{"id":132,"date":"2017-12-09T16:39:53","date_gmt":"2017-12-09T15:39:53","guid":{"rendered":"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/?page_id=132"},"modified":"2019-11-04T09:26:14","modified_gmt":"2019-11-04T08:26:14","slug":"f-wehr-und-herrscher-kult","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/startseite\/f-wehr-und-herrscher-kult\/","title":{"rendered":"F. Wehr- und Herrscher-Kult"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>DAS WIRKEN DES WIE \u00dcBERALL DEM DEUTSCH-FRANZ\u00d6SISCHEN KRIEG ENTWACHSENEN KRIEGERVEREINS MIT DER ALLJ\u00c4HRLICHEN FESTLICHEN BEGEHUNG DES SEDANTAGES UND AUCH DES TAGES DER SCHLACHT BEI GRAVELOTTE, DAZUHIN DIE WIEDERGR\u00dcNDUNG DES TURNVEREINS HEBEN AUF DIE PFLEGE DER ERINNERUNG AN DEN ERRUNGENEN SIEG UND DES DANKERF\u00dcLLTEN GED\u00c4CHTNISSES DER GEFALLENEN SOWIE DES WEHRGEDANKENS AB; HINZU TRITT DURCH DIE IM ZUGE DES KRIEGES GEWONNENE REICHSEINHEIT DER DAS GESAMTE DEUTSCHE KAISERREICH ERFASSENDE EXTREME NATIONAL-, KAISER- SOWIE BISMARCK-KULT, AU\u00dfERDEM DIE HOHE VEREHRUNG DES GENERALSTABSCHEFS HELMUTH VON MOLTKE, WAS SICH ALLES IN DER WIMPFENER ZEITUNG UND DORT INSBESONDERE IM ZUSAMMENHANG MIT DEN REICHSTAGSWAHLEN WIDERSPIEGET.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol><li><strong> Der 1873 gegr\u00fcndete Kriegerverein pflegt die Erinnerung an den im Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg errungenen Sieg und an dessen Opfer sowie das Nationalbewusstsein und den Wehrgedanken in extremer Art und Weise.<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Mag auch in das von Stadtpfarrer Klein in der Versammlung der katholischen M\u00e4nner ausgangs des Jahres 1890 ausgebrachte Hoch auf Papst und Kaiser eher taktischer denn von Herzen kommender Natur gewesen sein, so gab es gewiss in den Reihen der Teilnehmer des Krieges von 1870\/71 keinerlei trennende Schranken. Dies d\u00fcrfte auch f\u00fcr die auf den letzten Februar-Sonntag des Jahres 1873, nachmittags 3 Uhr, in das Stumpf\u2019sche Wirtslokal (gemeint der rechterhand an der Einm\u00fcndung der Feuerseestra\u00dfe in die beginnende Stra\u00dfe nach Rappenau gelegene Gastwirtschaft mit Bierbrauerei \u201eZum Hirsch\u201c, sp\u00e4ter \u201eZum Deutschen Kaiser\u201c) einberufenene \u201eSoldaten-Versammlung\u201c zum Zwecke der Gr\u00fcndung eines Kriegervereins gelten. Diese war erfolgreich und brachte den Eintritt von zun\u00e4chst 42 aktiven Mitgliedern.<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> Mitte September schlie\u00dft sich der junge Verein dem hessischen Landesverband der Kriegervereine \u201eHassia\u201c an. Der an die \u201eSoldaten\u201c gerichtete Aufruf und der zun\u00e4chst verwendete Name \u201eVeteranenverein\u201c zeigt, dass es sich bei den Mitgliedern zun\u00e4chst nur oder vornehmlich um ehemalige Teilnehmer des 1870\/71er- und wohl auch des 1866er-Krieges handelte. 1 \u00bc Jahre sp\u00e4ter, am 30. August 1874, erscheint bereits der Name \u201eKrieger-Verein\u201c und kann dieser seine Fahnenweihe begehen. Der lange Bericht des \u201eWimpfener Bote\u201c \u00fcber die festlich begangenen beiden Weihetage verdient es, vor allem im Blick auf die dort berichtete flammende Festrede des Ritterwirts und Mitinhabers der Papierfabrik WILHELM V\u00d6RG, die den vaterl\u00e4ndisch-wehrhaftigen Geist der damaligen Zeit verk\u00f6rpert, hier ungek\u00fcrzt wiedergegeben zu werden. Dazuhin ist in diesem Bericht ein getreues Bild dessen ausgebreitet, was sich k\u00fcnftig \u00fcber die gesamten fast f\u00fcnf Jahrzehnte des neuen Deutschen Kaiserreiches hinweg im \u00fcberbordenden Bereich der vaterl\u00e4ndischen Feste abspielen wird (in der Vorlage gesperrt gedruckte Begriffe finden sich hier durch Unterstreichung hervorgehoben):<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201e<strong>Locale Nachrichten: Wimpfen, 1. Sept.<\/strong> Das am letzten Sonntag abgehaltende Fest der Fahnenweihe des hiesigen Krieger-Vereins, zu dem aus Nah und Fern eine gro\u00dfe Anzahl G\u00e4ste sich eingefunden hatten, ist, beg\u00fcnstigt durch die herrlichste Witterung, als ein sehr gelungenes zu bezeichnen. Die Bedeutung dieser Feier wurde durch die Anwesenheit von 23 anwesenden Vereinen, welche schon in den Vormittagsstunden zum gr\u00f6\u00dften Theil angekommen waren, Ausdruck gegeben. Nachdem um halb 2 Uhr die Aufstellung am Kelterhaus beendigt und der Zug, voran 6 Mitglieder des Kriegervereins zu Pferd, dann die Musik, 39 Festdamen, der Krieger-Verein Wimpfen, der Gesangverein Concordia und an deren Anschlu\u00df die \u00fcbrigen Vereine, auf dem Festplatz angekommen war, begann daselbst die Feierlichkeit mit einem Gesang-Vortrag des hiesigen Gesangvereins Concordia, worauf der Vorstand des Wimpfener Krieger-Vereins, Herr Kreisbauaufseher <span style=\"text-decoration: underline;\">Braun<\/span> die Anwesenden namens der Stadt Wimpfen und des Kriegervereins willkommen hie\u00df. Hieran schlo\u00df sich die Festrede, gesprochen von Herrn Fabrikant <span style=\"text-decoration: underline;\">V\u00f6rg<\/span>. Im Eingang erinnert der Redner an die Zeit des ersten Napoleons, unter dessen Hand sich Deutschland 6 schwere Jahre beugen mu\u00dfte, w\u00e4hrend aber auch allgemein der Gedanke unter dem Volke war, da\u00df er der Unbesiegbare sei und unter dessen Joch man sich eben schicken m\u00fcsse. Aber schon damals sollte dieser Gedanke nicht f\u00fcr immer die Welt beherrschen, denn als er nach seinem Feldzug in Ru\u00dfland, wo ihm fast ganz Europa seine Streiter zur Verf\u00fcgung stellte, nur noch mit einem kleinen Rest derselben zur\u00fcckkehrte, erwachte in Preu\u00dfen die alte Hoffnung, der alte Muth wieder, und Alles, was Waffen tragen konnte, dr\u00e4ngte sich damals aneinander, um das Joch des Tyrannen zu zerbrechen, was auch geschah; das gleiche, sagt der Redner weiter, erlebten wir auch vor 4 Jahren, aber in weit gr\u00f6\u00dferer Bedeutung. Mit der vollen und wahren Begeisterung kamen die muthigen Schaaren deutscher Krieger von der Elbe, Oder, Main, Neckar, Donau u. s. w., zogen unter den Kl\u00e4ngen der Wacht am Rhein dem Flusse zu, dessen Ufer zu \u00fcberschreiten sie dem Feind kr\u00e4ftig wehrten. Von Sieg zu Sieg eilten die tapferen Schaaren, bis sie endlich den Frieden erzwangen und unter dem tausendf\u00e4ltigen Rufe der Begeisterung in ihre Heimat zur\u00fcckzogen. Der Redner bespricht sodann den Werth der Verbr\u00fcderung der Kriegskameraden zu Corporationen im b\u00fcrgerlichen Leben und sagt unter Anderem: Zweck dieses Vereines ist die Vereinigung der M\u00e4nner, die Schulter an Schulter im Feuer gestanden, damit diese Waffenbr\u00fcder auch in ihrem b\u00fcrgerlichen Leben als Kameraden neu verbunden bleiben, Frieden und Eintracht unter sich und mit allen Vereins-Kameraden zu halten. Das hohe Ziel aber, die Liebe zum gro\u00dfen deutschen Vaterlande, Liebe zu Einigkeit zu pflegen, den mannhaften Sinn zu erhalten, der f\u00fcr Alles Rechte einsteht, und mit allem Schlechten sich nie in Unterhandlung einl\u00e4\u00dft; die Bl\u00fcthen, die die Begeisterung der gro\u00dfen Zeit erschlossen, zu sch\u00f6nen Fr\u00fcchten reifen zu lassen, die deutsche Kraft zu pflegen, dieselbe nicht unn\u00fctz zu vergeuden; denn nur ein einfaches m\u00e4\u00dfiges deutsches Volk ist stark, zuchtloser Sinn schw\u00e4cht den Einzelnen, wie das ganze Volk. Am Schlusse sagt dann der Redner: \u201aDrum deutsche Krieger, erhaltet Euch Euren guten Sinn, wahret Euch die deutsche Kraft, damit Ihr dann auch wieder in kommenden Tagen mit der alten Begeisterung rufen k\u00f6nnt: Lieb Vaterland kannst ruhig sein. Wahret eure Treue dem gro\u00dfen deutschen Vaterland, unserem Kaiser und Reich, lasset Euch durch Nichts, weder durch politisch noch religi\u00f6se Ansichten, darin wankend machen! Ans&nbsp;Vaterland ans theure, schlie\u00df\u2019 dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen!\u2019 Mit einem Hoch auf Deutschland, in welches s\u00e4mmtliche Anwesende kr\u00e4ftig einstimmten, schlo\u00df der Redner.- Die ausw\u00e4rtigen Vereine brachten sodann ein Hoch auf die Stadt Wimpfen aus. Sp\u00e4ter folgten noch Musik- und Gesang-Vortr\u00e4ge und war die fr\u00f6hlichste Stimmung auf dem Festplatze. Mit Einbruch der D\u00e4mmerung begaben sich die fremden Vereine auf den Heimweg und gegen 8 Uhr der hiesige Kriegerverein, sowie auch ein Theil der \u00fcbrigen Festg\u00e4ste theils zum Ball in den \u201aRitter\u2019 und ins \u201aMathildenbad\u2019, wo die Unterhaltung bis zur Morgenstunde w\u00e4hrte. Die <u>Enth\u00fcllung<\/u> der Vereinsfahne erfolgt morgen, als am Jahrtage des Sedanfestes, welcher sich in Verbindung mit dem Gesangverein Concordia eine allgemeine Unterhaltung auf dem Festplatz anschlie\u00dft.<\/em>\u201c<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die am Folgetag (Sedantag) feierlich enth\u00fcllte Fahne des Kriegervereins, deren Kosten durch eine vom Gemeinderat bewilligte \u00f6ffentliche Kollekte sowie 50 fl aus der Gemeindekasse bestritten wurden, ist folgenderma\u00dfen beschrieben: <em>\u201eDie Fahne enth\u00e4lt auf der einen Seite auf wei\u00dfem Grunde den deutschen Reichsadler mit den Kriegsinsignien und Emblemen mit der Umschrift \u201aKrieger-Verein zu Wimpfen 1870\/71\u2019 und auf der anderen Seite auf gelbem Grunde die Inschrift \u201aMit Gott f\u00fcr Kaiser, Gro\u00dfherzog und Vaterland\u2019 mit einem Eichenlaubkranz umgeben, welcher in dem darein geschlungenen Bande die Schlachtennamen W\u00f6rth, Wei\u00dfenburg, Sedan, Metz, Gravelotte, Paris, Orleans, Le Mans, Stra\u00dfburg auff\u00fchrt; ferner ist oben auf rothem Grunde zu lesen: \u201aGott war mit uns\u2019, unten: \u201aihm sei die Ehre\u2019. Auf beiden Seiten ist au\u00dferdem an jeder Ecke eine goldene Krone angebracht.\u201c<\/em> <a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Festhaltung der Namen der vielen Orte auf der Fahne, bei denen siegreiche Schlachten geschlagen worden sind, zeigt, dass es dem 1873 gegr\u00fcndeten Kriegerverein vor allem darum ging, die Erinnerung an die K\u00e4mpfe und Siege des Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieges und speziell an diejenigen Pl\u00e4tze zu pflegen, wo auch die Wimpfener Soldaten im sieghaften und verlustreichen Einsatz der hessischen 25. Division gewesen sind. Dies wird vor allem auch daraus deutlich, dass der Verein im Jahre 1876 eine besondere Zusammenkunft am 18. August veranstaltet hat, <em>\u201eum das Andenken an die f\u00fcr die hessische Division so denkw\u00fcrdige Schlacht bei Gravelotte\u201c <\/em>zu feiern, der dann wie jedes Jahr die Beteiligung an der Sedanfeier zum 2. September gefolgt ist. Aus der anl\u00e4sslich der im Jahr 1933 anl\u00e4sslich des 60-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums herausgegebenen Chronik des Kriegervereins erfahren wir, dass innerhalb desselben im Jahre 1881 <em>\u201eeine langj\u00e4hrige, sichere und zielbewu\u00dfte F\u00fchrung<\/em>\u201c durch den Kriegsteilnehmer KAUFMANN WILHELM TRAUTMANN begonnen hat, die \u00fcber 3 Jahrzehnte hinweg, unterst\u00fctzt durch den AMTSGERICHTSDIENER UND -SCHREIBER sowie GERICHTSVOLLZIEHER MICHAEL LENZ als \u201eVicepr\u00e4sident\u201c, bis 1910 gegangen ist. Weitere Vorstandsmitglieder waren damals: FRIEDRICH FEYERABEND II. (B\u00e4cker und Wirt), KARL M\u00dcNCH (Landwirt), WILHELM KLENK (Maurer) und MATH. HAMMER (Steueraufseher). Bei den beiden Letztgenannten handelt es sich um Teilnehmer des Krieges von 1870\/71. Der Umstand, dass die anderen Genannten keine Kriegsteilnehmer gewesen sind, zeigt, dass bald auch solche in den Kriegerverein aufgenommen worden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den Kriegsteilnehmern handelte es sich gro\u00dfteils um die M\u00e4nner, die, nachdem im und nach dem Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg 1870\/71 das hessische Milit\u00e4r als \u201eGro\u00dfherzoglich Hessische 25. Division\u201c in preu\u00dfische Armeeverb\u00e4nde eingeliedert war, ihre mit dem 20. Lebensjahr beginnende \u201eaktive\u201c Milit\u00e4rdienstpflicht von in der Regel 2 (bei der Kavallerie und der Marine 3) Jahren in den hessischen Garnisonen Worms oder Darmstadt oder Mainz erf\u00fcllt bzw., wie damals gesagt, \u201edes Kaisers Rock getragen\u201c oder \u201ebei den Preu\u00dfen gedient\u201c hatten. Zu dreij\u00e4hriger Milit\u00e4rdienstzeit Eingezogene konnten, wenn sie sich gut gef\u00fchrt hatten, u. U. auf Antrag, z. B. bei dringend notwendiger Unterst\u00fctzung der Familie, nach zweij\u00e4hriger Dienstzeit nach Beendigung der j\u00e4hrlichen Man\u00f6ver beurlaubt werden. Die bestehende Milit\u00e4rdienstpflicht manifestiert sich vor allem darin, dass nach der Reichsgr\u00fcndung Jahr f\u00fcr Jahr gleich nach Jahresanfang in der Zeitung von der Gro\u00dfherzoglich hessischen B\u00fcrgermeisterei Wimpfen eine \u201eBekanntmachung, Betreffend. Das Kreisersatzgesch\u00e4ft\u201c, ergangen ist, in der die jeweils in diesem Jahr 20 Jahre alt werdenden jungen M\u00e4nner als sog. Milit\u00e4rddienstpflichtige aufgefordert wurden, zum Zwecke ihrer Eintragung in die sog. Stammrolle unter Vorlage ihres Geburtsscheines sowie ggfls. ihres sog. Losungs- und Gestellungsbefehls sich im Laufe der zweiten Januar-H\u00e4lfte unter Androhung einer Geldstrafe im Vers\u00e4umnis- oder Weigerungsfalle zu melden.<\/p>\n\n\n\n<p>Siehe hierzu als Beispiel die diesbez\u00fcgliche im beginnenden Janur 1873 im \u201eWimpfener Bote\u201c erschienene und uns nur noch besch\u00e4digt erhalten gebliebene amtliche Anweisung in<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa001.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa001-1024x734.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<ul><li><strong>Abb. F 1: Bekanntmachung \u2013 Betreffend: Das Kreisersatzgesch\u00e4ft von 1873.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a><\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Aufgrund der Jahr f\u00fcr Jahr wachsenden Anzahl \u201eGedienter\u201c beschloss der Kriegerverein im Herbst 1879, auch j\u00fcngere ehemalige Soldaten mit mindestens drei Dienstjahren in den Verein aufzunehmen. Als nunmehr nicht mehr \u201eAktive\u201c (1. Stufe) geh\u00f6rten diese der \u201eReserve\u201c (2. Stufe) an und waren damit bis zu 7 Jahre nach ihrer aktiven Wehrpflichtzeit zur Teilnahme an Kontrollversammlungen und zwei (bis zu achtw\u00f6chigen) milit\u00e4rischen \u00dcbungen verpflichtet. \u00dcber die Ausnahme-Regelungen f\u00fcr die sog. Einj\u00e4hrig-Freiwilligen soll an anderer Stelle im Zusammenhang mit der Gr\u00fcndung der Realschule berichtet werden. Bis zu ihrem 39. Lebensjahr hatten die Reservisten dann der \u201eLandwehr\u201c (3. Stufe) zur Verf\u00fcgung zu stehen, in deren Rahmen sie auch zu zwei \u00dcbungen herangezogen werden konnten. Hier seien drei in der Zeitung gefundene Beispiele nachtr\u00e4glicher Heranziehung ehemaliger \u201eGedienter\u201c aufgef\u00fchrt:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Im Oktober 1874 fand auf der Chaussee zwischen den beiden Wimpfen die sog. Herbstkontrollversammlung statt, an der s\u00e4mtliche Mannschaften der Reserve und Landwehr, die Dispositionsurlauber aller Waffengattungen mit Einschluss der zur Disposition der Ersatzbeh\u00f6rden entlassenen Mannschaften zu erscheinen hatten.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; In der zweiten H\u00e4lfte der 1880er Jahre erhielten Reservisten des \u00f6fteren, so z. B. 18 solche im Sommer 1887, einen Gestellungsbefehl zu einer 12-t\u00e4gigen \u00dcbung mit dem neuen Repetiergewehr.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; 1892 bekamen ebenso Mannschaften der Reserve und Landwehr aus den Jahren 1881 \u2013 1887 einen solchen f\u00fcr eine 10-t\u00e4gige Ausbildung an demselben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis zum 45. Lebensjahr waren die \u201egedienten\u201c M\u00e4nner dann dem \u201eLandsturm\u201c (4. Stufe) zugeteilt. Alle diese Gruppen konnten im Kriegsfall zum aktiven Einsatz mobilisiert werden.<br>Zum Zwecke der raschen organisierten Erfassung im Kriegsfall war das Gro\u00dfherzogtum Hessen zusammen mit allen anderen L\u00e4ndern des Deutschen Kaiserreiches 1875 in sog. Landwehr-Bezirke eingeteilt worden. Wie die<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa002.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"822\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa002-822x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-386\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa002-822x1024.jpg 822w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa002-120x150.jpg 120w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa002-241x300.jpg 241w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa002-768x956.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 822px) 100vw, 822px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<ul><li><strong>Abb. F 2: Landwehr-Bezirks-Einteilung f\u00fcr das Gro\u00dfherzogtum Hessen vom 25. 02. 1875<\/strong><a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>zeigt, war das zum Kreis Heppenheim geh\u00f6rige Wimpfen mit allen seinen Teilorten (zusammen mit Heppenheim und einem Teil der Orte dieses Kreises) der 4. Kompanie Heppenheim als Teil des 2. Bataillons Erbach im Odenwald zugeordnet, das wieder Bestandteil des Gro\u00dfherzoglich Hessischen Regiments Nr. 117 und dieses wieder Teil der 50. Gro\u00dfherzoglich Hessischen Infanterie-Brigade gewesen ist. Zwar mussten \u00f6fters, je nach Jahrgangsst\u00e4rke und Zahl der freien Milit\u00e4rstellen, nur Teile der wehrf\u00e4higen M\u00e4nner eines Jahrgangs einr\u00fccken, wobei die Auswahl der jeweiligen Milit\u00e4rpflichtigen durch Losziehung am sog. Losziehungstag erfolgte. Z. B. wurden 1891 von 43 Milit\u00e4rpflichtigen nur 18 \u201eausgehoben\u201c. Weite Teile der m\u00e4nnlichen Bev\u00f6lkerung hielten den milit\u00e4rischen Schutz des Vaterlandes vor der Bedrohung durch den \u201eErbfeind\u201c Frankreich sowie andere Anliegerstaaten des neugegr\u00fcndeten Deutschen Reiches f\u00fcr unabdingbar und sahen sich in der Pflicht, die milit\u00e4rischen Traditionen durch den Beitritt zum Kriegerverein zu pflegen. So wurde auch die j\u00e4hrliche Musterung der auf die 20 Jahre zugehenden jungen M\u00e4nner ein wichtiges, freilich auch oft ausartendes, Lebensereignis, das von FRIEDRICH FEYERABEND in seiner Lebensschilderung \u201eMeine Heimat und ich \u2013 von mir und \u00fcber mich\u201c<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a> folgenderma\u00dfen dargestellt wird:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eJa, so ein Musterungstag der Rekruten; das war so etwas Stolzes, wenn der heroische Rekrut, mit B\u00e4ndern geschm\u00fcckt und mit einem Zinkblechschild auf der Brust, worauf Artillerie oder Infanterie stand, und dann die 6 Mann starke Musikkapelle voran in forte fortissimo durch die Stra\u00dfen schmetterte, wobei sie allerdings vor jeder Wirtschaft energisch Halt machte, bis zuletzt sich die Fanfarenm\u00e4rsche in lauter Misst\u00f6ne aufl\u00f6sten; das war f\u00fcr uns eine Herrlichkeit. Allgemein bedauerten wir die Brustgeschm\u00fcckten mit \u201aZur\u00fcckgestellt\u2019, welche jedoch bei dem Umzug in keiner Weise den Leistungen nachstanden. Hierbei lernten wir schon die eingelebten Soldatenlieder, die allerdings altertumsw\u00fcrdig waren, die wir aber in sp\u00e4teren Jahren gebrauchsfertig aus unserem Schatzk\u00e4stlein auskramen und verwenden konnten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Freilich gab es auch junge Menschen, die das Milit\u00e4rische und Soldatsein mit seinem Drill und Verlangen nach Gehorsam nicht behagte oder aus ideologischen Gr\u00fcnden um den \u201eDienst am Vaterland\u201c herumzukommen suchten, wie z. B. jene drei Wimpfener JOHANN FR. LINK, JOHANN CHR. STIRN&nbsp;und CARL CHR. STIRN, die ausgangs Dezember 1878 vom Bezirksstrafgericht Darmstadt zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt wurden, weil sie sich dem Milit\u00e4rdienst entzogen hatten. Die Ableistung der Milit\u00e4rpflicht war im Kaiserreich wie auch zuvor schon etwa im Gro\u00dfherzogtum Hessen so unabdingbar an jeden gesunden jungen Mann gebunden, dass einer Auswanderung in ein anderes Land die formelle Entlassung aus der Milit\u00e4rpflicht vorausgehen musste und unerlaubtes Auswandern unter Strafe stand. Wimpfens Gemeinderat fasste Mitte Januar 1875 den Beschluss, den zum Milit\u00e4rdienst einberufenen Rekruten auf ihr Nachsuchen jeweils 3 fl Reiseunterst\u00fctzung zu gew\u00e4hren, was auch in den Folgejahren stets geschah und ggfls. auf die einberufenen Reservisten und Landwehrm\u00e4nner ausgedehnt und auf 5 Mark festgesetzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Was Friedrich Feyerabend im Fortgang seiner Lebensschilderung \u00fcber seine eigene Milit\u00e4rzeit berichtet, d\u00fcrfte wohl rep\u00e4sentativ f\u00fcr das Erleben und Empfinden der Mehrzahl der in den Jahrzehnten nach dem Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg ihre Milit\u00e4rdienstzeit Ableistenden gewesen sein und soll deshalb hier ungek\u00fcrzt wiedergegeben werden:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eSo kam nun meine Milit\u00e4rdienstpflicht heran. Zur Infanterie ausgemustert, gelangte der mit Argusaugen betrachtete \u201aGestellungsbefehl\u2019 in meinen Besitz. Im November 1891 in Erbach im Odenwald zur Gestellung stand vom fr\u00fchen Morgen schon ein langer Eisenbahnzug zur Aufnahme der Heldens\u00f6hne bereit. Mit Handkoffern, S\u00e4ckchen, Reisetaschen, Pappdeckelschachteln, Rucks\u00e4cken und auch viele mit nichts stand eine Korona am Bahnhof mit ebenso wechselhafter Kleidung von der Zipfelkappe bis zum Koks (= steifer Hut oder auch sog. Melone) und vom gestrickten Wollwams bis zum Spitzfrack und wartete auf das Kommende. Ein Feldwebel mit strenger Amtsmiene trat unter den Haufen, rief jeden mit Namen auf, ein weiterer ordnete die Verlesenen unter scharfer Abtrennung; als dieses geschehen war, nahm die Miene und Haltung des Feldwebels eine noch strengere Haltung an und mit gro\u00dfer Lautst\u00e4rke verk\u00fcndete er, dass wir von dem Augenblick an unter Hoheit der Milit\u00e4rverwaltung stehen, allen Anordnungen unbedingt folgen m\u00fcssten und die Verfehlungen nach den Milit\u00e4rgesetzen bestraft werden. Nach den einzelnen Wagen abgez\u00e4hlt, ging die Einladung vor sich, schon ging der Zug ab. Es ert\u00f6nten nun die vorsorglich gelernten Soldatenlieder; einige stellten sich in Positur, dass sie sich nicht alles gefallen lassen wollten; es wurde das ganze Korps immer selbstbewusster, bis der Zug bei Mainz die Rheinbr\u00fccke und den Tunnel passierte und mit einem Schlag eine Totenstille eintrat! Auf einem Gleise abseits vom Hauptbahnhof hielt der Zug. Kommando: \u201aAlles aussteigen!\u2019 Der Feldwebel machte einem Leutnant Meldung. \u201aVier und vier ordnen!\u2019 Der Leutnant rief: \u201aIch mache euch aufmerksam, dass ihr unter den Milit\u00e4rgesetzen steht!\u2019 Im \u00dcberblicken des Korps sagte er, dass man mit so einer Schweineblase nicht durch die Stadt marschieren k\u00f6nne. \u201aEs geht durchs Gartenfeld, ihr habt mir schleunigst nachzufolgen!\u2019 Er ging langen Schrittes voraus, so dass wir gewaltig ausgreifen mussten, um nachzukommen. Zum Kasernentor einmarschiert, schwand auch der letzte Rest von Heroismus. In Kompanien eingeteilt und dort wieder in Stuben, wobei keiner ohne Erlaubnis sein Zimmer verlassen durfte, folgte nun die gro\u00dfe Schwemme (Dusche) und wurde die Einkleidung vorgenommen. \u201aSo, nun k\u00f6nnt ihr Kleider, Herr und Vornamen nach Hause schicken, von heute ab seid ihr \u201aRekrut\u2019&#8216;.- Das schon so au\u00dferordentlich verschiedenartige Niveau von Menschen und deren Herkunft aus verschiedenartigen Gegenden (Odenwald, Vogelsberg, Rheinland, Neckartal) und vereinzelt aus allen Gegenden Deutschlands gaben nicht nur \u00e4u\u00dferlich, sondern auch sprachlich, geistig eine in allen Lebensarten zusammengew\u00fcrfelte Gesellschaft ab, aus denen nun nicht nur dienstlich, sondern besonders au\u00dferdienstlich die so zu allen Zeiten viel ger\u00fchmte und auch in der Tat bestehende \u201aKameradschaft\u2019 sich bilden und zusammenfinden sollte. Die Schwierigkeit zum Gelingen, dieses lag ja schon in der charakteristischen Eigenart der Gebiete und ganz besonders in dem Sprachgemisch. Wenn man aber an Wunder glauben darf, so ist das sich nun gestaltende solche eines der sch\u00f6nsten und beachtenswertesten. Hier haben sich Menschen zusammengefunden, Kameradschaft und Freundschaft geschlossen, die ohne jedes beeinflussende Vorurteil (\u201aWoher bist du, wer bist du, was bist du?\u2019) sich gefunden hat und von Lebensdauer gekr\u00f6nt war.- Es mag die Gemeinschaft der Pflichten oder das allgemeine Ergehen im Dienst dazu beigetragen haben; viel wertvoller aber war das gegenseitige Sichaufrichten, Sichbehilflichsein, einer dem andern, dem es schwer fiel, zu helfen und nicht zuletzt trotz schwerer Stunden den Humor aufzubringen, um diesem Soldatenleben in Anbetracht der Jugendjahre eine lebensfrohe Gestalt zu verleihen, deren wirkliche Sch\u00f6nheit und wirklicher Wert man nur in den sp\u00e4teren Jahren, wo das Schicksal h\u00e4rter zugreift, in vollem erkennen lernte.- Wenn man diese eigenartige soldatische Erziehungsmethode fr\u00fcherer Zeit objektiv betrachtet, so legte sich durch die Disziplin, Ordnung, P\u00fcnktlichkeit, Selbsthilfe und unbegrenzte Bescheidenheit und Solidarit\u00e4t &#8211; im wildesten Lebensalter &#8211; in den Menschen ein gewisses Fundament, worauf nicht selten sp\u00e4ter ein erfolgreiches Leben sich aufbaute und das eine gewisse Sicherheit in allen Lebenslagen und Handeln hinterlie\u00df. Es w\u00fcrde viel zu weit f\u00fchren und ich w\u00fcrde mich auch von meinem urspr\u00fcnglichen Grundprinzip viel zu weit entfernen, wollte ich mich in die so vielen sich ergebenden humoristischen Gegebenheiten, Tollpatschigkeiten, Anekdoten, Widerspr\u00fcche, gefahrvollen Schlingen in ebenso wunderbaren Aufl\u00f6sungen einlassen, deshalb schlie\u00dfe ich dieses Thema mit einem kurzen Gest\u00e4ndnis ab: Man war nach der Milit\u00e4rzeit ein anderer, als man vorher gewesen war!\u201c<\/em><a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Was dinglich den meisten der \u201eGedienten\u201c von ihrer Milit\u00e4rzeit blieb, das war der zur Entlassung meist erworbene mit einem repr\u00e4sentativen Zinndeckel versehene und aufw\u00e4ndig bunt bemalte und beschriftete Reservisten-Krug. Das in der<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa003a.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa003a-705x1024.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<ul><li><strong>Abb. F 3a: Der Reservisten-Krug des Ernst Christian Klenk aus Wimpfen von 1903<\/strong><a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>gezeigte Exemplar enth\u00e4lt die folgenden (auf den jeweiligen Reservisten abgestimmten) Aufschriften:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Um den oberen Rand: \u201eEs lebe hoch das Regiment, das sich Prinz Carl in Ehren nennt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Auf dem Mittelband auf der Gegenseite des Henkels in die Malerei eingesetzt:<br>-oben: \u201eReserv. Klenk\u201c;<br>-im Mittelspiegel desselben: \u201e118\u201c (= die Regiments-Nummer);<br>-darunter: \u201eAndenken an meine Dienstzeit bei der 3. Compagnie\u201c;<br>-\u00fcber dem Fu\u00df: \u201e4. Gro\u00dfh. Hess. Inft.Regt. Prinz Carl Nr. 118. Worms. 1901 \u2013 03\u201c;<br>-links und rechts neben dem Henkel alphabetisch gereiht (hier nicht sichtbar): die Nachnamen von 2 x 32 Kameraden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer um ein Jahrzehnt j\u00fcngerer und von seinem obligatorischen Zinndeckel her noch pr\u00e4chtigerer solcher, der vom Vater meines Jahrgangskameraden OTTO MAISENH\u00c4LDER \u00fcberkommen ist, sei gezeigt in der<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Links und rechts unter dem Bild, das oben den Lauf des Rheins und dar\u00fcber die Silhouette von Worms u. a. mit dem Dom und den Kasernenbauten, darunter links Infanteristen im Biwak, rechts im Gefecht zeigt, je ein Reimspruch (hier nicht sichtbar):<br>-\u201eHoch die tapfre Infantrie, Auf dem Posten sp\u00e4t und fr\u00fch\u201c bzw.<br>-\u201eIn des Gefechtes Mitte stehn wir wie Mauern fest. F\u00fcr Deutschlands Ruhm und Ehrn, f\u00fcr Vaterland und F\u00fcrst\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa003b.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa003b-679x1024.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<ul><li><strong>Abb. F 3b: Der Reservisten-Krug des 1891 geborenen Otto Maisenh\u00e4lder (dort geschrieben \u201eMeisenh\u00e4lder), dessen Bemalung und Beschriftung auf den Zeitraum seines Milit\u00e4rdienstes von 1912 \u2013 1914 im damaligen sog. Reichsland Elsass-Lothringen bezogen ist<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Mit Hilfe einer Kurzbeschreibung des Vorgenannten in Verbindung mit dem, was auf dem Foto sichtbar wird, l\u00e4sst sich dieser wie folgt beschreiben:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Schon der Zinndeckel ist dadurch, dass er vielfach getreppt und mehrfach mit Ornament-Gravuren \u00fcberzogen sowie von einer Infanteristen-Figur mit Gewehr bei Fu\u00df bekr\u00f6nt ist und dessen am Henkel befestigter Dr\u00fccker einen gro\u00df aufragenden bayrischen Wappenl\u00f6wen tr\u00e4gt, ein echter Hingucker. Nach dem Abschrauben der Kriegerfigur wird im nun erscheinenden geschliffenen Glasprisma eine sechsfl\u00e4chige Pyramide sichtbar und darunter ein an den ruhmvollen 1870\/71er-Krieg erinnerndes Bild \u201eDenkmal des Garde-Corps bei St. Privat\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Den Krugrand begleitet die Umschrift \u201e4. Inf.Rgt. \u201aK\u00f6nig Wilhelm von W\u00fcrttemberg\u2019 11. Komp. Metz 1912-14\u201c. Die Laubkr\u00e4nze der beiden umlaufenden Ringwulste sind mit wei\u00df-blauer B\u00e4nderung und damit den Landesfarben des K\u00f6nigreiches Bayern geschm\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Aus der vielf\u00e4ltigen Malerei des Krugschaftes mit oben in der Himmelszone mehreren Partien von Reimzeilen sticht in Blau-Wei\u00df neben den mit \u201eIn Treue fest\u201c umschriebenen B\u00fcsten von K\u00f6nig Ludwig III. von Bayern, K\u00f6nig Wilhelm II. von W\u00fcrttemberg und Kaiser Wilhelm II. die Bayernfahne hervor, dar\u00fcber ist die \u201eGarnison Metz\u201c zu erkennen, was nur eine von f\u00fcnf umlaufenden Bildwiedergaben darstellt, darunter milit\u00e4rischen \u00dcbungsszenen mit einer solchen beim Ort des Schlachtengeschehens des Krieges von 1870\/7l Gravelotte (mit Denkmal). Was die Reimtexte anbelangt, so \u201ebesingt\u201c der oben mittig bis links erkennbare solche, \u00e4hnlich wie beim erstgezeigten Krug, das (4.) Regiment, in dem der Krugbesitzer gedient hat.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Von der Aufschrift des Fu\u00dfes ist nur \u201eMeisenh\u00e4lder\u201c entzifferbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass OTTO MAISENH\u00c4LDER SENIOR nicht in einer der hessischen Garnisonen und in einem der hessischen Regimenter, sondern in einem w\u00fcrttembergischen solchen, das in der im damaligen sog. Reichsland Elsass-Lothringen gelegenen Stadt Metz stationiert gewesen ist, seinen Milit\u00e4rdienst ableistete, erkl\u00e4rt sein Sohn Otto damit, dass dieser damals seinen Beruf als B\u00e4cker im W\u00fcrttembergischen ausge\u00fcbt und somit dort \u201eausgehoben\u201c worden ist. Und die Aubringung des Bayernl\u00f6wen wie die Einbringung der bayerischen Farben und Fahne soll darauf zur\u00fcckgehen, dass der Vater des Krugbesitzers aus denselben Gr\u00fcnden im bayrischen Heer \u201egedient\u201c hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie aus einem Zeitungsbericht mit der \u00dcberschrift \u201eKleine Kunstwerke der Kaiserzeit\u201c <a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a> zu erfahren ist, tauchten immer im Fr\u00fchjahr, etwa ein halbes Jahr vor dem Ende der Milit\u00e4rzeit, gesch\u00e4ftst\u00fcchtige H\u00e4ndler in den Kasernen auf, um an Hand ihrer Modelle und Bildvorlagen den der Entlassung entgegengehenden Milit\u00e4rdienstleistenden einen auf ihre Person, Garnison, milit\u00e4rische Einheit sowie Waffengattung zugeschnittenen Erinnerungskrug zu offerieren. Somit stellte jeder sog. Reservistenkrug ein Unikat und somit ein willkommenes lebensbegleitendes Souvenier an die in der Regel als unausweichlich empfundenen Jahre des Pflichtdienstes an der Schwelle des Erwachsenwerdens f\u00fcr Kaiser, Volk und Vaterland dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie die nun folgende Weiterf\u00fchrung der Geschichte des Kriegervereins zeigt, war nach zwei Jahrzehnten des Bestehens die Zahl der Vereinsmitglieder durch den Beitritt solcher \u201eGedienter\u201c wie auch \u00e4lterer \u201eNichtgedienter\u201c auf das Vierfache angestiegen. Im Februar 1882 wird gemeldet, dass sich der Kriegerverein seit einem Jahr durch den Beitritt von 24 + 3 = 27 Mitglieder <em>\u201esehr gehoben\u201c <\/em>habe. 1894 betr\u00e4gt die Mitgliederzahl 132, 1901 schlie\u00dflich 156. \u00dcber die Jahre 1885 \u2013 1898 ist in der Festschrift das Folgende gesagt, wobei die erstgenannte Aktion sich auf den 22. M\u00e4rz 1885 bezieht:<br><em>\u201eAls eine Hauptunternehmung des 12 Jahre bestehenden Vereins sei die Feier des Geburtsfestes Seiner Majest\u00e4t des Kaisers genannt<\/em> (<em>gemeinsamer Kirchgang in die Stadtkirche, Zug mit Musik durch die Stadt, Parade am Bahnhof, Fr\u00fchschoppen in der Traube und abends Bankett im Mathildenbad). Auch Singstunden wurden in dieser Zeit abgehalten. Dabei herrschte gute Disziplin im Verein; ein Ausschlu\u00df wegen ungeb\u00fchrlicher Ae\u00dferungen und Schimpfens in verschiedenen Wirtschaften sowie ein Verweis vor versammelter Mannschaft wegen ungeb\u00fchrlichen Verhaltens tun dies dar. Vom Jahr 1890 sei die Ausarbeitung neuer Statuten, sowie die Feier des Geburtstages Seiner K\u00f6niglichen Hoheit des Gro\u00dfherzogs erw\u00e4hnt, vom Jahr 1891 die Vornahme einer Christbaumverlosung. Einem 1892 sich selbst entleibenden Mitglied wurde das milit\u00e4rische Ehrenbegr\u00e4bnis versagt. Eine mehr und mehr sich verst\u00e4rkende Rolle spielen von diesem Jahre an die Hassiaberichte <\/em>(Anmerkung: \u201eHassia\u201c hie\u00df der Zentralverein der Kriegervereine Hessens, der 1889 in Wimpfen seinen Bezirkstag abgehalten und aus diesem Anlass seinem hohen Protektor, den Gro\u00dfherzog Ludwig IV. von Hessen, ein Danktelegramm geschickt hat).<em> 1894 erfolgte der Anschlu\u00df an die Sterbekasse des deutschen Kriegerbundes; ferner wurden Vereinsabzeichen angeschafft und unter heiliger Verpflichtung an 178 Mitglieder eingeh\u00e4ndigt. 1895 wurde an die Errichtung eines Kriegerdenkmals gedacht und mit anderen Vereinen eine gemeinschaftliche Sedanfeier abgehalten; 1896 das 25j\u00e4hr. Bestehen des Deutschen Reiches festlich begangen, auch fand eine Feier 25j\u00e4hr. Friedens statt. Vom 28. Mai 1897 ist festlicher Empfang des Gro\u00dfherzogs mit Gemahlin verzeichnet, ferner am 18. August, wie fast allj\u00e4hrlich, der sch\u00f6ne Verlauf der Gravelottefeier \u201abei sch\u00f6nster Harmonie\u2019. Ein Sonder-Protokollbuch beanspruchte das Jahr 1898, indem anl\u00e4\u00dflich des 25j\u00e4hr. Stiftungsfestes<\/em> <em>nicht nur eine neue Fahne eingeweiht wurde, sondern es wurden auch die beiden Gedenktafeln f\u00fcr die 70 Feldzugsteilnehmer von 1870\/71 am Rathaus angebracht, voranstehend die Gefallenen und die w\u00e4hrend des Krieges und kurz nach dessen Beendigung an den Wunden oder Strapazen Gestorbenen. Ausgef\u00fchrt wurden die Tafeln durch den Steinmetzmeister Hofmann f\u00fcr je 35 Mark; die Gemeinde leistete einen Beitrag von 400 Mark. Das Fest, an dem sich 5 ausw\u00e4rtige Vereine mit 1.200<\/em> <em>Mitgliedern beteiligten (Veteranenverein II Heilbronn, Kriegervereine Helmhof, Hirschhorn, Neckarsteinach und Neuenstadt), fand statt am 19. u. 20. August. Als Kameraden, die sich um das Zustandekommen und gute Gelingen besonders verdient gemacht haben, verzeichnet Pr\u00e4sident Trautmann: Lenz, Schmalzhaf, B\u00e4r, Kahn, Stierle, Fackler, Kirner.\u201c<\/em><a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa004a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"347\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa004a-1024x347.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-389\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa004a-1024x347.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa004a-150x51.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa004a-300x102.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa004a-768x260.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<ul><li><strong>Abb. F 4a: Das in der Wimpfener Zeitung angek\u00fcndigte Programm zur Einweihung der beiden Krieger-Gedenktafeln mit Fahnenweihe und Stiftungsfest des Kriegervereins Wimpfen des Jahres 1898:<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a><\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>l\u00e4sst die auf eine breite Erfassung der Einwohnerschaft mittels eines Festzuges und zahlreicher von fr\u00fch bis sp\u00e4t gehender Veranstaltungen der verschiedensten Art gerichtete Gestaltung erkennen. Die beiden Gedenktafeln sind bereits unter A.1 beschrieben und in Abb. A 8a und A 8b gezeigt. Hier sei noch erg\u00e4nzend beigef\u00fcgt die<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa004b.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa004b-714x1024.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<ul><li><strong>Abb. F 4b: Das den Mitgliedern des Kriegervereins Wimpfen ausgeh\u00e4ndigte Vereinsabzeichen.<\/strong><a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Dieses bestand aus einer oben mit der Herrscherkrone und mittig mit einem kleinen eisernen Kreuz besetzten Schleife sowie einem darunter mit einem Ring befestigten und die Inschrift \u201eK.V. (= Kriegerverein) Wimpfen 1873\u201c tragenden gro\u00dfen Metallkreuz. Wie in<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa004c.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa004c-1024x908.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<ul><li><strong>Abb. F 4c: Abzeichen der Kriegerkameradschaft Hassia (Landesverband Hessen)<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>zu sehen, ist dieses auch zu Jubil\u00e4en der 25- oder gar 40-j\u00e4hrigen Mitgliedschaft verliehen und stolz von den Veteranen des Krieges von 1870\/71 oder gar des 1866-Krieges zusammen mit anderen verliehenen Kriegeremblemen wie z. B. der Schie\u00dfauszeichnung der Kriegerkameradschaft Hassia, Jubil\u00e4umsmedaillen, M\u00fctzenkokarden am Rock oder an der Kopfbedeckung getragen worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits 1888 und 1889 war ins Auge gefasst worden, mit allen Mitteln, so durch Veranstaltungen, Sammlungen, Verlosungen etc., einen Fonds f\u00fcr den Bau eines gesonderten Kriegerdenkmals zu beschaffen. F\u00fcr diese gro\u00dfz\u00fcgigere L\u00f6sung kamen jedoch die notwendigen Mittel nicht zusammen. Somit entschied man sich f\u00fcr die im oben zitierten Text genannten beiden schlichten Tafeln und deren Anbringung links und rechts der Rathauspforte. \u00dcber das Jahr 1895 ist noch erg\u00e4nzend zu sagen, dass Mitte August 40 Mann des Vereins nach Darmstadt zu einem Treffen von 504 Kriegervereinen des Landes gefahren sind und an die 55 noch lebenden Veteranen des 1870\/71er Krieges eine Ehrengabe von zusammen 220 Mark gereicht worden ist. An am 21. August desselben Jahres wurde auch eine Erinnerungsfeier des Gedenkens der vor 25 Jahren stattgefundenen Schlachten bei Gravelotte und Sedan gehalten. Im 25. Jahr seines Bestehens 1898 hat der Verein noch 140 Mitglieder. Den Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. im ausgehenden Januar 1901 feierte der Kriegerverein in der Weise, dass von 70 Mitwirkenden 27 sog. Lebendige Bilder aus dem 1870\/71er Krieg vorgef\u00fchrt wurden, wobei die neu errichtete ger\u00e4umige Turnhalle den Ansturm der Besucher nicht zu fassen vermochte. Anfang Juni 1907 findet in Wimpfen eine Versammlung der Veteranen der Umgegend statt, an der immerhin noch 106 Veteranen aus Hessen, Baden und W\u00fcrttemberg teilnehmen. Hierzu sei gezeigt die<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa004d.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa004d-821x1024.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<ul><li><strong>Abb. F 4d: Fotografie vom auf der ersten der beiden Namenstafeln des 1870\/71er Krieges zu findenden Veteranen B\u00e4cker Friedrich Fell<\/strong>;<\/li><\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa004e.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"536\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa004e-536x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-393\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa004e-536x1024.jpg 536w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa004e-78x150.jpg 78w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa004e-157x300.jpg 157w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa004e-768x1468.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 536px) 100vw, 536px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<ul><li><strong>Abb. F 4e: Reservisten-St\u00f6ckchen des Wimpfener Kaufmannes Haug<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Der Letztgenannte hatte sein Ladengesch\u00e4ft an der Unteren Hauptstra\u00dfe im dritten Geb\u00e4ude oberhalb des Unteren Tores Nr. (ab 1895) 226 und war unter den Honoratioren als stolzer Besitzer und Benutzer nat\u00fcrlich nur an besonderen Gedenktagen eines solchen mit Windungsschnur, Quasten und Schlaufenband (bei ihm in Gelb-Rot, den Farben des Gro\u00dfherzogtums Baden) mit den Aufdrucken als Siegeszeichen \u201eEs ist erreicht\u201c und \u201eEs war nicht leicht\u201c geschm\u00fcckten sowie mit Knaufgriff versehenen Troph\u00e4e keine besondere Ausnahme. Man war als Veteran bis in die alten Tage hinein stolz, Anteil am Sieg \u00fcber den \u201eErbfeind Frankreich&#8220; zu haben und hatte in der Regel keinerlei Scheu, sich dementsprechend in Pose zu setzen und an den regen Aktivit\u00e4ten des Kriegervereins teilzunehmen. Dazu geh\u00f6rte auch, wie am Beispiel des altersgrauen Veteranen B\u00e4cker Friedrich Fell zu sehen, die Zurschaustellung der als Soldat und sp\u00e4terer Veteran empfangenen Orden und Ehrenzeichen der oben beschriebenen und gezeigten Art auf dem Rock der an den begangenen vaterl\u00e4ndischen Gedenktagen angelegten obligatorischen Uniformbekleidung.<\/p>\n\n\n\n<p>2. <strong>Die im Jahr 1876 vom wiedergegr\u00fcndeten Turnverein betriebene K\u00f6rperert\u00fcchtigung und Pflege der Kameradschaft hebt erstrangig auf die F\u00f6rderung Wehrhaftigkeit ab.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1876, also drei Jahre nach Gr\u00fcndung des Kriegervereins, erfolgte die Gr\u00fcndung eines Turnvereins. Den Initiatoren wahrscheinlich infolge der inzwischen vergangenen etwa drei Jahrzehnte gar nicht bekannt, stellte diese eine Wiedergr\u00fcndung dar. Denn (siehe Band 2, S, 165 \u2013 167) in der Zeit von 1845\/46 \u2013 1848\/49 hatte ein solcher bereits existiert, war aber &#8211; wie \u00fcberall &#8211; im Zuge der gescheiterten Revolution dem beh\u00f6rdlichen Verbot zum Opfer gefallen. Geschm\u00fcckt mit dem althergebrachten Turner-Emblem, n\u00e4mlich den von einem Eichenlaub-Kranz umschlungenen vierfachen F (= Turner-Devise: Frisch-Fromm-Fr\u00f6hlich-Frei), setzen <em>\u201eMehrere Turnfreunde\u201c<\/em> den folgenden Aufruf in die Zeitung: <em>\u201eAlle Diejenigen, die sich f\u00fcr die Gr\u00fcndung eines <strong>Turn=Vereins<\/strong> interessiren, werden hierdurch auf Donnerstag, den 11. Mai Abends 8 Uhr zu einer Besprechung im Gasthofe zum R i t t e r h\u00f6flichst eingeladen.\u201c <\/em>Daraufhin kann die Zeitung unter dem 16. Mai 1876 den folgenden Bericht des Vollzugs der Gr\u00fcndung geben: <em>\u201eAuf Anregung mehrerer hiesiger Turnfreunde ward in der vergangenen Woche eine Zusammenkunft f\u00fcr Freunde des Turnens ausgeschrieben, welche sich eines ziemlich starken Besuches erfreute. Diese Versammlung hatte den Zweck, auf Gr\u00fcndung eines Turnvereins hinzuwirken, was denn auch insoweit gelang, da\u00df sich s\u00e4mmtliche Anwesenden zur Mitgliedschaft bereit erkl\u00e4rten. Vier dieser <\/em>(zun\u00e4chst nur rund 10) <em>Mitglieder wurden in den <\/em>(zun\u00e4chst provisorischen) <em>Vorstand gew\u00e4hlt und letzterer zur Entwerfung des n\u00f6thigen Statuts beauftragt. Der Verein, welcher bereits eine erfreuliche Zahl an aktiven und passiven Mitgliedern z\u00e4hlt, h\u00e4lt w\u00f6chentlich 2 Mal Turnen ab; wir w\u00fcnschen demselben ein recht kr\u00e4ftiges Gedeihen, und wird es \u00fcbrigens an Freunden der Sache zu weiterer Betheiligung nicht fehlen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aus der direkten Sicht der beteiligten Gr\u00fcnder, ver\u00f6ffentlicht in einem Aufsatz \u201eAus der Geschichte des Turnvereins Wimpfen\u201c des Jahres 1914 anl\u00e4sslich des in Wimpfen veranstalteten 25. Gauturnfestes (Unterer Neckargau. Deutsche Turnerschaft. XI Kreis Schwaben)<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a>, stellt sich der Gr\u00fcndungsvorgang so dar:<em> \u201eEs war im Anfang des Wonnemonats 1876. F\u00fcnf Herren, noch in der ganzen Vollkraft ihrer Jugend, kamen im Flusse ihrer Unterhaltung auf den gl\u00fccklichen Gedanken, die Anregung zu versuchen zur Gr\u00fcndung eines Turnvereins in Wimpfen. Wohl barg dieser Wunsch keineswegs etwas Absonderliches. Denn durch das neue Schulgesetz von 1874 war das Turnen in allen Schulen Hessens obligatorisch verlangt. Immerhin mu\u00dfte in der Bev\u00f6lkerung mit Gleichgiltigkeit, ja vielleicht Widerstand gerechnet werden. Aber die Ausf\u00fchrung der Gr\u00fcndung des neuen Vereins lag in guten entschlossenen H\u00e4nden. Mit einer ihm damals schon eigenen Energie hatte sich ein Herr in dieses Gebiet geworfen: Es ist der jetzige Leiter des gesamten hessischen Schulturnens, Herr Schulrat E. Schmuck=Darmstadt, dessen Name ja auch innerhalb der deutschen Turnerschaft einen sehr guten Klang hat und der seit 1901 Ehrenmitglied des Wimpfener Vereins ist.\u201c <\/em>Der vorgenannte aus Worms stammende Hauptgr\u00fcnder EMANUEL SCHMUCK war vom 1. April 1875 bis 10. April 1879 Lehrer an der jungen Wimpfener St\u00e4dtischen Realschule bzw. H\u00f6heren B\u00fcrgerschule, wechselte dann an das Realgymnasium und die Realschule Gie\u00dfen, danach an die Realschule Bingen am Rhein und wurde schlie\u00dflich Schulrat in Darmstadt.<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[15]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Bald danach meldet sich der Verein, wiederum in der Zeitung werbend und informierend, durch die folgende Anzeige zu Wort:<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[16]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"518\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe001-1024x518.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-397\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe001-1024x518.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe001-150x76.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe001-300x152.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe001-768x388.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Unter dem \u201eTurnplatz\u201c ist der vom Kreuzgang umschlossene sog. Klostergarten oder Klosterhof des ehemaligen Dominikanerklosters gemeint, das seit Anfang der 1840er Jahre die Volks- und die St\u00e4dtische B\u00fcrger- bzw. sp\u00e4tere Realschule sowie einige Lehrerwohnungen beherbergte. Die zwei w\u00f6chentlichen Turnabende fanden dienstags und freitags von 7 \u2013 8 Uhr statt. Bei den unterzeichneten drei Mitgliedern des provisorischen Vorstandes handelte es sich um:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; den Vorsitzenden: DR. MED. WILHELM OLDENBURG&nbsp;aus Schwerin; dieser hatte sich in Wimpfen im Fr\u00fchjahr 1876, demnach kurz vor der Vereinsgr\u00fcndung, als praktischer Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer (spezialisiert f\u00fcr Frauen- und Kinderkrankheiten) niedergelassen; die \u00dcbernahme des Vereinsvorsitzes durch diesen l\u00e4sst erkennen, dass die Arbeit des Turnvereins vor allem auch der Gesundheitsf\u00fcrsorge und K\u00f6rperert\u00fcchtigung dienen sollte;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; den Turnwart: EMANUEL SCHMUCK, Lehrer an der St\u00e4dtischen H\u00f6heren B\u00fcrgerschule;<br>&#8211; den Schriftf\u00fchrer: LOUIS KAHN, j\u00fcdischer Kaufmann.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eEnde Mai desselben Jahres fand die erste Hauptversammlung statt, die 21 weitere Mitglieder brachte, sich ihre Satzungen schuf und als endg\u00fcltigen ersten Vorstand bestimmte: Dr. Oldenburg, Vorsitzender, E. Schmuck, Turnwart, K. Schwenzer, Schriftwart.- Mit vollem Eifer warfen sich diese Herren ins Werk. Bereits der Pfingstmontag brachte die erste Turnfahrt mit dem Ziel L\u00f6wenstein, und einige Wochen sp\u00e4ter folgte eine Nachenpartie nach Gundelsheim. Auch an der Sedanfeier beteiligte sich der Verein und veranstaltete noch im gleichen Jahre ein Herbstfest auf den Wiesen beim Kirschenb\u00e4nkchen mit Musik, Feuerwerk und anschlie\u00dfendem Ball.\u201c<\/em><a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[17]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Zwar f\u00fchrt im Winter 1876 LEHRER STREIN bei der Gemeinde Beschwerde wegen n\u00e4chtlicher Ruhest\u00f6rung, verursacht durch die Ben\u00fctzung eines unter seiner Dienstwohnung befindlichen Schulsaales zum Turnen. Doch kann der Verein schon im n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr am 4. M\u00e4rz 1877 ein Schauturnen im sog. Klostersaal (dortiger Zeichen- und Industrieschul-Saal der Schulen) abhalten, wo bei rauer Witterung statt im Klostergarten auch die w\u00f6chentlichen beiden \u00dcbungsabende stattfinden. Die gezeigten Leistungen l\u00f6sen hohe Befriedigung aus und gro\u00dfes Lob f\u00fcr das vom Verein in kurzer Zeit Geleistete. <em>\u201eEs d\u00fcrfte wohl eines jeden f\u00fcr die edle Turnerei sich interessierenden Mannes Pflicht sein\u201c, <\/em>so wird gefolgert, <em>\u201edem Verein als Mitglied beizutreten und den geringen monatlichen Betrag zu leisten, und an Euch, Ihr g\u00fctigen V\u00e4ter der Stadt, d\u00fcrfte es sein, dem jungen Verein die Ger\u00e4te aus dem Stadts\u00e4ckel zu stellen. Denn Eure S\u00f6hne sind es, die da ausgebildet werden; ein t\u00fcchtiger Turner wird sp\u00e4ter ein gewandter Feuerwehrhauptmann und ein guter Soldat; er f\u00fcrchtet sich nicht vor dem Exercieren, die \u00dcbungen sind ihm vertraut, er braucht nicht zuvor gedrillt zu werden und mit Lust und Liebe tr\u00e4gt er unsres Kaisers Rock. Gut Heil!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Demnach verfolgt der Turnverein auch eine Erziehung der Jugend in vormilit\u00e4rischen Sinne. Aus der Meldung der Zeitung vom ausgehenden M\u00e4rz 1877 geht hervor, dass der Verein anfangs nur 3 passive und 7 aktive Mitglieder gehabt habe, jetzt aber 17 aktive und 28 passive solche besitze. Man sei jetzt in der Lage, sich der Kritik fremder Turner zu stellen. Anfang Juni 1877 feiert der Turnverein sein einj\u00e4hriges Bestehen (sog. Stiftungsfest) mit einem Festzug durch die Stadt und anschlie\u00dfendem Schauturnen und einem Ball im \u201eMathildenbad\u201c, wobei auch ca. 20 G\u00e4ste aus Heidelberg sowie auch solche aus Heilbronn und Sinsheim anwesend sind und \u201eKaiserwetter\u201c, d. h. Sonnenschein und blauer Himmel, herrscht. \u00dcber die Turn\u00fcbungen hinaus wird ein erster Ausflug nach Heuchlingen\/Jagst unternommen. Als Vorsitzender erscheint jetzt der Gr\u00fcndungsinitiator EMANUEL SCHMUCK.<em> \u201eNoch sei erw\u00e4hnt, wie die Mittel beschafft wurden zum Anschaffen der allernotwendigsten Ger\u00e4te. Der Plan ward gut ausgedacht und noch besser ausgef\u00fchrt: Die Turnratsmitglieder stellten sich die Aufgabe, einige opferwillige Herren zu finden, und siehe, in kurzer Zeit waren 15 Anteilscheine zu je 10 Mk. abgesetzt und die ganze Tilgung schon Ende 1878 geregelt.- Einem willigen Flei\u00df war zum Turnen die M\u00f6glichkeit gegeben, und mit \u00fcberaus gro\u00dfem Eifer soll geturnt worden sein. Denn wie die Aufzeichnungen des Vereins berichten, wurde sogar Beschwerde gef\u00fchrt gegen das allzueifrige Turnen. Vom damaligen Schulvorstand lief n\u00e4mlich unterm 7. August 1877 ein Schriftst\u00fcck ein, das u. a. den Vorwurf enthielt, durch das Turnen litte das Klostergeb\u00e4ude Schaden, und die nur f\u00fcr den Winter 1876\/77 erteilte Erlaubnis, den Industriesaal zum \u00dcben benutzen zu d\u00fcrfen, werde wieder zur\u00fcckgenommen. Darob im Turnverein selbstverst\u00e4ndlich gro\u00dfe Erregung. Denn das schnitt die Lebensfrage an. Aber man beschlo\u00df, sich zu wehren. Dem nachmaligen hochverdienten Vereinsvorsitzenden Kleyer gelang es durch eine Gegenerkl\u00e4rung vollst\u00e4ndig, die Vorw\u00fcrfe zu entkr\u00e4ften, die Turnerlaubnis zu behalten, \u00fcberhaupt die bedrohte Lebensdauer der jungen Vereinigung zu festigen. So war der Turnverein Wimpfen dank der Ausdauer und Umsicht seiner Leitung auf kr\u00e4ftige F\u00fc\u00dfe gestellt. Flei\u00dfig turnte die Jugend und auch das Alter als M\u00e4nnerriege in einem sehr mangelhaften Raume. Es war der d\u00fcstere langgestreckte Teil des alten Kreuzganges im Westfl\u00fcgel des Klosters, in dem selbst die wenigen Ger\u00e4te das Turnen noch hinderten<\/em>.\u201c<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[18]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ende August 1877 bereits \u00e4ndert der Verein seine Statuten. Der aus drei Mitgliedern bestehende seitherige Vorstand wird &#8211; aus welchen Gr\u00fcnden auch immer &#8211; auf f\u00fcnf ausgeweitet und fast ganz ausgewechselt. Neuer Vorsitzender wird der Fabrikant und Kaufmann OSKAR LINK, Turnwart der Mehlh\u00e4ndler PHILIPP SCHMITT, Kassier der Seifensieder CARL SCHWENZER und Beisitzer der bei der Saline besch\u00e4ftigte Buchhalter WILHELM KLEYER sowie der Kaufmann HEINRICH HEUERLING.<\/p>\n\n\n\n<p>Anl\u00e4sslich des 100. Geburtstages von FRIEDRICH LUDWIG JAHN am&nbsp;11. August 1878, des \u201eVaters der Turnkunst\u201c, h\u00e4lt der Verein eine Jahn-Feier ab, bei der in der Ansprache eines Turnrat-Mitglieds in h\u00f6chstem Ma\u00dfe nationale T\u00f6ne angeschlagen werden und Kaiser-Verherrlichung in der Art betrieben wird, wie dies auch im Kriegerverein geschah:<em> \u201eGeehrte Festgenossen, die deutsche Einheit, f\u00fcr welche Jahre gestritten und gelitten, wir haben sie erreicht. Und wem verdanken wir sie? Zun\u00e4chst unserem erhabenen Kaiser, welcher, als ihm unser Erbfeind, der Franzose, freventlich den Krieg aufdrang, die deutschen St\u00e4mme zu Sieg und Ruhm f\u00fchrte und durch Annahme der deutschen Kaiserkrone das deutsche Reich begr\u00fcndete und seither mit fester Hand sch\u00fctzte.\u201c <\/em>1879 wird von der Stadt das Turnlokal im Klostergeb\u00e4ude hergerichtet und im Hochsommer unternimmt der Verein auch Wanderungen, Bootsfahrten auf dem Neckar und \u00c4hnliches sowie am Sonntag, 27. Juli, nachmittags um 3 Uhr, ein Schau- und Preisturnen auf dem Turnplatz, zu dem jedermann eingeladen ist; abends findet im Mathildenbad eine Zusammenkunft mit Tanzunterhaltung und Illumination der Terrasse bei freiem Eintritt f\u00fcr die Mitglieder und 50 Pf. \u00e0 Person f\u00fcr Nichtmitgleder statt. Zu Beginn der 1890er Jahre ist vom Turnverein, der seine Generalversammlungen im Wacker\u2019schen Saal abh\u00e4lt, zu erfahren, dass die Zahl der aktiven Turner zur\u00fcckgegangen sei.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eJahre kamen und gingen\u201c,<\/em> so ist in dem schon mehrfach zitierten Aufsatz \u00fcber die Geschichte des Vereins von 1914 resumierend berichtet, \u201e<em>mit ihnen die Turner und auch die Vereinsleitung wenigstens teilweise. 22 Jahre lang war \u201aVater Kleyer\u2019 Vorsitzender, ein der Turnsache treuester Freund, dem der ganze Verein sehr viel zu danken hat. Ehre dem Namen Kleyer! &#8211; Allj\u00e4hrlich wurden besonders in der ersten Zeit des Bestehens Schauturnen abgehalten. Auf Turng\u00e4ngen besuchte man im Laufe der Jahre die ganze Nachbarschaft, besonders gelegentlich der Feste von Brudervereinen. Ausfl\u00fcge und Turnfahrten auf weitere Entfernungen erm\u00f6glichten ein Bekanntwerden mit anderen Gegenden und anderen Bewohnern. Auf Gau- und Kreisfesten wurden Preise geholt, auch verschiedende deutsche Turnfeste beschickt (Frankfurt 1880, M\u00fcnchen 1889, Frankfurt 1908, Leipzig 1913). Neue Anregungen und neuen Eifer brachten die Teilnehmer stets mit. Auch sonst wurde turnerischer Geist gepflegt. &#8230; So hatte sich der Turnverein in allen Kreisen Wimpfens Anh\u00e4nger und Freunde geworben. Viele derselben unterst\u00fctzten die Bestrebungen des r\u00fchrigen Vereins durch j\u00e4hrliche Beitr\u00e4ge und bildeten so die passiven Mitglieder. Besonders ihnen zuliebe wurden zuweilen gesellige Unterhaltungen geschaffen, die stets zahlreich und gern besucht waren. Bei all diesen Veranstaltungen fanden sich stets eifrige und kundige Mitglieder, die freudig ihr K\u00f6nnen in den Dienst des Vereins stellten. Um die Abwechslung zu vermehren, wurde eine S\u00e4ngerriege gebildet, die zuweilen auch bei den allgemeinen vaterl\u00e4ndischen Feiern unter Erfolg mitwirkte.- Sehr f\u00f6rderlich f\u00fcr die Vereinskasse war eine Reihe von Vortr\u00e4gen, die 1890\/91 auf Veranlassung des damaligen Direktors der Realschule, des jetzigen Herrn Geh. Schulrats M\u00fcnch=Darmstadt, von verschiedenen hiesigen und ausw\u00e4rtigen Herrn gehalten wurden. Den Reinertrag erhielt n\u00e4mlich der Turnverein als Grundstock einer zu erbauenden Turnhalle.- Schon 1884 \u00fcbernahm der Verein ein Gauturnfest. 1897 erhielt er das zweite. Dieses mu\u00dfte jedoch sehr unter einer Ungunst leiden. Wenige Zeit vorher hatte ein Hagelschlag die ganze Nachbarschaft schwer heimgesucht. So bestand f\u00fcr das Fest keine rechte Stimmung, und der Besuch war kaum mittelm\u00e4\u00dfig.\u201c<\/em><a name=\"_ednref19\" href=\"#_edn19\">[19]<\/a> Beim Gauturnfest in Lauffen im Sommer 1885 erh\u00e4lt der Z\u00f6gling Chr. Belzner von Wimpfen den 8. Preis. Was dem Verein in den ersten 2 \u00bd Jahrzehnten seines Bestehens sehr fehlte und was immer wieder in den Berichten anklingt, das war au\u00dfer gen\u00fcgendem Geld zur Anschaffung von Turnger\u00e4tschaften vor allem eine geeignete ger\u00e4umige Turnhalle.<strong> <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>3. <strong>Der zum Nationalfeiertag werdende Sedantag (2. September) wird allj\u00e4hrlich von den Vereinen unter breitester Erfassung der Einwohnerschaft festlich begangen, dazu insbesondere vom Kriegerverein der Tag der Schlacht bei Gravelotte (18. August).<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie bei der Darstellung der Festlichkeiten des Kriegervereins bereits angeklungen, waren f\u00fcr diesen besonders der Tag der Schlacht bei Gravelotte (18. August) sowie der Schlacht bei Sedan (2. September) j\u00e4hrlich meist ein Tag des Gedenkens an die Gefallenen und im Blick auf die dort errungenen Siege aber auch des Feierns und Festens. Bez\u00fcglich des Sedantages gilt dieses auch f\u00fcr den Turnverein, die Feuerwehr und den Gesangverein Concordia, dazu f\u00fcr weite Teile der Einwohnerschaft von den Kindern bis hin zu den Alten. Denn dieser Tag \u00fcbernahm die Funktion des bislang nicht existierenden deutschen nationalen Festtages, zumal Kaiser Wilhelm I. die Begehung des ihm von einem Gremium vorgeschlagenen Tages der Reichsgr\u00fcndung (18. Januar) insbesondere wegen dessen Zusammenfallens mit dem Tag der ersten preu\u00dfischen K\u00f6nigskr\u00f6nung verworfen hatte. Nachdem 1872 der westf\u00e4lische Pastor Bodelschwingh den so eng mit der Gr\u00fcndung des deutschen Reiches verbundenen Tag der Kapitulation Napoleons III. vorgeschlagen hatte, schickte es sich, dass ab 1874 dieser und teilweise auch schon der Abend des Vortages im Kaiserreich feierlich-festlich begangen wurde. Was Wimpfen betrifft, so kann der vorliegende erste diesbez\u00fcgliche Zeitungsbericht vom 3. September 1875 als charakteristisch f\u00fcr die Art und Weise der Begehung dieses Tages gelten:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWie \u00fcberall in deutschen Landen wurde auch hier der Sedanstag festlich begangen. In aller Fr\u00fche mit Tagesreveille der trefflich geschulten Realsch\u00fcler, B\u00f6llerschie\u00dfen und Musik, Nachmittags mit Festzug der geschm\u00fcckten Jugend durch die Stadt nach dem Tal, Ges\u00e4ngen und Spielen auf dem Festplatz, Abends mit Bankett im Gasthof zum Ritter. Das war im allgemeinen das Programm des Festes. &#8230; Beim Bankett im Ritter brachte Herr B\u00fcrgermeister Ernst ein Hoch auf Kaiser Wilhelm aus und Fabrikant V\u00f6rg hielt eine Rede voll des gl\u00fchendsten Patriotismus. &#8230; Es war vor allem ein Fest f\u00fcr die Jugend. Dadurch w\u00e4chst sie mit dem Volke auf und verw\u00e4chst mit ihm, und der 2. September wird so stets ein Tag der Feier sein und es auch trotz alledem bleiben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auf welche Weise die allj\u00e4hrliche Begehung des Sedantages damals auch in die Zeitungswerbung einfloss, zeigt das dort folgenderma\u00dfen angepriesene Angebot der Bonner Fahnenfabrik vom 30. Juli 1876:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eSedan! Sedan! Sedan! Waschechte Fahnen, Ballons, Lampions, Fackeln, gef\u00fcllte Fettt\u00f6pfchen, Feuerwerksk\u00f6rper, Kaiser, Kronprinz etc. in Lebensgr\u00f6\u00dfe.\u201c <\/em>Allj\u00e4hrlich wurden in der Zeit des Sedantages auch Geldsammlungen f\u00fcr die Hinterbliebenender Opfer des 1870\/71er-Krieges durchgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Grundmuster des ganzt\u00e4gigen Festes mit Einbeziehung der Schuljugend, Festzug, patriotischen Ges\u00e4ngen und Reden, Festessen, Hochrufen auf Kaiser und Reich etc. des Jahres 1875 zeigt sich auch im Programm des auf einen Sonntag gefallenen Sedantages des Jahres 1877, wo der Vorabend mit einbezogen wurde und die oben genannten vier Vereine bei einem Fackelzug und beim Zusammensein im am Beginn der \u201eBiberacher Stra\u00dfe\u201c gelegenen \u201eFinninger\u2019schen Garten\u201c vereint tragend mitwirkten und das abschlie\u00dfende abendliche Festbankett vom Turnverein veranstaltet wurde. Der ausf\u00fchrliche Bericht der \u201eWimpfener Zeitung\u201c sei hier ungek\u00fcrzt wiedergegeben:<a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\">[20]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe002.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1006\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe002-1006x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-398\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe002-1006x1024.jpg 1006w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe002-147x150.jpg 147w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe002-295x300.jpg 295w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe002-768x782.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1006px) 100vw, 1006px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00dcber den Sedantag des Jahres 1880 liegt der folgende Zeitungsbericht vor: <em>\u201eZur Feier des deutschen Nationalfestes versammelten sich gestern Abend s\u00e4mmtliche Vereine unserer Stadt, welchen sich auch der Gesang-Verein von Wimpfen im Thal anschlo\u00df, auf dem Marktplatz. Nachdem hier der Gesang-Verein Concordia das Lied \u201eHurrah<\/em> <em>Germania\u201c vorgetragen und eine Ansprache \u00fcber die Bedeutung des Tages gehalten war, welche mit einem Hoch auf unseren allverehrten Kaiser, in welches die Versammlung begeistert einstimmte, schlo\u00df, ordnete man sich zum Zug, welcher mit Lampions und Fackeln versehen unter Vorantritt der st\u00e4dtischen Musik durch die Hauptstra\u00dfen der Stadt nach der Wolpertschen Gartenwirtschaft ging.- Hier angekommen, entfaltete sich sofort ein reges Leben und Treiben. Reden, von welchen wir ganz besonders die des Lehrers Trautmann hervorheben m\u00fcssen, wechselten mit Vortr\u00e4gen der beiden Gesang-Vereine, sowie der st\u00e4dtischen Musik ab und gewi\u00df verlie\u00df jeder Theilnehmer befriedigt (d. h. den Bierstoff ausgenommen, der viel zu w\u00fcnschen \u00fcbrig lie\u00df) das Local, in dem Bewu\u00dftsein, nicht allein einen frohen genu\u00dfreichen, sondern auch der w\u00fcrdigen Feier unseres Nationalfestes entsprechenden Abend verlebt zu haben.<\/em>\u201c<a href=\"#_edn21\" name=\"_ednref21\">[21]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Titel der vom Gesangverein vorgetragenen bzw. von den Festteilnehmern angestimmten \u201epatriotischen Ges\u00e4nge\u201c k\u00f6nnen wir nur spekulieren. Zu singen \u00fcblich war insbesondere, damals fast den Status der Nationalhymne erreichend, \u201eDie Wacht am Rhein\u201c:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe003.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe003-584x1024.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Als im Jahr 1882 der Sedantag mit Beflaggung des Rathauses und mit einem Unterhaltungsabend des Turnvereines gefeiert wurde, lie\u00df die Stadtmusik die \u201eWacht am Rhein\u201c vom Blauen Turm herab erschallen. Der Inhalt dieses 1840 von MAX SCHNECKENBURGER&nbsp;gedichteten und 1854 von CARL WILHELM&nbsp;vertonten Liedes hatte nach der Reichsgr\u00fcndung im 1871 \u2013 1873 von J. SCHILLING oberhalb R\u00fcdesheim am Rhein geschaffenen Niederwalddenkmal seine Verk\u00f6rperung erfahren, wo sich \u00fcber dem 25 m hohen mit Reliefs zu Themen des Krieges von 1870\/71 die \u00fcber 10 Meter hohe Germania erhob. Als Mitte Mai 1886 der Gesangverein Concordia dorthin eine Ausflug plant, wird der Einwohnerschaft dieses zum Nationaldenkmal gewordene Ausflugsziel mit folgenden begeisterten Worten beschrieben: <br><em>\u201eEndlich ist das Ziel erreicht und staunend steht jeder still, versunken in die Herrlichkeit dieser Meistersch\u00f6pfung; wei\u00df doch ein jeder, da\u00df er auf geheiligtem Boden steht, wo zweimal sein Kaiser gestanden bei der Grundsteinlegung und bei der feierlichen Enth\u00fcllung, wohin j\u00e4hrlich Tausende seiner deutschen Br\u00fcder wallen. Voll stolzer Gef\u00fchle betrachtet da ein jeder die herrliche Gestalt der Germania, die vom Throne sich erhebend, das Zeichen der wiedererrrungenen Einheit, die Kaiserkrone, in die L\u00fcfte hebt, voll Beruhigung, aber auch vertrauend auf seine Kraft, die Gestalten des Krieges und des Friedens und jene Gruppe, wo der Vater Rhein der Mosel die Wacht an unserer Westgrenze \u00fcbergibt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Doch gibt es 1882 in den Zeitungen Diskussionen \u00fcber das F\u00fcr und Wider der weiteren Abhaltung des Sedantages. Ein Wimpfener Einsender ist jedoch der Meinung, dass der 2. September ein Nationalfeiertag bleiben solle und es unw\u00fcrdig sei, dessen Feier einschlafen zu lassen. Dieser sei auch geeignet und es sei auch Pflicht der am Einigungswerk arbeitenden Parteien, politischen Hader und Trennendes einen Tag zu vergessen zu lassen. Bewusstes Festhalten an der Vergangenheit biete auch Gew\u00e4hr f\u00fcr die Zukunft. Was Wimpfen betrifft, so findet in der Tat 1884 keine Sedansfeier statt. Daf\u00fcr bringt die Zeitung eine l\u00e4ngere Betrachtung \u00fcber die Bedeutung des Sedanfestes, die bei aller Lobpreisung des nach der erk\u00e4mpften Einheit unter den Nationen erreichten Spitzenranges T\u00f6ne der Vers\u00f6hnlichkeit und Handreichung gegen\u00fcber dem besiegten Frankreich anschl\u00e4gt und aus dessen Schlusszeilen hervorgeht, dass man es in diesem Jahr jedoch mit der vom Turme herab wiederum erklungenen \u201eWacht am Rhein\u201c bewenden lie\u00df:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe004.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe004-597x1024.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Folgejahr sto\u00dfen wir auf das folgende Anfang September in der Zeitung ver\u00f6ffentlichte Sedan-Gedicht:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe005.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"748\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe005-1024x748.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-401\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe005-1024x748.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe005-150x110.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe005-300x219.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe005-768x561.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Zur Feier des Tages wird jetzt sogar in der H\u00f6heren T\u00f6chterschule bei Anwesenheit der Eltern eine Ansprache \u00fcber den Verlauf des Kriegs 1870\/71 gehalten, die mit dem Choral \u201eNun danket alle Gott\u201c ausklingt und wor\u00fcber in der Zeitung der Schluss gezogen wird, <em>\u201ewie zeitgem\u00e4\u00df die Errichtung dieser Schule ist\u201c<\/em>. Als demgegen\u00fcber im Folgejahr 1886 es 20 Jahre her ist, dass der (auch f\u00fcr das Gro\u00dfherzogtum Hessen verloren gegangene) Krieg von 1866 stattgefunden hat, da schreibt die Zeitung bezeichnenderweise Folgendes: <em>\u201eEs w\u00e4re nichs verfehlter, als die Erinnerung<\/em> <em>an diesen deutschen Bruderkrieg zu feiern.<\/em>\u201c 1890 kommt zum Flaggenschmuck und B\u00f6llerschie\u00dfen des Sedantages ein Kinderfest. F\u00fcr Wimpfener Verh\u00e4ltnisse <em>\u201ein sch\u00f6ner und gro\u00dfartiger Weise\u201c<\/em> und <em>\u201eunter gro\u00dfer Beteiligung der gesamten Gemeinde\u201c,<\/em> wie es in der Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde hei\u00dft. Und auch unter vollz\u00e4hliger Beteiligung der Schule und Gemeinde von Hohenstadt, wurde das Sedanfest \u00fcber den 1. und 2. September hinweg mit z. B. abschlie\u00dfendem Feuerwerk und bengalisch beleuchtetem Marktplatz im Jahr 1895 anl\u00e4sslich dessen 25-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums gefeiert, obgleich inzwischen der Abbruch des Kulturkampfes und vor allem die Abberufung Bismarcks durch Kaiser Wilhelm II. sowie die Aufhebung der Sozialistengesetze u. a. m. in den b\u00fcrgerlich-nationalen Kreisen allerlei Entt\u00e4uschungen hinsichtlich der Entwicklung des Kaiserreiches gebracht hatten (Einzelheiten dazu siehe an sp\u00e4terer Stelle). Nicht nur, dass die B\u00fcrgerliche und die Evangelische Gemeinde und die ma\u00dfgeblichen Vereine engstens im Gleichklang kooperierten, sondern es wurde in ausgewogener Weise sowohl des milit\u00e4rischen Aspekts (Sieg und Opfer) als auch des reichspolitischen Aspekts (Erringung der Reichseinheit) gleichm\u00e4chtig gedacht. Der ausgedehnte instruktive Zeitungsbericht verdient es, ebenfalls ungek\u00fcrzt wiedergegeben zu werden:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe006_m1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe006_m1-1024x890.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe006_m2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"944\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe006_m2-944x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-403\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe006_m2-944x1024.jpg 944w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe006_m2-138x150.jpg 138w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe006_m2-276x300.jpg 276w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe006_m2-768x834.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 944px) 100vw, 944px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Man sp\u00fcrt insbesondere aus dem nach der Rede von PFARRER RICHARD WEITBRECHT&nbsp;angestimmten Nationalhymne \u201eDeutschland Deutschland \u00fcber alles\u201c, dass die Menschen sich inzwischen als Deutsche f\u00fchlten und die Existenz des Deutschen Reiches verinnerlicht hatten. Somit war der Sedantag jetzt mehr als eine blo\u00dfe Siegesfeier und nicht mehr allein auf den milit\u00e4rischen Triumph und nur auf Frankreich als den Erbfeind gerichtet. So sehr der vorstehende Bericht den b\u00fcrgerschaftlichen Gleichklang beschw\u00f6rt, ein Mittun aller Einwohnerschichten d\u00fcrfte diese Sedanfeier trotz ihres Glanzes dennoch nicht ganz erreicht haben. Denn dieser war und blieb ein Festtag vor allem des kaisertreuen B\u00fcrger- und auch Beamtentums, was auch das tragende Mittun der \u201eCasino\u201c genannten Vereinigung der Honoratioren belegt und sicherlich der Identifikation der Arbeiter- und Tagel\u00f6hnerschicht sowie auch der Katholischen Gemeinde, dessen Pfarrer abseits stand, doch gewisse Grenzen setzte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Jahrhundertwende findet sich der Sedantag in Wimpfen wie in den meisten L\u00e4ndern des Deutschen Kaiserreiches nur noch gelegentlich feierlich begangen<em>. <\/em>Zu dessen Feier im Jahre 1900 hei\u00dft es: <em>\u201eSeit dem glorreichen Tage, der uns den Sieg und die Gr\u00fcndung des neuen deutschen Reiches brachte, sind nun 30 Jahre verflossen, Jahre des ungetr\u00fcbten Friedens. Erst in den letzten Wochen<\/em> (gemeint ist damit der aus dem Boxer-Aufstand in NO-China und das daraus entstandene bewaffnete Eingreifen eines europ\u00e4isch-amerikanischen Expeditionskorps) <em>wurden diese unterbrochen. &#8230; Neben der neuen Pflicht d\u00fcrfen wir die alte nicht vergessen.\u201c <\/em>Das nachfolgende lange Gedicht \u201eSedan 1900\u201c, welches das Titelblatt der \u201eWimpfener Zeitung\u201c vom 2. September 1900 schm\u00fcckt, preist die in der Sedanschlacht geborene Macht und Gr\u00f6\u00dfe des Deutschen Reiches u. a. durch den Hinweis auf dessen in allen Meeren ziehenden <em>\u201eOrlogschiffe\u201c<\/em> und damit die im Gange befindliche Flottenr\u00fcstung sowie auf die Wahrung seiner Ehre <em>\u201eim fernen Osten\u201c<\/em>, gemeint die Teilnahme an der Niederschlagung des o. a. sog. Boxeraufstandes:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe007.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe007-462x1024.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich kommt 1907 wieder eine Sedanfeier anl\u00e4sslich des Besuchs von weit \u00fcber 100 Damen und Herren des Nationalliberalen Vereins Worms als Dank f\u00fcr die regen Wahlbem\u00fchungen Wimpfens zustande. Aber dann findet sich der Sedantag nur noch gelegentlich erw\u00e4hnt wie z. B. 1911, wo es u. a. in Anspielung auf die enorm gewordene Aufr\u00fcstung des Deutschen Reiches herablassend hei\u00dft: <em>\u201eZum Sedantag: &#8230; Wir sind doch jetzt Andere geworden, und die Franzosen sind gr\u00f6\u00dftenteils auch Andere geworden. Wir k\u00f6nnten sie jetzt fast mit einem gewissen Mitleid betrachten. Wir sind jetzt stark genug zu Wasser und zu Lande und von ihnen h\u00e4ngt es wahrlich nicht mehr ab, ob wir Freie oder Knechte sind.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was den Ged\u00e4chtnistag von Gravelotte angeht, den der 1901 immerhin noch 156 Mitglieder z\u00e4hlende Kriegerverein gegen\u00fcber dem Sedantag stets favorisiert hat, so wird dieser sporadisch bis zum Ersten Weltkrieg hin immer wieder feierlich begangen, so z. B. 1882 und 1884, wie die nachfolgend gezeigten beiden Einladungen zeigen, im Rahmen einer zwei Tage danach stattfindenden Vereinsversammlung bzw. einer Feier am Vorabend dieses Tages (siehe dazu auch den Bericht der Zeitung), beides im Saale der Bierbrauerei Finninger:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe008.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe008-466x1024.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>1889 findet eine durch \u201eMehrere Alte\u201c am 18. August beim KAMERADEN METZGER&nbsp;und WIRT HEINRICH GRO\u00df veranstaltete Ged\u00e4chtnisfeier der glorreichen Schlacht mit kameradschaftlicher Unterhaltung statt, zu der alle alten Soldaten des Feldzuges 1870\/71 oder auch fr\u00fcherer Kriege eingeladen werden, ebenso 1893 und auch 1901, 1911, 1912 sowie 1913 eine solche im Zusammenhang des 40-j\u00e4hrigen Bestehens des Vereins. 1905 entfacht im Kriegerverein ein Vortrag des Kameraden ZIMMERMANN HERMANN ZOTZ&nbsp;\u00fcber den Feldzug von 1870\/71 neues Erinnerungsleben, der wohlgemerkt nicht am Sedantag, sondern am 26. November gehalten wird und den &#8211; allerdings nicht realisierten &#8211; Beschluss zeitigt, die Schlachtfelder dieses Krieges zu besuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>4. <strong>Zur bisherigen Gro\u00dfherzog-Huldigung gesellt jetzt noch die diese \u00fcberbordende Verehrung bis Verherrlichung des Kaisers.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die im Rahmen der beschriebenen Aktivit\u00e4ten des Kriegervereins (siehe z. B. die Turnvater-Jahn-Feier des Jahres 1878) sowie der Sedan- und Gravelotte-Feierlichkeiten (siehe z. B. den Sedantag 1880) immer wieder ausgebrachten Lobesworte und Hochrufe auf den Kaiser lassen erkennen, dass sich nach der Reichsgr\u00fcndung zu der herk\u00f6mmlichen Verehrung des Gro\u00dfherzogs und der Gro\u00dfherzogin von Hessen als dem Landesvater und der Landesmutter eine solche des die wiedergewonnene Einheit der L\u00e4nder Deutschlands und seiner Menschen, d. h. das Vaterland, verk\u00f6rpernden Deutschen Kaisers gesellte. Dass diese Verehrung zu einer Verherrlichung (aus)wuchs und somit jene der Herrschergestalten des Mutterlandes \u00fcberfl\u00fcgelte, wird sich im Fortgang dieses Abschnitts immer wieder manifestieren. Dazu tritt schlie\u00dflich fast gleichm\u00e4chtig diejenige des Reichskanzlers Otto von Bismarck als \u201edes Reiches Schmied\u201c, au\u00dferdem noch diejenige des Generalfeldmarschalls Helmuth von Moltke als des \u201egenialen Schlachtenlenkers\u201c des 1870\/71er Krieges, die im Wimpfen der 1870er Jahre infolge dessen verwandtschaftlicher Verbindung zur in ihrem w\u00fcrttembergischen Nebenzweig damals vor\u00fcbergehend dort ans\u00e4ssig gewordenen Familie der Freiherren von Wimpffen ganz konkret in Erscheinung treten sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir beginnen mit den dem GRO\u00dfHERZOG LUDWIG III. VON HESSEN&nbsp;(* Darmstadt 09. 06. 1806, herrschend seit 16. 06. 1848) immer schon geltenden Huldigungen, der Wimpfen allerdings seit 1849 keines Besuchs mehr beehrt hatte. Eine Vollst\u00e4ndigkeit der Geschehnisse ist nat\u00fcrlich hier nicht gegeben:<\/p>\n\n\n\n<p>Als am 18. Juni 1873 das 25. Regierungsjubil\u00e4um des Gro\u00dfherzogs ansteht, wird dieses festlich begangen: Es werden \u201e<em>s\u00e4mmtliche Einwohner aufgefordert, zur Hebung der Feier ihre Behausungen mit Fahnen etc. zu schm\u00fccken.\u201c<\/em> Im \u201eSool-Bad zum Ritter\u201c findet ein Festbankett mit anschlie\u00dfendem Ball statt.<a href=\"#_edn22\" name=\"_ednref22\">[22]<\/a> Die Stadt Wimpfen tr\u00e4gt zu der anl\u00e4sslich dieses Jubil\u00e4ums von den hessischen Gemeinden ins Leben gerufenen Stipendien-Stiftung zur F\u00f6rderung der h\u00f6heren Ausbildung w\u00fcrdiger junger Leute 100 fl bei und liefert au\u00dferdem f\u00fcr das anl\u00e4sslich dieses Jubil\u00e4ums geschaffene Prachtalbum \u00fcber die herausragenden Sehensw\u00fcrdigkeiten und Landschaften der drei Provinzen des Hessenlandes fotografische Abbildungen.<\/p>\n\n\n\n<p>An des Gro\u00dfherzogs 69. Geburtstag am 09. 06. 1875 werden die \u00f6ffentlichen Geb\u00e4ude als teilweise beflaggt gemeldet. Morgens wird der Verbundenheit durch Salutsch\u00fcsse Ausdruck gegeben. Au\u00dferdem findet abends im Saal des \u201eRitter\u201c eine Unterhaltung statt, an der sich auch zu dieser Zeit anwesende Kurg\u00e4ste beteiligen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Gro\u00dfherzog Ludwig III. am 13. 06. 1877 im Alter von 71 Jahren stirbt, k\u00fcndigt dies die \u201eWimpfener Zeitung\u201c am 15. Juni durch den Abdruck eines mit Trauerrand versehenen Extrablattes der Darmst\u00e4dter Zeitung\u201c an:<em>\u201eSeine K\u00f6nigliche Hoheit der Gro\u00dfherzog Ludwig III. ist in Folge schwerer Krankheit am 13. Juni um halb 11 Uhr im Schlosse zu Seeheim verschieden.- Allerh\u00f6chstderselbe war am 9. Juni 1806 geboren, folgte seinem Vater am 16. Juni 1848 in der Regierung und war ein g\u00fctiger, volksfreundlicher, gerechter, den Wissenschaften und K\u00fcnsten wohlgeneigter Regent, dessen Ableben das ganze Hessenland betrauert.- Die Leiche des h\u00f6chstseligen Gro\u00dfherzogs soll &#8211; dem Vernehmen nach &#8211; heute Nacht nach Darmstadt verbracht und morgen in \u00fcblicher Weise ausgestellt werden.\u201c<br><\/em>Die folgende nicht unkritische, die Reichgr\u00fcndung einbeziehende, W\u00fcrdigung der \u201eWimpfener Zeitung\u201c selbst lautet: <br><em>\u201eDer verschiedene Gro\u00dfherzog hat in schweren Tagen die Regierung \u00fcbernommen, nachdem er kurze Zeit als Mitregent seinem Vater zur Seite gestanden <\/em>(siehe Band 2, S. 340 und 341 sowie 361). <em>Sehr bald kam die Reactionszeit, in welcher Hessen nicht verschont blieb und l\u00e4nger als in anderen Staaten aushalten musste<\/em> (siehe Band 2, S. 362 ff.). <em>Die neue und neueste Zeit fand an dem Gro\u00dfherzog, wenn auch keinen sympathischen Verehrer, doch den Mann, welcher einsah, da\u00df die Wendung der Geschicke Deutschland und Hessen f\u00f6rderlich sei und de\u00dfhalb sich damit vollst\u00e4ndig auss\u00f6hnte und zu seinem Theil an der Weitergestaltung mitwirkte <\/em>(gemeint ist die Zur\u00fcckstellung seiner Hinneigung zu \u00d6sterreich zugunsten der Bindung an Preu\u00dfen)<em>. Das Land hat in dem verstorbenen Gro\u00dfherzog den F\u00fcrsten geehrt und geachtet, der es redlich mit ihm meinte. Ein gutes, edles Herz erkannte Jeder. Demselben fiel es aber auch wohl anheim, da\u00df er hin und wieder Einfl\u00fcssen nachgab, welche besser nicht geltend gemacht worden w\u00e4ren. Er selbst wollte unverkennbar das beste.- Einfach, n\u00fcchtern, brauchte er f\u00fcr sich selbst sehr wenig. F\u00fcr Zwecke der Kunst, der Unterst\u00fctzung, der H\u00fclfe und Milde fand man ihn stets zug\u00e4ngig und gar viele werden in ihm den anspruchslosen Unterst\u00fctzer und Helfer verlieren.- Hessen wird dem dahingeschiedenen F\u00fcrsten ein ehrendes Andenken gew\u00e4hren und mit Freuden die Wohltaten und Besserungen, welche unter seiner Regierung dem Volke zu Theil worden, genie\u00dfend, des Gro\u00dfherzogs Ludwig III. gedenken.\u201c<br><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Da dessen Ehe mit der bereits 1862 verstorbenen GROSSHERZOGIN MATHILDE&nbsp;(siehe Band 2, S. 40, Abb. A 7a u. A 7b, S. 58 u. 59) kinderlos geblieben ist, tritt die Thronfolge sein durchaus national gesinnter Neffe an: GROSSHERZOG LUDWIG IV. VON HESSEN&nbsp;(* 12. 09. 1837 in Bessungen, Thron\u00fcbernahme: 13. 06. 1877). Siehe dazu:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa005.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa005-1024x479.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<ul><li><strong>Abb. F 5: Verk\u00fcndigung der \u00dcbernahme der Regentschaft durch Gro\u00dfherzog Ludwig IV. im Gro\u00dfherzoglich Hessischen Regierungsblatt Nr. 29 vom 13. Juni 1877.<\/strong><a href=\"#_edn23\" name=\"_ednref23\">[23]<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa006a.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa006a-795x1024.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Auf dessen Befehl wird die \u00fcbliche Landestrauer f\u00fcr die lange Dauer von zw\u00f6lf Wochen angeordnet, die jedoch auf landesweite Klagen hin k\u00fcrzer befristet wird. Am 12. September desselben Jahres wird der 40. Geburtstag des neuen Landesherren in Wimpfen festlich begangen.<br>Das in<br><\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Abb. F 6a: Gro\u00dfherzog Ludwig IV. von Hessen (<\/strong>*<strong> Bessungen 1837 &#8211; \u2020 Darmstadt 1892)<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa006b.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa006b-820x1024.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>sowie<br><\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Abb. F 6b: Gro\u00dfherzogin Alice von Hessen (* London 1843 &#8211; \u2020&nbsp;Darmstadt 1878)<\/strong><a href=\"#_edn24\" name=\"_ednref24\">[24]<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>dargestellte gro\u00dfherzogliche Paar hatte 1862 in Osborne House (Isle of Wigth), dem Landsitz der QUEEN VICTORIA VON GROSSBRITANNIEN&nbsp;und des PRINZGEMAHLS ALBERT (VON SACHSEN-COBURG-GOTHA), den Eltern der Braut, geheiratet und so die verwandtschaftliche Verbindung des Gro\u00dfherzogtums Hessen mit dem englischen K\u00f6nigshaus gekn\u00fcpft. Daraus ergaben sich durch die Verheiratung von vier der f\u00fcnf T\u00f6chter und zweien der vier der S\u00f6hne der Queen mit deutschen Prinzen bzw. Prinzessinnen die weitgestreuten verwandtschaftlichen Bindungen des Gro\u00dfherzoglich-hessischen Hauses zu deutschen Adelsh\u00e4usern, insbesondere auch zu Preu\u00dfen.<br>Die liberal, konstitutionell, demokratisch und sozial gesonnene ENGLISCHE K\u00d6NIGSTOCHTER ALICE&nbsp;hatte in den anderthalb Jahrzehnten ihrer Ehe unendlich viel Segensreiches bewirkt bzw. eingeleitet:<br>&#8211; die Gr\u00fcndung des Alice-Hospitals,<br>&#8211; der Alice-Schwesternschaft,<br>&#8211; des Alice-Frauenvereins und<br>&#8211; der Alice-Eleonoren-Schule.<br>Und, initiiert durch ihre Mutter, die Queen, hatte die Familie 1866 das am Wilhelmsplatz in Darmstadt erbaute Neue Palais beziehen k\u00f6nnen. Anderthalb Jahre nach dem Aufstieg ihres Gatten zum Gro\u00dfherzog ausgangs 1878 starb sie wie kurz zuvor ihre j\u00fcngste Tochter Marie an Diphterie im Alter von nur 35 Jahren und lie\u00df f\u00fcnf unm\u00fcndige Kinder zur\u00fcck.<a href=\"#_edn25\" name=\"_ednref25\">[25]<\/a><br>In den Mai deren Todesjahres f\u00e4llt die Ordnung der durch den \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Hofstaat und jahrelange Defizite in Verwirrung geratenen Finanzen des Gro\u00dfherzoglichen Hauses durch die Tilgung der Schulden teils durch Verkauf von Dom\u00e4nen, teils durch die \u00dcbernahme durch das Land sowie die Verminderung der Zivilliste (= die j\u00e4hrliche dem Monarchen aus der Staatskasse gew\u00e4hrte Apanage) um 300.000 Mark auf 1.016.000 Mark.<a href=\"#_edn26\" name=\"_ednref26\">[26]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dass sich in der \u201eWimpfener Zeitung\u201c Ehrenbezeugungen gegen\u00fcber dem Gro\u00dfherzog anl\u00e4sslich von Geburts- und Jubil\u00e4umstagen nur sporadisch finden lassen, d\u00fcrfte nicht nur darauf zur\u00fcckgehen, dass die Kaiser- und Bismarck-Verehrung wachsend dominant wurde, sondern auch, weil GROSSHERZOG LUDWIG IV. VON HESSEN Bekundungen des Interesses oder sonstiger Zuwendung gegen\u00fcber seiner Exklave Wimpfen nicht zu erkennen gegeben hat. Auch hat er sich durch die morganatische Verm\u00e4hlung des Jahres 1884 mit der FRAU VON KOLEMINE (ALEXANDRINE VON HUTTEN-CZAPSKA), die auf Druck der f\u00fcrstlichen Verwandtschaft im Folgejahr wieder annuliert wurde, in den Augen des Volkes nicht gerade beliebt gemacht.<br>Freilich hinderte dies eine Anzahl von Beamten und B\u00fcrgern Wimpfens nicht, sich am 12. September 1886 anl\u00e4sslich des 49. Geburtstags Ludwigs IV. zu versammeln und diesem in einem Telegramm <em>\u201eihre alluntert\u00e4nigsten Gl\u00fcckw\u00fcnsche zum heutigen Tage darzubringen\u201c<\/em>, wobei auch <em>\u201eein Toast auf Kaiser Wilhelm, den Schirmherrn Deutschlands, und F\u00fcrst Alexander\u201c <\/em>dargebracht wurde. Der Gro\u00dfherzog sagt daraufhin f\u00fcr alle Gl\u00fcckw\u00fcnsche telegrafisch herzlichen Dank.<br>&nbsp;Mit \u201eF\u00dcRST ALEXANDER\u201c ist ALEXANDER VON BATTENBERG&nbsp;(1857 \u2013 1893) gemeint, Sohn von PRINZ ALEXANDER VON HESSEN-DARMSTADT&nbsp;(1823 \u2013 1888), des Bruders von GROSSHERZOG LUDWIG III. VON HESSEN, verm\u00e4hlt 1851 mit JULIE GR\u00c4FIN HAUKE&nbsp;(1825 \u2013 1895), woraus das HAUS BATTENBERG (MOUNTBATTON) der hessischen Herrscherfamilie gewachsen ist. Dem Vorgenannten war es 1885 gelungen, zum ersten F\u00fcrsten von Bulgarien erhoben zu werden; doch war er f\u00fcnf Tage vor diesem Toast der Wimpfener Untertanen zum Verzicht auf den bulgarischen Thron wegen pers\u00f6nlicher Vorbehalte des ZAREN ALEXANDER III. (1845 &#8211; 1894) gezwungen worden, der durch die Ehe von Alexanders Tante PRINZESSIN MARIE VON HESSEN (1824 &#8211; 1880) mit ZAR ALEXANDER II. (1818 &#8211; 1881) dessen Vetter gewesen ist. Hieraus wird die Versippung des gro\u00dfherzoglich-hessischen Hauses auch mit dem russischen Zarenhaus der Romanow evident, die sich damit fortsetzt, dass die PRINZESSIN ELISABETH (1864 \u2013 1918), die zweit\u00e4lteste Tochter der GROSSHERZOGIN ALICE, sp\u00e4ter JELISAWETA FJODOROWNA hei\u00dfend, 1884 den GROSSF\u00dcRSTEN SERGEI ALEXANDROWITSCH ROMANOW&nbsp;(1857 \u2013 1905) geheiratet hat und GRO\u00dfHERZOGIN ALICES j\u00fcngste \u00fcberlebende Tochter PRINZESSIN ALIX (1872 \u2013 1918), sp\u00e4ter ALEXANDRA FJODOROWNA hei\u00dfend, 1894 den ZAREN NIKOLAUS II. (1868 \u2013 1918) heiraten wird.<a href=\"#_edn27\" name=\"_ednref27\">[27]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Noch zweimal liegen Berichte \u00fcber Feiern, initiiert von den hessischen Beamten, zum Geburtstag Ludwigs IV. vor:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; 1889: Die Stadt wird geschm\u00fcckt und es wird ein Festessen im \u201eRitter\u201c abgehalten. Dabei sagt OBERAMTSRICHTER S\u00dcFFERT, der Wert des geistigen Bandes zwischen F\u00fcrst und Volk nehme trotz der Entfernung des Mutterlandes nicht ab. Der Wortlaut das abgesandten Telegramms lautet: <em>\u201eFern vom Mutterlande, doch gleich herzlich, sendet untert\u00e4nigste Gl\u00fcckw\u00fcnsche zum Allerh\u00f6chsten Geburtsfeste die zahlreiche Festversammlung im Hotel Ritter zu Wimpfen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; 1890: In Wimpfen werden wieder die H\u00e4user beflaggt, B\u00f6llersch\u00fcsse abgegeben und am Abend findet im \u201eMathildenbad\u201c eine Festtafel mit 50 Teilnehmern statt, bei der&nbsp;REALLEHRER KAHL&nbsp;den offiziellen Toast auf den Gro\u00dfherzog ausbringt:<em>\u201eWenn auch fern vom Mutterlande, wollen wir nicht zur\u00fcckbleiben.\u201c<\/em> Es folgen Musikvortr\u00e4ge und patriotische Lieder. Die Zeitung schreibt lobspendend: <em>\u201eDas hessische Volk feiert wieder den Geburtstag des geliebten Landesherrn und wieder steigen aus vielen tausend treuen Herzen innigste Gl\u00fcck- und Segensw\u00fcnsche zum Himmel empor f\u00fcr das fernere Wohlergehen des Gro\u00dfherzogs und seines erlauchten Hauses. Wei\u00df doch Jedermann im Hessenlande, welch warme F\u00fcrsorge der F\u00fcrst allen Gebieten des \u00f6ffentlichen Lebens zuwendet, wie er unausgesetzt bestrebt ist, im Vereine mit seiner weisen Regierung nicht nur die Wohlfahrt in wirtschaftlicher Beziehung zu heben, sondern auch die kulturellen Fragen zum Segen seines Volkes zu f\u00f6rdern. &#8230;\u201c<\/em><a href=\"#_edn28\" name=\"_ednref28\">[28]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Am 13. M\u00e4rz 1892 im Alter von nur 54 \u00bd Jahren stirbt GRO\u00dfHERZOG LUDWIG IV.&nbsp;an einem Schlaganfall. <em>\u201eDie Trauernachricht vom Ableben unseres geliebten Landesf\u00fcrsten\u201c, <\/em>so die Zeitungsnachricht mit dickem Trauerrand, <em>\u201ehaben wir um \u00bd 10 Uhr durch Extrablatt zur Kenntnis unserer Leser gebracht. Um 11 Uhr verk\u00fcndete Trauergel\u00e4ute von der evangelischen Kirche das schmerzliche Ereignis. Laut Ausschreiben des Gro\u00dfherzoglichen Oberkonsistoriums hat dieses vom 14. ds. an w\u00e4hrend 4 Wochen in allen evangelischen Kirchen des Gro\u00dfherzogtums t\u00e4glich von 11 \u2013 12 Uhr stattzufinden.\u201c<\/em> Am nachfolgenden Sonntag fand eine allgemeine kirchliche Trauerfeier statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachfolger wurde sein fast 24-j\u00e4hriger Sohn GRO\u00dfHERZOG ERNST LUDWIG VON HESSEN&nbsp;(* 25. 11. 1878, Gro\u00dfherzog ab 13. 03. 1892), der erkl\u00e4rte, im Sinne seines Vaters regieren zu wollen. Als nach kaum neun Monaten zum ersten Mal der Geburtstag des regierenden jugendlichen Landesf\u00fcrsten ansteht, wird dieser \u00fcblicherweise mit einem Festessen im \u201eRitter\u201c bei festlich geschm\u00fcckter Stadt begangen und werden per Telegramm Gl\u00fcckw\u00fcnsche gesandt. Und in der Zeitung wird festgestellt, auf den neuen Regenten sei <em>\u201enicht nur die Regierung, sondern auch die Liebe und Treue seines Volkes \u00fcbergegangen\u201c<\/em>. Damals konnten die Wimpfener nat\u00fcrlich noch nicht ahnen, dass gerade dieser letzte der f\u00fcnf ihrer Exklave vorstehenden Gro\u00dfherz\u00f6ge von Hessen, der sich ungern mit Milit\u00e4rischem befasste und als ein Mann der Kunst, der Wissenschaft und des Theaters galt, in den etwas mehr als 2 \u00bd Jahrzehnten seiner Regentschaft f\u00fcr die Belange ihrer Stadt ein ganz besonderes Interesse bekunden und unter seiner Hand sein Land mannigfache Hilfen und Impulse insbesondere der Erhaltung und Pflege ihrer Denkm\u00e4ler zur F\u00f6rderung vor allem des Fremdenverkehrs geben w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der nunmehr folgenden Suche der zahllosen Bekundungen der Verehrung des Kaisers und dessen Dynasten-Familie sto\u00dfen wir zun\u00e4chst u. a. auf eine Zeitungsmeldung vom 4. September 1874, in der es hei\u00dft: <br><em>\u201eHeute nachmittag mit dem Zug nach halb 3 Uhr, welchem ein Salonwagen angeh\u00e4ngt war, fuhr der deutsche Kronprinz <\/em>(FRIEDRICH WILHELM&nbsp;&#8211; der sp\u00e4tere&nbsp;KAISER FRIEDRICH III.)<i>&nbsp;in Begleitung einiger Stabsoffiziere zum Zwecke der schon vor kurzem in diesem Blatte erw\u00e4hnten Truppen-Inspection bei Heilbronn hier durch. Der Zug hatte einige Minuten Aufenthalt, w\u00e4hrend dessen ihm von zarter Hand durch das offene Fenster ein Bouquet zugeworfen wurde, worauf der Kronprinz freundlich gr\u00fc\u00dfte und dankte; Se. Kais. Hoheit trug blaue Dragoner-Uniform. ..<\/i>.\u201c <br>Anfang Mai 1874 huldigt Schriftsteller Franz Karl Hiller im \u201eRitter\u201c dem Kronprinzen und dem Kaiser in Gedicht-Deklamationen. \u00dcber&nbsp;KAISER WILHELM I.&nbsp;<u>(<\/u>* 22. 03. 1797) selbst findet sich zu dessen 80. Geburtstag am 22. M\u00e4rz 1877 ein Gedicht, zu dem, um dem Vorwurf der Lobhudelei zu begegnen, gesagt wird: <br><em>\u201eWir stimmen nicht in hergebrachter Weise ein Phrasen-Loblied auf den Kaiser an\u201c<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe009.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe009-1024x572.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit \u201e<em>manch gift\u2019gem Schwamm\u201c<\/em> sind sicherlich die als Feinde des Reiches geltenden sog. Ultramontanen und noch mehr die auch in Wimpfen, wie an sp\u00e4terer Stelle zu zeigen sein wird, im Kommen begriffenen Sozialdemokraten gemeint, deren 1869 von KARL LIEBKNECHT&nbsp;und AUGUST BEBEL gegr\u00fcndete \u201eSozialdemokratische Arbeiterpartei\u201c sich 1875 mit dem 1863 von FERDINAND LASALLE gegr\u00fcndeten \u201eAllgemeinen Deutschen Arbeiterverein\u201c zur \u201eSozialistischen Arbeiterpartei\u201c vereinigt und somit an Schlagkraft gewonnen hatte. Welch primitiven Mitteln \u00f6ffentlichen L\u00e4cherlichmachens deren Anh\u00e4nger ausgesetzt gewesen sind, zeigt eine Anfang M\u00e4rz 1975 vom \u201eWimpfener Bote\u201c \u00fcbernommene Glosse:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eVermischtes: Gro\u00dfe Affen werden jetzt auf der Insel Ceylon gew\u00f6hnlich als Sklaven, und zwar zum Pfl\u00fccken der Kokosn\u00fcsse verwendet. Vom Sozialdemokraten unterscheidet sich der Affenkuli<\/em> <em>dadurch sehr wesentlich, da\u00df diesem die Arbeit ungeheuren Spa\u00df macht. Den Fall einer jeden Kocosnu\u00df begleitet er n\u00e4mlich mit einem Luftsprung und lebhaftem Grinsen. Haec fabula docet (man sieht), da\u00df die Sozialdemokraten jetzt \u00fcbrig sind.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Solch negative Klassifikationen erschienen der Mehrzahl der Deutschen im Fr\u00fchsommer des Folgejahres 1878 durch zwei kurz hintereinander auf KAISER WILHELM (I.) in Berlin Unter den Linden erfolgte Attentate best\u00e4tigt, die zu gro\u00dfer Aufregung in der Bev\u00f6lkerung f\u00fchren. <br>Der erste missgl\u00fcckte Versuch des Leipziger Klempnergesellen MAX H\u00d6DEL&nbsp;am 11. Mai 1878 wird in der Zeitung u. a. so kommentiert: <br><em>\u201eDie Hausdurchsuchung bei demselben ergab, dass er mit Leib und Seele der Sozialdemokratie angeh\u00f6re. Er geh\u00f6re der Christlich-sozialen Partei an, sei aber Anarchist von reinem Wasser, gab er zu.\u201c <br><\/em>Das zweite Attentat vom 2. Juni 1878 des KARL EDUARD NOBILING wird&nbsp;von der Zeitung durch folgendes Extrablatt mitgeteilt:<a href=\"#_edn29\" name=\"_ednref29\">[29]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe010.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe010-1024x529.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend erscheinen laufend fettgedruckte Anzeigen \u00fcber das wachsend sich bessernde Befinden des Kaisers, die Ergebnisse der Vernehmungen des Attent\u00e4ters, dessen angebliche Beziehungen zur Sozialdemokratie sowie \u00fcber Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung derselben, schlie\u00dflich die folgenden Entr\u00fcstung, Scham und Kaisertreue ausdr\u00fccken wollenden unbeholfenen Reimzeilen<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe011.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe011-1024x430.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Aus Anlass der Errettung Kaiser Wilhelms I. wird im ganzen Reich die Kaiser-Wilhelm-Spende ausgeschrieben:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eZur Wilhelm-Spende! Am 20., 21., 22. Juli dieses Jahres soll nunmehr die in allen Zeitungen angek\u00fcndigte Wilhelms-Spende gesammelt werden. In allen St\u00e4dten und D\u00f6rfern des Deutschen Reiches, in Schule und Haus, bei den Deutschen aller Religionsbekenntnisse sollen die H\u00e4nde sich regen zur Darbringung der Spende. Mann, Frau, Kind und Greis, ein Jeglicher soll beisteuern, denn nicht die Gr\u00f6\u00dfe der Gabe, sondern das Gef\u00fchl, in welchem sie gegeben wird ist von Bedeutung. Kein Wort ist gen\u00fcgend zum Ausdrucke des Schmerzes, da\u00df unser geliebter Deutscher Kaiser, der Einiger des Reiches, von ruchloser Hand verletzt wurde. Kein Wort ist gen\u00fcgend, um die Freude auszudr\u00fccken und den Dank gegen Gott, da\u00df das Leben des kaiserlichen Greises gerettet wurde. Wo aber das Wort versagt, ist zu allen Zeiten ein \u00e4u\u00dferes Opfer dargebracht worden. So m\u00f6ge Jeder zur Wilhelms-Spende ein Kleines beisteuern als Ausdruck der Freude und des Dankes, und jedes deutsche Gem\u00fct m\u00f6ge sich daran erquicken, da\u00df es beitrug, seinem Kaiser von dem ihm von Einzelnen angetanen Schmerz millionenf\u00e4ltiger Freude zu bereiten. Berlin, den 13. Juli. \u2013 Im Namen und Auftrage des von General-Feldmarschall Grafen von Moltke geleiteten Comit\u00e9s f\u00fcr die Wilhelms-Spende. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Ausschu\u00df.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sammelstellen in der Gemeinde Wimpfen sind: Gro\u00dfherzogliche B\u00fcrgermeisterei, Gro\u00dfh. Beigeordneter im Tal und zu Hohenstadt. Diese Spende erbringt im Reich rund 12 Millionen Mark und erzielt in Wimpfen am Berg 63,26 Mark, im Tal 4,10 Mark, in Hohenstadt 7,50 Mark, in Helmhof 1,28 Mark, zusammen 76,14 Mark.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 82. Geburtstag des Kaisers im Folgejahr 1879 ist die ganze Stadt (mit Ausnahme einiger H\u00e4user, wie die Zeitung tadelnd anf\u00fcgt) festlich beflaggt. Und anl\u00e4sslich der Goldenen Hochzeit des Kaisers und seiner Gemahlin KAISERIN AUGUSTA (GEB. VON SACHSEN-WEIMAR-EISENACH)&nbsp;am 11. Juni 1879 ergeht von B\u00dcRGERMEISTER ERNST an die Bewohner Wimpfens in der Zeitung die \u201eAufforderung\u201c, ihre Bewohnungen zu beflaggen. Um 11 Uhr ert\u00f6nt vom Blauen Turm ein Choral; die H\u00f6here B\u00fcrgerschule unternimmt, geschm\u00fcckt mit schwarz-wei\u00df-roten B\u00e4ndern, einen Spaziergang nach Jagstfeld, wo die eben er\u00f6ffnete Bahnstrecke neckarabw\u00e4rts nach Neckarelz interessiert. Und ein Schieferdecker, der gerade mit Reparaturen auf dem Dache der Stadtkirche besch\u00e4ftigt ist, gibt seinen Gef\u00fchlen f\u00fcr den hohen Festtag des Kaiserpaares dadurch Ausdruck, dass er sich gleichzeitig, wo die Musik auf dem Turm erschallt, auf die Spitze des Kirchturmes stellt, von da aus drei Pistolensch\u00fcsse abfeuert und dabei in der anderen Hand eine schwarzwei\u00dfrote Flagge h\u00e4lt. Am 6. M\u00e4rz des Folgejahres 1880 steht lobspendend zu lesen. <br><em>\u201eF\u00fcr die Erhaltung des Friedens arbeitet Kaiser Wilhelm auch pers\u00f6nlich. Seine gewichtigen Gl\u00fcckw\u00fcnsche und seinen Wunsch f\u00fcr den Frieden zwischen Deutschland und Ru\u00dfland hat er auch vom F\u00fcrsten Bismarck unterzeichnen lassen, um sie noch gewichtiger zu machen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und am 21. M\u00e4rz 1881 hei\u00dft es huldigend: <br><em>\u201eWimpfen. Mit dem heutigen Tage ist Kaiser Wilhelm in sein 85. Lebensjahr eingetreten. Dieser Ruf erscholl heute gewi\u00df allerw\u00e4rts in deutschen Landen und verk\u00fcndet, da\u00df die \u201akaiserlose, die schreckliche Zeit\u2019, vor\u00fcber ist. Und da\u00df dem so ist &#8211; wer wird es heute noch zu leugnen wagen, da\u00df der Heldengreis, der einfach-schlichte und doch so wahrhaft majest\u00e4tische Mann, dessen ehrw\u00fcrdiges Haupt die Krone des wiedererstandenen Reiches ziert, sein redlich Teil an dem Werke der Einigung, der sicheren Machtstellung nach au\u00dfen, der friedlichen und freiheitlichen Entwicklung im Innern unseres Vaterlandes hat. &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dreieinhalb Jahre sp\u00e4ter, am 22. Oktober 1884, kommt KAISER WILHELM I.&nbsp;Wimpfen ganz nah, eine besondere Denkw\u00fcrigkeit, wor\u00fcber die Zeitung unter dem 23. 10. 1884 folgenderma\u00dfen berichtet:<a href=\"#_edn30\" name=\"_ednref30\">[30]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe012.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe012-1024x873.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Als Kaiser Wilhelm am 22. M\u00e4rz 1887 90 Jahre alt ist und aus diesem Anlass dieser Tag im Reich als \u201eNationales Fest\u201c begangen wird, erschallen \u00fcber die beflaggte Stadt morgens und abends B\u00f6llersalven und wird vom Blauen Turm \u201eHeil Dir im Siegerkranz\u201c geblasen. Im \u201eMathildenbad\u201c versammeln sich s\u00e4mtliche Vereine der Stadt zu einer w\u00fcrdigen Feier, bei der Hochs auf den Kaiser und K\u00f6nig sowie auf Graf Moltke und das deutsche Heer ausgebracht werden. \u201e<em>Es war eine Freude f\u00fcr jeden Patrioten zu sehen, wie alles in Einigkeit beisammen war.\u201c <\/em>Auch wird vom Pfarrer das Gedicht des Kaisers \u201eDer Oberrhein\u201c vorgetragen. Wimpfen ehrt schlie\u00dflich den \u201egreisen Heldenkaiser\u201c zum letzten Male anl\u00e4sslich des am 18. Januar 1888 sich j\u00e4hrenden Tages der Kaiserproklamation von Versailles durch eine sog. Kaiserfeier. Dabei h\u00e4lt REALLEHRER LEOPOLD ENSGRABER&nbsp;zun\u00e4chst einen Vortrag \u00fcber die Vorgeschichte der Reichsgr\u00fcndung und der VORSTAND DES TURNVEREINS WILHELM KLEYER teilt&nbsp;dann die Proklamation von Versailles mit <em>\u201eund erinnerte besonders an die gro\u00dfen Verdienste des Kaisers um den Frieden der Welt und die v\u00e4terliche F\u00fcrsorge f\u00fcr den Arbeiterstand\u201c<\/em>. \u00dcber das zuletzt Gesagte wird noch an sp\u00e4terer Stelle ausf\u00fchrlich zu reden sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Anderthalb Wochen vor dem 91. Geburtstag des Kaisers am Sonntag, den 11. M\u00e4rz 1888, meldet die \u201eWimpfener Zeitung\u201c auf der Kopfseite einer Sonderausgabe wiederum mit schwarzem Trauerrand, dass Kaiser Wilhelm am Vortag gestorben ist:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe013.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe013-729x1024.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Amtlicherseits wird mitgeteilt: <em>\u201eNach Allerh\u00f6chster Entschlie\u00dfung Sr. K\u00f6niglichen Hoheit des Gro\u00dfherzogs soll aus Anla\u00df des Ablebens Sr. Majest\u00e4t des Kaisers Wilhelm vom 11. \u2013 18. d. M. einschlie\u00dflich in den evangelischen wie katholischen Kirchen des Gro\u00dfherzogtums t\u00e4glich in den Vormittagsstunden von 11 \u2013 12 Uhr das Trauergel\u00e4ute stattfinden, auch ist au\u00dferdem durch Erla\u00df des Gr. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 9. l. M. bestimmt worden, da\u00df von diesem Tage an bis auf weiteres alle \u00f6ffentlichen T\u00e4nze, Spiel und Musik und sonstige Lustbarkeiten allgemein einzustellen sind.\u201c<\/em> Es finden Ged\u00e4chtnisfeiern an allen Schulen Hessens f\u00fcr <em>\u201eden Gr\u00fcnder des neuen deutschen Reiches durch siegreiche Schlachten und den Mehrer desselben durch Werke des Friedens\u201c <\/em>statt. Auch die H\u00f6here T\u00f6chterschule trauert. Der Samstag, 17. M\u00e4rz, wird als ein Trauertag des ganzen deutschen Volkes bestimmt, wo in vielen St\u00e4dten und St\u00e4dtchen die Aufforderung ergeht, Gesch\u00e4fte und L\u00e4den an diesem Tag zu schlie\u00dfen, um auch \u00e4u\u00dferlich dem tiefen Leid Ausdruck zu geben, das alle Herzen erf\u00fcllt. <em>\u201eUm so mehr\u201c, <\/em>so lautet eine kritische Zeitungszuschrift, <em>\u201eist es zu verwundern, da\u00df das Amtsgericht Wimpfen an diesem hehren Trauertag eine Sch\u00f6ffengerichtssitzung abhielt. &#8230; Auch von Seiten der Wimpfener Bev\u00f6lkerung war die \u00e4u\u00dfere Kundgebung ihres Leides in der Tat eine traurige. Abgesehen von den umflorten Fahnen des Post- und Bahngeb\u00e4udes, fand sich in Wimpfen sage und schreibe eine einzige Trauerflagge. Dagegen war in den Nachbarorten Kochendorf und Neckarsulm kaum ein Haus ohne Trauerfahne zu sehen. Hoffentlich werden die Wimpfener desto zahlreicher morgen dem Trauergottesdienst beiwohnen, der in der protestantischen Kirche um 9 \u00bd Uhr, in der katholischen um 1 \u00bd Uhr ist.\u201c <\/em> In einer Entgegnung erkl\u00e4rt ein unbekannter Schreiber, es habe die \u00e4u\u00dfere Anregung f\u00fcr eine Beflaggung gefehlt. Und: <em>\u201eWo blieb die Dekoration der Herren Einsender? Patriotismus zeigt sich in 300 Mitgliedern beim Hilfsverein des Roten Kreuzes.\u201c<\/em> Noch nicht ganz zwei Jahre sind vergangen, als am 7. Januar 1890 KAISERIN AUGUSTA im 79. Lebensjahr stirbt. Auch ihr widmet die Zeitung ein ganzseitiges Extrablatt mit Trauerrand und ausf\u00fchrlicher W\u00fcrdigung ihres Lebens und insbesondere ihres caritativen Tuns.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur 99 Tage sind vergangen, seitdem <u>KAISER FRIEDRICH III.<\/u> (* 18. 10. 1831) die Nachfolge seines Vaters angetreten hat, als der an Kehlkopfkrebs Leidende im 57. Lebensjahr stirbt. Wieder meldet die \u201eWimpfener Zeitung\u201c dessen am 15. Juni 1888 eingetretenen Tod und die Umst\u00e4nde seiner Krankheit und seines Leidens in einer Sonntagsausgabe, datiert mit 17. Juni 1888, mit Trauerrand:<a href=\"#_edn31\" name=\"_ednref31\">[31]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe014.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe014-712x1024.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Allgemein gibt sich die Trauer um das Hinscheiden des Kaisers auch in Wimpfen kund. Am Rathaus weht seit Eintreffen der Todesnachricht eine schwarze Flagge und 14 Tage lang werden die Kirchenglocken von 11 \u2013 12 Uhr mittags gel\u00e4utet. Am Beisetzungstage sind viele Geb\u00e4ude beflaggt, teils mit schwarz umflorten Fahnen, teils mit Reichsfahnen mit schwarzen Schleifen. In den Schulen werden Ansprachen gehalten, am folgenden Sonntag finden in den Kirchen Trauergottesdienste statt; abends h\u00e4lt der Kriegerverein eine Trauerfeier im \u201eRitter\u201c mit \u201ez<em>ahlreicher Teilnahme aus allen Schichten\u201c. <\/em>Die Trauer ist eine allgemeine.<em> \u201eEin eigent\u00fcmlicher Zufall trifft die am 1. Oktober vorigen Jahres eingetretenen Einj\u00e4hrigen. Sie dienen in einem Jahr unter drei Kaisern und haben doch keines Kaisers Geburtstag mitgemacht<\/em>.\u201c<a href=\"#_edn32\" name=\"_ednref32\">[32]<\/a> Somit wird allgemein das Jahr 1888 als Ungl\u00fccksjahr gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der 30. Geburtstag bzw. das erste gefeierte Geburtstagsfest seines nachgefolgten Sohnes&nbsp;KAISER WILHELM II. (* 27. 01. 1859) im Jahr 1889 wird wie \u00fcberall in Wimpfen festlich mit einem im \u201eRitter\u201c am Vortag von den Vereinen wie im Vorjahr unter dem Titel \u201eKaiserfeier\u201c abgehaltenen Kommers bei reich beflaggter Stadt begangen. Dazu ergeht in der Zeitung die nachfolgend gezeigte Einladung:<a href=\"#_edn33\" name=\"_ednref33\">[33]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe015.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe015-1024x362.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>In den Folgejahren erreicht die Verehrung dieses dritten deutschen Kaisers in Wimpfen h\u00f6chste Grade:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; 1890: <em>\u201eDas sprichw\u00f6rtlich gewordene Hohenzollernwetter\u201c, <\/em>so berichtet die Zeitung unter dem 28. Januar, <em>\u201ewelches sonst regelm\u00e4\u00dfig an unseres Kaisers Geburtstag vorzuherrschen pflegte, hat sich diesmal nicht bew\u00e4hrt<\/em>.\u201c Es herrscht von Morgen an heftiger Sturm, so dass das Flaggen unm\u00f6glich ist. Im Mathildenbad wird ein Bankett gehalten und von dort dem Kaiser die folgende Depesche gesandt: <em>\u201eAn seine Majest\u00e4t Kaiser Wilhelm! Die aus Anla\u00df Allerh\u00f6chst Ihres Geburtstages im Mathildenbad zahlreich versammelten Einwohner Wimpfens bringen Ew. Majest\u00e4t die alleruntert\u00e4nigsten Gl\u00fcckw\u00fcnsche dar. Lang lebe der Kaiser zum Segen und Heile unseres geliebten deutschen Vaterlandes! Im Auftrag Link, Premier-Leutnant d. L.\u201c <\/em>Bezeichnenderweise f\u00fcgt der beauftragte Absender, der KAUFMANN UND FABRIKANT OSKAR LINK,&nbsp;dem Namen seinen Offiziersrang bei, Zeichen des unter Wilhelm II. im Deutschen Reich schlie\u00dflich kulminierenden Milit\u00e4r- und Uniformkultes und der Dominanz der Milit\u00e4rkaste im Wertesystem der Gesellschaft. Die Realschule h\u00e4lt einen besonderen Festakt, bei dem der Redner einen R\u00fcckblick h\u00e4lt und die segensreiche Regierung des ersten deutschen Kaisers und dessen die Wohlfahrt des Volkes f\u00f6rdernde Friedenspolitik hervorhebt und feststellt, dass sein Enkel Wilhelm II. in dessen Fu\u00dfstapfen getreten sei: jedem Deutschen ein Muster an Pflichttreue und hingebender Arbeit im Dienste des Vaterlandes.-<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Am 9. Februar 1890 zollt die Zeitung dem Kaiser h\u00f6chstes Lob<em>: <br>\u201eKaiser Wilhelm II. und die Arbeiterfrage &#8230; Das \u201asoziale K\u00f6nigtum\u2019 ist f\u00fcr die Hohenzollern keine Phrase historischer Schmeichelrede. Das beweist der junge Erbe, der im Sonnenlichte der Gegenwart die Krone tr\u00e4gt. &#8230;\u201c <br><\/em>Dieser hat n\u00e4mlich toleriert, dass im Reichstag das seit 1878 geltende Sozialistengesetz nicht mehr erneuert wird und ohne Gegenzeichnung seines widerstrebenden Reichskanzlers Bismarck zwei Erlasse zur Sozialpolitik (Ank\u00fcndigung einer internationalen Konferenz f\u00fcr Arbeiterschutz, Beschr\u00e4nkung der H\u00f6chstarbeitszeit pro Tag, der Frauenarbeit, Verbot der Kinderarbeit u. v. a. m.) ver\u00f6ffentlicht und somit &#8211; den Bruch mit Bismarck in Kauf nehmend &#8211; den Anschein erweckt, sich als sozialer Kaiser einen Namen machen zu wollen.<a href=\"#_edn34\" name=\"_ednref34\">[34]<\/a> So ist auch das folgende unter dem 12. Februar 1890 erschienene Lobgedicht zu verstehen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe016.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe016-922x1024.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Wir werden an sp\u00e4terer Stelle im Zusammenhang mit der Darstellung der Ergebnisse der Reichstagswahlen und der Schilderung des Wirkens des REICHSKANZLERS OTTO VON BISMARCK auf diese kaiserlichen Erlasse zur\u00fcckkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; 1891: Anl\u00e4sslich von Kaisers Geburtstag wird ein Festbankett gehalten. Bei diesem bringt den letzten Toast REDAKTEUR S. DOHANY&nbsp;aus, der am 1. Oktober 1888 durch Kauf unter Erhaltung des Namens \u201eC. Dieterich\u2019sche Buchdruckerei\u201c an die Stelle von CARL PAUL DIETERICH getreten ist und dann die Buchdruckerei nebst Verlag der \u201eWimpfener Zeitung\u201c 20 Jahre innegehabt hat. Dieser schildert \u201e<em>die Gefahren &#8230; , welche dem Reich im Innern und von au\u00dfen drohen, die aber zerschellen m\u00fcssen an dem Einigkeitsgedanken, der die Deutschen aller Parteien beseelen solle:<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe017.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe017-1024x414.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Sein Hoch galt dem Deutschen Reich, das ein brausendes Echo fand und mit Enthusiasmus wurde gemeinschaftlich das Deutschland-Deutschland \u00fcber alles gesungen.\u201c <\/em>Damit f\u00fchrt der Redner die Anwesenden in die Spur, in die der zwiesp\u00e4ltige KAISER WILHELM II.&nbsp;und die Politik der Bismarck nachgefolgten Reichskanzler ger\u00e4t: in die der Hochr\u00fcstung, des National- und Machtgehabes, der Zerschlagung des Bismarck\u2019schen B\u00fcndnissystems, des Vorranges des Milit\u00e4rischen, der Aufrechterhaltung des Feindverh\u00e4ltnisses mit Frankreich u. a. m.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe018.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe018-279x1024.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>&#8211; 1892: Des Kaisers Geburtstag wird in den festlich dekorierten R\u00e4umen des Mathildenbades durch die vereinigten Vereine bei (angeblich) zahlreicher <em>\u201eBeteiligung aller Berufskreise\u201c<\/em>&nbsp;begangen. REDAKTEUR DOHANY er\u00f6ffnet die Feier durch ein Hoch auf Seine Majest\u00e4t den Kaiser, den er als <em>\u201eeinen Hort des Friedens\u201c<\/em> preist. Anschlie\u00dfend wird jenes Lied gesungen, das in den Jahren des Deutschen Kaiserreiches zwar als Repr\u00e4sentationslied bei patriotischen Feiern aller Art erklungen, aber eher eine preu\u00dfische Volkshymne denn eine Nationalhymne gewesen ist, zumal die Melodie sich mit der von \u201eGod save the King\u201c, d. h. mit der englischen Nationalhymne, deckte:<br><\/p>\n\n\n\n<p>Es folgt ein Toast auf den Gro\u00dfherzog (<em>\u201eHeil, Ludwig, heil!\u201c<\/em>). Dann bringt der TURNVEREINSVORSTAND WILHELM KLEYER&nbsp;einen Trinkspruch auf das geeinte Vaterland und der KRIEGERVEREINSVORSTAND WILHELM TRAUTMANN&nbsp;einen solchen auf das deutsche Heer aus. Die Reden <em>\u201efinden ein begeisters Echo\u201c<\/em>. Es folgen Ch\u00f6re, Orchestervortr\u00e4ge, weitere patriotische Lieder und am Schluss ein Toast auf (sogar!) die deutschen Frauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den gleichen und kaum mehr steigerbaren Stil der Kaiserverehrung bis -verherrlichung sowie dasselbe Schema des Ablaufes weisen auch die weiteren sog. Fest-Bankette auf, die in den weiteren 1890er Jahren und in jenen des beginnenden 20. Jahrhunderts unter der Wortf\u00fchrung der vordersten K\u00f6pfe der Stadtverwaltung und -vertretung, des Evangelischen Kirchen- und des H\u00f6heren Schul- sowie des Vereinswesens allj\u00e4hrlich im Hotel \u201eMathildenbad\u201c oder im Gasthof \u201eRitter\u201c zu \u201eKaisers Geburtstag\u201c veranstaltet und teilweise Gegenstand sp\u00e4terer Betrachtung in Zusammenhang&nbsp;mit der Reichspolitik um die Jahrhundertwende sein werden.<\/p>\n\n\n\n<p>5. <strong>Die wachsende Verehrung auch des Reichskanzlers Otto von Bismarck wird zum Spiegel seines Kampfes insbesondere gegen die Sozialdemokratie durch den Erlass des sog. Sozialistengesetzes sowie der Schaffung der sozialen Gesetzgebung, schlie\u00dflich seiner Entlassung im Zwist mit Kaiser Wilhelm II.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was die Zeugnisse des Tuns und der Verehrung des REICHSKANZLERS OTTO VON BISMARCK (* 01. 04. 1815) betrifft, so tauchen diese allein auf diesen bezogen ab 1878 &#8211; und jetzt h\u00e4ufig und schlie\u00dfliich \u00fcberschw\u00e4nglich &#8211; und damit zu dem Zeitpunkt auf, da auf dessen Dr\u00e4ngen und zum Zwecke der Bek\u00e4mpfung der Sozialdemokraten anl\u00e4sslich des Nobiling-Attentates der Reichstag durch den Bunderat und Kaiser nach \u00a7 24 der Reichsverfassung aufgel\u00f6st wird und Neuwahlen ausgeschrieben werden. Aussagekr\u00e4ftig ist hier das folgende von der \u201eWimpfener Zeitung\u201c unter dem 18. Juli 1878 aus \u201eUrw\u00fchler\u2019s humoristisch-satyrischem Haus- und Reisespalter\u201c entnommene Reimwerk:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe019.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe019-1024x578.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Neben dieser Schm\u00e4hung der Sozialdemokratie in Versen steht eine l\u00e4ngere solche in Prosa, die auf die bevorstehende Neuwahl des Reichtages abgestimmt ist und darauf abhebt, die W\u00e4hlerschaft von einem Votum f\u00fcr die Sozialdemokraten abzubringen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWelch erb\u00e4rmlicher Charakter von der Sozialdemokratie ausgeht, legt wieder ein in der neuesten Wahlagitation eines nunmehr in Leipzig erscheinenden sozialdemokratischen Blattes erscheinender Aufruf ein recht deutliches Zeugnis ab. Dieses Blatt, das leider auch hier in Wimpfen Anh\u00e4nger hat, schreibt w\u00f6rtlich: \u201aParteigenossen! La\u00dft euch nicht provozieren. Man will schie\u00dfen. Die Reaktion braucht Krawalle, um das Spiel zu gewinnen.- An die Arbeiter! Angesichts &#8230; der Ma\u00dfregeln, welche den Arbeitern ihre \u00dcberzeugung rauben sollen <\/em>(gemeint damit sind vor allem die von Bismarck angestrebten sog. Sozialistengesetze, mit denen der Aktionsspielraum der Sozialdemokratie einzuengen gesucht wird)<em>, ersuchen wir unsere Gesinnungsgenossen nochmals, Alles zu versprechen, ja selbst auf Ehrenwort zu versprechen und zu unterschreiben, was die Machthaber von uns fordern. Wie ein durch die Folter erzwungener Eid nichtig war und von jedem ehrenhaften Priester gel\u00f6st worden ist, so ist ein durch die Hungerfolter ausgepre\u00dftes Ehrenwort zu brechen, um die Unterschrift zu verleugnen. Eure Bedr\u00e4nger wollen keine ehrlichen offenen Arbeiter haben, heuchelt Ihnen deshalb ins Gesicht hinein und bleibt doch Eurer Klasse, bleibt der sozialdemokratischen Fahne treu. Leistet Eure Unterst\u00fctzung <u>heimlich<\/u>, da Ihr es nicht \u00f6ffentlich d\u00fcrft. Eure Verfolger haben Euch in Acht erkl\u00e4rt, Eure Antwort am 30. Juli bei den Reichstagswahlen.\u2019\u201c<\/em> \u2013 Anmerkung der Redaktion: <em>\u201eWir glauben, da\u00df der schlechteste Jesuit nicht niedertr\u00e4chtiger zum Treu- und Wortbruch auffordern kann, als diese mehr als frechen Auslassungen es sich mit Verh\u00f6hnung aller Religions- und Staatsgesetze erdreisten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hieraus sp\u00fcrt man, dass der Wahlkampf zur Neuwahl zum Vierten Deutschen Reichstag des Jahres 1878, die aufgrund der besonderen Umst\u00e4nde als die sog. Attentatswahl in die Geschichte einging, um das vor allem von konservativen Kr\u00e4ften um Bismarck geforderte und den gem\u00e4\u00dfigteren Kr\u00e4ften verworfene sog. Sozialistengesetz gef\u00fchrt wurde. Die Feststellung, dass das zitierte Leipziger Blatt auch in Wimpfen Anh\u00e4nger habe, d\u00fcrfte fraglos stimmen. Denn im Vorjahr 1877 hatte kurz nach den Wahlen zum Dritten Deutschen Reichstag Mitte Januar der folgende Aufruf in der Wimpfener Zeitung bei den Gemeindeoberen und der Besitzb\u00fcrgerschaft f\u00fcr einige Beunruhigung gesorgt:<br><em>\u201eS\u00e4mtliche hiesigen Arbeiter werden zu einer wichtigen Besprechung auf Sonntag, den 21. 1., Nachmittags 3 Uhr in das obere Lokal der Rief\u2019schen Bierbrauerei freundlich eingeladen. Mehrere Arbeiter.\u201c<\/em> Es d\u00fcrfte wohl kein Zufall sein, dass etwa eine Woche sp\u00e4ter unter dem 28. 01. im Ressort \u201ePolitische \u00dcbersicht\u201c eine gr\u00f6\u00dfere Abhandlung abgedruckt war, in der die <em>\u201enicht ganz unberechtigte Besorgnis in manchen Gem\u00fctern\u201c <\/em>\u00fcber die <em>\u201everh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfe Anzahl der aus der Wahlurne hervorgegangenen sozialdemokratischen Abgeordneten\u201c <\/em>(jetzt 12 Sitze gegen\u00fcber vorher 9 Sitzen) ge\u00e4u\u00dfert wurde. <em>\u201eDie Ausdehnung<\/em>\u201c, so hei\u00dft es weiter<em>, \u201ewelche der Sozialismus bereits in allen Volksklassen gewonnen hat, ist durch die Wahlen recht deutlich hervorgegangen. Die Gefahr, welche in dem Weiterschreiten dieser Partei f\u00fcr die b\u00fcrgerliche und gesellschaftliche Ordnung erw\u00e4chst, darf durchaus nicht untersch\u00e4tzt werden. &#8230; Wem hat Frankreich seine Revolutionsgr\u00e4uel zu verdanken? Den Kommunisten. &#8230; Und bei uns entfalten die ihre unheilvolle T\u00e4tigkeit unter dem Namen Sozialdemokraten. &#8230; Darum ist es Zeit, in gemeinsamen Bestrebungen dahin zu arbeiten, da\u00df dem Sozialismus ein gewaltiger D\u00e4mpfer aufgesetzt und das gef\u00e4hrliche Element in Schranken einged\u00e4mmt wird.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Einladung war unter dem 30. 01. 1877 der nachfolgende Zeitungsbericht gefolgt, der zeigt, dass die Sozialdemokratie im Begriff war, auch im kleinen Wimpfen Fu\u00df zu fassen:<br><em>\u201eBei der auf vorigen Sonntag ausgeschriebenen Versammlung in der Riefschen Brauerei hatte sich eine betr\u00e4chtliche Anzahl junger Leute eingefunden, um \u00fcber die Gr\u00fcndung eines Arbeitervereins ihre Meinung gegenseitig auszutauschen. Mit einigen einleitenden Worten seitens einer der Anwesenden wurde die Versammlung er\u00f6ffnet und der Zweck, welchen der Verein zu verfolgen gedenkt, in klarer Weise dargelegt, und der Versammlung auseinandergesetzt, da\u00df es sich nicht, wie schon von verschiedener Seite \u00f6ffentlich behauptet wurde, um sozialistische Agitationen handle, sondern lediglich nur daraufhin gewirkt werde, die hiesigen jungen Leute an bestimmten Tagen in ungezwungener fr\u00f6hlicher Unterhaltung beisammenzusehen und hiebei haupts\u00e4chlich der Pflege des Gesangs besondere Aufmerksamkeit zu widmen.- Die zahlreiche Beteiligung an beiden bis jetzt stattgehabten Versammlungen ist ein Beweis, da\u00df die Sache allgemein Anklang gefunden hat und der durch die freiwilligen Beitr\u00e4ge der Anwesenden zusammengebrachte Fonds wird es bald m\u00f6glich machen, da\u00df eine kleine Sammlung unterhaltender und belehrender Schriften ausgelegt wird, welche jedem Mitglied zur Verf\u00fcgung freisteht. Im Interesse der guten Sache, zu deren F\u00f6rderung seitens der bisherigen Mitglieder keine M\u00fche gescheut wird, w\u00e4re es zu w\u00fcnschen, da\u00df der am n\u00e4chsten Sonntag im obengenannten Lokal 2 Uhr stattfindenden Versammlung nicht nur die definitiven Mitglieder, sondern \u00fcberhaupt jedermann, der sich f\u00fcr die Sache interessiert, beiwohnen m\u00f6chte.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn hier sozialdemokratische Agitation als Ziel dieser Vereinsgr\u00fcndung in Abrede gestellt wird, so lag es auf der Hand, dass es nicht dabei bleiben w\u00fcrde, nur Gesang zu pflegen. Und der Hinweis auf die angestrebte Anschaffung unterhaltender und belehrender Schriften l\u00e4sst ahnen, dass auch politisch-sozialdemokratisches Schriftengut (wie z. B. die illegal im Reich verbreitete Zeitung \u201eDer Sozialdemokrat\u201c) unter die Arbeiterschaft gebracht werden w\u00fcrde. Diese rekrutierte sich in Wimpfen haupts\u00e4chlich aus Arbeitern der Saline, deren Zahl laut Reichstagswahlliste von 1877 in Wimpfen am Berg 46 und in Wimpfen im Tal 15 (nicht erfasst diejenigen unter 25 Jahren und beschr\u00e4nkt auf diejenigen aus Wimpfen), zusammen 61, betrug. Dazu kam die wesentlich kleinere, aber wachsende Gruppe von sog. Zigarrenmachern der nach der Reichsgr\u00fcndung entstandenen sog. Tabakfabrik (Zigarrenfabrikation) des Tabakfabrikanten JOSEF HOSP&nbsp;bzw. sp\u00e4ter BETZ sowie AUGUST STECHER, von denen in der genannten Liste des Jahres 1877 in Wimpfen am Berg 8 zu finden sind. Von Angeh\u00f6rigen dieser letzten Gruppe d\u00fcrfte die Initiative der Gr\u00fcndung ausgegangen sein. Denn was zustandekam, das war ein Ortsverein des 1865\/66 durch den ehemaligen Zigarrenmacher aus Leipzig und sp\u00e4teren sozialdemokratischen Politiker, Lyriker und Gewerkschaftler FRIEDRICH WILHELM FRITZSCHE gegr\u00fcndeten Deutschen Tabakarbeiter-Vereins, welcher die erste zentrale deutsche gewerkschaftliche Organisation gewesen war und seinen Sitz in Berlin hatte.<a href=\"#_edn35\" name=\"_ednref35\">[35]<\/a> Die Tabakarbeiterschaft galt als ganz besonders und fr\u00fchestens in sozialdemokratischem Sinne aktiv. Vorstand des Vereins wurde der in Wimpfen am Berg wohnende ZIGARRENMACHER SIMON FUCHS. Bei ihren Wimpfener Vertretern handelte es sich vornehmlich um zugezogene und speziell das Handwerk des Zigarrendrehens und -wickelns beherrschende Fachkr\u00e4fte, die ihr Metier f\u00fcr die Tabakfabrik teilweise in Heimarbeit aus\u00fcbten. Als weitere Mitglieder k\u00f6nnte in Wimpfen noch der oder jene Angeh\u00f6rige der zahlenm\u00e4\u00dfig, da in den Reichstagswahllisten zu der umf\u00e4nglichen Gruppe der \u201eTagel\u00f6hner\u201c gerechnet, nicht genau ausmachbaren kleinen Gruppe von Arbeitern der Papierfabrik dazugesto\u00dfen sein. Da die gro\u00dfe Gruppe der \u201eSalinarbeiter\u201c gr\u00f6\u00dftenteils einheimischen Familien entwachsen war und vielfach noch starke Bindungen an die Landwirtschaft aufwies, war diese sehr viel weniger f\u00fcr sozialistisches Ideengut anf\u00e4llig. Dass aber auch in dieser radikales Gedankengut grassierte, geht aus dem bereits ein starkes halbes Jahrzehnt vor der Begr\u00fcndung dieser Arbeiter-Vereinigung von Gewaltt\u00e4igkeit begleitete wilde Streik einer Gruppe solcher hervor. Dieser hat sich am 21. Oktober des Jahres 1872 abgespielt und fand in der Zeitung folgenden Niederschlag:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa007.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"857\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa007-1024x857.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-433\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa007-1024x857.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa007-150x126.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa007-300x251.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fa007-768x643.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<ul><li><strong>Abb. F 7: Bericht des \u201eWimpfener Bote\u201c vom 17. M\u00e4rz 1873 \u00fcber die Bestrafung einer Gruppe von Wimpfener Salinenarbeitern wegen Land- und Hausfriedensbruch mit Gewalt an Personen und Sachen<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Der Wimpfener Bote f\u00fchlt sich damals bem\u00fc\u00dfigt, in der \u201eStreikfrage\u201c u. a. zu raten, es <em>\u201esollten die Arbeiter in ihrem eigenen Interesse vor \u00fcbertriebenen Forderungen sich h\u00fcten und die Strikes nur in den aller\u00e4u\u00dfersten Notf\u00e4llen, wenn sich jeder Versuch einer \u00dcbereinkunft als fruchtlos erwiesen, in Scene setzen. &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Knapp drei Monate nach den verschiedenen Gr\u00fcndungsversammlungen am 22. April 1877 ruft der jetzt endg\u00fcltig bestehende \u201eArbeiter-Verein\u201c zu einer am n\u00e4chsten Sonntag um 3 Uhr beginnenden Versammlung im Wolpert\u2019schen Saal auf, in der dessen Statuten publiziert werden sollen und der Vorstand allgemeines Erscheinen der Mitglieder erwartet. Wie aktuell die Besch\u00e4ftigung der \u00d6ffentlichkeit mit der Verbreitung der Sozialdemokratie und die daraus erwachsende Sorge des Besitzb\u00fcrgertums ist, das zeigen die auf Herabsetzung, L\u00e4cherlich- und Ver\u00e4chtlichmachung derselben gerichteten Zeitungsmeldungen wie:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Oktober 1876: <em>\u201eEin Wort an die deutschen Arbeiter: Wir Deutschen konnten vordem stolz sein auf deutsche Arbeit, auf den guten Ruf der Gr\u00fcndlichkeit und T\u00fcchtigkeit. &#8230; Den Sozialdemokraten ist es allerdings nicht angenehm, wenn der Arbeiter spart, ordentlich und strebsam ist; sie brauchen gerade zu ihren Zwecken besitzlose und ungebildete Leute, die sich leicht mit ein paar Redensarten leiten lassen und neugierig nach dem \u201aKapital\u2019 ausschauen. &#8230; Du Deutscher Arbeiter aber, wenn Du\u2019s redlich meinst, merke: Wer Dir sagt, man k\u00f6nnte auf einem anderen Wege als auf ehrlichem Flei\u00df, Sparsamkeit, T\u00fcchtigkeit vorw\u00e4rts kommen, zufrieden und gl\u00fccklich werden, der bel\u00fcgt Dich!\u201c<\/em><\/li><li>Juli 1877: <em>\u201eVermischtes: Merkw\u00fcrdig, in Berlin sind auch Studenten unter die Sozialdemokraten gegangen oder kokettieren doch mit ihnen, vielleicht, weil das Studieren bei den Herrn Most und Kapell nicht so schwierig ist wie in den H\u00f6rs\u00e4len der Professoren und daheim bei der Lampe. &#8230; Ein Student hat sogar neulich seinen Namen unter einen sozialdemokratischen Aufruf gesetzt. Er wurde aber schnell bekehrt. Sein Vater &#8230; .\u201c<\/em><\/li><li>M\u00e4rz 1878: <em>\u201eIn der Lucaskirche in Berlin verschwanden in der Nacht zum 26. Februar die s\u00e4mtlichen silbernen Abendmahlskelche und -kannen. Das berichtet die Berliner sozialdemokratische \u201aNeue Freie Presse\u2019 und schlie\u00dft: \u201aUns w\u00e4re es unbedingt das Liebste, wenn in einer Nacht alle Kirchen mit s\u00e4mtlichem Zubeh\u00f6r gestohlen w\u00fcrden. Die Menschheit h\u00e4tte davon keinen Schaden.\u2019 (Eine noch st\u00e4rkere Leistung ist uns noch nicht vorgekommen. Die Red.)\u201c<\/em><\/li><li>Juli 1878: <em>\u201eEin treffliches Wort \u00fcber den Ursprung der in unserem Vaterland grassierenden Sozialisten-Seuche finden wir in der Magdeburger Zeitung. &#8230; .\u201c<\/em><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>So ging es auf die auf den 30. Juli 1878 gelegte Wahl zum Vierten Deutschen Reichstag auch in Wimpfen zu, die notwendig geworden war, weil nach dem Attentat des Arbeiters Max H\u00f6del auf den Kaiser dieses Jahres auf den Wunsch Bismarcks hin der im Vorjahr gew\u00e4hlte Reichstag aufgel\u00f6st worden war. Da der 1874 und 1877 gew\u00e4hlte FABRIKANT CORNELIUS HEYL&nbsp;sich als Kandidat der Nationalliberalen nicht mehr aufstellen l\u00e4sst, tritt an dessen Stelle der am Mainzer Obergericht t\u00e4tige OBERGERICHTSRAT DR. JOSEPH G\u00d6RZ (1810 \u2013 1900), der seit 1874 auch das Amt des Pr\u00e4sidenten der II. Kammer des hessischen Landtags innehat und in Wimpfen im Rathaus kurz zuvor, unterst\u00fctzt vom fr\u00fcheren Abgeordneten VON HEYL sowie vom Vorsitzenden des Central-Wahlcomitees DR. MARX, sogar eine Wahlrede h\u00e4lt, die nat\u00fcrlich mit einem Hoch auf den Kaiser und Deutschland schlie\u00dft. Nichts Direktes zu h\u00f6ren ist von dem wiederum f\u00fcr das Zentrum antretenden ARNOLD VON BIEGELEBEN und dem Tischlermeister und nunmehrigen Inhaber einer Spezereihandlung in Mannheim AUGUST DREESBACH (1844 \u2013 1906), einem Agitator der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschlands, mit dem erstmals, Zeichen des Aufstiegs derselben, ein Vertreter dieser Partei im Wahlkreis Worms-Heppenheim-Wimpfen als Mitkandidat auftritt. Die wiederum im B\u00fcrgermeistereib\u00fcro von vormittags 10 Uhr bis nachmittags 6 Uhr abgehaltene Wahl bringt einen R\u00fcckgang der Wahlbeteiligung auf nur 244 von rund 600 Wahlberechtigten, d. h. auf rund 40 % gegen\u00fcber rund 85 % bzw. rund 65 % des Jahres 1874 bzw. 1877 sowie im Wahlkreis von immerhin knapp 60 %. Die Stimmenverteilung im Wahlbezirk Wimpfen bzw. Reichtags-Wahlkreis 7 sieht folgenderma\u00dfen aus:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe020.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe020-1024x117.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Da G\u00f6rz im Folgejahr 1879 zum Senatspr\u00e4sidenten am Oberlandesgericht Darmstadt ernannt wird, muss er aus dem Reichstag ausscheiden und es tritt durch eine am 30. November erfolgte Ersatzwahl wieder CORNELIUS HEYL&nbsp;an dessen Stelle und als neuer Gegenkandidat des Zentrums der Darmst\u00e4dter Landtagsabgeordnete HOFGERICHTSRAT EUGEN FRANK, ein in der Zeit des Kulturkampfes kritischer Gegner desselben. Trotz des Wahlaufrufes der Anh\u00e4nger Heyls, die eingetretene allgemeine L\u00e4ssigkeit im W\u00e4hlerverhalten zu \u00fcberwinden und zur Wahl zu gehen, geben im Bezirk Wimpfen von 642 Wahlberechtigten nur 163, dass sind kl\u00e4gliche 25 %, ihre Stimme ab, die s\u00e4mtliche dem Vorgenannten gegeben werden. Dieser erh\u00e4lt:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe021.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"222\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe021-1024x222.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-418\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe021-1024x222.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe021-150x32.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe021-300x65.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe021-768x166.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Dies zeigt, dass die Anh\u00e4nger des neuen \u201eultramontanen\u201c Gegenkandidaten FRANK, wohl in Erkenntnis der Aussichtslosigkeit der Chancen desselben, alle der Wahl ferngeblieben sind. Im Wahlkreis erh\u00e4lt VON HEYL 7.694 (rd. 80 %), demgegen\u00fcber EUGEN FRANK nur 1.845 (rd. 19 %) von 9.569 der g\u00fcltigen Stimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gewinner der Wahl des Jahres 1878 im Reich in seiner Gesamtheit sind jedoch die beiden konservativen Parteien (Deutschkonservative und Deutsche Reichspartei) mit je 19 zugewonnenen Sitzen, w\u00e4hrend die Nationalliberalen 29 Sitze verlieren und mit nur noch 99 Sitzen nur noch knapp vor der ihre 94 betragende Sitzzahl haltenden Zentrumspartei die st\u00e4rkste Fraktion bleiben. Die, wie oben dargelegt, so m\u00e4chtig bek\u00e4mpften Sozialdemokraten verlieren 3 Sitze und schrumpfen auf 9 Abgeordnete. Nach kaum 3 Monaten am 23. Oktober 1878 macht die Zeitung dann (in Fettdruck!) Meldung vom Ausgang der am 21. Oktober erfolgten Abstimmung \u00fcber das von dem konservativen Kreis um Reichskanzler Bismarck angestrebte und letztlich denn doch auch von den Nationalliberalen bef\u00fcrwortete sog. Sozialisten-Gesetz, mit dem die Sozialdemokraten gesetzlich und polizeilich bek\u00e4mpft werden sollen:<br>\u201eDas ganze Sozialisten-Gesetz &#8230; mit 221 gegen 149 Stimmen angenommen.\u201c <br><br>Es folgt einige Tage danach die Bekanntgabe des gesamten Gesetzes.Bezeichnenderweise lautete der genaue Wortlaut desselben \u201eGesetz gegen die gemeingef\u00e4hrlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie\u201c. Dieses hatte zun\u00e4chst G\u00fcltigkeit bis zum 31. M\u00e4rz 1881, die aber immer wieder (viermal) in erheblichen Auseinandersetzungen mit den Linksliberalen sowie den trotz wachsender Bedr\u00e4ngnisse von Legislaturperiode zu Legislaturperiode eine wachsende Abgeordnetenzahl erreichenden Sozialdemokraten bis 1890 verl\u00e4ngert wurde. In 30 Paragraphen wurden Unterverb\u00e4nde, Druckschriften und Versammlungen der Sozialdemokraten, namentlich der Sozialistischen Arbeiterpartei\u201c (SAP) und ihr nahestehendee Organisationen, vor allem die Gewerkschaften verboten. In \u00a7 1.1 hie\u00df es: <em>\u201eVereine, welche durch sozialdemokratische, sozialistische oder kommunistische Bestrebungen den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung bezwecken, sind zu verbieten.\u201c<\/em> Allerdings konnten deren Abgeordnete wenigstens ihre Mandate weiterhin aus\u00fcben und als Einzelpersonen f\u00fcr die Sozialdemokratie kandidieren. Doch wurde deren k\u00fcnftige Wahlvorbeitung \u00e4u\u00dferst erschwert bis unm\u00f6glich gemacht. <em>\u201eEs fehlte nur noch\u201c, <\/em>so weist die Zeitung auf die durch dieses Gesetz in ihren Fundamenten ersch\u00fctterte Rechtsstaatlichkeit hin, <em>\u201eda\u00df die sozialdemokratischen Stimmzettel als unter das Ausnahmegesetz fallende Manifestationen konfisziert wurden\u201c.<\/em><br>Prompt wurde in Wimpfen von der Zeitung unter dem 26. Oktober schon die folgende \u201eBekanntmachung\u201c der B\u00fcrgermeisterei ver\u00f6ffentlicht: <em>\u201eZufolge Verf\u00fcgung K\u00f6niglichen Polizei-Pr\u00e4sidiums Berlin vom 23. 10. 1878 ist der hiesige Zweigverein des deutschen Tabak-Arbeiter-Vereins aufgehoben, was hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht wird.\u201c <\/em>Die Begr\u00fcndung des Verbots lautete u. a.: <em>\u201eDer im Jahre 1866 errichtete \u201aDeutsche Tabakarbeiter-Verein<\/em><strong>\u2019<\/strong><em>, dessen Sitz sich gegenw\u00e4rtig in Berlin befindet, umfa\u00dft 107 Mitgliedschaften\/Ortvereine. &#8230; Obwohl der Verein nach seinen Satzungen lediglich gewerblichen Bestrebungen nachgeht und politische Angelegenheiten in den Mitglieder-Versammlungen nicht behandelt werden d\u00fcrfen, so hat derselbe ungeachtet dessen seit dem Jahre 1875 sich fortgesetzt mit der Er\u00f6rterung politischer Angelegenheiten besch\u00e4ftigt und sogar eine Kommission f\u00fcr \u00f6ffentliche Angelegenheiten errichtet. In den vom Verein veranstalteten Versammlungen ist von den hervorragendsten sozialdemokratischen Agitatoren wiederholt und mit Erfolg f\u00fcr sozialdemokratische Tendenzen Propaganda gemacht worden. Das Vereins-Organ, \u201ader Botschafter\u2019, mu\u00df von den Vereinsmitgliedern statutenm\u00e4\u00dfig gehalten werden, auch in den Versammlungen ist Religion als Aberglauben bezeichnet, Neid und Ha\u00df gegen die besitzende Klasse gesch\u00fcrt, Achtung vor den Gesetzen ersch\u00fcttert, f\u00fcr Umbildung des Staates nach sozialistischen Ideen geworben worden &#8230; .\u201c<\/em> Damit war die Wimpfener Zelle sozialdemokratischer Denk- und Handlungsart nach au\u00dfen hin ausgeschaltet, doch nicht gebannt, sondern in den Untergrund getrieben. \u00dcber die ehemaligen Mitglieder des Vereins wird nach dessen Verbot allerdings \u00fcbertreibend beh\u00f6rdlicherseits gesagt, diese h\u00e4tten alle Wimpfen verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Im Sommer des Folgejahres 1879 wurde, nachdem Bismarck gezwungenerma\u00dfen einen Schwenk vom eher liberalen zum konservativen Lager hin vollzogen sowie die Aufgabe des Kulturkampfes und so seinem Ausspruch des Jahres 1872 im Reichstag \u201eNach Canossa gehen wir nicht!\u201c zuwidergehandelt hatte, haupts\u00e4chlich mit den Stimmen der Konservativen und des ebenfalls \u00fcberwiegend schutzz\u00f6llnerisch eingestellten Zentrums die Einf\u00fchrung bzw. Erh\u00f6hung von Schutzz\u00f6llen beschlossen. Dieses war von den \u201eim B\u00fcndnis aus Roggen und Eisen\u201c oder von \u201eKrautjunkern und Schlotbaronen\u201c vereinten Interessengruppen von Gro\u00dfagrariern und Industriellen gefordert und d\u00fcrfte im b\u00e4uerlich dominierten Wimpfen im Hinblick auf die dadurch erwarteten steigenden Getreidepreise eher begr\u00fc\u00dft worden sein. Bismarcks Abkehr von den freih\u00e4ndlerisch eingestellten Liberalen geschah nicht zuletzt im Hinblick auf die in Deutschland nach dem 1870\/71er Krieg insbesondere durch das Hereinflie\u00dfen der 5 Milliarden Kriegsentsch\u00e4digung aus Frankreich \u00fcberzogenen Industrie- und sonstigen Gesch\u00e4ftsgr\u00fcndungen (Banken, Aktiengesellschaften, Spekulationsunternehmen), der sog. Gr\u00fcnderzeit mit \u00fcberhitzter Konjunktur der Unternehmensgr\u00fcndungen, der 1873 der \u201eGr\u00fcnderkrach\u201c mit schweren Kursst\u00fcrzen und einer langj\u00e4hrigen wirtschaftlichen Depressionsphase mit starken Schwankungen, einer Welle von Gesch\u00e4ftsaufgaben, Insolvenzen, wachsendem Notleiden der von der Konkurrenz durch Fabrikwaren ihren Absatz verlierenden Handwerker, \u00dcberproduktion, Arbeitslosigkeit, Existentznot, Wiederansteigen der Auswanderung, Zunahme der Bettler und der Selbstmordrate u. a. m. folgte. Welch breiten konkreten Niederschlag dieser Zustand in Wimpfen fand, wird im Kapitel H ausf\u00fchrlich zur Sprache kommen. Im Folgejahr 1880 dreht sich die in der \u201eWimpfener Zeitung\u201c immer breiter werdende politische Diskussion \u00fcber die Folgen dieser jetzt betriebenen Schutzzollpolitik und der sich u. a. daraus ergebenden Staatseinnahmen hinaus ganz besonders um die Kriktik an der von allen europ\u00e4ischen Staaten mit dem Argument der Erhaltung des Friedens unter den V\u00f6lkern Europas f\u00fcr notwendig befundenen st\u00e4ndigen Kriegsbereitschaft, die in die Forderung eines \u201eFriedenstrakates europ\u00e4ischen Charakters\u201c nach dem Muster der \u201eHeiligen Allianz\u201c des Jahres 1815 m\u00fcndet. Ausgel\u00f6st wurde diese Kritik nach dem von Bismarck im Sommer 1878 erwirkten \u201eBerliner Kongress\u201c, wodurch dieser zwar die Sympathie Gro\u00dfbritanniens durch seine Rolle des \u201eehrlichen Maklers\u201c und \u201eFuhrmann Europas\u201c im Interessenkonflikt auf dem Balkan zwischen \u00d6sterreich und Russland erringen konnte, aber das 1872 geschlossene \u201eDreikaiserb\u00fcndnis\u201c zwischen dem Deutschen Reich-Russland-\u00d6sterreich\/Ungarn preisgeben musste und 1879 zun\u00e4chst lediglich einen \u201eZweibund\u201c mit \u00d6sterreich zustandebrachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der hintersinnige Titel, den die folgenden unter dem 3. M\u00e4rz 1880 in der \u201eWimpfener Zeitung\u201c abgedruckten Reimstrophen f\u00fchren, l\u00e4sst die Sorge sp\u00fcren, mit der damalige kritische Zeitgenossen die hohen Aufwendungen f\u00fcr das Milit\u00e4rwesen und dessen Aufstockung wahrnehmen und das ahnen, was schlie\u00dflich zu einem Wettr\u00fcsten f\u00fchren und 3\u00bd Jahrzehnte sp\u00e4ter den Ersten Weltkrieg heraufbeschw\u00f6ren sollte:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe022.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"502\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe022-502x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-419\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe022-502x1024.jpg 502w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe022-73x150.jpg 73w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe022-147x300.jpg 147w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe022-768x1568.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 502px) 100vw, 502px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie<\/em> <em>b\u00f6sen Folgen des Berliner Friedens machen sich nun bald f\u00fchlbar\u201c, <\/em>so stellt die Zeitung zwei Monate zuvor kritisch fest. <em>\u201eDaher sehen die Russen nun wohl mit Recht die Ursache ihres Mi\u00dferfolges im Verhalten des deutschen Reichskanzlers und die Folge war jene Spannung in den wechselseitigen Beziehungen, welche wiederholt die M\u00f6glichkeit eines deutsch-russischen Kriege nahelegte. &#8230; Auf das drohende Verhalten der russischen Diplomatie antwortete F\u00fcrst Bismarck mit dem deutsch-\u00f6sterreichischen Bunde. In Deutschland war dieses Ereignis allgemein mit Freuden begr\u00fc\u00dft worden, aber es ist doch nur ein schwacher Trost bei der bedrohlichen Konstellation der europ\u00e4ischen Verh\u00e4ltnisse, die uns mehr und mehr in die ausgesprochene Milit\u00e4rdiktatur hineintreiben. &#8230; Wir werden in der Tat sagen k\u00f6nnen, da\u00df die Deutschen ein Volk in Waffen sind, da\u00df Deutschland zur gro\u00dfen Kaserne geworden.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem Bismarck dann 1882 durch den Beitritt Italiens den \u201eZweibund\u201c mit \u00d6sterreich zum \u201eDreibund\u201c erweitern konnte, preist die \u201eWimpfener Zeitung\u201c unter dem 26. Oktober 1888 dieses B\u00fcndnis durch den Abdruck des folgenden dreistrophigen weiteren Reimwerks:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe023.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe023-706x1024.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Als am 27. Oktober 1881 die Wahl zum F\u00fcnften Deutschen Reichstag ansteht, finden &#8211; wie damals in vielen St\u00e4dten &#8211; vor Ort zwei mit Eifer betriebene Reichstags-Wahlversammlungen statt. Deren eine wird von RECHTSANWALT DR. EBNER aus Frankfurt a. M. f\u00fcr die linksliberal orientierte Deutsche Fortschrittspartei und deren andere von DR.&nbsp;JUR. ADALBERT FALK, dem scharfen Gegner der \u201eUltramontanen\u201c und preu\u00dfischen Kultusminister sowie Kandidaten der Nationalliberalen, abgehalten und es stehen sich jetzt die vorgenannten beiden Parteien gegen\u00fcber. Au\u00dfer den Genannten kandidiert im Wahlkreis Worms-Heppenheim-Wimpfen wieder f\u00fcr die Zentrumspartei (ZP) HOFGERICHTSRAT EUGEN FRANK. Nach eifrigem Wahlkampf fallen im Bezirk Wimpfen bei 665 Wahlberechtigten 253 Stimmen DR. EBNER (DFP) zu, womit im Wahlbezirk Wimpfen zum ersten Mal ein Linksliberaler vorne liegt, w\u00e4hrend DR. FALK (NLP) mit 127 und EUGEN FRANK&nbsp;(ZP) mit nur 7 Stimmen das Nachsehen haben. Die Wahlbeteiligung ist somit immerhin wieder auf 58 % gestiegen. Im Wahlkreis, wo in Anbetracht von 20.383 Wahlberechtigten und 13.218 abgegebenen Stimmen eine Wahlbeteilgung von knapp 65 % erreicht wird, kann jedoch der NATIONALLIBERALE DR. FALK&nbsp;mit 6.474 Stimmen die, allerdings nur einfache, Mehrheit erringen, w\u00e4hrend der ZENTRUMSMANN FRANK&nbsp;nur 3.699 und der FORTSCHRITTLER DR. EBNER&nbsp;nur 3.024 Stimmen erreichen. Bei der notwendigen Stichwahl zwischen Dr. FALK und E. FRANK setzt sich der Erstgenannte sowohl in Wimpfen mit 157 gegen\u00fcber dem Zweitgenannten mit nur 76 Stimmen (bei insgesamt jetzt nur 234, d. h. nur noch 35 % der abgegebenen Stimmen) als auch im Wahlkreis mit 8.462 gegen\u00fcber 5.954 Stimmen bei einer Wahlbeteilgung von sogar fast 71 % durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Da DR. FALK&nbsp;jedoch wegen seiner Wiederwahl auch in seinem alten Wahlkreis L\u00fcben-Bunzlau (Schlesien) die Annahme der Wahl ablehnt, kommt es am 25. November 1881 zu einer Ersatzwahl, bei der als neuer Kandidat der NLP der hochkar\u00e4tige Jurist und der vordere Kopf der Nationalliberalen PROFESSOR DR. JUR. HEINRICH MARQUARDSEN (1826 \u2013 1897), seit 1871 Mitglied des Reichstags und seit 1878 Vorstandsmitglied der nationalliberalen Reichtagsfraktion, kandidiert und auch in Wimpfens gr\u00f6\u00dftem Saal des \u201eRitter\u201c eine Wahlrede h\u00e4lt. Die Zeitung wirbt f\u00fcr den Besuch dieser Veranstaltung folgenderma\u00dfen: Es werden, um St\u00f6rungen zu vermeiden, keine Getr\u00e4nke gereicht und es soll beim Besuch einfache Kleidung getragen werden. Und: \u201eD<em>ie Stadt bietet bei ihrer Lage selten Gelegenheit, derartige Vortr\u00e4ge zu h\u00f6ren.\u201c <\/em>Es werden auch Leute der Gegenpartei zur Teilnahme aufgefordert. Der Redner versichert u. a., <em>\u201edie B\u00fcrger des Reiches nicht blo\u00df durch gen\u00fcgende Wehrkraft nach au\u00dfen zu sch\u00fctzen, &#8230; sondern auch durch Gesetze und Einrichtungen bessere F\u00fcrsorge zu treffen f\u00fcr solche B\u00fcrger des Reichs, die als verungl\u00fcckte oder arbeitsunf\u00e4hige Arbeiter besonderer F\u00fcrsorge bed\u00fcrfen. Ganz deutlich wurde damit den erhabenen und zugleich so v\u00e4terlichen sorgenden Gedanken des Kaisers in seiner Thronrede an den Reichstag entsprochen. &#8230;\u201c. <\/em>Damit ist angesprochen, was REICHSKANZLER OTTO VON BISMARCK&nbsp;im Laufe der 1880er Jahre als Hauptmittel im Kampf gegen die als Hauptfeind des Reiches betrachteten und jetzt an Stelle der \u201eUltramontanen\u201c bek\u00e4mpften Sozialdemokraten ins Feld f\u00fchrt, n\u00e4mlich: die (an sp\u00e4terer Stelle behandelte) Schaffung der sog. Sozialgesetzgebung in Gestalt der Krankenversicherung (beschlossen 1883), der Unfallversicherung (beschlossen 1884) sowie der Alters- und Invalidenversicherung (beschlossen 1889). Doch w\u00e4hlen die Wimpfener bei dieser Nachwahl mehrheitlich wieder mit 290 von abgegebenen 386 Stimmen DR. EBNER, den Kandidaten der DFP, und liegen damit im allgemeinen Trend, welcher dessen Partei im Reich einen Sprung aufw\u00e4rts von 34 auf 60 Sitze beschert, w\u00e4hrend DR. MARQUARDSEN als Vertreter der NLP nur 96 Stimmen zufallen (Wahlbeteiligung immerhin wiederum rund 58 %). Im Wahlkreis siegt der Letztgenannte erwartungsgem\u00e4\u00df jedoch mit 7.350 (knapp 60 %) gegen\u00fcber 4.946 (stark 40 %) und so mit einer Mehrheit von rund 2.350 Stimmen (Wahlbeteiligung rund 61 %), wodurch dort nach wie vor die NLP bestimmend bleibt, obgleich diese im Reich 52 Sitze verliert, somit nur noch 47 Sitze erreicht und vom ersten auf den dritten Platz hinter der DFP (60 Sitze) und der nunmehr erstmals die Spitze einnehmenden ZP (100 Sitze) zur\u00fcckf\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 6. Juni 1883 meldet die Zeitung, dass am letzten Maitag im Reichstag das Krankenversicherungsgesetz mit gro\u00dfer Mehrheit angenommen sei, das als <em>\u201eein wichtiger Teil der sozialen Reformen f\u00fcr die arbeitenden Klassen\u201c <\/em>gelte. Doch h\u00e4tten <em>\u201edie Secessionisten <\/em>(gemeint: jene Mitglieder der Nationalliberalen Partei, die 1880 aus derselben ausgeschieden waren, sich als \u201eLiberale Vereinigung\u201c konstituiert hatten und sich schlie\u00dflich 1884 mit der \u201eFortschrittspartei\u201c zur \u201eDeutschen Freisinnigen Partei\u201c vereinigten) <em>und die Sozialdemokraten\u201c <\/em>die Zustimmung verweigert, weil ihnen die Bestimmungen des Gesetzes nicht gen\u00fcgten. Und unter dem 30. M\u00e4rz des Folgejahres 1884 druckt die Zeitung die umf\u00e4ngliche Erkl\u00e4rung von REICHSKANZLER BISMARCK zur ins Auge gefassten Verabschiedung des Unfallversicherungs-Gesetzes ab, das schlie\u00dflich zum 1. Oktober 1885 in Kraft tritt:<em> \u201eDie Hauptbeschwerde des Arbeiters ist die Unsicherheit seiner Existenz: Er ist nicht sicher, da\u00df er immer gesund ist, und sieht voraus, da\u00df er einmal alt und arbeitsunf\u00e4hig sein wird. Vers\u00e4umt er aber die Arbeit auch nur durch l\u00e4ngere Krankheit, so ist er nach seiner eigenen Kraft vollst\u00e4ndig hilflos und die Gesellschaft erkennt ihm gegen\u00fcber bisher eine eigentliche Verpflichtung au\u00dfer der ordin\u00e4ren Armenpflege nicht an, auch wenn er noch so treu und flei\u00dfig vorher gearbeitet hat. Die Armenpflege l\u00e4\u00dft aber sehr zu w\u00fcnschen \u00fcbrig, namentlich in den gro\u00dfen St\u00e4dten, wo sie viel schlechter als auf dem Lande ist. Wenn wir in Berliner Bl\u00e4ttern lesen von Selbstmord aus Nahrungssorgen, von Leuten, die Hungers gestorben sind und sich aufgeh\u00e4ngt haben, weil sie nichts zu essen gehabt haben, von Leuten, die in den Zeitungen ank\u00fcndigten, sie w\u00e4ren obdachlos hinausgeworfen worden und h\u00e4tten kein Unterkommen, so sind das lauter Dinge, die wir auf dem Lande nicht verstehen. Da w\u00fcrde sofort der Landrat und die Polizei erscheinen und den Hinausgeworfenen wieder einsetzen und den Hungernden durch Exekution zu Speise und Trank verhelfen. Der Arbeiter ist wegen dieser Unsicherheit feindselig und mi\u00dftrauisch gegen die Gesellschaft. So lange ihm der Staat nicht entgegenkommt oder so lange er zu dem Entgegenkommen des Staates kein Vertrauen hat, so lange wird er immer wieder zu dem sozialistischen Wunderdoktor laufen und ohne gro\u00dfes Nachdenken sich von ihm Dinge versprechen lassen, die nicht gehalten werden. Deshalb glaube ich, da\u00df die Unfallversicherung, sobald sie namentlich ihre volle Ausdehnung auf die gesamte Landwirtschaft, auf die Baugewerbe usw. bekommt, wie wir das anstreben, mildernd auf die Besorgnis und Verstimmung der arbeitenden Klassen wirken wird. Ganz heilbar ist die Krankheit nicht, aber durch Unterdr\u00fcckung \u00e4u\u00dferer Symptome derselben, durch Zwangsgesetze halten wir sie nur auf und treiben sie nach innen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wenig sp\u00e4ter Mitte Mai 1884 zitiert die Zeitung die Argumentation OTTO VON BISMARCKS&nbsp;im Reichstag bez\u00fcglich der von ihm angestrebten weiteren Verl\u00e4ngerung des Sozialistengesetzes, das dieser erst dann f\u00fcr nicht mehr notwendig findet, wenn die in Angriff genommene soziale Gesetzgebung vollendet ist: <em>\u201eDas Sozialistengesetz solle weder von ewiger, noch von kurzer Dauer sein: Geben Sie dem Arbeiter Brot, d. h. Arbeit, so lange er gesund ist; Unterst\u00fctzung, wenn er krank ist. Versorgen Sie ihn, wenn er alt oder invalid geworden, erst dann werden unsere Ausnahmegesetze unn\u00f6tig geworden sein. Wenn der Staat und die gesetzlichen K\u00f6rperschaften etwas mehr f\u00fcr die arbeitenden Klassen tun, so wird der Arbeiter, wenn er sieht, da\u00df es uns mit den Bem\u00fchungen um sein Wohl ernst ist, die sozialdemokratischen Lehren verleugnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die vorgenannten Berichte der \u201eWimpfener Zeitung\u201c lassen erkennen, dass deren Berichterstattung der 1880er Jahre wachsend und umf\u00e4nglich der Reichspolitik zugewandt ist und dem jetzt zunehmend den Reichstagswahlen vor Ort haupts\u00e4chlich in Form von Wahlreden vorausgehenden Wahlagitation breiten Raum gibt. Letzteres dokumentiert sich ganz besonders, als die auf den 28. Oktober 1884 gelegte Wahl zum Sechsten Deutschen Reichstag ansteht und anderthalb Wochen zuvor die Zeitung ihre Leser darauf hinweist, sie sei, wie aus ihrem Titel ersichtlich, kein Parteiblatt, sondern <em>\u201eein allgemeines Anzeigenblatt, dessen Inseratenteil jeder Partei mit gleichen Rechten offensteht, ebenso wie auch im lokalen Teil, so weit gewisse Grenzen eingehalten sind, Besprechungen Aufnahme finden\u201c.<\/em> So geschieht es, dass sich die lebhafte, freilich nur von den Anh\u00e4ngern des abermals kandidierenden Abgeordneten der Nationalliberalen Partei (NLP) DR. MARQUARDSEN gef\u00fchrte, Wahlagitation ausf\u00fchrlichst dokumentiert und somit ein getreues Spiegelbild der damaligen innen- und au\u00dfenpolitischen Bestrebungen BISMARCKS sowie seiner Widersacher gegeben ist. Hierzu die geraffte Wiedergabe:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; 16. Oktober 1884 &#8211; Eingesandt: In der Brauerei zum Deutschen Kaiser versammelten sich<em>&nbsp;\u201eeine Anzahl, nationalliberal gesinnter M\u00e4nner zu einer Vorbesprechung &#8230; und einigten sich dahin, mit aller Energie f\u00fcr die Wiederwahl des seitherigen Vertreters des Kreises Worms-Heppenheim-Wimpfen, Herrn Dr. Marquardsen, Professor an der Universit\u00e4t Erlangen, zu wirken.\u201c <\/em>Es wurde zu diesem Zweck ein Comit\u00e9e gew\u00e4hlt und beschlossen, Sonntag, den 19. , im Saale zum Ritter eine Wahlversammlung zu halten, um <em>\u201ediesen Mann von echtem Schrot und Korn, der seit vielen Jahren sich opferwillig in den Dienst des Volkes gestellt\u201c, <\/em>zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; 19. Oktober 1884 &#8211; Eingesandt: Dieser Einladung folgend, versammeln sich am genannten Sonntag im Ritter viele W\u00e4hler. Nach Er\u00f6ffnung der Versammlung durch den (uns schon durch sein Reden und Werben f\u00fcr \u201eKaiser und Reich\u201c in den Sedan-, Gravelotte- und Kaiserfeiern bekannt gewordenen) VORSITZENDEN DES TURNVEREINS KLEYER, h\u00e4lt in Vertretung des <em>\u201egesch\u00e4ftlich verhinderten\u201c <\/em>Kandidaten B\u00dcRGERMEISTER K\u00dcCHLER AUS WORMS einen <em>\u201e\u00e4u\u00dferst ansprechenden und von wiederholten Beifallsbezeugungen der Anwesenden begleiteten\u201c <\/em>Vortrag: Dieser hebt in seinem Anfangsteil gezielt darauf ab, die linksliberale \u201eDeutsche Fortschrittspartei\u201c bzw. die aus deren vor kurzem erfolgten Zusammenschluss mit der \u201eLiberalen Vereinigung\u201c hervorgegangene \u201eDeutsche Freisinnige Partei\u201c (DFP) als Gegner des bestehenden Systems der Gleichstellung von Regierung und Volksvertretung und Verfechter des parlamentarischen (= demokratischen) Systems der Unterstellung der Regierung gegen\u00fcber der Volksvertretung darzustellen und somit gegen\u00fcber der \u201eNationlliberalen Partei\u201c (NLP) deutlichst abzugrenzen. Hier nur das letzte in der Kette der diesbez\u00fcglichen Argumente: <em>\u201eFerner wies der Redner auf die Fr\u00fcchte hin, welche die parlamentarische Regierungsform in Frankreich zu Tage gef\u00f6rdert habe, wo sich z. B. die Kriegsminister so rasch folgten, da\u00df keiner seine Pl\u00e4ne h\u00e4tte ausf\u00fchren k\u00f6nnen.\u201c <\/em>\u00dcbergehend zur Milit\u00e4rfrage, wandte er sich gegen die von der DFP angestrebte Aufl\u00f6sung des 1884 und 1880 beschlossenen sog. Septenats, wonach der zwei Drittel bis drei Viertel des Gesamthaushaltes betragende Wehretat nur alle sieben Jahre neu beschlossen werden musste. <em>\u201eWenn, wie diese Parteien es w\u00fcnschten, das Septenat abgeschafft w\u00fcrde, dann w\u00fcrde bei jeder Reichstagswahl die Frage in den Vordergrund ger\u00fcckt sein und die einheitliche Ausbildung k\u00e4me in Frage. &#8230; Die Milit\u00e4rfrage sei \u00fcberhaupt auch schon derartig aufgebauscht worden, da\u00df der Militarismus bei uns zum Axiom geworden sei. Eine Vergleichung des Budgets mit der unserer Nachbarstaaten f\u00fchre inde\u00df zu dem Resultate, da\u00df wir eine Milit\u00e4rlast zu tragen haben, die im Verh\u00e4ltnis gering zu nennen sei. In Deutschland seie aufzubringen f\u00fcr Milit\u00e4rzwecke pro Kopf 8,59 Mark, in Frankreich 16,62 Mark, in England, dessen S\u00f6ldnertruppen zu den schlechtesten geh\u00f6rten, 14,81 Mark. &#8230; Sodann erging sich der Redner des N\u00e4heren \u00fcber die dreij\u00e4hrige Dienstzeit und hub hervor, da\u00df wir bei nur zweij\u00e4hriger Dienstzeit h\u00e4tten 1) einen Jahrgang unausgebildeter Rekruten, 2) nur einen v\u00f6llig ausgebildeten Jahrgang, &#8230; also im Falle eines Krieges, wo die Hauptschlachten geschlagen werden, durchaus nicht gen\u00fcgend Truppen zur Verf\u00fcgung, und eine verlorene Schlacht w\u00fcrde uns das dadurch Ersparte auf 100 Jahre hinaus wieder entrei\u00dfen, gegenw\u00e4rtig d\u00fcrfe also an eine Herabminderung der Dienstjahre nicht gedacht werden.\u201c <\/em>Nun auf das Sozialistengesetz kommend, sprach sich der Redner f\u00fcr dessen wieder anstehende Verl\u00e4ngerung aus: Es <em>\u201em\u00fc\u00dften entschieden mechanische Repressalien zur Verhinderung der Hetzereien vorhanden sein; denn es hie\u00dfe t\u00f6richt handeln, wollte man eine Partei, deren Endzweck der Umsturz alles Bestehenden sei, frei walten lassen.\u201c <\/em>&#8211; \u201e<em>Freilich verkennt auch der Redner nicht\u201c, <\/em>so f\u00e4hrt der Berichterstatter, auf die nun angesprochene Sozialgesetzgebung kommend, fort, <em>\u201eden berechtigten Kern des vern\u00fcnftigen Sozialismus und die Erkl\u00e4rung daf\u00fcr sei in dem colossalen Umschwung und Aufschwung unserer Industrie &#8230; zu suchen. Doch auch hier habe sich wieder unser gro\u00dfer Kanzler bew\u00e4hrt durch Schaffung des Unfall- und Krankenversicherungsgesetzes, von deren versicherlichen Wirkungen der Redner alles Gute hofft. Dieser Weg, den die Gesetzgebung eingeschlagen, w\u00fcrde ein Wendepunkt sein, nicht allein f\u00fcr Deutschland, sondern auch f\u00fcr Europa, und nach 100 Jahren werde man die so kleinlichen n\u00f6rgelnden Menschen kaum begreifen k\u00f6nnen, die so viele Hindernisse machten. Auch \u00fcber das Umlage- und Deckungsverfahren sprach sich Herr K\u00fcchler aus, indem er sich f\u00fcr das erste entschied und \u00fcberzeugend nachwies, da\u00df es das einzige Naturgem\u00e4\u00dfe sei.\u201c <\/em>Im Fortgang sprach sich der Redner f\u00fcr die im Reichstag heftig umstrittene sog. Dampfersubventionsvorlage \u00fcber die Errichtung von Post-Dampf-Schifffahrtsverbindungen mit \u00fcberseeischen L\u00e4ndern (Ostasien, Australien, Afrika) aus, die der staatlichen Subventionierung von Transportmitteln zur Erschlie\u00dfung neuer m\u00f6glicher Territorien, sprich Kolonien, im Auge hatte. <em>\u201eDer Redner f\u00fchrt ein Artikel aus der Zeitung in Capetown <\/em>(Kapstadt) <em>an, worin unser Angra Pequena als sehr kupferreich geschildert und bedauert wird, da\u00df die Engl\u00e4nder sich diese Annectierung h\u00e4tten entgehen lassen. &#8230; Die Dampfersubvention mache allerdings neue Steuern n\u00f6tig, die aber ganz gut aufzubringen w\u00e4ren durch eine B\u00f6rsensteuer. Bisher habe sich das mobile Kapital der Besteuerung zu entziehen gewu\u00dft, was das gr\u00f6\u00dfte Unrecht sei. &#8230; Ein Bauer, der seinen Acker verkaufe, m\u00fcsse 2 \u2013 3 % seines Wertes in Stempeln und Kosten zahlen, und der Bankier, der an der B\u00f6rse Millionen unzusetzen gewohnt ist, zahle nur wenige Pfennige, ein schreiendes Missverh\u00e4ltnis. &#8230; Er erkennt die Klagen der Landwirtschaft als berechtigt an und findet, da\u00df bei uns die Produktionskosten f\u00fcr manche landwirtschaftlichen Produkte derart gro\u00df seien, da\u00df wir durchaus nicht auf unseren heimischen M\u00e4rkten mit dem Auslande concurrieren k\u00f6nnten. Ein Ztr. Getreide koste an Transpert von Odessa bis zu uns 25 Pf., der Eingangszoll 50 Pf., w\u00e4hrend bei uns die Grundsteuer das Doppelte und Dreifache betrage, eine Steuer, die noch direkt auf den Consumenten abgew\u00e4lzt werde. Warum sage man denn nicht, die Grundsteuer verteure das Brot des armen Mannes, sondern die Z\u00f6lle. Da\u00df \u00fcbrigens die auf ausl\u00e4ndisches Getreide im Jahre 1878 gelegten Z\u00f6lle das Brot verteuert h\u00e4tten, sei durch Erfahrung l\u00e4ngst widerlegt und auch gegnerischerseits zugegeben. Beim Getreidehandel tr\u00e4ten eben Konjunkturen ein, die derartige Verh\u00e4ltnisse au\u00dfer Acht lie\u00dfen. Der Getreidehandel m\u00fcsse in Deutschland immer mehr das R\u00fcckgrat einer gesunden Landwirtschaft bilden, man k\u00f6nne doch nicht lauter Gem\u00fcse bauen. Huldigten wir dem Freihandel, so k\u00e4men wir in kurzer Zeit zu der Latifundienwirtschaft, wie sie sich in England in der Aera des Freihandels ausgewirkt habe und dann wehe unserem Mittelstande. &#8230;\u201c &#8211; <\/em>Obgleich der <em>\u201emit reichem Beifall\u201c <\/em>belohnte Vortrag als <em>\u201elehrreich und \u00fcberzeugend\u201c <\/em>gelobt wird, gibt es, was die Zuh\u00f6rerschaft betrifft, die folgende Kritik:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; 24. Oktober 1884 &#8211; Einsendung \u201eWahlsache betreffend\u201c: Es sollten auch Leute der Gegenpartei \u00fcberzeugt werden. Dazu sei das W\u00e4hlerauditorium, dessen nationale Gesinnung ohne allen Zweifel stehe, eine viel zu exklusive Versammlung mit aristokratischer Air und dadurch nicht geeignet gewesen, auch Leute der Gegenpartei \u00fcberzeugen und der maulwurfsartigen Unterw\u00fchlungsarbeit der Fortschrittler entgegentreten zu k\u00f6nnen.- Schlie\u00dflich ergeht kurz vor der Wahl seitens des Comit\u00e9es noch der folgende Aufruf, der das bisherige Wirken des nationalliberalen Abgeordneten preist und an die W\u00e4hlerschaft appelliert, diesen wiederzuw\u00e4hlen und ihrer \u201ePflicht\u201c, zur Wahl zu gehen, nachzukommen:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; 26. Oktober 1884 &#8211; Wahlaufruf: \u201e<em>Mitb\u00fcrger! Der Tag der Wahl zum Reichstag naht. Wir bitten Euch, unseren seitherigen treubew\u00e4hrten Abgeordneten Prof. Dr. Marquardsen wieder zu w\u00e4hlen: M. ist ein echt national gesinnter Mann, &#8230; ist eine gro\u00dfe Arbeitskraft im Reichstag, an den wichtigsten Gesetzen hat er in den Commissionen gearbeitet. Die Gesetze \u00fcber die Kranken- und Unfallversicherung der Arbeiter sind mit seiner Hilfe zu Stande gekommen, immer hat er dem wahren Fortschritt gehuldigt, er hat mit seinen Freunden das deutsche Reich aufbauen und einrichten helfen und will dasselbe auch sowie den dem Vaterland so teuren Frieden durch Bewilligung der n\u00f6tigen Mittel f\u00fcr unser tapferes Leben erhalten. M. ist immer bereit, die Rechte und Freiheiten des Volkes zu verteidigen, tritt f\u00fcr die Hebung der Industrie, des Handels und der Landwirtschaft mit aller Kraft ein, wie er die Dampfer-Subvention und Colonialpolitik verteidigte, so wird er f\u00fcr die Erh\u00f6hung der Kornz\u00f6lle stimmen und ebenso f\u00fcr die Minderung der allzuhohen Gerichtskosten und Advokatengeb\u00fchren eintreten. Mitb\u00fcrger erf\u00fcllt eure Pflicht Dienstag, den 28. ds. M., seid nicht l\u00e4ssig und w\u00e4hlt Prof. Marquardsen, Wimpfen, Das Comit\u00e9.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zwar erringt PROF. DR. MARQUARDSEN (Nationalliberale Partei) einen eindeutigen Sieg sowohl im Bezirk Wimpfen mit 191 Stimmen gegen\u00fcber dem &#8211; wie schon 1879 und 1881 &#8211; kandidierenden HOFGERICHTSRATSRAT FRANK (Zentrum) mit (wie die Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde vermeldet \u201enur\u201c) 14 Stimmen als auch im Reichstagswahlkreis mit 6.640 gegen\u00fcber 4.717 Stimmen. In Anbetracht von 668 bzw. 20.897 Wahlberechtigten betr\u00e4gt die Wahlbeteiligung nur 30,7 Prozent bzw. 49,6 Prozent, womit die des Gesamtreiches von knapp \u00fcber 60 Prozent bei weitem unterschritten wird. Der f\u00fcr die SPD kandidierende PHILIPP M\u00dcLLER tritt in Wimpfen (es besteht ja wegen des immer noch geltenden Sozialistengesetzes f\u00fcr solche Kandidaten Redeverbot) gar nicht in Erscheinung und erh\u00e4lt im Wahlkreis nur 205 Stimmen (1,8 %). Der Hauptgrund f\u00fcr die geringe Wahlbeteiligung d\u00fcrfte darin liegen, dass die Anh\u00e4nger der linksliberalen Parteien, n\u00e4mlich die der so hart angegangenen Deutsch-Freisinnigen und die der Deutschen Volkspartei, ebenso die der Sozialdemokraten wegen deren geringeren oder fehlenden Wahlchancen der Wahl ferngeblieben sind. Wieder h\u00e4lt im Reichstag das Zentrum mit 99 Sitzen vor der durch Zusammenschluss der Deutschen Fortschrittspartei und Deutschen Volkspartei entstandenen Deutsch-Freisinnigen Partei mit 67 Sitzen die Spitze und stehen die Nationallibertalen mit 51 Sitzen wieder nur an dritter Stelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum besseren Verst\u00e4ndnis der von B\u00fcrgermeister K\u00fcchler in seiner Wahlrede \u00fcber den Erwerb von Angra-Pequena gemachten \u00c4u\u00dferungen muss man wissen, dass damals REICHSKANZLER BISMARCK, um den Forderungen der Konservativern und Nationalliberalen entgegenzukommen, auf dem Wege war, seinen zur Vermeidung von Konfrontationen mit den europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chten (insbesondere England) gezeigten generellen Widerstand gegen den Erwerb von Kolonien (1881: <em>\u201eSolange ich Reichskanzler bin, treiben wir keine Kolonialpolitik\u201c<\/em>) einzuschr\u00e4nken. Etwa anderthalb Jahre zuvor, ausgangs September 1882, hatte eine umf\u00e4ngliche politische Betrachtung in der Wimpfener Zeitung unter dem bezeichneten Titel \u201eEine nationale Frage\u201c die folgende tadelnde Feststellung getroffen und Weisung daraus abgeleitet:<em> \u201eKein Volk der Erde sendet mehr Colonisten in fremde L\u00e4nder hinaus als das deutsche, keine Nation erscheint, was die Begabung der Individuen anbetrifft, besser zur Colonisation beanlagt als das deutsche und kein Volk wie das deutsche ist infolge der starken Vermehrung angewiesen, die \u00fcbersch\u00fcssige Bev\u00f6lkerung durch Auswanderung in fremde L\u00e4nder abzugeben. Aber trotz dieser Tatsachen und des ferneren Umstandes, da\u00df bereits mehr als 10 Millionen Deutsche im Laufe der Jahre die Coloniall\u00e4nder Amerikas, Australiens und Afrikas bev\u00f6lkert haben und da\u00df ferner deutsche Forscher an der Entdeckung und Kenntnis fr\u00fcher unbekannter Erdstriche den ruhmvollsten Anteil haben, steht das deutsche Reich vor der traurigen Wahrheit, keinen Fu\u00dfbreit Colonialland zu besitzen und j\u00e4hrlich durch Auswanderung enorme, unwiederbringliche Verluste an seinem nationalen Verm\u00f6gen zu erleiden und ist nicht in der Lage wie England, Frankreich und Holland, seine Auswanderung nach eigenen Colonien zu leiten und durch seine Kolonisten neue Kr\u00e4fte und Reicht\u00fcmer sammeln zu lassen. Rechnet man nun noch diesen Schattenseiten den von Jahrzehnt zu Jahrzehmt wachsenden Wettkampf der Nationen auf allen Gebieten des Weltmarktes und zieht man die Wahrscheinlichkeit in Erw\u00e4gung, da\u00df L\u00e4nder mit gro\u00dfem Colonialbesitz mit fortschreitender Kultur derselben schlie\u00dflich ein gro\u00dfes \u00dcbergerwicht \u00fcber diejenigen Staaten, welche keine Kolonien besitzen, erlangen m\u00fcssen, so mu\u00df uns die Angelegenheit unserer massenhaften Auswanderung bei vollst\u00e4ndigem Mangel an Koloniall\u00e4ndern als eine nationale Frage erscheinen, zumal wenn man dabei die rapide Vermehrung der Bev\u00f6lkerung noch in Ber\u00fccksichtigung zieht. Als ein sehr erfreuliches Symptom begr\u00fc\u00dfen wir es daher, da\u00df in allen einflu\u00dfreichen deutschen Kreisen das Interesse f\u00fcr alle auf Kolonisation und Nutzbarmachung der Auswanderung f\u00fcr das Mutterland bez\u00fcglichen Fragen im steten Wachstum begriffen ist und da\u00df sich seit einiger Zeit unter der Teilnahme hervorragender M\u00e4nner ein deutscher Kolonialverein mit dem Sitz in Frankfurt am Main gebildet hat. &#8230; Eine fruchtbringende L\u00f6sung ist also nun unter staatlicher und nationaler Beihilfe f\u00fcr Deutschland m\u00f6glich.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In der Tat war kurz vor der oben angesprochenen 6. Reichtagswahl am 7. August 1884 das vom Bremer Gro\u00dfaufmann ADOLF L\u00dcDERITZ im Blick vor allem auf dessen Kupferreichtum erworbene Land Angra-Pequena (sp\u00e4ter L\u00fcderitzbucht) mit den anschlie\u00dfenden Gebieten durch Entsendung von zwei Kriegsschiffen und Fahnenhissung unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt und damit die Anf\u00e4nge der Kolonie <u>Deutsch-S\u00fcdwestafrika<\/u> (heute: Namibia) geschaffen worden. Und wenige Monate davor war die sog. Unterschutzstellung der vom Hamburger \u00dcberseekaufmann und nationalliberalen Reichstagsabgeordneten ADOLPH WOERMMANN in Westafrika erworbenen anderen Gebiete in <u>Kamerun<\/u> und <u>Togo<\/u> , Letzteres heute: Ghana, erfolgt, was in der Zeitung unter dem 19. Oktober 1884 durch die folgende Meldung bekanntgemacht wurde: <em>\u201eUnter dem 19. 5. 1884 ordnete der Reichskanzler durch eine Instruction an den General-Consul Nachtigal die Durchf\u00fchrung der von Hamburg empfohlenen Politik an, bestimmte, da\u00df der Schutz der Deutschen und ihres Verkehrs in den dortigen K\u00fcstengebieten im Namen des Reichs unmittelbar \u00fcbernommen wurde. Das energische Auftreten und Eingreifen Deutschlands brachte bald erw\u00fcnschte Folgen. Die Negerh\u00e4uptlinge baten um den Schutz des deutschen Kaisers. &#8230; Mit Mlapa, K\u00f6nig von Togo, wurde ein Vertrag geschlossen.\u201c <\/em>Dass das Reich jedoch zum Erwerb von Kolonien letztlich auch die Anwendung kriegerischer Mittel nicht scheute, das zeigt der Umstand, dass auf dem Talmarkt des Jahres 1885 durch \u201eKlings Kunstausstellung\u201c dem sensationshungrigen Publikum <em>\u201eDer erste Sieg der deutschen Marinetruppen in Kamerun in Westafrika am 20., 21. und 22. 1884 als Neuestes, was Zeit und Weltereigenisse im abgelaufenen Jahr brachten\u201c<\/em>, vorgef\u00fchrt wurde. Im gleichen Jahr kam der nord\u00f6stliche Teil der Insel Neuguinea in deutschen Besitz und erhielt den Namen <u>Deutsch-Neuguinea oder auch Kaiser-Wilhelms-Land<\/u>, dazu die sich anschlie\u00dfende melanesische Inselgruppe unter dem Namen <u>Bismarckarchipel<\/u>. 1885 erhielt die Kolonialgesellschaft des Deutschen CARL PETERS&nbsp;f\u00fcr das ostafrikanische Gebiet gegen\u00fcber der Insel Sansibar einen Schutzbrief des Deutschen Reiches und 1890 \u00fcbernahm nach einem Aufstand der K\u00fcstenbev\u00f6lkerung das Deutsche Reich direkt die Regierung des nun zu <u>Deutsch-Ostafrika<\/u> werdenden Landes. Das nunmehr in der \u00d6ffentlichkeit entstandene Interesse an der Erwerbung von Kolonien und der jeweiligen besonderen Eigenart zeigt sich z. B. darin, dass PFARRER PETERSEN Mitte M\u00e4rz 1885 einen Vortrag \u00fcber die Berufung Deutschlands und der Christenheit in Afrika h\u00e4lt, oder Mitte Februar 1886 die Zeitung meldet, dass soeben im K\u00f6lner Musikverlag Tonger das Orchesterst\u00fcck die \u201eKameruner Wachtparade\u201c erschienen sei. 1888\/89 finden sich in der Zeitung laufend Artikel \u00fcber Kolonialfragen, so z. B. auch \u00fcber die 1889 in Berlin ausgehandelten britisch-amerikanisch-deutschen Vertrag der gemeinsamen Schutzrechte \u00fcber die <u>Samoainseln<\/u> im Zentrum des Pazifik.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitte November 1884 teilt die Zeitung mit: <em>\u201eAm 1. 12. 1884 tritt das Reichsgesetz \u00fcber die Krankenversicherung der Arbeiter ins Leben\u201c<\/em> und gibt dazu den folgenden einleitenden positiven Kommentar: <em>\u201eWenn auch hier und da den Wirkungen des Gesetzes mit Mi\u00dftrauen entgegengesehen wird, so d\u00fcrfte die Praxis jedoch sehr bald eine andere Anschauung zur Geltung bringen; es wird nur darauf ankommen, da\u00df sich die beteiligten Personen zun\u00e4chst mit den haupts\u00e4chlichsten Bestimmungen des Gesetzes vertraut machen und dadurch in Stand gesetzt werden, durch p\u00fcnktliche Ausf\u00fchrung derselben die Ausf\u00fchrungen des Gesetzes zu erleichtern und sich selbst vor Unannehmlichkeiten und Nachteilen zu bewahren.\u201c <\/em>Die danach in der Zeitung erfolgende Darlegung und laufende Kommentierung der diesbez\u00fcglichen Gesetzesbestimmungen sowie deren segensreiches Wirksamwerden auch in Wimpfen bleibt der ausf\u00fchrlichen Darlegung im Kapitel J vorbehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun wieder auf die Bismarck-Verehrung zur\u00fcckkommend, sto\u00dfen wir am 15. Februar 1885 ff. auf die folgenden Zeitungsmeldungen: <em>\u201eF\u00fcr Wimpfen hat sich ein Lokalcomit\u00e9e zur Empfangnahme von Beitr\u00e4gen der \u00fcberall gesammelten Ehrengabe zum 70. Geburtstage des F\u00fcrsten Bismarck gebildet und liegen Listen zur Zeichnung in den Lokalen des Gasthofs zum Ritter, der Bierbrauerei Gl\u00e4\u00dfer, &#8230; auf.\u201c<\/em> Im Fortgang wendet sich die Zeitung gegen das weit verbreitete Missverst\u00e4ndnis, die Ehrengabe sei eine Dotation und diene nur dazu<em>, <\/em>den Reichskanzler&nbsp;<em>\u201e<\/em><em>reicher zu machen&#8220;<\/em>&nbsp;oder der Abrundung seiner G\u00fcter (Anmerkung: Mit \u201eseiner G\u00fcter\u201c sind gemeint das 1867 von Bismarck gekaufte Dorfgut Varzin in Hinterpommern und insbesondere der diesem 1871 in Anerkennung seiner Verdienste vom Kaiser geschenkte Sachsenwald bei Hamburg). Vielmehr werde eine dauernde und gemeinn\u00fctzige Stiftung errichtet, die dem ganzen Volk und Reich zugute komme. Es werde diesem \u00fcberlassen, in diesem Sinne Bestes zu treffen. Es gehen insgesamt 76,55 Mark ein, die an die Zentralstelle nach Berlin abgeschickt werden. <em>\u201eDas Wahrscheinliche ist\u201c<\/em>, so wird jetzt erg\u00e4nzend mitgeteilt,<em> \u201eda\u00df von der Summe eine Anstalt errichtet wird, in welcher invalid gewordene Arbeiter Unterkommen und Versorgung finden. Das ist im Sinne Bismarcks und ein Beitrag zur L\u00f6sung der sozialen Frage.\u201c <\/em>Sp\u00e4ter hei\u00dft es, dass die Bismarck-Spende z. B. zur Unterst\u00fctzung junger M\u00e4nner Verwendung finde, die sich dem Studium des h\u00f6heren Lehrfaches zuwenden. In Heilbronn dagegen<a href=\"#_edn36\" name=\"_ednref36\">[36]<\/a> verlautet, die Spende diene der Erwerbung dessen fr\u00fcher besessenen Stammguts und Geburtsorts Sch\u00f6nhausen (Mittelelbe).<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Begehung des 70. Geburtstag des Reichskanzlers am 1. April 1885 allgemein ist Folgendes zu lesen: <em>\u201eEs liegen jetzt zwei ausf\u00fchrliche Berichte &#8230; vor und l\u00e4\u00dft sich daraus ersehen, da\u00df dieser Tag geworden ist, was alle deutschgesinnten Kreise erhofft hatten, ein Freuden- und Dankesfest des gesamten Volkes. Nur ganz vereinzelt haben Personen und K\u00f6rperschaften es nicht vermocht, ihre von denen des Kanzlers abweichenden politischen Anschaungen auch nur zeitweise zur\u00fcckzustellen und sich gemeinsam mit den anderen des gro\u00dfen Mannes zu freuen, dem ja doch auch der erbittertste Gegner von der Au\u00dfergew\u00f6hnlichkeit seiner m\u00e4chtigen Erscheinung nichts nehmen kann. Doch es sind deren, wie gesagt, nur wenige gewesen, die weitaus \u00fcberwiegende Mehrheit des deutschen Volkes ist froh und von Herzen guter Dinge gewesen, sie hat endlich nach langen Zeiten des Zankes und des Streites die Freude am Vaterland einmal ganz genossen. Zu denjenigen St\u00e4dten, in welchen der Ehrentag unseres Kanzlers in echt patriotischer Weise gefeiert wurde, hat auch Wimpfen geh\u00f6rt (siehe Corresp.).\u201c<\/em> Dort wurde am Vorabend von Bismarcks Ehrentag im Gasthof zum Ritter ein Festbankett veranstalt. Dieses war so \u00fcberaus zahlreich von G\u00e4sten aus nah und fern besucht, dass der Festsaal und das daran sto\u00dfende Wirtschaftszimmer bis auf den letzten Platz besetzt waren. Dort war eine B\u00fcste des F\u00fcrsten aufgestellt und gab es eine reiche Dekoration durch Fahnen, Girlanden, Oleanderb\u00e4ume und Blumenbuketts auf der Festtafel. Es wurde ein Festmahl gereicht, dem eine Ansprache von OBERAMTSRICHTER LAZI&nbsp;aus Neckarsulm, dem Vorsitzenden der Vollmondes-Kranz-Gesellschaft, folgte. Dann wurden Toasts auf den Kaiser und die F\u00fcrsten ausgebracht und gab es eine Rede des WIMPFENER II. PFARRERS PETERSEN&nbsp;mit einer trefflichen Schilderung des Lebens Bismarcks mit anschlie\u00dfendem in riesenhafter Begeisterung dargebrachtem Toast, wobei dieser als der gr\u00f6\u00dfte Staatsmann des Jahrhunderts gepriesen wurde. Es folgten \u201eDeutschland-Deutschland-\u00fcber-alles\u201c und weitere Reden, z. B. die von KAUFMANN VOHWINKEL&nbsp;aus Heilbronn, der einen Toast auf die haupts\u00e4chlich durch Bismarcks Staatskunst nun errungene deutsche Einheit ausbrachte. Letzte Toasts des FABRIKANTEN BACHERT&nbsp;aus Jagstfeld galten dem deutschen Nationalgeist sowie dem Generalstabschef Graf Moltke.- Es herrschte, so hei\u00dft es, bei allen G\u00e4sten gr\u00f6\u00dfte Befriedigung. Die badische Eisenbahngeneraldirektion hatte einen Extrazug mit s\u00e4mtlichen Wagenklassen gew\u00e4hrt und so konnten um \u00bd 11 Uhr die ausw\u00e4rtigen Teilnehmer wegfahren und in Jagstfeld auch noch Anschluss an die Neckartalbahn finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 21. Februar 1887 steht die Wahl zum Siebten Reichstag an, nachdem der Bundesrat und der Kaiser diesen wegen Ablehnung der nach Ablauf des Heeresgesetzes bzw. Septenats von 1881 von der Regierung Otto von Bismarck eingebrachten Heeresvorlage aufgel\u00f6st hat. Nach dieser soll das Heer in Friedenszeit um 10 Prozent auf 468.000 Mann f\u00fcr die Dauer von 7 Jahren aufgestockt werden. Wiederum bildet in Wimpfen eine Anzahl von Anh\u00e4ngern der nationalliberalen Partei ein Lokal-Comit\u00e9e, das sich abermals f\u00fcr die Unterst\u00fctzung das Kandidaten MARQUARDSEN ausspricht. Kaiser Wilhelm, so wird vom Redner argumentiert, sei \u00fcber die Ablehung der Vorlage aufs H\u00f6chste betr\u00fcbt und man hoffe, dass der neue Reichstag mit Majorit\u00e4t f\u00fcr diese stimme und damit der Kaiserlichen Majest\u00e4t den Wunsch des Volkes zu erkennen gebe. Die mit Begeisterung reagierende Versammlung schlie\u00dft mit einem <em>\u201eHoch auf den Heldenkaiser und einem<\/em> <em>Toast auf den innig mit dem Kaiserhaus verbundenen Reichskanzler Bismarck\u201c. <\/em>Der Zeitung liegt im Wahlmonat laufend die \u201eGrenzwacht\u201c bei, das Blatt der Nationallberalen, das nat\u00fcrlich im vorgenannten Sinne Wahlwerbung betreibt. Das Comit\u00e9e ver\u00f6ffentlicht zwei Wochen vor der Wahl einen langen Wahlaufruf: Die Sicherung des unter schweren Opfern geeinigten Vaterlandes sei erste und h\u00f6chste Aufgabe. Die Gew\u00e4hr daf\u00fcr liege in einem allen Wechself\u00e4llen gewachsenen Heer. Es sei ein Frevel, wenn dessen St\u00e4rkung versagt werde. Der letzte Reichstag habe in dieser Frage einen Standpunkt eingenommen, mit welchem die notwendige nachhaltige F\u00fcrsorge f\u00fcr die Erhaltung der Machtstellung Deutschlands und damit des Friedens unvereinbar erscheine. Deshalb sei dieser aufgel\u00f6st worden und habe sich unter dem Losungswort \u201eKaiser und Reich\u201c ein Wahlkampf f\u00fchrender Landesausschuss der nationalliberalen Partei gebildet. <em>\u201eW\u00e4hler! Der Wahltag r\u00fcckt heran. Angesichts der ernsten politischen Lage unseres Vaterlandes appellieren wir an das Nationalgef\u00fchl jedes deutschen Mannes. Wir haben die feste Zuversicht, da\u00df alle reichstreuen W\u00e4hler \u00fcberzeugt sind, da\u00df die Verst\u00e4rkung unseres Heeres, das die Einheit, Macht und Gr\u00f6\u00dfe unseres Vaterlandes gew\u00e4hrleistet, in dem von der Regierung geforderten Umfang n\u00f6tig ist. Darum tretet an die Wahlurne und gebt Herrn Prof. Dr. Marquardsen eure Stimme, der f\u00fcr die volle Bewilligung der Milit\u00e4rvorlage einzutreten bereit ist. Das Wahlcomit\u00e9 f\u00fcr den Bezirk Wimpfen<\/em>.\u201c Es folgen viele Unterschriften aus Wimpfen am Berg, im Tal und Hohenstadt<em>.- <\/em>Zu diesen gesellt sich anderthalb Wochen sp\u00e4ter noch eine gro\u00dfe Anzahl weiterer solcher, deren Bekanntgabe in der Zeitung eine halbe Seite f\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Wahlwerbung f\u00fcr den Gegenkandidaten DR. JUR. ALEXANDER PAUL ALBRECHT MEYER&nbsp;(1832 \u2013 1909), Mitglied des preu\u00dfischen Landtags, welcher der 1884 neu gebildeten linksliberalen Deutsch-Freisinnigen-Partei angeh\u00f6rt, ist nichts Direktes zu h\u00f6ren. Die Wimpfener Zeitung meldet, das Heilbronner Arbeiter-Wahlcomit\u00e9e habe in einer Anzeige erkl\u00e4rt, dass dessen Reichstagskandidat und bereits 1884 dort als solcher aufgetretene Sozialdemokrat SCHREINER EMIL FLEISCHMANN in Heilbronn eintreffen werde, um seine Wahlreise zu beginnen. Doch habe man die Rechnung ohne die Obrigkeit gemacht, die alle Wahlversammlungen desselben verboten habe. Drei Tage vor der Wahl wird von der Wimpfener Zeitung aus der Pf\u00e4lzer Zeitung zur Rechtfertigung der geforderten deutschen Heeresvermehrung ein Doppelbild \u00fcbernommen, das die Aufr\u00fcstung von Frankreich und Deutschland gegen\u00fcberstellt und zeigt, dass diejenige Frankreichs gr\u00f6\u00dfer ist. Und der Heppenheimer KREISRAT GR\u00c4FF bezeichnet die angeblich vor allem auf dem Lande verbreitete Behauptung, das Septenat bedeute die Verl\u00e4ngerung der Dienstzeit auf 7 Jahre, als Irref\u00fchrung und droht den Verbreitern mit Anzeige. Die massive Wahlagitation des nationalliberalen Lagers zeigt Wirkung sowohl hinsichtlich der Wahlbeteiligung als auch der gewonnenen W\u00e4hlerstimmen: Von 673 Wahlberechtigten geben 522 (77,6 Prozent) ihre Stimme ab, wovon MARQUARDSEN (NLP) 367 und MEYER (DFP) nur 155 Stimmen zufallen. Im Wahlkreis Worms-Heppenheim-Wimpfen erh\u00e4lt der Erstgenannte 11.726 (62 %) und der Zweitgenannte nur 7.169 (38 %) Stimmen. Die Wahlbeteiligung im Reich entspricht mit knapp \u00fcber 77 % fast genau der in Wimpfen und liegt damit deutlich \u00fcber derjenigen aller vorangegangenen Reichstagswahlen. Mit einem gewaltigen Zuwachs von 46 Stimmen erringen die Nationalliberalen 97 Stimmen und damit fast das mit 98 Sitzen weiter die Spitze haltende Zentrum. Da einerseits die Nationalliberalen am Tag der Reichstagsaufl\u00f6sung mit den Konservativen ein Wahlb\u00fcndnis (Wahlkartell NLP + DKP + DRP) geschlossen haben, das zusammen 219 Sitze erreicht und Bismarcks Position unterst\u00fctzt und andererseits die Linksliberalen sowie die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands dagegen starke Verluste erleiden (DFP nur noch 32 Sitze bei 35 verlorenen Sitzen, SAPD nur noch 11 bei 13 verlorenen Sitzen), kann Bismarck in den Anf\u00e4ngen des neuen Reichstags das hei\u00df umstrittene Septenat abermals durchsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 26. Mai 1889 vermeldet die Wimpfener Zeitung im Fettdruck: <strong>\u201eDas Alters- und Invalidengesetz ist mit 185 gegen 165 Stimmen angenommen worden.\u201c <\/strong>Wie zu Zeiten der Einf\u00fchrung der Kranken- und Unfallversicherung folgen jetzt immer wieder \u00fcber Jahre hinweg Meldungen zu deren Einf\u00fchrung f\u00fcr die verschiedenen Berufsgruppen und segenbringenden Wirksamkeit vor Ort, wor\u00fcber im Kapitel J ausgiebig zu berichten sein wird. Als zum 1. Januar 1890 ein neues Jahrzehnt ansteht, h\u00e4lt die Wimpfener Zeitung in einem Gedicht R\u00fcck- und Vorausschau auf des deutschen Reiches Los, das am Schluss die Schaffung und das Gewachsensein des deutschen Heeres als den Garant des erlebten wie k\u00fcnftigen Friedens preist:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe024.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe024-417x1024.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Als im beginnenden Jahr 1890 die dreij\u00e4hrige Legislaturperiode des Siebten Reichstags dem Ende entgegengeht und REICHSKANZLER BISMARCK das Sozialistengesetz unbegrenzt verl\u00e4ngern lassen will, scheitert er dadurch, dass ihm die bislang ihn st\u00fctzenden drei \u201eKartellparteien\u201c die Gefolgschaft verweigern, weil der nunmehr regierende und sich in die Politik einbringende junge KAISER WILHELM II. seine Ablehnung durchblicken l\u00e4sst und diese dadurch sich innerlich zerstreiten. In welch weiterer Weise kurz danach, den Kanzler \u00fcbergehend und br\u00fcskierend, sich der junge Kaiser der Arbeiterschaft gewogen zeigt, und es dadurch vollends zum Bruch mit dem Kanzler kommt, wurde bereits dargestellt. In dieser Situation kommt die laut Verordnung des Kaisers auf den 20. Februar 1890 gelegte Wahl zum Achten Deutschen Reichstag heran, welche die erste Wahl in des neuen Kaisers Amtszeit und jetzt auf eine Legislaturperiode von 5 statt bisher nur 3 Jahren ausgelegt ist.<br>So fr\u00fch wie noch nie, am 19. Januar 1890 und damit einen Monat vor dem Wahltag, setzt in Wimpfen die Wahlagitation durch einen Zeitungsaufruf des Landesausschusses der Nationalliberalen Partei in Hessen ein, in dessen Kernteil noch nichts von der pers\u00f6nlichen und sachbezogenen Krise zwischen Kaiser und Kanzler zu sp\u00fcren ist: <em>\u201eDiese Wahl ist von der h\u00f6chsten Bedeutung &#8230; und es f\u00e4llt die Entscheidung, ob Deutschland einer ruhigen friedlichen Entwicklung entgegengeht in vereinigtem Wirken seiner Majest\u00e4t des Kaisers und seiner im F\u00fcrsten Bismarck verk\u00f6rperten Regierung mit der Mehrheit des Reichstags oder ob die Herrschaft einer Mehrheit der sich gegenseitig anfeindenden, aber gegen uns vereinten Parteien der Sozialdemokraten, Deutschfreisinnigen, Ultramontanen, Welfen, Polen, Els\u00e4\u00dfer hingegeben werden wird.\u201c<br><\/em>Es folgt am 11. Februar ein Hinweis der Zeitung auf einen vom Vorstand der Kriegervereine \u201eDie Parole\u201c ver\u00f6ffentlichten Aufruf, der sich haupts\u00e4chlich gegen die Unterst\u00fctzung der Sozialdemokraten durch Vereinsmitglieder richtet: <em>\u201eKameraden, wer als Mitglied der Kriegervereine Feinde der Monarchie und das Vaterland ank\u00e4mpfende Parteien unterst\u00fctzt, bricht &#8230; sein Ehrenwort beim Eintritt in den Verein und mu\u00df aus unseren Reihen scheiden.\u201c<br><\/em>Dann l\u00e4dt die Nationalliberale Partei zu einer am Montag, 17. Februar, abends 8 Uhr, im Ritter stattfindenden Wahlversammlung ein und k\u00fcndigt an, dass die Wahlrede der (inzwischen geadelte und zum ersten Mal in Wimpfen pers\u00f6nlich erscheinende) Kandidat PROF. DR. VON MARQUARDSEN halten wird. Den Vorsitz derselben f\u00fchrt wieder der Wimpfener \u201eTurnvater\u201c WILHELM KLEYER. In einer mehr als einst\u00fcndigen oft durch Beifall unterbrochenen Rede berichtet der Redner \u201e<em>\u00fcber seine T\u00e4tigkeit im verflossenen Reichstag und die hervorragende Anteilnahme der Partei an den gesetzgeberischen Arbeiten: Bewilligung des Septenats und Vermehrung der Wehrkraft.\u201c <\/em>Beides sei notwendig gewesen, um die f\u00fchrende Stellung Deutschlands beizubehalten. Nachdem die St\u00e4rkung der Wehrkraft genehmigt sei, m\u00fcssten auch die Mittel bereitgestellt werden. Die Freisinnigen w\u00fcrden es sich leicht machen und \u00fcberlie\u00dfen deren Besorgung den Nationalliberalen. Die Erh\u00f6hung der Branntweinsteuer und die Getreidez\u00f6lle h\u00e4tte die Reichseinnahmen erh\u00f6ht und die Letzteren habe auch den Vorteil des Schutzes der Landwirtschaft gebracht. Dann kam er zu den sozialpolitischen Gesetzen: die Krankenversicherung und die Alters- und Invalidit\u00e4tsversorgung, <em>\u201eGesetze, um die uns die ganze Welt beneiden und sich anschickt, auf diesem Gebiete zu folgen\u201c. <\/em>Der segensreiche Einfluss auf die Arbeiter zeige sich schon jetzt<em>, <\/em>noch offensichtlicher werde dies in einigen Jahren. Es gebe noch viel zu tun, um die sozialen Gegens\u00e4tze auszugleichen; <em>\u201edie j\u00fcngsten kaiserlichen Erlasse bringen das in edelster Weise zum Ausdruck (Arbeiterschutz, Versorgung der Arbeiterwitwen und -waisen)\u201c.<\/em> Zukunftsaufgabe: Schaffung eines B\u00fcrgerlichen Gesetzbuches. Es w\u00fcrde ihn freuen, so schloss der Redner, wieder von seinem alten Wahlkreise betraut zu werden und daran mitwirken zu k\u00f6nnen.- Nach langem Beifall mahnt der Vorsitzende Kleyer, am Wahltage nicht von der Wahlurne fernzubleiben. REALLEHRER WITTICH fordert die Versammelten auf, <em>\u201edie durch sozialistische Agitatoren Irregeleiteten aufzukl\u00e4ren\u201c.<br><\/em>Tats\u00e4chlich soll genau zur selben Zeit, wie ein durch \u201eViele W\u00e4hler\u201c in der Zeitung ergangene Einladung zu einer Wahlversammlung meldet, im Wacker\u2019schen Saale eine Wahlversammlung stattfinden, bei welcher der f\u00fcr die Sozialdemokraten im Reichstagswahlkreis 7 Worms-Heppenheim-Wimpfen kandidierende SCHUHMACHERMEISTER HEINRICH BERTHOLD AUS DARMSTADT zu den W\u00e4hlern sprechen werde. War z. B. in Heilbronn, wie bereits berichtet, 1887 und damit zu Zeiten der G\u00fcltigkeit des Sozialistengesetzes der angek\u00fcndigte Wahlauftritt des Sozialdemokraten EMIL FLEISCHMANN&nbsp;noch verboten worden, so stand jetzt durch die Nichtverl\u00e4ngerung dieses Gesetzes der Weg f\u00fcr die Abhaltung dieser sozialdemokratischen Versammlung offen. Wie jedoch der dazu erschienene Zeitungsbericht zeigt, sind die h\u00f6chst zahlreich Erschienenen vermutlich einem Scherz aufgesessen: \u201e<em>Einen fastnachtsartigen Verlauf nahm die auf gestern abend 8 Uhr sozialdemokratischerseits in den Wackerschen Saal einberufene W\u00e4hlerversammlung, in welcher der sozialdemokratische Kandidat Schuhmachermeister Berthold aus Darmstadt sich den W\u00e4hlern vorstellen sollte. Der Saal war von Neugierigen gedr\u00e4ngt voll, aber die Er\u00f6ffnung der Versammlung fand nicht statt. Zur Kurzweil lie\u00df der Wirt das Orchestrion spielen, man scherzte und lachte, machte Witze und lie\u00df \u201azarte\u2019 Anspielungen fallen; die Zeit verrann, aber weder von dem Redner des Abends noch von den Einberufern des Abends war etwas zu sehen oder zu h\u00f6ren. Eine aus der Mitte ergangene Aufforderung um eine Aufkl\u00e4rung dieses Verhaltens war ohne Erfolg und so blieb den Versammelten nichts anderes \u00fcbrig, als sich in das Geschick zu f\u00fcgen und auf die Bekanntschaft des sozialdemokratischen Kandidaten zu verzichten. So endete diese erste sozialdemokratische Versammlung in Wimpfen als ein kleiner Fastnachtsscherz, der in der ernsten Zeit des Wahlkampfes doch wenigstens eine Abwechslung bot.\u201c <\/em>Dass die Sozialdemokraten am Ort schon eine mehr oder minder gro\u00dfe Anh\u00e4ngerschaft haben, zeigen der volle Saal und das sp\u00e4tere Wahlergebnis.<br>Es ergehen auch Aufrufe an die Landwirte, die Nationalliberalen zu w\u00e4hlen, weil die Deutsch-Freisinnigen stets Z\u00f6lle (Weinzoll, Getreidezoll) bek\u00e4mpft h\u00e4tten und somit als Gegner des Bauernstandes anzusehen seien. Deren Kandidat im Wahlkreis Worms-Heppenheim-Wimpfen ist der ber\u00fchmte PROF. RUDOLF VIRCHOW, GEHEIMER REGIERUNGSRAT ZU BERLIN, Arzt an der Charit\u00e9 und Begr\u00fcnder der modernen Pathologie, ein entschiedener Gegner Bismarcks, auch Gegner der Kolonialpolitik und Anh\u00e4nger der Abr\u00fcstung. Auf der R\u00fcckseite der Zeitung erscheint von dessen Partei ein gro\u00dfer die Seite f\u00fcllender Wahlaufruf, der sich u. a. gegen die \u201eKartellparteien\u201c ausspricht und deren Anspruch auf St\u00e4rkung des Milit\u00e4rs und das Septenat als \u201eKriegsschwindel\u201c bezeichnet, die unerh\u00f6rte Belastung durch Steuern anprangert, die Verl\u00e4ngerung der Legislaturperiode und das Septenat als Schm\u00e4lerung der Grundrechte, d. h. der Kontrolle der Volksvertretung, bezeichnet. In diesem Sinne spricht auch in der Versammlung der Deutsch-Freisinnigen in der Traube, in welcher der in Wimpfern ans\u00e4ssige hessische GEOMETER ERSTER KLASSE GRO\u00df den Vorsitz f\u00fchrt, in etwa zweist\u00fcndiger Rede RECHTSANWALT DR. KLEIN AUS WORMS&nbsp;und entwickelt dann ein Programm, zu dessen Verwirklichung die W\u00e4hler beitragen sollen. Es folgt dann sogar noch eine kurze Auseinandersetzung mit zwei erschienenen Vertretern der Sozialdemokratie aus Heilbronn, bis dann erst um \u00bd 11 Uhr die Versammlung geschlossen werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit geht zum ersten Mal in Wimpfen einer Reichstagswahl etwas voraus, was sich einem echten Wahlkampf ann\u00e4hert, zumal ja auch jetzt wenigstens vier Kandidaten bzw. Parteien und nicht nur zwei oder bestenfalls drei zur Auswahl stehen. Von dem bzw. f\u00fcr den Kandidaten der vielfach immer noch als \u201eUltramontane\u201c beschimpften Zentrumspartei, n\u00e4mlich dem sich &#8211; wie 1879, 1881 und 1884 \u2013 wieder stellenden Darmst\u00e4dter Zentrumsabgeordneten OBERLANDESGERICHTSRAT EUGEN FRANK, ist allerdings wieder kein Auftritt zu finden. Die Ergebnisse der Wahl auf den verschiedenen Ebenen zeigt die nachfolgende \u00dcbersicht:<a href=\"#_edn37\" name=\"_ednref37\">[37]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe025.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe025-1024x537.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Trotz des relativ regen Wahlkampfes liegt die Wahlbeteiligung im Wahlbezirk Wimpfen von 62,5 % dieses Mal deutlich unter der (ebenfalls etwas zur\u00fcckgegangenen solchen) des Reiches von 71 %. Zwar h\u00e4lt von Marquardsen vor Ort die Spitze und setzt dieser sich im Wahlkreis unangefochten zum vierten Male durch. Doch liegt sein Hauptgegner VIRCHOW in Wimpfen nur um eine Stimme zur\u00fcck und es erreicht sowohl der altbekannte Kandidat des Zentrums FRANK mit 28 Stimmen als auch derjenige der (erstmals in Wimpfen mit einem Bewerber vertretenen) Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (fortab: Sozialdemokratische Partei) mit immerhin 24 Stimmen einen Achtungserfolg. Im Reich erleben die in der \u00dcbersicht in den ersten drei Rubriken aufgef\u00fchrten &#8211; der \u201eRechten\u201c angeh\u00f6renden &#8211; \u201eKartellparteien\u201c, darunter am st\u00e4rksten die Nationalliberalen mit 56 verlorenen Sitzen, eine katastrophale Niederlage. Der eingetretene Linksruck zeigt sich an der Verdoppelung des Sitzanteils der Deutschfreisinnigen von 32 auf 66 sowie am Sprung der Sozialdemokraten von 11 auf 35 Sitze, deren W\u00e4hlerstimmenanteil mit nunmehr 19,7 % vor dem der Zentrumspartei mit 18,6 % die Spitze erreicht. Dass aber diese mit 106 Sitzen jene dennoch &nbsp;um das Dreifache \u00fcbertrifft und auch drei der anderen Parteien (DKP, NLP, DFP) trotz deutlich niedrigerem W\u00e4hlerstimmenanteil wesentlich mehr Sitze zugefallen sind, liegt daran, dass das Mehrheitswahlrecht, dazu das rapide Wachsen der gro\u00dfst\u00e4dtischen und jetzt von der Sozialdemokratie dominierten (doch bewusst auf dem Ausgangsstand des Jahres 1871 unver\u00e4ndert gehaltenen) Wahlkreise bez\u00fcglich der Sitzanteile gewaltige Verzerrungen zu Ungunsten der Sozialdemokraten herbeif\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das durch diese Wahlergebnisse sowie durch die vom neuen Reichstag umgehend von f\u00fcnf wieder auf drei Jahre herabgesetzte Legislaturperiode weiter befestigte Scheitern der politischen Zielstellungen von REICHSKANZLER BISMARCK&nbsp;wurde schlie\u00dflich dadurch besiegelt, dass KAISER WILHELM II.&nbsp;vier Wochen nach der Wahl am 20. M\u00e4rz 1890 dessen Entlassung verf\u00fcgt hat. Anderthalb Wochen danach feiert man nichtsdestotrotz im ganzen Deutschen Reich dessen auf Montag, den 1. April, fallenden 75. Geburtstag, und nicht minder auch in Wimpfen, wozu die Wimpfener Zeitung wie folgt einl\u00e4dt:<br><em>\u201eWie allerorts im deutschen Vaterlande und dar\u00fcber hinaus, so soll auch diesmal der Geburtstag des aus seinem Amte scheidenden Reichskanzlers, in dem er so Gro\u00dfes f\u00fcr sein Volk geschaffen, besonders gefeiert werden, um dem aufrichtigen Dankgef\u00fchl gegen denselben Ausdruck zu geben. Unser B\u00fcrgermeister ladet deshalb die Einwohnerschaft von hier und Umgebung zu zahlreicher Beteiligung an einer am Dienstagabend <\/em>(2. April)<em> im Ritter stattfindenden geselligen Vereinigung ein in der Hoffnung, da\u00df dem Ruf mit voller Einm\u00fctigkeit gefolgt wird. Diesmal ist dieser von umso h\u00f6herer Bedeutung f\u00fcr alle Deutschen, als das Ausscheiden dieses gr\u00f6\u00dften Staatsmannes und verdienstvollen B\u00fcrgers aus Amt und Wirken erst so kurze Zeit zur\u00fcckliegt.\u201c<br><\/em>Der Bericht \u00fcber diese Feier lautet u. a.: <em>\u201eEntsprechend der Doppelnatur der Feier konnten sich die an jenem Abend gehaltenen Toasts in keiner anderen Richtung bewegen, als auf der einen Seite dem Gefeierten den h\u00f6chsten ihm geschuldeten Dank des Vaterlandes, auf der anderen Seite den innigsten W\u00fcnschen f\u00fcr die Zeit seiner wohlverdienten Ruhe Ausdruck zu geben. In diesem Sinn forderte Herr Kleyer die Anwesenden auf, mit ihm auf den F\u00fcrsten Bismarck einzustimmen und toastete Herr Dohany auf das geeinte Vaterland, nachdem er in Worten voll patriotischer Begeisterung, die lebhaften Beifall in den Herzen der Versammlung fanden, die Verdienste des gro\u00dfen Reichskanzlers an dem gro\u00dfen Einigungswerk hervorgehoben hatte.\u201c<br><\/em>Das abgeschickte Telegramm lautete: <em>\u201eVom Neckarstrand zum Sachsenwald t\u00f6nen die herzlichsten Gl\u00fcckw\u00fcnsche und Segensw\u00fcnsche dem gr\u00f6\u00dften Staatsmann unseres Jahrhunderts, dem Sch\u00f6pfer des Reichs von der Festversammlung zu Wimpfen entgegen. I. A. Bornh\u00e4u\u00dfer, B\u00fcrgermeister.\u201c <\/em>Das eingegangene Dankschreiben mit den Schriftz\u00fcgen des F\u00fcrsten lautet: <em>\u201eFriedrichsruh, 14. 4. 1890. F\u00fcr den Gl\u00fcckwunsch zu meinem Geburtstage sage ich Ihnen und den anderen Herrn Unterzeichnern, die meiner gedacht haben, meinen verbindlichsten Dank. v. Bismarck.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe026.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe026-1024x763.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Zwei Wochen sp\u00e4ter unter dem 13. April druckt die Zeitung das an Paul Gerhards Passionschoral angelehnte ergreifende Lob- und Dankesgedicht ab, das ERNST VON WILDENBRUCH&nbsp;dem scheidenden Reichskanzler gewidmet hat:<br><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe027.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"589\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe027-1024x589.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-424\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe027-1024x589.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe027-150x86.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe027-300x173.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe027-768x442.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Eine Woche danach folgt ein Sarkasmus atmender Reimvers eines Couplets, das im Alliance-Theater Berlin in einem St\u00fcck des Titels \u201eNautilus\u201c der Darsteller des Steuermanns Schrader singt und auf den Abgang Bismarcks als Lenker des Staatsschiffes und die \u00dcbernahme des Ruders durch REICHSKANZLER LEO GRAF VON CAPRIVI&nbsp;anspielt:Als zu dieser Zeit unter dem Protektorat Kaiser Wilhelms II. in der Hauptstadt des Deutschen Kaiserreiches zu Ehren des F\u00fcrsten Bismarck die Errichtung eines Nationaldenkmals in die Wege geleitet wird, bekunden in einem von der \u201eWimpfener Zeitung\u201c ver\u00f6ffentlichten diesbez\u00fcglichen Spenden-Aufruf viele Wimpfener durch ihre Unterschrift ihre Unterst\u00fctzung und findet sich unter den zehn vom Wahlkreis Worms-Heppenheim-Wimpfen gestellten Mitgliedern des um Beitr\u00e4ge werbenden hessischen Zentral-Komitees auch der Wimpfener Salinenbuchhalter, gl\u00fchender Bismarck-Verehrer und Verfechter der Reichsidee, WILHELM KLEYER genannt. Und als dann 1892 eine Anzahl Bismarckfreunde in der \u201eTraube\u201c zusammenkam, um den 77. Geburtstag des Alt-Reichskanzlers Bismarck in w\u00fcrdiger Weise zu feiern, war es Kleyer, der das Hoch auf diesen,<em> \u201eden Deutschesten der Deutschen, ausbrachte, indem er auf die unverge\u00dflichen und unausl\u00f6schlichen Verdienste des Kanzlers um die Gr\u00fcndung des Reiches in kerniger Ansprache hinwies. Im Anschluss an das Hoch wurde nach der Melodie des Deutschlandliedes ein Bismarcklied gesungen<\/em>\u201c. Die Schlu\u00dfstrophen des letztgenannten Liedes lauteten:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe028.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe028-625x1024.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><br><em>\u201eNoch manches patriotische, von Liebe f\u00fcr den deutschen Einheitsgedanken getragene Wort kam zur Geltung, w\u00e4hrend der Gesangverein Concordia die Feier durch den exakten Vortrag mehrerer herrlicher M\u00e4nnerch\u00f6re w\u00fcrzte und sein Teil zum Gelingen des Abends beitrug. Ein Gl\u00fcckwunschtelegramm wurde an den F\u00fcrsten Bismarck gesandt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe029-1024x254.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>1894 wird im \u201eRitter\u201c zum 79. Geburtstag Bismarcks ein <em>\u201eerhebendes Fest\u201c <\/em>gefeiert. <em>\u201eOberamtsrichter S\u00fcffert weist darauf hin, da\u00df wir mit freudigem Herzen diesen Tag begehen k\u00f6nnen, da der Kaiser dem F\u00fcrsten die Hand zur Vers\u00f6hnung gereicht habe.\u201c <\/em>Der von STADTPFARRER WEITBRECHT&nbsp;verfasste Reimtext des Telegramms an den Jubilar lautet:<br><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe029.jpg\"><br><\/a><br>Zum 80. Geburtstag Bismarcks am 1. April 1895 wird auf Anordnung des Gro\u00dfherzogs geflaggt und die Schule geschlossen. Im \u201eRitter\u201c findet wieder ein Festbankett statt. In Anspielung auf dessen Geburtsdatum wird in der Festrede vom <em>\u201eMann, der uns nicht in den April geschickt habe\u201c<\/em> gesprochen und darauf hingewiesen, <em>\u201eda\u00df man an anderer Seite dem Ereignis kalt und st\u00f6rrisch gegen\u00fcberstehe, da\u00df vor allem die Jugend sich nicht beteilige\u201c. <\/em>Dennoch wird festgestellt: <em>\u201eWir d\u00fcrfen annehmen, da\u00df unter den vielen Festversammlungen, die zu Ehren Bismarcks gehalten wurden, diese eine der wohlgelungensten war.\u201c<\/em> Der Text des an den Jubilar abgeschickten abermaligen Telegramms lautet:<em> \u201eF\u00fcrst Bismarck, Friedrichsruh! Dem Vater des Vaterlandes, dem Stolz des deutschen Manns, w\u00fcnschen Gl\u00fcck und Segen heut und allerwegen. Die festlich versammelten Bewohner von Wimpfen.\u201c<\/em> Als stark drei Jahre sp\u00e4ter die Nachricht vom am 30. Juli 1898 erfolgten Ableben des Altreichskanzlers Bismarck im Alter von 83 Jahren eintrifft, sendet der Stadtvorstand die nachstehende Beileidsadresse ab:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe030.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"132\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe030-1024x132.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-427\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe030-1024x132.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe030-150x19.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe030-300x39.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fe030-768x99.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Feststellung, dass man <em>\u201ean anderer Seite dem Ereignis kalt und st\u00f6rrisch gegen\u00fcberstehe\u201c<\/em>, erkl\u00e4rt sich damit, dass seit dem Fall des Sozialistengesetzes im Jahr 1890 in Wimpfen die Sozialdemokratische Partei und die Aktivit\u00e4ten ihrer Anh\u00e4nger sich in m\u00e4chtigen Anstieg befanden und immer wieder Auseinandersetzungen mit diesen teils heftiger Art mit dem b\u00fcrgerlichen Lager heraufbeschworen. Mit Feuereifer zeigten sich vor allem Vertreter aus den Reihen der hessischen Beamtenschaft in der Zeitung und in der sonstigen \u00d6ffentlichkeit bem\u00fcht, die \u201esozialistischen Irrlehren\u201c zu widerlegen. Mehr dar\u00fcber jedoch an sp\u00e4terer Stelle in Kapitel J.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;<\/strong>[1] Ungenannter Verfasser (Festschrift), 1933, S. 6 (Abschnitt: Aus der Vereinschronik des Jubilars)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 2006, S. 172<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 32<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 24<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 32<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Regierungsblatt 1875, S. 102<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> Scheible, Erich, 2009, S. 128 \u2013 129<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Scheible, Erich, 2009, S. 136 \u2013 137<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> Im Besitz von Elfriede und Helmut Klenk, Albert-Maier-Str. 15, Bad Wimpfen am Berg<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> Annette Clau\u00df, 2016, S. 23<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> Ungenannter Verfasser (Festschrift), 1933, S. 6 und 7 (Abschnitt: Aus der Vereinschronik des Jubilars)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 9<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> Vorlage zur Verf\u00fcgung gestellt von Otto Maisenh\u00e4lder<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> Ungenannter Verfasser, 1914, S. 11<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[15]<\/a> Kemmer, Karl, 1897, S. 29<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[16]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 35<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[17]<\/a> Ungenannter Verfasser, 1914, S. 11<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[18]<\/a> Ungenannter Verfasser, 1914, S. 12<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[19]<\/a> Ungenannter Verfasser, 1914, S. 12 und 13<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\">[20]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 39<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref21\" name=\"_edn21\">[21]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 53<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref22\" name=\"_edn22\">[22]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 27<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref23\" name=\"_edn23\">[23]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 38<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref24\" name=\"_edn24\">[24]<\/a> Entnommen: Knodt, Manfed 1989, S. 115 und 117<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref25\" name=\"_edn25\">[25]<\/a> Knodt, Manfred, 1989, S. 116 \u2013 118<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref26\" name=\"_edn26\">[26]<\/a> Ungenannter Verfasser, Meyers <em>Gr.<\/em> Konversations-Lexikon, 1907, Geschichte des Gro\u00dfherzogtums Hessen, S. 273<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref27\" name=\"_edn27\">[27]<\/a> Knodt, Manfred, 1985, S. 9 \u2013 18 (Europas F\u00fcrstlichkeiten und ihre Beziehungen zu Gro\u00dfherzog Ernst Ludwig)<\/p>\n\n\n\n<p>Knodt, Manfred, 1985, Innenseite des Buchumschlags: Abstammung von Gro\u00dfherzog II. von Hessen (auszugsweise)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref28\" name=\"_edn28\">[28]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 74<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref29\" name=\"_edn29\">[29]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 50<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref30\" name=\"_edn30\">[30]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 61<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref31\" name=\"_edn31\">[31]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 69<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref32\" name=\"_edn32\">[32]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 67<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref33\" name=\"_edn33\">[33]<\/a> Haberhauer, G\u00fcnther, 1999, S. 71<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref34\" name=\"_edn34\">[34]<\/a> Krockow, Christian Graf von, 1997, S. 358 \u2013 360<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref35\" name=\"_edn35\">[35]<\/a> Aus Wikipedia, der freien Enzyklop\u00e4die: Friedrich Wilhelm Fritzsche<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref36\" name=\"_edn36\">[36]<\/a> D\u00fcrr, Friedrich, Band 1, 1986, S. 452<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref37\" name=\"_edn37\">[37]<\/a> Die auf den Reichstagswahlkreis 7 Worms-Heppenheim-Wimpfen bzw. den Wahlbezirk Wimpfen bezogenen Wahlergebnisse sind entnommen:<br>Klein, Thomas, 1995, S. 331 bzw. 323. Die von der \u201eWimpfener Zeitung\u201c angegebenen etwas abweichenden Stimmenzahlen f\u00fcr den Wahlkreis sind unter der \u00dcbersicht kommentierend vermerkt. Die auf das Deutsche Reich in seiner Gesamtheit bezogenen Zahlenangaben sind &#8211; genau wie die meisten der vielen an anderen Stellen aufgef\u00fchrten allgemeinen Fakten \u00fcber die Reichstagswahlen &#8211; entnommen:<br>Wikipedia, der freien Enzyklop\u00e4die (Gesamt-Thematik: Reichstagswahlen 1871 \u2013 1912)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DAS WIRKEN DES WIE \u00dcBERALL DEM DEUTSCH-FRANZ\u00d6SISCHEN KRIEG ENTWACHSENEN KRIEGERVEREINS MIT DER ALLJ\u00c4HRLICHEN FESTLICHEN BEGEHUNG DES SEDANTAGES UND AUCH DES TAGES DER SCHLACHT BEI GRAVELOTTE, DAZUHIN DIE WIEDERGR\u00dcNDUNG DES TURNVEREINS HEBEN AUF DIE PFLEGE DER ERINNERUNG AN DEN ERRUNGENEN SIEG UND DES DANKERF\u00dcLLTEN GED\u00c4CHTNISSES DER GEFALLENEN SOWIE DES WEHRGEDANKENS AB; HINZU TRITT DURCH DIE IM &hellip; <a href=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/band_3_1870-1918\/startseite\/f-wehr-und-herrscher-kult\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">F. 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