{"id":54,"date":"2015-04-06T14:28:39","date_gmt":"2015-04-06T12:28:39","guid":{"rendered":"http:\/\/wimpfen.scheible.de\/wordpress\/?page_id=54"},"modified":"2018-06-21T12:05:27","modified_gmt":"2018-06-21T10:05:27","slug":"fiktive-stadtfuehrung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/anmerkungen\/fiktive-stadtfuehrung\/","title":{"rendered":"Fiktive Stadtf\u00fchrung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fiktive Stadtf\u00fchrung mit Vorstellung der Bauzeugen der genau anderthalb Jahrhunderte umfassenden Epoche Wimpfens\u00a0<\/strong><strong>als hessische Exklave sowie eines pers\u00f6nlichen Schl\u00fcsselerlebnisses, das \u00a0mir Triebfeder f\u00fcr die Erforschung gerade dieses Zeitraumes geworden ist<\/strong><\/p>\n<p>Die <span style=\"text-decoration: underline;\">ehemalige Stiftskirche<\/span>, um bei dieser zu beginnen und den oben angeschnittenen Gedanken weiterzuf\u00fchren, wird in der Regel auch zu dem Ort, wo der Besucher erf\u00e4hrt, dass das Ritterstift St. Peter Wimpfen im Tal im Jahre 1802\/03 als Folge des Reichsdeputationshauptschlusses dem Landgrafen Ludwig X. und sp\u00e4teren Gro\u00dfherzog Ludwig I. von Hessen zusammen mit dem Wormser Hof in Wimpfen am Berg als Haus- und Familieneigentum, dagegen die Reichsstadt Wimpfen mit Wimpfen am Berg, Wimpfen im Tal, Hohenstadt und dem Forstbezirk (Forstwald, Forstgut\u00e4cker, Wimpfener Anteil von Helmhof) samt dem Dominikanerkloster zun\u00e4chst der Markgrafschaft Baden zuerkannt, jedoch durch Austausch der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zugeschlagen und somit das Gebiet der ehemaligen Freien Reichstadt Wimpfen damals eine sog. Exklave Hessens geworden ist.<\/p>\n<p>Zum F\u00fchrungsrepertoire in der Stiftskirche geh\u00f6ren erstrangig die <span style=\"text-decoration: underline;\">glutvoll-bunt leuchtenden Glasfenster des Chores<\/span>, deren Originale in Gestalt von einst 79 kostbaren Glasmedaillons der Fr\u00fchgotik im Jahr 1819 der kunstverst\u00e4ndige und kunstsammelnde neue Besitzer des Ritterstifts Gro\u00dfherzog Ludwig I. in seine Darmst\u00e4dter Sammlungen holen lie\u00df und die in den Jahren 1898 \u2013 1900 quasi als Wiedergutmachung vom hessischen Staat durch die meisterlichen Kopien des Freiburger Glasmalers Professor Geiges ersetzt worden sind. \u00a0Auch erf\u00e4hrt der Besucher, dass dies im Zuge der <span style=\"text-decoration: underline;\">Ergrabung der Fundamente der Vorhalle<\/span> sowie der <span style=\"text-decoration: underline;\">Fundamente der fr\u00fchromanischen Vorg\u00e4ngerin der Stiftskirche<\/span> in den Jahren 1895, 1896 und 1897 und der anschlie\u00dfenden <span style=\"text-decoration: underline;\">Generalsanierung der Anlage mit Wiederherstellung des alten Zustandes des Westwerks dieser Vorh\u00e4ngerin<\/span> in den Jahren 1898 \u2013 1903 unter einem Stab vor allem von Darmst\u00e4dter Bau- und Kunstsachverst\u00e4ndigen geschehen ist und die erheblichen Kosten durch das Finanzministerium des Gro\u00dfherzogtums Hessen bestritten worden sind, ein Faktum, das in die 3. Phase der o. a. \u201eImpulsgebungen\u201c weist.<\/p>\n<p>Falls der Besucher dann bergw\u00e4rts f\u00e4hrt und z. B. vom Aussichtplatz auf der ostw\u00e4rtigen Stadt- und Burgmauer beim Roten Turm oder noch besser von diesem herab (wahrscheinlich wenig angetan) auf das hinabblickt, an dem er zuvor mit gemischten Gef\u00fchlen vorbeigefahren ist, n\u00e4mlich auf das Gewirr von Elevatoren und anderen Bauteilen sowie das gro\u00dfe B\u00fcrogeb\u00e4ude des immer noch einzigen gro\u00dfen Industriebetriebes der Stadt, der <span style=\"text-decoration: underline;\">Solvay Fluor Derivate GmbH<\/span>, sollte er erfahren, dass dieser aus der nach dem erw\u00e4hnten Landesherrn und Gro\u00dfherzog benannten, <span style=\"text-decoration: underline;\">Saline Ludwigshall(e<\/span>) herausgewachsen ist, die 1819 mit der Salzproduktion begonnen hat. Als \u201eAufh\u00e4nger\u201c kann der Hinweis auf die am Ausgang des Erbachtales nahe des Eisenbahnviaduktes im einstigen \u201eSalinend\u00f6rfle\u201c aus dem ehemaligen Bohrhaus wachsenden beiden Solef\u00f6rdert\u00fcrme dienen, die Zeugen der dort im Sp\u00e4therbst 1818 unter der Leitung des gro\u00dfen Halurgen Carl Friedrich Christian Glenck gelungenen ersten Fundbohrung nach vollgr\u00e4diger Sole darstellen. Diese setzte den Grundstein f\u00fcr die Entwicklung Wimpfens zum Bade- und Fremdenort.<\/p>\n<p>Von dort oben f\u00e4llt der Blick auch auf die <span style=\"text-decoration: underline;\">Bahngeleise<\/span> und das vor etwa einem Jahrzehnt zur Tourist-Informations-Stelle sowie zu den \u201eAlt Wimpfener Stuben\u201c (heute \u201eBollwerk Lodge&#8220;) umfunktionierte ehemalige <span style=\"text-decoration: underline;\">Bahnhofsgeb\u00e4ude<\/span>, das merkw\u00fcrdigerweise einem Kirchenbau in neugotisch-historistischem Stil nachempfunden ist und davon zeugt, dass Wimpfen durch die 1869 er\u00f6ffnete Nebenbahn-Strecke Meckesheim-Jagstfeld trotz seiner Abseitslage in der den drei Anrainerstaaten Hessen, W\u00fcrttemberg und Baden seit 1806 zugeh\u00f6rigen \u201eDreil\u00e4nderecke\u201c (sp\u00e4ten!) Anschluss an das <span style=\"text-decoration: underline;\">Eisenbahnnetz<\/span> gefunden hat. Das <span style=\"text-decoration: underline;\">Wappen<\/span> des Ostgiebels mit dem <span style=\"text-decoration: underline;\">Schr\u00e4gbalken Badens<\/span> signalisiert, dass der Streckenabschnitt des hessischen Wimpfen damals der <span style=\"text-decoration: underline;\">badischen Eisenbahnverwaltung<\/span> unterstellt worden ist.<\/p>\n<p>Erw\u00e4hnt werden sollte beim Blick auf die <span style=\"text-decoration: underline;\">Neckarbr\u00fccke<\/span>, dass diese (wiedererbaut nach der Sprengung am Ende des Zweiten Weltkriegs als \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Hohenstaufenbr\u00fccke<\/span>\u201c) in der hessischen Zeit im Jahr 1927 unter B\u00fcrgermeister Erich Sailer als \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Hindenburgbr\u00fccke<\/span>\u201c erbaut worden ist und Wimpfen damit damals 6 \u00bc Jh. nach <span style=\"text-decoration: underline;\">Zerst\u00f6rung der R\u00f6merbr\u00fccke durch Eisgang<\/span> wieder eine Br\u00fccke bekommen hat.<\/p>\n<p>Beim Roten Turm kann der Besucher im Angesicht des <span style=\"text-decoration: underline;\">Stadtarchivs<\/span> mit seinen vergitterten Fenstern vielleicht erfahren, dass dieser n\u00fcchterne nachklassizistische Walmdachbau im \u201eKameralstil\u201c einmal das 1839 erbaute <span style=\"text-decoration: underline;\">Amtsgerichtsgef\u00e4ngnis f\u00fcr den hessischen Bezirk Wimpfen<\/span> gewesen ist. Wenn er dann vor der <span style=\"text-decoration: underline;\">Pfalzkapelle<\/span> steht und vielleicht auch in das dort untergebrachte Kirchenhistorische Museum der Stadt hineinschaut, kann er erfahren, dass dieser sprechende Bauzeuge des staufischen Pfalzbaus im Jahr 1834, eben wieder in dieser hessischen Zeit, von der Stadt an <span style=\"text-decoration: underline;\">einen Privaten verkauft<\/span> und von diesem 1837 durch den <span style=\"text-decoration: underline;\">Umbau zu einem Bauerngeh\u00f6ft mit Scheuer und Stall<\/span> in seinem \u00c4u\u00dferen und Inneren st\u00e4rkstens ver\u00e4ndert, jedoch im Jahr <span style=\"text-decoration: underline;\">1909 \u2013 1911<\/span> durch die <span style=\"text-decoration: underline;\">hessische Denkmalpflege in ihrem alten Gesicht wiederhergestellt<\/span> worden ist.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens auf dem Marktplatz vor dem <span style=\"text-decoration: underline;\">Rathaus<\/span> springt dem Besucher dann in der Reihe der die vier Haupt-Geschichtsepochen der Stadt demonstrierenden <span style=\"text-decoration: underline;\">Wappendarstellungen<\/span> dasjenige mit dem den Wormser Schl\u00fcssel aufrecht in den Pranken haltenden <span style=\"text-decoration: underline;\">hessischen rot-blau gestreiften L\u00f6wen<\/span> und der Jahresspanne 1803 \u2013 1952 ins Auge. Damit ist die Information gegeben, dass diese <span style=\"text-decoration: underline;\">hessische Herrschaft<\/span> genau 150 Jahre gedauert hat und im letztgenannten Jahr nach einer im Vorjahr stattgefundenen <span style=\"text-decoration: underline;\">Gemeindebefragung<\/span> durch die Zuordnung des Wimpfener Bezirks zum <span style=\"text-decoration: underline;\">Landkreis Heilbronn<\/span> und dem damals kurz danach entstandenen <span style=\"text-decoration: underline;\">Bundesland Baden-W\u00fcrttemberg<\/span> abgel\u00f6st worden ist. Des Weiteren wird vielleicht noch das Folgende klargelegt: Diesem 1839 im Baustil des <span style=\"text-decoration: underline;\">Klassizismus<\/span> nach Art des damals tonangebenden Darmst\u00e4dter Oberbaudirektors Georg Moller erstellte Baukoloss hat auf Gehei\u00df des damaligen Gro\u00dfherzoglich hessischen Kreisrates Ferdinand Franz Joseph Freiherr von Stein zu Lausnitz das <span style=\"text-decoration: underline;\">ehrw\u00fcrdige \u201ezusammengeflickte\u201c Fachwerkrathaus<\/span> des Jahres 1562 weichen m\u00fcssen, das damals der bedeutendste Profanbau Wimpfens gewesen ist. Und so nebenbei m\u00f6chte ich jetzt schon verraten: Der erzwungene Neubau musste so gro\u00df ausfallen, weil oben im 3. Stock die <span style=\"text-decoration: underline;\">Amtswohnung<\/span>, Symbol der h\u00f6chst dirigistischen Regimentschaft dieses dem Kreis Wimpfen von 1836 \u2013 1848 vorstehenden Kreisrates, unterzubringen gewesen ist, dazuhin im Mittelstock ein <span style=\"text-decoration: underline;\">Gemeinde(rats)saal<\/span>, der nicht allein zur Versammlung des Gemeinderats, sondern auch von sage und schreibe 600 B\u00fcrgern zum Zwecke der Entgegennahme von kreisr\u00e4tlichen Instruktionen (\u201eBefehlen\u201c) und gleichzeitig als <span style=\"text-decoration: underline;\">Sitzungssaal des damaligen hessischen Land- und sp\u00e4teren Amtsgerichts<\/span> tauglich sein sollte.<\/p>\n<p>Wenn bei der F\u00fchrung auch berichtet werden sollte, dass das Rathaus mit <span style=\"text-decoration: underline;\">Steinen des kurz zuvor abgebrochenen Speyrer Tortums<\/span> erbaut worden ist, so wird das klar, was sich im Laufe einer Stadtbesichtigung trotz der geballten Eindr\u00fccke alter historischer Bausubstanz aller Stilrichtungen zeigt, n\u00e4mlich, dass das alte Wimpfen in der 2. H\u00e4lfte der 1830er Jahre durch eine von der hessischen Beh\u00f6rden mehr oder minder erzwungene <span style=\"text-decoration: underline;\">Entfestigung aller seiner drei Haupttore<\/span> (Oberes, Mittleres, Unteres Tor) und <span style=\"text-decoration: underline;\">eines seiner Vortore<\/span> (Oberes Layertor) sowie der <span style=\"text-decoration: underline;\">meisten seiner T\u00fcrme der Haupt- sowie der Vormauern<\/span> und <span style=\"text-decoration: underline;\">fast des gesamten freigelegenen Wehrganges<\/span> wie auch des gesamten <span style=\"text-decoration: underline;\">Westteils seines inneren Mauerrings<\/span> verlustig gegangen und der <span style=\"text-decoration: underline;\">S\u00fcdbereich desselben<\/span> durch mehr oder minder <span style=\"text-decoration: underline;\">umf\u00e4ngliche Abtragungen vielf\u00e4ltig dezimiert<\/span> worden ist. Diese Entfestigung ist durch die vom hessischen Innenministerium mit Wirkung vom 1. 4. 1835 verf\u00fcgte <span style=\"text-decoration: underline;\">Aufhebung der Torsperre<\/span> in Gang gesetzt worden.<\/p>\n<p>Was beim Stehen vor dem Westwerk der Evangelischen Stadtkirche und Blick Richtung Neckartal nunmehr seit dessen Abriss im Jahre 1972 (zusammen mit dem \u201eMaringerhaus\u201c des Jahres 1605) und Erstellung einer <span style=\"text-decoration: underline;\">m\u00e4chtigen Wohnanlage<\/span> in den nachfolgenden Jahren sich leider nicht mehr dinglich und nur noch im Namen \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Mathildenbadstra\u00dfe<\/span>\u201c manifestiert, das ist das von Maurer- und Salinenwerkmeister und danach B\u00fcrgermeister Friedrich Riedling errichtete und 1836 als \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Wimpfener Soolenbad<\/span>\u201c er\u00f6ffnete und bald danach zu Ehren der hessischen Erbgro\u00dfherzogin Mathilde von Hessen benannte \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Mathildenbad<\/span>\u201c.<\/p>\n<p>Seit dessen Beseitigung fehlt bei F\u00fchrungen auch der \u201eAufh\u00e4nger\u201c f\u00fcr den besonders wichtig erscheinenden Hinweis darauf, dass das <span style=\"text-decoration: underline;\">Mathildenbad der Wegbereiter<\/span> f\u00fcr das au\u00dferhalb der Altstadt oben auf dem Allezberg 1930 er\u00f6ffnete <span style=\"text-decoration: underline;\">Kurzentrum (\u201eKurmittelhaus<\/span>\u201c) sowie f\u00fcr das damals von der hessischen Regierung verliehene Pr\u00e4dikat \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Bad<\/span>\u201c Wimpfen gewesen ist. \u00dcber die Gr\u00fcndung des Mathildenbades sowie das Auf und Ab dessen Schicksals wird sp\u00e4ter im HAUPTTEIL noch Weiteres wie auch \u00fcber das Stift, die Saline, die Entfestigung u. v. a. m. zu berichten sein.<\/p>\n<p>Was wohl ebenfalls im Rahmen einer Stadtf\u00fchrung kaum je, da am Rande liegend, hinsichtlich der \u201ehessischen Periode\u201c Erw\u00e4hnung findet, das ist z. B. der sich beim <span style=\"text-decoration: underline;\">Gang durch die Feuerseestra\u00dfe<\/span> und die <span style=\"text-decoration: underline;\">Schulstra\u00dfe<\/span> hin zum <span style=\"text-decoration: underline;\">ehemaligen Dominikanerkloster<\/span> beim Anblick der dortigen j\u00fcngeren H\u00e4userzeilen manifestiert: n\u00e4mlich die in der Zeit dieses Kreisrates von Stein in den Jahren 1838\/39 \u2013 1843 nach vielen Jahrzehnten fast v\u00f6llig daniedergelegener Baut\u00e4tigkeit vorgenommene Stadterweiterung au\u00dferhalb des Berings rechterhand vor dem Speyrer Tor, damals \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Neue Stadtanlag<\/span>\u201c genannt, sowie der nach dem Abbruch der T\u00fcrme und der Stadtmauer am Schiedgraben begonnene Ausbau der \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Klostergasse<\/span>\u201c (das ist die sp\u00e4tere Schulstra\u00dfe) mit anschlie\u00dfender \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Stadterweiterun<\/span>g\u201c innerhalb des Berings durch die teilweise <span style=\"text-decoration: underline;\">Bebauung der Stra\u00dfenzeile zum Schiedgraben hin<\/span> in den Jahren 1846\/47.<\/p>\n<p>Die sp\u00e4tere Umbenennung zu \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Schulstra\u00dfe<\/span>\u201c dokumentiert die geschlossene Unterbringung aller damals zerstreut und unzureichend untergebrachten Schulen im von der Stadt Wimpfen aus dem Besitz der Landesherrschaft im Jahre 1838 erworbenen und anschlie\u00dfend innen umgebauten <span style=\"text-decoration: underline;\">Konventbau des ehemaligen Dominikanerklosters<\/span>, das erst 1818 nicht zuletzt auf Bitten der Stadt unter Hinweis auf dessen segensreiches Wirken aufgehoben und dessen <span style=\"text-decoration: underline;\">Klosterkirche<\/span> im genannten Jahr als <span style=\"text-decoration: underline;\">Katholische Pfarrkirche<\/span> samt dem ehemaligen <span style=\"text-decoration: underline;\">Priorat<\/span> (\u201eKaiserhaus\u201c) der <span style=\"text-decoration: underline;\">katholischen Kirchengemeinde als Pfarrhaus<\/span> \u00fcbereignet worden ist. Diese Schulen waren: die <span style=\"text-decoration: underline;\">Deutsche Knabenschule und M\u00e4dchenschule<\/span>, die jetzt endlich durch eine \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Elementarschule<\/span>\u201c (Trennung der \u00e4lteren von den j\u00fcngeren Kindern) erweitert werden konnte, au\u00dferdem die <span style=\"text-decoration: underline;\">Lateinschule<\/span>, die von der Landesherrschaft unterhaltene <span style=\"text-decoration: underline;\">Katholische Schule<\/span> sowie die nunmehr gegr\u00fcndete <span style=\"text-decoration: underline;\">Industrieschule f\u00fcr den Haus- und Handarbeitsunterricht f\u00fcr M\u00e4dchen<\/span> (ab 1840). Zu diesen kam 1872 eine <span style=\"text-decoration: underline;\">St\u00e4dtische Realschule<\/span> (und in den ersten 2 Jahren noch gleichzeitig Lateinschule) hinzu, die 1874 vom Gro\u00dfherzoglich Hessischen Ministerium als eine \u00f6ffentliche st\u00e4dtische Schule unter der Bezeichnung \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">H\u00f6here B\u00fcrgerschule<\/span>\u201c anerkannt worden ist und der von der Reichsschulkommission 1878 die <span style=\"text-decoration: underline;\">Berechtigung<\/span> zuerkannt wurde, <span style=\"text-decoration: underline;\">das Zeugnis zum einj\u00e4hrig-freiwilligen Milit\u00e4rdienst<\/span>\u201c zu erteilen, bis schlie\u00dflich 1885 die ersehnte Erhebung zur \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Gro\u00dfherzoglichen Realschule<\/span>\u201c mit staatlichem Beitrag zu den Kosten erfolgte (Vorg\u00e4ngerin des heutigen Hohenstaufen-Gymnasiums).<\/p>\n<p>Die Stichw\u00f6rter \u201eSchulstra\u00dfe\u201c und \u201eKlostergasse\u201c wecken nat\u00fcrlich bei mir als im Haus Schulstra\u00dfe Nr. 369 (heute Nr. 24) nahe der Katholischen Kirche Aufgewachsener und im \u201eKluoschd\u00e4\u2019\u201c zur Schule Gegangener die Erinnerung an meine Lehrer vor allem der Grundschule, so die in meinem Geburtsjahr 1926 nach Wimpfen gekommenen herzensguten <span style=\"text-decoration: underline;\">Lehrer Lameli und Helfrich<\/span>, die ja alle (um einen Wimpfener Mundartspezialausdruck zu gebrauchen) \u201eOud\u00e4w\u00e4ld\u00e4\u2019 Hutzelbuw\u00e4\u201c und verpflichtet gewesen sind, genauestens den hessischen Lehrplan zu erf\u00fcllen. So bestand bei uns die Heimatkunde in der Klasse 4 erstrangig nicht im Kennenlernen unserer n\u00e4chsten w\u00fcrttembergischen und badischen Umgebung, sondern im Voraugenf\u00fchren des <span style=\"text-decoration: underline;\">hessischen Landkreises Heppenheim<\/span> (ab 1938 \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Landkreis Bergstra\u00dfe<\/span>\u201c), dem der Bezirk Wimpfen seit 1874 durch eine Verwaltungsreform unter <span style=\"text-decoration: underline;\">Aufhebung seiner Eigenschaft als Sitz eines Kreisamtes<\/span> unununterbrochen angeh\u00f6rt hat. So erkl\u00e4rt es sich auch, dass es in Wimpfen keinen \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Albverein<\/span>\u201c gegeben hat und noch heute keinen gibt, sondern den 1896 nicht zuletzt zur F\u00f6rderung des Fremdenverkehrs gegr\u00fcndeten \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Odenwaldclub<\/span>\u201c, auch dass in meiner Jugend unter den vielen Wirtschaften Wimpfens die renommierte <span style=\"text-decoration: underline;\">Weinwirtschaft Feyerabend<\/span> am Adlerbrunnen und Beginn der Salzgasse \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Zur Starkenburg<\/span>\u201c (benannt nach der \u00fcber der Kreisstadt Heppenheim gelegenen Burg) gehei\u00dfen hat.<\/p>\n<p>Und ich erinnere mich auch noch gut an den <span style=\"text-decoration: underline;\">katholischen Pfarrer Ro\u00dfkopf<\/span>, der von 1899 \u2013 1901 sowie wieder ab 1905 zun\u00e4chst im Tal als Kaplan und Benefiziat, ab 1914 als Pfarrverwalter (und gleichzeitig noch Benefiziat im Tal) und ab 1916 als Pfarrherr in Wimpfen am Berg bis 1938 amtiert hat und <span style=\"text-decoration: underline;\">einer der vielen hessischen Geistlichen<\/span> gewesen ist, die &#8211; wie auch <span style=\"text-decoration: underline;\">viele weltliche Beamte (Lehrer, Justiz- und Forstbeamte<\/span>) sowie beamtete oder nicht beamtete <span style=\"text-decoration: underline;\">Kunsthistoriker und Bausachverst\u00e4ndige des Hessenlandes<\/span> &#8211; sich um die <span style=\"text-decoration: underline;\">Erforschung, Erhaltung und Wiederherrichtung seiner Kunstdenkm\u00e4ler<\/span> und insbesondere auch um die <span style=\"text-decoration: underline;\">Erforschung und Niederschrift seiner Geschichte<\/span> verdient gemacht haben. Zweien von diesen, <span style=\"text-decoration: underline;\">Pfarrverwalter Ludwig Frohnh\u00e4user<\/span>, dem \u201eK\u00fcnder Wimpfens gro\u00dfer Vergangenheit\u201c, und <span style=\"text-decoration: underline;\">Pfarrer Dr. Richard Weitbrecht<\/span>, dem Mitgr\u00fcnder und langj\u00e4hrigen Vorsitzenden des Vereins Alt-Wimpfen, hat man sogar jeweils eine gro\u00dfe Gedenktafel gesetzt. Nachfolgend seien die wichtigsten dieser <span style=\"text-decoration: underline;\">Ver\u00f6ffentlichungen bzw. Chronik-Dokumentationen hessischer Amtstr\u00e4ger<\/span> in r\u00fcckschreitender chronologischer Folge aufgef\u00fchrt:<\/p>\n<ul>\n<li>1954:\u00a0Oberstudienrat Dr. Reinhold B\u00fchrlen und Kunsthistoriker Prof. Dr. Fritz Arens: Wimpfen. Geschichte und Kunstdenkm\u00e4ler (Erstausgabe, in Weiterf\u00fchrung des \u201eKautzsch\u201c = siehe 1907)<\/li>\n<li>1953:\u00a0Rektor Wilhelm Blitz: Vor 150 Jahren: Wie Wimpfen seine Reichsunmittelbarkeit verlor (Zeitungsaufsatz)<\/li>\n<li>1950: Ehemaliger Katholischer Stadtpfarrer Peter Ro\u00dfkopf: Wie kam Wimpfen an Hessen? (Aufsatz)<\/li>\n<li>1945:\u00a0Katholischer Stadtpfarrer Wilhelm Bick: Kurzer Bericht \u00fcber die Schlacht bei Wimpfen (gemeint die Besetzung durch die amerikanischen Truppen; Maschinenschrift, beigelegt dem Pfarrbuch der katholischen Kirchengemeinde)<\/li>\n<li>1932:\u00a0Studienrat Dr. Eduard Betzend\u00f6rfer: Wimpfener Sagen aus dem Munde des Volkes und der Dichter (Brosch\u00fcre)<\/li>\n<li>1931:\u00a0Wilhelm Will (im Zweiten Weltkrieg gefallener Sohn des Hohenst\u00e4dter Lehrers Ludwig Will): Flurnamenstudien an Hand einer Sammlung von Flurnamen der hessischen Exklave Wimpfen am Neckar (Dissertation)<\/li>\n<li>1929:\u00a0Lehrer (in Hohenstadt) Ludwig Will: Die Reichsfreiherrn von Wimpffen (Zeitungsaufsatz in Anlehnung an den ebensolchen des Jahres 1911)<\/li>\n<li>1924:\u00a0Pfarrer Otto Scriba: Wimpfen am Neckar. Bilder aus der Geschichte und Kunst (Gesammelte Aufs\u00e4tze)<\/li>\n<li>1919:\u00a0Pfarrer Otto Scriba: Kurzer F\u00fchrer durch die Stadtkirche Unserer lieben Frauen zu Wimpfen i. T., die Cornelienkirche zu Wimpfen i. T. und die Walpurgiskirche zu Hohenstadt<\/li>\n<li>1919:\u00a0Professor Johannes Eck: Wimpfen und seine n\u00e4here und weitere Umgebung im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts (Zeitungsaufsatz)<\/li>\n<li>1913:\u00a0Studienassessor Siegfried Jakob: Wimpfen und die Hohenstaufen (Aufsatz)<\/li>\n<li>1912:\u00a0Pfarrer Otto Scriba: Die Evangelische Stadtkirche zu Wimpfen<\/li>\n<li>1912: Regierungsrat in Darmstadt Viktor W\u00fcrth: Die Wohlt\u00e4tertafel in der Dominikanerkirche Wimpfen a.\u00a0B.<\/li>\n<li>1911:\u00a0Lehrer (in Hohenstadt) Ludwig Will: Freiherr von Wimpffen, 1811 \u2013 13. September \u2013 1911 (Zeitungsaufsatz)<\/li>\n<li>1908:\u00a0Privatdozent Adolf Zeller: Die Bedeutung der Wimpfener Baudenkm\u00e4ler in der Geschichte der deutschen Kunst (Aufsatz)<\/li>\n<li>1907:\u00a0Kunsthistoriker Dr. Rudolf Kautzsch (mehrfach neu aufgelegte Erstausgabe): Kunstdenkm\u00e4ler in Wimpfen am Neckar<\/li>\n<li>1903:\u00a0Regierungsbaumeister Adolf Zeller: Die Stiftskirche St. Peter zu Wimpfen im Tal. Baugeschichte und Bauaufnahme, Grunds\u00e4tze ihrer Wiederherstellung<\/li>\n<li>1903:\u00a0Realschuldirekter Dr. Karl Kemmer und Pfarrer Dr. Richard Weitbrecht: Im Wechsel der Zeiten. Wimpfener Festspiel zur Feier der hundertj\u00e4hrigen Zugeh\u00f6rigkeit Wimpfens zu Hessen<\/li>\n<li>1902:\u00a0Konrad Fron (Pseudonym f\u00fcr Ludwig Frohnh\u00e4user; siehe 1870!), Das Weltgericht. Eine Erz\u00e4hlung aus dem Bauernkrieg<\/li>\n<li>1902:\u00a0Regierungsbaumeister Adolf Zeller: Wimpfen, ein zuk\u00fcnftiges Ziel des Fremdenverkehrs (Zeitungsaufsatz)<\/li>\n<li>1902:\u00a0Professor Johannes Eck: Wimpfener Geschichtskalender (wichtige Ereignisse des 19. Jahrhunderts; laufende Zeitungsver\u00f6ffentlichung)<\/li>\n<li>1898:\u00a0Professor Rudolph Adamy und Regierungsbaumeister Eduard Wagner: Die ehemalige fr\u00fchromanische Zentralkirche des Stiftes Sankt Peter zu Wimpfen im Thal<\/li>\n<li>1898:\u00a0Professor f\u00fcr Kunstgeschichte an der Technischen Hochschule Darmstadt Dr. Georg Sch\u00e4fer: Kunstdenkm\u00e4ler im Gro\u00dfherzogthum Hessen. A. Provinz Starkenburg. Ehemaliger Kreis Wimpfen<\/li>\n<li>1893:\u00a0Konrad Fron: Der Rosenwirt von Wimpfen. Eine Geschichte aus einer alten Stadt (\u201eHolzrevolution\u201c von 1783)<\/li>\n<li>1885:\u00a0Konrad Fron: Das Kr\u00e4uterweible von Wimpfen. Eine Geschichte aus dem Ende des 30j\u00e4hrigen Krieges<\/li>\n<li>1870:\u00a0Pfarrverwalter Ludwig Frohnh\u00e4user: Geschichte der Reichsstadt Wimpfen, des Ritterstifts St. Peter zu Wimpfen im Thal, des Dominicanerklosters und des Hospitals zum hl. Geist zu Wimpfen am Berg<\/li>\n<li>1857:\u00a0Evangelischer Stadtpfarrer und Dekan Wilhelm Stockhausen: Pfarrchronik der evangelischen Kirchengemeinde (Er\u00f6ffnungstexte)<\/li>\n<li>1855:\u00a0Gro\u00dfherzoglich-hessischer Physikatsrat Dr. med. Karl Weigand: Beschreibung des Mathildenbades zu Wimpfen am Neckar<\/li>\n<li>1850:\u00a0Praktischer Arzt Dr. Heinrich Walter (Sohn des Gr. Physikatsrats Dr. Karl Walter): \u00dcber die innere Anwendung der Soolmutterlauge von Wimpfen<\/li>\n<li>1848:\u00a0Praktischer Arzt Dr. Heinrich Walter: Das Mathildenbad in Wimpfen am Neckar<\/li>\n<li>1837:\u00a0Katholischer Pfarrer Ignaz Como: Pfarrbuch der katholischen Kirchengemeinde (Begr\u00fcnder desselben)<\/li>\n<li>1836:\u00a0Landgerichtsaktuar Friedrich Heid: Die Geschichte der Stadt Wimpfen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um das unerm\u00fcdliche segensreiche Wirken hessischer Amtstr\u00e4ger in Wimpfen noch genauer zu illustrieren, seien hier &#8211; stellvertretend f\u00fcr die vielen &#8211; zwei von diesen besonders hervorgehoben, an die ich besonders gute Erinnerung, verbunden mit h\u00f6chstem Respekt vor ihrer Wimpfen gewidmeten gro\u00dfen Lebensleistung, habe:<\/p>\n<ul>\n<li>Zun\u00e4chst der im Januar 1953 im Alter von 90 Jahren gestorbene Oberreallehrer i. R. Heinrich Volz, von dem der \u201eWimpfener Heimatbote\u201c anl\u00e4sslich dessen Todes sagt: <em>\u201eEr war einer unserer gro\u00dfen Wimpfener\u201c<\/em> und folgende Bilanz seiner rastlosen aufopfernden ehrenamtlichen T\u00e4tigkeit zieht: 33 Jahre Schriftf\u00fchrer des Vereins \u201eAlt-Wimpfen\u201c, 29 Jahre Vorsitzender des Aufsichtsrats der Kreditkasse, 25 Jahre Leiter des Turnvereins, 24 Jahre Archivar, 24 Jahre Rechner des Evangelischen Bundes, 20 Jahre Dirigent des Kirchenchores, 18 Jahre Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins, 11 Jahre Mitglied des Gemeinderats (z. Zt. der Errichtung der Neckarbr\u00fccke und des Kurmittelhauses), 10 Jahre Vorsitzender des Ortsgewerbevereins.<\/li>\n<li>Dann der im Dezember 1953 mit 81 Jahren verstorbene Lehrer (an der einklassigen Schule in Hohenstadt) i. R. Ludwig Will, \u00fcber den im gleichen Blatt u. a. folgendes gesagt ist: <em>\u201e \u2026 Obwohl Herr Will aus Hessen stammte, ist ihm w\u00e4hrend seiner mehr als 50j\u00e4hrigen T\u00e4tigkeit in Hohenstadt und Bad Wimpfen die alte Reichsstadt zu einer zweiten Heimat geworden, der er als Mitglied des Vereins Alt-Wimpfen in selbstloser Weise seine Freizeit und seine Kenntnisse zur Verf\u00fcgung stellte. Die Verbundenheit mit seiner Heimat in Hessen fand in seiner regen T\u00e4tigkeit im Odenwaldclub Ausdruck. In den \u00fcber 50 Jahren seiner Zugeh\u00f6rigkeit zum Odenwaldclub hat er wohl kaum eine Wanderung vers\u00e4umt und durch seine r\u00fchrige Werbung und unerm\u00fcdlichen Bem\u00fchungen die Mitglieder angespornt und zusammengehalten.\u201c <\/em>Er ist es auch gewesen, der in den Jahren 1911 und 1929 durch Zeitungsaufs\u00e4tze in Wimpfen die Erinnerung an das der Vergessenheit anheimfallende Adelsgeschlecht der Freiherren und Grafen von Wimpffen wiederzuerwecken versucht hat, die im sp\u00e4ten Mittelalter als B\u00fcrgerliche des Namens He(e)r(e)mann von dort ausgezogen sein sollen und denen der Name der Stadt bei ihrer Adelserhebung im N\u00fcrmberg des Jahres 1658 als Herkunftsbezeichnung gedient hat.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn ich dabei schon in die Darlegung pers\u00f6nlicher Erinnerungen hineingeraten bin, so soll uns jetzt ein <span style=\"text-decoration: underline;\">Schl\u00fcsselerlebnis<\/span> weiterf\u00fchren, das mir wichtige Triebfeder f\u00fcr die Erforschung gerade der hessischen \u00c4ra Wimpfens gewesen ist. Denn dieses gibt eine <span style=\"text-decoration: underline;\">Sternstunde<\/span> von Wimpfens Hessen-Geschichte wieder, die sich im Dezember 1945 im vorhin schon erw\u00e4hnten Saal des <span style=\"text-decoration: underline;\">Wimpfener Rathauses<\/span> abgespielt hat:<\/p>\n<p><em>Seit Ostern dieses Jahres ist Wimpfen von amerikanischen Truppen besetzt, die vor allem im ehemaligen \u201eKurhotel Mathildenbad\u201c und in der \u201eSonne\u201c als Besatzer Quartier bezogen, das Sagen und am 19. 9. 1945 u. a. die Besatzungsl\u00e4nder <span style=\"text-decoration: underline;\">Gro\u00df-Hessen<\/span> und <span style=\"text-decoration: underline;\">Nord<\/span><\/em><span style=\"text-decoration: underline;\">w\u00fcrttemberg-<em>Nordbaden<\/em><\/span><em> proklamiert sowie am 26. 11. 1945 kurzerhand ganz pragmatisch das hessische Wimpfen der Kreisstadt Sinsheim zugeordnet haben. Dieses ruft bei der Wimpfener B\u00fcrgerschaft heftige Unruhe und ziemliches Murren hervor, weil der Kreis Sinsheim als landwirtschaftlich bestimmter Kreis gilt, in den man besonders viele Fl\u00fcchtlinge hineinstopft, vor allem aber auch, weil Wimpfens Lebensadern jenseits des Neckars im Industrieraum Neckarsulm und Heilbronn zu sehen sind. Um Ruhe und Klarheit zu stiften, setzt die Milit\u00e4rregierung auf den 17. Dezember 1945 eine B\u00fcrgerversammlung fest, bei dem der Ende April an die Stelle des nationalsozialistischen Gemeinderates getretene sog. Beirat und der Ende September eingesetzte neue B\u00fcrgermeister Tierarzt Dr. Ernesti anwesend sind und zu dem eine Schar von etwa 250 Wimpfener erscheint, die den Ratssaal Kopf an Kopf und auch noch die Treppe f\u00fcllt. Ich stehe ganz hinten an der Wand und auf der Gegenseite erscheint am Rednerpult der amerikanische public safety officer Leutnant Nelson; neben ihm steht Frl. Dolde, die Schwester des Dr. Dolde aus der F\u00fchrungsriege der Saline, als Dolmetscherin. Was dieser den finster dreinblickenden Wimpfenern sagt, klingt zwar plausibel: Einerseits sind die Verkehrsverbindungen zum angestammten weit entfernten Hessenlande und seinen Dienststellen unterbrochen und ist von dort aus die so vordringliche Nahrungsversorgung nicht zu gew\u00e4hrleisten; andererseits jedoch sind die Lebensstr\u00e4nge \u00fcber den Neckar durch Sprengung des Eisenbahnviadukts, der Wimpfener Neckar- sowie der Jagstfelder Eisenbahn- und Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke auf l\u00e4ngere Zeit abgeschnitten. Das will aber vielen der Zuh\u00f6rer nicht einleuchten, zumal Leutnant Nelson wohl zur Bekr\u00e4ftigung und moralischen Niederhaltung der Zuh\u00f6rer sinngem\u00e4\u00df (die Entnazifizierung beginnt Wellen zu schlagen) hinzuf\u00fcgt, er habe in Wimpfen mehr als an jedem anderen Ort Intrigen, Neid und Habsucht angetroffen, die an jeder Stra\u00dfenecke lauerten. Die B\u00fcrgerversammlung geht aber dennoch einigerma\u00dfen ruhig zu Ende, weil der Redner versichert, dass diese Entscheidung nur so lange gelte, bis nach Wiedererlangung der vollen demokratischen Rechte die Wimpfener Bev\u00f6lkerung durch Volksabstimmung selbst<\/em> <em>entscheiden k\u00f6nne, zu welchem Kreis bzw. Land sie geh\u00f6ren wolle.<\/em><\/p>\n<p>Der Volkszorn trifft im Fortgang vor allem Tierarzt und B\u00fcrgermeister Dr. Ernesti, der als einer der ganz Wenigen offen und ohne Scheu sich als Sinsheim-Anh\u00e4nger geriert, ganz im Gegensatz zu den sich nun langsam formierenden und bei den in Gang kommenden Gemeinderats- und B\u00fcrgermeisterwahlen sowie Wahlen zum w\u00fcrttemberg-badischen Landtag sich entsprechend einbringenden Heilbronn- bzw. Heppenheim-Anh\u00e4ngern. Ernestis Generalargument: Das am Rande des Kraichgaus gelegene Wimpfen hat im l\u00e4ndlichen Kreis Sinsheim auf engere wie auf weitere Sicht bessere Entwicklungschancen als beim jenseits des Neckars gelegenen Kreis Heilbronn und seiner \u00fcberm\u00e4chtigen Kreisstadt. Im Rahmen der sich entwickelnden starken Spannungen zwischen der Einwohnerschaft und Dr. Ernesti tritt dieser Ende April 1946 vom B\u00fcrgermeisteramt zur\u00fcck und es f\u00fchrt die Gesch\u00e4fte vorl\u00e4ufig sein Stellvertreter, der Sozialdemokrat Fritz Romig, weiter. Am 17. Juli findet im \u201eNeuen Tor\u201c eine B\u00fcrgerversammlung statt, in der sich der Widerstand gegen die Anordnung der Milit\u00e4rregierung Luft in der folgenden Entschlie\u00dfung macht: <em>\u201eDie Einwohnerschaft von Bad Wimpfen w\u00fcnscht die Wiedervereinigung mit dem Mutterland Hessen, Unterstellung unter den Landkreis Bergstra\u00dfe und ern\u00e4hrungsm\u00e4\u00dfige Angliederung an den Landkreis Heilbronn, d. h. also, dass der Zustand wieder hergestellt wird, wie er vor der Zuteilung Bad Wimpfens zu Baden bestanden hat.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die in allgemeiner Kritik stehende Meinung von Dr. Ernesti versucht denn auch der Landrat des Landkreises Sinsheim Dr. Herrmann, als die amerikanischerseits zugesicherte sog. Gemeindebefragung nach 5 \u00bd Jahren des Wartens &#8211; wir machen also jetzt einen gro\u00dfen Zeitsprung &#8211; endlich am 29. April 1951 ansteht, ebenso vergeblich zu vertreten. Denn es tragen (wohl mit der entscheidenden Hilfe der Hessen gegen\u00fcber bindungsfreien Fl\u00fcchtlinge und Vertriebenen; es stehen den ca. 3 400 \u201eAltb\u00fcrgern\u201c ca. 1 100 \u201eFl\u00fcchtlinge\u201c und ca. 450 \u201eEvakuierte\u201c gegen\u00fcber; das Verh\u00e4ltnis ist also nahezu 2 : 1) die Heilbronn-Anh\u00e4nger gegen\u00fcber der stattlichen Zahl von Hessen-Anh\u00e4ngern den Sieg davon, w\u00e4hrend die Sinsheim-Anh\u00e4nger nur 20 Stimmen bekommen. Das genaue Ergebnis dieser eine hohe Wahlbeteiligung von rund 80 % findenden Befragung kann der<br \/>\n<a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-546 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-01-1024x548.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"353\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abbildung 1: Stimmzettel mit Wahlergebnis der Gemeindebefragung vom 29. April 1951<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>entnommen werden.<\/p>\n<p>Diese klare Willensbekundung wird denn auch mit Wirkung vom 1. Mai 1952 vollzogen. Der erdr\u00fcckenden Mehrheit der Sinsheimgegner zum Trotz h\u00e4lt Landrat Dr. Herrmann in einer anl\u00e4sslich der \u00dcbernahme durch den Landkreis Heilbronn von der Presse ver\u00f6ffentlichten langen Stellungnahme folgendes entgegen:<\/p>\n<p>\u201e<em>Manche Kenner der Verh\u00e4ltnisse unseres Gebiets meinen, dass man die eben zu Ende gegangene Periode der Zugeh\u00f6rigkeit zum Landkreis Sinsheim eine verpasste Gelegenheit f\u00fcr die Stadt bedeute. Man mag stehen wie man immer will, w\u00e4re die Vereinigung von Bad Wimpfen mit dem es umgebenden Gebiet 100 Jahre vorher erfolgt, der gesetzgeberische Akt w\u00e4re sicher nicht notwendig gewesen. Dann h\u00e4tte das Eigengewicht dieser Stadt mit ihrem nat\u00fcrlichen landwirtschaftlichen Hinterland ihr einen anderen Weg gewiesen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Diese Einsch\u00e4tzung hat mich in der Folge immer wieder besch\u00e4ftigt und bis heute nicht losgelassen, zumal ja denn auch nach der anschlie\u00dfenden Bildung des sog. S\u00fcdweststaates (Vereinigung der von den Besatzungsm\u00e4chten kreierten L\u00e4nder Nordw\u00fcrttemberg-Nordbaden, W\u00fcrttemberg-Hohenzollern und S\u00fcdbaden zum neuen Bundesland Baden-W\u00fcrttemberg) im Zuge der Neugliederung und Gemeindereform nach 1970 sich die folgende kontr\u00e4re Situation herausgebildet hat:<\/p>\n<p>&lt; Bad Wimpfen im Kreis Heilbronn wird zu nicht mehr als einer \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Selbstversorgungsgemeinde ohne nennenswerte Umlandbedeutung mit Ausstattung einer Mittelpunktgemeinde<\/span>\u201c deklariert;<\/p>\n<p>&lt; Bad Rappenau im Kreis Sinsheim (bzw. 1974 nach Aufl\u00f6sung dieses Kreises zum Kreis Heilbronn geschlagen) dagegen wird nicht weniger als 4 Stufen h\u00f6her als \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Unterzentrum mit normaler Umlandbedeutung<\/span>\u201c ausgewiesen und diesem werden dementsprechend 8 Anliegergemeinden mit nachfolgender Erhebung zur Stadt (sp\u00e4ter sogar zur \u201eGro\u00dfen Kreisstadt\u201c) zugeordnet: Babstadt, Bonfeld, F\u00fcrfeld, Grombach, Heinsheim, Obergimpern, Treschklingen, Wollenberg.<\/p>\n<p>Diese Diskrepanz der Gewichtung als Kommunalwesen wird bereits in der<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abbildung 2: Amtliche Planungsskizze des Innenministeriums Baden-W\u00fcrttemberg \u201eZentrale Orte des Landes\u201c des Jahres 1967<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-545 size-large alignnone\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wimpfen-hessische-enklave-02-924x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"731\" \/><\/a><\/p>\n<p>evident. Wimpfen ist somit ganz im Gegensatz zum unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00df\u00edg m\u00e4chtigen Aufstieg von Rappenau nicht einmal das geblieben, was es war, weil der Gemeinderat, beraten und gedr\u00e4ngt von oben, die Ausgliederung seiner Unterexklave Helmhof (wohlgemerkt: das war der gesamte fr\u00fchere Forstbezirk einschlie\u00dflich des Forstwaldes!) noch vor dem Inkrafttreten der Eingliederung in den Landkreis Heilbronn, N\u00e4gel mit K\u00f6pfen machend, mit 7 gegen 5 Stimmen nach dem angrenzenden Neckarbischofsheim beschlossen hat. Nachdem zuvor die dortige Gemeindebefragung vom 25. 11. 1951 mit 53 % der Stimmen dies gebilligt hatte, ist dem Wimpfener Gemeinderat letztlich nichts anderes \u00fcbrig geblieben, als sich vom ehemals hessischen Teil von Helmhof zu trennen. Nicht nur, dass Wimpfen diesen Akt mit der Abgabe von 4 % seines Gemeindeverm\u00f6gens (= 148.000 DM) zu besiegeln, sondern fortab die Grundsteuer f\u00fcr sein Eigentumsrecht am Forstwald und den Forstgut\u00e4ckern dorthin abzuf\u00fchren hatte und heute noch hat.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>Mit diesen Vorbetrachtungen sind wichtige \u201eGeschichtspf\u00e4hle\u201c der genau hundertf\u00fcnfzigj\u00e4hrigen hessischen Exklavenperiode Wimpfens und ist vor allem auch ein Rahmen mit deren Anfangs- und Endpunkt der Jahre 1802\/03 bzw. 1951\/52 gesetzt. Wie dies vorstehend mit der <span style=\"text-decoration: underline;\">Endperiode<\/span> schon ansatzweise geschehen ist, gilt es zun\u00e4chst, auch die <span style=\"text-decoration: underline;\">Anfangsperiode<\/span> genauer zu durchleuchten, an deren Anbeginn, wie schon gesagt, ja merkw\u00fcrdigerweise Baden und nicht Hessen im Vordergrund steht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fiktive Stadtf\u00fchrung mit Vorstellung der Bauzeugen der genau anderthalb Jahrhunderte umfassenden Epoche Wimpfens\u00a0als hessische Exklave sowie eines pers\u00f6nlichen Schl\u00fcsselerlebnisses, das \u00a0mir Triebfeder f\u00fcr die Erforschung gerade dieses Zeitraumes geworden ist Die ehemalige Stiftskirche, um bei dieser zu beginnen und den oben angeschnittenen Gedanken weiterzuf\u00fchren, wird in der Regel auch zu dem Ort, wo der Besucher &hellip; <a href=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/anmerkungen\/fiktive-stadtfuehrung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Fiktive Stadtf\u00fchrung<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":2,"menu_order":3,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/54"}],"collection":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=54"}],"version-history":[{"count":30,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/54\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":765,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/54\/revisions\/765"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/hessische_enklave\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=54"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}