{"id":415,"date":"2015-04-07T14:01:04","date_gmt":"2015-04-07T12:01:04","guid":{"rendered":"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/?page_id=415"},"modified":"2016-03-27T12:09:12","modified_gmt":"2016-03-27T10:09:12","slug":"zeitperiode-vi-1918-1932","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/anmerkungen\/hauptteil\/zeitperiode-vi-1918-1932\/","title":{"rendered":"Zeitperiode VI (1918 \u2013 1932)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kurzlebige Los-von-Hessen-Bem\u00fchungen, doch anschlie\u00dfende Akzeptanz des Exklavendaseins unter der eigenst\u00e4ndigen Hinentwicklung zum Bau eines st\u00e4dtischen Kurmittelhauses\u00a0<\/strong><strong>mit Gewinnung des Pr\u00e4dikats \u201eBad\u201c Wimpfen.<\/strong><\/p>\n<p>Ausf\u00fchrliche Zeittafel<\/p>\n<table width=\"486\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"80\">1918<\/td>\n<td width=\"450\">Absetzung des hessischen Gro\u00dfherzogs Ernst Ludwig; das Hessenland erh\u00e4lt eine neue Regierung unter Ministerpr\u00e4sident Carl Ulrich.<br \/>\nIn Wimpfen Volksversammlungen mit der Wahl eines Arbeiter- und Bauernrates, sp\u00e4ter eines sog. Volksrates.<\/td>\n<td width=\"2\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1919<\/td>\n<td width=\"450\">Auf Volksversammlungen formiert sich eine Los-von-Hessen-Bewegung (\u201eDie Dynastien samt ihren Grenzpf\u00e4hl\u2019n sind zerbrochen; der Tag des Selbstbestimmungsrechts ist angebrochen!\u201c), die aber bald wieder durch folgenden Appell von Pfarrer Scriba zum Erliegen kommt: \u201eWimpfen besinne dich zuerst auf dich selbst!\u201c<br \/>\nB\u00fcrgermeister Heinrich Bornh\u00e4user tritt aus \u201eGesundheitsr\u00fccksichten\u201c zur\u00fcck und durch Beschluss des Gemeinderats soll mit Genehmigung der Regierung Wimpfen einen Berufsb\u00fcrgermeister erhalten: Wahl des 27-j\u00e4hrigen Verwaltungsmannes Erich Sailer, Ludwigsburg.<br \/>\nProfessor Johannes Eck: \u201eWimpfen und seine Umgebung im 1. Drittel des 19. Jahrhunderts\u201c (Zeitungsaufsatz).<\/td>\n<td width=\"2\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1921<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"452\">Erwerb des Mathildenbades aus der Hand von Hotelier Johannes Albrecht durch die Stadt Wimpfen mit anschlie\u00dfendem Brand und Wiederherstellung desselben mit Art-Nouveau-Ausstattung sowie die \u00dcberf\u00fchrung in eine Aktiengesellschaft<br \/>\nNeue Auflage: \u201eF\u00fchrer durch Wimpfen und Umgebung\u201c mit Stadtplan und Karte des Umlands durch den Verein Alt-Wimpfen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1922<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"452\">Einen guten Werbeeffekt bringt der Besuch des Staatspr\u00e4sidenten, Ministers f\u00fcr Arbeit und Wirtschaft sowie des Landtagsspr\u00e4sidenten von Hessen und des Direktors des Kreises Heppenheim Pfeiffer.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1923<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"452\">Erste Stadtbeleuchtung mit Feuerwerk als beste Reklame und Herausstellung der Gro\u00dfartigkeit der Stadtsil-houette von Wimpfen a. B. und Auftakt auf die sp\u00e4ter j\u00e4hrlich insbesondere an Pfingsten wiederholten solchen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1924<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"452\">Einrichtung einer romantischen viel besuchten und sehr bewunderten Jugendherberge im Haus Angelberger an den Arkaden des Burgviertels<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1924<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"452\">Mehrt\u00e4giger Besuch des ehemaligen Gro\u00dfherzogs mit S\u00f6hnen und Gefolge im Mathildenbad mit Besichtigung der Kulturdenkm\u00e4ler<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1924<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"452\">Pfarrer Otto Scriba: \u201eWimpfen am Neckar. Bilder aus der Geschichte und Kunst\u201c (Sammlung von 17 historischen und kunstgeschichtlichen Aufs\u00e4tzen)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1925 ff.<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"452\">Gr\u00fcndung des \u201eNeckar-Verkehrsverbandes\u201c als Interessengemeinschaft zur Hebung des Fremdenverkehrs mit Sitz in Wimpfen<br \/>\nNach der Inflation gro\u00dfer Aufschwung Wimpfens als \u201eSolbad- und Luftkurort\u201c sowie insbesondere \u201eFremdenort\u201c mit vielen Besuchern: Sonderz\u00fcge, \u201eWimpfener Woche\u201c an Pfingsten, Stadtbeleuchtungen, Auff\u00fchrungen historischer St\u00fccke u. v. a. m.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1926 ff.<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"452\">Verbesserung der Zugdichte und Einsetzung von Ausflugsz\u00fcgen f\u00fcr Gruppen- und Einzelreisende nach Kochendorf-Wimpfen;<br \/>\nBesuch des w\u00fcrttembergischen Landtags; Erscheinen der Zeitschrift f\u00fcr Handel, Gewerbe und Verkehr \u201eAm sch\u00f6nen Neckar\u201c<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1927<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"452\">Festliche Einweihung der von Hessen und W\u00fcrttemberg sowie der Stadt Wimpfen finanzierten \u201eHindenburg-br\u00fccke\u201c unter dem r\u00fchrigen B\u00fcrgermeister Erich Sailer (6 \u00bc Jahrh. nach der Zerst\u00f6rung der R\u00f6merbr\u00fccke)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1928<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"452\">Die im Zusammenhang mit der Diskussion der L\u00e4nder- und Reichsreform in der Presse mehrfach angespro-chene Exklaveneigenschaft Wimpfens veranlasst den Gemeinderat zu einer gro\u00dfen Denkschrift, die u. a. fest-stellt: \u201eWimpfen hat keine Veranlassung, vom hessischen Staatsverband wegzugehen, wir wissen die F\u00fcrsor-ge des hessischen Volksstaates zu sch\u00e4tzen und verlangen, falls die Frage deren Aufhebung ansteht, das Selbstbestimmungsrecht.\u201c<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1929<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"452\">Ludwig Will, Lehrer in Hohenstadt, erinnert abermals durch seine Abhandlung in der Folgeschrift \u201eAm sch\u00f6nen Neckar\u201c des Titels \u201eDie Reichsfreiherren von Wimpffen\u201c daran, dass dieses weitverbreitete namhafte Adelsgeschlecht im sp\u00e4ten Mittelalter unter dem Namen Hermann von der Stadt Wimpfen seinen Ausgang genommen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1930<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"452\">Er\u00f6ffnung des \u201eKurmittelhauses\u201c (mit Spezialkuren wie f\u00fcr Asthma, Emphysem u. a. m.) auf dem Allezberg und Verleihung des Pr\u00e4dikats \u201eBad\u201c Wimpfen durch die Regierung des hessischen Volksstaates<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1931<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"452\">Beginn der wachsenden Auseinandersetzungen zwischen den \u201eLinken\u201c und \u201eRechten\u201c und dem aufkom-menden Nationalsozialismus<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"80\">1932<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"452\">Studienrat Dr. Eduard Betzend\u00f6rfer: \u201eWimpfener Sagen aus dem Munde des Volkes und der Dichter\u201c<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Am bitteren Ende des Ersten Weltkriegs steht im Gefolge des Sturzes der Monarchen in der Novemberrevolution des Jahres 1918 die unspektakul\u00e4re Absetzung des Gro\u00dfherzogs Ernst Ludwig und die \u00dcbernahme der Regierung unter dem Ministerpr\u00e4sidenten des neu konstituierten hessischen Volksstaates und gem\u00e4\u00dfigten Sozialdemokraten Carl Ulrich. Jetzt kommt es in der Exklave Wimpfen erstmalig zu einer Los-von-Hessen-Bewegung, und zwar nunmehr \u201evon unten her\u201c. In einem Gedicht in der \u201eWimpfener Zeitung\u201c vom 13. Februar 1919 pl\u00e4diert der Kaufmann Georg Karl Allmendinger unter dem Leitvers <em>\u201eDie Dynastien samt ihren Grenzpf\u00e4hl\u2019n sind zerbrochen; der Tag des Selbstbestimmungsrechts ist angebrochen\u201c<\/em> f\u00fcr eine \u00c4nderung des Exklaveneigenschaft Wimpfens:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\">Wimpfen und Neudeutschland<\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\">Wimpfen, die alte Reichsstadtperl\u2019 am Neckarstrande<br \/>\nKam durch Napoleons eiserne Faust zum Hessenlande.<br \/>\nObgleich weit au\u00dfer dessen Grenzen gelegen,<br \/>\nWurd\u2019s nicht gefragt, ob\u2019s sei zu seinem Nutzen oder Segen,<br \/>\nNur einzig, weil hier ein Schloss das Bistum Worms gehabt!<br \/>\nFast 100 Kilometer liegt es von der Kreisstadt ab.<br \/>\nDer Weltkrieg nun ein neues Deutschland hat geboren;<br \/>\nSelbst leiten sein Geschick ist es nun auserkoren.<br \/>\nDie Dynastien samt ihren Grenzpf\u00e4hl\u2019n sind zerbrochen;<br \/>\nDer Tag des Selbstbestimmungsrechts ist angebrochen.<br \/>\nAuch Wimpfen darf und soll sein Schicksal selbst bestimmen!<br \/>\nWem will es f\u00fcrder sein? \u2013Wie soll es das beginnen?<br \/>\nWill\u2019s preu\u00dfisch, bayrisch, s\u00e4chsisch oder gar franz\u00f6sisch sein?<br \/>\nO Nein! Oder badisch, zoll\u2019risch, w\u00fcrttembergisch? O Nein!<br \/>\nZum stammverwandten Schwabenland will es heimkehren,<br \/>\nZu dem Rhein, Neckar, Tauber, Donau m\u00f6g\u2019s geh\u00f6ren.-<br \/>\nDrum lasst uns all vereinen zu einem Schwabenbund,<br \/>\nAm Neckar und am Rheine, vom See zum Taubergrund.<br \/>\nAuf, auf! Ihr Frauen! M\u00e4nner! Werbt all f\u00fcr diesen Bund!<br \/>\nMacht\u2019s allen Volksgenossen! Macht\u2019s allen Wimpfnern kund!<\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\">Georg Allmendinger<\/p>\n<p>In diesem originellen Gedicht wird allerdings nicht die bislang diskutierte blo\u00dfe schwierige Lostrennung von Hessen durch einen Gebietsaustausch verlangt, sondern der eigentlich utopische Appell ist, durch eine Vereinigung der L\u00e4nder vom Bodensee bis zum Main ein gr\u00f6\u00dferes staatliches Gebilde unter Vereinigung von Schwaben und Franken (\u201eS\u00fcdweststaat\u201c) zu bilden und somit die hessische Staatszugeh\u00f6rigkeit irrelevant zu machen. Wie sich die Einstellung der Wimpfener zu diesem Problem entwickelt, das schildert die diesbez\u00fcgliche Passage der langen Eintragungen des Pfarrers Otto Scriba in der Pfarrchronik der evangelischen Kirchengemeinde f\u00fcr das Jahr 1919 wie folgt:<\/p>\n<p><em>\u201eIn Friedenszeiten war wohl schon manches Mal unangenehm empfunden worden, dass Wimpfen von dem Sitz des Kreisamts Heppenheim sehr weit entfernt sei. Die Missst\u00e4nde waren besonders im Krieg durch die Misswirtschaft des Kommunalverbandes noch empfindlicher zu Tage getreten. Wie es nun \u00fcberall in Zeiten erregter Volksmassen zu geschehen pflegt, \u00fcber den hie und da sich zwingenden im Leben der Menschen gegr\u00fcndeten M\u00e4ngeln, werden die Vorteile und Vorz\u00fcge, die man bisher gehabt, \u00fcbersehen. Nur die Schatten werden gesehen, aber nicht das Licht, dem sie doch letztlich entstammen. Hessen hat f\u00fcr Wimpfen vom Anfang an sehr viel getan, mehr wie f\u00fcr irgendeine andere Stadt im Land und jedenfalls viel mehr als Baden und W\u00fcrttemberg f\u00fcr St\u00e4dte in \u00e4hnlicher Lage wie Wimpfen. Weil eben mal die Verwaltungsmaschine des Kreisamts und des Kommunalverbands des Kreises Heppenheim nun einmal nicht so tadellos funktionierte, wie man sich allgemein w\u00fcnschte, so setzte mit der Revolution die Bewegung: Los von Hessen! immer st\u00e4rker ein und erreichte in einer Volksversammlung am 16. 2. ihren H\u00f6hepunkt. F\u00fcr und Wider wurde hin und her geredet. In der Wimpfener Zeitung wurde dar\u00fcber berichtet. Und ein l\u00e4ngerer Aufsatz des Schreibers dieser Zeilen scheint endlich daf\u00fcr gewirkt zu haben, dass man wieder n\u00fcchtern und ruhig dar\u00fcber denken lernte. Nicht die Staatszugeh\u00f6rigkeit entscheidet \u00fcber das Wohl unserer Gemeinde, sondern ihre Selbstbesinnung auf die ihr durch ihre Lage, Kultur, Boden erwachende Aufgabe. Aufwachen aus dem seitherigen Schlendrian, an die Arbeit mit den von Gott verliehenen Kr\u00e4ften unter sachgem\u00e4\u00dfer Benutzung der Lage, das sind die Grenzf\u00e4higkeiten der Entwicklung Wimpfens. Diese Gedanken scheinen in manchen K\u00f6pfen doch gewirkt zu haben und die anf\u00e4nglich starke Stimmung f\u00fcr den Anschluss an W\u00fcrttemberg, die nach Ansicht der Mehrheit allein die Neuregelung der Frage in Aussicht genommen hatte, wurde bereits so weit umgeschwenkt, dass ein Hauptf\u00fchrer dieser Sache meinte, bei einer Abstimmung w\u00fcrde wohl 2\/3 f\u00fcr die Zugeh\u00f6rigkeit zu Hessen stimmen. Was man hat, wei\u00df man, was man daf\u00fcr eintauscht, ist sehr ungewiss. Im Mittelpunkt steht die Frage des Amtsgerichts, der Realschule und des Steueramts. Bleiben wir bei Hessen, so bleiben diese Einrichtungen bestehen, ob W\u00fcrttemberg sie uns lie\u00dfe und gar eine Oberamtsstadt aus Wimpfen machte, ist sehr ungewiss.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Auswertung der vielen Presseberichte sowie der einschl\u00e4gigen Akten erbringt folgendes konkretere (doch immer noch sehr verk\u00fcrzte) Bild:<\/p>\n<p>Der ausgangs 1818 \u00fcber einen Arbeiter- und Bauernrat entstandene Volksrat organisiert laufend Volksversammlungen, bei denen zun\u00e4chst die schlimme Nahrungs-, Kohlen- und Wohnungsnot sowie die schwierige diesbez\u00fcgliche Versorgungslage im Vordergrund stehen und schlie\u00dflich auch vielerlei Klage laut wird \u00fcber die Zugeh\u00f6rigkeit zum <em>\u201e\u00e4rmsten Kreis Hessens Heppenheim und Hessens \u00fcberhaup<\/em>t<em>\u201c.<\/em> So kommt es am 16. Februar 1919 zu einer sehr stark besuchten Volksversammlung im am Beginn der Alten Heilbronner Stra\u00dfe gelegenen Ost\u2019schen Saal, bei der einzig und allein die <em>\u201ezuk\u00fcnftige Staatszugeh\u00f6rigkeit<\/em> <em>Wimpfens\u201c<\/em> zur Debatte steht, eine gro\u00dfe Anzahl von Diskussionsrednern aus allen Bev\u00f6lkerungs- und Berufsschichten ausf\u00fchrlich zu Wort kommen und die aus historischer wie gegenw\u00e4rtiger Sicht vorgebrachte Flut von Klagepunkten die Positivpunkte der Zugeh\u00f6rigkeit zu Hessen erdr\u00fccken. Dieses versucht Forstmeister Zeh, der auf den durch die hessische Hochwaldwirtschaft erzielten G\u00fcte- und Wertgewinn der Waldungen sowie auf den Umstand hinweist, dass bei einem badischen Wimpfen f\u00fcr den Forstbezirk Steuer dorthin gezahlt werden m\u00fcsse und bei einem w\u00fcrttembergischen Wimpfen eine neue Enklave entst\u00fcnde, vergeblich abzuschw\u00e4chen. (Nebenbei gesagt: Diese von Zeh angesprochene Problematik des vom Wimpfener Kerngebiet getrennten Forstbezirks hat der Gemeinderat 1952 dadurch f\u00fcr immer gel\u00f6st, dass er schweren Herzens dessen Abtretung an Neckarbischofsheim akzeptierte.) Und Pfarrer Scriba verweist zwar auf die von Hessen\u00a0<em>\u201ein den<\/em> <em>letzten 20 Jahren<\/em>\u00a0<em>gro\u00dfen und keiner anderen gleichgro\u00dfen Stadt gebrachten Opfer\u201c<\/em>, muss aber zun\u00e4chst unter dem Druck der Masse einr\u00e4umen, dass er die Frage, ob ein mit W\u00fcrttemberg verbundenes Wimpfen nicht besser fahre, nicht verneinen k\u00f6nne; nur m\u00fcsse man bei einem etwaigen Wechsel darauf dringen, dass es nichts, so die Realschule und das Amtsgericht, verliere.<\/p>\n<p>Mit Mehrheit fasst die Versammlung schlie\u00dflich folgenden Beschluss: \u201e<em>Die seitherigen Verh\u00e4ltnisse<\/em> <em>Wimpfens im hessischen Staatsverband sind unhaltbar. Ein Besserung k\u00f6nnte am besten erreicht werden durch Angleichung Wimpfens an einen der uns angrenzenden Staaten.\u201c<\/em> Es wird ein 17-k\u00f6pfiger Ausschuss aus Mitgliedern aller Berufsgruppen gebildet, zu dem auf Betreiben des Gemeinderates noch der seit l\u00e4ngerer Zeit den <em>\u201eaus<\/em> <em>Gesundheitsr\u00fccksichten\u201c<\/em> beurlaubten B\u00fcrgermeister Bornh\u00e4u\u00dfer vertretende Beigeordnete Kieffer hinzukommt. In einem l\u00e4ngeren Zeitungsartikel ruft jetzt jedoch Pfarrer Scriba zur Besonnenheit durch vielerlei Fragestellungen auf und kommt zu der folgenden Schlussfolgerung: <em>\u201eOb rot-wei\u00dfe oder schwarz-rote Grenzpf\u00e4hle oder Fahnen ist weniger von Bedeutung als die willensstarke Anspannung aller Kr\u00e4fte des K\u00f6rpers, Geistes und der Hand \u2026 Ein Gemeinwesen, das alle Hilfe und jede Besserung seiner Lage nur von der Regierung erwartet, ist verloren \u2026 Darum Wimpfen besinne dich zuerst auf dich selbst, die Frage, wohin wir dann geh\u00f6ren, wird sich leicht entscheiden lassen.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wird vom Gemeinderat Anfang Mai 1919 eine 3-k\u00f6pfige Kommission, bestehend aus dem Beigeordneten Kieffer, Gemeinderat Friedrich Feyerabend und Kaufmann Ernst Mannheimer, gebildet, die eine Eingabe an den Kommunalverband Heppenheim wegen Lostrennung von Wimpfen von demselben und den Anschluss an einen benachbarten w\u00fcrttembergischen Kommunalverband ausarbeiten soll. Diese Eingabe wird vom Kommunalverband Heppenheim und dem Landesern\u00e4hrungsamt Darmstadt jedoch abgelehnt. Mitte Juli beschlie\u00dft daraufhin der neu gew\u00e4hlte Gemeinderat, in dem die Demokraten mit 9 gegen\u00fcber den Sozialdemokraten mit 6 Stimmen die Mehrheit errungen haben, die Antr\u00e4ge wegen Losl\u00f6sung vom Kommunalverband Heppenheim mit der Begr\u00fcndung zur\u00fcckzuziehen, dass das neue Wirtschaftsjahr in greifbare N\u00e4he ger\u00fcckt sei.<\/p>\n<p>Inzwischen hat der B\u00fcrgermeisterwahlkampf begonnen, nachdem der Gemeinderat beschlossen hat, f\u00fcr Wimpfen die St\u00e4dteordnung einzuf\u00fchren und somit die bereits schon anderthalb Jahrzehnte zuvor bei der Wahl des Jahres 1906 im Gemeinderat aufgetauchte, jedoch damals nicht mehrheitsf\u00e4hig gewesene Idee zu realisieren, einen besoldeten Berufsb\u00fcrgermeister anstatt einen bisher nach der Landgemeindeordnung mit einer Art Unkostenbeitrag abgefundenen B\u00fcrgermeister im Ehrenamt einzustellen. Bei der wegen eines Formfehlers notwendigen Nachwahl kann sich, wie beim ersten Wahlgang, der aus W\u00fcrttemberg kommende und zuvor als Oberamtsassistent an der Oberamtssparkasse Ludwigsburg t\u00e4tig gewesene 27 Jahre alte Erich Sailer gegen seinen aus dem hessischen Mainz kommenden Hauptgegner Stadtsekret\u00e4r Wagner mit einer knappen Mehrheit (von nur 107 dank der ihm in den Teilorten zugefallen hohen Stimmenzahl) durchsetzen. Siehe dazu die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-47.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-497 size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-47-757x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"893\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-47-757x1024.jpg 757w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-47-222x300.jpg 222w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abbildung 47: Erich Sailer, der erste Berufsb\u00fcrgermeister in Wimpfen von 1919 \u2013 1933<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es zeigt sich bald, dass damit sowie mit dem gew\u00e4hlten Kandidaten die richtige Entscheidung getroffen worden ist, und in der Tat steht nach einiger Zeit, bef\u00f6rdert durch die bedr\u00e4ngenden gro\u00dfen Nachkriegsprobleme, die Anschlussfrage in keiner Weise mehr zur Debatte. Mit dem Berufsb\u00fcrgermeister Sailer erscheint Wimpfen <em>\u201eaus seinem 50j\u00e4hrigen Dornr\u00f6schenschlaf<\/em> <em>erwacht\u201c<\/em> zu sein, um eine Formulierung aus der \u201eAnlage\u201c zum bereits erw\u00e4hnten Aufsatz von Friedrich Feyerabend (Untertitel \u201eVom Bauernst\u00e4dtchen zur Kurstadt. Entscheidende B\u00fcrgerversammlung. Wird der Wurf gelingen? Versammlung in der Turnhalle 1927\u201c) zu ben\u00fctzen, der damals als Gemeinderat aus den schlimmen Erfahrungen mit den Ehrenb\u00fcrgermeister-Familien &#8211; siehe z. B. die B\u00fcrgermeisterwahl des Jahres 1898! &#8211; entscheidend zur Anstellung eines Berufsb\u00fcrgermeisters beigetragen hat. Nachdem alle durch die Lage des Bahnhofes und des Tals\u00a0im Hochwassergebiet von vorneherein sowieso schon fragw\u00fcrdigen Bem\u00fchungen um die Ansiedlung von Industrie entweder durch Angebote \u201ehalblebiger\u201c Fabriken oder der \u00fcbertriebenen Forderung, kostenlos Gel\u00e4nde bei zehnj\u00e4hriger Steuerfreiheit zur Verf\u00fcgung zu stellen, sich zerschlagen, steht es fest: Zielgerichtet soll die Weiterentwicklung Wimpfens zum Bade- und vor allem auch zum Kurort (im Sinne von Spezialkur-Angeboten) und auch verst\u00e4rkt zum Fremdenort (im Sinne von Touristenort) in den Vordergrund gestellt werden, wobei die Mehrheit des Gemeinderates dieses Ziel unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Dieser Weg ist auch insofern vorgezeichnet, als der Hotelier Johannes Albrecht im Jahr 1900 ein modernes Hotel in Bordighera bei Nizza an der italienischen Riviera \u00fcbernommen hat, um den gesch\u00e4ftsstillen Winter Wimpfens besser ausn\u00fctzen zu k\u00f6nnen, und nun nach dem Kriegsende dieses mit dem Ertrag aus dem Verkauf des Mathildenbades weiterzuf\u00fchren und auszubauen gedenkt. Zu diesem Entschluss tr\u00e4gt der Umstand bei, dass ein bis in den Ersten Weltkrieg hinein betriebener Plan des nunmehr verstorbenen Neckargem\u00fcnder Konsuls Menzer, das baulich nicht mehr auf dem zeitgem\u00e4\u00dfen Stand stehende Hotel \u00fcber die Gr\u00fcndung einer Aktiengesellschaft mit dem hessischen Staat als dem Hauptbeteiligten durch ein gro\u00dfz\u00fcgig angelegtes modernes Kurhotel in architektonischer und dem altert\u00fcmlichen Stadtbild angepasster Geschlossenheit zu ersetzen, nicht zur Ausf\u00fchrung gelangen konnte. Hierf\u00fcr sowie vor allem auch f\u00fcr den schon fr\u00fcher gehegten Plan der Anlegung einer breiten Fahrstra\u00dfe vom Bahnhof den Haag hinauf zum Hotel war sogar der als Vermittler t\u00e4tige Gro\u00dfherzog gewonnen worden. Im Krieg teilweise als Erholungsheim f\u00fcr Verwundete benutzt, war das Haus ziemlich abgewirtschaftet worden.<\/p>\n<p>So steht im M\u00e4rz 1919 der Verkauf des Mathildenbades an, und es will im Hin und Her des Verkaufs und schlie\u00dflich sogar des reum\u00fctigen R\u00fcckkaufs durch den fr\u00fcheren Besitzer die Stadt Pforzheim dort ein Kinderheim einrichten, was, wie man meint, den Todessto\u00df f\u00fcr Wimpfen als Bade- und Kurort bedeutet h\u00e4tte. Das wird dadurch hinf\u00e4llig, dass Ende Mai 1920 das unter den Besitzern Nicolaus Hofmann und Ehefrau Marie (1903 \u2013 1906) sowie Hermann Wohlfahrt bzw. sp\u00e4ter Agnes Wohlfahrt und Tochter (ab 1906 bzw. 1910) abgewirtschaftete Badhotel Ritter von der Stadt Pforzheim gekauft und zu einem Schullandheim umfunktioniert wird. Daf\u00fcr erwirbt, rasch handelnd, im Oktober 1821 unter dem neuen B\u00fcrgermeister Sailer die Stadt Wimpfen das Hotel Mathildenbad f\u00fcr den vereinbarten Kaufpreis von 450.000 Mark, ohne jedoch vorl\u00e4ufig den Kaufpreis zu entrichten und daf\u00fcr Albrecht die Wirtschaftsf\u00fchrung auf eigene Rechnung zu belassen. Das unvorhergesehene Ereignis eines Kaminbrandes im Seitenfl\u00fcgel mit Ausdehnung auf das obere Stockwerk bringt den ungel\u00f6sten Fragenkomplex der L\u00f6sung n\u00e4her: Es findet unter der Initiative von B\u00fcrgermeister Sailer Anfang Februar 1923 (inmitten der rasenden Inflation!) die Gr\u00fcndung der \u201eMathildenbad-Solbad-Aktiengesellschaft\u201c &#8211; gegen die von der sozialdemokratischen Gemeinderatsfraktion vertretene Umgestaltung des Komplexes zu Wohnungen und einen gewaltigen Sturmlauf in der Presse &#8211; mit einem Grundkapital von 30.000.000 Mark bei ca. 1\/3 Beteiligung der Stadt als Gr\u00fcnder bei selbstschuldnerischer B\u00fcrgschaft derselben gegen\u00fcber der AG statt. Pfingsten 1823 kann ein Gro\u00dfteil des Hotels den Betrieb aufnehmen. Es folgt in den n\u00e4chsten Jahren der weitere Ausbau zu einer Anlage mit gro\u00dfen Glasfronten auf zwei Stockwerken zum Neckar hin mit teilweise gedeckter Terrasse und einer schicken Ausstattung im Art-Nouveau-Stil der 1920er Jahre.<\/p>\n<p>Wie sich das Hotel jetzt darstellt, zeigt die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-48.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-496 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-48-721x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"937\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-48-721x1024.jpg 721w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-48-211x300.jpg 211w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 48: Aus der Bebilderung eines Prospekts des Mathildenbades: Tal- und Stadtansicht, geschlossene Terrasse des Hotels, Blick von dort ins Neckartal (1926)<\/strong>, und die<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-49.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-495 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-49-703x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"961\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-49-703x1024.jpg 703w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-49-206x300.jpg 206w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 49: Aus einer Werbeanzeige des Mathildenbades mit Foto der Diele des Hotels (1926)<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Viel zum langsam auch im Zuge der allgemeinen finanziellen Konsolidierung des \u201eKurhotels Mathildenbad\u201c bei manchen (vor allem Schulden-)Sorgen sich einstellenden Erfolg tr\u00e4gt der dem B\u00fcrgermeister als dem Vorsitzenden des 7-k\u00f6pfigen Aufsichtsrats und des 3-k\u00f6pfigen Verwaltungsausschusses freundschaftlich zur Seite stehende Vorstand (und vormalige Kurdirektor in Bad Mergentheim) Diplomkaufmann Helm Wienk\u00f6tter bei, dessen nach seinem Weggang 1926 nach Bad Soden erstellte historisch-gegenwartsgeschichtliche Brosch\u00fcre \u201eGesundheits- und Gastst\u00e4ttenwesen im alten Wimpfen nebst einer Geschichte des Mathildenbades daselbst\u201c (1927\/28) wertvolle Informationen f\u00fcr die Erstellung dieser Abhandlung bietet. Diesem folgt C. Dathe aus Heilbronn nach. Von gro\u00dfer Werbe- oder St\u00fctzkraft sind bzw. werden \u00fcber die restlichen 1920er Jahre hinweg zum Publikumsmagneten und tragen dar\u00fcber hinaus f\u00fcr die Belebung des Fremdenverkehrs zum Vorteil insbesondere auch der \u00fcbrigen sich jetzt enorm entwickelnden Wimpfener Gastronomie und Gesch\u00e4fte aller Art die folgenden (nat\u00fcrlich hier nur auswahlweise wiedergebbaren) Fakten bei:<\/p>\n<ul>\n<li>August 1823: Der zweit\u00e4gige Besuch des Staatspr\u00e4sidenten des neuen Volksstaates Hessen Carl Ulrich zusammen mit dem Minister f\u00fcr Arbeit und Wirtschaft Raab, dem Pr\u00e4sidenten des hessischen Landtags Adelung und dem Kreisdirektor des Kreises Heppenheim Pfeiffer in Wimpfen. Bei diesem versichern der Ministerpr\u00e4sident und der Wirtschaftsminister in der \u00f6ffentlichen Gemeinderatssitzung als dem H\u00f6hepunkt des hohen Besuchs auf die Bitte des B\u00fcrgermeisters hin, Hilfe bei der Entwicklung zur Kurstadt sowie auch zur Ansiedlung von Industrie zu leisten, dass diese berechtigt sei und sie sich f\u00fcr deren Erf\u00fcllung, so weit es ihnen gegeben sei, einsetzen w\u00fcrden. Und Pr\u00e4sident Adelung kn\u00fcpft an die Geschichte der Kunstdenkm\u00e4ler Wimpfens an und verspricht, alles zu tun, dass Wimpfen, \u201edie Perle im Neckartal\u201c, weiterhin noch besser bekannt werde, ja, er glaube, den Landtag zu einem Besuch Wimpfens bewegen zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>September 1823: Zum ersten Mal (und in den Folgejahren immer wieder) wird eine dem Vorbild der ber\u00fchmten Heidelberger Schlossbeleuchtung folgende Beleuchtung der Stadtsilhouette (fortan \u201eStadtbeleuchtung\u201c genannt) veranstaltet, nachdem ein Gewitterregen beim Besuch der hessischen Regierung eine solche verhindert hat. Die<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-50.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-494 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-50-1024x656.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"423\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-50-1024x656.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-50-300x192.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 50: Kunstkarte \u201eStadtbeleuchtung\u201c nach einem Aquarell von E. Gruber (1925\/26)<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>als eine der vielen solchen k\u00fcnstlerischen und fotografischen Darstellungen vermag vielleicht eine Ahnung dieses oft wiederholten viel bestaunten und viel besuchten Spektakels der Hervorhebung der Wimpfener Stadtsilhouette zu geben. Und als weitere wichtige Ereignisse bzw. Schrittmacher auf dem Wege zur Belebung des Fremdenverkehrs dieses Jahres und der nachfolgenden Jahre sind zu nennen:<\/p>\n<ul>\n<li>Oktober 1923: Gr\u00fcndung der Vereinigung der \u201eMathildenbad-Freunde\u201c und des \u201eRudervereins Wimpfen\u201c;<\/li>\n<li>April 1924: der mehrt\u00e4gige Besuch des fr\u00fcheren hessischen Gro\u00dfherzogs mit Familie (Gro\u00dfherzogin Eleonore und S\u00f6hne Erbprinz Georg Donatus und Franz Ludwig sowie Hofmarschall Graf Hardenberg); Begleiter ist Pfarrer Otto Scriba, der in diesem Jahr sein Buch mit 17 Sammelaufs\u00e4tzen \u201eWimpfen am Neckar, Bilder aus Geschichte und Kunst\u201c herausbringt;<\/li>\n<li>Ende Mai\/Anfang Juni 1924 (Pfingstzeit): Veranstaltung der ersten, in den sp\u00e4teren Jahren fortgesetzten, \u201eWimpfener Woche\u201c mit Festspiel (\u201eUnruhige Ostern\u201c \u2013 1525), Paradekonzerten, gro\u00dfem nicht enden wollendem Festzug am Pfingstsonntag und Stadtbeleuchtung; am Dienstag und Mittwoch nach Pfingsten erfolgt der im Vorjahr vom Landtagspr\u00e4sidenten angesprochene Besuch des Hessischen Landtags mit F\u00fchrungen und Besichtigungen, Kirchenkonzert, gemeinsamem Mahl im Mathildenbad, Stadtbeleuchtung, Morgenfeier mit geschichtlichem Vortrag, Besichtigung des im Bau befindlichen Neckarkanals bei Kochendorf; den Abschluss bildet am Mittwoch die farbenfrohe Auffahrt der Boote des deutschen Kanu-Verbandes zu seiner gro\u00dfen Pfingst-Neckarfahrt mit einer dritten gro\u00dfen Stadtbeleuchtung; die Teilnehmer sind bereits am Samstag mit Bahn oder Schlepper angefahren; es spielt sich ein, dass nunmehr in der warmen Jahreszeit viele Faltbootfahrer von Mannheim\/Heidelberg her mit ihrer Ausr\u00fcstung per Bahn anfahren, um dann, bef\u00f6rdert von der Str\u00f6mung des Flusses, am Sonntag neckarabw\u00e4rts wieder heimzukehren.<\/li>\n<li>Juni 1924: Er\u00f6ffnung einer viel bewunderten und rege besuchten Jugendherberge im bereits 1914 in Landeseigentum \u00fcbergegangenen Angelberger\u2019schen Haus an den Arkaden der Kaiserpfalz mit 70 Betten in 3 R\u00e4umen, sch\u00f6nem Aufenthaltsraum und Diele unmittelbar bei den Pfalzarkaden; Einweihung durch den Mitbegr\u00fcnder des Deutschen Jugendherbergswerks und Leiter der ersten deutschen Jugendherberge in Altena\/Westfalen Richard Schirrmann; im ersten Vierteljahr werden schon 800 \u00dcbernachtungen gez\u00e4hlt. Hier kehren begeistert vor allem viele Angeh\u00f6rige der Jugendbewegung ein.\u00a0Am Tag der Einweihung wird ins G\u00e4stebuch geschrieben:<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kaiser haben hier gewohnt,<br \/>\nSchloss und Pfalz errichtet.<br \/>\nSchicksal hat sie nicht geschont,<br \/>\nHat auch sie vernichtet.<br \/>\nHeute kommt ein neu Geschlecht,<br \/>\nDie Jugend zieht hier ein!<br \/>\nDie Mauern fl\u00fcstern still mit Recht:<br \/>\n\u201eWird dies Geschlecht von Dauer sein?\u201c<\/p>\n<p>Und ein junger Kaufmann lobt:<br \/>\nIch wollt, ich f\u00e4nd auf meiner Fahrt<br \/>\nStets Herberg vor von solcher Art.<\/p>\n<p>Ein Anderer singt:<br \/>\nDu traute Stadt am Bergeshang, leb wohl,<br \/>\nDu hoher Turm, du Glockenklang, leb wohl, ade.<br \/>\nIhr H\u00e4user, alle wohlbekannt,<br \/>\nNoch einmal wink ich mit der Hand<br \/>\nUnd dann, seitab gewandt.<\/p>\n<p>Ein Berliner schreibt:<br \/>\nWimpfen lass Dir nicht gefallen,<br \/>\nDass man Dich vergessen will.<br \/>\nDu kannst Dich mit Deinen Hallen<br \/>\nSeit\u2019 an Seit\u2019 mit Roth\u2019burg stellen.<\/p>\n<ul>\n<li>September 1924: Gr\u00fcndung einer \u201eVereinigung der Freunde der Realschule\u201c;<\/li>\n<li>1924\/25: Herausgabe von F\u00fchrungspl\u00e4nen, Veranstaltungskalendern, Stadtprospekten sowie im Folgejahr 1926 einer 35-seitigen neu von Realschuldirektor Luley und B\u00fcrgermeister Sailer gestalteten und reich mit Fotos sowie mit Darstellungen des Darmst\u00e4dter Malers und ausgepr\u00e4gten Wimpfen-Freundes Wilhelm Gerling Senior versehenen vierte Auflage des \u201eF\u00fchrer durch Wimpfen und Umgebung\u201c; daraus sollen nachfolgend vier instruktive Seiten gezeigt werden:<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-51.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-493 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-51-650x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-51-650x1024.jpg 650w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-51-190x300.jpg 190w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 51: Er\u00f6ffnungsseite 1 des vorgenannten F\u00fchrers mit der Darstellung (Radierung) der ostw\u00e4rtigen Stadtsilhouette von Wilhelm Gerling Senior, Darmstadt<\/strong>;<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-52.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-492 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-52-672x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"1006\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-52-672x1024.jpg 672w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-52-197x300.jpg 197w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 52: Liste der Beherbergungsbetriebe auf Seite 33 desselben<\/strong>;<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-53.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-491 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-53-598x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"598\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-53-598x1024.jpg 598w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-53-175x300.jpg 175w\" sizes=\"(max-width: 598px) 100vw, 598px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 53: Verzeichnis der Fremde aufnehmenden Privatwohnungen auf S. 34<\/strong>;<\/li>\n<\/ul>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-714\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/wimpfen-hessische-enklave-54-674x1024.jpg\" alt=\"wimpfen-hessische-enklave-54\" width=\"660\" height=\"1003\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/wimpfen-hessische-enklave-54-674x1024.jpg 674w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/wimpfen-hessische-enklave-54-197x300.jpg 197w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/wimpfen-hessische-enklave-54-768x1168.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/wimpfen-hessische-enklave-54.jpg 1549w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 54: Verzeichnis \u201eSonstige Gastst\u00e4tten\u201c auf Seite 35<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Januar 1925: Gr\u00fcndung des \u201eNeckar-Verkehrs-Verbandes\u201c im Mathildenbad mit Sitz in Wimpfen, einer Interessengemeinschaft zur Belebung des Fremdenverkehrs am Unteren Neckar mit 26 Mitgliedsorten, was Wimpfen zum Motor desselben macht und von dem her auch der Bau einer Neckarbr\u00fccke bei Wimpfen ins Gespr\u00e4ch gebracht wird;<\/li>\n<li>1925: Erstes Erscheinen einer Werbebrosch\u00fcre \u201eFerien am sch\u00f6nen Neckar\u201c sowie des (in den Folgejahren \u201eweitergeschriebenen\u201c) illustrierten aktuellen Reisef\u00fchrers \u201eAm sch\u00f6nen Neckar\u201c unter der Herausgeberschaft vom \u201eNeckar-Verkehrs-Verband\u201c Sitz Wimpfen. Hierzu seien gezeigt:<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-57.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-486 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-57-773x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"874\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-57-773x1024.jpg 773w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-57-226x300.jpg 226w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 55: Titelblatt des 34-seitigen \u201eIllustrierten F\u00fchrers durch das Untere Neckartal\u201c des \u201eNeckar-Verkehrsverbandes\u201c, 2. Auflage 1926<\/strong>;<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-56.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-488 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-56-678x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"997\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-56-678x1024.jpg 678w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-56-199x300.jpg 199w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 56: Innenseite des vorgenannten Titelblattes mit dem Veranstaltungskalender des Jahres 1926<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>April 1925: Die von der B\u00fcrgermeisterei Wimpfen vertretene \u201eInteressengemeinschaft f\u00fcr die Erbauung einer Stra\u00dfenbr\u00fccke \u00fcber den Neckar zwischen Wimpfen und Jagstfeld\u201c von 26 Anrainergemeinden gibt eine Art Denkschrift heraus, in der abschlie\u00dfend das Reich und die Landesregierungen von W\u00fcrttemberg, Hessen und Baden ersucht werden, eine Entschlie\u00dfung zum Bau einer solchen mit Kostenbeteiligung dieser Gemeinden in B\u00e4lde zu erstellen. Motto: \u201eDrei L\u00e4nder \u2013 ein Wille!\u201c<\/li>\n<li>September 1925: Besuch des w\u00fcrttembergischen Landtags, der den angestrebten Erfolg der \u00dcberwindung der L\u00e4ndergrenzen ausweist;<\/li>\n<li>1926 ff.: Initiativen zur Verbesserung der Zugdichte und von Ausflugsz\u00fcgen der Reichsbahn nach Kochendorf-Wimpfen zum Einzel- und Gruppenbesuch des \u201eSolbad- und Luftkurortes Wimpfen\u201c;<\/li>\n<li>1926 \u2013 1929: Erscheinen des Werbetr\u00e4gers \u201eAm sch\u00f6nen Neckar! Eine Zeitschrift f\u00fcr Handel und Verkehr\u201c durch das inzwischen errichtete \u201eVerkehrsb\u00fcro Wimpfen\u201c; hierzu sei gezeigt die<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-55.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-489 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-55-1024x909.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"586\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-55-1024x909.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-55-300x266.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> 57: Kopfst\u00fcck der Zeitschrift \u201eAm sch\u00f6nen Neckar!\u201c mit dem Anfangsteil einer Fremdenliste vom September 1928<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>R\u00fcckblickend auf das Jahr 1926 kann die Kurverwaltung folgende langsam sich einstellende positive Bilanz ziehen, die auch die \u00c4nderung der gesellschaftlichen Strukturen und die Entwicklung hin zum Sozialstaat mit der Entwicklung des Krankenkassenwesens sp\u00fcren l\u00e4sst:<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>Erstmals wieder seit langer Zeit hat Wimpfen das gehabt, was man \u201eKursaison\u201c nennen kann. Ungef\u00e4hr 1 200 Fremde, die l\u00e4nger als eine Woche blieben, wurden vom Verkehrssausschuss festgestellt. Freilich ist es zum gro\u00dfen Teil ein ganz anderes Publikum gewesen wie zu jener Zeit, als das Mathildenbad noch \u00fcber den ganzen Sommer mit voll besetztem Hause aufwarten konnte. Waren es fr\u00fcher in der Hauptsache h\u00f6here Beamte, Kaufleute, Angeh\u00f6rige freier Berufe usw., kurz das, was man als Mittelstand bezeichnete, so traten die schlichteren Gestalten von Angeh\u00f6rigen der Krankenkasse in Erscheinung. Auch das \u00e4u\u00dfere Leben, so wie es sich auf der Stra\u00dfe und in den Gasst\u00e4tten abspielte, hat sich gegen fr\u00fcher ge\u00e4ndert. Damals waren es Leute, die mehr oder minder zu ihrem Vergn\u00fcgen hier weilten, heute sind es M\u00e4nner und Frauen, welche zur Kr\u00e4ftigung und Wiederherstellung ihrer Gesundheit systematische Kuren mit Wimpfens heilkr\u00e4ftiger Sole machen: der untere Beamte, das bleichs\u00fcchtige Ladenfr\u00e4ulein der Gro\u00dfstadt, die nerv\u00f6se \u00fcberanstrengte Stenotypistin, das aus dem Krankenhaus entlassene Dienstm\u00e4dchen, die abgeschaffte Arbeiterfrau. \u00dcber den gemeinsamen Typus des kranken Menschen hinaus k\u00f6nnen die paar Ausnahmen in Gestalt lebenslustiger St\u00e4dterinnen nicht hinwegt\u00e4uschen. W\u00e4hrend man fast \u00fcberall in den Sommerfrischen und B\u00e4dern \u00fcber schlechten Besuch h\u00f6rte, hat Wimpfen einen guten Besuch gehabt. Es ist den Bem\u00fchungen des Verkehrsausschusses und vor allem der rastlosen T\u00e4tigkeit des B\u00fcrgermeisters Sailer und der Opferfreude des Direktors Dathe unter Mithilfe der hiesigen \u00c4rzte zu danken, dass die Abmachungen mit den Krankenkassen zum Ziele f\u00fchrten. Durch Werbeschriften, Prospekte, F\u00fchlungnahme mit den ma\u00dfgebenden Pers\u00f6nlichkeiten, Besuche an Ort und Stelle, Werbet\u00e4tigkeit der letzten Jahre ist Wimpfen au\u00dferordentlich bekannt geworden. Der Erfolg ist also die Folge der eifrigen T\u00e4tigkeit von fr\u00fcher. Stadt und Einwohner haben sich schnell auf den Zustrom eingestellt. \u00dcberall werden dem Verkehrsausschuss Zimmer zur Verf\u00fcgung gestellt, da die Gasth\u00f6fe nicht ausreichten. Damit gab es die ersten Unzutr\u00e4glichkeiten, da viele R\u00e4ume den Anspr\u00fcchen nicht gen\u00fcgten. Vor allem sind die Klosettverh\u00e4ltnisse der wundeste Punkt der Wohnungshygiene der alten Reichsstadt. Deshalb streben die Vermieter den Umbau an. Das Mobiliar ist meist gut. Bei der Verpflegung setzt man alle Ehre drein. Das Verh\u00e4ltnis von Wirt zu Gast ist zum Teil famili\u00e4r. Im Blick auf 1927: Wenn sich die Menschen in der alten Reichsstadt in ihrem Vorhaben einig sind, so kann es f\u00fcr die Zukunft nicht fehlen. Hat ihnen doch die Natur die allerbesten Vorz\u00fcge gegeben, das Dreigestirn: Landschaft, Luft und Sole. Bis zum 1. November kamen 70 000 Mark nach Wimpfen herein.<\/em><\/p>\n<ul>\n<li>Pfingsten 1927: Die nunmehr zum 4. Male an Pfingsten veranstaltete Stadtbeleuchtung findet in der Presse begeistertes Echo: <em>\u201e<\/em> \u2026<em> Wen haben nicht die stolzen Linien der am Himmel sich abzeichnenden wundervollen Silhouette der Stadt entz\u00fcckt, wenn er vom rauschenden Neckar hinaufblickt zu dem kraftvoll emporstrebenden T\u00fcrmen und Zinnen. Und nun denke er sich bei Nacht diese herrliche Front, die wohl kaum ihresgleichen findet, aus dem dunklen Untergrund des steilen Berghanges mit seinem Busch- und Laubwerk in gl\u00fchender Lohe emporsteigend zum dunklen Nachthimmel. Alles Unwesentliche, alles Ablenkende und St\u00f6rende ist verschwunden, nur die reinen Linien und Formen der Architektur dieser romanischen Bauweise treten in der roten Glut des bengalischen Feuers umso klarer und edler hervor. Die zierlichen S\u00e4ulenreihen der Arkaden, das Entz\u00fccken jedes Beschauers, sie wirken wie ein steinernes M\u00e4rchen. Wuchtig recken sich die beiden T\u00fcrme der Pfalz und der Zackengiebel des Steinhauses empor. Vom Roten Turm bis zum Mathildenbad ein zusammenh\u00e4ngendes Bild von so \u00fcberw\u00e4ltigender Sch\u00f6nheit, dass ich ihm nichts \u00c4hnliches an die Seite zu stellen w\u00fcsste. Aus dem Dunkel des Haages leuchten da und dort die roten Feuer und lassen das Laubwerk wie feines Filigranwerk erscheinen. Des Neckars Fluten geben das herrliche Bild zur\u00fcck \u2026 \u00a0Dankbar genie\u00dfen wir die Sch\u00f6nheiten, die unser raffinierter Zeitgeist ins rechte Licht r\u00fcckt.\u201c<\/em><\/li>\n<li>Oktober\u00a01927: Festliche Einweihung der \u201eHindenburgbr\u00fccke\u201c zwischen Wimpfen am Berg und im Tal unter gro\u00dfer Beteiligung von G\u00e4sten; womit nach 6 \u00bc Jahrhunderten Wimpfen wieder eine Stra\u00dfenbr\u00fcckenverbindung \u00fcber den Neckar hat, unter Kostenleistung von 100.000 Reichsmark durch die Stadt Wimpfen bei Baukosten von ca. 600.000 Reichsmark. Deren Restsumme wird zu rund 65 % von W\u00fcrttemberg und 35% von Hessen bestritten. Als Dankesgeste wird die Zubringerstra\u00dfe \u201eKarl-Ulrich-Stra\u00dfe\u201c genannt und werden f\u00fcr ihre Verdienste um den Br\u00fcckenbau das Mitglied der Baukommission Ministerialrat Professor Walter Knapp, Darmstadt, und der die auch die sonstige F\u00f6rderung Wimpfens tatkr\u00e4ftig und verst\u00e4ndnisvoll unterst\u00fctzende Kreisdirektor Hermann Pfeiffer zu Ehrenb\u00fcrgern ernannt. Es zeigt sich im Fortgang, dass die Br\u00fccke vor allem im Hinblick auf den immer st\u00e4rker aufkommenden Auto- und Motorradverkehr besonders wichtig ist. Der Betrieb der diesem in keiner Weise gewachsenen Kahnf\u00e4hre wird jetzt eingestellt. Hierzu die<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-58.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-485 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-58-1024x657.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"423\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-58-1024x657.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-58-300x193.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 58: Foto von der Einweihung der Neckarbr\u00fccke am 2. Oktober 1927 <\/strong>und<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-59.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-484 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-59-1024x693.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"447\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-59-1024x693.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-59-300x203.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 59: Blick auf die Neckarbr\u00fccke vom Mathildenbad aus<\/strong>;<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-60.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-483 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-60-1024x603.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"389\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-60-1024x603.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-60-300x177.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 60: Zwei Gedichte von Ernst Mannheimer anl\u00e4sslich der Einweihung der Neckarbr\u00fccke<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als dann<\/p>\n<ul>\n<li>im Sommer 1928 der hessische Innenminister Leuschner der Stadt einen Besuch abstattet, wird dieser herzlich begr\u00fc\u00dft und dr\u00fcckt man die Hoffnung aus, <em>\u201edass er mit allem Nachdruck und weitgehendster Unterst\u00fctzung f\u00fcr die berechtigten W\u00fcnsche von Wimpfen zur weiteren Hebung als Kurstadt eintritt, damit das sch\u00f6nste Fleckchen hessischer Erde endlich den Platz einnimmt, der ihm als Solbad und Luftkurort dank seiner sch\u00f6nen Lage und heilkr\u00e4ftigen Sole geb\u00fchrt<\/em>.\u201c Der Blick in die in der Zeitschrift \u201eAm sch\u00f6nen Neckar\u201c vom September 1928 zu findende umfangreiche \u201eFremdenliste\u201c weist nicht nur ein buntes Bild von verm\u00f6glicheren Besuchern aus weiten Teilen Deutschlands sowie dem Ausland (Amerika, England, Holland) des Mathildenbades aus, sondern auch viele solche eher einfachere in den Gasth\u00e4usern (zur Sonne, zur Traube, zum Gr\u00fcnen Baum, zum Klosterkeller, in der Pension Wittmann, im Kaffee Bergmann, im Milchkurhaus Joos, im Gasthaus Perkeo, in der Pension Haffelder) sowie bei den Privatleuten wie z. B. Alexa D\u00fcrr, Otto Stecher, Hugo Ro\u00dfbach, Marie Pfau, Eduard Traut v. a. m. Die gro\u00dfe Zahl von Annoncen von nunmehr stark auf den Fremdenverkehr eingestellten Gesch\u00e4ften vieler Art sowie Wirtschaften, wie diese in<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-61.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-482 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-61-1024x946.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"610\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-61-1024x946.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-61-300x277.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 61: Letzte Partie des umf\u00e4nglichen Annoncenteiles der ersten Nummer der Zeitschrift \u201eAm sch\u00f6nen Neckar\u201c vom August 1928<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>zu finden sind, l\u00e4sst regen Gewerbegeist erkennen und hinterl\u00e4sst den Eindruck, dass es richtig ist, was Friedrich Feyerabend in Erinnerung an die 1920er Jahre eindrucksvoll herausstellt:<\/p>\n<p><em>\u201eMan f\u00fchlte sich gl\u00fccklich, nach so vielen jahrzehntelangen planlosen Dahinlebens nun einen Plan und ein Ziel vor sich zu haben, die von dem streng verantwortungsbewussten Mann <\/em>(gemeint: B\u00fcrgermeister Erich Sailer)<em> mit aller Energie in die Tat umgesetzt wurde. Freudig stand man f\u00fcr den freundlichen und t\u00e4tigen Mann und belohnte seinen eisernen Flei\u00df durch treue Unterst\u00fctzung. So ging es Zug um Zug. Durch die genialen Werbungen in Illustrierten und Tageszeitungen sowie in der Inszenierung von Wochenendfeiern, Tagungen, Sonderz\u00fcgen usw. lag ein gut ausgearbeitetes System. In raschem Tempo wurde Wimpfen, von dem man weit und breit nichts wusste, schnell \u00fcberall bekannt, so dass es f\u00fcr jeden Einheimischen eine Freude war, mitzuhelfen. Die ersten so sch\u00f6nen Erfolge gaben dem B\u00fcrgermeister den gewaltigen Elan zu weiterer Entwicklung seiner Ideen und immer klarer stellte sich das Ziel heraus, wohin der Weg gehen musste. Nicht allein, dass die Stadtverwaltung in die Pl\u00e4ne eingeweiht werden musste, vielmehr galt es doch, die ganze Bev\u00f6lkerung zu einer neuen Einstellung zu erziehen und der aufw\u00e4rts strebenden Bewegung im Umgang und Verst\u00e4ndnis anzupassen. Hierin wirkte vor allem das Vorbild. Jeden Sonderzug, jede Feierlichkeit und jeden angemeldeten Besuch empfing der B\u00fcrgermeister selbst mit seiner Stadtkapelle, durch die Stadt \u00fcbernahm er die F\u00fchrung und hielt seine Ansprache. Er opferte seine Sonntage ganz im Dienste f\u00fcr die Stadt und es war ihm keine Stunde bei Tag und Nacht zu viel.\u201c <\/em>Siehe dazu die<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-large wp-image-481 alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-62a-662x1024.jpg\" alt=\"wimpfen-hessische-enklave-62a\" width=\"660\" height=\"1021\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-62a-662x1024.jpg 662w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-62a-194x300.jpg 194w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 62a: Programmzettel f\u00fcr den Empfang eines Sonderzugs mit G\u00e4sten aus dem Raum Karlsruhe etc. am 1. August 1926;<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-62b.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-480 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-62b-1024x744.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-62b-1024x744.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-62b-300x218.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 62b:\u00a0\u201eWimpfen a. Berg, das\u00a0,Rothenburg ob dem Neckar'&#8220;,\u00a0Radierung von W.\u00a0Gerli<\/strong><b>ng, Darmstadt (1924), im\u00a0\u201eF\u00fchrer durch Wimpfen und\u00a0Umgebung&#8220; (1926).<\/b><\/li>\n<\/ul>\n<p>Als im Zusammenhang mit der Diskussion der L\u00e4nder- und Reichsreform (Bildung eines \u201eS\u00fcdweststaates\u201c) in der Presse mehrfach die Exklaveneigenschaft Wimpfens sowie der Gedanke des Austausches angesprochen wird, sehen sich der Gemeinderat und der B\u00fcrgermeister im Fr\u00fchjahr 1928 veranlasst, an die hessische Regierung eine 18-seitige Denkschrift unter dem Titel \u201eDie Hessische Exklave Wimpfen\u201c mit eingehender Beschreibung der historischen wie gegenw\u00e4rtigen Gegebenheiten Wimpfens zu senden und u. a. Folgendes vorsorglich zu erkl\u00e4ren:<\/p>\n<p><em>\u201eNun hat die Stadt<\/em> <em>Wimpfen auch die F\u00fcrsorge des Hessischen Volksstaates erfahren und hat ihm auch so manches zu verdanken, vorweg die Stra\u00dfenbr\u00fccke \u00fcber den Neckar. Auch ist manch anderes Projekt genehmigt und harrt der Ausf\u00fchrung, da kommt nun auf einmal das Aufwerfen der Exklaven-Frage. &#8211; Wir in Wimpfen haben keine Veranlassung, von Hessen weg zu gehen. Wir wissen die F\u00fcrsorge des Hessischen Volksstaates zu sch\u00e4tzen, und es hat deshalb auch der Gemeinderat in seiner Sitzung vom 13. Januar 1928 beschlossen, folgende Erkl\u00e4rung abzugeben: \u201aVerschiedene Ver\u00f6ffentlichungen in der Presse zu der Frage der Aufhebung der Enklaven und Exklaven im Deutschen Reich geben dem Gemeinderat Veranlassung zu erkl\u00e4ren, dass Wimpfen keine Veranlassung hat, von sich aus dem Hess. Staatsverband auszuscheiden. Wird die Frage der Aufhebung der Enklaven und Exklaven praktisch, so verlangt der Gemeinderat f\u00fcr die Stadtgemeinde Wimpfen das Recht der Selbstbestimmung.\u2019 &#8211; Der Gemeinderat unterst\u00fctzt die Bestrebung der Schaffung eines gro\u00dfen S\u00fcdwestdeutschland und wird sich, f\u00fcr den Fall sich eine Organisation hierf\u00fcr bildet, hieran beteiligen. Wimpfens W\u00fcnsche bei der Abtretung von Hessen und Zuteilung an ein anderes Land sind folgende:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em>Wir w\u00fcnschen nicht verkauft zu werden, wie dies einst Landgraf Friedrich von Hessen-Kassel mit seinen Landeskindern tat, sondern wir w\u00fcnschen von Hessen wie eine Tochter behandelt zu werden, die man aussteuert ehe man sie verheiratet.<\/em><\/li>\n<li><em>Wir w\u00fcnschen, dass wir Beh\u00f6rden und Einrichtungen in Wimpfen, wie Realschule, Amtsgericht, Forstamt nicht nur behalten, sondern dass der \u00fcbernehmende Staat sich verpflichtet das Vorhandene auszubauen, wir wollen Amtsstadt werden und dadurch Hinterland bekommen, das unserem leistungsstarken Gewerbe notwendig ist.<\/em><\/li>\n<li><em>Wir wollen, dass unsere Realschule zur Oberrealschule ausgebaut wird.<\/em><\/li>\n<li><em>Wir wollen, dass unsere Stra\u00dfen nach den benachbarten Orten verbessert werden, damit diese dem modernen Verkehr gen\u00fcgen. Wir wollen insbesondere auch die Einf\u00fchrung des Omnibusverkehrs mit unseren benachbarten Orten.<\/em><\/li>\n<li><em>Wir wollen, dass zur Unterhaltung unserer alten Kunstbaudenkm\u00e4ler Staatsbeitr\u00e4ge gew\u00e4hrt werden, um sie vor dem Verfall zu retten.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Es besteht aber von uns aus auch gar keine Veranlassung von Hessen wegzugehen, so lange uns der Hessische Staat noch behalten kann. Wir wissen, was wir haben, was wir bekommen, ist ungewiss.\u201c <\/em>Insbesondere weist die hier nat\u00fcrlich nur in den Kernpunkten wiedergebbare Denkschrift auf den gro\u00dfen, die Dinge verkomplizierenden, Grundbesitz Hessens in Wimpfen im Tal und am Berg hin: <em>\u201eDer Staat ist Eigent\u00fcmer des Wormserhofes, der Stiftskirche, der Pfalzkapelle, der Angelberger\u2019schen Hofreite, in welcher sich die Jugendherberge befindet, zweier Beamtendoppelwohnh\u00e4user, eines Einfamilienhauses sowie des Amtsgerichtsgef\u00e4ngnisses.\u201c <\/em>Wenngleich die Diskussion um die \u201eL\u00e4nderreform\u201c im Folgejahr 1929 wieder ansteht, sorgt die sich abzeichnende allgemeine gro\u00dfe Wirtschaftskrise daf\u00fcr, dass sich in dieser Frage fortab nichts mehr bewegt und somit die Zugeh\u00f6rigkeit Wimpfens in den 1930er Jahren so gut wie unhinterfragt bleibt.<\/p>\n<p>Was die Denkschrift mit den geplanten Projekten, die noch der Ausf\u00fchrung harren, vor allem meint, das ist die Erstellung eines allen Anspr\u00fcchen der damaligen modernen Medizin gerecht werdenden sog. St\u00e4dtischen Kurmittelhauses. Eine solche Einrichtung ist im Gegensatz zur Gr\u00fcndung und Betreibung des Mathildenbades von der Einwohnerschaft insofern getragen, als im Jahr 1925 eine Bittschrift mit nahezu 700 Unterschriften die Errichtung eines st\u00e4dtischen Solbades verlangt hat und B\u00fcrgermeister Sailer sich Ende April 1927 in einer vom Verkehrsausschuss einberufenen B\u00fcrgerversammlung des Einverst\u00e4ndnisses der B\u00fcrgerschaft zum Bau eines solchen noch einmal versichert. Sailers Ziel geht dahin, aus der halbj\u00e4hrigen Sommersaison Wimpfens einen ganzj\u00e4hrigen Betrieb zu entwickeln. Das kann nur erreicht werden, wenn die einfache Solbadkur zu ausgesprochenen Spezialkuren umgewandelt und erweitert werden kann. In weiter Sicht sollen sich Mathildenbad und Kurbetrieb gegenseitig erg\u00e4nzen und dadurch die Rentabilit\u00e4t gesichert werden. Nach vielen Erkundigungen und Beratungen neben Einsichtnahme in Spezialkurbetriebe sieht man die g\u00fcnstigste M\u00f6glichkeit insbesondere in der Asthmaheilkur.<\/p>\n<p>So kommt es dazu, dass am 27. April 1930 das in einem reizvollen kleinen Kurgarten erstellte sog. Kurmittelhaus bei der Villa Osterberg auf dem Allezberg er\u00f6ffnet werden kann, das in schlichtem Stil eines walmbedachten langgestreckten (im Basisteil vom Bauhausstil beeinflussten) Rechteckgeb\u00e4udes nach Pl\u00e4nen der Architekten M\u00f6ssinger und Beil, Stuttgart-Heilbronn, errichtet ist. Durch die Ausstattung mit Inhalationsapparaten und -kammern, Spezialeinrichtungen f\u00fcr viele Arten der Hydrotherapie oder Pneumatischen Kammern usw. bietet dieses beste M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Behandlung eines breiten Bandes von Atemwegs- sowie auch Muskel- und Gelenks-, Rheumaerkrankungen etc. und f\u00fcr Erholungskuren, wie sie damals nur wenige der anderen hessischen B\u00e4der besitzen. Die Leitung der Kurverwaltung (Kur- und Verkehrsamt) \u00fcbernimmt der (seit 1924 im Dienste der Stadtverwaltung als Leiter des Verkehrsamts t\u00e4tige) Kurdirektor Udo Raetz<\/p>\n<p>Dazu seien gezeigt:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-63.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-479 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-63-1024x949.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"612\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-63-1024x949.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-63-300x278.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 63: Kopfst\u00fcck der Sonder-Beilage der \u201eWimpfener Zeitung\u201c zur Einweihung des Kurmittelhauses am Sonntag, den 27. April 1930, <\/strong>sowie die<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-64.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-478 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-64-766x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"882\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-64-766x1024.jpg 766w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-64-224x300.jpg 224w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 64: Der Eingang des auf dem Allezberg 1930 er\u00f6ffneten Kurmittelhauses<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dessen Standort au\u00dferhalb der Stadt ausw\u00e4rts des Alten Friedhofs hat sich schon in der Zeit von Helm Wienk\u00f6tter insofern herauskristallisiert, als die vorgenannte Villa Osterberg samt Umgel\u00e4nde nach der Inflation 1924 gegen gro\u00dfen Widerstand der sozialdemokratischen Gemeinderatsfraktion \u00fcber die Schaffung der f\u00fcr gemeinn\u00fctzige wohlt\u00e4tige Zwecke bestimmten \u201eNatalien-Augusten-Stiftung\u201c im Blick auf die f\u00fcr dringend notwendig erkannte Einrichtung eines Kurmittelhauses in den Besitz der Stadt gebracht worden ist. Der aus der Art der Stiftung sich ergebenden Gemeinn\u00fctzigkeit des Kurmittelhauses ist dadurch Rechnung getragen, dass die Einwohnerschaft die B\u00e4dereinrichtung zu bestimmten Zeiten und erm\u00e4\u00dfigten Preisen benutzen kann. Damit ist die Voraussetzung f\u00fcr die angestrebte Aufnahme Wimpfens in die Reihe der mit dem Pr\u00e4dikat \u201eBad\u201c ausgezeichneten Orte des Volksstaates Hessen geschaffen, die am Tag vor der Einweihung durch die Unterschrift des hessischen Innenministers Wilhelm Leuschner vollzogen wird. Als dieser dem B\u00fcrgermeister die Urkunde \u00fcberreicht, betont dieser <em>\u201edie enge Verbundenheit mit Wimpfen, das sich seines Lieblingskindes Wimpfen mit besonderer Sorgfalt annehme\u201c<\/em>. Damit ist dem von hessischen Kreisbeamten ein knappes Jahrhundert zuvor gewiesenen Weg endg\u00fcltig wieder Bahn gebrochen.<\/p>\n<p>Schon vor der Er\u00f6ffnung des Kurmittelhauses hat sich Wimpfen am sp\u00e4ten Nachmittag des Sonntag, dem 2. M\u00e4rz 1930, in der Fortsetzungs-Sendung \u201eUnsere Heimat\u201c des beliebten Gestalters von Radiosendungen Carl Struve, durch die \u201eFunk-Illustrierte f\u00fcr S\u00fcddeutschland\u201c im Titelbild und auf zwei bebilderten Seiten angek\u00fcndigt, wirkungsvoll von verschiedenen Pl\u00e4tzen der Stadt aus im jetzt m\u00e4chtig aufkommenden Rundfunk unter dem Motto \u201eWimpfen, die alte Hohenstaufenstadt am Neckar\u201c \u00fcber anderthalb Stunden hinweg akustisch unter gemeinsamen Einsatz von vielerlei Einwohnern und Gruppen pr\u00e4sentiert: so des B\u00fcrgermeisters Sailer, der Pfarrer, einer Reihe von Lehren der Real- und der Volksschule, des Stadtmusikus Barth und der Turmbl\u00e4ser, der Stadtkapelle, der beiden Gesangvereine, der Glocken der Stadtkirche, des Sch\u00fclerchores der beiden Schulen sowie eines der vielen Wimpfener Originale, n\u00e4mlich des \u201eDedor\u201c (Theodor K\u00fchner), u. a. m. Und im R\u00fcckblick auf die erste Saison des Kurmittelhauses des Jahres 1930 kann man melden, dass die Einnahmen mit rd. 32.000 Mark die Ausgaben einschlie\u00dflich Verzinsung und Betriebskosten mit rd. 31.000 Mark \u201e<em>trotz der schlechten Wirtschaftslage<\/em>\u201c \u00fcberschritten haben.<\/p>\n<p>Man sp\u00fcrt deutlich aus dieser Meldung die im Zuge der seit 1927 sich jagenden \u201eschwarzen Freitage\u201c entstehende Weltwirtschaftskrise mit steigender schlimmer Arbeitslosigkeit heraus. So wird das Jahr 1929 wegen K\u00fcrzung der Arbeitszeiten und Entlassungen in den Fabriken und Sinken der Preise f\u00fcr landwirtschaftliche Produkte als \u201eSorgenjahr\u201c beklagt. Und so muss z. B. die Zeitschrift \u201eAm sch\u00f6nen Neckar\u201c 1929 nach drei Jahren des Erscheinens wegen fehlender Rentabilit\u00e4t eingestellt werden. Und die Stadt Wimpfen ist vermehrt zu Sparma\u00dfnahmen sowie zur Verhinderung der Gefahr der Aussteuerung der Arbeitslosen und \u00dcberweisung an die Armenf\u00fcrsorge ab 1929 und 1930 sowie im \u201eNotjahr 1931\u201c zu sog. Notstandsma\u00dfnahmen gezwungen, die letztendlich aber auch vielfach dem Bade- und Fremdenbetrieb dienlich sind. Somit erfolgt damals die Teilkanalisation von Wimpfen am Berg und im Tal, die Teerung von Ortsstra\u00dfen im Anschluss an die Provinzialstra\u00dfe, so der Mathildenbadstra\u00dfe und eines Teils der Heinsheimer Stra\u00dfe, die Herrichtung von Feldwegen, Steinbrucharbeiten, die Umwandlung des Feuersees in eine Anlage mit zwei Wassertretbecken zum \u201eKneippen\u201c und Plantschen u. a. m. Unter diesen ung\u00fcnstigen Umst\u00e4nden sch\u00e4tzt sich die Gemeindeverwaltung gl\u00fccklich, dass die Saline (seit 1921) insbesondere zur Herstellung von Kryolith als Mittel der Aluminiumherstellung auf synthetischem Wege eine chemische Abteilung mit gutem Absatz angegliedert hat, und gibt klaglos der Hoffnung Ausdruck, dass die von dieser verursachten sog. Fluorsch\u00e4den (gemeint: deren giftige Emissionen mit Sch\u00e4digungen des Obstes und Krankheit des Viehs durch das verseuchte Futter) <em>\u201ezur Zufriedenheit der Gesch\u00e4digten<\/em> (gemeint: durch Zahlung von durch Sch\u00e4tzung per Inaugenscheinnahme ermittelten Geldausgleich) <em>erledigt werde\u201c<\/em>, obgleich sich diese Kalamit\u00e4t vor allem mit dem Anspruch eines Luftkurortes und Spezialbades f\u00fcr Atemwegserkrankungen \u00fcberhaupt nicht vertr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Dennoch gehen die Anstrengungen der Stadt und der angegliederten Kurverwaltung Wimpfen weiter. So wird, um nur sporadisch einige wenige Punkte anzuf\u00fchren, 1929 unterhalb der Neckarbr\u00fccke auf der Offenauer Seite ein Neckarfreibad eingerichtet oder kommen beim Exbummel der Handelshochschule Mannheim, am Bahnhof begr\u00fc\u00dft von gro\u00dfen Teilen der Einwohnerschaft, 500 Studenten in die Stadt. In den Jahren 1928\/29 schafft der unternehmungslustige Automobilbesitzer Wilhelm Pitsch zwei Omnibusse an und die Kurverwaltung Wimpfen organisiert zusammen mit dem Verkehrsausschuss f\u00fcr Fremde wie f\u00fcr Einheimische Gesellschafts-Ausflugsfahrten in die n\u00e4here und weitere Umgebung: Ins romantische Neckartal, nach Weinsberg und zur Weibertreu, in den hessischen Odenwald, in die L\u00f6wensteiner Berge, in den Forstwald, zum Hohenasperg, nach Schw\u00e4bisch Hall, ins Zaberg\u00e4u, zum Kloster Sch\u00f6nal an der Jagst, nach Stuttgart zum Schloss Solitude, nach Mergentheim und Weikersheim. Und im Mai 1930 gelingt es immer noch, dass Kochendorf-Wimpfen das Ziel eines von Aalen her \u00fcber Stuttgart-Heilbronn kommenden Sonderzugs der Reichsbahn bleibt, in dessen Programm wiederum au\u00dfer dem Salzbergwerk auch die dort entstehenden Schleusenanlagen des seit \u00fcber einem halben Jahrzehnt im Bau befindlichen Neckarkanals einbezogen sind. Oder im beginnenden April 1931 w\u00e4hlt die Ortsgruppe Darmstadt des Deutschen Touring-Clubs, dem Beispiel anderer solcher Ortsgruppen der Vorjahre folgend, Wimpfen als Ziel einer zweit\u00e4gigen Osterfahrt mit einer Geschicklichkeitspr\u00fcfung auf dem Lindenplatz in Wimpfen im Tal, einem Festabend im Mathildenbad und einer F\u00fchrung durch Alt-Wimpfen und die Kureinrichtungen; die G\u00e4ste werden von B\u00fcrgermeister Sailer und einem Ehrenausschuss hochrangiger Funktionstr\u00e4ger, darunter Baron Fritz von Falkenhayn, dem in Wimpfen im Tal wohnenden Direktor der N.S.U-Werke Neckarsulm, herzlichst im \u201ehessischen Rothenburg\u201c willkommen gehei\u00dfen. Und im selben Jahr erscheint auch ein neuer 25-seitiger F\u00fchrer unter dem Titel \u201eRund um Bad Wimpfen am Neckar. Ein Verzeichnis von 100 Spazierg\u00e4ngen und Halbtagsausfl\u00fcgen, sowie Autobus-Fahrten nebst einem F\u00fchrungsplan durch Bad Wimpfens Sehensw\u00fcrdigkeiten\u201c, dessen Kargheit der Ausf\u00fchrung ohne Bebilderung jedoch die gro\u00dfen Sparzw\u00e4nge ahnen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>In Jahr 1931 sowie im ausgesprochenen \u201eNotjahr 1932\u201c wird seit der Umbruchszeit nach dem Ersten Weltkrieg zum ersten Mal wieder starke Klage \u00fcber Hessen gef\u00fchrt: Zun\u00e4chst wird zu einer Protestversammlung gegen die vom hessischen Kreisamt Heppenheim verf\u00fcgte B\u00fcrgersteuer aufgerufen und im Fortgang folgende Kritik ge\u00fcbt: <em>\u201eBad Wimpfen hat im vorigen Jahr keinerlei Mittel weder vom Reich noch vom Staat (Hessen) zur Unterst\u00fctzung seiner Wohlfahrtserwerbslosen erhalten, auch sonst fehlt es zur Zeit bei verschiedenen hessischen Stellen (Provinzialverwaltung, Landwirtschaftskammer) an dem n\u00f6tigen Verst\u00e4ndnis der Belange der hessischen Exklave Bad Wimpfen. Die ganze Not der Zeit l\u00e4sst sich durch Zahlen ausdr\u00fccken: Wohlfahrtsausgaben 50.149 Mark einschlie\u00dflich jener f\u00fcr Wohlfahrts-, Erwerbslosen- sowie Krisenf\u00fcrsorge-Unterst\u00fctzungsempf\u00e4nger; f\u00fcr 1932 rechnet man mit 76.000 Mark \u2026 \u00a0Das neue Rechnungsjahr bringt neue Notverordnungen und in Ihrer Auswirkung neue Lasten. Die Zahl der Erwerbslosen und damit auch die Unterst\u00fctzungen der Gemeinde sind bis zur Untragbarkeit gestiegen. Und wenn wir bei der Reichshilfe wieder von den ma\u00dfgebenden Stellen umgangen werden sollten, so sind wir \u2026 \u00a0nicht in der Lage, unsere Aufgaben zu erf\u00fcllen.\u201c <\/em>Gab es z. B. im Jahr 1931 noch 14.259 \u00dcbernachtungen durch Kurfremde, so im Jahr 1932 nur noch 10.404. Es werden auch manche Klagen \u00fcber die durch die Abwanderung von K\u00e4ufern in die gr\u00f6\u00dferen Gesch\u00e4fte von Heilbronn gef\u00fchrt (Aufruf: \u201eEinheimische kauft am Ort\u201c). Der seit 1828 im Saal seines Gasthofs \u201eHirsch\u201c (fr\u00fcher \u201eDeutscher Kaiser\u201c) auch ein Kino betreibende Gastwirt Busch, bietet im M\u00e4rz 1932, Zeichen der schweren Krisenlage, den wegen der vermutlich wirtschaftlichen Notlage wegbleibenden gesch\u00e4tzten Stammkunden an, ruhig zu kommen und, wenn nicht mit Geld, dann ohne Geld, noch einige Stunden der Zerstreuung zu genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Schon im August 1931 steht der im Kurgarten und auf dem Festplatz bei der Turnhalle abgehaltene \u201eWimpfener Heimattag\u201c, bei dem wie in vielen der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg auch ein Historisches Spiel (wiederum: \u201eUnruhige Ostern\u201c von Richard Weitbrecht) aufgef\u00fchrt wird und wieder der sozialdemokratische Innenminister Leuschner in Bad Wimpfen anwesend ist, im Zeichen der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und auch dem Kommunismus, indem das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold (die \u201eRechte\u201c) gegen <em>\u201eTh\u00e4lmanns Bolschewistengarde\u201c<\/em> (die \u201eLinke\u201c) sowie gegen die <em>\u201eUmst\u00fcrzler aus Hitlers Hakenkreuzlager<\/em>\u201c demonstriert.<\/p>\n<p>In dieser wirtschaftlich ausgesprochen schlechten Zeit erscheint 1932 wiederum ein gehaltvolles kleines wissenschaftliches Werk, das einen Gang durch die Wimpfener Geschichte bis hin zur Gegenwart unter dem Blickwinkel der ausgepr\u00e4gten Sagen\u00fcberlieferung in Poesie und Prosa vornimmt und wieder von einem der hessischen Beamten, dem rege im Verein Alt-Wimpfen t\u00e4tigen Studienrat an der Realschule Dr. Eduard Betzend\u00f6rfer, geschrieben ist: \u201eWimpfener Sagen aus dem Munde des Volkes und der Dichter\u201c. Am Schlusse der 48 Seiten umfassenden und mit einigen Radierungen sowie Fotos und kleinen Lithografien geschm\u00fcckten Brosch\u00fcre sind aufschlussreiche erg\u00e4nzende neuere wissenschaftliche \u201eDeutungen des Ortsnamens \u201aWimpfen\u2019\u201c zusammengestellt und vergleichend interpretiert. Hinter den in diese Schrift eingestreuten unsignierten Radierungen d\u00fcrfte durch die Vergleichung mit anderen Werken die Handschrift des in Wimpfen 1885 als Sohn des Zimmermalers, Gemeinderats und Mitglieds des Vorstandes des Vereins-Alt Wimpfen Wilhelm Pfau geborenen deutschen Landschafts- und Bildnismalers sowie Radierers Conrad Pfau stecken. Dieser hat nach dem Besuch der Gro\u00dfherzoglich-Hessischen Realschule Wimpfen und dem Studium in Stra\u00dfburg, D\u00fcsseldorf und M\u00fcnchen sich in M\u00fcnchen niedergelassen, einen Namen durch seine aus der Beherrschung der graphischen Technik gewonnen Exaktheit und Sicherheit der Zeichnung gewonnen und ist 1954 in M\u00fcnchen gestorben. Unter seinen unz\u00e4hligen Einzelwerken finden sich auch zahlreiche \u00fcber seine Heimatstadt Wimpfen, von denen in den 1920er Jahren seine Neckaransichten in den Dienst der Werbung f\u00fcr Wimpfen und den Neckarverkehrsverband e. V. gestellt worden sind. Davon sei nachfolgend ein pr\u00e4gnantes Beispiel wiedergegeben:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-65.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-477 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-65-1024x814.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-65-1024x814.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-65-300x239.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abbildung 65:\u00a0\u201eWimpfen am Neckar&#8220;, Radierung von Conrad\u00a0<\/strong><b>Pfau, Vorsatzblatt in: Dr. Eduard Betzend\u00f6rfer, Wimpfener Sagen im Munde des Volkes und der Dichter, 1932<\/b><\/li>\n<\/ul>\n<p>Was, r\u00fcckblickend auf die nunmehr zu Ende gehenden 15 Jahre Wimpfens in der \u201eWeimarer Republik\u201c bzw. im \u201eVolksstaat Hessen\u201c, in denen die Stadt in R\u00fcckbesinnung auf ihre eigenen Kr\u00e4fte eine entscheidende Wende eingeleitet hat, in diesem Rahmen an Problemen und Errungenschaften nicht geschildert werden kann, das sei hier wenigstens stichwortartig in bunter Mischung, allerdings ohne den Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit erheben zu wollen, angerissen:<\/p>\n<ul>\n<li>die Erhaltung, Pflege und Erweiterung der mangelnden und f\u00fcr das Fremdenwesen wichtigen Anlagen (Alter Friedhof, Haag, H\u00e4lde, Kurw\u00e4ldchen);<\/li>\n<li>der Kampf mit der gro\u00dfen Wohnungsnot, der z. B. zur Errichtung st\u00e4dtischer Mietwohnungen im Bereich Zeppelinstra\u00dfe-Lenaustra\u00dfe (im Volksmund \u201eSchuldenbuckel\u201c genannt) f\u00fchrt und auch die unsch\u00f6ne \u201eWaggonia\u201c beim Hohenst\u00e4dter Weg erzeugt;<\/li>\n<li>die Wiedereinrichtung von Zuchtviehm\u00e4rkten zur F\u00f6rderung der Landwirtschaft;<\/li>\n<li>die Diskussion um die allerdings auf Eis gelegte Notwendigkeit der Feldbereinigung und Aussiedlung landwirtschaftlicher Betriebe, insbesondere auch des Spitalgutes;<\/li>\n<li>die \u00fcberf\u00e4llige (und immer nur schrittweise punktuell realisierte) Kanalisation sowie Teerung der Stra\u00dfen zur Bek\u00e4mpfung der schlimmen insbesondere sommerlichen Staubplage;<\/li>\n<li>die Widrigkeiten um die Verbesserung der Verbindungsstra\u00dfen zu den Nachbarortschaften hin;<\/li>\n<li>die Bem\u00fchungen um eine Verbesserung des Waldwegnetzes insbesondere im Forstwald;<\/li>\n<li>die Anstrengungen der Natursch\u00fctzer um Erhaltung der Vogelwelt (insbesondere der Nachtigallen) sowie des Odenwaldclubs um die Schaffung von Wanderwegen und deren Pflege und Erhaltung;<\/li>\n<li>die Sorge um die Erhaltung der immer wieder an Sch\u00fclermangel leidenden Realschule;<\/li>\n<li>die Weiterentwicklung des wachsenden Vereinswesens sowie insbesondere des Vereins Alt-Wimpfen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir gehen nun \u00fcber in die letzte Zeitperiode VII:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurzlebige Los-von-Hessen-Bem\u00fchungen, doch anschlie\u00dfende Akzeptanz des Exklavendaseins unter der eigenst\u00e4ndigen Hinentwicklung zum Bau eines st\u00e4dtischen Kurmittelhauses\u00a0mit Gewinnung des Pr\u00e4dikats \u201eBad\u201c Wimpfen. Ausf\u00fchrliche Zeittafel 1918 Absetzung des hessischen Gro\u00dfherzogs Ernst Ludwig; das Hessenland erh\u00e4lt eine neue Regierung unter Ministerpr\u00e4sident Carl Ulrich. In Wimpfen Volksversammlungen mit der Wahl eines Arbeiter- und Bauernrates, sp\u00e4ter eines sog. Volksrates. 1919 &hellip; <a href=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/anmerkungen\/hauptteil\/zeitperiode-vi-1918-1932\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Zeitperiode VI (1918 \u2013 1932)<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":96,"menu_order":10,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/415"}],"collection":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=415"}],"version-history":[{"count":32,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/415\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":715,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/415\/revisions\/715"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/96"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=415"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}