{"id":401,"date":"2015-04-07T13:15:11","date_gmt":"2015-04-07T11:15:11","guid":{"rendered":"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/?page_id=401"},"modified":"2017-08-27T14:53:06","modified_gmt":"2017-08-27T12:53:06","slug":"zeitperiode-v-1871-1917","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/anmerkungen\/hauptteil\/zeitperiode-v-1871-1917\/","title":{"rendered":"Zeitperiode V (1871 \u2013 1917)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Erfolgreiche R\u00fcckf\u00fchrung zum Ziel der Hinentwicklung zum Bade- und Fremdenort\u00a0<\/strong><strong>als \u201ehessentreues Rothenburg\u201c\u00a0<\/strong><strong>trotz der Aufhebung der Kreiseigenschaft\u00a0<\/strong><strong>und Zuordnung zum weit entfernten Kreis Heppenheim an der Bergstra\u00dfe<\/strong><\/p>\n<p>Ausf\u00fchrliche Zeittafel<\/p>\n<table width=\"484\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"80\">1871<\/td>\n<td width=\"450\">Der Entwurf an das Gro\u00dfherzogliche Innenministerium, Wimpfens \u201evielfach unzutr\u00e4gliches Enclave-Verh\u00e4ltnis in einer Zeit, wo sich alles zusammenschlie\u00dft, im Wege der Unterhandlung mit den Nachbarstaaten unter Vermittlung der Reichsregierung anderweitig zu ordnen\u201c, sowie an \u201eS. Excellenz Graf von Bismarck-Sch\u00f6nhausen Kanzler des deutschen Reiches\u201c mit der Bitte um \u201eVermittlung der Reichsregierung f\u00fcr das Zustandekommen\u201c derselben bleibt unrealisiert.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1872<\/td>\n<td width=\"450\">Gr\u00fcndung einer (um 1835 als private Einrichtung bestandenen, aber als solche bald eingegangenen) St\u00e4dtischen Real-(und gleichzeitig Latein)schule<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1874<\/td>\n<td width=\"450\">Der Kreis Wimpfen wird im Zuge einer Verwaltungsreform dem Kreis Heppenheim an der Bergstra\u00dfe mit Abzug der Oberf\u00f6rsterei bei Verbleib des Landgerichts (sp\u00e4teren Amtsgerichts) sowie des Steueramts zugeordnet. Der Geheime Regierungsrat Carl Fuhr wird pensioniert und zust\u00e4ndig ist jetzt der Heppenheimer Kreisrat Friedrich Joseph Gr\u00e4ff. Aufhebung auch des evangelischen Dekanats im Zusammenhang mit Edikt der neuen Verfassung der evangelischen Kirche von Hessen.<br \/>\nAnerkennung der Privaten Real- und Lateinschule als st\u00e4dtische \u201eH\u00f6here B\u00fcrgerschule\u201c<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">ca. 1875<\/td>\n<td width=\"450\">Zuzug des ehemaligen k\u00f6niglich-w\u00fcrttembergischen Kammerherrn und Rittmeisters Freiherr Wilhelm von Wimpffen (* 1820 in Stuttgart &#8211; \u2020\u00a0und begraben im Herbst 1879 in Wimpfen) mit Familie, womit sich im St\u00e4dtchen Wimpfen ein Angeh\u00f6riger des dessen Namen tragenden und mit Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke verwandten sowie damals \u00fcber viele Staaten Europas und L\u00e4nder Deutschlands verbreiteten uralten Adelsgeschlechtes niederl\u00e4sst.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1876<\/td>\n<td width=\"450\">Wiedergr\u00fcndung des 1868 gegr\u00fcndeten, doch bald wieder eingegangenen, \u201eVersch\u00f6nerungsvereins\u201c (Vorstand: Landrichter Franz Carl Wilhelm Ce\u00dfner, der 1869 Dr. Konrad Heyer nachgefolgt ist).<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1877<\/td>\n<td width=\"450\">Thron\u00fcbernahme durch Ludwig IV. von Hessen, Sohn von Prinz Carl und Neffe des verstorbenen Gro\u00dfherzogs<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1878<\/td>\n<td width=\"450\">Landrichter Ce\u00dfner und Landgerichtsaktuar Kronenberger werden, weil sie fast ein Jahrzehnt in \u201egewissenloser und pflichtvergessener Weise\u201c (Bestechlichkeit) amtierten, vom Dienst suspendiert und bestraft. Nunmehriges Kursieren der von Friedrich Feyerabend \u00fcberlieferten Anekdoten von der \u201eDarmst\u00e4dter Windm\u00fchle\u201c und vom \u201eWeltuntergang\u201c. Festliche Er\u00f6ffnung der im Zusammenwirken der 3 Anrainerstaaten \u00fcber eine AG-Gr\u00fcndung zustande gekommenen Neckardampfschleppschifffahrt.<br \/>\nGenehmigung zur Erteilung der Berechtigung zum einj\u00e4hrig-freiwilligen Milit\u00e4rdienst durch die H\u00f6here B\u00fcrgerschule<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1879<\/td>\n<td width=\"450\">Gr\u00fcndung einer Landwirtschaftlich-genossenschaftlichen Darlehenskasse (\u201eKreditkasse\u201c) auf Anregung von Kreisrat Gr\u00e4ff<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1885<\/td>\n<td width=\"450\">Konkurs des Besitzers des immer mehr herunter gekommenen Mathildenbades Theodor Hammer mit \u00dcber-nahme desselben durch die Wimpfener Karl Link mit Ehefrau um 28.000 Mark (ohne Inventar).<br \/>\nAnerkennung der \u201eH\u00f6heren B\u00fcrgerschule\u201c als \u201eGro\u00dfherzoglich Hessische Realschule\u201c mit staatlicher Bezuschussung.<br \/>\nKonrad Fron (Ludwig Frohnh\u00e4user): \u201eDas Kr\u00e4uterweible von Wimpfen. Eine Geschichte aus dem Ende des 30j\u00e4hrigen Krieges\u201c.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1888<\/td>\n<td width=\"450\">\u00dcbernahme mit Beginn des abermaligen Aufschwungs des Mathildenbads nach \u00fcber einem Jahrzehnt des R\u00fcckgangs durch den Hotelier Johann Albrecht; ein Zeitungsaufsatz \u201eEin Weg der Bef\u00f6rderung der wirtschaftlichen Bl\u00fcte Wimpfens\u201c stellt kritisch heraus, dass diese allein \u00fcber die Weiterentwicklung des Badebetriebes und Fremdenverkehrs im Zusammenwirken von Stadtverwaltung und Einwohnerschaft Erfolg verspreche.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1890<\/td>\n<td width=\"450\">Erscheinen des ersten Stadtf\u00fchrers: \u201eF\u00fchrer durch Wimpfen und Umgebung. Mit Illustrationen, Stadtplan \u2026\u201c<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1893<\/td>\n<td width=\"450\">Konrad Fron: \u201eDer Rosenwirt von Wimpfen. Eine Geschichte aus einer alten Stadt\u201c (Holzrevolution von 1783).<br \/>\nAbgeordneter Breimer der 2. Kammer f\u00fcr den Wahlkreis Beerfelden-Hirschhorn-Wimpfen bringt den Antrag auf Wiedererrichtung des Kreises Wimpfen zwar ohne Erfolg ein, doch wird dort der Blick auf Wimpfens besondere Problematik des f\u00f6rderungsbed\u00fcrftigen Exklavenorts und seine Kunstsch\u00e4tze gelenkt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1895<\/td>\n<td width=\"450\">&#8211; 1897: Ergrabung der Fundamente der Vorhalle und der fr\u00fchromanischen Vorg\u00e4ngerin (Zentralkirche) der Stiftskirche Wimpfen im Tal unter hessischer Regie und Kostentragung<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1896<\/td>\n<td width=\"450\">Gr\u00fcndung der Sektion Wimpfen des \u201eOdenwaldclubs\u201c insbesondere zur Hebung des Bade- und Fremdenverkehrs<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1897<\/td>\n<td width=\"450\">Erster Besuch des seit 1892 regierenden Gro\u00dfherzogs Ernst Ludwig mit Gemahlin Viktoria Melita von Sachsen-Coburg-Gotha und Prinz Battenberg per Zug (Hofwagen) mit Besichtigungen der zahlreichen Kunstdenkm\u00e4ler von Wimpfen am Berg und im Tal<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1898<\/td>\n<td width=\"450\">Dr. Georg Sch\u00e4fer: \u201eKunstdenkm\u00e4ler im Gro\u00dfherzogthum Hessen. Provinz Starkenburg. Ehemaliger Kreis Wimpfen\u201c. \u00a0Au\u00dferdem:\u00a0Rudolf Adamy, Eduard Wagner: \u201eDie eh. fr\u00fchromanische Zentralkirche des Stiftes St. Peter zu Wimpfen i. T.\u201c<br \/>\nBeginn der Generalsanierung der Stiftskirche mit Wiederherstellung des Westwerks der fr\u00fchromanischen Zentralkirche (beendet 1903)<br \/>\nEinsetzung von Kopien der wertvollen fr\u00fchgotischen Glasfenster der Stiftskirche durch Professor Geiges, Freiburg (bis 1900 gehend)<br \/>\nIm durch beidseitige Spendierung geistiger Getr\u00e4nke und Speisen \u00fcber vier Monate hinweg gef\u00fchrten B\u00fcrgermeister-Wahlkampf obsiegt der Kaufmann Julius Ernst (die \u201eHarten\u201c) \u00fcber den \u00d6konom Heinrich Bornh\u00e4u\u00dfer (\u201edie Weichen\u201c).<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1899<\/td>\n<td width=\"450\">Bei der Reichstagswahl \u00fcbertreffen die Sozialdemokraten (158 Stimmen) die bislang am Ort f\u00fchrenden Nationalliberalen (106 Stimmen).<br \/>\nDies und die Gr\u00fcndung des \u201eArbeitervereins\u201c zeigt die kontinuierliche Hinentwicklung Wimpfen zur teilweisen Arbeiterwohngemeinde.<br \/>\n34 Mitglieder der hessischen 2. St\u00e4ndekammer und der Regierung statten Wimpfen einen Besuch mit vielen Besichtigungen seiner Kunstdenkm\u00e4ler ab.<br \/>\nGedicht des Reallehrers und Landtagsabgeordneten Hans Kahl: \u201eSo wache, Stadt da droben, auch du aus deinem Schlaf!\u201c<br \/>\nEinrichtung der Wasserleitung (u. a. Wasserreservoir bei den M\u00e4uerleins\u00e4ckern an der Bonfelder Stra\u00dfe und Pumpstation an der Steige).<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1900<\/td>\n<td width=\"450\">Neuerrichtung der Oberf\u00f6rsterei (Besetzung mit Oberf\u00f6rster Wilhelm Schallas), Beleg der wiederbegonnenen hessischen Obsorge. Einrichtung der elektrischen Beleuchtung (u. a. Elektrizit\u00e4tswerk an der Steige in der ehemaligen Papierfabrik).<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1901<\/td>\n<td width=\"450\">Die Fachwerkfreilegung des Maringerhauses unter Regierungsbaumeister Adolf Zeller signalisiert dessen gute Erfolge bewirkende Devise \u201eAufdecken statt zuputzen!\u201c.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1902<\/td>\n<td width=\"450\">Konrad Fron: \u201eDas Weltgericht. Eine Erz\u00e4hlung aus dem gro\u00dfen Bauernkrieg (1525)\u201c.<br \/>\nRegierungsbaumeister Adolf Zeller: \u201eWimpfen am Berg, ein zuk\u00fcnftiges Ziel des Fremdenverkehrs\u201c (wegweisender Zeitungsaufsatz).<br \/>\nEinweihung des unter Regierungsbaumeister Adolf Zeller von der Kirchengemeinde wiederhergestellten Cornelienkirche Wimpfen im Tal.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1903<\/td>\n<td width=\"450\">Regierungsbaumeister Adolf Zeller: \u201eDie Stiftskirche \u2026, Baugeschichte, Bauaufnahme, Grunds\u00e4tze ihrer Wieder- herstellung\u201c.<br \/>\nDenkw\u00fcrdig-herausgehobene Begehung der 100-j\u00e4hrigen Zugeh\u00f6rigkeit Wimpfens zu Hessen insbesondere durch die oftmalige Vorf\u00fchrung des von Realschuldirektor Karl Kemmer und Pfarrer Richard Weitbrecht geschaffenen dreiteiligen Festspiels \u201eIm Wechsel der Zeiten\u201c mit als H\u00f6hepunkt dem Besuch von Gro\u00dfherzog Ernst Ludwig sowie des Historischen Vereins f\u00fcr das Gro\u00dfherzogtum Hessen; B\u00fcrgermeister Ernst versichert dem Gro\u00dfherzog, dass \u201edie Wimpfener allezeit treue Hessen gewesen uns es fernerhin bleiben wollen\u201c.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1905<\/td>\n<td width=\"450\">Gr\u00fcndung des Vereins \u201eAlt-Wimpfen. Kur- und Verkehrsverein\u201c unter Vorsitz von Stadtpfarrer Dr. Richard Weitbrecht und dem Protektorat von Gro\u00dfherzog Ernst Ludwig.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1907<\/td>\n<td width=\"450\">Rudolf Kautzsch: \u201eDie Kunstdenkm\u00e4ler in Wimpfen am Neckar\u201c mit Geschichte der Tal- und der Bergstadt. Im 193-seitigen T\u00e4tigkeitsbericht der hessischen Denkmalpflege von 1902 \u2013 07 sind Wimpfen allein 7 Seiten einger\u00e4umt, der mannigfache Denkmalpflege-Ma\u00dfnahmen (insbesondere Fachwerkfreilegung und -sanierung) herausstellt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1909<\/td>\n<td width=\"450\">&#8211; 1911: R\u00fcckbau der zum Bauernhaus umfunktionierten Pfalzkapelle durch die hessische Denkmalpflege (Professor Wickop). In der umf\u00e4nglichden Fremdenliste des Mathildenbads vom Juli finden sich neben vielen Darmst\u00e4dtern und sonstigen Honoratioren auch Ihre bzw. Seine Kgl. Hoheit Eleonore Gro\u00dfherzogin und Gro\u00dfherzog Ernst Ludwig von Hessen, die in diesem Jahr Wimpfen zweimal ihres Besuchs beehren und den Kirchen und sonstigen Baudenkm\u00e4lern von Berg und Tal gro\u00dfes Interesse zollen.<br \/>\nNachfolger des verstorbenen Forstmeisters Wilhelm Schallas wird Forstmeister Wilhelm Zeh.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1912<\/td>\n<td width=\"450\">Der Gro\u00dfherzog beauftragt Professor Wickop, den Wimpfenern mitzuteilen, dass er und ganz Hessen gerne den Verein Alt-Wimpfen (\u00e4hnlich der Pflege Rothenburgs o. d. T. durch weiteste Kreise von G\u00f6nnern in Deutschland) unter der Bedingung weiterhin f\u00f6rdern helfe, dass die Wimpfener und die Stadtverwaltung diesen tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzen. Wimpfen wird jetzt in der Tat oft \u201edas hessische Rothenburg\u201c oder \u201edas Rothenburg am Neckar\u201c genannt.<br \/>\nPfarrer Otto Scriba, der auch der Geschichte und den Kunstdenkm\u00e4lern Wimpfens zugewandte r\u00fchrige Nachfolger von Pfarrer Weitbrecht, ver\u00f6ffentlicht die Schrift: \u201eDie evangelische Stadtkirche Wimpfen am Berg\u201c.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1913<\/td>\n<td width=\"450\">Nachdem\u00a0ab 1910 in der Darmst\u00e4dter Presse der Austausch des \u201eam teuersten zu verwaltenden hessischen St\u00e4dtchens\u201c Wimpfen und 1911\/12 die abermalige Aufhebung der Oberf\u00f6rsterei zur Diskussion stehen, bricht der Abgeordnete M\u00fcnch in der 2. Kammer f\u00fcr Wimpfen eine Lanze und Finanzminister Braun erkl\u00e4rt, die hessische Regierung denke nicht daran, Wimpfen zu ver\u00e4u\u00dfern. \u00c4u\u00dferung von Pfarrer Scriba: \u201eEs ist der Mehrheit der Wimpfener noch nicht klar geworden, welche Perle des Hessenlandes ihr geh\u00f6rt!\u201c<br \/>\nFeier des 25. Geburtstags des \u201egeliebten Landesf\u00fcrsten\u201c mit B\u00f6llersch\u00fcssen, Fahnen, Festessen, Gl\u00fcckwunschadresse; Rede von Pfarrer Scriba mit Treueschwur: \u201eWir Wimpfener wollen allezeit diese Hessentreue hochhalten!\u201c<br \/>\n<span style=\"line-height: 1.6471;\">Abdruck von 2 \u00d6lbildern (\u201eBlick auf Wimpfen am Berg\u201c und \u201eAlte Gasse in Wimpfen am Berg\u201c) des aus Hessen stammenden Malers Carl Geist in \u201eWestermanns Monatsheften\u201c, der sich 1915 in Wimpfen niederl\u00e4sst, wo er ein reiches qualit\u00e4tvolles Werk (Landschafts-, Stadt-, Stra\u00dfen- und Hausansichten, Portraits) schafft und 1931 stirbt.<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>\u00c4hnlich wie die Umbruchszeit der Revolution von 1848\/49, so scheint auch der den Zeitenlauf und vor allem das politische Bild Deutschlands einschneidend ver\u00e4ndernde deutsch-franz\u00f6sische Krieg der Jahre 1870\/71 mit der anschlie\u00dfenden Gr\u00fcndung des Kaiserreiches und der Vereinigung der deutschen L\u00e4nder unter preu\u00dfischer F\u00fchrung in die bislang zwar immer wieder beklagte, doch hingenommene Frage der Zugeh\u00f6rigkeit Wimpfens zum Gro\u00dfherzogtum Hessen pl\u00f6tzliche Bewegung zu bringen. Die Kaiserproklamation in Versailles und die ersten Wahlen zum Reichstag sind gerade beendet und somit die Einheit des neu gegr\u00fcndeten Reiches Wirklichkeit, als unter dem Eindruck dieser die Herzen bewegenden Ereignisse im Fr\u00fchjahr 1871 in Wimpfen der (undatiert vorgefundene) Entwurf einer an das Gro\u00dfherzogliche Ministerium des Innern zu Darmstadt zu senden gedachten umf\u00e4nglichen Bittschrift erarbeitet wird. In dieser erlauben sich der oder die unbekannte(n) Verfasser \u201e<em>gehorsamst, die <\/em>Aufmerksamkeit einer hohen<em> Regierung auf die Zust\u00e4nde von Wimpfen zu lenken und die Frage aufzuwerfen \u2026 \u00a0, ob nicht im Wege der Unterhandlung mit den Nachbarstaaten W\u00fcrttemberg und Baden unter Vermittlung der<\/em> <em>Reichsregierung das so vielfach unzutr\u00e4gliche Enclave-Verh\u00e4ltnis anderweitig geordnet werden<\/em> <em>k\u00f6nnte\u201c. \u201eVon beiden uns umgebenden Staaten\u201c, <\/em>so wird optimistisch festgestellt,<em> \u201ew\u00e4re es nun wohl <\/em>W\u00fcrttemberg<em>, das am leichtesten durch passende Gestaltung seiner Nachbarbezirke uns alle<\/em> <em>Vorteile einer Bezirksstadt zuwenden k\u00f6nnte, die wir bisher entbehren<\/em>.\u201c Und als Begr\u00fcndung wird neben<\/p>\n<ul>\n<li>der station\u00e4r bleibenden bis sogar abnehmenden Einwohnerzahl,<\/li>\n<li>der seit Jahren fehlenden Neubaut\u00e4tigkeit,<\/li>\n<li>der sinkenden Steuerkraft, Erwerbs- und Kreditf\u00e4higkeit,<\/li>\n<li>der mangelhaften Besetzung und Kontrolle der staatlichen \u00c4mter,<\/li>\n<li>dem Fehlen einer Schule h\u00f6herer Gattung,<\/li>\n<li>der Verweigerung von Krediten der Gewerbebank Heilbronn wegen der mit der \u00f6rtlichen Rechtspflege gemachten schlechten Erfahrungen u. a. m.<\/li>\n<\/ul>\n<p>folgendes Argument ins Feld gef\u00fchrt<em>: \u201eIn einer Zeit, wo Alles sich zusammenschlie\u00dft, sind wir nur in \u00e4u\u00dferlichem Zusammenhang mit unserer unmittelbaren Nachbarschaft und das Mutterland hat wenig Interesse mehr an der Pflege der Beziehungen zu uns.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Gleichzeitig wird ein Entwurf eines \u201eSr. Excellenz dem Grafen von Bismarck-Sch\u00f6nhausen, Kanzler des deutschen Reiches\u201c, zugedachten Schriftsatzes erstellt, in dem zun\u00e4chst \u00fcberschw\u00e4nglich Gl\u00fcckw\u00fcnsche dazu ausgesprochen werden, <em>\u201edass es Euer Exzellenz verg\u00f6nnt war, des deutschen<\/em> <em>Reiches Einheit und Macht \u2026 wieder herzustellen\u201c, <\/em>dann die Zuversicht, dass <em>\u201edie neu erstandene<\/em> <em>Reichsregierung \u2026, soweit es an ihr liegt, die einzelnen Glieder des Reiches, die im Laufe der Zeit, gewaltsam oder zuf\u00e4llig, so vielfach ein- und ausgerenkt worden sind, zu einer gesunden Gestaltung bringen werde\u201c. <\/em>Schlie\u00dflich endet der Entwurf mit der Bitte<em> \u201eum die Vermittelung der Reichsregierung f\u00fcr das Zustandekommen der angedeuteten \u00dcbereinkunft der Nachbarstaaten eintreten zu lassen<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Dass es lediglich bei diesen Entw\u00fcrfen bleibt und eine Ausfertigung und Absendung nicht erfolgt, d\u00fcrfte vor allem daran liegen, dass durch den Anspruch auf die Zuerkennung der Eigenschaft einer Bezirksstadt eine solche an sich schon schwierige Regelung zus\u00e4tzlich kompliziert worden w\u00e4re. \u00dcberdies h\u00e4tten sich die auf Bewahrung von Autonomierechten bedachten s\u00fcddeutschen L\u00e4nder gegen\u00fcber Bevormundungen der Reichsregierung solcher Art alles andere als erbaut gezeigt. Im \u00dcbrigen kommen jetzt andere hemmende L\u00e4nderschranken durch die nach der Reichsgr\u00fcndung in den 1870er Jahren durchgef\u00fchrte Vereinheitlichung der Ma\u00dfe und Gewichte sowie des Geldwesens (Einf\u00fchrung der Reichsmark) und des Postwesens (jetzt: Kaiserliche Postexpedition im Hause H\u00e4rlin unter dem originellen Postmeister Wilhelm Schmehl am Unteren Tor) in Wegfall. Und im Mai 1878 ist es die in Wimpfen festlich mit einer Probefahrt einer Flotille von 6 Anh\u00e4ngeschiffen er\u00f6ffnete Neckarschleppschifffahrt Heilbronn\u2013Mannheim, welche die bestehenden Landesgrenzen vergessen macht und fortschrittsbringend die schon seit vielen Jahrzehnten \u00fcberholte Pferdetreidelschifffahrt durch das Zusammenwirken der drei Anrainerstaaten W\u00fcrttemberg, Baden und Hessen abl\u00f6st. Hierzu seien die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-27.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-520 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-27-1024x725.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"467\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-27-1024x725.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-27-300x212.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abbildung 27: Grafische Darstellung \u201eKettenschiff der Schleppschifffahrt auf dem Neckar\u201c (1878<\/strong>) sowie<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-28.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-519 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-28-1024x461.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"297\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-28-1024x461.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-28-300x135.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong style=\"line-height: 1.6471;\">Abbildung 28: \u201eWimpfen von der Neckarbr\u00fccke aus\u201c mit einem flussaufw\u00e4rts von einem Neckarschlepper gezogenen Schiffsverband von F. Naeher 1892<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>beigef\u00fcgt, welche von oben nach unten die Seitenansicht, den Grundriss, den L\u00e4ngsschnitt und den Horizontalschnitt eines \u201eNeckaresels\u201c, wie die Kettenschlepper genannt werden, bzw. einen Schleppzug vor der Silhouette der \u201ebeiden Wimpfen\u201c wiedergeben.<\/p>\n<p>Wie sehr sich die Menschen gerade der \u201eDreil\u00e4nderecke\u201c durch die herbeigesehnte Gr\u00fcndung des Deutschen Reiches jetzt pl\u00f6tzlich vereint und zusammengeh\u00f6rig als \u201eDeutsche\u201c f\u00fchlen und somit das Exklavendasein, zumindest psychologisch gesehen, sehr viel weniger eine Rolle zu spielen beginnt, das zeigt die bald nach dem \u201eSiebzigerkrieg\u201c durch die hessische, badische und w\u00fcrttembergische Beamtenschaft des Unterl\u00e4nder Raumes unter der Vorstandschaft des Neckarsulmer Oberamtsrichters Wilhelm Ganzhorn, des Dichters des Volksliedes \u201eIm sch\u00f6nsten Wiesengrunde\u201c, gegr\u00fcndete sog. \u201eInternationale\u201c. Deren aufs Erste irref\u00fchrender Name soll die nunmehrige Vereintheit der fr\u00fcher voneinander abgekapselten deutschen L\u00e4nder ausdr\u00fccken. Durch wechselnde gesellschaftliche Zusammenk\u00fcnfte insbesondere in den Badehotels von Wimpfen (Mathildenbad, Ritter), Jagstfeld und Rappenau pflegt diese die l\u00e4nder\u00fcbergreifende Zusammengeh\u00f6rigkeit und feiert bevorzugt regelm\u00e4\u00dfig den Tag der Reichsgr\u00fcndung und den Geburtstag des Kaisers, so z. B. 1878 in Wimpfen. Als dann in der Zeit der Sozialistengesetze der 1880er Jahre der Name Ansto\u00df erregt, benennt sich diese Vereinigung fr\u00f6hlicher Zecher und Hurra-Rufer auf Kaiser und Kanzler und Reich sowie K\u00f6nig und Gro\u00dfherzog in \u201eNationale\u201c um. Auf der \u00fcberschwappenden Woge der Kaiser- und Kanzlerverherrlichung schwimmt im Wimpfen der 1870er und 1880er Jahre auch die Verehrung des hessischen Gro\u00dfherzogs Ludwig III. und nach dessen Tod 1877 seines Neffen Gro\u00dfherzog Ludwig IV. durch Feierstunden und Beflaggung zum gro\u00dfherzoglichen Geburtstag mit. Der Letztgenannte wird jedoch seiner Exklave Wimpfen nie die Ehre eines Besuchs erweisen.<\/p>\n<p>In Anbetracht der nunmehr errungenen Reichseinheit trifft die Nachricht des Sommers 1874, dass der so teuer zu verwaltende Kreisbezirk Wimpfen zusammen mit einer Reihe anderer kleiner Kreise aufgel\u00f6st und dem Kreise Heppenheim an der Bergstra\u00dfe \u201ezugestellt\u201c wird, kaum auf Widerstand oder gro\u00dfe Kritik, zumal das seit 1869 unter Amtsrichter Ce\u00dfner stehende Landgericht bestehen bleibt, w\u00e4hrend im Herbst 1875 auch die Gro\u00dfherzogliche Oberf\u00f6rsterei aufgehoben und die Waldungen der Oberf\u00f6rsterei Heppenheim unterstellt werden. Auch wird 1873\/74 im Zusammenhang mit einem Edikt f\u00fcr die neue Verfassung der evangelischen Kirche das mit dem Amt des ersten Geistlichen verbundene Dekanamt aufgehoben. Der nach dem Tod von Dr. Gustav Spamer im Jahre 1870 aufgezogene Regierungsrat Carl Fuhr wird pensioniert und nunmehr ist f\u00fcr Wimpfen der Heppenheimer Kreisrat Friedrich Joseph Gr\u00e4ff zust\u00e4ndig. Dieser erweist sich erstrangig als f\u00fcr die Belange der Landwirtschaft, aber auch der Gewerbetreibenden sehr aufgeschlossen. Auf dessen Anregung hin wird 1879 die erfolgreich arbeitende \u201eLandwirtschaftliche Darlehenskasse, eingetragene Genossenschaft mit unbeschr\u00e4nkter Haftpflicht Wimpfen am Neckar\u201c nach dem Modell von Raiffeisen f\u00fcr die Landwirtschaft und Schulze-Delitzsch f\u00fcr den gewerblichen Mittelstand, kurz die \u201eKredikasse\u201c genannt, die Vorl\u00e4uferin der sp\u00e4teren \u201eWimpfener Bank\u201c, ins Leben gerufen. Kreisrat Gr\u00e4ff regt auch an, dass laufend haupts\u00e4chlich vom Landwirtschaftlichen Bezirksverein Heppenheim ausgerichtete lehrreiche, dem technischen Fortschritt (z. B. Bodenbearbeitung per modernen Pfl\u00fcgen, neuzeitliche D\u00fcngung, Saatgutwechsel, Tabak- und Zuckerr\u00fcbenbau und v. a. m. ) dienende Vortr\u00e4ge \u00fcber den Acker- und Obstbau sowie die Viehzucht und die Milchwirtschaft in Wimpfen veranstaltet werden.<\/p>\n<p>Als im Rahmen des damals stark auflebenden Vereinswesens im Fr\u00fchjahr 1878 eine Gruppe Honoratioren den Gedanken hegt, den ein Jahrzehnt zuvor gegr\u00fcndeten, doch wieder bald eingeschlafenen \u201eVersch\u00f6nerungsverein\u201c zum Vorteil vor allem des Badeortgedankens wieder ins Leben zu rufen, ist es unter diesen Landrichter Ce\u00dfner, der die Vorstandschaft \u00fcbernimmt und wider die ablehnende Haltung insbesondere der Landwirtschaft Treibenden folgenden, sich mit denen des Vorg\u00e4ngervereins deckenden, Zielen Geltung zu verschaffen sucht. Es sollen vor allem:<\/p>\n<ul>\n<li>Wege und freie Pl\u00e4tze in n\u00e4chster Umgebung der Stadt angelegt und in gangbarem Zustand gehalten sowie<\/li>\n<li>Schatten gew\u00e4hrende B\u00e4ume angepflanzt und<\/li>\n<li>Ruheb\u00e4nke an geeignete Stellen aufgestellt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die daf\u00fcr notwendigen Mittel sollen durch Spenden und den Mitgliedsbeitrag von mindestens 1 Mark pro Jahr aufgebracht werden. Was diesem Programm des wiedererweckten Vereins noch weitgehend fehlt, das ist die Herausstellung und Pflege des reichen Schatzes an Kunstdenkm\u00e4lern und sonstigen Altert\u00fcmern. Jetzt finden sich immerhin wieder vermehrt auf einmal in der Zeitung, nicht zuletzt Erfolg der \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Vereins, die aus der der Stein-Riedling\u2019schen \u00c4ra sattsam bekannten b\u00fcrgermeisterlichen Gebote, so des regelm\u00e4\u00dfigen Reinigens der Stra\u00dfen, Dungst\u00e4tten und Misthaufen an den Stra\u00dfen, da der Gesundheit und dem Ansehen in den Augen Ausw\u00e4rtiger schadend, in der Hoffnung auf Vermeidung von Zwangsma\u00dfnahmen zu entfernen, au\u00dferdem Verbote bei Strafe wie des Peitschenknallens, des Umherlaufenlassens von G\u00e4nsen, des L\u00e4rmens, des W\u00e4scheheraush\u00e4ngens u. v. a. m.<\/p>\n<p>Da aber nicht Wenige es geahnt oder schon immer gewusst haben wollen, ist es keine gro\u00dfe \u00dcberraschung, als im Mai 1878 die Nachricht kursiert, dass gerade dieser Landrichter Ce\u00dfner sowie sein Aktuar Kronenberger bezichtigt werden, fast ein Jahrzehnt hindurch zum gro\u00dfen Nachteil ihrer Gerichtsuntergebenen in gewissenloser pflichtvergessener Weise (Bestechlichkeit) geamtet zu haben. Die beiden hessischen Beamten werden mit Suspension von Dienst und Gehalt f\u00fcr 5 bzw. 9 Monate bestraft. Dieses Aufsehen erregende Ereignis bef\u00f6rdert bei den Wimpfenern die allgemein schlechte Meinung sowohl \u00fcber die noch in Wimpfen belassenen als auch die in Heppenheim f\u00fcr Wimpfen zust\u00e4ndigen hessischen Beamten und n\u00e4hren die im Wimpfen der 1870er und 1880er Jahre nach der \u00dcberlieferung von Friedrich Feyerabend (1871 \u2013 1959) kursierenden beiden Anekdoten von der \u201eDarmst\u00e4dter Windm\u00fchle\u201c und vom \u201eWeltuntergang\u201c. Diese sind an dem originellen volkst\u00fcmlichen, nicht unter hessischer Hoheit stehenden und den hessischen Beamten gegen\u00fcber eine scharfe Zunge f\u00fchrenden, Postmeister Wilhelm Schmehl festgemacht und sollen hier zur Belebung wiedergeben werden:<\/p>\n<ol>\n<li><em> Die Darmst\u00e4dter Windm\u00fchle:<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Den hessischen Beamten, die nach Wimpfen beordert wurden, hatte sich &#8211; da weit vom Schuss &#8211; eine gewisse Sicherheit und Selbst\u00e4ndigkeit bem\u00e4chtigt. Jedoch hatte ein hoher Regierungsbeamter in Darmstadt das Gef\u00fchl, einmal nach dem weit entfernten Wimpfen zu reisen, um zu h\u00f6ren, wie man dorten die hessischen Beamten beurteilt. Selbstverst\u00e4ndlich kam er unangemeldet, denn er strebte zun\u00e4chst nach einer \u00c4u\u00dferung direkt vom Volke, bevor er seine Beamten aufsuchte. Was lag n\u00e4her, als dass er sich in ein Wirtshaus begab, wo er eine Gesellschaft oder Tischrunde traf und aus deren Munde er eine ungeschminkte Wahrheit erfahren konnte. So war sein Vorsatz und er hatte hierin Gl\u00fcck. In einer Wirtschaft sa\u00df eine fr\u00f6hliche Tischrunde beim Fr\u00fchschoppen, darunter auch der Postmeister. Der Regierungsbeamte gesellte sich zu diesen, griff langsam und vorsichtig in die Unterhaltung ein und lenkte allm\u00e4hlich das Gespr\u00e4ch auf die hessischen Beamten und was die Bev\u00f6lkerung von diesen halte. Die Tischrunde wurde pl\u00f6tzlich etwas misstrauisch. Die einen zuckten mit den Achseln, die andern nun ja, so \u2026 \u00a0so. Es trat pl\u00f6tzlich eine Stille ein.- Nun schob sich der Postmeister einen zu Gem\u00fcte und begann: \u201eDer Sprache nach sind Sie ein Darmst\u00e4dter\u201c, was der Herr auch best\u00e4tigte; worauf der Postmeister weiterfuhr: \u201eMan spricht im allgemeinen hier davon, dass in Darmstadt sich eine Windm\u00fchle bef\u00e4nde zu folgendem Zweck: Bei Beorderung der Beamten w\u00fcrden dieselben in die Windm\u00fchle gesch\u00fcttet die Guten (Schweren) bleiben bei Darmstadt liegen, die Mittleren an der Bergstra\u00dfe und im Odenwald und die ganz leichten (Spreu) bis nach Wimpfen. Und wenn alles der Meinung ist, so wird auch etwas Wahres daran sein.\u201c Es setzte ein herzliches Lachen und Beifall ein. Besonders der Postmeister lachte, dass ihm die Tr\u00e4nen die Backen herunter liefen. Aber der Herr Regierungsbeamte wusste Bescheid; es trat hierauf wesentliche Besserung ein.- N. B.: Trotz aller Verschwiegenheit wurde diese Beurteilung auch in Darmstadt popul\u00e4r, ja es soll damals in einem Faschingsumzug die M\u00fchle in natura aufgef\u00fchrt worden sein.<\/em><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><em> Der Weltuntergang<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p><em>An das Kreisamt Heppenheim kam Beschwerde auf Beschwerde, insbesondere wegen der schleppenden Verz\u00f6gerung in Beantwortung der Eingaben und Gesuche. &#8211; \u201eDa steckt wieder der Postmeister dahinter, der uns st\u00e4ndig aus der Ruhe bringt!\u201c bemerkte der Kreisrat. Der Kreisrat, der den Postmeister pers\u00f6nlich kannte, nahm sich vor, per Gelegenheit diesem Postmeister eins auszuwischen. Er machte seinen Dienstbesuch auf dem Rathaus in Wimpfen (d. h. in Wirklichkeit als gro\u00dfer Liebhaber von Altert\u00fcmern war er zu 4\/5 der Zeit beim Altertumsh\u00e4ndler und zu 1\/5 auf dem Rathaus). Nach diesem begab er sich in eine Weinwirtschaft und wer sa\u00df am Tisch!? Der Postmeister, der sein Fr\u00fchsch\u00f6ppchen zu sich nahm. \u201eDiese Gelegenheit ist \u00e4u\u00dferst g\u00fcnstig\u201c, dachte der Kreisrat, begr\u00fc\u00dfte den Postmeister und lenkte sofort zum Angriff ein. \u201eSie sind zu beneiden, Herr Postmeister, denn Sie genie\u00dfen hier alle Vorz\u00fcge, die man sich nur denken kann. Sie k\u00f6nnen sich als Beamter ihr Fr\u00fchsch\u00f6ppchen erlauben, haben gesunde Luft, sch\u00f6ne Aussicht, Badegelegenheit, weit vom Schuss genie\u00dfen Sie eine beneidenswerte Selbst\u00e4ndigkeit und Freiheit, ja Sie haben alle Vorz\u00fcge.\u201c &#8211; Der Postmeister schob sich Einen zu Gem\u00fcte und begann: \u201eHerr Kreisrat, Sie haben Recht, doch den gr\u00f6\u00dften und wertvollsten Vorzug haben Sie vergessen.\u201c &#8211; \u201eNun, das w\u00fcrde mich interessieren\u201c, erwiderte der Kreisrat. \u201eMan spricht heute viel vom Weltuntergang, da haben wir den Vorzug, dass Wimpfen sechs Wochen sp\u00e4ter untergeht, denn zu dem Kreis Heppenheim geh\u00f6rig, dauert alles mindestens sechs Wochen, bis es der Herr Kreisrat genehmigt hat.\u201c &#8211; Ein st\u00fcrmisches Gel\u00e4chter und Bravo setzt ein; besonders freute sich der Postmeister und schob sich auf Grund des Sieges einen \u00e4u\u00dferst Kr\u00e4ftigen zu Gem\u00fcte.- Jedoch der Kreisrat hielt es f\u00fcr das Beste, das Schlachtfeld zu r\u00e4umen mit der sonderbaren Bemerkung: \u201eDie Wimpfener sind doch ein eigenartiges V\u00f6lkchen. Mit denen ist nicht gut Kirschen essen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Umbildung des Landgerichts zum Amtsgericht unter Beiziehung gew\u00e4hlter Sch\u00f6ffen (Sch\u00f6ffengericht) im Jahre 1878\/79 schiebt Negativentwicklungen der Art des Falles Ce\u00dfner einen Riegel vor. Au\u00dferdem beginnt gegen Mitte der 1880er Jahre eine Zeitperiode der Wiederaufnahme der gezielten besseren Obsorge f\u00fcr Wimpfen durch Hessen und achtet man in Darmstadt vor allem wachsend darauf, Wimpfen wieder mit qualit\u00e4tvollen Beamten zu versorgen. Dies zeigt besonders deutlich die in den Jahren nach der Reichsgr\u00fcndung anhebende Geschichte der Gro\u00dfherzoglichen Realschule mit ihrer die Stadtentwicklung in vieler Hinsicht f\u00f6rdernden und in der Regel exzellenten sowie vielfach sich aktiv im Gemeindeleben und in der Gemeindepolitik bet\u00e4tigenden Lehrerschaft. Konsequent arbeitet der Gemeinderat in den 1870er Jahren darauf hin, das schon immer beklagte Fehlen einer H\u00f6heren Schule abzustellen, was denn auch durch z\u00e4hes Festhalten an diesem Ziel und mannigfachen finanziellen Opfern sowie auch R\u00fcckschl\u00e4gen \u00fcber die nachfolgenden genannten 4 Ausbaustufen im Jahre 1885 volle Erf\u00fcllung findet:<\/p>\n<ul>\n<li>1872: Gr\u00fcndung einer (Mitte der 1830er Jahre bereits als private Einrichtung bestandenen, doch bald wieder neben der bestehenden althergebrachten Lateinschule eingegangenen) jetzt St\u00e4dtischen Real- und Lateinschule;<\/li>\n<li>1874: Anerkennung dieser als st\u00e4dtische \u201eH\u00f6here B\u00fcrgerschule\u201c;<\/li>\n<li>1876: Zuerkennung der Berechtigung der Erteilung des begehrten Zeugnisses der wissenschaftlichen Bef\u00e4higung zum einj\u00e4hrig-freiwilligen Milit\u00e4rdienst (des begehrten \u201eEinj\u00e4hrigen\u201c);<\/li>\n<li>1885: Erhebung durch den Gro\u00dfherzog zur sechsklassigen Gro\u00dfherzoglichen Realschule mit staatlicher Bezuschussung (Nachfolgerin im Dritten Reich die \u201eOberschule f\u00fcr Jungen\u201c und nach dem Zweiten Weltkrieg das heutige \u201eHohenstaufen-Gymnasium\u201c) zun\u00e4chst noch unter der Direktion des Leiters der fr\u00fcheren \u201eH\u00f6heren B\u00fcrgerschule\u201c Karl Landgraf und ab 1886 dem Realschuldirektor Ludwig M\u00fcnch aus Darmstadt. Siehe dazu die<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-29.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-517 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-29-1024x569.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"367\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-29-1024x569.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-29-300x167.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 29: Einladung zur Feier der \u00dcbernahme der Realschule und Einf\u00fchrung des Direktors am 19. Mai 1885 in der \u201eWimpfener Zeitung\u201c<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Letztgenannte gr\u00fcndet umgehend ein Komitee, das laufende popul\u00e4r-wissenschaftliche Vortr\u00e4ge aus dem Bereich der aktuellen Physik und Chemie, der allgemeinen sowie \u00f6rtlichen Geschichte und der Literatur anbietet und \u00fcber ein Jahrzehnt und mehr frischen Wind der Fortbildung und des Fortschritts nach Wimpfen hineintr\u00e4gt. Dar\u00fcber hinaus h\u00e4lt in dieser langen Reihe im Januar 1887 der seit 1881 in Wimpfen und Hohenstadt t\u00e4tige evangelische Pfarrer Petersen im Mathildenbad beim Versch\u00f6nerungsverein einen Vortrag zu dem Thema \u201eZusammenhang zwischen der Geschichte und Lage Wimpfens\u201c.<\/p>\n<p>Was die Entwicklung der beiden Badeeinrichtungen anbelangt, so f\u00e4llt auf, dass die meisten von der Stadt und den immer zahlreicher werdenden Vereinen sowie sonstigen Gruppen ausgerichteten vielen Festlichkeiten und wichtigen Veranstaltungen der 1870er und 1880er Jahre im Ritter stattfinden. Das geht nicht nur auf eine gewisse \u00f6rtliche (aus der Stein-Riedlung-\u00c4ra \u00fcberkommen) Abneigung gegen das \u00a0Mathildenbad zur\u00fcck, sondern auch darauf, dass die Nachfolger des 1861 abgetretenen t\u00fcchtigen Ritter-Wirtes Georg Adam Schlegel ausnehmend gut gewirtschaftet haben, zun\u00e4chst der im Zusammenhang mit dem Bahnbau schon erw\u00e4hnte Wilhelm V\u00f6rg (Mitbesitzer der Papierfabrik, nach dem Abgang vom Ritter P\u00e4chter der \u201eHarmonie\u201c Heilbronn, Freimaurer, im Jahr vor seinem pl\u00f6tzlichen Tod 1888 zum Landtagsabgeordneten des Wahlkreises Wimpfen-Neckarsteinach-Hirschhorn-Beerfelden gew\u00e4hlt), der gleich dem Mathildenbad Wannenbadeeinrichtungen zur Verabreichung von Solb\u00e4dern geschaffen hat. Diesem folgen 1869 die versierten Hoteliers Bernhard und Andreas Hatz. Die Aufw\u00e4rtsentwicklung zeigt sich daraus, dass 1876 \u00fcber dem schon vorhandenen Saalgeb\u00e4ude des Hotels ein zweites Stockwerk und 1885 gegen\u00fcber demselben auf der auslaufenden Ostspitze des Eulenberges unterhalb des Roten Turmes eine Restaurationshalle (\u201eRitterpavillon\u201c) errichtet wird sowie 1889 ein gro\u00dfz\u00fcgiger weiterer Umbau des Hotels erfolgt und jetzt dort bis zu 60 G\u00e4ste Unterkunft finden k\u00f6nnen. 1901 folgt Frau Jeanette Reith Witwe aus Offenbach durch Kauf des \u201eBadhotels Ritter\u201c, wie es seit l\u00e4ngerem genannt wird, f\u00fcr 75.000 Mark nach. Die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-30.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-516 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-30-1024x656.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"423\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-30-1024x656.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-30-300x192.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 30: \u201eBadhotel Ritter\u201c im \u201eF\u00fchrer f\u00fcr Wimpfen und Umgebung\u201c des Jahres 1890<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>zeigt die markante Ansicht des n\u00fcchternen nachklassizistischen Hotelkomplexes, wie er sich dem mit der Bahn Ankommenden und \u00fcber die Steige vorbei am Steigenbrunnen und das Untere Tor der Stadt Zustrebenden darbietet. Zum vorderen der drei Bautrakte, dem alten Hauptbau beim Beginn des Kalte Lochwegs, f\u00fchrt eine steile lange Treppe zum ersten der drei Stockwerke hinauf. Dahinter steht versetzt der im Dachgeschoss einen Zwerchgiebel tragende Solbad-Bau.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu geht es mit dem Mathildenbad seit dem Beginn der 1870er Jahre mehr und mehr bergab. Diese Entwicklung setzt ein, nachdem das Bad im Jahr 1869 (Restgrundst\u00fccke 1878) aus dem Besitz des ordentlich wirtschaftenden und dem alten guten Ruf desselben einigerma\u00dfen gerecht werdenden Anton M\u00fcller an Theodor Hammer aus Buchen zum stattlichen Preis von 34. 000 fl \u00fcbergegangen ist. Aus der Zeit dieses Verkaufs stammt die in<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-31.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-515 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-31-1024x757.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-31-1024x757.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-31-300x222.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 31: Haupteingang des Mathildenbades vom \u201eBadhof\u201c her (Fotografie aus dem Album von August von Lorent &#8211; ca. 1869)<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>wiedergebene Ansicht des Zugangstraktes, auf der das in diesen integrierte \u201eSchneckent\u00fcrmchen\u201c zu sehen ist. Nach und nach kommt das Mathildenbad, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, herunter und verlieren sich die G\u00e4ste mehr und mehr, bis 1885 der Konkurs ansteht und das Mathildenbad f\u00fcr nur (ohne Mobilien) 28.000 Mark durch den Wimpfener Karl Link und Ehefrau erworben und 1887 an deren Schwiegersohn Ludwig Breuninger f\u00fcr 30.000 Mark + 15.000 Mark f\u00fcr das Inventar weiterverkauft wird.<\/p>\n<p>Es geht erst wieder richtig aufw\u00e4rts, als 1888 zun\u00e4chst als P\u00e4chter und 1889 durch Kauf f\u00fcr 32.000 Mark + 25.000 Mark der aus der Gegend von Kassel stammende versierte Hotelfachmann Johannes Albrecht auf den Plan tritt. Dieser bringt das Unternehmen zu einem zweiten Aufbl\u00fchen. Unter diesem wird das Mathildenbad 1901 bedeutend erweitert und modernisiert, so dass es jetzt 100 Betten bietet. Und 1903 erh\u00e4lt es eine auf 14 Betonpfeilern \u00fcber der ehemaligen offenen \u201eEsplanade\u201c errichtete 24 m lange gedeckte Terrasse, die der ganze Stolz des Bades wird. Wie es sich jetzt dem Neckar zu darbietet, zeigt die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-32.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-514 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-32-1024x647.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"417\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-32-1024x647.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-32-300x189.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 32: Ansicht des Mathildenbades in einem Hotelprospekt von ca. 1900<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Und die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-33.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-513 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-33-1024x746.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"481\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-33-1024x746.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-33-300x219.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 33: Kopfteil eines Prospekts des Mathildenbades von ca. 1900<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>l\u00e4sst erkennen, dass dieses jetzt mit der Dreifachbezeichnung \u201eSolbad, Wasserheilanstalt und Luftkurort\u201c wirbt. Und 1903 erh\u00e4lt es eine auf 14 Betonpfeilern \u00fcber der talseitigen offenen Aussichtsplattform\u00a0\u201eEsplanade\u201c errichtete 24 m lange gedeckte Terrasse, die der ganze Stolz des Badehotels wird.<\/p>\n<p>Kaum hat Albrecht das Bad als P\u00e4chter \u00fcbernommen, als Ende August 1888 in der \u201eWimpfener Zeitung\u201c unter dem Titel \u201eEin Weg zur Bef\u00f6rderung der wirtschaftlichen Bl\u00fcte Wimpfens\u201c ein langer Aufsatz erscheint, der im Wiederaufgreifen der fr\u00fcheren Zielsetzungen der hessischen Kreisr\u00e4te Hallwachs und von Stein dem Gemeinderat und dem Stadtvorstand neue (und doch alte) Wege zu weisen sucht. Dessen Credo ist: Wimpfens Bl\u00fcte wird am besten durch die F\u00f6rderung und Weiterentwicklung des Badebetriebes und Fremdenverkehrs erreicht. Der Verfasser ist h\u00f6chstwahrscheinlich Johannes Albrecht, wenn nicht, so vielleicht einer der anderen in Wimpfen noch amtierenden hessischen Beamten und engagierten F\u00f6rderer des Versch\u00f6nerungsvereins. Es werden die Verh\u00e4ltnisse und Zukunftschancen Wimpfens mit analysierendem Blick, wenngleich dessen in den Kunstdenkm\u00e4lern steckenden Vorz\u00fcge keinerlei Erw\u00e4hnung finden, unter ziemlicher Kritik und Schelte in Richtung Gemeinderat und Einwohnerschaft sowie auch auf die hessische \u00c4rzteschaft und St\u00e4ndekammer bezogen, folgenderma\u00dfen ausgebreitet:<\/p>\n<p><em>\u201eWo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!\u201c &#8211; Die Arbeit des Landmannes ist gro\u00df, die Ertr\u00e4gnisse sind sp\u00e4rlich, und von der Gr\u00fcndung der Landwirtschaftlichen Kreditkasse und der Einrichtung von Viehm\u00e4rkten \u201ed\u00fcrfen wir schon dessentwillen nicht viel erwarten, weil unsere politische Zugeh\u00f6rigkeit zu Hessen uns einigerma\u00dfen vom Verkehr mit der Umgegend ausschlie\u00dft. Auf uns selbst beschr\u00e4nkt, umschlossen von w\u00fcrttembergischen und badischen Landesteilen, entbehren wir vielfach der Beziehungen, welche irgendein anderes St\u00e4dtchen mit seinen benachbarten Orten verbindet. Nicht nur, dass diese Verh\u00e4ltnisse unseren Verkehr mit der Nachbarschaft einschr\u00e4nken, wird unser eigenes Lokal-Gesch\u00e4ft durch die erdr\u00fcckende N\u00e4he einer gr\u00f6\u00dferen Stadt <\/em>(gemeint: Heilbronn)<em> gesch\u00e4digt, w\u00e4hrend sowohl ung\u00fcnstige Eisenbahn-Verh\u00e4ltnisse als unser bergiges Terrain der Anlage von Fabriken hinderlich sind.\u201c &#8211; Versagen unsere Verh\u00e4ltnisse die Entwicklung des Handels und die Errichtung von Fabriken, so weist Wimpfens Lage, seine \u00fcberaus sch\u00f6ne Aussicht und die von den Fremden so sehr gelobten nat\u00fcrlichen Reize des St\u00e4dtchens ihm den Weg zur F\u00f6rderung seiner Bl\u00fcte durch den weiteren Ausbau zum Badeort. Die beiden vorhandenen Badehotels und Badeanstalten haben schon einigerma\u00dfen Leben in das sonst so stille St\u00e4dtchen gebracht und manche Gesch\u00e4ftsleute sp\u00fcren auch schon den Einfluss des Fremdenbesuchs auf ihr Gesch\u00e4ft. Aber damit ist nur ein Anfang gemacht. Der Fremdenbesuch sollte im gemeinsamen Zusammenwirken aller Klassen im Interesse Aller und der Erkenntnis, dass Jeder teilhat so gesteigert werden, dass der sichtbare Nutzen f\u00fcr das gesamte Gemeinwesen, so f\u00fcr die Landwirtschaft, die Kaufleute, die Handwerker, die B\u00e4cker, Wirte, Metzger, Wirte usw. in weite Kreise der Bev\u00f6lkerung dringt. \u201eDer Standpunkt muss aufh\u00f6ren: Was habe ich davon? \u2026 Die Saline besch\u00e4mt mit ihrer Unterst\u00fctzung durch die Lieferung der Sole die Stadt, welche anstatt einen Erfolg versprechenden Erwerbszweig zu unterst\u00fctzen, demselben Steine des Ansto\u00dfes und Hindernisse aller Art in den Weg legt \u2026 Wir wollen uns nicht einbilden, aus Wimpfen ein Kreuznach oder Nauheim zu machen, wir k\u00f6nnen es aber im kleinen \u2026 Wie anders, wenn die H\u00e4lfte der Kosten des Neckarfahrs verwendet worden w\u00e4ren f\u00fcr Versch\u00f6nerungen der Stadt und ihrer Umgebung, zur Anlage und Verbesserung von Spazierwegen, Anpflanzung von Schatten spendenden B\u00e4umen l\u00e4ngs der Stra\u00dfe nach dem Eisenbahndamm, Anlegung einiger Kan\u00e4le, welche f\u00fcr die Reinhaltung der Stadt so wichtig sind. Man h\u00e4tte dem ganzen St\u00e4dtchen ein anderes Aussehen verleihen k\u00f6nne \u2026 \u00a0Zu dem, womit die Natur unser St\u00e4dtchen ausgestattet hat, m\u00fcsste sich das Bem\u00fchen gesellen, das Innere ebenso freundlich zu gestalten, als es sich dem Fremden von ferne darstellt \u2026 \u00a0Der einzelne Hotelbesitzer kann nichts anderes tun als in Bl\u00e4ttern sein Hotel empfehlen. Es kann ihm mit diesem Mittel z. B. nicht gelingen, das Interesse der hessischen \u00c4rzte, welche gar nichts f\u00fcr uns tun, f\u00fcr Wimpfen zu wecken \u2026 \u00a0Auf unsere Vertreter im Landtag kann er auch nicht wirken, daf\u00fcr Sorge zu tragen, dass von dem reichen Tische, welchen die Kammer allj\u00e4hrlich dem Bade Nauheim vorsetzt, einige Brosamen f\u00fcr Wimpfen abfallen. Aber der Stadtvorstand, der Gemeinderat kann es, ihre Stimme wird geh\u00f6rt werden, und selbst, wenn sonst nichts zu erreichen, so wird es in Hessen eines guten Eindrucks nicht verfehlen, wenn unsere Stadtv\u00e4ter dies tatkr\u00e4ftig in die Hand nehmen.\u201c <\/em>Schlie\u00dflich gei\u00dfelt der Schreiber mit h\u00f6chst absch\u00e4tzigen Worten<em> \u201edie abscheuliche Verunreinigung unseres sch\u00f6nen Weges um den Haag und anderer \u00f6ffentlicher Wege \u2026 \u00a0schlimmer als es im geringsten Dorfe zu finden ist\u201c <\/em>und schlie\u00dft zukunftshoffend und den Zeigefinger hebend<em>: \u201eWenn man aber einmal zur Einsicht gelangt sein wird, dass die Fremden ein Nutzen f\u00fcr alle sind, dass man sie demnach heranziehen muss, dann wird sich auch wohl die Erkenntnis Bahn brechen, dass der artige Rohheiten unterbleiben m\u00fcssen, und darnach wird ein weiterer Nutzen des Fremden-Verkehrs darin bestehen, dass er auf hiesige Sitten bessernd wirkt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Als Erfolg dieses Appells in der Zeitung d\u00fcrfte im Jahr 1890 das Erscheinen des ersten Stadtf\u00fchrers zu werten sein, der 37 Seiten umfasst: \u201eF\u00fchrer f\u00fcr Wimpfen und Umgebung. Mit Illustrationen, Stadtplan und Spezialkarte der Umgebung\u201c. Hierzu sei gezeigt:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-34.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-512 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-34-1024x523.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-34-1024x523.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-34-300x153.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 34: Titelseite und Ansicht des Vorsatzes von Wimpfen am Berg vom Tal her des \u201eF\u00fchrers f\u00fcr Wimpfen und Umgebung\u201c (1890)<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"line-height: 1.6471;\">sowie<\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-35a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-large wp-image-511 alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-35a-1024x706.jpg\" alt=\"wimpfen-hessische-enklave-35a\" width=\"660\" height=\"455\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-35a-1024x706.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-35a-300x207.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-35b.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-510 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-35b-628x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"628\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-35b-628x1024.jpg 628w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-35b-184x300.jpg 184w\" sizes=\"(max-width: 628px) 100vw, 628px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 35 a und b: Beispiele der zahlreichen Illustrationen dieses F\u00fchrers (Arkaden der Kaiserpfalz sowie Kreuzigungsgruppe von A. Clohs nach Vorlagen von F. Kallmorgen)<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Texte stammen von Architekt Dr. Cathiau, Dr. Th. Frank und Reallehrer Hans Kahl; Druck und Verlag erfolgt durch S. Dohany (Verlag der \u201eWimpfener Zeitung\u201c).<\/p>\n<p>Auf welchen Kan\u00e4len die Botschaft des oben wiedergegebenen Zeitungsartikels auch immer die Zweite Kammer der Landst\u00e4nde erreicht haben mag, entscheidend ist, dass im Februar 1893 der Abgeordnete f\u00fcr den Wahlkreis Beerfelden-Hirschhorn-Wimpfen Privatier Breimer den Antrag auf Wiedererrichtung des Kreises Wimpfen einbringt. Zwar ist diesem kein Erfolg beschieden, doch ist jetzt der Blick der hessischen Volksvertretung sowie der Regierung auf die Exklave Wimpfen und ihre spezifischen Probleme sowie ihre besonderen landschaftlichen und kunsthistorischen Vorz\u00fcge gelenkt. So stattet im Mai des genannten Jahres der Historische Verein des Gro\u00dfherzogtums Hessen Wimpfen einen zweit\u00e4gigen Besuch ab. Unter der F\u00fchrung von Realschuldirektor Dr. Karl Kemmer werden viele Besichtigungen durchgef\u00fchrt. Der Erfolg des Besuchs spiegelt sich in einem umf\u00e4nglichen Bericht der Darmst\u00e4dter Zeitung wieder, wo es u. a. hei\u00dft: <em>\u201eDieser Bericht soll \u2026 unsere Vereinsmitglieder auf die sch\u00f6ne Stadt Wimpfen aufmerksam machen, die als vorgeschobener Posten unseres Hessenlandes vor allen anderen St\u00e4dten des engeren Vaterlandes unsere Teilnahme verdient. Ihre nat\u00fcrliche Lage ist reizend &#8211; der Ausblick auf das fruchtbare gesegnete Neckartal allein kann diese Reise dahin reichlich entlohnen. Und welche F\u00fclle von Denkm\u00e4lern aus vergangener Zeit, welche reichliche geschichtliche Vergangenheit!\u201c <\/em>Der Bericht schlie\u00dft mit dem Aufruf zum Besuch des St\u00e4dtchens, dem in diesem Jahr noch die Sektion des Alpenvereins Darmstadt Folge leistet.<\/p>\n<p>Und wenngleich im B\u00fcrgermeisterwahlkampf 1889 nach dem Ausscheiden von Friedrich Ernst wegen Alters f\u00fcr beide Kandidaten, den katholischen Kaufmann Heinrich Heuerling wie den evangelischen \u00d6konom Philipp Bornh\u00e4u\u00dfer, immer noch die Hebung der Landwirtschaft als oberstes Gebot gilt und der Letztgenannte als der Vertreter der Bauernschaft mit Abstand obsiegt, stellt sich eine sp\u00fcrbare Verbesserung der Frequentierung der beiden Badehotel-Betriebe (insbesondere auch wieder des Mathildenbades) sowie wachsendes Interesse wichtiger hessischer Instanzen ein. Dazu tragen bei:<\/p>\n<ul>\n<li>insbesondere die verst\u00e4rkte Wirksamkeit des Versch\u00f6nerungsvereins;<\/li>\n<li>des weiteren die 1896 durch die Initiative des Oberamtsrichters Sander, des Reallehrers Kahl und des Lehramtsassessors Gebhard sowie der Kaufleute Heinrich Heuerling und Julius Ernst zum Zwecke der F\u00f6rderung vor allem des Fremdenverkehrs und der Geselligkeit erfolgte Gr\u00fcndung einer Sektion des hessischen \u201eOdenwaldclubs\u201c, der drei Jahre sp\u00e4ter schon 66 Mitglieder hat;<\/li>\n<li>au\u00dferdem die Anstrengungen der obengenannten beiden Hoteliers.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vermehrt sind die Blicke auf die Stiftskirche Wimpfen im Tal sowie auch auf die anderer herausragenden kunsthistorischen sowie vielen weiteren baulichen Sch\u00e4tze Wimpfens gelenkt, seitdem<\/p>\n<ul>\n<li>1890 die hessische Denkmalpflege in Person des hessischen Hofrats Dr. Sch\u00e4fer die Erforschung der Wimpfener Kunstdenkm\u00e4ler begonnen hat,<\/li>\n<li>1894, 1896 und 1898 die Ergrabung des r\u00f6mischen Talwimpfen durch die Reichslimeskommisssion unter Professor K. Schumacher und<\/li>\n<li>1895\/96 \u2013 1997 die Ergrabung der Fundamente der Vorhalle und des fr\u00fchromanischen Vorg\u00e4ngerbaus der Stiftskirche unter Regierungsbaumeister Eduard Wagner und Professor Rudolf Adamy nach vorausgegangener Besichtigung ihrer Spuren durch den Geheimen Baurat von Weltzien, Darmstadt, und den Dombaumeister Tornow, Metz, durchgef\u00fchrt worden ist, sowie<\/li>\n<li>1897 der Mainzer Pr\u00e4lat Dr. Friedrich Schneider im \u201eCentralblatt der Bauverwaltung\u201c die jetzt vielgenannte Stiftskirche zum Gegenstand einer baugeschichtlichen Studie gemacht hat, die insbesondere auf die sensationelle Entdeckung der Fundamente der \u00e4lteren fr\u00fchromanischen Polygonalanlage verweist.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es r\u00fchren w\u00e4hrenddem auch die ans\u00e4ssigen hessischen Beamten, so die Pfarrer, der Oberamtsrichter und manche der Realschullehrer, fest die Trommel. Und so kommt es schlie\u00dflich, dass Ende Mai 1897 der seit 1892 nach dem Tod seines Vaters Ludwig IV. an die Regierung gekommene Gro\u00dfherzog Ernst Ludwig mit seiner Gemahlin Victoria Melita (von Sachsen-Coburg-Gotha) sowie seinem Schwager Ludwig Prinz von Battenberg (\u00e4ltester Sohn von Prinz Alexander von Hessen und Gr\u00e4fin Julie Hauke) und dessen Gemahlin Prinzessin Victoria von Hessen (die Schwester des Gro\u00dfherzogs) Wimpfen per Bahn mit gro\u00dfem Hofwagen einen Besuch abstatten:<\/p>\n<p><em>Zur Ankunft um \u00bd 2 Uhr stehen auf dem Perron die Honoratioren der Stadt bereit und ist in Reihen der Kriegerverein und die Stadtkapelle sowie die gesamte Schuljugend aufgestellt. Der Gro\u00dfherzog begr\u00fc\u00dft zuerst den B\u00fcrgermeister, schreitet dann unter den Kl\u00e4ngen der Stadtkapelle die Front des Kriegervereins ab, spricht mit einigen Veteranen und l\u00e4sst sich dann vom Kreisrat die an den Bahnhof befohlenen Herrn vorstellen. Zwei kleine M\u00e4dchen \u00fcberreichen den hohen Damen Blumenstr\u00e4u\u00dfe. Dann geht es zu Fu\u00df zum nahen \u201eRitter\u201c zum Mittagessen. Nach einer Stunde begeben sich die hohen Herrschaften zu Fu\u00df, \u00fcberall von einer begeisterten Menge empfangen, durch die pr\u00e4chtig geschm\u00fcckte Stadt zum \u201eMathildenbad\u201c. Von dessen Balkon aus bewundern diese die herrliche Aussicht und nehmen dann einen Vortrag von Dr. med. G. Geiger \u00fcber die beabsichtigte Einrichtung einer Kinderheilst\u00e4tte entgegen. Es folgen intensive Besichtigungen der Evangelischen und der Katholischen Kirche unter F\u00fchrung der Stadtpfarrer Weitbrecht und Klein, wobei sogar die Sch\u00e4tze der Sakristeien zu ihrem Recht kommen. Per Wagen fahren die immer wieder lebhaftes Interesse zeigenden, mannigfach Lob und Bewunderung \u00e4u\u00dfernden G\u00e4ste nach Wimpfen im Tal. An der sch\u00f6n geschm\u00fcckten Saline haben sich s\u00e4mtliche Beamte und Arbeiter aufgestellt und empf\u00e4ngt die Gro\u00dfherzogin von einem Kind ein sehr sch\u00f6nes Bouquet. Unter Glockenklang ziehen die Besucher zur Besichtigung in die Stiftskirche ein. Danach fahren sie weiter nach Jagstfeld, wo sie noch die 1862 dort entstandene Kinderheilanstalt Bethesda besichtigen. Im 5 Uhr kehren sie mit dem Schnellzug nach Schloss Heiligenberg heim. Die \u201eWimpfener Zeitung\u201c schlie\u00dft ihren genauen Bericht mit den Worten: \u201eDer Tag des gro\u00dfherzoglichen Besuches wird Wimpfen unvergesslich bleiben und wir d\u00fcrfen gewiss annehmen, dass die hohen Herrschaften von unserer sch\u00f6nen Stadt und deren loyaler Bev\u00f6lkerung einen erfreulichen Eindruck mitgenommen haben.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Besch\u00e4mend erweisen sich allerdings die bald nach diesem hohen Besuch erfolgten ortspolitischen Vorg\u00e4nge der B\u00fcrgermeisterwahl des Jahres 1898, wenngleich bei dieser Wahl wenigstens der im Blick auf die Wiederaufnahme der Bem\u00fchungen um die Hinentwicklung zum Bade- und Fremdenort wohl besser daf\u00fcr geeignete Vertreter des Gewerbes und Handwerks, n\u00e4mlich der Sohn des 1890 verstorbenen B\u00fcrgermeisters Friedrich Ernst und ehrenamtliche Kirchenrechner sowie Rechner des Odenwaldclubs Kaufmann Julius Ernst, und nicht der eher st\u00e4rker sich der Landwirtschaft verpflichtet sehende \u00d6konom Heinrich Bornh\u00e4u\u00dfer, der Sohn des ausscheidenden B\u00fcrgermeisters Philipp Bornh\u00e4u\u00dfer, zum Zug kommt. Da die Art und Weise des von diesen beiden Kandidaten aus der Warte ihrer Herkunft und des Familienprestiges gef\u00fchrten Wahlkampfes die gro\u00dfen Schw\u00e4chen des seit 1821 bestehenden Ehrenb\u00fcrgermeister-Amtes blo\u00dflegen, sei zun\u00e4chst die diesbez\u00fcgliche Eintragung des seit 1893 amtierenden Ersten Stadtpfarrers Dr. Richard Weitbrecht aus M\u00e4hringen bei Ulm in der evangelischen Kirchenchronik zitiert:<\/p>\n<p><em>\u201eDas Jahr 1898 stand anfangs unter dem Zeichen einer B\u00fcrgermeisterwahl und jetzt noch sind die Nachwehen der damit verbundenen Erregung nicht verschwunden. Die Amtszeit des 1889 gew\u00e4hlten B\u00fcrgermeisters Bornh\u00e4user lief im April des Jahres ab und wegen Kr\u00e4nklichkeit kandidierte dieser nicht mehr. Sein Wunsch war, dass sein Sohn Heinrich an seine Stelle trete. Von der anderen Seite wurde der Sohn des fr\u00fchere B\u00fcrgermeisters Kaufmann Julius Ernst aufgestellt und ein hei\u00dfer Wahlkampf entbrannte. Dieser wurde leider nicht mit Gr\u00fcnden gef\u00fchrt, denn es lie\u00dfen sich weder f\u00fcr noch gegen beide Kandidaten besondere Gr\u00fcnde geltend machen, sondern mit geistigen Getr\u00e4nke, mit deren Spendung schon im Januar begonnen wurde. Nach sicheren Nachrichten haben beide Kandidaten zusammen mehr als 10. 000 Mark diesem Zweck geopfert! Wer mit dem Unfug begonnen hat, l\u00e4sst sich nicht ganz sicher feststellen. Tatsache ist, dass beide bzw. beide Parteien (die \u201eHarten\u201c f\u00fcr Ernst, die \u201eWeichen\u201c f\u00fcr Bornh\u00e4user) sich gegenseitig in der Gewinnung von W\u00e4hlern durch geistige Getr\u00e4nke zu \u00fcberbieten suchten. Jeder Versuch, der zuletzt auch noch durch Vermittlung des 1. Pfarrers bei beiden Kandidaten gemacht wurde, den sinn- und schamlosen Saufereien Einhalt zu tun, scheiterte. Beide erkl\u00e4rten, weil der eine das tue, m\u00fcsse der andere es auch tun. Die sittlichen Missst\u00e4nde, welche dieses monatelang w\u00e4hrende kostenlose Saufen hatte, lassen sich denken; die Feindschaften, die entstanden, waren unz\u00e4hlig, und am Wahltage selbst kam es zu Stechereien und Schl\u00e4gereien. Zuletzt versch\u00e4rften sich diese Gegens\u00e4tze auch noch durch gegenseitige heftige Vorw\u00fcrfe und Angriffe in der Wimpfener Zeitung, und bei alledem waren die beiden Programme der beiden Kandidaten gar nicht sonderlich verschieden, und wer die Verh\u00e4ltnisse kennt, wusste, dass auf dem Rathaus und in der Gemeindeverwaltung nichts wesentlich ge\u00e4ndert werde, ob der eine oder der andere Kandidat<\/em> <em>siege. Dennoch darf man sagen, dass der einsichtsvollere Teil der B\u00fcrgerschaft, insbesondere alle alten Beamten, auf Seiten des Kandidaten Ernst standen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Friedrich Feyerabend, der 1895 als 24-j\u00e4hriger unternehmungsfreudiger junger B\u00e4ckermeister an der Ecke Salzgasse-Pfarrhausgasse \u00fcber dem Adlerbrunnen ein Bauernhaus mit sch\u00f6nem steinernen Renaissanceerker gekauft und dort die heute noch weithin bekannte Weinwirtschaft (damals \u201eZur Starkenburg\u201c; vor einigen Jahren von dessen Urenkeln Udo Schachtsiek und B\u00e4rbel Lasotta \u00a0r\u00e4umlich und angebotsm\u00e4\u00dfig erweitert und umbenannt in \u201eRestaurant &#8211; Weinstube \u2013 Friedrich Feyerabend \u2013 Konditorei \u2013 Caf\u00e8\u201c) eingerichtet hat, gibt seine Erinnerungen daran in einem noch farbigeren Bericht \u201eWie Wimpfen 1998 seinen B\u00fcrgermeister w\u00e4hlte\u201c wie folgt wieder:<\/p>\n<p><em>\u201eEine Wimpfener Zeitung vom 8. Mai 1898 erlaubt mir einen kleinen R\u00fcckblick auf die damalige B\u00fcrgermeisterwahl, die nicht gerade in r\u00fchmlichen Lettern in der Chronik der Stadtgeschichte weiterlebt. Der B\u00fcrgermeister zu jener Zeit war ehrenamtlich und musste seinen Ratsschreiber selber bezahlen, welches bewirkte, dass nur gut situierte B\u00fcrger der Stadt dieses Ehrenamt bekleiden konnten. W\u00e4hlen selbst durften nach dem damaligen Wahlgesetz nur die M\u00e4nner. Zur Wahl selbst stellten sich zwei B\u00fcrger der Stadt: Herr Julius Ernst und Herr Heinrich Bornh\u00e4u\u00dfer. Sofort nach dem Bekanntwerden der Kandidaten spalteten die W\u00e4hler sich in zwei Gruppen: Die \u201aBockelharten\u2019 mit Sitz Ihres Comit\u00e9s im \u201aGr\u00fcnen Baum\u2019, damals B\u00e4ckerei und Weinstube, und die Gegenseite die \u201aBreiweichen\u2019 im \u201aLamm\u2019, damals B\u00e4ckerei und Wirtschaft, heute Neubau der Handels- und Gewerbebank. Die Kandidaten selbst traten wenig in Aktion. Die Wahlschlacht f\u00fchrten die Comit\u00e9s, die aus allen Schichten der Bev\u00f6lkerung aufgebaut waren.- Noch nie gab es so viele Einladungen, Geburtstagsfeiern, jede famili\u00e4re Feier wurde durch die Comit\u00e9s zur Werbung ihres Kandidaten hochgespielt. Die Stammtische in den verschiedenen Lokalen der Stadt waren Zentren. Hier wurde die Wahlschlacht von morgens bis in die sp\u00e4te Nacht zum Leide der Frauen gef\u00fchrt. Es gab auch schon zu dieser Zeit die sogenannten Wassertr\u00e4ger, die auf beiden Seiten mitsoffen und die zahlenden Kandidaten ausnutzten. Als dann endlich der Wahltag kam, erreichte das Geschehen seinen H\u00f6hepunkt. Gearbeitet wurde an diesem Werktag nichts. Schon am Morgen kamen die Hohenst\u00e4dter W\u00e4hler auf geschm\u00fcckten gro\u00dfen Leiterwagen unter dem Jubel der Bev\u00f6lkerung zur Wahl. Als dann die Helmh\u00f6fer sogar viersp\u00e4nnig, mit laubgeschm\u00fcckten Wagen vom Forstwald einzogen, war schon alles auf den Beinen. Der damalige T\u00fcrmer und Kapellmeister Hummel, der ein besonders eifriger Verfechter der Bockelharten war, er\u00f6ffnete den Wahltag vom Blauen Turm mit dem Lied: \u201aDas ist der Tag des Herrn\u2019. Was nun geschah, dar\u00fcber m\u00f6chte ich mich kurz fassen. Allein am Wahltag wurden, und das nur in einem Lokal, 95 Pfund Schinkenwurst, 23 gro\u00dfe Dosen je 25 St\u00fcck Bismarckheringe verzehrt sowie 230 Liter Steinweger Wein und 1,5 Hektoliter Bier getrunken. Herr Julius Ernst wurde zum B\u00fcrgermeister gew\u00e4hlt. Die \u201aBockelharten\u2019 siegten. Die Bilanz: 25.000 Goldmark, was heute dem zehnfachen Wert entspricht, gingen allein auf das Konto des Gewinners. Die Namen \u201aBockelhart\u2019 und \u201aBreiweich\u2019 leben noch heute im Wimpfener Sprachschatz weiter.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dessen ungeachtet oder gerade deswegen wird dem Sieger eine <em>\u201egro\u00dfartige Ovation\u201c<\/em> dadurch dargebracht, dass ein pr\u00e4chtiger Lampionzug durch die Mitglieder von 6 Vereinen vom Bahnhof bis zu seinem Haus (damals Obere Hauptstra\u00dfe Nr. 65, heute Nr. 78) veranstaltet wird, wo der Gesangverein Concordia singt, Reallehrer Kahl eine Gl\u00fcckwunschrede und B\u00fcrgermeister Ernst eine vers\u00f6hnliche Gegenrede halten. Dann geht der Zug weiter zum Mathildenbad, wo in allen R\u00e4umen mit reichem Speisezettel, Wein und Bier und mit der langen Serie von acht Reden im bis \u00fcber Mitternacht hinaus gehenden Festbankett u. a. folgendes gesagt wird:<\/p>\n<p><em>&#8211;<\/em>Reallehrer Kahl: <em>Dieser spricht den Wunsch aus, dass von jetzt ab aller Zwist und Hader ruhen, Friede in der Gemeinde einkehren und alle bestrebt sein m\u00f6chten, in Einm\u00fctigkeit zusammenzuwirken f\u00fcr ein ferneres Bl\u00fchen, Wachsen und Gedeihen der Stadt.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211;<\/em>B\u00fcrgermeister Ernst:<em> Er dankt f\u00fcr die bereitete Ehrung und erkl\u00e4rt, dass er gern seinen Gegnern die Hand zum Frieden bietet und verspricht, in der Verwaltung des \u00fcbernommenen Amtes Niemandem zu dienen als allein dem Wohl der Gemeinde.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211;<\/em>Reallehrer Kahl:<em> Der Friede wird umso leichter einkehren, wenn die \u201eWeichen\u201c sich bem\u00fchen werden, etwas h\u00e4rter zu werden, die \u201eHarten\u201c dagegen etwa weicher. Sein Hoch gilt der Einigkeit der B\u00fcrgerschaft.<\/em><\/p>\n<p>Der Ruf nach Friedfertigkeit und Einigkeit im Wimpfen der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert ist auch deshalb notwendig, weil nicht nur zwischen den Landwirten und den Handwerks- und Gewerbetreibenden eine Kluft besteht, sondern auch das Verh\u00e4ltnis zwischen den Konfessionen stark gest\u00f6rt ist. Die Gr\u00fcnde sind, dass die Evangelischen sich noch wie in Reichsstadtzeiten nach wie vor den Katholiken, deren Zahl konstant zunimmt und die einen Katholischen Kirchenchor und M\u00e4nnerverein gegr\u00fcndet haben, gar nicht hold sind. Das gilt auch umgekehrt von den Katholiken, was sich vor allem in der Frage der Akzeptanz gegen\u00fcber Mischehen immer wieder entz\u00fcndet. In dieser Frage stehen sich der katholische Stadtpfarrer Jakob Klein, im Volksmund \u201eKlouschd\u00e4\u2019b\u00e4\u2019 (Klosterb\u00e4r) genannt, weil er seine in der Diaspora stehende Kirche unnachgiebig verteidigt, und der stark national und dezidiert protestantisch gesonnene, den \u201eUltramontanen\u201c ganz und gar abholde, evangelische Stadtpfarrer Dr. Weitbrecht unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber. Diese f\u00fchren quasi den im neugegr\u00fcndeten Deutschen Kaiserreich in den \u00fcber die 1870er Jahre von Reichskanzer Bismarck zum Zwecke der Eind\u00e4mmung des Einflusses des Katholizumus\u2019, des Papstes und der Katholischen Bisch\u00f6fe gef\u00fchrten sog. Kulturkampf \u00fcber Jahrzehnte bis \u00fcber die Jahrhundertwende hinweg bis in den Ersten Weltkrieg hinein fort. So kommt es z. B., um nur eines der vielen endlosen Beispiele des (immer wieder auch in der \u00f6rtlichen Presse gef\u00fchrten) Kampfes der Konfessionen aufzuf\u00fchren, im Jahr 1900 wegen der Taufe in einer Mischehe zu scharfen Auseinandersetzungen, die sogar zum Abbruch der Beziehungen zwischen den beiden Pfarrern f\u00fchrt. Vorausgegangen ist, dass Pfarrer Klein sich geweigert hat, einen bei einem Ungl\u00fccksfall pl\u00f6tzlich gestorbenen in Mischehe lebenden Katholiken zu beerdigen und bei dieser Gelegenheit angeblich ausgesprochen hat, dass er allen in Mischehen mit evangelischer Kindererziehung lebenden Katholiken das kirchliche Begr\u00e4bnis versagen wird. Die Folge davon ist, dass 7 Katholiken, so ein Dienstm\u00e4dchen im Tal, eine katholische Witwe und 5 in Mischehe lebende Ehem\u00e4nner, zur evangelischen Kirche \u00fcbertreten.<\/p>\n<p>Unter solchem Blickwinkel erscheint das Ergebnis der Volks- und Konfessionszugeh\u00f6rigkeits-Z\u00e4hlung vom Dezember 1900 aufschlussreich, wonach der Anteil der Katholiken 9,4 % betr\u00e4gt:<\/p>\n<p>Evangelische:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 2 763<\/p>\n<p>Katholiken: \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 295<\/p>\n<p>Israeliten: \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0 \u00a059<\/p>\n<p>Baptisten: \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 10<\/p>\n<p>Mennoniten: \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a08<\/p>\n<p>Methodisten: \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a01<\/p>\n<p>Konfessionslose: \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a01<\/p>\n<p>Summe: \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a03 137<\/p>\n<p>Das Ergebnis der Viehz\u00e4hlung desselben Jahres 1900 weist die der Hinentwicklung zum Bade- und Fremdenort besonders hinderliche starke \u00fcber den Ackerbau hinausgehende Ausrichtung der Landwirtschaft auf die Viehhaltung aus:<\/p>\n<table style=\"width: 627px; height: 372px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 129.515625px;\"><\/td>\n<td style=\"width: 117.546875px;\">Wimpfen am Berg<\/td>\n<td style=\"width: 117.546875px;\">Wimpfen im Tal<\/td>\n<td style=\"width: 118.484375px;\">Hohenstadt<\/td>\n<td style=\"width: 67.953125px;\">Summe<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 129.515625px;\">Pferde<\/td>\n<td style=\"width: 117.546875px;\">91<\/td>\n<td style=\"width: 117.546875px;\">23<\/td>\n<td style=\"width: 118.484375px;\">24<\/td>\n<td style=\"width: 67.953125px;\">138<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 129.515625px;\">Rindvieh<\/td>\n<td style=\"width: 117.546875px;\">355<\/td>\n<td style=\"width: 117.546875px;\">166<\/td>\n<td style=\"width: 118.484375px;\">215<\/td>\n<td style=\"width: 67.953125px;\">736<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 129.515625px;\">Schafe<\/td>\n<td style=\"width: 117.546875px;\">320<\/td>\n<td style=\"width: 117.546875px;\">153<\/td>\n<td style=\"width: 118.484375px;\">&#8211;<\/td>\n<td style=\"width: 67.953125px;\">473<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 129.515625px;\">Schweine<\/td>\n<td style=\"width: 117.546875px;\">398<\/td>\n<td style=\"width: 117.546875px;\">112<\/td>\n<td style=\"width: 118.484375px;\">106<\/td>\n<td style=\"width: 67.953125px;\">616<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 129.515625px;\">Ziegen<\/td>\n<td style=\"width: 117.546875px;\">327<\/td>\n<td style=\"width: 117.546875px;\">90<\/td>\n<td style=\"width: 118.484375px;\">24<\/td>\n<td style=\"width: 67.953125px;\">441<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 129.515625px;\">Federvieh<\/td>\n<td style=\"width: 117.546875px;\">1864<\/td>\n<td style=\"width: 117.546875px;\">887<\/td>\n<td style=\"width: 118.484375px;\">742<\/td>\n<td style=\"width: 67.953125px;\">3493<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 129.515625px;\">Bienenst\u00f6cke<\/td>\n<td style=\"width: 117.546875px;\">17<\/td>\n<td style=\"width: 117.546875px;\">22<\/td>\n<td style=\"width: 118.484375px;\">&#8211;<\/td>\n<td style=\"width: 67.953125px;\">39<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Ein tiefer Riss spaltet auch die \u201egutb\u00fcrgerlichen Kreise\u201c von der \u201eArbeiterklasse\u201c, deren wachsende Schar mehr und mehr der Sozialdemokratie anh\u00e4ngt und deren Anh\u00e4nger als \u201eRote\u201c, \u201evaterlandslose Gesellen\u201c, \u201eMajest\u00e4tsbeleidiger\u201c und \u201eGottlose\u201c verschrieen sind. Deren nach der Aufhebung der Sozialistengesetze ab 1890 m\u00e4chtig steigender Einfluss wird dadurch evident, dass bei der Reichstagswahl des Jahres 1898 der Kandidat der Sozialdemokraten, Buchh\u00e4ndler Berthold aus Darmstadt, mit 158 Stimmen die bis dahin vorhandene unangefochtene Majorit\u00e4t des Kandidaten der Nationalliberalen, des Fabrikanten Freiherr von Heyl zu Herrnsheim aus Worms, mit jetzt nur 109 Stimmen bricht, was Pfarrer Weitbrecht durch das Vorhandensein der Saline bzw. der Salinearbeiter sowie auch auf die geringe Wahlbeteiligung und diese wiederum auf die Ver\u00e4rgerung der Bev\u00f6lkerung wegen der Verz\u00f6gerung der Anerkenntnis der B\u00fcrgermeisterwahl durch das Kreisamt Heppenheim zur\u00fcckf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Somit ist der Ruf nach Einigkeit wirklich angesagt, zumal denn ein knappes Jahr nach den die B\u00fcrgerschaft spaltenden Wahlvorg\u00e4ngen im Mai 1899 per Bahn 34 Mitglieder der hessischen Zweiten Kammer der St\u00e4nde und der Regierung Wimpfen einen Besuch mit Fr\u00fchst\u00fcck im Ritter, Mahl im Mathildenbad, Besichtigung der Stiftskirche und der Kreuzigungsgruppe abstatten. Dies geschieht vor allem deshalb, weil der hessische Kreisrat von Offenbach a. M. und Pr\u00e4sident der Zweiten Kammer sowie Wimpfen-Verehrer Wilhelm Haas wegen des Zustands der Stiftskirche in der Zweiten Kammer Alarm geschlagen hat. Dabei spricht B\u00fcrgermeister Ernst den Wunsch aus, dass der Besuch dazu dienen m\u00f6ge, das Interesse der gesetzgebenden Faktoren f\u00fcr das abgelegene hessische Gebiet Wimpfen zu erh\u00f6hen; und von sachverst\u00e4ndiger Seite wird bei diesem Besuch die Notwendigkeit und die Art und Weise der geplanten Wiederherstellung des romanischen Westwerks der Stiftskirche in der Erwartung erl\u00e4utert, eine Steigerung der bewilligten staatlichen Mittel zu erreichen. In der Zwischenzeit ist 1898 die gro\u00dfe Dokumentation \u00fcber die Ergrabung der Vorhalle und der Fundamente der fr\u00fchromanischen Vorg\u00e4ngerin der Stiftskirche durch Museums-Direktor Professor R. Adamy und Regierungsbaumeister E. Wagner erschienen, au\u00dferdem das pr\u00e4chtige Werk der Beschreibung der Kunstdenkm\u00e4ler des ehemaligen hessischen Bezirks Wimpfen-K\u00fcrnbach von Professor Dr. Georg Sch\u00e4fer.<\/p>\n<p>Als dann im Juni desselben Jahres der Darmst\u00e4dter Gewerbeverein mit 125 Mitgliedern nach Wimpfen kommt, da vergleicht Reallehrer Hans Kahl Wimpfen \u201e<em>mit einer Dame zwar schon reiferen Alters, die aber noch so viel Sch\u00f6nheit und mannigfache Reize bewahrt habe und der es an heimlichen und<\/em> <em>offenen Verehrern nicht fehle und die trotz eifriger Liebeswerbungen des badischen und w\u00fcrttembergischen Hausfreundes dem ihr im Jahre 1803 angetrauten Ehegemahl allezeit Treue bewahrt habe\u201c.\u00a0<\/em>Er verspricht, dass das auch weiterhin der Fall sein werde und bringt<em> \u201edem lieben alten Hessenland\u201c<\/em> ein Hoch aus<em>. <\/em>Und die Wimpfener Zeitung stellt optimistisch fest:<em> \u201eEndlich zeigt es sich, dass die Bem\u00fchungen, die in dieser Richtung <\/em>(gemeint: Badeort, Fremdenverkehr)<em> obwalten, von Erfolg gekr\u00f6nt sind.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Diese vermehrte Zuwendung und Unterst\u00fctzung Wimpfens durch Hessen wird vor allem auch durch das 1902 verabschiedete musterhafte hessische Denkmalgesetz bef\u00f6rdert. Deren Fortf\u00fchrung wird denn auch best\u00e4tigt durch:<\/p>\n<ul>\n<li>die von 1898 \u2013 1900 erfolgte Ersetzung der nach Darmstadt gebrachten Chorfenster der Stiftskirche durch Professor Geiges, Freiburg;<\/li>\n<li>die 1901 geschehene Freilegung des Fachwerks des Maringerhauses unter Leitung des hessischen Regierungsbaumeisters und Privatdozenten Adolf Zeller, erfolgreiches Signal f\u00fcr die B\u00fcrger, aufzudecken statt zuzuputzen; sowie<\/li>\n<li>die 1902 von der Evangelischen Kirchengemeinde unter der Regie des Vorgenannten vorgenommene Wiederherstellung der Cornelienkirche und<\/li>\n<li>die 1898 \u2013 1903 durchgef\u00fchrte Generalsanierung der Stiftskirche und des Westwerks ihrer fr\u00fchromanischen Vorg\u00e4ngerin.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die im kurzen Zeitraum von 5 Jahren (1898 &#8211; 1903) als Dokumente dieser intensiven Zuwendung und finanziellen Opfer Hessens entstandene Kette wertvoller Ver\u00f6ffentlichungen und deren Verfasser wurden bereits genannt und sind auch der \u201eZeittafel\u201c zu entnehmen. Der feste Helferwille und das Interesse Hessens zeigt sich auch darin, dass 1900 die Oberf\u00f6rsterei neu errichtet und mit dem bisher als solcher in Messel bei Darmstadt t\u00e4tig gewesenen Forstmeister Wilhelm Schallas besetzt wird. Dieser stirbt im Juli 1909 und sein Nachfolger wird der zuvor an der Oberf\u00f6rsterei J\u00e4gersburg t\u00e4tig gewesene Forstmeister Wilhelm Zeh. Erg\u00e4nzend hervorzuheben noch, dass der durch die Jahre seiner T\u00e4tigkeit am Ort mit den Verh\u00e4ltnissen Wimpfens eng vertraut gewordene Regierungsbaumeister Adolf Zeller zur Feder greift und in einem im Mai 1902 in der \u201eWimpfener Zeitung\u201c ver\u00f6ffentlichten ungew\u00f6hnlich langen und h\u00f6chst detailierten Aufsatz unter dem Titel \u201eWimpfen am Berg, ein zuk\u00fcnftiges Ziel des Fremdenverkehrs\u201c sowohl die vorhandenen reichen Voraussetzungen als auch die eingeschlagenen wie noch einzuschlagenden Wege zur Erreichung dieses Ziels Wimpfen als Aufgabe vorstellt und damit eine (allerdings wohl in Unkenntnis derselben) zeitgem\u00e4\u00dfe Neufassung der Pl\u00e4ne der 1830er Jahre unter den Kreisr\u00e4ten Hallwachs und von Stein vornimmt. Deren Hauptgewicht ist jetzt allerdings auf die Pflege und Pr\u00e4sentation der Kunst- und Baudenkmalgutes gerichtet, was auch in der Zielfassung \u201eFremdenverkehr\u201c zum Ausdruck kommt, ohne jedoch die Wege des Ausbaus des Badewesens zu \u00fcbersehen. Hier in kurzer Zusammenfassung wiedergegeben, zeichnet Zeller folgendes Zielbild k\u00fcnftiger Entwicklung:<\/p>\n<p>Er erinnert an die opferwillige Arbeit und die Erfolge der M\u00e4nner und Mitglieder des Wimpfener r\u00fchrigen Versch\u00f6nerungsvereins und dessen Berufung, sich erweiterten und gr\u00f6\u00dferen Zielen zu n\u00e4hern und stellt fest, dass Wimpfen unter den kleineren St\u00e4dten S\u00fcddeutschlands, dadurch dass Natur und historische Kunst sich in hervorragendem Ma\u00dfe vereinen, <em>\u201emit an erster Stelle\u201c<\/em> stehe. Dann zieht er unter Auff\u00fchrung der herausragenden Kunstdenkm\u00e4ler Wimpfens einerseits und dem Absinken von der bevorrechteten Reichsstadt zur im Schatten Heilbronns ung\u00fcnstig gelegenen<em> \u201ekleinen Amtsstadt\u201c <\/em>andererseits Parallelen zum weltbekannten und doch so weltverlorenen Rothenburg und meint k\u00fchn, dass dieses Wimpfen durch den Reiz seiner Befestigungen zwar \u00fcbertreffe, Wimpfen jedoch an <em>\u201ealtehrw\u00fcrdigen, weltber\u00fchmten Bauten\u201c<\/em> (Tr\u00fcmmer des Hohenstaufenplastes, Stiftskirche mit Resten der vorhergegangenen Zentralkirche des Wormser Bischofs)<em> \u201eweit \u00fcberlegen\u201c <\/em>sei.<em> &#8211; <\/em>Dazu tr\u00e4ten als Vorzug<em> \u201edie pr\u00e4chtige Lage und die unsch\u00e4tzbaren Werte der Salzlager<\/em>\u201c. Bez\u00fcglich der N\u00fctzung der Sole zeige sich<em> \u201eein gewisses mangelndes Vorw\u00e4rtsschreiten\u201c; <\/em>es m\u00fcsse von der Stadt ein weiteres<em> \u201eBadehaus\u201c <\/em>geschaffen werden, das<em> \u201emit allen Erfordernissen der Neuzeit namentlich f\u00fcr Kinder, Ferienkolonien, schul\u00e4rztliche Aufsicht der Jugend eingerichteten \u00f6ffentlichen Unbemittelten offen steht\u201c, <\/em>und so Wi<em>mpfen \u201eeine weitere nicht zu untersch\u00e4tzende Zahl von Besuchern und Freunden zuf\u00fchren\u201c <\/em>k\u00f6nne.<em> &#8211; <\/em>Zur Verbesserung der<em> \u201edurch seine Lage so erschwerten Verkehrsverh\u00e4ltnisse\u201c <\/em>listet er die in Jagstfeld zahlreich passierenden D-Z\u00fcge der Berliner und Frankfurter Route auf und pl\u00e4diert f\u00fcr die Einrichtung einer Omnibus- oder Autoverbindung bis zum dortigen linken Ufer. Da Wimpfen<em> \u201ein der gro\u00dfen Welt viel zu wenig bekannt\u201c, <\/em>m\u00fcssten geeignete Bahnhofsplakate mit Ausk\u00fcnften \u00fcber Bahnnetz, Umgebung, Ankunfts- und Abfahrtszeiten, Notizen \u00fcber Hotels sowie vor allem auch ein ganz besonders notwendiges<em> \u201eorganisiertes Auskunftsb\u00fcro ohne zu gro\u00dfe Unkosten durch freiwillige Arbeit, bei steigender Frequenz allerdings in Gestalt eines honorierten Amtes oder Nebenamtes<\/em>\u201c geschaffen werden. \u00dcber die Aufgaben des letztgenannten l\u00e4sst er sich besonders breit aus: Auskunft \u00fcber Hotels und Wohnungen, Prospekte, Unterhaltungen, F\u00fchrungen u. a. m. &#8211; Seine Vorschl\u00e4ge der verbesserten Betreuung von G\u00e4sten seien nur andeutungsweise angesprochen: Regenschutzd\u00e4cher am Waldrand, Sitzgelegenheiten, Herrichtung des Alten Friedhof als schattigen Kurpark<em>, <\/em>wie es auch der Wunsch der Einwohnerschaft sei; evtl. Anlegung eins Gradierhauses und einer Flussbadeanstalt am sch\u00f6nen Neckarfluss; M\u00f6glichkeit von Ruderpartien, Entwicklung des Kanusports; Veranstaltungen deklamatorischer Art und von Vortr\u00e4gen, N\u00fctzung der bereits vorhandenen vier<em> \u201eLiebhaberb\u00fchnen\u201c <\/em>f\u00fcr den Fremdenverkehr; au\u00dferdem: Verbesserungen allgemeiner Art wie z. B. die Kanalisation. Noch konkreter und zahlreicher sind die Vorschl\u00e4ge bez\u00fcglich der Kunstdenkm\u00e4ler: Heilige Pflicht ist die Wahrung der Stadtansicht; \u00fcber das Beispiel der durch die F\u00fcrsorge des Staates f\u00fcr die Stiftskirche und der Kirchengemeinde f\u00fcr die Cornelienkirche hinaus: Erhaltung der anderen Denkmale wie Wormser Hof, Haupteingangstor der Kaiserpfalz, Westfassade der Stadtkirche, des vernachl\u00e4ssigten Steinhauses; Befreiung der Kaiserpfalz von st\u00f6renden Einbauten und Rettung der Arkaden; Verbesserung des j\u00e4mmerlichen Zustands der Kreuzigungsgruppe, Bedachung und Besteigbarmachung des Roten Turmes; hier wie anderswo Rettung der Details (verwitterndes Skulpturenwerk), Schaffung eines kleinem Museums; vor allem auch Pflege im Kleinen (Fachwerkfreilegungen sowie Herrichtung der charakteristischen Wohnbauten wie Aff\u2019sches Haus, Elseeserhaus usw. mit einer langen Reihe konkreter Beispiele, Freilegung statt Verputzung, vor allem Schutz der k\u00fcnstlerischen Holzbauten vor \u00dcberputzung; Herstellung der Zug\u00e4nge etwa zu den Kellern<em>, <\/em>Erkern).<em> &#8211; \u201eMancher m\u00f6chte zur\u00fcckschrecken vor der Flut von Aufgaben. Denn woher die Mittel nehmen?\u201c <\/em>Der Staat wird, sofern er nicht gesetzliche Verpflichtungen hat, nicht einspringen; B\u00fcrgersinn geltend machen; evtl. st\u00e4dtischen Fonds zur Unterst\u00fctzung bilden; Erweiterung des Versch\u00f6nerungsvereins mit Bildung einzelner Kommissionen unter Sachverst\u00e4ndigen f\u00fcr einschl\u00e4gige Fragen wie Verkehr, Kunstdenkm\u00e4ler, Anlagen, insbes. auch Auskunfts- und gleichzeitig Reklameb\u00fcro. &#8211; Zellers ebenso realistischer wie Zuversicht setzender Schluss:<em> \u201eAllerdings, der Anfang ist schwer. Nur mit einigen pekuni\u00e4ren Opfern wird sich das Programm verwirklichen lassen, zun\u00e4chst wohl auch mit wenig gro\u00dfen Einnahmen aus dem Fremdenverkehr zu rechnen sein. Aber der Erfolg wird kommen mit dem Bekanntwerden Wimpfens; seine Kunstdenkm\u00e4ler werden die Fremden erfreuen, wie diese anderw\u00e4rts die Mittel der Stadt zuf\u00fchren werden, die kostbaren Reste einer gro\u00dfen Vergangenheit w\u00fcrdig zu sch\u00fctzen und zu erhalten. Wimpfen im Mai 1902.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Was f\u00fcrs Erste sich damals in Wimpfen an Neuem tut, das ist die 1897 beim Besuch von Gro\u00dfherzog Ernst Ludwig von Dr. med. G. Geiger angesprochene Einrichtung einer sog. Kinderheilst\u00e4tte. In Fr\u00e4ulein August(in)e Osterberg aus Stuttgart (* am 3. M\u00e4rz 1862 in Schluchtern &#8211; \u2020 am 5. Januar 1945 in Bad Wimpfen) findet sich eine verm\u00f6gende feine Dame von ausgepr\u00e4gt g\u00f6nnerhaft-sozialem Wollen, die 1901\/02 in Wimpfen am Allezberg \u00fcber dem Weg nach Heinsheim ein als Grasgarten und Weinberg ausgewiesenes 65 a gro\u00dfes Grundst\u00fcck gekauft hat und darauf die repr\u00e4sentative kleine \u201eVilla Osterberg\u201c sowie unweit davon mit zum Neckar hin gerichteter Front das \u201eKindersolbad Villa Osterberg (Nathalien-Augusten-Heim)\u201c, einen aus zwei langgestreckten L\u00e4ngs- und zwei flankierenden Quertrakten bestehenden Fachwerkkomplex, errichtet. In<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-36.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-509 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-36-1024x644.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"415\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-36-1024x644.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-36-300x189.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 36: Ansichten des Kindersolbades und der Villa Osterberg (Natalien-Augustenheim) auf einem Werbeblatt von ca. 1904<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>sind die beiden Baulichkeiten wiedergegeben. Und in der<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/37-Kindersolbad-Kinderschar.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-large wp-image-296 alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/37-Kindersolbad-Kinderschar-1024x717.jpg\" alt=\"37 Kindersolbad Kinderschar\" width=\"660\" height=\"462\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/37-Kindersolbad-Kinderschar-1024x717.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/37-Kindersolbad-Kinderschar-300x210.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 37: Schar der im Kindersolbad Wimpfen auf dem Allezberg aufgenommenen Kinder zusammen mit ihren Betreuerinnen (darunter hinten ganz rechts auch Fr\u00e4ulein Osterberg) mit der Villa Osterberg im Hintergrund (Fotografie von bald nach der Er\u00f6ffnung 1901\/02 aus der Sammlung von Richard M\u00fcller)<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>ist die verdienstvolle Dame zu finden.<\/p>\n<p>Als \u201eBadearzt\u201c fungiert Dr. med. G. Geiger. Aufgenommen werden &#8211; \u00e4hnlich wie schon seit \u00fcber einem halben Jahrhundert im Kindersanatorium Bethesda in Jagstfeld &#8211; Kinder im Alter von 4 \u2013 15 Jahren, so weit es die Raumverh\u00e4ltnisse zulassen, auch Erwachsene zu einer in der Regel einen Monat dauernden Kur mit Verpflegung in den Klassen I, II und III, die beiden ersten f\u00fcr bemittelte, die letzte f\u00fcr weniger bemittelte G\u00e4ste. <em>\u201eDie<\/em> <em>Solb\u00e4der werden angewendet\u201c, <\/em>so lautet die Indikation<em>, \u201ebei frischen und veralteten Krankheiten der verschiedensten Art, besonders zur Nachbehandlung von Puerperalerkrankungen, zur Resorption nach Bauchfell- und Rippenfellentz\u00fcndung, bei Scrophulose, Dr\u00fcsenanschwellungen, Erkrankungen der Gelenke, Rheumatismus, Knochenerweichung, Kinderl\u00e4hmung, Rachitis, chronischem Bronchialkatarrh, \u00fcberhaupt bei allen Krankheitszust\u00e4nden, bei denen eine Beschleunigung des Stoffwechsels und gleichzeitig eine Hebung des Ern\u00e4hrungszustandes beabsichtigt wird.\u201c <\/em>Das Prospekt stellt lobend heraus:<em> \u201eEs ist auf einer Anh\u00f6he unmittelbar am Neckar gelegen und eignet sich verm\u00f6ge seiner gesunden Lage an einem der sch\u00f6nsten Punkte des Neckartales, sowohl f\u00fcr diejenigen, welche Solb\u00e4der gebrauchen, als auch f\u00fcr G\u00e4ste, welche sich in einer sch\u00f6nen Gegend mit mildem Klima und vorz\u00fcglicher Luft aufhalten wollen \u2026 Um das Haus befindet sich ein 4 Morgen gro\u00dfer Garten, ganz abgeschlossen vom werkt\u00e4glichen Getriebe, mit prachtvoller Aussicht ins Neckartal, sehr sch\u00f6nen Anlagen und Wald in n\u00e4chster N\u00e4he <\/em>(gemeint ist das ein St\u00fcck weiter au\u00dferhalb linkerhand des Weges nach Heinsheim um ca. 1900 anzulegen begonnene sog. \u201eKurw\u00e4ldchen\u201c)<em>, kaum 5 Minuten zu gehen \u2026 \u00a0Zu jeder Auskunft sind gerne bereit: Frau Oberb\u00fcrgermeister von R\u00fcmelin<\/em>, <em>Frau Professor Berta Lachenmaier, Julius Grieb, Ratsschreiber, alle in Stuttgart.\u201c S<\/em>o wird ansatzweise eine der Zeller\u2019schen Zielsetzungen realisiert, wobei die Initiative und F\u00f6rderung von Personen aus W\u00fcrttemberg ausgeht. Dass knapp 3 Jahrzehnte sp\u00e4ter dort einmal das st\u00e4dtische Kurmittelhaus entstehen wird, das kann damals noch niemand ahnen.<\/p>\n<p>Und in der Tat regt sich jetzt auch bei der Wimpfener Bev\u00f6lkerung gro\u00dfe Aktivit\u00e4t im Hinblick auf das im nachfolgenden Jahr 1903 anstehende Jubil\u00e4um der 100-j\u00e4hrigen Zugeh\u00f6rigkeit zum Lande Hessen. Zellers Anregung, den Umstand, dass die sanges- und spielfreudige Einwohnerschaft auf den \u201eBrettern der Welt\u201c bereits durch das Vorhandensein von vier Liebhaberb\u00fchnen daheim sei, f\u00fcr den Fremdenverkehr zu nutzen, wird im Blick auf dieses Jubil\u00e4umsjahr aufgegriffen: Realschuldirektor Dr. Karl Kemmer und Pfarrer Dr. Richard Weitbrecht schaffen ein dreiteiliges \u201eWimpfener Festspiel zur Feier der hundertj\u00e4hrigen Zugeh\u00f6rigkeit Wimpfens zu Hessen\u201c, das Bilder von den folgenden drei dramatischen Hoch- und Tiefpunkten der Wimpfener Geschichte wiedergibt:<\/p>\n<ul>\n<li>Teil I: \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Ein Kaisertag<\/span>\u201c spielt am Mai 1224 im Saal der Kaiserpfalz Wimpfen, wo Kaiser Friedrich II. unter dem Reichsschulthei\u00df Wilhelm von Wimpfen mit vielen Edlen aus nah wie Engelhard von Weinsberg und fern wie Walter von der Vogelweide und Vertretern der Wimpfener weltlichen und geistlichen F\u00fchrungsschicht Hof h\u00e4lt.<\/li>\n<li>Teil II: \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Unruhige Ostern<\/span>\u201c vollzieht sich am Ostermontag des Jahres 1525 in der Wohnstube des Wimpfener Kaufmanns und Ratsherrn Anton Lebk\u00fccher, des Schwiegervaters des Bauernhauptmanns Wendel Hipler, in das die Wogen des Bauernkrieges mit Hipler, dem \u201eHerren- und Pfaffenschreck\u201c J\u00e4cklin Rohrbach aus B\u00f6ckingen, dem von der Bauernschaft zum F\u00fchrer auserkorenen Ritter G\u00f6tz von Berlichingen und dem zur M\u00e4\u00dfigung mahnenden Magister und Reformator Erhard Schnepf hereinbranden.<\/li>\n<li>Teil III: \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Im Sturm des Krieges<\/span>\u201c handelt in der ersten Maiwoche des Jahres 1622 in der Ratsstube und auf dem Marktplatz von Wimpfen und entrollt ein anschauliches Bild von den Vorg\u00e4ngen unmittelbar vor der Schlacht bei Wimpfen, wo die Vertreter der Stadt sowie der protestantische Pfarrer Johann Georg Glocker und die B\u00fcrger den Tilly\u2019schen Offizieren und Soldaten unter dem Obersten von Montaigne an der Spitze gegen\u00fcber stehen und der badische Oberst von Fleckenstein als Vermittler hinzukommt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die in<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-38.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-507 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-38-1024x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"660\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-38-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-38-150x150.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-38-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 38: Szenen zum dreiteiligen \u201eWimpfener Festspiel 1903\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>gezeigte Dreiergruppe der bildlichen Darstellung, die damals von Kaufmann Friedrich Muckh, Wimpfen, verlegt und vertrieben worden ist, l\u00e4sst diese behandelten Stoffe der Wimpfener Geschichte sowie die von den Verfassern gew\u00e4hlten \u00d6rtlichkeiten und Personen ahnen. Die f\u00fcr das Festspiel sich begeisternden Wimpfener erfahren aus der Residenz gute Hilfe; denn Regierungsbaumeister Zeller entwirft die Pl\u00e4ne der B\u00fchne und Hofschauspieler Viebig verteilt die Rollen und f\u00fchrt Regie.<\/p>\n<p>Eine Deputation des Gemeinderates und des Festspielausschusses l\u00e4dt Gro\u00dfherzog Ernst Ludwig zu der am Donnerstag, 3. September 1803, geplanten gro\u00dfen Festfeier ein und erh\u00e4lt von diesem die Zusicherung, dass er gerne zu dieser Ged\u00e4chtnisfeier komme. <em>\u201eDiese Nachricht\u201c, <\/em>so kommentiert die \u201eWimpfener Zeitung\u201c,<em> \u201ewird hier allgemein im h\u00f6chsten Ma\u00dfe erfreuen und als ein Beweis der Huld des Landesherren gegen\u00fcber unserer Stadt, sie wird aber auch ein Ansporn sein, alles daranzusetzen, dass das Fest und die Festspielauff\u00fchrung aufs beste gelingt.\u201c <\/em>Und auch die am Tag des Beginns der vom 23. August \u2013 14. September dauernden Festspiele in der Zeitung erschienen in Reimw\u00fcnsche gekleidete Huldigung Wimpfens hebt auf das Wohlgelingen der Spiele, dar\u00fcber hinaus aber auf einen\u00a0<em>\u201eneuen\u00a0Morgen<\/em><em>\u00a0durch die Mutter Hessen\u201c<\/em> ab:<\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.6471;\">Der Feststadt Wimpfen zum Beginn ihrer Spiele<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.6471;\">Sieh dort die Jagst des Neckars Lauf befl\u00fcgeln;<br \/>\nRasch eilt er hin durchs herrliche Gefild,<br \/>\nGanz nahe zieht er dann an deinen H\u00fcgeln<br \/>\nVorbei und pr\u00e4gt sich ein dein lieblich Bild.<br \/>\nGar freundlich schaust du auch mit deinen Warten<br \/>\nHinaus auf deinen sch\u00f6nen Gottesgarten.<\/span><\/p>\n<p>Doch mag\u2019s den Fluss, den alten Freund, bek\u00fcmmern,<br \/>\nDenkt deiner einst\u2019gen Gr\u00f6\u00dfe er und Pracht.<br \/>\nWie vieles schlummert in dir unter Tr\u00fcmmern!<br \/>\nVielleicht bricht ihm nach langer dunkler Nacht<br \/>\nEin Morgen an.- Auch deine Sch\u00e4tze schliefen<br \/>\nGar lang, eh sie ein Tag entriss den Tiefen.<\/p>\n<p>Kann auch zum Fluge sich nicht mehr vermessen<br \/>\nDein Adler &#8211; \u00fcber St\u00e4rke schritt die Zeit.<br \/>\nNicht blind f\u00fcr dich ist deine Mutter Hessen,<br \/>\nDein Wohl zu f\u00f6rdern ist sie stets bereit;<br \/>\nZumal ein edler F\u00fcrst ehrt deine Treue,<br \/>\nDie nunmehr du geloben willst aufs Neue.<\/p>\n<p>Sei frohgemut, zum Feste dich zu schm\u00fccken,<br \/>\nDie treuen Schwestern fern im Mutterland,<br \/>\nSie werden S\u00f6hne dir und T\u00f6chter schicken,<br \/>\nDass st\u00e4rker werde eurer Freundschaft Band;<br \/>\nUnd Kinder auch von W\u00fcrttemberg und Baden,<br \/>\nSie werden gern bei dir zu Gast sich laden.<\/p>\n<p>Ja, weither werden Freunde zu dir kommen.-<br \/>\nVergangner Zeiten Auferstehn im Bild<br \/>\nGereich es dir zum Nutzen und zum Frommen,<br \/>\nZu neuem Glanze deinem Namensschild.<br \/>\nGar viel hast du getan mit keckem Wagen,<br \/>\nO, m\u00f6ge es dir gute Fr\u00fcchte tragen!<\/p>\n<p>Was im Februar dieses Jahres noch als Wunsch ausgesprochen wird, dass endlich ein Plakat von Wimpfen die Sch\u00f6nheit von Stadt und Umgebung weit herum auf den Bahnh\u00f6fen und in den Gasth\u00e4usern verk\u00fcndet, wird jetzt im Herbst Wirklichkeit: In Heidelberg prangen jetzt die Reklamebilder f\u00fcr das Wimpfener Festspiel bereits in allen entsprechenden Lokalen und im dortigen Verlag K\u00fcstner erscheint in modernem Lichtdruck eine Jubil\u00e4umskarte mit Wimpfen am Berg in der Mitte und flankiert von den Gro\u00dfherz\u00f6gen Ludwig I. 1803 und Ernst Ludwig 1903 sowie eine lange Serie von Ansichtskarten mit Wimpfen am Berg, im Tal und einer Vielzahl ihrer kunsthistorischen Sehensw\u00fcrdigkeiten.<\/p>\n<p>Auf den Tag seines Besuchs verleiht der Gro\u00dfherzog eine Reihe von Orden an verdiente Wimpfener Einwohner, so an die beiden Festspieldichter Kemmer und Weitbrecht das Ritterkreuz I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Gro\u00dfm\u00fctigen, an B\u00fcrgermeister Ernst dessen II. Klasse, dem Beigeordneten Rossbach im Tal das silberne Kreuz, dem Gemeinderat Chr. Ludwig Dieruff I. das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift \u201eF\u00fcr langj\u00e4hrige Dienste\u201c am Bande des genannten Ordens; au\u00dferdem erhalten Orden die ma\u00dfgeblich an der Erforschung und Renovation der Stiftskirche beteiligten M\u00e4nner (Sch\u00e4fer, Zeller, Schneider, Tornow).<\/p>\n<p>Als Seine K\u00f6nigliche Hoheit der Gro\u00dfherzog dann bei herrlichem Wetter am Vormittag um 10 Uhr mit Extrazug eintrifft, befindet sich in seiner Begleitung ein gro\u00dfer Stab von Abgeordneten und hohen Beamten: Ihre Exzellenzen der Herr Staatsminister Karl Rothe sowie der Herr Finanzminister Dr. Feodor Gnauth, Geheimer Staatsrat Wilhelm Wilbrand, Ministerialrat Freiherr von Biegeleben, Ministerialrat Weber, Reichtagsabgeordneter und Abgeordneter der Ersten Kammer der Landst\u00e4nde Freiherr von Heyl zu Herrnsheim, Geheimer Oberbergrat Braun, Geheimer Oberbaurat Hoffmann, Pr\u00e4sident der Zweiten Kammer Wilhelm Haas, die Abgeordneten der Zweiten Kammer Breimer, Beerfelden, und H\u00e4usel, Michelstadt. Am Bahnhof von den Spitzen der Beh\u00f6rden empfangen, begeben sich die hohen und h\u00f6chsten Herrschaften zun\u00e4chst Richtung Wimpfen im Tal, wo unterwegs eine Begr\u00fc\u00dfung durch den Salinedirektor Frik im Namen des Vorstandes, der Verwaltung und der Arbeiterschaft der Saline Ludwigshalle erfolgt. Vor allem weist dieser in seinen Begr\u00fc\u00dfungs- und Dankesworten darauf hin, dass die Saline ihre Entstehung und ihren Aufstieg der Gunst der Privilegien des gro\u00dfherzoglichen Ahnen Ludwig I. verdankt, der, indem er der Saline seinen Namen zu f\u00fchren erlaubte, sozusagen Gevatterstelle vertreten habe. Nach der Begr\u00fc\u00dfung durch den Beigeordneten Rossbach am Eingang zum Tal findet in der Stiftskirche ein Dankgottesdienst durch Pfarrer Klein statt, in dem dieser Gott und dem Ahnen Dank sagt daf\u00fcr, dass er den Vorschlag ablehnte, aus Sparsamkeitsgr\u00fcnden die Kirche niederzurei\u00dfen, sowie dem regierenden Gro\u00dfherzog daf\u00fcr, dass nach seinen Intentionen die Restauration unternommen worden ist. Es schlie\u00dft sich eine Besichtigung des Inneren der Kirche an, bei der der kunstsinnige Gro\u00dfherzog Bewunderung wie Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Kunst zeigt.<\/p>\n<p>Unter Hochrufen der Schuljugend wieder in den Kutschwagen gestiegen, folgt auf der R\u00fcck- und dann Hinauffahrt nach Wimpfen am Berg vor dem Unteren Tor der feierliche Hauptempfang des Monarchen und seiner Begleiter. Dieser ist dokumentiert in<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-39.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-506 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-39-790x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"855\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-39-790x1024.jpg 790w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-39-231x300.jpg 231w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 39: Bewillkommnung des zum Besuch der Stadt und des Festspiels am 3. September 1903 mit der Kutsche einfahrenden Gro\u00dfherzogs Ernst Ludwig mit Begleiter durch die Honoratioren der Stadt beim laubwerkgeschm\u00fcckten Unteren Tor (Fotografie)<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zu diesem denkw\u00fcrdigen feierlichen Akt haben sich B\u00fcrgermeister und Gemeinderat sowie Spitzen der Beamtenschaft auf und \u00fcber der vom Eulenbergweg zur obersten Steige hinunterf\u00fchrenden Treppe postiert. Der Bogen des dort angrenzenden Unteren Tores ist mit einem Laubwerkgeh\u00e4nge geschm\u00fcckt, in dem die gro\u00dfherzoglichen Namensinitialien \u201eEL\u201c prangen. Dort h\u00e4lt die zweisp\u00e4nnige Kutsche (Landauer) mit ihren drei unter preu\u00dfischer Pickelhaube und in Uniformmontur steckenden Insassen, Gro\u00dfherzog Ernst Ludwig, Staatsminister Rothe und Finanzminister Dr. Gnauth, an. B\u00fcrgermeister Julius Ernst reicht dem Gro\u00dfherzog den Ehrentrunk mit in etwa folgenden Worten: \u201e<em>Ich spreche Ihrer K\u00f6niglichen Hoheit den tiefgef\u00fchlten Dank der getreuen Stadt f\u00fcr die G\u00fcte des Besuchs als neuen Akt der Gnade und des Wohlwollens aus sowie auch den der Regierung geltenden Dank f\u00fcr die Wiederherstellung der Stiftskirche, wodurch zwei Ereignisse der Gnade zusammenfallen. Und wenn wir dieses historische Ereignis heute festlich begehen, so kann Eure K\u00f6nigliche Hoheit darin den Beweis erblicken, dass wir Wimpfener, wenn unsere Stadt auch vom Mutterland getrennt ist, uns allzeit als \u201atreue Hessen\u2019 f\u00fchlen. M\u00f6ge deshalb Eure K. H. das Gel\u00f6bnis entgegennehmen, dass wir, wie bisher so auch fernerhin, in der Treue und Liebe zum angestammten Herrscherhause und in der Verehrung unseres allergn\u00e4digsten Landesherrn keiner anderen Stadt im Hessenland nachstehen werden. Mit dieser Versicherung gestatte ich mir, Eurer K\u00f6niglichen Hoheit mit ehrfurchtsvollem Dank f\u00fcr den Besuch im Auftrag der gesamten B\u00fcrgerschaft durch \u00dcberreichung dieses Bechers, gef\u00fcllt mit Wein, der am Neckar gewachsen, herzliches \u201aWillkommen in Wimpfen\u2019 zu entbieten.\u201c <\/em>Wie auf der Fotografie zu sehen, steht w\u00e4hrenddessen Fr\u00e4ulein Elisabeth Heuerling in wei\u00dfem Kleid mit einem Blumenstrau\u00df bereit, den es dann dem Gro\u00dfherzog mit den folgenden Reimworten \u00fcberreicht:<\/p>\n<p>Der Sommerrosen letzte Pracht<br \/>\nIst heute herrlich aufgewacht.<br \/>\nWohl welkt der Strau\u00df bald, Blatt um Blatt,<br \/>\nNie welkt die Treue unsrer Stadt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Weiterfahrt zum Mathildenbad stehen s\u00e4mtliche Vereine und die gesamte Schuljugend unter kr\u00e4ftigen Hochrufen Spalier. Um die Mittagszeit werden dort im Vorsaal die Spitzen der Beh\u00f6rden, der Gemeinderat und der Festspielausschuss vorgestellt und auch die Auszeichnungen \u00fcberreicht. Nach dem Gabelfr\u00fchst\u00fcck im herrlich dekorierten Saale sagt B\u00fcrgermeister Julius Ernst dem Landesherren noch einmal Dank f\u00fcr die hohe Ehre des Besuchs, versichert wiederum, dass<em> \u201edie Wimpfener allezeit treue Hessen gewesen und es fernerhin bleiben wollen\u201c <\/em>und bekr\u00e4ftigt dies durch ein dreifachen Hoch auf den Herrscher und sein Land. Seine K\u00f6nigliche Hoheit sagt Dank f\u00fcr den festlichen Empfang, r\u00fchmt Wimpfens Treue zu seinem Hause und w\u00fcnscht, dass Wimpfen fernerhin durch T\u00fcchtigkeit und Arbeitsamkeit bl\u00fchen m\u00f6ge. Nach dem Essen geht es zu Fu\u00df zur 1901 er\u00f6ffneten Turnhalle, die als Festhalle dient. Dort folgt die Begr\u00fc\u00dfung durch den Beigeordneten Heinrich Heuerling, den 2. Vorstand des Festspielausschusses.<\/p>\n<p>Und nun beginnt das Festspiel, das durch Milit\u00e4rmusik des 4. W\u00fcrttembergischen Infanterieregiments eingeleitet wird und dem ein von Fr\u00e4ulein Eck als Wimpina gesprochener Prolog vorausgeht<em>:<\/em><\/p>\n<p>Im Wechsel der Zeiten<\/p>\n<p>Wie, Wimpfen, sich in ferner Zeit<br \/>\nEinst f\u00fcgte dein Geschick,<br \/>\nDas zeigt sich in drei Bildern heut&#8216;<br \/>\nVoll Wirkung unserm Blick.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein edler F\u00fcrst aus hohem Haus<br \/>\nStand einst auf jenen H\u00f6h\u2019n.<br \/>\nGar reichen Segen goss er aus,<br \/>\nwie wir mir Staunen seh\u2019n.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im zweiten Bilde wird uns kund<br \/>\nDes Aufruhrs grausig Spiel;<br \/>\nEs lehrt uns: Aller B\u00fcrger Bund<br \/>\nF\u00fchrt friedlich nur zum Ziel.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie grimmen Krieges Leidenschaft<br \/>\nZertritt der B\u00fcrger Gl\u00fcck,<br \/>\nUnd wie frohlockt die wilde Kraft,<br \/>\nZeigt uns das dritte St\u00fcck.<\/p>\n<p>Von den drei Teilen des Festspiels gef\u00e4llt vor allem \u201eUnruhige Ostern\u201c und das Soldatenlied des dritten St\u00fccks. Der Gro\u00dfherzog \u00e4u\u00dfert lebhafte Befriedigung; Spieler und Spielerinnen stellen sich in den Pausen im Kost\u00fcm diesem vor und er unterh\u00e4lt sich mit diesen aufs Freundlichste; wiederholt wird ihm von diesen ein Trunk gereicht; in der letzten Pause begibt er sich auf den Wirtschaftsplatz hinaus und weilt dann unter Hochrufern unter dem dort versammelten Volk. Dem beendeten Spiel folgt noch der folgende wieder von der Wimpina gesprochene Epilog:<\/p>\n<p>Und wieder steht aus hohem Haus<br \/>\nEin F\u00fcrst auf Wimpfens H\u00f6h\u2019n,<br \/>\nUnd auch von ihm geht Segen aus,<br \/>\nwohin wir immer seh\u2019n.<\/p>\n<p>Gerecht und milde, friedensreich<br \/>\nTritt stets mit ernster Kraft<br \/>\nEr ein f\u00fcr Kaiser und f\u00fcr Reich,<br \/>\nF\u00fcr Kunst und Wissenschaft.<\/p>\n<p>Es \u00f6ffnen alle Herzen sich<br \/>\nDem Gast in warmer Treu!<br \/>\nWie stehen heut so feierlich<br \/>\nDie T\u00fcrme in der Reih\u2019!<\/p>\n<p>Der Neckar schmieget dichter sich<br \/>\nDort an die H\u00f6hen steil;<br \/>\nSein Rauschen h\u00f6re rufen ich:<br \/>\n\u201eHeil uns\u2019rem F\u00fcrsten, Heil!\u201c<\/p>\n<p>Nach dem beendigten Festspiel begibt sich der Gro\u00dfherzog auf den Bahnhof, wo sich eine gro\u00dfe Menge versammelt hat und wohin ihm auch einige Darstellerinnen im Kost\u00fcm gefolgt sind, an welche der Gro\u00dfherzog, wie die Zeitung berichtet<em>, \u201enoch manch freundliches Wort richtet\u201c. <\/em>Unter den Kl\u00e4ngen der Landeshymne und den Hochrufen der Erschienenen f\u00e4hrt der Gro\u00dfherzog um 5 Uhr wieder ab. Die Zeitung versichert:<em> \u201eDie Liebe zu dem allverehrten Landesherrn ist hier durch diesen Tag neu befestigt worden und Wimpfen wird ihn als ein Ehren- und Festtag im ewigen Ged\u00e4chtnis behalten.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Somit demonstrieren dieser Besuchtstag des Gro\u00dfherzogs wie auch die anderen Festspieltage zusammen mit den Fest- und Lobgedichten, der Aufmachung der Wimpfener Zeitung, den Sonderansichtskarten, den Zeitungsberichten und den Volksbekundungen unverstellte Herrscherverehrung und Hessentreue. Bei den \u00fcber 3 Wochen hinweg stattfindenden Festspielauff\u00fchrungen, die am 14. September mit einer Schlussvorstellung f\u00fcr die Schulen enden, sind die um die 80 Mitwirkenden mit Stolz und Begeisterung bei der Sache und dringt das Geschehen in deren Herzen als unvergessliches gro\u00dfes Erlebnis ihres Lebens ein. Die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-40.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-504 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-40-1024x843.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"543\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-40-1024x843.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-40-300x247.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 40: Die Mitwirkenden der Wimpfener Festspiele der 100-j\u00e4hrigen Zugeh\u00f6rigkeit zu Hessen des Jahres 1903 (Gro\u00df-Fotografie)<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>hat gottlob diesen Gipfelpunkt der \u201eHessenzeit\u201c Wimpfens f\u00fcr die Nachwelt festgehalten. Allzu schade, dass heutzutage nur noch ganz wenige der abgebildeten Spielerinnen und Spieler sowie Begleiter identifiziert werden k\u00f6nnen. Sicher erscheint, dass es sich bei dem rechts au\u00dfen einzeln Stehenden um Pfarrer Dr. Weitbrecht, dem links au\u00dfen vorne in der zweiten Reihe Stehenden um Realschuldirektor Dr. Kemmer und bei dem hinter diesem Sichtbaren wohl um B\u00fcrgermeister Julius Ernst handelt. Und Hans-Gerhard M\u00fcller (Jahrgang 1936), dem in seiner un\u00fcberschaubaren Wimpfen-Bilder- und Ansichtskartensammlung ein Exemplar dieser wertvollen Foto-Dokumentation von seiner Gro\u00dfmutter Luise Muckh \u00fcberkommen ist, wei\u00df diese als die in der vorderen Reihe links als die Vierte der dort gereihten jungen Damen (mit Krone und langen schleifengeschm\u00fcckten Z\u00f6pfen), au\u00dferdem den vorne in der Mitte als Kaiser Friedrich II. Erscheinenden als Lehrer Johann Kubach zu identifizieren. Das Fest, das monatelang die Gem\u00fcter bewegt hat, endet mit einem Schlussbankett des Ausschusses und der Spieler, bei dem konstatiert wird: <em>\u201eDer Wurf ist gelungen\u201c<\/em>. Denen, die prophezeit haben, dass Wimpfen sich in Schulden st\u00fcrzen w\u00fcrde, kann gesagt werden, dass die Ausgaben mit rund 6.400 Mark zwar von den Einnahmen nicht ganz erreicht werden, doch zwei Drittel davon den \u00f6rtlichen Handwerkern zugute gekommen sind. Was den erhofften Werbe- und Besuchserfolg betrifft, wertet der Kassier und zentrale Mitwirkende des Festspiels Lehrer Johann Kubach in seinem langen Schlussgedicht diesen folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.6471;\">Es tat uns wohl, was schwarz auf wei\u00df<br \/>\nZu Wimpfens und des Festspiels Preis<br \/>\nSich vor der Welt geoffenbart;<br \/>\nDoch sind von ein\u2019ger Bl\u00e4tter Art,<br \/>\nDie g\u2019rade hier zumeist gelesen,<br \/>\nWir nicht gar sehr erbaut gewesen.<\/span><\/p>\n<p>Nun sei es drum, war es der Neid,<br \/>\nWar\u2019s sch\u00e4bige Gleichg\u00fcltigkeit:<br \/>\nEs kamen doch zu deinem Feste,<br \/>\nEhrw\u00fcrd\u2019ges St\u00e4dtlein, viele G\u00e4ste.<br \/>\nEin dreifach Hoch soll heut sie ehren;<br \/>\nO zieh\u2019 sie\u2019s, \u00f6fter einzukehren!<\/p>\n<p>Das Echo, das Wimpfen in den Augen des volkst\u00fcmlichen und beliebten Gro\u00dfherzogs Ernst Ludwig findet, liest sich in dessen Memoiren, in denen er sich \u00fcber seine Erlebnisse mit den Wimpfenern bei seinem Festbesuch ziemlich gaudiert, so:<\/p>\n<p><em>\u201eZum Fest der hundertj\u00e4hrigen Zugeh\u00f6rigkeit von Wimpfen zu Hessen fuhr ich dorthin (1903). Erst war ein gro\u00dfer Empfang und dann ein gro\u00dfes Festessen, welches die Stadt mir gab. Neben mir sa\u00df der B\u00fcrgermeister. Er wurde immer stiller und ich merkte bald, dass der arme Mensch eine furchtbare Angst vor der Rede hatte. Ich versuchte, ihn zu beruhigen, indem ich sagte, ich w\u00fcsste ja selbst nur zu genau, wie furchtbar das Gef\u00fchl w\u00e4re, man m\u00fcsste aber versuchen, die Z\u00e4hne zusammenzubei\u00dfen. Es half aber nichts. Seine Verzweiflung war, dass er wusste, dass er stecken bleiben w\u00fcrde, und dann k\u00f6nnte er nicht weiter. Ich frug ihn, ob seine Rede nicht aufgeschrieben w\u00e4re. Er best\u00e4tigte es, sagte aber, in der gro\u00dfen Aufregung w\u00fcrde er sie nicht lesen k\u00f6nnen. Da schlug ich ihm vor, die Abschrift mir zu geben, ich w\u00fcrde sie nachlesen und ihm soufflieren, so oft er nicht weiter k\u00f6nne. So geschah es auch. Ich hatte das Papier neben meinem Teller und soufflierte eifrig. Auf diese Art gelang es sehr gut, ich glaube, niemand hat den Trick bemerkt. Danach wurden wir in der Erleichterung Freunde. Aber es war doch ein sehr komisches Gef\u00fchl gewesen, eine Rede auf sich selber zu soufflieren. &#8211; Dann kam noch ein gro\u00dfes Festspiel, in dem beinahe alle B\u00fcrger mitspielten. Nach dem Ende begleiteten alle mich in ihren Kost\u00fcmen durch die Stadt hinunter nach dem Bahnhof. Mein Salonwagen war gleich voll von mittelalterlich angezogenen M\u00e4dchen, die absolut bis zur n\u00e4chsten Station mitfahren wollten. Da dieselbe ziemlich weitab lag, w\u00e4ren die armen Wesen in ihren Schleppkleidern furchtbar m\u00fcde geworden. Ich hatte aber gro\u00dfe M\u00fche, sie davon zu \u00fcberzeugen und sie endlich aus dem Salonwagen heraus zu bugsieren.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Als wichtiger Wellenschlag des Jubil\u00e4umsfestes sowie der Empfehlungen des Regierungsbaumeisters Zeller ist die im 1904 in einer au\u00dferordentlichen Sitzung des bislang nur \u201egeringe Wertsch\u00e4tzung\u201c genie\u00dfenden \u201eVersch\u00f6nerungsvereins\u201c beschlossene und in einer B\u00fcrgerversammlung im Saal zum \u201eDeutschen Kaiser\u201c sanktionierte Umwandlung und Erweiterung desselben zum Verein \u201eAlt Wimpfen, Kur- und Verkehrsverein\u201c. Eine aus dem B\u00fcrgermeister Julius Ernst, Stadtpfarrer Dr. Richard Weitbrecht, B\u00e4ckermeister Friedrich Feyerabend III., Reallehrer Friedrich Frank, Malermeister Wilhelm Pfau und Baumwirt Emil M\u00fcller bestehende Kommission arbeitet eine umfangreiche Satzung aus. Diese sieht einen 12-k\u00f6pfigen gew\u00e4hlten Vorstand, zu dem 5 weitere st\u00e4ndige Mitglieder aus den Spitzenvertretern des Kreises und der Stadt hinzugezogen werden: der Gro\u00dfherzogliche Kreisrat des Kreises Heppenheim, der f\u00fcr den Bezirk Wimpfen zust\u00e4ndige hessische Denkmalpfleger, der B\u00fcrgermeister der Stadt sowie der Oberf\u00f6rster der Oberf\u00f6rsterei Wimpfen, der jeweilige \u00f6rtliche Vertrauensmann der Denkmalpflege. Dadurch erscheint die Gew\u00e4hr f\u00fcr die unabdingbar erscheinende Zusammenarbeit von B\u00fcrgerschaft mit Orts- wie Kreisbeh\u00f6rden gegeben. 70 B\u00fcrger treten spontan dem neuen Verein bei.<\/p>\n<p>Die Zielsetzung des Vereins ist wesentlich weiter gesteckt als die des einstigen Versch\u00f6nerungsvereins und richtet sich auf drei Bereiche:<\/p>\n<ol>\n<li>Pflege der Kunstdenkm\u00e4ler Wimpfens und m\u00f6glichste Erhaltung des altert\u00fcmlichen Charakters der Stadt;<\/li>\n<li>Versch\u00f6nerung der Stadt und ihrer Umgebung;<\/li>\n<li>F\u00f6rderung des Fremdenverkehrs und aller Einrichtungen, welche geeignet sind, den Besuch Wimpfens als Badeort zu heben.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Am 26. Februar 1905 wird im Ost\u2019schen Saale auf einer Hauptversammlung die Satzung beschlossen und in Anwesenheit von Kreisrat von Hahn die Wahl des Vorstands vorgenommen, der sich folgenderma\u00dfen zusammensetzt:<\/p>\n<p>Dr. Richard Weitbrecht, Pfarrer,<br \/>\n\u00fcbernimmt den Vorsitz; Nachfolger<br \/>\nwird 1911 Forstmeister Wilhelm Zeh.<\/p>\n<p>Der 12-k\u00f6pfige Vorstand setzt sich zusammen aus:<\/p>\n<ol>\n<li>Otto Link, Fabrikant und Gemeinderat,<\/li>\n<li>Heinrich Engel, Reallehrer,<\/li>\n<li>Heinrich Heuerling, Kaufmann; dieser \u00fcbernimmt<\/li>\n<\/ol>\n<p>das Amt des 2. Vorsitzenden sowie Schriftf\u00fchrers;<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li>Friedrich Frank, Reallehrer,<\/li>\n<li>Ludwig Breuninger, Fabrikant,<\/li>\n<li>Otto Muckh, Gemeinderat,<\/li>\n<li>Wilhelm Pfau, Malermeister und Gemeinderat,<\/li>\n<li>Christian Elser, Buchdrucker,<\/li>\n<li>Max Mannheimer, Kaufmann; dieser \u00fcbernimmt<\/li>\n<\/ol>\n<p>das Amt des Schatzmeisters;<\/p>\n<ol start=\"10\">\n<li>Emil M\u00fcller, Baumwirt und Gemeinderat,<\/li>\n<li>Max Frik , Salinedirektor,<\/li>\n<li>Peter Gillmann, Stadtrechner.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Zum \u00f6rtlichen Vertrauensmann der Denkmalpflege wird Professor Johannes Eck gew\u00e4hlt, dem nach dessen Weggang 1912 Lehramtsassessor Jakob nachfolgt. Kreisrat von Hahn macht der Versammlung die Mitteilung, dass der Gro\u00dfherzog geneigt sei, das Protektorat \u00fcber den Verein zu \u00fcbernehmen und dass diesem keine gr\u00f6\u00dfere F\u00f6rderung zuteil werden k\u00f6nne als durch diese Gunst. Eine vom Gro\u00dfherzog empfangene Abordnung des Vereins tr\u00e4gt diesem die Zielsetzungen des Vereins vor und bittet diesen mit Erfolg, das Protektorat zu \u00fcbernehmen. Die Signatur \u201eC. Kempin fec.\u201c der<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-41.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-503 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-41-1024x664.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"428\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-41-1024x664.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-41-300x195.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 41: Mitgliedskarte des Vereins \u201eAlt-Wimpfen, Kur- und Verkehrsverein\u201c mit Bildzier (ca. 1805)<\/strong>,<\/li>\n<\/ul>\n<p>welche die Mauerpartie am Schwibbogentor mit dem Brustbild eines mittelalterlichen Herolds darstellt, l\u00e4sst die helfende Hand des damaligen Darmst\u00e4dter B\u00fchnenmalers- und Theater-Spielleiters sowie Mitglieds der dortigen ber\u00fchmten Jugendstil-K\u00fcnstlerkolonie Kurt Kempin erkennen, die sicherlich durch Vermittlung des f\u00fcrstlichen Protektors zustande gekommen ist.<\/p>\n<p>Dass der Verein Alt-Wimpfen bei der Bev\u00f6lkerung eher angenommen ist als sein bescheidenerer Vorg\u00e4nger, zeigt die bereits im Jahre 1906 erreichte Zahl von 315 Mitgliedern. Und wie erfolgreich und zielgerichtet dieser an die Arbeit geht, das l\u00e4sst die im selben Jahr erfolgte Herausgabe eines neuen bebilderten kleinen Stadtf\u00fchrers mit Unterst\u00fctzung des Odenwaldclubs \u201eWimpfen, Eine Perle des Neckartales\u201c erkennen. Dessen geschmackvolle Aufmachung wird belegt durch die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-42.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-502 size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-42-623x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"623\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-42-623x1024.jpg 623w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-42-183x300.jpg 183w\" sizes=\"(max-width: 623px) 100vw, 623px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 42: Titelblatt des kleinen Stadtf\u00fchrers (1906) mit dem \u201eN\u00fcrnberger T\u00fcrmchen\u201c, Stich des Holzschneiders A. Clohs (1840 \u2013 1894) nach der Vorlage von Friedrich Kallmorgen (1856 \u2013 1824) von ca. 1890<\/strong>, sowie<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-43.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-501 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-43-628x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"628\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-43-628x1024.jpg 628w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-43-184x300.jpg 184w\" sizes=\"(max-width: 628px) 100vw, 628px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 43: R\u00fcckseite des vorgenannten kleinen Stadtf\u00fchrers: \u201eSalzgasse\u201c, Stich des Holzschneiders A. Clohs (1840 \u2013 1894) nach einer Vorlage von Friedrich Kallmorgen (1856 \u2013 1924) von ca. 1890<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Allerdings ist das Bildgut dem ersten Stadtf\u00fchrer des Jahres 1890 entnommen. Die Umrahmung der Darstellungen dieser beiden augengef\u00e4lligen Wimpfener Motive des Einbands in der Ornamentik des Jugendstils erinnert genau wie das Bildmotiv der Mitgliedskarte von Kurt Kempin daran, dass der \u201eAllerh\u00f6chste Protektor\u201c des Vereins, Gro\u00dfherzog Ernst Ludwig, wie es unter der Betitelung hei\u00dft, der Begr\u00fcnder besagter Darmst\u00e4dter Jugendstil-K\u00fcnstlerkolonie auf der \u201eMathildenh\u00f6he\u201c gewesen ist.<\/p>\n<p>Diesem F\u00fchrer mit nur 8 Seiten Umfang folgt 1907 unter Herausgeberschaft des Vereins\u00a0\u201eAlt Wimpfen&#8220; der sp\u00e4ter immer wieder aufgelegte umfangreiche erste wissenschaftliche Stadtf\u00fchrer Wimpfens des hessischen Kunsthistorikers Dr. Rudolf Kautzsch \u201eKunstdenkm\u00e4ler in Wimpfen am Neckar\u201c. Jetzt bieten \u00fcber die beiden \u00f6rtlichen Badehotels und eine Reihe von Gasth\u00e4usern wie der \u201eGr\u00fcne Baum\u201c, die \u201eSonne\u201c, die \u201eTraube\u201c und \u201eZum Perkeo\u201c hinaus auch einige Private \u201eZimmer mit Fr\u00fchst\u00fcck\u201c an und empfiehlt sich Wimpfen als \u201eSolbad und Luftkurort\u201c. Wie stark wirksam und nachhaltig in Anwendung des hessischen Denkmalpflege-Gesetzes die diesbez\u00fcgliche Zuwendung gewesen ist, das zeigt der Umstand, dass die hessische Denkmalpflege in ihrem 193 Seiten umfassenden T\u00e4tigkeitsbericht der Jahre 1902 \u2013 1907 Wimpfen allein 7 Seiten mit zahlreichen Fotos der in diesem Zeitraum freigelegten sowie auch anderweitig sanierten Fachwerkgeb\u00e4ude widmet.<\/p>\n<p>Als herausragend wichtiges Thema der Vortragsveranstaltungen des Vereins \u201eAlt Wimpfen\u201c ist der auf der Generalversammlung des Jahres 1908 gehaltene und auch im Druck erschienene Vortrag des nunmehrigen Privatdozenten Adolf Zeller aus Darmstadt \u201eDie Bedeutung der Wimpfener Baudenkm\u00e4ler in der Geschichte der deutschen Kunst\u201c anzusehen. In diesem wird der Stiftskirche mit den gefundenen Resten der Vorg\u00e4ngerkirche ein besonders breiter Raum einger\u00e4umt und abschlie\u00dfend an die Zuh\u00f6rer der folgenden Appell gerichtet und folgende Zukunftsvision vermittelt: <em>\u201eM\u00f6chten Sie, meine Herren, den Lohn f\u00fcr Ihre rege T\u00e4tigkeit darin finden, vielen, ungez\u00e4hlten Besuchern die M\u00f6glichkeit erhalten, hier k\u00fcnstlerische Eindr\u00fccke zu sammeln und ideale Sch\u00e4tze spenden, die das wirtschaftlicher Leben allein zu verleihen au\u00dfer Stande ist. Dieser Zweck wird nicht ungelohnt bleiben: er wird der Einwohnerschaft Mittel zuf\u00fchren, die sonst ihr nicht erreichbar sind, und wird sie erkennen lassen, dass &#8211; wie im Gebirge die sch\u00f6ne Natur &#8211; so in St\u00e4dten alter Vergangenheit die erhaltenen Kunstwerke einen Fremdenstrom anziehen, der manchen au\u00dferhalb des wirtschaftlichen Konkurrenzkampfes liegenden Ort wirtschaftlich hebt und zu neuer Bedeutung f\u00fchrt.\u201c <\/em>Weiteres \u00fcber die Arbeit des Vereins \u201eAlt Wimpfen\u201c findet sich in der zum 100. Jubil\u00e4umsjahr 2005 herausgebrachten Festschrift.<\/p>\n<p>Was den unter hessischer Beratung erfolgten Bem\u00fchungen des Vereins \u201eAlt Wimpfen\u201c allerdings nicht gelingt, das ist der Plan, \u00fcber die Gr\u00fcndung einer \u201eGemeinn\u00fctzigen Baugesellschaft\u201c nach dem Muster vom \u201eErnst Ludwig-Verein. Hessischer Zentralverein f\u00fcr Errichtung billiger Wohnungen\u201c vor allen Dingen eine Aussiedlung der im Zentrum der Stadt in der Hauptstra\u00dfe und in der Langgasse sowie den anliegenden Gassen angesiedelten Bauernh\u00f6fe in das Gel\u00e4nde \u201eSteinweg-G\u00e4ns\u00e4cker\u201c umzusiedeln. Zwar nimmt man schon 1906 einen Anlauf der Gr\u00fcndung einer solchen und erscheinen die Vorbedingungen, insbesondere die Kapitalbeschaffung zu einem Zinssatz von nur 2 %, sehr g\u00fcnstig. <em>\u201eStatt nun\u201c, <\/em>wie Friedrich Feyerabend in seiner Abhandlung \u201eDer gro\u00dfe Wendepunkt in der Geschichte von Wimpfen &#8211; 1918 \u2013 1932\u201c berichtet, <em>\u201ewie erhofft wurde, die Landwirtschaft mit Freunden zugreifen w\u00fcrde, l\u00f6ste sich eine geradezu erb\u00e4rmliche Gegenstr\u00f6mung aus, die noch durch die teilnahmslose Stadtverwaltung verst\u00e4rkt wurde. Die Genossenschaft hatte demnach viel zu wenig Mitglieder, um wirklich aktionsf\u00e4hig zu sein.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dass trotz dieser und anderer Kalamit\u00e4ten der Kontakt des Gro\u00dfherzogs und Protektors des Vereins Alt-Wimpfen mit Wimpfen nicht verloren geht und dessen Interesse an Wimpfen weiterhin gegeben ist, zeigt der Umstand dessen zweimaligen Besuches im Jahr 1909:<\/p>\n<ul>\n<li>Das erste Mal trifft am 24. Mai Gro\u00dfherzog Ernst Ludwig mit seiner zweiten Gemahlin Eleonore und Gefolge unerwartet in strengstem Inkognito per Automobil ein; man \u00fcbernachtet im Mathildenbad und besucht den Wormser Hof und die Kapuzinerkirche sowie alle Kirchen in Berg und Tal mit dem Versprechen des baldigen Wiedersehens.<\/li>\n<li>Das zweite Mal kommt ausgangs September der Gro\u00dfherzog mit Gemahlin und zwei Prinzessinnen von Battenberg und von Lich sowie einer Hofdame, dem Hofmarschall Freiherr von Ungern-Sternberg und einem m\u00e4hrischen Monsignore. Man kehrt im Mathildenbad ein und besichtigt u. a. das Rathaus und Archiv und beschaut dessen Kaiserurkunden, das Steinhaus und das katholische Pfarrhaus (d. h. den ehemaligen sog. Kaiserbau) sowie den Laden des Antiquit\u00e4tenh\u00e4ndlers Adolf B\u00e4r am Marktrain.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In der aufschlussreichen<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-44.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-500 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-44-1024x691.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"445\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-44-1024x691.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-44-300x203.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 44: Fremdenliste des Mathildenbades vom Juli 1909<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>findet sich au\u00dfer dem Namen des Gro\u00dfherzogs und der Gro\u00dfherzogin sowie vielen Namen hoher hessischer Herrschaften sowie solcher aus einer weit gestreuten Anzahl von St\u00e4dten und Orten auch der Name des Denkmalpflegers Professor Wickop aus Darmstadt. Dieser wird damals damit betraut, die infolge des Umbaus zu einem Bauerngeh\u00f6ft demolierte und 1906 zusammen mit dem angrenzenden Garten, Hofraum und der ostw\u00e4rtigen Scheuer in Landeseigentum \u00fcbernommenen Pfalzkapelle durch R\u00fcckbau auf Staatskosten in den alten romanisch-gotischen Zustand zu versetzen; deshalb auch die Besichtigung derselben beim zweiten Besuch. Dies wird denn auch 1909 bis 1911 mit einem Kostenaufwand von etwa 40.000 Mark realisiert, womit die Kette der Bauma\u00dfnahmen Hessens im \u201ehessischen Rothenburg\u201c, wie Wimpfen jetzt \u00f6fters genannt ist, noch einmal fortgef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Immer wieder erkundigt sich der kunstsinnige Gro\u00dfherzog von der Residenz aus vor allem \u00fcber Professor Wickop nach den Fortschritten der Arbeit des von ihm protegierten Vereins, konkret nach vielen Einzelheiten wie z. B. nach der Umgestaltung des Alten Friedhofes in eine Anlage, nach den in der Dominikanerkirche entdeckten alten Wandmalereien, nach dem Zustand der Stadtmauer und des am Hohenstaufentor noch erhaltenen Wehrgangs sowie des (evtl. vom Land Hessen zu kaufen beabsichtigten) Steinhauses. Und zu Anfang des Jahres 1912 beauftragt er Professor Wickop, den Wimpfenern mitzuteilen, dass er und ganz Hessen gerne bereit ist, den Verein zur Erhaltung und Versch\u00f6nerung Wimpfens &#8211; \u00e4hnlich wie das bei der Pflege Rothenburgs an der Tauber durch weiteste Kreise von Freunden und G\u00f6nnern in Deutschland geschehe &#8211; weiterhin f\u00f6rdern zu helfen. Doch kn\u00fcpfe er die Bedingung daran, dass die Wimpfener und deren Gemeindeverwaltung die Bestrebungen des Vereins tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzen, was Wickop nat\u00fcrlich dem Stadtvorstand brieflich \u00fcbermittelt und von der Wimpfener Zeitung der \u00d6ffentlichkeit bekannt gemacht wird.<\/p>\n<p>Nachdem aber bereits<\/p>\n<ul>\n<li>\u00a01910 in Darmst\u00e4dter Bl\u00e4ttern sowie in der Folgezeit des \u00f6fteren u. a. unter Bezugnahme auf den 1905 erfolgten Austausch des hessischen Dorfanteils an K\u00fcrnbach gegen badisches Gebiet der Vorschlag gemacht wird, man solle das \u201ehessische Rothenburg\u201c als das f\u00fcr Hessen lediglich das am teuersten zu verwaltende St\u00e4dtchen mit einer an viertletzter Stelle des Landes stehenden Kommunalsteuer von nur 65.000 Mark austauschen, und<\/li>\n<li>1911 die vom Protest des Gemeinderats begleitete Wiederaufhebung der Oberf\u00f6rsterei im Gespr\u00e4ch ist,<\/li>\n<\/ul>\n<p>kommt es im M\u00e4rz 1912 zu einer denkw\u00fcrdigen Sitzung der Zweiten Kammer der hessischen Landst\u00e4nde. In dieser bricht der Abgeordnete und Geheime Schulrat (und ehemalige Direktor der Wimpfener Realschule) Ludwig M\u00fcnch f\u00fcr Wimpfen eine Lanze: Wenn immer wieder vom Austausch Wimpfens die Rede sei, so gelte es zu sagen, dass dieses eine Perle von bedeutender Vergangenheit wegen ihrer Denkm\u00e4ler sei und ein Austauschobjekt daf\u00fcr sehr schwer zu finden sein w\u00fcrde. Auch h\u00e4tten die Wimpfener durch die Feier der 100-j\u00e4hrigen Zugeh\u00f6rigkeit zu Hessen bewiesen, dass sie Hessen bleiben wollen. Man solle darum f\u00fcr die Stadt alles tun, die doch so lange recht vernachl\u00e4ssigt worden sei, und somit keine Beamtenstellen wie die der Oberf\u00f6rsterei eingehen lassen und eine gute Auswahl bei der Besetzung derselben treffen. Schlie\u00dflich stellt gegen\u00fcber einsetzender Kritik Finanzminister Dr. Ernst Braun fest, die hessische Regierung denke nicht daran, Wimpfen zu ver\u00e4u\u00dfern, vielmehr denke der Gro\u00dfherzog daran, dort ein Absteigequartier zu errichten. In der Sitzung der Chargierten der Freiwilligen Feuerwehr Wimpfen wird daraufhin die M\u00fcnch\u2019sche Sentenz zu<em> \u201eWimpfen der gl\u00e4nzendste<\/em> <em>Edelstein der hessischen Krone<\/em>\u201c hochstilisiert.<\/p>\n<p>Zwar liegt schon seit September 1908 auf dem Tisch des B\u00fcrgermeisters eine von der Firma Schaffstedt, Gie\u00dfen, Fabrik f\u00fcr gesundheitstechnische Anlagen, erstellte Beschreibung mit Vorpl\u00e4nen einer \u201eSolbadanlage f\u00fcr Wimpfen am Neckar\u201c, welche die Gr\u00fcndung einer Gemeinen Gesellschaft auf genossenschaftlicher Basis mit dem Ziel der Erstellung eines klassisch-modernen Badegeb\u00e4udes im Empirestil mit hochragendem Mittelbau mit Freitreppe, Entree, Kasse etc. und zwei durch Querbauten flankierten niedrigeren Seitengeb\u00e4uden f\u00fcr die Verabreichung von 100 Sol-, S\u00fc\u00dfwasser und Lichtb\u00e4dern in 5 \u2013 6 Stunden und einem Inhalatorium vor. Die veranschlagten Bau- und Betriebsmittel sollen durch eine sog. gemischte Finanzierung bestritten werden, bei der durch die Stadt Wimpfen 100.000 Mark, durch bestimmte Interessenten 150.000 Mark, durch 65 \u2013 70 Darlehensgeber insgesamt 45.000 Mark sowie durch die Landesversicherungsanstalt Darmstadt 70.000 Mark einzubringen w\u00e4ren. Doch braucht es drei Jahre, bis schlie\u00dflich im Herbst 1911 der Gemeinderat an das Innenministerium eine Eingabe um eine staatliche Beihilfe zur Errichtung einer solchen Badeanstalt (im Rahmen von Ma\u00dfnahmen zur F\u00f6rderung der Erwerbsverh\u00e4ltnisse) richtet. Auch beweist sich der hohe Einsatz des Vereins Alt-Wimpfen sowie des guten Willens von Teilen der Einwohnerschaft z. B. durch die seit 1909 regelm\u00e4\u00dfig unter guter Beteiligung veranstalteten Blumenschmuckwettbewerbe. Au\u00dferdem beginnt der Verein in der nunmehr wieder im urspr\u00fcnglichen historischen Gewand hergerichteten Pfalzkapelle mit dem Aufbau einer kleinen ortsgeschichtlichen Sammlung und der Herrichtung eines Archivraums. Und im Hochsommer 1912 bringt Pfarrer Otto Scriba, der r\u00fchrige Nachfolger des verstorbenen Pfarrers Weitbrecht in Sachen Geschichtsforschung und Voranentwicklung der Stadt, einen abermaligen Besuch des Historischen Vereins und 1913 der Historischen Kommission Hessens mit gutem Nachhall zustande.<\/p>\n<p>Doch tut sich seit der Fertigstellung der Pfalzkapelle in Sachen der hessischen Denkmalhilfe nichts mehr, ebenso nichts in Bezug auf die staatlichen F\u00f6rderung f\u00fcr die Errichtung der Solbadanlage. Kein Wunder, denn Pfarrer Scriba muss im Mai 1913 unter Verweisung auf den Brief eines Freundes der Stadt namens Lars Svanstr\u00f6m resigniert feststellen, \u201e<em>dass es der Mehrheit der Wimpfener noch nicht ganz<\/em> <em>klar geworden sei, welche \u201aPerle des Hessenlandes\u2019 ihr geh\u00f6rt<\/em>.\u201c Und der Besitzer des Mathildenbades Johannes Albrecht sieht sich kurz danach im Herbst 1913 veranlasst, in dieselbe Wunde zu schlagen: \u201e<em>Der B\u00fcrgermeister sagt immer, die B\u00fcrgerschaft wolle nichts von einem Wimpfen als Fremdenplatz wissen und, wie mir vorkommt, wird diesem so hallkr\u00e4ftig Ausdruck gegeben, dass man es bis Darmstadt geh\u00f6rt hat.\u201c. <\/em>Sein Appell:<em> \u201eDie Wimpfener m\u00f6gen ernstlich wollen, nur die elementarsten Schritte selbst unternehmen, dann finden sie auch von au\u00dfen her Unterst\u00fctzung dazu.\u201c<\/em> In diesem Zusammenhang erscheint es wichtig zu wissen, dass 1906 dem aus Gesundheitsgr\u00fcnden nicht mehr kandidierenden B\u00fcrgermeister Julius Ernst nun doch sein fr\u00fcherer Rivale, der \u00d6konom Philipp Bornh\u00e4u\u00dfer, dieses Mal ohne jeden Wahlkampf, nachgefolgt ist.<\/p>\n<p>Ungeachtet dessen wird nat\u00fcrlich der runde 45. Geburtstag des <em>\u201egeliebten Landesf\u00fcrsten\u201c<\/em> (25. 11. 1913) mit B\u00f6llersch\u00fcssen er\u00f6ffnet und von den Honoratioren mit einem Festabend im Hotel Ritter gefeiert, bei dem Stadtpfarrer Scriba der Verbundenheit<em>, \u201eobgleich wir Wimpfener etwas abseits liegen von dem sch\u00f6nen Hessenlande \u2026 mit unseren Stammesbr\u00fcdern an Rhein und Main<\/em>\u201c, Ausdruck gibt und dies am Schluss mit folgendem Treueschwur bekr\u00e4ftigt: <em>\u201eWir Wimpfener wollen allezeit diese Hessentreue hochhalten und dieses Gel\u00f6bnis aussprechen, indem, wir mit unseren Br\u00fcdern im Hessenlande in den Ruf stimmen: S. K. Hoheit der Gro\u00dfherzog, er lebe hoch!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Warum im Wimpfen nach der Jahrhundertwende gegen\u00fcber dem Bade- und Fremdenstadt-Gedanken trotz gro\u00dfherzoglicher Huld und geschlossenem Optieren und T\u00e4tigsein der hessischen Beamtenschaft ziemliche Vorbehalte bestehen, ist neben der damals noch vorhandenen Dominanz der Landwirtschaft noch auf das von Jahr zu Jahr immer gewichtiger werdende Faktum der Hinentwicklung zur Arbeiterwohngemeinde zur\u00fcckzuf\u00fchren. Diese findet 1907 z. B. den Niederschlag in der Gr\u00fcndung eines Arbeitervereins sowie 1910 eines Arbeiterturnvereins. Bei der Stichwahl zum Reichstag des Jahres 1912 stehen 342 sozialdemokratischen Stimmen nur 271 Stimmen des bereits erw\u00e4hnten und von den B\u00fcrgerlichen hoch verehrten sehr regsamen nationalliberalen (und gleichzeitig auf Lebenszeit in die Erste Kammer der hessischen Landst\u00e4nde berufenen) Reichtagsabgeordneten Cornelius Wilhelm Freiherr Heyl zu Herrnsheim gegen\u00fcber, der dieses Amt von 1874 \u2013 1878 und von 1879 \u2013 1881 innegehabt hat sowie dann ab 1893 ununterbrochen innehat und der gr\u00f6\u00dfte Steuerzahler Hessens genannt wird. Die B\u00fcrgerlichen werten dieses Ergebnis als einen <em>\u201eTiefstand der nationalen Gesinnung\u201c<\/em>. Und typischerweise geschieht es schlie\u00dflich am 1. Mai 1913, dass die Sozialdemokraten die rote Fahne an einem Baum des Marktplatzes aufh\u00e4ngen, die der neben dem ehemaligen zweiten evangelischen Pfarrhaus wohnende Wachtmeister herunterholt. Als dann genau in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai des folgenden Jahres 1914 in einer Scheune neben demselben Feuer ausbricht und au\u00dfer auf das daran gebaute Wohnhaus auch auf das einstige zweite Pfarrhaus \u00fcbergreift, da ist man allgemein der Ansicht, dass es sich um Brandstiftung und einen Racheakt der Sozialdemokraten gegen\u00fcber dem dort wohnenden Wachtmeister handele. Wie dem auch sei: In steigenden Ma\u00dfe sind in Wimpfen vor allem die weniger Besitzenden gezwungen, sich ihr Brot in den nach der Reichsgr\u00fcndung weiter expandierenden Industrie- und Gewerbebetrieben der ebenso expandierenden St\u00e4dte und Orte im W\u00fcrttembergischen jenseits des Neckars zu suchen, z. B. bei Knorr oder Weipert in Heilbronn, der \u201eFahrrad\u201c in Neckarsulm, im Kochendorfer \u201eSchacht\u201c usw.<\/p>\n<p>Die Arbeiterschaft wie auch der gro\u00dfe b\u00e4uerlich gepr\u00e4gte Bev\u00f6lkerungsteil stehen der F\u00f6rderung des Bad- und Fremdengedankens gleichg\u00fcltig, wenn nicht ablehnend gegen\u00fcber. Ein Indiz f\u00fcr das wieder erlahmte Interesse der Bev\u00f6lkerung an der Arbeit des Vereins Alt-Wimpfen d\u00fcrfte der Umstand darstellen, das dessen Zahl der Mitglieder von 315 des Jahres 1906 auf nur noch 173 im Jahr 1912 abgesunken ist. Dessen ungeachtet, unternimmt der immer noch unter dem Vorsitz von Forstmeister Zeh stehende Verein Alt-Wimpfen insbesondere mit Unterst\u00fctzung von Pfarrer Scriba am 20. Juli 1914 einen neuen Anlauf, wenngleich der drei Wochen zuvor in der Schw\u00fcle des Hochsommers erfolgte Mord in Sarajewo f\u00fcr die Erhaltung des Friedens durch den Wettlauf der Aufr\u00fcstung und dem M\u00e4chtespiel der europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chte nichts Gutes ahnen l\u00e4sst. Nachdem, dem Vorschlag des Denkmalpflegers folgend, das Erstellen und Setzen einer Gedenktafel mit einem Relief von zwei lesenden Knaben und der Inschrift \u201eZum Gedenken an Richard Weitbrecht f\u00fcr den verstorbenen Vorsitzenden und Volksschriftsteller\u201c an der Nordseite des Alten Friedhofs beschlossen worden ist, wird Folgendes vereinbart: Es soll die Heilwirkung der Wimpfener Sole f\u00fcr weitere Kreisen besser nutzbar gemacht und Wimpfen als Badeort bessere W\u00fcrdigung dadurch finden, dass f\u00fcr Kassenkranke g\u00fcnstige Wohngelegenheiten geschaffen werden. Regierungsrat von Hahn, Heppenheim, will bei der Landeskrankenkasse und der Landesversicherungsanstalt dahingehend wirken, dass Wimpfen als Solbad besser ausgen\u00fctzt wird. Es sollen \u00fcber die Villa Osterberg und die beiden Hotels hinaus Kranke in Privatwohnungen zum Wohl der B\u00fcrger eingewiesen und dazu im Blatt Anzeige gemacht werden. Eine Kommission soll die gemeldeten Wohnungen besichtigen. Der Berichterstatter und stellvertretende Vorsitzende Reallehrer Volz stellt dazu fest: <em>\u201eDann hat Wimpfen wenigstens einmal nach der Richtung etwas getan, wo es sich \u00fcberhaupt noch eine Zukunft sichern kann: als Badeort.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Diese Aktion l\u00e4uft auch gut an, da erkl\u00e4rt Kaiser Wilhelm am 1. August den Kriegszustand und alle Pl\u00e4ne werden, wie Pfarrer Scriba bedauernd berichtet, zunichte gemacht. Zwar erlebt Wimpfens Fremdenverkehr in den vier Jahren des Ersten Weltkriegs und unmittelbar danach gerade durch seine starke Bindung an die Landwirtschaft und das b\u00e4uerliche Umland der Dreil\u00e4nderecke, wo relativ ordentliche M\u00f6glichkeiten der Nahrungsversorgung &#8211; sprich auch der Hamsterei &#8211; gegeben sind, pl\u00f6tzlich vor\u00fcbergehend eine Art Scheinbl\u00fcte des Bade- und Fremdenbetriebes durch die in Scharen sich einfindenden St\u00e4dter und Hamsterer, wodurch die Fremden aber schlie\u00dflich als eine Art Landplage empfunden werden.<\/p>\n<p>Hier sei noch angef\u00fcgt, dass im M\u00e4rz 1913 in den viel gelesenen \u201eWestermanns Monatsheften\u201c in einem Aufsatz von Professor Heinrich Werner \u201eAlt-Wimpfen im Neckartal\u201c zwei \u00d6lgem\u00e4lde des in Reichelsheim\/ Odenwald 1870 geborenen, in Gr\u00fcnberg\/Oberhessen aufgewachsenen und damals in Kassel t\u00e4tigen Genre-, Landschafts- und Portraitmalers Carl Geist abgedruckt sind: \u201eBlick auf Wimpfen am Berg\u201c (vom Hang \u00fcber dem Kalten Loch her) und \u201eAlte Gasse in Wimpfen am Berg\u201c (untere Pfarrhausgasse). Dieser Maler l\u00e4sst sich 1915 in Wimpfen st\u00e4ndig nieder, wo er ein qualit\u00e4tvolles Werk von Landschafts-, Stadt-, Gassen- und Geb\u00e4udeansichten sowie auch Blumenst\u00fccken und Portraits schafft und 1931 (verarmt) stirbt. Mit der<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-45.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-499 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-45-715x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"945\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-45-715x1024.jpg 715w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-45-210x300.jpg 210w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 45: Silhouette der Stadt Wimpfen a. N. von Carl Geist (1870 \u2013 1931) <\/strong>und<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-46.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-498 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-46-727x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"930\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-46-727x1024.jpg 727w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-46-213x300.jpg 213w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 46: Das Hohenstaufen-Tor in Wimpfen a. N. von Carl Geist (1870 \u2013 1931)<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>soll hier seines Schaffens in Wimpfen und seines k\u00fcnstlerischen Verm\u00e4chtnisses f\u00fcr Wimpfen gedacht werden. Diese pr\u00e4chtigen Pinselsch\u00f6pfungen stehen hier auch stellvertretend f\u00fcr die fast un\u00fcbersehbare F\u00fclle von Bildwerken aller Art, die eine Vielzahl anderer Maler, Zeichner und Stecher aller Rangstufen in der \u201eKaiserzeit\u201c sowie davor in der Zeit des Biedermeier und der Romantik und danach in der Zeit der Weimarer Republik und auch des \u201eDritten Reiches\u201c in und um Wimpfen geschaffen hat und die nicht nur die W\u00e4nde Wimpfener H\u00e4user schm\u00fccken, sondern dar\u00fcber hinaus eine nicht mehr fassbare weiteste Verbreitung im Hinblick auf die sich hier bietenden vielen bezaubernden Motive gefunden haben.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Damit treten wir ein in die Zeitperiode VI:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erfolgreiche R\u00fcckf\u00fchrung zum Ziel der Hinentwicklung zum Bade- und Fremdenort\u00a0als \u201ehessentreues Rothenburg\u201c\u00a0trotz der Aufhebung der Kreiseigenschaft\u00a0und Zuordnung zum weit entfernten Kreis Heppenheim an der Bergstra\u00dfe Ausf\u00fchrliche Zeittafel 1871 Der Entwurf an das Gro\u00dfherzogliche Innenministerium, Wimpfens \u201evielfach unzutr\u00e4gliches Enclave-Verh\u00e4ltnis in einer Zeit, wo sich alles zusammenschlie\u00dft, im Wege der Unterhandlung mit den Nachbarstaaten unter Vermittlung der &hellip; <a href=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/anmerkungen\/hauptteil\/zeitperiode-v-1871-1917\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Zeitperiode V (1871 \u2013 1917)<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":96,"menu_order":9,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/401"}],"collection":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=401"}],"version-history":[{"count":37,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/401\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":760,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/401\/revisions\/760"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/96"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=401"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}