{"id":1071,"date":"2019-07-03T14:35:20","date_gmt":"2019-07-03T12:35:20","guid":{"rendered":"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/?page_id=1071"},"modified":"2019-11-23T15:59:47","modified_gmt":"2019-11-23T14:59:47","slug":"betrachtungen-zum-sinngedicht-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/startseite\/betrachtungen-zum-sinngedicht-2\/","title":{"rendered":"Betrachtungen zum Sinngedicht"},"content":{"rendered":"<p>An Stelle eines Vorwortes:<\/p>\n<p><strong>Zur\u00fcck- und vorausblickende Betrachtungen zum dem Titel beigegebenen Sinngedicht<\/strong><\/p>\n<p>Es mag dem in diesen dritten \u2013 statt in einen neuen Folgeband ins Internet gebrachten \u2013 Teil der Reihe \u201eDie Geschichte der Exklave Wimpfen (1870 \u2013 1918)&#8220; eintretenden Leser merkw\u00fcrdig erscheinen, dass diesem statt des \u00fcblichen Vorwortes \u00dcberlegungen zu dem an den Titel gef\u00fcgten \u201eSinngedicht\u201c vorangestellt werden. Auch k\u00f6nnte dieses Sinngedicht Kopfsch\u00fctteln erzeugen, weil es dem Verdacht ausgesetzt erscheint, nach \u201eBlut und Boden\u201c zu riechen. Die Tatsache jedoch, dass dessen acht Reimzeilen von ihrem Sch\u00f6pfer HANS HEINRICH EHRLER (geb. am 7. Juli 1872 in Mergentheim \u2013 gest. am 14. Juni 1951 in Waldenbuch) bereits im Jahr 1911 und somit in der hier zu betrachtenden \u00c4ra des neuen Deutschen Kaiserreiches den Menschen insbesondere des s\u00fcdwestdeutschen Raumes gegeben worden ist, l\u00e4sst diesbez\u00fcglich jedoch auf Entlastung hoffen. Entscheidend ist es, Folgendes zu wissen: Dieser der so gut wie totalen Vergessenheit anheimgefallene Autor von \u00fcber 30 B\u00fcchern \u2013 darunter sind Romane, Erz\u00e4hlb\u00e4nde, Lyrik, auch mehrere Dramen und H\u00f6rspiele sowie Herausgaben \u2013 , der 1928 f\u00fcr seinen Gedichtband \u201eGesicht und Antlitz\u201c den Goethepreis und 1938 f\u00fcr sein Gesamtschaffen den Schw\u00e4bischen Literaturpreis erhielt, ist ein Enkel des Wimpfener vielger\u00fchmten T\u00fcrmers des Blauen Turmes der Jahre 1839 bis 1848 CHRISTOPH (LUDWIG) HEUERLING (geb. 1795 oder 1796 in Bieber bei Offenbach am Main \u2013 gest. am 13. Februar 1867 in Wimpfen) gewesen. Dieser ehemalige Teilnehmer des Feldzuges gegen das Frankreich Napoleons von 1814\/15 im Infanterieregiment unter Oberst von Steinling hatte die Stelle des sog. Wimpfener Blaut\u00fcrmers als Person mit guten musikalischen Kenntnissen sowie in Erw\u00e4gung, dass dieser als Hautboist (Oboist) und Hofchorist zu Darmstadt ganz vorz\u00fcgliche Zeugnisse vorweisen konnte und deshalb auch von Seiner Hoheit dem Erbgro\u00dfherzog Ludwig (dem sp\u00e4teren Gro\u00dfherzog Ludwig III.) noch ganz besonders empfohlen worden war, laut Beschluss des Gemeinderates vom 5. April 1838 bekommen. Die besondere Auswahl und erbgo\u00dfherzogliche Empfehlung ist damit zu erkl\u00e4ren, dass der Inhaber dieser Stelle gleichzeitig auch Leiter der damals teilweise bis zu acht Musikanten (so z. B. bei der vom Turmumgang des Blauen Turmes aus gebotenen traditionellen Weihnachts- und Neujahrsmusik) z\u00e4hlenden sog. Turmmusik gewesen ist. Dar\u00fcber hinaus bet\u00e4tigte er sich nach seiner Dienst\u00fcbernahme im Jahr 1839 auch als Gr\u00fcnder und hochbem\u00fchter Dirigent des ersten sog. \u201eSingvereins\u201c, der sowohl den Kirchengesang (in der Evangelischen Stadtkirche, obgleich katholisch) verbessern half, als auch bei anderen Gelegenheiten Gen\u00fcge leistete. Aus diesem wuchs in den beginnenden 1860er Jahren der von Heuerling geleitete Gesangverein \u201eC\u00e4cilia\u201c.<\/p>\n<p>CHRISTOPH HEUERLING ist auch jener Blaut\u00fcrmer gewesen, der mit Ehefrau (ROSINA) MARGARETHA, GEB. KRUG, und Kinderschar den furchtbaren Brand im nordwestlichen Burgviertel der eisigen Nacht des 11.\/12. Januar 1848 durchleiden musste, der auf den Blauen Turm \u00fcbergriff und mit dem Verlust von gro\u00dfen Teilen seiner Habe wie auch seines kostbaren in drei Jahrzehnten gesammelten Bestandes an Musikalien (Instrumenten und Notenmaterial) endete. 1852 ist dieser mit Familie auf den nunmehr wiederhergestellten und mit einem \u00fcberschweren steinernen Haupt versehenen Blauen Turm nicht mehr zur\u00fcckgekehrt; sondern er hatte sich in den Jahren der zwangsl\u00e4ufigen Abwesenheit zun\u00e4chst als Dom\u00e4nenbote, dann Steuerbote, schlie\u00dflich Steueraufseher bet\u00e4tigt und schlie\u00dflich im Wimpfen des dritten Viertels des 19. Jahrhunderts zum erfolgreichen Kaufmann entwickelt, der ein Ladengesch\u00e4ft am untersten Marktrain unterhalb vom Brunneng\u00e4ssle wie auch sp\u00e4ter sein j\u00fcngster und letzter vierter Sohn und sechstes Kind HEINRICH (EUGEN) HEUERLING (geb. am 4. Juni 1847 in Wimpfen auf dem Blauen Turm \u2013 gest<strong>. <\/strong>am 2. Januar 1908 in Wimpfen im Alter von 60 \u00bd Jahren) in den ihm eigenen stattlichen aneinandergebauten Geb\u00e4uden Nr. (ab 1895) 132\/133 betrieb. Demgegen\u00fcber hatte Christoph Heuerling das Amt des Stadtmusikus (unter vor\u00fcbergehender Trennung vom Amt des Stadtt\u00fcrmers) bis 1864 inne. Bevor er dieses mit 68 Jahren nach 25 Jahren gewissenhaft versehenem Dienst abgab, trug er um die angemessene Fortf\u00fchrung der, wie er sagte, \u201eChoralmusik\u201c in der Weise Sorge, dass er dem Gemeinderat die Namen von sechs Musikanten in Vorschlag brachte, die in der Lage waren, die folgende wechselnde Instrumentierung zu bieten: erste Trompete, erstes Fl\u00fcgelhorn, erstes und zweites Althorn, zweite Trompete, Tenor-Posaune und Bombardon (Bass-Trompete). Das Dirigentenamt des Gesangvereins \u201eC\u00e4cilia\u201c \u00fcbte er dagegen weiter aus, bis im Jahr 1867 ein pl\u00f6tzlicher Tod durch einen Hirnschlag seinem Leben im Alter von 71 Jahren ein Ende bereitete.<\/p>\n<p>Dieses alles hier noch einmal so genau \u2013 und sogar \u00fcber das bereits in Band 2<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> Festgestellte hinaus \u2013 darzulegen, ist damit zu begr\u00fcnden, dass des Vorbeschriebenen Enkel Hans Heinrich Ehrler, obgleich in der ehemaligen Deutschordensstadt Mergentheim aufgewachsen, sich mit Wimpfens Blauem Turm elementar verbunden f\u00fchlte. Um dies zu illustrieren, bedarf es der Darlegung einer Kette von das Leben vor allem seiner Mutter wie auch das seinige begleitenden Fakten:<br \/>\nDie Mutter MARGARETHA EHRLER, GEB. HEUERLING, ist am 15. September 1830 in Darmstadt geboren<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a>, wenngleich Hans Heinrich Ehrler selbst in dem seiner Vaterstadt Mergentheim gewidmeten B\u00fcchlein der Erinnerung \u201eDie Reise in die Heimat\u201c (1926, wiedererschienen 1939 und 1958)<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a> \u2013 vielleicht irrt\u00fcmlich oder aber dichterisch verbr\u00e4mt \u2013 ganz anders schreibt: <em>\u201eMeine Mutter ist auf dem blauen Turm in Wimpfen geboren. So machte mich das dorther gelaufene Blut zum Erbfreund auch des hiesigen steinernen Vetters.\u201c <\/em>Gestorben ist sie, so stellt dieser im vorgenannten Werk fest, als er noch nicht f\u00fcnf war, in Mergentheim. Wie vom Stadtarchiv Bad Mergentheim zu erfahren, geschah das am 7. November 1877 und somit schon im Alter von noch nicht ganz 47 Jahren, und zwar vier Tage nach der Entbindung einer Tochter per Kaiserschnitt. Daraus ergibt sich, dass sie von 1839 bis zu Anfang 1848, d. h. ab etwa dem ca. 8. bis zum 17. Lebensjahr, und damit in einer pr\u00e4genden Periode ihres Lebens, in der v\u00e4terlichen T\u00fcrmerwohnung auf dem Blauen Turm in Wimpfen gro\u00df geworden ist. Bei der Suche nach ihren Geschwistern sto\u00dfen wir im Register der Geburten und Taufen sowie dem Sterbebuch der Katholischen Kirchengemeinde Bad Wimpfen \u00fcber die Geburt des vorgenannten \u00c4ltesten des Jahres 1847 hinaus auf den als f\u00fcnftes Kind und dritter Sohn am 28. Februar 1840 in Wimpfen geborenen Bruder PHILIPP WILHELM, der mit noch nicht f\u00fcnf Jahren schon am 2. Januar 1845 gestorben ist. \u00dcber die daraus zu schlie\u00dfenden noch vorhanden gewesenen zwei weiteren \u00e4lteren Br\u00fcder und eine weitere \u00e4ltere Schwester, die alle wie Margaretha Heuerling vor dem Dienstantritt ihres Vaters des Jahres 1839 und damit nicht in Wimpfen geboren sind, wissen wir kaum mehr, als dass diese alle beim Tode des Vaters 1867 nicht mehr gelebt haben; denn zum einen ist im Sterbeverzeichnis angegeben, dass von seinen ehedem sechs vorhandenen Kindern nur noch zwei am Leben seien, anderseits in der Geburtsurkunde von Heinrich, dem letzten Kind, des Jahres 1847 gesagt, dieser sei <em>\u201edas sechste Kind &#8230; , ein Knabe, der vierte Knabe\u201c<\/em>, woraus zu schlie\u00dfen ist, dass die anderern zwei Kinder M\u00e4dchen gewesen sind. Bringt man die Tatsache hinzu, dass die 1830 in Darmstadt geborene Tochter Margaretha und der 1847 in Wimpfen geborene Heinrich diejenigen gewesen sind, die als die Einzigen den Tod des Vaters \u00fcberlebten, so wird klar, dass die anderen vier Geschwister, davon drei m\u00e4nnlichen und eines weiblichen Geschlechts, 1867 nicht mehr gelebt haben. Von diesen sind allein der Vorname und die Lebensdaten des vorgenannten Philipp Wilhelm (1840 \u2013 1845) bekannt. Dass von den zwei nicht identifizierbaren \u00e4lteren der vier Br\u00fcder jedoch einer nicht, wie in Anbetracht der damaligen noch sehr hohen Kindersterblichkeit h\u00e4ufigst, eines fr\u00fchen nat\u00fcrlichen Todes durch Krankheit, sondern im Erwachsenenalter durch Selbstmord gestorben ist, dar\u00fcber wird an sp\u00e4terer Stelle genauer zu berichten sein.<\/p>\n<p>Zusammen mit ihren Eltern und Geschwistern, in deren Reihe der als letztes sechstes Kind geborene Bruder Heinrich damals gerade ein halbes Jahr alt geworden war, hatte Margaretha Heuerling, um wieder zu dieser zur\u00fcckzukommen, als 16 \u00bd-J\u00e4hrige die Brandkatastrophe miterlitten, welche die Familie wohnm\u00e4\u00dfig sowie den Vater auch erwerbsm\u00e4\u00dfig \u201ein die Niedere\u201c und zun\u00e4chst fast in die Mittellosigkeit trieb. Dieses und alles andere Erleben in Kindheit und Jugend auf Wimpfens Blauem Turm ist ihr, wie an sp\u00e4terer Stelle klar werden wird, ein Leben lang nachgegangen und hat sich in tiefer Weise auch in die Seele ihres J\u00fcngsten Hans Heinrich eingegraben. Der Mergentheim entwachsene Schriftsteller CARLHEINZ GR\u00c4TER\u00a0hat diese Tatsache in dem Hans Heinz Ehrler gewidmeten ergreifenden Part seines kleinen Werkes \u201eIm gr\u00fcnen Licht Hohenlohes\u201c (1984) so ausgedr\u00fcckt:\u00a0<em>\u201eDie Mutter war eine Tochter des W\u00e4chters auf dem Blauen Turm der Stauferstadt Bad Wimpfen. Als Mutterkind dieser Welt blieb Ehrler zeitlebens geborgen im Blauen Turm, der Zitadelle seiner Phantasie.\u201c<\/em><a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Entscheidend im Blick auf das Werden von\u00a0HANS HEINRICH EHRLER ist der Umstand, dass dessen Mutter MARGARETHA, geb. HEUERLING, wie die nachstehend gezeigte Kirchenbuch-Eintragung zeigt, am 1. September 1863 (dort angeblich im Alter von 31 Jahren und elf Monaten, in Wirklicheit jedoch mit 32 Jahren und 11 \u00bd Monaten) mit dem 31 Jahre und 10 Monate alten neu angehenden B\u00fcrger und Wachszieher aus der im K\u00f6nigreich W\u00fcrttemberg gelegenen Oberamtsstadt Mergentheim namens JOHANN MICHAEL EHRLER (1812 &#8211; 1905), Sohn des B\u00fcrgers und Privatmannes BALTHASAR EHRLER und der MARIA ANNA EHRLER, GEB. G\u00c4RTLE, in der Katholischen Stadtpfarrkirche zu Wimpfen von Stadtpfarrer Georg Wagner getraut und ehelich eingesegnet worden ist. Siehe hierzu<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-188 size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a001-544x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"544\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a001-544x1024.jpg 544w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a001-80x150.jpg 80w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a001-159x300.jpg 159w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a001-768x1445.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 544px) 100vw, 544px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. 1: Eintragung der am 1. September 1863 erfolgten Trauung von Margaretha Heuerling aus Wimpfen und dem Wachszieher Johann Michael Ehrler aus Mergentheim im K\u00f6nigreich W\u00fcrttemberg<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wichtig erscheint es, noch einmal hervorzuheben, dass der Vater der Braut Christoph Heuerling und zwar im Gegensatz zu seiner, wie aus der Eintragung seines Todes im Sterbebuch der katholischen Kirche Wimpfen hervorgeht, evangelischen Gattin Margaretha &#8211; katholisch und die Kinder alle katholisch getauft und offenbar in frommer Weise erzogen gewesen sind. So erkl\u00e4rt es sich, dass Margaretha ihren Mann in der ehemaligen und somit ausgepr\u00e4gt katholischen Deutschordens- sowie nach der gewaltsamen Inbesitznahme des Jahres 1809 durch W\u00fcrttemberg teilweise auch \u00a0Garnisonsstadt Mergentheim fand. Dementsprechend tritt neben dem Vater der Braut als Zeuge der Verwalter in der Saline Wimpfen JAKOB WEYLAND auf, der ein Sohn des einer strengstens katholischen Familie angeh\u00f6renden ehemaligen Wimpfener hessischen Landrichters der Jahre 1821 \u2013 1832 FRANZ JOSEF WEYLAND gewesen ist. Der den Handwerksberuf des Wachsziehers und Lebzelters in Mergentheim am Oberen Markt (heute: Hans-Heinrich-Ehrler-Platz 18) neben dem Ratskeller sowie auch des Bienenz\u00fcchters aus\u00fcbende Vater des Br\u00e4utigams sah das Kleinstst\u00e4dtchen Jagstberg \u00fcber Mulfingen an der mittleren Jagst als seine Heimat an, wo sein Vater und Urgro\u00dfvater Bauern gewesen seien und der Familienname bereits 1384 im nahegelegenen l\u00e4ngst abgegangenen Niedermulfingen bestanden habe. Auf welche Weise die Familienangeh\u00f6rigen und Freunde der beiden nunmehr verbundenen Familien Heuerling, Wimpfen, und Ehrler, Mergentheim, das Hochzeitsereignis gefeiert haben, wissen wir leider nicht. Vom Heiratsjahr des Paares 1863 und vom Geburtsjahr 1872 des Sohnes Hans Heinrich her, ist zu schlie\u00dfen, dass dieser zu einer Zeit zur Welt gekommen ist, da der Wimpfener Gro\u00dfvater Christoph Heuerling bereits fast 5 \u00bd Jahre zuvor gestorben war und somit dessen Geburt nicht mehr erlebt hat. Aus den vielen Stellen, die in dessen oben bereits zitiertem B\u00fcchlein \u201eReise in die Heimat\u201c sein Erleben und Werden als Kind wiedergeben, erfahren wir, dass sein j\u00fcngerer Wimpfener Onkel Heinrich Heuerling die Patenpflicht \u00fcbernommen hat und dieser offenbar insbesondere als ihm wohlgesonnener Schenker einer silbernen Taschenuhr zur Erstkommunion sowie regelm\u00e4\u00dfiger weihnachtlicher Goldm\u00fcnzenspender des Patensohnes tiefe dankbare Bewunderung und nachhaltiges Angedenken erworben hat. Und zwar sto\u00dfen wir dort sukzessive auf die folgenden Stellen, die sowohl Ehrlers tiefsinniges frommes Empfinden als auch bannendes Erz\u00e4hl- und die Dinge des Erlebens passendst in subtiler Sprache zusammenholendes Gestaltungstalent ausweisen:<\/p>\n<p>&#8211; Seite 24\/25:<em> \u201eJetzt ist die Turmt\u00fcre <\/em>(der Mergentheimer Stadtkirche) <em>geschlossen. Es wohnt kein W\u00e4chter mehr droben.- So gehe ich unten in die Stadtkirche, mit dem Taschentuch vorher die Schuhe abstaubend.- Tausendmal bin ich darin gekniet &#8230; Allein kniee ich mich wieder an die Stufen und lasse mich von den heiligen Bildern anschauen und pr\u00fcfen, was in mir drau\u00dfen verloren und verdorben sei.- In der Tasche h\u00f6re ich die silberne Uhr gehen, vom Paten Oheim geschenkt zum Fest der ersten Kommunion, welche ich an dieser Bank empfing. Die Uhr ging mit mir durch bald vierzig Jahr und ging hierher mit mir zur\u00fcck an die Bank der Wegesweihe.- Wie war ich inwendig weitr\u00e4umig und gl\u00e4nzend zu jenen Stunden der frommen Beseeligung, ein Lichtgef\u00e4\u00df reinen Wesens, die wei\u00dfe, gezierte Kerze aus der Hand meines Vaters brennend in meiner wei\u00dfbehandschuhten Hand und von der Herabkunft des Himmels begnadet.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Seite 126: <em>\u201eIch gehe ins Willinger Tal<\/em> (s\u00fcdw\u00e4rtig von Mergentheim)<em>, wo das \u201aTalfraale\u2019 den Sonntagsmenschen Gutes tut, wohin auch Eduard M\u00f6rike gern lustwandelte.- Als Zehnj\u00e4hriger erz\u00e4hlte ich einer Freundin Anna, dort sei im Wald meine Brunnenstube und das Fraale habe mir einmal ein Goldst\u00fcck in das Wasser gelegt.- &#8230; Ich zeigte Ihr ein goldenes F\u00fcnfmarkst\u00fcck, welches sie kaum in die Hand zu nehmen wagte. Aber der Wunderfitz f\u00fchrte das M\u00e4dchen dann doch eines fr\u00fchen Morgens weit hinaus.- Die T\u00fcre der Brunnenstube hing nur angelehnt in dem Steinrahmen, die Mauern des kleinen Gemaches sa\u00dfen voll Schwamm und troffen.- &#8230; Ich finde die Brunnenstube nicht mehr, trotzdem ich mich vermessen h\u00e4tte, blind dahin zu kommen.- Ich h\u00e4tte auch nur einen schmierigen Papiergeldschein, um ihn vom Talfraale ins Becken legen zu lassen. Es gibt kein Goldst\u00fcck mehr in Deutschland und keinen Wimpfener Onkel Heinrich, welcher solche Kostbarkeit je zum Christkind schenkte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Wir werden in sp\u00e4teren Kapiteln eine Menge Stellen finden, an denen das evident wird, was man zum besseren Verst\u00e4ndnis der Rolle des Patenonkels Heinrich im Leben von Hans Heinrich Ehrler gespielt hat, jetzt schon wissen sollte und in sp\u00e4teren Kapiteln dieses Teiles 3 genau auszubreiten sein wird: Heinrich Heuerling hat neben seiner bereits berichteten T\u00e4tigkeit als Kaufmann in der Nachfolge seines Vaters das Leben des Kleinst\u00e4dtchens Wimpfen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts in herausragender Weise durch die folgenden Stationen seiner T\u00e4tigkeit im \u00f6ffentlichen Leben befruchtet:<\/p>\n<p>&#8211; Im Fr\u00fchjahr 1871, mit noch nicht ganz 24 Jahren, sowie auch 1873 finden wir ihn als (nebenberuflichen) Ortseinnehmer.<\/p>\n<p>&#8211; 1876 \u00fcbernimmt er das Rechneramt des damals wiedergegr\u00fcndeten \u201eVersch\u00f6nerungsvereins\u201c, das er bis \u00fcber die Jahrhundertwende hinaus innehat. Und er wird in diesem Jahr auch Rechner der Katholischen Kirchengemeinde und versieht laut Eintragung des katholischen Pfarrers Klein des Jahres 1908 dieses Amt bis zu seinem Tode.<\/p>\n<p>&#8211; 1879 wird er Mitgr\u00fcnder der damals ins Leben gerufenen \u201eLandwirtschaftlichen Kreditkasse\u201c und Stellvertreter des Vorsitzenden derselben; 1881 tauscht er diese Funktion mit dem Rechneramt dieser Kasse, das er bis zu seinem Tod und damit 27 Jahre innehat.<\/p>\n<p>&#8211; 1883 wird er in den Gemeinderat gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>&#8211; 1897 ist er Mitgr\u00fcnder der ins Leben gerufenen Ortsgruppe Wimpfen vom \u201eOdenwaldclub\u201c und \u00fcbernimmt das Amt deren Schriftf\u00fchrers.<\/p>\n<p>&#8211; 1898 wird er zum Beigeordneten von Wimpfen am Berg gew\u00e4hlt, wodurch er den B\u00fcrgermeister bei seiner Arbeit zu unterst\u00fctzen hat.<\/p>\n<p>Am 20. Oktober 1873 im Alter von 26 Jahren und 4 Monaten heiratet er, der Kaufmannn und Ortseinnehmer sowie neu angehende B\u00fcrger, KATHARINA (auch: KATHINKA) FRANK, die evangelische 19 Jahre und 3 Monate alte Tochter des verstorbenen Gro\u00dfherzoglich-hessischen Distriktseinnehmers EDUARD FRANK dahier und JOSEPHA FRANK GEB. ZIPP. Der Ehe entspringen, wie die lleider nur fl\u00fcchtige m\u00f6glich gewesene Nachschau ergab, mindestens f\u00fcnf Kinder, vier T\u00f6chter und ein Sohn namens GUSTAV RICHARD, der wie die zweit\u00e4lteste Schwester ANTONIA MARIA im Kindesalter stirbt. Nach seinem am 2. Januar 1908 in Wimpfen im Alter von 60 \u00bd Jahren erfolgten Tod f\u00fchrt Heinrich Heuerlings Gattin das am untersten Marktrain liegende Gesch\u00e4ft unter dem Namen des verstorbenen Mannes weiter, er\u00f6ffnet dort im beginnenden Februar 1913 sogar eine sog. Medizinaldrogerie-Abteilung und bietet somit u. a. , wie es hei\u00dft, jetzt auch Kindermehle, N\u00e4hrpr\u00e4parate, Drogen, Medizinaltees und Verbandstoffe an. Dieses Gesch\u00e4ft geht sp\u00e4testens 1920 an Kaufmann ADOLF LAUNER, im Mai 1922 an FRIEDRICH SCHUCH UND GATTIN \u00fcber, die das untere der beiden Geb\u00e4ude als Lebensmittelgesch\u00e4ft mit dem Anerbieten auch von Spezereien, Cigarren, Tabak f\u00fchren. Demgegen\u00fcber bleibt der untere Bereich des oberen Geb\u00e4udes bis 1937 mit der \u201eKreditkasse\u201c belegt.<\/p>\n<p>Das Sch\u00f6pfen aus Hans Heinrich Ehrlers \u201eReise in die Heimat\u201c h\u00e4tte eigentlich besser mit der Wiedergabe jener h\u00e4ufigsten und ergreifendsten Passagen begonnen werden sollen, die von der diesem so fr\u00fch genommenen Mutter und vor allem von deren Tod erz\u00e4hlen und sp\u00fcren lassen, welche gegenseitiges tiefes Empfinden bestand und wie der sein fr\u00fches Erleben und F\u00fchlen Niederschreibende sich lebensbestimmend vom Geist und Seele derselben getragen und gef\u00fchrt f\u00fchlte. Hierzu muss man wissen, dass die relativ sp\u00e4t in die Ehe getretene Margaretha Ehrler in den 14 Jahren ihrer Ehe 8 Kinder entbunden hat, von denen die zwei J\u00fcngsten nach dem als 6. Kind geborenen Hans Heinrich bald nach der Geburt verstorben sind und, so ist aus dessen Angaben zu schlie\u00dfen, ein \u00e4lterer Bruder namens VALENTIN mit neun Jahren verstorben ist. So ist es zu erkl\u00e4ren, dass Hans Heinrich Ehrler von sich als dem J\u00fcngsten unter seinen Geschwistern spricht. Sukzessiv steht, bezogen auf die Mutter, in seiner \u201eReise in die Heimat\u201c folgendes Aufschlussreiche zu lesen:<\/p>\n<p>&#8211; Seite 13\/14: <em>\u201eIch schlief in der gemalten Bettlade oben in meiner Stube, wo meine fr\u00fchen Reime entstanden sind.- Das war ein Morgen wie heute, ich hatte die L\u00e4den eingeschlagen und durch den Spalt fiel die Sonne herein an die Birnbaumkommode meiner gestorbenen Mutter und an die darauf stehende Muttergottes.- &#8230; In der m\u00e4chtigen Stube sind einst die Kerzen \u00fcber den gelesenen B\u00fcchern niedergebrannt, und ich las wieder im Schein der Kerze in Walter Scotts Ivanhoe, der, auch noch aus dem Besitz der Frau Margarete Ehrler stammend, mich von neuem fabelreich entz\u00fcckte. Das darin gebliebene stramingestickte Buchzeichen legte ich schl\u00e4frig geworden in die abgebrochene Seite.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Seite 38: \u201e<em>Nicht um eines eitlen Gel\u00fcstes willen darf ich von dieser Stelle aus <\/em>(d. h. am Grab des Vaters und der Mutter in Mergentheim)<em> vom Tod meiner Mutter den Frauen dieser Zeit erz\u00e4hlen. Sie starb an einer schwersten Operation, die Narkose verweigernd, auf da\u00df der Kelch des Leidens nicht an ihr vor\u00fcber gehe. Der Arzt als greiser Mann erz\u00e4hlte mir es sp\u00e4ter, noch ergriffen von der beispiellosen Erinnerung.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Seite 104\/105: <em>\u201eIch trete in meine Stube und erinnere mich an den Tod der Mutter.- Ich war ihr J\u00fcngster und Liebling, sie f\u00fctterte mich in ihrem Siechenbett mit den ihr verschriebenen gebratenen Tauben, und auf dem Lager wurde mir ein gewaltiges farbiges schottisches Kleidchen anprobiert. Die gleich der Kranken fromme Freifrau von Berlichingen, ihre Freundin, sa\u00df davor. Ich habe in mir das auserw\u00e4hlt stolze Gef\u00fchl des noch nicht F\u00fcnfj\u00e4hrigen aufgehoben.- Und mich als den schutzlosen Nestling empfahl sie zuletzt dem Schutz Gottes.- Beim Tod war die Gro\u00dfmutter von Wimpfen da. Die keineswegs phantastische Frau schlief damals in der mir sp\u00e4ter eignenden Stube und erz\u00e4hlte: w\u00e4hrend der argen Nacht sei die T\u00fcre aufgegangen, sie habe die T\u00fcre zugemacht, die T\u00fcre sei wieder aufgegangen, sie habe die T\u00fcre wieder zugemacht, die T\u00fcre sei zum dritten Male aufgegangen, sie habe die T\u00fcre zum dritten Male zugemacht.- Wir getrauten uns ein paar Tage nicht in das Gemach dieser Ank\u00fcndigung. Als wir endlich doch hinein mu\u00dften, ging meine \u00e4ltere Schwester voraus, nahm aber die Sch\u00fcrze und dr\u00fcckte damit die von dem Geiste der Toten ber\u00fchrte Klinke behutsam auf.- \u00dcber meinem Bett in der Stadtwohnung h\u00e4ngt eine Photographie, das schon vom langj\u00e4hrigen Leiden angegriffene Bild der Mutter, mich, unsichtbar, in dem leichtgew\u00f6lbten Scho\u00df, bergend. \u00dcber mir auf der Brust h\u00e4ngt ein kleines goldenes Kreuz.- Der schwere Geist jener Nacht ist mein Lichtgeist geworden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Seite 173: <em>\u201eIch finde noch selbst verfasste M\u00e4dchengebete meiner Mutter.- Darin ist ohne ihn zu nennen, viel von einem ihrer beiden Br\u00fcder die f\u00fcrbittende Rede. Dieser war Musiker und Leiter der Kurkapelle eines gro\u00dfen Bades. Frauen umschw\u00e4rmten ihn und um der Frauen willen nahm er sich das Leben.- Meine Gro\u00dfmutter sagte mir sp\u00e4ter einmal in einer ernsten Stunde, viel meiner Arbeit gleiche dem in den Abgrund Geratenen. Diese Aufkl\u00e4rung schlug tief in mich hinein bis zur Grundschicht.- Jetzt habe ich die alten vergilbten Bl\u00e4tter in der Hand, darin sich die fromme Frau zum Opfer anbot; und pl\u00f6tzlich wei\u00df, ich, die Mutter betete damals im voraus f\u00fcr den noch ungeborenen Sohn, um die Reinigung seines verworrenen Wesens.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Bei der genannten \u00e4lteren Schwester handelt es sich um die am 6. November 1864 als \u00e4ltestes der acht Kinder geborene ANNA MARIA, die am 1. Juli 1948 in Bad Mergentheim im 84. Lebensjahr verstorben ist. Nachdem der Vater JOHANN MICHAEL am 18. Februar 1879 ein zweites Mal geheiratet hatte, kamen noch f\u00fcnf Halbgeschwister hinzu. Leider erfahren wir aus der letztgenannten Stelle weder den Namen des im Selbstmord geendeten Bruders seines Patenonkels noch den Ort dessen T\u00e4tigkeit als Kapellmeister, womit dieser seinem Vater auf h\u00f6herer Ebene der Musik gefolgt ist. Und leider bleiben auch die Lebensumst\u00e4nde des anderen der zwei vor der Wimpfener Zeit geborenen S\u00f6hne der Heuerling-Familie, wie auch so Vieles um deren Leben auf dem Blauen Turm und sp\u00e4ter unten in der Stadt, ungekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>In Anbetracht der starken Bindung an die fromme Mutter sowie der gleich frommen Gesinnung des sommers wie winters zur Morgenmesse gehenden und den katholischen Kirchen Mergentheims die ben\u00f6tigten vielen Kerzen liefernden Vaters, die \u00fcberdies im Gleichklang mit dem im Mergentheim der 1870\/80er Jahre noch voll und ganz herrschenden Geiste der dort 1809 zu Ende gegangenen vielhundertj\u00e4hrigen Herrschaft des Deutschen Ritterordens stand, liegt es nahe, dass in dem Kind Hans Heinrich fr\u00fch der Gedanke keimte, in den geistlichen Stand einzutreten. Seine aus seiner obigen Niederschrift zu erfahrenden fr\u00fchen lyrischen Versuche st\u00f6rten diese Vorstellung offenbar nicht. Jetzt nur kurz zu reden<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a> \u00fcber den bizarren Weg der \u00fcber viele Stationen gegangenen Schulbildung: Volksschule Mergentheim; Internat des Franziskanerordens Ingolstadt; dann f\u00fcr Realsch\u00fcler (Ottonianeum) Landshut; jedoch, da es in ihm mit 18 Jahren gegen die Absicht, Geistlicher zu werden, rebellierte, Zur\u00fcckholung nach Mergentheim und Aufnahme in die dortige Lateinschule; schlie\u00dflich Gymnasium Ellwangen mit bald 20 Jahren erreichtem Abitur. Nur anzudeuten auch der Weg des zwar sein ihm vorgeschossenes Erbteil aufbrauchenden, doch weder einen Abschluss oder gar den Doktorgrad erreichenden Studiums von 1892 \u2013 1895, zuerst der Rechtswissenschaft, dann der Philologie an der Julius-Maximilian-Universit\u00e4t W\u00fcrzburg und danach an der Ludwig-Maximilian-Universit\u00e4t M\u00fcnchen, mit wenigstens dem Ergebnis einer tiefergreifenden humanistischen Bildung als Grundlage f\u00fcr sein jetzt dichterisches Streben. Nicht mehr als nur knapp gestreift seien die 1898 beginnenden und 1911 endenden dreizehn Jahre wechselnder zahlreicher als Fron empfundener und somit unkonventionell ausge\u00fcbter Posten als Zeitungsredakteur in K\u00f6ln, Stuttgart und Heilbronn mit zwischendurch mehrfach Unterbrechungen der T\u00e4tigkeit als freier Schriftsteller mit ersten im Druck erschienenen Arbeiten. Auf etwa halben Weg heiratet er im Jahr 1904 MELANIE FROMMHERZ. Die Ehe bleibt kinderlos.<\/p>\n<p>Dieses alles bringt Carlheinz Gr\u00e4ter in wenigen S\u00e4tzen treffend auf den Punkt: <em>\u201eDer Bub sollte Geistlicher werden. Aber da gab es M\u00e4dchen. Nach ziellosem Studium, journalistischen Lehr- und Wanderjahren wagte er 1911 die Existenz eines freischaffenden Schriftstellers. &#8230; Zusammen mit seiner tapferen Frau Mel mu\u00dfte sich Ehrler \u2013 und das ist kein Klischee vom po\u00e8te allemand \u2013<\/em> <em>zeitweise regelrecht durchhungern.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Jetzt schon fast vierzigj\u00e4hrig und seit 1908 den Patenonkel Heinrich aus Wimpfen nicht mehr hinter sich, zieht er mit seiner Frau an den vielgeliebten Bodensee nach Friedrichshafen und ver\u00f6ffentlicht den Erstlingsroman \u201eBriefe vom Land\u201c. Dessen, allerdings bescheidener, Erfolg spiegelt sich darin wider, dass dieser im September 1918, in einer ein drittes bis f\u00fcnftes Tausend umfassenden neuen Auflage erscheint. Siehe dazu die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a002.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-189 size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a002-703x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"961\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a002-703x1024.jpg 703w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a002-103x150.jpg 103w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a002-206x300.jpg 206w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a002-768x1118.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abb. 2: Die Vordere Umschlagseite des Romans von Hans Heinrich Ehrler \u201eBriefe vom Land\u201c, September 1918<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>\u201eDie verhaltene Liebesgeschichte\u201c, <\/em>so die inhaltsumschreibende Wertung des Schriftstellers MANFRED BOSCH\u00a0in seinem tiefgr\u00fcndigen Essay des Jahres 1997 in der Zeitschrift \u201eSchw\u00e4bische Heimat\u201c des Titels \u201eLeihweise von dem Dr\u00fcben ins Her\u00fcben &#8230; \u00dcber den Dichter Hans Heinrich Ehrler\u201c<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a>, \u201e<em>die Ehrler sein alter ego Nikolaus K\u00f6stlin nach dem Wegzug aus der Stadt an eine zur\u00fcckgebliebene Freundin schicken l\u00e4\u00dft, markiert den Durchbruch des Autors zu sich selbst. Die verhaltenen Liebesgeschichte \u2013 zugleich Ehrlers wirklicher erster Erfolg als Dichter \u2013 ist nach Rudolf Krau\u00df der ,feinste und reinste Ehebruchroman, der sich denken l\u00e4\u00dft\u2019: Die Trennung von der Frau, die K\u00f6stlin durch seinen Wegzug hatte endg\u00fcltig machen wollen, bringt sie ihm recht eigentlich nahe, so da\u00df er sie schlie\u00dflich ganz an sich zu binden und zum Verlassen ihres gesellschaftlich und beruflich erfolgreichen Mannes zu bewegen sucht. Wie f\u00fcr den stadtm\u00fcden Nikolaus K\u00f6stlin blieb des Land fortan auch f\u00fcr seinen Erfinder N\u00e4hr- und Resonanzboden seines Wesens.\u201c<\/em> Dort findet sich auf Seite 43 jener Siebenzeiler \u201eO Heimat, wir sind alle dein &#8230;\u201c, der zwar an des Dichters Heimatstadt Mergentheim festgemacht ist, jedoch im Blick auf die Herkunft der Mutter des Dichters von Wimpfen sowie dessen F\u00fchlen f\u00fcr Wimpfen dem hier anstehenden Teil 3 der Reihe \u201eDie Geschichte der hessischen Exklave Wimpfen\u201c als Leitwort vorangestellt worden ist.<\/p>\n<p>Unm\u00f6glich und auch unn\u00f6tig, nunmehr in Einzelheiten aufzuzeigen, welchen Weiterweg als freischaffender Schriftsteller Hans Heinrich Ehrler gegangen und welch innere Entwicklung dieser fortan in den vom politischen Wechsel bestimmten Zeitabschnitten des durch den Ersten Weltkrieg untergegangenen Deutschen Kaiserreiches, der Weimarer Republik, des Dritten Reiches und der ihm nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch gebliebenen wenigen Jahre genommen hat. Doch seien wenigstens hierzu die dem vorgenannten Essay von Manfred Bosch entnommenen richtungweisenden vier Unter\u00fcberschriften vorgezeigt:<\/p>\n<p>&#8211; Im Sinne der Romantik gegen die Rationalit\u00e4t<\/p>\n<p>&#8211; Deutschnationale Einstellung l\u00e4\u00dft Ehrler zur leichten Beute v\u00f6lkisch-nazistischer Ideologie werden<\/p>\n<p>&#8211; Kein Parteig\u00e4nger der Nationalsozialisten, doch Trennung von seinem j\u00fcdischen Freund Jakob Picard<\/p>\n<p>&#8211; Nach Kriegsende bedingtes Schuldeingest\u00e4ndnis \u2013 Der Autor von mehr als 30 B\u00fcchern isoliert und vergessen<\/p>\n<p>Diese lassen das sp\u00fcren, was Carlheinz Gr\u00e4ter, ankn\u00fcpfend an der f\u00fcr Ehrler zum Trauma gewordenen Niederlage im Ersten Weltkrieg, mit wenigen S\u00e4tzen so umrei\u00dft: <em>\u201eHeil f\u00fcr das zerrissene Vaterland erhoffte er sich von einem \u201ametaphysisch durchstrahlten Volkstum\u2019. So erlag Ehrler, arglos, den Verf\u00fchrungen des Dritten Reiches. Allzu leichtfertig hatte er mit seiner Verachtung der \u201amateria imperatrix\u2019 auch Rationalismus und Liberalismus als dem deutschen Wesen nicht gem\u00e4\u00dfe Gr\u00f6\u00dfen beiseite geschoben. Im Alter wurde es vollends still um ihn. 1951 starb Hans Heinrich Ehrler. Ein Jahr darauf wurde er auf dem Friedhof seiner Vaterstadt Mergentheim heimgeholt.\u201c<\/em> Und anschlie\u00dfend die Werke von Hans Heinrich Ehrler wertend, schreibt Gr\u00e4ter weiter: \u201e<em>Wer sich heute in Ehrlers Werk einlesen will, hat es schwer. Die \u00fcberh\u00f6hte Sprache, die anspruchsvolle Demut, nur ein \u201aDiener der deutschen Frau Muttersprache\u2019 zu sein, der Dichter als \u201aKamerad der Gottheit\u2019, das klingt den Leuten von heute fremd. Was wird von Hans Heinrich Ehrler bleiben? Ein paar melodische, ein paar unaussch\u00f6pfbare Gedichte, eine Handvoll anschauungsges\u00e4ttigter Prosa, der Erstlingsroman \u201aBriefe vom Land\u2019 und ganz gewi\u00df sein Buch der Erinnerungen \u201aDie Reise in die Heimat\u2019. Das ist, gemessen an Ehrlers eigenem hochgespannten Anspruch nicht viel, f\u00fcr uns, die Nachgeborenen, an Gewicht und Verpflichtung genug. Ein Herzwort Ehrlers hei\u00dft Heimat. Zwei bis heute immer wieder zitierte Gedichte f\u00fchren das Wort im Titel.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_e003.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-190\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_e003-1024x881.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"568\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_e003-1024x881.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_e003-150x129.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_e003-300x258.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_e003-768x660.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es kann nicht verwundern, dass das letztzitierte Gedicht, mit dem wir auf das dem nachfolgenden Teil 3 gewidmeten und hier mit \u201eHeimat\u201c \u00fcberschriebenen sowie jetzt sieben Reimzeilen umfassende sog. Sinngedicht sto\u00dfen, sich in dem oben als kr\u00f6nendes Werk dieses Dichters gesehenen sog. Buch der Erinnerungen \u201eDie Reise in die Heimat\u201c wiederfindet. Denn dieser 1926 erschienene unvergessene Herzenserguss hat Hans Heinrich Ehrler seiner Heimatstadt Mergentheim aus dem doppelten Anlasss der in diesem Jahr hundertj\u00e4hrigen Wiederkehr ihres wiedergefundenen Heilbrunnens sowie ihrer Erhebung zum Badeort gewidmet. Beides l\u00e4sst sich lesen aus der nachfolgend gezeigten<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a003.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-191\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a003-961x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"703\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a003-961x1024.jpg 961w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a003-141x150.jpg 141w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a003-282x300.jpg 282w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a003-768x818.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abb. 3: Das in zwei Widmungstexte und den Vierzeiler \u201eDer M\u00fctter Stimme spricht &#8230;\u201c eingebettete Titelblatt der 1926 erschienenen Jubil\u00e4umsschrift von Hans Heinrich Ehrler \u201eDie Reise in die Heimat\u201c<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dort steht in obigem Sinn er\u00f6ffnend, freilich in seiner oft gestelzten Sprache, folgendes Offenbarende zu lesen: <em>\u201e &#8230; In diesen Tagen will ich dich preisen, kleine Stadt an der Tauber, mu\u00df ich zu dir kommen, meine Heimat. Als \u00fcberreifer Mann bittet dich dein Sohn um eine Herberge der erinnernden Betrachtung.- Ich liebte dich immer und bin doch nicht zu dir gekommen seit f\u00fcnfzehn Jahren.- Warum? Das Menschenherz ist ein gar \u201atrutzig und verzagt Ding\u2019. Vielleicht bist du mir zu kostbar gewesen, gef\u00e4hrdeter Schatz der Erinnerung; oder eine unsichtbare Hand sperrte die R\u00fcckkehr und hob dich dieser Stunde auf, da auch ich deine Quelle brauche, schwerer bed\u00fcrftig als jene, welche f\u00fcr ihren Leib Heilung suchen.\u201c<\/em> Und kurz danach, auf den Seiten 10 und 11, l\u00e4sst er bei seinem Herannahen in der besonnten Eisenbahn ein in Ellwangen, der Stadt seiner Gymnasialzeit, zugestiegenes sch\u00f6nes Fr\u00e4ulein in einem seiner B\u00fccher lesen und an die liebreiche Stelle der Seite 43, gemeint auf sein Gedicht \u201eO Heimat wir sind alle dein\u201c seines Erstlings-Romans \u201eBriefe vom Land\u201c des Jahres 1911, sto\u00dfen. Und auf der Seite 140 ist dieses Gedichtes ein zweites Mal gedacht, indem ihm dieses auf einer Reise in Italien am Tyrrhenischen Meer im Angesicht des Torre Astura, worin der Hohenstaufer Konradin gefangen sa\u00df, von einem ihm begegnenden italienischen M\u00e4dchen begeistert vorgelesen wird. Und jetzt wird dieses sogar noch einmal wiedergegeben. Und er f\u00fcgt noch Folgendes bei: \u201e<em>Solches wird nun gegenw\u00e4rtig. Das italienische M\u00e4dchen haben mein Herz und Blut schicksalsgrausam, schuldlos Schmerz bringend preisgeben m\u00fcssen. Es hat mich mit der Lesung des Reimes selber in die Heimat gewiesen\u201c.\u00a0<\/em>Schie\u00dflich f\u00fcgt er noch an: <em>\u201eMorgen wird aus der Stadt das Frauenwesen kommen, von meiner toten Muttter mir ins Leben geschickt, der Heimgegangenen Statt zu beh\u00fcten.- Ich werde das Gl\u00fcck haben, die Treue zu diesen Gassen und Wegen umherzuf\u00fchren und, mich wieder erkennend, zu entdecken, wie meines Wesens Brunnen sich in ihren g\u00fctigen Augen spiegeln.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Carlheinz Gr\u00e4ter vergisst nicht, nach der Darbringung der beiden Heimat-Gedichte noch Folgendes erg\u00e4nzend herauszustellen: \u201e<em>In Ehrlers Buch der Erinnerung findet sich dazu der prosaische Kontext: \u201aHeimat ist kein Idyll, kein Nest, es ist ein letzter erhabener Austritt auf den Hochrand der Erlebnisse, wo das Gleichnis steht.\u2019\u201c<\/em> Diesem dort auf Seite 118 seiner \u201eReise in die Heimat\u201c unten zu findenden Satz ist oben auf der Folgeseite 119 noch angef\u00fcgt: <em>\u201eSeht es ist das gro\u00dfe, gr\u00f6\u00dfte Wort der Worte, zwillighaft geschwistert dem andern heilig gesprochenen Wort: Liebe.- Die gebliebene Perle.\u201c<\/em> Gr\u00e4ter schlie\u00dft seine Hans Heinz Ehrler, dem Spross des Wimpfener Blau\u00fcrmers Christoph Heuerling, geltende fesselnde Charakterstudie in der Weise ab, dass er dessen aus den beiden Heimat-Gedichten herausleuchtende Verst\u00e4ndnis von Heimat anerkenntnisheischend in prosaischen Worten zu definieren sucht: <em>\u201eAlso keine dumpfe Autarkie der Gef\u00fchle, kein fragloses Sichbergen im Daheimsein, kein Ausspielen des Drinnen gegen das Drau\u00dfen: N\u00e4he und Dichte des Erlebens, wie sie der Kindheit und Jugend eigen sind, schaffen Heimat, und wer gereift, gealtert, sich noch einmal zu einer Reise in diese Heimat aufmacht, steht pl\u00f6tzlich staunend an einem Hochrand, an einer Grenze, wo nicht mehr das Erleben, die Erinnerung des Erlebten, sondern nur noch das Gleichnis der eigenen Existenz steht.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Hans Heinrich Ehrler hat mit seiner \u201eReise in die Heimat\u201c seiner Heimatstadt Bad Mergentheim einen sicherlich immer seinen Wert behaltenden einmaligen Schatz hinterlassen. Deshalb hat diese im Nachjahr seines Todes 1952 seine sterblichen \u00dcberreste von seinem zum bleibenden Wohnort Waldenbuch im Sch\u00f6nbuch, wo er 1926 ein Haus in der Liebenau gekauft hatte, nach dorthin auf den Friedhof Sankt Michael umbetten lassen. Auch wird dort die Erinnerung an ihn durch die damals auch erfolgte Namengebung \u201eHans-Heinrich-Ehrler-Platz\u201c sowie durch dessen dortiges Geburtshaus Nr. 18 wachgehalten, in dem heute von einer Nachkommin aus der zweiten Ehe des Johann Michael Ehrler in dritter Generation unter dem Firmennamen Wachszieherei Carl Ehrler, angepasst an unsere Zeit, gekaufte glatte Kerzen in Handarbeit zu Unikaten f\u00fcr Anl\u00e4sse wie Taufen und Kommunion, Konfirmation und Ehejubil\u00e4um verziert werden. Da es dem Dichter ein Herzensbed\u00fcrfnis gewesen ist, in seiner \u201eReise in die Heimat\u201c auch die Erinnerungen an seine auf Wimpfens Blauen Turm gro\u00df gewordene und ihm allzufr\u00fch genommene Mutter Margaretha, geborene Heuerling, zusammen mit zweien ihrer Geschwister festzuhalten, erschien es mir unabdingbar, diesem und dem seiner Heimatstadt gewidmeten B\u00fcchlein \u201eDie Reise in die Heimat\u201c hier Raum zu geben. Mit dem Abbild seines Hauptes, das nach dem Einsch\u00e4tzung von Manfred Bosch <em>\u201eseinem Hirn einen \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Raum zur Verf\u00fcgung stellen zu wollen schien\u201c<\/em><a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a>, sowie darunter seiner Unterschrift soll das Nachsp\u00fcren dessen Person und Werk ein Ende finden:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a004.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-192\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a004-833x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"811\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a004-833x1024.jpg 833w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a004-122x150.jpg 122w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a004-244x300.jpg 244w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/start_a004-768x945.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abb. 4: Ausschnitt einer Fotografie des Dichters Hans Heinrich Ehrler (1871 \u2013 1951) und den hinzugef\u00fcgtem Namensz\u00fcgen aus seiner Hand<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Was dessen Siebenzeiler \u201eO Heimat wir sind alle dein\u201c betrifft, so mag die Beigabe desselben zu dieser Arbeit als Sinngedicht Kritik dahingehend erzeugen, dass dieses eine \u00fcberholt-antiquierte Definition des Begriffes Heimat liefere, die das subjektive und dazuhin \u00fcberlebte aus altem Erleben und \u00fcberbordend-gef\u00fchlhaftem Empfinden seines Sch\u00f6pfers gewachsene Bild derselben allzu verkl\u00e4rend darbringe. Diese Kritik mag zwar gerechtfertigt sein, zumal ja Hans Heinrich Ehrler nicht zuletzt \u00fcber diese seine Definition von Heimat in der Zeit des Nationalsozialismus und des Holocaust 1938 durch den damaligen w\u00fcrttembergischen Ministerpr\u00e4sidenten und Kultusminister schlimmen Angedenkens Christian Mergenthaler mit dem \u201eSchw\u00e4bischen Dichterpreis\u201c bedacht worden ist und nicht darum herumkam, sich dabei als <em>\u201eDichter deutscher Innerlichkeit, der in einer Sprache von starker Bildkraft, den letzten Urgr\u00fcnden nachsp\u00fcrend, die Heimat preist als das Sichtbare im Ewigen, als hei\u00dfe Verpflichtung zum Reich, dem Land der V\u00e4ter\u201c<\/em><a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a> feiern zu lassen.<\/p>\n<p>Dennoch dem Titel dieses Teiles 3 jenes Heimatgedicht Hans Heinrich Ehrlers anzuf\u00fcgen, erscheint mir dann gerechtfertigt, wenn dieses als Ausweisung eines zu Namen und Ehre wie Unehre gekommenen heimatlichen Sprosses (in weiterem Sinne) gesehen wird, welcher als Kind der \u00c4ra des wiedergegr\u00fcndeten Deutschen Kaiserreiches und damit des wiedererwachenden und der Gef\u00e4hrdung der \u00dcbersteigerung ausgesetzten Nationalismus sowie der Fixierung auf die eigene enge volksm\u00e4\u00dfige und gar nur \u00f6rtliche Welt entwachsen ist. Solche Sichtweise erscheint mir aber nur dann erreicht, wenn sich zur Erforschung des \u00f6rtlichen Geschehens \u00fcber das blo\u00dfe Finden und Darstellen des \u201eWie\u201c hinaus auch das Bem\u00fchen um die Einsicht in das \u201eWarum\u201c sowie dazuhin das Einbetten der Geschehnisse in die Allgemeingeschichte und damit das Ersp\u00fcren deren \u201e\u00f6rtlichen Wellenschlages\u201c gesellen.<\/p>\n<p>Nach solcher Pr\u00e4misse wird es vielleicht auch verst\u00e4ndlich, dass ich mich ungern mit der belasteten Bezeichnung \u201eHeimatforscher\u201c apostrophiert sehe und, wenn dies denn doch geschieht, in Gefahr gerate, mit Ungehaltenheit zu reagieren. Auf solchem Wege der Ortsgeschichtsforschung ist der ewig diskutierte und immer wieder aufs Neue zu definieren gesuchte Begriff \u201eHeimat\u201c durchaus zeitgem\u00e4\u00df gesehen, n\u00e4mlich so, wie er z. B. zeitgenau eben, d. h. am 9. Dezember 2016, sich in der Sonderbeilage \u201eHeimat\u201c des Zeitungsverlags Waiblingen von Matthias Ellwanger auf der Basis eines Interviews mit dem Hochschullehrer an der PH Ludwigsburg und Leiter des Faches Geschichte an der Volkshochschule Schorndorf Holger Dietrich treffend umrissen findet:<\/p>\n<p><em>\u201eHeimat ist eben nichts Festgelegtes, sie befindet sich im Fluss. Sie ist auch kein kollektiver Begriff, sondern eher ein individuelles Gef\u00fchl. Es gibt nicht die eine Heimat. Jeder hat seine eigene, das macht es ja so spannend.\u201c <\/em><a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Genau so sehe ich Hans Heinz Ehrlers 1911 gepr\u00e4gte Ausdeutung von Heimat als seine ureigene auf dem Fundament seiner Herkunft und seines Aufwachsens in der Epoche des neuen Deutschen Kaiserreiches gewachsene Sehweise, die man zwar nicht teilen muss, die m. E. aber Anspruch hat, im Rahmen der dieser Epoche geltenden Arbeit zusammen mit seiner Person Aufnahme zu finden.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Anmerkung zu den hier sowie allen anderen Abschnitten dieser Arbeit angef\u00fcgten Endnoten<\/span>:<\/p>\n<p>Es wird hier sowie in der Regel auch bei den an sp\u00e4terer Stelle aufgef\u00fchrten Endnoten der Einfachheit halber verzichtet, die Titel herangezogener Druckwerke aufzuf\u00fchren. Wiedergegeben sind nur der jeweilige Name des Verfassers und das Erscheinungsjahr sowie die Fundseiten. Die Titel der herangezogenen Quellenwerke erscheinen in der End-Rubrik\u00a0\u201eVerwendete Quellen&#8220;. Diese lassen sich in der Weise bestimmen, dass man dort nach dem angegebenen Verfasser-Namen und dann dem beigegebenen Erscheinungsjahr sucht.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Erich Scheible, 2008; dort findet sich \u00fcber Christoph Heuerling auf den folgenden Seiten berichtet: 131, 165, 303, 306, 307, 308, 320, 328, 329, 397, 403, 471, 472, 479.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Diese sowie eine ganze Reihe anderer Angaben \u00fcber Angeh\u00f6rige der Ehrler-Familie verdanke ich den Recherchen von Frau Stadtarchivarin Christine Schmidt, Bad Mergentheim.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Ehrler, Hans Heinrich, 1926, S. 21<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Gr\u00e4ter, Carlheinz, 1984, S. 21<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Hierzu sei verwiesen auf die verwendeten folgenden weiteren beiden Quellen:<br \/>\n&#8211; Wikipedia, die freie Enzyklop\u00e4die, entnommen: 17. 01. 2013, S. 1 u. 2<br \/>\n&#8211; Bosch, Manfred, 1997, S. 240 u. 241<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Bosch, Manfred, 1997, S. 241<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> Bosch, Manfred, 1997, S. 240<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Bosch, Manfred, 1977, S. 244<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> Siehe dort auf der Seite 89<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An Stelle eines Vorwortes: Zur\u00fcck- und vorausblickende Betrachtungen zum dem Titel beigegebenen Sinngedicht Es mag dem in diesen dritten \u2013 statt in einen neuen Folgeband ins Internet gebrachten \u2013 Teil der Reihe \u201eDie Geschichte der Exklave Wimpfen (1870 \u2013 1918)&#8220; eintretenden Leser merkw\u00fcrdig erscheinen, dass diesem statt des \u00fcblichen Vorwortes \u00dcberlegungen zu dem an den &hellip; <a href=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/startseite\/betrachtungen-zum-sinngedicht-2\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Betrachtungen zum Sinngedicht<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":4,"menu_order":3,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1071"}],"collection":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1071"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1071\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1326,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1071\/revisions\/1326"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1071"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}