{"id":126,"date":"2017-12-09T16:39:01","date_gmt":"2017-12-09T15:39:01","guid":{"rendered":"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/?page_id=126"},"modified":"2019-10-17T10:17:38","modified_gmt":"2019-10-17T08:17:38","slug":"c-kulturkampf","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/startseite\/c-kulturkampf\/","title":{"rendered":"C. Kulturkampf"},"content":{"rendered":"<p><strong>DER BALD NACH DER REICHSGR\u00dcNDUNG ZWISCHEN DER REICHSREGIERUNG UND DER KATHOLISCHEN KIRCHE ENTSTANDENE SOG. KULTURKAMPF, DER NACH DEM MUSTER PREU\u00dfENS AUF EINE KLARE TRENNUNG DER STAALICHEN UND KIRCHLICHEN BEFUGNISSE AUSGERICHTET IST UND BALD AUCH DAS GRO\u00dfHERZOGTUM HESSEN ERFASST, SCHL\u00c4GT SICH IN WIMPFEN SELBST ZUN\u00c4CHST FAST NICHT MEHR ALS IN DEN REICHS- UND LANDESPOLITISCHEN BERICHTEN DES\u00a0\u201eWIMPFNER BOTE&#8220; NIEDER, NICHT JEDOCH AUF DEN ABLAUF DER ZWEITEN REICHSTAGSWAHL, AUF DIE EINF\u00dcHRUNG DER STAATLICHEN SCHULAUFSICHT SOWIE DIE SCHAFFUNG DES ZUM VOLLZUG DER ZIVILEHE SOWIE DER F\u00dcHRUNG DER PERSONENSTANDSREGISTER EINGERICHTETEN STANDESAMTES; DOCH ZIEHT DAS IM ZUGE DES KULTURKAMPFES GESCHAFFENE HESSISCHE VOLKSSCHULGESETZ DIE AUFHEBUNG DER F\u00dcR ZU KLEIN BEFUNDENEN KATHOLISCHEN KONFESSIONSSCHULE WIMPFEN IM TAL UND DAS STAATSKIRCHENGESETZ SCHLIE\u00dfLICH EINE \u00dcBER NEUNJ\u00c4HRIGE NICHTBESETZUNG DER KATHOLISCHEN PFARRERSTELLE SOWIE EINE FAST VIERJ\u00c4HRIGE SOLCHE DER BENEFIZIATENSTELLE NACH SICH.<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong> Der 1873 nach dem Tod des Buchdruckers Carl Rapp in die Hand von Carl Dieterich gelangte \u201eWimpfener Bote\u201c spiegelt die K\u00e4mpfe wider, welche die nach Trennung von Staat und Kirche strebende Regierung des Deutschen Reiches gegen die R\u00f6mische Kurie insbesondere durch den sog. Kanzelparagraphen, die Ersetzung der geistlichen durch die staatliche Schulaufsicht sowie die Einf\u00fchrung der Zivilehe f\u00fchrt.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die vorstehende h\u00e4ufige Zitierung des \u201eWimpfener Bote\u201c l\u00e4sst sichtbar werden, welch wichtige Rolle diese 1869 (ca. anderthalb Jahre vor der Reichsgr\u00fcndung) von BUCHDRUCKER CARL RAPP\u00a0ins Leben gerufene, dreimal pro Woche erscheinende und jeweils nur wenige Blatt umfassende sog. \u201eAmts-, Anzeige- und Unterhaltungs = Blatt\u201c als Informator der Einwohnerschaft \u00fcber bedeutsame Fakten und Geschehnisse hineingewachsen ist (siehe dazu schon in Band 2 die Seiten 538 und 539, 590 bis 592). Dies gilt nicht minder f\u00fcr das durch die Reichsgr\u00fcndung bei aller noch bestehenden Einengung des Bewusstseins der Menschen auf die t\u00e4gliche Bew\u00e4ltigung des Daseins deutlichst gewachsene Interesse am politischen, insbesondere jetzt dem reichspolitischen, Geschehen, wobei dessen Weckung bei der Masse der Einwohnerschaft gerade durch die vielen gezielt aufgenommenen diesbez\u00fcglichen Zeitungsmeldungen ma\u00dfgebliche Unterst\u00fctzung erfuhr. Nach dem im Januar 1873 erfolgten Tod von Carl Rapp gelangten Druckerei, Redaktion und Verlag in den Besitz von REDAKTEUR CARL DIETERICH und wurden in das Nebenhaus von KAUFMANN M\u00dcNCH verlegt. Hier sei in<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-322\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca001-1024x439.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca001-1024x439.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca001-150x64.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca001-300x129.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca001-768x329.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. C 1: Kopfteil des \u201eWimpfener Bote\u201c Nr. 105 vom 1. Oktober 1873 (5. Jahrgang)<\/strong><a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>das damals durch die Auswechslung des Logo (anstelle des Staatswappens des Gro\u00dfherzogtums Hessen jetzt das Wimpfener Stadtwappen) ver\u00e4nderte Gesicht des Blattes gezeigt, dessen viertelj\u00e4hrlicher Abonnementpreis jetzt von 30 auf 33 kr erh\u00f6ht wurde und dem das bislang kostenlos gelieferte \u201eIllustrirte Unterhaltungsblatt\u201c fortan nur gegen ein Extra-Abonnement von 18 kr pro Vierteljahr beigegeben wurde. Zum Beginn des Folgejahres 1874 gibt der \u201eWimpfener Bote&#8220; den folgenden (hier gek\u00fcrzt wiedergegebenen) R\u00fcckblick auf das vergangene sowie Ausblick auf das neue Jahr, worin die Aufforderung an die Leserschaft eingebettet ist, <em>\u201ean der Entwicklung der Menschheit <\/em>(dazu geh\u00f6ren auch die hier angesprochenen reichspolitischen Dinge)<em> Anteil zu nehmen\u201c<\/em>:<\/p>\n<p><em>\u201e\u00c4u\u00dferlich so still sinkt selten ein Jahr in den Scho\u00df der Zeit hinab wie das Jahr 1873. &#8230; Ganz abgesehen von dem furchtbaren Ringen des Staates mit der r\u00f6mischen Kurie um die Oberherrschaft und abgesehen von den m\u00e4chtigen, die tiefen aufw\u00fchlenden sozialen K\u00e4mpfen unserer Zeit, gibt es ein \u00fcberreiches Arbeitsfeld f\u00fcr die Zeitungen und die Leser, die sich nicht in die Stille der Zelle einpuppen, sondern an der Entwicklung der Menschheit Anteil nehmen wollen. Die Zeit setzt sich nicht zur Ruhe wie ein reicher Kaufmann, der seine Sch\u00e4flein ins Trockene gebracht hat und am 31. Dec. sein dickes Kontobuch zuklappt und seine Ladent\u00fcr schlie\u00dft f\u00fcr immer, um im Schatten seines feuerfesten Geldschranks auszuruhn. &#8230; Wir w\u00fcnschten, wir h\u00f6rten in dem neuen Jahr etwas weniger von den Geistlichen als im alten. Die Kirche w\u00fcrde sich etwas besser dabei befinden und der Staat auch. T\u00e4glich liest man von den Geldstrafen, die den Bisch\u00f6fen auferlegt sind. Ledochowski in Posen hat es schon zu 21 000 Thlrn. gebracht. Der Bischof wird gestraft, weil er unbefugt (d. h. ohne Anmeldung bei der Regierung) Geistliche anstellt, die Geistlichen werden gestraft, weil sie unbefugt geistliche Amtshandlungen vornehmen, und am meisten gestraft ist das Publikum; denn eine Trauung z. B., die ein solcher Geistlicher vorgenommen, ist nicht rechtsg\u00fcltig.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Was mit der Passage <em>\u201edem furchtbaren Ringen mit der r\u00f6mischen Kurie um die Oberherrschaft\u201c<\/em> gemeint ist, das ist der von der Politik des REICHSKANZLERS OTTO VON BISMARCK entfachte und von dem ber\u00fchmten politisch hoch engagierten PROFESSOR DER MEDIZIN RUDOLF VON VIRCHOW 1873 so betitelte \u201eKulturkampf\u201c. Auf der einen Seite stand der erzkonservativ ausgerichtete PAPST PIUS IX., der hatte erleben m\u00fcssen, dass der Kirchenstaat nach dem durch den Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg erfolgten Abzug der franz\u00f6sischen Schutztruppen aus Rom im September 1870 in den neuen italienischen Nationalstaat einverleibt worden war. Und durch den Aufstieg des protestantisch dominierten Preu\u00dfen im Deutschen Reich sah dieser seinen Einfluss und den Katholizismus elementar bedroht. Somit lehnte er die von Bismarck und den dessen Politik st\u00fctzenden Liberalen (in weitestem Sinne) angestrebte Trennung von Staat und Kirche sowie die Gew\u00e4hrung von Rede- und Religionsfreiheit strikt ab. Ihm und den sich Ende 1870 in der Zentrumspartei organisierenden politischen Katholiken standen Bismarck und seine Anh\u00e4nger unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber. Und diese setzten Schlag auf Schlag die folgenden Gesetze und Bestimmungen durch, die direkt oder indirekt als gegen die Katholische Kirche gerichtet verstanden werden konnten, jedoch, so weit es nicht um alleinige Angelegenheiten derselben ging, auch f\u00fcr die Protestantische Kirche G\u00fcltigkeit besa\u00dfen:<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a><\/p>\n<ul style=\"list-style-type: square;\">\n<li>Juli 1871: Die katholische Abteilung im preu\u00dfischen Kultusministerium wird aufgel\u00f6st.<\/li>\n<li>Dezember 1871: Laut dem sog. \u201eKanzelparagraph\u201c wird den Geistlichen verboten, bei Verlautbarungen in ihrem Beruf den \u201e\u00f6ffentlichen Frieden\u201c zu st\u00f6ren. Eine Erg\u00e4nzung von 1876 weitet diese Vorschrift auch auf die Verbreitung von Schriften aus.<\/li>\n<li>1872: Durch das \u201eJesuitengesetz\u201c d\u00fcrfen die Jesuiten in Deutschland keine Niederlassungen mehr errichten. Und durch das \u201eSchulaufsichtsgesetz\u201c wird die geistliche durch eine staatliche Schulaufsicht ersetzt.<\/li>\n<li>1873: Durch die \u201eMaigesetze\u201c kontrolliert der Staat die Ausbildung und Einstellung der Geistlichen. Jetzt wird das kirchliche Verm\u00f6gen durch gew\u00e4hlte Gemeindevertretungen verwaltet.<\/li>\n<li>1874: Durch die Einf\u00fchrung der \u201eZivilehe\u201c ist nur noch die Eheschlie\u00dfung des Standesamtes g\u00fcltig, nicht mehr die kirchliche. Wer kirchlich heiraten will, darf dies erst nach erfolgter standesamtlicher Trauung.<\/li>\n<li>1875: Das \u201eBrotkorbgesetz\u201c entzieht der Kirche die staatlichen Zuwendungen und das \u201eKlostergesetz\u201c l\u00f6st in Preu\u00dfen die Klostervereinigungen mit Ausnahme solcher, die Krankenpflege leisten, auf.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Was im obigen Zeitungsbericht an Beispielen der Ma\u00dfregelung von Bisch\u00f6fen und Geistlichen aufgef\u00fchrt ist, bezieht sich auf preu\u00dfisches ehemals dem Norddeutschen Bund zugeh\u00f6riges Gebiet, wo die Kirchengesetzgebung der obigen Art und die \u201eZivilehe\u201c fr\u00fcher als im \u00fcbrigen Gebiet Deutschlands des Deutschen Reiches zur Anwendung gelangten. Und wenn anf\u00e4nglich die Rede ist von den<em> \u201etiefen aufw\u00fchlenden sozialen K\u00e4mpfen\u201c<\/em>, so ist damit die sich anbahnende weitere schwerwiegende Auseinandersetzung des Reiches mit der aufstrebenden Sozialdemokratie gemeint, wor\u00fcber an sp\u00e4terer Stelle noch ausf\u00fchrlich zu berichten sein wird.<\/p>\n<p>Zum Jahresbeginn 1875, um noch einmal den Blick auf die Zeitung zu richten, berichtet der \u201eWimpfener Bote\u201c u. a. Folgendes:<br \/>\n<em>\u201eIm Wiener Karltheater, wo man gegenw\u00e4rtig Offenbachs \u201aSch\u00f6nr\u00f6schen\u2019 gibt, erregt allabendlich ein Couplet die allgemeine Heiterkeit. Ein Gendarmen-Chor singt seine Verse mit dem st\u00e4ndigen Refrain \u201awird arretiert\u2019. Erst gegen den Schlu\u00df aber erhebt er sich aus dem Localen in die \u201ahohe Politik\u2019: \u201aWer einem Kanzler nicht pariert, wer Akten dem Archiv entf\u00fchrt, wird arretiert, wird arretiert, wird arretiert\u2019, wiederholt der Chor mit tiefstem Ba\u00df und unersch\u00fctterlichem Ernst.\u201c<br \/>\n<\/em>Daraus ist zu schlie\u00dfen, dass man im katholischen Wien und in \u00d6sterreich \u00fcberhaupt, das den Krieg von 1866 gegen Preu\u00dfen verloren hatte und von der im Sinne der sog. Kleindeutschen L\u00f6sung erfolgten Reichsvereinigung ausgeschlossen blieb, die von Bismarck initiierten Gesetze und Anordnungen, die schlie\u00dflich unz\u00e4hlige Widerstand leistende katholische Geistliche und auch Bisch\u00f6fe ins Gef\u00e4ngnis bringen sollte, alles andere als liebte und hier, sich abreagierend, im Couplet den Reichskanzler \u201eauf den Arm nahm\u201c.<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: square;\">\n<li>Diese Entwicklung des Verh\u00e4ltnisses zwischen Staat und Kirche \u00fcbertrug sich im Zuge der \u00dcbernahme der vom Reich vorgegebenen Gesetzgebung mehr oder minder auch auf die L\u00e4nder. Was das protestantisch orientierte und mit Preu\u00dfen verwandtschaftlich eng verbundene Gro\u00dfherzogtum Hessen betrifft, so folgte dieses gesetzgeberisch in allen St\u00fccken dem preu\u00dfischen Gesetzesmustern nach. Die Landst\u00e4nde und die Regierung verabschiedeten somit in den Jahren 1874 und 1875:<\/li>\n<li>Das im Benehmen mit der versammelten au\u00dferordentlichen Synode am 6. Januar 1874 erlassene \u201eEdict, die Verfassung der evangelischen Kirche des Gro\u00dfherzogtums betreffend\u201c (wirksam werdend ab 15. April 1874). Dieses sollte die st\u00e4rkere Mitwirkung in der Kirchengemeinde durch die Einf\u00fchrung einer gew\u00e4hlten Kirchengemeinde-Vertretung und eines teilweise gew\u00e4hlten Kirchenvorstandes und somit das eigenkirchliche Leben f\u00f6rdern und die Kirche auch von der Bevormundung des Staates befreien helfen.<\/li>\n<li>Das \u201eGesetz das Volksschulwesen betreffend\u201c vom 16. Juni 1874 (wirksam werdend ab 1. Januar 1875), das die Leitung des gesamten Volksschulwesens staatlichen Beh\u00f6rden \u00fcbertrug und die bestehenden diesbez\u00fcglichen Beziehungen zwischen Kirche und Schule lockerte.<\/li>\n<li>Die nach dem Muster der o. g. preu\u00dfischen Gesetze der Jahre 1871 \u2013 73, insbesondere der \u201eMaigesetze\u201c von 1873, am 23. April 1875 erlassenen die Kirchen betreffenden Gesetze, n\u00e4mlich:<\/li>\n<\/ul>\n<ol>\n<li>das \u201eGesetz, die rechtliche Stellung der Kirchen- und Religionsgemeinschaften im Staat betreffend\u201c,<\/li>\n<li>das \u201eGesetz, den Mi\u00dfbrauch der geistlichen Amtsgewalt betreffend\u201c;<\/li>\n<li>das \u201eGesetz, betreffend die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen\u201c;<\/li>\n<li>das \u201eGesetz, die religi\u00f6sen Orden und ordens\u00e4hnlichen Congregationen betreffend\u201c.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die vier letztgenannten gleichzeitig erlassenen Gesetze gingen, was die Eingrenzung kirchlicher und die Ausdehnung staatlicher Rechte anbelangt, teilweise sogar \u00fcber die preu\u00dfischen sog. Maigesetze und sonstigen Gesetze der Jahre 1871 \u2013 1875 hinaus.<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a> Das ergab sich vor allem daraus, dass das durch sein historisches Herkommen genau wie Preu\u00dfen ausgepr\u00e4gt protestantische Gro\u00dfherzogtum Hessen nach den Napoleonischen Kriegen mit der Zuweisung insbesondere von kurmainzischen und kurpf\u00e4lzischen Gebieten vorwiegend katholische Bev\u00f6lkerung dazubekommen hatte. Und deren 1850 ernannter streitbarer BISCHOF VON MAINZ WILHELM EMMANUEL VON KETTELER (1811 \u2013 1877), ein erkl\u00e4rter Gegner der Trennung von Staat und Kirche und einer der gro\u00dfen Widersacher Bismarcks im Kulturkampf, Mitgr\u00fcnder zusammen mit LUDWIG WINDTHORST der Zentrumspartei, des f\u00fchrendem Repr\u00e4sentanten derselben, festes Mitglied der Ersten Kammer der hessischen Landst\u00e4nde sowie gew\u00e4hltes Mitglied des ersten Deutschen Reichstages, setzte sich so wie schon zwei Jahrzehnte zuvor (siehe dazu Band 2, S. 632 \u2013 633) mit allen ihm zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln f\u00fcr die Erhaltung der Macht und Autonomie der Katholischen Kirche ein. Doch hatten seine Proteste gegen die Gesetzentw\u00fcrfe und seine Gehorsamsverweigerung die Inkraftsetzung derselben nicht verhindern k\u00f6nnen. Denn seitdem der papsttreu, \u00f6sterreichfreundlich und kleindeutsch eingestellte hessische Ministerpr\u00e4sident seit 1852 REINHARD VON DALWIGK\u00a0auf das Dr\u00e4ngen Bismarcks abgel\u00f6st worden war und im September 1872 der liberal und national gesonnene bisherige Vertreter im Bundesrat KARL HOFMANN das hessische Ministerpr\u00e4sidentenamt \u00fcbernommen hatte, hatte sich in Regierung und Landtag der Kurs der Befreiung von kirchlichem Einfluss durchgesetzt.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Durch das Edikt \u00fcber die Verfassung der Evangelischen Kirche im Gro\u00dfherzogtum Hessen wird den Geistlichen \u00fcber den bisherigen Kirchenvorstand hinaus eine 40-k\u00f6pfige Kirchengemeindevertretung zur Seite gestellt.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Im vorwiegend protestantischen Wimpfen d\u00fcrfte wohl durch diese politische Entwicklung der immer wieder im 19. Jahrhundert von den evangelischen Geistlichen als gegeben erkl\u00e4rte Friede mit der zwar noch kleinen, aber an Zahl und Einfluss wachsenden katholischen Minderheit &#8211; wenigstens vorl\u00e4ufig &#8211; nicht oder kaum gelitten haben. Denn als z. B. am 19. August 1875 der seit dem 5. Mai 1858 in Wimpfen t\u00e4tige KATHOLISCHE PFARRER\u00a0GEORG WAGNER sein 50-j\u00e4hriges Priesterjubil\u00e4um begehen konnte, wurde &#8211; wie in der Chronik der evangelischen Kirchengemeinde vermerkt ist &#8211; eine kirchliche Feier veranstaltet, <em>\u201eworan auch der evangelische Kirchenvorstand und der Stadtvorstand Anteil nahm, ein sch\u00f6nes Zeichen des confessionellen Friedens in unserer Stadt\u201c<\/em>. Aus diesem Anlass verlieh der Gro\u00dfherzog dem Jubilar den Ludwigsorden. Wie bereits in Band 2, S. 148 sowie 506 und 512, umrissen, wurden in den beginnenden 1870er Jahren die vorhandenen beiden evangelischen Pfarrerstellen von folgenden Geistlichen versehen:<\/p>\n<p>&#8211; Die I. Pfarrerstelle hatte der per Dekret des Gro\u00dfherzogs vom 29. Februar 1868 ernannte und am Sonntag Judica (29. M\u00e4rz) 1868 durch den GRO\u00dfHERZOGLICHEN PR\u00c4LATEN DR. CARL ZIMMERMANN eingesetzte\u00a0DEKAN UND ERSTE PFARRER <span style=\"text-decoration: underline;\">WILHELM\u00a0SCRIBA<\/span> als Nachfolger des seit 1848 t\u00e4tig gewesenen FERDINAND ZIMMERMANN bzw. durch des dessen Stelle vom 25. Juni 1866 ab als Pfarrvikar versehenden LUDWIG FROHNH\u00c4USER inne. Laut dem von ihm in der Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde gegebenen Lebenslauf seien folgende Daten und Fakten seines bisherigen Lebens herausgestellt:<\/p>\n<p>Geb. am 27. Mai 1817 zu Darmstadt als Sohn eines Garnisons-Freipredigers und Lehrers an der Garnisons-T\u00f6chterschule; Besuch des Gymnasiums in Darmstadt mit Abiturientenpr\u00fcfung Ostern 1836; Studium der Theologie in Gie\u00dfen mit dortiger Fakult\u00e4tspr\u00fcfung Ostern 1841; einj\u00e4hriger Besuch des Predigerseminars Friedberg; dann T\u00e4tigkeiten als Hauslehrer; Sommer 1843 Ablegung des Theologischen Staatsexamens in Darmstadt; ab November 1844 neben der Hauslehrert\u00e4tigkeit vierzehnt\u00e4gige Versehung des Gottesdienstes der evangelischen Gemeinde Seligenstadt mit Anerkennung als Vikariat; von Januar 1846 bis Mai 1856 Pfarrverweser in Seligenstadt und Gro\u00df-Steinheim; dann Pfarrer bis M\u00e4rz 1868 in Ober-Lais im Kreis Nidda in Oberhessen. Diesem oblagen die Seelsorge und die Predigten in Wimpfen am Berg und im Tal sowie die Nachmittagspredigten und die Katechismuslehre im Zeitraum zwischen Ostern und Advent in Wimpfen am Berg, au\u00dferdem die Seelsorge in Hohenstadt und Helmhof. Er wohnte mit seiner Familie und amtierte im der sog. Kollektur zu Wimpfen geh\u00f6rigen und neben dem sog. Maringerhaus nahe der Stadtmauer gelegenen sog. Ersten Pfarrhaus, gelegen in der Oberen Kirchgasse 34, ab 1895 ge\u00e4ndert in: Mathildenbadstra\u00dfe 45).<\/p>\n<p>&#8211; Die mit der Stelle des Rektors der Lateinschule verbundene II. Pfarrerstelle war als Nachfolger von KARL DRAUDT seit 10. April 1859 mit dem Zweiten Pfarrer <u>CHRISTIAN SCHIMPFF<\/u> besetzt, der am vorgenannten Tag im Beisein von DEKAN UND \u00a0ERSTEM PFARRER WILHELM STOCKHAUSEN in Wimpfen am Berg und in Hohenstadt seine Antritsspredigten gehalten hatte. Dessen in der Pfarrchronik niedergeschriebener Lebenslauf weist Folgendes aus:<\/p>\n<p>Geb. am 26. M\u00e4rz 1825 zu Butzbach, Kreis Friedberg in Oberhessen, als Sohn eines Gro\u00dfherzoglich-hessischen Stabsarztes; bisherige Dienstt\u00e4tigkeiten: dreij\u00e4hriges Vikariat in Villingen, Kreis Nidda; anschlie\u00dfend f\u00fcnfj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit als Diakon im \u00fcberwiegend katholischen Gernsheim am Rhein, Kreis Bensheim. Wie sein Vorg\u00e4nger hatte er au\u00dfer der Leitung der st\u00e4dtischen Lateinschule, an der er 12 \u2013 15 Stunden Unterricht zu erteilen hatte, die Predigten in Hohenstadt und Helmhof sowie von Advent bis Ostern die Nachmittagspredigten und den Katechismusunterricht in Wimpfen am Berg zu halten. Als Wohnung und Amtssitz diente ihm das ebenfalls im Besitz der Kollektur zu Wimpfen stehende und rechts neben dem Eingang zum Friedhof befindliche sog. Zweite Pfarrhaus in der Oberen Kirchgasse 29 (ab 1895: Mathildenbadstra\u00dfe 23). Allerdings war er, als ausgangs September 1859 Dekan Stockhausen ein pl\u00f6tzlicher Tod getroffen hatte, mit der interimistischen F\u00fchrung der Dekanatsgesch\u00e4fte sowie dem Vorsitz im Kirchenvorstand betraut und bis zur Neubesetzung der ersten Pfarrstelle durch Pfarrverwalter LUDWIG DOSCH ersetzt worden.- Wie in Band 2 aus dem Anfang des letzten Kapitels I.1, S. 626\/627, hervorgeht, zeichnete Pfarrer Schimpff vorab sich als herausragend tiefgr\u00fcndiger Schreiber der Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde aus, worin er aber 1861 durch den o. g. Dekan und Ersten Pfarrer FERDINAND ZIMMERMANN abgel\u00f6st worden war, der jedoch wegen seines schlechten Gesundheitszustandes in den Jahren 1862 \u2013 1865 die F\u00fchrung der Chronik unterlassen hatte. Nach dem \u00fcberraschenden Tod desselben und dem dadurch eintretenden Wechsel der Besetzung der ersten Pfarrstelle war auf das schon lange bestehende Verlangen der Hohenstadter hin eine Ver\u00e4nderung der Dienstobliegenheiten der beiden evangelischen Geistlichen dahingehend getroffen worden, dass dem Zweiten Pfarrer in Hohenstadt und Helmhof auch die Seelsorge sowie ganzj\u00e4hrig die Nachmittagspredigt wie auch dem Ersten Pfarrer der anschlie\u00dfende Katechismusunterricht f\u00fcr das ganze Jahr \u00fcbertragen worden war. Mit diesen sicherlich eine Vereinfachung der Zust\u00e4ndigkeiten bringende sowie Hohenstadt und Helmhof eher zufriedenstellenden Regelung war ein wechselseitiger Austausch von Besoldungsteilen erfolgt, die im Bereich der Naturalleistungen dahin gegangen war, dass der bislang dem Ersten Pfarrer zugeordnete im Hohenstadter Markungsteil gelegene sog. Pfarracker sowie der sog. Pfarrweinberg mit Wiese im \u201eSommerberg\u201c unter beide Pfarreien aufgeteilt worden waren, wobei das Los bestimmt hatte, dass vom Pfarrweinberg der Ersten Pfarrei der Offenau zu gelegene Abschnitt, der Zweiten Pfarrei der Hohenstadt zu gelegene Abschnitt zugefallen war.<\/p>\n<p>Diese beiden Pfarrer wie auch die Angeh\u00f6rigen der Evangelischen Kirchengemeinde nahmen die o. a. die Kompetenzen der Kirchen einschr\u00e4nkenden Bestimmungen der neuen Kirchengesetze und -dekrete ohne Widerstand hin, zumal sich diese entschieden weniger durch diese tangiert f\u00fchlten als die Katholiken. Und so ist am Beginn der Eintragung der Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde diesbez\u00fcglich f\u00fcr 1874 und 1875 sowie 1877 kommentarlos Folgendes vermerkt (die gew\u00e4hlten Gremien sind hier durch Unterstreichung herausgehoben; und eingeschobene Erg\u00e4nzungen sowie Hinweise sind in Aufrechtschrift wiedergegeben):<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce001.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce001-893x1024.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das den vorgenannten Wahlen zugrundeliegende Edikt \u00fcber die presbyterial-synodale Verfassung der Evangelischen Kirche des Gro\u00dfherzogtums Hessen (einschlie\u00dflich der Wahlverordnung vom 21. April 1874) hatte nach wie vor zwar dem Landesherren das Regiment \u00fcber die Evangelische Kirche des Landes zugestanden. Diese konstituierte sich jetzt aber als selbst\u00e4ndige K\u00f6rperschaft. Jede mit der Zustimmung der Landessynode gebildete Kirchengemeinde \u00fcbte die ihr zugestandenen Befugnisse der Selbstverwaltung \u00fcber den aus den amtierenden Geistlichen und (in Wimpfen &#8211; siehe oben &#8211; aus 8) gew\u00e4hlten Kirchenvorstehern bestehenden Kirchenvorstand aus. Diesem war jetzt jedoch eine durch Wahl bestimmte (in Wimpfen aus der stattlichen Zahl &#8211; siehe oben &#8211; von 40 mindestens 30 Jahre alten auf 6 Jahre Gew\u00e4hlten bestehenden, doch zur H\u00e4lfte durch Los nach 3 Jahren ausscheidenden, doch wieder w\u00e4hlbaren) sog. Gemeindekirchenvertretung zur Seite gestellt. Diese hatte bei Ver\u00e4nderungen im Bestand des Kirchenverm\u00f6gens, Festlegung der Art und Gr\u00f6\u00dfe neuer Bez\u00fcge der Kirchendiener und Beamten, Feststellung der Voranschl\u00e4ge sowie Beschaffung von Sondermitteln, Einf\u00fchrung von Umlagen und Vergleichen bei Rechtsstreitigkeiten mitzuentscheiden und trat mindestens einmal im Jahr zusammen. Die n\u00e4chsth\u00f6here Ebene bildeten wieder <em>\u201egr\u00f6\u00dfere Bezirke \u2013 Decanate\u201c<\/em>, in denen die Kirchengemeinde \u00fcber die fungierenden Pfarrer und Pfarrverwalter hinaus jetzt mit weltlichen Abgeordneten (Wimpfen mit einem solchen und Stellvertreter f\u00fcr 6 bzw. auf 3 Jahre) vertreten war. Z. B. wurde der Dekan jetzt durch die Dekanatssynode gew\u00e4hlt und nicht mehr von oben bestimmt. In ihrer Gesamtheit wird die Evangelische Kirche des Gro\u00dfherzogtums durch die Landessynode vertreten; diese besteht aus 7 (3 geistlichen und 4 weltlichen) vom Gro\u00dfherzog bestimmten und 2 (einem geistlichen und einem weltlichen) von der Dekanatssynode gew\u00e4hlten Vertretern sowie dem evangelischen Pr\u00e4laten. Was die Besetzung erledigter Pfarrstellen betrifft, so erfolgt diese bis zur anderweitigen Regelung unter Beteiligung der Gemeinden durch den evangelischen Landesherren auf Vorschlag des Oberkonsistoriums.<\/p>\n<p>Sicherlich konnte sich die Kirche durch die gesetzliche Einbindung so vieler gew\u00e4hlter Vertreter aus den Gemeinden in ihre Dinge eine Belebung ihrer Arbeit, insbesondere auch des Gottesdienstbesuchs zumindest durch die b\u00fcrgerlichen Kreise versprechen. Der Blick auf die angegebenen Berufe der Kirchenvorst\u00e4nde zeigt, dass vornehmlich die Handwerker und Gewerbetreibenden, und besonders stark die weniger Beg\u00fcterten unter den Bauern, aber auch verm\u00f6gendere Bauern und gleichzeitig Wirte (\u00d6konomen), jedoch kaum Amtstr\u00e4ger und gar nicht die Unterprivilegierten (Arbeiter und Tagl\u00f6hner) vertreten waren. Befremdlich wirkt aus heutiger Sicht das v\u00f6llige Fehlen (wie bei allen Arten der damaligen Wahlen infolge ihres totalen Ausgeschlossenseins von jeglichem Wahlrecht) der Frauen! Aus der Sicht der \u00fcbrigen Eintr\u00e4ge der Kirchenchronik der Evangelischen Kirchengemeinde findet sich au\u00dfer den vorstehend wiedergegebenen Wahlen und ihrer Ergebnisse nichts, was in diesen und den folgenden Jahren bis 1880 auf besondere Ver\u00e4nderungen durch die neue Kirchenverfassung hinweisen w\u00fcrde.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Das kirchliche und mehr oder minder auch sonstige gemeindliche Leben wird von den Pfarrern nach wie vor in der Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde festgehalten.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Nunmehr sei erg\u00e4nzend &#8211; und zwar in genauer chronologischer Folge &#8211; dargelegt, was \u00fcber das vorstehend bereits haupts\u00e4chlich berichtete Personelle hinaus der ERSTE EVANGELISCHE PFARRER (UND DEKAN) WILHELM SCRIBA und nach dessen Erkrankung 1891 PFARRVERWALTER HEINRICH BECKER sowie die Nachfolger des ZWEITEN PFARRERS CHRISTIAN SCHIMPFF namens PETER SCHNEIDER (ab 1873) und ADOLF PETERSEN (ab 1881) in der Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde noch Weiteres an ihnen berichtenswert erscheinenden Geschehnissen der 1870er Jahre bis hin zum Jahr der Zurruhesetzung 1892 des Erstgenannten aufgezeichnet haben. Dabei handelt es sich zun\u00e4chst zwar vorrangig nach wie vor um speziell Kirchengemeindliches, doch dar\u00fcber hinaus, entsprechend der Weisung des Gro\u00dfherzogs des Jahres 1857, dann auch noch um in der Stadtgemeinde Wimpfen in ihrer Gesamtheit spielende und ihnen berichtenswerte erscheinende Ereignisse vielerlei Art, wobei allerdings vieles sp\u00e4ter gesondert im Rahmen der jeweiligen Sachbereiche Berichtetem vorbehalten bleibt, so vor allem<\/p>\n<p>&#8211; die personelle Besetzung der Schulen (siehe nachfolgend in Unterkapitel C.4) und deren Fortentwicklung (siehe Kapitel I) sowie der Staats\u00e4mter (siehe Kapitel D);<\/p>\n<p>&#8211; das Geschehen um die Wahlen zum Gemeinderat sowie des B\u00fcrgermeisters und der Beigeordneten (siehe Kap. E),<\/p>\n<p>&#8211; die Geschehnisse und Neues im Vereinsleben oder im Bau- und Denkmalwesen (siehe insbes. in Kap. M); au\u00dferden insbesondere noch<\/p>\n<p>&#8211; das obligatorisch j\u00e4hrlich berichtete Wettergeschehen mit den von diesem elementar abh\u00e4ngigen Ergebnisse der Ernte in all ihren Zweigen des Land- und Gartenbaus (siehe insbes. in Kap. K).<\/p>\n<p>Was nachfolgend noch \u00fcber das gemeindliche Grundgeschehen hinaus Jahr f\u00fcr Jahr in der Evangelischen Kirchenchronik Berichtete aufzuf\u00fchren ist, das sind die vielen tragischen &#8211; die Gemeinde aufw\u00fchlenden &#8211; Ereignisse wie vor allem: das Zutodekommen von Menschen aller Altersstufen durch Unfall aller Art, darunter ganz besonders h\u00e4ufig im Bereich der Landwirtschaft sowie durch Ertrinken insbesondere im Neckar sowie nicht selten auch durch Selbstmord. Dazu z\u00e4hlen auch die \u00fcberdies immer wieder berichteten gesetzwidrigen (darunter auch speziell sog. sittenwidrigen) Handlungen, wodurch die Geistlichen seelsorgerisch immer wieder wie auch durch das h\u00e4ufige Zugrabebringenm\u00fcssen von Kindern tiefgreifend gefordert gewesen sind. Parallel dazu erscheinen auch Ereignisse dieser Art sowie andere nicht in der Kirchenchronik berichtete solche in der \u00f6rtlichen Zeitung, die hier, kenntlich gemacht durch (Z), hinzugebracht werden sollen. So weit das Berichtete w\u00f6rtlich \u00fcbernommen wird, erfolgt die Wiederghabe in Schr\u00e4gschrift. Erl\u00e4uterungen hierzu sind in Klammer eingef\u00fcgt:<\/p>\n<p>1872:<\/p>\n<p>&#8211; Im vorgenannten Jahr, demnach schon vor den vorbeschriebenen Wahlen der Kirchengemeindevertretung und des Kirchenvorstandes der Jahre 1874, zur Dekanatssynode 1875 und der Erg\u00e4nzungswahl der Kirchengemeindevertretung 1877, war f\u00fcr den bislang auch als Leiter der Lateinschule amtierenden ZWEITEN PFARRER CHRISTIAN SCHIMPFF eine neue Situation eingetreten. Es war dem Gemeinderat n\u00e4mlich nach einigen vergeblichen Anl\u00e4ufen gelungen, die von der Kreisschulkommission bef\u00fcrwortete Genehmigung der schon lange erw\u00fcnschten Realschule zu erwirken; denn: <em>\u201eAm 22. April wurde die st\u00e4dtische Realschule (vor der Hand noch eine Privatanstalt) er\u00f6ffnet und zum Dirigenten derselben ein Reallehrer Wiedow aus Mecklenburg ernannt. Es wurde die bisher hier bestehende Lateinschule aufgehoben bzw. mit der Realschule verschmolzen und hat der zweite Pfarrer gegen eine Verg\u00fctung von 100 Gulden 16 Stunden Unterricht an dieser Schule zu ertheilen.\u201c <\/em>Die so entstandene \u201eSt\u00e4dtische Real- und Lateinschule\u201c umfasst 3 Lehrer (einschlie\u00dflich des 2. Pfarrers), 2 Klassen und 31 Sch\u00fcler. N\u00e4heres siehe in Kapitel I!)<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1873:<\/p>\n<p>&#8211; Im Zuge einsetzender nicht zuletzt auf Einsparungen ausgerichteter Umstruktuierungen \u00fcbergeordneter Beh\u00f6rden wird mit Wirkung vom 1. Januar 1873 als erste solche Ma\u00dfnahme das bisher bestandene Dekanat Wimpfen aufgehoben und die zu demselben geh\u00f6rigen Pfarreien dem Dekanat Zwingenberg an der Bergstra\u00dfe zugewiesen (N\u00e4heres siehe unter D.1).<\/p>\n<p>&#8211; Am 16. M\u00e4rz 1873 feiern der STADTDIENER JOHANN LUDWIG BARTH und seine Ehefrau JOHANNA KATHARINA, geborene WEILEMANN, das (damals seltene Fest) ihrer 50-j\u00e4hrigen Jubelhochzeit. Die alten Leute begeben sich &#8211; wie damals \u00fcblich &#8211; in feierlichem Aufzuge in Begleitung ihrer Kinder und Enkel in das Gotteshaus, wo sie nochmals eingesegnet werden. Von Sr. K\u00f6niglichen Hoheit dem Gro\u00dfherzog und von der Gemeinde erhalten sie Geldgeschenke und von der Kirche eine Bibel.<\/p>\n<p>&#8211; Laut Dekret vom 22. Mai 1873 wird der PFARRER SCHIMPFF\u00a0nach 14-j\u00e4hriger Dienstzeit in Wimpfen nach Gettenau im Dekanat Nidda in Oberhessen versetzt und er h\u00e4lt am 27. Juli 1873 in Wimpfen am Berg sowie in Hohenstadt seine Abschiedspredigt. Sein Abtreten hat nat\u00fcrlich mit seiner vor stark zwei Jahren erfolgten Abl\u00f6sung als Leiter der Lateinschule trotz seiner unver\u00e4ndert dort weitergehenden Pflicht der Unterrichtserteilung zu tun (siehe Weiteres unter I.1.a).<\/p>\n<p>&#8211; F\u00fcr ihn kommt PFARRER PETER SCHNEIDER zun\u00e4chst als Pfarrverwalter, der am 4. September 1873 seine T\u00e4tigkeit in der Schule beginnt und seine Antrittspredigten in Wimpfen am Berg und in Hohenstadt am 7. September und f\u00fcnf Tage sp\u00e4ter auch in Helmhof Gottesdienst h\u00e4lt. Aus seinem umf\u00e4nglichen Lebenslauf in der Kirchenchronik geht hervor, dass er im oberhessischen Lorbach bei B\u00fcdingen am 12. Dezember 1840 geboren ist, an der Universit\u00e4t Gie\u00dfen Theologie studiert und dort im Herbst 1863 die Fakult\u00e4tspr\u00fcfung abgelegt und anschlie\u00dfend in Friedberg in der Wetterau ein Jahr das Predigerseminar besucht hat. Nach bestandener Definitorialpr\u00fcfung in Darmstadt im Februar 1865 und zehnmonatiger Leitung der Privatschule Meerholz bei Hanau war er zun\u00e4chst im ausgehenden Jahr 1865 als Pfarrvikar nach Queckborn bei Gr\u00fcnberg in Oberhessen in den Kirchendienst berufen worden sowie gleichzeitig auch als zeitweiliger stellvertretender Lehrer an der Rektoratsschule Gr\u00fcnberg t\u00e4tig gewesen. Diesem waren T\u00e4tigkeiten in Reichelsheim\/Wetterau von Mai 1868 bis November 1871 und in Neu-Ysenburg bei Frankfurt ab Dezember 1871 gefolgt. Er schlie\u00dft seine vorstellenden Worte in der Chronik wie folgt: <em>\u201eWie ich meine Arbeit in Kirche und Schule begonnen, so will ich sie weiter treiben, so lange es dem Herrn gef\u00e4llt, mit der Hoffnung, die Er seinen Knechten gibt durch die Verhei\u00dfung Jesaj. 55,10-11 und mit Gebet f\u00fcr die anvertraute Gemeinde, da\u00df sie durch Gottes Gnade und Hilfe dahin kommen m\u00f6ge wie St. Paulus schreibt Phil. 3,9-11, dazu hilf uns, lieber Herr und Gott!\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Am 15. Juni 1873 findet eine \u201eau\u00dferordentliche Kirchenvisitation\u201c durch den SUPERINTENDENTEN DR. LEISS, Darmstadt, statt, \u00fcber deren Ergebnis nichts berichtet ist.<\/p>\n<p>&#8211; 8. Juli 1873 (Z): Vorgestern Abend wurde im Einsiedelwald die stark in Verwesung \u00fcbergegangene Leiche eines erh\u00e4ngten und bis jetzt noch unbekannten Mannes aufgefunden. Der Verstorbene mag etwa 30 Jahre alt sein und war ordentlich gekleidet. Derselbe wurde gestern Abend 8 Uhr auf dem hiesigen Friedhofe beerdigt.<\/p>\n<p>&#8211; Am 27. November, nachts nach 12 Uhr, wurde LUISE REGINE, geborene\u00a0FISCHER, Ehefrau des FRIEDRICH CARL HORN, Ackermann dahier, von einer Maschine in der Neckarm\u00fchle ergriffen und schrecklich verst\u00fcmmelt.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1874:<\/p>\n<p>&#8211; Durch Dekret vom 25. Februar 1874 wird der vorgenannte PFARRER PETER SCHNEIDER zum Zweiten Pfarrer ernannt. Am 8. Mai stirbt dahier der ledige HEINRICH AUGUST RAPPOLD, welcher der Kirche ein Legat von 50 Gulden testierte.<\/p>\n<p>&#8211; Am 10. April starb in Folge von Brandwunden, welche er beim \u00d6ffnen des Dampfkessels in der Papierfabrik des CARL LINK dahier erhalten hatte, der Tagl\u00f6hner JOHANN JAKOB WIELAND.<\/p>\n<p>&#8211; 25. Juni (Z): Laut einer von Darmstadt hierher gelangten glaubw\u00fcrdigen Mitteilung hat der fr\u00fchere Mathildenbad-Besitzer M\u00fcller bei Darmstadt im Tannenwalde seinem Leben ein Ende gemacht.<\/p>\n<p>&#8211; Seit Weihnachten 1874 schm\u00fcckt den Altar in der Kirche zu Hohenstadt, das PFARRER SCHNEIDER zusammen mit Helmhof kirchlich zu betreuen hat, ein Kruzifix von Zink mit versilbertem Christus. Dasselbe hat einen Wert von 24 Mark und ist ein Geschenk der dortigen Gemeindeglieder.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1875:<\/p>\n<p>&#8211; Am 1. August 1875 h\u00e4lt REISEPREDIGER PFARRER SCHUSTER von Stuttgart vormittags Gottesdienst in der Kirche und nachmittags einen Vortrag im Rathaus \u00fcber die Innere Mission, worin er insbesondere sich \u00fcber die sozialdemokratischen Bewegungen dieser Zeit verbreitet. Er findet gro\u00dfen Anklang in der Gemeinde und auch bei den anwesenden Ausw\u00e4rtigen. Die erhobene Kollekte von 50 Mark wird f\u00fcr die Innere Mission verwendet.<\/p>\n<p>&#8211; In diesem Jahr wird in Weiterf\u00fchrung der im April 1870 vorl\u00e4ufig nach fast einj\u00e4hriger Schlie\u00dfung abgeschlossenen Restaurierung der Evangelischen Stadtkirche (siehe Band 2, S. 506 \u2013 511; Kosten 20.780 fl) von PROFESSOR NOACK von Darmstadt das Wandgem\u00e4lde an der Orgelb\u00fchne, die vier gro\u00dfen Propheten darstellend, f\u00fcr 200 Gulden angefertigt.<\/p>\n<p>&#8211; In der Kirche zu Hohenstadt wird im Oktober 1875 eine Kanzelbekleidung von rotem Tuch mit seidenen goldgelben Fransen angeschafft. Dieselbe ist wieder ein Geschenk der Einwohner Hohenstadts im Wert von 18 Mark 50 Pfennig.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1876:<\/p>\n<p>&#8211; Am 17. Januar 1876 bekr\u00e4ftigt der Gemeinderat, was in der Kirchenchronik damals zwar nicht erw\u00e4hnt, doch f\u00fcr die Evangelische Kirchengemeinde sehr wichtig ist, die folgende acht Jahre zuvor getroffene Festlegung: <em>\u201eNach dem Gemeinderaths-Beschluss vom 23. Januar 1868 soll das erforderliche zur Restauration der Kirche erforderliche Kapital von Privaten zu 4 \u00bd % aufgenommen sowie die Bezahlung der Zinsen u. ratenweise R\u00fcckzahlung des Kapitals von der Gemeinde \u00fcbernommen werden &#8230; und stimmt der jetzige Gemeinderath umsomehr f\u00fcr die Uebernahme der Kosten von der ganzen Gemeinde, da die Kirche eine Zierde der Stadt bildet.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Die Tage vom 18. \u2013 20. Juli 1876 sind hohe Fest- und Ehrentage f\u00fcr die Evangelische Gemeinde Wimpfen, weil dort der Hauptverein der Gustav-Adolf-Stiftung im Gro\u00dfherzogtum Hessen seine 33. Jahreshauptversammlung abh\u00e4lt. Der Wimpfener Zweigverein dieser zur geistlichen und materiellen F\u00f6rderung vor allen Dingen der evangelischen Diasporagemeinden gegr\u00fcndeten und im Gro\u00dfherzogtum Hessen weit verbreiteten Vereinigung soll nach der Angabe im \u201eWimpfener Bote\u201c<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a> bereits am 25. Mai 1842 entstanden sein, und dieser soll sich am 25. M\u00e4rz 1862 durch ein \u201eFrauenverein\u201c erweitert haben. Die beiden Ortsvereinigungen hatten es sich zur besonderen Aufgabe gemacht, durch Sammlungen Gelder f\u00fcr die Unterst\u00fctzung von Diasporagemeinden im Hessenlande und dar\u00fcber hinaus zu sammeln. Z. B. hatte der \u201eFrauenverein\u201c im Fr\u00fchjahr 1873 eine Verlosung von 110 eingegangenen Gaben im Rathaussaal vorgenommen und die \u00fcber 750 Lose erzielte Einnahme von 89 fl zu je einem Drittel dem Landesverband, der evangelischen Gemeinde in Diedenhofen\/Elsa\u00df sowie den jungen hessischen Diasporagemeinden Horchheim, Weinsheim und Wies-Ippenheim bei Worms zur Verf\u00fcgung gestellt. Innerhalb der j\u00e4hrlichen Ermittlung der \u201eOpfer und Spenden\u201c der Evangelischen Kirchengemeinde bildete die Rubrik \u201ef\u00fcr die Gustav-Adolf-Stiftung\u201c (ab 1877 oft getrennt in: \u201ea. von Gemeindegliedern, b. vom Frauenverein\u201c) eine st\u00e4ndige feste Gr\u00f6\u00dfe. Die bis zu diesem Datum erzielte Spendensumme betrug beim Wimpfener Zweigverein 1.431 fl 26 kr und beim sehr viel j\u00fcngeren Frauenverein bereits schon 1.072 fl 10 kr. \u00dcber diese Festtage ist wie folgt berichtet:<\/p>\n<p><em>\u201eSchon am 18. kamen die Abgeordneten der Zweigvereine und Festg\u00e4ste hier an und wurden in den Familien der hiesigen B\u00fcrger gastfreundlich aufgenommen. Abends um 8 Uhr war Vorversammlung im hiesigen Rathaussaal.- Am 19. bewegte sich um 9 Uhr der feierliche Zug durch die festlich geschm\u00fcckte Stadt zur Kirche, in welcher Professor Diegel die Festpredigt hielt \u00fcber das Wort des Herrn: \u201aOhne mich k\u00f6nnt ihr nichts tun\u2019 (Joh. 15,5). Darauf folgten die Verhandlungen und dann ein gemeinschaftliches Essen im Gasthaus zum Ritter.- Am 20. machten dann eine gro\u00dfe Anzahl der Festgenossen noch einen Ausflug nach Weinsberg und auf die Weibertreu.- Welch g\u00fcnstige Beurtheilung das Fest auch au\u00dferhalb Hessens gefunden hat, m\u00f6gen folgende Zeilen beweisen, welche einem Bericht aus den Bl\u00e4ttern des Gustav-Adolf-Vereins f\u00fcr das evangelische W\u00fcrttemberg, vierter Jahrgang, 1876, pag. 25 entnommen ist: \u201aFreundlich begr\u00fc\u00dft von B\u00fcrgern der Stadt, sahen wir nun mit Lust die Stra\u00dfen festlich geschm\u00fcckt mit Eichenlaub, mit gr\u00fcnen Zweigen \u00fcberall und mit wehenden Fahnen, deutschen und hessischen, dar\u00fcber. Jetzt bedauerten wir ernstlich, da\u00df aus dem W\u00fcrttemberger Lande nicht mehr Freunde der Sache sich eingestellt hatten, ist doch Wimpfen als ein vorgeschobener Posten des Hessenlandes und ganz umschlossen von Baden und W\u00fcrttemberg, auf die nachbarschaftliche Gemeinschaft besonders angewiesen. Um so zahlreicher waren die Mitglieder aus Hessen selbst herbeigekommen, und auch wir wurden herzlich willkommen gehei\u00dfen. pp.\u2019\u201c<\/em> Die festliche Umrahmung der Jahreshauptversammlung des Gustav-Adolf-Vereins ist als eine in der Zeit des Kulturkampfes dem Protestantismus dargebrachte demonstrative Huldigung anzusehen.<\/p>\n<p>Hier sollen jetzt zur Belebung zwei im Jahr dieses Kirchenfestes 1876 entstandene qualit\u00e4tvolle Zeichenwerke eingef\u00fcgt sein. Diese stammen aus der Hand des zuerst in N\u00fcrnberg und ab 1888 in M\u00fcnchen wohnhaft gewesenen begabten, flei\u00dfigen und anerkannten insbesondere LANDSCHAFTS- UND ARCHITEKTUR-ZEICHNERS, (STAHL)STECHERS, FARBLITOGRAFEN\u00a0und MALERS LUDWIG ROHBOCK, der u. a. auch Stahlstiche f\u00fcr das 1853 beim Verlag G. G. Lange in Darmstadt herausgegebene Bildwerk \u201eDas Gro\u00dfherzogtum Hessen, 1842 \u2013 49\u201c geliefert hatte:<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca002a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-323\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca002a-689x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"981\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca002a-689x1024.jpg 689w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca002a-101x150.jpg 101w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca002a-202x300.jpg 202w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca002a-768x1142.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. C 2a: Blick auf die Evangelische Stadtkirche Wimpfen am Berg vom Marktplatz her, beschriftet mit \u201eWimpfen\u201c und signiert mit \u201eR. 76\u201c von Ludwig Rohbock (* 30. M\u00e4rz 1824 in Sulzbach bei N\u00fcrnberg &#8211; <\/strong><strong>\u2020<\/strong><strong> am 12. Januar 1893 in M\u00fcnchen)<\/strong>;<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca002b.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-324\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca002b-664x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"1018\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca002b-664x1024.jpg 664w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca002b-97x150.jpg 97w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca002b-195x300.jpg 195w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca002b-768x1184.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. C 2b: Schr\u00e4gblick auf das B\u00fcrgermeister-Els\u00e4\u00dfer-Haus im Burgviertel, ebenfalls beschriftet mit \u201eWimpfen\u201c und signiert mit \u201eR. 76\u201c vom Vorgenannten<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dieser ist zwar wenig bekannt geworden, ist jedoch auf vielen Reisen in allerlei Landschaften und St\u00e4dten Deutschlands, in \u00d6sterreich, der Schweiz, Ungarn und Siebenb\u00fcrgen zeichnend unterwegs gewesen, und hatte 1855 eine Serie von ihm selbst in Stahl gestochener Donauveduten geschaffen und nach dessen Zeichnungen waren um 1875 teilweise Chromlithografie-Serien mit Ansichten vom Harz, Rhein und aus Ungarn und Siebenb\u00fcrgen erschienen.<\/p>\n<p>&#8211; Am 31. Mai 1876 stirbt das KIRCHENVORSTANDSMITGLIED JOHANN DANIEL BERGSCHICKER.<\/p>\n<p>&#8211; 15. Juni 1876 (Z): Am Fronleichnamstag ereignete sich in der N\u00e4he von hier ein recht bedauerlicher Ungl\u00fccksfall. Zwei junge Leute im Alter von 25 und 27 Jahren begaben sich nachmittags nach Offenau, der eine zu dem Zwecke, seine dort wohnhafte Braut zu besuchen. Gegen 9 Uhr machten sie sich auf den Heimweg, und zwar der eine in Gesellschaft seiner Geliebten, welcher jedoch an der Offenauer \u00dcberf\u00e4hre sich wieder verabschiedete. Kurz nachdem aber die Letztere sich entfernt hatte, kehrten beide wieder nach Offenau zur\u00fcck, um sich noch in einem dortigen Wirtshause zu am\u00fcsieren. Erst nach 11 Uhr kam ihnen der Gedanke, ernstlich zum Heimwege aufzubrechen, aber der F\u00e4hrmann weigerte sich, in dieser sp\u00e4ten Stunde bei dem hohen Wasserstande die beiden zu \u00fcberf\u00fchren. Sie entfernten sich und gingen allein an die F\u00e4hre, wo sie den Nachen mit Gewalt losl\u00f6sten, um sich selbst \u00fcberzuf\u00fchren; inmitten des Neckars stie\u00df der Nachen auf ein gro\u00dfes mit Kohlen beladenes Schiff, woran sich der eine festhielt, w\u00e4hrend der andere mit dem Nachen, welcher sich ohne Zweifel mit Wasser angef\u00fcllt hatte, seinem Schicksal \u00fcberlassen war. Hier\u00fcber ist bis jetzt nur so viel ermittelt, dass der Nachen andern Tags in Ha\u00dfmersheim aufgefangen wurde; von dem einen, der sich auf dem gro\u00dfen Schiff rettete, konnte man N\u00e4heres ebenfalls nicht erfahren, da derselbe durch das gro\u00dfe Kohlenschiff das Land erreichen konnte und von da aus sich direkt auf den Heimweg machte. Von dem Ungl\u00fccklichen, welcher sich in n\u00e4chster Zeit verehelichen wollte, ist nun leider anzunehmen, dass er nun im Neckar verungl\u00fcckt ist.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1877:<\/p>\n<p>&#8211; Am 11. November 1877 wird durch den jetzt zust\u00e4ndigen Gro\u00dfherzoglichen Dekan des Dekanats Zwingenberg, KIRCHENRAT DORNSEIFF zu Bickenbach an der Bergstra\u00dfe, eine ordentliche Kirchenvisitation gehalten und den folgenden Tag die Schulen von demselben visitiert.<\/p>\n<p>&#8211; 20. November (Z): Einige Subjekte pflegen gegenw\u00e4rtig bei der Heimkehr vom Wirtshause um mittern\u00e4chtliche Stunde beliebige Hausbewohner durch L\u00e4uten an den Hausglocken von ihrer Ruhe zu st\u00f6ren. Es sind dies einf\u00e4ltige Bubenstreiche, die man von Erwachsenen entfernt nicht sollte erwarten d\u00fcrfen. Hoffentlich gelingt es, diesen noch auf die Spur zu kommen.<\/p>\n<p>&#8211; Sonntag, 28. Oktober: Der am Schluss gegebene ausf\u00fchrliche Bericht \u00fcber das 1877 zu Hohenstadt erbaute neue Schulhaus und die aus diesem Anlass am vorgenannten Sonntag geschehene Einweihungsfeier ist im nachfolgenden Unterkapitel C.4 wiedergegeben.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1878:<\/p>\n<p>&#8211; Am 18. Februar 1878, abends 8 Uhr, hat sich der SALINEARBEITER\u00a0HEINRICH AUGUST GRECKE infolge h\u00e4uslicher Zerw\u00fcrfnisse im trunkenen Zustande durch einen Messerstich ins Herz get\u00f6tet. Derselbe war aus Seebnitz, Regierungsbezirk Liegnitz in Schlesien und beim Eisenbahnbau hierher gekommen.<\/p>\n<p>&#8211; Am 24. M\u00e4rz 1878 stirbt der KATHOLISCHE PFARRER WAGNER\u00a0und wird die Stelle vor der Hand nicht wieder besetzt, sondern von dem KAPLAN JAKOB KOCH zu\u00a0Wimpfen im Tal verwaltet. Weiteres \u00fcber dieses f\u00fcr die Katholische Kirchengemeinde im Zuge des Kulturkampfes folgenschwere Ereignis findet sich an sp\u00e4terer Stelle unter C.7 und C.8 dargestellt.<\/p>\n<p>&#8211; 8. September (Z &#8211; siehe den zweiten Abschnitt): An diesem Tag, so berichtet die Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde, wird JOHANN JAKOB RO\u00dfBACH, Ackermann in Wimpfen im Tal, von LUDWIG CARL RINCKER, lediger Sohn des verstorbenen KARPFENWIRTS JOHANN MARTIN RINCKER, mit einem Metzgermesser erstochen. Rincker wIrd vom Schwurgericht wegen K\u00f6rperverletzung mit t\u00f6dlicher Folge zu f\u00fcnf Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt.<\/p>\n<p>Die \u201eWimpfener Zeitung\u201c berichtet unter dem 10. September 1878 \u00fcber den Hergang der Tat Genaueres: Bluttat in Wimpfen im Tal. Die Einwohner von Wimpfen im Tal und hier wurden am letzten Sonntag Abend gegen 8 Uhr in nicht geringe Aufregung versetzt durch eine furchtbare Tat, die in dem Wohnhause des Jakob Ro\u00dfbach daselbst ver\u00fcbt wurde. In Folge eines vorangegangenen Wortwechsels wollte der bei ihm wohnhafte Tochtermann W. H. noch am selbigen Abend seine Hausger\u00e4te ausr\u00e4umen, was Ro\u00dfbach ihm mit der Bemerkung nicht zugeben wollte, dass es Sonntag Abend und deswegen nicht passend sei, mit dem Mobiliar etc. auszur\u00e4umen, dagegen k\u00f6nne er andern Tags (also Montag) sein Eigentum in Empfang nehmen. Darob geriet der oben Genannte ca. 25 Jahre alte Tochtermann und dessen Stiefbruder, der 20 Jahre alte L. R., seines Zeichens Metzger, mit ihm ins Handgemenge und noch ehe sich Ro\u00dfbach seiner Angreifer erwehren konnte, wurde ihm von einem dieser Beiden (man sagt von dem Metzger) ein Stich in die linke Seite des Unterleibs beigebracht, in Folge dessen Ro\u00dfbach sofort tot zusammenst\u00fcrzte.- W\u00e4hrend die inzwischen herbeigekommene Hilfe einiger M\u00e4nner sich von dem furchtbaren Geschehen \u00fcberzeugten, waren die beiden Attent\u00e4ter auf und davon, und war dies vor ihrer Verhaftung noch ihr Gl\u00fcck, denn die herbeigeholten Einwohner h\u00e4tten sicher Volksjustiz an ihnen ge\u00fcbt.- Um 8 Uhr war die Gendarmerie ihrer habhaft und wurden sie sofort im hiesigen Gef\u00e4ngnis hinter Schloss und Riegel gebracht.- Der so pl\u00f6tzlich seines Lebens Beraubte war allgemein bekannt als ein \u00e4u\u00dferst flei\u00dfiger Mann und wird sein fr\u00fchzeitiger Tod um so mehr bedauert, als der Ungl\u00fcckliche noch 7 unm\u00fcndige Kinder hinterl\u00e4sst, welche vor 3 Jahren auch die Mutter durch den Tod verloren haben.<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>&#8211; Im selben Jahr wird in Hohenstadt der Turm auf der Kirche ganz mit Schiefer gedeckt, was einen Kostenaufwand von ca. 400 Mark erfordert.<\/p>\n<p>Um ein Beispiel der j\u00e4hrlich vom ERSTEN PFARRER und DEKAN WILHELM SCRIBA kontinierlich in gleichartiger Weise vorgenommenen Eintragung im Chronikbuch der Evangelischen Kirchengemeinde zu geben und vor allem das Vielerlei der Blickrichtungen sp\u00fcren zu lassen, seien hier die dem Jahr 1878 geltenden drei Seiten eingef\u00fcgt:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca003a.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca003a-689x1024.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca003b.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca003b-718x1024.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca003c.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca003c-703x1024.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. C 3a, C 3b, C 3c: Die auf die Geschehnisse des Jahres 1878 bezogenen Seiten 104, 105 und 106 der Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde Wimpfen mit beigegebener Transkription<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1879:<\/p>\n<p>&#8211; Nachdem im vorausgegangenen Jahr zu Hohenstadt niemand, au\u00dfer einem nur elf Tage alten Kinde, gestorben ist, kehrt der Tod im Jahre 1879 schon am Neujahrstage fr\u00fch ein, und am 25. Januar verliert der ACKERMANN JAKOB FRIEDRICH STRAIB durch einen Sturz in seiner Scheuer im Alter von 41 Jahren und 56 Tagen das Leben.<\/p>\n<p>&#8211; 3. Juni 1879 (Z): Bei einer Auseinandersetzung in der Familie des G. Sch. ist es wieder zu h\u00f6chst unangenehmen Auftritten gekommen, was den nicht bei seinem Vater wohnenden Sohn veranlasste, in die Wohnung des Vaters zu gehen und denselben wegen grober Misshandlung der Mutter zur Rede zu stellen. Der Vater griff sofort nach seinem scharf geladenden Jagdgewehr, welches ihm jedoch der Sohn aus der Hand riss und teilweise zertr\u00fcmmerte, wobei der eine Lauf losging und das rechte Bein desselben so stark verletzte, dass eine bleibende Entstellung desselben zu bef\u00fcrchten ist.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1880:<\/p>\n<p>&#8211; Am 17. M\u00e4rz 1880 stirbt die ledige EVA BARBARA STRAIB in einem (damals h\u00f6chst selten erreichten) Alter von 93 Jahren 3 Monaten 1 Tag. Sie durfte sich bis kurze Zeit vor ihrem Tode einer guten Gesundheit erfreuen, doch schon l\u00e4ngere Zeit hatte sie ihr Geh\u00f6r verloren.<\/p>\n<p>&#8211; Im Fr\u00fchjahr 1880 wird der am Hang des Sommerbergs \u00fcber der Fleckinger M\u00fchle gelegene und immer noch zur Pfarrerbesoldung (Naturalanteil) beitragende sog. Pfarrweinberg, dessen unterer Bereich vor einem starken Jahrzehnt durch den Bahndamm zugedeckt worden ist, wieder neu angelegt. Die Kosten f\u00fcr das Reuten des Bodens, die Maueranlage und das Setzen der Reben betragen 293 Mark.<\/p>\n<p>&#8211; Am 31. M\u00e4rz wurde morgens im Schiedsee ein neugeborenes weibliches Kind gefunden. Es stellte sich heraus, dass eine unverheiratete N\u00c4HERIN\u00a0JAKOBINE ROSINE KUBACH in der Nacht vorher dasselbe geboren und nachdem sie es (Z: nach den Wunden am Kopf zu schlie\u00dfen) get\u00f6tet in das Wasser geworfen hatte. Dieselbe wurde vom Schwurgerichtshof zu Darmstadt wegen Kindst\u00f6tung zu 3 Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt.<\/p>\n<p>&#8211; Auf Fr\u00fchjahr und Sommer 1880 bezieht sich die folgende von PFARRER\u00a0PETER SCHNEIDER erfolgte Eintragung: <em>\u201eDurch Allerh\u00f6chstes Decret vom 20. April 1880 wurde der Unterzeichnete zum Pfarrer in Gro\u00df-Rohrheim, im Decanat Zwingenberg ernannt. Nachdem sich sein Wegzug von hier durch Familienverh\u00e4ltnisse verschoben hatte, legte er seine hiesige Dienststelle am 28. Juni 1880 nieder, nachdem er sich Tags zuvor, am V. Sonntag Trinit., von der Gemeinde Wimpfen und Hohenstadt mit der Predigt \u00fcber II. Cor. 13,13 verabschiedet hatte mit dem Wunsch und der Bitte, da\u00df der Herr auch ferner \u00fcber die ganze Gemeinde walte und alle Glieder segne mit seiner Gunst und seinem Frieden in Herz und Haus, im Leben und Sterben, in Zeit und Ewigkeit.- Peter Schneider.\u201c <\/em>Nach dem Weggang desselben werden dem ERSTEN PFARRER SCRIBA\u00a0(vorl\u00e4ufig bis zur Wiederbesetzung der Stelle) die Funktionen des Zweiten Pfarrers sowie der Vorsitz im Kirchenvorstand zu Hohenstadt \u00fcbertragen, w\u00e4hrend PFARRER KUHN\u00a0zu Heinsheim die Predigten und Casualien (kirchlichen Amtshandlungen) sowie die Erteilung des Religionsunterrichts in Hohenstadt \u00fcbertragen erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>&#8211; Am 11. Juli 1880 findet die Erg\u00e4nzungswahl der Mitglieder der Evangelischen Gemeindevertretung zu Wimpfen statt und werden s\u00e4mtliche austretenden Mitglieder wieder gew\u00e4hlt. Dasselbe Resultat ergibt die am 12. September stattfindende Erg\u00e4nzungswahl von vier ausscheidenden Mitgliedern des Kirchenvorstandes. Am 25. Juli nimmt PFARRER SCRIBA die Ersatzwahl der Mitglieder der ev. Gemeindevertretung in Hohenstadt und am 20. August diejenige zu Helmhof vor.<\/p>\n<p>&#8211; Am 11. August, vormittags zwischen 4 und 7 Uhr, hat sich FRIEDRICH CHRISTOPH KNIEHSEL, Landwirt dahier, im Gef\u00e4ngnis erh\u00e4ngt, wohin er in Untersuchungshaft am Tage vorher wegen Meineid abgef\u00fchrt worden war.<\/p>\n<p>&#8211; Am 12. September, vormittags 6 Uhr, erschoss sich im Haag mit einer Pistole der NAGELSCHMIED CHRISTOPH HEINRICH GRO\u00dfLAUB. Er war am 24. Oktober 1807 geboren, ein unchristlicher Mensch.<\/p>\n<p>&#8211; Am 16. November feierten der Calcant (Orgeltreter) an der Stadtkirche und NACHTW\u00c4CHTER CHRISTIAN BERNHARD SPEER\u00a0und dessen Ehefrau ELISABETHA BARBARA,\u00a0geborene\u00a0GEROLD, die goldene Jubelhochzeit und wurden in ihrer Wohnung eingesegnet. Die Frau stirbt am 21. Februar 1881.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1881:<\/p>\n<p>&#8211; An Stelle des am 17. Januar 1881 verstorbenen BEIGEORDNETEN\u00a0KAUFMANN\u00a0FRIEDRICH MUCKH, der auch Mitglied des evangelischen Kirchenvorstandes gewesen ist, wird RENTNER DR. EMIL M\u00d6RICKE gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>&#8211; Am 3. April 1881 wird als Nachfolger von PFARRER SCHNEIDER\u00a0im Amt des 2. Pfarrers von DEKAN KIRCHENRAT DORNSEIFF\u00a0zu Bickenbach in Hohenstadt und Wimpfen den Gemeinden PFARRER (GEORG FRIEDRICH HEINRICH) ADOLF PETERSEN vorgestellt, der als am 7. August 1821 in Landau in der Rheinpfalz Geborener bereits fast 60 Jahre alt ist. Unter dem biblischen Leitwort \u201eEr leitet mich nach deinem Rat\u201c (Psalm 73.24) stellt der aus der rheinhessischen Kirchengemeinde Mu\u00dfbach bei Neustadt an der Weinstra\u00dfe Gekommene sein dienstliches Werden und sein bislang bereits \u00fcber fast 4 Jahrzehnte gegangenes vielf\u00e4ltiges dienstliches Tun in der Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde gr\u00fcndlichst \u00fcber nicht weniger als sechs Seiten vor. Dessen Basis hatte er nach philosophischen und juristischen Studien in Erlangen durch den Wechsel zur Theologie mit weiteren Studienzeiten in Bonn, Berlin und zum Schluss wieder in Erlangen sowie schlie\u00dflich bestandener Vorpr\u00fcfung gelegt. Nach Dienstt\u00e4tigkeiten an verschiedenen Orten der Rheinpfalz als Vikar bzw. selbst\u00e4ndiger Pfarrverweser, schlie\u00dflich 1845 nach in Speyer bestandener Anstellungspr\u00fcfung hatte er mehrere Jahre die Pfarrei Erlenbach im Dekanat Germersheim versehen und war ab 1852 zum Pfarrer von Rhodt bei Landau ernannt worden. Als solchem war ihm die Distrikts-Schulinspektion f\u00fcr den Canton Edenkoben sowie interimistisch auch f\u00fcr den Canton Landau \u00fcbertragen worden, wodurch er mehrere Jahre die Aufsicht \u00fcber 60 Schulen zu f\u00fchren und neben der pastoralen T\u00e4tigkeit auch p\u00e4dagogische und administrative Arbeit sowie die Unterrichtung von Schulpr\u00e4paranden zur Vorbereitung f\u00fcr das Seminar zu leisten gehabt hatte. Nach siebenj\u00e4hrigem solchem Wirken hatte er die Stelle eines Hausgeistlichen im Kgl. Bayrischen Central-Gef\u00e4ngnis zu Kaiserslautern, schlie\u00dflich die Vorstandschaft des protestantischen Schullehrer-Seminars der Bayrischen Rheinpfalz zu Kaiserslautern versehen. Gesundheitliche Probleme hatten ihn nach siebenj\u00e4hriger anstrengendster verantwortungsvoller T\u00e4tigkeit veranlasst, 1869 aus der Stelle des Kgl. Staatsbeamten auszuscheiden und in die des Geistlichen zur\u00fcckzukehren. Nach rund siebenj\u00e4hriger T\u00e4tigkeit in der 5 Ortschaften umfassenden kleinen Pfarrei Ernstweiler bei Zweibr\u00fccken hatte er sich durch ein bedenkliches Darmleiden gezwungen gesehen, in das oben genannte Mu\u00dfbach am Fu\u00dfe der Hardt zwischen Neustadt und D\u00fcrkheim zu wechseln. Die hier nunmehr wiedergebene originale Schilderung gibt Einblick in die damaligen den Pfarrern der Landorte gebotenen instabilen Besoldungsverh\u00e4ltnisse sowie die infolge der inzwischen eingetretenen Mitwirkung der Pfarrgemeindevertreter ge\u00e4nderte Praxis der Besetzung der Pfarrstellen: <em>\u201eLeider bestand dort das Pfarrgut aus Weinbergen und zwar meist aus \u00e4lteren. Die Jahre 1878, 79 und 80 waren aber so ung\u00fcnstig, da\u00df der gr\u00f6\u00dfte Teil der Weinberge wiederholt erfror und zum Aushauen verurteilt werden mu\u00dfte, um dem Pfarrer durch Anbau und D\u00fcngung nicht mehr zu kosten, als ihm einzutragen. Das Pfarreinkommen sank nun so, da\u00df, als ich im Jahre 1881 nach fast 38 Dienstjahren die Stelle verlie\u00df, kein einziger Pfarrer sich darum bewarb, sondern ein Candidat f\u00fcr dieselbe ernannt wurde.- Nach diesen Vorg\u00e4ngen bei ohnehin steigenden Ausgaben f\u00fcr meine Familie, verbunden mit empfindlichen Verm\u00f6gensverlusten, noch einmal zu einem Wechsel gedr\u00e4ngt, wurde ich zugleich vor die Frage gestellt: Wohin? \u2013 Auf h\u00f6here Alterszulagen war keine Aussicht mehr vorhanden &#8230; Zudem war inzwischen die Art der Besetzung der Pfarreien in der pf\u00e4lz. Kirche an die Abstimmung des Presbyteriums gekn\u00fcpft worden, wobei ein Pfarrer von 40 Jahren als Mitbewerber gegen\u00fcber einem von 60 Jahren auftreten kann, nat\u00fcrlich zum Nachteil des letzteren. W\u00e4hrend nun meine Gedanken zun\u00e4chst auf das rechtsrheinische Baiern gerichtet waren, wurde von anderer Seite mein Augenmerk auf die hessische Landeskirche gelenkt und auf den dortigen Mangel an Geistlichen.- Durch Gottes gn\u00e4dige F\u00fcgung und die Huld Sr. K\u00f6niglichen Hoheit des Gro\u00dfherzogs Ludwig II. wurde mir nun am 5. Februar 1881 die Stelle eines 2<sup>ten<\/sup> evang. Stadtpfarrers dahier verliehen &#8230; , in welche ich mit frischem Mut und neuer Freudigkeit eintrete. Der Gott aller Gnade und allen Segens gebe nun zum Wollen das Vollbringen. Nach seinem Wohlgefallen zum Segen f\u00fcr die 2 evangelischen Christengemeinden in Wimpfen und Hohenstadt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich spiegeln die vom schon dem Betagtenalter nahen neuen Zweiten evangelischen Pfarrer geschilderten Gr\u00fcnde f\u00fcr seine Wahl gerade des hessischen Exklavent\u00e4dtchens Wimpfen die f\u00fcr dieses gegebene Gefahr wider, nach wie vor gerade noch gut genug f\u00fcr anderswo nicht unterbringbare Kirchen- und Staatsdiener zu sein. Doch lassen die gewissenhafte aufrichtige Akribie, mit der Pfarrer Petersen sein Herkommen und Ringen im Beruf wiedergibt, dazu der fraglos positive Eindruck, der sich aus seinem noch 12 Jahre bis Herbst 1893 in Wimpfen gehenden Wirken ergibt, dessen Anstellung durchaus als Gewinn f\u00fcr Wimpfen erscheinen. Dieses d\u00fcrfte z. B. auch daraus hervorgehen, dass im Gegensatz zur Zeit seines Vorg\u00e4ngers fortab in der Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde unter den Rubriken \u201eStatistisches\u201c sowie \u201eOpfer und Collecten\u201c aus seiner Hand f\u00fcr die von ihm erstrangig zu betreuenden Teilorte Hohenstadt und Helmhof gesonderte j\u00e4hrliche kurze Berichterstattungen erfolgen, die nach dessen Abgang f\u00fcr einige Jahre wieder abrei\u00dfen.<\/p>\n<p>&#8211; Am 22. Juni 1881 verungl\u00fcckte der 7 \u00bd Jahre alte EMIL FRIEDRICH MAISENH\u00c4LDER, Sohn des LANDWIRTES JAKOB FRIEDRICH MAISENH\u00c4LDER, in Wimpfen im Tal, indem der steinerne Pfosten des Hoftors auf ihn fiel und sogleich t\u00f6tete.<\/p>\n<p>&#8211; Am 18. Juli ertrank der siebenj\u00e4hrige Sohn des POLIZEIDIENERS LUDWIG GERSPACH beim Baden im Neckar. Tags darauf wurde die Leiche bei Gundelsheim aufgefunden und daselbst beerdigt.<\/p>\n<p>&#8211; Am 24. Juli erschien ein Komet und dann am 18. August ein zweiter, beide am n\u00f6rdlichen Himmel.<\/p>\n<p>&#8211; 6. November 1881 (Z): Vor einem Haus in der Stadt ist ein etwa 4 \u2013 5 Monate altes Kind ausgesetzt worden. Es wird vorl\u00e4ufig im Hospital untergebracht..<\/p>\n<p>&#8211; In Helmhof starb, so weist der zweite Pfarrer Petersen zum ersten Mal auf diese seine abgelegene Kirchen-Kleinstgemeinde hin, am 23. Januar 1881 der BEIGEORDNETE FRIEDRICH HAFFELDER. An seine Stelle wurde gew\u00e4hlt FRIEDRICH R\u00dcGLER.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1882:<\/p>\n<p>&#8211; 23. Januar 1882 (Z): Gestern Abend gegen 7 Uhr kam eine Frau des Weges von hier nach dem Tal; in der N\u00e4he der Neckarm\u00fchle fuhr pl\u00f6tzlich ein Hund, um den Hals wei\u00df gezeichnet und angeblich einem hiesigen Metzger geh\u00f6rend, auf sie zu; das Tier zerrte die Ge\u00e4ngstigte derart am Rock, da\u00df derselbe stellenweise zerriss und sie die zwei W\u00fcrste, die sie im Korbe trug, demselben hinwarf, um vor dem Hundevieh vor weiterem Schrecken und Schaden befreit zu werden. Die Frau kam somit nicht nur mit Schrecken, sondern auch mit zerrissener Kleidung nach Hause.<\/p>\n<p>&#8211; Am 11. Juni 1882 feierten SCHUMACHER JOHANN CONRAD METZGER mit seiner Ehefrau CHRISTINE BARBARA,\u00a0geb.\u00a0HESS, ihre goldene Hochzeit.<\/p>\n<p>&#8211; Am 12. August starb LANDWIRT FRIEDRICH THOMAS RO\u00dfBACH an einem Sch\u00e4delbruch, den er sich infolge eines Sturzes in der Scheuer am 10. August zugezogen hatte.<\/p>\n<p>&#8211; Im September ertrank im Neckar PHILIPP GAYER, der 7 \u00bd -j\u00e4hrige Sohn des S\u00e4gem\u00fcllers in der Neckarm\u00fchle JOHANN JAKOB GAYER; die Leiche wurde am 10. September bei Zwingenberg a. N. gel\u00e4ndet und daselbst beerdigt.<\/p>\n<p>&#8211; Aus dem b\u00fcrgerlichen Leben von Hohenstadt, so weist der neue Zweite Pfarrer Petersen wiederum in seinem zus\u00e4tzlichen Part aus, ist nichts Besonderes zu melden; in kirchlicher Hinsicht trat ebenfalls kein besonders bemerkenswertes Ereignis ein. Unter den Todesf\u00e4llen ist zu bemerken das Ableben des BEIGEORDNETEN JOHANN CHRISTOPH MAYER. An seiner Stelle wurde GOTTLIEB SCHMIDT Beigeordneter. Und er schlie\u00dft seinen Bericht wie folgt:<\/p>\n<p>&#8211; Im Juli wurden f\u00fcr die Kirche zwei neue Glocken im Wert von 374 Mark gegossen.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1883:<\/p>\n<p>&#8211; Am 22. Juli 1883 (Z): Ein dreij\u00e4hriges Kind f\u00e4llt in der Klostergasse aus dem zweiten Stock auf die Stra\u00dfe und bleibt bis auf eine Platzwunde an der Stirn unverletzt.<\/p>\n<p>&#8211; 24. Juli (Z): Ein hiesiger B\u00fcrger findet beim Himbeersuchen im Einsiedelwald die Leiche eines Kindes von etwa 6 Wochen. Die Sektion ergibt, dass das Kind an Ruhr gestorben ist. N\u00e4heres ist nicht zu ermitteln<\/p>\n<p>&#8211; In kirchlicher Hinsicht, so wird berichtet, fanden mehrere Erg\u00e4nzungswahlen statt. Zuerst am 16. September diejenige von f\u00fcnf Mitgliedern des Kirchenvorstandes. Es wurden gew\u00e4hlt, respektive wiedergew\u00e4hlt: 1. B\u00dcRGERMEISTER FRIEDRICH ERNST, 2. LANDWIRT PHILIPP BORNH\u00c4USER, 3. RENTNER LUDWIG KLENCK, 4. FLEISCHER FRIEDRICH EHEBALDT (neugew\u00e4hlt), 5. KAPPENMACHER JOHANN FRIEDRICH FRANK (desgleichen). Am 30. November war die Wahl von sieben Mitgliedern des Stadtvorstandes.<\/p>\n<p>&#8211; Aus dem b\u00fcrgerlichen und politischen Leben der Gemeinde Hohenstadt, so setzt der ZWEITE PFARRER PETERSEN\u00a0seine gesonderte Berichterstattung weiter fort, ist neben dem, was aus dem Leben der Stadtgemeinde Wimpfen oben berichtet wurde, nichts Besonderes zu bemerken. In kirchlicher Hinsicht ist zu berichten , dass am 16. September 1883 bei der Erg\u00e4nzungswahl des Kirchenvorstandes gew\u00e4hlt wurden: JOHANN SCHMALZHAF mit 10 Stimmen, CARL SCHIHWETZ mit 7 Stimmen, Dieselben wurden am 3. November durch das Dekanat best\u00e4tigt. Am 9. Oktober wurde an Stelle des verlebten SYNODALMITGLIEDES\u00a0J. CHR. MAYER mit 3 unter 4 Stimmen JOHANN FRIEDRICH STAUDT zum Mitglied der Synode Zwingenberg gew\u00e4hlt und unterm 17. Oktober durch das Gro\u00dfherzogliche Dekanat best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>&#8211; In Helmhof wurden am 14. Oktober in den Kirchenvorstand gew\u00e4hlt: MICHAEL R\u00dcGNER mit 6 Stimmen, JOHANN R\u00dcGNER mit 4 Stimmen, GOTTLIEB SCHNELL mit 4 Stimmen.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1884:<\/p>\n<p>&#8211; Am 10. August 1884 wurde von dem hiesigen Kirchenchor ein Konzert in der Kirche gegeben, welches stark besucht war. Es kam das Oratorium Athalja zur Auff\u00fchrung.<\/p>\n<p>&#8211; 25. September (Z): Der 12-j\u00e4hrige Sohn des W. STAUDINGER wollte sich heute Mittag einen Spa\u00df damit machen, im elterlichen Hause Pulver in die Herdfeuerung zu streuen. Pl\u00f6tzlich ert\u00f6nte ein Knall, so dass der Herd teilweise besch\u00e4digt und dem kleinen Feuerwerker Haut und Fleisch der einen Hand erheblich verwundet wurde, so dass solche an acht Stellen gen\u00e4ht werden musste.<\/p>\n<p>&#8211; Das einfache Stillleben der Gemeinden Hohenstadt und Helmhof verlief in diesem Jahr ohne bemerkenswerte Vorf\u00e4lle.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1885:<\/p>\n<p>&#8211; Vom 4. \u2013 10. September 1885 war das 1. Bataillon des 121. W\u00fcrttembergischen Infanterie-Regiments, welches in Ludwigsburg eincaserniert ist, hier einquartiert.<\/p>\n<p>&#8211; 17. September (Z): Der TAGL\u00d6HNER J. B.\u00a0von hier geriet heute Vormittag mit seiner Ehefrau, wie sch\u00f6n \u00f6fters, in sehr heftigen Wortwechsel, welcher schlie\u00dflich in T\u00e4tlichkeiten ausartete, wobei der Genannte u. a. mit einem stumpfen Gegenstande seiner Frau mehrer Schl\u00e4ge derart auf den Kopf versetzte, dass sie bewusstlos zu Boden sank &#8230; der Zustand der Betroffenen ist sehr bedenklich. Der T\u00e4ter wurde sofort ins Gef\u00e4ngnis gebracht.<\/p>\n<p>&#8211; Aus der Gemeinde Hohenstadt ist zu berichten, dass am 5. Juli 1885 an Stelle des verlebten JOHANN FRIEDRICH STAUDT der BEIGEORDNETE\u00a0GOTTLIEB SCHMIDT in den Kirchenvorstand gew\u00e4hlt wurde. Im \u00dcbrigen verlief das Leben der kleinen Gemeinde wie gew\u00f6hnlich still und einfach. Was die Ertr\u00e4gnisse des Jahres in landwirtschaftlicher Beziehung betrifft, so gilt hier im Wesentlichen dasselbe wie bei der Stadtgemeinde Wimpfen. Auch von der noch kleineren Gemeinde Helmhof ist f\u00fcr dieses Jahr nichts Besonderes zu berichten.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1886:<\/p>\n<p>&#8211; Jahreswechsel 1885\/86 (Z): Der Silvesterabend in den Wirtschaftslokalen wurde allseitig in fr\u00f6hlicher Stimmung gefeiert. Weniger fr\u00f6hlich und richtig gesagt abscheulich und bubenhaft war dagegen der L\u00e4rm, der sich von \u00bd 12 Uhr an namentlich in der oberen Stadt durch Schreien, Schie\u00dfen usw. entwickelte und in einer Weise bis nach 3 Uhr w\u00e4hrte, dass nur einstimmig gew\u00fcnscht werden muss, solch skandal\u00f6sem und sittenverderbendem Treiben, an dem sich leider auch die Jugend in hervorragender Weise beteiligt und worauf wir nicht n\u00e4her eingehen wollen, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegengeschritten werden d\u00fcrfte. Einen gro\u00dfen Schuldteil an der erw\u00e4hnten Z\u00fcgellosigkeit tragen diejenigen Eltern, welche ihre S\u00f6hne und T\u00f6chter nicht nur bis Mitternacht, sondern auch bis zur Morgenstunde &#8211; unbek\u00fcmmert, wo und wie sie die Zeit verbringen &#8211; herumziehen lassen.<\/p>\n<p>&#8211; Anfang Februar 1886(Z): Sandschiffer finden am Neckarw\u00f6hr die Leiche eines unbekannten Mannes.<\/p>\n<p>&#8211; Es ereigneten sich im Jahre 1886 verschiedene tragische F\u00e4lle:<\/p>\n<p>Am 10. August ertrank der zehnj\u00e4hrige REALSCH\u00dcLER ALBERT BUHSER beim Baden im Neckar.<\/p>\n<p>Am 17. September starb der 5-j\u00e4hrige Knabe CARL FRIEDRICH PLIENINGER, Sohn von LANDWIRT BALTHASAR PLIENINGER, in Folge dessen, dass der geladene Wagen, auf dem er sa\u00df, umfiel und er unter die R\u00e4der kam.<\/p>\n<p>&#8211; 18. September (Z): Auch die \u201eWimpfener Zeitung\u201c berichtet, dass im Laufe der Woche mehrere schwere Unf\u00e4lle in der Stadt passierten, bei denen ein f\u00fcnfj\u00e4hriger Knabe get\u00f6tet und drei Personen schwer verletzt worden seien.<\/p>\n<p>&#8211; Am 19. September starb der TAGL\u00d6HNER HEINRICH HARTWICK, dem das Bein von einer Dreschmaschine zerrissen wurde und mit welchem der alte Familienname \u201eHartwick\u201c dahier erloschen ist. Verloren hat die Gemeinde an ihm nichts, da er ein entlassener Zuchthausstr\u00e4fling und Schnapss\u00e4ufer war.<\/p>\n<p>&#8211; Am 1. Oktober starb der Knabe WILHELM PFOH (katholisch), Sohn von LANDWIRT FRANZ PFOH, in Folge eines Falles in der Scheuer.<\/p>\n<p>&#8211; Aus der Gemeinde Hohenstadt ist f\u00fcr 1886 zu berichten, dass in Folge des Testamentes der verlebten Ehefrau HAUSER, geb. KLENK, der evangelischen Gemeinde Hohenstadt ein Verm\u00e4chtnis von 34 Mark zufiel, welche Summe mit Vorbehalt sp\u00e4terer Verwendung einstweilen in der Sparkasse Wimpfen angelegt wurde.<\/p>\n<p>&#8211; Das junge Ehepaar KARL STAUDT und ELISE,\u00a0geb. SCHMIDT, haben sich nach mehrj\u00e4hriger Trennung Ende des Jahres wieder vereinigt zu einem gemeinschaftlichen Haushalte. Es ist zu w\u00fcnschen, dass die Vereinigung eine aufrichtige und bleibende sein m\u00f6ge.<\/p>\n<p>&#8211; Ferner ist zu berichten, dass in diesem Jahre die \u00dcbergabe der Traubibel eingef\u00fchrt und zum ersten Mal zur Ausf\u00fchrung gebracht wurde bei der Trauung des LANDWIRTES KARL LEPF\u00a0(?) von Hasselbach mit (KAROLINE) LUISE CHRISTINE STRAIB.<\/p>\n<p>&#8211; \u00dcber den in diesem Jahr erw\u00e4hnten n\u00e4herger\u00fcckten Plan der Erbauung einer Kapelle in Helmhof und die Schritte bis zur Realisierung im Jahr 1892 ist gesondert in Teilkapitel K.3.c berichtet.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1887:<\/p>\n<p>An tragischen F\u00e4llen im Jahr 1887 sind zu erw\u00e4hnen:<\/p>\n<p>&#8211; Am 12. Januar starb ein siebenj\u00e4hriger Knabe GUSTAV FRIEDRICH SCH\u00d6LL (geb. am 23. Januar 1880), Sohn des ZIGARRENMACHERS PHILIPP SCH\u00d6LL, welcher in der oberen Schied Schlitten fuhr, beim Herabfahren unter einen auf der Chaussee von Rappenau daher kommenden beladenen Holzwagen geriet und \u00fcberfahren wurde.<\/p>\n<p>&#8211; Am 17. Juni erh\u00e4ngte sich der 75-j\u00e4hrige SALINENARBEITER HEINRICH FRIEDRICH VEYHL aus Lebens\u00fcberdruss.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1888:<\/p>\n<p>&#8211; Am 10. Mai 1888 fand eine Ersatzwahl der Kirchengemeindevertretung statt. Es wurden folgende 20 Mitglieder in dieselbe gew\u00e4hlt: 1. WILHELM BERG, Hospitalp\u00e4chter; 2.\u00a0JOHANN FRIEDRICH BERGMANN, Wirt; 3. DAVID DAUTEL, Glaser; 4. JOHANN WILHELM DAUTEL, Glaser; 5. FRIEDRICH BERNHARD GRUNER, Schuhmacher; 7. LUDWIG HAUSER, Schmied; 8. LUDWIG HOFFMANN, Metzger; 9. FRIEDRICH KERN, Landwirt; 10. ADAM VON LANGEN, Landwirt; 11. HEINRICH MAYER, Landwirt; 12. OTTO MUCKH, Kaufmann; 13. CHRISTIAN M\u00dcNCH II, B\u00e4cker; 14. GEORG RAITZ, Steueraufseher; 15. PHILIPP SCH\u00d6LL, Zigarrenmacher; 16. FRIEDRICH WEYHING, Schmied; 17. AUGUST CARLE, Schmied im Tal; 18. CHRISTIAN GL\u00c4SSER, Landwirt daselbst; 19. WILHELM GROSS I, Ankerwirt daselbst; 20. GEORG SCHMITT, Schiffer daselbst.<\/p>\n<p>&#8211; Am 25. Juni wurde bei der Ersatzwahl zu Mitgliedern des Kirchenvorstandes gew\u00e4hlt: 1. FRIEDRICH FEYERABEND, Kammmacher; 2. JULIUS GOTTSCHIEK, Kassier an der Saline; 3. DR. EMIL M\u00d6RICKE, Rentner; WILHELMM BUHL, Rentner.<\/p>\n<p>Von tragischen F\u00e4llen sind zu erw\u00e4hnen:<\/p>\n<p>&#8211; Den 28. Januar wurde GLASER WILHELM LOTHAMMER morgens tot in der Scheuer gefunden; er war mutma\u00dflich durch einen Sturz verungl\u00fcckt.<\/p>\n<p>&#8211; Den 12. M\u00e4rz hat sich der ledige TAGL\u00d6HNER CHRISTOPH LINK, ein durch Trunksucht heruntergekommener Mensch, dem \u00fcberdies eine Untersuchung wegen Unterschlagung bevorstand, erh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>&#8211; 13. November (Z): Es starb in Folge eines Sturzes in der Scheuer CARL HEINRICH WASSENM\u00dcLLER, Zimmermeister dahier. Dieser war auf dem Dachboden seiner Scheune besch\u00e4ftigt und fiel wahrscheinlich wegen eines Fehltrittes durch das sog. Garbenloch drei Stockwerke tief hinab. Er erlitt durch den Aufprall auf die Erde so schwere Verletzungen, dass seine sofortige \u00dcberf\u00fchrung in die Heidelberger Klinik notwendig wurde. Leider sollte der Verletzte diese nicht mehr erreichen; denn er starb auf dem Transport dorthin. Die Leiche wurde wieder nach Wimpfen zur\u00fcckgebracht. Seine Frau und 10 Kinder beweinen den ihnen so j\u00e4h entrissenen treusorgenden Gatten und Vater.<\/p>\n<p>&#8211; 14. Dezember (Z): Auf der hiesigen Saline stie\u00df heute morgen dem dort in Arbeit stehenden FREDRICH HENNIGE ein bedauerlicher Unfall zu. Er kam so ungl\u00fccklich in die Speichen eines Wagenrades, dass er unterhalb der Wade einen Knochenbruch erlitt. Dem Verungl\u00fcckten wurde sofort erste Hilfe zuteil.<\/p>\n<p>&#8211; Hohenstadt: Jahresgeschichte: Am 8. Sonntag post Trinitatis, den 22. Juli, wurde durch Herrn DEKAN DR. STROMBERGER\u00a0im Auftrag der Gro\u00dfherzoglichen Superintendentur eine ordentliche Kirchenvisitation abgehalten. Der fr\u00fcher seit Aufstellung der Orgel entfernte alte Taufstein wurde wieder in der Kirche vor dem Altar aufgestellt.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1889:<\/p>\n<p>&#8211; Es kam 1889 der seltene Fall vor, dass drei goldene Hochzeiten, jedoch nur im engeren Familienkreise, gefeiert wurden und vom Geistlichen daselbst aufs Neue eingesegnet:<\/p>\n<ol>\n<li>n\u00e4mlich am 29. M\u00e4rz CHRISTIAN FRIEDRICH FEYERABEND, Kammacher und Mitglied des Kirchenvorstandes, und EVA CHRISTINE, geborene HESS;<\/li>\n<li>an demselben Tage JOHANN ADAM VON LANGEN und KATHARINA REGINA, geborene ULRICH;<\/li>\n<li>am 26. Mai FRIEDRICH BECK II, Landwirt in Wimpfen im Tal, und JAKOBINE BARBARA, geborene HANSELMANN.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Von tragischen F\u00e4llen sind zu erw\u00e4hnen:<\/p>\n<p>&#8211; Den 2. April starb LANDWIRT GEORG WAIDLER dahier in Folge eines Falles von der Treppe der Bierwirtschaft von Wacker, wo wegen der B\u00fcrgermeisterwahl Freibier ausgeschenkt wurde.<\/p>\n<p>&#8211; Am 16. Juli st\u00fcrzte KATHARINA SPEER, ledige B\u00f6tin, in ihrem Hause am Marktrain von der Treppe herab und starb in Folge davon am 17. Juli.<\/p>\n<p>&#8211; OSWALD BARTH, lediger Sohn von Landwirt HEINRICH BARTH, Schreiber bei einem Rechtsanwalt in Heilbronn, erschoss sich am 23. Juli im Bonfelder Wald wegen eines Zerw\u00fcrfnisses mit seinem Vater, der ihn einen \u201eBankert\u201c gehei\u00dfen hatte.<\/p>\n<p>&#8211; 27. Juli (Z): Rasch tritt der Tod den Menschen an! Gestern Abend vermisste die Frau des TAGL\u00d6HNERS CHRISTIAN ENGELHARDT ihren Mann, fand nichts Auff\u00e4lliges darin, da sie ihn in einer Wirtschaft w\u00e4hnte. Nachdem es sp\u00e4t geworden war und der Mann nicht nach Hause kam, begab sich die Frau nichtsahnend zu Bette. Als sie aber heute Morgen das Bett ihres Mannes leer fand, suchte sie nach Letzterem und fand ihn auf der Kellertreppe sitzend, zu ihrem Schrecke aber leider als Leiche. Engelhardt war gestern Abend damit besch\u00e4ftigt, Stroh in den Keller zu tragen, wobei er vom Schlage ger\u00fchrt leblos niedersank. Wie \u00e4rztlicherseits festgestellt, muss der Tod gegen 9 Uhr erfolgt sein.<\/p>\n<p>&#8211; 17. August 1889 (Z) : <em>\u201eEin\u00a0herber Schmerz traf gestern einen unserer geachtetsten Mitb\u00fcrger, den POSTVERWALTER A. D. W. SCHMEHL, der auch in seinem ausgedehnten Freundeskreise tiefe Trauer und innige Teilnahme f\u00fcr den Schwergepr\u00fcften hervorrufen wird. Nachdem kaum ein Jahr verflossen, seitdem ihm die Gattin von der Seite gerissen, um ihren vorangegangenen neun Kindern zur ewigen Ruhe zu folgen, haben die Parzen auch noch den Lebensfaden seines letzten zehnten Kindes, einer Tochter im bl\u00fchenden Alter von 24 Jahren, durchschnitten und auf die Totenbahre gebettet. Nun ist auch der letzte Reis dahin seine letzte Hoffnung und einzige St\u00fctze:<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 150px;\"><em>\u00a0<\/em><em>Ach, das Holde, keusch und milde,\u00a0<\/em><br \/>\n<em>Stirbt wie Fr\u00fchlingsmorgenrot,\u00a0<\/em><br \/>\n<em>Und des Lebens zart\u2019ste Blume\u00a0<\/em><br \/>\n<em>Bl\u00fchet stille in den Tod.<\/em><\/p>\n<p><em>F\u00fcrwahrlich ein tragisches Geschick, eine schwere Heimsuchung, die der Allm\u00e4chtige dem hart gepr\u00fcften Manne auferlegt hat, m\u00f6ge er ihm Kraft verleihen, das Unab\u00e4nderliche auch zu ertragen. Die selig Entschlafenee aber; requiescat in pace, m\u00f6ge sie in Frieden ruhen!&#8220;<\/em><\/p>\n<p>&#8211; 19. Dezember (Z): Ein ersch\u00fctternder Ungl\u00fccksfall ereignete sich gestern Nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr auf dem Bahnhofe in Jagstfeld. Der HILFSBAHNARBEITER KASPAR M\u00dcLLER\u00a0aus Wimpfen im Tal geriet infolge eines Fehltritts zwischen die Puffer zweier Wagen, welche ihm den Brustkasten derart eindr\u00fcckten, dass er nach wenigen Minuten verstarb. Der erst 48 Jahre alte Verungl\u00fcckte hinterl\u00e4sst eine trauernde Witwe mit vier unm\u00fcndige Kinder. Der schmerzliche Trauerfall erweckt allgemeine Anteilnahme f\u00fcr die schwergepr\u00fcfte Familie.<\/p>\n<p>&#8211; 3. Dezember 1889 (Z): In Hohenstadt wird die HAUSH\u00c4LTERIN L.\u00a0in Haft genommen, weil sie im Verdacht steht, ihr neugeborenes Kind get\u00f6tet zu haben.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1890:<\/p>\n<p>&#8211; In diesem Jahr tritt im evangelischen Kirchenwesen wieder eine personelle Ver\u00e4nderung ein. Dies geht aus der Eintragung von DEKAN und ERSTEM PFARRER WILHELM SCRIBA hervor, der seit 1868 treu und genau und somit \u00fcber 22 Jahre hinweg die Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde (ab 1881 bezogen auf Wimpfen am Berg und im Tal) gef\u00fchrt hat und jetzt in seinen letzten Zeilen \u00fcber sich folgendes Traurige berichtet: <em>\u201eAm 31. August habe ich zum letzten Mal Gottesdienst gehalten, da ich am 13. post Trinit. einen Anfall der Influenza auf der Kanzel bekam. Auf mein Ansuchen wurde mir Pfarramtscandidat Heinrich Hahn aus Darmstadt als Assistent beigegeben, welcher am 5. Oktober sich der Gemeinde vorstellte.- <\/em>Und im Anschluss berichtet HEINRICH HAHN \u00fcber sich: <em>\u201eIch bin geboren am 1. Juni 1865 in Darmstadt. Nach abgelegtem Maturit\u00e4tsexamen am dortigen Gymnasium bezog ich die Landesuniversit\u00e4t Gie\u00dfen, woselbst ich von 1885 \u2013 89 Theologie studirte. Im Herbste 1889 trat ich in das Predigerseminar zu Friedberg ein, welches ich im Jahre 1890 verlie\u00df, um in Wimpfen vom 1. October 1890 ab Assistent zu werden. Mein Aufenthalt in Wimpfen wurde unterbrochen durch die Zeit des in Darmstadt abgelegten Staatsexamens Anfang 1891. Ende April 1891 wurde ich als Pfarrverwalter nach Schornsheim<\/em> (bei Alzey\/Worms) <em>in Rheinhessen versetzt und daselbst am 26. April ordinirt.\u201c <\/em>Demnach dauerte die Vertretungst\u00e4tigkeit des Vorgenannten nur 8 Monate.-\u00a0Es wird dann aus der Hand des Nachgenannten der personelle Weitergang folgenderma\u00dfen dargelegt: <em>\u201eAn Stelle des nach Schornsheim i.\/Rh. versetzten Assistenten Hahn wurde durch Dekret Gro\u00df. Oberconsistoriums vom 2. April der Pfarramtscandidat Heinrich Becker aus Worms zum Vicar der ersten Pfarrei Wimpfen bestellt und am 26. dess. M. durch Herrn Dekan Stromberger aus Zwingenberg ordinirt.- Heinrich Becker, geboren zu Kirchheim Bolanden (bayr. Pfalz) am 12. November 1866, besuchte nach Absolvirung eines dreij\u00e4hrigen Kurses in der Volksschule zu Mannheim das dortige Gymnasium, welches er sp\u00e4ter mit dem von Worms vertauschte. Nach abgelegtem Maturit\u00e4tsexamen (Ostern 1885) bezog er die Universit\u00e4t Gie\u00dfen und bestand Herbst 1888 sein theologisches Facult\u00e4tsexamen. Hierauf leistete er in M\u00fcnchen seiner Milit\u00e4rpflicht Gen\u00fcge und siedelte October 1889 nach Friedberg zum Besuch des dortigen Prediger-Seminars \u00fcber. Im Fr\u00fchjahr 1891 legte er zu Darmstadt das Definitorial-Examen ab und wurde damit in die Zahl der hess. Pfarramts-Candidaten eingereiht.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1891:<\/p>\n<p>&#8211; Der neue PFARRAMTSVICAR HEINRICH BECKER berichtet \u00fcber dieses Jahr 1891 u. a. Folgendes: Im Monat Juli wurde eine Erg\u00e4nzungswahl zum Kirchenvorstand und zur Gemeindevertretung vorgenommen, um beide B\u00fcrgerschaften wieder auf die gesetzlich normierte H\u00f6he zu bringen. In den Kirchenvorstand wurden gew\u00e4hlt: OBERAMTSRICHTER S\u00dcFFERT (bis 1898), ALBERT M\u00dcNCH (bis 1893), HEINRICH MAYER (bis 1893), OTTO MUCKH (bis 1898), KARL DAUTEL (bis 1893).<\/p>\n<p>&#8211; 27. November 1891 (Z): Ein ersch\u00fctternder Ungl\u00fccksfall ereignete sich heute Vormittag gegen halb 11 Uhr am Marktrain. Der MAURER FIEDLER\u00a0war auf dem Dache des Fell\u2019schen Hauses mit der Reparatur des Kamins besch\u00e4ftigt, als er auf nicht ganz gekl\u00e4rte Weise kopf\u00fcber auf das Stra\u00dfenpflaster st\u00fcrzte und blut\u00fcberstr\u00f6mt vom Platze getragen werden musste. Die Verletzungen sind so schwer, dass an dem Aufkommen des Ungl\u00fccklichen gezweifelt wird. Er ist verheiratet und Vater von einem Kind. Er stirbt noch am selben Tage.<\/p>\n<p>&#8211; Hier sei darauf verwiesen, dass die in von PFARRER PETERSEN\u00a0aus seinem Gemeindebereich Wimpfen II (Hohenstadt und Helmhof) f\u00fcr dieses Jahr berichteten personellen Ver\u00e4nderungen in den dortigen Schulbereichen &#8211; wie alle solchen \u2013 im sp\u00e4teren Unterkapitel C.4 erscheinen. Herausgenommen sei hier nur: Der mit Beginn der Sommerschule von Helmhof nach Hohenstadt gewechselte LEHRER LORZ gr\u00fcndet gegen Ende des Jahres in Hohenstadt einen M\u00e4nnerchor, der bereits an Weihnachten die dortige Festfeier, wie es hei\u00dft, \u201eerh\u00f6ht\u201c.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>1892:<\/p>\n<p>&#8211; 12. April 1892 (Z): Ein entsetzlicher Ungl\u00fccksfall ereignete sich gestern Nachmittag am Bache hinter der Gastwirtschaft \u201eZur Traube\u201c, indem das dreij\u00e4hrige S\u00f6hnchen des ZIGARRENARBEITERS M\u00dcLLER, welches unbeaufsichtigt daselbst spielte, in den ziemlich angeschwollenen Bach fiel. Das Kind schrie zwar noch um Hilfe. Aber leider kam dieselbe zu sp\u00e4t. Das h\u00fcbsche, bl\u00fchende Kind war inzwischen ertrunken.<\/p>\n<p>&#8211; Am 8. Mai 1892 findet eine Kirchenvisitation durch den Herrn SUPERINTENDENTEN D. K\u00d6STLIN\u00a0und in Verbindung damit eine Schulvisitation statt.<\/p>\n<p>&#8211; 26. Mai (Z): Der KAMMMACHER BARTH\u00a0rettet ein dreij\u00e4hriges Kind aus dem Schiedsee vor dem Ertrinken.<\/p>\n<p>&#8211; 6. Juni (Z): Der T\u00fcrmer auf dem Blauen Turm sieht ein M\u00e4dchen in den Neckar springen. Es handelt sich um ein 19-j\u00e4hriges Dienstm\u00e4dchen, das dabei ertappt worden war, als es Geld aus dem Schrank seiner Herrschaft stehlen wollte. Die Leiche des M\u00e4dchens wird einige Tage sp\u00e4ter bei Obrigheim gel\u00e4ndet.<\/p>\n<p>&#8211; Im Sommer erh\u00e4ngt sich SCHNEIDER GERLACH\u00a0aus unbekannten Ursachen. Er wird kirchlich beerdigt.<\/p>\n<p>&#8211; 14. August (Z): Von einem ersch\u00fctternden Ungl\u00fccksfall wurde gestern Abend eine hiesige Familie betroffen. Der LANDWIRT WILHELM MAISENH\u00c4LDER, welcher einige Stunden vorher einem Begr\u00e4bnis beigewohnt hatte, begab sich nach demselben aufs Feld, um seinen Erntearbeiten nachzugehen. Beim Aufladen der Garben st\u00fcrzte er vom Wagen \u00fcber die Pferde hinweg, welche infolge dessen scheu wurden und ihm der schwer beladene Wagen \u00fcber die Brust ging. Die Verletzungen, welche der Verungl\u00fcckte erlitten, waren aber so schwer, dass er bald nach der \u00dcberf\u00fchrung in seine Behausung den Geist aufgab. Der Trauerfall erweckt in allen Kreisen die gr\u00f6\u00dfte Teilnahme.<\/p>\n<p>&#8211; Am 28. August feiert die Evangelische Kirchengemeinde die Grundsteinlegung des sp\u00e4tgotischen Teils der Stadtkirche vor 400 Jahren in Anwesenheit des SUPERINTENDENTEN UND 1. STADTPFARRERS VON MAINZ LUDWIG FROHNH\u00c4USER, weiland in den Jahren 1866 und 1868 Verwalter der hiesigen 1. Pfarrei bzw. kurz Vikar der 2. Pfarrei, Verfasser der \u201eGeschichte der Reichsstadt Wimpfen &#8230;\u201c (1870) sowie bis jetzt der auf deren Geschichte bezogenen vielbeachteten historischen Erz\u00e4hlung \u201eDas Kr\u00e4uterweible von Wimpfen, eine Geschichte aus dem Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges\u201c (Erstauflage 1884 und 1885), der zur gro\u00dfen Freude der Gemeinde die Festpredigt h\u00e4lt. (Z): <em>\u201eNachdem er in sinniger Weise auf seine alten Beziehungen zur hiesigen Gemeinde hingewiesen, entrollte er in ergreifenden Z\u00fcgen ein farbenreiches geschichtliches Bild unseres Gemeindelebens von der Gr\u00fcndung der Kirche bis auf die neueste Zeit und wies das Walten Gottes nach im kirchlichen wie in weltlichen Dingen. Mit atemloser Spannung lauschte die Gemeinde den mit entflammender Begeisterung vorgetragenen Auslegungen des Predigtextes (87. Psalm, Vers 1 -3) und innerlich erbaut und gest\u00e4rkt verlie\u00df sie nach dem Schlu\u00dfgesang die Kirche.\u201c <\/em>Mit dem Jubil\u00e4um ist ein Kirchengesangfest verbunden, an dem sich die Vereine Mosbach, Heilbronn und Weinsberg beteiligen.<\/p>\n<p>&#8211; Am 1. November tritt der bislang von PFARRERAMTSVIKAR HEINRICH BECKER vertretene DEKAN UND ERSTE PFARRER WILHELM SCRIBA nach 23 \u00bd-j\u00e4hriger T\u00e4tigkeit in Wimpfen in den Ruhestand und siedelt nach Darmstadt \u00fcber, wo er am 5. Februar 1898 im Alter von fast 81 Jahren stirbt.<\/p>\n<p>Die in den Vorjahren in der Chronik festgehaltenen Planungsvorg\u00e4nge und die jetzt geschilderte am 29. Oktober erfolgte feierliche Einweihung der Kirche zu Helmhof und die Bedeutsamkeit dieses langersehnten Bauwerks f\u00fcr die dortige kleine Gemeinde finden sich unter K.3.c ausf\u00fchrlich dargelegt.<\/p>\n<p>Hiermit ist die auf der Basis der Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde dargestellte Entwicklung derselben in den 1870er bis beginnenden 1890er Jahre mit Einschluss der in dieser und den Zeitungsmeldungen wiedergebene Darlegung traurig-tragischer \u00f6rtlicher Geschehnisse abgeschlossen.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend seien nunmehr in drei von mir erstellten Statistik-\u00dcbersichten, die in dieser Chronik kontinuierlich, entsprechend den Vorschriften, Jahr f\u00fcr Jahr von den Pfarrern gemachten Angaben \u00fcber die von den Gemeindemitgliedern erfolgten Meldungen der Geburten und Sterbef\u00e4lle sowie die vorgenommenen \u201eKopulationen\u201c (Eheschlie\u00dfungen), dazu die Durchschnittszahl der am Abendmahl teilgenommenen sog. Kommunikanten, und zwar wiederum bezogen auf den Gesamt-Zeitraum von 1870 bis 1892, zusammengefasst wiedergegeben. Entsprechend der sukzessiv unterschiedlichen Art der Erfassung, liegen f\u00fcr den erstbehandelten Teilabschnitt von 1870 bis 1880 die alle Teilorte einschlie\u00dfenden Gesamtzahlen vor. Im nachfolgend behandelten Teilabschnitt 1881 bis 1892 sind zuerst getrennt Wimpfen am Berg und im Tal erfasst, dann abschlie\u00dfend Hohenstadt und (allerdings erst ab 1884) Helmhof. Siehe hierzu:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce002a.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce002a-835x1024.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce002b.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce002b-929x1024.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce002c.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce002c-997x1024.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es folgt eine ebenso f\u00fcr die Jahre 1870 bis 1892 geltende Statistische Zusammenstellung\u00a0\u00fcber die von den Mitgliedern der Evangelischen Gesamt-Kirchengemeinde geleisteten vielerlei Arten von Opfern und Kollekten:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce003.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce003-706x1024.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong> Durch das neue Volksschulgesetz erf\u00e4hrt die bestehende Struktur der vier vorhandenen Evangelischen Konfessionsschulen keine besonderen Ver\u00e4nderungen, doch wird die von Benefiziat Koch gef\u00fchrte sehr kleine Katholische Konfessionsschule Wimpfen im Tal aufgehoben.<\/strong><a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p>Genau wie die Realisierung der Verfassung der Evangelischen Kirche, so sollte auch die des neuen ab 1. 1. 1875 wirksamen Volksschulgesetzes zumindest f\u00fcr die Evangelischen einigerma\u00dfen problemlos bleiben. Die Schulaufsicht und Verwaltung des Schulverm\u00f6gens etc. oblag jetzt nicht mehr erstrangig kirchlichen, sondern weltlichen Vertretern, und zwar auf Gemeindeebene dem <u>Schulvorstand<\/u>, bestehend aus dem B\u00fcrgermeister, einem Geistlichen der entsprechenden Konfession, evtl. einem von der Beh\u00f6rde bestellten Schulinspektor, dem bzw. ggfls. den zwei dienst\u00e4ltesten Lehrern und zwei bis sechs vom Ortsvorstand (d. h. vom Gemeinderat) auf 6 Jahre gew\u00e4hlten sonstigen Mitgliedern. Die Mitte Juli 1875 erstmals gew\u00e4hlten Mitglieder des Schulvorstandes waren:<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00fcr Wimpfen am Berg: Die GEMEINDER\u00c4TE EMIL M\u00d6RIKE\u00a0und LUDWIG DIERUFF sowie der SPENGLER FRIEDRICH EHEBALDT;<\/li>\n<li>f\u00fcr Wimpfen im Tal: DIE LANDWIRTE WILHELM GRO\u00df und\u00a0GEORG SCHMIDT;<\/li>\n<li>f\u00fcr Hohenstadt: Die LANDWIRTE GEORG FRIEDRICH STAUDT\u00a0und\u00a0JAKOB SCHNELL;<\/li>\n<li>f\u00fcr Helmhof mit Forsthaus: PETER MAGER\u00a0und MICHAEL R\u00dcGNER.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auf Kreisebene oblagen die genannten Aufgaben der <u>Kreis-Schulkommission<\/u>, bestehend aus dem Kreisrat, drei vom Kreisausschuss gew\u00e4hlten Einwohnern sowie einem oder mehreren Kreis-Schulinspektoren. Nach wie vor dauerte die <u>Schulpflicht<\/u> 8 Jahre und begann ab dem vollendeten 6. Lebensjahr bei Aufnahme nach Ostern. Und auch hinsichtlich der ausgewiesenen <u>Lehrgegenst\u00e4nde<\/u> (Religion, Lesen und Schreiben, deutsche Sprache, Rechnen, Formenlehre, Geschichte, Erdkunde &#8211; einschlie\u00dflich der sog. Heimatskunde -, Naturkunde, Gesang, Zeichnen sowie &#8211; wo es die Verh\u00e4ltnisse irgendwie gestatten nach Anh\u00f6rung und Entscheidung der Gemeinde- und Schulvorst\u00e4nde und der Kreis-Schulkommission &#8211; f\u00fcr Jungen Turnen und f\u00fcr M\u00e4dchen Handarbeit) gab es, da die beiden letztgenannten F\u00e4cher bereits 1861 schon eingef\u00fchrt waren, keine Ver\u00e4nderungen. Neu war aber die Pflicht der Einrichtung und des Besuchs einer <u>Fortbildungsschule<\/u> (mit mindestens vier w\u00f6chentlichen Abendstunden w\u00e4hrend vier bis f\u00fcnf Monaten im Winterhalbjahre f\u00fcr die drei Jahre lang erfolgende Unterrichtung der aus der Volksschule austretenden Knaben) insofern, als die vom Kreisamt fr\u00fcher mehrfach in Vorschlag gebrachte Einrichtung von sog. Fortbildungsschul-Unterricht f\u00fcr die konfirmierte Jugend vom Gemeinderat stets abgelehnt worden und ein solcher nur vor\u00fcbergehend in der kurzen Amtszeit der Jahre 1868 \u2013 1870 von PFARRVIKAR LUWIG FROHNH\u00c4USER bislang in Wimpfen bislang nur sporadisch eingerichtet gewesen war.<\/p>\n<p>Was die in Wimpfen am Berg bislang erfolgte <u>konfessionelle Trennung<\/u> der Kinder durch die dort bestehende <span style=\"text-decoration: underline;\">mehrklassige Evangelische Konfessionsschule<\/span> und <span style=\"text-decoration: underline;\">einklassige Katholische Konfessionsschule<\/span> betrifft, so bezeichnete der Artikel 4 des Gesetzes ausdr\u00fccklich<em> \u201edie Volksschulen als gemeinsame Schulen &#8230; f\u00fcr die Kinder s\u00e4mtlicher Angeh\u00f6rigen einer politischen Gemeinde\u201c<\/em> und er\u00f6ffnete durch die Artikel 5 und 8 dem Gemeinderat die M\u00f6glichkeit, bestehende Konfessionsschulen nach entsprechendem Beschluss gew\u00e4hlter Vertreter und der Schulvorst\u00e4nde beider Konfessionsgemeinden zu vereinigen, jedoch umgekehrt auch zu trennen. Somit kam es im Gemeinderat 1873 zu folgendem Beschluss: <em>\u201eWas sodann die kath. Schule, deren Lehrerbesoldung seither aussschlie\u00dflich vom Staat und der Kirchenkasse bezahlt wurde, betrifft, so beantragt der Gemeinderath die Aufhebung dieser Confessionsschule und Einweisung der wenigen Sch\u00fcler derselben in die \u00fcbrigen ev. Schulen,\u201c<\/em> gibt aber die Einf\u00fcgung \u201e<em>insofern die Kosten der Schule nicht wie bisher von dem Staat und dem Kirchenfond getragen werden\u201c<\/em> hinzu. Diese Klausel, dazuhin wohl auch Widerst\u00e4nde aus beiden konfessionellen Lagern, d\u00fcrften es gewesen sein, welche den hessischen Staat veranlasst haben, die Katholische einklassige Volksschule Wimpfen am Berg denn doch bestehen zu lassen. Anders im Tal, wo neben der einklassigen Evangelischen Konfessionsschule, vom einstigen Ritterstift her traditionsgegeben, ebenfalls noch eine, doch nur ganz wenige Kinder betreuende und seit 1859 vom VERWALTER DES KAPLANEIBENEFIZIUMS PETER JOSEPH VOSS\u00a0gef\u00fchrte einklassige Katholische Konfessionsschule bestand. An dessen Stelle trat der am 11. 2. 1875 zum Verwalter des Kaplaneibenefiziums Wimpfen im Tal ernannte KAPLAN JAKOB KOCH. Dieser war zu B\u00fcrstadt im hessischen Ried am 15. Januar 1842 geboren und nach Vollendung seiner Studien in (unklar, ob richtig gelesen) Bensheim (?) und Mainz am 13. August 1865 zum Priester geweiht worden und hatte danach in verschiedenen Orten der Di\u00f6zese als Priester gewirkt. Bald nach seinem am 12. April 1875 erfolgten Dienstantritt wurde im Fr\u00fchjahr 1876 diese katholische Schule im Tal von der Regierung unter Berufung auf das \u201eGesetz das Volksschulwesen betr.\u201c vom 16. Juni 1874 als zu kleine Konfessionsschule kurzerhand aufgehoben. Ein Teil des aus der Schulstelle flie\u00dfenden Gehaltes<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a> wurde nach l\u00e4ngeren Verhandlungen der unaufgel\u00f6st gebliebenen einklassigen Katholischen Schule zu Wimpfen am Berg zugewiesen, ein anderer Teil nebst den Grundst\u00fccken und der Wohnung (und gleichzeitig Schulhaus), die ehemals dem auch als Lehrer fungierenden Mesner zur Nutzung zur Verf\u00fcgung gestanden hatte, verblieb der Kaplanei. Es wurde aber die Bedingung gemacht, dass, wenn wieder ein katholischer Lehrer in Wimpfen im Tal angestellt w\u00fcrde, diesem der noch der Kaplanei verbleibende Rest des ehemaligen Schul- und Mesnergehaltes zufallen solle. So blieb jetzt die T\u00e4tigkeit des Benefiziaten blo\u00df auf die Aushilfe in der Seelsorge in der Gesamtgemeinde beschr\u00e4nkt.<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a> Durch diese und andere in der katholischen Gesamtgemeinde ausge\u00fcbte Hilfst\u00e4tigkeit ist dieser &#8211; genau wie sein Vorg\u00e4nger Kaplan Vo\u00df &#8211; in den Wahllisten zum Reichstag als \u201ePfarrer\u201c bezeichnet. Im Zusammenhang mit der Aufl\u00f6sung Katholischen Konfessionsschule Wimpfen im Tal mit in der Folge dem Einzug des Gehalts zugunsten der Aufbesserung desselben der Katholischen Konfessionsschule Wimpfen am Berg sah sich der Gemeinderat am 25. M\u00e4rz 1876 zu der folgenden Beschlussfassung veranlasst, die das Bestehenbleiben derselben insoweit guthie\u00df, als die b\u00fcrgerliche Gemeinde Wimpfen von der Tragung der personellen und s\u00e4chlichen Kosten weiterhin verschont blieb: <em>\u201eDer Gemeinderath findet insolange nichts dabei zu erinnern, da\u00df die kath. Schule als Confessionsschule fortbestehe, als an die Gemeinde f\u00fcr jetzt und alle Zukunft in keiner Weise Anspruch wegen Besoldung und Bestreitung sonstiger Kosten der Schule erhoben wird.\u201c<\/em> Aus einem Gemeinderatsprotokoll vom 7. November desselben Jahres geht hervor, dass die b\u00fcrgerliche Gemeinde f\u00fcr die Katholische Konfessionsschule Wimpfen am Berg jedoch die Heizung des Schullokals \u00fcbernommen und 1858 sich vertragsm\u00e4\u00dfig verpflichtet hatte, dem Lehrer eine Wohnung zu stellen. Auch \u00fcbernimmt die Gemeindekasse ab 1877 das sich aus der Zahl der Kinder errechnende Schulgeld der Katholischen Schule.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der Gliederung, Sch\u00fclerzahl und der Versorgung mit Lehrkr\u00e4ften zeigen unver\u00e4ndert, wie es hie\u00df, die dreiklassige <u>Evangelische Konfessionsschule Wimpfen am Berg<\/u> und die einklassige <u>Evangelische Konfessionsschule Wimpfen im Tal<\/u> folgendes Bild: Bei der erstgenannten m\u00fcsste man eigentlich nach dem heutigen Verst\u00e4ndnis besser von einer \u201edreistufigen\u201c Schule zu 4 Klassen sprechen, in deren \u201eOberster Schule\u201c (Klasse 3) die Knaben und M\u00e4dchen nach wie vor getrennt unterrichtet wurden; im zweiten Falle von einer \u201eeinstufigen\u201c Schule, die in eine erste die j\u00fcngeren Sch\u00fcler und eine zweite die \u00e4lteren Sch\u00fcler umfassende Abteilung gegliedert gewesen ist. Die nachstehende \u00dcbersicht ist nach der f\u00fcr das Jahr 1877 vorliegenden Schulstatistik<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a> erstellt:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce004.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce004-1024x278.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p>In Wimpfen am Berg waren demnach 4 Lehrerstellen vorhanden. Im Tal wurden die durchgehend nicht getrennten Knaben und M\u00e4dchen in zwei Abteilungen von einem einzigen Lehrer unterrichtet. Die gegen\u00fcber derjenigen der M\u00e4dchen auffallend niedrige Zahl der Knaben in der Obersten Schule in Wimpfen am Berg erkl\u00e4rt sich daraus, dass seit 1872 die oben bereits erw\u00e4hnte \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">St\u00e4dtische Real- und Lateinschule<\/span>\u201c bestand, die Ende 1876 zur \u00f6ffentlich-st\u00e4dtischen \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">H\u00f6heren B\u00fcrgerschule<\/span>\u201c aufgewertet worden war und, da auch von aus Wimpfen stammenden Sch\u00fclern einigerma\u00dfen gut besucht, einen Teil der Knaben ab 9 \u2013 10 Jahren abgezogen hatte. \u00dcber diese sowie ihren langen Werdegang zur \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Gro\u00dfherzoglichen Realschule<\/span>\u201c (ab 1. 4. 1885) wird getrennt unter I.1 berichtet werden.<\/p>\n<p>Au\u00dfer den in der \u00dcbersicht aufgef\u00fchrten 4 \u201eSchullehrern\u201c gab es in Wimpfen am Berg noch eine f\u00fcr die Erteilung des weiblichen Handarbeitsunterrichts in der sog. <u>Industrieschule<\/u> unterrichtende sog. Industrielehrerin, n\u00e4mlich &#8211; wie diese angeredet wurde &#8211; \u201eFR\u00c4ULEIN\u201c BR\u00dcCHER (Tochter des Wimpfener Wundarztes Br\u00fccher). Anfang November 1872 tr\u00e4gt der B\u00fcrgermeister dem Gemeinderat vor, dass diese sich verlobt habe und nach Darmstadt heirate und somit nur noch bis Ende des Jahres t\u00e4tg sein k\u00f6nne. Sein Vorschlag, diese durch die Einstellung von zwei neuen Kr\u00e4ften, n\u00e4mlich der WITWE DES VERSTORBENEN LEHRERS BECKER\u00a0als erste Industrielehrerin sowie KAROLINE SCH\u00c4FER, der Tochter des B\u00e4ckers Sch\u00e4fer, als zweite Industrielehrerin, entsprechend den vorliegenden Bewerbungen, zu ersetzen, wird angenommen; das mit der bisherigen Stelle verbundene Gehalt von 336 fl sei auf beide zu verteilen. Von diesen mussten gegen Entlohnung aus dem dortigen Kirchenfonds die Hohenstadter M\u00e4dchen mitversorgt werden. Als ausgangs 1875 Gehaltserh\u00f6hung beantragt worden war, wich der Gemeinderat dahingehend aus, dass er bestimmte, stattdessen den Hohenstadter Industrieschul-Unterricht auf die Wintermonate zu beschr\u00e4nken. Daraufhin zog die Kirche zu Hohenstadt ihren bisher daf\u00fcr geleisteten Beitrag zur\u00fcck; und so musste ab Anfang 1876 die ganze Besoldung von der Gemeinde \u00fcbernommen werden. 1877 finden wir in Wimpfen im Tal die\u00a0INDUSTRIELEHRERIN SCH\u00d6LL\u00a0und in Helmhof die\u00a0INDUSTRIELEHRERIN VOLK,\u00a0denen ab 1. Januar 1877 eine Gehaltserh\u00f6hung von 26 bzw. 75 Mark gew\u00e4hrt wird. Im Jahr 1900 wird die Anstellung einer zweiten Industrielehrerin, d. h. die Schaffung einer zweiten solchen Stelle, gegen den Antrag des Schulvorstandes vom Gemeinderat abgelehnt.<\/p>\n<p>Die nach dem Widerstand des Gemeindrates wegen der angeblich untragbaren Kosten um die Mitte der 1850er Jahre auf Initiative von Dekan Stockhausen zustande gekommene sog. <u>Kleinkinderschule<\/u> oder <u>Kinderbewahranstalt<\/u> war, wie aus den Gemeinderats-Protokollen des Jahres 1870 hervorgeht, <em>\u201eseit einiger Zeit aufgel\u00f6st\u201c<\/em>, doch im Sommer des genannten Jahres wieder er\u00f6ffnet und mit\u00a0FR\u00c4ULEIN ELISABETHA (ELISE) DEPREZ (Tochter des Saline-Werkmeisters Martin Deprez) mit einem Gehalt von 180 fl, dazu etwas sp\u00e4ter mit der zur Mitaufsicht der Kinder sowie die Reinigung und Heizung herangezogenen dahier wohnenden Person\u00a0SOPHIE KEIL mit\u00a0einem Gehalt von monatlich 5 fl (j\u00e4hrlich also nur 60 fl) besetzt worden. Die sog. Kinderschullehrerin Deprez erhielt mit Wirkung vom 1. Januar 1872, da man mit ihren Leistungen sehr zufrieden sei und um sie der Stadt zu erhalten, genau wie damals alle ihre m\u00e4nnlichen Lehrerkollegen, wegen der gestiegenen Lebenshaltungskosten eine 50 Gulden betragende Erh\u00f6hung der Besoldung. Diese f\u00fchrt Jahr f\u00fcr Jahr eine sog. Christtagsbescherung ihrer Kinder durch, f\u00fcr die sie vor Weihnachten zu Spenden aufruft. Mit R\u00fccksicht, dass sie ihre Stelle mit Eifer versieht und ihr Gehalt den Zeitverh\u00e4ltnissen nicht mehr entspricht, wird dieses ab 11. 1. 1877 auf 500 fl angehoben. Am 22. Dezember 1875 steht im Gemeinderat die Bitte der sog. Schuldienerin Sophie Keil um Gehaltszulage mit der Begr\u00fcndung an, dass ihr (inzwischen erh\u00f6htes) j\u00e4hrliches Gehalt nur 102 Mk. 86 Pfg. betrage und ihren Leistungen nicht entsprechend sei. Sie soll vom 1. Januar des laufenden Jahres an j\u00e4hrlich 120 Mark erhalten. Im Fr\u00fchsommer 1878 legt Schuldienerin Sophie Keil ihren Dienst nieder und wird durch Beschluss des Gemeinderates durch MARIE HAUER\u00a0ersetzt, die von Kinderschullehrerin Deprez provisorisch mit der Versehung der Stelle beauftragt worden war, sich als brauchbar gezeigt hatte und das bisherige Gehalt von j\u00e4hrlich 120 fl empf\u00e4ngt. An die Stelle von Fr\u00e4ulein Deprez tritt 1879 FRAU F\u00d6RSTER CRAMER, d. h. die Ehefrau des Stadtf\u00f6rsters Cramer. Am 9. Oktober 1888 konnte f\u00fcr die Kleinkinderschule an der Salzgasse Nr. 67 \u00bd (ab 1851) bzw. Nr. 76 (ab 1895) eine neue Unterkunft mit dahinter einem Spielhof zum Kirchenplatz hin durch eine Einweihungsfeier der \u00d6ffentlichkeit \u00fcbergeben werden, bei der DEKAN SCRIBA\u00a0die Weiherede hielt. Wie der nachstehende Zeitungsbericht des Jahres 1889 zeigt, wird dort die Tradition der beliebten und stimmungsvollen Weihnachtsbescherung fortgesetzt:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce005.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-341\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce005-1024x814.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce005-1024x814.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce005-150x119.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce005-300x239.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce005-768x611.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<p>1894 wird auch in Wimpfen im Tal eine Kleinkinderschule im \u201ealten Bau\u201c; damit ist entweder das ehemalige alte Schulhaus oder der stra\u00dfenseitige Erdgeschossbereich der ehemaligen Stiftskelter gemeint.<\/p>\n<p>Was die 1875 nach Aufforderung des Kreisamtes jetzt endg\u00fcltig eingerichtete <u>Fortbildungsschule<\/u> betrifft, so ist \u00fcber deren nur Weniges umfassende Vorgeschichte \u00fcber das in Band 2, S. 144 \u2013 145, Berichtete hinaus noch Folgendes zu erg\u00e4nzen: 1861 erkl\u00e4rte der Gemeinderat, dass der neue KREISBAUAUFSEHER BRAUN\u00a0an <em>\u201eder neu zu errichtenden Fortbildungsschule\u201c <\/em>4 Stunden Unterricht in Bauzeichnen und Rechnen zu geben habe. Das Fach Bauzeichnen d\u00fcrfte allerdings ausweisen, dass diese damals wiedergeschaffene Schuleinrichtung keine solche im Sinne der Unterrichtung aller Schulentlassenen, sondern nur f\u00fcr die in einer Lehre als Bauhandwerker wie etwa der des Maurers, Malers, Gipsers etc. Stehende und damit das gewesen sein d\u00fcrfte, was seit den ausgehenden 1830er Jahren in Wimpfen als \u201eHandwerker-Zeichenschule\u201c rangierte. Wie an der vorgenannten Stelle bereits aufgezeigt, hatte es das Angebot eines (letztlich freiwilligen, doch gut angenommenen) Fortbildungsunterrichts im eigentlichen Sinne, d. h. f\u00fcr die schulentlassene m\u00e4nnliche Jugend, in Wimpfen nur in der kurzen Amtszeit der Jahre 1866 \u2013 68 unter PFARRVIKAR LUDWIG FROHNH\u00c4USER gegeben, dazuhin sogar f\u00fcr die schulentlassenen M\u00e4dchen. \u00dcber die im Jahr 1875 nach Aufforderung des Kreisamtes nunmehr in Wimpfen am Berg verpflichtend eingerichtete solche erfahren wir, dass diese im Winter 1876\/77 von 57 Sch\u00fclern besucht worden ist, und zwar von 19 Vierzehn-, 17 F\u00fcnfzehn- und 21 Sechzehnj\u00e4hrigen, was der Sch\u00fclerzahl des jeweiligen Knabenjahrgangs nicht vollst\u00e4ndig entspricht und zeigt, dass die im Gesetz vorgesehene M\u00f6glichkeit der Befreiung der Pflicht des Besuchs derselben mehr oder minder beansprucht und auch gew\u00e4hrt worden ist. Der au\u00dferhalb der Schulunterrichtszeiten am Abend gegebene mindestens 4-st\u00fcndige Unterricht (deshalb auch \u201eAbendschule\u201c) w\u00e4hrend 4 bis 5 Monaten der Winterzeit wurde von Lehrkr\u00e4ften der Volkschule erteilt. Die Fortbildungsschule umfasste nur eine Klasse; der Antrag auf Errichtung einer 2. Fortbildungsschulklasse wird 1889 sowie auch 1890, obgleich diese von 53 Knaben besucht wird, mit der Begr\u00fcndung abgelehnt, dass von diesen viele in die \u201eGewerbeschule\u201c eintreten w\u00fcrden. Gemeint ist damit wohl die bereits schon sp\u00e4testens 1838 eingef\u00fchrte und mindestens (wie vorstehend zu entnehmen) immer wieder zeitweise bestandene \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Handwerker-Zeichenschule<\/span>\u201c, \u00fcber die getrennt in Kapitel M berichtet wird. Der Fortbildungsunterricht f\u00fcr die Schulentlassenen von Wimpfen im Tal war demjenigen von Wimpfen am Berg angegliedert. Der Fortbildungsunterricht f\u00fcr die m\u00e4nnlichen Schulentlassenen in Hohenstadt und auch in Helmhof wurde vor Ort jeweils vom dortigen Lehrer erteilt, der pro Stunde 1 Mark verg\u00fctet bekam.<\/p>\n<p>\u00dcber die ebenfalls einklassigen, doch konfessionell immer schon gemischt gewesenen, Volksschulen Hohenstadt und Helmhof liegen leider keinerlei Sch\u00fclerzahlen vor. \u00dcber diese Schulen lie\u00df sich Folgendes ermitteln:<\/p>\n<p>&#8211; Die <u>einklasssige Volksschule mit konfessionell gemischten Sch\u00fclern Hohenstadt<\/u> wurde von\u00a0GEORG WEISS\u00a0seit 26. 04. 1844, zuvor Schulverwalter in Ober- und Unterscharbach bei Grasellenbach im Odenwald, gef\u00fchrt. Dieser hatte auch das Amt des Organisten und Cantors an der evangelischen Kirche Hohenstadt inne, f\u00fcr das er z. B. zum 1. Januar 1878 aus der Gemeindekasse 47 Mark und 93 Pfennig Gehalt erhielt. In seine Zeit f\u00e4llt die Neuerbauung des Schulhauses mit Lehrerwohnung. Nach dem neuen Volksschulgesetz waren <em>\u201ethunlichst\u201c<\/em> auch weiterhin Wohnungen f\u00fcr die Lehrer herzustellen, die in Gemeinden unter 2.000 Seelen den Lehrern <em>\u201ein Natur gestellt werden\u201c<\/em> mussten. Was das Hohenst\u00e4dter Schulhaus mit Lehrerwohnung sowie Gemeindeamtszimmer betrifft, so ist in der Pfarrchronik der Evangelischen Kirchengemeinde Folgendes berichtet:<br \/>\n<em>\u201eZu Hohenstadt wurde im Jahr 1877 ein neues Schulhaus erbaut, da in dem alten, das sehr reparaturbed\u00fcrftig geworden war, das Lehrerzimmer zu eng und niedrig und die Lehrerwohnung zu beschr\u00e4nkt und nicht mehr standesgem\u00e4\u00df war. Der Neubau wurde auf der Stelle des alten aufgef\u00fchrt, im Fr\u00fchjahr begonnen und im Herbst vollendet, so da\u00df die Einweihung des neuen Hauses, \u00fcber dessen Kosten, die von der Stadt Wimpfen getragen wurden, die Rechnung derselben genaue Angaben enth\u00e4lt, am Sonntag, den 28. October geschehen konnte. Zur Einweihungsfeier hatten sich auch ausw\u00e4rtige Theilnehmer, insbesondere die Vorst\u00e4nde der Stadt Wimpfen und ein Vertreter der Kreis-Schulcommission von Heppenheim eingefunden. Ein festlicher Zug bewegte sich am Nachmittage nach dem neuen Schulgeb\u00e4ude, voran zwei Sch\u00fcler mit Fahnen, in ihrer Mitte die oberste Sch\u00fclerin, welche den Schl\u00fcssel zu dem neuen Geb\u00e4ude trug. Dieser wurde von dem Bauaufseher Braun \u00fcberreicht, welcher ihn mit Segenswunsch dem Vorsitzenden des Schulvorstandes \u00fcbergab, der dann im Namen Gottes das Haus \u00f6ffnete, in welches man einzog. Hier stimmten die Sch\u00fcler mit ihrem Lehrer Georg Weis den Gesang an: \u201aLobe den Herren\u2019. Pfarrer Schneider hielt dann die Weiherede und vollzog nach einer Ansprache von Kreisschulinspector Rach die Einweihung und schlo\u00df mit Gebet, dem noch das Lied folgte \u201aNun danket alle Gott\u2019. Die Kinder wurden beim Ausgang mit Bretzeln beschenkt. Beigeordneter der Gemeinde Hohenstadt war zu der Zeit B\u00fcrger Johann Mayer.\u201c<br \/>\n<\/em>Wenn aus dem noch umf\u00e4nglicheren diesbez\u00fcglichen Bericht der \u201eWimpfener Zeitung\u201c<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a>, wie diese ab Beginn des Jahres 1877 hei\u00dft, hier noch erg\u00e4nzend dessen letzter, allein auf das Festessen bezogener, Abschnitt wiedergegeben wird, so deshalb, weil dieser die nach der Reichgr\u00fcndung anl\u00e4sslich eigentlich jeglicher Feier und jeglichen Festes zum Ausdruck gebrachte und alles durchdringende monarchisch-patriotische Gesinnung wiedergibt:<br \/>\n<em>\u201eNach einer kurzen Pause fand sich dann eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl der Festtheilnehmer zu einem Festessen zusammen, wobei die Freude \u00fcber den vollendeten Bau noch wiederholten Ausdruck fand bei den Toasten, die ausgebracht wurden auf Seine K\u00f6nigl. Hoheit den Gro\u00dfherzog und Seine Majest\u00e4t den Kaiser, auf die Gemeinde Hohenstadt, den anwesenden Kreisschulinspektor, die verschiedenen Vorst\u00e4nde der Gemeinde Wimpfen, das friedliche Zusammenwirken von Kirche und Schule, den Lehrer Hohenstadt\u2019s, Hrn. Weis, den Bauf\u00fchrer und die verschiedenen Gesch\u00e4ftsleute. So vergingen in fr\u00f6hlicher Stimmung gar zu schnell mehrere Stunden und als die einbrechende Nacht an den Aufbruch mahnte, da machten sich wohl alle G\u00e4ste auf den Heimweg, befriedigt von der erhebenden Feier und dem sch\u00f6nen Verlauf des ganzen Festes.\u201c<\/em> Wiedergegeben sei auch noch die der Erneuerung des Bauwerks vorausgegangene verklausuliert-komplizierte Beschlussfassung, die offenkundig dazu dienen sollte, die Gemeindeverwaltung Wimpfen aus der Pflicht der Unterhaltung desselben zu nehmen und diese allein dem Hohenstadter sog. Kirchenfonds zu \u00fcberlassen: <em>\u201eDie Gemeinde \u00fcbernimmt den Aufbau &#8230; , die Ausf\u00fchrung soll jedoch &#8230; erst im n\u00e4chsten Jahre stattfinden und der erforderliche Betrag in dem Voranschlag pro 1877 vorgesehen werden, wobei bestimmt wird, da\u00df die Gemeinde das alte Geb\u00e4ude als Eigenthum \u00fcbernimmt, dagegen das neue Geb\u00e4ude dem Kirchenfonds als Eigenthum \u00fcbergibt unter der ausdr\u00fccklichen Bedingung, da\u00df der Fonds die dauernde Unterhaltung \u00fcbernimmt.\u201c <\/em>Kreisbaumeister Braun erhielt f\u00fcr seine gro\u00dfe zus\u00e4tzliche Arbeit eine Sonderverg\u00fctung von 300 Mark, wenngleich angesichts der 15.496,08 Mark Mark betragenden Baukosten die angesetzten Akkordkosten um rund 6.000 Mark h\u00f6her ausgefallen waren, der Barvorrat der Gemeinde fast aufgezehrt worden und eine Anleihe von 3.000 Mark bei Gemeinderatsmitglied Friedrich Klenk zu 5 % Zins notwendig geworden war.<br \/>\nLEHRER GEORG WEISS\u00a0wurde am 29. April 1889 das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift \u201eF\u00fcr 50-j\u00e4hrige treue Dienste\u201c verliehen und zur Aushilfe ihm\u00a0SCHULVERWALTER HEINRICH SPERB\u00a0beigegeben, der seine Arbeit am 11. Mai 1889 aufnahm. Am 1. Oktober 1890 konnte Lehrer Weiss auf sein Nachsuchen mit 72 Jahren unter Anerkennung seiner langj\u00e4hrigen treuen Dienste mit Wirkung vom 1. November an in den Ruhestand treten. Die Stelle wurde einstweilig durch Schulverwalter Sperb versehen. An seine Stelle sowie in das Organisten- und Cantoramt trat zum Beginn der Sommerschule am 14. April 1891 JOHANN GEORG LORZ, der bisher in Helmhof t\u00e4tig gewesen war. Dieser gr\u00fcndete gegen Ende des Jahres 1891 in Hohenstadt einen M\u00e4nnerchor, der bereits am Weihnachtsfest t\u00e4tig wurde. 1907 wurde Lorz wegen geschw\u00e4chter Gesundheit auf ein Jahr beurlaubt und zuerst durch die Schulgehilfen <u>He\u00df<\/u> und nach diesem durch den SCHULGEHILFEN G\u00d6TZINGER\u00a0vertreten. Die Ernennung des Zweitgenannten zog sich unliebsam in die L\u00e4nge, so dass die Schule eine Zeit lang von Wimpfen aus verwaltet werden musste. Da G\u00f6tzinger vom 1. Oktober 1908 ab sein Milit\u00e4rjahr erledigen musste, trat wieder ein Wechsel ein und wurde\u00a0SCHULAMTSASPIRANT GEIBEL\u00a0zum Schulverwalter ernannt. Am 26. Februar 1908 wurde LEHRER LORZ\u00a0aus Anlass seiner Versetzung in den Ruhestand das Ritterkreuz II. Klasse des Verdienstordens Philipp des Gro\u00dfm\u00fctigen verliehen. Die auf sein Nachsuchen ausgesprochene Pensionierung in Anerkennung seiner langj\u00e4hrigen treuen Dienste wird am 1. M\u00e4rz 1908 wirksam.<br \/>\nAm 12. April 1909 wird die Hohenstadter Lehrerstelle endlich wieder st\u00e4ndig mit JOHANNES WILL, zuvor in Zahmen, Kreis Lauterbach (in Oberhessen im Bereich Vogelsberg), besetzt. Wie dieser sich durchgehend f\u00fchrend in der Wimpfener Ortsgruppe des Odenwaldclubs und auch in der Erforschung derer Von Wimpffen einbringt, dar\u00fcber wird noch des \u00f6fteren zu berichten sein. Infolge dieser Neubesetzung der Stelle durch einen verheirateten Lehrer wurde eine gr\u00fcndliche Renovierung des Schulhauses mit Lehrerwohnung n\u00f6tig, wobei die von der Stadt Wimpfen bei der Neuerbauung des Jahres 1877 vorgenommene \u00dcbergabe des Schul- und Lehrerhauses ins Eigentum des Kirchenfonds Hohenstadt mit der Bedingung der \u00dcbernahme jeglicher Unterhaltungskosten durch denselben nunmehr ziemliche Probleme bescherte. Der Kirchenvorstand bewilligte zu diesem Zweck 410 Mark im Voranschlag von 1909, wovon 250 Mark durch Anleihe beschafft werden mussten. Der aufziehende Lehrer Will lie\u00df im Laufe des Juli 1909 jedoch noch eine Reihe anderer Arbeiten ausf\u00fchren (z. B. wurde ein zweiter Stock eingebracht), die sich auf \u00fcber 450 Mark beliefen. Dies geschah zur Zeit der Vakanz, ohne dass irgendwelche Grundlagen durch Beschl\u00fcsse des Kirchenvorstands vorhanden waren. Nach l\u00e4ngeren Verhandlungen und sch\u00e4rferen Auseinandersetzungen \u00fcber die Gesch\u00e4ftsordnung bei Arbeiten am Schulhause wurden schlie\u00dflich die Kosten von 150 Mark durch den im Voranschlag 1910 vorgesehenen Betrag gedeckt. Somit unterblieben jetzt weitere n\u00f6tige Arbeiten. Die Gemeinde Wimpfen wurde im Blick auf die H\u00f6he der Aufwendungen f\u00fcr das Schulhaus Hohenstadt um eine Erh\u00f6hung der von ihr j\u00e4hrlich gezahlten Miete f\u00fcr Schulsaal und Lehrerwohnung von 350 Mark auf 500 Mark angegangen, weigerte sich aber, indem sie nur einen einmaligen Betrag von 150 Mark bewilligte. <em>\u201eDie Baupflicht oder wenigstens Unterhaltspflicht des Schulhauses, die bei der Kirchenpflege ist\u201c, <\/em>so trifft der f\u00fcr Hohenstadt zust\u00e4ndige zweite Pfarrer M\u00fcller in der Kirchenchronik 1910 die \u00dcberlegung, <em>\u201emacht sich bei den geringen Erinnahmen der Kirchenkasse jedesmal sehr merklich geltend, wenn derartige gr\u00f6\u00dfere Reparaturen am Schulhause n\u00f6tig sein. Und doch ist es, da die Gemeinde 350 M Miete zahlt &#8211; die rechtliche Lage ist nicht ganz gekl\u00e4rt -, zu bedenken, das Schulhaus der politischen Gemeinde zur\u00fcckzuschenken. Die politische Gemeinde w\u00fcrde es wohl annehmen, die Kirchenkasse h\u00e4tte dann allerdings 350 M weniger Einkommen.\u201c <\/em>So blieb es bei der bestehenden Regelung. Im Folgejahr 1911, wo in Hohenstadt die Einrichtung des elektrischen Lichts erfolgte, wurden in der Lehrerwohnung dennoch wiederum verschiedene Arbeiten vorgenommen und am Geb\u00e4ude die Dachrinnen erneuert. Die Tatsache, dass Lehrer Will, nachdem der Gemeinderat dessen Gesuch um \u00dcbernahme der Einrichtung elektrischer Beleuchtung im Schulhaus im August 1911 abgelehnt hatte, dieses auf eigenen Kosten einrichten lie\u00df, weist auf die Fortsetzung der unklar-umstrittenen Unterhaltssituation hin. Als dann ein Jahre sp\u00e4ter im Jahr 1912 in Hohenstadt sowie auch im Schulhaus die Wasserleitung eingerichtet wurde, fanden lange Verhandlungen \u00fcber die Frage statt, wer die Kosten bestreiten soll. Hierzu die Einsch\u00e4tzung der Situation sowie die Darstellung des Weitergangs der leidigen Angelegenheit durch PFARRER M\u00dcLLER:<br \/>\n<em>\u201eDie Kirchengemeinde als Eigent\u00fcmerin weigerte sich mit der Begr\u00fcndung, da\u00df ihr f\u00fcr all diese Neuforderungen des letzten Jahres zu wenig Miete gezahlt w\u00fcrde, was nicht zu bestreiten ist, wenn man bedenkt, da\u00df die Stadtgemeinde Lehrerhaus, Schulsaal und Gemeindeamtszimmer f\u00fcr 350 M j\u00e4hrlich zur Verf\u00fcgung hat. Andererseits kann einem Vermieter nicht zugemutet werden, da\u00df er die Mieteinnahmen ganz f\u00fcr die Neuanschaffung und Unterhaltung j\u00e4hrlich verbraucht. Um die Verh\u00e4ltnisse zu vereinfachen, wurde vom B\u00fcrgermeisterei- und Kreisamt eine R\u00fcckschenkung des Schulhauses angeregt. Der Kirchenvorstand lehnte dieses Ansinnen ab, da er wohl nicht in der Lage ist, immobiles Verm\u00f6gen einer kleinen kirchlichen Filialgemeinde an eine gro\u00dfe, finanziell nicht schlecht stehende Stadtgemeinde zu verschenken. Einer Abl\u00f6sung w\u00e4re der Kirchenvorstand geneigt n\u00e4her zu treten. Jedenfalls liegen die Dinge und die rechtlichen Verpflichtungen der Kirchengemeinde Hohenstadt gegen\u00fcber dem Schulwesen so hoch und sind so verwickelt, da\u00df es gut w\u00e4re eine neue Grundlage zu schaffen, die beiden Teilen gerecht w\u00fcrde, ohne die Ortsb\u00fcrger von Hohenstadt gerade f\u00fcr Schulzwecke nicht mehr zu belasten, als die anderen B\u00fcrger der Gesamtgemeinde auch.\u201c <\/em>Doch tat sich \u00fcber den abermaligen Gedanken einer \u00c4nderung hinaus nichts.<\/p>\n<p>&#8211; Die einklassige <u>Volksschule mit konfessionell gemischten Sch\u00fclern Helmhof<\/u> wurde seit 19. 04. 1866 von\u00a0SCHULVERWALTER JOHANN GEORG LORZ,\u00a0geboren am 05. 04. 1845 zu Schannenbach im Odenwald, gef\u00fchrt, der erst nach 8 Jahren am 11. 05. 1874, obgleich ausgangs Dezember 1872 vom Gemeinderat bef\u00fcrwortet, definitiv mit einem Gehalt von 550 fl angestellt wurde. Dort ergab sich die Schwierigkeit, dass das Schulgeb\u00e4ude und die Reinigung und Heizung desselben, die Besoldung des Lehrers und die Anschaffung der Lehrmittel zwar stets auf Kosten der Gemeinde Wimpfen zu erfolgen hatte, die im 1846 erbauten Schulhaus untergebrachte Schule jedoch auch von den Kindern der politisch zur Gemeinde Neckarbischofsheim geh\u00f6rigen badischen Teilgemeinde des Helmhofes besucht wurde. Anfang Januar 1876 bestand der Wimpfener Gemeinderat mit dem Argument, dass die Zahl der aus badisch Helmhof kommenden Sch\u00fcler st\u00e4rker als die von hessisch Helmhof sei, darauf, dass die badische Gemeinde Helmhof oder der badische Staat au\u00dfer dem j\u00e4hrlichen Beitrag von 200 fl umsomehr auch das seither \u00fcbliche Schulgeld bezahle; offenbar hatte es diesbez\u00fcglich Probleme gegeben. Im Mai 1876 setzte der Gemeinderat das j\u00e4hrliche sog. Aversum der badischen Gemeinde Helmhof auf 300 fl hoch und bekr\u00e4ftigte dabei, dass die Eltern der von dort kommenden Kinder wie seither verbunden seien, Schulgeld zu entrichten. Auf Antrag erh\u00e4lt Lehrer Lorz das 1876 von den Eltern nicht bezahlte (und ihm zustehende) Schulgeld in H\u00f6he 66 Mark und 82 Pfg. aus der Stadtkasse verg\u00fctet. Wie schon berichtet, wechselte Johann Georg Lorz nach rund 25-j\u00e4hriger T\u00e4tigkeit in Helmhof mit Wirkung vom 1. April 1891 an die Volksschule Hohenstadt. Zun\u00e4chst wird die Helmhofer Lehrerstelle vom bisherigen Schulverwalter in Hohenstadt HEINRICH SPERB\u00a0versehen, am 24. Oktober 1891 jetzt mit 900 Mark j\u00e4hrlichem Gehalt sowie dem Organistendienst ab der Winterschule dem ehemaligen Schulverwalter zu Birkert, Kreis Erbach, ANTON R\u00d6SER\u00a0\u00fcbertragen. Dieser d\u00fcrfte diese nach ca. 13 Jahren zum ausgehenden September 1904 verlassen haben; denn wir finden ihn am 18. Februar 1905 in Bobenhausen im Kreis B\u00fcdingen, von wo er mit Wirkung vom 1. Mai 1905 nach Rommelhausen im selben Kreis versetzt wird. R\u00f6ser wird durch\u00a0SCHULVERWALTER L\u00d6SCH\u00a0ersetzt, der nach \u00fcber dreij\u00e4hriger Wirksamkeit in Helmhof als Schulverwalter zum 1. Oktober 1908 beim Milit\u00e4r eintritt. Zu seinem Nachfolger wird\u00a0SCHULAMTSASPIRANT STIX ernannt.\u00a0Zum 1. Oktober 1911 wird der jetzt in Helmhof t\u00e4tige\u00a0SCHULVERWALTER SIEFERT\u00a0(auch ab 1910 Organist auf der damals in der 1892 eingeweihten Kirche erstellten Orgel und Leiter des damals von ihm gegr\u00fcndeten Kirchenchores), der aber bald ebenfalls zum Milit\u00e4r eingezogen wird. Zun\u00e4chst wird die Schulstelle von FRIEDRICH MOHR\u00a0verssehen. Im November 1912 wird die Stelle wieder definitiv mit dem aus Michelbach, Kreis Schotten, stammenden Schulaspiranten in Lorsch KARL R\u00dcHL\u00a0besetzt und damit ein langgehegter Wunsch der Gemeinde endlich erf\u00fcllt. Wir finden diesen in Helmhof noch um 1935 aktiv.<\/p>\n<p>&#8211; Die dreiklassige <u>Evangelische Volksschule Wimpfen am Berg<\/u>: Am 17. 3. 1869 der mit 71 Jahren weitaus \u00c4lteste der Volksschullehrer Wimpfens LUDWIG USINGER, der im Fr\u00fchjahr 1828 seinen Dienst als Schulvikar und sp\u00e4terer Lehrer an der obersten M\u00e4dchenklasse begonnen und (unterbrochen von einer ca. 5j\u00e4hrigen Lehrert\u00e4tigkeit in Lampertheim 1840 \u2013 46) Wimpfen die Treue gehalten hat, wegen vorger\u00fcckten Alters in den Ruhestand versetzt.. Am 5. 5. 1870 \u00fcbernimmt seinen Unterricht als Schulverwalter &#8211; und damit wie \u00f6fters bei den Volksschullehrern &#8211; noch nicht Inhaber der Stelle, sondern \u201eVikar\u201c derselben &#8211; PETER TRAUTMANN\u00a0aus Ober-Sch\u00f6nmattenwag im Kreis Heppenheim. Dieser kann erst am 11. September 1876 in die damals mit 1.114 Mark 28 Pf. dotierte Stelle an der Mittelschule einr\u00fccken. Zum gleichen Datum (Dienstantritt erst am 16. Oktober 1876) wird in die mit nur 942 Mark 86 Pf. geringer dotierte Stelle vom am 28. 12. 1875 mit erst 44 Jahren verstorbenen und seit 1855 zun\u00e4chst als Schulverwalter und ab 1. 12. 1860 als Stelleninhaber der Elementarschule t\u00e4tig gewesenen\u00a0LEHRER KARL PICKENBACH\u00a0der ehemalige Schulverwalter GUSTAV NUNGESSER\u00a0aus Eberstadt im Kreis Darmstadt eingewiesen. Der im Jahre 1871 57-j\u00e4hrige Stelleninhaber der Obersten M\u00e4dchenklasse\u00a0<u>BERNHARD STREIN,\u00a0<\/u>der zuvor in Untermossau bei Erbach im Odenwald unterrichtet hatte, war am 28. 8. 1846 zun\u00e4chst definitiv in die Elementarschul-Stelle einger\u00fcckt und hatte sich von dort sozusagen \u201ehochgedient\u201c. Dieser fungierte auch als Organist und Cantor an der Evangelischen Stadtkirche sowie Rechner der Evangelischen Kirchengemeinde. Obgleich in der Regel in der Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde Ver\u00e4nderungen im Lehrpersonal der Schulen festgehalten sowie auch aus den Beilagen der Regierungsbl\u00e4tter mit Hilfe des Namens-Stichwort-Verzeichnisses ermittelbar sind, l\u00e4sst sich im Falle des Vorgenannten weder dessen Ausscheiden aus dem Dienst, noch dessen Nachfolger ermitteln. Er ist in der Reichstagswahlliste 1887 mit jetzt 73 Jahren noch zu finden, ob noch aktiv oder pensioniert, bleibt offen. Wahrscheinlich war dessen Nachfolger PHILIPP HESSINGER, der Schullehrer in Ettingshausen, Kreis Gie\u00dfen, gewesen war und dem am 12. April 1888 eine Lehrerstelle an der Evangelischen Schule Wimpfen am Berg \u00fcbertragen worden ist. In die M\u00e4dchenschul-Stelle, deren Inhaber damals mit 1.000 \u2013 1.300 Mark besoldet war, r\u00fcckte am 14. Oktober 1891 mit Sicherheit der\u00a0SCHULAMTSASPIRANT NIKLOLAUS PFEIFFER\u00a0aus Rimbach im Kreis Heppenheim ein. Nach 10 \u00bd-j\u00e4hriger T\u00e4tigkeit wurde diesem am 1. April 1902 eine Stelle an der Volksschule Darmstadt verliehen. Dessen Nachfolger lie\u00df sich nicht ermitteln. Der Inhaber der Obersten Knabenschul-Stelle dagegen, der von der evangelischen Schule Sch\u00f6llenbach im Kreis Erbach am 8. 5. 1868 gekommene und 1877 46-j\u00e4hrige CHRISTIAN SCHRAUTH, war direkt in diese eingewiesen worden. Dessen Arbeit war eine besonders anspruchsvolle und dessen Rangstellung eine hervorgehobene dadurch, dass die evangelische Oberste Knabenschule mit der Lateinschule insofern vereint gewesen ist, als deren Sch\u00fcler den gr\u00f6\u00dferen Teil ihres Unterrichts von diesem empfingen. Schrauth gab auch noch an der Handwerker-Zeichenschule Unterricht. Die Hervorgehobenheit gilt auch insofern f\u00fcr den zuvor schon genannten Lehrer der evangelischen Obersten M\u00e4dchenschule Peter Trautmann, als dieser ebenfalls, wie z. B. dessen Vorg\u00e4nger Ludwig Usinger f\u00fcr Gesang und Zeichnen, zum Unterrricht der Lateinschule herangezogen war. Schrauth wird auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Januar 1903 im Alter von 70 Jahren in den Ruhestand versetzt. Auch dessen Nachfolger l\u00e4sst sich nicht bestimmen. &#8211; Am 28. 1. 1879 wird\u00a0LEHRER GUSTAV NUNGESSER\u00a0weit weg nach Bleidenrod im oberhessischen Kreise Alsfeld (Bereich Vogelsberg) versetzt, nachdem er wegen unw\u00fcrdigen Verhaltens (Nachl\u00e4ssigkeit im Dienst und Trunksucht) vor ein Disziplinargericht gestellt worden ist. Seine Stelle (Elementar-Schule) tritt am 9. 5. 1879 als\u00a0SCHULVERWALTER BERNHARD MAGSAAM aus dem \u00f6stlich von Darmstadt gelegenen Gro\u00df-Umstadt an. Nur partiell einordenbar ist der in den Reichstagswahllisten der Jahre 1884 und 1887 zu findende\u00a0LEHRER FRANZ LORENZ KAISER.\u00a0Am 4. Mai 1895 wird eine der Schulstellen (Vorg\u00e4nger unklar, da im Sammelband 1895 das alphabetisches Verzeichnis 1895 fehlt) an der Evangelischen Stadtschule Wimpfen am Berg dem\u00a0SCHULLEHRER WILHELM ROTH\u00a0zu Rain-Breitenbach im Kreis Erbach \u00fcbertragen. Dieser erteilt auch als Hilfslehrer Unterricht in Buchf\u00fchrung und Stenographie an der Realschule Wimpfen. 1885 wird wegen erheblich gestiegener Sch\u00fclerzahl eine 5. Evangelische Schulstelle vom Gemeinderat genehmigt, doch soll diese (aus Ersparnisgr\u00fcnden mit R\u00fccksicht auf die Kosten f\u00fcr die jetzt staatlich anerkannte Gro\u00dfherzgliche Realschule) 5 Jahre vikariert werden. 1896 wird vom Gemeinderat die Errichtung einer weiteren (6.) evangelischen Schulstelle mit der Begr\u00fcndung, dass laut Statistik die Sch\u00fclerzahl in den letzten 10 Jahren sich nur unbedeutend vergr\u00f6\u00dfert habe, auf einige Jahre verschoben. Deren Errichtung zieht sich bis zum Jahr 1901 hin, wo festgestellt wird, dass jetzt der bislang fehlende Schulraum vorhanden sei. Am 5. November 1904 wird\u00a0SCHULAMTSASPIRANT JULIUS ZIN\u00dfER aus Lindenfels im Kreise Bensheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule Wimpfen im Tal \u00fcbertragen, wo er vermutlich den von dort nach Wimpfen am Berg versetzten HEINRICH VOLZ ersetzen soll. Da jedoch dort f\u00fcr diesen keine Lehrerwohnung vohanden ist, wird Zin\u00dfer an der Volksschule Wimpfen am Berg eingesetzt. Wie an sp\u00e4terer Stelle genauer dargestellt, wechselt dieser ins Tal erst 1912 \u00fcber. 1904 wird die ebenfalls hinausgez\u00f6gerte Bestellung eines Hauptlehrers (mit Leiterfunktion) genehmigt, in die der 25 Jahre am Ort t\u00e4tige BERNHARD MAGSAAM\u00a0einr\u00fccken darf. Diesem wird die Ehre zuteil, zum 25. November 1912 anl\u00e4sslich des Geburtstages Sr. K\u00f6nigl. Hoheit des Gro\u00dfherzogs das Ritterkreuz II. Klasse des Verdienstordens Philipps des Gro\u00dfm\u00fctigen zu empfangen. Laut Ministerialverf\u00fcgung werden im Fr\u00fchjahr 1906 die allen Volksschullehrern geltenden altert\u00fcmlichen amtlichen und im Wimpfener Volksmund fest haftenden Betitelungen \u201eSchullehrer\u201c abgeschafft und durch \u201eLehrer\u201c ersetzt. 1908 wird eine weitere (7.) Stelle errichtet. HEINRICH VOLZ\u00a0wird mit Wirkung vom 8. Juli 1912 zum Reallehrer an der Realschule Wimpfen unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer ernannt. Infolge seiner lebenslangen, vielf\u00e4ltigen T\u00e4tigkeit im Vereins- und Verbandsleben Wimpfens sowie fast 2 \u00bd Jahrzehnte als Archivar und 11 Jahre als Gemeinderat wird dieser immer wieder an sp\u00e4terer Stelle zu nennen sein. Dessen Stelle wird mit\u00a0SCHULVERWALTER HELFRICH\u00a0besetzt. Der Plan, durch die seit ca. 1910 f\u00fcr n\u00f6tig erachtete Trennung der Oberklasse eine neue 8. Klasse zu errichten, wurde mehrfach er\u00f6rtert, die Durchf\u00fchrung scheiterte aber am Widerspruch des Gemeinderates. Am 1. 04. 1814 wird die 8. Volksschulstelle endlich errichtet.<\/p>\n<p>\u00dcber die in der obigen \u00dcbersicht bereits dargestellten Besetzungen mit Lehrern der Evangelischen Volksschulen Wimpfen am Berg und im Tal hinaus ist noch Folgendes festzuhalten:<\/p>\n<p>&#8211; Die dreiklassige <u>Evangelische Volksschule Wimpfen am Berg<\/u>: Am 17. 3. 1869 wird auf sein Ersuchen der mit 71 Jahren \u00e4lteste LEHRER LUDWIG USINGER, der 1828 seinen Dienst in Wimpfen begonnen und sp\u00e4ter\u00a0Lehrer an der obersten M\u00e4dchenklasse geworden war und Wimpfen (unterbrochen von einer ca. 5j\u00e4hrigen Lehrert\u00e4tigkeit in Lampertheim 1840 \u2013 46) die Treue gehalten hatte, wegen vorger\u00fcckten Alters in den Ruhestand versetzt. Am 5. 5. 1870 \u00fcbernimmt seinen Unterricht als Schulverwalter &#8211; und damit wie \u00f6fters bei den Volksschullehrern &#8211; noch nicht Inhaber der Stelle, sondern \u201eVikar\u201c derselben &#8211; PETER TRAUTMANN\u00a0aus Ober-Sch\u00f6nmattenwag im Kreis Heppenheim. Dieser kann erst am 11. September 1876 in die damals mit 1.114 Mark 28 Pf. dotierte Stelle an der Mittelschule einr\u00fccken. Zum gleichen Datum (Dienstantritt erst am 16. Oktober 1876) wird in die mit nur 942 Mark 86 Pf. geringer dotierte Stelle des am 28. 12. 1875 mit erst 44 Jahren verstorbenen und seit 1855 zun\u00e4chst als Schulverwalter und ab 1. 12. 1860 als Stelleninhaber der Elementarschule t\u00e4tig gewesenen Lehrers KARL PICKENBACH\u00a0der ehemalige Schulverwalter GUSTAV NUNGESSER\u00a0aus Eberstadt im Kreis Darmstadt eingewiesen. Der im Jahre 1871 57-j\u00e4hrige Stelleninhaber der Obersten M\u00e4dchenklasse BERNHARD STREIN, der zuvor in Untermossau bei Erbach im Odenwald unterrichtet hatte, war am 28. 8. 1846 zun\u00e4chst definitiv in die Elementarschul-Stelle einger\u00fcckt und hatte sich von dort sozusagen \u201ehochgedient\u201c. Dieser fungierte auch als Organist und Cantor an der Evangelischen Stadtkirche sowie Rechner der Evangelischen Kirchengemeinde. Obgleich in der Regel in der Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde Ver\u00e4nderungen im Lehrpersonal der Schulen festgehalten sowie auch aus den Beilagen der Regierungsbl\u00e4tter mit Hilfe des Namens-Stichwort-Verzeichnisses ermittelbar sind, l\u00e4sst sich im Falle des Vorgenannten weder dessen Ausscheiden aus dem Dienst, noch dessen Nachfolger ermitteln. Er ist in der Reichstagswahlliste 1887 mit jetzt 73 Jahren noch zu finden, ob noch aktiv oder pensioniert, bleibt offen. Wahrscheinlich war dessen Nachfolger PHILIPP HESSINGER, der Schullehrer in Ettingshausen, Kreis Gie\u00dfen, gewesen war und dem am 12. April 1888 eine Lehrerstelle an der Evangelischen Schule Wimpfen am Berg \u00fcbertragen worden ist. In die M\u00e4dchenschul-Stelle, deren Inhaber damals mit 1.000 \u2013 1.300 Mark besoldet war, r\u00fcckte am 14. Oktober 1891 mit Sicherheit der Schulamtsaspirant NIKLOLAUS PFEIFFER\u00a0aus Rimbach im Kreis Heppenheim ein. Nach 10 \u00bd-j\u00e4hriger T\u00e4tigkeit wurde diesem am 1. April 1902 eine Stelle an der Volksschule Darmstadt verliehen. Dessen Nachfolger lie\u00df sich nicht ermitteln. Der Inhaber der Obersten Knabenschul-Stelle dagegen, der von der evangelischen Schule Sch\u00f6llenbach im Kreis Erbach am 8. 5. 1868 gekommene und 1877 46-j\u00e4hrige\u00a0CHRISTIAN SCHRAUTH,\u00a0war direkt in diese eingewiesen worden. Dessen Arbeit war eine besonders anspruchsvolle und dessen Rangstellung eine hervorgehobene dadurch, dass die evangelische Oberste Knabenschule mit der Lateinschule insofern vereint gewesen ist, als deren Sch\u00fcler den gr\u00f6\u00dferen Teil ihres Unterrichts von diesem empfingen. Schrauth gab auch noch an der Handwerker-Zeichenschule Unterricht. Die Hervorgehobenheit gilt auch insofern f\u00fcr den zuvor schon genannten Lehrer der evangelischen Obersten M\u00e4dchenschule Peter Trautmann, als dieser ebenfalls, wie z. B. dessen Vorg\u00e4nger Ludwig Usinger f\u00fcr Gesang und Zeichnen, zum Unterrricht der Lateinschule herangezogen war. Schrauth wird auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Januar 1903 im Alter von 70 Jahren in den Ruhestand versetzt. Auch dessen Nachfolger l\u00e4sst sich nicht bestimmen. &#8211; Am 28. 1. 1879 wird\u00a0LEHRER GUSTAV NUNGESSER\u00a0weit weg nach Bleidenrod im oberhessischen Kreise Alsfeld (Bereich Vogelsberg) versetzt, nachdem er wegen unw\u00fcrdigen Verhaltens (Nachl\u00e4ssigkeit im Dienst und Trunksucht) vor ein Disziplinargericht gestellt worden ist. Seine Stelle (Elementar-Schule) tritt am 9. 5. 1879 als\u00a0SCHULVERWALTER BERNHARD MAGSAAM\u00a0aus dem \u00f6stlich von Darmstadt gelegenen Gro\u00df-Umstadt an. Nur partiell einordenbar ist der in den Reichstagswahllisten der Jahre 1884 und 1887 zu findende\u00a0LEHRER FRANZ LORENZ KAISER.\u00a0Am 4. Mai 1895 wird eine der Schulstellen (Vorg\u00e4nger unklar, da im Sammelband 1895 das alphabetisches Verzeichnis 1895 fehlt) an der Evangelischen Stadtschule Wimpfen am Berg dem Schullehrer WILHELM ROTH\u00a0zu Rain-Breitenbach im Kreis Erbach \u00fcbertragen. Dieser erteilt auch als Hilfslehrer Unterricht in Buchf\u00fchrung und Stenographie an der Realschule Wimpfen. 1885 wird wegen erheblich gestiegener Sch\u00fclerzahl eine 5. Evangelische Schulstelle vom Gemeinderat genehmigt, doch soll diese (aus Ersparnisgr\u00fcnden mit R\u00fccksicht auf die Kosten f\u00fcr die jetzt staatlich anerkannte Gro\u00dfherzgliche Realschule) 5 Jahre vikariert werden. 1896 wird vom Gemeinderat die Errichtung einer weiteren (6.) evangelischen Schulstelle mit der Begr\u00fcndung, dass laut Statistik die Sch\u00fclerzahl in den letzten 10 Jahren sich nur unbedeutend vergr\u00f6\u00dfert habe, auf einige Jahre verschoben. Deren Errichtung zieht sich bis zum Jahr 1901 hin, wo festgestellt wird, dass jetzt der bislang fehlende Schulraum vorhanden sei. Am 5. November 1904 wird dem Schulamtsaspiranten JULIUS ZIN\u00dfER\u00a0aus Lindenfels im Kreise Bensheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule Wimpfen im Tal \u00fcbertragen, wo er vermutlich den von dort nach Wimpfen am Berg versetzten HEINRICH VOLZ\u00a0ersetzen soll. Da jedoch dort f\u00fcr diesen keine Lehrerwohnung vohanden ist, wird Zin\u00dfer an der Volksschule Wimpfen am Berg eingesetzt. Wie an sp\u00e4terer Stelle genauer dargestellt, wechselt dieser ins Tal erst 1912 \u00fcber. 1904 wird die ebenfalls hinausgez\u00f6gerte Bestellung eines Hauptlehrers (mit Leiterfunktion) genehmigt, in die der 25 Jahre am Ort t\u00e4tige BERNHARD MAGSAAM\u00a0einr\u00fccken darf. Diesem wird die Ehre zuteil, zum 25. November 1912 anl\u00e4sslich des Geburtstages Sr. K\u00f6nigl. Hoheit des Gro\u00dfherzogs das Ritterkreuz II. Klasse des Verdienstordens Philipps des Gro\u00dfm\u00fctigen zu empfangen. Laut Ministerialverf\u00fcgung werden im Fr\u00fchjahr 1906 die allen Volksschullehrern geltenden altert\u00fcmlichen amtlichen und im Wimpfener Volksmund fest haftenden Betitelungen \u201eSchullehrer\u201c abgeschafft und durch \u201eLehrer\u201c ersetzt. 1908 wird eine weitere (7.) Stelle errichtet. HEINRICH VOLZ wird mit Wirkung vom 8. Juli 1912 zum Reallehrer an der Realschule Wimpfen unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer ernannt. Infolge seiner lebenslangen, vielf\u00e4ltigen T\u00e4tigkeit im Vereins- und Verbandsleben Wimpfens sowie fast 2 \u00bd Jahrzehnte als Archivar und 11 Jahre als Gemeinderat wird dieser immer wieder an sp\u00e4terer Stelle zu nennen sein. Dessen Stelle wird mit\u00a0SCHULVERWALTER HELFRICH\u00a0besetzt. Der Plan, durch die seit ca. 1910 f\u00fcr n\u00f6tig erachtete Trennung der Oberklasse eine neue 8. Klasse zu errichten, wurde mehrfach er\u00f6rtert, die Durchf\u00fchrung scheiterte aber am Widerspruch des Gemeinderates. Am 1. 04. 1814 wird die 8. Volksschulstelle endlich errichtet.<br \/>\n\u00dcber die f\u00fcr die Evangelische Volksschule Wimpfen am Berg insbesondere durch die gemeinsame Unterbringung mit der expandierenden Realschule in den west- bis ostw\u00e4rtigen Trakten der Klausur des ehemaligen Dominikanertklosters wachsende Raumenge und Raumnot sowie ung\u00fcnstigen sonstigen Gegebenheiten der Unterbringung, deren Milderung (nicht Beseitigung) erst durch den sog. Klosterbrand des Jahres 1907 in Gang gesetzt wurde, soll gesondert in einem sp\u00e4teren Kapitel berichtet werden.<\/p>\n<p>Die einklassige <u>Evangelische (nach Aufl\u00f6sung der Katholischen Schule konfessionell gemischt gewordene) Volksschule Wimpfen im Tal<\/u>: Der dortige aus einer 1695 aus Forchtenberg zugewanderten Familie stammende CARL WILHELM MUCKH, der ab der Mitte der 1830er Jahre zuerst Schulverwalter in Hohenstadt gewesen war, hatte ab 1842 <em>\u201eausgezeichnet und musterhaft\u201c<\/em>, wie es 1858 hei\u00dft, die Volksschule Wimpfen im Tal gef\u00fchrt. Er war zum 1. 11. 1876 auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langen ersprie\u00dflichen Dienste pensioniert worden, starb jedoch schon 2 \u00bd Monate danach im Alter von 68 Jahren am 17. 01. 1877. An dessen Stelle findet sich als Schulverwalter ab 1. 5. 1877 JOHANNES BAUDER\u00a0aus Reichenbach im Odenwald, geb. am 9. April 1856. Dieser hat &#8211; wie alle seit den ausgehenden 1820er Jahren von der hessischen Beh\u00f6rde angestellten Lehrer &#8211; eine Schullehrer-Seminar-Ausbildung absolviert, und zwar in Friedberg in Oberhessen, und ist zuvor von Ostern 1874 bis Ostern 1877 als Schulverwalter in B\u00f6llstein im Kreis Erbach\/Odenwald t\u00e4tig gewesen. Er wird im Folgejahr 1878 an die \u201eH\u00f6here B\u00fcrgerschule\u201c, Nachfolgeeinrichtung der o. g. \u201eSt\u00e4dtischen Real- und Lateinschule\u201c, Wimpfen am Berg versetzt. Diesem folgt am 3. 5. 1877 SCHULVERWALTER oder\u00a0SCHULVIKAR WERNER\u00a0aus Reichelsheim im Odenwald, der am 3. Mai 1882 mit dem seinen Dienst antretenden und definitv mit einem Jahresgehalt von 900 Mark angestellten\u00a0LEHRER GEORG RALL aus\u00a0Frankenhausen\/ Odenwald ausgetauscht wird. Am 20. 09. 1885 r\u00fcckt, aus Oberscharbach im Kreise Heppenheim kommend, in die (wie anzunehmen hinzugekommene) zweite Lehrerstelle der Gemeindeschule Wimpfen im Tal der\u00a0SCHULAMTSASPIRANT GEORG KR\u00c4MER\u00a0ein. Offenbar waren zu dieser Zeit, da im Tal 1877 bereits 50 + 37 = 87, d. h. in zwei Abteilungen gef\u00fchrte, Sch\u00fcler vorhanden waren und 1886\/87 sogar 96 Sch\u00fcler nachzuzweisen sind, im Tal damals zwei Lehrer vorhanden.<br \/>\nDas geht vor allem auch zusammen mit dem Umstand, dass 1884 das im oberen = ostw\u00e4rtigen Bereich von Wimpfen im Tal gegen\u00fcber der Einm\u00fcndung der Schmiedgasse gelegene \u00a0marode sog. Schul- und Gemeindehaus (siehe dieses in Band 2 in der Abb . B 24 auf Seite 235, dort tragend die Nr. 11, heute: Corneliastra\u00dfe \u00a050) aufgegeben und durch einen dem Lindenplatz und dem Stiftsbrunnen gegen\u00fcber gelegenen repr\u00e4sentativen Neubau abgel\u00f6st wurde, in dem sich jetzt 2 Schuls\u00e4le befanden. Sicherlich kam dieser auch deshalb zustande, weil im Fr\u00fchjahr 1878, d. h. im Folgejahr der Einweihung des neuen Hohenstadter Schulhauses, die B\u00fcrger von Wimpfen im Tal die vom Gemeinderat und dem Kreisamt zur\u00fcckgewiesene Eingabe der Bildung einer eigenen Gemeinde gemacht und in dieser insbesondere den Vorwurf der Benachteiligung im Bereich des Brandschutzes sowie der schulischen Versorgung erhoben hatten. <em>\u201eEs wurde und wird\u201c,<\/em> so hatte der Gemeinderat dagegen gehalten, <em>\u201edie Gemeinde Wimpfen im Thal stets gleich wie die Gemeinde Wimpfen am Berg verwaltet und soviel wie thunlich allen Erfordernissen entsprochen. F\u00fcr die Schule sind die gesetzlichen Erfordernisse vorhanden, und was die Feuerspritze anbelangt, so stehen stets in der keine 5 Minuten entfernten Saline 3 Feuerspritzen zur Verf\u00fcgung. Auch sind bei einem vorkommenden Brand sofort 2 Spritzen aus der Stadt in Th\u00e4tigkeit.\u201c <\/em>\u00dcber die Erbauung des neuen Schulhauses wird in der Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde f\u00fcr 1884 in knappster Weise Folgendes berichtet:<br \/>\n<em>\u201eAm 11. August wurde das neue Schulhaus zu Wimpfen im Thal eingeweiht, welches unter Aufsicht von Stra\u00dfenmeister Geipert erbaut worden war. Festlichkeiten fanden dabei nicht statt.\u201c <\/em>Dieses mit einem Aufwand von rund 30.000 Mark erbaute walmbedachte zweigeschossige Schulgeb\u00e4ude \u00fcber erh\u00f6htem Untergeschoss mit einem gro\u00dfen Schulzimmer in jedem Geschoss bedeutete f\u00fcr die \u201eTalemer\u201c Schulkinder durch seine hohen Fenster mit Steingew\u00e4nden, sein massives Putzmauerwerk \u00fcber einem Sandsteinsockel und vor allem seine hohen Schulr\u00e4ume einen m\u00e4chtigen Fortschritt. Nachdem im Gegensatz zu Hohenstadt zu dessen Er\u00f6ffnung keine Festlichkeit stattgefunden hat, ist in der Zeitung des Jahres 1878 von diesem Neubau keinerlei Erw\u00e4hnung getan. In Ermangelung einer historischen Aufnahme sei eine aktuelle Darstellung in<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca004.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca004-941x1024.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. C 4: Das Geb\u00e4ude der 1884 erbauten Volksschule Wimpfen im Tal, Corneliastra\u00dfe 8 (Foto von 2012)<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>gezeigt, das seit der Aufl\u00f6sung und Verlegung derselben in die in Wimpfen am Berg auf den \u201eFranken\u00e4ckern\u201c im November 1967 er\u00f6ffnete zentrale Grund- und Hauptschule Wohnzwecken dient.<br \/>\nLEHRER GEORG RALL\u00a0wird im Herbst 1891 vor der Hessischen Strafkammer wegen Sittlichkeitsvergehen angeklagt. Es werden 14 Zeugen geladen. Das Urteil lautet auf 2 Jahre 4 Monate Gef\u00e4ngnis und Aberkennung der b\u00fcrgerlichen Ehrenrechte auf 3 Jahre. Er wird am 31. Oktober 1892 mit Wirkung vom 6. November 1892 vom Amte mit dem Verlust der Wiederanstellungsf\u00e4higkeit entlassen. Dessen, wie es in der Zeitung hei\u00dft, erste Lehrerstelle im Tal wird mit Wirkung vom 1. 05. 1893 JOHANN HEINRICH VOLZ\u00a0zu Ettingshausen im Kreise Gie\u00dfen \u00fcbertragen, der vor Jahren dort schon als Schulverwalter t\u00e4tig gewesen war und nunmehr den o. a. Lehrer Kr\u00e4mer als Kollegen hat. Volz \u00fcbernimmt die Dirigentenstelle des damals neu konstituierten Evangelischen Kirchengesangvereins. Am 5. Oktober 1904 wird dem\u00a0SCHULASPIRANTEN JULIUS ZIN\u00dfER\u00a0aus Lindenfels im Odenwald eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule Wimpfen im Tal zugewiesen. Vermutlich sollte dieser Heinrich Volz ersetzen, der damals an die Volksschule Wimpfen am Berg wechselte. Da in Wimpfen im Tal jedoch die eigentlich obligatorische Dienstwohnung fehlt, wird dieser an der Volksschule Wimpfen am Berg eingesetzt. Dieser erscheint im Januar 1911 dort als Dirigent des Gesangvereins Concordia. Erst 1912 wechselt Zin\u00dfer an die Volkschule Wimpfen im Tal, nachdem die Stadt Wimpfen dort das sog. M\u00fcller\u2019sche Haus als Lehrerwohnung eingerichtet hat. Daf\u00fcr wird der seitherige dortige\u00a0SCHULVERWALTER DIEHL\u00a0nach Wimpfen am Berg versetzt, der in Wimpfen im Tal den statt dort an der Volksschule Wimpfen am Berg eingesetzten Julius Zin\u00dfer ersetzt hatte.<\/p>\n<p>\u00dcber die Lehrerversorgung der nach der Reichsgr\u00fcndung erhalten gebliebenen <u>Katholischen Konfessionsschule Wimpfen am Berg<\/u> finden wir bez\u00fcglich des hier behandelten Zeitraums, dass deren Lehrer &#8211; wohl als Nachfolger des seit 1824 in Wimpfen im Tal, ab 1841 bis 1859 in Wimpfen am Berg (unterbrochen 1841 \u2013 1844 durch JOHANNES PREISER) amtierenden GEORG BITSCH\u00a0&#8211;\u00a0IGNAZ ADOLPH RADY\u00a0(nachzuweisen allerdings erst ab 1864) gewesen ist, der am 5. 12. 1871 auf sein Nachsuchen hin aus dem Schuldienste des Landes Hessen ausschied. Merkw\u00fcrdigerweise ist weder in der Chronik der Katholischen Kirchengemeinde, noch den Gemeinderatsprotokollen und in den Reichstagswahllisten oder den Regierungsbl\u00e4ttern eine Notiz \u00fcber einen katholischen Lehrer der 1870er Jahre zu finden, dem auch der Organistendienst in der Katholischen Kirche anvertraut war. Allerdings taucht in der Lehrerliste zur Beschlussfassung des Gemeinderates vom 17. Juni 1872 die \u201eBitte s\u00e4mtlicher Lehrer der B\u00fcrgermeisterei Wimpfen um Besoldungszulage\u201c betr. in der Lehrerliste neben allen den o. a. Lehrernamen noch der Name KEIL\u00a0auf, der sich aber dann nirgendwo mehr finden l\u00e4\u00dft, ausgenommen in jenem der von ca. September 1870 bis ca. Mai 1878 als Schuldienerin und Helferin an der Kinderschule t\u00e4tig gewesenen SOPHIE KEIL. H\u00f6chst wahrscheinlich ist dieser an der katholischen Schule Wimpfen am Berg zwischen den Lehrern Rady und dem ab den ausgehenden 1870er Jahren nachweisbaren zun\u00e4chst SCHULASPIRANTEN, sp\u00e4ter LEHRER LORENZ KEISER\u00a0aus Neckarsteinach, Kreis Heppenheim, t\u00e4tig gewesen. Die Stelle der Katholischen Konfessionsschule Wimpfen am Berg findet sich dann diesem am 4. Januar 1879 \u00fcbertragen. Doch d\u00fcrfte dieser diese Stelle zuvor schon l\u00e4ngere Zeit als Verwalter versehen haben, da er laut Jubil\u00e4umsschrift der Realschule zuvor schon bis Ostern 1878 dort als Hilfslehrer f\u00fcr Schreibunterricht eingesetzt gewesen ist. Wir finden diesen auch noch in den Reichstagswahllisten der Jahre 1884 und 1887 (hier geschrieben KAISER). Nachdem am 10. Dezember 1893 Lorenz Keiser eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bobstadt im Kreise Bensheim eingewiesen worden ist, wird am 5. M\u00e4rz 1894 die Lehrerstelle desselben an OTTO LEINEWEBER\u00a0aus Dietersheim im Kreise Bingen \u00fcbertragen. Diesem wird zum 18. April 1903 die 2. Lehrerstelle der Gemeindeschule Froschhausen verliehen. Dessen Nachfolger ist der\u00a0SCHULAMTSASPIRANT KARL BECKER\u00a0aus Assenheim im Kreise Friedberg, Oberhessen, dem die Lehrerstelle definitiv am 15. Juni 1904 \u00fcbertragen wird. Dieser wird am 4. April 1908 auch zum Rechner der Katholischen Kirchengemeinde und des Benfiziums St. Catharinae mit einer Besoldung von 175 Mark + 100 Mark = 275 Mark ernannt, und dieser ist bis in die beginnenden 1920er Jahre als Lehrer an der Katholischen Konfessionsschule sowie Organist der Katholischen Kirchengemeinde zu finden.<\/p>\n<p>Der Blick auf die meist angegebenen jeweiigen Geburts- und\/bzw. vorausgegangenen Dienstorte der nach Wimpfen versetzten Lehrer, deren auf die vier vorhandenen Evangelischen Volksschulen bezogene Gesamtzahl vor 1885, wie aus dem oben Gesagten zu ersehen, 7 (4 + 3) betrug, weist aus, dass diese fast ausschlie\u00dflich dem Odenwald oder dessen Randbereichen entstammten. Dieser Umstand hat dazu gef\u00fchrt, dass man im Wimpfen der hessischen Zeit gern absch\u00e4tzig vor allem bei der verm\u00f6glichen Schicht von diesen als den \u201eOud\u00e4w\u00e4ld\u00e4 Hutz\u2019lbuw\u00e4\u201c (Odenw\u00e4lder Hutzelbuben) gesprochen hat. Bislang waren deren Geh\u00e4lter in der Weise gestuft, dass die Lehrer an den Einklassenschulen der Teilorte und an der Mehrklassenschule Wimpfen am Berg der Lehrer an der \u201eElementarschule\u201c geringer besoldet wurden als derjenige an der dortigen \u201eMittelschule\u201c und am h\u00f6chsten die beiden Lehrer der dortigen \u201eOberschule\u201c. Das brachte f\u00fcr die Lehrer den Anreiz, m\u00f6glichst Sch\u00fcler der mittleren bis h\u00f6chsten Altersstufe zu unterrichten und, wenn sie unten beginnen mussten, bei anstehendem Lehrerwechsel ggfls. aufzusteigen. Im Sommer des Jahres 1872 wurde &#8211; wie vielen st\u00e4dtischen Bediensteten dieser teuren Kriegs- und Nachkriegszeit &#8211; auf ihr Ansuchen allen Lehrern der vier Volksschulen eine einmalige Zulage von je 50 fl gew\u00e4hrt. Nachdem ausgangs 1872 das \u201eGesetz, die Gehalte der Volksschullehrer betreffend\u201c verabschiedet worden war und im Folgejahr 1873 dessen Ausf\u00fchrung anstand, fasste der Gemeinderat zun\u00e4chst den folgenden diesbez\u00fcglichen dem Kreisamt zugeleiteten Beschluss: <em>\u201eDie Gemeinde hat bekanntlich eine factische Bev\u00f6lkerung von 2.906 &#8211; und zwar Wimpfen am Berg 2.051, Wimpfen im Tal 476, Hohenstadt 236, Helmhof 124, Finkenhof 19. Hiernach d\u00fcrfte sich in Betracht, dass nach Art. 1 des Gesetzes die Gr\u00f6\u00dfe der Gehalte von der Seelenzahl der Gemeinde in deren Mitte sich die Schule befindet, abh\u00e4ngt und die Bev\u00f6lkerung von Wimpfen a. B. nur wenig \u00fcber 2. 000 Seelen z\u00e4hlt, der Gehalt der einzelnen Lehrer von Wimpfen a. B. in der 1. Abth. II. Klasse 550 f, Wimpfen i. Th., Hohenstadt und Helmhof auf nur 400 f berechnen. &#8230; Ausserdem erkl\u00e4rt sich der Gemeinderath bereit, den w\u00fcrdigen Lehrern nach Verdienst im Alter eine pers\u00f6nliche Zulage zu bewilligen. Weitere Leistungen aber w\u00fcrden der Gemeinde, insbesondere da diese die Kosten f\u00fcr die <\/em>(im Vorjahr von dieser geschaffenen)<em> Realschule allein trage, ein zu gro\u00dfes Opfer verursachen.\u201c<\/em> Das h\u00e4tte f\u00fcr alle Lehrer eine Gehaltsminderung, dazuhin Gleichschaltung ihrer Geh\u00e4lter bedeutet, was bei diesen, zumal die fraglichen Betr\u00e4ge vom Gesetz als \u201eniederste\u201c solche bezeichnet waren, offenbar auf Widerstand stie\u00df. Somit wurde im August 1873 Folgendes konzediert: Die 4 Stellen der Evangelischen Schule Wimpfen am Berg sollen als Anfangsstellen der II. Klasse normiert werden und auf Grund des Artikels 5 des Gesetzes Dienstalterszulagen bis zum Maximalgehalt dieser Klasse eintreten: Lehrer Strein mit \u00fcber 25 Dienstjahren erh\u00e4lt 800 fl, Lehrer Schrauth mit \u00fcber 16 Dienstjahren 700 fl; Lehrer Karl Wilhelm Pickenbach, mit dessen Dienstleistungen man indessen ausweislich der Schulpr\u00fcfungsprotokolle durchaus nicht zufrieden sein k\u00f6nne, soll den Minimalgehalt der II. Klasse von 550 fl erhalten. Die Unzufriedenheit \u00fcber die Leistungen des 2 \u00bc Jahren sp\u00e4ter fr\u00fch mit erst 44 Jahren verstorbenen Pickenbach war so gro\u00df, dass man sich im Hochsommer 1875, d. h. 4 Monate vor dessen Tod, nicht scheute, in die Zeitung die folgende &#8211; nat\u00fcrlich in erster Linie dem Schulvorstand geltende &#8211; \u00c4u\u00dferung der Kritik setzte: <em>\u201eF\u00fcr die unterste Schulklasse dahier wird schon seit geraumer Zeit so wenig Sorge getragen, da\u00df es demn\u00e4chst den Eltern der betreffenden Kinder zur Beschwerdef\u00fchrung veranlassen mu\u00df. Der Lehrer dieser Schulklasse ist stets krank und kann keinen Unterricht ertheilen und d\u00fcrfte es de\u00dfhalb am Platze sein, wenn die Schule nicht ganz verkommen soll, baldm\u00f6glichst einen anderen Lehrer zu bestellen.\u201c <\/em>Wie oben zu sehen, geschah dies auch. Dass den in der Gehaltsfestlegung nicht genannten anderen Lehrern, so Schulvikar Trautmann (ca. 3 Dienstjahre) Wimpfen am Berg, den \u00e4ltestgedienten Lehrern Muckh (31 Dienstjahre) im Tal und Weiss (29 Dienstjahre) in Hohenstadt sowie Lorz (7 Dienstjahre) in Helmhof ebenfalls 550 fl zugestanden wurden, ist daraus ersichtlich, dass die Stelle des Letztgenannten im Fr\u00fchjahr 1873 vor seiner definitiven Anstellung mit einem diese Summe betragenden j\u00e4hrlichen Gehalt ausgeschrieben war. Welche Entscheidungskriterien den einige Jahre sp\u00e4ter anl\u00e4sslich von Lehrerwechseln bei der staatlichen Stellenausschreibung genannten Gehaltsh\u00f6hen (siehe oben) zugrunde liegen, so f\u00fcr den Lehrer der Elementarschule von 942,86 Mark (550 fl) des Jahres 1876, f\u00fcr den Lehrer der Mittelschule von 1.114, 28 Mark (650 fl) des Jahres 1877 sowie den Lehrer von Wimpfen im Tal von 900 Mark (525 fl) des Jahres 1877, ist nicht durchschaubar.<\/p>\n<p>F\u00fcr die beschriebenen Schuleinrichtungen &#8211; einschlie\u00dflich der Lateinschule &#8211; waren 1870\/71 im Erdgeschoss der \u201eKlosterschule\u201c, wie der Konventbau des ehemaligen Dominikanerklosters genannt wurde, 7 Schulr\u00e4ume vorhanden, deren Heizung und (nur) zweimalige w\u00f6chentliche Reinigung damals seit langem in den H\u00e4nden der SCHULDIENERIN LUDWIG B\u00d6HRINGER WITTIB\u00a0f\u00fcr die als sehr niedrig einzusch\u00e4tzende sog. Remuneration von 30 fl j\u00e4hrlich lag. Am 23. November 1875 brachte der B\u00fcrgermeister dem Gemeinderat vor, dass zur <em>\u201eAufrechterhalltung der Ordnung, behufs Reinigung und Heizung der Schuls\u00e4le<\/em>, <em>insbesondere durch Errichtung der Realschule, dringend die Anstellung eines<\/em> <em>Schuldieners geboten sei<\/em>\u201c und erreichte, dass der Gemeinderat die Einstellung eines (m\u00e4nnlichern) solchen ab dem 1. Januar 1876 guthie\u00df. Angestellt wurde SCHULDIENER ADAM BULLINGER, der ausgangs November 1876 mit der Begr\u00fcndung, dass er von morgens fr\u00fch bis abends in Anspruch genommen sei, um Gehaltserh\u00f6hung bittet; diese wird ihm ab Jahresbeginn 1877 durch Erh\u00f6hung auf 342 fl gew\u00e4hrt. Im Obergeschoss des \u201eKlosters\u201c war eine Reihe von Lehrerwohnungen eingerichtet. Die Aufwendungen der Stadt Wimpfen f\u00fcr das gesamte Volksschulwesen im Jahr 1877 betrug 9.218 Mark und 76 Pfennig. Vom Schuljahr 1886\/87 liegen die folgenden Sch\u00fclerzahlen vor: Wimpfen am Berg 362, Wimpfen im Tal 96, zusammen 458, davon 204 Knaben und 254 M\u00e4dchen. 1890 werden am Schuljahresende aus der Evangelischen Volksschule Wimpfen am Berg 14 Knaben und 15 M\u00e4dchen, aus der dortigen Katholischen Schule 3 Knaben und 2 M\u00e4dchen entlassen.<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong> Die im Jahr 1874 unter m\u00e4chtig gestiegener Wahlbeteiligung erfolgte Wahl zum Zweiten Reichstag<\/strong><strong>\u00a0wird von den Organisatoren haupts\u00e4chlich unter dem Zeichen der Niederhaltung der als \u201edie Ultramontanen\u201c bezeichneten und als Gef\u00e4hrder von \u201eKaiser und Reich\u201c gesehenen Zentrumspartei durchgef\u00fchrt.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Weitersuche nach sichtbaren Auswirkungen des Kulturkampfes lenkt nun wieder den Blick zeitlich zur\u00fcck auf die am 10. Januar 1874 stattgefundene Wahl zum Zweiten Deutschen Reichstag, \u00fcber deren vorausgegangenen Wahlkampf die \u201eLocalnachrichten\u201c im \u201eWimpfener Bote\u201c erst nach Jahresbeginn und damit kurz vor derselben folgendes Allgemeine berichten:<br \/>\n<em>\u201eSo nahe die Wahlen zum Reichstag &#8230; , so fehlt ihnen doch der frische lebendige Zug. Es verstimmt sichtlich, da\u00df viele alte bew\u00e4hrte M\u00e4nner des Vertrauens z. T. des Fehlens der Di\u00e4ten halber ablehnen und neue M\u00e4nner des Vertrauens, zum Teil vielleicht aus demselben Grunde, wenig Lust zu dem ehrenvollen Amte bezeigen. Die neuen unbekannten Namen werden im n\u00e4chsten Reichstage weit \u00fcberwiegen. Die Wahlbewegung ist nur da lebendiger, wo die politischen Parteien schroff aufeinandersto\u00dfen. Die arbeiten bis jetzt im Stillen, aber so eifrig, da\u00df sie auf gr\u00f6\u00dferen Zuwachs rechnen k\u00f6nnen. Auch die Demokraten und Sozialdemokraten zeigen sich \u00e4u\u00dferst r\u00fchrig mit Programmen und Versammlungen. Bayerische Zeitungen bringen lange Reihen von Wahlkandidaten, hinter jedem Kandidaten ist mit einem \u201al\u2019 (liberal) oder \u201au\u2019 (ultramontan) die Farbe kurz bezeichnet. &#8230; Und vollends am Rhein, in Westfalen und in Posen etc. &#8230;\u201c<br \/>\n<\/em>In der Tat wurde den Abgeordneten f\u00fcr ihre T\u00e4tgkeit keine Entsch\u00e4digung gezahlt, so dass die im Reichstag vertretenen Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten sog. Honoratiorenparteien waren, deren im Gro\u00dfen und Ganzen noch geringe Zahl an Mitgliedern haupts\u00e4chlich aus dem Bildungsb\u00fcrgertum stammten. Mit der fast ein Schimpfwort darstellenden Bezeichnung \u201eUltramontane\u201c sind die Angeh\u00f6rigen der Zentrumspartei gemeint, denen man vorwarf, dass sie eine Einheit von Staat und Kirche unter ihrem Primat anstrebten und sich vom Papst in Rom (jenseits der Berge, d. h. der Alpen) und nicht von der Reichsregierung in der Hauptstadt Berlin beherrschen lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Im Wahlkreis Worms-Heppenheim-Wimpfen stehen sich die folgenden beiden Kandidaten gegen\u00fcber:<\/p>\n<p>&#8211; Der verm\u00f6gende junge Lederindustrielle CORNELIUS WILHELM HEYL (1843 \u2013 1923) aus der konfessionell gemischten Stadt Worms, Enkel des gleichnamigen Begr\u00fcnders der 1834 entstandenen Wormser Lederwerke Cornelius Heyl AG. Durch den fr\u00fchen Tod des Vaters und des \u00e4lteren Bruders hatte er diese schon im Jahr 1861 im Alter von 19 Jahren \u00fcbernehmen m\u00fcssen und konnte sich finanziell die Abgordnetent\u00e4tigkeit problemlos erlauben. Er ist Kandidat der damals mit den Linksliberalen gleichsetzbaren Deutschen Fortschrittspartei, der ersten deutschen Programmpartei, die im ersten Reichstag mit 45 Sitzen hinter dem Zentrum mit 60 Sitzen und der mit gro\u00dfem Abstand die Spitze haltenden Nationalliberalen Partei mit 119 Sitzen den dritten Platz einnahm und zusammen mit dieser die innen- und au\u00dfenpolitischen Ziele Bismarcks, insbesondere auch die antikatholischen Gesetzesvorlagen, gro\u00dfteils unterst\u00fctzte. Innerhalb der (grob gesehen) 5 politischen Lager [von rechts nach links: Konservative (KP) , Nationalliberale (NLP), Linksliberale = Deutsche Fortschrittspartei (DFP), Zentrumspartei (ZP) und Sozialdemokratische Deutsche Arbeiterpartei (SDAP)] nahm diese die linke Mitte, die Nationalliberale Partei die rechte Mitte ein.<\/p>\n<p>&#8211; Und der der Zentrumspartei angeh\u00f6rende FREIHERR DR. FRIEDRICH DAEL VON K\u00d6TH-WANSCHEID (1808 \u2013 1883), Wein-Mustergutsbesitzer, Rittmeister \u00e0 la suite und Stimmberechtigter aus dem eingesessenen Adel mit gr\u00f6\u00dferem Grundeigentum f\u00fcr die Wahl von zwei Mitgliedern der Ersten Kammer der St\u00e4nde des Gro\u00dfherzogtums Hessen, aus dem katholischen Schloss- und Wallfahrtsort S\u00f6rgenloch in Rheinhessen s\u00fcdlich von Mainz stammend, langj\u00e4hriger Vizepr\u00e4sident des Deutschen Weinbauvereins und Pr\u00e4sident des Hessischen Bauernvereins.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung in Wimpfen fand der erstgenannte Kandidat der DFP dadurch, dass am 3. Januar 1874, d. h. eine Woche vor dem Wahltag, im \u201eWimpfener Bote\u201c der nachfolgende Aufruf ver\u00f6ffentlicht wurde:<\/p>\n<p><em>\u201eWie allgemein bekannt ist, findet die Wahl zum deutschen Reichstag n\u00e4chsten Samstag, den 10. Januar, statt. F\u00fcr unseren Wahlkreis Worms-Heppenheim-Wimpfen ist von der Fortschrittspartei Fabrikant C. W. Heyl aus Worms als Kandidat aufgestellt. Wir f\u00fchlen uns gedrungen, jedem unserer Mitb\u00fcrger diese so wichtige Wahl besonders ans Herz zu legen und Jedem, welchem an der Vervollkommnung zum Ausbau des deutschen Reiches gelegen ist, zuzurufen sein Wahlrecht nicht zu vers\u00e4umen und Herrn Heyl zu w\u00e4hlen. &#8230; &#8211; Mehrere B\u00fcrger.\u201c<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Es wurde abschlie\u00dfend angek\u00fcndigt, dass das Wahlprogramm des Kandidaten Heyl in Flugbl\u00e4ttern ausgegeben werden w\u00fcrde. Und ein entstandenes \u201eLocal-Comit\u00e9 der Fortschrittspartei\u201c hielt am Freitag, dem 9. Januar, also erst am Tag vor dieser zweiten Reichstagswahl, im Rathaussaale eine W\u00e4hlerversammlung ab, zu der, so hie\u00df es &#8211; Problem der r\u00e4umlichen Trennung &#8211; entschuldigend, Herr Heyl pers\u00f6nlich wegen einer Volksversammlung in Worms nicht erscheinen k\u00f6nne.<br \/>\nGleichzeitig erschien an diesem Tag der folgende weiterere Zeitungsaufruf:<\/p>\n<p><em>\u201eW\u00e4hler des Kreises Wimpfen! Nachdem von dem Wahlverein Worms-Heppenheim-Wimpfen f\u00fcr die bevorstehende Reichstagswahl Wilhelm Heyl aus Worms als Candidat aufgestellt worden ist, hat dieser Vorschlag bei allen freisinnigen, eine nationale Entwicklung erstrebenden M\u00e4nnern allgemein Anklang gefunden. Der Tag der Wahl r\u00fcckt heran und wir halten es f\u00fcr Pflicht, auch unsererseits alle W\u00e4hler dringend aufzufordern, an der Wahlurne zu erscheinen und seine Stimme f\u00fcr Cornelius Wilhelm Heyl abzugeben. Jede Stimme ist wichtig und wer am Wahltage fehlt, verst\u00e4rkt die Macht der Feinde des Reichs und der Freiheit. Darum eilt alle, die Ihr den Wert nationaler Unabh\u00e4ngigkeit und die Erhaltung des uns nach au\u00dfen und innen sch\u00fctzenden Reichs hochstellet, am 10. 1. zur Wahlurne und gebt eintr\u00e4chtig Eure Stimme ab f\u00fcr C. W. Heyl zu Worms &#8230; . Der Vorstand des Local-Comit\u00e9s des Worms-Heppenheim-Wimpfener Wahlvereins.\u201c<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Abgesehen davon, dass keiner der Kandidaten pers\u00f6nlich in Wimpfen vorstellig wurde, erfolgte der Wahlkampf einseitig ohne das Dagegenhalten anderer Parteilager und ohne Einbringung von Argumenten mit blo\u00dfen Schlagwortfloskeln wie \u201eVervollkommnung zum Aufbau des Deutschen Reiches\u201c einerseits und \u201eMacht der Feinde des Reichs und der Freiheit\u201c anderseits.<\/p>\n<p>Doch bewirkten diese Appelle und dar\u00fcber hinaus der inzwischen im gesamten Deutschen Kaiserreich aufgeflammte Funke der Reichs- und Kaiserbegeisterung tats\u00e4chlich, dass die Zeitung am Montag, 2. Januar 1874, nach der Wahl den folgenden Erfolgsbericht geben konnte:<\/p>\n<p><em>\u201eUnterm Gestrigen traf hier bez\u00fcglich der Reichstagswahl folgendes Telegramm von Worms ein: \u201aHerrn B\u00fcrgermeister Ernst, Wimpfen. Ultramontan bis jetzt 3.493, Kaiser und Reich 9.385,, Wimpfen hoch! Heyl\u2019. \u2013 Noch nie zeigte sich bei einer Wahl dahier ein so reges Interesse, wie bei der letzten Samstag stattgehabten Reichstagswahl. Sogar alte und kranke M\u00e4nner kamen mit Kr\u00fccken oder lie\u00dfen sich aus der Nachbarschaft herbeitragen. Es ist dies ein ehrendes Zeichen der hiesigen Bewohner und hat man mit Freuden wahrgenommen, wie sehr sich dieselben f\u00fcr den Ausbau und die Befestigung des gro\u00dfen deutschen Reiches interessieren.- Von 593 Wahlberechtigten w\u00e4hlten 503 und fielen hiervon<br \/>\n<\/em><em>&#8211; 485 Stimmen auf Cornelius Wilhelm Heyl in Worms,<br \/>\n<\/em><em>&#8211; 17 Stimmen auf Freiherrn Friedrich von Dael-K\u00f6th-Wanscheid in S\u00f6rgenloch,<br \/>\n<\/em>&#8211; <em> 1 Stimme auf einen hiesigen B\u00fcrger.<br \/>\n<\/em><em>In der Gemeinde K\u00fcrnbach haben von 195 Wahlberechtigten 181 abgestimmt. S\u00e4mtliche Stimmen fielen auf Cornelius Wilhelm Heyl in Worms.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Daraus ergibt sich die hohe Wahlbeteiligung von 84,8 %. Das Gesamtergebnis war laut Meldung im \u201eWimpfener Bote\u201c:<\/p>\n<p>&#8211; Cornelius Wilhelm Heyl zu Worms (DFB) 11.195 Stimmen, laut anderer Quelle:<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a> 11.205 von 16.363 abgegebenen Stimmen, das sind 68,6 % der Stimmen.<br \/>\n&#8211; Freiherr Friedrich Dael von K\u00f6th-Wanscheid (ZP): 5.132 Stimmen, das sind 31,4 % der Stimmen; verlorene Stimmen 3, ung\u00fcltige Stimmen 23.<\/p>\n<p>In Anbetracht von 18.980 Wahlberechtigten lag die Wahlbeteiligung im Wahlkreis sogar bei 86,2 %. Bezogen auf das Reichsgebiet betrug diese nur 61,2 %, wenngleich damit das der Wahl von 1871 betr\u00e4chtlich \u00fcbertroffen wurde. Der nachstehend gezeigte Appell des Wahlcomit\u00e8s der Fortschrittspartei Worms-Heppenheim-Wimpfen an die W\u00e4hlerschaft, der einige Tage nach der Wahl in den Zeitungen und so auch im \u201eWimpfener Bote\u201c erschienen ist, stellt nicht allein eine Dankesbezeugung an diese dar, sondern sehr viel mehr ein von m\u00e4chtiger Begeisterung getragenes Bekenntnis zu \u201eKaiser und Reich\u201c und dem nunmehr geeinten \u201eDeutschland\u201c sowie (im Gedenken Luthers Gewissensentscheidung auf dem Wormser Reichstag) zu \u201eliberalen Prinzipien\u201c:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca005.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca005-1024x585.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. C 5: Aufruf des Bezirks-Wahl-Comit\u00e9es von Worms-Heppenheim-Wimpfen im \u201eWimpfener Bote\u201c zum Abstimmungsergebnis der zweiten Reichstagswahl vom 10. Januar 1874<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Feststellung, dass sich die Stadt Worms <em>\u201emit ihrer confessionell gemischten Bev\u00f6lkerung, mit an Einstimmigkeit grenzender Majorit\u00e4t zum Reiche gestellt &#8230; habe\u201c<\/em>, l\u00e4sst erkennen, dass man der Gegenpartei, dem Zentrum, das Stehen zu \u201eKaiser und Reich\u201c absprach. Man sp\u00fcrt die dieses Wahlgeschehen beherrschende Polarisierung, womit die weit unterlegenen \u201eUltramontanen\u201c als die Feinde des Reiches und des Kaisers apostrophiert werden. Der Umstand, dass aber dieser verp\u00f6nten Partei bei ca. 45 wahlberechtigten Katholiken in Wimpfen immerhin 17 Stimmen zugefallen sind, l\u00e4sst erkennen, dass im vorwiegend evangelischen Wimpfen die nur ca. 8,5 % der Einwohnerschaft ausmachenden Katholiken zu einem nicht unbetr\u00e4chtlichen Teil trotz der am Ort \u00f6ffentlich nur h\u00f6rbar gewesenen einseitigen Parolen des Lokal-Comit\u00e9es der DFP nicht gefolgt sind und den Kandidaten des Zentrums gew\u00e4hlt haben.<\/p>\n<p>Das Wahlergebnis dieser Zweiten Reichstagswahl im Deutschen Reich des Jahres 1874, wo durch die inzwischen hinzugekommenen \u201eReichslande Elsa\u00df-Lothringen\u201c sich die Zahl der Wahlkreise um 15 vermehrt hatte und somit jetzt 397 Abgeordnete gew\u00e4hlt worden sind, sieht, verglichen in der letzten Spalte mit der ersten Reichstagswahl des Jahres 1871, folgenderma\u00dfen aus:<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce006.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce006-1024x471.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p>1877 bei der Wahl des Dritten Reichstags finden wir CORNELIUS HEYL\u00a0wiederum als Kandidaten, jetzt aber der Nationalliberalen Partei, der also innerhalb der Liberalen zum rechten Fl\u00fcgel hin geschwenkt ist, und als anderen Kandidaten den Vertreter der Zentrumspartei &#8211; wie schon 1871 &#8211; STAATSRAT FREIHERR ARNOLD VON BIEGELEBEN. Der Erstgenannte wird von einem aus 12 gew\u00e4hlten Vertrauensm\u00e4nnern bestehenden Kreisausschuss unterst\u00fctzt, in dem allerdings ein Vertreter Wimpfens nicht zu finden ist. Dessen Wahlaufruf vom 30. 12. 1876 lautet folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p><em>\u201eAn die W\u00e4hler des Wahlkreises Worms-Heppenheim-Wimpfen. Mitb\u00fcrger! Am 10. Januar wird das deutsche Volk diejenigen M\u00e4nner bestimmen, die in dem n\u00e4chsten Reichstage an der Erhaltung und Weiterbildung der Verfassung und Gesetzgebung unseres Vaterlandes mitarbeiten sollen. Die verschiedenen Parteien sind schon \u00fcberall in erbittertem Kampfe begriffen. Unsere Partei ist es inbesondere, gegen welche sich die Angriffe der \u00fcbrigen richten. Neben den alten tritt uns eine Reihe neuer Gegner verschiedener F\u00e4rbung mit verschiedenen Waffen entgegen. Wir lassen uns hierdurch nicht irre machen. Viel Feind, viel Ehr! Wir m\u00fcssen anerkennen, da\u00df die Richtung, in welche das neue deutsche Reich ausgebaut worden ist, im gro\u00dfen und ganzen die richtige ist, wenn wir auch Einzelnes anders gew\u00fcnscht h\u00e4tten, und wir k\u00f6nnen nimmermehr zugeben, da\u00df von der bisher eingeschlagenen Richtung und Bahn in politischer und sozialer Beziehung abgewichen werde. Ein unbeirrtes Festhalten an den liberalen Prinzipien wird zeigen, da\u00df nur diese zu einer entschiedenen Besserung der Verh\u00e4ltnisse f\u00fchren k\u00f6nnen. Alle Vorw\u00fcrfe, welche man in dieser Beziehung dem Liberalismus macht, sind ungerechtfertigt. Mitb\u00fcrger! Deshalb stehen wir fest zu unserer alten Fahne und w\u00e4hlen auch diesmal wieder einen Abgeordneten, der der liberalen Partei angeh\u00f6rt. Wir schlagen euch hierzu den Mann vor, der seither unser Vertreter war und der sich als solcher unser volles Vertrauen erworben und erhalten hat: Herrn C. W. Heyl von Worms. &#8211; Worms, 30. Dez. 1876. Der von den Vertrauensm\u00e4nnern des Wahlkreises gew\u00e4hlte Kreisausschu\u00df.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der (linksliberalen) Fortschrittspartei, aus der 1867 die Nationalliberale Partei hervorgegangen ist und die von Heyl bislang vertreten hat, werfen die Nationalliberalen in einem in einer Extrabeilage der \u201eWimpfener Zeitung\u201c erschienenen Wahlaufruf u. a. vor, dass sie mit den Gesetzen zur Herstellung der Rechtseinheit der L\u00e4nder des Deutschen Reiches nicht einverstanden sei, <em>\u201eweil einige Freiheiten betr. der Pressefreiheit noch nicht erreicht sind\u201c<\/em>. Wie 1874 melden sich vor der Wahl also nur die Nationalliberalen und wiederum nur \u00fcber die Presse zu Wort und ist von einem Wahlkampf im Sinne der direkten Auseinandersetzung der Kandidaten und ihrer Parteilager nicht zu reden. Heyl kann sich im Wahlkreis mit 10.585 (70 %) gegen\u00fcber von Biegeleben mit 4.531 (knapp 30 %) erreichten Stimmen klar und in Wimpfen mit 392 gegen\u00fcber nur 9 (statt fr\u00fcher 17) Stimmen (bei von rund 85 % auf rund 65 % gesunkener Wahlbeteiligung!) \u00e4u\u00dferst \u00fcberlegen durchsetzen. Dies geschieht, obgleich die Nationalliberalen im Reichstag, anders als die Konservativen, empfindliche Verluste hinnehmen m\u00fcssen und die Zentrumspartei die Zahl ihrer Sitze leicht vergr\u00f6\u00dfern kann und so als abermalige zweitst\u00e4rkste Kraft mit nunmehr 93 Sitzen deren 128 Sitzen abermals n\u00e4herger\u00fcckt ist. Dieser eindeutige Rechtsruck auf Kosten der Nationalliberalen und der Fortschrittspartei geht &#8211; in Wimpfen damals weder angesprochen noch gesehen &#8211; vor allem darauf zur\u00fcck, dass Reichskanzler Bismarck von der bislang vertretenen Freihandelspolitik der Liberalen abger\u00fcckt war und nun die sog. Schutzzollpolitik der Konservativen mit dem Ziel des Schutzes der enorm aufstrebenden Industrie sowie der ostelbischen Gro\u00dfgrundbesitzer und des Bauerstandes \u00fcberhaupt vor der Konkurrenz ausl\u00e4ndischer Industriewaren- bzw. Getreideimporte favorisierte. Dieser Schwenk Bismarcks war der Grund, warum der lebenslange Bismarckverehrer Heyl ins Lager der diesen in seinen nunmehrigen Schutzzollpolitik st\u00fctzenden Nationalliberalen \u00fcbergewechselt war. Im selben Jahr 1877 wurde Heyl von Gro\u00dfherzog Ludwig III. als bleibendes Mitglied in die I. Kammer des Hessischen Landtags berufen.<\/p>\n<ol start=\"6\">\n<li><strong> Durch das Reichsgesetz \u00fcber die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschlie\u00dfung wird gegen den Widerstand vor allem der Katholischen Kirche die sog. Zivilehe eingef\u00fchrt, die durch das ins Leben gerufene und vom B\u00fcrgermeister gef\u00fchrte Standesamt vollzogen wird.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Ein weiteres &#8211; in der Zeit des aus dieser zweiten Reichstagswahl hervorgegangenen Reichstags entstandenes &#8211; Gesetz war das durch (so war der Gang der damaligen immer noch \u201evon oben\u201c erfolgenden Reichs-Gesetzgebung!) \u201eWilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, K\u00f6nig von Preu\u00dfen etc. im Namen des Deutschen Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bundesrathes und des Reichstages\u201c verordnete \u201eReichs-Gesetz \u00fcber die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschlie\u00dfung\u201c vom 6. Februar 1875. Dieses wurde durch die diesbez\u00fcgliche \u201eVerordnung\u201c von \u201eLudwig III. von Gottes Gnaden Gro\u00dfherzog von Hessen und bei Rhein etc. etc.\u201c vom 16. November 1875 auch auf Landesebene wirksam und dort zum 1. Januar 1876 in Kraft gesetzt. Da die Auswirkungen desselben die Menschen fortab quasi \u201evon der Wiege bis zur Bahre\u201c begleitet haben, d\u00fcrfte dieses nicht minder als die bereits geschilderten gesetzlichen Neuerungen des Ma\u00df- und Gewichts, Geld- und Wahlwesens in die eingeschliffenen tradierten Gewohnheiten der Menschen eingegriffen haben. Kurz vor dessen Inkrafttreten, am 20. Dezember 1875, wurden im \u201eWimpfener Bote\u201c die neuen Regelungen dieses Gesetzes, insbesondere die sog. Zivilehe, wie (gek\u00fcrzt) folgt bekanntgemacht:<\/p>\n<p><em>\u201eDurch Reichsgesetz vom 6. 2. 1875 ist f\u00fcr das ganze deutsche Reich angeordnet, da\u00df alle Geburts- und Sterbef\u00e4lle dem Standesbeamten angezeigt und Eheschlie\u00dfungen vor diesem Beamten zu geschehen haben. Der Standesamtsbezirk Wimpfen besteht, h\u00f6herer Ordnung gem\u00e4\u00df, aus Wimpfen am Berg, Wimpfen in Tal, Hohenstadt, Helmhof und Finkenhof. Der hessische Teil von K\u00fcrnbach bildet einen besonderen Standesamtsbezirk. &#8230; Nach der Eheschlie\u00dfung erhalten die civiliter Getrauten einen Trauschein, welcher den betreffenden Geistlichen in die Lage versetzt, die kirchliche Trauung vorzunehmen. Den Geistlichen ist untersagt, vor geschehener Ziviltrauung eine kirchliche Trauung vorzunehmen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das Bestimmungswort \u201eZivil\u201c steht hier nicht als Gegenbegriff von \u201eMilit\u00e4r\u201c, sondern der bislang allein von der Kirche durch die kirchliche Trauung vollzogenen religi\u00f6s-kirchlichen Ehe gegen\u00fcber. Das Recht, legale Eheschlie\u00dfungen durchzuf\u00fchren, hatte bis zum Erlass dieses Gesetzes allein bei der jeweiligen Staatskirche gelegen und war jetzt im Zuge der angestrebten Trennung von Staat und Kirche ohne Einschr\u00e4nkung auf den Staat \u00fcbergegangen. Unmissverst\u00e4ndlich wurde dies der widerstrebenden Katholischen Kirche als der erkl\u00e4rten Gegnerin und Widersacherin Bismarcks im Kulturkampf in den Schlussbestimmungen des Gesetzes dadurch bedeutet, dass zuwiderhandelnde Geistliche <em>\u201emit Geldstrafe bis zu dreihundert Mark oder Gef\u00e4ngni\u00df bis zu drei Monaten bestraft\u201c <\/em>werden. Hier sei bemerkt, dass erst seit 1. Januar 2009 durch das Personenstandsreformgesetz die kirchliche Trauung keinerlei zivilrechtliche Relevanz mehr besitzt und somit das Verbot der religi\u00f6sen Voraustrauung aufgehoben ist.<\/p>\n<p>Ein langer die \u00dcberschrift \u201eCivilstandsgesetz und kirchliche Ordnung\u201c tragender Zeitungsbericht vom 21. Februar 1876 meint in sorgenwehrendem Hoffen u. a.: <em>\u201eEs sind viel Sorgen laut geworden hinsichtlich der Einwirkung des Cicilstandsgesetzes auf das kirchliche Leben. &#8230; Wir zweifeln nicht, da\u00df das Volk seinen christlichen Charakter behalten wird.\u201c <\/em>In Anbetracht der in dieser Thematik steckenden Brisanz sowie der einschneidenden Ver\u00e4nderung alter gewohnter Sitte verwundert es nicht, dass die von B\u00dcRGERMEISTER FRIEDRICH ADOLPH ERNST\u00a0als nunmehriger Standesbeamter vorgenommene Amtshandlung der ersten Eheschlie\u00dfung und die unmittelbar angeschlossene kirchliche Trauung im \u201eWimpfener Bote\u201c mustersetzend folgendma\u00dfen beschrieben sind:<\/p>\n<p><em>\u201eGestern <\/em>(31. Januar 1876) <em>fand hier die erste Ziviltrauung auf dem Rathaus statt. Herr B\u00fcrgermeister Ernst nahm als Standesbeamter die Handlung in w\u00fcrdiger Weise vor, nachdem er dieselbe in passenden Worten eingeleitet hatte. Vom Rathause ging das Paar zur Kirche, wo dann die christliche Trauung in der alt\u00fcblichen Weise vollzogen wurde. Dem Brautpaare ward daselbst noch besondere Ehre durch Gesang des hiesigen Singkranzes zu Teil.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Bei dem Brautpaar handelte es sich um FRIEDRICH SCH\u00c4FER\u00a0und MARIE SCH\u00c4FER, geborene M\u00dcNCH.\u00a0Mit R\u00fccksicht auf die auf den B\u00fcrgermeister hinzugekommene Arbeit als Standesbeamter wurde vom Gemeiderat beschlossen, die ihm gezahlten j\u00e4hrlichen sog. B\u00fcrokosten auf 2.000 Mark zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Siehe hierzu:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca006_m1.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca006_m1-570x1024.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca006_m2.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca006_m2-570x1024.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. C 6a und 6b: Die im sog. Heiratsregister des Standesamtes Wimpfen unter der Nr. 1 am 31. Januar 1876 vorgenommene Eintrag des B\u00fcrgermeisters und Standesbeamten Ernst der von diesem an diesem Tag vollzogenen ersten sog. Ziviltrauung des Kaufmannes in Heidelberg Georg Friedrich Sch\u00e4fer und Marie Louise M\u00fcnch, Tochter des Rotgerbers Albert M\u00fcnch<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In einen in Klammer gesetzten Beisatz seine Betroffenheit sp\u00fcren lassend, vermeldet PFARRER WILHELM SCRIBA\u00a0in der Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde am Anfang der Eintragungen f\u00fcr das Jahr 1876 Folgendes:<\/p>\n<p><em>\u201e<\/em><em>Von diesem Jahr an wurden in Folge eines Reichstagsbeschlusses wie in ganz Deutschland (wo es noch nicht vorher geschehen war), so auch im Gro\u00dfherzogthum Hessen die Geistlichen von der F\u00fchrung der Civilstandesregister entbunden und dieselbe den Gro\u00dfh. B\u00fcrgermeistern als Civilstandsbeamten \u00fcbertragen. Die Kirchenb\u00fccher enthalten von nun an nur noch rein kirchliche Handlungen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Chronik der Katholischen Kirchengemeinde enth\u00e4lt insofern diesbez\u00fcglich nichts, indem f\u00fcr die Jahre 1859 bis 1877 jegliche Eintragung fehlt. In der erstgenannten Kirchenchronik f\u00fcr 1876 ist jedoch an sp\u00e4terer Stelle unter \u201eCopulationen\u201c (Eheschlie\u00dfungen) Folgendes vermerkt:<br \/>\n<em>\u201e32 Paare; ein Paar, n\u00e4mlich Carl Heinrich Schwenzer, Seifensieder, und seine Verlobte Caroline Christine Speer unterlie\u00dfen es, sich kirchlich trauen zu lassen. Wir wollen zu Gott hoffen, da\u00df dieses das erste und letzte Paar in hiesiger Gemeinde ist, welches ohne Gottes Segen zu begehren in den Ehestand eintritt.\u201c<br \/>\n<\/em>Dass der Wunsch des Pfarrers in Erf\u00fcllung gegangen ist, das zeigt der Umstand, dass von 1877 bis 1890 in der Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde der dortigen Eintragung der Anzahl der Eheschlie\u00dfungen sich stets \u201ealle kirchlich getraut\u201c und der ab 1881 gesondert angegebenen Eheschlie\u00dfungen in Hohenstadt und sp\u00e4ter auch Helmhof dieselbe Amerkung oder solche wie \u201eblos kirchliche Eheschlie\u00dfung\u201c oder \u201ekeine b\u00fcrgerliche Eheschlie\u00dfung\u201c oder \u201ekeine b\u00fcrgerliche Eheschlie\u00dfung ohne Trauung\u201c beigef\u00fcgt findet. Ab 1891 ist dann der Zahl der Eheschlie\u00dfungen nichts mehr beigegeben. 1902 hei\u00dft es jedoch:<br \/>\n<em>\u201eEin Methodist lie\u00df sich nicht kirchlich trauen und ist nach dem gegen ihn laut Kirchengesetz er\u00f6ffneten Verfahren aus der Kirche ausgetreten.\u201c<br \/>\n<\/em>Ob man aus dieser Eintragung schlie\u00dfen kann, dass sich auch weiterhin im Zeitraum von 1891 bis 1901 alle evangelischen Zivilgetrauten kirchlich trauen lie\u00dfen, muss offen bleiben. In der ab 1878 wieder gef\u00fchrten Chronik der Katholischen Kirchengemeinde sind wie zuvor keinerlei Eintragungen \u00fcber Geburten und Sterbef\u00e4lle sowie Eheschlie\u00dfungen vorgenommen, so dass Aussagen \u00fcber das Heiratsverhalten der Katholiken nach der Einf\u00fchrung der Zivilehe nicht getroffen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Schon 14 Monate vor Einf\u00fchrung der obligatorischen Zivilehe, die in Preu\u00dfen bereits durch ein Gesetz des Landtags ein Jahr fr\u00fcher als in den \u00fcbrigen L\u00e4ndern des Deutschen Reiches eingef\u00fchrt worden war, hatte der \u201eWimpfener Bote\u201c aus der Berliner historisch-satirischen Wochenzeitschrift \u201eKladderadatsch\u201c eine in acht lange Reimverse gefasste Art Anleitung \u00fcber die \u201eCivil-Trauung\u201c abgedruckt und so seine Leserschaft humorig auf das Kommende eingestellt. Diese ist gezeigt in<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca007.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca007-498x1024.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. C 7: \u201eDie Civil-Trauung. Ein H\u00fclfs- und Lehrb\u00fcchlein f\u00fcr Alle, die davor stehen<\/strong>.<strong>\u201c<\/strong><a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Der nach dem Gesetz vorgeschriebene Ablauf ergibt sich eing\u00e4ngig aus den fett herausgehobenen \u00dcberschriften von Nr. 2 (Vorlage der Papiere)), Nr. 3 (14-t\u00e4giger \u00f6ffentlicher Anschlag), Nr. 4 und 6 (Trauakt auf dem Standesamt mit zwei Zeugen) und Nr. 7 (Empfehlung der nachtr\u00e4glichen kirchlichen Trauung).<\/p>\n<p>Genau so waren nach den Bestimmungen des \u201eReichgesetzes \u00fcber die Beurkundung des Personenstandes und der Eheschlie\u00dfung\u201c die bislang herk\u00f6mmlich von den Geistlichen der beiden Konfessionen in den kirchlichen Geburts- und Sterbeb\u00fcchern vermerkten Meldungen der Geburten sowie Sterbef\u00e4lle erstrangig dem zust\u00e4ndigen Standesamt anzuzeigen und von diesem im sog. Geburtsregister und Sterberegister einzutragen. Siehe dazu:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca008a.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca008a-756x1024.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li><strong>Abb. C 8<\/strong><strong>: Die erste im sog. Geburtsregister des Standesamtes Wimpfen unter der Nummer 1 am 3. Januar 1876 vom B\u00fcrgermeister und Standesbeamten Ernst eingetragene Geburt des an diesem Tage geborenen und bereits zwei Tage sp\u00e4ter am 5. Januar 1876 gestorbenen Jungen Jacob Friedrich Kautter<\/strong>;<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca008b.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ca008b-538x1024.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. 9: Der erste im sog. Sterberegister des Standesamtes Wimpfen unter der Nummer 1 am 2. Januar 1876 vom B\u00fcrgermeister und Standesbeamten Ernst eingetragene Todesfall<\/strong> <strong>des am 1. Januar 1876 im Alter von zwei Monaten und 23 Tagen gestorbenen Kindes Ludwig Adolf Lipp<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Welch eminente Bedeutung staatlicher- wie gemeindlicherseits der Registrierung der Geburten, Eheschlie\u00dfungen und Sterbef\u00e4lle durch das Standesamt zubemessen worden ist, zeigt sich darin, dass fortab nach Jahresbeginn der \u201eWimpfener Bote\u201c bzw. die \u201eWimpfener Zeitung\u201c es nie vers\u00e4umte, der Leserschaft die Zahl der im abgelaufenen Jahr im sog. Standesamtsbezirtk Wimpfen erfolgten solchen bekanntzugeben.<\/p>\n<p>So meldet das Blatt am 31. Januar 1877 Folgendes:<\/p>\n<p><em>-\u201eIm Jahr 1876 sind im Standesamtsbezirk Wimpfen 135 Geburten, 36 Trauungen und 78 Sterbef\u00e4lle vorgekommen<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Dagegen meldet dieser unter dem 21. Januar 1874, wo die Ziviltrauung noch nicht eingef\u00fchrt gewesen ist, Folgendes:<\/p>\n<p><em>&#8211; \u201eIm Jahre 1873 wurden geboren 114 Kinder, 55 Knaben und 59 M\u00e4dchen, darunter 14 uneheliche und 7 totgeborene; getraut wurden 27 Ehepaare und gestorben sind 80 Personen, 30 m\u00e4nnlichen und 50 weiblichen Geschlechts; es finden sich darunter 41 Erwachsene und 39 Kinder.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die Zahlen der letztgenannten Angabe entsprechen genau denen der Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde. Es fehlen also hierin die Zahlen der Katholischen Kirchengemeinde, die in den nunmehr vom Standesamt \u00fcbernommenen Meldungen der Zeitung jetzt einbezogen sind, so z. B.:<\/p>\n<p><em>&#8211; 1979 sind im ganzen Jahr vorgekommen: 135 Geburten, 16 Heiraten und 10 Sterbef\u00e4lle, worunter 4 Totgeborene.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; 1980 wurden geboren 119, getraut 15, sind gestorben 96 Personen.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; 1881 (1887) wurden beim hiesigen Standesamt 132 (132) Geburten, 23 (21) Eheschlie\u00dfungen und 95 (81) Todesf\u00e4lle registriert.<\/em><\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig wurde jetzt auch in der Zeitung in gewissen Abst\u00e4nden ein namentlicher Auszug der in den Standesamtsregistern verzeichneten A. Geburten, B. Trauungen und C. Sterbef\u00e4lle bekanntgemacht. Dazu ein wahllos herausgesuchtes Beispiel:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce007.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-343\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce007-653x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"653\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce007-653x1024.jpg 653w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce007-96x150.jpg 96w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce007-191x300.jpg 191w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ce007-768x1205.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 653px) 100vw, 653px\" \/><\/a><\/p>\n<ol start=\"7\">\n<li><strong> Nach dem Tod des Stadtpfarrers Georg Wagner bleibt im Gefolge des weiter andauernden Kulturkampfes die katholische Pfarrstelle fast ein Jahrzehnt sowie nach dem Tod des diese mitversehenden Verwalters des Kaplaneibenefiziums Jakob Koch auch dessen Stelle lange unbesetzt.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>F\u00fcr die kleine Katholische Kirchengemeinde Wimpfen sollten die Auswirkungen des bislang lediglich direkt durch die Aufl\u00f6sung der Katholischen Schule Wimpfen im Tal und die eingef\u00fchrte Zivilehe sp\u00fcrbar gewordenen Kulturkampfes erst in dem Moment folgenschwerer werden, als im Fr\u00fchjahr 1878 die Neubesetzung der katholischen Pfarrerstelle durch den Tod ihres Inhabers anstand. Dar\u00fcber erfahren wir aus der Chronik der Katholischen Kirchengemeinde, in der f\u00fcr das Jahr 1878 von unbekannter Hand (m\u00f6glicherweise von B\u00fcrgermeister Ernst) nach 20-j\u00e4hriger Pause pl\u00f6tzlich wieder eine erste Eintragung zu finden ist und solche k\u00fcnftig wieder allj\u00e4hrlich zu finden sind, das Folgende:<\/p>\n<p><em>\u201eIm Jahre 1878 den 24. M\u00e4rz starb dahier Herr Stadtpfarrer Wagner im hohen Alter von beinahe 77 Jahren in Folge eines Gehirnschlages. Die Beerdigung fand statt den 27. M\u00e4rz in Gegenwart von 17 benachbarten Geistlichen, des Herrn Dekan Vierling, der die Leichenrede hielt, und des Herrn Dekan Goeser von Sontheim, der das feierliche Requiem celebrierte. Aus dem Decanat Heppenheim war noch erschienen Herr Beneficiat Kemb von Heppenheim.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die breite Beteiligung katholischer Geistlicher der Umgegend ist vor allem damit zu erkl\u00e4ren, dass die Wimpfener Katholiken und ihre Kirche zum Heiligen Kreuz insbesondere in den jenseits und diesseits des Neckars gelegenen ehemals deutschherrischen katholischen Gemeinden hohe Geltung hatten und von dort her in der Kulturkampfzeit betonten Zuspruch und Unterst\u00fctzung fanden.<\/p>\n<p>Aus dem Folgeabschnitt geht die nun auftretende Problematik der Wiederbesetzung der Stelle hervor:<\/p>\n<p><em>\u201eWegen des Gesetzes vom 23. April 1875, betreffend die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen, konnte die Pfarrei nicht besetzt und auch ein Pfarrverwalter nicht ernannt werden. Letzeres war auch insofern nicht nothwendig, als ja der Verwalter des Kaplaneibeneficiums, Beneficiat Koch berechtigt und verpflichtet war, die Seelsorge in ihrem ganzen Umfange auszu\u00fcben. Die Regierung wollte dieses nicht anerkennen und ernannte auch das weltliche Mitglied des Kirchenvorstandes zum Vorsitzenden dieses Vorstandes.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Damit war vorl\u00e4ufig von der hessischen Regierung auf der Grundlage des genannten Kirchengesetzes das in Zweifel gestellt, was seit der Gr\u00fcndung der Katholischen Pfarrgemeinde und der Pfarrstelle im Jahre 1818 stets bei Abgang des katholischen Pfarrers durch Wegversetzung oder Tod hatte geschehen d\u00fcrfen, n\u00e4mlich die Versehung der verwaisten Pfarrstelle bis zu deren Wiederbestzung durch den Kaplan und Inhaber des Beneficiums St. Catharinae in Wimpfen im Tal durch dessen Bestellung zum Pfarrverwalter. Hier soll noch einmal kurz aufgezeigt werden (siehe dar\u00fcber in Band 2, S. 498 und 499), wie seit der Wegversetzung des ersten KATHOLISCHEN PFARRERS CASPAR GRIMM im Jahr 1835 diese Regelung \u00fcber vier Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts hinweg immer wieder praktiziert worden ist:<br \/>\nVersehung der durch dessen Berufung ins Dompapitel Mainz verwaisten Pfarrstelle ab dem 04. 11. 1835 durch\u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\">KAPLAN JOHANN<\/span><u>\u00a0BAPTIST EDER<\/u> bis zum Dienstantritt von Pfarrer IGNAZ COMO zum 15. 06. 1836; dann nach dessen Tod am 07. 02. 1842 wieder durch den Vorgenannten bis zur Stelllen\u00fcbernahme durch Pfarrer ANTON ALOIS JOSEPH KRONENBERGER am 02. 11. 1842; schlie\u00dflich nach dessen Tod am 08. 02. 1857 durch\u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\">KAPLAN JOHANNES<\/span><u>\u00a0RIES<\/u> bis zum Dienstantritt von Pfarrer GEORG WAGNER sowie nach dessen Tod im Jahr 1878 durch Vorgenannten; Bestellung nach dessen Tod ab 25. 05. 1857 bis zur \u00dcbernahme der Pfarrei am 06. 05. 1858 durch Pfarrer GEORG WAGNER wieder von <span style=\"text-decoration: underline;\">KAPLAN JOHANNES RIES<\/span>. Dem Letztgenannten war 1859 <span style=\"text-decoration: underline;\">KAPLAN PETER <\/span><u>JOSEPH VOSS<\/u> gefolgt, der am 24. Januar 1875 verstorben war. An dessen Stelle war\u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\">KAPLAN JAKOB<\/span><u>\u00a0KOCH<\/u> getreten, der, wie oben dargelegt, nach dem Tod von Stadtpfarrer GEORG WAGNER am 24. O3. 1878 dessen Aufgaben \u00fcbernahm, was jedoch von der Regierung zun\u00e4chst keine Anerkennung fand.<\/p>\n<p>Die Chronik-Eintragungen f\u00fcr die beiden Folgejahre weisen aus, dass letztlich denn doch die beh\u00f6rdliche Genehmigung zur Abwendung des entstandenen personellen Notstandes in der fr\u00fcher ge\u00fcbten Weise erteilt wurde:<\/p>\n<p><em>&#8211; \u201e1880: Am 18. M\u00e4rz erkl\u00e4rte das Gro\u00dfh. Ministerium des Innern und der Justiz, es sei zwar nicht unzweifehaft, aber doch die Auffassung nicht geradezu als unberechtigt abzuweisen, da\u00df die Kaplaneistelle bei der vereinigten Pfarrei f\u00fcr Wimpfen a. B. und Wimpfen i. Th. eine selbst\u00e4ndige dotierte Stelle, somit die eines sog. selbst\u00e4ndigen Hilfspriesters bilde, welcher auch zur Aus\u00fcbung der Seelsorge mit ihrem vollen Umfang im Falle der Pfarrvacanz erm\u00e4chtigt war. In Konsquenz dieser Erkenntnis wurde Beneficiat Koch als Pfarrverwalter anerkannt, ihm der Vorsitz im Kirchenvorstand \u00fcbertragen, der \u00dcberzug in das Pfarrhaus gestattet, sowie genehmigt, da\u00df er die Stiftungen gegen Bezug der Geb\u00fchren lese resp. nachhalte.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; \u201e1881 wurde Pfarrverwalter Koch auch zum Vorsitzenden des Schulvorstandes ernannt. Auch wurde die Vornahme von Reparaturen im Pfarrhaus sowie die Anschaffung von Obstb\u00e4umen zu Lasten des Vacanzfonds der Pfarrei genehmigt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die spitzfindige Argumentation des Ministeriums mittels zweimaliger doppelter Verneinung zeigt an, wie schwer sich dieses mit der Genehmigung auf dem Hintergrund des Kulturkampfes getan hat. Dieser wird im Gro\u00dfherzogtum Hessen trotz des inzwischen erfolgten Todes der beiden Hauptwidersacher, BISCHOF EMMANUEL VON KETTELER\u00a0im Jahr 1877 und PAPST PIUS IX.\u00a0im Jahr 1878, und trotz der Ann\u00e4herungsbereitschaft sowohl des NEUEN PAPSTES LEO XIII. ALS auch des REICHSKANZLERS BISMARCK\u00a0weitergef\u00fchrt; denn die hessische Landesregierung stimmt der Wahl des Leiters des Mainzer Priesterseminars CHRISTOPH MOUFANG, der als Gr\u00fcnder der hessischen Zentrumspartei u. a. m. einer der f\u00fchrenden K\u00f6pfe des politischen Katholizismus ist, zum neuen Bischof durch das Domkapitel nicht zu, so dass der Mainzer Bischofsstuhl unbesetzt bleibt.<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p>Wie der Pfarrchronik der Katholischen Kirchengemeinde im Fortgang zu entnehmen ist, hatte sich BENEFIZIAT KOCH\u00a0seiner nach der Aufl\u00f6sung der Katholischen Schule Wimpfen im Tal zun\u00e4chst blo\u00df auf die Aushilfe in der Seelsorge beschr\u00e4nkten T\u00e4tigkeit mit Eifer gewidmet. Und nach dem Tod von PFARRER WAGNER\u00a0tat er f\u00fcr die Pfarrei, jetzt der einzige Seelorger und <em>\u201ekeiner besonders kr\u00e4ftigen Constitution sich erfreuend, &#8230; was in seinen Kr\u00e4ften stand\u201c.<\/em> Seinen 1883 und 1884 vorgenommenen nachhaltigen Versuchen, das Gel\u00e4ute der Pfarrkirche zu verbessern, war kein Gl\u00fcck beschieden. Die diesbez\u00fcglichen Berichte der Pfarrchronik und der Zeitung zusammenfassend, entsteht das folgende Situationsbild: Die Katholische Pfarrkirche besa\u00df nur ein vom Kloster \u00fcbernommenes kleines Gl\u00f6ckchen (hohes cis) und eine noch unter Pfarrer Wagner durch Umguss geschaffene und Anfang September 1877 geweihte gr\u00f6\u00dfere Glocke (h). Beide Glocken konnten nach Kochs Meinung den Bed\u00fcrfnissen einer Pfarr- und Wallfahrtskirche sowie einer Bade- und Fremdenstadt nicht gen\u00fcgen. Nach vielen Bem\u00fchungen gelang es der Katholischen Kirchengemeindevertretung, h\u00f6heren Orts die Genehmigung zur Anschaffung von zwei neuen Glocken zu erlangen. Die zwei aus \u00dcbersch\u00fcssen des Benefiziums St. Catharinae in der r\u00fchmlichst bekannten Gie\u00dferei A. Hamm zu Frankenthal gegossenen Glocken in gis und cis, zusammen 645 kg schwer und 2.189 Mark und 50 Pf. kostend, trafen gegen Mitte November ein. Sie erschienen auf das Beste gelungen, erfreuten das Auge durch ihr sch\u00f6nes \u00c4u\u00dfere und man hoffte auf den herrlichsten Ton. Auch waren sie mit passenden Reimen versehen:<\/p>\n<p>&#8211; Die gr\u00f6\u00dfere mit:<em> \u201eIch rufe die Lebenden zum Gotteshaus. Ich begleite die Todten zum Grabe hinaus.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Die kleinere mit:<em> \u201eIch verk\u00fcnde Euch t\u00e4glich des Engels Gru\u00df. Ich lade Euch ein zu Gebet und Bu\u00df.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die kirchliche Weihe sollten diese am Sonntag fr\u00fch um \u00bd 10 Uhr empfangen. Der Gesangverein \u201eConcordia\u201c erbot sich, bei dieser Gelegenheit das sch\u00f6ne Lied \u201eJauchze den Herrn\u201c u. a. m. zu singen und auch der Katholische Kirchenchor wollte geeignete Ges\u00e4nge vortragen. <em>\u201eSo ist nun die katholische Gemeinde im Besitze eines sch\u00f6nen harmonischen Gel\u00e4utes, das, wenn es erst seinen herrlichen Ruf erschallen lassen wird, nicht nur den Katholiken, sondern auch allen Einwohnern hiesiger Stadt zu Freude gereichen d\u00fcrfte.\u201c <\/em>So der Vorbericht in der \u201eWimpfener Zeitung\u201c. Der \u00fcberraschende ungl\u00fcckliche Weitergang ist in der Kirchenchronik so beschrieben. <em>\u201eDas Aufstellen verursachte noch 295 M 58 Pf Kosten (incl. Herrichtung des Thurmes). Doch beim Probel\u00e4uten schon zeigte sich ein so bedenkliches Schwanken, da\u00df das L\u00e4uten der gr\u00f6\u00dften Glocke ganz untersagt, das der beiden anderen nur einzeln, nie zusammen, gestattet wurde. Das Klostergl\u00f6ckchen war aus dem Thurm entfernt worden. Es wurde der Versuch gemacht, <\/em>(inzwischen ist das Jahr 1884 erreicht)<em> durch Umh\u00e4ngen der Glocken, so da\u00df sie in der Richtung der L\u00e4ngsachse der Kirche schwingen, das Gel\u00e4ute f\u00fcr den Thurm weniger gef\u00e4hrlich zu machen und es wurde zu diesem Zweck weiter 19 M 70 Pf verausgabt, jedoch vergeblich: Das sch\u00f6ne Gel\u00e4ute blieb stumm.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Bald darauf, <em>\u201e1884 am 1. November<\/em> <em>starb der Hochw\u00fcrdige Herr Verwalter des Kaplaneibeneficiums und der Pfarrei Jakob Koch und wurde am 4. Nov. im Beisein von <\/em>(die hier gelassene L\u00fccke findet sich unausgef\u00fcllt)<em> Geistlichen durch den hochw. Dekan G\u00f6ser von Sontheim beerdigt. Die Leichenrede hielt Herr Dompr\u00e4bendar Nostedt <\/em>(?)<em> aus Mainz.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Und jetzt begann das Unheil dadurch perfekt zu werden, dass die Stelle des Katholischen Stadtpfarrers drei Jahre lang verwaist blieb. Die Gr\u00fcnde:<\/p>\n<p><em>&#8211; \u201eWegen Dissonanzen zwischen der Regierung und dem bisch\u00f6flichen Ordinariat\u201c<\/em>, so in der Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde;<br \/>\n<em>&#8211; \u201eda die unheilvollen Gesetze, welche die Ernennung eines Pfarrers oder auch nur eines Pfarrverwalters unm\u00f6glich machten noch bestanden\u201c, <\/em>so die Chronik der Katholischen Pfarrgemeinde.<\/p>\n<p>Hilfe in dieser Not kam jetzt aus den jenseitigen katholischen, einstens deutschherrischen, beiden Nachbargemeinden jenseits des Neckars: Es <em>\u201e\u00fcbernahm der hochw\u00fcrdige Herr Pfarrer Hofmann von Jagstfeld in bereitwilliger Weise die Nothseelsorge in Wimpfen und hielt, zeitweilig unterst\u00fctzt durch den hochw\u00fcrdigen Herrn Pfarrverweser Jettinger in Offenau und sp\u00e4ter des Pfarrers Rothenfels <\/em>(?)<em> von da, den sonnt\u00e4glichen Gottesdienst binando. Es wurde ihm auch die Ertheilung des Religionsunterrichtes in der Volksschule und in der Realschule \u00fcbertragen, sowie sp\u00e4ter die Abhaltung der gestifteten Gottesdienste. Die Verwaltung der Korporalien lag in den H\u00e4nden des blo\u00df aus Laien bestehenden Kirchenvorstandes.\u201c<\/em><\/p>\n<ol start=\"8\">\n<li><strong> Die Wiederbesetzung der beiden verwaisten katholischen Pfarrstellen erfolgt erst nach der im Zuge der Beendigung des Kulturkampfes erfolgten Neubesetzung des fast ein Jahrzehnt verwaisten Mainzer Bischofstuhls.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>\u00dcber die beiden Folgejahre ist diesbez\u00fcglich Folgendes berichtet:<\/p>\n<p>&#8211; 1885: <em>\u201eDer durch die Verwaisung eingetretene Nothstand dauert fort.<\/em><\/p>\n<p>&#8211; 1886: <em>\u201eDas 3. Jahr der Verwaisung beginnt. &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nun aber hei\u00dft es:<br \/>\n\u201e<em>Die Di\u00f6zese Mainz erh\u00e4lt nach 9j\u00e4hriger Verwaisung einen Oberhirten in der Person des hochw. Herren Domkapitulars Dr. Paul Leopold Haffner, welcher am 25. Juli durch den Hochw\u00fcrdigsten Herrn Bischof und erw\u00e4hlten Erzbischof Dr. J. Chr. Roos unter Assistenz der Hochw\u00fcrdigsten Bisch\u00f6fe Korum von Trier und Frhr. v. Leonrod von Eichst\u00e4tt im Dom zu Mainz zum Bischofe geweiht wird. Im September desselben Jahres besuchte er <\/em>(und zwar zum Kreuzfest) <em>die verwaiste Pfarrei Wimpfen und wurde mit gro\u00dfem Jubel unter Theilnahme auch der nicht katholischen Bev\u00f6lkerung der Stadt, welche in reichem Flaggenschmuck prangte, empfangen. Er nahm sein Absteigequartier bei Herrn Pfarrer Hofmann von Jagstfeld, wo ihm am Abend von den Katholiken Wimpfens eine Serenade gebracht wurde. Der Hochw\u00fcrdigste Herr spendete, nachdem er die Festpredigt zum Kreuzfest gehalten, das hl. Sakrament der Firmung.\u201c<br \/>\n<\/em>Dass die berichtete Anteilnahme des evangelischen Einwohneranteils tats\u00e4chlich vorhanden gewesen ist, das bezeugen zwei gro\u00dfe (nat\u00fcrlich aus katholischer Hand stammende) Berichte der \u201eWimpfener Zeitung\u201c, die hier ihrer origin\u00e4ren Aussagen zum Problem des Kulturkampfes wegen fast ungek\u00fcrzt wiedergegeben werden sollen:<\/p>\n<p>&#8211; \u00a0<em>\u201eDas Kreuzfest, das am kommenden Dienstag, den 14. September<\/em>\u00a0(= Fest der Kreuzerh\u00f6hung),<em> gefeiert wird, wird durch die Anwesenheit des HH Dr. Paul Leopold, Bischofs von Mainz, seine ganz besondere Weihe erhalten. Wenn das ganze Hessenland vor einigen Monaten von inniger Freude bewegt war, als die Kunde kam, durch Verst\u00e4ndigung Sr. Heiligkeit mit dem Papste durch den Gro\u00dfherzog sei f\u00fcr die Di\u00f6zese Mainz nach neunj\u00e4hriger Verwaisung ein neuer Bischof bestellt worden, so hat die katholische Gemeinde Wimpfen ganz besonderen Grund dar\u00fcber erfreut zu sein, da sie durch den Tod ihres Geistlichen schon lange Zeit jeder geordneten Seelsorge entbehrt. Und wenn es bei dem Mangel an Theologen dem bisch\u00f6flichen Stuhle auch vorerst nicht m\u00f6glich ist, Wimpfen einen Seelsorger zu geben, so erf\u00fcllt doch der Umstand, da\u00df es eine der ersten Amtshandlungen des neuernannten Bischofs ist, seine abgelegenste Pfarrgemeinde zu besuchen, mit der sicheren Hoffnung, da\u00df in nicht allzuferner Zeit, wie im ganzen Lande, so auch hier die Wunden eines langj\u00e4hrigen Kampfes vernarben m\u00f6gen. Es ist also gewi\u00df berechtigt, wenn die hiesige katholische Gemeinde die Vorbereitungen trifft, ihren Oberhirten w\u00fcrdig zu empfangen und durch Bekr\u00e4nzen und Beflaggen der H\u00e4user ihrer Anbahnung des Friedens zwischen Staat und Kirche auch \u00e4u\u00dferlichen Ausdruck zu geben. Sollten aber auch, wie zu w\u00fcnschen, Nichtkatholische zum Empfang des Oberhirten ihrer katholischen Mitb\u00fcrger etwas beitragen, so w\u00e4re es gewi\u00df ein sch\u00f6nes Zeichen daf\u00fcr, da\u00df Friede und Eintracht zwischen den Konfessionen in Wimpfen wie seither so auch fernerhin herrschen wird.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#8211; \u00a0<em>\u201eBischof Dr. Haffner in Wimpfen.- Wohl selten hat<\/em> <em>ein Kirchenf\u00fcrst einen festlicheren Einzug gehalten, als dies gestern (<\/em>gemeint der 14. September)\u00a0<em>seitens des neu ernannten Bischofs Dr. Haffner in Wimpfen geschah. Als der gestern<\/em><em>\u00a0um \u00be 4 Uhr mit der Bahn von Mainz angekomme Oberhirt durch die festlich beflaggten Stra\u00dfen, deren H\u00e4user s\u00e4mtliche mit Kr\u00e4nzen und Laubgebinden geschm\u00fcckt waren und durch die errichteten Triumphbogen zog, als ganz Wimpfen ohne Ausnahme ihm den Willkommensgru\u00df bot, da mochte sich der hohe W\u00fcrdentr\u00e4ger der kath. Kirche wohl einen Begriff machen von der Achtung der B\u00fcrgerschaft ohne Unterschied der Confessionen gegen einander, von dem \u00e4chten Gemein- und B\u00fcrgersinn der hies. Einwohner, die dem kleinen Bruchteil ihrer kath. Mitb\u00fcrger wetteifernd zur Seite standen und ihnen den festlichen Empfang ihres Oberhirten zu versch\u00f6nern halfen. Als der Zug in die Kirche eingezogen war, gedachte aber auch der Bischof in warm empfundenen Worten der Einwohner Wimpfens, dieser ihm von allen Seiten so herzlich entgegengebrachten Ovationen, die ihn tief ger\u00fchrt haben, er gedachte des langen Zeitraumes der Verwaisung des bisch\u00f6fl. Stuhles in Mainz und wie die hies. kath. Gemeinde leider schon so lange ohne Seelsorger sei, er sprach aber auch die zuversichtlichen Worte, da\u00df der so lange gest\u00f6rte Frieden zwischen Kirche und Staat wiederhergestellt werde, und da\u00df auch die kath. Gemeinde hier bald wieder einen Seelsorger erhalten werde. Abends 7 \u00be Uhr wurde dem hochw\u00fcrdigen Herrn, welche im Pfarrhause in Jagstfeld wohnte, ein St\u00e4ndchen gebracht, das derselbe am offenen Fenster stehend entgegennahm. Herr Steueraufseher Hammer bewillkommnete in herzlichen Worten den neuen Oberhirten u. brachte einen begeistert angenommenen Toast auf ihn aus, f\u00fcr welchen der hohe Herr in freundlichen, von Humor und Geist sprudelnden Worten herzlich dankte, und einen Toast auf Hrn. Pfarrer von Jagstfeld, der unerm\u00fcdet bestrebt ist, der kath. Gemeinde Wimpfen den Seelsorger zu ersetzen, ausbrachte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Staatsminister Finger erlie\u00df nach dieser Wiederbesetzung des Mainzer Bischofsstuhls eine Reihe von Kirchengesetzen, die in \u00dcbereinstimmung mit den von Preu\u00dfen, W\u00fcrttemberg und Baden damals geschaffenen sog. Friedensgesetzen standen, allerdings die Anzeigepflicht und das staatliche Einspruchsrecht bei der Besetzung von Pfarrstellen aufrecht erhielten. So erkl\u00e4rte Papst Leo XIII. am 23. Mai 1887 \u00f6ffentlich den <em>\u201eKampf, welcher die Kirche sch\u00e4digte und dem Staat nichts n\u00fctzte\u201c <\/em>f\u00fcr beendet.<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[16]<\/a> Somit meldet die \u201eWimpfener Zeitung\u201c, allerdings in sarkastischem Unterton, unter dem 22. Januar 1886:<br \/>\n<em>\u201eSo dick ist die Freundschaft bereits, da\u00df sie sich \u201aduzen\u2019, der Papst und der Reichskanzler Bismarck. Wenn nur Windthorst beiden nicht in die Suppe spuckt.\u201c<br \/>\n<\/em>Und jetzt konnte der Schreiber der Chronik der Katholischen Pfarrgemeinde auch f\u00fcr Wimpfen Positives vermelden:<\/p>\n<p>&#8211; 1887: <em>\u201eDa endlich die Hindernisse beseitigt waren, welche der Anstellung eines Seelsorgers f\u00fcr Wimpfen entgegenstanden, wurde Herr Kaplan Mischler von Darmstadt zum Pfarrverwalter ernannt, welcher am 8. August sein Amt antrat.- Bartholom\u00e4us Mischler ist geboren zu Biblis am 13. Oktober 1846 und wurde, nachdem er seine Studien in Mainz vollendet, am 30. Juli 1870 zum Priester geweiht. Er wirkte mit gro\u00dfem Eifer als Kaplan zu Herbstein, Oppenheim und Darmstadt und vom 1. August bis 16. Oktober als Pfarrverwalter von Wimpfen, sowie als Pfarrverwalter von Gro\u00df-Umstadt, bis ihm am 1. Februar folgenden Jahres die dortige Pfarrei \u00fcbertragen wurde.- Am 10. Okt. 1887 wurde Pfarrer Klein von Gro\u00df-Umstadt zum Pfarrer ernannt. Er trat die Stelle am 16. November 1887 an und wurde Sonntag, den 20. von Herrn Definitor Schmitt von F\u00fcrth unter Assistenz der Herren Pfarrer Hofmann von Jagstfeld und Rothenfels<\/em> (?)<em> von Offenau feierlich installiert.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der danach dargestellte Lebensgang mit der langen Liste von Dienstorten von Pfarrer Jakob Klein sei hier in gestraffter Form wiedergegeben:<\/p>\n<p>&#8211; geboren am 9. Mai 1839 in Hechtsheim bei Mainz;<br \/>\n&#8211; Gymnasial- und theologische Studien in Mainz;<br \/>\n&#8211; Priesterweihe am 9. August 1863 durch Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler;<br \/>\n&#8211; vom 16. September 1863 an Kaplan in Nieder-Olm\/Rheinhessen;<br \/>\n&#8211; vom 18. Oktober 1864 an in Kirdorf bei Homburg vor der H\u00f6he, aber namentlich in letztgenannter Stadt;<br \/>\n&#8211;\u00a0von November 1866 an in Gau-Algesheim\/Rheinhessen;<br \/>\n&#8211;\u00a0vom 22. September 1870 an Versehung der Stelle des als Divisionspfarrer den Feldzug in Frankreich mitmachenden; Pfarrers Konrad Sickingen von Oppenheim;<br \/>\n&#8211;\u00a0nach zweimonatigem Urlaub zur Kr\u00e4ftigung der Gesundheit;<br \/>\n&#8211;\u00a0vom 24. August 1871 an Kaplan in M\u00fchlheim am Main;<br \/>\n&#8211;\u00a0vom 16. August 1872 an Pfarrverwalter in Gundheim\/Rheinhessen;<br \/>\n&#8211;\u00a0nach mehrmonatigem weiteren Urlaub wegen wiederum geschw\u00e4chter Gesundheit;<br \/>\n&#8211;\u00a0vom 15. Juli 1873 an Kaplan in Herrelheim (?);<br \/>\n&#8211;\u00a0vom 18. November 1873 an Pfarrverwalter in Gro\u00df-Umstadt, ab 4. April 1874 Verleihung der dorigen Pfarrei:<br \/>\n&#8211;\u00a0am 10. Oktober 1887 zum Pfarrer in Wimpfen ernannt und Antritt der Stelle am 16. November 1887.<\/p>\n<p>Im selben Jahr wurde auch f\u00fcr die seit 1884 verwaiste Stelle des Kaplanei-Beneficiums im Tal die Ernennung von PFARRER FRIEDRICH K\u00d6STERIUS ausgesprochen, der aber diese &#8211; wohl wegen seiner schlechter Gesundheit &#8211; erst am 1. September 1888 antrat. Er war am 27. Januar 1830 in Darmstadt geboren, hatte seine theologischen Studien in T\u00fcbingen und Mainz absolviert und als Kaplan in Worms und Mainz an St. Emmeran und dort auch als Verwalter der Pfarrei St. Christoph gewirkt, dann als solcher in Ockenheim\/Rheinhessen und B\u00fcrstadt im hessischen Ried. Nach dem Wirken als Pfarrverwalter in Neckarsteinach und Kleinkrotzenburg am Main bei Seligenstadt, wo er noch l\u00e4nger als Kaplan verblieb, war er 1869 Pfarrer im nahen Nieder-Roden geworden. <em>\u201eGr\u00f6\u00dftentheils k\u00f6rperlich leidend,\u201c <\/em>so schlie\u00dft der Chronik-Bericht, <em>\u201efand er noch Zeit zu schriftstellerischen Arbeiten, die er z. T. unter dem Pseudonym Friedrich Clericus (z. B. Zehn Gebote katholischer Kindererziehung. Ein Volksb\u00fcchlein f\u00fcr katholische Eltern\u2019. Mainz 1870) ver\u00f6ffentlichte und welche sich haupts\u00e4chlich auf p\u00e4dagogischem und ascetischem Gebiete bewegten. Jahrelang war er auch Redakteur der in Donauw\u00f6rth erscheinenden Zeitschrift Ambrosius.- Sein leidender Zustand hinderte ihn, die Fr\u00fchmesse in der Pfarrkirche zu halten. \u00c4mter halten konnte er gar nicht, predigen wenig, dagegen h\u00f6rte er gern Beicht.\u201c<\/em><a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p>Diese Besetzung der Benefiziaten-Stelle im Tal mit einem gesundheitlich schwer angeschlagenen und ganz erheblich in seiner Berufstauglichkeit eingeschr\u00e4nkten Geistlichen einerseits sowie die 1875 erfolgte Einschr\u00e4nkung der Dotierung der Stelle sowie des Pflichtenkreises ihres Inhabers andererseits bewirkten, dass die mit dieser verbundene ehemalige Stiftskirche Wimpfen im Tal mehr und mehr in den Augen der Einwohnerschaft wie der Beh\u00f6rden als blo\u00dfe \u201eDi\u00e4tenkirche\u201c galt. Doch hatte die kleine Katholische Gesamt-Kirchengemeinde Wimpfen mit PFARRER JAKOB KLEIN nach 9 \u00bd-j\u00e4hriger Nichtbesetzung der Pfarrstelle endlich wieder ihren regul\u00e4ren Seelsorger. Dieser kann in der Pfarrchronik des Folgejahres 1888 \u00fcber erste gemeindliche Aktivit\u00e4ten berichten:<br \/>\n<em>\u201eAm 14. M\u00e4rz wurde die Jak.bruderschaft, deren Einf\u00fchrung Pfarrer Wagner trotz seiner Bem\u00fchungen nicht gelungen war<\/em>, eingef\u00fchrt<em>, im Juli auch das Apostolat des Gebetes. Es wurden zu den vorhandenen 9 Stationen die noch fehlenden 5 angeschafft und der Kreuzweg am 10. Juni durch P. Petrus Ord. Cap.<\/em> <em>Aus Dieburg eingeweiht. Auch ein neues Krippchen wurde f\u00fcr die Kirche angeschafft.\u201c<br \/>\n<\/em>Unter dessen Walten sollte es mit deren Geltung und Entwicklung, um dies &#8211; vorl\u00e4ufig abschlie\u00dfend &#8211; vorwegzunehmen, weiter t\u00fcchtig vorangehen, aber auch &#8211; wider die vorstehend berichteten \u00f6fteren Worte der vorhandenen konfessionellen Eintracht &#8211; der Kulturkampf auf Wimpfener Ebene erst beginnen und \u00fcber fast die ganze Kaiserzeit hinweg immer wieder aufflammen. Konkretes wird an sp\u00e4terer Stelle bei der Behandlung der B\u00fcrgermeisterwahl des Jahres 1889 unter E.3.c und E.4 sowie schlie\u00dflich J.3, J.4 und J.5 zu berichten sein.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Aus: Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 29<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Aus: Wikipedia, der freien Enzyklop\u00e4die, Kulturkampf, S. 1 \u2013 4, entnommen am 29. 02. 2012<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Siehe: Meyers Konversations-Lexikon, 1909, (Gro\u00dfherzogtum) Hessen &#8211; Geschichte, S. 273<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Bericht vom 25. Mai 1873 im \u201eWimpfener Bote\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Birkmeyer, Karl, 1971, S. 127<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Text unver\u00e4ndert entnommen: Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 50<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> Stadtarchiv Bad Wimpfen B 44<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Siehe Band 2, S. 153 und 154 (\u00dcbersicht: Besoldung des Kaplans &#8230; vom 1. November 1834)<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> Chronik der Katholischen Kirchengemeinde, 1884, S. 119<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> Zahlenangaben aus: Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 38<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 39 und 40<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> Klein, Thomas, 1995, S. 320<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> Aus: Wikipedia, der freien Enzyklop\u00e4die, Reichstagswahl 1871 und 1874, entnommen 13. 02. 2012<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> Wimpfener Bote vom 21. 10. 1874<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[15]<\/a> Demandt, Karl Ernst, 1972, S. 600<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[16]<\/a> Aus: Wikipedia, der freien Enzyklop\u00e4die: Kulturkampf, S. 4; entnommen 13. 03. 2012<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[17]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 2007\/08, Band 1, S. 30 (einschlie\u00dflich der Fu\u00dfnote Nr. 9)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DER BALD NACH DER REICHSGR\u00dcNDUNG ZWISCHEN DER REICHSREGIERUNG UND DER KATHOLISCHEN KIRCHE ENTSTANDENE SOG. KULTURKAMPF, DER NACH DEM MUSTER PREU\u00dfENS AUF EINE KLARE TRENNUNG DER STAALICHEN UND KIRCHLICHEN BEFUGNISSE AUSGERICHTET IST UND BALD AUCH DAS GRO\u00dfHERZOGTUM HESSEN ERFASST, SCHL\u00c4GT SICH IN WIMPFEN SELBST ZUN\u00c4CHST FAST NICHT MEHR ALS IN DEN REICHS- UND LANDESPOLITISCHEN BERICHTEN DES\u00a0\u201eWIMPFNER &hellip; <a href=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/startseite\/c-kulturkampf\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">C. Kulturkampf<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":4,"menu_order":7,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/126"}],"collection":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=126"}],"version-history":[{"count":42,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/126\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1210,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/126\/revisions\/1210"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=126"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}