch Folgendes, hier in Übersetzung, zu lesen:

„Kaum konnten wir deutsch schreiben und lesen … als wir in die Armee gegeben wurden, die einen im Alter von 10 und 11, die anderen von 12 und 15 Jahren, inmitten des Krieges, der sich alsdann in Bayern abspielte und uns alle Kraft abverlangte.”

Zweifelsfrei hebt der Schreiber mit dem Hinweis der sich in Bayern abspielenden mittleren Kriegsphase auf die Jahre 1743/44 ab, wo zunächst eine französische Armee vom Elsass her der Armee der Bayern gegen die vom Main her anrückenden britisch-hannoversche Armee zu Hilfe eilte, aber nach den verlorenen Schlachten bei Dettingen an der Iller und Simbach am Inn beider Rückzug hinter den Rhein in Winterquartiere und im Folgejahr ein Gegenstoß mit dem Erfolg der Rückeroberung der vorderösterreichischen Lande um den Breisgau sowie Bayerns erfolgte. Spätestens an der zweitgenannten Phase dieses schlimmen Krieges des Jahres 1744 müssen zumindest drei oder gar vier der Wimpffen-Söhne, darunter der damals 12-jährige Franz-Ludwig, als mehr oder minder Kinder-Soldaten, wie man heute sagen würde, teilgenommen haben. Dies geht aus der folgenden von diesem in seiner Biografie breit erzählten damaligen Begebenheit hervor, die hier natürlich nur gestreift werden kann:
Ein Soldat des Régiment d’Alsace berichtete damals am Tag der Wiederüberschreitung des Rheins durch die französische Armee (wie es sich später herausstellte, fälschlicher- oder irrtümlicherweise) seiner Mutter (Dorothée de Wimpffen), dass dabei ihre drei Söhne umgekommen seien, der eine sei getötet worden, die zwei anderen seien ertrunken.
Die Teilnahme Franz Ludwigs und zweier oder gar dreier seiner Brüder in den französischen „deutschen” Regimentern D’Alsace und De la Marck und auch in den restlichen Jahren 1745 – 1748 des vorgenannten Krieges – und dies in der Tat nach derjenigen geschilderten am Rhein, u. a. jetzt auch in den Niederlanden – ist dadurch belegt, dass Franz Ludwig schließlich die Kampf- und Schlachten-Orte aufführt, wo er und seine Brüder im Weitergang dieses Krieges, wie er zum Schluss sagt, tagtäglich neuen Gefahren aussetzt gewesen sind, nämlich von:

– der Schlacht bei Pfaffenhof(f)en in Bayern (1745),
– der Schlacht bei Roucoux (Roucourt ) bei Lüttich (Oktober 1746),
– der Schlacht bei Lawfeld (Lauffeldt) in Flandern (Anfang Juli 1747),
– der Belagerung von Maëstricht (Maastricht) in den Niederlanden (Frühjahr 1748).

Leider reißt hier, d. h. am Ende des ersten Abschnitts der Biografie, der Erzählfaden ab und beginnt „Section II” erst 8 Jahre später im Jahr 1756 damit, dass er jetzt das deutsche Régiment d’Alsace (nicht das deutsch-pfälzische Régiment Royal Deux Ponts, wo er, wie Andere meinen, seine Offiziersausbildung absolviert haben soll), als „capitaine en second” = Sekondehauptmann im Alter von 24 Jahren verlässt, um das Kommando einer Grenadierkompanie des Regiments der Infanterie Royal Deux Ponts zu übernehmen. Dieses wird im Blick auf den damals beginnenden Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) durch den namengebenden Herzog von Zweibrücken in seinen Landen für den Dienst für das die Oberherrschaft führende Frankreich aufgestellt. Er nimmt in diesem von Österreich im Bündnis mit den meisten Staaten Europas gegen das mit Großbritannien und auch Portugal verbündete Preußen vergeblich insbesondere um die Wiedergewinnung Schlesiens sowie auch um Kolonialgebiete geführten Krieg an Feldzügen der Jahre 1757 – 1760 teil. Voll Stolz berichtet er diesbezüglich in seiner Biografie weiter, dass er, gewöhnt durch die harte und entbehrungsreiche Kindheit, fast immer an der Spitze seiner zu drei Vierteln aus einst unter den Fürsten jedweder Staaten Europas gedienten Männern, teilweise einstigen Deserteuren, bestandenen Kompanie marschiert sei und niemals andere Nahrung an Brot und frischen oder getrockneten Früchten als im Beisein seiner Soldaten zu sich genommen habe. Seine Pferde hätten meist die weniger jungen und weniger kräftigen Grenadiere besteigen dürfen. Auf diese Weise habe er auf seine Leute „pour la vie et la mort” (= auf Leben und Tod”) zählen können. In großer Breite schildert er sein Handeln und Erleben in der von Frankreich gegen Preußen verlorenen Schlacht bei Roßbach in Sachsen (November 1757) sowie im Gefecht bei Sandershausen bei Kassel (Juli 1758), in das er bereits als Regimentsmajor eingetreten ist und in dem sein linkes Auge durch einen Schuss zertrümmert wird. Der auf Lebenszeit durch seine Verwundungen am Kopf Entstellte erhält den von König Ludwig XIV. zur Belohnung der verdienstvollsten Offiziere 1693 gestifteten Orden des Heiligen Ludwig (Ludwigskreuz) ersten (= untersten) Grades verliehen, womit der klingende Titel „Chevalier de l’Ordre royale et militaire de Saint Louis” verbunden ist. Im in Frankfurt am Main 1758/59 verbrachten Winterquartier des Regiments ist er bei MARIA MARGARETHA GOY GEB. HEISTER (1722 – 1793) untergebracht, der Witwe des am 20. 12. 1692 in Marburg geborenen und am 24. 10. 1748 in Frankfurt a. M. verstorbenen hessen-darmstädtischen HOFRATES UND GESANDTEN BEIM OBERRHEINISCHEN KREISKONVENT ZU FRANKFURT AM MAIN DR. JUR. CHRISTIAN FRIEDRICH GOY. Dieser soll laut der vorgenannten Selbstbiografie Sohn eines französischen Réfugié (hugenottischen Glaubensflüchtlings) des als solcher am französischen Hof bekannten Namens DE GOY oder GOUX gewesen sein. Dort kann er seine Wunde ausheilen. Als am Morgen des 13. April 1759 der Befehl zum Aufbruch eintrifft, verspricht die einzige erst 16 Jahre zählende Tochter seiner Gastgeberin namens MARIA KUNIGUNDE VON GOY, geb. am 31. 07. 1743 in Frankfurt a. M. und auch dort gest. am 24. 01. 1820, dem scheidenden 26 Jahre alten Gast FRANÇOIS LOUIS DE WIMPFFEN ihre Hand.

Und diese löst ihr Versprechen fünf Monate später auch ein; denn am 17. September 1759 heiraten die beiden im Feldlager von Jesberg (Nordhessen) „im Beisein des Regimentsgeistlichen und von 60.000 Franzosen als Trauzeugen”. „Cette femme”, so schließt der Genannte stolz seinen diesbezüglichen Bericht, „est la mère de mes douze enfants, parmi lesquels se trouvent six fils dont cinq sont destinés pour le metier des armes.” (= „Diese Frau ist die Mutter meiner zwölf Kinder, unter denen sich sechs Söhne befinden, von denen fünf für das Waffenhandwerk bestimmt sind.”) Nach Kämpfen der Jahre 1759 und 1760 insbesondere bei Bergen (Landgrafschaft Hessen-Kassel), Frankenberg (Eder) und dem erfolgreichen Gefecht bei Korbach (am Südrand vom Sauerland) ist dieser Feldzugabschnitt beendet. Das erste Kind, das ihnen geboren wird, ist der am 12. Oktober 1760 zu Frankfurt am Main zur Welt gekommene und nach seinem Großvater väterlicherseits JOHANN GEORG benannte Sohn GEORG (siehe über diesen in Kapitel Q. Russisch-preußische Seitenlinie).

Die nachstehend gezeigte

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  • Abb. P 2: Die hier zusammengefassten Seiten 45 und 46 der „Mémoires du Général Baron de Wimpffen …” des Jahres 1788

gibt eine Textstelle von Franz Ludwigs Selbstbiografie wieder, welche die folgenden Lebensereignisse anspricht:

– die Entstellung seines Gesichts durch eine Verwundung,
– das Eheversprechen,
– das Ereignis der Heirat im Kreise der Truppe,
– die von seiner Frau geborenen zwölf Kinder, wovon fünf für den Waffendienst ausersehen worden sind.

Jetzt versucht François-Louis de Wimpffen, die im Hinblick auf seine streng protestantische Gattin im Ehevertrag enthaltene Auflage zu erfüllen, sich in einem protestantischen Gebiet des französischen Königreiches niederzulassen. Somit ersucht er seinen König um die Erlaubnis, künftig in jenen württembergischen Truppenteilen dienen zu dürfen, die als französische Hilfstruppen im Fortgang des Siebenjährigen Krieges eingesetzt sind. Dieses hat Erfolg und auch „seine durchlauchtigste Hoheit” (gemeint: Herzog Carl Eugen von Württemberg) pflichtet seinem Plan bei, das Kommando von 6.000 Mann württembergischer Infanterie übernehmen zu dürfen, die dieser der Krone Frankreichs gestellt hat. Als dieser Plan aber durch den Ablauf des Subsidienvertrages sich als hinfällig erweist, wird Wimpffen nach Spanien geschickt, um dort jene Hilfstruppen unterzubringen, die der württembergische Herzog dem spanischen König (Karl III. aus dem Hause Bourbon) für den Kampf gegen das im Siebenjährigen Krieg auf der Seite Großbritanniens und Preußens stehende Portugal zur Verfügung zu stellen gedenkt. Doch zerschlägt ein unerwarteter Waffenstillstand auch diesen Plan. Im Gefolge der Empfehlungen des herzoglich-württembergischen Kriegsministers hat er jetzt dafür die Ehre, am spanischen Hof den König begleiten zu dürfen. Unverrichteter Dinge nach Stuttgart im Jahr 1763, d. h. um die Zeit des endgültigen Friedensschlusses und der Verlegung der Residenz von Stuttgart nach Ludwigsburg sowie des Baubeginns von Schloss Solitude, zurückgekehrt, beginnt für ihn ein langer Zeitabschnitt, während dem er als württembergischer Kammerherr eingebunden ist „in den Strudel der unaufhörlichen Vergnügungen und Feste des herzoglichen Hofes”. Fast neun Seiten seiner Lebensbeschreibung sind gefüllt mit der Lobpreisung der großen Qualitäten des Herrschers (KARL EUGEN, Herzog von 1744 – 1793), dessen Hofes mit seinen Festen und Lustbarkeiten aller Art, vergnüglichen Reisen sowie der Einmaligkeit, Vielfalt und Elite des Theaters, der Oper, der Orchester und des Balletts in Europa, der Jagden und der Pferdezucht etc., dazu der dem Herzog zu Diensten stehenden Truppe von 15.000 Mann sowie der Schar von 200 Kavalieren und bis zu 20 Fürsten und Reichsgrafen (bei nur wenig mehr als 600.000 Menschen im Land!), der auch er angehört. Zwar stellt die Schilderung dieses Hofglanzes ein Zeitzeugnis aus dem Zenit des württembergischen Absolutismus’ unter Herzog Carl Eugen dar; doch übergeht der zum Höfling und Günstling gewordene Militär de Wimpffen die schlimmen Schattenseiten, die da sind: Verschwendung und Zerfall der Moral, Ämterkauf, Ausbeutung und Unterdrückung der Menschen sowie, was das eigentliche Ressort des Schreibers betrifft, gewaltsame Aushebung zum Militär und Verkauf von Soldaten an fremde Länder und vieles andere mehr. 1770 wird er vom Herrscher zum Generalmajor erhoben und wenig später begibt er sich in dieser Funktion an die Höfe von Dresden, Wien und München. Aubert Des Bois erwähnt diesen in seiner im Zeitraum dieser Tätigkeit entstandenen Von-Wimpffen-Genealogie folgendermaßen: „actuellement Général-Major & Chambellan au service du Duc de Wirtemberg” („gegenwärtig Generalmajor und Kammerherr im Dienste des Herzogs von Württemberg”). In den nunmehr vergangenen etwas mehr als ein Dutzend Jahren seiner Tätigkeit in Württemberg von ca. 1763 – 1776 sind zu dem schon genannten ältesten noch am 12. Oktober 1760 in Frankfurt geborenen ersten Sohn GEORG (SIGISMUND HERMANN) ein zweiter Sohn und dann fünf Töchter gekommen, die alle in den württembergischen Residenzen Ludwigsburg bzw. Stuttgart zur Welt gekommen sind. Siehe dazu die

  • Abb. P 3: Die korrigierte und erweiterte II. Stammtafel des Constantin von Wurzbach, wo diese Kinder, aufgereiht nach dem Alter, alle in der die gesamte Blattbreite füllenden Generationsreihe XIVc bzw. 12c erscheinen. 

Diese sind: zuerst der Zweitälteste FRANZ, der in Verbeugung vor dem württembergischen Herzog die Beinamen KARL EUGEN erhält, geb. am 21. 02. 1762 in Ludwigsburg oder Stuttgart; dann die Töchter (MARIE DOROTHÉE) LUISE (geb. am 01. oder 02. 08. 1764 in Stuttgart), HENRIETTE (geb. am 24. 04. 1866 in Ludwigsburg), JOSEPHINE (geb. am 24. 01. 1769 oder 1770 in Ludwigsburg), ADELHEID (KUNIGUNDE DOROTHÉE), geb. am 05. 11. 1772 in Stuttgart, AMALIE (geb. am 08. 10. 1774 in Stuttgart); schließlich kommt noch der dritte Sohn FRANZ KARL EDUARD hinzu, der am 02. 01. 1776 ebenfalls in Stuttgart geboren wird. Der Herzog erweist  seinem General de Wimpffen 1874 auch die besondere Gnade, den vorgenannten ältesten der beiden Söhne GEORG in die 1773 auf der Solitude durch Umbildung des dort 1770 gegründeten Militärwaisenhauses eingerichtete „Militärakademie”, die spätere 1781/82 in eine Universität umgestaltete hochgerühmte „Hohe Carlsschule”, geben zu dürfen. Zwar erwähnt seine Selbstbiografie nur die Aufnahme dieses Ältesten in dieselbe; doch findet sich in der Liste der Zöglinge der Voreinrichtung des Jahres 1771 neben dem Namen des Ältesten „Georg Sigismund Hermann von Wimpfen zu Frankfurt” auch der des Zweitältesten „Karl Franz Eugen von Wimpfen, der Jüngere von Ludwigsburg” angegeben. Im selben Jahr 1774 empfängt er auch noch die allergrößte Gnade für Angehörige des militärischen Dienstes in Württemberg, nämlich die Zuweisung eines mit seinem Namen benannten und aus zwei Bataillonen bestehenden 6. Infanterie-Regiments („Füsilier-Regiment Wimpffen”), außerdem die Leitung des sog. Kriegsdépartements (Kriegsministerium, Fachbereich Militär) – und dies alles bei doppeltem Gehalt in Höhe von 4.000 Gulden pro Jahr. Somit ist dieser damals laut dem von 1700 bis 1820 gehenden Stuttgarter Familienregister mit „K. Kammerherr, Kriegsratspräsident” tituliert. Als solcher legt er dem Herzog einen Plan vor, welcher der von den Landständen im sog. Erbvergleich des Jahres 1770 u. a. geforderten Beschränkung des Militärs auf das Notwendigste sowie der Verminderung der hohen Ausgaben für dasselbe Rechnung tragen, andererseits jedoch eine neu struktuierte Truppenmacht ermöglichen soll, die im Bedarfsfalle leicht auf eine doppelte Stärke von 20.000 Mann gebracht werden kann. Zwar wird dieser Plan vom Herzog zunächst gebilligt, doch ändert dieser seinen Sinn und befiehlt Wimpffen, einen anderen Plan zu entwerfen, der ihn, da seine Vorliebe für den Soldatenstand sonstigen Liebhabereien Platz gemacht hat, in den Stand setzen soll, auf Kosten des Militärhaushaltes für jene größere Summen aufzuwenden. Auch dieser Plan kommt nicht zur Ausführung. Schließlich wird am 1. Dezember 1775 das Füsilier-Regiment Von Wimpffen auf die bestehenden Regimenter aufgeteilt und im Herbst 1776 ein weiterer vom Herzog selbst erarbeiteter Plan ins Werk gesetzt, durch den u. a. sogar Wimpffens eigenes Regiment wie auch die Regimenter der beiden Prinzen Friedrich und Ludwig ganz aufgelöst werden. Als Wimpffen diesen herzoglichen Plan nicht billigt, teilt ihm der Herzog mit, er habe bei seiner letzten Verbindung mit ihm erkannt, dass er es als eine Gnade empfinde, nicht mehr mit der Führung des Militärdépartements belastet zu sein und er ihn deshalb davon befreie, dagegen seine Stellung und Besoldung als General erhalten bleibe. Zuletzt sieht sich Wimpffen, der durch seinen rasanten Aufstieg in Württemberg manche Neider geweckt und durch sein unnachgiebiges Eintreten für die Erhaltung einer stattlichen schlagkräftigen Armee sich viele Feinde (sicherlich nicht zuletzt auch in den Reihen der in Finanzdingen mitsprechenden und eminent dem Prassen des Herzogs widerstrebenden Landstände sowie der sog. württembergischen Ehrbarkeit) geschaffen hat, wie er schreibt, „abscheulicher Intrige und Fallenstellerei in vielerlei Formen” ausgesetzt und genötigt, die Entbindung auch von seinem Amt des Generals bei Erhaltung der Bezüge nach seinem Abgang für ein Jahr zu bewirken.

Er bringt seine große Familie zunächst in Frankfurt am Main unter, wo ja die Schwiegermutter lebt, und geht jetzt auf Reisen von Hof zu Hof, um anderswo sein Glück zu suchen und dabei vor allem seine heeresorganisatorischen Fähigkeiten zu verwerten. Zunächst wird ihm ausgangs 1776 vom spanischen Botschafter das Amt eines Feldmarschalls angeboten und er schlägt vor, „nach Amerika zu gehen und dort 200 Offiziere und 400 Unteroffiziere anzuführen” oder „in Spanien ein seinen Namen führendes Regiment zu bilden und zu rekrutieren” oder „in Deutschland zu bleiben, beauftragt dort Rekruten anzuwerben”. Demnach hat er keinerlei Skrupel, dass er sich zum Handlanger solcher Herrscher machen will, die Landeskinder insbesondere zur Finanzierung ihres Prunklebens und der Bewältigung ihres Schuldenwesens willen an fremde Länder als Kanonenfutter zu verkaufen. Dass solche Beauftragung nicht zustande kommt, ist nicht zuletzt auf die von seiner streng protestantischen Gattin im Blick auf die fünf Töchter desselben Glaubens einerseits und das streng katholische Spanien andererseits geltend gemachten Bedenken zurückzuführen. Anschließend findet er nach Besuchen in Prag sowie in Wien, wo ihm im April 1780 sogar die vor dem Ende des Lebens stehende Kaiserin (MARIA THERESIA) eine Audienz gewährt, weder in Österreich noch später in Bayern bzw. der Bayrischen Pfalz ein Unterkommen. Glücklicherweise lernt ihn während seines halbjährigen Aufenthaltes in Wien der in herausragender Staatsstellung befindliche REICHSGRAF JOHANN DE FRIÈS (1719 – 1785) kennen und schätzen.
Dieser bietet ihm die Zeugenschaft bei der Schenkung von einer halben Million Gulden an seinen ältesten Sohn 20.000 Gulden als eine Art Lohn der Mitwirkung bei diesem Rechtsakt an, deren Annahme de Wimpffen als „indiable pour le soutien physique de ma nombreuse famille” („unerlässlich für die materielle Stützung meiner zahlreichen Familie”) betrachtet und somit nicht verweigert. Zwar versetzten ihn seine sonstigen Misserfolge in tiefe Verzweiflung. Damit hat er jedoch die Mittel, die im Norden von Frankfurt am Main gelegene ehemalige Bornburg, seit dem späteren Kauf im Jahr 1690 durch Johann Jakob Günther auch die „Günthersburg” genannt, als Land- und Wohnsitz seiner Familie zu erwerben und somit als Burgenbesitzer stärkere Geltung im Sinne des dem Wimpffen-Geschlecht fehlenden Ranges des eingesessenen Land- und Besitzadels gewinnen zu können. François Louis de Wimpffen nennt diese an einer Stelle seiner Biografie mit Stolz überhöhend „mon château près de Francfort sur le Mein” („mein Schloss bei Frankfurt am Main”)sonst spricht er aber bescheidener von seinem „maison de campagne” („Landhaus”) bzw. noch einfacher von „ma campagne” („mein Landsitz” oder „Landbesitz”). Die Erwerbung und der Bezug dieser maroden und durch allerlei Hände gegangenen alten Burganlage ist wohl der Grund, dass er in späteren Urkunden manchmal unter dem Namen FRANÇOIS-LOUIS DE WIMPFEN-BORNEBOURG erscheint und in Lexikon-Werken des beginnenden 19. Jahrhunderts unter diesem Namen geführt ist. Und dass dieser in Meyers Großem Konversations-Lexikon von 1888/90 sowie 1909 als FRANZ LUDWIG HEROLD VON WIMPFFEN, FREIHERR VON WIMPFFEN-BERNEBURG erscheint und auch dessen jüngerer Bruder FELIX (geb. 1744) und sein Neffe MAX(IMILIAN) (geb. 1770) sowie Sohn FRANZ KARL EDUARD (geb. 1776) mit dieser falschen Namenserweiterung erscheinen, dürfte wohl auf eine irrtümliche Übertragung aus dem Mädchennamen der ersten Gattin des vorgenannten Sohnes namens VICTORINE PRINZESSIN VON ANHALT-BERNBURG-SCHAUMBURG zurückgehen.

Auf der Bornburg bzw. Günthersburg kommen sein 9., 10. und 11. Kind auf die Welt, nämlich: der vierte Sohn FÉLIX, der spätere Vater des abschätzig nach der verlorenen Schlacht bei Sedan des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 mit „Sedangeneral” betitelten EMMANUEL FÉLIX DE WIMPFFEN, geb. am 02. 11. 1778 auf der Bornburg, wie es heißt, dessen Lebensgang sich ausführlichst in Kapitel V. Sedangeneral dargestellt findet; dann die sechste und letzte Tochter SOPHIE, geb. am 15. 01. 1781 auf der Bornburg, wie auch hier gesagt ist; schließlich der fünfte Sohn DAGOBERT SIGISMUND, geb. am 07. 02. 1782 auf „Schloß Günthersburg”, wie dieses jetzt benamt ist.

Zunächst denkt er an nichts anderes, als „nach all diesen Katastrophen” sich an einem einsamen Ort in den Wäldern und Bergen Hessens zurückzuziehen, um hier unerkannt zu leben und in Frieden zu sterben.

Da gelingt es ihm im April des Jahres 1782, seine knapp 18 Jahre alte älteste Tochter (MARIE DOROTHEE) LUISE (1764 – 1841) als Ehrendame (gemeint: Hofdame, das weibliche Äquivalent des Kammerherren) bei der FÜRSTIN JOHANNA FRANZISKA VON SALM-KYRBURG (1765 – 1790) unterzubringen. Diese war eine Tochter des FÜRSTEN KARL FRIEDRICH VON HOHENZOLLERN-SIGMARINGEN (1724 – 1785), die kurz zuvor den im Eifelstädtchen Kirn an der Nahe residierenden, sowohl im Heiligen Römischen Reich wie in Frankreich immatrikulierten und voll und ganz französischer Lebensart huldigenden FÜRSTEN FRIEDRICH III. VON SALM-KYRBURG (1745 – 1794), Sohn des den ehemaligen WILDGRAFEN VON DHAUN und RHEINGRAFEN VON STEIN entwachsenen FÜRSTEN PHILIPP JOSEPH VON SALM-KYRBURG (1709 – 1779), geheiratet hatte. Diese Indienststellung seiner ältesten Tocher sowie die Liebenswürdigkeit und Adelshoheit dieses elegant in französischer Weise sich kleidenden und eng mit der Pariser Gesellschaft verbundenen Herrschers, der in Paris geboren und erzogen sowie in der französischen Militärakademie Angers zum Offizier ausgebildet worden war und nach acht Militärdienstjahren in Österreich in französischen Diensten als Colonel (Hauptmann) gestanden hatte, veranlasste Franz Ludwig von Wimpffen, seinen Land- und Burgsitz an den PRINZEN FRIEDRICH VON NASSAU-USINGEN (1738 – 1816) zu vermieten und das als liebenswürdig empfundene salm-kyrburg’sche Residenzstädtchen Kirn an der Nahe als den Ort seiner, wie er denkt, wohlverdienten Ruhe zu wählen. Siehe dazu die

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  • Abb. P 4: Zeitgenössische Ansicht des Residenzstädtchens der Fürsten und früheren Wild- und Rheingrafen von Sayn-Kyrburg, Aufenthaltsort von Baron Franz Ludwig von Wimpffen und Familie der 1780er Jahre, Geburtsort von dessen ältestem der sechs Söhne namens Friedrich Wilhelm (1784 – 1845); Stich von Heinrich Hugo von um 1790.

Zwar wissen wir über dessen dortiges Leben und Tun so gut wie nichts. Aus dem Roman von Gabriele Loges des Titels „Paris, Sigmaringen oder Die Freiheit der Amalie Zephyrine von Hohenzollern” (2013) ist jedoch wenigstens zu erfahren, dass es den um zwei Jahrzehnte älteren Gatten FÜRST FRIEDRICH III. VON SALM-KYBURG gedrängt hat, seiner blutjungen, bei der Heirat in Straßburg im November 1781 noch keine 17 Jahre alten, Frau JOHANNA FRANZISKA ein angenehmes Leben in französischer Manier zu bieten. Und dazu stellte er für diese, so steht es dort zu lesen, im April 1782 sowohl eine französische als auch eine deutsche Hofdame ein. Es stand zunächst zu vermuten, dass die französische solche Franz Ludwigs Tochter LUISE gewesen ist. Demgegenüber steht in den kürzlich (ausgangs 2015) unter dem Doppeltitel in originärer französischer und (gegenüberstellend) deutscher Sprache erschienenen Memoiren dieser AMALIE ZEPHYRINE des Titels „Histoire de la vie de la Princesse Amélie Zéphyrine de Hohenzollern-Sigmaringen, née Princesse de Salm-Kyrburg, ma mère, écrite par elle-même, reçue aprés sa mort.- Lebensgeschichte der Fürstin Amalie Zephyrine von Hohenzollern-Sigmaringen, geborene Prinzessin von Salm-Kyrburg, meiner Mutter, von ihr eigenhändig verfasst, nach ihrem Tod erhalten. 1760 – 1831. Bearbeitet von Christina Egli unter Mitwirkung von Doris Muth. Herausgegeben von Edwin Ernst Weber” Folgendes zu lesen: „Er (gemeint Fürst Friedrich III.) brachte ihr (gemeint dessen Frau Johanna Franziska) drei (also nicht nur zwei) Hofdamen mit, zwei französische und eine weitere deutsche. Fräulein von Wimpfer50 (im französischen Originaltext ist deren Name mit „Melle de Wimpfer” angegeben) wartete in Kirn auf sie.” Sicher erscheint, dass die vorgenannte deutsche Hofdame mit LUISE DE bzw. VON WIMPFFEN identisch ist; denn bei dieser an späterer Stelle noch einmal in gleicher Weise mit dem Schlussbuchstaben „r” statt „n” geschriebenen Namensschreibung dürfte es sich um nichts anderes als einen Übertragungsfehler des Transkriptors handeln; außerdem lautet die dem Namen „Fräulein von Wimpfer” beigegebene Fußnote Nr. 50 folgendermaßen:
„Über Fräulein von Wimpffer ist nichts bekannt, außer dass sie später als Mme Lièvreville in den Rechnungsbüchern von Amalie erscheint. Vermutlich erhielt sie von ihr eine Rente.”
An späterer Stelle wird sich herausstellen, dass der vorstehende Name der Luise von Wimpffen durch ihre Heirat des Jahres 1792 tatsächlich zugekommen ist, ein Umstand, der auch aus der II. Stammtafel des Constantin von Wurzbach hervorgeht: Siehe dort an 3. Stelle der Generationskette XIVc bzw. 12c, wo unter deren Namen LUISE „vm. von Lièvreville” ( = vermählte von Lièvreville) steht.
Nunmehr Hofdame der FÜRSTIN JOHANNA FRANZISKA VON SALM-KYRBURG GEBORENER VON HOHENZOLLERN-SIGMARINGEN, dürfte LUISE VON WIMPFFEN direkt und dürften zumindest indirekt auch ihr Vater FRANZ LUDWIG und ihre Mutter MARIA KUNDIGUNDE VON WIMPFFEN an dem folgenden im August desselben Jahres 1782 in und bei Kirn stattgefundenen Großereignis teilgehabt haben, nämlich der im Piaristenkloster Kirn (dem heutigen Rathaus) vollzogenen Eheschließung zwischen der über die vorgenannten beiden Quellen dem Leser schon bekannt gewordenen PRINZESSIN AMALIE ZEPHYRINE VON SALM KYBURG (1760 – 1841) mit dem FÜRSTEN ANTON ALOYS VON HOHENZOLLERN-SIGMARINGEN (1762 – 1831), dem älteren Bruder der vorgenannten FÜRSTIN JOHANNA FRANZISKA VON SALM KYBURG, GEBORENER PRINZESSIN VON HOHENZOLLERN-SIGMARINGEN, dazuhin der anschließend auf dem über dem Nachbarort lahnabwärts namens Hochstetten thronenden barocken Schlosssitz Dhaun erfolgten prunkvollen Hochzeitsfeier. Damit vollzog sich der zweite Akt jener knapp ein Jahr vorher am 29. November 1781 in Straßburg vorausgegangenen Eheschließung der Vorgenannten mit dem FÜRSTEN FRIEDRICH III. VON SALM-KYRBURG, indem dadurch eine Kreuzverbindung zwischen diesen zwei Geschwisterpaaren der Fürstenhäuser SALM-KYBURG und HOHENZOLLERN-SIGMARINGEN zustandekam. Mit der erstgenannten Straßburger Hochzeit war bereits das Eheversprechen, d. h. die Verlobung, des zweitgenannten Paares verbunden gewesen. Diese Doppelverbindung sollte für das Residenzstädtchen Kirn und das Haus Von Salm-Kyrburg insofern von prägender Bedeutung werden, als sich das Geschwisterpaar FRIEDRICH und AMALIE ZEPHYRINE äußerst gut verstand. Und dazuhin empfand die wie ihr Bruder in Paris geborene, französisch erzogene und aufgewachsene sowie die deutsche Sprache nur unzulänglich beherrschende Zephyrine sich am eher provinziellen Sigmaringer Hof fremd und unwillkommen und das Leben in der kleinen Residenzstadt unerträglich einengend. Somit verließ sie Anfang Mai 1785 in einer Nacht- und Nebelaktion, ihr einziger Sohn CHARLES (KARL) war gerade zehn Wochen alt und ihre Ehe bestand erst 3 ½ Jahre, den dortigen Hof und ihr Kind heimlich in Männerkleidung für immer und flüchtete nach Kirn zu ihrem Bruder und ihrer Schwägerin, die sich, wie so oft und wohl auch ihre Hofdame LUISE VON WIMPFFEN gerade in Paris aufhielten. Nachdem Amalie Zephyrine Johanna Franziskas angebeteten Bruder verlassen hatte, war das zunächst gute Verhältnis der beiden Schwägerinnen zwar bleibend sehr getrübt.

Doch verstanden sich alle drei gemeinsam darin, dass sie ihr Leben ganz nach französischer Façon führten. Dazu gehörten vor allem die von ihnen jährlich gepflegten Winteraufenthalte in Paris und Umgebung mit Vergnügungen wie die Teilnahme an Bällen und anderen Festlichkeiten sowie der Besuch von Theatervorstellungen und Badeplätzen, während das Residenzstädtchen Kirn mit dem sehr modernen und bequemen salm-kyburg’schen Stadthaus, dem diesem nahegelegenen neu erbauten Haus des Herrscherpaares, dem Theater, dazuhin unterhalb der ruinösen Stammsitzes der Kyrburg für die Schwester vom Fürsten zu bauen begonnenen Schloss Amalienlust, der hauptsächlichste Aufenthalts- und Vergnügungsplatz der Sommerzeit gewesen ist. Siehe dazu:

046a

  • Abb. P 5: Johanna Franziska von Hohenzollern-Sigmaringen, Fürstin zu Salm-Kyrburg (1765 – 1790), Gattin von Fürst Friedrich III. zu Salm-Kyrburg (1745 – 1794), bei der Luise von Wimpffen im Frühjahr 1782 Hofdame wurde und zur Ersten Hofdame avançierte. 

046b

  • Abb. P 6: : Fürst Friedrich III. (1745 – 1794) von Salm-Kyrburg, der Gatte von Johann Franziska, geborene von Hohenzollern-Sigmaringen (1765 – 1790), und Bruder der mit dem Fürsten Anton Alois von Hohenzollern (1762 – 1831) verheirateten Amalie Zephyrine von Salm-Kyrburg (1760 – 1841). 

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  • Abb. P 7: Amalie Zephyrine von Salm-Kyrburg, Fürstin zu Hohenzollern-Sigmaringen (1760 – 1841), die nach dem frühen Tod ihrer Schwägerin Fürstin Johanna Franziska zu Salm-Kyrburg, geborene Prinzessin von Hohenzollern-Sigmaringen des Jahres 1790 von dieser Luise von Wimpffen, spätere Madame de Lièvreville, als Hofdame übernommen hat.

Sicherlich hatte LUISE VON WIMPFFEN als zunächst Hofdame und bald, wie aus Zephyrines Memoiren zu erfahren, Erste Hofdame deren Schwägerin Johanna Franziska, engste Berührung und mehr oder minder Anteil an deren illustrem mondänem Lebensstil mit Hin- und Herreisen zwischen Kirn und Paris und vielem anderem mehr. Und was das Leben ihrer Eltern im Nahestädtchen Kirn betrifft, so kommt dort das letzte der zwölf am Leben gebliebenen Kinder des François Louis de Wimpffen, nämlich sein sechster Sohn FRIEDRICH WILHELM (geb. am 27. August 1784) zur Welt. Wie schon angedeutet, werden wir uns mit diesem und mehr noch mit dessen älterem Sohn WILHELM (1820 – 1879) und dessen Nachkommen sowie auch mit dessen jüngerem Bruder DAGOBERT (1821 – 1881) an späterer Stelle (siehe die Kapitel T. Württembergische Nebenlinie und W. Wilhelm von Wimpffen) ausgiebigst zu befassen haben, insbesondere weil Wilhelm mit Familie, um es noch einmal herauszustellen, im beginnenden Deutschen Kaiserreich seine letzten Lebensjahre in Wimpfen am Berg verbracht hat und dadurch die Stadt Wimpfen zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Ehre zuteil wurde, von einem Angehörigen des den Namen dieser Stadt tragenden Adelsgeschlechtes derer Von Wimpffen zum ständigen Wohnplatz auserkoren zu werden.

Die Sorge um die Zukunft seiner großen Kinderschar nötigt FRANÇOIS LOUIS DE WIMPFFEN jedoch, seine Anstrengungen wieder aufzunehmen, um doch wieder eine seiner Herkunft und früheren herausragenden Funktion im Militärwesen gemäße Tätigkeit zu finden. Und so bricht er ausgangs Mai 1785 nach Brandenburg auf, um im Hochsommer in Breslau und Potsdam bei den Manövern assistieren zu können. Unterwegs gelingt es ihm – und er scheint sehr stolz darauf zu sein – , in Wabern bei Fritzlar an der Seite des LANDGRAFEN FRIEDRICH II. VON HESSEN-KASSEL (1720 – 1785), der sich dort zur Falkenjagd befindet, am Diner teilnehmen zu dürfen. Dieser sagt ihm auf seine Bitte hin die Aufnahme seines neun Jahre alten drittältesten (später in Österreich zum Grafen und Großgrundbesitzer aufgestiegenen) Sohnes FRANÇOIS-CHARLES EDUARD (geb. 1776) in sein 60-köpfiges Kadettenkorps zu. Wimpffen kann sich in seiner Selbstbiografie nicht genug darin tun, die Vorzüge dieses Korps zu umreißen und dann über viele Seiten derselben hinweg den Landgrafen in höchsten Tönen zu loben und etwa die Pracht seiner Schlossanlagen Wilhelmshöhe und Weißenstein bewundernd in allen Einzelheiten zu beschreiben, obgleich derselbe vor wenigen Jahren im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg an Großbritannien um die 16.000 seiner Soldaten als Söldner zum Zwecke der Finanzierung seines 20.000 Mann umfassenden stehenden Heeres sowie seiner Prunkbauten verkauft hat. Im August hält ihn ein starkes Augenleiden in den Gärten und Wassern von Hofgeismar bei Kassel fest. Und so gelangt er erst Ende September über Magdeburg nach Berlin. Der am Ende des Lebens stehende KÖNIG FRIEDRICH II. (DER GROßE) VON PREUßEN (1712 – 1786) will ihn, wie ihm brieflich mehrfach versichert wird, kennenlernen und gründlich erforschen, um ihn eventuell an die Spitze eines umfänglichen Korps leichter Truppen zu stellen. Doch kommt der Empfang, hauptsächlich der nicht wiederhergestellten Gesundheit des Königs wegen, ebenso wie die Verwendung im preußischen Heeresdienst nicht zustande. Somit verlässt er Berlin Anfang November erfolglos und er tritt über Schlesien die Heimreise an.

Wieder zu Hause bei den Seinen, macht er in der Weihnachts- und Nachweihnachtszeit des Jahres 1785 eine schwere körperliche und seelische Krisenzeit durch. Doch veranlassen ihn seine Gefühle für und die Sorge um die Kinder, am 4. Januar 1786 zur Feder zu greifen und mit großem erzieherischem Eifer einen 35 Seiten seiner Biografie füllenden sog. Brief zu beginnen, den er mit „Lettre philosophique, morale et sentimentale que j’ècris à mes enfants” („Philosophischer, moralischer und gefühlsgetragener Brief, den ich an meine Kinder schreibe”) betitelt. Von diesem soll hier nur ein kleiner Ausschnitt wiedergegeben werden, aus dem die Beweggründe für diese ungewöhnliche Briefschöpfung hervorgehen:
Puissent mes nouveaux et derniers malheurs vous servir d’exemple! Ils doivent vous apprendre que la félicité de la vie ne se trouve que dans la modération; et quoiqu’il soit impossible de former un plan de morale qui puisse convenier à tous les caracteres, j’aime cependant à me flatter que ce que j’ai à vous dire pourra contribuer à votre bonheur.”
(= „Mögen meine neuerlichen und letzten Unglücke Euch als Beispiel dienen! Sie sollten Euch lehren, dass das Lebensglück sich nur in der Mäßigung findet; und obwohl es unmöglich erscheint, einen Moralplan zu schaffen, der zu allen Charakteren passt, würde es mir gefallen, wenn das, was ich Euch sage, zu Eurem Glück beitragen könnte.”)

Nach der Rückkehr von seiner Reise nach Preußen schafft er mit dem gleichen – jetzt auf Militärreformen Frankreichs gerichteten – Eifer einen höchst umfänglichen Plan einer Umorganisation der französischen Armee sowie der totalen Umbildung der Militärausgaben und legt diesen der Regierung, dem Kriegsrat und dem KÖNIG LUDWIG XVI. vor, wodurch dieser künftig eine furchteinflößende Fußtruppe von 300.000 Mann zur Verfügung haben und durch die trotz Heraufsetzung der Besoldung vom Marschall bis zum einfachen Füsilier eine jährliche Kosteneinsparung von 12 Millionen erzielt werden soll. Dessen Titel lautet: „Réfonte de L’économie de l’armée française ou Extrait du développement d’un plan militaire, avec un grand tableau présenté par le Général, Baron de Wimpffen de Bornebourg au mois d’Octobre 1787”. Doch stößt dieser in allen öffentlich zirkulierenden Blättern Europas und der Hauptstadt Paris überall auf Ablehnung. Es wird ihm vor allem vorgeworfen, er habe seine Ideen den Memoiren seines (zweitältesten) Bruders CHRISTIAN PETER DE WIMPFFEN (1725 – 1781) entnommen, der schon 1781 als französischer Feldmarschall, Ritter des Ludwigordens und Kommandant des Regiments La Marck verstorben und von dem 1780 in London das folgende Werk erschienen war: „Commentaires des Mémoires du comte de Saint-Germain, ministre et secrétaire d’Ètat au département de la guerre”. Mit großer Entschiedenheit stellt der Beschuldigte den Vorwurf folgendermaßen in Abrede: „Ich erkläre, dass … ich kein Schriftstück meines Bruders, weder während seines Lebens noch nach seinem Tod, gesehen habe, ausgenommen einige brüderliche Briefe, in denen niemals die Frage des Projekts noch des Systems enthalten war.” Und er fügt erhärtend hinzu, dass sein Bruder zwar ununterbrochen 38 Jahre im Militärdienst Frankreichs gestanden und zu allen Kriegsdingen und Kabinettsangelegenheiten befähigt gewesen sei; doch sei dieser weder in einem fremden Land gereist, noch habe er in einem solchen gedient oder praktische Erfahrungen im Bereich der Truppenstrategie und des Truppenunterhalts kennengelernt. Er dagegen habe die Grundlagen seines Planes hauptsächlich bei seinen Instruktionsreisen mit dortigen Offizieren in Österreich sowie insbesondere bei seiner letzten Reise in Preußen gefunden. Dort erfüllten die Offiziere ohne Ausnahme ihre Pflichten mit größter Treue und Pünktlichkeit, jedes Wort und jeder Schritt verrate Beseeltheit und große Passion für ihren Beruf, und das müsse zum Ausgleich der Überlegenheit auf die Soldaten der anderen Nationen übertragen werden. Sein diesbezüglich richtungweisender Leitsatz lautet:
„Je voyois briller dans leurs yeux comme dans leur langage, la flamme dont ils brûlent sans cesse pour un métier qu’is font avec le même enthousiasme dans l’obscurité de la nuit qu’à la clarté du jour, …”
(„Ich sah in ihren Augen wie in ihrer Rede die Flamme, die in ihnen ohne Zweifel für ihren Beruf brennt, den sie mit demselben Enthusiasmus in der Dunkelheit der Nacht wie in der Klarheit des Tages, im Frieden wie im Kriege ausüben.”)
Mit diesem Verlangen tritt François Louis de Wimpffen in die Fußstapfen des französischen Generals und Kriegsministers unter Ludwig XVI. von 1775 – 1777 CLAUDE LOUIS COMTE DE SAINT-GERMAIN (1707 – 1778), der die französische Armee nach dem später auch von François Louis de Wimpffen gewählten preußischen Vorbild hatte reorganisieren wollen, aber auf großen Widerstand gestoßen war, in der französischen Armee die preußische Disziplin einzuführen, und deshalb hatte zurücktreten müssen. Wenn François Louis de Wimpffen sein Ideengut denn doch abgeschrieben haben sollte, so also nicht aus Memoiren des Bruders, sondern aus den Kommentierungen derselben des Comte de Saint-Germain! Was er über seine Kritiker denkt und diesen sagen will, das spricht er in seinem am Anfang dieses Kapitels vorgestellten Leitspruch seiner 1788, d. h. im Nachjahr des Erscheinens seiner „Réfonte … ” veröffentlichten, Selbstbiografie aus. Siehe diesen Leitspruch in der obigen Abb. P 1 sowie im angeschlossenen Textbereich dessen Interpretation!

Immerhin gelingt es ihm, in den ausgehenden 1780er Jahren in der französischen Armee wieder Fuß zu fassen, wobei es unklar bleibt, zu welchem genauen Zeitpunkt dies geschehen ist. Wurzbachs diesbezügliche Zeitangabe „1706” beruht offenkundig auf einem Druckfehler und die diesbezüglichen Jahresangabe der Brockhaus-Enzyklopädie sowie von Meyers Großem Konversations-Lexikon „1770” sind schlichtweg falsch. Die von François Louis de Wimpffen 1789 des Weiteren verfassten und veröffentlichten „Lettres du général baron de Wimpffen de Bornbourg à Messeigneurs les États Généraux du Royaume de France: concernant les moyens de couvrir le déficit sans augmentation d’emprunts ou d’impots, sans commotion ni bouleversement quelconque, sans retranchement ni reforme et sans troubler aucun corps” („Briefe an die Hochherrlichen Generalstände des Französischen Königreiches, welche die Mittel betreffen, das Defizit ohne Vermehrung der Anleihen oder Steuern zu decken und ohne Erregung und Umsturz welcher Art auch immer und ohne Streichungen und ohne eine Körperschaft in Aufruhr/Unruhe zu bringen”) sind allerdings noch in Frankfurt verlegt. Schon aus dem Titel derselben ist das Heraufbrauen der am 14. Juli desselben Jahres 1789 mit dem Sturm auf die Bastille einsetzenden Französischen Revolution zu spüren, Zeichen der Sensitivität des Autors Francois Louis de Wimpffen bezüglich des Zeitgeschehen und des Ganges der Geschichte.

Es steht zu vermuten, dass sein Wiedereintritt in den Militärdienst Frankreichs nach rund 25-jähriger Abwesenheit vor allem auch durch Anregung und Unterstützung der ihm, wie vorstehend deutlich geworden, gewogenen Fürstenfamilie von Salm-Kyburg zustande gekommen ist. Hierzu muss man wissen, dass im Jahr 1787, also wenig vor dessen Wiederkehr nach Frankreich, das 1782 von FÜRST FRIEDRICH III. VON SALM-KYRBURG hauptsächlich mit Mitteln aus der enormen Mitgift seiner Gattin am rechten Ufer der Seine beim Quai d’Orsay zu errichten begonnene prächtige Adelspalais unter dem Namen Hôtel de Salm als deren neuer luxuriöser Pariser Wohnsitz bezogen worden ist, der zweifelsfrei im ersten Jahrfünft seines Bestehens auch immer wieder die Erste Hofdame LUISE DE WIMPFFEN der FÜRSTIN JOHANNA FRANZISKA VON SALM-KYRBURG beherbergt hat. Siehe hierzu

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  • Abb. P 8: Fotografie der Mittelpartie des von 1782 bis 1787 für den Fürsten Friedrich III. von Salm-Kyrburg in Paris am rechten Seineufer beim Quai d’Orsay erbauten prachtvollen Palais Salm (seit 1804 Palais und Museum der 1802 gegründeten Ehrenlegion).

Wenngleich letztlich sich der auf großem Fuß lebende Fürst Friedrich denn doch mit dieser damals in Paris zu den schönsten Adelspalais zählenden Wohnstätte eine unbezwingbare Schuldenlast aufbürdete, wurde eine prunkvolles Eröffnungsfest veranstaltet, zu dem alles, was in Paris Rang und Namen hatte, eingeladen war. Und bald wurde dieses ein Treffpunkt der hochadligen Oberschicht des vorrevolutionären Frankreich, der die Salm-Kyburg jetzt umsomehr in der Winterzeit beherbergte, währenddem sie sich in ihrer deutschen bescheideneren Stammresidenz Kirn nach wie vor hautpsächlich in der Sommerzeit aufhielten.

Die Anfangszeit der Französischen Revolution sieht FRANÇOIS LOUIS DE WIMPFFEN im Jahr 1890 nachweislich als französischen Generallieutenant. Und in den aus der Französischen Revolution 1791/92 erwachsenden Revolutions- bzw. Koalitionskriegen zwischen Frankreich und den europäischen Verbündeten ist er im November 1791 als Gouverneur der Grenzbefestigungsstadt Neuf-Brisach (Neu-Breisach) im Süd-Elsass eingesetzt. Als solcher weist er mit Entrüstung die Anträge eines Emissärs der ausgewanderten Prinzen ab, der von ihm nichts Geringeres verlangt, als die Übergabe der Stadt. Genau so verteidigt im Folgejahr 1792 sein jüngster Bruder FÉLIX LUDWIG DE WIMPFFEN (1744 – 1814) als Generallieutenant die französische Festungsstadt Thionville (Diedenhofen) in Nord-Lothringen 55 Tage lang mit größter Ausdauer und siegreicher Tapferkeit. Und zu gleicher Zeit verteidigt deren beider Neffe GERMAIN (HERMANN) DE WIMPFFEN (siehe diesen in der II. Stammtafel des C. von Wurzbach in der Generationreihe XIVa bzw. 12a an 4. Stelle; die dort angegebene Lebensspanne lautet: 8. August 1754 – 11. März 1818), ein Sohn von STANISLAUS GUSTAV LUDWIG DE WIMPFFEN, dem Stammvater vom a) Stanislaus-Zweig, gewesen ist und sich in der Zeit von König Ludwig XVI. als Offizier in zahlreichen Feldzügen des Regiments Bouillon sowie im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg unter General Lafayette besonders ausgezeichnet hatte, erfolgreich die heute in Südwestbelgien gelegene Festungsstadt Philippeville (Philippsburg) gegen die vereinigten Armeen Preußens, Österreichs und der Emigranten. Man sieht: Die vorgenannten drei Von Wimpffen-Abkömmlinge, die bislang der Krone Frankreichs verpflichtet und dieser treu dienende Militärs gewesen waren, haben sich in den Dienst der Revolution und der Verteidigung ihrer demokratischen Errungenschaften gegen deren Widersacher, die Emigranten sowie das Königreich Preußen und das Kaiserreich Österreich, gestellt.

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Im Weitergang des zur Schreckensherrschaft eskalierenden Revolutionsgeschehens triften die politische Haltung und militärischen Wege der drei Vorgenannten allerdings auseinander, worüber – unter Einschiebung weiterer Teile der Biographie des GERMAIN/HERMANN sowie der gesamten solchen des FÈLIX LOUIS/FELIX LUDWIG – Folgendes zu sagen ist:

— GERMAIN DE WIMPFFEN = HERMANN VON WIMPFFEN (laut Wurzbach: 1754 – 1818; laut Dr. Hans H. von Wimpffen richtigerweise : 1749 – 1820):
Dieser sieht sich durch den im August 1792 stattgefundenen Sturm auf die Tuilerien und die Absetzung des Königs Ludwig XIV. veranlasst, Frankreich zu verlassen und – nach Dr. Hans H. von Wimpffen – sich zunächst im Zentrum der französischen Emigranten Düsseldorf, dann vorübergehend sogar in Wimpfen, der wahrscheinlichen Namengeberin seines Geschlechts, niederzulassen, was Letzteres im Einzelnen allerdings später in Kapitel T. Württembergische Nebenlinie noch abzuklären sein wird. Am 6. März 1892 finden wir diesen als einen der Trauzeugen bei der in Neu-Breisach stattgefundenen Eheschließung der (schon mehrfach genannten) Kusine namens (MARIE DOROTHEE) LOUISE BARONNE DE WIMPFFEN (1764 – 1841), Tochter von General oder auch Maréchal de Camp et armée du Roi et Commandant des troupes françaises Sur le haut Rhin (Feld- und Armeemarschall der französischen Truppen des Königs am Hochrhein) FRANÇOIS DE WIMPFFEN, wie dieser in der Heiratsurkunde erscheint, und MARIE CUNEGONDE DE LA GAY (merkwürdigerweise entgegen der an früherer Stelle zweifelsfrei richtig angegebenen Namensbezeichnung Goy), mit LEON THEOPHILE DE LIÈVREVILLE, der damals Aide de camp (Adjudant) ihres Vaters gewesen ist. Um die Jahrhundertwende tritt Germain de Wimpffen schließlich in den Dienst des Herzogs von Württemberg und ist dort als Militärorganisator und Offizier sowie zeitweise auch als Diplomat tätig. Von dort kehrt er auf Verlangen Napoleons 1812 wieder nach Frankreich zurück und lässt sich im elsässischen Neu-Breisach nieder, wo seine Schwester, die STIFTSDAME ROSALIE (1762 – 1835), und seine von dort stammende Gattin THERESE GEB. KOSSMANN (gest. 1830) leben. Dort kämpft er lange vergeblich um eine Pension für seine frühere Zugehörigkeit zur französischen Armee und seine vor und in der Revolution für Frankreich geleisteten militärischen Dienste und wird schließlich zum Maire (Bürgermeister) der Stadt ernannt. Zwei Jahre nach endlicher Pensionsgewährung stirbt er und wird auf dem Friedhof von Neuf-Brisach begraben. Über Germain wird an späterer Stelle in Kapitel T. Württembergische Nebenlinie in anderem Zusammenhang im Rahmen der ausführlichen Schilderung seines gesamten Lebensganges sehr viel Weiteres zu sagen sein.

— FÉLIX LOUIS DE WIMPFFEN = FELIX LUDWIG VON WIMPFFEN (1744 – 1814):
Hauptsächlich laut einem diesem geltenden Auszug von Adolphe Robert et Gaston Cougny, „Biographie extraite du dictionaire des parlamentaires français de 1789 à 1889”; außerdem nach: Wikipedia, der freien Enzyklopädie, des Titels „Felix von Wimpffen (General)” sowie Wurzbach, Dr. Hans H. von Wimpffen u. a. m. stellt sich dessen Leben folgendermaßen dar:
Geboren am 5. November 1744 in Minfeld, entschied sich dieser, der Jüngste in der langen Geschwisterreihe, wie dies – in Wirkung der spartanischen Erziehung durch ihren Vater JOHANN GEORG (1689 – 1767) – fast alle seine Brüder getan hatten, für die Militärlaufbahn und trat bereits elfjährig in das deutsche Regiment De Deux Ponts ein. Er wurde dort Fahnenjunker (Offizieranwärter), nahm 1768/69 als Capitaine (Hauptmann) im deutschen Regiment De la Marck an der Niederschlagung des Aufstandes unter Paoli in Korsika teil, erlangte den Grad des Lieutenant-Colonel (Oberstleutnants) und wurde mit dem Orden und Grad des Chevalier de Saint-Louis ausgezeichnet. Indem sich Frankreich ab 1778 am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg beteiligte, nahm er als Kommandeur des deutschen Regimentes De Bouillon u. a. an der Belagerung von Mahon, der Hauptstadt der damals englischen Mittelmeerinsel Menorca sowie von Gibraltar des Jahres 1782 teil. 1783 nach dem Frieden mit England von Paris nahm er, den Grad des Brigadier (Brigadegenerals) innehabend und eine Pension von 1.000 Ècus erlangend, seinen Abschied und zog sich auf das Gut seiner Frau THERESE GEB. BAYEULE DE ST. GERMAIN (laut Wurzbach: MARIE AIMÉE CHARLOTTE DE BAILLEUL-SAINT GERMAIN; 20. 01. 1751 – 11. 08. 1810) im Caen nahen und unweit der Atlantikküste gelegenen Örtchen Saint-Martin-des-Entrées in der Normandie zurück. Er betätigte sich nunmehr auch als dem Feld der Menschenerziehung zugewandter Schriftsteller, was an späterer Stelle bei der Vorstellung seines Buchwerkes „Le Manuel de Xéfolius“ deutlich werden wird.
Beim Ausbruch der Revolution wurde er am 28. März 1789 zum Abgeordneten des Adels der Ballei von Caen/Normandie der nun zusammentretenden Generalstände mit der Bildung der Nationalversammlung gewählt; diese Funktion übte er bis zum 30. 09. 1891 aus. Dort erwies er sich als moderierter Anhänger der Reformen und schloss er sich als einer der Ersten dem dritten Stande an und verfasste den Protest gegen die Vorherrschaft des Adels, der vom dritten Stand getrennt bleiben wollte. Er war Mitglied des Militär- und des Pensionskomitees und forderte die Reorganisation der Armee. Auch hatte er Anteil an der Veröffentlichung des sog. Roten Buchs. Aber er widersetzte sich der gänzlichen Unterdrückung des Adels, obgleich er für die Aufhebung von dessen Privilegien stimmte. Doch blieb er stets gemäßigt und sein Vorschlag, eine demokratische Monarchie zu errichten, wurde allgemein als Ironie betrachtet.
Zweifelsfrei ist Felix Ludwig von Wimpffen das folgende sowohl von Wurzbach als auch von Dr. Hans von Wimpffen aufgeführte Schriftwerk zuzuweisen:
– Project de loi sur les délits et les peines militaires, Paris: Imprimerie National 1791, 25 Seiten.
Dieses hat er wie auch eine ganzen Reihe anderer auf das Militärwesen gerichteter solcher in den Jahren 1789 bis 1793 seiner Tätigkeit als Abgeordneter der Nationalversammlung und Mitglied des Militärausschusses gefertigt. Die Titel dieser in den verschiedensten Kompendien (vor allem in: 1. wimpffen.hu – Rubrik Literatur; 2. French Revolutionary Pamphlets. Usteri Collection, Zentralbibliothek Zürich) aufgefundenen Schriftsätze, die oft kein Dutzend, doch auch manchmal um die zwei Dutzend Seiten umfassen und ebenfalls alle mit „Wimpffen, Félix, Baron de” überschrieben und am Schluss mit „Paris, Imprimerie Nationale” sowie meist auch mit Datierung und oft auch mit Seitenzahl versehen sind, lauten:
– Discours de M. Baron Félix de Wimpffen prononcé dans la séance de mardi matin, 15. décembre 1789, et imprimé par ordre de l’assemblée nationale.- Paris: Imprimerie Nationale, 1789, 11 Seiten.
– Observations préliminaires sur le plan du ministre de la guerre; par Le Bon Félix de Wimpffen, du 18 avril 1790. – Paris, Imprimerie Nationale, 7 Seiten.
– Rapport du comité militaire fait à l’assemblée nationale; par M. Félix de Wimpffen, du 3 juillet 1790.- Paris, Imprimerie Nationale, 1790, 20 Seiten.
– Discours sur les pensions militaires, prononcés par M. le Baron Félix de Wimpffen, dans la séance du jeudi matin, 31 décembre 1789.- Paris: Imprimerie Nationale, 1790, 7 Seiten.
– Projet et décret sur la chose militaire precédé d’un discours; par M. le baron Félix de Wimpffen, député de Caen.- Paris: Imprimerie Nationale, 1790, 22 Seiten.
– Rapport sur le retraite des sous-officiers et soldats, fait au nom du Comité militaire. Paris, Imprimerie Nationale, 1790, ohne Nennung der Seitenzahl.
– Observatioins préliminaires sur le plan de Ministre de la Guerre, Paris 1790.- Imprimerie Nationale, ohne Nennung der Seitenzahl.
– Projet de décret sur la chose militaire précédé d’un discours.- Paris Imprimerie Nationale, 1790, ohne Nennung der Seitenzahl.
– Projet de loi sur les délits et les peines militaires; par M. Félix de Wimpffen, député de Calvados.- Paris: Imprimerie Nationale, 1791, 26 Seiten. Dieser Schriftsatz dürfte mit dem erstgenannten solchen identisch sein.
– Rapport sur le remboursement des charges, offices et emplois militaires.- Paris, Imprimerie Nationale, 1791, ohne Nennung der Seitenzahl.
– Les Sept éléments qui constituent l’ensemble de l’Art de Guerre.- Paris, Imprimerie Nationale, 1791, ohne Nennung der Seitenzahl.
Hinzu kommt noch eine im Druck erschienene Briefbotschaft, die vom Besagten in der Zeit als Oberbefehlshaber (Divisionsgeneral) der konstitutionellen Armee der Küsten von Cherbourg in der Normandie gefertigt wurde:
– Félix Wimpffen, général en chef de l’armée des côtes de Cherbourg et de forces armées départementales du Nord et de l’Ouest de la République française … Aux bons citoyens de Paris, salut, Verlag G. Le Roy, 1793.
Eine wohl in der Zeit nach seinem Wiederauftauchen aus dem Versteck in Bayeux im Jahr XI (das ist der Zeitraum vom 23. September 1802 bis 23. September 1803) entstandene Briefbotschaft ist von Dr. Hans H. von Wimpffen wie folgt ausgewiesen:
– Wimpffen, General Félix Louis Baron de, General de Division (1744 – 1814): Répose précise au précis que vient de faire paraître le citoyen Godefroy la Madelaine, concernant l’Affaire de la Terre de Tour par le Général de Division Félix Wimpffen, Tuteur & Curateur des Mineurs d’Albignac (gemeint wohl: Alvignac/Pyrenées), Imprimerie de Jean Claude Leblond, rue St. Nicolas, no 9, Bayeux, An XI.
Auch haben sich von diesem aus dem Zeitraum der vorbeschriebenen Abgeordneten-Tätigkeit eine ganze Reihe von Bildnissen erhalten, von denen hier einige vor allem deshalb gezeigt werden, weil im Gegensatz dazu von all seinen großteils ebenfalls zu hohem militärischem Rang und Namen gekommenen Brüdern, François Louis eingeschlossen, leider nichts dergleichen gefunden werden konnte:

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  • Abb. P 9: Vorderansicht (Crayon noir-Gouache), beschriftet mit „Mr. Le Baron Félix de Wimpffen, deputé du Departement du Calvados a l’ahsemblée nationale 1789” (Herr Baron Félix de Wimpffen, Deputierter des Départements Calvados der Nationalversammlung 1789), unten bezeichnet mit „Lambert fecit”;

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  • Abb. P 10a und P 10b: Zwei Profilansichten (Version 1: Stich – Version 2: Gemälde) des Félix de Wimpffen (1744 – 1814) im Musée de Versailles, Salle des Maréchaux.

Als 1792 die Revolutionskriege zwischen Frankreich und den europäischen Koalitionen sowie den Emigrantenkorps beginnen, tritt Félix Louis wieder in die Armee als Generallieutenant ein. Wie oben schon angedeutet, verteidigt er im Spätsommer dieses Jahres über fünfundfünfzig Tage erfolgreich die Festungsstadt Thionville (Diedenhofen) in Nord-Lothringen (Département Moselle) gegen die Preußen. Dabei lehnt er das über den Unterhändler PRINZ VON HOHENLOHE offerierte Angebot des die preußisch-österreichische Koalitionsarmee führenden PRINZEN VON BRAUNSCHWEIG ab, die Öffnung der Befestigungstore und Übergabe des Platzes mit einer Million Francs zu belohnen. Als ihm von dem nach der Absetzung des Königs nun regierenden Nationalkonvent das Amt des Kriegsministers angeboten wird, lehnt er dessen Annahme ab. Stattdessen übernimmt er 1793 den Oberbefehl über die konstitutionelle Armee der Küsten von Cherbourg in der Normandie. Als Ausgang Mai/Anfang Juni desselben Jahres nach der Hinrichtung der führenden Girondisten deren geächtete Anhänger in die Städte des im Norden des Landes gelegenen 14. Départements Calvados flüchten und die Schreckensherrschaft der Jakobiner ausbricht, verweigert er die vom Konvent verlangte Auslieferung derselben, verhaftet dessen Deputierte, ruft die nördlichen Départements zum bewaffneten Widerstand auf und führt einen erbitterten Partisanenkrieg. Doch wird im Juli sein Parteigängerkorps, die Vorhut bei Pacy-sur-Eure und das Hauptcorps bei Vernon in der „Bataille sans larmes“ = „Schlacht ohne Tränen“ von Brécourt vom 13. Juli 1893, geschlagen und das zu befestigen gesuchte Caen kann nicht gehalten werden. So löst sich das Korps auf. Da ein Preis auf seinen Kopf ausgesetzt wird, muss er sich unter verschiedenen Decknamen in Bayeux verborgen halten.
Die Angaben über seine Rückkehr in die Öffentlichkeit sind sehr verschieden. Einerseits wird behauptet, er habe sich aus seinem Versteck wieder 1796 hervorgetraut, nachdem die Terrorherrschaft Robespierres durch dessen und seiner Anhänger Hinrichtung im Sommer 1794 beseitigt und im Konvent die gemäßigten Republikaner maßgeblichen Einfluss gewonnen sowie im September 1795 der Nationalkonvent sich aufgelöst und sich das Direktorium gebildet hatte. Viele andere sekundäre Quellenwerke und auch manche Lexika geben dagegen (wohl richtigerweise) an, dass er nach England geflüchtet und von dort erst 1799 wieder zurückgekehrt sei und Napoleon Bonaparte, der sich durch den Staatsstreich mit Auflösung des Direktoriums vom 18. Brumaire des Jahres VIII, d. h. vom 9. 11. 1799, zum Ersten Konsul aufschwang und am 2. 12. 1804 zum erblichen Kaiser der Franzosen erhoben wurde, ihn zunächst zum Divisionsgeneral und später zum Leiter der „kaiserlichen Gestüte” ernannt habe. So sieht es auch Wurzbach, der schreibt, er sei zum „Generalinspekteur der Gestüte” nach dem 18. Brumaire, ernannt worden. Auch schreibt dieser über Felix Ludwig u. a. noch Folgendes: „Er hielt treu zur Sache des Königs an nahm eifrigen Antheil an der Erhebung der Vendée“ (1803)”. Das heißt – abgesehen von der falschen Jahresangabe (die Erhebungen in der Vendée fanden 1793 – 1796 und 1799/1800 statt) – nicht, dass er die absolute Monarchie wiederherstellen wollte, sondern er dürfte, wie Dr. Hans H. von Wimpffen meint, ein Anhänger der konstitutionellen Monarchie gewesen sein. Demgegenüber wird die Wiederkehr des Felix Ludwig in der o. a. französischen Biografie des Adolphe Robert et Gaston Cougny (ohne Angabe einer Emigration nach England) und die Einsetzung als Gestütsleiter sowie die restlichen Stationen seines Lebens folgendermaßen beschrieben (Textteile in Klammer sind Ergänzungen des Verfassers):
„Die Konsularregierung gibt ihm seinen Rang des Divisionsgenerals zurück, und der Kaiser (gemeint: der spätere Kaiser Napoleon Bonaparte) ernennt ihn zum Generalinspekteur der Gestüte am 24. Juli 1808 (laut anderer Quellen schon am 24. Juli 1806). Bürgermeister von Bayeux, 1809 zum Baron von Frankreich ernannt, hat er die Traditionen des liebenswürdigen Geistes und der höflichen Eleganz des Ancien Régime (d. h. der alten Regimentsform) bewahrt; er starb (am 23. Februar 1814) einige Wochen vor dem Sturz des (durch die Absetzung und Abdankung von Napoleon I. untergegangenen französischen) Kaiserreiches und wurde auf dem Friedhof von Saint-Germain-de-la-Lieue, heute vereinigt mit derjenigen von Saint-Martin-des-Entrées (Calvados), begraben.- Man hat von ihm: (das Werk) Manuel de Xépholius und die Memoiren.”

Während die vorerwähnten „Mémoires“, in denen laut der auf Seite 3344 der Félix Louis de Wimpffen geltenden Lebensdarstellung im „Dictionaire historique, ou Biographie Universelle classique …“ (Paris 1826)  „sich kostbare Details der Revolutionsgeschichte finden“, nirgends wiedergegeben aufgefunden werden konnten, ist der vorgenannte „Le Manuel de Xépholius“ u. a. in zentralen Bibliotheken Frankreichs erhalten geblieben. Siehe hierzu

  • Abb. P 11: Das ohne den Namen des Verfassers FÉLIX LOUIS DE WIMPFFEN (1744 – 1814) gebliebene Titelblatt des 331 Seiten umfassenden Werkes „Le Manuel de Xéfolius“ („Das Lehrbuch von Xéfolius“); verlegt vom „Grand Orient (de France)“ im Jahre 1788, versehen mit dem Stempel einer nicht ausmachbaren französischen Bibliothek.

Der hier wiedergegebene volle Titel des vorgenannten 1788 ohne Nennung des Autors, d. h. anonym, erschienenen Werkes wird von Wurzbach fehlerhafterweise dem vom Hauptvornamen FELIX her namensgleichen Neffen des Autors, nämlich FÉLIX (EMMANUEL) DE WIMPFFEN (1778 – 1813), welcher der Vater des sog. Sedangenerals EMMANUEL FÉLIX DE WIMPFFEN (1811 – 1884) gewesen ist, zugeordnet. Es liegt schon allein von der Tatsache her, dass jener im Jahr des Erscheinens dieses Werkes 1788 erst 10 Jahre alt gewesen ist, auf der Hand, dass nur der zur vorangehenden Generation gehörende FELIX LUDWIG VON WIMPFFEN (1744 – 1814) der Autor dieses Werkes gewesen sein kann. Und über diese Schrift als solche schreibt Wurzbach, dass sie in nur 100 Exemplaren gedruckt und als Geschenk verteilt worden und der Autor vermutlich Mitglied des Freimaurer-Ordens gewesen sei. Letzteres erscheint in der Tat deshalb stimmig, weil die unten auf dem Titelblatt befindliche Aufschrift „AU GRAND ORIENT“ als Verleger die im Jahr 1773 in der Tradition der Aufklärung mit Sitz in Paris gegründete freimaurerische Großloge namens „Grand Orient de France” ausweist. Diese war eine der ältesten solchen Europas, die sich politisch in Auseinandersetzung mit ethisch-moralischen Werten liberal betätigte und gerade in der Zeit vor der Französischen Revolution ihre vorhandene Beliebtheit bei den liberalen Parteien verstärkte. Bestätigend kommt hinzu die zuoberst auf dem Titelblatt mächtig groß hervorgehobene Klassifizierung

„LE MANUEL“
=
„DAS LEHRBUCH“

in Verbindung mit außerdem einem dem Gesamttitel beigegebenen
(und hier mit in Klammern gesetzten Anmerkungen versehenene)
Sinnspruch:

„Qui que tus sois, tu y trouvera ton lot”
zu Deutsch:
„Wer du auch seiest, du wirst dort
(gemeint in diesem Buch)
dein Los (im Sinne von Lebensglück) finden.”

Bestätigenderweise gibt eine handschriftliche Charakterisierung seitens der Bibliothèque Les Fontaines Chantilly/Oise dem 331 Seiten umfassenden und in CLXVI (166) „Livres” gegliederten Werk den folgenden aufschlussreichen Beititel (in Klammern Gesetztes = Erklärungen des Verfassers):

„Manuel de religion naturelle, d’ésprit comme en produisaient les philosophies des loges de ce temps”
=
„Lehrbuch der Naturreligion, vom Geiste wie ihn die Philosophien der Logen
dieser Zeit hervorbrachten“
(gemeint die den Idealen der Humanität, Toleranz und Brüderlichkeit verpflichteten Freimaurerlogen dieser Zeit).

Im Jahr 1862 (und sogar laut Dr. Hans H. von Wimpffen noch einmal 1997) is∫t in Paris ein Nachdruck dieses Werkes erschienen, dessen Titelseite ganz genau dem Vorbild der Urausgabe entspricht:

Abb. P 12: Die von unbekannter Hand mit „par WIMPFEN (Félix de)“ als dem Namen des Verfassers beschriftete sowie mit dem „BIBLIOTHÈQUE Les Fontaines 60 – CHANTILLY“ lautenden Stempel versehene Titelseite des 1862 in Paris von der Librairie de L. Hachette et Compagnie wieder aufgelegten Werkes „Le Manuel de Xéfolius“, deren zwischen Betitelung mit Sinnspruch oben und Verlegernamen und -adresse unten das von Zierart umspielte Monogramm G. F. auf den nicht identifizierbaren Herausgeber hindeuten dürfte.

Dieses Herausgebers nachstehend gezeigtes Vorwort lässt spüren, dass dieses Erziehungswerk – nicht zuletzt der fehlenden Nennung des Autors wegen – immer wieder Rätsel aufgegeben hat:

  • Abb. P 13: Das von der Hand des unbekannten Ergänzers des Titelblattes mit dem Namen des Autors richtiggestellte Vorwort des Herausgebers im 1862 in Paris wiedererschienenen „Le Manuel de Xéfolius“. 

Dieser berichtet dort, dass zahlreiche Recherchen, dieses Buch wiederzufinden, fruchtlos geblieben seien. Eine einzige Person hätte sagen können, dass es zu 60 unter die Freunde verteilten Exemplaren gedruckt worden sei und sein Autor der (17)93 guillotinierte Félix de Wimpfen gewesen wäre. Doch fügt ein Richtigwissender, der sicherlich mit dem Ergänzer des Titelblattes identisch ist, am Rand handschriftlich dem „guillotiné en 93“ korrigierend „mort en 1814 (voici Larousse)“ (= gestorben 1814 – siehe Larousse) hinzu, wobei mit dem beigefügten Namen „Larousse“ sicherlich der berühmte Grand dictionaire universelle du XIX siècle“ von Pierre Larousse gemeint ist.

Die mit „Résumé“ = „Zusammenfassung“ überschriebene Charakterisierung der heutigen „Bibliothèque du Grand Orient de France (GODF). Centre de documentation maςonnique“ einer 1993 erschienen 38-seitigen Broschüre von Charles Porset, betitelt mit „Le Manuel de Xéfolius (1788) et la question du bonheur“ = „Das Lehrbuch des Xéfolius (1788) und die Frage des Glücks“ (Numéro d’inventaire: 2501), lautet folgendermaßen:

„Une étude sur ce rare et curieux livre prônant la morale naturelle qui indique comme lieu de parution ,Au Grand Orient‘ sur la page de garde. Il est probablement l’oevre du Baron Louis-Félix de Wimpffen qui aurait été membre de la Loge Thémis à l’orient de Caen.“
=
„Eine Untersuchung über das seltene und eigenartige Buch, das die Naturmoral preist, wie der Ort des Erscheinens ,Au Grand Orient’ auf der Titelseite  anzeigt. Es ist wahrscheinlich das Werk des Barons Louis-Félix de Wimpfen, der Mitglied der Loge Thémis à l’orient von Caen gewesen ist.“

Sonach gewinnt man den Eindruck, wenngleich das Wort „wahrscheinlich“ die Feststellung abschwächt und die Reihenfolge des Doppel-Vornamens umgedreht ist, dass unsere Gegenwart den anonymen Autor des „LE MANUEL DE XÉFOLIUS“ zweifelsfrei entschlüsselt hat; und dazuhin findet sich durch die Feststellung, dass derselbe Mitglied der Loge „Thémis à l’orient“ von Caen gewesen ist, der den von den Inhalten dieses Werkes her getroffenen Gedankenschluss, dieser müsse Freimaurer gewesen, endgültig bestätigt.

Wie bereits gesagt, blieb die Suche nach der laut der Biografie des FELIX (FÈLIX) LUDWIG (LOUIS) VON (DE) WIMPFFEN von Adolphe Robert und Gaston Cougny von diesem hinterlassenen „Memoires” erfolglos. Dafür war im Internet und ist auch in der langen Reihe der „Biographien“ von Dr. Hans H. von Wimpffen im Titel „General Felix I. von Wimpffen“ die folgende auf diesen mitbezogene Darstellung zu finden:

  • Abb. P 14: Das Titelblatt der Reisebeschreibung „VOYAGE TO SAINT DOMINGO, IN THE YEARS 1788, 1789, AND 1790. By FRANCIS ALEXANDER STANISLAUS, BARON DE WIMPFFEN. TRANSLATED FROM THE ORIGINAL MANUSCRIPT, WHICH HAS NEVER BEEN PUBLISHED, By J. WRIGHT“, erschienen in London (angegebenes – offenkundig fehlgedrucktes –  Erscheinungsjahr M.DCC CXVII handschriftlich korrigiert zu M.DCC XCVII) 1797 mit auf dem Blatt davor der Profildarstellung des „M. LE BARON FELIX DE WIMPFFEN, Député du Baillage de Caen. á l’Assemblée Nationale de 1789“.

Das vorstehend gezeigte in englischer Sprache in einem einzigen Band erschienene Reisewerk wurde gleichzeitig auch in französischer Sprache, allerdings verteilt auf zwei Bände, veröffentlicht, dessen Titelseite (unter Weglassung der Vornamenkette des Autors sowie der Namensschreibweise folgendermaßen lautete:
– Voyage à Saint-Domingue, pendant les années 1788, 1789 et 1790; par le Baron de Wimpffen, Tome premier. A Paris 1797. Chez Cocheris Imprimeur-Libraire, cloître Saint-Benoit, no. 352, Sections des Thermes, Au cinquième de la Republique.-
– Tome second, Paris 1798.

Gleichzeitig erschien eine ebensolche, d. h. auch auf zwei Bände verteilte,  deutsche Ausgabe, die ebenfalls unter Weglassung der Vornamen des Autors und Schreibung des Nachnamens statt mit ff, nur mit f, dazuhin unter Weglassung der Reisejahre und merkwürdigerweise Ersetzung des Wortes „voyages“ = „Reisen“ durch „neueste Reisen“, außerdem noch mit auf die Inhalte abhebender Erweiterung der Betitelung sowie auf die im Titel der englischen Ausgabe zu findenden Hinweis auf die zugrunde gelegene französische handschriftliche Vorlage des Verfassers hinweist:

– Des Freyherrn von Wimpfen neueste Reisen nach San Domingo oder Nachrichten über die geographischen, physischen, statistischen, moralischen und politischen Verhältnisse dieser Insel aus dem Französischen nach einer ungedruckten Handschrift des Verfassers, Erster Theil Erfurt, bei Beyer und Maring, 1798.
– „Zweiter Theil“ erscheinend unter dem gleichen Titel, Erfurt bei Beyer und Maring 1799.
Siehe hierzu:

  • Abb. P 15a: Das Titelblatt von Erster Theil der vorbeschriebenen deutschen Ausgabe, erschienen 1798 in Erfurt, versehen mit dem (einstigen) Besitzer-Stempel der Bibliothek der Universiät Greifswald.

  • Abb. P 15b: Das Titelblatt von Zweiter Theil der vorbeschriebenen deutschen Ausgabe, erschienen in Erfurt 1798.

Die vorstehend gezeigten Titelblätter sind der DIGITALEN BIBLIOTHEK Mecklenburg-Vorpommern entnommen worden, woraus der gesamte Text der beiden Teilbände zu greifen ist.

In der Rubrik „Literatur“ der Website des Dr. Hans H. von Wimpffen „wimpffen.hu“ ist eine mehr als elf Jahrzehnte später erschienene französische Neuausgabe aufgeführt, deren ursprünglich angegebenem (jetzt wieder mit „ff“ geschriebenem) Verfassernamen „Baron de Wimpffen“ nunmehr die veränderte Vornamenkette „Franςois Louis Alexandre“ beigegeben und der Urtext unter Heranziehung von Urkunden durch die Brille eines von der in den Reisejahren aufdämmernden Französischen Revolution her Schauenden Kommentierung findet:
– Wimpffen, Franςois Louis Alexandre Baron de: Saint-Dominigue à la veille de la Révolution. Annotés d’après les Documents d’Archivs et les Mémoires du Baron de Wimpffen per Albert Savine. Collection historique illustrée, Paris 1911, Louis Michaud Editeur.

Zuguterletzt ist noch eine aktuelle 594-seitige, nach dem Muster der deutschen Ur-Ausgabe betitelte und mit dem in der englischen Erstausgabe zu findenden, abgesehen von der Streichung von „Francis“, vollen Verfassernamen versehene, Taschenbuch-Ausgabe aufzuführen:
– Alexander Stanislas de Wimpffen. Des Freiherrn von Wimpfen neueste Reisen nach Saint Domingo oder Nachrichten über die geographischen, physischen, statistischen, moralischen und politischen Verhältnisse dieser Insel aus dem Französischen nach einer ungedruckten Handschrift des Verfassers (Reprint of the Original from 1799); EOD Reprint provided by University Library of Greifswald 2012.-

Die, um wieder zur Urausgabe zurückzukommen, dem Titelblatt der oben eröffnend gezeigten englischen Ausgabe als Devise beigegebene Zitierung des französischen Philosophen und Essayisten Michel de Montaigne (1533 – 1592) lautet:

Les Voyages font bons, non pour rapporter seulement combien de pas a  SANCTA ROTUNDA  ou la couleur des caleçons de la  SIGNORA LIVIA, mais pour frotter et limer notre cervelle contre celle d’autrui.
=
Die Reisen bringen Gutes, nicht nur um darüber zu berichten, wieviele Schritte es zur SANCTA ROTUNDA sind oder über die Farbe der Unterhose der SIGNORA LIVIA, sondern sich vor Augen führen und unser Gehirn gegenüber anderen Menschen zu öffnen.

Diese, das Mittel der Ironie heranziehende, Devise versucht, dem Leser die Wertung des Reisens im Sinne des Begegnens und Kennenlernens der Menschen über Grenzen und Erdteile hinweg darzulegen. Dahinter darf man wohl die philanthropische Geisteshaltung des die Entstehung dieses Reisewerkes  vielleicht mehr oder minder unterstützten und deshalb gegenüber der Titelseite auf einer Art Ehrenseite in Konterfei, Namen und Betitelung hinzugebrachten FÉLIX LOUIS (FELIX LUDWIG) DE (VON) WIMPFFEN vermuten. Auch steht zu vermuten, dass dieses Vorblatt nicht zuletzt dazu dienen sollte, den nachnamensgleichen Schöpfer dieser Reisebeschreibung in das strahlende Licht dessen von besonderem Ruhm begleiteten Lebens zu rücken.

Was den Inhalt dieser in sog. Briefe gegliederten Schrift (Band 1: Erster Brief – Sechzehnter Brief – Band 2: Siebzehnter Brief – Vierzigster Brief ) anbelangt, so ist, folgend hauptsächlich
– Marie Biloa Onana, Der Sklavenaufstand von Haiti. Ethnische Differenzierung und Humanitätsideale in der Literatur des 19. Jahrhunderts, 2010, Köln . Weimar . Wien,
kurzfassend (von den vielen belehrend-wertenden Beschreibungen der besonderen Pflanzen- und Tierwelt, der Menschen – Einheimischen wie Hinzugekommenen – und ihres Tuns, den Krankheiten und vielem anderen mehr hier nicht zu reden) Folgendes herauszuheben:
Der Autor reiste 1788 nach Saint Domingue (gemeint damit ist sowohl die Hauptstadt Santo Domingo der heutigen Dominikanischen Republik als auch die heute Hispaniola geheißene Insel in der Karibik) und verließ diese 1792 zur Zeit der ersten durch das Gedankengut der Französischen Revolution ausgelösten revolutionären Unruhen und damit bevor diese dann 1795 aus spanischer unter französische Hoheit gelangten. In diesem aus sog. Briefen bestehenden Werk gibt er subjektiv und gefühlsbetont seine dortigen Erlebnisse und Eindrücke wieder. Vor allem kritisiert er die in vorrevolutionärer Zeit seitens der weißen spanischen und französischen Plantagenbesitzer gegenüber den aus Mulatten und Schwarzen bestehenden Arbeitern ausgeübte Sklaverei sowie das Rassenvorurteil sowie deren Konsequenzen und führt all dies auf die misslungene Kolonialpolitik Frankreichs zurück. Doch bleibt er den Freiheitsbestrebungen der Sklaven gegenüber durchaus pessimistisch eingestellt. Es fehle den Sklaven an Erziehung und diese hält er für eine notwendige Voraussetzung für die Freiheit. Aus diesem Grund wären die „Amis des Noirs“ (Freunde der Schwarzen) aus seiner Sicht eine Sekte, Feinde der Weißen und Unruhestifter. Diese hätten durch ihre philanthropische Rethorik diese zum Aufstand aufgewiegelt und somit ihren schwärmerischen, realitätsfeindlichen Prinzipien geopfert. Vor allem aber kritisiert er die Bestrebungen französischer Revolutionäre, die Errungenschaften der Französischen Revolution auf Saint-Domingue übertragen zu wollen.

Die vorstehend aufgelistete über zwei Jahrhunderte reichende Folge von Veröffentlichungen dieses Reisebuches in drei Sprachen, denen – wie in der wechselnden Betitelung mehrfach gesagt ist – eine Handschrift in französischer Sprache zugrunde lag, gibt insofern Rätsel auf, als bei der französischen wie auch  deutschen Urausgabe von 1797/98 bzw. 1798/99 der Verfasser ohne seine Vornamen nur als BARON VON WIMPFFEN bzw. FREIHERR VON WIMPFEN (dieser hier gegenüber der englischen und französischen Ausgabe nicht mit „ff“, sondern mit „f“ geschrieben) erscheint. Irritierend kommt dazu, dass die in der englischen Ausgabe sowie in allen Folgeausgaben erscheinende Vornamenkette  ziemlich unterschiedlich (zunächst FRANCIS ALEXANDER STANISLAUS =  FRANZ ALEXANDER STANISLAUS, dann FRANÇOIS LOUIS ALEXANDRE = FRANZ LUDWIG ALEXANDER und schließlich nur ALEXANDER STANISLAS) lautet. Die Verwirrung wird perfekt durch den Umstand, dass in der Genealogie der Adelsfamilie De bzw. Von Wimpf(f)en kein solcher all dieser Vornamensformen auffindbar ist. So sucht man ALEXANDER in dieser vergebens, und wenn man sich an STANISLAUS hält, so stoßen wir zwar in Generation XIII bzw. 11 auf STANISLAUS GUSTAV LUDWIG (1721 – 1793), den Begründer vom a) Stanislaus’ Zweig, und in Generation XIV bzw. 12 auf  STANISLAUS FÉLIX GUSTAV AIMÉ (1787 – 1843), den Sohn des Begründers vom e) Félix’ Zweig FÈLIX LUDWIG (1744 – 1814); doch lauten bei diesen beiden nicht nur die Beivornamen völlig anders, sondern der Letztgenannte ist erst 1787 und damit nur ein Jahr vor dem Beginn der im fraglichen Buch beschriebenen Reise nach Sankt Domingo geboren; und der Erstgenannte kommt als Autor auch deshalb nicht in Frage, weil er in seinem letzten Lebensdrittel nach dem Tod seines Vaters JOHANN GEORG (geb. 1689, gest. 1767) dessen Funktion des Oberamtmannes des Amtsbezirkes Minfeld ausgeübt hat.
Des Rätsels Lösung ergibt sich aus dem  Studium
– zum einen der der deutschen Urausgabe von 1798/99 eröffnend beigefügten Zuwidmung in Verbindung,
– zum andern mit dem Auftakt und dem Ende des dieser folgenden langen sog. Vorrede.
Siehe hierzu zunächst:

  • Abb. P 16a: Die erste Seite der dem Titelblatt „Des Freiherren von Wimpffen neueste Reisen nach Saint Domingo … “ folgenden Weihung (im Sinne von Zuwidmung), die dem Herzog (seit ausgangs 1797) Friedrich II. und späteren Kurfürsten ab 1803 sowie schließlich König ab 1806 Friedrich I. von Württemberg (1754 – 1816) gilt.

Ueberzeugt und getröstet, daß  I h-
r e  H e r z o g l i c h e   D u r c h l a u c h t  das
geringe schwache Opfer nicht nach sei-
nem unbedeutenden Werth, sondern
nach der Fülle der Empfindungen schä-
zen, wage ich es, dieses litterarische
Werk  
H ö c h s t d e n e n s e l b e n  zu Füßen
zu legen, um dadurch jene gränzen-
lose Dankbarkeit, Ehrfurcht und Ver-
ehrung zu bezeichnen, womit ich die
höchste Gnade habe, in tiefster Unter-
thänigkeit zu seyn“,

Ihrer Herzogl. Durchlaucht
und
des Gnädigsten Erbprinzen

London d. 15. Ap. 1797          unterthänigster Dr.

Freiherr von Wimpfen.

Dieser Schluss zeigt, dass der hier als Huldigender und genau wie im Buchtitel als Autor nur mit seinem Titel und Nachnamen erscheinende „Freiherr von Wimpfen“ damals sich im Dienst des vorgenannten Herrschers befunden hat. Die Datierung „London, den 15. April 1797“ geht mit dem Umstand, dass der ursprüngliche ERBPRINZ FRIEDRICH erst ausgangs 1797 nach dem am 23. Dezember 1897 erfolgten Tod von HERZOG FRIEDRICH EUGEN (1732 – 1797) Herzog geworden ist, insofern zuammen, als der Druck des ersten Bandes erst im Nachjahr 1798 erfolgt und so noch Anpassungen in Richtung der Titelergänzungen (so vor allem die auf der ersten Widmungsseite unten an die oben verwendete Betitelung „Dem Durchlauchtigsten Erbprinzen“ unten angefügte Korrektur „*) Jezt regierenden Herzogen“) vorgenommen werden konnten. Die erstgenannte Unterbetitelung „General-Lieutenant in russischem  Dienste“ hebt darauf ab, dass dieser in 1780er Jahren in den Diensten Russlands gestanden und 1783 im Krieg gegen die Türkei zum Generalleutnant befördert worden war und ein Truppenkorps bei Cherson befehligt hatte.
Aus dem sich ergebenden Sachverhalt, dass der Autor damals, d. h. in den Jahren 1797 und 1798 Untertan, weil in dessen Dienste stehend, von HERZOG FRIEDRICH VON WÜRTTEMBERG (1754 – 1816) gewesen ist, dazuhin, dass er sich im Zeitraum der Ingangsetzung der Veröffentlichung seines Reisewerkes in London befunden hat, und die Datierung seiner Widmung nur einen starken Monat vor der dort am 18. Mai 1797 stattgefundenen Hochzeit dieses Herrschers mit CHARLOTTE AUGUSTE MATHILDE VON GROßBRITANNIEN (1766 – 1826) stattgefunden hat, legt den Schluss nahe, dass es sich bei diesem ohne Vornamen erscheinenden Autor um FRANZ LUDWIG VON WIMPFFEN (1752 – 1823) – nicht zu verwechseln mit dessen im angehenden Kapitel erstlinig behandelten gleichnamigen Onkel, dem Begründer des c) Franzens Zweigs (1732 – 1800) – gehandelt hat. Denn, wie im Rahmen des Kapitels T. Württembergische Nebenlinie“ unter Vorzeigung eindeutiger von mir 2013 im Stuttgarter Stadtarchiv gefundenem Archivmaterial belegt ist, war dieser im Zeitraum von spätestens 1799 bis zu seinem dortigen Tode im Jahr 1823 in Stuttgart ansässig, wo er zuerst als Kammerherr, später Major und erster Kammerherr sowie Adjudant „Seiner Majestät des Königs“ (gemeint ist: der vorgenannte ehemalige ERBPRINZ, ab 1797 HERZOG, ab 1803 KURFÜRST und schließlich ab 1806 KÖNIG FRIEDRICH I. VON WÜRTTEMBERG), schließlich spätestens ab 1811 als Major, Wirklicher Geheimer Rath und Erster Kammerherr der vorgenannten (jetzt) KÖNIGIN (ab 1816 KÖNIGINWITWE) CHARLOTTE AUGUSTE MATHILDE VON WÜRTTEMBERG (1766 – 1826). Nunmehr wird jedoch offenbar, dass der (damals ja immerhin schon 47 Jahre alte) Besagte schon vor 1799, nämlich spätestens ab 1797, doch höchstwahrscheinlich bereits einige Jahre zuvor, in des damaligen, wie oben gesagt ist, „Durchlauchtigsten Erprinzen von Wirtenberg“ Diensten gestanden ist.

Siehe außerdem als weiteren ergänzenden Beleg:

  • Abb. P 16b: Das der Zuwidmung folgende erste Blatt der mehr als ein Dutzend Seiten umfassenden „Vorrede“.

    In dieser Vorrede legt der sich „Freiherr von Wimpfen“ nennende und schreibende, doch ungekürzt FRANZ LUDWIG FREIHERR VON WIMPFFEN (1752 – 1823) heißende (und seinen Adelsnamen später mit „ff“ schreibende) Verfasser eröffnend Folgendes dar:
    Im Jahre 1788, d. h. schon in etwa ein Jahrzehnt zuvor, habe er „Briefe eines Reisenden“ herausgebracht, die aus einem größeren Werke, das er zusammen mit seiner „Reise nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung“ (damit ist das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas gemeint) herausgenommen waren und das er „wollte drucken lassen“, d. h. das nicht zum Druck gekommen ist. Dieses alles geht damit zusammen, dass dieser die ursprüngliche Absicht, ein umfängliches Reisewerk, worin dessen Reise zur Südspitze Afrikas enthalten war, im Jahr 1814, d. h. ein gutes Vierteljahrhundert später, realisiert hat. Dessen umfangreicher Titel, der ähnlichst wie jener der oben einleitend aufgezeigten in London 1797 erschienenen Reisebeschreibung gefasst ist, lautet:
    – „Briefe eines Reisenden, geschrieben aus England und Frankreich, einem Theil von Afrika, und aus Nord=Amerika, von dem Freyherrn von Wimpffen, wirklichen Geheimen Rath und erstem Kammerherrn von Ihro Majestät, der Königin von Württemberg; aus der französischen Handschrift übersetzt und herausgegeben von P. J. Rehfues, Hofrath und Bibliothekär Sr. Königl. Hoheit des Kronprinzen von Würtemberg, und korrespondierendem Mitglied der italienischen Akademie zu Florenz. Erster Band. Darmstadt, 1814. bey Heyer und Leske.“
    – Zweyter Band 1814 und Dritter Band 1815 erschienen.
    Genau wie die ältere, auf Sankt Domingo gerichtete, Reisebeschreibung ist diese in sog. Briefe gegliedert; und auch der belehrend-bildungsheischende Stil wie die behandelten Inhaltsbereiche ähneln dieser voll und ganz. Der in Kapitel T. Württembergische Nebenlinie eingebrachte vollständige Lebenslauf des FRANZ LUDWIG VON WIMPFFEN (1752 – 1823) sowie die dort zu findenden weiteren Angaben über dieses 1814/15 erschienene Reisewerk werden helfen, Folgendes mit Sicherheit sagen zu können: Es steht außer Frage, dass hinter den vorgestellten beiden Reisewerken die gleiche, d. h. dessen Person, steht. Damit erklärt es sich denn auch, dass die Titelfassung der deutschen Ausgabe seines zeitmäßig in der Mitte stehenden Reisewerkes von 1798/99 nach Sankt Domingo sich der Formulierung „Des Freiherrn von Wimpfen neueste Reisen …“ bedient.
    Fragt sich abschließend nur noch, was diesen veranlasst haben könnte, im in London in Englisch 1897 veröffentlichten Werk statt richtigerweise FRANCIS LEWIS oder FRANÇOIS LOUIS oder FRANZ LUDWIG das Vornamen-Pseudonym FRANCIS ALEXANDER STANISLAUS zu verwenden bzw. in der französischen und deutschen Fassung sich auf den Nachnamen BARON DE WIMPFFEN bzw. FREIHERR VON WIMPFEN zu beschränken? Keine rechte Antwort wissend, soll nunmehr die Schilderung des Lebensganges des FÉLIX LOUIS DE (FELIX LUDWIG VON) WIMPFFEN (1744 – 1814) abgeschlossen und dann noch eine kurze Betrachtung seiner Nachkommenschaft angefügt werden:
    Das diesem im ausgehenden 18. Jahrhundert zugekommene Amt des Leiters der Gestüte Frankreichs, war zwar eine – entgegen seiner beruflichen Anfänge sowie im Zeitabschnitt der Französischen Revolution stattgehabten Phasen militärischer Führungstätigkeit – unkriegerisches Metier; doch war dieses für die Versorgung der französischen Truppen mit Pferden höchst wichtig. Er soll dieses Amt bis zu seinem oben bereits vermerkten Tod innegehabt haben.

Der abschließende Blick in die erweiterte und korrigierte II. Stammtafel des Constantin von Wurzbach hin zum Ende der Generationsreihe XIII bzw. 11 weist diesen, um noch einmal darauf hinzuweisen, als den Stammvater des letzten der fünf Zweige, dem e) Felix-Zweig, aus. Aus diesem gehen, wie der Weiterblick auf den Generationsabschnitt XIVe bzw. 12e zeigt, die zwei Söhne namens
– CHRISTIAN FELIX VICTOR (1780 – 1833) und der oben bereits erwähnte
– STANISLAUS LOUIS GUSTAV AIMÉ (1787 – 1843) hervor.
Und aus dem Älteren wächst eine weiterhin fast ausnahmslos in Frankreich ansässige gebliebene Nachkommenschaft. Aus dieser sei allein der am Anfang der dreiteiligen Generationsleiste XVIIe bzw. 15e stehende
– GEORG OSWALD, geb. am 01. 09. 1842 (wie aus der diesem von Wurzbach beigegebenen Biografie Nr. 37 hervorgeht) zu Pau in Frankreich und gest. (wie anderen Quellen entnommen) am 11. 11. 1910 in Forchheim/Main. Hauptsächlich Wurzbachs – hier verkürzt dargebrachter – Lebensdarstellung Nr. 37 folgend, wurde dieser als Knabe nach Österreich gegeben, genoss im Kadetteninstitut zu Marburg eine militärische Vorbildung, kam 1858 in die Wiener-Neustädter Akademie und aus dieser 1862 als Lieutenant minderer Gebühr in das Infanterie-Regiment König der Belgier Nr. 27. Im Feldzuge gegen Dänemark 1864 wurde er bei Oeversee am Kopfe schwer verwundet. 1866 stieg er im österreichischen Militärdienst bis zum Oberlieutnant auf und kam später in das militär-geographische Institut. 1885 vermählte er sich mit MARIE (THERESIA SYLVESTRA) FREIIN HORNECK VON WEINHEIM, Dame des königlich bayrischen Elisabethordens und lebte in den ausgehenden 1880er Jahren auf Schloss Kreuzwertheim am Main.

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FRANÇOIS LOUIS DE WIMPFFEN/FRANZ LUDWIG VON WIMPFFEN (1732 – 1800), um nunmehr endlich wieder mit der hier erstrangig anstehenden Schilderung dessen Lebens und Wirkens zu Ende zu kommen, setzt – anders als sein vorstehend aufgeführter jüngster Bruder FELIX LUDWIG wie auch dessen zuvor umschriebener Neffe HERMANN/GERMAIN – den Dienst in der französischen Revolutionsarmee bleibend fort: 1892/93 führt er eine Division der französischen Rheinarmee, die unter dem Befehl von General ALEXANDRE VICOMTE BEAUHARNAIS (1760 – 1794), dem Gatten der JOSÉPHINE DE BEAUHARNAIS, der späteren ersten Gemahlin von NAPOLEON BONAPARTE, steht. Dieser und auch François Louis de Wimpffen werden allerdings in der nun beginnenden Schreckensherrschaft der Jakobiner als Royalisten und Aristokraten und damit als Feinde der Republik betrachtet und, beschuldigt von Mitgliedern des herrschenden Nationalkonvents, als Konterrevolutionäre angeklagt und aus ihren militärischen Funktion entlassen sowie in Paris im Gefängnis Conciergerie, dem „Vorzimmer des Todes”, eingekerkert.

Während François Louis der im April 1792 erstmals eingesetzten Guillotine entkommen kann, wird Alexandre Beauharnais im Juli 1894 hingerichtet. Und auch Fürst Friedrich III. von Salm-Kyrburg entgeht dieser nicht. Zunächst muss dieser nach einer sommerlichen Reise mit zwei der Hofdamen sowie dem Mitte Dezember 1789 geborenen Sohn und späteren Thronfolger Friedrich (IV.) von Paris nach Kirn am frühen Morgen des 23. August 1790 den nach plötzlich immer wieder einsetzenden Hustenanfällen unerwartet eingetretenen Tod seiner gerade 25 Jahre alten Gemahlin JOHANNA FRANZISKA erleben. In diesem Zusammenhang stoßen wir jetzt wieder auf LUISE VON WIMPFFEN, indem wir in den Memoiren der damals in Kirn anwesend gewesenen AMALIE ZEPHYRINE Folgendes berichtet finden:
„Man kann nicht sagen, dass diese arme junge Frau (gemeint: Johanna Franziska) in ihrem Leben sehr geliebt wurde. Im Allgemeinen fand man sie kühl und wenig gefühlvoll. Dennoch wurde ihr Tod beklagt, insbesondere von ihrer Ersten Hofdame, Fräulein von Wimpfer, die spätere Madame de Lièvreville.”
Und im Fortgang des Tagebuchs heißt es nach einer insbesondere der Person und dem Tod der Schwägerin sowie ihrem hinterlassenen Sohn u. a. m. geltenden Passage weiter:
„Wir verließen also Kirn mit meinem Bruder, seinem Sohn, einer Hofdame meiner verstorbenen Schwägerin,116 die ich in meine Dienste nahm.” Die aufschlussreiche Fußnote 116 lautet wie folgt: „Es handelt sich sicherlich um Fräulein von Wimpfer, denn Amalie zahlte ihr später eine Rente.”
Demnach wurde ausgangs August 1790, die seit April 1782, also etwas mehr als acht Jahre, im Dienste der Fürstin JOHANNA FRANZISKA VON SALM-KYRBURG gestandene und deren hauptsächlich wechselnd in Paris und Kirn verbrachtes Leben geteilte LUISE VON WIMPFFEN von deren Schwägerin ZEPHYRINE VON SALM-KYRBURG übernommen und war, so steht zu vermuten, bis in etwa zu ihrer Verehelichung mit dem Adjudanten ihres Vaters LEON THEOPHILE DE LIÈVREVILLE im März 1792, d. h. als solche noch knapp zwei Jahre tätig. Nach wie vor führt der nunmehrige Witwer FÜRST FRIEDRICH III. VON SALM-KYRBURG, wie die Schwester schreibt, „vergiftet durch die Revolution” einen höchst aufwendigen überzogenen Lebensstil und somit sein Vermögen in die Zerrüttung und die Finanzen seines kleinen Landes in den Ruin, so dass das Reichskammergericht 1792 sogar eine Konkursverwaltung einsetzen muss. Er verlässt, entgegen dem Rat seiner Schwester, Paris und Frankreich nicht, weil er die sonst befürchtete Konfiszierung seines Besitzes in Frankreich verhindern will. Und er, der zunächst der Revolution durchaus positv gegenüberstand und als einziger deutscher Reichsfürst gegen den Krieg mit dem revolutionären Frankreich votiert hatte, kritisiert auch ziemlich heftig die nun die Oberhand gewinnenden Jakobiner. Nach einer Hausdurchsuchung im Palais Salm im Februar 1794 erfolgt Anfang April seine Festnahme und Festsetzung im Gefängnis Conciergerie und am 23. Juli 1794, demselben Tag, da Alexandre de Beauharnais sein Leben verliert, findet seine Hinrichtung durch die Guillotine statt.

Der Tod des Bruders FÜRST FRIEDRICH III. VON SALM-KYRBURG wie auch der des ALEXANDRE BEAUHARNAIS unter dem Fallbeil findet sich in den Memoiren der die schlimmen Schreckensjahre unter unsäglichen Mühen und großen Entbehrungen überstehenden AMALIE ZEPHYRINE tief beklagt. Schon 1792 befinden sich in deren Obhut und Erziehung sowohl ihr 1789 geborener und 1790 mutterlos sowie 1794 dann noch vaterlos gewordener Neffe FRIEDRICH VON SALM-KYBURG (später als Erbnachfolger der IV.) als auch die beiden aus der 1785 nach beider Einverständnis getrennten Ehe des ALEXANDRE und der JOSÉPHINE DE BEAUHARNAIS hervorgegangenen Kinder EUGÈNE, geb. 1781, und HORTENSE, geb. 1883. Es mag zwar die Tatsache der aufopferungsvollen Obsorge derselben für das letztgenannte Geschwisterpaar die neuerdings wieder durch die Bearbeiterinnen Christina Egli und Doris Muth unter Hinweis auf den Experten für die Biografie der Kaiserin Joséphine Bernard Chevalier mit dem Hinweis, dass diese Behauptung wegen des Fehlens entsprechender Belege weder bestätigt noch widerlegt werden könne, die These vieler Historiker nähren, dass Amalie Zephyrine die langjährige Geliebte des Vaters der beiden Kinder Alexandre de Beauharnais gewesen sei. Doch stellt sich diese Frage im Rahmen dieser den Von Wimpffen geltenden Untersuchung ja nicht. Wenn aber dennoch dieser wie jenem hier so viel Platz eingeräumt wurde, so ist das folgendermaßen zu begründen: Zum einen damit, dass mindestens über den Zeitraum von 1782 – 1792, also über ein ganzes Jahrzehnt hinweg, eine Verbindung der Familie des François Louis de Wimpffen mit derjenigen der von Salm-Kyrburg bestanden hat, zum anderen, weil die Kenntnis dieser Verbindung hilft, die These deren Einflusses auf dessen Rückkehr in sein Heimatland Frankreich zu verifizieren.

Nach dem eine knappe Woche nach der Hinrichtung des ALEXANDRE DE BEAUHARNAIS und des FÜRSTEN FRIEDRICH III. VON SALM-KYRBURG am 27./28. Juli 1794 erfolgten Sturz und der Hinrichtung Robbespierres und dann auch seiner Anhänger und der Übernahme der Herrschaft durch das Direktorium kommt FRANCOIS LOUIS DE WIMPFFEN schließlich frei und kann in die Dienste der französischen Armee zurückkehren. Denn unter der Realisierung der eingeführten allgemeinen Wehrpflicht (levée en masse) und der weiteren Bedrohung durch die Koalitionstruppen werden erfahrene und tüchtige militärische Führer dringender denn je gebraucht. Er wird schließlich Divisionsgeneral und inzwischen hat im November/Dezember 1799, worauf schon hingewiesen, NAPOLEON BONAPARTE, der Beste unter den französischen Generälen, den Sturz des Direktoriums bewirkt und sich zum Ersten Konsul emporgeschwungen. Auch ist die Vollendung der besitzrechtlichen Übergabe aller linksrheinischen Gebiete des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation an Frankreich über den Kongress von Rastatt des Jahres 1799 im Gange. Zum Schluss ist François Löuis de Wimpffen Präsident des französischen Revisionsgerichts in Mainz, das 1897 zum vierten Mal französisch geworden ist. In dieser Eigenschaft stirbt er am 24. Mai 1800 im Alter von 68 Jahren und wird dort auf dem Friedhof der Peterskirche beerdigt. Seine am 24. Dezember 1820 in Frankfurt am Main im Alter von 75 ½ Jahren gestorbene Frau MARIE CONIGONDE (MARIA KUNIGUNDE), die ihm durch all die vielen militärischen Wirkungsbereiche und weitverstreuten Wirkungsstätten in Frankreich und im dem Untergang entgegengehenden Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gefolgt ist und ein Dutzend Kinder geboren und aufgezogen und wohl maßgeblich miterzogen hat, überlebte ihn noch zwei Jahrzehnte und konnte somit den vom Großvater JOHANN GEORG vorbereiteten ausnahmslosen Aufstieg ihrer überlebten sieben Söhne wohl noch sehr viel mehr als ihr Gatte wahrnehmen.

Nachzutragen ist, dass FRANÇOIS BARON DE WIMPFFEN oder auch nur FRANÇOIS WIMPFFEN, so ist jetzt, wohl Wirkung der Französischen Revolution, sein Verfasser-Name, in den ausgehenden 1790er Jahren weiterhin eifrig und hauptsächlich als militärischer Schriftsteller tätig gewesen ist, dessen gleichzeitig auch in deutscher sowie teilweise auch in englischer Sprache erschienenen Schriften sich insbesondere mit der Erziehung der Jugend für den Heeresdienst und der Reform der Heeresorganisation und -finanzierung, doch auch mit der im Zuge des Vordringens von Frankreich unter Napoleon Bonaparte zum Rhein hin und darüber hinaus mit der politischen Neugestaltung des, wie er sagt, „Empire Germanique” befassten. Die jeweils mit Erläuterung versehenen Titel derselben lauten:

– Le militaire expérimenté ou l’instruction du Général de Division François Wimpffen à ses fils et à tout jeune homme destiné au metier des armes.- Par cette instruction, le Général Wimpffen conduit tout militaire depuis le plus petites expéditions guerrières jusque’aux grandes batailles, qui seul decident du destin des empires. Redigé en floreal de l’an VI. Paris chez Magimel, Libraire pour l’Art militaire, quai des Augustines, no. 73, An VI (1797/98).
Englische Ausgabe:
– Macdonald, M.: L’officier expérimenté; London 1798 und 1804
Deutsche Ausgabe:
– Des Französischen Divisions-Generals Franz Wimpffen Unterricht für seine Söhne und alle jungen Leute, die sich den Kriegsdiensten widmen wollen. Aus dem Französischen übersetzt; Dresden 1799 in der Waltherischen Hofbuchhandlung.
Außerdem nur als unveröffentlichtes Manuskript vorliegend:
– The experienced soldiers. Ins Englische übertragen von Jonathan Barnett.
Hervorzuheben gilt insbesondere das Werk:
– Les Loisiers du Général de Division François Wimpffen, depuis trente jours qu’il est à Paris; ou indices sur l’empire d’allemagne dit l’Empire Germanique: Avec un Apperçu des moyens qui peut employer le Congrès de Rastadt, afin de parvenir promptement à des résultats très-heureux pour les Électeurs ecclésiastiques et pour les Princes et Comtes séculiers, qui ont perdu leur souveraineté à la rive gauche du Rhin. Germinal An VI, Avril 1798.- Siehe dazu:

050a

  • Abb. P 17a: Das Titelblatt der vorstehend aufgeführten Veröffentlichung „Les Loisiers du Général de Division François Wimpffen … ” („Muße des Divisionsgenerals Franz Wimpffen … „) des Jahres 1798;

050b

  • Abb. P 17b: Das in Section I – XI mit anschließender „Conclusion” (Schlussfolgerung) gegliederte Themenverzeichnis der vorgenannten, als Reformschrift anzusehenden, Veröffentlichung.

In dieser in Paris veröffentlichten Schrift versucht er, Mittel und Wege aufzuzeigen, die den (1797 eröffneten) sog. Rastatter Kongress befähigen, für jene geistlichen und weltlichen Herrscher, die nach dem vorausgegangenen Frieden von Campo Formio ihre linksrheinischen Territorien an Frankreich verloren haben, zu einem raschen und glücklichen Ergebnis der Entschädigung zu kommen. Die in Rastatt tagende Reichsdeputation, welcher die schwierige Aufgabe obliegt, darüber zu beschließen, welche der betroffenen weltlichen Fürsten und mit welchen der in ihrer Gesamtheit der Säkularisation anheimfallenden rechtsrheinischen geistlichen Territorien entschädigt werden sollen, bricht ihre Tätigkeit 1799 jedoch durch den Ausbruch des Zweiten Koalitionskrieges ohne Beschlussfassung und damit ohne rechtskräftigen Friedensschluss ab. Es erstaunt, mit welcher Sachkenntnis der Autor in den Abschnitten I – X die komplizierten unterschiedlichen weltlichen und kirchlichen Herrschaftsstrukturen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zu analysieren versteht, dann in Sect. XI. („Mon opinion sur les résultats du Congrès de Rastadt”) seine Meinung über die dort ins Auge gefassten Maßnahmen darlegt und schließlich auf den Schlussseiten 83 und 84 (überschrieben mit „Conclusion”) seine Schlussfolgerungen zieht. Seine diesbezügliche Kompetenz rührt zweifellos davon her, dass er über gute vier Jahrzehnte hinweg, beginnend im Österreichischen Erbfolgekrieg in den ausgehenden 1740er Jahren und endend in den auslaufenden 1780er Jahren mit der Rückkunft nach Frankreich, so gut wie ununterbrochen in zahlreichen über die Gesamtheit verstreuten Landschafts- und Herrschaftsbereiche des Heiligen Römischen Reiches kriegsteilehmend bis militärstrategisch und -politisch rege und umsichtig tätig gewesen ist. Hinzu kommt die mit einer in der Reichsstadt Frankfurt am Main Beheimateten geschlossene Ehe.
Der Titel der deutschen Ausgabe dieser höchst beachtenswerten übernationalen politischen Wegweisung lautet:
– „Muße des französischen Divisionsgenerals Franz Wimpffen, seit dreißig Tagen, daß er in Paris ist – oder Bemerkungen über das Deutsche Reich“, Paris 1798.
Durch seinen im Jahre 1800 erfolgten Tod hat er den 1802/03 durch den sog. Reichsdeputationshauptschluss in Gang gebrachte und vollzogene herrschaftspolitische Umordnung in Form der Auflösung der Geistlichen Herrschaften und Einverleibung in die Weltlichen Territorien und somit die konkrete Lösung der ihn umtreibenden besitz- und herrschaftspolitischen Problematik nicht mehr erlebt. Hinzu kam noch die in diesen Beschluss einbezogene Aufhebung fast aller Reichsstadt-Gerechtigkeiten und damit die Zuordnung von Wimpfen am Neckar zur Landgrafschaft Hessen, d. h. jenes Landstädtchens, das laut der Selbstbiografie des Franz Ludwig von Wimpffen für seine Sippe nicht nur namengebend gewesen sei, sondern sich (freilich ist dieses, wie im Endkapitel Z. Rück- und Weiterschau klargelegt, als pure Erfindung zu betrachten!) sogar in hochmittelalterlichen Zeiten in deren Besitz und unter der reichsvögtlichen Herrschaftsausübung derselben befunden haben soll.

Damit ist die intensive Betrachtung des Lebens des nach der Zählung von Stör der Generation 11 bzw. XIII nach derjenigen von Wurzbach angehörenden Gründers des Franzens-Zweiges FRANÇOIS LOUIS DE WIMPFFEN/FRANZ LUDWIG VON WIMPFFEN (1732 – 1800) mit gleichzeitig kürzeren oder längeren Blicken auf die Lebensgänge einiger seiner gleich ihm in den Militärdienst getretenen Brüder, so vor allem des ältesten derselben FÉLIX LOUIS/FELIX LUDWIG (1744 – 1814), sowie dessen Neffen GERMAIN bzw. HERMANN (1754 – 1820) und FRANZ LUDWIG (1852 – 1923), abgeschlossen. Natürlich wird im Fortgang da und dort noch, wie es sich ergibt, über den einen oder anderen derselben schlaglichtartig Weiteres sowie ganz besonders über den hier unerwähnt gebliebenen nächstjüngeren Bruder und Begründer des Zweiges d) FRANZ GEORG (1735 – 1816), gesondert in Kapitel Y. Georgs-Zweig, zu berichten sein. Auch wenn Franz Ludwig vergleichweise hier ungewöhnlich viel Raum gegeben wurde, so dürfte dessen dafür hauptsächlich verwendete Selbstbiografie bei weitem so wenig wie seine im laufenden wie im abschließenden Text nur angerissenen militär- und erziehungsbezogenen Werke ausgeschöpft worden sein. Sich mit ihm intensiv zu befassen, steht diesem auch deshalb zu, weil aus ihm der die gesamte untere Hälfte der II. Stammtafel von Wurzbach einnehmende mächtigste der Zweige der Von Wimpffen, der c) Franzens Zweig, gewachsen ist, der über weite Teile Europas und auch nach den USA Verbreitung gefunden hat und nunmehr im Fortgang schrittweise durchleuchtet werden soll.