{"id":124,"date":"2017-12-09T16:38:48","date_gmt":"2017-12-09T15:38:48","guid":{"rendered":"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/?page_id=124"},"modified":"2019-11-02T13:32:58","modified_gmt":"2019-11-02T12:32:58","slug":"b-mass-gewichts-waehrungs-vereinheitlichung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/startseite\/b-mass-gewichts-waehrungs-vereinheitlichung\/","title":{"rendered":"B. Ma\u00df-, Gewichts-, W\u00e4hrungs-Vereinheitlichung"},"content":{"rendered":"<p><strong>DIE DURCH DIE GR\u00dcNDUNG DES DEUTSCHEN KAISERREICHES ERFOLGTE VEREINIGUNG DER L\u00c4NDER DEUTSCHLANDS WECKT IN DER \u201eDREIL\u00c4NDERECKE\u201c GANZ BESONDERE BEGEISTERUNG, DIE SICH DORT IN DER ENTSTEHUNG UND DEM REGEN KOMMUNIKATIVEN T\u00c4TIGSEIN DER SOGENANNTEN INTERNATIONALE MANIFESTIERT; UND DER REICHSEINHEIT ENTW\u00c4CHST DIE UNTER DER LENKUNG VON REICHSKANZLER OTTO VON BISMARCK UNVERZ\u00dcGLICH INS LEBEN GERUFENE VEREINHEITLICHUNG DES MA\u00df- UND GEWICHTS- SOWIE DES W\u00c4HRUNGSSYSTEMS, AU\u00dfERDEM DIE SCHAFFUNG DER REICHSPOST, WAS ALLES ENTSCHEIDEND DAZU BEITR\u00c4GT, DIE ZWISCHEN DEN 25 EINZELSTAATEN UND DAMIT AUCH DEM HESSISCHEN WIMPFEN UND DEN ANRAINENDEN W\u00dcRTTEMBERGISCHEN UND BADISCHEN ORTEN BISLANG BESTANDENDEN TRENNENDEN SCHRANKEN ZU BESEITIGEN.<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong style=\"font-size: 17px;\">In der \u201eDreil\u00e4nderecke\u201c entsteht im Gefolge der dort ganz au\u00dferordentlichen Freude \u00fcber die Gr\u00fcndung des neuen Deutschen Reiches die Honoratiorenvereinigung der sog. Internationale, sp\u00e4ter in Nationale umbenannt.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Trost und Hoffnung konnte dem (oder den) Verfertiger(n) des unausgef\u00fchrt gebliebenen Gesuches um die Losl\u00f6ung vom Gro\u00dfherzogtum Hessen und Eingliederung m\u00f6glichst in das den hessischen Kleinstkreis Wimpfen von Nordost bis S\u00fcdwest umschlie\u00dfende K\u00f6nigreich W\u00fcrttemberg insbesondere der Umstand geben, dass die Wimpfen umgebenden w\u00fcrttembergischen und badischen L\u00e4ndergrenzen durch die Gr\u00fcndung des Kaiserreiches und die auf weitm\u00f6gliche Angleichung der Gesetzgebung der L\u00e4nder gerichtete Politik des als \u201edes Reiches Schmied\u201c ger\u00fchmten Reichskanzlers Otto von Bismarck ihre Eigenschaft des politisch-verwaltungsm\u00e4\u00dfigen Getrenntseins voneinander mehr und mehr verlieren w\u00fcrden, wenn nicht schon verloren hatten. Diese Hoffnung fand ihren sichtbaren Ausdruck in der bald nach der Reichsgr\u00fcndung erfolgten Gr\u00fcndung der sog. Internationale, einer gesellig-politischen Vereinigung von Honoratioren aus den w\u00fcrttembergischen und badischen Nachbargemeinden sowie der hessischen Gemeinde Wimpfen, eben der vielbescholtenen Dreil\u00e4nderecke, die bislang unter dem Fluch der politischen Zertrennung besonders gelitten hatte und wo deshalb die Reichsbegeisterung einen kaum \u00fcberbotenen Grad erreichte. Den Vorsitz dieser Vereinigung als sog. Bundeshauptmann f\u00fchrte der Neckarsulmer OBERAMTSRICHTER WILHELM GANZHORN\u00a0(geb. 14. Januar in B\u00f6blingen \u2013 gest. 9. September 1880 in Cannstatt), der 1851\/52 den Text des Volksliedes \u201eIm sch\u00f6nsten Wiesengrunde\u201c (\u00fcberschrieben \u201eDas stille Tal\u201c) geschaffen und somit dichterischen Ruhm erworben hatte. Am (oder um den) Tag der Kaiserproklamation in Versailles (18. Januar) oder auch am Tag des Frankfurter Friedensschlusses (10. Mai) oder an Kaisers Geburtstag (22. M\u00e4rz) kamen die Mitglieder dieser Vereinigung von Richtern, Pfarrern, Lehrern, B\u00fcrgermeistern oder anderen Staats- und Gemeindedienern sowie anderen Amtstr\u00e4gern, auch \u00c4rzten, Kaufleuten, Fabrikanten, \u00d6konomen u. a. m. (\u201eHonoratioren\u201c) in Wimpfen im \u201eRitter\u201c, selten im \u201eMathildenbad\u201c, oder auch im Jagstfelder oder Rappenauer Badhotel zum Essen und zur Pflege der Zusammengeh\u00f6rigkeit unter dem Schutz und Schirm des neugegegr\u00fcndeten Deutschen Kaiserreiches zum Abendessen zusammen. Dabei wurden der Reichgr\u00fcndung und ihrer Bedeutung gedacht, Lobesreden auf die ruhmreichen Feldherrn und Soldaten, Kaiser, Kanzler und Reich gehalten, vaterl\u00e4ndische Lieder wie \u201eDie Wacht am Rhein\u201c (\u201eEs braust ein Ruf wie Donnerhall\u201c) gesungen, Toasts ausgebracht und Hurras ausgerufen. Die Glanzpunkte der Reden sollen die des KATHOLISCHEN PFARRERS GIANNI aus Stein am Kocher gewesen sein. Am 14. Mai 1878 kommt man aus Anlass der Verabschiedung des Vorstandes Wilhelm Ganzhorn im Saline-Hotel Rappenau zusammen. Und 1879 versammelt sich diese Vereinigung aus Orten der badischen, w\u00fcrttembergischen und hessischen Gebietsteile des Neckarunterlandes wieder in Wimpfen im \u201eRitter\u201c am Tag der Kaiserproklamation. Doch erscheinen ihre Mitglieder jetzt als die \u201eNationalisten\u201c und die Vereinigung als die \u201eNationale\u201c. Es erscheint sicher, dass man das \u201eInter-\u201c des Namensbeginns gestrichen hat, um Verwechslungen mit der \u201eInternationale\u201c, d. h. den als die Feinde des Kaiserreiches verp\u00f6nten Sozialdemokraten, vorzubeugen.<\/p>\n<p>Nach Verfluss von zwei Jahren findet am 17. Mai 1881 aufs Neue eine Zusammenkunft in Wimpfen im \u201eRitter\u201c statt. Es haben sich dort, wie es in der Zeitung hei\u00dft, <em>\u201eungef\u00e4hr hundert national gesinnte M\u00e4nner aus Wimpfen, Rappenau, Jagstfeld, Neckarsulm, Heilbronn, Offenau, Adelsheim, M\u00f6ckm\u00fchl, Osterburken u. a. versammelt, um des vor 10 Jahren geschlossenen Frankfurter Friedens in feierlicher Weise zu gedenken.\u201c <\/em>Dabei ist auch der Vorstand der Deutschen Partei Heilbronn, den man willkommen hei\u00dft. Zum neuen Vorsitzenden wird BERGRAT EISENLOHR\u00a0aus Jagstfeld gew\u00e4hlt. Durch stilles Erheben gedenkt man des im Vorjahr verstorbenen fr\u00fcheren Vorsitzenden Wilhelm Ganzhorn. Der Wimpfener AMTSRICHTER KARL R\u00dcHL\u00a0bedankt sich daf\u00fcr, dass man zum ersten Mal wieder in Wimpfen zusammengekommen ist. Er erkl\u00e4rt seine volle Zugeh\u00f6rigkeit zur \u201eNationale\u201c, und auch der neue Wimpfener EVANGELISCHE PFARRER ADOLF PETERSEN bekennt sich als Neuling zu dieser. Man bringt ein Hoch auf Kaiser und Reich aus und singt patriotische Lieder. Die n\u00e4chste Versammlung soll in Heilbronn stattfinden. Noch um den Beginn des Jahres 1901 sto\u00dfen wir auf eine Art Nachfolgevereinigung dieses nationalen Zirkels, welche die Lehrerschaft der Dreil\u00e4nderecke zu verbinden sucht, eine Tagung in Jagstfeld abh\u00e4lt und sich \u00e4hnlich wie in ihren Anf\u00e4ngen \u201eInternationale Lehrerkonferenz\u201c nennt.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Die Vereinheitlichung des durchg\u00e4ngig metrisch-dezimal aufgebauten Ma\u00df- und Gewichtssystems macht das Messen und Wiegen einfacher und sicherer, fordert den Menschen aber auch die Losl\u00f6sung von althergebrachten Gewohnheiten ab.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Der die Politik des neu begr\u00fcndeten Deutschen Reiches dominierende Reichskanzler Otto von Bismarck hatte bereits als Kanzler des 1867 zustande gebrachten Norddeutschen Bundes eine weitreichende Angleichung der Gesetzgebung der zu diesem zusammengeschlossenen nord- und mitteldeutschen Bundesl\u00e4nder angestrebt. So wurde u. a. durch das Gesetz vom 17. August 1868 eine einheitliche Ma\u00df- und Gewichtsordnung eingef\u00fchrt. Welche Ma\u00dfe und Gewichte nach der Gesetzesmodifikation von 1821 bislang im Gro\u00dfherzogtum Hessen verwendet worden sind, wurde bereits in Band 1, S. 291 \u2013 299, ausf\u00fchrlichst dargelegt, wobei auch eine Vergleichung mit dem in Band 1, Seite 190 \u2013 221, umf\u00e4nglich beschriebenen aus der Reichsstadtzeit \u00fcbernommenen eigenst\u00e4ndigen Ma\u00df- und Gewichtssystem Wimpfens getroffen ist. Hier sei lediglich wiederholend darauf hingewiesen, dass die damalige hessische Ma\u00df- und Gewichtsreform sich insofern schon an das von Frankreich ausgegangene metrisch-dezimale System angelehnt hatte, als z. B. der hessische Fu\u00df auf ein Viertel des Meters (25 cm) festgelegt war und von diesem aus die Weiterf\u00fchrung nach oben und unten in Zehnerschritten erfolgte (1 Fu\u00df = 10 Zoll, 10 Fu\u00df = 1 Klafter). Und dem hessischen Pfund wurde die H\u00e4lfte des Kilogramms (500 g) zugewiesen; damit ma\u00df der hessische Zentner bereits glatte 100 Pfund; doch erfolgte die Unterteilung desselben noch in alter nichtmetrischer Weise (1 Pfund = 32 Loth). Dem Schoppen (d. h. dem halben Liter) wurden, dem metrischen System angepassst, 500 cm<sup>3<\/sup> einger\u00e4umt; nach oben ging es jedoch im Viererschritt (4 Schoppen = 1 Maa\u00df) und dann im 80er-Schritt weiter (80 Maa\u00df = 1 Ohm) weiter. Der hessische Morgen war auf ein Viertel des Hektars (2.500 m<sup>2<\/sup>) festgelegt worden und ma\u00df somit 400 Quadratklafter.<\/p>\n<p>Wie sp\u00e4ter bei der Vorstellung derselben im Einzelnen zu erfahren sein wird, basierte das Ma\u00df- und Gewichtssystem nunmehr durchg\u00e4ngig auf dem sog. Pariser Urmeter, indem durch dessen Teilung wie Vervielf\u00e4ltigung die anderen L\u00e4ngenma\u00dfe und aus diesen die Fl\u00e4chen- und Raumma\u00dfe wie auch die Gewichtsma\u00dfe, die Letztgenannten unter Bezugnahme auf entsprechende Raummengen Wassers zu 4\u00b0 Celsius, gebildet wurden. Die Schritte der Teilung wie Vervielf\u00e4ltigung zwecks Bildung der verschiedenen Arten von L\u00e4ngen-, Fl\u00e4chen- und K\u00f6rperma\u00dfen sowie Gewichten geschahen einheitlich \u00fcber Zehntel-, Hundertstel- und Tausendstel- bzw. Zehnfach-, Hundertfach- und Tausendfach-Spr\u00fcnge. Somit war dieses neue Ma\u00df- und Gewichtssystem, wie man sagte, durchg\u00e4ngig metrisch-dezimal aufgebaut, was die Umstellung auf dieses und den messenden und rechnenden Umgang mit demselben erleichtern sollte. Wenngleich im Blick auf das z\u00e4he Festhalten der Menschen an ihren altgewohnten Ma\u00dfen und Gewichten die Namen bisheriger zentraler Ma\u00df-und Gewichtseinheiten wie die Meile, der Morgen, das Liter und der Schoppen, das Pfund und der Zentner dazu f\u00fchrten, diese alle in das neue System hineinzunehmen, so mussten diese nat\u00fcrlich ihrer gro\u00dfteils ver\u00e4nderten Dimensionierung angepasst werden. Dieses konnte jedoch ohne gr\u00f6\u00dfere Probleme deshalb geschehen, weil im Gro\u00dfherzogtum Hessen, wie oben schon gesagt, der vorhergehende 1821 eingef\u00fchrte neue hessische Fu\u00df mit seinen 25 Zentimetern bereits metrisch bestimmt gewesen ist, so dass, wie sich zeigen wird, die au\u00dferhalb der dezimalen Ver\u00e4nderung sich bewegenden Umrechnungen sich auf einfache Zweifach- bzw. Halb-Spr\u00fcnge oder Vierfach- bzw. Viertel-Spr\u00fcnge oder schlechtenfalls 7 \u00bd-fach- bzw. 7,5-tel-Spr\u00fcnge beschr\u00e4nken konnten.<\/p>\n<p>Immerhin war dadurch der nunmehrige Sprung hin zu der neuen fast so gut wie reinen metrisch-dezimalen und damit rechnerisch einfacher zu handhabenden Ma\u00df- und Gewichtsordnung weniger gro\u00df. Das K\u00f6nigreich W\u00fcrttemberg, das bei seiner diesbez\u00fcglichen Reform des Jahres 1806 st\u00e4rker am Althergebrachten festgehalten hatte (siehe dazu Band 1, S. 190 \u2013 221), hatte sich 1860 im Zuge der Bildung der Zollunion an das Beispiel Hessens und vor allem des bez\u00fcglich der Ann\u00e4herung an das metrische System besonders fortschrittlichen Gro\u00dfherzogtums Baden angepasst und war ebenfalls auf das \u201eZollpfund zu 500 franz\u00f6sischen Grammen\u201c und somit auch auf den Zentner zu 100 Pfund \u00fcbergegangen (siehe dar\u00fcber in Band 1, ebenfalls S. 190 \u2013 221 und S. 291 &#8211; 299).<\/p>\n<p>Da das laut Reichsgesetz zum 1. Januar 1872 in G\u00fcltigkeit gesetzte und durch Landesgesetze auf die einzelnen L\u00e4nder des Deutschen Kaiserreiches \u00fcbertragene einheitliche neue Ma\u00df- und Gewichtssystem mit jenem bereits 1868 f\u00fcr die Gro\u00dfherzoglich-Hessische Provinz Oberhessen g\u00fcltig gewordenen und 1869 auch auf die beiden anderen Provinzen Starkenburg und Rheinhessen \u00fcbertragenen solchen identisch gewesen ist, kann dessen Vorstellung am besten durch das Aufzeigen des letztgenannten solchen geschehen. Siehe dazu die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba001a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-292\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba001a-1024x874.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"563\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba001a-1024x874.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba001a-150x128.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba001a-300x256.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba001a-768x656.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 1a: \u00dcbersicht: \u201eVerh\u00e4ltni\u00dfzahlen f\u00fcr die Umrechnung der Gro\u00dfherzoglich Hessischen Ma\u00dfe und Gewichte in die durch die neue Ma\u00df- und Gewichtsordnung festgestellten neuen Ma\u00dfe und Gewichte und umgekehrt\u201c; zusammengestellt nach der Bekanntmachung Nr. 45 des Gro\u00dfherzoglichen Ministeriums des Innern vom 18. September 1869 im Gro\u00dfherzoglich Hessischen Regierungsblatt vom 23. September 1869, die (neue) Ma\u00df- und Gewichtsordnung betreffend<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aus dieser komplexen \u00dcbersicht l\u00e4sst sich das neue im gesamten Deutschen Kaiserreich bald nach dessen Gr\u00fcndung g\u00fcltig und verpflichtend gewordene Ma\u00df- und Gewichtssystem in der vordersten der vier Rubriken <strong>I. Neue Ma\u00dfe und Gewichte<\/strong> entnehmen, die in die vier Zielgruppen <strong>A. L\u00e4ngenma\u00dfe<\/strong>, <strong>B. Fl\u00e4chenma\u00dfe, C. K\u00f6rperma\u00dfe <\/strong>und<strong> D. Gewichte <\/strong>untergliedert ist. Obgleich dieses System dem heute g\u00fcltigen solchen entspricht und somit der Leser dieses schon kennt, kann es nicht allein beim blo\u00dfen Durchlesen dieser Rubrik I bleiben. Sondern man sollte die hier gebotene M\u00f6glichkeit des Vergleichens mit den in der Rubrik <strong>III. Bisherige Ma\u00dfe und Gewichte des Gro\u00dfherzogthums Hessen<\/strong> wiedergegebenen bisherigen Gegebenheiten wahrnehmen. Was die sich aufdr\u00e4ngende Frage der Dimensionierung der neuen wie der bisherigen Ma\u00dfe und Gewichte und deren Vergleichung miteinander betrifft, so geben Auskunft die Rubriken <strong>II. Correspondierende Werthe des Gro\u00dfherzoglich-Hessischen Ma\u00df- und Gewichtssystems <\/strong>(mit dem neuen solchen) und <strong>IV. Correspondierende Werthe der neuen Ma\u00df- und Gewichts-Ordnung <\/strong>(mit der alten solchen), wobei in beiden F\u00e4llen des Miteinander-Vergleichens die korrespondierenden Ma\u00df- und Gewichtswerte zum Zwecke der Hilfestellung durch in Rot gehaltene Richtungsstriche miteinander verbunden worden sind. Was in der \u00dcbersicht der dem Ausgangsma\u00df \u201eMeter\u201c sowie allen seinen Ma\u00dfvarianten beigegebene s\u00e4chliche Artikel \u201edas\u201c betrifft, so wird heute in der Regel der m\u00e4nnliche Artikel \u201eder\u201c verwendet; auch findet sich das aus dem Lateinischen kommende \u201eC\u201c oder \u201ec\u201c bei \u201eCenti-\u201c und \u201eDeci-\u201c sowie \u201eCentner\u201c heute durch \u201eZ\u201c ersetzt. Auf die insbesondere beim Rechnen mit den vielerlei Ma\u00dfen und Gewichten verwendeten Abk\u00fcrzungen wie m oder m<sup>2<\/sup> oder m<sup>3<\/sup> f\u00fcr Meter, Quadratmeter und Kubikmeter, km f\u00fcr Kilometer oder l f\u00fcr Liter usw. sei hier nur andeutend hingewiesen.<\/p>\n<p>Als Verst\u00e4ndnishilfe sei zur Rubrik <strong>I.<\/strong><strong>\u00a0Neue Ma\u00dfe und Gewichte<\/strong> Folgendes gesagt:<\/p>\n<p><strong>&#8211; A. L\u00e4ngenma\u00dfe:<\/strong><\/p>\n<p>Der dem neuen Ma\u00df- und Gewichtssystem zugrunde liegende metrisch-dezimale Aufbau wird dadurch evident, dass am Anfang das Meter als das dieses bestimmende und uns von seiner L\u00e4ngendimension her gel\u00e4ufige Ausgangsma\u00df steht und die von diesem abgeleiteten anderen L\u00e4ngenma\u00dfe \u00fcber dezimale Spr\u00fcnge sowohl nach unten durch Teilung in Zehntel = Deci- , Hunderstel = Centi- , Milli- = Tausendstel wie nach oben durch Vervielf\u00e4ltigung um das Zehnfache = \u201eDeka-\u201c und Tausendfache = \u201eKilo-\u201c aufgebaut sind.<\/p>\n<p>Die den verschiedenen neuen L\u00e4ngenma\u00dfen beigegebenen Alternativnamen, so f\u00fcr<\/p>\n<p>&#8211; <u>das Meter<\/u> der Stab, f\u00fcr<br \/>\n&#8211; <u>das Centimeter<\/u> der Neu-Zoll, f\u00fcr<br \/>\n&#8211; <u>das Millimeter<\/u> der Strich, f\u00fcr<br \/>\n&#8211; <u>das Dekameter<\/u> die Kette,<\/p>\n<p>stellen, wie deren v\u00f6llige Fremdheit f\u00fcr uns Heutige sp\u00fcren l\u00e4sst, missgl\u00fcckte Versuche dar, den Menschen die unwillkommene und belastende Umgew\u00f6hnung auf das neue System dadurch schmackhaft zu machen, dass diesen statt der mathematisch und damit fremdartig empfundenen Ma\u00dfbezeichnungen nach dem Vorbild der fr\u00fcheren L\u00e4ngenma\u00dfe eine k\u00f6rper- oder sonstwie dingbezogene Parallelbenamung angeboten wird.<\/p>\n<p>Zwar vollzieht sich beim alten System, wie oben bereits zu erfahren, die Teilung des Grundma\u00dfes \u201eFu\u00df\u201c hinab zum \u201eZoll\u201c sowie weiter zur \u201eLinie\u201c bereits in Zehntel-Spr\u00fcngen und besteht hier somit ein metrisch-dezimaler Aufbau. Doch erfolgt die Vermehrung des Grundma\u00dfes \u201eFu\u00df\u201c hinauf zur \u201eElle\u201c \u00fcber die Bildung des 24-Fachen, weiter hinauf zur \u201eKlafter\u201c (nicht mehr in Weiterf\u00fchrung der \u201eElle\u201c, sondern ausgehend wieder vom \u201eFu\u00df\u201c) wieder des Zehnfachen, weiter von dieser hinauf zur \u201eWegstunde\u201c (ausgehend von der Klafter) jedoch \u00fcber die Bildung des 200-Fachen und schlie\u00dflich weiter hinauf zur \u201eMeile\u201c (ausgehend von der Klafter) des 300-Fachen. Demnach ist dem vorhergehenden L\u00e4ngenma\u00df-System zwar schon die metrische Komponente zu eigen. Was jedoch die dezimale Komponente betrifft, so kommt diese nur teilweise zur Anwendung. Dementsprechend erscheinen der Umgang (insbesondere bei notwendig werdenden Umrechungen) mit dem vorhergehenden L\u00e4ngenma\u00df-System komplizierter als mit dem neuen solchen, dessen konsequent gehandhabte dezimale Komponente die Durchschau leichter gemacht haben d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Allerdings findet sich dennoch die althergebrachte<\/p>\n<p>&#8211; \u201e<u>Meile<\/u>\u201c<\/p>\n<p>in das neue System &#8211; und zwar von ihrer Dimensionierung her unver\u00e4ndert &#8211; \u00fcbernommen, was bedeutete, dass dieses gr\u00f6\u00dfte der L\u00e4ngenma\u00dfe jetzt nicht mehr 3.000 Klafter, sondern &#8211; Umrechnungen in einigerma\u00dfen passabler Weise m\u00f6glich machende &#8211; 7.500 Meter oder 7,5 Kilometer beinhaltete. Wenngleich die im bisherigen System davor liegende \u201e<u>Wegstunde<\/u>\u201c zu bisher 2.000 Klaftern, jetzt zu 5.000 Metern oder 5 Kilometern, in der neuen Ma\u00df-Tabelle nicht zu finden ist, manifestiert sich deren weiterer &#8211; und zwar breitester &#8211; Gebrauch bis hin zur Gegenwart darin, dass jedes Kind eigentlich schon wei\u00df, dass der Mensch beim Wandern normalerweise diese letztgenannte Strecke hinter sich bringt.<\/p>\n<p><strong>&#8211; B. Fl\u00e4chenma\u00dfe:<\/strong><\/p>\n<p>Aus den vorstehenden L\u00e4ngenma\u00dfen werden der Reihenfolge nach durch Setzung in die Fl\u00e4che, d. h. durch Quadrieren:<\/p>\n<p>&#8211; <u>das Quadratmeter<\/u> oder der Quadratstab,<br \/>\n&#8211; das <u>Quadratcentimeter<\/u>,<br \/>\n&#8211; das <u>Quadratmillimeter<\/u>;<\/p>\n<p>und dann, abweichend von der bisherigen Benamung durch Vorh\u00e4ngung des Bestimmungswortes \u201eQuadrat-\u201c,<\/p>\n<p>&#8211; <u>das Ar<\/u> (eigentlich \u201eQuadratdekameter\u201c) oder 100 Quadratmeter (mit 10 Meter Seitenl\u00e4nge).<\/p>\n<p>Weiter hei\u00dft es:<\/p>\n<p>&#8211; <u>das Hektar<\/u> <u>(<\/u>mit 100 Meter Seitenl\u00e4nge) oder 10.000 Quadratmeter (zu erg\u00e4nzen: oder 100 Ar), woraus sich ergibt, dass &#8211; wie es weiter hei\u00dft &#8212; 25 Are oder \u00bc Hektar 2.500 Quadratmeter entsprechen. Diesem entspricht, wie dar\u00fcber erg\u00e4nzend eingef\u00fcgt,<em><br \/>\n<\/em>&#8211; <u>der Morgen<\/u>, das althergebrachte Fl\u00e4chenma\u00df, mit dem vor allem der Grundbesitz der Bauern beziffert wurde und der unausrottbar noch bis in die zweite H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts das Hektar dominierte. Abschlie\u00dfend steht<br \/>\n&#8211; <u>die Quadratmeile<\/u> (mit 7.500 Meter Seitenl\u00e4nge), die 5.625 Hektar enth\u00e4lt. Zu dieser Zahl kommt man durch die folgende Berechnung: 1 Quadratmeile hat 7.500 m x 7.500 m = 56.250.000 m<sup>2<\/sup> = 562.500 a = 5.625 ha. Dieses Beispiel zeigt, dass bei den Fl\u00e4chenma\u00dfen die Umrechnung ins jeweilige Nachbarma\u00df nicht mehr wie bei den L\u00e4ngenma\u00dfen \u00fcber abw\u00e4rts das Teilen durch 10 bzw. aufw\u00e4rts das Malnehmen mit 10, sondern durch bzw. mit 100 erfolgt.- Erg\u00e4nzend angef\u00fcgt wurde noch<br \/>\n&#8211; <u>das Quadratdecimeter<\/u> oder 1\/10\u00a0Quadratmeter, das von der Dimensionierung (10 Zentimeter Seitenl\u00e4nge) her hinter dem er\u00f6ffnenden Quadratmeter an zweiter Stelle zu denken ist.<\/p>\n<p><strong>&#8211; C. K\u00f6rperma\u00dfe (auch Raumma\u00dfe):<\/strong><\/p>\n<p>Und aus den obigen Fl\u00e4chenma\u00dfen werden (unter Auslassung vom Millimeter) durch Setzung in den Raum in Form jeweiliger Umbildung zum W\u00fcrfel (lateinisch: Kubus):<\/p>\n<p>&#8211; <u>das Kubikmeter<\/u> oder der Kubikstab,<br \/>\n&#8211; <u>das Kubikcentimeter<\/u>,<br \/>\n&#8211; <u>das Liter<\/u> oder die Kanne (eigentlich: das Kubikdecimeter); dieses entspricht 1\/1000 Kubikmeter, indem 1 Kubikmeter 1.000 Liter (oder Kubikdecimeter) fasst;<br \/>\n&#8211; <u>der Schoppen<\/u> oder das halbe Liter und<br \/>\n&#8211; <u>das Hektoliter<\/u> oder das Fa\u00df = 100 Liter oder 1\/10 Kubikmeter.<\/p>\n<p>Hinzugenommen wurde noch, da vor allem in den Wirtschaften vielf\u00e4ltig im Gebrauch:<\/p>\n<p>&#8211; <u>das Viertel<\/u> = \u00bc Liter (deshalb der Name) oder \u00bd Schoppen oder 250 Kubikcentimeter; nicht zu verwechseln mit dem einstigen ebenfalls \u201eViertel\u201c hei\u00dfenden ehemaligen Fl\u00fcssigkeitsma\u00df, das 4 Maa\u00df oder 8 Liter fasste.<\/p>\n<p>Ins Auge springt, dass es gegen\u00fcber den bisherigen unter III.C zu findenden K\u00f6rperma\u00dfen des Gro\u00dfherzogtums Hessen jetzt keine gesonderten Getreidema\u00dfe mehr gibt. Das geht darauf zur\u00fcck, dass die verschiedenen Sorten des Getreides (Dinkel, Roggen = Korn, Weizen, Hafer, Gerste) wie auch Erbsen, Linsen und \u00c4hnliches jetzt nicht mehr mittels der f\u00fcnf Arten von Mess-(Rund-)Beh\u00e4ltnissen des Namens <u>das M\u00e4\u00dfchen<\/u>, <u>das Gescheid<\/u>, <u>der Kumpf<\/u>, <u>das Simmer<\/u>, <u>das Malter<\/u> gemessen worden sind, sondern durch Gewichtsbestimmung. Somit kam das Vielerlei der denselben Namen wie die K\u00f6rperma\u00dfbezeichnungen tragenden althergebrachten Getreidebeh\u00e4ltnisse in Wegfall. An deren Stelle trat als einziges Beh\u00e4ltnis f\u00fcr die Getreidemessung der Sack. Indem jetzt manchmal auch vom Getreide-Sack als dem \u201eMaltersack\u201c gesprochen wird, wird an das fr\u00fchere gr\u00f6\u00dfte Getreide(raum)ma\u00df des Namens \u201eMalter\u201c erinnert. Der althergebracht-eingefleischte Gebrauch der Getreide-Messbeh\u00e4ltnisse und deren weiteres Vorhandensein brachte es nat\u00fcrlich mit sich, dass diese zumindest im privaten Gebrauch noch lange verwendet worden sind! Genau so war es ja zuvor mit den im Wimpfen der Reichsstadtzeit sowie w\u00e4hrend der ersten beiden Jahrzehnte der hessen-darmst\u00e4dtischen Herrschaftsaus\u00fcbung verwendeten &#8211; andere Raummengen fassenden &#8211; solchen gewesen, die gegen die Mitte der 1820er Jahre laut Weisung des Gro\u00dfherzogs zusammen mit den anderen reichsst\u00e4dtischen Ma\u00dfen und Gewichten den hessischen solchen zu weichen gehabt hatten.; gemeint sind: <u>der Vierling<\/u>, <u>das Impfel oder Invel<\/u> und <u>das Simr<\/u>i. Man sollte sich zur F\u00f6rderung des Verst\u00e4ndnisses unter vergleichender Ben\u00fctzung der Angaben von Rubrik III.B und Rubrik IV. Folgendes vergegenw\u00e4rtigen: Das hessische M\u00e4\u00dfchen fasste \u00bd Liter, das Gescheid 2 Liter, der Kumpf 8 Liter, das Simmer 32 Liter, das Malter 128 Liter. Es ging also nach oben praktischerweise immer um das Vierfache weiter und man kann sich das 128 Liter fassende Malter, das gr\u00f6\u00dfte dieser Getreidebeh\u00e4ltnisse, vorstellen als ein Rundbeh\u00e4ltnis von einem Meter Durchmesser und 16,3 cm H\u00f6he, was einem Rauminhalt von 0,50 m x 0,50 m x 3,14 x 0,163 m = 0,12795 m<sup>3 <\/sup>= 127,95 l, aufgerundet 128 l, entspricht. Dieses stellt allerdings nur eine hypothetische Berechnung dar, weil die tats\u00e4chliche Bema\u00dfung des Malterma\u00dfes des Gro\u00dfherzogtums Hessen der Zeit vor 1868\/69 auf die Schnelle nicht feststellbar gewesen ist, so wie auch die genaue Bema\u00dfung (d. h. der Durchmesser und die H\u00f6he) der Getreide-Ma\u00dfbeh\u00e4ltnisse Wimpfens aus Reichsstadtzeiten leider ebnfalls nicht eruiert werden konnte. Denn laut meinem Nachfragen ca. im Jahr 2003 fanden sich solche und auch die hessen-darmst\u00e4dtischen solchen weder in den Best\u00e4nden der Wimpfener Museen, noch des Vereins Alt-Wimpfen, noch fanden sich solche bei den befragten Bauern und Wimpfenern nahestehender anderer Berufe. Ein erneuter Ermittlungsversuch vom Sommer 2017 blieb ebenfalls erfolglos. Bereits in den 1950er Jahren gab mir STUDIENRAT und STADTARCHIVAR DR. REINHOLD B\u00dcHRLEN die frustrierender Auskunft, es seien die meisten in den B\u00fchnen wie auch vielfach den Scheuern und Schuppen noch vorhandenen dinghaften Reminiscenzen Wimpfener reichsst\u00e4dtischer und auch fr\u00fchhessischer Geschichte der bald nach 1933 im Zuge der Vorbereitung des Luftkrieges begonnenen und \u00fcber das Dutzend von Jahren der Naziherrschaft gef\u00fchrten sogenannten Entr\u00fcmpelung zum Opfer gefallen. Und was davon \u00fcber diesen Zeitraum hinweg vielleicht doch bewahrt geblieben ist, das habe, so musste ich neuerdings erfahren, die Aussiedelung der Bauernbetriebe der ausgehenden 1950er und beginnenden 1960er Jahre vollends verschwinden gemacht. Ich selbst habe nur eine nebul\u00f6se dinghaft-verbale Kindheitserinnerung an das \u201eSimmer\u201c oder vielleicht auch (den?) \u201eSimmering\u201c; ob diese auf das j\u00fcngere hessen-darmst\u00e4dtische solche zu 32 Liter oder das reichsst\u00e4dtisch-wimpfener solche zu 16,628 Liter bezogen ist, das bleibt offen.<\/p>\n<p>Wichtig gerade f\u00fcr Wimpfen im Blick auf das an 475 B\u00fcrger j\u00e4hrlich gereichte B\u00fcrgergab-Holz in H\u00f6he von einer (einst reichsst\u00e4dtisch-Wimpfener) Klafter (3,422 Raummeter) bzw. sp\u00e4ter zeitweise auch in H\u00f6he von 2 \u00bc hessischen Stecken (= 2,5 x 1,5625 Kubikmeter = 3,515625 Kubikmeter = aufgerundet 3,52 Raummeter) erscheint das nach der Einf\u00fchrung der neuen Ma\u00df- und Gewichtsordnung verf\u00fcgte Reglement, dass in den Dominial- und Kommunalwaldungen die bisherige Scheitl\u00e4nge beim Holzmachen von 5 \u201ealten Fu\u00df\u201c = 0,25 cm x 5 = 1,25 m beibehalten wird, doch an Orten, wo eine Scheitl\u00e4nge von nur \u201e4 alten Fu\u00df\u201c (und damit von 1 m) verwendet worden ist, weiterhin so verfahren werden darf. Au\u00dferdem wurde herausgestellt, dass der bisher verwendete hessische Stecken 1,5625 Raummeter betrage. Da die bislang gereichte Wimpfener Raum-Klafter bzw. die stattdessen zeitweise daf\u00fcr gereichten 2 \u00bc hessischen Stecken &#8211; wie oben gesagt &#8211; 3,422 bzw. 3,52 Raummeter entsprachen, bestimmte der Gemeinderat im Sp\u00e4tsommer 1872 mit der Begr\u00fcndung, <em>\u201eda\u00df sich die seither gegebene Loosholzklafter nicht genau mit dem neueren Maa\u00dfe ausgleiche\u201c<\/em>, das Gro\u00dfherzogliche Forstamt Lorsch zu ersuchen, die Gro\u00dfherzogliche F\u00f6rsterei Wimpfen anzuweisen, das B\u00fcrgerlosholz in folgender Weise aufsetzen zu lassen: 2 Raummeter buchen \/ 1 \u00bd dito eichen Scheit- oder Pr\u00fcgelholz. Somit wurde k\u00fcnftig die B\u00fcrgerholzgabe in Form von 3 \u00bd Raummetern gereicht. Diese Berechnungen \u00fcberschauend, ist erg\u00e4nzend zu sagen, dass man bei Holz im Blick darauf, dass die Beigen Naturholzes im Wald ja nicht die von der Bema\u00dfung her sich ergebende Menge kompakten Holzes enthielten, sondern auch eine gewisse Menge an Luft, die Ma\u00dfbezeichnung Raummeter statt Kubikmeter verwendete.<\/p>\n<p><strong>&#8211; D. Gewichte:<\/strong><\/p>\n<p>Um er\u00f6ffnend die metrische Herleitung der Gewichte klarlegen zu k\u00f6nnen, folgen wir nicht der Reihenfolge der \u00dcbersicht, sondern betrachten zuerst die dort an dritter Stelle aufgef\u00fchrte Ma\u00dfeinheit, n\u00e4mlich<\/p>\n<p><u>&#8211; das Gramm<\/u>, von dem erg\u00e4nzend gesagt ist, dass es dem Gewicht von 1 Kubikcentimeter Wasser zu 4\u00b0 Celsius entspreche. Somit entspricht, um jetzt zur in der \u00dcbersicht erstgenannten Gewichtssorte zu kommen,<br \/>\n&#8211; <u>das Kilogramm<\/u> oder 1.000 Gramme, das, wie dar\u00fcber erg\u00e4nzend gesagt ist, dem Gewicht von 1 Liter (d. h. 1.000 Kubikcentimeter) Wasser zu 4\u00b0 Celsius entspricht. Nunmehr der \u00dcbersicht folgend, sind zu nennen:<br \/>\n&#8211; <u>das Dekagramm<\/u> oder Neu-Loth zu 10 Gramm;<br \/>\n&#8211; <u>das Decigramm<\/u> oder 1\/10 Gramm;<br \/>\n&#8211; <u>das Centigramm<\/u> oder 1\/100 Gramm;<br \/>\n&#8211; <u>das Milligramm<\/u> oder 1\/1000 Gramm;<br \/>\n&#8211; <u>das halbe Kilogramm<\/u> oder <u>Pfund<\/u> (oder 500 Gramme). Mit dem Erscheinen vom Pfund sind wir zu einer Gewichtsart gelangt, die bereits in der vorausgegangenen hessischen Ma\u00df- und Gewichtsordnung vorhanden gewesen, jedoch in 32 Loth unterteilt gewesen ist. Ebenfalls fr\u00fcher schon verwendet:<br \/>\n&#8211; <u>der Centner<\/u> oder (jetzt) 50 Kilogramm oder auch (wie schon fr\u00fcher) zu 100 Pfund. Eingef\u00fcgt wurde<br \/>\n&#8211; <u>der Doppelcentner<\/u> oder 100 Kilogramm oder 200 Pfund. Am Schlusse steht die neue schwerste Gewichtseinheit<br \/>\n&#8211; <u>die Tonne<\/u> oder 1.000 Kilogramme oder 2.000 Pfund oder (um zu erg\u00e4nzen) 10 Doppelcentner oder 20 Centner.<\/p>\n<p>Im Zuge der Einf\u00fchrung all der vorgenannten neuen einheitlichen Ma\u00dfe und Gewichte, musste die in Wimpfen im Spital von altersher untergebrachte (so geschrieben) Aich-Anstalt neu mit den ge\u00e4nderten Ma\u00dfen und Gewichten best\u00fcckt werden. 1873 wurde f\u00fcr die Unterbringung der Eichger\u00e4tschaften und insbesondere f\u00fcr die Platz ben\u00f6tigenden Fl\u00fcssigkeitsma\u00dfe oberhalb (westw\u00e4rtig) des Spitalanwesens am st\u00e4dtischen Kanal zwischen Langgasse und Oberer Hauptstra\u00dfe die \u201eAiche\u201c (Eichh\u00e4uschen) Nr. (ab 1851) 250 5\/10 bzw. (ab 1895) 311 erbaut. Laut neuer Eichordnung hatten in dieser f\u00fcrs Erste auszuliegen:<\/p>\n<p>&#8211; an L\u00e4ngenma\u00dfen: Meter, Decimeter, Centimeter;<br \/>\n&#8211; an Fl\u00fcssigkeitsma\u00dfen: 1 Liter (oder Kanne), \u00bd Liter (oder Schoppen);<br \/>\n&#8211; an Hohlma\u00dfen f\u00fcr trockene Gegenst\u00e4nde (wie vor allem Getreide): 1 Hektoliter (oder Fa\u00df);<br \/>\n&#8211; an Gewichten: 50 Kilogramm oder 1 Centner, 50 Pfund oder \u00bd Zentner, 1 kg, 500 Gramm oder 1 Pfund, 10 Gramm\u00a0oder 1 Decagramm oder 1 Neuloth, 1 Milligramm.<\/p>\n<p>Hier f\u00e4llt auf, dass das (oder auch der) Hektoliter als Trocken- und noch nicht als Fl\u00fcssigkeitsma\u00df ausgewiesen ist. Offenbar war man sich amtlicherseits im Klaren, dass die ganz besonders kostenaufw\u00e4ndige Erneuerung der sog. Aich-Anstalt mit den neuen Messger\u00e4tschaften, dazuhin auch die Umeichung oder Ersetzung der in den Kellern stehenden Wein- und Mostf\u00e4sser sowie der dort oder sonstwo zu findenden Holzbottiche und -k\u00fcbel, Zuber, Kannen und dergleichen mehr nicht von heute auf morgen gehen konnte, ganz abgesehen von den Schwierigkeiten und Hemmnissen der Umstellung der an ihren herk\u00f6mmlichen Messger\u00e4tschaften sowie an ihren eingeschliffenen alten Gewohnheiten h\u00e4ngenden Menschen. So muss es nicht verwundern, wenn wir das alte Fl\u00fcssigkeits-Gro\u00dfma\u00df, die Ohm (mit ihren 160 Litern), noch \u00fcber viele Jahre hinweg anstatt des Hektoliters in Gebrauch finden, so z. B. 1878 immer noch als Wein- und Bierma\u00df.<\/p>\n<p>Und von den in den Scheuern und auf den Speichern vorhandenen f\u00fcnferlei Getreide-Messbeh\u00e4ltnissen, die jetzt ausgedient hatten und dem Sack in der Weise weichen sollten, dass die in diesen gesch\u00fcttete Menge Getreides nicht mehr nach ihrem Rauminhalt, sondern nach ihrem Gewicht durch Wiegen bestimmt werden musste, trennten sich die meisten Menschen sicherlich alles andere als gern. Trotz der nunmehrigen (zumindest im \u00f6ffentlich-gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfigen Umgang unumg\u00e4nglichen) Mengenbestimmung beim Getreide durch Gewichtsmessung wurde nach wie vor in Wimpfen ein amtlicher sog. Fruchtmesser (bzw. jetzt besser Fruchtw\u00e4ger zu nennen) gebraucht, dessen Posten laut Reichstagswahlliste von 1871 und 1874 der 38- bzw. 41-j\u00e4hrige JOHANN CASPAR SCHNEIDER, von 1887 JAKOB SCHMEI\u00dfER innehat.<\/p>\n<p>Die Umstellung von der (doppelt so viel fassenden) Maa\u00df auf Liter brachte vor allem den Wirten das Problem, dass diese vor allem die vorhandenen Maa\u00df-Gef\u00e4\u00dfe auf vorschriftsm\u00e4\u00dfig geeichte Liter-Gef\u00e4\u00dfe umstellen mussten. Dieses wird illustriert durch die nachstehende<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba001b.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-293\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba001b-1024x887.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"572\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba001b-1024x887.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba001b-150x130.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba001b-300x260.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba001b-768x665.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 1b: Bekanntmachung des Gro\u00dfherzoglichen Kreisamtes Wimpfen die Ma\u00df- und Gewichts-Ordnung betreffend vom 14. Mai 1873<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wie der einleitende Textabschnitt zeigt, war dieser Bekanntmachung bereits am 10. Oktober 1871 eine Verordnung, \u201edie Beschaffenheit der Schankgef\u00e4\u00dfe betreffend\u201c, vorausgegangen, die jetzt in Erinnerung gebracht wird. Was diese in 5 Paragraphen bez\u00fcglich des Ausschankes von Wein und Bier bez\u00fcglich der Schankgef\u00e4\u00dfe im Einzelnen bestimmt , l\u00e4sst sich in der Abbildung nachlesen. Am Schlusse wird erweiternd nicht nur den Wirten, sondern auch den Gewerbetreibenden in ihrer Gesamtheit, Folgendes mahnend bekannt gemacht: <em>\u201eAlsbald nach dem 15. Juni d. J. findet eine allgemeine Revision aller in \u00f6ffentlichem Verkehr und Gebrauch befindlichen Maa\u00dfe und Gewichte statt und haben diejenigen Gewerbetreibenden, welche dann noch ungeeichte oder ungesetzliche Maa\u00dfe, Gewichte oder ungestempelte Waagen f\u00fchren, au\u00dfer der gesetzlichen Strafe auch noch die Confiscation der vorschriftswidrigen Maa\u00dfe und Gewichte zu erwarten.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nicht minder schwer wie von den bisherigen Getreide- und Schankma\u00dfen fiel den Menschen auch die L\u00f6sung von der alten Loth-, Pfund- und Malter-Rechnung etc. und Umstellung auf die Gramm-, Kilogramm- und Doppelzentner-Rechnung sowie die Aufgabe der althergebrachten Ger\u00e4tschaften wie Gewichten und Waagen nicht leicht, ganz abgesehen von den Kosten der Anschaffung neuer solcher wie z. B. der nunmehr verwendeten und sicher teuren sog. Dezimalwaage. Somit muss es nicht verwundern, dass noch im Jahr 1888 von der Stadtverwaltung bekanntgegeben wurde, dass ab 1. Januar 1889 jeder Gewerbetreibende die \u00e4lteren dem Pfundsystem (gemeint mit Unterteilung zu 32 Loth) angeh\u00f6renden Gewichtsst\u00fccke aus dem Verkehr zu ziehen und durch solche des Kilogramm-Systems zu ersetzen habe. Im nichtamtlichen Verkehr blieben die Menschen bei der Angabe und Berechnung ihrer Ackerfl\u00e4chen noch ganz fest auf das hessische Morgenma\u00df (1 Mrg. = 2500 m<sup>2<\/sup> = \u00bc ha) fixiert und finden wir 1877 in der Zeitung herausgestellt, dass das st\u00e4dtische Hospitalgut 167 Morgen oder (aufgerundet) 42 ha (genau m\u00fcsste es hei\u00dfen: 41 \u00be ha) umfasst. Wie die nachfolgende Abbildung zeigt, bot der Wimpfener Zeitungsverlag des Carl Dieterich dem Publikum das folgende als Helfer zur <em>\u201eUmwandlung der Gro\u00dfh. Hessischen alten Ma\u00dfe und Gewichte in die neuen metrischen Ma\u00dfe und Gewichte und umgekehrt\u201c <\/em>dienende \u201en\u00fctzliche Brosch\u00fcrchen\u201c an:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-307\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be001-1024x1008.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be001-1024x1008.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be001-150x148.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be001-300x295.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be001-768x756.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Schade, dass dieses uns nicht mehr vorliegt! Doch d\u00fcrfte sein Inhalt in etwa dem entsprochen haben, was in der obigen \u00dcbersicht der Abb. B 1a dargebracht ist.<\/p>\n<p>Das Klebenbleiben an der althergebrachten Art und Weise der Ma\u00dfangabe f\u00fcr Ackerfl\u00e4chen etc. besagt aber nicht, dass gegen die Einf\u00fchrung der neuen Ma\u00dfe und Gewichte, wie das bei der von den hessischen Beh\u00f6rden geforderten Abl\u00f6sung der reichsst\u00e4dtischen durch die hessischen Ma\u00dfe und Gewichte in den 1820er Jahren der Fall gewesen war, von der Gemeindeverwaltung wie den B\u00fcrgern heftiger \u00fcber viele Jahre gehender hinhaltender Widerstand geleistet worden w\u00e4re. Die Vorteile gerade f\u00fcr die Wimpfener Dreil\u00e4nderecke in Gestalt der Vereinheitlichung sowie der Vereinfachung des Umgangs durch den dezimalen Aufbau des neuen Ma\u00df- und Gewichtssystems waren offenkundig. Hinzu kam die sich mehr und mehr einstellende Gewogenheit gegen\u00fcber der von \u201eKaiser und Reich\u201c ausgehenden Politik und deren Reformma\u00dfnahmen, die sich, wie wir an sp\u00e4terer Stelle sehen werden, schlie\u00dflich zu einer wahren Reichsbegeisterung steigern sollte. Ihren Niederschlag fand die Umstellung darin, dass, wie die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba002.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-294\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba002-1024x533.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"344\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba002-1024x533.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba002-150x78.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba002-300x156.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba002-768x400.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 2: Die am 12. April 1873 im \u201eWimpfener Bote\u201c bekanntgemachten aktuellen sog. Viktualienpreise<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>zeigt, jetzt die B\u00e4cker ihre Preise f\u00fcr Brot und Wecken auf Kilo bzw. Gramm und die Metzger ihre Fleischpreise auf \u00a0\u00bd Kilo und nicht mehr auf Pfund und Lot ausrichteten, wobei das angegebene \u201e\u00bd Kilo\u201c der Metzger nat\u00fcrlich denn doch wieder dem althergebrachten Pfund (aber jetzt zu 500 g und nicht mehr zu 32 Loth) entsprach, das ja auch laut der oben gezeigten Gewichtstabelle offiziell in Gebrauch bleiben durfte. Was die von \u00dcbereifrigen vorgeschlagene und im \u201eWimpfener Bote\u201c angesprochene \u00dcbertragung des dezimalen Ma\u00dfaufbaus auch auf das Dutzend und das Gros mit Umstellung von 12 auf 10 bzw. von 144 auf 100 durch die Fabrikanten betrifft, so kam diese, obgleich die Umrechnumng leichter gewesen w\u00e4re, selbstredend im Blick auf die tief eingeschliffenen Verwendung dieser alten Mengenbezeichnungen nicht zustande.<\/p>\n<p>Von Interesse mag vielleicht auch die im Zuge der L\u00e4ngenma\u00dfumstellung durch \u201eAllerh\u00f6chste Cabinettsordre\u201c des Norddeutschen Bundes vom 17. Juni 1870 bekanntgegebene Neuberechnung der Maximal- und Minimalma\u00dfe der verschiedenen Truppeneinheiten sein, die im Hinblick auf die bestehende allgemeine Wehrpflicht f\u00fcr die jungen M\u00e4nner von ziemlicher Bedeutung gewesen sein d\u00fcrfte:<\/p>\n<p>&#8211; &#8211; A. <span style=\"text-decoration: underline;\">Maximal-Maa\u00dfe<\/span>: \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0&#8211;\u00a0f\u00fcr reitende Artillerie, J\u00e4ger, Trainfahrer zur halbj\u00e4hrigen Ausbildung, Kuirassiere und Ulanen: 1 m 75 cm;<br \/>\n&#8211; f\u00fcr Kuirassiere und Ulanen ausnahmsweise: 1 m 78 cm;<br \/>\n&#8211; f\u00fcr Dragoner, Husaren und Trainstamm: 1 m 72 cm;<\/p>\n<p>&#8211; &#8211; B. <u>Minimal-Maa\u00dfe<\/u>:<br \/>\n&#8211; f\u00fcr die Garden (inclusive der leichten Garde-Kavallerie): 1 m 70 cm;<br \/>\n&#8211; f\u00fcr Garde-Dragoner, Garde-Husaren, Festungs- respective See-Artillerie, Pioniere, Linien-Kuirassiere und Ulanen: 1m 67 cm;<br \/>\n&#8211; f\u00fcr alle \u00fcbrigen Waffen- respective Truppengattungen: 1 m 62 cm;<br \/>\n&#8211; f\u00fcr die Linien-Infanterie ausnahmsweise: 1 m 57 cm.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong>Durch die gesetzliche Einf\u00fchrung der Goldw\u00e4hrung auf der Basis der Mark als Rechnungseinheit im gesamten Deutschen Reich wird das verwirrende vielgestaltige alte M\u00fcnzsystem beseitigt und durch ein einheitliche Klarheit und Sicherheit bringendes W\u00e4hrungssystem abgel\u00f6st.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Fast zeitgleich hierzu lief die Abschaffung des herk\u00f6mmlichen Geldsystems in Gestalt des kaum durchschaubaren und der Verwirrung und dem Betrug Vorschub leistenden Vielerleis der umlaufenden inl\u00e4ndischen und ausl\u00e4ndischen M\u00fcnzsorten und Geldscheine auf der Basis haupts\u00e4chlich der (s\u00fcddeutschen) Gulden- und (norddeutschen) Talerw\u00e4hrung. Dies geschah durch die vom Element einer liberalen Wirtschaftsordnung nach dem Muster Gro\u00dfbritanniens befruchtete Einf\u00fchrung der Goldw\u00e4hrung anstelle der Silberw\u00e4hrung durch das Reichsm\u00fcnzgesetz vom 9. Juli 1873. Durch dieses wurden die in Deutschland g\u00fcltigen Landesw\u00e4hrungen durch eine einheitliche f\u00fcr das ganze Deutsche Reich geltende sog. Reichsgoldw\u00e4hrung abgel\u00f6st, deren Rechnungseinheit die Mark (M) bildete. Dazu wurden au\u00dfer den bereits durch Gesetz vom 4. 12. 1871 bestimmten<\/p>\n<ul>\n<li><u>Reichsgoldm\u00fcnzen<\/u> im Wert von 20 und 10 Mark, weitere zu 5 Mark, dazu als M\u00fcnzen<\/li>\n<li><u>Silberm\u00fcnzen<\/u> in Form von F\u00fcnf-, Zwei- und Einmarkst\u00fccken sowie F\u00fcnfzig- und Zwanzigpfennigst\u00fccken;<\/li>\n<li><u>Nickelm\u00fcnzen<\/u> in Form von Zehn- und F\u00fcnfzigpfennigst\u00fccken sowie<\/li>\n<li><u>Kupferm\u00fcnzen<\/u> in Form von Zwei- und Einpfennigst\u00fccken<\/li>\n<\/ul>\n<p>mit genau vorgeschriebenem Metall-Mischungsverh\u00e4ltnis, Gewicht und Ma\u00df eingef\u00fchrt. Goldw\u00e4hrung oder auch Goldstandard<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> hei\u00dft, dass f\u00fcr jede Mark ein bestimmtes Goldgewicht definiert wird, das den Wert der Geldeinheit bestimmt und damit pr\u00e4zise festlegt, welchen Wechselkurs die (von den meisten Staaten Europas und der USA etc. \u00fcbernommenen) Goldw\u00e4hrungen untereinander haben und somit die Wechselkurse untereinander ebenso pr\u00e4zise festgelegt sind. Die Pr\u00e4gung durch die einzelnen M\u00fcnzst\u00e4tten der Bundesstaaten erfolgt unter der Anweisung und Aufsicht des Reichskanzlers im Benehmen mit dem Bundesrat.<\/p>\n<p>Die Reichsgold- und die Silberm\u00fcnzen \u00fcber eine Mark trugen auf der einen Seite den Reichsadler mit Hohenzollernschild, umschlossen von der Umschrift \u201eDeutsches Reich\u201c sowie der Wertangabe und dem Jahr der Pr\u00e4gung, auf der anderen Seite das Bildnis des jeweiligen Landesherren bzw. Hoheitszeichen der Freien St\u00e4dte mit dem Herrschertitel und -namen bzw. dem Stadtstaatnamen und dem Pr\u00e4gungszeichen in der Umschrift.<\/p>\n<p>Die \u00fcbrigen Silber-, Nickel- und Kupferm\u00fcnzen trugen auf der einen Seite die Wertangabe, die Jahreszahl und die Inschrift \u201eDeutsches Reich\u201c, auf der anderen Seite den Reichsadler und das M\u00fcnzzeichen.<\/p>\n<p>In den nachfolgenden Abbildungen werden als Beispiele die folgenden M\u00fcnzen jeweils beidseitig gezeigt:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-295\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003a-1024x597.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"385\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003a-1024x597.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003a-150x87.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003a-300x175.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003a-768x447.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 3a: Deutsches (Kaiser-)Reich, Silberm\u00fcnze, 20 Pfenning, gepr\u00e4gt 1873<\/strong>;<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003b.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-296\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003b-1024x518.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"334\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003b-1024x518.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003b-150x76.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003b-300x152.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003b-768x388.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 3b: Deutsches (Kaiser-)Reich, Silberm\u00fcnze: 1 Mark, gepr\u00e4gt 1883<\/strong>;<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003c.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-297\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003c-1024x541.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003c-1024x541.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003c-150x79.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003c-300x158.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003c-768x406.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 3c: Deutsches (Kaiser-)Reich, Goldm\u00fcnze: 5 Mark, gepr\u00e4gt 1877; auf der Vorderseite Gro\u00dfherzog (ab 13. Juni 1877) Ludwig IV. von Hessen<\/strong>;<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003d.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-298\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003d-1024x503.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"324\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003d-1024x503.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003d-150x74.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003d-300x147.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003d-768x377.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 3d: Deutsches (Kaiser-)Reich, Goldm\u00fcnze: 20 Mark, gepr\u00e4gt 1909; auf der Vorderseite Wilhelm II. Deutscher Kaiser u. K\u00f6nig von Preussen<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Au\u00dferdem ist zu sp\u00e4tererer Zeit allerdings die Ausgabe von Reichspapiergeld vorgesehen. Dazu ein kleiner Vorausblick: Das \u00f6ffnet die Abkehr vom Goldstandard und somit gelten die mehr und mehr auch umlaufenden sog. Banknoten oder Papier-Geldscheine im Kaiserreich als Geld zweiter Wahl. Das sind die sog. Reichskassenscheine zu 5, 20 und 50 Mark (1882) und die Noten zu 100 Mark und schlie\u00dflich auch dar\u00fcber zu 500 und 1.000 Mark (1890), ja sogar schlie\u00dflich zu 1 Mark und 2 Mark. Doch: <em>\u201eDie gl\u00e4nzende M\u00fcnze, die man wiegen oder auf die man zur Wertermittlung auch hezhaft draufbei\u00dfen konnte, beherrschte noch f\u00fcr unsere Gro\u00dfm\u00fctter und Gro\u00dfv\u00e4ter zu Beginn des Jahrhunderts das Verst\u00e4ndnis vom Geld. &#8230; L\u00f6hne und Geh\u00e4lter wurden weiter in klingendem Metall ausgezahlt.\u201c<\/em><a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Nachfolgend sollen auch hierzu aus der mit fortschreitender Zeit zu einer wahren Flut auswachsenden Beispielen des \u201ePapiergeldes\u201c einige wenige gezeigt werden:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003e.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003e-1024x673.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 3e: Darlehenskassenschein (Wertseite) Eine Mark, 17. August 1914<\/strong>;<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003f.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003f-783x1024.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 3f: Reichskassenschein (Vorder- und R\u00fcckseiteI), F\u00fcnf Mark, 30. April 1874;<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003g.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003g-1024x647.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 3g : Reichskassenschein (Wertseite) Zehn Mark, 4. Oktober 1896<\/strong>;<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003h.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba003h-863x1024.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 3h: Reichsbanknote (Vorder- und R\u00fcckseite) Eintausend Mark, Datierung unklar (1. Juli 19??)<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wie bei den neuen Ma\u00dfen und Gewichten bestand der gro\u00dfe Vorteil dieser neuen M\u00fcnzen wie auch der Banknoten und Papiergeldscheine darin, dass diese ebenfalls dem dezimalen Aufbau unterlagen; d. h. eine Mark war 100 Pfennig wert; und die dazwischen liegenden anderen M\u00fcnzen, so die 2-, die 5- und die 50-Pfennigst\u00fccke bezogen sich auf den Pfennig, so dass der Wertvergleich offenlag. Wie anders war es z. B. mit dem s\u00fcddeutschen Gulden gewesen, den man umst\u00e4ndlich in 60 Kreuzer und 240 Pfennige umrechnen musste, oder dem preu\u00dfischen Taler, der 30 Groschen und 360 Pfennige wert gewesen ist. Zun\u00e4chst wurden im Jahre 1873 im ganzen Deutschen Reich g\u00fcltige auf die Reichsmark bezogene Umrechnungskurse eingef\u00fchrt und z. B. im \u201eWimpfener Bote\u201c der <em>\u201eNeueste M\u00fcnzumrechner der alten M\u00fcnzma\u00dfe in Mark\u201c<\/em> angeboten. Hoffnungsfroh wurde jetzt im beginnenden Jahr 1874 \u00fcber die Geldumstellung Folgendes berichtet:<\/p>\n<p><em>\u201eDie neuen M\u00fcnzen sind bereits in gr\u00f6\u00dferer Zahl ausgepr\u00e4gt und werden dem Verkehr \u00fcbergeben. &#8230; Den wilden Kassenscheinen, d. h. dem Papiergeld der deutschen Kleinstaaten, wird jetzt endlich der Garaus gemacht werden. Sie werden fortan bei den B\u00f6rsen ihren Kurs haben, nach welchem sie im Handel angenommen und verausgabt werden sollen. Man wird dies als einen wahren Segen erkennen, wenn man sich vergegenw\u00e4rtigt, da\u00df man mit diesen Papieren v\u00f6llig \u00fcberschwemmt war und sie stellenweise nur mit Verlust unterbringen konnte, w\u00e4hrend sich andererseits herausgestellt hat, da\u00df sogar ein gro\u00dfer Theil von diesem Papiergeld gef\u00e4lscht war.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Im Fortgang wurde durch Landesgesetz vom 23. M\u00e4rz 1874 f\u00fcrs Erste bestimmt, dass im Laufe der Monate April, Mai und Juni 1874 durch die von den Landeszentralbeh\u00f6rden bestimmten Kassen alle Landesgoldm\u00fcnzen, so<\/p>\n<p>&#8211; preu\u00dfische Friedrichsd\u2019or, kurhessische Pistolen,<br \/>\n&#8211; w\u00fcrttembergische, badische, hessische Zehn- und F\u00fcnfguldenst\u00fccke,<br \/>\n&#8211; w\u00fcrttembergische Dukaten, badische sog. Rheingolddukaten,<br \/>\n&#8211; badische 500-Kreuzerst\u00fccke<br \/>\n&#8211; sowie die diesen gleichgestellten ausl\u00e4ndischen Goldm\u00fcnzen,<\/p>\n<p>in Zahlung genommen und entsprechend ihrem festgestellten Wert gegen Reichsgold- bzw. Landessilberm\u00fcnzen umgewechselt werden k\u00f6nnten. Ab dem 30. Juni 1874 jedoch, so hie\u00df es, werden Landesgoldm\u00fcnzen von den bestimmten Kassen weder zur Zahlung noch zur Umwechslung angenommen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu den w\u00fcrttembergischen Nachbargemeinden, wo der Umtausch durch die Kameral\u00e4mter erfolgen konnte, besa\u00df Wimpfen, Folge der Exklavenlage mit der personalen wie funktionsm\u00e4\u00dfigem Eingeschr\u00e4nktheit des hessischen Kreisamtes, zun\u00e4chst zum berechtigten Unmut der Bev\u00f6lkerung keine Einl\u00f6sungsstelle, weil die Distriktseinnehmerei diesbez\u00fcglich nicht befugt war und deshalb die Annahme der Goldm\u00fcnzen verweigerte, bis nach einem \u00f6ffentlichen Angriff das Gro\u00dfherzogliche Salzsteueramt die Einzugserlaubnis und eine Verl\u00e4ngerung der Fristen erwirkte. Die Umwandlung der Preu\u00dfischen Bank in die Reichsbank sollte schlie\u00dflich zum 1. Januar 1875 auch im Gro\u00dfherzogtum Hessen wie fast \u00fcberall im Reich die Einf\u00fchrung der Reichsmarkrechnung f\u00fcr den Verkehr bei den \u00f6ffentlichen Kassen und den allgemeinen Geldverkehr \u00fcberhaupt bringen. Das machte jetzt auch den Einzug und Umtausch der anderen M\u00fcnzen notwendig. Zum 1. Juli 1875 wollte W\u00fcrttemberg folgen. Und am 1. Januar 1876 sollte dann mit Bayern der Schlusspunkt gesetzt werden.<\/p>\n<p>Somit macht der \u201eWimpfener Bote\u201c unter dem 20. November 1874 seine Leser mit den Umrechnungskursen der mannigfachen Groschen-Sorten (als Bruchteile des Thalers) bekannt, was ebenfalls zeigt, wie wirrselig das \u00fcberkommene M\u00fcnzsystem damals gewesen ist:<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be002.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be002-1024x251.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und aus anderen Unterlagen sind die folgenden weiteren Umtauschwerte f\u00fcr g\u00e4ngige M\u00fcnzen zu erfahren:<\/p>\n<p>&#8211; 7 fl (Gulden) = 12 Mark; 1 fl = 1,71 Mark<br \/>\n&#8211; 1 Vereinstaler (eine vom Deutschen Zollverein geschaffene M\u00fcnze) = 3 Mark<br \/>\n&#8211; 1xer (x = Kreuzer) = 2 6\/7 Pfennig<br \/>\n&#8211; 3,5 xer = 10 Pfennig<br \/>\n&#8211; 5 xer = 1 Mark<br \/>\n&#8211; 35 xer s\u00fcdd. W\u00e4hrg. = 100 Pfennig = 1 Mark<br \/>\n&#8211; 1 Silbergroschen = 10 Pfennig<\/p>\n<p>Allerdings lie\u00df die Vollendung des Umtausches sowie die totale Anwendung in den Gesch\u00e4ften der neuen Reichsmarkw\u00e4hrung in Wimpfen und anderswo immer noch auf sich warten. So steht im ausgehenden November 1874 in der Zeitung zu lesen, dass man noch wenig neue M\u00fcnzen im Umlauf sehe. Und Anfang 1875 hei\u00dft es, dass die neue W\u00e4hrung zum 1. Januar 1875 amtlich hier eingef\u00fchrt sei, f\u00fcr den allgemeinen Verkehr zun\u00e4chst aber noch wenig Bedeutung habe, weil die Summe der in Silber (bei Gold stehe es besser), Nickel und Kupfer ausgepr\u00e4gten M\u00fcnzen keineswegs ausreichten, um die umlaufenden alten M\u00fcnzen in k\u00fcrzester Frist gegen neue umtauschen zu k\u00f6nnen. Voraus scheinen in Wimpfen mit der Einf\u00fchrung des neuen Geldes vor allem die B\u00e4cker, Metzger und Wirte gegangen zu sein. Im August wird mitgeteilt, dass auch die Kaufleute nunmehr einer nach dem anderen die neue Markrechnung einf\u00fchrten und dies in der Zeitung bekannt g\u00e4ben. Doch gibt es am 22. August 1875 neben Lob auch immer noch Tadel:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Reichsw\u00e4hrung tritt 1. 1. 1876 im gesamten Reichsgebiet in Kraft. Nachdem der Umtausch alter M\u00fcnzen gegen neue in letzter Zeit anstandslos bewerkstelligt werden kann, w\u00e4re es zeitgem\u00e4\u00df, die neue W\u00e4hrung in allen Gesch\u00e4ften allgemein zur Anwendung zu bringen. Es kann diese Ma\u00dfregel, wenn sie nicht mit einer Erh\u00f6hung der Preise verbunden wird, seitens des Publikums auf keine Schwierigkeiten sto\u00dfen. Sollte es den Kaufleuten weniger m\u00f6glich sein, sich in der Angelegenheit zu einigen, als den B\u00e4ckern, Metzgern, Wirten usw., die l\u00e4ngst die Markrechnung eingef\u00fchrt haben?\u201c<\/em><\/p>\n<p>Eine unangenehme Begleiterscheinung des Umtausches war die h\u00e4ufige Feststellung (siehe oben), dass umzutauschende M\u00fcnzen oder Scheine sich als gef\u00e4lscht herausstellten, wodurch in solchen F\u00e4llen der Tausch mit neuem Geld nat\u00fcrlich entfiel. Au\u00dferdem kam es auch in Wimpfen in zwei F\u00e4llen zu auf das neue Geld gerichteten F\u00e4lschungsversuchen. So machte sich im Mai 1875 ein Silberarbeiter der Heilbronner Silberwarenfabrik Bruckmann aus Neckargartach die Unkenntnis um dieses zunutze, indem er falsche Markst\u00fccke, die im Innern billiges Metall und au\u00dfen einen d\u00fcnnen Silber\u00fcberzug besa\u00dfen und die er u. a. auch in Wimpfen zur Zahlung zu bringen suchte, bis er jedoch als F\u00e4lscher ertappt wurde. Etwas sp\u00e4ter versuchte sich ein Mann namens Schweiher aus Wimpfen im Tal mit plumpen F\u00e4lschungen von 10-Pfennig-St\u00fccken, was ihm und seiner Frau 1 Jahr und 2 Monate Gef\u00e4ngnis einbrachte. Auf Dauer war nat\u00fcrlich trotz staatlicher wie amtlicher Kontrolle wie privater Aufmerksamkeit nicht zu vemeiden, dass auch allgemein sowohl gef\u00e4lschtes Papier- wie auch M\u00fcnzgeld in Umlauf kam und auch in Wimpfen auftauchte, so z. B. laut Mitteilung der \u201eWimpfender Zeitung\u201c im April 1899, und zwar Reichkassenscheine zu 20 Mark, die mit Tinte und Tuschfarben ziemlich t\u00e4uschend nachgemacht waren, au\u00dferdem falsche 50-Pfennig-St\u00fccke und falsche 10-Mark-St\u00fccke.<\/p>\n<p>Die W\u00e4hrungsumstellung manifestiert sich nat\u00fcrlich auch in den amtlichen Papieren. So sind in der Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde f\u00fcr das Jahr 1874 die \u201eOpfer und Collekten\u201c noch in Gulden und Kreuzern (396 fl und 38 xr), f\u00fcr 1875 jedoch in Mark und Pfennig (696 Mark 69 Pfennig) ausgewiesen. Der rechnerische Vergleich ergibt: 1874: 396 fl entspr. 396 x 12\/7 M. = 678,86 M., 38 xr entspr. 38 x 2 6\/7 Pf. = 109 Pf , zus. 1874: 679,95 M.; somit differieren diese nur um rd. 17 Mark. In den Gemeinderatsprotokollen des Jahres 1875 finden wir da noch Gulden, dort schon Mark. Und die Wandlung dr\u00fcckt sich bez\u00fcglich der Nahrungsmittelpreise so aus:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be003.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-309 aligncenter\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be003-399x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"399\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be003-399x1024.jpg 399w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be003-59x150.jpg 59w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be003-117x300.jpg 117w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be003-768x1969.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be003.jpg 1950w\" sizes=\"(max-width: 399px) 100vw, 399px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich stellte die Post ihre Frankierung auf die neue W\u00e4hrung ebenfalls um, so z. B. die Kreuzer-Marken auf Dreipfennig-Marken, wobei sie laut gesetzlicher Bestimmung, aber ohne die Zahlungsbedingungen publik gemacht zu haben, in der \u00dcbergangszeit, wohl um den W\u00e4hrungsumtausch zu beschleunigen, sehr zur Klage des Publikums f\u00fcr eine 3-Pfennig-Marke 2 Kreuzer verlangte, was 5 5\/7 Pfennigen und damit fast dem Doppelten entsprach. Ausgangs 1874 wird dann darauf hingewiesen, dass im Zuge der zum Jahresbeginn eintretenden Reichsmarkrechnung die alten Freimarken und Vordrucke verfallen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich und endlich konnte im Dezember 1876 der \u201eWimpfener Bote\u201c triumphierend melden:<\/p>\n<p><em>\u201eDie gro\u00dfe chinesische Mauer um den deutschen M\u00fcnzbezirk ist nun fast vollendet. Fort sind die holl\u00e4ndischen Gulden und 2 \u00bd-Gulden-St\u00fccke, womit vordem unsere Rieseneichen bezahlt wurden, wenn sie via Holland aufs Meer gingen. Fort sind die 5-Franken-Thaler, womit die franz\u00f6sischen H\u00e4ndler unser Franken \u00fcberschwemmten, wenn sie Schafe und Ochsen auf unseren M\u00e4rkten aufkauften. Fort sind die blanken \u00f6sterreichischen Gulden, womit man uns die schuldigen Zinsen zahlte. Fort ist auch alles inl\u00e4ndische Geld, alle Guldenm\u00fcnze bis zum Kreuzer und Pfennig herab. Fort sind die zierlichen Silbergroschen, verdr\u00e4ngt von den wuchtigen Nickelm\u00fcnzen. Es ist alles neu geworden bis auf den Thaler.\u201c<\/em><\/p>\n<p>In der Tat blieben die Talerst\u00fccke und auch ihre verschiedenen Sorten als die letzten Erinnerungsst\u00fccke an die Zeit der alten verwirrenden Geldsorten auch in Wimpfen bis in die Jahre 1877 \u2013 78 noch im Umlauf, bis sie, die 2-Taler-St\u00fccke und die 1\/3-Taler-St\u00fccke am 15. Februar 1877, die 1\/6-Taler-St\u00fccke, die sog. Biergroschen, am 1. M\u00e4rz 1878 aufh\u00f6rten, gesetzliches Zahlungsmittel zu sein und bis zu diesen Terminen bei der Gro\u00dfherzoglichern Distriktseinnehmerei eingel\u00f6st werden konnten. Im November 1877 wurden durch Beschluss des Bundesrates verbindliche Abk\u00fcrzungen f\u00fcr die neuen Ma\u00dfe und Gewichte eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Als man schlie\u00dflich am 1. Juli 1885 das zehnj\u00e4hrige Jubil\u00e4um der neuen Reichsw\u00e4hrung feiern konnte, fasste ein Korrespondent der \u201eWimpfener Zeitung\u201c sein Urteil u. a. in die folgenden durchweg positiven Worte:<\/p>\n<p><em>\u201e &#8230; Heute darf man sagen, da\u00df von all den neuen Einrichtungen des Deutschen Reiches kaum irgend eine andere sich so leicht eingef\u00fchrt hat wie die neue Markrechnung. Die hunderterlei M\u00fcnzen, gro\u00df und klein, welche fr\u00fcher umliefen, sind aus dem Verkehr entschwunden, die fremdl\u00e4ndischen M\u00fcnzsorten, welche namentlich das s\u00fcdliche und mittlere Deutschland \u00fcberschwemmten und Unsicherheit brachten, sind nicht mehr zu sehen, einerlei Geld l\u00e4uft durch das ganze deutsche Land und zeigt auch zu seinem Teil des neuen Reiches Gr\u00f6\u00dfe. Und wie schnell hat sich die Bev\u00f6lkerung, jung und alt, in das neue Geld hineingelebt, wie leicht rechnet man schriftlich und m\u00fcndlich mit demselben und wie wenig h\u00f6rt man heute noch von Gulden und Kreuzern und Groschen reden, und selbst da, wo man noch am l\u00e4ngsten in alter Weise festhielt, bei dem Handel mit Vieh, macht die alte Karolinrechnung der neuen Markrechnung immer mehr Platz. Nur Kipper und Wipper sehnen sich nach der Verwirrung zur\u00fcck.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Am Rande nur sei noch erw\u00e4hnt, dass eine Anfang Januar 1876 nach Berlin vom preu\u00dfischen Unterrichtsminister DR. FALK einberufene \u201eOrthographische Konferenz\u201c sich mit der Aufstellung von Grundregeln f\u00fcr eine einheitliche deutsche Rechtschreiblehre auf der Grundlage eines von Professor Raumer, Erlangen, ausgearbeiten Enwurfs befasst hat. Deren haupts\u00e4chlicher Versuch, die widerspr\u00fcchliche Anwendung des sog. Dehnungs-h nach langen Vokalen (wie einerseits z. B. bei \u201elahm\u201c oder \u201eBohne\u201c gegen\u00fcber \u201eName\u201c oder \u201eKrone\u201c) durch generelle Weglassung desselben zu regulieren, erzielte jedoch keine Majorit\u00e4t. Was von der Reform bewegt wurde, war lediglich die Empfehlung der strickten Weglassung des h\u00e4ufig hinter \u201et\u201c oder \u201eT\u201c vorkommenden \u201eh\u201c (wie bei \u201eThier\u201c, \u201eTh\u00fcr\u201c, \u201eMuth\u201c, \u201eEigenthum\u201c, \u201eFluth\u201c, \u201eG\u00fcthe\u201c, \u201ethun\u201c, \u201eeigenth\u00fcmlich\u201c usw).<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a> Der fl\u00fcchtige Blick in den \u201eWimpfener Bote\u201c bzw. ab Anfang 1877 in die \u201eWimpfener Zeitung\u201c zeigt, dass auch dieser Reformversuch, immerhin vorl\u00e4ufig und besonders bei den \u00e4lteren Menschen, ohne Erfolg geblieben ist.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong>Durch die Gr\u00fcndung der Reichspost wird die Postexpedition Wimpfen zum \u201eKaiserlichen Postamt\u201c umbenannt und umgestaltet, das zun\u00e4chst vom Hause Horn gegen\u00fcber dem Schwibbogentor in das Haus H\u00e4rlin am Unteren Tor und damit in Bahnhofsn\u00e4he, sp\u00e4ter der Stadtmitte zu in das Barth\u2019sche Haus und schlie\u00dflich in ein eigenst\u00e4ndiges an der Ecke Wallstra\u00dfe\/Alte Heilbronner Stra\u00dfe gelegenes Postgeb\u00e4ude hinausverlegt wird.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Durch die Gr\u00fcndung des Deutschen Reiches entstand auch die aus der Norddeutschen Post hervorgegangene Deutsche Reichspost, die von der Reichsverfassung zur einheitlichen Staats-Verkehrsanstalt erkl\u00e4rt wurde. W\u00e4hrend die K\u00f6nigreiche W\u00fcrttemberg und Bayern, obwohl ebenfalls der Reichspost zugewiesen, jedoch auf ihre Reservatrechte pochend, ihre eigene Post- und auch Telegraphenverwaltung behielten, ging im Gro\u00dfherzogtum Baden, das in Wimpfen auch die Bahnhoheit und damit auch die Posthoheit aus\u00fcbte, ab dem 1. Januar 1872 uneingeschr\u00e4nkt auf das Deutsche Reich \u00fcber. Demgegen\u00fcber gelang es den unentwegten Bestrebungen des Reichskanzlers Bismarck nicht, dem Reich auch die Hoheitsrechte \u00fcber die privaten und staatlichen Eisenbahnen der L\u00e4nder zuzuf\u00fchren. Es entstand zwar 1873 eine Reichseisenbahnbeh\u00f6rde, doch blieben den L\u00e4ndern die Befugnisse \u00fcber ihre Bahnen weitgehend erhalten. Und so unterstand die Wimpfen einbindende Bahnstrecke Heidelberg-Jagstfeld nach wie vor der Verwaltung der ab 1872 so genannten \u201eGro\u00dfherzoglich Badischen Staatseisenbahnen\u201c, w\u00e4hrend die jenseits des Neckars gelegenen Anschlussstrecken den \u201eK\u00f6niglich W\u00fcrttembergischen Staats-Eisenbahnen\u201c zugeh\u00f6rig blieben.<\/p>\n<p>Dieser Hoheitswechsel \u00e4nderte nichts an der bestehenden personellen Besetzung des seit dem 1. Oktober 1838 im Hause Horn in der Unteren Hauptstra\u00dfe (ab 1851) Nr. 198 bzw. (ab 1895) Nr. 237 gegen\u00fcber dem Schwibbogentor eingerichteten Poststelle, die seit 1863 mit dem durch den als sog. ERBLANDPOSTMEISTER auch f\u00fcr das Gro\u00dfherzogtum Hessen fungierenden MAXIMILIAN KARL F\u00dcRST VON THURN UND TAXIS eingesetzten und in Wimpfen zuvor schon als Hospital- und Stiftungsrechner t\u00e4tig gewesenen WILHELM SCHMEHL besetzt gewesen ist.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a> Ebenso blieb der f\u00fcr Wimpfen am Berg und im Tal und auch f\u00fcr Hohenstadt zust\u00e4ndige Brieftr\u00e4ger THEODOR HAUER auf seinem Posten. Der in dieser Zeit in Helmhof zu findende Brieftr\u00e4ger JOHANNES SCHNELL versah die dort 1865 geschaffene ehemals badische Poststelle, von der aus die anliegenden kleinen badischen Gemeinden und H\u00f6fe versorgt wurden. Doch traten bald nach der Hoheitsumstellung organisatorische Ver\u00e4nderungen ein: So wurde im Fr\u00fchsommer 1874 das vom Brieftr\u00e4ger nur schwierig mitzuversorgende Hohenstadt zusammen mit der Fleckinger M\u00fchle und der Ziegelei Sauer in der Erbach der Poststelle Rappenau zugeordnet. Und im Juli desselben Jahres wurde in Vorbereitung des notwendigen technischen Ausbaus und der Erweiterung der Post unter dem popul\u00e4ren GENERAL-POSTDIREKTOR STEPHAN die \u201eKaiserliche Postexpedition\u201c, wie es jetzt hei\u00dft, samt Briefschalter in das an das Untere Stadttor sto\u00dfende Gasthaus \u201eTraube\u201c des WILHELM H\u00c4RLIN Untere Hauptstra\u00dfe Nr. (ab 1851) 189 bzw. (ab 1895) Nr. 225 verlegt und mit einer Telegrafenstation vereinigt.<\/p>\n<p>Diese Wegverlegung vom Rand der Kernstadt an den Rand der Unteren Vorstadt rief einigen Unmut hervor und f\u00fchrte zu einer in der Zeitung als Mi\u00dfstand bezeichneten R\u00fcge, die in die Forderung m\u00fcndete, nahe vom Unteren Brunnen, an der Ecke des (im Schiff der ehemaligen Heiliggeist-Hospital-Kirche) gelegenen sog. Muckh\u2019schen Hauses oder des (Tierarzt) Barth\u2019schen Hauses (ehemalige Wirtschaft \u201eR\u00f6ssle\u201c), gelegen zwischen dem oberen Ende der Entengasse und der beginnenden Unteren Hauptstra\u00dfe, einen zweiten Briefkasten anzubringen. Die Verlegung habe, so die Kritik, <em>\u201enicht zum Ruhme der Reichspost beigetragen. Sogar zu Thurn- und Taxis\u2019schen Zeiten gab es zwei Briefk\u00e4sten hier. Man sieht, da\u00df der Postk\u00f6nig Stephan nicht \u00fcberall seine Augen hat.\u201c<\/em> Es wurde dann ein zweiter Briefkasten am letztgenannten Geb\u00e4ude angebracht und seitens der Postexpedition in der Zeitung die folgende obrigkeitlichst klingende Erwiderung gegeben:<br \/>\n<em>\u201eDa\u00df fr\u00fcher 2 Briefk\u00e4sten im Gebrauche waren, ist durch die blose Behauptung nicht erwiesen und was die Verlegung der Postexpedition betrifft, so ist der Ausdruck \u201aMi\u00dfstand\u2019 ebenso ungeh\u00f6rig, als das Pr\u00e4dikat \u201aPostk\u00f6nig\u2019, womit der Herr Einsender den General-Postdirektor in sp\u00f6ttischer Weise zu titulieren beliebt.\u201c<br \/>\n<\/em>Als erste Neuerung wurde am 16. Oktober des gleichen Jahres in der neuen Postdienststelle eine, wie es hei\u00dft, \u201eReichs-Telegraphenstation der Kaiserlichen Telegraphendirektion mit beschr\u00e4nktem Tagesdienste\u201c er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Welch f\u00fcr unsere heutigen Begriffe bescheidenes Bild diese nunmehr \u201eKaiserliche\u201c Postdienststelle immer noch abgegeben hat, ist uns von Friedrich Feyerabend (1871 \u2013 1959) aus eigenem Erleben anschaulich dokumentiert:<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a><br \/>\n<em>\u201eIn den 70er und 80er Jahren vorigen Jahrhunderts befand sich die Post am unteren Stadttor. Ein Zimmer zwischen dem Gasthof zur Traube und dem Turm, das in der Mitte in einen Schalter und Dienstraum abgeteilt war, stellte das ganze Postamt dar. Im Dienstraum befanden sich ein Tisch mit einem Telegraphenapparat, ein Schreibtisch, einige Schreibregale und ein Pult, eine Briefwaage und eine Br\u00fcckenwaage. Im Hofe stand ein gelb angestrichener aus Weiden geflochtener Handwagen. Das Personal bestand in dem Postmeister und einem Brieftr\u00e4ger. Der ganze Verkehr war auf den Brief-, Paket- sowie Ein- und Auszahlungsverkehr beschr\u00e4nkt. Man denkte sich alle \u00fcbrigen heute bestehenden Einrichtungen des Telefon-, Versicherungs- und \u00dcberweisungsverkehr weg. Bestimmte Schalterstunden waren eingerichtet.\u201c<br \/>\n<\/em>Wir werden an sp\u00e4teren Stellen noch mancherlei und dabei einiges Erheiternde \u00fcber des Postmeisters WILHELM SCHMEHL stetig und allgemein anerkanntes gutes Schalten und Walten sowohl in seinem Metier als auch \u00fcber sein hilfreiches Wirken f\u00fcr die Einwohnerschaft Wimpfens erfahren.<\/p>\n<p>F\u00fcrs Erste nahm man die Neuerung des vorhandenen Telegrafs oder der bereits zum 1. Januar 1873 eingef\u00fchrten sog.Postkarte mit aufgedrucktem Wertzeichen weniger wahr als z. B. die von der Post nach dem gewonnenen 1870\/71er-Krieg hinsichtlich der Benennung ihrer Dienstleistungsbereiche betriebenen deutscht\u00fcmelnden Ausw\u00fcchse. Diese werden Ende M\u00e4rz 1875, wohlwollend im \u201eWimpfener Bote\u201c reimend, folgenderma\u00dfen glossiert:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be004.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be004-834x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"416\" height=\"511\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>\u201eWie wird wohl\u201c<\/em>, so ist humorig beigef\u00fcgt<em>, \u201eGeneral-Postdirektor Stephan als Direktor der Reichstelegraphenverwaltung nunmehr seine Telegraphistinnen nennen? \u2013 Etwa \u201aBlitzmadel\u2019?\u201c<\/em><\/p>\n<p>Bei den anschlie\u00dfenden (vergr\u00f6\u00dferten) Briefmarkendarstellungen sei zun\u00e4chst je ein Beispiel der vorbeschriebenen drei Perioden der Postentwicklung gezeigt:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-315 size-medium aligncenter\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004a-292x300.jpg\" alt=\"\" width=\"292\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004a-292x300.jpg 292w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004a-146x150.jpg 146w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004a-768x790.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004a-996x1024.jpg 996w\" sizes=\"(max-width: 292px) 100vw, 292px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 4a: Badische Ein-Kreuzer-Freimarke aus der Zeit vor der Reichsgr\u00fcndung (1858)<\/strong>,<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004b.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-316 size-medium aligncenter\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004b-272x300.jpg\" alt=\"\" width=\"272\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004b-272x300.jpg 272w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004b-136x150.jpg 136w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004b-768x848.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004b-927x1024.jpg 927w\" sizes=\"(max-width: 272px) 100vw, 272px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 4b: Ein-Kreuzer-Briefmarke der Deutschen Reichs-Post des Zeitraumes von 1871 bis 1874 (d. h. vor der W\u00e4hrungsumstellung)<\/strong>,<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004c.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-317 size-medium aligncenter\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004c-262x300.jpg\" alt=\"\" width=\"262\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004c-262x300.jpg 262w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004c-131x150.jpg 131w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004c-768x879.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004c-895x1024.jpg 895w\" sizes=\"(max-width: 262px) 100vw, 262px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 4c: 10-Pfennig-Briefmarke der Reichspost (ab 1875)<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diesen folgt das Vergleichs-Beispiel einer unfrankierten und einer mit dem Stempel des Wimpfener Kaiserlichen Postamtes versehenen Drei- Kreuzer-Briefmarke in der<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004d.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-318 size-medium aligncenter\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004d-262x300.jpg\" alt=\"\" width=\"262\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004d-262x300.jpg 262w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004d-131x150.jpg 131w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004d-768x881.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004d-893x1024.jpg 893w\" sizes=\"(max-width: 262px) 100vw, 262px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 4d: Drei-Kreuzer-Briefmarke der Deutschen Reichs-Post des Zeitraumes von 1871 bis 1874 (d. h. vor der W\u00e4hrungsumstellung) <\/strong>sowie<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004e.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-319 size-medium aligncenter\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004e-262x300.jpg\" alt=\"\" width=\"262\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004e-262x300.jpg 262w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004e-131x150.jpg 131w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004e-768x881.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba004e-893x1024.jpg 893w\" sizes=\"(max-width: 262px) 100vw, 262px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 4e: Vergr\u00f6\u00dferte Schwarz-Wei\u00df-Kopie einer mit dem Poststempel \u201eWimpfen 26. 8. 1872\u201c versehenen solchen Drei-Kreuzer-Briefmarke der Deutschen Reichs-Post<\/strong><a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Abschlie\u00dfend sei gezeigt in der<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-40.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-1174\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-40.jpeg\" alt=\"\" width=\"455\" height=\"237\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-40.jpeg 757w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-40-150x78.jpeg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-40-300x156.jpeg 300w\" sizes=\"(max-width: 455px) 100vw, 455px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><b>Abb. B 4f: Ein weiteres Beispiel einer Zehn-Pfennig-Briefmarke, die den Poststempel des Jahres 1898\u00a0<\/b><span style=\"font-weight: 600;\">\u201e<\/span><b>Beerfelden 27. 1. 98<\/b><span style=\"font-weight: 600;\">\u201c<\/span><b>\u00a0tr\u00e4gt, angef\u00fcgt der auf der R\u00fcckseite des Briefkuverts angebrachte Eingangsstempel <\/b><span style=\"font-weight: 600;\">\u201e<\/span><b>Wimpfen 27. 1. 98<\/b><span style=\"font-weight: 600;\">\u201c<\/span>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um die Zeit der obigen Glosse wird am 16. M\u00e4rz 1875 vom Generalpostamt mit heiligem Ernst folgenderma\u00dfen gemahnt: Freimarken m\u00fcssen nach Vorschrift in die rechte Ecke geklebt werden, weil Verst\u00f6\u00dfe dagegen besonders bei vielen kleinen Marken eine \u201eStempelerschwerung\u201c verursachen.<\/p>\n<p>Wie die jetzt am \u00a0Ort vorhandene technische Neuerung des Nachrichtenwesens, der\u00a0<u>Telegraf<\/u>, der jetzt die M\u00f6glichkeit bot, wichtige Nachrichten, so vor allem solche von traurigen wie freudigen Ereignissen in den Familien wie insbesondere von Todesf\u00e4llen oder Ungl\u00fccken einerseits und Geburten oder Verlobungen und Eheschlie\u00dfungen, runden Geburtstagen u. a. m. andererseits, rasch zu vermitteln, rege und wachsend\u00a0gen\u00fctzt worden ist, das geht aus der Mitteilung der Zeitung hervor, dass im Jahr 1875 (demnach im Nachjahr dessen Einf\u00fchrung) 636 \u201eDepeschen\u201c ein- und 524 ausgegangen sind. Das Versenden von Telegrammen seitens der Stadtverwaltung insbesondere anl\u00e4sslich von runden Geburtstagen oder sonstigen Jubil\u00e4en der hochverehrten Kaiserlichen und Gro\u00dfherzoglichen Majest\u00e4ten sowie etwa insbesondere des Reichskanzlers Bismarck wurde jetzt, wie wir noch reichlich sehen werden, zum wichtigsten Mittel der obligatorischen untertanenm\u00e4\u00dfigen Huldigung. Dar\u00fcber hinaus hei\u00dft es, dass die Zahl der ein- bzw. ausgegangenen Briefe 27.684 bzw. 23.760, die der eingegangenen Pakete 2.430 betragen hat. Ab 1877 f\u00fchren die Brieftr\u00e4ger k\u00fcnftig einen Vorrat an Marken, Kuverts, Postkarten, Paketadressen und Postanweisungen mit sich und nehmen gr\u00f6\u00dfere Bestellungen solcher an. Auch werden Kaufleute, Wirte und andere Gesch\u00e4ftsleute gebeten, einen solchen Vorrat zur Verf\u00fcgung zu halten. Und 1879 werden laut Zeitung im gesamten 392 Telegramme, davon 255 \u201einl\u00e4ndische\u201c und 137 \u201eausl\u00e4ndische\u201c (einschlie\u00dflich Bayern und W\u00fcrttemberg), zusammen 392 St\u00fcck, bef\u00f6rdert. 1881 sind es schon 570 Telegramme, die aufgegeben werden und 663, die eingegangen sind, zusammen also bereits 1.233 St\u00fcck und damit nach nur 2 Jahren ca. das Vierfache.<\/p>\n<p>Etwa zur gleichen Zeit (Februar 1880) wird berichtet, dass durch den \u201e<u>Fernsprecher<\/u>\u201c seit 1. Juli 1879 \u201e407 St\u00fcck\u201c, davon 235 nach Rappenau, vermittelt worden sind. Demnach hatte damals schon in Wimpfen &#8211; noch keine zwei Jahre, nachdem diese neue Erfindung des Amerikaners Graham Bell in Berlin im Arbeitszimmer des Generalpostmeisters in der Leipziger Stra\u00dfe hin zum Arbeitszimmer des Generaltelegrafenamtes in der Franz\u00f6sischen Stra\u00dfe in Dienst gestellt worden war &#8211; der zun\u00e4chst nat\u00fcrlich auf wenige erste Linien bzw. Orte beschr\u00e4nkte Aufbau des Telefonnetzes begonnen. Wie mir Herr HANS GERHARD M\u00dcLLER (1936 &#8211; 2019) berichtet hat, hatte sein Urgro\u00dfonkel, der im ehemaligen Kirchenbau des einstigen Hospitals zum Heiligen Geist wohnende und als r\u00fchriger Kaufmann sowie Gemeinderat und Beigeordneter in der Gemeindepolitik wie im Vereins- und Sparkassenwesen als Vorstand t\u00e4tige OTTO MUCKH, die Telefonnummer 1, woraus zu schlie\u00dfen sei, dass dieser der erste Telefonbesitzer Wimpfens gewesen ist. Die Nummer 2 f\u00fchrte das Badehotel \u201eZum Ritter\u201c, zu entnehmen einem Prospekt des Jahres 1912.<\/p>\n<p>Aus dem Jahr 1879 erfahren wir noch, dass auf der Wimpfener Poststelle die stattliche Zahl von \u201e7.872 St\u00fcck Postkarten verbraucht\u201c worden ist. Wohl noch tiefgreifender als das Telegramm und das Telefon hat diese bereits 1869 erstmals unter dem Namen Correspondenz-Karte in \u00d6sterreich-Ungarn und dann auch im Bereich des Norddeutschen Bundes eingef\u00fchrte Form des modernen Nachrichtenmittels der sog. <span style=\"text-decoration: underline;\">Postkarte<\/span> durch die Einfachheit der Handhabung der Versendung von Nachrichten (Adresse und Absender wie auf das Wesentliche beschr\u00e4nkter Text in einem ohne Kuvert) den Kontakt der Menschen untereinander revolutioniert und erfreute sich somit ganz besonderer Beliebtheit. Von Correspondenten- oder gar (um mit heutiger elementarer Begrifflichkeit zu reden) Datenschutz, sprach offenbar niemand; denn wen k\u00fcmmerte es, dass es evtl. unbekannte Mitleser gab, wenn es um lebenswichtige Nachrichten wie Mitteilungen \u00fcber Krankheiten oder gar den Tod ging! Die in einer Art Formularform gehaltene Vorderseite war allein f\u00fcr die Eintragung des Adressaten bestimmt, w\u00e4hrend die weitgehend leere R\u00fcckseite f\u00fcr die Mitteilungen jeglicher Art sowie f\u00fcr die Angabe der Adresse des Absenders diente. Wie dann im raschen Voranschreiten der Zeit im ausgehenden 19.\/beginnenden 20. Jahrhundert aus der n\u00fcchtern-schmucklosen Postkarte im Zuge der mit der Erfindung der Steindruck-Schnellpresse m\u00f6glichen Herstellung h\u00f6herer Auflagenzahlen die in Farben prangende sog. <span style=\"text-decoration: underline;\">Ansichtskarte<\/span> wird, die im althergebrachten Badeort und wegen seiner historischen Bauwerke sich zum Ort des sog. Fremdenverkehrs entwickelnden Wimpfen sich in bedeutender Weise &#8211; bezogen insbesondere auf die au\u00dferordentlich eindruckvolle historische Silhouette von Wimpfen am Berg und auch im Tal &#8211; entwickelt, soll hier wenigstens an einem sich auf das Badehotel Ritter beziehenden Beispiel des Zeitraumes um die Jahrhundertwende gezeigt werden.<br \/>\nSiehe hierzu die neben der Silhouette \u201eWimpfen Total\u201c, d. h. von Wimpfen am Berg und Wimpfen im Tal, drei Bildblocks, betitelt mit<br \/>\n\u201eBadhotel Ritter\u201c,<br \/>\n\u201eN\u00fcrnberger T\u00fcrmchen\/Pavillon Ritter\u201c und<br \/>\n\u201eReste\u00a0der Hohenstaufen-Pfalz\u201c,<br \/>\ndarbietende<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-42.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1192 size-full\" title=\"zooom\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-42.jpeg\" alt=\"\" width=\"1775\" height=\"1188\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-42.jpeg 1775w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-42-150x100.jpeg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-42-300x201.jpeg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-42-768x514.jpeg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-42-1024x685.jpeg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1775px) 100vw, 1775px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><b>Abb. B 5a: (aus Versehen farbunecht kopierte) Ansichtskarte\u00a0<\/b><span style=\"font-weight: 600;\">\u201e<\/span><b>Gruss aus Wimpfen<\/b><span style=\"font-weight: 600;\">\u201c, versehen vorne mit den folgenden aus dem Jahr 1897 stammenden Gr\u00fc\u00dfen:<\/span><b>\u00a0<\/b><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u00a0\u201eLiebe Katharine! Dir und Deinem l. Mann<br \/>\n<\/em><em>vielen Dank f\u00fcr Gl\u00fcckw\u00fcnsche u. f\u00fcr<br \/>\n<\/em><em>\u00fcbersandte Seife, was mich alles sehr<br \/>\n\u00fcberraschte, letztere wird in der Haus-<br \/>\nhaltung gute Verwendung finden.<br \/>\nHerzl. gr\u00fc\u00dfend H. Ehbalt.<br \/>\n<\/em><br \/>\nUnklar, ob der nur bedingt entzifferbare Name richtig gelesen ist.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-43.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1195\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-43.jpeg\" alt=\"\" width=\"2283\" height=\"1471\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-43.jpeg 2283w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-43-150x97.jpeg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-43-300x193.jpeg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-43-768x495.jpeg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Scan-43-1024x660.jpeg 1024w\" sizes=\"(max-width: 2283px) 100vw, 2283px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 5b: Dieselbe (farbecht wiedergegebene) unbeschrieben gebliebene Ansichtskarte von ca. 1900<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wie oben aus dem Text-Eintrag und unten aus der gro\u00dfen leer gehaltenen freien hellen Fl\u00e4che ablesbar ist, war auf der Bildseite eine gr\u00f6\u00dfere Zone zum Beschreiben freigehalten und blieb die andere Seite nach wie vor allein der Adress-Angabe und rechtsoben der Versehung mit der Briefmarke vorbehalten.<\/p>\n<p>Im Sommer desselben Jahres wird auf viele Bitten (31 Unterschriften) hin in der oberen Stadt am neben dem Gasthaus \u201eSonne\u201c gelegenen Hause des Kaufmanns WILHELM TRAUTMANN, Obere Hauptstra\u00dfe Nr. 236 (bzw. ab 1895) Nr. 298 ein weiterer Briefkasten angebracht. Im Fr\u00fchjahr 1881 hei\u00dft es unter \u201ePostalisches\u201c, dass jetzt auch die T\u00fcrkei denjenigen L\u00e4ndern (Belgien, Frankreich, Luxemburg, Niederlande, Niederl\u00e4ndische Kolonien, Norwegen, \u00d6sterreich, Ungarn, Portugal, Rum\u00e4nien, Schweiz, Spanien, Argentinische Republik, Alexandrien) beigetreten sei, nach welchen Postkarten mit Antwort (einschlie\u00dflich im Inland) abgeschickt werden k\u00f6nnen. Damals sind in Wimpfen drei Verkaufsstellen f\u00fcr Postwertzeichen und insgesamt jetzt sogar f\u00fcnf Briefk\u00e4sten vorhanden. Es geht also mit dem Angebot und der Nutzung der \u201eKaiserlichen Deutschen Post\u201c voran, die im Wimpfen der Jahrzehnte nach dem Krieg von 1870\/71 mit der Begr\u00fcndung des Deutschen Kaiserreiches zum neben dem Rathaus wohl wichtigsten Anlaufpunkt Wimpfens wird.<\/p>\n<p>Somit wurde der Brieftr\u00e4ger gern gesehener Begleiter des t\u00e4glichen Lebens, dessen Tun bei Wind und Wetter zum Jahresende 1885 die \u201eWimpfener Zeitung\u201c die Einwohnerschaft durch den folgenden Aufruf Anerkennung und Verst\u00e4ndnis zu zollen bittet:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be005.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-311\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be005-1024x389.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"251\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be005-1024x389.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be005-150x57.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be005-300x114.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be005-768x291.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Am 4. Juli 1885 gibt die Post, mannigfachen W\u00fcnschen entsprechend, in der Zeitung eine umf\u00e4ngliche Auflistung der f\u00fcr den Gesch\u00e4ftsverkehr geltenden Geb\u00fchren bekannt, deren Einzelposten zwar hier nur auszugsweise wiedergegeben werden sollen, jedoch hinreichend in die Art des wachsenden postalischen Angebots Einblick geben:<\/p>\n<p><strong>a) Post-Verkehr:\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>1) Briefe bis 15 g in Deutschland und \u00d6sterreich 10 Pfg, ab 250 g (die nicht \u00fcberschritten werden d\u00fcrfen) 20 Pfg.<br \/>\n2) Drucksachen werden bis 1 kg angenommen und kosten bis 50 g 3, von 50 \u2013 250 g 10, \u00fcber 250 \u2013 500 g 20, \u00fcber 500 \u2013 1000 g 30 Pfg.<br \/>\n5) Postkarten 5 Pfg., mit R\u00fcckantwort 10 Pfg.<br \/>\n6) Lokalbriefe frankiert 5 Pfg., unfrankiert 10 Pfg.<br \/>\n7) Briefe ins europ. Ausland und in die Vereingten Staaten f\u00fcr je 15 g 20, Postkarten 10, Drucksachen f\u00fcr je 50 g 5 Pfg.<br \/>\n9) Postanweisungen (bis 400 Mark versendbar) bis 100 Mark 20, \u00fcber 100 bis 200 Mark 30, \u00fcber 200 bis 400 Mark 40 Pfg.<br \/>\n13) Pakete bis 5 kg und bis 10 Meilen 25 Pfg., dar\u00fcber 50 Pfg., \u00fcber 5 kg f\u00fcr jede weiteren 5 kg bis 10 Pfg. je nach Entfernung<br \/>\n14) Sperrgut, d. h. \u00fcberdimensionierte Pakete (Ma\u00dfangaben hier weggelassen), K\u00f6rbe, Hutschachteln in Holzgestell, M\u00f6bel, Korbgeflechte, K\u00e4fige leer oder mit Tieren) etc., zu um die H\u00e4lfte erh\u00f6htem Paketporto<\/p>\n<p><strong>b) Telegraphen-Verkehr:<\/strong><\/p>\n<p>Gew\u00f6hnliches Telegramm (die Wort-Grenzwerte sind in der Bekanntmachung nicht definiert) auf alle Entfernungen innerhalb Deutschlands 20 Pfg., f\u00fcr jedes weitere Wort (bis zu 15 Buchstaben) 5 Pfg. mehr.<\/p>\n<p>Und in der Zeitung des Folgejahres (wie auch in anderen Jahren) erscheint eine auf das vorgenannte Jahr bezogene und dem Publikum Wimpfens sukzessiv bekannt gemachte Gesamt-Statistik des Postamtes Wimpfen, aus der, wenn man bei Vergegenw\u00e4rtigung der Einwohnerzahl von ca. 3.200 die Zahlen der verkauften Postwertzeichen, der ein- und abgegangenen Briefe, Pakete und Wertsendungen sowie Geldanweisungen, Zeitungen und Telegramme betrachtet, klar wird, welch immense Bedeutung das Postamt und die dort bzw. f\u00fcr dieses T\u00e4tigen, vom Leiter, dem\u00a0\u201ePostverwalter\u201c, angefangen bis hinab zum einfachen Brieftr\u00e4ger, f\u00fcr die Einwohnerschaft hinsichtlich der Kommunikation sowie des Waren- und Geldaustausches hin nach au\u00dfen und her nach innen wachsend einnahm:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be006.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be006-834x1024.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die notwendige enge Koppelung von Post und Bahn wird evident aus dem nachstehend gezeigten Winter-Fahrplan von 1884\/85, aus dem neben den Schalter\u00f6ffnungszeiten des Postamtes hervorgeht, dass von den jeweils t\u00e4glich f\u00fcnf aus der und in die Richtung Heilbronn bzw. Heidelberg an- und abgehenden Personenz\u00fcgen je drei zur Postbef\u00f6rderung benutzt wurden, d. h. mit einem sog. Post- oder Gep\u00e4ckwagen best\u00fcckt gewesen sind:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be007.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be007-1024x911.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ab dem 1. M\u00e4rz 1903, weiterer wichtiger Fortschritt im Transportwesen, wird in Wimpfen am Berg eine sog. G\u00fcterbest\u00e4tterei eingerichtet, die, so hei\u00dft es, Frachtgut (wohl des Bahn- wie Postverkehrs) t\u00e4glich zweimal ohne vorherige Anmeldung zustellt.<\/p>\n<p>Im Gefolge der regelm\u00e4\u00dfig in der Zeitung der \u00d6ffentlichkeit dokumentierten \u00f6rtlichen Ausdehnung des Postverkehrs gen\u00fcgte schlie\u00dflich die R\u00e4umlichkeit am Unteren Tor nicht mehr, so dass das Postamt im Jahr 1887 in das oben bereits erw\u00e4hnte Geh\u00e4ude, n\u00e4mlich das gegen\u00fcber dem einstigen Heiliggeistspital gelegene stattliche sog. (Tierarzt) Barth\u2019sche Haus in der Unteren Hauptstra\u00dfe\/Ecke Entengasse Nr. 218 bzw. 248, in Form der Anmietung verlegt wurde. Gleichzeitig wurde nach fast 25-j\u00e4hriger T\u00e4tigkeit (genaue Amtszeit vom 01. 05. 1863 bis zum 30. 09. 1887) POSTVERWALTER WILHELM SCHMEHL, der jahrzehntelang auch Rechner der st\u00e4dtischen Hospital- Spar- und Leihkasse und als gewissenhafter Walter in seinem Amt sowie Ratgeber und Helfer in allerlei N\u00f6ten hoch geachtet und gesch\u00e4tzt gewesen ist, im Alter von 60 Jahren in den Ruhestand versetzt. Sein Nachfolger wurde ab 01. Oktober 1887 POSTVERWALTER (sp\u00e4ter: POSTSEKRET\u00c4R) FRIEDRICH WENDEL.<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a> Wie sehr der Postverkehr bis in die Zeit kurz nach dem Umzug weiter gewachsen war, das geht z. B. hervor aus einer<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be008.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/be008-1024x287.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p>Trotz der gewachsenen Menge eingehender Brief-, Paket- und Geldsendungen u. a. m. ist f\u00fcr die beiden Wimpfen 1891 nur ein Brieftr\u00e4ger vorhanden, so dass Wimpfen im Tal seine Post erst (nach)mittags erh\u00e4lt. Das weckt Anfang November des genannten Jahres den in der Zeitung ge\u00e4u\u00dferten Wunsch, einen zweiten solchen anzustellen. Ob bzw. wann dieses geschehen ist, lie\u00df sich nicht eruieren.<\/p>\n<p>Was den hier nicht erfassten Telefon-Verkehr betrifft, so erfahren wir, dass Mitte November 1898 beim Posttamt eine \u00f6ffentliche Fernsprechstelle mit Anschluss an das w\u00fcrttembergische Sprechnetz er\u00f6ffnet wurde. Der neue Postverwalter Wendel gibt ausgangs M\u00e4rz 1892 die Einf\u00fchrung der f\u00fcr jeden Einwohner h\u00f6chst bedeutsamen sog. mitteleurop\u00e4ischen Zeit im Post- sowie Bahnverkehr bekannt, was sich nat\u00fcrlich auf die f\u00fcr die gesamte Einwohnerschaft &#8211; Alt bis Jung, Bauern wie Handwerker, Arbeiter, Beamte, Angestellte &#8211; nach wie vor unabdingbaren beiden Zeitgeber h\u00f6chstwichtige \u201eStadtuhr\u201c auf dem S\u00fcdostturm der Stadtkirche wie die \u201eBahnuhr\u201c ausgewirkt hat:<\/p>\n<p>\u201e<em>Vom 1. 4. ab kommt f\u00fcr den gesamten Postdienst im Gro\u00dfherzogtum Baden sowie in Wimpfen die mitteleurop\u00e4ische Zeit MEZ zur Einf\u00fchrung. In Folge dessen werden von dem gleichen Zeitpunkte ab s\u00e4mtliche in den postalischen Bekanntmachungen \u00fcber den Abgang und die Ankunft der Posten enthaltenden Zeitangaben mitteleurop\u00e4ische Zeit bedeuten, sofern nicht bei den betreffenden Ortsnamen eine andere Zeit genannt ist. Die Er\u00f6ffnung und der Schlu\u00df der Postschalter erfolgt vom 1. April ab zu den festgesetzten Stunden jedoch nach mitteleurop\u00e4ischer Zeit, d. h. etwa eine halbe Stunde fr\u00fcher als bisher, da die nach mitteleurop\u00e4ischer Zeit gestellte Uhr gegen die hiesige seither gebr\u00e4uchlich gewesene Ortszeit um 23 Minuten vorger\u00fcckt ist. Kaiserliches Postamt. Wendel.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dies galt auch im Eisenbahndienst, so dass die Bahnuhr sowie die Stadtuhr damals um 23 Minuten vorgerichtet wurden. Ma\u00dfgeblich f\u00fcr die richtige Einstellung der Stadtuhr auf dem S\u00fcdostturm der Evangelischen Stadtkirche war und blieb die von der badischen Bahnbeh\u00f6rde telefonisch regulierte Bahnhofsuhr, nach deren Zeitangabe sich der st\u00e4dtische Uhrenw\u00e4rter bei der Einstellung der Kirchturmuhr zu richten hatte.<\/p>\n<p>Allerdings hatten lange vor der Einf\u00fchrung der Mitteleurop\u00e4ischen Einheits-Zeit Klagen und Proteste der Einwohnerschaft wegen Differenzen der eingestellten Stadtuhr-Zeit zur ma\u00dfgeblichen Bahnhofsuhr-Zeit stattgefunden:<\/p>\n<p><em>&#8211; \u201eDie Kirchenuhr<\/em>\u201c, so wird am 5. November 1873 im Wimpfener Boten beklagt<em>, \u201egeht schon seit l\u00e4ngerer Zeit gegen\u00fcber der Bahnuhr zu sp\u00e4t und es betr\u00e4gt die Differenz dermalen zehn Minuten, was f\u00fcr das Publikum von mancherlei nachtheiligen Folgen sein kann.- F\u00fcr unseren Wimpfener Verstand ist es unbegreiflich, wie sie so etwas in einer Kreisstadt vorkommen kann und wir d\u00fcrfen uns damit tr\u00f6sten, da\u00df mit der Kirchenuhr noch anches Andere schlapperig geht.\u201c<\/em><a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p><em>&#8211; \u201eNicht selten passierte es, da\u00df durch diese Schwankungen die Wimpfener Arbeiter, die ausw\u00e4rts besch\u00e4ftigt waren, und sonstige Reisende ihren Zug vers\u00e4umten. Dies gab gro\u00dfe Ver\u00e4rgerung in der Bev\u00f6lkerung, die z. B. 1878 zu Protesten in der Wimpfener Zeitung f\u00fchrte mit der Behauptung, da\u00df an einem Tag morgens die Uhr eine Viertelstunde zu fr\u00fch und gegen Mittag eine Viertelstunde zu sp\u00e4t geschlagen habe. Einige Einwohner beschimpften lautstark den ortsans\u00e4ssigen Uhrmacher, der sich \u00f6ffentlich zur Wehr setzte mit dem Hinweis, da\u00df die Betreuung der \u201aKirchenuhr\u2019 ihm gar nicht \u00fcbertragen sei. Der Uhrenw\u00e4rter zog die Konsequenzen und stellte die Turmuhr immer um 5 \u2013 10 Minuten vor, da\u00df ja niemand den Zug vers\u00e4umte. So entstand die \u201aWimpfener Zeit\u2019 &#8230; .\u201c<\/em><a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Diese herk\u00f6mmliche Besonderheit hat sich auch nach der Einf\u00fchrung der sog. MEZ (Mitteleurop\u00e4ischen Zeit) des Jahres 1892 nicht ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>In Anbetracht der aus den obigen Statistiken hervorgehenden auf der Basis ihres sich laufend verbreiternden Angebots stetig wachsenden Inanspruchnahme der Poststelle und somit Zunahme des Publikumsverkehrs wurden ab Mitte der 1890er Jahre der Wunsch lauter und lauter, in Wimpfen ein eigenst\u00e4ndiges neues Postgeb\u00e4ude zu erstellen. Dieses sollte zun\u00e4chst am Unteren Tor und damit in einer Gegend, wo sich die vorhergehende Poststelle befunden hatte, gebaut werden. Doch wurde dieser Gedanke sowohl vom Gemeinderat als auch von allen Einwohnern vor allem der Abseitslage wegen verworfen. Fallen gelassen wurde auch der anschlie\u00dfend ins Auge gefassten Plan, das die Poststelle bergende Barth-Schittenhelm\u2019sche Haus zu erwerben und zu renovieren. Nachdem schlie\u00dflich nach der Einrichtung einer Fernsprechstelle des Jahres 1898 sich die Notwendigkeit der Errichtung auch einer Fernsprech-Vermittlungsstelle ergab, entstand ausgangs des Jahrhunderts au\u00dferhalb des Stadtberings am ostw\u00e4rtigen Beginn der Alten Heilbronner Stra\u00dfe ein gesondertes gro\u00dfes zeitgem\u00e4\u00dfes Postgeb\u00e4ude. Dieses ist gezeigt in<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba005a.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba005a-1024x681.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb.\u00a0B 6: Fotografische Ansicht (von bald nach 1900) des im auslaufenden 19. Jahrhundertan der Einm\u00fcndung der Alten Heilbronner Stra\u00dfe in die auslaufende Wallstra\u00dfe und beginnende Biberacher Stra\u00dfe erstellten sog. Kaiserlichen\u00a0Postamtes<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dieses wurde nicht von der Postbeh\u00f6rde, sondern von dem bis ausgangs<br \/>\n1896 im Besitze des auf der Gegenseite der Einm\u00fcndung der Heilbronner Stra\u00dfe in die dort beginnende Biberacher Stra\u00dfe gelegenen Gasthauses mit Bierbrauerei gestandenen Wirtes und Bierbrauers MARTIN WACKER errichtet und ausgangs Dezember 1899 bezogen.<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Es handelte es sich um ein f\u00fcr diese Zeit und f\u00fcr das kleine St\u00e4dtchen Wimpfen beeindruckendes Bauwerk imposanten Gesichts: \u00dcber einem hohen, dem Gef\u00e4lle des Gel\u00e4ndes angepassten und im unteren Bereich quaderbewehrten, Schr\u00e4gsockel erhebt sich ein symmetrisch gehaltener f\u00fcnfgliedriger Bauk\u00f6rper, bestehend aus zwei \u00fcberhohen Hauptgeschossen unter einem Walmdach. Den breiteren Mittelbau flankieren zwei schmale Seitentrakte, aus denen im Dachgeschoss ein staffelgezierter Zwerchgiebel emporw\u00e4chst. Der Dreieinheit Mittelbau-Zwerchgiebelflankierung f\u00fcgen sich beidseitig verschm\u00e4lerte Abschl\u00fcsse mit abgeschr\u00e4gtem Seitenwalm an, aus denen mittig ebenfalls abgetreppte Zwerchgiebel wachsen. Der \u00dcberh\u00f6he der Geschosse entsprechend, sind auf der stadtseitigen Schaufront \u00fcbergro\u00dfe, aufw\u00e4ndige Hausteingew\u00e4nde aufweisende und gro\u00dfteils paarweise geordnete Fensterreihen eingebracht, deren Sturz im ersten Geschoss historisierende steinerne Spitzb\u00f6gen aufweisen, im zweiten Geschoss dagegen die Rechteckform beibehalten. Die symmetrische An- und Einordnung sowohl horizontal wie vertikal verlassend, ist im unteren Hauptgeschoss des Mittelbaus das innere Fenster des bergseitigen Fensterpaares nach unten zu einer Art Eingangsportal erweitert, auf das eine mit einem Eisengel\u00e4nder bewehrte steinerne Doppeltreppe, den hohen Sockel \u00fcberwindend, hochf\u00fchrt. Hinter dieser \u00f6ffnete sich eine kleine Schalterhalle, in der sich rechterhand der Postschalter befand. Linkerhand wie auch an den Flanken findet sich, der geringeren Breite angepasst, an Stelle eines Fensterpaares jeweils ein verbreiteres einteiliges Spitzbogen-Fenster. In genauer Parallelit\u00e4t zu den spitzbogigen Fensterabschnitten des ersten Geschosses positioniert, sind diejenigen des zweiten Geschosses zu Rechteck-Fensterpaaren ausgebildet. Ein am Mittelteil der bergseitigen Geb\u00e4udeh\u00e4lfte \u00fcber dem Sockelgschoss in Reichh\u00f6he angebrachter Briefkasten und schr\u00e4g dar\u00fcber ein in Sichth\u00f6he befindlicher Schaukasten f\u00fcr postalische Bekanntmachungen runden das \u00c4u\u00dfere ab.<\/p>\n<p>Der zur Alten Heilbronner Stra\u00dfe hingewandte und vom Postamt belegte Halbteil f\u00fchrte die Nr. (laut Z\u00e4hlung ab 1895) 441 und der gegenl\u00e4ufige Halbteil die Nr. 413, ab 1956 der Gesamtbau die Nummer 17. Zu Kaisers Zeiten stand mittig schr\u00e4g \u00fcber dem Haupteingang die mit Gro\u00dfbuchstaben herausgehobene Aufschrift \u201eKAISERLICHES POSTAMT\u201c zu lesen und dar\u00fcber prangte der Adler des Kaiserreiches. Siehe hierzu die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba005b.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" aligncenter\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba005b-749x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"417\" height=\"570\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 7: Das an den Kaiserlichen Post\u00e4mtern angebrachte Schild mit Reichsadler und der Kaiserkrone dar\u00fcber<\/strong>.<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Auf dem oben gezeigten Fotografie von bald nach 1900 sind vor dem talw\u00e4rtigen Flankentrakt Teile der 1863 errichteten st\u00e4dtischen \u00f6ffentlichen \u201eWaagebr\u00fccke\u201c (Br\u00fcckenwaage) mit dem dabeistehenden sog. Waagh\u00e4uschen zu sehen, au\u00dferdem bergw\u00e4rtig im Stra\u00dfenwinkel zwischen der beginnenden Alten Heilbronner Stra\u00dfe und der Biberacher Stra\u00dfe die ehemalige sog. Wackersche Bier-Wirtschaft, jetzt laut beidseitiger Aufschrift das \u201eBier Depot der Actienbrauerei Cluss Heilbronn\u201c bergend.<\/p>\n<p>Im Postgeb\u00e4ude befand sich auch die Wohnung des Postverwalters FRIEDRICH WENDEL, deren zum Treppenhaus f\u00fchrende Eingangst\u00fcre sich auf der R\u00fcckseite des zur Alten Heilbronner Stra\u00dfe hin gelegenen oberen Flankentraktes befand. Dort schloss sich ein Hof an, von dem aus das Ein- und Ausladen des an- und wegzutransportierenden Postgutes vielerlei Art erfolgte. Postmeister Wendel scheut sich nicht, am 20. Dezember 1901, eine Art Zensur aus\u00fcbend, dem Publikum der Reichspost in der \u201eWimpfener Zeitung\u201c u. a. Folgendes mitzuteilen:<br \/>\n<em>\u201eAuch sei darauf hingewiesen, da\u00df unterschriftslose Postkarten mit unsittlichen Abbildungen und beleidigendem Inhalte, durch die mancher Mustermensch dem lieben N\u00e4chsten seinen \u201aNeujahrsgru\u00df\u2019 zu entbieten pflegt, nicht zur Bef\u00f6rderung gelangen und in den Ofen wandern.\u201c<\/em><a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a><br \/>\nZum bessere Verst\u00e4ndnis dieser rigid-selbstherrlichen Haltung des Postverwalters sollte man wissen, dass der ber\u00fchmte Postreformer HEINRICH VON STEPHAN sich in Preu\u00dfen bereits im Jahr 1865 die Einf\u00fchrung eines \u201eoffenen Postblattes\u201c, wie die sp\u00e4tere Postkarte als einfache Alternative zum Brief damals genannt wurde, vorgeschlagen hatte, doch von seinen sich durchsetzenden Kritikern zu h\u00f6ren bekam, dass diese <em>\u201eunanst\u00e4ndige Form der Mitteilung auf offenem Postblatt&#8220;<\/em> aus Besorgnis um die Wahrung des Briefgeheimnisses und der guten Sitten zu beanstanden sei und schlie\u00dflich 1868 von der preu\u00dfishen Postadministration somit Ablehnung \u00a0gefunden hatte.<\/p>\n<p>Ende Januar 1904 umfasst, wie die \u201eWimpfener Zeitung\u201c berichtet, der sich st\u00e4ndig erweiternde Fernsprechbereich, nachdem noch weitere 66 Orte und einige sog. Hauptorte dazugekommen sind, insgesamt 725 Orte. Demn\u00e4chst wird Wimpfen, so hei\u00dft es Mitte November 1904, auch zum Sprechverkehr mit Berlin nebst Vor- und Nachbarorten zugelassen. Und Mitte Oktober 1906 erh\u00e4lt auch die B\u00fcrgermeisterei Wimpfen einen Anschluss an das Fernsprechnetz, und zwar unter der nach rund einem Vierteljahrhundert des Bestehens desselben noch \u00fcberraschend niedrigen Nummer 11. Daraus ist zu schlie\u00dfen, dass der neben dem zuerst eingef\u00fchrten Telegrammverkehr nach und nach jetzt auch an Bedeutung erlangende Telefonverkehr gro\u00dfteils \u00fcber die Ben\u00fctzung der im Postamt vorhanden Sprechzelle und nicht wie bei den wenigen privaten und amtsm\u00e4\u00dfigen Anschl\u00fcssen mittels Vermittlung per Drehen an einer Kurbel des Telefonapparats mit Meldung des Verbindungswunsches an die Vermittlungsstelle hergestellt wurde. Dort wurde die Verbindung zum gew\u00fcnschten Gespr\u00e4chspartner am sog. Klappenschrank durch den Telefonisten bzw. wachsend die Telefonistin (\u201edas Fr\u00e4ulein vom Amt\u201c) mittels eines Schnurpaares (Kabel) oder bei weiterer Entfernung zur n\u00e4chsten Vermittlungsstelle unter mehr oder minder gro\u00dfem Zeitaufwand und damit der Dauer der Prozedur der Verbindung hergestellt. Im beginnenden Dezember 1912 genehmigte der Gemeinderat einen Zuschuss und im Mai des Folgejahres 1913 einen weiteren solchen einmaligen Beitrag in H\u00f6he von 50 Mark zum Anschluss auch von Wimpfen im Tal an das Telefonnetz. Es sollte, um das vorwegzunehmen, noch mehr als zwei Jahrzehnte dauern, bis in den ausgehenden 1920er Jahren durch die Einf\u00fchrung des Drehw\u00e4hlers am Telefon und damit die Einf\u00fchrung des sog. W\u00e4hlerbetriebes mit gleichzeitigem Anschluss an den Fernverkehr an das Fernsprechamt Heilbronn ein direkte und damit schnellere Verbindung zum gesuchten Gespr\u00e4chspartner hergestellt werden konnte.<\/p>\n<p>Die eminente Bedeutung der Post f\u00fcr die Einwohnerschaft spiegelt sich auch darin wider, dass KARL FRIEDRICH BUCK, nachdem er 1906 die an der Einm\u00fcndung der F\u00e4rbergasse in die Neutorstra\u00dfe (ab 1851 Nr. 216, ab 1895 Nr. 253) und damit unfern des neuen Postamtes gelegene und bislang vom B\u00e4cker und Wirt FRIEDRICH FEYERABEND II. betriebene Wirtschaft gekauft hatte, diese fortab unter dem Namen \u201eReichpost\u201c gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Nachdem Postamtsleiter Wendel mit Wirkung vom 20. Oktober 1911 ausgeschieden war, trat 1912 als dessen Nachfolger der einer Wimpfener Familie entstammende und der Realschule Wimpfen entwachsene ALBERT ANGELBERGER an. Nicht nur, dass das Wimpfener Postamt, wie schon gesagt, neben dem Rathaus die wichtigste zentrale Anlaufstelle f\u00fcr die Wimpfener Einwohnerschaft von Jung bis Alt ist; sondern Angelbergers Beispiel l\u00e4sst auch die Rolle des Postamtes als lebensbestimmende Br\u00fccke f\u00fcr zahlreiche leistungsstarke Abg\u00e4nger der Volksschule sowie der Realschule \u00fcber das dort abgelegte sog. Einj\u00e4hrige in den einfachen bzw. gehobenen oder gar h\u00f6heren Post- und damit begehrten Staatsdienst erkennen. Darauf wird im 1938 in der \u201eWimpfener Zeitung\u201c erschienenen grundlegenden Aufsatz \u201eHundert Jahre Post in Wimpfen!\u201c, dessen nicht genannter Autor wohl der vorgenannte Postamtsleiter Albert Angelberger gewesen sein d\u00fcrfte, folgenderma\u00dfen hingewiesen, wobei sich die (hier durch Gro\u00dfbuchstaben herausgehobenen) Namen-Nennungen leider auf die Nachnamen beschr\u00e4nken und Eindatierungen fehlen sowie sicherlich auch die 1920er- bis 1930er-Jahre einbezogen sind:<br \/>\n<em>\u201eAls &#8230; Packer oder Brieftr\u00e4ger finden wir die Namen HAUER, M\u00dcNCH (Vater und Sohn) KLENK, LINK, CHRISTOPH, SCHLER, ISCHAR, BELZNER und KUCHENBEISER sowie einige Nicht-Wimpfener verzeichnet.- F\u00fcr den Beamtennachwuchs sorgte das Postamt im Verein mit der hiesigen Realschule durch die Ausbildung vieler junger Dienstanf\u00e4nger. Einige Namen seien hier festgehalten: H\u00c4RLIN, WASSENM\u00dcLLEER, ERNST, SCHWEICKERT, B\u00dcRG, LINK, LIPP, SAAM, M\u00dcNCH, GEM\u00dcNDER, KELLER, RUDOLF, ANGELBERGER, MAISENH\u00c4LDER, STRAIB, HENNIGE, SCHRECK, OHR, HIMMELREICH, KIRNER etc.\u201c<br \/>\n<\/em>Au\u00dferdem wird darauf hingewiesen, dass ab dem Sp\u00e4tjahr 1911 auch weibliche Kr\u00e4fte eingestellt und besch\u00e4ftigt worden sind, doch von den insgesamt zehn eingestellten solchen sieben wegen Heirat und zwei wegen \u00dcbertrittes in andere Berufe wieder ausgetreten seien.<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend sei hier noch gezeigt die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba006.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-306 aligncenter\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba006-223x300.jpg\" alt=\"\" width=\"259\" height=\"348\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba006-223x300.jpg 223w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba006-111x150.jpg 111w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba006-768x1034.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ba006-760x1024.jpg 760w\" sizes=\"(max-width: 259px) 100vw, 259px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. B 8: Portrait-Foto des in Wimpfen von 1912 bis 1941 als Postverwalter t\u00e4tig gewesenen Albert Angelberger (30. 04. 1876 \u2013 10. O5. 1954)<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Geldner, Andreas, 1997, S. 49<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Geldner, Andreas, 1997, S. 49<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 32<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 34<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Siehe dazu den Bericht \u201eWimpfener Postgeschichte\u201d in: \u201eWimpfener Heimat-Bote\u201d Nr. 144 vom 16. 12. 1985<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Scheible, Erich, 2009, S. 141 und 142<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> Entnommen wiederum dem o. a. Bericht \u201eWimpfener Postgeschichte\u201d in: \u201eWimpfener Heimat-Bote\u201d Nr. 144 vom 16. 12. 1985<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Abhandlung aus unbekannter Hand: Zur Postgeschichte Wimpfens; in: Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 300 und 301<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 28<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 546<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> Abbildung entnommen: Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 435 unten<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> Entnommen: Wikipedia; Titel: Deutsche Reichspost, Seite 2<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 101<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> Ungenannter Verfasser, Hundert Jahre Post in Wimpfen!, in: Wimpfener Zeitung vom 1. Oktober 1938<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DIE DURCH DIE GR\u00dcNDUNG DES DEUTSCHEN KAISERREICHES ERFOLGTE VEREINIGUNG DER L\u00c4NDER DEUTSCHLANDS WECKT IN DER \u201eDREIL\u00c4NDERECKE\u201c GANZ BESONDERE BEGEISTERUNG, DIE SICH DORT IN DER ENTSTEHUNG UND DEM REGEN KOMMUNIKATIVEN T\u00c4TIGSEIN DER SOGENANNTEN INTERNATIONALE MANIFESTIERT; UND DER REICHSEINHEIT ENTW\u00c4CHST DIE UNTER DER LENKUNG VON REICHSKANZLER OTTO VON BISMARCK UNVERZ\u00dcGLICH INS LEBEN GERUFENE VEREINHEITLICHUNG DES MA\u00df- UND &hellip; <a href=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/startseite\/b-mass-gewichts-waehrungs-vereinheitlichung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">B. 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