{"id":367,"date":"2015-04-07T11:45:13","date_gmt":"2015-04-07T09:45:13","guid":{"rendered":"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/?page_id=367"},"modified":"2016-09-10T15:21:27","modified_gmt":"2016-09-10T13:21:27","slug":"zeitperiode-iii-1832-1847","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/anmerkungen\/hauptteil\/zeitperiode-iii-1832-1847\/","title":{"rendered":"Zeitperiode III (1832 \u2013 1847)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Entwicklung eines Planes der Emporf\u00fchrung zum Bade- und Fremdenort und Realisierung desselben durch Schaffung des Mathildenbades sowie Durchf\u00fchrung weitreichender Reformen durch Hessen<\/strong><\/p>\n<p>Ausf\u00fchrliche Zeittafel<\/p>\n<table style=\"height: 3509px;\" width=\"604\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"80\">1832<\/td>\n<td width=\"452\">Erhebung des Landratsbezirks Wimpfen-K\u00fcrnbach zum Kreisamtsbezirk unter Leitung des aus Darmstadt gekommenen Kreisrats Ludwig Friedrich Hallwachs, des an die Stelle des verstorbenen Franz Joseph Weyland getretenen Landrichters Friedrich Heinrich Leopold Eigenbrodt und des Steuerrezeptors Heinrich Beecke, der sein Amt des Landrats verliert.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1833<\/td>\n<td width=\"452\">Erkl\u00e4rung der Durchgangsstra\u00dfe von der Untereisesheimer zur Rappenauer Grenze zur Provinzialstra\u00dfe mit der Zahlung entsprechender Beitr\u00e4ge in die Provinzialkasse nach \u00fcber Jahre gehenden Gegenpetitionen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1834<\/td>\n<td width=\"452\">Verkauf der romanisch-gotischen Pfalzkapelle, bestes Zeugnis der K\u00f6nigspfalz-Geschichte, an einen Privaten<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1835<\/td>\n<td width=\"452\">Aufhebung der Torsperre durch das hessische Innenministerium als Beginn der endg\u00fcltigen (1839 abgeschlossenen) Entfestigung mit dem Verlust der 3 Haupttore und der meisten Mauer- und Zwingert\u00fcrme sowie der Wehrg\u00e4nge. Die Schulden sind seit 1802\/03 von 150.000 fl durch Sparsamkeit und besseres Wirtschaften auf 25.000 fl gesunken.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1836<\/td>\n<td width=\"452\">Dienstantritt nach dem Tod von Kreisrat Hallwachs durch den bis 1848 amtierenden Kreisrat Ferdinand Franz Joseph Freiherr von Stein zu Lausnitz. Er\u00f6ffnung des von Maurer- und Salinenwerkmeister Friedrich Riedling errichteten \u201eWimpfener Soolenbades\u201c. Ernennung von Gemeinderat Friedrich Riedling zum B\u00fcrgermeister durch die Staatsregierung, obgleich Friedrich Reichardt die Wahl gewinnt. Landgerichtsaktuar Friedrich Heid: \u201eGeschichte der Stadt Wimpfen\u201c mit Darlegung der beh\u00f6rdlichen Entwicklungsplanung. Entfernung der langen Dachkandeln und Hauserker, Verputzung der Fachwerkh\u00e4user in den Hauptstra\u00dfen per Anweisung des rigid-dirigistischen neuen Kreisrates Ferdinand Joseph Freiherr von Stein, au\u00dferdem fortlaufend Ge- und Verbote desselben zur Entfernung bzw. Abdeckung der Misten und Jauchegruben, Frei- und Sauberhaltung der Gassen und Pl\u00e4tze von Schutt, Holz, W\u00e4gen, Federvieh sowie zur Geordnetheit, Ruhe sowie Verbesserung der Wege u. v. a. m.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1837<\/td>\n<td width=\"452\">\u00dcberf\u00fchrung des \u201eWimpfener Soolenbades\u201c in eine Aktiengesellschaft von 24 haupts\u00e4chlich hohen Staatsbeamten der Residenz Darmstadt, Aktion\u00e4ren der Saline, \u00f6rtlichen passiven und aktiven Gemeinde- und Kreisbeamten. Zerst\u00f6rung der historischen Struktur der Pfalzkapelle durch Umbau zu zwei Bauernanwesen mit Wohnungen, Scheuer, Stall.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1838<\/td>\n<td width=\"452\">Zur Beseitigung der \u201edr\u00fcckenden Ungleichheit\u201c soll wieder <span style=\"text-decoration: underline;\">jeder<\/span> B\u00fcrger 1 Klafter Scheit- und 200 B\u00fcschel Reisholz erhalten, was aus Holzmangel (wegen der Einf\u00fchrung der Hochwaldwirtschaft) zur Notwendigkeit der Zahlung teilweisen Geldersatzes zwingt. Das \u201eWimpfener Soolenbad\u201c erh\u00e4lt den Namen \u201eMathildenbad\u201c zu Ehren der hessischen Erbgro\u00dfherzogin. Erwerbung der Klausur des ehemaligen Dominikanerklosters durch die Stadt f\u00fcr den Umbau zu Schulr\u00e4umen und Lehrerwohnungen. Gr\u00fcndung einer st\u00e4dtischen Hospital-Spar- und Leihkasse durch Initiative von Landrichter Eigenbrodt zum Schutz vor Wucher. Gr\u00fcndung einer Poststelle mit regelm\u00e4\u00dfigem Kutschverkehr Richtung Heilbronn, Heidelberg und Mosbach. Anf\u00e4nge des von Blaut\u00fcrmer und Stadtmusikus Christian Heuerling gegr\u00fcndeten \u201eSingvereins\u201c.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1839<\/td>\n<td width=\"452\">Fertigstellung des beim Roten Turm an der Stadtmauer in klassizistischem Stil errichteten Bezirksgef\u00e4ngnisses. Beginn der Bebauung (der 1843 vollendeten) \u201eNeuen Stadtanlage\u201c rechts vor dem abgerissenen Speyrer Tor. Rettung der abzurei\u00dfen gedachten Cornelienkirche durch Spendenaufrufe des jungen Pfarrverwalters Zimmermann.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1840<\/td>\n<td width=\"452\">Bezug des neuen Rathauses am Platz des abgebrochenen alten Fachwerk-Rathauses von 1562 mit oben Kreisrats-Amtswohnung und gro\u00dfem angeblich 600 B\u00fcrger fassendem B\u00fcrgerversammlungs-, Rats- und gleichzeitig Landgerichtssaal.\u00a0Beginn der Unterbringung aller Schulen im Kloster mit Einrichtung einer Elementar- und einer Industrieschule.\u00a0Besuch von Erbgro\u00dfherzog Ludwig (ab 1848: Gro\u00dfherzog Ludwig III.) sowie bald danach von Erbgro\u00dfherzogin Mathilde.\u00a0Beginn der Vermessung der Parzellen durch hessische Geometer und Schaffung von die Lagerb\u00fccher von 1817\/20 abl\u00f6senden Grundb\u00fcchern sowie eines ma\u00dfstabgenauen Parzellenbrouillon-Kartenwerks.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1842<\/td>\n<td width=\"452\">Wegen seiner beh\u00f6rden- und mathildenbadfreundlichen Amtsf\u00fchrung wird Friedrich Riedling als B\u00fcrgermeister abgel\u00f6st durch Buchbinder Christian Bischoff. Riedling \u00a0gr\u00fcndet die\u00a0\u201eHeilbronner Leinwandbleiche&#8220; durch Verlegung derselben nach Wimpfen in die Erbach. \u00a0Beginn der\u00a0Abl\u00f6sung der staatlichen, st\u00e4dtischen und gro\u00dfteils sonstigen Grundrenten durch Abkauf in zu verzinsenden Raten. Er\u00f6ffnung der R\u00e4derdampfbootschifffahrt auf dem unteren Neckar; Landungsbr\u00fccke unterhalb des Mathildenbades.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1846<\/td>\n<td width=\"452\">Abermalige \u201eStadterweiterung&#8220; durch Ausbau und rechtsseitige Weiterbebauung der \u201eKlostergasse\u201c = sp\u00e4tere \u201eSchulstra\u00dfe\u201c. Gr\u00fcndung eines \u201eTurnvereins\u201c durch Friedrich Riedling, der am Allgemeinen Deutschen Turnfest in Heilbronn teilnimmt. Nach vorausgegangenen Misserntejahren epidemisches Einsetzen der \u201eKartoffelf\u00e4ule\u201c und damit Beginn neuer Not- und Teurungszeit.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1847 ff.<\/td>\n<td width=\"452\">Viele \u201eh\u00e4ssliche Auftritte\u201c und \u201egro\u00dfe allgemeine Unzufriedenheit\u201c wegen der infolge der hessischen Reformma\u00dfnahmen auf das Dreifache gestiegenen j\u00e4hrlichen Ausgaben (1833: 20.000 fl, 1843: 62.000 fl) sowie der durch die Explosion der Armenunterst\u00fctzungen auch verdreifachten Schulden (1844: 61.000 fl), auch der laufend vom Kreisamt geforderten Erh\u00f6hung der Umlagen (1847: rund 4.500 fl gegen\u00fcber fr\u00fcher 1.200 fl) sowie der durch die Hochwaldwirtschaft von den staatlichen Forstbeh\u00f6rden eingeschr\u00e4nkten Holzhiebmengen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<ul>\n<ul>Die Zeitperiode III beginnt mit der 1832 verf\u00fcgten Erhebung des Landratsbezirks Wimpfen-K\u00fcrnbach zum Kreisbezirk, dem statt fr\u00fcher 2 nun 3 hessische Beamte vorstehen, n\u00e4mlich der r\u00fchrige und besonders t\u00fcchtige Kreisrat Ludwig Friedrich Hallwachs, nach dem damals erfolgten Tod des Landrichters Weyland der Landrichter Friedrich Heinrich Leopold Eigenbrodt sowie der jetzt vom Amt des Landrates enthobene Steuerrezeptor Heinrich Beecke. Der zuvor \u00fcber ein Jahrzehnt lang im Bezirk Darmstadt als Landrat t\u00e4tig gewesene und damit auch erfahrene Kreisrat Hallwachs sch\u00e4tzt mit kritischem analysierenden Blick zusammen etwa auch mit Hofrat Majer<\/ul>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>die \u201eMoralit\u00e4t\u201c und<\/li>\n<li>den Bildungs- und Gesundheitszustand der Einwohnerschaft,<\/li>\n<li>die Ordnung und Sauberkeit in den Gassen und auf den Pl\u00e4tzen als tiefstehend,<\/li>\n<li>den Ort als Hort des Aberglaubens,<\/li>\n<li>die Jugend als vielfach durch Erziehungsm\u00e4ngel \u201everwahrlost\u201c ein.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Und die hessische Kreis- und Regierungsbeh\u00f6rde sieht sich dadurch veranlasst, eine Art Programm der Hinf\u00fchrung ihrer Exklave Wimpfen in eine bessere Zukunft zu entwickeln. Dieses stellt Landgerichtsaktuar Friedrich Heid in seinem 1836 auf eigene Kosten herausgebrachten Werk (der ersten Stadtgeschichte Wimpfens) \u201eDie Geschichte der Stadt Wimpfen\u201c heraus und umfasst die folgenden Zielpunkte:<\/p>\n<ul>\n<li>als Zentralpunkt die Schaffung einer <span style=\"text-decoration: underline;\">Badeanstalt<\/span> im Hinblick auf die Vorz\u00fcge Wimpfens (Sole, Landschaft, Kunstdenkm\u00e4ler, Geschichte),<\/li>\n<li>die Gr\u00fcndung einer <span style=\"text-decoration: underline;\">Sparkasse<\/span> sowie<\/li>\n<li>einer mit einer <span style=\"text-decoration: underline;\">Arbeitsanstalt verbundenen Armenpflege<\/span>,<\/li>\n<li>eines <span style=\"text-decoration: underline;\">neuen Rathauses<\/span>,<\/li>\n<li>eines <span style=\"text-decoration: underline;\">neuen Schulhauses<\/span>,<\/li>\n<li>eines verbesserten <span style=\"text-decoration: underline;\">Verbindungsweges zum Forst<\/span>; au\u00dferdem soll<\/li>\n<li>die Hebung der <span style=\"text-decoration: underline;\">Religion und guten Sitten<\/span> angestrebt werden; auch wird<\/li>\n<li>der <span style=\"text-decoration: underline;\">Schleifung<\/span> der die Stadt einengenden und verfinsternden <span style=\"text-decoration: underline;\">Mauern und T\u00fcrme<\/span> (Entfestigung) das Wort geredet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um sich ein Bild vom ernstlichen zielgerichteten Wollen der Beh\u00f6rden machen zu k\u00f6nnen, sei<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-13.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-534 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-13-1015x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"666\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abbildung 13: Der letzte Abschnitt von \u201eDie Geschichte der Stadt Wimpfen\u201c von Amtsgerichtsaktuar J. Heid (1836)<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>wiedergegeben, in dem die Hauptpunkte des hessischen Entwicklungsprogrammes zusammengefasst sind. Wenn Heid hier feststellt, dass der Stadt <em>\u201ebedeutende pecuni\u00e4re Mittel zu Gebote sind\u201c <\/em>und an anderer Stelle meint, dass Wimpfen keine arme Stadt mehr und in der Lage sei, diese Zielsetzungen zu erreichen, so hat er insofern recht, als die Schulden der Stadt sich durch Sparsamkeit und gute Verwaltung in den nunmehr stark 3 Jahrzehnten hessischer Zeit kolossal von rund 150.000 fl im Jahr 1802\/03 auf rd. 25.000 fl im Jahr 1835 vermindert haben.<\/p>\n<p>Bei der Umschau nach einem f\u00fcr die Einrichtung einer Badeanstalt geeigneten Mann findet sich der unternehmungsfreudige Maurermeister, Gemeinderat und Salinenwerkmeister Friedrich Riedling, der am h\u00f6chsten Punkt der Stadt an der bereits 1820 aufgebrochenen Stadtmauer \u00fcber dem Haag nahe der Stadtkirche das im Fr\u00fchjahr 1836 er\u00f6ffnete \u201eWimpfener Soolenbad\u201c errichtet. Durch dieses beginnt f\u00fcr Wimpfen der Aufbruch in die neue Zeit des Bade- und Fremdenortes. Diese schrittmachende Einrichtung hat uns gl\u00fccklicherweise der begabte taubstumme Lithograf und Sch\u00f6pfer vieler Ansichten von malerischen Pl\u00e4tzen des Neckar-Unterlandes der Biedermeierzeit Fritz Wolff aus Heilbronn (1807 \u2013 1850) in seinem in der<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-14.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-533 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-14-1024x423.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"273\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 14: \u201eSoolbad Wimpfen\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>wiedergebenen Blatt des Jahres 1836 \u00fcberliefert. Es f\u00fchrt uns das oben auf der Terrasse des Bades und in dessen Anlagen am Haag sowie auf den lauschigen Spazierwegen an dessen Hang und unten auf dem Neckar beim Badeh\u00e4uschen sowie auch auf dem Fluss in Form von Bootsfahrten damals in Wimpfen eingekehrte bunte Badeleben vor Augen, au\u00dferdem das genau so wie die Landschaft als reizvoll empfundene althergebrachte Tun der Schiffsreiter und Fl\u00f6\u00dfer. Dieses l\u00e4sst uns aber auch sp\u00fcren, wie einschneidend sich durch den Bau der vielgliedrigen langgestreckten \u201eBad-Anstalt\u201c die grandiose historische Stadtsilhouette an ihrer Westflanke ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>Widerst\u00e4nde und Bedenken bez\u00fcglich der beh\u00f6rdlich ins Auge gefassten Entfestigung werden durch die mit Wirkung vom 1. 4. 1835 vom hessischen Innenministerium kurzerhand verf\u00fcgte Aufhebung der Torsperre \u00fcberspielt. Der beim Gemeinderat und bei der B\u00fcrgerschaft vorhandenen ablehnenden Haltung und den Skrupeln sucht Kreisrat Hallwachs mit der folgenden amtlichen Stellungnahme zu begegnen:<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026 Es ist wahrhaft l\u00e4cherlich, dass hier die Tore und besondere Torw\u00e4rter auf Kosten der Stadt unterhalten werden, da solche keinen Heller eintragen, und jeder, der mit dem Geist der Zeit voranschreitet, einsehen wird, dass hier nur finstere Vorurteile obwalten k\u00f6nnen. Neben bedeutender Kostenersparnis wird die Stadt bei der Kassierung der Tore ein freundlicheres Aussehen, Licht und Luft gewinnen, die Erweiterung der Stadt durch Neubauten wird weniger Anstand unterliegen und durch Entfernung der Tore weiter bezweckt werden, dass die so sehr mangelnden Scheuern vor den Toren aufgef\u00fchrt und dadurch neben Abwendung von Feuersgefahr noch manche \u00dcbelst\u00e4nde beseitigt werden. Auch wird die \u00dcbernahme der Stra\u00dfe von der Rappenauer bis zur Untereisesheimer Grenze von Seiten des Staats weniger Anstand finden, wenn die Tore und mit ihnen die geh\u00e4ssige Torsperre beseitigt werden, wie dies in allen unseren kleinen Landst\u00e4dten, durch welche eine Staatsstra\u00dfe ziehet, geschehen ist. So gut diese und noch gr\u00f6\u00dfere St\u00e4dte ohne Tore bestehen k\u00f6nnen, wird es auch in Wimpfen der Fall sein und der etwaige Einwurf n\u00e4chtlicher Unsicherheit durch polizeiliche Ma\u00dfregeln wie anderen Orten entfernt werden k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dadurch ist der die Stadt umgebende mittelalterliche Bering (Stadtbefestigung) endg\u00fcltig \u00fcberfl\u00fcssig und wird die 1835\/36 begonnene Entfestigung eingeleitet, die 1839 als so gut wie abgeschlossen gelten kann. Wie der Vergleich des in der<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-15.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-532 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-15-1024x978.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"630\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abbildung 15: \u201eStadtbefestigung von Wimpfen am Berg um 1820 auf der Basis des unma\u00dfst\u00e4blichen Stadtplans von 1696\u201c\u00a0<\/strong>(Anmerkung: Die Pfeilf\u00fchrung zwischen \u201eJudenturm\u201d und\u00a0\u201eNonnent\u00fcrmchen\u201d bedeutet, dass hier eine Verwechslung vorliegt, d. h. die Namen gegenseitig ausgetauscht werden m\u00fcssen.)<\/li>\n<\/ul>\n<p>dargestellten ungef\u00e4hren damaligen Zustandes derselben mit deren heute noch vorhandenen Resten erkennen l\u00e4sst, geht Wimpfen, nachdem bereits 1827 der \u201eSiehdichf\u00fcr\u201c (Zwingerturm \u00fcber dem westlichen Feuersee) wegen Einsturzgefahr abgerissen worden ist, jetzt folgender Teile seiner Stadtbefestigung verlustig:<\/p>\n<ul>\n<li>aller drei inneren Stadttore: Oberes (Speyrer) Tor mit Turm, Mittleres (Heilbronner) Tor mit dem bis auf den Durchgang dezimierten Bierturm, Unteres Tor;<\/li>\n<li>des oberen Layertores;<\/li>\n<li>der Mehrzahl der Mauert\u00fcrme: Schergenturm, S\u00e4uturm, Nonnent\u00fcrmchen, Judenturm, Predigerturm, Katharinent\u00fcrmchen, Sch\u00fctzenturm;<\/li>\n<li>des letzten noch vorhandenen Zwingerturms: Storchst\u00fcrmchen;<\/li>\n<li>des n\u00f6rdlichen der 3 Halbrondellt\u00fcrmchen (Schalent\u00fcrme) vor dem Speyrer Tor;<\/li>\n<li>s\u00e4mtlicher offenen Wehrg\u00e4nge der Stadtmauer und<\/li>\n<li>weiter Partien der Stadtmauer, die nunmehr vielfach an H\u00f6he mehr oder minder vermindert bzw. auf der Westseite am langen Schiedgraben v\u00f6llig beseitigt wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Verschont bleiben lediglich:<\/p>\n<ul>\n<li>die drei T\u00fcrme der ehemaligen K\u00f6nigspfalz im Burgviertel: Blauer Turm, Roter Turm, Schwibbogenturm;<\/li>\n<li>von den Vortoren und -t\u00fcrmen: das untere Layertor mit seitlichem Rondellturm;<\/li>\n<li>von den Stadtmauert\u00fcrmen: das in den Wimpfener Solbadbau integrierte (1951 leider dem Neubau des Mathildenbades zum Opfer gefallene) Schneckent\u00fcrmchen und das N\u00fcrnberger T\u00fcrmchen;<\/li>\n<li>das Bollwerk mit Seitent\u00fcrmchen;<\/li>\n<li>die zwei Schalent\u00fcrmchen vor dem ehemaligen Speyrer Tor.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die aus sp\u00e4terer Sicht durch die Entfestigung erfolgte schwere Besch\u00e4digung des mittelalterlichen Antlitzes der Stadt relativiert sich insofern, als manche T\u00fcrme (siehe die im Plan mit \u201eR\u201c bezeichneten) sowie gewisse Bereiche des Wehrgangs und der Stadtmauer selbst h\u00f6chst ruin\u00f6s und im Laufe der vorausgegangenen Jahrzehnte wegen Einsturzgef\u00e4hrung, wie z. B. der Bierturm und der Sch\u00fctzenturm nach dem gro\u00dfen Brand des Jahres 1788, bereits teildezimiert gewesen sind, so dass 1830 im Gemeinderat die folgende &#8211; sicherlich zutreffende &#8211; Klage gef\u00fchrt wird: \u201e<em>Ein gro\u00dfer Teil unserer Stadtmauer vor allem an der Schied, am Feuersee und gegen das Ochsenloch geben das Bild einer erst vor kurzem im Sturm eroberten Stadt.\u201c <\/em>\u00dcberdies d\u00fcrfte eine Wiederherstellung schon aus finanziellen Gr\u00fcnden in Anbetracht des hohen Grades des Zerfalls und der Zerst\u00f6rung damals gar nicht mehr leistbar gewesen sein.<\/p>\n<p>Dass hinter dem \u201eWimpfener Soolenbad\u201c, das sp\u00e4testens 1838 zu Ehren der hessischen Erbgo\u00dfherzogin den Namen \u201eMathildenbad\u201c erh\u00e4lt, au\u00dfer der Saline Ludwigshalle AG vornehmlich aktive und auch pensionierte hohe und h\u00f6chste hessische Beamte der Justiz, der Verwaltung und des Gesundheitwesens der Residenzstadt Darmstadt und auch Wimpfens stehen, das zeigt der Kaufvertrag, nach dem Friedrich Riedling 1837 zum Kaufpreis von 24.000 fl die Badeanlage an eine Gesellschaft von zwei Dutzend Aktion\u00e4ren verkauft. Diese sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Geheimer Rat Schenk zu Darmstadt,<\/li>\n<li>Oberfinanzrat Schenk daselbst,<\/li>\n<li>Oberappellationsgerichtsrat Hesse daselbst,<\/li>\n<li>Geheimer Rat Kekule daselbst,<\/li>\n<li>Medizinalrat Dr. Hut daselbst,<\/li>\n<li>Medizinalrat Dr. Stegmaier daselbst,<\/li>\n<li>Medizinalrat Dr. Leidhecker daselbst,<\/li>\n<li>Hofgerichtsadvokat Volhardt daselbst,<\/li>\n<li>Hofgerichtspr\u00e4sident Minigerode daselbst,<\/li>\n<li>Ministerialrat Hallwachs daselbst,<\/li>\n<li>Gr\u00e4fin von Waldner Freudenstein zu Mannheim,<\/li>\n<li>Hofrat Majer zu Wimpfen,<\/li>\n<li>Ratsschreiber Speidel von Neckarsulm,<\/li>\n<li>Verwaltung der Saline Ludwigshalle dahier,<\/li>\n<li>Salineadminstrator Graeser dahier,<\/li>\n<li>Kreisrat Freiherr von Stein dahier,<\/li>\n<li>Salinekassier Breuning dahier,<\/li>\n<li>Gewesener B\u00fcrgermeister Christian Langer dahier,<\/li>\n<li>Kreisratsaktuar Voerg dahier,<\/li>\n<li>Salinesekret\u00e4r Sell dahier,<\/li>\n<li>Gro\u00dfherzogl. Physikatsrat Dr. Walter von hier,<\/li>\n<li>K\u00f6niglich W\u00fcrttemb. Hauptmann N. Hofmann zu Neckarsulm,<\/li>\n<li>Kaufmann I. M. Beringer von Heilbronn.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Unter diesen befindet sich u. a. auch der tatkr\u00e4ftige 37-j\u00e4hrige Kreisrat Ferdinand Joseph Freiherr von Stein zu Lausnitz, der nach dem unerwarteten Tod von Kreisrat Hallwachs 1836 das Wimpfen-K\u00fcrnbacher Kreisamt \u00fcbernommen hat und mit ebenso zielgerichteter wie energischer, dirigistischer Hand die von seinem Vorg\u00e4nger \u00fcbernommene Entwicklung Wimpfens zum Bade- und Fremdenort weiterf\u00fchrt und die meisten Planziele (au\u00dfer der wegen der Skepsis und des Widerstands des Gemeinderats nicht zustande gekommenen Arbeitsanstalt sowie dem Ausbau der Forststra\u00dfe) in weniger als einem Jahrzehnt realisiert.<\/p>\n<p>Dies geschieht in engster Zusammenarbeit und Abstimmung mit Friedrich Riedling, der sich 1836 zusammen mit dem seit 1831 amtierenden B\u00fcrgermeister und Rosenwirt Friedrich Reichardt zur Wahl als B\u00fcrgermeister stellt, diese zwar mit 322 zu 96 Stimmen verliert, jedoch von der Staatsregierung unter Anwendung ihres Auswahlrechts wider das Votum der B\u00fcrgerschaft zum B\u00fcrgermeister ernannt wird und ab 1837 f\u00fcr 6 Jahre amtiert. Dies geschieht in solch enger gleichgerichteter Abstimmung mit dem neuen Kreisrat Freiherr von Stein, dass dieser Zeitraum des Zusammenwirkens ins Bewusstsein der Zeitgenossen wie der Epigonen als die \u00c4ra \u201eStein und Riedling\u201c eingeht.<\/p>\n<p>Nicht nur dass das Bad, wenngleich die P\u00e4chter \u00f6fters wechseln, bald <em>\u201ein gutem Flor<\/em>\u201c steht und es in der Residenz Darmstadt vor allem Mode wird und \u201e<em>zum guten Ton geh\u00f6rt\u201c<\/em>, dieses im Sommer zu besuchen, und dies auch 1840 in kurzem Abstand zun\u00e4chst Erbgro\u00dfherzog Ludwig und dann Erbgro\u00dfherzogin Mathilde, die Namengeberin, allerdings nur durch Kurzbesuche, tun. Sondern das Bad erringt gegen\u00fcber den auf der Grundlage ihrer Salinen entstandenen anderen Solb\u00e4dern der Dreil\u00e4nderecke Offenau, Rappenau und Jagstfeld nicht zuletzt durch seine exzellente Lage und wegen des von vielen namhaften Reiseschriftstellen (z. B. Gustav Schwab) in dieser Zeit des Sp\u00e4tbiedermeier aufkommenden Neckar-Tourismus\u2019 viel gepriesenen mittelalterlichen Flairs der Stadt die Spitzenposition. Z. B. kommt dies darin zum Ausdruck, dass Bierbrauer Karl Stein (Sohn des fr\u00fcheren Wimpfener Rechtskonsulenten Stein) aus Siegelsbach das Mathildenbad im Titel seines Neckarf\u00fchrers des Jahres 1843 ganz besonders herausstellt: \u201eDer Neckar von Heilbronn bis Heidelberg mit besonderer R\u00fccksicht auf Wimpfen und die \u00fcbrigen Soolb\u00e4der Jagstfeld und Offenau\u201c.<\/p>\n<p>Was dann nach einer \u00fcber Jahrzehnte gegangenen Stagnation des Neubauwesens in wenigen Jahren an Neu- sowie Umbauten au\u00dfer dem Mathildenbad (auch zur Schaffung fehlender Arbeit) in dieser \u00c4ra entsteht und den Einzug einer neuen Zeit in die Mauern Wimpfens signalisiert, das kann hier nur stichwortartig (teilweise wiederholend) aufgez\u00e4hlt werden:<\/p>\n<ul>\n<li>1838-1843: Die \u201eNeue Stadtanlage\u201c rechts vor dem Speyrer Tor mit Erschlie\u00dfung durch die (sp\u00e4tere so genannte) Feuerseestra\u00dfe;<\/li>\n<li>1838\/39: das Bezirksgef\u00e4ngnis beim Roten Turm;<\/li>\n<li>1838\/39: das neue Rathaus mit Amtswohnung des Kreisrats und gro\u00dfem Gemeinde- und gleichzeitig Landgerichtssaal;<\/li>\n<li>ab 1840: Umbau der von der Landesherrschaft erworbenen Klausur des ehem. Dominikanerklosters zur Gewinnung von Schuls\u00e4len f\u00fcr die Unterbringung aller r\u00e4umlich v\u00f6llig unzureichend ausgestatteten vorhandenen Schulen, so der Evangelischen (deutschen) Schule, der Katholischen (deutschen) Schule und der Lateinschule, der (zur dringend notwendigen Trennung der j\u00fcngeren von den \u00e4lteren Sch\u00fclern jetzt neu eingerichteten) sog. Elementarschule sowie der nunmehr geschaffenen sog. Industrieschule f\u00fcr die Unterrichtung der M\u00e4dchen in Haus- und Handarbeit, au\u00dferdem zur Einrichtung von Lehrerwohnungen;<\/li>\n<li>1846\/47: die zum Zwinger und Graben an der Schied hin erfolgte \u201eStadterweiterung\u201c rechterhand der im Streckenbereich der dort abgebrochenen Stadt- und Zwingermauer geschaffenen \u201eKlostergasse\u201c (der sp\u00e4teren \u201eSchulstra\u00dfe\u201c).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als Negativa wegen der Vernichtung wertvoller historischer Bausubstanz sind \u00fcber die Entfestigung hinaus anzuf\u00fchren:<\/p>\n<ul>\n<li>1837\/38: der Abriss des alten Fachwerk-Rathauses des Jahres 1562 mit seiner doppelten und z. T. \u00fcberdachten Freitreppe;<\/li>\n<li>1834 bzw.1837: die Ver\u00e4u\u00dferung der Pfalzkapelle durch die Stadt an einen Privaten und der durch diesen unter weitgehender Zerst\u00f6rung ihres romanisch-gotischen \u00c4u\u00dferen und Inneren erfolgte Umbau zu zwei Bauernanwesen mit Wohnung, Stall und Scheuer;<\/li>\n<li>ab ca. 1837: die von Kreisrat Freiherr von Stein zur Verdeckung ihres Alters und aus feuerpolizeilichen Gr\u00fcnden verf\u00fcgte Anbringung von <em>\u201ePutz und Bewurf\u201c<\/em> an den Fachwerkh\u00e4usern sowie die Entfernung der <em>\u201eVorspr\u00fcnge\u201c<\/em> (gemeint: der historischen alemannischen und fr\u00e4nkischen Hauserker) in der Langen Stra\u00dfe (der sp\u00e4teren Hauptstra\u00dfe);<\/li>\n<li>von den ebenfalls zu entfernenden \u00fcberlangen in die Lange Stra\u00dfe hineinragenden und den Spott der Fremden herausfordernden Dachkandeln weniger zu reden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auf der anderen Seite vollziehen sich aber auch bauliche Positiva, so:<\/p>\n<ul>\n<li>1839: Rettung der zerfallenden unbenutzten und urspr\u00fcnglich f\u00fcr den Abriss und Verwendung als Baumaterial f\u00fcr das Rathaus vorgesehenen Cornelienkirche durch das Eintreten (insbesondere Aufruf f\u00fcr Spenden) des jungen evangelischen Pfarrverwalters Zimmermann;<\/li>\n<li>1840: Um ein Haar w\u00e4re der kreisr\u00e4tliche Befehl realisiert worden, sogar den durch den Bau des Bezirksgef\u00e4ngnisses seines Zweckes verlustig gehenden \u201eStaufersturm\u201c (Schwibbogenturm) abzurei\u00dfen, wenn sich der Gef\u00e4ngnisbau nicht verz\u00f6gert und die Stadt nach dem R\u00fcckkauf des Turmes einen Interessenten f\u00fcr den <em>\u201eKauf auf Abriss\u201c<\/em> h\u00e4tte finden k\u00f6nnen;<\/li>\n<li>1837\/38 oder auch schon etwas fr\u00fcher: die Freilegung der zugemauerten und nicht mehr ausmachbaren Kaiserpfalz-Arkaden auf Veranlassung von B\u00fcrgermeister Friedrich Riedling.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als die wesentlichsten Neuerungen des Verkehrs-, des Armen-, des Zeitungswesens, der Kulturpflege, des Landbaus etc. sind zusammenfassend anzuf\u00fchren:<\/p>\n<ul>\n<li>1837: die Schaffung eines eigenen \u201eWochenblatts f\u00fcr Wimpfen und Umgebung und die umliegenden Orte\u201c, das allerdings nach einem halben Jahr wegen zu geringer Abonnentenzahl wieder eingeht, so dass man auf die fr\u00fchere L\u00f6sung der Bekanntgabe der kreis- und gemeindeamtlichen Bekanntmachungen im Heilbronner Amts- und Intelligenzblatt zur\u00fcckkehrt;<\/li>\n<li>1837\/38 ff.: die schrittweise Verbesserung des Vizinalstra\u00dfennetzes;<\/li>\n<li>1838: die Gr\u00fcndung eines \u201eSingvereins\u201c durch den (auf Empfehlung des Erbgro\u00dfherzogs eingestellten ehemaligen \u201eGro\u00dfherzoglichen Hautboisten I. Klasse und Hofchoristen\u201c aus Darmstadt) Blaut\u00fcrmer und Stadtmusikus Christoph L. Heuerling;<\/li>\n<li>1838: die Einrichtung der Post mit regelm\u00e4\u00dfigem Postkutschenverkehr Richtung Heilbronn, Heidelberg und Mosbach, bis 1851 geleitet von Postexpeditor Wilhelm K\u00e4uffelin, dann bis 1862 von Postverwalter Heinrich Fuldner, bis 1863 von Philipp Graulich, bis 1887 von Wilhelm Schmehl;<\/li>\n<li>1838: die Gr\u00fcndung einer Hospital-Spar- und Leihkasse zur F\u00f6rderung des Sparens und vor allem auch des Schutzes der Wenigbemittelten vor Wucher;<\/li>\n<li>1839 \u2013 1842: der einer Provinzialstra\u00dfe gerecht werdende Ausbau der von der Untereisheimer zur Rappenauer Grenze f\u00fchrenden Hauptverbindungsstra\u00dfe durch Verbreiterung und Neuchaussierung auf Staatskosten (Neupflasterung des durch Wimpfen am Berg f\u00fchrenden Abschnitts etwas sp\u00e4ter);<\/li>\n<li>1840: Einf\u00fchrung einer ersten bescheidenen auf die Hauptverkehrspunkte beschr\u00e4nkten Stra\u00dfenbeleuchtung mittels \u00d6llampen;<\/li>\n<li>1840 \u2013 1844: die Neuvermessung der Parzellen durch den hessischen Geometer Philipp Zaubitz und Schaffung neuer sog. Grundb\u00fccher;<\/li>\n<li>vor und nach 1840: die Anpflanzung von Schatten spendenden B\u00e4umen an vielen Stra\u00dfen, Wegen und auf Pl\u00e4tzen;<\/li>\n<li>1842: der Bau einer Landungsbr\u00fccke unterhalb des Mathildenbades als Anlegem\u00f6glichkeit f\u00fcr die in diesem Jahr auf dem Neckar zwischen Heilbronn und Heidelberg\/Mannheim er\u00f6ffnete regelm\u00e4\u00dfige R\u00e4derdampfboot-Schifffahrt, wobei die Stadt Wimpfen von der Betreibergesellschaft angebotene Aktien zeichnet;<\/li>\n<li>1842 \u2013 1844 ff.: die Abl\u00f6sung der staatlichen sowie dieser folgenden kommunalen und kirchlichen sowie anderen Natural- und Geldgrundrenten durch Abkauf in mit Zinsen von 4 \u2013 6 % belasteten Raten als Grundvoraussetzung f\u00fcr eine freiere Bewirtschaftung des Bodens mit der L\u00f6sung vom herrschenden Flurzwang und der einengenden (verbesserten) Dreifelder(wechsel)wirtschaft;<\/li>\n<li>1845 oder 1846: Gr\u00fcndung eines \u201eTurnvereins\u201c, der an dem gro\u00dfen \u201eAllgemeinen Deutschen Turnfest\u201c des Jahres 1846 in Heilbronn teilnimmt, durch Friedrich Riedling;<\/li>\n<li>1846: die Ausstattung der bislang nur per Ruder hin- und herbewegten \u201eFahrn\u00e4he\u201c (Kahnf\u00e4hre) unter dem Eulenberg mit einem Kettenwerk sowie deren Vergr\u00f6\u00dferung zur Verbesserung des Verkehrs zwischen beiden Ufern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das ver\u00e4nderte Gesicht der Stadt nach der Teilentfestigung der 2. H\u00e4lfte der 1830er Jahre sowie nach Schaffung der Vorstadt im Nordwesten vor dem einstigen Speyrer Tor in den beginnenden 1840er Jahren sowie die in Planung befindliche Teilbebauung des Schiedgrabens gibt die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-16.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-531 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-16-726x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"931\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 16: Wimpfen am Berg. Erster ma\u00dfst\u00e4blicher Stadtplan nach den Parzellenbrouillons von 1840 \u2013 43\/44 (Verkleinerte Darstellung im Ma\u00dfstab 1 : 3 000 &#8211; Grundst\u00fccks- und Geb\u00e4udebestand des n\u00f6rdlichen Abschnitts des Schiedgrabens, lediglich den damaligen Planungsstand darstellend)<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>wieder, wo die verschont gebliebenen Teile der Stadt- und Burgbefestigung schwarz herausgehoben sind.<\/p>\n<p>Was \u00fcber die dem Votum der B\u00fcrger hohnsprechende Einsetzung von Friedrich Riedling als B\u00fcrgermeister sowie den Zwang der Verputzung der Fachwerkh\u00e4user und Erker-Beseitigung in der hinteren und vorderen Langgasse hinaus insbesondere den mit Ackerbau und Viehzucht befassten Einwohnern missf\u00e4llt und diese immer wieder enorm ver\u00e4rgert, das ist die Kette kreisamtlicher und vom B\u00fcrgermeister unterst\u00fctzter Verf\u00fcgungen, die nie abrei\u00dfen, haupts\u00e4chlich in Verbote und Gebote gekleidet, mit Strafandrohungen und -ma\u00dfnahmen verbunden sind und die als \u201ePublikandum\u201c \u00fcber B\u00fcttel und Aushang am Rathaus bekannt gemacht werden. Diese dienen in den Augen der Bev\u00f6lkerung vornehmlich den Interessen des Mathildenbades und der Wimpfen nunmehr wachsend bev\u00f6lkernden \u201eFremden\u201c und beziehen sich haupts\u00e4chlich auf die Problembereiche der Sauberhaltung, der Ordnung, der Ruhe, der freien ungest\u00f6rten Passage, der Sicherheit in den Stra\u00dfen und Gassen der Stadt und umfassen vor allem:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Entfernung oder zumindest die Schlie\u00dfung der Dung- und Jauchegruben sowie das Verbot ihrer Leerung und der Abf\u00fchrung von Dung und Jauche untertags;<\/li>\n<li>die Freihaltung der Gassen und Pl\u00e4tze von Unrat, Schutt, Bauernw\u00e4gen und anderen landwirtschaftlichen Ger\u00e4tschaften sowie sperrigen Dingen wie Holz u. a. m.;<\/li>\n<li>das regelm\u00e4\u00dfige S\u00e4ubern und Freihalten der Gassen von Schnee und Eis;<\/li>\n<li>das Verbot des freien Umherlaufenlassens von Federvieh, Hunden, Vieh und Pferden zum Tr\u00e4nken an die Brunnen, des \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Peitschenknallens, des n\u00e4chtlichen L\u00e4rmens, des Unfugs und L\u00e4rmens auf den Wegen und in den Anlagen des Bads, des Steine- und Schneeballwerfens;<\/li>\n<li>die Heranziehung der Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer zur Herstellung von Spazierwegen;<\/li>\n<li>die kostentr\u00e4chtige Bepflanzung der Wege mit Schatten spendenden B\u00e4umen;<\/li>\n<li>des unregistrierten Beherbergens von Fremden in Wirtschaften und u. v. a. m.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auf Missfallen und auch Konkurrenzneid st\u00f6\u00dft das Mathildenbad auch bei den Wimpfener \u201eGastgebern\u201c (Wirten, die M\u00f6glichkeiten der \u00dcbernachtung bieten), darunter insbesondere solchen mit in den 1830er Jahren geschaffenen gr\u00f6\u00dferem Saal f\u00fcr Gastlichkeiten, so dem Ritterwirt Schlegel und dem vom B\u00fcrgermeisteramt relegierten Rosenwirt Reichardt. Nur so ist es zu verstehen, dass bei der 1842 anstehenden B\u00fcrgermeisterwahl Friedrich Riedling, der weiterhin unternehmungsfreudig in der Erbach eine gro\u00dfartige Bleichanstalt in der Nachfolge der als \u201eHeilbronner Bleichanstalt\u201c ber\u00fchmten dortigen Blae\u00df\u2019schen Bleiche eingerichtet hat, nicht mehr zum Zug kommt und durch den Buchbinder Christian Bischoff abgel\u00f6st wird.<\/p>\n<p>Doch scheint dies dem jungen Bad, gest\u00fctzt insbesondere durch die im Jahr 1842 er\u00f6ffnete Neckardampfschifffahrt, noch keinen gro\u00dfen Abbruch zu tun, zumal der Dampfbootverkehr f\u00fcr ein Jahrzehnt die noch fehlende Eisenbahnverbindung zwischen Stuttgart\/Ludwigsburg und Heidelberg\/Mannheim \u00fcber das 1848 zudem an die Bahn angeschlossene Heilbronn ersetzt und den in dieser Zeit des aufkommenden burgen-, geschichts- und reiseschw\u00e4rmerischen Tourismus der Sp\u00e4tbiedermeierzeit vom bereits \u201eentdeckten\u201c Heidelberg her in das untere bis mittlere Neckartal schlagartig m\u00e4chtig bef\u00f6rdern hilft. Hierzu sei aus der Flut der jetzt entstehenden und sich haupts\u00e4chlich der neuen bildnerischen Techniken der Lithografie und des Stahlstichs bedienenden Darstellungen der Wimpfener Stadtsilhouette, die wachsend viele Bewunderer findet, wiederum eine solche von Fritz Wolff herausgegriffen:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-17.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-530 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-17-1024x595.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"383\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 17: Wimpfen am Berg mit dem Mathildenbad und auf dem Neckar anlegendem R\u00e4derdampfschiff im Vorder- sowie der Saline und Wimpfen im Tal im Hintergrund (fr\u00fchestens 1842)<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein R\u00fcckgang des Zuspruches von G\u00e4sten bahnt sich f\u00fcr das Mathildenbad 1845\/46 jedoch mit dem Einbruch der schlimmen Kartoffelkrankheit (Kartoffelknollenf\u00e4ule) und auch sonstigen neuerlichen Misserntejahren an, wodurch wiederum eine schwere allgemeine wirtschaftliche Depression mit allen schon geschilderten Begleiterscheinungen eintritt und in Wimpfen im Jahr 1847 <em>\u201egro\u00dfe allgemeine Unzufriedenheit\u201c<\/em> herrscht und sich <em>\u201eh\u00e4ssliche Auftritte\u201c<\/em> im Gemeinderat ereignen. Die Hauptursachen: Die Schulden der Stadt sind nicht nur durch die nunmehr wieder explodierenden Armenlasten, sondern auch durch die hessischen Reformma\u00dfnahmen auf das Dreifache (1833: 20.000 fl &#8211; 1843: 62.000 fl) vor dem Beginn derselben gestiegen. Und zum Ausgleich fordert das Kreisamt nunmehr mit 4.500 fl fast das Vierfache der zuvor \u00fcblich und immer verhasst gewesenen 1.200 fl j\u00e4hrlichen \u201eAusschl\u00e4ge\u201c (von den B\u00fcrgern zu leistende Umlagen), w\u00e4hrenddem die hessischen Forstbeh\u00f6rden sich gegen\u00fcber dem dauernden Dr\u00e4ngen der R\u00e4te auf Extraf\u00e4llungen in den Waldungen als \u00c4quivalent f\u00fcr die finanziellen besonderen Anforderungen sowie die Befriedigung der vielfach aus Holzmangel mit Geld abgefundenen \u201eLosholzberechtigten\u201c fast immer unnachgiebig zeigen.<\/p>\n<p>Wir kommen nunmehr zur Zeitperiode IV:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entwicklung eines Planes der Emporf\u00fchrung zum Bade- und Fremdenort und Realisierung desselben durch Schaffung des Mathildenbades sowie Durchf\u00fchrung weitreichender Reformen durch Hessen Ausf\u00fchrliche Zeittafel 1832 Erhebung des Landratsbezirks Wimpfen-K\u00fcrnbach zum Kreisamtsbezirk unter Leitung des aus Darmstadt gekommenen Kreisrats Ludwig Friedrich Hallwachs, des an die Stelle des verstorbenen Franz Joseph Weyland getretenen Landrichters Friedrich Heinrich Leopold &hellip; <a href=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/anmerkungen\/hauptteil\/zeitperiode-iii-1832-1847\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Zeitperiode III (1832 \u2013 1847)<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":96,"menu_order":7,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/367"}],"collection":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=367"}],"version-history":[{"count":30,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/367\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":735,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/367\/revisions\/735"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/96"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=367"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}