{"id":389,"date":"2015-04-07T12:56:39","date_gmt":"2015-04-07T10:56:39","guid":{"rendered":"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/?page_id=389"},"modified":"2016-11-29T10:46:51","modified_gmt":"2016-11-29T09:46:51","slug":"zeitperiode-iv-1848-1870","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/anmerkungen\/hauptteil\/zeitperiode-iv-1848-1870\/","title":{"rendered":"Zeitperiode IV (1848 \u2013 1870)"},"content":{"rendered":"<p><strong>R\u00fcckschlage f\u00fcr die Reformen Hessens durch die Revolutionsereignisse und R\u00fcckzug auf die weitere Intensivierung der von der gro\u00dfen fruchtbaren Gemarkung her sich bietenden Grundgegebenheiten des Ackerbaus und der Viehzucht.<\/strong><\/p>\n<p>Ausf\u00fchrliche Zeittafel<\/p>\n<table width=\"484\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"80\">1848<\/td>\n<td width=\"450\">Ein Gro\u00dfbrand in der Nacht vom 11. zum 12. Januar im Nordwestbereich des Burgviertels vernichtet 11 Wohnh\u00e4user, 5 Scheuern sowie den barocken Dachaufbau und die Innenstruktur des Blauen Turms (Wiederaufbau erst 1851\/52). Praktischer Arzt Dr. Heinrich Walter: Das Mathildenbad in Wimpfen am Neckar. Auseinandersetzungen der Stadt mit dem Mathildenbad zur Verlegung der Schiffsanl\u00e4nde lauerw\u00e4rts zugunsten des Ritterwirts. Stadt- und Hospitaleinnehmer Friedrich V\u00f6rg wird Opfer der Volkswut und zum R\u00fccktritt gezwungen. Kreisrat Freiherr von Stein sieht sich im Zuge der Revolutionsereignisse veranlasst, von Wimpfen zu scheiden. Der Bezirk Wimpfen wird im Zuge einer Umstrukturierung der Verwaltungsbeh\u00f6rden der von Dr. Peter Camesasca geleiteten Regierungskommission Erbach unterstellt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1849<\/td>\n<td width=\"450\">Badische und w\u00fcrttembergische Radikale versuchen im Juli vergebens, durch die Vereinigung badischer Freischarenverb\u00e4nde mit w\u00fcrttembergischen Volks- und Turnerwehren in Wimpfen von dort die badische Mairevolution nach W\u00fcrttemberg zu tragen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1849\/50<\/td>\n<td width=\"450\">Friedrich Riedling, der Protagonist des Mathildenbades und fr\u00fchere B\u00fcrgermeister und jetzt Betreiber der Bleichanstalt in der Erbach, entweicht schuldenhalber nach Amerika.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1851<\/td>\n<td width=\"450\">Die Regierung erl\u00e4sst, nachdem 1848 die Dom\u00e4nenverwaltung den Abbruch des \u201enutzlosen\u201c Kreuzgangs beantragt hat, das Verbot, diesen zu demolieren, da er die Stiftskirche gegen Fluten und Eis des Neckars sch\u00fctze.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1852<\/td>\n<td width=\"450\">Die Neuordnung der hessischen Regierungs- und Verwaltungsbeh\u00f6rden l\u00e4sst den selbstst\u00e4ndigen Kreisbezirk Wimpfen trotz des Votums des Gemeinderats f\u00fcr den Anschluss an den Kreis Heppenheim\/Bergstra\u00dfe bestehen (Kreisrat Dr. Friedrich Gustav Spamer). Schwerer R\u00fcckschlag f\u00fcr die Pl\u00e4ne der Hinentwicklung zum Bade- und Fremdenort durch den Verkauf des Mathildenbads durch die vorwiegend hessischen Aktion\u00e4re an Karl Friedrich H\u00e4berlen f\u00fcr nur 14.500 fl.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1854<\/td>\n<td width=\"450\">Aufsehen erregende Gro\u00dfaktion der Expedierung von 162 Ortsarmen und Unterst\u00fctzungsempf\u00e4ngern nach Nordamerika (nach New York und insbesondere nach New Orleans) unter B\u00fcrgermeister Dietrich Barth auf Gemeindekosten<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1855<\/td>\n<td width=\"450\">Weiterverkauf des Mathildenbades f\u00fcr 12.000 fl an den fr\u00fcheren P\u00e4chter Gastwirt Anton M\u00fcller aus Heidelberg, der dieses allm\u00e4hlich wieder zu Ansehen und zur Steigerung seines inneren Wertes bringt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1855<\/td>\n<td width=\"450\">Gro\u00dfherzoglicher Physikatsrat Dr. Karl Weigand: Beschreibung des Mathildenbades zu Wimpfen am Neckar<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1856<\/td>\n<td width=\"450\">Abhaltung eines gro\u00dfen landwirtschaftlichen Festes mit Preispfl\u00fcgen und Viehpr\u00e4mierung zur F\u00f6rderung der Landwirtschaft<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1857<\/td>\n<td width=\"450\">Beginn der Renovierung des immer wieder nur notd\u00fcrftig da und dort teilsanierten Stiftskirchenkomplexes<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1857<\/td>\n<td width=\"450\">Die gro\u00dfherzogliche Anordnung der F\u00fchrung von Ortschroniken durch die Geistlichen beider Konfessionen ruft eine wichtige zus\u00e4tzliche Geschichtsquelle ins Leben.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1860 ff<\/td>\n<td width=\"450\">Stetige Konsolidierung der wirtschaftlichen und sozialen Verh\u00e4ltnisse insbesondere auch durch die Einf\u00fchrung der landwirtschaftlichen Sonderkulturen des Tabak- und Zuckerr\u00fcbenanbaus<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1863<\/td>\n<td width=\"450\">Dauerhafte L\u00f6sung der in hessischer Zeit durch Einschr\u00e4nkung des Holzhiebkontingents im Zuge der Hochwaldwirtschaft sowie die gestiegene Zahl der B\u00fcrger immer wieder mit dem Fiskus heftig umstrittenen Losholzfrage durch die abermalige Einschr\u00e4nkung der Zahl der Losholzberechtigten auf 475<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1864<\/td>\n<td width=\"450\">Im September h\u00e4lt sich der gro\u00dfe Maler von Szenen der kleinst\u00e4dtisch-sp\u00e4tbiedermeierlichen Idylle Carl Spitzweg in Wimpfen auf.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1865<\/td>\n<td width=\"450\">Die Ver\u00f6ffentlichung der volkskundlichen Charakterskizze von Wilhelm Heinrich Riehl \u201eEin Gang durchs Taubertal\u201c leitet die \u201eEntdeckung\u201c von Rothenburg ob der Tauber ein und bef\u00f6rdert auch die allgemeine Wertsch\u00e4tzung und das Bekanntwerden von Wimpfen als geschichts- und kunstgeschichtstr\u00e4chtiger Ort.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1866<\/td>\n<td width=\"450\">Eduard Paulus: \u201eEin Gang durch Wimpfen\u201c als wegweisender Aufsatz in den \u201eSchriften des W\u00fcrttembergischen Altertumsvereins\u201c<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1868<\/td>\n<td width=\"450\">Gr\u00fcndung eines &#8211; allerdings nur kurze Zeit t\u00e4tigen &#8211; \u201eVersch\u00f6nerungsvereins\u201c zur F\u00f6rderung Wimpfens als Bade- und Fremdenort<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1869<\/td>\n<td width=\"450\">Er\u00f6ffnung der Eisenbahn Meckesheim-Jagstfeld mit dem historistisch-neugotischen Bahnhof, dem Eisenbahnviadukt \u00fcber den Ausgang des Morschbachtals und der Jagstfelder Eisenbahnbr\u00fccke<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1869<\/td>\n<td width=\"450\">Verkauf des Mathildenbades an Theodor Hammer aus Buchen (Restgrundst\u00fccke 1878) f\u00fcr 24.000 fl<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1870<\/td>\n<td width=\"450\">Pfarrverwalter Ludwig Frohnh\u00e4user: \u201eGeschichte der Reichsstadt Wimpfen \u2026\u201c, erste wissenschaftliche Be- arbeitung der Stadtgeschichte; Gro\u00dfherzog Ludwig III. gewidmet<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1870<\/td>\n<td width=\"450\">Dr. August von Lorent: \u201eWimpfen am Neckar. Geschichtlich und topographisch \u2026 dargestellt\u201c, schafft eine erste Kunstgeschichte Wimpfens; dazu ein Fotoalbum und dar\u00fcber hinaus eine umfassende fotografische Dokumentation der Stadtvedute und \u201epittoresken\u201c Bauwerke und Bauensembles der Berg- und der Talstadt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1870<\/td>\n<td width=\"450\">Nach dem Tod von Dr. Gustav Spamer \u00fcbernimmt die Leitung des Kreises Wimpfen Regierungsrat Carl Fuhr.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Und so mutet im Nachhinein der in der eiskalten Nacht vom 11. auf 12. Januar 1848 im Nordwestbereich des Burgviertels w\u00fctende Gro\u00dfbrand, bei dem 11 Wohnh\u00e4user und 5 Scheuern sowie der barocke Dachaufbau des Blauen Turmes samt seiner Innenstruktur ein Opfer der Flammen werden, wie ein Menetekel der in diesem Jahr in den L\u00e4ndern des Deutschen Bundes ausgebrochenen Revolution an. Zun\u00e4chst kommt es im Fr\u00fchjahr dieses Jahres in Wimpfen zu so etwas wie einer Kampfansage gegen das Mathildenbad, deren Verantwortliche den Gemeinderat wiederholt vergeblich bitten, den maroden H\u00e4ldenweg und den zur Schiffsanlegestelle unterhalb des Mathildenbades f\u00fchrenden H\u00e4ldenpfad sowie den schlechten Zustand der vor allem die zarten Damenf\u00fc\u00dfe nicht vor N\u00e4sse sch\u00fctzenden Dampfschiff-Landungsbr\u00fccke zu verbessern. Stattdessen kommt der Gemeinderat beim Kreisamt um die Genehmigung ein, die Landungsbr\u00fccke weiter aufw\u00e4rts zum Lauer hin verlegen zu d\u00fcrfen, und gibt als Begr\u00fcndung an, nicht allein den Interessen des Bades, sondern auch denen des Ritterwirts Schlegel dienen zu m\u00fcssen. Dieses f\u00fchrt zu dem kuriosen Zustand, dass nunmehr zeitweise zwei Landungsbr\u00fccken bestehen, das R\u00e4derdampfschiff \u201eWilhelm\u201c beim Anlanden an die unzureichende neue Br\u00fccke ein Leck bekommt und schlie\u00dflich die Stadt ihre Br\u00fccke wieder abbaut.<\/p>\n<p>Das Ende vom Lied ist, dass mit dem Ausbruch der Revolutionsunruhen Kreisrat Freiherr von Stein, um Schlimmerem als den veranstalteten n\u00e4chtlichen \u201eKatzenmusiken\u201c und Drohgeb\u00e4rden zu entgehen, es im Mai 1848 vorzieht, <em>\u201evon Wimpfen zu<\/em> <em>scheiden\u201c<\/em> und sich nach Darmstadt in Sicherheit zu begeben. Da wohl keiner der hessischen Kreisbeamten vor und nach ihm tiefer mit der Fortentwicklung Wimpfens verbunden ist als dieser, sei in der<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-18.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-529 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-18-789x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"857\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abbildung 18: Freiherr von Stein (1800 \u2013 1875), Kreisrat in Wimpfen von 1836 \u2013 1848<\/strong>,<\/li>\n<\/ul>\n<p>dessen fotografisches Konterfei gezeigt, das wohl als fr\u00fchestes Beispiel der auf Wimpfen bezogenen Personenfotografie anzusehen ist.<\/p>\n<p>Wenngleich bei der Masse der Bev\u00f6lkerung sicherlich nicht beliebt, eher mehr oder minder gehasst, bleibt in der Honoratioren- und Beamtenschicht Wimpfens sein Andenken bis weit \u00fcber seinen Tod im Jahre 1875 in Darmstadt hinaus erhalten. Und in deren Erinnerung gilt von Stein nichtsdestotrotz als ein <em>\u201ebeliebter\u201c<\/em> hessischer Beamter, dem durch seine unerm\u00fcdliche und segensreiches T\u00e4tigkeit zum Wohle der Stadt, so f\u00fcr die Volkswohlfahrt (Gr\u00fcndung der Post und der Sparkasse), f\u00fcr den Fortschritt durch die Schaffung von Licht und Luft, Ordnung und Reinlichkeit, auch f\u00fcr die Verdienste um die Gr\u00fcndung des Mathildenbades, trotz der vielen Anfechtungen und Anfeindungen Anerkennung und Dank geb\u00fchre.<\/p>\n<p>Jetzt &#8211; im August 1848 -, nachdem die Volkswut den Eintreiber der Steuern und Ausst\u00e4nde, den Stadt- und Hospitaleinnehmer Friedrich V\u00f6rg, aus dem Amt bef\u00f6rdert hat, wagt es der Gemeinderat, an die nunmehr f\u00fcr Wimpfen (nach kurzem Gastspiel von Kreisratsvikar Melior) zust\u00e4ndige &#8211; unter der Leitung des liberaleren Direktors Dr. Camesasca stehenden &#8211; Regierungskommission Erbach\/Odenwald eine <em>\u201eBeschwerde eines gro\u00dfen Teils der Einwohner zu Wimpfen gegen die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung des vorherigen Kreisrats Freiherr von Stein und des ehemaligen<\/em> <em>Gro\u00dfherzoglichen B\u00fcrgermeisters Riedling\u201c <\/em>abzuschicken. Ob zu Recht oder zu Unrecht beschuldigt, jedenfalls kann diese Beschwerde gegen die beiden mehr oder minder verhassten M\u00e4nner im Nachhinein nichts mehr bewirken. Mit dem Abgang von Kreisrat von Stein in Verbindung mit der vorausgegangenen Ausschaltung Riedlings ist das Mathildenbad jedoch ihrer besten Protektoren beraubt. Und so kommt es 1852 dazu, dass die Aktiengesellschaft hoher hessischer Beamter sowie der Saline angeh\u00f6render Amtstr\u00e4ger das Mathildenbad um sage und schreibe nur 14.500 fl an Karl Friedrich H\u00e4berlen zu Kleingartach ver\u00e4u\u00dfert, aus dessen H\u00e4nden es 1855 um nur noch 12.000 fl &#8211; Zeichen des Abstiegs &#8211; auf Gastwirt Anton M\u00fcller aus Heidelberg \u00fcbergeht.<\/p>\n<p>Mitverantwortlich oder gar erstrangig ma\u00dfgeblich f\u00fcr diesen in Anbetracht der fr\u00fcheren Kaufsumme von 20.000 fl miserablen Verkauf erscheint freilich die Tatsache, dass als Folge der vielj\u00e4hrigen wirtschaftlichen Depression, gesteigert durch die Ereignisse der gescheiterten 1848\/49er Revolution, die Gesch\u00e4fte zur\u00fcckgegangen und die Konkurse auf ein nie gekanntes Ma\u00df angestiegen sind. Selbst mancher der bislang besonders erfolgreichen Gesch\u00e4ftsinhaber &#8211; wie zum Beispiel der Heilbronner Kunstg\u00e4rtner und Gestalter der Anlagen des Mathildenbades Philipp Pfau &#8211; wird in den Ruin getrieben. Sicherlich war auch der am 13. Juni 1849 auf Wimpfen am Berg so pl\u00f6tzlich hereingebrochene (um die Worte des samt dem Gemeinderat in dieser Unruhezeit neu gew\u00e4hlten B\u00fcrgermeisters Tierarzt Johann Dietrich Barth zu gebrauchen) <em>\u201e\u00dcberfall\u201c<\/em> badischer revolution\u00e4rer Freischaren sowie w\u00fcrttembergischen B\u00fcrger- und Turnerwehren des Neckar-Unterlandes unter dem Pf\u00e4lzer Prediger Heinrich Loose und dem polnischen Oberst Kapicky, der das hessische Wimpfen als Ausgangspunkt des Hineintragens der badischen Mairevolution ins W\u00fcrttembergische zum Ziele hat, alles andere als geeignet, den unter dem P\u00e4chter Badwirt Gottfried Daeffler immer schleppender werdenden Gesch\u00e4ftsgang des Bades verbessern zu helfen. Immerhin l\u00e4sst es sich der 1848 zun\u00e4chst zum Mitregenten und nach dem baldigen Tod des Wimpfen nie seines Besuches beehrenden Vaters zum Gro\u00dfherzog Ludwig III. gewordene fr\u00fchere Erbgro\u00dfherzog nach dem Ausklang der Revolution 1849 nicht nehmen, der Stadt und dem Bad einen Besuch abzustatten und dort nach dem Rechten zu sehen, d. h. sich der Akzeptanz der hessischen und landesherrlichen Regentschaft zu versichern.<\/p>\n<p>Wenn dann nach den Revolutionsjahren aber die Wimpfener beim Fasnachtstreiben den &#8211; wie so viele in Not gekommene Menschen damals &#8211; schuldenhalber angeblich nach Amerika gefl\u00fcchteten und ebenfalls in den (formell im Fr\u00fchjahr 1851) Konkurs (wegen angeblich auch zu aufwendigem Lebensstil und aus welchen anderen Gr\u00fcnden auch immer) geratenen Friedrich Riedling als Figur im Sarg durch die Stadt tragen, so steht dieses makabre Spiel der Volksh\u00e4me eigentlich symbolisch daf\u00fcr, dass die Entwicklungspl\u00e4ne der Landesmutter Hessen zu Grabe getragen sind. Dass die Reformen die in Wimpfen herrschende Not an Arbeit und Verdienst sowie die vom Besitzb\u00fcrgertum als bedrohend empfundene weiter wachsende Schar der Armen bzw. Verarmten nicht zu beseitigen vermocht haben, das zeigt die 1854\/55 von der Stadt mit einem Kostenaufwand von 12.290 fl durchgef\u00fchrte Massenaktion der Expedierung von 162 Einwohnern nach Nordamerika (29 nach New York, 133 nach New Orleans), die den Wimpfenern wiederum &#8211; \u00e4hnlich wie bei ihrer \u201eHolzrevolution\u201c des Jahres 1783 unr\u00fchmlichen Angedenkens &#8211; manchen Tadel und Spott der Presse eintr\u00e4gt. N\u00e4heres dar\u00fcber l\u00e4sst sich nachlesen in: Erich Scheible, Wimpfen in der Revolution 1848\/49, Band 8 (Sonderband) der Reihe Regia Wimpina. Beitr\u00e4ge zur Wimpfener Geschichte, Bad Wimpfen 1998.<\/p>\n<p>Aus heutiger Sicht etwas grotesk mutet auch die Tatsache an, dass bei der &#8211; wie 1815 &#8211; nunmehr wiederum der Reaktion huldigenden Neuordnung der Regierungs- und Verwaltungsbeh\u00f6rden, die dem Exklavenbezirk Wimpfen-K\u00fcrnbach weiterhin die Eigenschaft eines selbst\u00e4ndigen Kreises unter der Leitung von Kreisrat Dr. Gustav Spamer (seit Mai 1852) und des Landrichters Dr. Konrad Heyer (ab 1853 f\u00fcr den im Vorjahr verstorbenen Landrichter Eigenbrodt) zuerkennt, der Gemeinderat sich jedoch, allerdings vergeblich, f\u00fcr den Anschluss an den Kreis Heppenheim an der Bergstra\u00dfe ausspricht. Dahinter steht freilich der Wunsch, anders als in der \u00c4ra Hallwachs und von Stein (man denke an die Amtswohnung des Kreisrates \u00fcber dem Gemeinderatssaal !), den vorgesetzten hessischen Kreisbeamten m\u00f6glichst weit von sich zu haben und damit seiner direkten tagt\u00e4glichen Aufsicht entzogen zu sein.<\/p>\n<p>Unter den Bem\u00fchungen seines neuen sehr r\u00fchrigen und strebsamen Besitzers Anton M\u00fcller gelangt das Mathildenbad mit Unterst\u00fctzung des Kreis- und Badearztes Physikatsrat Dr. med. Karl Theodor Weigand, der 1849 den verstorbenen ehemaligen Mitaktion\u00e4r des Mathildenbades Dr. med. Karl Walter abgel\u00f6st hat, in den ausgehenden 1850er sowie 1860er Jahren wieder zu einigem Ruf und erh\u00f6ht sich dessen innerer Wert. Dazu tr\u00e4gt die allgemein sowie auch in Wimpfen (nicht zuletzt auch wegen des Abklingens der Kartoffelkrankheit) langsam sich einstellende stetige wirtschaftliche Konsolidierung bei, die sich auch in einer kontinuierlichen Abnahme der Schulden (1853: 48.500 fl &#8211; 1867: 27.100 fl) sowie dem leichten Wiederansteigen des Hospitalfonds (1856: 27.268 fl &#8211; 1863: 35.660 fl) manifestiert. Nach langem Hin und Her und vielem emotional gef\u00fchrtem Streit zwischen den Interessengruppen gelingt es 1863 endlich, eine durch die knappe Mehrheit von B\u00fcrger-Unterschriften dauerhafte und einigerma\u00dfen zufrieden stellende L\u00f6sung der Dauerproblematik der Reichung der B\u00fcrgergabe zu finden, nachdem die Zahl der B\u00fcrger von 630 des Jahres 1866 kaum noch zu wachsen verspricht, da die Gesamteinwohnerzahl seit langem stagniert und stetig nicht mehr als um die 3.000 betr\u00e4gt. Eine neue \u201eLosholzordnung\u201c greift auf die nach der Eingliederung der Schutzverwandten in den fr\u00fchen 1820er Jahren eingef\u00fchrte Begrenzung auf 475 Losholzberechtigte zur\u00fcck, wobei den damals nur noch ca. 70 B\u00fcrgern der \u201eengeren Gemeinde\u201c weiterhin 200 statt der \u00fcblichen 100 B\u00fcschel Reisig zugebilligt werden. Neue Versuche einer Erh\u00f6hung der Zahl auf 500 der Jahre 1879 und 1882 sto\u00dfen auf die strikte Ablehnung der hessischen Beh\u00f6rden.<\/p>\n<p>Der Gemeinderat und B\u00fcrgermeister (Tierarzt) Dietrich Barth sowie auch der diesem 1861 nachfolgende B\u00fcrgermeister (Kaufmann) Adolf Friedrich Ernst suchen den Fortschritt erstrangig in der Verbesserung der Landwirtschaft und der Viehzucht. So ist es kein Zufall, dass Ende August 1856 ein Komitee ein gro\u00dfes landwirtschaftliches Fest mit Preispfl\u00fcgen und Viehpr\u00e4mierung und allerlei Lustbarkeiten f\u00fcr Alt bis Jung ausrichtet, zu dem in der Zeitung und durch ein in der<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-19.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-528 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-19-681x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"992\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 19: Bekanntmachung der Abhaltung eines landwirtschaftlichen Festes vom 10. August 1856<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>wiedergegebenes verziertes Druckblatt eingeladen wird. Vor allem aber sieht man im Fortgang der n\u00e4chsten Jahre im Einvernehmen mit den hessischen landwirtschaftlichen sowie Kreisbeh\u00f6rden die beste Zukunft in der nach der Abl\u00f6sung der Getreide-Grundrenten nunmehr offen stehenden Einf\u00fchrung des Zuckerr\u00fcben- und noch mehr des Tabakanbaus. Die letztgenannte dieser viel gutes Geld nach Wimpfen bringenden beiden Sonder- oder Intensivkulturen betreiben ab den 1865er Jahren mindestens an die 300 Erzeuger und somit nicht nur die Bauern, sondern auch viele andere Angeh\u00f6rige der Ackergrund besitzenden oder nach solchem durch Pachtung strebenden Einwohner. Als Abnehmer finden sich die Tabakfabrik Hockenheim bzw. die Zuckerfabrik Wagh\u00e4usel, die auf dem Wasserwege beliefert werden. Liest man in der Pfarrchronik der evangelischen Kirchengemeinde, deren F\u00fchrung 1857 auf Anordnung des Gro\u00dfherzogs den Geistlichen beider Konfessionen zur Pflicht gemacht und nunmehr neben den Gemeinderatsprotokollen eine wichtige zus\u00e4tzliche Quelle der Ortsgeschichte wird, die j\u00e4hrlichen Eintragungen der Pfarrer, so spiegelt sich die vornehmliche Ausrichtung auf die Landwirtschaft in der wachsenden Dominanz der Angaben \u00fcber das Wetter und die Ernteergebnisse wieder. Z. B. hei\u00dft es:<\/p>\n<ul>\n<li>1858 (nach l\u00e4ngeren Angaben \u00fcber die Besetzung der Pfarrer- und Lehrerstellen sowie der Sch\u00fclerzahlen) wie folgt: <em>\u201eEs erfreute sich die Stadt Wimpfen noch nie eines l\u00e4ngeren Aufenthalts eines Gliedes unseres erlauchten Regentenhauses. Der Sommer war ungew\u00f6hnlich trocken, in 4 Monaten fast kein Regen, Quellen versiegten, B\u00e4ume verdorrten, doch war die Ernte reich, es gab namentlich vielen Wein, die Fr\u00fcchte erzielten einen mittelm\u00e4\u00dfigen Preis. Am Anfang des Jahres herrschte die Grippe, fast kein Haus blieb verschont, selbst ganze Familien lagen krank danieder, die Sterblichkeit war gering.\u201c<\/em><\/li>\n<li>1860 (nach einigen Auslassungen \u00fcber die internationale und nationale Politik): <em>\u201eDas ganze Jahr war sehr nass, fast kein Tag war ohne Regen; der Neckar konnte zu jeder Zeit mit Schiffen befahren werde, namentlich die Dampfschifffahrt hatte von Fr\u00fchjahr bis Herbst geregelten Verkehr. Trotzdem gab es eine gute Getreide- und \u00fcberreiche Obsternte. Die B\u00e4ume brachen trotz St\u00fctzen, viel Apfel- und Birnenmost; im Herbst Regen, dann Schnee, dann wieder Regen; am Silvesterabend so viel Schnee, dass Weg zur Kirche kaum begehbar.\u201c<\/em><\/li>\n<li>1864 (u. a.): <em>\u201eZu den haupts\u00e4chlichsten Erzeugnissen Wimpfens, welche zugleich Handelsgew\u00e4chse sind, geh\u00f6ren Tabak und Zuckerr\u00fcben; Tabak 1864 rund 2 000 Zentner \u00e0 22 fl, Zuckerr\u00fcben rund 40 000 Zentner \u00e0 26 kr.\u201c<\/em><\/li>\n<li>1867: <em>\u201eAm 8. April nachmittags zwischen 2 und 3 Uhr brannten 2 Scheunen nieder, sie geh\u00f6rten dem Rosenwirt Klenk und dem Ackersmann Ludwig Neff. Am 25. 6. starkes Gewitter unter ungemein starken Regenf\u00e4llen von \u00bd 2 bis gegen 6 Uhr, richtete nur im Deutschordensland gro\u00dfe Verheerungen an. Das Fr\u00fchjahr war sehr feucht und st\u00fcrmisch, lange nicht gesehene Quellen kamen wieder, der Neckar war sehr gro\u00df. \u00dcberschwemmungen drohten nun. Dann war es heiter, Ende Mai sehr k\u00fchl; Ernte mittelm\u00e4\u00dfig, darum auch sehr gro\u00dfe Not unter den kleinen Leuten. Bettler \u00fcbergenug. Winter 1867\/68 nur kurze Zeit sehr streng, doch hatten die Armen viel darunter zu leiden; der Wein ist unter Erwarten ausgefallen.\u201c<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Im Vordergrund des Bem\u00fchens der Stadtverwaltung der 1860er Jahre steht au\u00dfer der intensiven F\u00f6rderung des Tabak- und Zuckerr\u00fcbenanbaus und deren Absetzung zu gangbaren Preisen an die Abnehmer in der Rheinebene in erster Linie der Anschluss an das Eisenbahnnetz. Die Stadt tut mit Unterst\u00fctzung der Saline im Benehmen mit den hessischen Beh\u00f6rden sowie den anderen zwei tangierten Staaten der \u201eDreil\u00e4nderecke\u201c alles, damit eine ins Auge gefasste Eisenbahnverbindung zwischen Heilbronn und Meckesheim, das 1862 im Zuge der Er\u00f6ffnung der \u201eBadischen Odenwaldbahn\u201d Heidelberg\u2013Mosbach an die Bahn angeschlossen ist, nicht &#8211; wie urspr\u00fcnglich geplant &#8211; \u00fcber Rappenau, Bonfeld, Biberach, Neckargartach, sondern \u00fcber das hessische Wimpfen gef\u00fchrt wird. Dies wird denn auch durch Bittschriften und das gro\u00dfe Opfer eines Beitrags der Stadt Wimpfen von 25.000 fl erreicht. Die Er\u00f6ffnung des letzten fertigen Streckenabschnitts Rappenau\u2013Wimpfen\u2013Jagstfeld kann am 5. August 1869 erfolgen. Der im Stil des herrschenden Historismus und in Anpassung an die historischen Bauten der Stadt merkw\u00fcrdigerweise in die Gestalt einer Kirche gekleidete Bahnhof wird als \u201ePrachtgeb\u00e4ude\u201c empfunden und, wie das Schr\u00e4gbalken-Wappen des Ostgiebels ausweist, zusammen mit dem Wimpfener Streckenabschnitt der auch nach der Reichsgr\u00fcndung autonom bleibenden badischen Eisenbahnverwaltung unterstellt.<\/p>\n<p>Wenn in sp\u00e4teren Jahrzehnten die Lage des Bahnhofs fern des Orts auf engem absch\u00fcssigem Raum am Hang des Eulenbergs an der steilen (bergseits verlegten) steilen Steige im Hinblick auf die mangelnde M\u00f6glichkeit der Industrieansiedlung immer wieder kritisiert und der eifrig f\u00fcr den Bahnbau bem\u00fchte neue Ritterwirt Wilhelm Ludwig V\u00f6rg f\u00fcr die Errichtung des Bahnhofes in n\u00e4chster N\u00e4he seines als eine Art zweites Wimpfener Badhotel eingerichteten Betriebes verantwortlich gemacht wird, so erscheint dies im Blick auf die topografischen Verh\u00e4ltnisse ungerecht. Denn in Anbetracht der ganz erheblichen Niveauunterschiede zwischen den Nachbarbahnh\u00f6fen Rappenau (210 m NN) und Jagstfeld (155 m NN) gab es n\u00e4mlich wohl nichts anderes als die M\u00f6glichkeit, die Strecke in Anpassung an die nat\u00fcrlichen Gegebenheiten und in aufwendigster Weise durch Wechsel von<\/p>\n<ul>\n<li>einerseits m\u00e4chtigen Dammbauten (\u00dcberquerung des Erbachtales, Plateauaufsch\u00fcttung f\u00fcr den Bahnhofbereich, Durchquerung des Neckartales) und Br\u00fccken (Viadukt an der Steige und Eisenbahnbr\u00fccke \u00fcber den Neckar mit Fu\u00dfg\u00e4nger\u00fcbergang) sowie<\/li>\n<li>andererseits gewaltigen Gel\u00e4ndeeinschnitten mit teils hohen St\u00fctzmauern (H\u00e4lde und Haag, Kopfmauern am Viadukt beim Ausgang des Morschbachbachtales, Altenberg)<\/li>\n<\/ul>\n<p>einzurichten und dazwischen den Wimpfener Bahnhof (169 m NN) und diesen nirgendwo anders als an diesen f\u00fcr eine Industrieansiedlung denkbar ung\u00fcnstigen Platz zu setzen. Im \u00dcbrigen war die \u00dcberwindung des Gef\u00e4lles von ca. 55 m nicht anders als durch eine Dehnung des Streckenabschnitts mittels Einlegung eines Bogens \u00fcber Hohenstadt unter N\u00fctzung der sich anbietenden Talungen des Rappenauer Baches und des Erbaches sowie des Neckars m\u00f6glich gewesen, wobei es dennoch nicht zu vermeiden war, dass an H\u00e4lde und Haag ein f\u00fcr Eisenbahnverh\u00e4ltnisse betr\u00e4chtliches Fallen bzw. Steigen der Geleise bestand.<\/p>\n<p>Welch gewaltige Eingriffe in die Naturlandschaft dieser relativ sp\u00e4t erfolgende Eisenbahn-Nebenstreckenanschluss f\u00fcr Wimpfen bringt, kann im Einzelnen hier nicht klargelegt werden. Eine gewisse Vorstellung deren Ausma\u00dfes geben die beiden in der Zeit des Bahnbaus bzw. unmittelbar nach der Beendigung desselben gefertigten Fotografien des Chronisten Wimpfens in Wort und Bild August von Lorent:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-20.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-527 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-20-1024x758.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"489\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 20: Wimpfen am Berg von Wimpfen im Tal her zur Zeit des Bahnbaus mit dem im Entstehen begriffenen Bahnhof (Fotografie aus dem Album von August von Lorent &#8211; ca. 1868) <\/strong>und<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-21.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-526 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-21-1024x747.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"481\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-21-1024x747.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-21-300x219.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 21: Wimpfen am Berg vom Altenberghang her mit Blick \u00fcber das \u201eSalined\u00f6rfle\u201c und das Bahngel\u00e4nde mit Bahnhof und G\u00fcterbahnhof hinweg zum Eulenberg hin (Fotografie aus dem Album von August von Lorent &#8211; 1869)<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Einkehr des Eisenbahnzeitalters in Wimpfen gibt auch die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-525 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-22-1024x592.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"382\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-22-1024x592.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-22-300x173.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 22: \u201ePanorama des Jagstfeld-Wimpfen-Neckar-Thales &amp; der Eisenbahn-Br\u00fccke\u201c, Lithografie, 1868 von Th. Weber und A. Oesterlein<\/strong>,<\/li>\n<\/ul>\n<p>wieder. Die Folge des Eisenbahnbaus ist, dass die antiquierte Treidelschiffahrt auf dem Neckar (siehe das von einem Pferdegespann aufw\u00e4rts gezogene segelbesetzte Treidelschiff!) eine weitere starke Beeintr\u00e4chtigung erleidet und nach der Er\u00f6ffnung der Eisenbahnstrecke Bietigheim-Bruchsal-Mannheim des Jahres 1853 der nur mit Staatsmitteln am Leben gehaltene Dampfr\u00e4derbootverkehr (siehe das talw\u00e4rts fahrende Dampfr\u00e4derboot!) nunmehr endg\u00fcltig zum Erliegen kommt.<\/p>\n<p>Wichtig ist, dass der Bahnbau aus der Sicht des Fremdenverkehrs und der Bef\u00f6rderung der Zuckerr\u00fcben und des Tabaks zu den Abnehmern der Oberrheinischen Tiefebene sowie des Salzes und der ben\u00f6tigten Kohle der Saline bedeutsam ist und wird, obgleich die Saline noch \u00fcber 3 \u00bd Jahrzehnte hinweg ihr Salz und die ben\u00f6tigte Kohle, so weit diese jetzt \u00fcberhaupt mit der Bahn statt mit dem Schiff bef\u00f6rdert werden, \u201eper Achse\u201c die steile Steige hoch zum Bahnhof hin bzw. vom Bahnhof her diese hinab transportieren l\u00e4sst und erst 1904 einen eigenen Bahnanschluss schafft. Bedeutsam ist auch, dass jetzt eine wesentlich verbesserte Verbindung mit den w\u00fcrttembergischen Orten jenseits des Neckars hergestellt ist, wo die Einwohnerschaft Wimpfens vermehrt Arbeit in den sich rasant entwickelnden Fabrikbetrieben von Neckarsulm und Heilbronn sucht und auch findet. Dar\u00fcber sp\u00e4ter mehr! Anzumerken jedoch, dass Wimpfen gerade durch die ungl\u00fcckselige Lage des Bahnhofes von der im Unterl\u00e4nder Raum mit der Vollendung der Hauptdurchgangsstrecken des Bahnbaus immer st\u00e4rker werdenden Welle der Industrialisierung so gut wie ausgeschlossen bleibt, was jedoch sowohl den Bauern als auch der Saline und den Badbetreibern zur Erhaltung gen\u00fcgend billiger Arbeitskr\u00e4fte sowie der Besitzb\u00fcrgerschaft im Blick auf deren Ber\u00fchrungs\u00e4ngste mit der von der \u201eSozialistenseuche\u201c angekr\u00e4nkelten \u201eArbeiterklasse\u201c alles andere als missf\u00e4llt. Das Wenige, was sich an Fabrikbetrieben in Wimpfen, einige Jahrzehnte bleibend, ansiedelt, das ist die Papierfabrik Link\/V\u00f6rg in den Geb\u00e4uden der nahen ehemaligen Herrnm\u00fchle und wechsende kleine Tabakfabrikationen wie die von Betz, sp\u00e4ter Stecher, im Wormser Hof bzw. im Tal, au\u00dferdem die Klosettpapierfabrikation Breuninger.<\/p>\n<p>Gerade im Blick auf den im Gang befindlichen Bahnbau und den Betrieb des \u201eMathildenbades\u201c sowie des \u201eRitter\u201c wird 1868 ein \u201eVersch\u00f6nerungsverein\u201c gegr\u00fcndet und damit erneut ein Impuls in Richtung der Bade- und Fremdenort-Entwicklung zu geben versucht. Dieser Verein will vor allem die Herrichtung von Spazierwegen, Pflanzung Schatten spendender B\u00e4ume sowie Schaffung von Ausruhm\u00f6glichkeiten durch die Aufstellung von B\u00e4nken sowie die Sauberkeit und Ordnung f\u00f6rdern. Der Umstand, dass dieser jedoch bald wieder eingeht, zeigt das fortbestehende mangelnde Interesse der breiten Bev\u00f6lkerung an diesem Zweig der Stadtentwicklung sowie auch der auf die F\u00f6rderung der Landwirtschaft fixierten Stadtverwaltung. Wenigstens ist die hessische Landesherrschaft auch weiterhin bem\u00fcht, die Stiftskirche mit Kreuzgang, die aus der Sicht der Einwohnerschaft nur noch als \u201eDi\u00e4tenkirche\u201c f\u00fcr den dort sein Gnadenbrot empfangenden Benefiziaten angesehen wird, zu erhalten. Denn nachdem 1851 die Regierung ein Verbot des von den Baubeh\u00f6rden ins Auge gefassten Abrisses des Kreuzgangkomplexes zum Schutz der Kirche vor Hochw\u00e4ssern ausgesprochen und davor und danach immer wieder kleine Sch\u00e4den beseitigt hat, setzt 1857 eine bis 1862 gehende Kette dringend notwendiger einzelner Erhaltungsma\u00dfnahmen des \u00c4u\u00dferen (insbesondere die weitere Sicherung der Statik durch den Einbau der fehlenden Strebebogen \u00fcber dem s\u00fcdw\u00e4rtigen Seitenschiff) und Inneren (Ausstattung) ein.<\/p>\n<p>Wenngleich die Bedeutung Wimpfens als Ort wichtiger Bauzeugen deutscher Geschichte und vor allem auch der Kunstgeschichte noch nicht so recht ins Bewusstsein der Einwohnerschaft sowie der Gemeindeorgane gedrungen ist, hat sich in den 1860er Jahren zumindest der Blick der Fachwelt vermehrt dorthin gerichtet, ein Umstand, der vor allen Dingen im Zuge der \u201eEntdeckung\u201c der reichen Geschichtszeugen des Mittelalters der ehemaligen Freien Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber durch den \u201eVater der deutschen Volkskunde\u201c Wilhelm Heinrich Riehl (1823 \u2013 1897) bef\u00f6rdert wird. Im Umfeld dessen erstmals im Jahre 1865 herausgebrachten gro\u00dfes Aufsehen erregenden \u201eKlassikers\u201c der volkskundlichen Literatur, n\u00e4mlich der Charakterskizze \u201eEin Gang durch das Taubertal\u201c, hebt \u00fcberall ein Suchen nach historischen Pl\u00e4tzen an und wenden sich Fachschriftsteller, Maler und historische Vereine verst\u00e4rkt auch Wimpfen am Berg und im Tal zu. Wegbereiter f\u00fcr das Bekanntwerden dieses Riehl\u2019schen Stadt- und Landschaftsportraits ist die Zeitschrift des Historischen Verein f\u00fcr das w\u00fcrttembergische Franken. In dieser finden sich \u00f6fters l\u00e4ngere Aufs\u00e4tze \u00fcber die Geschichte und die historischen Bauwerke Wimpfens, so 1861, 1863, 1865, 1866, 1867.<\/p>\n<p>Zu diesen gesellt sich ein Aufsatz des studierten Architekten, Kunsthistorikers und Arch\u00e4ologen sowie Mitarbeiters beim W\u00fcrttembergischen Statistischen Landesamt und kulturhistorischen Schilderers von Land und Leuten Eduard Paulus (1837 \u2013 1907) in den Schriften des W\u00fcrttembergischen Altertumsvereins des Jahres 1866, Heft 7, S. 37 \u2013 39, unter dem Titel \u201eEin Ausflug nach Wimpfen\u201c. In diesem wird <em>\u201edie F\u00fclle der edelster mittelalterlichen Denkm\u00e4ler, welche Wimpfen enth\u00e4lt\u201c, <\/em>einer sachverst\u00e4ndigen Betrachtung unterzogen und konstatiert, dass diese <em>\u201eweit umher in der Umgegend auf die Entwicklung anderweitiger Kunstwerke von gro\u00dfem Einfluss waren\u201c. <\/em>So ist es sicher kein Zufall, dass im September 1864 auch der ber\u00fchmte Schilderer mit Zeichenstift und Pinsel der kleinst\u00e4dtisch-biedermeierlichen Idylle Carl Spitzweg (1808 \u2013 1885) seinen Weg nach Wimpfen findet, wovon allerdings Skizzen oder Gem\u00e4lde nicht bekannt geworden sind. Daf\u00fcr hat der herausragende badische Landschafts- und Architekturmaler und Zeichner mit Vorliebe traulicher Pl\u00e4tze, Winkel und Stra\u00dfenpartien romantischer s\u00fcddeutscher St\u00e4dtchen Karl Weysser (1833 \u2013 1904) im selben Jahr Spuren seines Besuchs in Form von 6 qualit\u00e4tvollen Feder- und Bleistiftzeichnungen von Wimpfen am Berg hinterlassen: Gesamtansicht von Osten her, Blick \u00fcber die D\u00e4cher zum Blauen Turm, Kaiserpfalz, B\u00fcrgermeister-Elseeser-Haus, Kalvarienberg, Fachwerkhaus. Davon soll hier die erstgenannte in<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-23.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-524 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-23-1024x898.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"579\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-23-1024x898.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-23-300x263.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 23: Gesamtansicht von Wimpfen am Berg von Osten her, Federzeichnung von Karl Weysser (1864)<\/strong>,<\/li>\n<\/ul>\n<p>gezeigt werden. Von den ausgehenden 1850er sowie den 1860er Jahren ist des Weiteren eine l\u00e4ngere Reihe von Gesamt- und Teilansichten Wimpfens erhalten, die das Interesse renommierter Maler, Zeichner und Stecher an Wimpfen dieses Zeitraums dokumentieren, n\u00e4mlich von \u00a0(angef\u00fcgt die Datierung und die Zahl der Arbeiten):<\/p>\n<ul>\n<li>dem von Spitzweg beeinflussten Maler Karl Happel (1819 \u2013 1914) &#8211; um 1855\/60: 2;<\/li>\n<li>Aquarellmaler von Stadt- und Detailansichten August de Peellaert (1797 \u2013 1876) &#8211; 1858: 2;<\/li>\n<li>Architekt und Kunstgewerbler in Karlsruhe Gustav Kachel (1843 \u2013 1882) &#8211; \u00a01859: 1;<\/li>\n<li>Zeichner, Maler, Graphiker und Illustrator Wilhelm Freiherr von Breitschwert (um 1828 \u2013 1875) zusammen mit dem<\/li>\n<li>Lithografen und Verleger Baruch Levy (\u2020 1864) &#8211; um 1860: 1;<\/li>\n<li>Architekt und Fachschriftsteller in Karlsruhe Josef Durm (1837 \u2013 1919) &#8211; 1861: 2;<\/li>\n<li>Historien-, Genre- Bildnismaler, Illustrator, Radierer und Lithograf Theodor Pixis (1831 \u2013 1907) &#8211; 1863: 1;<\/li>\n<li>Holzschneider, Maler und Illustrator Adolf Clohs (1840 \u2013 1894) &#8211; um 1865: 1;<\/li>\n<li>Architekt, Oberbaurat und Hofbaumeister in Stuttgart Joseph (von) Egle (1818 \u2013 1899) &#8211; 1867: 1.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Zusammenstellung kann nat\u00fcrlich keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit erheben. Aus dieser sei wenigstens noch in<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-24.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-523 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-24-1024x691.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"445\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-24-1024x691.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-24-300x202.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 24: Wimpfen am Berg von Osten her, Holzschnitt von Adolf Clohs (vor 1869)<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>eine Arbeit vorgestellt, die den Zustand des Stadtprospekts vor dem Bahnbau wiedergibt und deren Sch\u00f6pfer noch in sp\u00e4teren Jahrzehnten eine Reihe von Wimpfener Detailansichten geschaffen hat.<\/p>\n<p>Als kostbares \u201eGeschenk\u201c des Hessenlandes der ausgehenden 1860er Jahre ist die \u00fcber nur 2 Jahre von Sommer 1866 bis Sommer 1868 gehende T\u00e4tigkeit des 1840 in Butzbach\/Oberhessen geborenen Pfarrverwalters Ludwig Frohnh\u00e4user anzusehen. Die hervorstechende Leistung dieses \u00fcberaus t\u00fcchtigen und beliebten jungen Geistlichen ist nicht nur die Gr\u00fcndung einer Fortbildungsschule f\u00fcr Jungen und M\u00e4dchen sowie die musterg\u00fcltige aufschlussreiche F\u00fchrung der Pfarrchronik dieser Jahre, sondern die auf der Basis seiner umfangreichen Wimpfener und sonstigen Quellenstudien 1870 herausgegebene und dem Gro\u00dfherzog Ludwig III. gewidmete \u201eGeschichte der Reichsstadt Wimpfen, des Ritterstifts Sankt Peter zu Wimpfen im Thal, des Dominicanerklosters und des Hospitals zum hl. Geist zu Wimpfen am Berg. Nach Urkunden zusammengestellt von Ludwig Frohnh\u00e4user, Pfarrverwalter. Darmstadt, 1870. Gedruckt auf Kosten des historischen Vereins\u201c. Mit Wimpfen auch weiterhin bis zu seinem Tod im Jahre 1912 in Mainz als gerade in den Ruhestand tretender erster evangelischer Pfarrer und Dekan vor allem auch durch die Heirat mit der Schwanenwirtstochter Jakobine Johanna Klenck bleibend sehr verbunden und zum viel gelesenen \u201eVolksschriftsteller\u201c geworden, erscheinen sp\u00e4ter unter seinem Pseudonym Konrad Fron noch drei, wichtige Epochen der Wimpfener Geschichte darstellende, kleine Erz\u00e4hlb\u00e4nde, die alle mehrfache Auflagen erreichen und den Namen Wimpfen weithin bekannt werden lassen:<\/p>\n<ul>\n<li>1885: \u201eDas Kr\u00e4uterweible von Wimpfen. Eine Geschichte aus dem Ende des 30-j\u00e4hrigen Krieges\u201c;<\/li>\n<li>1893: \u201eDer Rosenwirt von Wimpfen. Eine Geschichte aus einer alten Stadt\u201c (\u201eHolzrevolution\u201c des Jahres 1783);<\/li>\n<li>1902: \u201eDas Weltgericht. Eine Erz\u00e4hlung aus dem gro\u00dfen Bauernkrieg (1525)\u201c.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Den durch sein bleibend wertvolles Geschichtswerk in Wimpfen der Jetztzeit Unvergessenen und vielf\u00e4ltig mit Verdienstorden Ausgezeichneten stellt die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-25.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-522 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-25-638x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"638\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-25-638x1024.jpg 638w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-25-187x300.jpg 187w\" sizes=\"(max-width: 638px) 100vw, 638px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 25: Ludwig Frohnh\u00e4user (* \u00a01840 zu Butzbach &#8211; \u2020 1912 in Mainz) in seiner Mainzer Zeit als Erster Pfarrer und Dekan<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>dar.<\/p>\n<p>Zu gleicher Zeit befasst sich mit der Geschichte Wimpfens auch der in Mannheim ans\u00e4ssige verm\u00f6gende Naturwissenschaftler, Privatgelehrte, Weltreisende und hochdekorierte fr\u00fche Meister- und Reisefotograf Dr. Jakob August von Lorent (*1813 in Charleston South Carolina &#8211; \u2020 1884 in Meran) sowohl mit der Geschichte Wimpfens als auch mit der Dokumentation seiner Gegenwart in Wort und Bild. Somit erscheint kurz vor Frohnh\u00e4users Werk im gleichen Jahr dessen nicht minder wertvolle Buch-Ver\u00f6ffentlichung: \u201eWimpfen am Neckar. Geschichtlich und topographisch nach historischen Mittheilungen und arch\u00e4ologischen Studien dargestellt von Dr. A. von Lorent, Ritter des Gro\u00dfherzoglich Badischen Z\u00e4hringer L\u00f6wenordens mit Eichenlaub und der K\u00f6niglich W\u00fcrttembergischen Kronen- und Friedrichs-Orden. Stuttgart. Verlag von A. Werther, 1870\u201c. Mag auch der Teil I des ebenfalls Gro\u00dfherzog Ludwig III. gewidmeten Werks (mit den beiden Hauptkapiteln \u201ePolitische Geschichte der ehemaligen Reichsstadt Wimpfen\u201c und \u201eR\u00fcckblick auf das innere Leben der ehemaligen Reichsstadt Wimpfen\u201c) allein schon vom Umfang her weniger hergeben als Frohnh\u00e4users Arbeit; dennoch bietet Lorent in den insgesamt umf\u00e4nglicheren Teilen II und III je eine detaillierte \u201eBeschreibung von Wimpfen am Berg\u201c sowie \u201eWimpfen im Thale\u201c, die nicht nur eine hervorragende Dokumentation der Verh\u00e4ltnisse Wimpfens um 1870, sondern dar\u00fcber hinaus eine akribische Beschreibung s\u00e4mtlicher Baudenkm\u00e4ler der Stadt und damit gleichzeitig eine erste Kunstgeschichte Wimpfens darstellt. Und er setzt seinem Werk die Krone dadurch auf, dass er die Kunstdenkm\u00e4ler, die Gassen und Pl\u00e4tze sowie die Gesamtsichten der beiden Wimpfen fotografisch festh\u00e4lt und in einem Album gesondert herausbringt, so dass der Gegenwart ein umfassendes fotografisches Orts- und Denkm\u00e4ler-Bild Wimpfens der Zeit unmittelbar vor 1870 mit insgesamt 79 &#8211; gemessen am damaligen Standard &#8211; h\u00f6chst qualit\u00e4tvollen im Negativ-Positiv-Verfahren hergestellten Aufnahmen erhalten ist, wie es ihresgleichen kein St\u00e4dtchen von kaum 3000 Einwohnern besitzt. Hierzu sei auf die Abb. 20 und 21 sowie 31 verwiesen und hier noch die<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-26.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-521 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-26-1024x757.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-26-1024x757.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-26-300x222.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 26: Die Obere Lange Gasse (Hauptstra\u00dfe) mit Blick zur Salzgasse und dem Adlerbrunnen im Mittelpunkt (Fotografie aus dem Album von August von Lorent &#8211; ca. 1868)<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>beigef\u00fcgt. Letztere l\u00e4sst erkennen, dass, Ergebnis der Anordnungen des Kreisrates Freiherr von Stein von um 1840, s\u00e4mtliches Fachwerk damals noch unter Putz versteckt gewesen ist.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr seine Wimpfen in diesem besonderen Ma\u00dfe zuteil werdende Zuwendung legt Lorent in der dem Gro\u00dfherzog geltenden Widmung dar:<em> \u201eZu dieser Arbeit wurde ich beseelt durch die Sch\u00f6nheit des Ortes mit seinen Resten vergangener Herrlichkeit, welche im allgemeinen weniger, als sie es verdienen, bekannt sind.\u201c <\/em>Und die Wertung dieses welterfahrenen Gelehrten erf\u00e4hrt noch ihre besondere Gewichtung und Steigerung durch die im Schlussabschnitt seines Buches erfolgte Liebeserkl\u00e4rung: <em>\u201eDen Verfasser vorliegenden Werkes haben seine Wanderungen \u00fcber einen gro\u00dfen Theil der Erde gef\u00fchrt, nach dem ernsten Spanien mit seinen maurischen Erinnerungen, dem hochgepriesenen Neapel, dem poetischen Sicilien, nach Konstantinopel, der sch\u00f6nen Perle um welche Morgen- und Abendland sich streiten, ebenso nach Afrika`s weiten Sandw\u00fcsten und dem von den M\u00e4rchen des 1001 Nacht verkl\u00e4rten Oriente; doch alle diese Erinnerungen, so gro\u00dfartig sie auch sind, verm\u00f6gen nicht das sch\u00f6ne stille Wimpfen in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen.\u201c <\/em>Offenbar erkennt der damalige Wimpfener Gemeinderat das hohe Gewicht des Urteils und die Bedeutung der Arbeit Lorents nicht oder will es nicht erkennen; denn dieser legt dessen Bem\u00fchen manche Hindernisse wie die Verwehrung des Einblicks in die Archivakten mit dem Argument in den Weg, dass Ludwig Frohnh\u00e4user bereits mit der Schaffung einer Geschichte Wimpfens befasst sei. Diese werden aber gl\u00fccklicherweise durch ein Machtwort des hessischen Regierung beseitigt.<\/p>\n<p>Impulsgebend auf dem Gebiet vor allem der Kultur-, Nachrichten- und Nachbarschaftspflege sowie letztlich auch dem Bade- und Fremdenbetrieb dienlich ist der ab ca. April 1869 vom Buchdrucker und Verleger Carl Rapp, Heilbronn, herausgebrachte und dreimal in der Woche erscheinende \u201eWimpfener Bote. Intelligenz- und Unterhaltungsblatt f\u00fcr den Kreis Wimpfen und die Badeorte Jagstfeld, Offenau und Rappenau\u201c. Nach dem Tod desselben wird das Blatt von dessen Witwe Anfang 1873 unter dem verk\u00fcrztem Titel (ohne Nennung der drei benachbarten Badeorte) herausgegeben, doch bald vom K\u00e4ufer deren Buchdruckerei-Gesch\u00e4fts des Jahres 1874 Carl Dieterich, 1877 in \u201eWimpfener Zeitung\u201c ver\u00e4ndert, 1888 von Siegfried Dohany, schlie\u00dflich 1893 von Christian Elser \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Damit sind wir hingelangt zur Zeitperiode V:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00fcckschlage f\u00fcr die Reformen Hessens durch die Revolutionsereignisse und R\u00fcckzug auf die weitere Intensivierung der von der gro\u00dfen fruchtbaren Gemarkung her sich bietenden Grundgegebenheiten des Ackerbaus und der Viehzucht. Ausf\u00fchrliche Zeittafel 1848 Ein Gro\u00dfbrand in der Nacht vom 11. zum 12. 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