{"id":317,"date":"2016-06-11T15:12:52","date_gmt":"2016-06-11T13:12:52","guid":{"rendered":"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/?page_id=317"},"modified":"2020-01-10T10:38:13","modified_gmt":"2020-01-10T09:38:13","slug":"sedangeneral","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/thema\/sedangeneral\/","title":{"rendered":"V. Sedangeneral"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie dem bei der Kolonisierung und in der Verwaltung Algeriens hohe Verdienste und Auszeichnungen erlangten \u00e4ltesten der franz\u00f6sischen Generale\u00a0EMMANUEL F\u00c9LIX DE WIMPFFEN \u00a0(1811 \u2013 1884) der Generation 13, dem einzigen Sohn des viert\u00e4ltesten Sohnes des Franz Ludwig von Wimpffen namens\u00a0F\u00c9LIX DE WIMPFFEN \u00a0(1778 \u2013 1813), im Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg von 1870\/71 in der letzten Phase der unab\u00e4nderlich verloren gehenden Umfassungsschlacht bei Sedan der Oberbefehl und im Zuge der von ihm mit dem preu\u00dfischen Ministerpr\u00e4sidenten OTTO VON BISMARCK und seinem Verwandten und Chef des Generalstabs HELMUT VON MOLTKE in der Nacht vom 1. zum 2. September 1870 im Jagdschloss von Donchery ausgehandelten und am Morgen danach im Schloss Bellevue unterzeichneten Kapitulation der Spottname \u201eSedangeneral\u201d zuf\u00e4llt.<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: left;\"><strong>a.\u00a0Emmanuel F\u00e9lix w\u00e4chst mutter- und vaterlos auf und besucht, der Familientradition folgend, ab dem 10. Lebensjahr die Milit\u00e4rvorschule und ab dem 18. Lebensjahr die ber\u00fchmte Offiziersschule Saint-Cyr, die er 1833 als Unterleutnant verl\u00e4sst.<\/strong><\/p>\n<p>Bevor nun die vorstehend zu beschreiben begonnene W\u00fcrttembergische Nebenlinie der Von Wimpffen weiterverfolgt wird, erscheint es notwendig, zun\u00e4chst vorrangig sich auch dem bislang \u00fcbergangenen viert\u00e4ltesten der S\u00f6hne des Zweiggr\u00fcnders Franz Ludwig von Wimpffen, n\u00e4mlich F\u00c9LIX VICTOR CHARLES EMMANUEL DE WIMPFFEN (1778 \u2013 1813) zuzuwenden und dann in einer unausweichlich h\u00f6chst umf\u00e4nglichen Lebensbeschreibung sich dessen einzigem Sohn EMMANUEL F\u00c9LIX DE WIMPFFEN (1811 \u2013 1884) zu widmen, der, wie der Blick in die II. Stammtafel des Constantin von Wurzbach zeigt, ein Vetter des schon mehrfach &#8211; zuletzt am Anfang des vorangehenden Kapitels U. Verwandtschaftliche Verkn\u00fcpfungen &#8211; erw\u00e4hnten sowie im seinen Namen f\u00fchrenden Folgekapitel W. Wilhelm von Wimpffen \u00a0im Mittelpunkt stehenden k\u00f6niglich-w\u00fcrttembergischen Kammerherrnn und Rittmeister WILHELM VON WIMPFFEN (1820 \u2013 1879) gewesen ist. Dass demselben extrem viel Platz einger\u00e4umt wird, hat mannigfache Gr\u00fcnde. Nicht nur, dass dessen im Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg von 1870\/1 im Generalsrang gestandene Person damals pl\u00f6tzlich den Menschen in Europa und dar\u00fcber hinaus in aller Welt sowie nicht zuletzt auch der Einwohnerschaft Wimpfens &#8211; ganz im Gegensatz zu den bisherigen milit\u00e4rischen Ruhmestaten seiner Vorfahren &#8211; unr\u00fchmlich als Verlierer der spektakul\u00e4ren Umfassungs- und Artillerieschlacht bei Sedan des 31. August und 1. September 1870 sowie als so gut wie erfolglos Verhandelnder und Unterzeichner der Kapitulation seiner Armee in die Geschichte eingegangen und ihm dadurch bleibend der Spottname \u201eSedangeneral\u201d zugekommen ist! Sondern es erscheint auch, will man der Einsch\u00e4tzung seiner Pers\u00f6nlichkeit gerecht werden, notwendig, dass gerechterweise seine erfolgreiche Karriere und seine gro\u00dfen Verdienste in den vorausgegangenen fast vier Jahrzehnten davor, so vor allem bei der Kolonisation, Entwicklung und Verwaltung von Algerien, f\u00fcr sein franz\u00f6sisches Vaterland, herausgestellt werden.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst sei \u00fcber dessen Eltern berichtet, zuerst den Vater, der bei Wurzbach sowohl in seiner Stammtafel II als auch in seiner diesen sehr knapp behandelnden Lebensbeschreibung Nr. 10 nur mit dem Hauptvornamen als F\u00c9LIX DE WIMPFFEN erscheint, dessen voller Name, wie Jean-Piere Allart in seiner Biografie des Jahres 2012 des Titels \u201eLe g\u00e9n\u00e9ral de Wimpffen (1811 &#8211; 1884). L&#8217;autre homme de Sedan\u201c berichtet,<br \/>\n&#8211; F\u00c9LIX VICTOR\u00a0EMMANUEL CHARLES DE WIMPFFEN lautete. Geboren ist dieser, wie Wurzbach richtigerweise angibt, am 02. 11. 1778 und, wie bereits in Kapitel P. Zweiggr\u00fcnder Franz Ludwig dargelegt, auf der Bornburg n\u00e4chst Frankfurt a. M.; gest. laut Wurzbach am 24. Februar 1814 zu Frankfurt am Main, doch richtigerweise laut Jean-Pierre Allart am 21. 07. 1813 in Paris. \u00dcber dessen Lebensgang ist aus Wurzbach kaum mehr zu erfahren, als dass er in die franz\u00f6sische Armee eingetreten und als Oberst des 2. Linien-Infanterie-Regiments gestorben sei. \u201e<em>Er<\/em>\u00a0<em>war verm\u00e4hlt\u201c, so\u00a0<\/em>wei\u00df er noch abschlie\u00dfend zu schreiben,\u00a0<em>\u201edoch ist der Name der Gemalin<\/em>, <em>welche ihm einen Sohn \u00a0<\/em><em>E m a n u e l \u00a0 \u00a0<\/em><em>F \u00e9 l i x \u00a0&#8230; gebar, nirgends ersichtlich.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dass dieser, entgegen der bei Wurzbach noch zu findenden wie auch der von Dr. Hans H. von Wimpffen getroffenen Feststellung, nicht der Autor des Werkes von 1788 \u201eLe Manuel de X\u00e9folius\u201d ist und hier eine Verwechslung mit dessen \u00e4ltestem Onkel F\u00c9LIX LOUIS DE WIMPFFEN (1744 \u2013 1814) vorliegt, dar\u00fcber wurde bereits eingehend in Kapitel P. Zweiggr\u00fcnder Franz Ludwig berichtet. Somit muss auch Wurzbachs abschlie\u00dfende Feststellung, F\u00e9lix de Wimpffen\u00a0sei vermutlich Mitglied des Freimaurerordens gewesen, als gegenstandslos betrachtet werden .<\/p>\n<p>Das bez\u00fcglich des Lebensganges desselben bislang vorhanden gewesene Dunkel hat sich, vor allem was die Umst\u00e4nde der Geburt seines einzigen Sohnes EMMANUEL F\u00c9LIX DE WIMPFFEN und dessen Werden zum franz\u00f6sischen Offizier betrifft, neuerdings nun doch dadurch etwas gelichtet, dass ich Anfang Dezember 2013 w\u00e4hrend der Schaffung des den Freiherren und Grafen von Wimpffen geltenden Textes von Dr. Hans H. von Wimpffen freundlicherweise die erst im Vorjahr 2012 ver\u00f6ffentlichte Abhandlung des vorerw\u00e4hnten Jean-Pierre Allart \u201eLe g\u00e9n\u00e9ral de Wimpffen (1811 \u2013 1884). L\u2019autre homme de Sedan\u201d erhielt. Deren mit \u201eLes ann\u00e9es d\u2019apprentissage (1811 \u2013 1832)\u201d \u00fcberschriebenes erstes Kapitel zeigt, dass die Mutter dieses einzigen Sohnes EMMANUEL F\u00c9LIX nicht, wie Wurzbach wohl meint, die (von ihm nicht ausmachbare) Gattin seines Vater gewesen ist, sondern ein junges 19 Jahre altes M\u00e4dchen namens CORN\u00c9LIE BR\u00c9DA (geb. 1792), stammend aus Leeuwarden, dem damaligen Haupt- und Garnisonsort des D\u00e9partements de la Frise in den Niederlanden. Der 32-j\u00e4hrige Colonel (Oberst) F\u00c9LIX (VICTOR EMMANUEL CHARLES) DE WIMPFFEN hatte dieses, als er sich dort in Garnison befand, im Dezember 1810 kennengelernt. Als dieses von ihm ein Kind erwartete, z\u00f6gerte er zun\u00e4chst zwar, unter den gegebenen Umst\u00e4nden dieses als das seine anzuerkennen, trug jedoch nach seiner R\u00fcckkehr nach Frankreich Sorge, CORN\u00c9LIE in Laon bei einem Waisenhaus-Arzt niederkommen zu lassen, der in n\u00e4chster N\u00e4he seiner Schwester namens AD\u00c9LA\u00cfDE CUN\u00c9GONDE DOROTH\u00c9E und deren Gatten FRAN\u00c7OIS GUILLAUME MARQUETTE DE LA VI\u00c9VILLE, dem einstigen Schwadronschef, jetzt stellvertretenden Richter am Schwurgerichtshof des D\u00e9partements de l\u2019Aisne, Mitglied des Wahlvorstandes und Ritter der Ehrenlegion, wohnte. Die Einsicht in die II. Stammtafel von Wurzbach l\u00e4sst diese beiden in der dortigen durchgehenden gr\u00fcnen Generationslinie XIVc bzw. 12c an der sechsten Stelle folgenderma\u00dfen erscheinen: ADELHEID (VON WIMPFFEN), geb. am 5. November 1772, Sterbedatum oder -jahr fehlt, verm\u00e4hlte DE LA VI\u00c9VILLE, Sterbejahr des Gatten: 1814. Damit sind wir abermals bei einem der dort aufgef\u00fchrten 12 Kinder des in Kapitel P. Zweiggr\u00fcnder Franz Ludwig behandelten Gr\u00fcnders des c) Franzens-Zweiges FRANZ LUDWIG VON WIMPFFEN (1732 &#8211; 1800) angekommen, und zwar bei seiner viert\u00e4ltesten Tochter dieses Namens, die, wie wir schon wissen, in Stuttgart geboren ist. Laut Civilregister von Laon gebar, wie dieser Waisenhaus-Arzt am Folgetag der Beh\u00f6rde meldete, am 13. September 1811 um 10 Uhr abends CORN\u00c9LIE BR\u00c9DA, geb\u00fcrtig zu Leeuwarden, einen Sohn, dem diese die Vornamen EMMANUEL F\u00c9LIX gab. Der die Vornamen desselben betreffende genaue Text der franz\u00f6sischen Geburtsurkunde lautet: \u201e <em>&#8230; auquel il a \u00e9t\u00e9 donn<\/em><em>\u00e9 les pr\u00e9noms de Emmanuel-F\u00e9lix\u201c<\/em>. Also ist in der amtlichen franz\u00f6sischen Urkunde dessen Hauptvorname, entgegen der hier von Wurzbach und in der Regel auch allen anderen deutschen Autoren verwendeten Schreibweise EMANUEL vieler alter wie neuer deutscher Genealogen (z. B. von Constantin von Wurzbach) EMMANUEL, d. h. mit Doppel-M geschrieben, was wir grunds\u00e4tzlich beibehalten wollen.<\/p>\n<p>Als dessen leiblicher Vater am 25. Juni des Folgejahres 1812 als Oberst des zweiten franz\u00f6sischen Linieninfanterie-Regiments im Begriff ist, in russisches Feindgebiet vorzudringen, will er seine privaten Angelegenheiten in Ordnung bringen und verfasst ein Testament, in dem er f\u00fcr den Fall, dass er zu Tode kommt, dem von \u201eMademoiselle Breda\u201d geborenen und von ihm anerkannten Sohn Emmanuel alles \u00fcberl\u00e4sst, was er besitzt. In der Tat erleidet er am 18. August bei einem Feuer\u00fcberfall vor Polotsk am linken Fu\u00df eine Verwundung, die zwar nicht t\u00f6dlich ist, ihn aber ganz erheblich einschr\u00e4nkt. Er darf nach Besan\u00e7on, dem Standort seines Regiments, heimkehren und erh\u00e4lt am 2. April 1813 die Erlaubnis, in den Ruhestand treten zu d\u00fcrfen. Dann zieht er nach Paris, wo er jedoch bereits am 21. Juli 1813 im 34. Lebensjahr stirbt. Letzteres l\u00e4sst J.-P. Allart die folgende &#8211; die Peinlichkeit der Herkunft \u00fcberspielende &#8211; Feststellung treffen: <em>\u201eVoici Corn\u00e9lie veuve, avant d\u2019\u00eatre mari\u00e9e, et Emmanuel F\u00e9lix, orphelin.\u201d\u00a0<\/em>Frei \u00fcbersetzt: So ist also Corn\u00e9lie Witwe, ehe sie \u00fcberhaupt verheiratet ist, und Emmanuel F\u00e8lix Waise.<\/p>\n<p>Hier sei nun der weitere Lebensgang des sog. Sedangenerals zun\u00e4chst unter Voranstellung der Lebens- und Heiratsdaten dargestellt:<br \/>\n&#8211; EMMANUEL F\u00c9LIX DE WIMPFFEN, der am 13. 09. 1811 in Laon (D\u00e9partement Aisne) unter den oben geschilderten widrigen Umst\u00e4nden von der 19-j\u00e4hrigen CORN\u00c9LIE BR\u00c9DA aus Leeuwarden in den Niederlanden geboren worden und am 25. Februar 1884 in Paris gestorben ist und sich dort am 18. 08. 1839 verm\u00e4hlt hat mit der 20-j\u00e4hrigen<br \/>\n-AD\u00c8LE (ADELHEID) EUPHROSINE QUESNEL, geb. 1818, gestorben am 18. 08. 1878 in Vorges\/D\u00e9partement Aisne.<br \/>\nDeren Ehe blieb kinderlos.<br \/>\nAls AD\u00c9LA\u00cfDE CUN\u00c9GONDE DOROTH\u00c9E MARQUETTE DE LA VI\u00c9VILLE von dem Tod ihres Bruders F\u00c9LIX DE WIMPFFEN erf\u00e4hrt, beschlie\u00dft sie, ihren Neffen EMMANUEL F\u00c9LIX zu sich zu holen und seine Erziehung zu \u00fcbernehmen. Das Schicksal will es, dass am 6. Januar 1814, d. h. rund ein halbes Jahr danach, ihr Gatte stirbt und sie nunmehr drei Kinder aufzuziehen hat. Da die Folgejahre in finanzieller Hinsicht schwierig sind, entschlie\u00dft sie sich 1821 in \u00dcbereinkunft mit ihrem j\u00fcngeren Bruder DAGOBERT SIGISMUND DE WIMPFFEN (1782 \u2013 1862; siehe diesen beschrieben in Kapitel \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 ), der laut Jean Pierre Allart damals Oberstleutnant \u00a0bei den K\u00f6niglichen Gardedragonern gewesen ist, f\u00fcr ihren Neffen einen Platz in der mit gro\u00dfer H\u00e4rte und Disziplinierung erziehenden \u201e\u00c8cole royale militaire pr\u00e9paratoire de La Fl\u00e8che\u201d (auch \u201ePrytann\u00e9e militaire\u201d = Milit\u00e4rvorschule) zu erwirken. Damit sollte diesem, der Tradition des Wimpffen-Geschlechts folgend, die bestm\u00f6gliche F\u00f6rderung mit dem Ziel der <span style=\"text-decoration: underline;\">Ausbildung zum Offizier des franz\u00f6sischen Heeres<\/span> zuteil werden. Das Gesuch wird nicht nur bef\u00fcrwortet, sondern mit R\u00fccksicht auf die besonderen Erziehungsumst\u00e4nde sowie darauf, dass der verstorbene Vater den Rang eines Obersten erreicht hatte, darf die Ausbildung des gerade 10 Jahre alt Gewordenen auf Staatskosten erfolgen. Die vom Direktor nach der am 29. September 1821 erfolgten Aufnahme getroffene Feststellung, dass Emmanuel F\u00e9lix einen f\u00fcr die Aufnahme unzureichenden Bildungsstand besitze, weil er zwar hinreichend lesen k\u00f6nne, doch keinerlei Kenntnisse in Latein und Franz\u00f6sisch (Deutsch war demnach seine und immer noch seiner Tante und deren Eltern Mutter- und Umgangssprache gewesen!) aufweise, wird durch eine sechsmonatige Zur\u00fcckstellung mit Sonderkursen zur Aufholung des R\u00fcckstandes \u00fcberwunden, so dass ein halbes Jahr sp\u00e4ter die definitive Aufnahme erfolgen kann. Dort bleibt er bis zu seinem 18. Lebensjahr und tritt nach bestandener Abschlusspr\u00fcfung am 14. November 1829 in die 1802 von Napoleon gegr\u00fcndete ber\u00fchmte \u201e\u00c9cole royale sp\u00e9ciale militaire Saint-Cyr\u201d \u00fcber, deren Devise \u201eIls s&#8217;instruisent pour vaincre\u201d (Sie lernen, um zu siegen) lautet. Emmanuel F\u00e9lix geh\u00f6rt dort zusammen mit 146 anderen Offizierssch\u00fclern 1830 \u2013 1832 der \u201ePromotion du Firmament\u201d an. Da er, so stellt er sp\u00e4ter selbst bedauernd fest, seine Studien vernachl\u00e4ssigt, besteht er die Abschlusspr\u00fcfung nicht, muss deshalb ein drittes Jahr absolvieren und klassifiziert sich abschlie\u00dfend unter 122 Sch\u00fclern an 102. Stelle.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>b. Emmanuel F\u00e9lix de Wimpffen steigt in seiner Milit\u00e4rkarriere bis zum Divisionsgeneral und schlie\u00dflich zum Oberbefehlshaber der algerischen Provinz Oran auf und erringt infolge seiner Tapferkeit, T\u00fcchtigkeit und vor allem mehrheitlich in Algerien verbrachten Dienstt\u00e4tigkeit im August 1861 sogar den Titel und Grad eines \u201eGrand officier de la L\u00e9gion d\u2019Honneur\u201d.<\/strong><\/p>\n<p>Er kann sich jetzt <u>Unterleutnant<\/u> nennen und tritt als solcher im Oktober 1832 in das in Stra\u00dfburg stationierte 49. Linienregiment ein. Im Sommer 1834 wechselt er in das in Algier stationierte 67. Infanterie-Linienregiment \u00fcber und wird damit Angeh\u00f6riger der Armee in Afrika, die im Sommer 1830 mit der Eroberung und Unterwerfung sowie Kolonialisierung von Algerien begonnen hat und insbesondere auf den erbitterten Widerstand der Berberst\u00e4mme unter F\u00fchrung des arabischen Emirs Abd el-Kader gesto\u00dfen ist. Mit dem Erreichen seines Regiments in Algier ausgangs August 1834 beginnt er dort seinen Dienst, der zun\u00e4chst zwar nur bis M\u00e4rz 1835 geht, dem aber noch drei weitere Verwendungen in Algerien folgen werden, womit er letztlich dort rund 17 Jahre in h\u00f6chst verdienstvoller Weise f\u00fcr sein Vaterland Frankreich t\u00e4tig sein wird. Er erlebt seine Feuertaufe im Herbst 1834 im Schlachtengeschehen bei Bouffarick (Westalgerien), in dem sein Regiment ganz besonders der hervorragend k\u00e4mpfenden arabischen Kavallerie-Guerilla der sog. Hadjoutes die Stirn bietet. Nach weiteren Kampfeins\u00e4tzen insbesondere gegen die aufst\u00e4ndischen Rif-Kabylen wird sein Regiment im April 1835 nach Frankreich zur\u00fcckverlegt, wo er dann in wechselnden Garnisonsst\u00e4dten \u00f6d empfundenen Kasernendienst leistet, in seiner Freizeit sich aber im Milit\u00e4rischen fortbildet, mehrere Jahre die Schulungen seines Regiments leitet und im Fr\u00fchjahr 1837 zum <u>Leutnant<\/u> des 67. Linienregiments bef\u00f6rdert wird. 1839 lernt er bei einem Aufenthalt in Paris die aus einer ehrbaren Familie stammende 20-j\u00e4hrige AD\u00c8LE EUPHROSINE QUESNEL kennen, die er im August heiratet und die 60.000 Francs in die Ehe bringt. Im September danach wird er im vorgenannten Regiment zum <u>Hauptmann<\/u> bef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Zur Durchsetzung der Eroberung Algeriens sowie der Unterdr\u00fcckung der immer wieder aufflammenden Aufst\u00e4nde wird zun\u00e4chst neben mehreren Kavallerieregimentern des Namens Chasseurs d\u2019Afrique ein aus drei Bataillonen bestehendes Infanterie-Korps aus einheimischen S\u00f6ldnern gebildet, den nach einem Kabylen-Stamm benannten sog. Zuaven, deren malerische Uniform an die t\u00fcrkisch-orientalische Tracht angelehnt gewesen ist. 1841 kommt noch ein Bataillon der sog. Tirailleurs alg\u00e9riens indig\u00e8nes d\u2019Alger et de Titteri hinzu, die wegen ihrer \u00e4hnlichen Tracht mit dem Spitznamen Turkos belegt werden. Die Mannschaften dieser Einheiten unterstehen nat\u00fcrlich franz\u00f6sischen Offizieren und gro\u00dfteils auch franz\u00f6sischen Unteroffizieren. Hauptmann de Wimpffen wird im Juni 1842 der letztgenannten Einheit zubeordert und kehrt somit nach Nordafrika zur\u00fcck, wo er dann ein Jahrzehnt bleiben und seine F\u00fchrungsqualit\u00e4ten unter Beweis stellen wird. Sein auffallender Mut, sein Draufg\u00e4ngerrtum und seine gro\u00dfe Tapferkeit bei verschiedenen Eins\u00e4tzen insbesondere der Eroberung von St\u00fctzpunkten der Aufst\u00e4ndischen f\u00fchren dazu, dass er ausgangs Juni 1844 auf Veranlassung des Generalgouverneurs von Algerien Marschall Bugeaud zum \u201eChevalier de la L\u00e9gion d\u2019honneur\u201d (\u201eRitter der Ehrenlegion\u201d) ernannt wird, womit die Verleihung der ersten (= untersten) Stufe des auf der Brust getragenen Ordens am Band verbunden ist. Und auch in den Folgejahren sticht den Vorgesetzten immer wieder die gro\u00dfe Liebe zu seinem Metier und die gro\u00dfe Tapferkeit ins Auge, die Hauptmann de Wimpffen bei den gef\u00fchrten vielerlei Gefechten an den Tag legt. Schlie\u00dflich wird er im April 1847 zum Bataillonschef im 44. Linieninfanterie-Regiment und im Juli 1848 zum solchen seiner fr\u00fcheren Einheit der Tirailleurs indig\u00e8nes d\u2019Algier ernannt. Diese bildet er, der von seinen Turkos verehrend Ba-Ba (Papa) genannt wird, im Rahmen der vielen K\u00e4mpfe in den erneut aufflammenden Unruhen zu einer herausragenden Truppe heran. So wird er ausgangs Juli 1849 zum \u201eOffizier der Ehrenlegion\u201d (zweite Stufe) ernannt und dadurch das Band seines Ehrenkreuzes auf der Brust mit einer Rosette ausgestattet. Nachdem er bei den anschlie\u00dfenden Operationen gegen den immer wieder sich der franz\u00f6sischen Beherrschung widersetzenden Volksstamm der Kabylen gro\u00dfe Kompetenz und Tapferkeit und sein Turko-Bataillon sich gleichwertig mit franz\u00f6sischen Bataillonen bewiesen hat und er 1851 als <em>\u201eein ausgezeichneter &#8230; Offzier von hoher Intelligenz und konstanter Hingabe f\u00fcr alle seine h\u00f6chsten Erfolg bringenden Reformvorhaben\u201c, <\/em>der <em>\u201eBef\u00f6rderung verdient\u201d<\/em>, bewertet wird, erfolgt im September 1851 seine Ernennung zum <u>Obers<\/u>t im ebenfalls in Algerien stationierten 68. Linieninfanterie-Regiment. Im August des Folgejahres 1852 wird er zum in Paris stationierten 13. Linieninfanterie-Regiment versetzt und erh\u00e4lt die Erlaubnis, sich 30 Tage nach Laon, seinem Geburtsort, zu begeben.<\/p>\n<p>Als 1853 das Osmanische Reich (T\u00fcrkei) Russland wegen dessen Vordringens auf dem Balkan den Krieg erkl\u00e4rt hat und Frankreich und England im M\u00e4rz 1854 sich angeschlossen haben und so der sog. Krimkrieg (1853\/54 \u2013 1856) im Entstehen begriffen ist, erkl\u00e4rt der Oberst de Wimpffen, befragt wegen seiner Sachkenntnis und Erfahrung, dass die Turkos, die Zuaven eingeschlossen, mit den allerbesten Truppen Frankreichs und selbst auf europ\u00e4ischen Kampfesfeldern Schritt halten k\u00f6nnten. So kommt ihm der Auftrag zu, sich wieder nach Algerien zu begeben und aus diesen und weiteren Freiwilligen ein Regiment zusammenzustellen. Es umfasst zwei Bataillone, n\u00e4mlich das weniger gro\u00dfe Bataillon de Constantine und das gr\u00f6\u00dfere Bataillon d\u2019Alger et d\u2019 Oran mit insgesamt 2.000 Mann und erh\u00e4lt den Namen \u201eR\u00e9giment de Tirailleurs alg\u00e9rien\u201d, dessen Kommando ihm im M\u00e4rz 1854 \u00fcbertragen wird. Von Kaiser Napoleon III. bekommt dieses am 9. M\u00e4rz 1854 eine Fahne gestiftet, die von Emmanuel F\u00e9lix de Wimpffen im Rahmen einer gro\u00dfen Milit\u00e4rparade im nordalgerischen Kolea von Marschall de Saint-Arnaud, dem Kommandanten des franz\u00f6sischen Korps, \u00fcbergeben wird. De Wimpffens Regiment landet bald danach in den Dardanellen bei der Halbinsel Gallipoli an, nimmt am Krimkrieg teil und zeichnet sich wie sein Kommandant in den folgenden Kampfabschnitten aus:<br \/>\n&#8211; Zun\u00e4chst in der Schlacht nahe Sewastapol am Fluss Alma im September 1854, wo die franz\u00f6sich-britisch-t\u00fcrkisch-piemontesischen Verb\u00fcndeten den russischen Truppen gegen\u00fcberstehen und in den letzten Phasen des Schlachtengeschehens insbesondere die Zuaven der Arm\u00e9e d\u2019Afrique entscheidend zum Sieg beitragen.<br \/>\n&#8211; Dann in der im November 1854 stattfindenden Schlacht bei Inkerman (Festung im S\u00fcdwesten der Halbinsel Krim), in der bei der Verfolgung des Feindes de Wimpffens Pferd unter ihm get\u00f6tet wird und nach der General Bosquet in seinem Bericht anerkennend schreibt, dass<em> \u201eder Oberst de Wimpffen an der Spitze seiner Sch\u00fctzen springend gleich Panthern mitten durch das Dickicht auf die Russen losst\u00fcrzte\u201d<\/em>.<br \/>\n&#8211; Danach bei der im September 1855 erfolgten blutigen Erst\u00fcrmung des Forts Malakow bei Sewastopol, wo die zun\u00e4chst in Reserve stehende Brigade de Wimpffen am Schluss in den wachsend verbissenen Kampf tritt und nach der Eroberung des Forts die bedr\u00e4ngenden russischen Gegenangriffe in der Schlucht von Malakow insbesondere durch den harte Zur\u00fcckschlagen der Tirailleurs d\u2019alg\u00e9riens zur\u00fcckgewiesen werden.<br \/>\n&#8211; Zuletzt bei der Eroberung der drei Forts der einstigen Felsenfestung Kinburn an der M\u00fcndung des Dnjepr im Oktober 1855.<br \/>\nOberst de Wimpffens und seines 2. Turko-Bataillons Einsatz in den vorgenannten K\u00e4mpfen zieht bereits im Oktober 1854 nach der Schlacht an der Alma seine Ernennung zum \u201eKommandeur der Ehrenlegion\u201d (3. Stufe) nach sich, woraus sich jetzt das Tragen des Ordens am Halsband ergibt. Die vorbildhafte F\u00fchrung seiner Truppe in der Schlacht bei Inkermanm bringt ihm im M\u00e4rz 1855 den Rang eines <u>Brigadegenerals<\/u> ein. Und im Februar 1856 wird ihm die Kommandantur der in Paris stationierten 2. Infanterie-Brigade der Kaiserlichen Garde der 1. Infanterie-Division \u00fcbergeben, die er im Juni nach dem Friedensschluss \u00fcbernimmt.<\/p>\n<p>Im mit \u00d6sterreich gef\u00fchrten sog. Italienischen Krieg 1859 (auch Sardinischer Krieg oder Zweiter Italienischer Unabh\u00e4ngigkeitskrieg) nimmt er insbesondere an der Schlacht bei Magenta und Buffalora (in der Provinz Mailand) am 4. Juni 1859 mit den vier von ihm kommandierten Regimentern der Kaiserlichen Garde teil, wo er am Fu\u00df leicht verwundet und der Sieg teuer mit hohen Verlusten auch seiner Chasseurs d\u2019Afrique erkauft wird.<\/p>\n<p>Hier sei mit der<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/079.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-119\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/079-1024x718.jpg\" alt=\"079\" width=\"660\" height=\"463\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/079-1024x718.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/079-300x210.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/079-768x539.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/079.jpg 1061w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. V 1: Emmanuel F\u00e9lix de Wimpffen, Ausschnitt aus dem Gem\u00e4lde \u201eChasseurs d\u2019Afrique\u201d von Clara von Wimpffen, geb. Both von Botfalva und Bajna (geb. am 12. Dezember 1907 in Iklad-Domony\/Ungarn, gest. am 27. Mai 2000 in Bakonys\u00e1g\/Ungarn)<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>eine Darstellung eingef\u00fcgt, die aus der Hand der Mutter des in Bad Wimpfen 1982 Wohnsitz genommenen damaligen Stellvertretenden Leiters der Abteilung Gesundheit im Bayrischen Fernsehen Dr. Hans H. von Wimpffen stammt. In dieser ist die Person des Genannten, der im Italienischen Krieg des Jahres 1859 im Rahmen seiner Funktion als Kommandeur einer Infanteriebrigade der Kaiserlichen Garde auch das Kommando der Chasseurs d\u2019Afrique innnegehabt hat und f\u00fcnf Jahre zuvor mit dem Halsorden des Commandeur de la L\u00e9gion d\u2019Honneur ausgezeichnet worden ist, einf\u00fchlsam und gekonnt nachempfunden.<\/p>\n<p>Der von ihm am Tag der Schlacht gezeigte best\u00e4ndige Einsatz und die gewohnte Tapferkeit bewirken, dass er am Folgetag zum <u>Divisionsgeneral<\/u> der ersten Abteilung des Generalstabs der Armee ernannt wird. Als solcher wird ihm das Kommando \u00fcber die f\u00fcr eine Landung in Venedig bestimmten Truppen aller Gattungen anvertraut und gelangt er in der zweiten Juliwoche an Bord des Admiralsschiffes von Rimini an der Adria her bis vor diese Stadt. Zur Landung l\u00e4sst es jedoch der wenige Tage danach geschlossene Friede nicht mehr kommen. Mitte August 1856 wird ihm, seinen W\u00fcnschen entsprechend, das Kommando \u00fcber die 1. Infanterie-Division der Armee von Lyon \u00fcbertragen. Er darf dann in der ersten H\u00e4lfte des Januar 1860 an einem in Genf stattfindenden Familientreffen teilnehmen, wo einer seiner vielen Vettern, der \u00f6sterreichische GENERALFELDZEUGMEISTER FRANZ EMIL LORENZ GRAF VON WIMPFFEN\u00a0(1797 \u2013 1870), damals Milit\u00e4rgouveneur der \u00f6sterreichischen Provinz Triest, der 19-j\u00e4hrigen GR\u00c4FIN KAROLINE VON LAMBERG (1830 \u2013 1883) seinen Sohn ALPHONS GRAF VON WIMPFFEN (1828 \u2013 1866; wie wir schon wissen, gestorben nach seiner schweren Verwundung im Preu\u00dfisch-\u00f6sterreichischen Krieg) verspricht. Hier sitzen sich am Tisch friedlich zwei Gener\u00e4le des Namens von Wimpffen gegen\u00fcber, die sich im kurz zuvor zu Ende gegangenen Italienischen Krieg als Gegner gegen\u00fcbergestanden haben. In den Folgejahren 1861 bis 1864 \u00fcbt Emanuel F\u00e9lix de Wimpffen die Funktion eines <u>Generalinspekteurs<\/u> zuerst des 16., dann des 17., sp\u00e4ter des 5. Infanterie-Arrondissements aus, was die laufende Inspektion einer Vielzahl von in St\u00e4dten Frankreichs stationierten Lineninfanterie-Regimentern erforderlich macht. Dazwischen, im August 1861, wird er zum \u201eGrand officier de la L\u00e9gion d\u2019Honneur\u201d ernannt (4. Stufe) und tr\u00e4gt jetzt zus\u00e4tzlich zum Orden am Band auf der linken Brust noch einen Ordensstern auf der rechten Brust. Au\u00dferdem f\u00fchrt er vor\u00fcbergehend das Kommando \u00fcber die 3. Infanterie-Division des 1. Armeekorps in Paris. Auf seine Bitte hin wird ihm im M\u00e4rz 1865 das Amt des <u>Oberbefehlshabers der Provinz Algier<\/u> in Vertretung von General Yusuf \u00fcbergeben.<\/p>\n<p>Somit kehrt er im April nach Algerien zur\u00fcck, das seit seinem Weggang vor 12 Jahren einigerma\u00dfen befriedet und mehr und mehr von haupts\u00e4chlich in den St\u00e4dten lebenden Kolonisten besiedelt ist. Einige Wochen nach seiner Ankunft wird ihm das Amt des <u>Generalinspekteurs des 23. Infanterie-Arrondissements<\/u> \u00fcbertragen, das ihm auch in den Folgejahren bis 1870 zuerkannt bleibt. In dieser Funktion hat er vor allem zahlreiche in Algerien stationierte Regimenter und Kompanien zu inspizieren, jedoch nach einem Dekret des Jahres 1864 auch zivile Aufgaben zu erf\u00fcllen. Er vertritt die Ansicht, dass an die Stelle der milit\u00e4rischen Beherrschung die Entwicklung der Landwirtschaft und des Gewerbes treten m\u00fcsse, und sucht, den ihm alle seine Zeit beanspruchenden T\u00e4tigkeiten, wie er zu sagen pflegt, nach dem Wahlspruch \u201ePaix et justice aux vaincus\u201d (Friede und Gerechtigkeit den Besiegten) nachzukommen. Im Juni 1869 wechselt er von der ostalgerischen Provinz Algier in die westw\u00e4rtige der zwei Provinzen Algeriens \u00fcber, nachdem er zum <u>Oberbefehlshaber der Provinz Oran<\/u>, General Deligny ersetzend, bestellt worden ist. Dort kommt er bald zu der Erkenntnis, dass die Bev\u00f6lkerung der S\u00fcdgebiete von den feindseligen marokkanischen St\u00e4mmen, insbesondere der gro\u00dfen gewaltt\u00e4tigen Sippe der Ouled-Sidi-Cheikh, dazu von algerischen Dissidenten bedroht wird. Immer wieder wird die Habe der Bev\u00f6lkerung gepl\u00fcndert und manchmal werden Teile derselben sogar gezwungen, ihre Wohnpl\u00e4tze zu verlassen. Da die franz\u00f6sischen Milit\u00e4reinheiten die in die W\u00fcste fl\u00fcchtenden Pl\u00fcnderer nicht fassen k\u00f6nnten und die Autorit\u00e4t der Franzosen dadurch verspottet werde, m\u00fcsse, so De Wimpffen, mit harter Bestrafung dagegengehalten werden. Es gelingt ihm, den Generalgouverneur in Algerien MARSCHALL MAC-MAHON von der Notwendigkeit der sog. \u201eExp\u00e9dition de l\u2019Oued Guir\u201d (Oued Guir ist ein Wadi im algerisch-marokkanischen Grenzbereich) zu \u00fcberzeugen. So bricht er Ende Februar 1870 mit sage und schreibe 1.800 bis 2.000 Infanteristen, 1.200 Reitern, 600 bis 700 einheimischen S\u00f6ldnern, 3 Abteilungen Artillerie und f\u00fcr den Transport des Materials, der Nahrung und des Wassers 2.200 Kamelen Richtung S\u00fcdwest auf und legt jeden Tag 17 \u2013 25 km zur\u00fcck. Der Hauptkampf im Zielbereich des Oued-Guir zwischen der Truppe De Wimpffen und jener der Rebellenstammes zur Verf\u00fcgung stehenden 8.000 Bewaffneten, die sich in den D\u00fcnen \u00fcber dem Wadi festgesetzt haben und h\u00f6chsten Widerstand leisten, findet Mitte April 1870 statt und endet mit dem Verlust von 24 Toten und 27 Verwundeten auf franz\u00f6sischer Seite und zwischen insgesamt 400 bis 500 solchen auf der Seite der arabischen Stammesangeh\u00f6rigen und deren teilweiser Unterwerfung. Die Strafexpedition, bei der die Truppe fast 1.500 Kilometer zur\u00fccklegt, bewirkt in dem aufr\u00fchrerischen Gebiet allerdings nur eine momentane, keinesfalls dauerhafte Ruhe.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>c. Im Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg des Jahres 1870\/71 f\u00e4llt E<\/strong><strong>mmanuel F\u00e9lix de Wimpffen innerhalb von kaum zehn dramatischen Tagen der Aufstieg in den Rang des Generals eines Armeekorps sowie noch weiter des Oberbefehlshabers der franz\u00f6sischen Sedanarmee einerseits und die Schmach der ihm nach der verlorenen Schlacht zufallenden Aushandlung und Besiegelung deren Kapitulation andererseits zu.<\/strong><\/p>\n<p>Im Laufe des Mai 1870 nach Oran zur\u00fcckgekehrt, wird Emmanuel F\u00e9lix de Wimpffen von der M\u00f6glichkeit eines Krieges mit Preu\u00dfen informiert und am 19. Juli setzt die franz\u00f6sische Kriegserkl\u00e4rung diesen in Gang. Wider jedes Erwarten Frankreichs dringen die raschest mobilisierten Truppen der L\u00e4nder des Norddeutschen Bundes, vereint mit jenen der s\u00fcddeutschen Staaten und gegliedert in drei Armeen unter dem Oberbefehl des Generals der Infanterie und Chef des Generalstabes und gro\u00dfen Strategen HELMUTH VON MOLTKE (1800 \u2013 1891), im Laufe des Monats August rasch nach Frankreich hinein und erringen in f\u00fcr beide Seiten verlustreichen Schlachten, so der bei Vionville und Mars la Tour oder Saint Privat und Gravelotte in Lothringen, entscheidende Siege. Und ausgangs August entwickelt sich eine weitere solche Schlacht um die in den Niederardennen unweit der belgischen Grenze gelegenen und von der Maas durchflossenen Festungsstadt Sedan, auf welche die neu aus preu\u00dfischen, s\u00e4chsischen, bayrischen und w\u00fcrttembergischen Truppenverb\u00e4nden der ersten und zweiten Armee gebildete vierte sog. Maas-Armee in St\u00e4rke von etwa 185.000 Mann und an die 800 Gesch\u00fctzen vordringt und der die sog. Armee von Ch\u00e2lons (en Champagne) mit knapp 130.000 Mann und fast 400 Gesch\u00fctzen gegen\u00fcbersteht. Letztere stellt die einzige noch im Felde stehende franz\u00f6sische Armee dar, die Mitte August dem Oberbefehl von GENERAL MAC-MAHON unterstellt worden ist. Es braucht hier nicht ausgebreitet werden, warum auf deutscher Seite eine Umgliederung der Streitkr\u00e4fte stattgefunden hat und wie es dazu kam, dass die bei Reims versammelte Armee Mac-Mahon der eingeschlossenen Festung Metz keine Hilfe bringen konnte und schlie\u00dflich nach aufreibenden M\u00e4rschen mit mehrfachen Ziel\u00e4nderungen, verlorenen Gefechten sowie dem Vorspiel der Niederlage in der Schlacht bei Beaumont unter GENERAL DE FAILLY sich ersch\u00f6pft und demoralisiert am 30. August ca. 80 Kilometer nordwestlich des Ausgangsraumes ringf\u00f6rmig nord- bis s\u00fcdostw\u00e4rts um Sedan an der Maas sowie in dieser Festungsstadt selbst selbst zu sammeln begann. Das gilt auch f\u00fcr die Einzelheiten der zur Abdr\u00e4ngung und Umklammerung des Gegners durch die deutsche vierte und Teile der dritten Armee vorgenommenen ber\u00fchmten Rechtsschwenkungen Richtung Nord und damit die Abkehr vom Vormarsch in Richtung der Hauptstadt Paris. Wichtig zu sagen ist allerdings, dass sich bei dieser nunmehr so genannten Sedanarmee auch KAISER NAPOLEON III.\u00a0eingefunden hatte.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber erscheint die andeutungsweise Beschreibung des als \u201edas gro\u00dfe Kesseltreiben\u201d bezeichneten Endgeschehens der Schlacht bei Sedan selbst unvermeidbar, weil die franz\u00f6sische Armee in der letzten Phase der beinahe vollzogenen Einschlie\u00dfung und damit des so gut wie verlorenen Kampfes unter das Kommando des EMMANUEL F\u00c9LIX DE WIMPFFEN gestellt worden und diesem die schmachvolle Aufgabe zugefallen ist, mit dem \u00a0GENERALSTABSCHEF HELMUTH VON MOLTKE und dem PREU\u00dfISCHEN\u00a0MINISTERPR\u00c4SIDENTEN OTTO VON BISMARCK\u00a0die Bedingungen der Kapitulation auszuhandeln und schlie\u00dflich auch zusammen mit dem Erstgenannten die Kapitulationsurkunde zu unterzeichnen. Die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/080.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-120\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/080-719x1024.jpg\" alt=\"080\" width=\"660\" height=\"940\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/080-719x1024.jpg 719w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/080-211x300.jpg 211w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/080-768x1094.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/080.jpg 1446w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. V 2: R. Brendamour, General v. Wimpffen, undatierte Portraitdarstellung<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>zeigt diesen auf der H\u00f6he seines Ruhmes mit seinen vielen Ordensauszeichnungen, darunter dem Orden am Band am Hals mit Ordensstern auf der rechten Brust des Grand Officier de la L\u00e9gion d\u2019Honneuer (Gro\u00dfoffizier der Ehrenlegion), \u00fcber welchem nur noch das Gro\u00dfkreuz (Grand-Croix de la L\u00e9gion d\u2019Honneur) mit Ordensstern auf der linken Brust, dazu Ordensband, getragen \u00fcber der rechten Schulter, als 5. und h\u00f6chste Stufe dieser Ordensreihe stand.<\/p>\n<p>Die nunmehr beginnende genaue Schilderung des, wie die nachfolgend fett hervorgehobenen Datenangaben zeigen, auf kaum zehn Tage beschr\u00e4nkten Vorganges des gewaltigen pl\u00f6tzlichen Aufstieges des Emanuel F\u00e9lix de Wimpffen zum Oberbefehlshaber der Sedanarmee wie seines ebensolch raschen Fallens st\u00fctzt sich gro\u00dfteils auf die h\u00f6chst umfangreiche Dokumentation des Journalisten und Schriftstellers Theodor Fontane \u201eDer Krieg gegen Frankreich 1870 \u2013 1871, Band 1\u201d, 1873, S. 476 \u2013 633. Dieser versteht es, das Drama dieses beidseits bereits unter massivstem Einsatz moderner technischer Waffen wie vor allem der Artillerie und von franz\u00f6sischer Seite der Mitrailleuse, der ersten Form des Maschinengewehrs, gef\u00fchrten Krieges mit Verve minuti\u00f6s zu schildern und die Handlungsweise sowie Pers\u00f6nlichkeit desselben unter Ber\u00fccksichtigung des F\u00fcr und Wider psychologisch klar und \u00fcberzeugend ins Bild zu setzen und zu beurteilen. Dazu muss man wissen, dass der Autor im Krieg 1870\/71 den Kriegsschauplatz um Paris besucht hat, sogar unter falschem Verdacht als Spion verhaftet und erst nach zwei Monaten wieder auf freien Fu\u00df gesetzt worden ist und dann im April 1871 die Stationen des Feldzuges in Nordfrankreich und Elsass-Lothringen aufgesucht und auch dar\u00fcber in einem Buch berichtet hat:<br \/>\nDe Wimpffens Ehrgeiz, so Fontane, geht vom Beginn des Krieges an dahin, an die Spitze eines Armeekorps oder doch mindestens einer vor dem Feinde stehenden Division gestellt zu werden. MARSCHALL MAC-MAHON, bislang in Algier ihm vorgesetzt als General-Gouverneur Algeriens amtierend, doch jetzt zum Oberbefehlshaber der Armee von Chalon aufgestiegen, wei\u00df ihn aber in Algerien zur\u00fcckzuhalten. Ob hier Eifers\u00fcchtelei im Spiel ist, wie Wimpffen selbst meint, und Mac-Mahon Wimpffen als Nebenbuhler f\u00fcrchtet oder umgekehrt dieser bei Wimpffen ein Missverh\u00e4ltnis zwischen Anspruch und Begabung erkennt, muss offen bleiben. Fontane: <em>\u201eUnter der Versicherung, da\u00df Algerien \u201adurchaus einen Mann von Kriegserfahrung und Charakter erheische\u2019, hat der Marschall wiederholentlich auf die Dienste Wimpffen\u2019s verzichtet.\u201d\u00a0<\/em>Nach der Niederlage von W\u00f6rth unter GENERAL DE FAILLY, die man diesem anlastet, sieht Wimpffen jedoch seine Stunde gekommen und er bittet den Kriegsminister und Pr\u00e4sidenten des Ministerrats GRAF PALIAKO in einem Brief erneut um seine Verwendung vor dem Feinde. Die positive Antwort in einem <strong>am 22. August<\/strong> <strong>1870<\/strong> eingegangenen Telegramm lautet, er solle sich sofort nach Paris begeben, es handle sich darum, General de Failly im Kommando des 5. Korps zu ersetzen. <strong>Am 28.<\/strong> <strong>August<\/strong> \u00fcber <u>Marseille<\/u> in <u>Paris<\/u> mit der Eisenbahn angekommen, bespricht PALIAKO mit ihm r\u00fcckhaltlos die prek\u00e4re milit\u00e4rische Lage und richtet dann die Frage an Wimpffen, ob er es nicht doch vorziehe, auf das Kommando des 5. Korps zu verzichten und das in Bildung begriffene 14. Korps zu \u00fcbernehmen. Doch der lehnt das Angebot ab. Und somit kann Wimpffen <strong>am<\/strong> <strong>29. August<\/strong> in Begleitung zweier ihm zugeordneter Offiziere per Eisenbahn <span style=\"text-decoration: underline;\">nach Sedan<\/span> zur \u00dcbernahme seiner neuen Funktion aufbrechen. Und er hat sogar ein ihm vor der Abreise zugestelltes dienstliches (folgenschweres!) Schreiben Paliakos bei sich, das ihn, den \u00c4ltesten unter den Korps-Generalen, erm\u00e4chtigt, f\u00fcr den Fall, dass GENERAL MAC-MAHON ein Ungl\u00fcck zusto\u00dfen sollte, den Befehl \u00fcber die diesem unterstellten Truppen zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>In <u>Soissons<\/u> im D\u00e9partement Aisne, seiner speziellem Heimat, angekommen, erl\u00e4sst er kurzerhand an die Bewohner eine patriotische Proklamation und reist dann raschestens weiter nach <u>Reims<\/u>. Im Kriegswirrsal des Bahnhofstreibens entdeckt er dort einen f\u00fcr die R\u00fcckkehr nach Paris bestimmten Kavallerie-Trupp von 25 Mann. Fontane: <em>\u201eMit jener raschen Entschlossenheit, die einen Hauptzug seines Charakters bildete, bem\u00e4chtigte er sich dieses Husarentrupps, \u00e4nderte die Marschrichtung desselben und befahl dem Leutnant &#8230; und seinen Leuten, ihm als Escorte zu folgen. Dies geschah. &#8230; Vor allem aber glaubten wir dieses Vorganges &#8230; wie auch der zu Soisson im Nu abgefa\u00dften Proclamation &#8230; deshalb erw\u00e4hnen zu m\u00fcssen, weil sich hierin genau dasselbe Verfahren zu erkennen giebt, das er drei Tage sp\u00e4ter &#8230; auf dem Schlachtfelde von Sedan inne hielt. Ein ebenso dem Temperament wie der Gewohnheit entsprechendes, energisches Drunterfahren, das in kleinen Verh\u00e4ltnissen meist Wunder wirkt, aber freilich nicht ausreicht, eine mit 300,000 Soldaten gespielte Schachpartie zu gewinnen<\/em>.\u201d In <u>Rethel<\/u> kaum angekommen, l\u00e4uft der Schreckensruf \u201eDes Ulans\u201d durch die Stra\u00dfen. Doch kann die schwache preu\u00dfische Patrouille durch den Schutz der vereinnahmten Husarenescorte de Wimpffen nichts anhaben. Jetzt wird die bisherige Eisenbahnfahrt zu Pferd durch Gebiete fortgesetzt, die bereits von den Heereseinheiten schleierartig weit vorausgeschickter preu\u00dfischer Kavallerie durchschw\u00e4rmt sind. Eine in einem Waldstreifen entstehende pl\u00f6tzliche Kollision, bei der Wimpffen vom Pferde geworfen wird, entpuppt sich gl\u00fccklicherweise als Begegnung mit einer Gruppe Franctireurs (franz\u00f6sischer Freisch\u00fctzen) und nicht, wie zun\u00e4chst geglaubt, mit preu\u00dfischer Kavallerie. Im Dorfe <u>Signy-L\u2019Abbaye<\/u> gibt sich der Maire (B\u00fcrgermeister) als der zu erkennen, der das Freisch\u00fctzenkorps gebildet und an der Waldecke postiert hat. Diesem sch\u00fcttelt Wimpffen die Hand und begl\u00fcckw\u00fcnscht ihn zu seinem patriotischen Eifer. Fontanes Einsch\u00e4tzung: <em>\u201eEine kleinlicher geartete, minder enthusiastische Natur w\u00fcrde au\u00dfer Stande gewesen sein, den Zwischenfall, der halb unbequem, halb l\u00e4cherlich war, so frank und frei und so mit Worten der Anerkennung zu behandeln.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Als <strong>am<\/strong> <strong>30. August fr\u00fchmorgens<\/strong> das rd. 20 km nordwestw\u00e4rtig von Sedan gelegene <u>Mezi\u00e8res<\/u> (siehe die ab hier genannten Orte etc. gro\u00dfteils in der nachfolgenden Abb. 81) erreicht ist, gesellt sich dort ein Rittmeister zu der nun vier Offiziere als Adjudantur und Ordonnanz umfassenden Begleitgruppe und geht die Reise wieder per Eisenbahn weiter. Gegen Mittag f\u00e4hrt der Zug merkw\u00fcrdigerweise ohne Halt \u00fcber den Zielort <u>Sedan<\/u> hinaus bis zu dem rd. 3 km s\u00fcds\u00fcd\u00f6stlich davon gelegenen <u>Bazeilles<\/u>, wo nun eine Art Vorspiel zum Drama um den Aufstieg Wimpffens zum Korps-General durch Verdr\u00e4ngung de Faillys und schlie\u00dflich Ersetzung Mac-Mahons als Oberbefehlshaber der Sedan-Armee beginnt. Denn dieser steigt jetzt wieder kurzentschlossen zu Pferd und rekognostiziert in einem Ritt, der \u00fcber die Ufer der Maas h\u00fcben und dr\u00fcben und weit \u00fcber den ostw\u00e4rtigen Nebenfluss Thiers hinweg s\u00fcdostw\u00e4rtig bis zum um die 10 km entfernten <u>Amblimont<\/u> geht und ihn <strong>in den Mittagsstunden<\/strong> Augenzeuge des auf die Festung Sedans zugehenden fluchtartigen R\u00fcckzugs der franz\u00f6sischen Truppen werden l\u00e4sst. <em>\u201eWimpffen &#8211; auch darin wieder ganz sich selbst &#8211; vermochte diesem tristen Schauspiel nicht anzuwohnen, ohne einzugreifen und die Fluth der Fl\u00fcchtigen zur\u00fcckzustauen. Binnen k\u00fcrzester Frist hatte er mehrere Tausende, die den verschiedensten Corps angeh\u00f6rten, um sich versammelt, nahm mit ihnen starke Position in der N\u00e4he von Mairy und schickte mehrfach schriftliche Meldung an den Marschall, worin er diesem anzeigte, da\u00df er da sei, da\u00df er mit einigen tausend Mann die Position zwischen Mairy und Amblimont halte und da\u00df er um Befehle bitte. Endlich <strong>um 9 Uhr Abends<\/strong> kam Ordre: R\u00fcckzug auf Sedan. &#8211; Auch hier wieder hatte er sich bew\u00e4hrt und mit der ihm eigenen Impetuosit\u00e4t (wobei Anderer Anordnungen sehr oft gekreuzt wurden) gehandelt und durchgegriffen. In Allem spricht Eifer und Umsicht, patriotischer guter Wille und rasches Erkennen des local und momentan N\u00f6thigen, aber doch auch zugleich ein Selbstvertrauen und befehlerischer Hang aus, der von den \u00fcbrigen Generalen, und ganz besonders vom Marschall selbst, fast wie eine Beleidigung, gewi\u00df wie eine Bedr\u00fcckung empfunden werden mu\u00dfte. Er war noch nicht eingef\u00fchrt, war kaum etwas anderes als ein \u201aGeneral auf Reisen\u2019 und nahm aus dem Stegreif All\u00fcren an, als sei er erschienen, um endlich nach dem Rechten zu sehen und den ewigen r\u00fcckg\u00e4ngigen Bewegungen ein Ende zu machen. Es ist h\u00f6chst wahrscheinlich, da\u00df der Marschall die Dinge von diesem Gesichtspunkt aus ansah und am Morgen des 1., als er, um seiner Verwundung willen, das Commando abgeben mu\u00dfte, auch aus einem pers\u00f6nlichen Antagonismus Wimpffen \u00fcberging und Ducrot zum Nachfolger w\u00e4hlte.\u201d<\/em><\/p>\n<p><strong>Am sp\u00e4ten Abend des 30.<\/strong> in <u>Sedan<\/u> eingetroffen und nach langem Suchen in der \u00fcberf\u00fcllten Stadt in einem Zimmer des \u201e<u>Croix d\u2019or<\/u>\u201d\u00a0mit seinen vier Ordonnanz-Offizieren untergekommen, stellt er sich <strong>am 31. fr\u00fch 9 Uhr<\/strong> dem MARSCHALL MAC-MAHON vor und wird ziemlich kalt empfangen. Er bittet, ihn dem 5. Korps vorstellen zu wollen, zu dessen Kommandant er ernannt worden sei. Im Wissen darum, dass er von den Generalen der Sedanarmee wie eine Art Eindringling angesehen und in der Erwartung, dass die Notwendigkeit einer Ersetzung Mac-Mahons aller Wahrscheinlichkeit nach sowieso nicht eintreten werde, schweigt er sich \u00fcber das empfangene Schreiben der \u00dcbertragung des Oberbefehls an ihn im Falle des Ausfalls von Marschall Mac-Mahon aus. Der Marschall verspricht, der Bitte Wimpffens nachzukommen, und steigt zu Pferd. Als dieser bis <strong>um 1 Uhr<\/strong> offenbar noch nichts in dieser Sache getan hat, geht Wimpffen selbst zum <u>Vieux Camp<\/u>, dem an die Festungsstadt im Nordosten angelehnten Lagerpatz des 5. Korps, hinaus und gibt sich den Offizieren und Soldaten als ihr neuer Oberbefehlshaber zu erkennen. In eben diesem Augenblick erscheint GENERAL DE FAILLY, der von seiner Absetzung weder Ahnung noch Kunde hat. Der peinlichen Situation folgen bittere Worte, die sich freilich zun\u00e4chst mehr gegen die Urheber der Ma\u00dfregel als gegen Wimpffen richten, diesen aber immerhin mittreffen m\u00fcssen. Danach kehrt Wimpffen in die Stadt zur\u00fcck, um sich KAISER NAPOLEON vorzustellen. Dieser nimmt ihn bei der Hand und fragt ihn unter Tr\u00e4nen nach den Gr\u00fcnden der dauernden Niederlagen. Wimpffen meint dazu, dass die Armeekorps in N\u00e4he des Feindes immer in zu gro\u00dfer Entfernung voneinander st\u00fcnden und Befehle schlecht gegeben und schlecht ausgef\u00fchrt worden sind. Auf Wimpffens Frage, warum er so sp\u00e4t zur \u00dcbernahme eines Kommandos berufen worden sei, weist der Kaiser auf Mac-Mahon hin, der darauf bestanden habe, ihn in Algerien zu belassen, um die Ruhe in der Provinz zu gew\u00e4hrleisten. Die Zwiesprache endet wie folgt: <em>\u201eIch bedaure, Sire, erst nach so schweren Mi\u00dfgeschicken eintreffen zu d\u00fcrfen. Aber rechnen Sie auf meine Energie; ich werde Alles daran setzen, die Unf\u00e4lle auszugleichen.\u201d<\/em>\u00a0&#8211; Der Kaiser: <em>\u201eIch wei\u00df, da\u00df ich darauf rechnen kann.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Nach einer jetzt folgenden kurzen Begegnung mit dem Marschall begibt sich Wimpffen wieder <u>hinaus in das Lager des 5. Korps<\/u>, um einzelne Ordres zu geben; dann sucht er den Schlaf. Doch das unbequeme Lager, die K\u00e4lte und noch mehr die Erregungen \u00fcber die beiden Begegnungen mit der mehr abgeneigten denn wohlwollenden Haltung sowie vor allem dem Ausschweigen des Marschalls \u00fcber seine Vorhaben verweigern ihm die Ruhe. <em>\u201eEndlich\u201d,<\/em> so schreibt er selbst<em>, \u201estieg die Morgenr\u00f6the des <strong>1. September<\/strong> herauf. <strong>Um 4 Uhr<\/strong> h\u00f6rt\u2019 ich lebhaftes Gewehrfeuer von Bazeilles her. Die Schlacht<\/em> <em>hatte begonnen.\u201d<\/em>\u00a0Der gegen\u00fcber Wimpffen schweigsame OBERBEFEHLSHABER\u00a0MAC-MAHON wei\u00df, was die Kartendarstellung der<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Scan-7.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"zoooom aligncenter wp-image-2718 size-full\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Scan-7.jpeg\" alt=\"\" width=\"784\" height=\"498\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Scan-7.jpeg 784w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Scan-7-300x191.jpeg 300w\" sizes=\"(max-width: 784px) 100vw, 784px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. V 3: Der Vollzug der Einkreisung der Franz\u00f6sischen Armee von Ch\u00e2lons durch die Deutsche Vierte (Maas-)Armee in der Schlacht von Sedan vom Abend des 31. August bis zur Mittagszeit des 1. September sowie deren weiteres Vordringen am Nachmittag desselben Tages<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>zeigt: Dass n\u00e4mlich der von den rasch vordringenden deutschen 6 Armeekorps und deren zahlreichen Batterien Artillerie gezielt angesetzte Einschlie\u00dfungsgring sich im Raum Illy im Norden mehr und mehr zu schlie\u00dfen beginnt und es somit jetzt nicht mehr um einen Sieg, sondern nur noch um ein Entkommen gehen kann. Wie der Marschall sp\u00e4ter aussagt, verfolgt er den ihm am aussichtsreichsten erscheinenden Plan, im S\u00fcdosten bei Bazeilles durchzubrechen, wo der beidseits ungew\u00f6hnlich harte Entscheidungskampf gegen die s\u00fcd\u00f6stliche Eckbastion um Sedan in der Morgenr\u00f6te des <strong>1. September<\/strong> tobt, und sich zum belagerten Metz durchzuschlagen. Dessen ein St\u00fcck westlich von La Moncelle <strong>um 6 \u00bc Uhr <\/strong>durch einen Granatsplitter eintretende Verwundung mit nachgefolgten Ohnmachten bewirken, dass die Ausf\u00fchrung dieses Planes, wenn er \u00fcberhaupt bestanden hat, sich um ca. 3 Stunden verz\u00f6gert.<\/p>\n<p>Wieder zu sich gekommen, sucht er zu entscheiden, wem er den Oberbefehl \u00fcbertragen soll. In Unkenntnis der von Kriegsminister Paliako an Wimpffen ergangenen Weisung entscheidet er sich, die Anciennit\u00e4t Wimpffens hintenan stellend, f\u00fcr den das 1. Korps f\u00fchrenden zweit\u00e4ltesten GENERAL DUCROT. Denn Wimpffen ist vor kaum zwei Tagen bei der Armee eingetroffen, kennt nach Lage der Dinge weder das Terrain, noch die Stellung der Truppen in ihrer Gesamtheit. Hinzu kommt die mangelnde pers\u00f6nliche Sympathie. <strong>Um 7 Uhr<\/strong> wird der sich weiter n\u00f6rdlich bei seiner Truppe befindliche General Ducrot ins Bild gesetzt und der nimmt die Bestellung an. Nach der Einsch\u00e4tzung Fontanes ist diese Entscheidung vom franz\u00f6sischen Standpunkt aus eher als ein Gl\u00fcck denn als ein Ungl\u00fcck zu betrachten. Denn dieser sieht die Gesamt-Situation mit anderen Augen an als Mac-Mahon, und zwar mit den richtigen Augen. Er sieht, dass im Norden um Illy die Mausefalle der Einschlie\u00dfung noch offen ist und setzt somit auf den Abzug \u00fcber diesen Ort mit anschlie\u00dfendem Flankenmarsch Richtung West auf Mezi\u00e8res. Sofort erl\u00e4sst er die dementsprechenden Befehle: Das Gros der franz\u00f6sischen Armee beginnt Richtung des nordw\u00e4rtigen Illy abzur\u00fccken, w\u00e4hrend die verbleibenden Einheiten die Sicherung dieses Abzugs \u00fcbernehmen und sp\u00e4ter gestuft nachr\u00fccken sollen. Als KAISER NAPOLEON <strong>gegen 8 Uhr<\/strong> von seiner Besichtigung von Stellungen auf der H\u00f6he von La Moncelle zur\u00fcckkehrt, bemerkt er zu seinem Erstaunen den pl\u00f6tzlichen Abzug von Truppen, die er zuvor noch unersch\u00fcttert in starken Stellungen w\u00e4hnte. Als er sich von Ducrot den Grund daf\u00fcr mitteilen l\u00e4sst, gibt er sich, ohne den Plan Ducrots zu durchkreuzen, zufrieden.<\/p>\n<p>Nicht so GENERAL DE WIMPFFEN. Dieser erh\u00e4lt zwar <strong>um 7 \u00bc Uhr<\/strong> Kenntnis von den Vorg\u00e4ngen um Mac-Mahon und Ducrot, unternimmt aber zun\u00e4chst nichts, seine aus dem dienstlichen Schreiben des Kriegsministerts Paliako sich ergebenden Anspr\u00fcche auf das Kommandeuramt der Armee bei Ducrot unverz\u00fcglich geltend zu machen. Der Grund: Genau wie der Kaiser und wie der au\u00dfer Gefecht gesetzte Mac-Mahon sieht er die R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung der Einheiten im S\u00fcdostbereich bei Bazeilles als eine durch nichts motivierte Aktion an. Und so tritt er f\u00fcrs Erste <strong>gegen 8 \u00bc Uhr oder etwas sp\u00e4ter <\/strong>den aus ihrer Bazeille-Position eben abziehenden Regimentern der DIVISION GRANDCHAMP entgegen, legitimiert sich diesen als ernannter Oberfeldherr \u201eder Armee von Ch\u00e2lons\u201d und gibt Befehl, in die alten, eben aufgegebenen, Stellungen zur\u00fcckzukehren. Dann erst, <strong>um etwa 8 \u00bd Uhr<\/strong>, macht er sich daran, Ducrot eine schriftliche Meldung folgenden Inhalts zu schicken: Er sei seitens des Kriegsministers Paliako zur \u00dcbernahme des Kommandos, f\u00fcr den Fall, dass Marschall Mac-Mahon von einem Unfall betroffen werde, autorisiert worden. Indem er sich vorbehalte, nach der Schlacht mit dem General noch weitere m\u00fcndliche R\u00fccksprache zu nehmen, bemerke er doch schon jetzt, dass er das Aufgeben der Stellung Bazeilles-Givonne in einem Augenblick, wo der Feind hier keine Fortschritte mache, nicht guthei\u00dfen k\u00f6nne. Er habe daher abziehende Regimenter des 12. Korps in ihre alten Positionen zur\u00fcckbeordert. Das Schreiben schlie\u00dft mit der Aufforderung, das 1. Korps in der ihm zugewiesenen Gefechtslinie bei Givonne zu belassen und das rechts neben diesem fechtende 12. Korps lebhaft zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Ducrot, der dieses unerwartete Schreiben <strong>um \u00be 8 Uhr<\/strong> in die H\u00e4nde bekommt, begibt sich sofort zu Wimpffen und erkl\u00e4rt demselben gegen <strong>etwa 9 Uhr oder wenig sp\u00e4ter<\/strong>, dass er sich seinem Befehl unterstellen wolle, erkl\u00e4rt aber zugleich Folgendes: Er glaube den Feind und dessen Absichten besser zu kennen und beschw\u00f6re ihn um des Wohles der Armee willen, die R\u00fcckzugsbewegung Richdtung Nord auf Illy weiter fortsetzen zu lassen. Es sei zu bef\u00fcrchten, dass das 1. Korps auf seinem linken Fl\u00fcgel bald umgangen sein werde. Die Best\u00e4tigung seiner Bef\u00fcrchtung gehe aus einem Brief des Maire von Villers Cernay hervor, der den Durchmarsch starker feindlicher Massen melde. Ducrots Beschw\u00f6rungen sind umsonst. Wimpffen, dem Ducrot nach seiner sp\u00e4teren Buchaussage sogar erkl\u00e4ren muss, wo Illy liegt und welche strategische Bedeutung dieses in Bezug auf den schmalen Raum zwischen der Maasschleife und der nahen belgischen Grenze besitzt, sieht die Notwendigkeit eines R\u00fcckzugs nicht ein. 12. und 1. Korps seien stark genug, um alles \u00e9crasieren (vernichten) zu k\u00f6nnen, was der Feind ihnen entgegenstelle. Nachdem aber der anwesende Kommandierende des 12. Korps, GENERAL LEBRUN, mehr auf Wimpffens Seite tritt, ordnet sich Ducrot schlie\u00dflich doch unter und sagt zu, die bereits abger\u00fcckten Divisionen in ihre alten Stellungen zur\u00fcckbeordern zu wollen. Dazu die Einsch\u00e4tzung Fontanes: <em>\u201eIn gewissem Sinne war das Einr\u00fccken Wimpffen\u2019s in das Obercommando nichts anderes als die Wiederaufnahme des Mac-Mahon\u2019schen Plans, der durch die f\u00fcnfviertelst\u00fcndige oder ausgedehntesten Falls durch die zweist\u00fcndige \u201aEpisode Ducrot\u2019 blos unterbrochen worden war. Wimpffen erwies sich nur um eben so viel zuversichtlicher, als er unvertrauter mit der thats\u00e4chlichen Lage und mit der doppelt \u00fcberlegenen Kraft des ihm gegen\u00fcberstehenden Feindes war. Mac-Mahon hatte bei Bazeilles nur siegen wollen, um seiner Armee an dieser Stelle den Durchbruch zu erm\u00f6glichen; Wimpffen gab sich, wenigstens auf kurze Zeit, dem Wahne hin, auf der Linie Bazeilles-Givonne \u00fcberhaupt einen Sieg erringen zu k\u00f6nnen. Er wollte den Sieg nicht um des R\u00fcckzugs, er wollte den Sieg um des Sieges willen.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Hier sei ein bei Theodor Fontane angeh\u00e4ngter Abschnitt, in dem dieser seinen Unwillen \u00fcber die widerspr\u00fcchlichen Aussagen der sich gegen\u00fcberstehenden Parteien und Personen sowie der Letztgenannten (insbesondere jener von Wimpffen) in sich allgemein und teilweise konkret ausl\u00e4sst, aus Platzgr\u00fcnden \u00fcbergangen. Was KAISER NAPOLEON betrifft, der von der Unterredung Wimpffen-Ducrot erf\u00e4hrt und das Hin und Her der obersten Befehlsgebung &#8211; sicherlich mit Recht &#8211; f\u00fcr ein schweres Ungl\u00fcck, eine Zerbr\u00f6ckelung der Kraft und eine Lockerung der Disziplin h\u00e4lt, so scheint dieser nach der Meinung Fontanes in diesen dramatischen Morgenstunden des Schlachtentages die Erkenntnis gewonnen zu haben, dass das von Ducrot Gewollte das allein Richtige sei. Wohl l\u00e4sst er, Wimpffens Kehrtwende &#8211; so wie er zuvor diejenige von Ducrot hingenommen hat &#8211; zun\u00e4chst, ohne ihm die mutma\u00dflich vorhandenen Bedenken entgegenzuhalten, geschehen. Doch findet er im Laufe eines am Vormittag unternommenen <u>dreist\u00fcndigen Rittes \u00fcber das Schlachtfeld<\/u> zweimal Gelegenheit, dem neuen Oberfeldherren von Wimpffen diese Anschauung zu erkennen zu geben; freilich bleibt dies ohne Wirkung:<br \/>\n&#8211; Zun\u00e4chst <strong>zwischen 9 u. 10 Uhr<\/strong>: \u201e<em>Auf dem Terrain westlich von Daigny traf er den General Wimpffen, der eben von Balan kam. \u201aWie steht die Schlacht?\u2019 fragte der Kaiser. Der General antwortete: \u201aSire, die Dinge gehen so gut wie irgend m\u00f6glich und wir gewinnen an Terrain.\u2019 Auf die nun folgende Bemerkung des Kaisers, da\u00df Meldung eingegangen sei, ein starkes feindliches Corps umgehe bereits die franz\u00f6sische Linke, erwiderte Wimpffen, ohne in seiner Zuversicht ersch\u00fcttert zu werden: \u201aGut! Desto besser; man mu\u00df sie gew\u00e4hren lassen; wir werden sie in die Maas werfen und die Schlacht gewinnen.\u2019\u201d<br \/>\n<\/em><em>&#8211;\u00a0<\/em>Dann <strong>ca. eine halbe Stunde sp\u00e4ter<\/strong>, wor\u00fcber GENERAL PAJOL berichtet:<em> \u201eWir waren eben, in N\u00e4he des Bois de la Garenne <\/em>(A. d. V.: Waldgebiet westlich von Givonne)<em>, eine H\u00f6he hinangeritten, um einen Ueberblick zu gewinnen, als ein Chasseur-Offizier von der Division des Generals Goze aus den Reihen trat und zum Kaiser sagte: \u201aSire, ich bin hier zu Hause und kenne die Gegend vollkommen; wenn der Wald von Garenne umgangen ist, ist die Armee eingeschlossen und wir befinden uns in der bedenklichsten Lage.\u2019 Diese Worte, f\u00e4hrt General Pajol fort, verfehlten nicht den Eindruck auf uns Alle. Der Kaiser lie\u00df dem General Wimpffen sofort Mittheilung davon machen. Aber dieser voll derselben Zuversicht, die er eine halbe Stunde vorher im Gespr\u00e4ch mit dem Kaiser gezeigt hatte, antwortete dem Ordonnanz-Offizier: \u201aSagen Sie dem Kaiser, er m\u00f6ge beruhigt sein; in zwei Stunden habe ich sie in die Maas geworfen.\u2019 General Castelnau, so schlie\u00dft Pajol seine Mittheilung, dr\u00fcckte mir, als der Ordonnanz-Offizier diese Antwort Wimpfffen\u2019s \u00fcberbrachte, die Hand und sagte: \u201aGott gebe, da\u00df wir nicht hineingeworfen werden.\u2019\u201d<\/em><\/p>\n<p>Wimpffens Antworten, man werde den Feind in die Maas werfen und die Schlacht gewinnen, huldigen weniger einem echten, sondern eher einem Zweck-Optimismus, es sei denn, diese sind aus Ermangelung von Argumenten als blo\u00dfe leere Floskeln anzusehen. Sicher erscheint, dass in ihm im Laufe des sp\u00e4ten Vormittags mehr und mehr die Erkenntnis w\u00e4chst, dass die Armee in der Tat eingeschlossen und verloren sei. Sein Ahnen findet Nahrung, als er<strong> gegen 11 Uh<\/strong>r in Vernachl\u00e4ssigung seiner Fixierung auf den Durchbruch bei Bazeilles am Ende des rechten Fl\u00fcgels nun doch den <u>linken Fl\u00fcgel und damit<\/u> <u>GENERAL DOUAY<\/u>, den Kommandeur des 7. Korps, aufsucht und von diesem Folgendes h\u00f6ren muss: <em>\u201eWir schlagen uns nur noch f\u00fcr die Ehre unserer Waffen. Folgen Sie mir, General; es wird leicht sein, Sie davon zu \u00fcberzeugen.\u201d<\/em>\u00a0Zum <u>H\u00f6henrand zwischen Floing und Illy<\/u> gef\u00fchrt, wird er der jenseits versammelten Truppenmassen gewahr und erlebt die \u00fcberlegene Feuerkraft und Pr\u00e4zision der zwischen St. Menges und Fleigneux feuernden Artillerie des Feindes. \u201eAvec un coeur navr\u00e9\u201c (mit blutendem Herzen) kehrt er nach dem <u>Vieux camp in Sedan<\/u>, dem Zentralpunkt der franz\u00f6sischen Stellung, zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Inzwischen hat <strong>am sp\u00e4ten Vormittag des 1. September<\/strong> auch der KAISER NAPOLEON nach seinem dreist\u00fcndigen Aufenthalt auf dem Schlachtfeld sein Pferd gewendet, um nach Sedan zur\u00fcckzukehren. Unterwegs gewahrt er bereits Unordnungen in Gestalt einzelner Milit\u00e4rabteilungen, die dreifachem Artilleriefeuer von Nordwest, Ost und S\u00fcd ausgesetzt gewesen sind und jetzt fluchtartig in die Festungsstadt dr\u00e4ngen. Und als er <strong>gegen 11 Uhr <\/strong>in der Stadt den Turenne-Platz erreicht, w\u00e4chst der Beschuss dort von Minute zu Minute und es beginnt Verwirrung. <em>\u201eDer Kaiser hielt ruhig zu Pferde, ruhig, fast apathisch. Er war k\u00f6rperlich und geistig ersch\u00f6pft. In seiner Seele mochte er lesen: Der Kaiserreichs letzter Tag !\u201d<\/em>\u00a0<strong>Gegen 12 Uhr<\/strong> ist der Einschlie\u00dfungsring um die Stadt und den diese von Nordwest bis S\u00fcdost umgebenden Verteidigungsg\u00fcrtel geschlossen. Nahezu 500 Gesch\u00fctze feueren jetzt fast unabl\u00e4ssig auf die Truppenverb\u00e4nde in den Stellungen um und auch in die Festungsstadt selbst, die durch ihre niedriges H\u00f6henniveau von den H\u00fcgelketten ringsherum sich offen und schutzlos darbietet. Es k\u00f6nnen sich jetzt bestenfalls nur noch kleinere Abteilungen bei Illy, Givonne oder Bazailles durchwinden oder durchschlagen. Dieses gl\u00fcckt nordw\u00e4rtig in der Tat einer Gruppe von gegen 5.000 Mann, die sich gr\u00f6\u00dftenteils nach Belgien retten. Der zweite Teil der Schlacht hat begonnen.<\/p>\n<p><strong>Gegen 1 Uhr<\/strong> beginnen die von GENERAL DUCROT angeordneten und geleiteten vier gro\u00dfen Kavallerie-Angriffe, die nicht mehr auf den Ausbruch gerichtet sind, sondern allein darauf, seine unmittelbar n\u00f6rdlich von Floing auf Illy zu stehenden hart bedr\u00e4ngten Bataillone zu unterst\u00fctzen und Zeit f\u00fcr die Heranziehung frischer Brigaden zu gewinnen. <em>\u201eDa auf einmal bebte der Boden unter den Hufen der heranbrausenden feindlichen Cavallerie.\u201d\u00a0<\/em>In 4 Wellen bei Intervallen von je einer Viertelstunde bis 20 Minuten reiten gegen die preu\u00dfischen Einheiten, die den H\u00fcgel nordwestlich des Holzes de la Garenne zu erst\u00fcrmen sowie die Vorstadt Cazal zu erreichen suchen, in todesmutiger Verzweiflung Attacke: Zuerst zwei Eskadronen Lanciers, dann mehrere Schwadronen K\u00fcrassiere (Chasseurs d\u2019Afrique) auf Berber-Schimmelhengsten, danach zwei Eskadronen Chasseurs \u00e0 cheval, schlie\u00dflich mehrere Eskadronen Husaren und wieder Chasseurs \u00e1 cheval. Sie branden gegen die heftig feuernden Sch\u00fctzenlinien der preu\u00dfischen Infanterie- und J\u00e4gerverb\u00e4nde, bei denen nach dem Zeugnis von Fontane auch der 13. Kavallerie-Brigade zugeh\u00f6rige hessische Husaren Stellung bezogen haben. Deren Linien werden zwar mehrfach durchbrochen und es kommt stellenweise bei den Verteidigern zu harten Verlusten, doch brechen die Angriffe unter den Schnellfeuersalven meist zusammen; zu Hunderten fallen Ross und Mann. Und die durchgebrochenen Kolonnen werden vor Ort zusammengehauen oder kommen auf der Flucht gro\u00dfteils zu Tode. F\u00fcr den K\u00d6NIG WILHELM VON PREU\u00dfEN und dessen Begleiter, die zur Beobachtung die H\u00f6he von Fr\u00e9nois aufgesucht haben und denen sich nach Aufl\u00f6sung der morgendlichen dichten Nebeldecke der Blick bei strahlendem Sonnenschein in die h\u00fcgel- und plateauums\u00e4umte Maasschlingen-Landschaft er\u00f6ffnet, wirken diese Kavallerieattacken bei aller Furchtbarkeit des Geschehens <em>\u201ewie ein gro\u00dfartig in Scene gehendes Schauspiel\u201d<\/em>. Die nachfolgende farbige Darstellung aus unbekannter Hand versucht, den Ansturm der Chasseurs d\u2019Afrique auf ihren Schimmelhengsten (mittig rechts) und die Abwehr durch preu\u00dfische J\u00e4ger (vorne und links) nachzuempfinden:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/082.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-122\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/082.jpg\" alt=\"082\" width=\"621\" height=\"530\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/082.jpg 621w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/082-300x256.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 621px) 100vw, 621px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. V 4: Hessen verhindern in der Schlacht bei Sedan am 1. September 1870 den Durchbruch der \u201eAfrikanischen J\u00e4ger\u201d bei Floing<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Vorandringen der deutschen Belagerer geht also weiter. <strong>Um 1 1\/4 Uhr<\/strong>, also um die Zeit der ersten Reiterwelle, schickt Wimpffen, heimgesucht von Verzweiflung und Wut und ungeachtet oder gerade wegen der sich abzeichnenden Niederlage und Sorge um das Schicksal des Kaisers, an diesen nach Sedan hinein ein Billet, das folgenderma\u00dfen lautet: <em>\u201e\u201aSire, ich gebe dem General Lebrun den Befehl, einen Durchbruch in Richtung Carignan zu versuchen, und ich lasse ihm alle verf\u00fcgbaren Truppen folgen. Ich befehle dem General Ducrot, diese Bewegung zu unterst\u00fctzen und dem General Douay den R\u00fcckzug zu decken. M\u00f6ge Euer Majest\u00e4t in die Mitte Ihrer Truppen kommen; sie werden es sich zur Ehre anrechnen, Ihnen einen Durchweg zu \u00f6ffnen. 1 \u00be Uhr v. Wimpffen.\u2019 &#8211; Es war <strong>1 \u00be Uhr<\/strong>, als das Billet zu den H\u00e4nden des Kaisers kam. Das Bild, das sich dem letzteren in seiner unmittelbaren Umgebung bot, war nicht geeignet, ihn mit Vertrauen zu einem Schritte zu erf\u00fcllen, wie ihn General Wimpffen vorschlug. Die Zust\u00e4nde innerhalb Sedan waren bereits seit 12 Uhr aller und jeder Ordnung entkleidet.\u201d<\/em>\u00a0Die letztgenannte Feststellung illustriert eine von dem Amerikaner Linus Pierpont Brockett nach Berichten von Augenzeugen gegebene Schilderung, von der hier ungek\u00fcrzt ein auf den fr\u00fchen Nachmittag bezogener Ausschnitt dargeboten werden soll:<\/p>\n<p><em>\u201eF\u00fcr Jemanden, der wie ich in die Stadt kam, gab es nicht l\u00e4nger eine Schlacht zu beschreiben. Es war anfangs ein R\u00fcckzug, und nur zu bald eine wilde Flucht. Ich hielt mich selbst f\u00fcr gl\u00fccklich, von dem Schlachtfeld fortzukommen, wie es mir gelang; denn eine Stunde sp\u00e4ter war die Niederlage jener Truppen, welche in meiner N\u00e4he gestanden hatten vollst\u00e4ndig. Bereits stie\u00dfen Soldaten in dem Kampfe, um in die Stadt hinein zu dringen, heftig gegeneinander an. Abgestiegene Reiter versuchten sogar \u00fcber die W\u00e4lle zu klettern, nachdem sie von der Contrescarpe herunter gesprungen waren; Andere bahnten sich einen Weg durch die Hinterpf\u00f6rtchen. Aus einer Ecke in den W\u00e4llen, worin ich einen Augenblick ausruhte, sah ich auch K\u00fcrassiere &#8211; Mann und Pferd &#8211; in den Festungsgraben springen, wobei viele Pferde Beine und Rippen brachen. Soldaten dr\u00e4ngten und kletterten rappelnd \u00fcbereinander. Es waren Offiziere jeden Ranges &#8211; Obristen und selbst Generale in Uniformen, welche man unm\u00f6glich mi\u00dfkennen konnte &#8211; in diesem schimpflichen Gew\u00fchl vermengt. Hinter Allem kamen Gesch\u00fctze mit ihren schweren Lafetten und starken Pferden dahergerasselt, welche sich in das Gew\u00fchl hinein Bahn brachen und die Fl\u00fcchtlinge zu Fu\u00df verst\u00fcmmelten und zerquetschten.- Um die Entsetzen zu vermehren, waren die deutschen Batterien inzwischen bis auf Schu\u00dfweite vorger\u00fcckt, und die deutschen Bomben begannen, unter die um die Stadteing\u00e4nge sich dr\u00e4ngenden und ringenden Menschenmassen einzuschlagen. Auf den W\u00e4llen bemannten die Nationalgarden die Kanonen der Stadt und antworteten mit mehr oder weniger Wirkung den n\u00e4chsten deutschen Batterien. Es war ein Schauspiel entsetzlich genug, um selbst die Phantasie eines Gustave Dor\u00e9 zu befriedigen. Ich konnte mir nur eine Vorstellung von der Lage unserer ungl\u00fccklichen Armee machen &#8211; da\u00df sie unten in einem siedenden Kessel stecke. &#8211; Ich eilte, so gut ich konnte, in mein Hotel zur\u00fcck, indem ich den engsten Stra\u00dfen folgte, wo die Bomben am unwahrscheinlichsten den Boden erreichen w\u00fcrden. Wo immer ein \u00f6ffentlicher Platz war, stie\u00df ich auf todte Pferde und Menschen, oder die noch zuckten, von platzenden Bomben in St\u00fccke gerissen. Als ich mein Hotel erreichte, fand ich die Stra\u00dfe, worin es stand, wie die \u00fcbrigen Stra\u00dfen, mit Wagen, Kanonen, Pferden und Soldaten vollgepropft. Zum gr\u00f6\u00dften Gl\u00fcck bestrich in diesem Augenblick das deutsche Feuer nicht diese Stra\u00dfe; denn ein Zug von Munitionswagen, die mit Pulver gef\u00fcllt waren, versperrte den ganzen Weg, da er selbst nicht im Stande war, r\u00fcckw\u00e4rts oder vorw\u00e4rts zu kommen. Es war die gr\u00f6\u00dfte Wahrscheinlichkeit vorhanden, da\u00df diese Pulverwagen in die Luft fliegen w\u00fcrden, weil die Stadt bereits an zwei Orten in Flammen stand; und ich begann, Sedan f\u00fcr einen unbehaglicheren Platz zu halten als selbst das Schlachtfeld, \u00fcber welches ein siegreicher Feind rasch vorr\u00fcckte.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Der Kaiser empfindet nicht anders und lehnt in seinem Inneren Wimpffens Vorschlag ab, an der Spitze seiner Truppen einen Ausfall Richtung Carignan zu wagen, schiebt aber sein \u201eNein\u201d zu diesem Verlangen hinaus. So wartet Wimpffen vergeblich und beginnt <strong>2 \u00bc Uhr<\/strong>, auf eigene Faust zu handeln; denn er empfindet:\u00a0<em>\u201eEs war h\u00f6chste Zeit; es mu\u00dfte etwas geschehen. Der Durchbruchsversuch, wenn er nicht all und jede Chance verlieren sollte, durfte nicht l\u00e4nger hinausgeschoben werden. Die Gegenwart des Kaisers w\u00fcrde Wunder gewirkt, meine Autorit\u00e4t gest\u00e4rkt, die Widerwilligen mit fortgerissen haben; da sie nicht zu erzwingen war, so mu\u00dfte es ohne ihn versucht werden.\u201d<\/em>\u00a0Und so begibt er sich zum <u>Vieux Camp<\/u> und findet dort in noch guter Haltung die Marine-Division, einige Zuaven-Bataillone und das 47. Linien-Regiment vor. Er gibt Ordre zum Avancieren und sofort setzen sich diese \u201ebraven Truppen\u201d in St\u00e4rke von 5.000 bis 6.000 Mann in Bewegung. Mit diesen zieht er durch das <u>Haupttor von Balan in s\u00fcd\u00f6stlicher Richtung \u00fcber den Fond de Givonne hinaus<\/u> und nimmt <strong>gegen 2 \u00be oder 3 Uhr<\/strong> dort Stand, von wo aus er glaubt, die benachbarten Orte La Moncelle, Balan und Bazeille beherrschen zu k\u00f6nnen. Nicht wissend, dass die Reste des 12. und 5. Korps ca. 1.000 Schritt weiter \u00f6stlich in Richtung Ost fechten, wundert er sich, weder auf dem passierten Terrain noch auf der H\u00f6henposition franz\u00f6sischen Truppenteilen zu begegnen. Da er diese jetzt in <u>Balan<\/u> vermutet, begibt er sich <u>dorthin<\/u>, um diese heranzuholen. Doch findet er dort das auf Sedan zuf\u00fchrende Tor ge\u00f6ffnet und den Ort leer und so wei\u00df er, dass sich alle Truppen in die Festungsstadt Sedan zur\u00fcckgezogen haben. Unter diesen ist auch GENERAL LEBRUN.<\/p>\n<p>Immer noch rechnet Wimpffen in fieberhafter Ungeduld auf den Kaiser. Und so begibt er sich wieder <u>auf die Festung zu<\/u> und trifft <u>am Tor<\/u> <strong>um 4 Uhr <\/strong>auf einen Beamten des Hofes, der ihm endlich einen Brief des Kaisers \u00fcberreicht, aber gleichzeitig mitteilt, dass auf den W\u00e4llen bereits die wei\u00dfe Fahne aufgezogen und er dazu ausersehen sei, mit dem Feinde zu parlamentieren. Wimpffen ist wie vom Donner ger\u00fchrt und erkl\u00e4rt, keine Kenntnis von diesem Brief zu nehmen und auch nicht zu verhandeln. Nachdem ihn der Hofbeamte beschworen hat, den Brief zu empfangen und zu lesen, nimmt er diesen, \u00f6ffnet ihn aber nicht. Mit dem Brief in der Hand reitet er dem <u>Turenne-Platz<\/u> zu und fordert unter dem Ruf \u201eVive la France! En avant!\u201d und \u201eBazaine greift gerade die Preu\u00dfen im R\u00fccken an\u201d einzelne Trupps auf, ihm zu folgen und einen letzten Versuch des Ausbruchs zu wagen. Sie begegnen General Lebrun, der von einem Mann mit Parlament\u00e4rfahne begleitet ist. Wimpffens Ordonnanzoffizier entrei\u00dft diesem die Fahne und wirft sie zur Erde und beeindruckt, wenngleich ohne wahre Hoffnung, schlie\u00dft sich GENERAL\u00a0LEBRUN\u00a0dem Zug an. Offiziere und Soldaten weisen gr\u00f6\u00dftenteils auf die wei\u00dfe Fahne, von der sie wissen wollen, dass sie auf Befehl des Kaisers aufgehisst worden ist. Andere aber folgen freudig und guten Mutes, so dass Wimpffen schlie\u00dflich mit \u201etapfern 2.000\u201d, wie er sagt, <u>zum Balan-Tor hinauszieht<\/u>. Die Einsch\u00e4tzung des oben bereits zitierten L. P. Brockett: <em>\u201eVon Seelenpein zum Wahnsinn getrieben, und in schnurgeradem Widerspruch mit den Befehlen des Kaisers, hatte der beschlossen, alle Mannschaften zu sammeln, soviel er konnte, und Widerstand zu leisten. Er konnte nicht wissen, da\u00df er durch einen eisernen Ring von 300,000 Mann umspannt war.\u201d<\/em><\/p>\n<p>In <u>Balan<\/u> sind die H\u00e4user bereits voll von Deutschen, die aus jedem Fenster auf die Franzosen feuern. Die T\u00fcr der von diesen besetzten Kirche wird von zwei herbeigeholten Kanonen eingeschossen und dort werden 200 Deutsche gefangen. Wie diese letzte Unternehmung Wimpffens weiter- und rasch erfolglos zu Ende geht, h\u00f6rt sich aus der &#8211; Vorwurf vor allem gegen die \u201eUmgebung des Kaisers\u201c (gemeint die in der Stadt au\u00dfer Lebrun befindlichen Gener\u00e4le) erhebenden &#8211; Feder Wimpffens selbst folgenderma\u00dfen an: <em>\u201eSo drangen wir bis \u00fcber die Kirche von Balan hinaus vor. <strong>5 Uhr<\/strong>.- Der Feind stand uns an dieser Stelle, nach Osten und S\u00fcdosten zu, nirgends in geschlossenen Massen gegen\u00fcber. Ich ritt bis an die Maas vor, und \u00fcberzeugte mich, da\u00df nichts da war, was im Stande gewesen w\u00e4re, einem mit vollem Ernst gewonnenen Angriff zu widerstehen; aber in der Umgebung des Kaisers hatte man seit drei Stunden bereits jeden Gedanken an Widerstand aufgegeben. Kein Zuzug, keine H\u00fclfe kam. Als ich in N\u00e4he der <u>Kirche von Balan<\/u> wieder eintraf, hatten sich die 2000 Mann, die Lebrun und ich gemeinschaftlich bis hierher vorgef\u00fchrt hatten, bereits sehr verringert. Einzelne todt oder verwundet, die meisten zerstreut. So gingen auch wir zur\u00fcck. Lebrun und ich waren die Letzten. Es war jetzt <strong>gegen 6 Uhr<\/strong>.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Was er sieht, das ist Chaos. L. P. Brockett schildert das so<em>: \u201e<strong>Mit Einbruch der Nach<\/strong>t verlief sich der Menschenhaufe ein wenig, und mit einiger M\u00fche war es m\u00f6glich, sich einen Weg <u>durch die Stadt<\/u> zu bahnen. Das Schaus<\/em>piel<em>, welches sich darbot, war entsetzlicher als der Krieg selbst. Todte lagen \u00fcberall &#8211; B\u00fcrgerliche und Soldaten in einem gemeinsamen Blutbade. In einer Vorstadt z\u00e4hlte ich mehr als f\u00fcnfzig Leichen von Landleuten und St\u00e4dtern &#8211; einige Frauen darunter und ein Kind. Der Boden war mit Bruchst\u00fccken von Bomben \u00fcbers\u00e4et. Hungernde Soldaten zerschnitten todte Pferde, um sie zu kochen und zu essen; denn Lebensmittel fehlten uns abermals, wie Alles seit dem Anfang dieses Feldzuges gefehlt hat. Ich war froh, von dem Anblick unsres Ungl\u00fcckes hinwegzukommen und die Erinnerung daran in einigen Stunden des Schlafes zu verlieren.\u201d<\/em>\u00a0<strong>Dieses ist auch die Stunde<\/strong>, die Sonne ist hinter schwarzem Gew\u00f6lk untergetaucht und es f\u00e4ngt schon an zu dunkeln, da auf der H\u00f6he von Fr\u00e9nois, dem Beobachtungs- und Kommandopunkt von K\u00d6NIG WILHELM VON PREU\u00dfEN\u00a0und der Schar seiner Begleiter, so dem PREU\u00dfISCHEN MINISTERPR\u00c4SIDENTEN OTTO VON BISMARCK, GENERALSTABSCHEF HELMUTH VON MOLTKE, KRIEGSMINISTER ALBRECHT ROON, GENERAL VON PODBIELSKI UND ANDEREN MEHR, gespannte Erwartung herrscht. Denn nachdem am <strong>Sp\u00e4tnachmittag<\/strong> <strong>gegen 5 Uh<\/strong>r auf der Zitadelle, den W\u00e4llen und am Tor nach Balan von Sedan die wei\u00dfe Fahne, Zeichen der Kapitulation, erschienen ist, hat man OBERSTLEUTNANT BRONSART VON SCHELLENDORF in die Stadt gesandt, der mit der wie ein Lauffeuer sich verbreitenden Nachricht zur\u00fcckgekommen ist, dass sich, deutscherseits hatte man davon keinerlei Ahnung gehabt, KAISER NAPOLEON in der Stadt befinde und alsbald ein Parlament\u00e4r kommen werde. Als solcher erscheint nunmehr per Pferd der franz\u00f6sische GENERAL REILLE mit Begleitern und \u00fcberreicht dem K\u00f6nig den Degen seines Kaisers und ein Schreiben von Napoleon folgenden Inhalts: <em>\u201eMein Herr Bruder! Da mir nicht verg\u00f6nnt war, in der Mitte meiner Truppen zu sterben, bleibt mir nur \u00fcbrig, meinen Degen in die H\u00e4nde Eurer Majest\u00e4t zu legen. Ich bin Euer Majest\u00e4t guter Bruder.- Sedan 1. September &#8211; Napoleon.\u201d<\/em>\u00a0(Der viel zitierte Kernsatz des franz\u00f6sischen Texts lautet:<em> \u201eN\u2019ayant pu mourir au milieu de mes troupes, il me ne reste qu\u2019\u00e0 remettre mon ep\u00e9e entre les mains de Votre Majest\u00e9.\u201d<\/em>) Tief bewegt gibt der K\u00f6nig den Brief an Bismarck, der ihn dem Kronprinzen, Moltke und Roon vorliest. Diesen Akt der v\u00f6lligen Unterwerfung und Preisgabe antwortet der Kanzler im Namen des K\u00f6nigs, indem er dem GRAFEN HATZFELD\u00a0die folgende Nachricht diktiert: Mit Bedauern \u00fcber die Umst\u00e4nde nehme der K\u00f6nig den Degen an und b\u00e4te um einen Bevollm\u00e4chtigten f\u00fcr seine tapfere Armee. Der K\u00f6nig bestimme General Moltke dazu von seiner Armee.<\/p>\n<p>Was Wimpffen, der sich in <u>Sedan zu seinem Hotel Croix d\u2019or<\/u> begibt, h\u00f6rt und ihn umtreibt, das sind die folgenden zwei W\u00f6rter: Kapitulation und Verrat. Entgegen seiner, wie er denkt, besseren milit\u00e4rischen Einsicht missbilligt er immer noch das Aufziehen der wei\u00dfen Fahne und die Absendung eines Parlament\u00e4rs, das \u00fcber ihn hinweg in v\u00f6lliger Missachtung seiner Funktion des Oberkommandierenden geschehen ist, und ist dar\u00fcber tief gekr\u00e4nkt. Und er sp\u00fcrt, dass ihm nun zum Spott und Hohn f\u00fcr seinen bis zuletzt gezeigten Widerstandsmut noch Schlimmers droht: n\u00e4mlich die trostlose Aufgabe, in dieser Funktion die Kapitulationsverhandlungen f\u00fchren und die Unterwerfung besiegeln zu m\u00fcssen. Solcher Schande sucht er zun\u00e4chst zu entgehen, indem er an den Kaiser um <strong>7 \u00bd Uhr abends <\/strong>folgendes Entlassungsgesuch richtet: <em>\u201eSire! Ich werde niemals die Beweise von Wohlwollen vergessen, welche Sie mir gew\u00e4hrt haben, und ich w\u00fcrde sowohl im Hinblick auf Frankreich wie auf Sie gl\u00fccklich gewesen sein, wenn ich den heutigen Tag mit einem glorreichen Erfolge h\u00e4tte beenden k\u00f6nnen. Ich habe dieses Resultat nicht erlangen k\u00f6nnen und ich glaube, einem Anderen die Sorge, unsere Armee zu f\u00fchren, \u00fcberlassen zu m\u00fcssen. Ich glaube zugleich in dieser Lage gen\u00f6thigt zu sein, meine Entlassung als Obergeneral zu nehmen und meine Pensionirung zu verlangen. Ich bin \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0General v. Wimpffen.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Diesmal schon <strong>um 8 Uhr<\/strong> trifft des Kaisers Antwort ein: <em>\u201eGeneral! Sie k\u00f6nnen nicht Ihren Abschied nehmen, wenn es sich noch darum handelt, die Armee durch eine ehrenvolle Capitulation zu retten. Ich nehme Ihre Demission nicht an. Sie haben den ganzen Tag hindurch Ihre Schuldigkeit getan. Thun Sie es ferner. Es ist dies ein Dienst, den Sie dem Lande leisten werden. Der K\u00f6nig von Preu\u00dfen hat einen Waffenstillstand angenommen. Ich erwarte seine Vorschl\u00e4ge. Zweifeln Sie nicht an meiner Freundschaft. \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Napoleon.\u201d<\/em>\u00a0General von Wimpffen schwankt zun\u00e4chst, doch dann siegt unter dem Zuspruch seiner Begleiter, wie Fontane es sieht, <em>\u201eseine Liebe zu Armee und Vaterland \u00fcber seine Selbstliebe\u201d<\/em>. Er begibt sich <strong>um 8 \u00bc Uhr <\/strong><u>zum Schloss<\/u>, wo der Kaiser Wohnung genommen hat und wo man ihm in den Vorgem\u00e4chern den Eintritt mit der falschen Ausflucht, der Kaiser habe eine Konferenz mit dem Prinzen, zu verweigern sucht. Laute Unmuts\u00e4u\u00dferungen lassen ihn nun denn doch ins kaiserliche Kabinett gelangen, wo sich GENERAL CASTELNAU und verschiedene andere Generaladjudanten mit dem Kaiser beraten. Nach den sp\u00e4teren Schilderungen Wimpffens in seiner Verteidigungsschrift \u201eSedan par le G\u00e9n\u00e9ral der Wimpffen\u201d (Paris 1871) verlassen bei seinem Erscheinen allesamt bis auf GENERAL DUCROT das Zimmer und es entspinnt sich zwischen beiden der folgende Wortwechsel:<br \/>\n&#8211; DUCROT in gro\u00dfer Errregung: <em>\u201eGeneral, da Ihr Ehrgeiz Sie dazu stachelte, mich der Ehren des Kommandos zu entheben, so m\u00f6ge Ihnen auch die Schmach der Kapitulation zufallen.\u201d<br \/>\n<\/em>&#8211; WIMPFFEN verteidigt sich: <em>\u201eIch nahm das Kommando, um eine Niederlage zu vermeiden, die Ihre angeordneten Bewegungen unfehlbar herbeigef\u00fchrt h\u00e4tten. Was ich zu erreichen gedachte, habe ich nicht erreicht; aber alle meine Anstrengungen geh\u00f6ren auch in diesem Augenblicke noch der Armee. Im \u00dcbrigen, General, bin ich nicht an dieser Stelle erschienen, um mit Ihnen zu verhandeln. Lassen Sie uns.\u201d<br \/>\n<\/em>Nach den Feststellungen von Ducrot in seiner Verteidigungsschrift \u201eLa journ\u00e9e de Sedan par le G\u00e9n\u00e9ral Ducrot\u201d (Paris 1871), in der er sich auf das Zeugnis der angeblich anwesend gebliebenen Gener\u00e4le (unter Namhaftmachung von GENERALSTABSCHEF GENERAL FAURE) beruft, spielte sich der Wortwechsel folgenderma\u00dfen ab:<br \/>\n&#8211; WIMPFFEN, hastig ins Zimmer getreten und die Arme gen Himmel hebend:<em> \u201eSire, wenn ich die Schlacht verloren habe, wenn ich besiegt worden bin, dann liegt es einzig und allein daran, dass meine Befehle nicht ausgef\u00fchrt wurden, dass Ihre Generale mir nicht gehorchen wollten.\u201d<br \/>\n<\/em>&#8211; DUCROT, aufspringend und sich mit einem Sprung vor Wimpffen stellend: <em>\u201eWas sagen Sie, wer hat Ihnen nicht gehorchen wollen? Auf wen spielen Sie an? Etwa auf mich? Ihre Befehle sind leider nur zu gut ausgef\u00fchrt worden. Ihrer tollen Anma\u00dflichkeit haben wir unsere furchtbare Niederlage zuzuschreiben. Sie allein haben sie zu verantworten, denn wenn Sie die R\u00fcckzugsbewegung nicht aufgehalten h\u00e4tten, trotz meiner Gegenvorstellungen, so w\u00e4ren wir jetzt mit Sicherheit in Mezi\u00e8res.\u201d<br \/>\n<\/em>&#8211; WIMPFFEN, etwas \u00fcberrascht und au\u00dfer Fassung gebracht durch diese Abfertigung: <em>\u201eWohlan, wenn ich unf\u00e4hig bin, so ist dies ein neuer Grund, auf das Kommando zu verzichten.\u201d<br \/>\n<\/em><em>&#8211;\u00a0<\/em>DUCROT: <em>\u201eSie haben sich heute Morgen des Kommandos bem\u00e4chtigt, als Sie dachten, dass es Ehre und Nutzen bringen w\u00fcrde; ich habe es Ihnen nicht streitig gemacht, obgleich es vielleicht bestreitbar war. Zur Stunde k\u00f6nnen Sie sich nicht zur\u00fcckziehen. Sie allein haben die Schande der Kapitulation auf sich geladen. &#8230; .\u201d<br \/>\n<\/em>Fontane meint, dass Wimpffen wenigstens die letztgenannte \u00c4u\u00dferung nicht gemacht haben k\u00f6nne, da er schon vorher entschlossen gewesen sei, im Kommando zu bleiben, um die Kapitulation und dadurch die Rettung der Armee zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Nach diesem Zwischenfall, wie dessen genauer Ablauf auch gewesen sein mag, verl\u00e4sst General Ducrot das Zimmer und Wimpffen erkl\u00e4rt nunmehr dem Kaiser, die ihm zugefallene ungl\u00fcckliche Rolle auch zu Ende f\u00fchren zu wollen. Der Kaiser zeigt sich bewegt. Es werden Pferde beordert und vorgef\u00fchrt und Wimpffen erh\u00e4lt zu seiner Legitimation folgendes kaiserliche Handschreiben: <em>\u201eDer Kaiser Napoleon III., nachdem in Folge der Verwundung des Marschalls Mac-Mahon der General v. Wimpffen zum Ober-Commandanten durch ihn ernannt worden war, hat dem General v. Wimpffen Vollmacht ertheilt, \u00fcber die Bedingungen f\u00fcr seine Armee zu verhandeln, von der der K\u00f6nig anerkannt hat, da\u00df sie sich tapfer geschlagen habe.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Die fehlerhafte Feststellung, dass Wimpffen den Oberbefehl vom Kaiser empfangen habe, in Wirklichkeit hatte sich dieser (gest\u00fctzt auf das dienstliche Schreiben von Kriegsminister Paliako) desselben bem\u00e4chtigt, bleibt von diesem unbeanstandet. Begleitet von GENERAL CASTELNAU, der bei den vorbereitenden Unterhandlungen die Interessen des Kaisers wahrnehmen soll, und GENERAL FAURE mit den jeweiligen Adjudanten, begibt sich der gl\u00fccklose Wimpffen nach dem wenige Kilometer westlich von Sedan <u>an der Maas gelegenen Ort Donchery<\/u>. In dessen <u>Jagdschloss<\/u>, wo sich das deutsche Hauptquartier befindet,\u00a0wird er auf seinen deutschen Widerpartner und gleichzeitig (bei der Begegnung wohl unausgesprochen geblieben) sogar Verwandten (Vetter seiner vor knapp 40 Jahren verstorbenen Tante ELISE VON WIMPFFEN, geb. VON MOLTKE), GENERAL HELMUTH VON MOLTKE mit Gefolge treffen, den der K\u00f6nig von Preu\u00dfen zum Bevollm\u00e4chtigten der Kapitulationsverhandlungen bestimmt hat.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>\u00a0d.\u00a0<\/strong><strong>Emmanuel F\u00e9lix de Wimpffen versucht bei den n\u00e4chtlichen Verhandlungen \u00fcber die Kapitulation mit Generalstabschef Helmuth von Moltke und Graf Otto von Bismarck in Donchery vergebens, den freien Abzug der geschlagenen Armee von Sedan durchzusetzen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Etwa um 10 Uhr nachts des 1. September<\/strong> treffen diese am <u>Jagdschloss von Donchery<\/u> ein. Nach dem von CAPITAINE D\u2019ORCET vom IV. franz\u00f6sischen C\u00fcrassier-Regiment in den Wintermonaten 1870\/71 w\u00e4hrend seiner Gefangenschaft in Stettin abgefassten ganz besonders ausf\u00fchrlichen Darstellung, die sp\u00e4ter von General Ducrot zur Verf\u00fcgung gestellt und von diesem ver\u00f6ffentlicht wurde und sich mit den anderen vorhandenen Aufzeichnungen, insbesondere auch jener &#8211; allerdings wesentlich k\u00fcrzeren &#8211; Fassung Wimpffens, im Ganzen vorz\u00fcglich deckt, geht die denkw\u00fcrdige \u201eConferenz von Donchery\u201d folgenderma\u00dfen vonstatten (die Gro\u00dfschreibung sowie Unterstreichung von Namen und Wendungen stellen teilweise im Urtext in Sperrdruck pr\u00e4sentierte Hervorhebungen dar, denen jedoch vom Verfasser noch andere solche beigegeben sind):<\/p>\n<p><em>\u201e &#8230; Wir wurden in ein Zimmer im Erdgeschoss gef\u00fchrt, wo wir 10 Minuten zu warten hatten, bevor GENERAL V. MOLTKE, GRAF BISMARCK, GENERAL V. BLUMENTHAL und einige andere preu\u00dfische Offiziere eintraten. Nach einer kurzen Begr\u00fc\u00dfung stellte GENERAL V. WIMPFFEN die ihn begleitenden beiden Generale (FAURE und CASTELNAU) dem General v. Moltke vor. Auf die Frage des Letzteren, in welcher Eigenschaft die beiden Herren zugegen w\u00e4ren, antwortete zun\u00e4chst <u>General Faure<\/u>, da\u00df er als Chef des Generalstabes der ehemalig Mac-Mahon\u2019schen Armee den General v. Wimpfen, jedoch ohne jeden offiziellen Charakter, begleitet habe. <u>General Castelnau<\/u> bemerkte, da\u00df er eine m\u00fcndliche, halboffizielle Mittheilung seitens des Kaisers zu machen w\u00fcnsche, da\u00df diese Mittheilung erst am Schlu\u00df der Verhandlungen, an denen er sonst in keiner Weise betheiligt sei, von Nutzen sein werde. <u>General v. Moltke<\/u> nannte darauf, sie mit der Hand bezeichnend, dem General v. Wimpfen den Grafen Bismarck und den General Blumenthal, worauf man sich setzte.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Arrangement war das folgende: Inmitten des Zimmers stand ein viereckiger Tisch mir rother Decke; an der einen Seite sa\u00df General von Moltke, links den Grafen Bismarck, rechts den General v. Blumenthal neben sich; ihm gegen\u00fcber und neben diesem \u2013 etwas <u>r\u00fcckw\u00e4rts<\/u> und fast im Schatten schon \u2013 die Generale Castelnau und Faure, sammt den sie begleitenden Adjudanten. Von preu\u00dfischen Offizieren waren noch sieben oder acht zugegen, deren einer, auf einen Wink des Generals v. Blumenthal, sich neben den Kamin stellte, um, auf die Kr\u00f6nung desselben gest\u00fctzt, eine Art Protokoll zu f\u00fchren.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein momentanes Schweigen trat ein. Man f\u00fchlte, da\u00df General v. Wimpffen in Verlegenheit war, wie er das Gespr\u00e4ch einleiten solle; aber General Moltke blieb unbeweglich und war entschlossen, seinem Gegner das erste Wort zu \u00fcberlassen.<\/em><\/p>\n<p><em>Es w\u00fcrde ihm lieb sein, begann <u>v. Wimpffen<\/u> endlich, die Bedingungen kennenzulernen, die Se. Majest\u00e4t der K\u00f6nig von Preu\u00dfen gewillt ist, uns zu bewilligen.<\/em><\/p>\n<p><em>Sie sind einfach genug, erwiderte <u>General v. Moltke<\/u>. Die Armee ist kriegsgefangen mit Waffen und Gep\u00e4ck; man wird den Offizieren, in Anerkennung ihrer tapferen Haltung, den Degen lassen; aber sie sind kriegsgefangen wie die Truppen.<\/em><\/p>\n<p><em>Diese Bedingungen sind hart, entgegnete <u>General v. Wimpffen<\/u>; die Haltung der franz\u00f6sischen Armee h\u00e4tte vielleicht bessere verdient. W\u00e4re nicht eine Capitulation auf folgende Abmachungen einzuleiten: Der Platz und seine Artillerie wird \u00fcbergeben; die Armee beh\u00e4lt ihre Waffen, Fahnen, Gep\u00e4ck, unter der Zusage in diesem Kriege nicht ferner gegen Preu\u00dfen zu dienen; der Kaiser und die Generale verpflichten sich f\u00fcr die Arme, die Offiziere f\u00fcr sich selbst; Preu\u00dfen bestimmt einen Theil Frankreichs (wenn nicht Algier vorgezogen wird), wohin sich die Armee bis zum Friedensschlusse zur\u00fcckzuziehen hat.<\/em><\/p>\n<p><em><u>Wimpffen<\/u><\/em><em> f\u00fcgte noch einiges Weitere hinzu; als er inzwischen wahrnahm, da\u00df sein Gegner unerbittlich blieb, versuchte er die Sympathien desselben durch einen Hinweis auf seine (Wimpffens) pers\u00f6nliche Lage zu erwecken. \u201aVor zwei Tagen treff\u2019 ich von Afrika hier ein; ein untadeliger milit\u00e4rischer Ruf bekleidet mich; mitten in der Schlacht \u00fcbernehm\u2019 ich den Oberbefehl und nun soll ich meinen Namen an eine Capitulation setzen, die das Resultat eines Kampfes ist, der von mir weder geplant noch eingeleitet wurde. Sie, der Sie selbst General sind, werden das Bittere meiner Lage besser empfinden, als irgend wer.\u2019<\/em><\/p>\n<p><em><span style=\"text-decoration: underline;\">General v. Wimpffen<\/span> versuchte n\u00e4her auf diese Dinge einzugehen und ein Bild der besonderen Vorkommnisse und Verlegenheiten zu entrollen, die ihn in das Oberkommando einf\u00fchrten und w\u00e4hrend desselben begleiteten, alsbald indessen wahrnehmend, da\u00df dieser Appell an die menschliche Theilnahme des Gegners wirkungslos blieb, nahm er einen lebhafteren Ton an und erkl\u00e4rte: \u201aIm Uebrigen, General, wenn keine anderen Zugest\u00e4ndnisse gemacht werden k\u00f6nnen, so sehe ich mich au\u00dfer Stande, Ihre Bedingungen anzunehmen. Ich werde an meine Armee das Gl\u00fcck der Schlachten noch einmal appelliren, und entweder mich durchzuschlagen oder in Sedan mich zu vertheidigen wissen.\u2019<\/em><\/p>\n<p><em>Hier unterbrach ihn <u>General v. Moltke<\/u>: \u201aIch bin voll gro\u00dfer und besonderer Hochachtung vor Ihrer Person, ich w\u00fcrdige die Schwierigkeiten Ihrer Lage und ich bedaure, Ihren Forderungen nicht nachkommen zu k\u00f6nnen; was aber einen erneuten Durchbruchsversuch oder Ihren Entschlu\u00df angeht, sich in Sedan zu vertheidigen, so mu\u00df ich Ihnen bemerken, da\u00df das eine so unm\u00f6glich ist, wie das andere. Gewi\u00df, Sie haben noch immer \u00fcber Bruchtheile einer ausgezeichneten Armee Verf\u00fcgung, Ihre Elite-Truppen sind ersten Ranges, aber ein gro\u00dfer Theil Ihrer Infanterie ist demoralisirt, denn wir haben heut, im Laufe des Tages, \u00fcber 20,000 unverwundete Gefangene gemacht. Sie haben noch 80,000 Mann; wir stehen Ihnen mit 240,000 Mann und 500 Gesch\u00fctzen gegen\u00fcber; bestimmen Sie einen Ihrer Offiziere, der sich von der Genauigkeit meiner Angaben \u00fcberzeugen mag. Sie k\u00f6nnen nicht durch und k\u00f6nnen sich eben so wenig in Sedan halten, denn Sie haben keine Munition mehr und nur Lebensmittel auf 48 Stunden.\u2019<\/em><\/p>\n<p><em><u>General v. Wimpffen<\/u><\/em><em>, als er seinen Gegner so wohl unterrichtet sah, suchte ihm von anderer Seite beizukommen. \u201aIch m\u00f6chte doch glauben, fuhr er fort, da\u00df es auch vom <u>politischen<\/u> Standpunkte aus angesehen, sich empfehlen w\u00fcrde, der mir unterstellten Armee ehrenvolle Bedingungen zu gew\u00e4hren. Sie w\u00fcnschen den Frieden, und \u00fcber kurz oder lang werden Sie ihn haben. Was die franz\u00f6sische Nation vor Allem kennzeichnet, ist ihre hochherzige und ritterliche Gesinnung; eine solche Gesinnung aber ist allemal erkenntlich f\u00fcr die Akte des Edelmuths, denen sie begegnet. Verfahren Sie umgekehrt, schreiten Sie zu den h\u00e4rtesten Ma\u00dfregeln, so wecken Sie Zorn und Ha\u00df in den Herzen aller unserer Soldaten und verletzen die Eigenliebe der Nation aufs Empfindlichste. All die alten Leidenschaften und Gegens\u00e4tze werden wieder wachgerufen und Sie gerathen in Gefahr, einen nicht enden wollenden Krieg zwischen Preu\u00dfen und Frankreich entbrennen zu sehen.\u2019<\/em><\/p>\n<p><em>Hier fiel <u>Graf Bismarck<\/u> ein: \u201aIhre Argumentation, Herr General, scheint beim ersten Anblick ernstlich zu sein; aber sie scheint es nur und ist im Grunde unhaltbar. Man mu\u00df im Allgemeinen sehr wenig an die Dankbarkeit glauben, und am Allerwenigsten an die Dankbarkeit eines Volkes. Man kann zur Noth an die wohlwollenden Gesinnungen eines Souverains und seiner Familie glauben, ja man kann ihnen unter Umst\u00e4nden ein vollkommenes Vertrauen schenken; aber, ich wiederhole es, von der Dankbarkeit einer Nation ist nichts zu erwarten. Wenn das franz\u00f6sische Volk wie ein anderes w\u00e4re, wenn es dauerhafte Einrichtungen h\u00e4tte, wenn es, wie das unsrige, Verehrung und Achtung vor seiner Regierungsform und einem Souverain h\u00e4tte, welcher fest auf seinem Throne sitzt, so k\u00f6nnten wir an die Dankbarkeit des Kaisers und seines Sohnes glauben und auf diese Dankbarkeit Werth legen; aber in Frankreich sind seit 80 Jahren die Regierungsformen so wenig dauerhaft gewesen, sie haben mit einer so seltsamen Raschheit gewechselt, da\u00df es von Seiten einer benachbarten Nation Unverstand sein w\u00fcrde, Hoffnungen auf die Freundschaft eines franz\u00f6sischen Souverains zu bauen. Ueberhaupt aber w\u00fcrde es Thorheit sein, sich einzubilden, da\u00df Frankreich uns unsere Erfolge verzeihen k\u00f6nnte. Sie sind ein \u00fcber die Ma\u00dfen eifers\u00fcchtiges, reizbares und hochm\u00fcthiges Volk. Seit zwei Jahrhunderten hat Frankreich drei\u00dfig Mal Deutschland den Krieg erkl\u00e4rt, und diesmal, wie immer, aus Eifersucht, weil man uns unseren Sieg von Sadowa nicht verzeihen konnte, obgleich dieser Sieg Frankreich und seinem Ruhm keinen Eintrag gethan hatte. Aber es scheint, da\u00df der Sieg eine dem franz\u00f6sischen Volk allein vorbehaltene Apanage, da\u00df er ein Monopol f\u00fcr dasselbe ist. Man konnte uns Sadowa nicht verzeihen, und man w\u00fcrde uns Sedan verzeihen? Nimmermehr! Wenn wir jetzt den Frieden schl\u00f6ssen, in f\u00fcnf Jahren, in zehn Jahren, sobald Frankreich es verm\u00f6chte, w\u00fcrde es den Krieg wieder anfangen. Das ist die Dankbarkeit, die wir von der franz\u00f6sischen Nation zu erwarten haben. Wir sind im Gegensatz dazu eine friedliebende Nation, welche in Ruhe zu leben w\u00fcnscht und leben <u>w\u00fcrde<\/u>, wenn man uns nicht fortw\u00e4hrend reizte. Heute ist es genug. Frankreich mu\u00df f\u00fcr seinen eroberungslustigen Charakter gez\u00fcchtigt werden; wir wollen ausruhen, wir wollen die Sicherheit unserer Kinder wahren, und dazu ist es n\u00f6thig, da\u00df wir zwischen Frankreich und uns ein Glacis, ein Territorium, Festungen und Grenzen haben, die uns f\u00fcr immer gegen einen Angriff sch\u00fctzen.\u2019\u201d<\/em><\/p>\n<p>Hier sei die Wiedergabe des Berichts von d\u2019Orcet unterbrochen, um darauf hinzuweisen, das laut Wimpffens Darstellung <u>Graf Bismarck<\/u> das, was im Protokoll des Vorgenannten als \u201eGlacis\u201c erscheint, konkretisiert sowie vorher auch auf die Forderung einer Kriegsentsch\u00e4digung in Geld hingewiesen hat. Diese Textpartie soll ihrer besonderen Bedeutung wegen hier zun\u00e4chst im franz\u00f6sischen Originaltext vorgestellt werden:<\/p>\n<p><em>\u201eLe comte de Bismarck, venant ensuite \u00e0 parler de la paix, me dit que la Prusse avait l\u2019intention, bien arr\u00eat\u00e9e, d\u2019exiger non-seulement une indemnit\u00e9 de guerre de quatre milliards, mais encore la cession de l\u2019Alsace et de la Lorraine allemande, \u201aseule garantie, pour nous menace sans cesse, et il faut que nous ayons, comme protection solide, une bonne ligne strat\u00e9gique avanc\u00e9e.\u2019 Je r\u00e9pondis q\u2019on obtiendrait sans doute les milliards, mais q\u2019on ne c\u00e9d\u00e9rait point une portion de territoire sans une lutte acharn\u00e9e et que si la France devait y succomber se voir forc\u00e9e, pour obtenir la paix, d\u2019abendonner l\u2019Alsace et la Lorraine, cette paix ne serait qu\u2019une tr\u00eave durant laquelle de l\u2019enfant au vieillard on apprendrait le maniement des armes pour recommencer avant peu une guerre terrible dans laquelle l\u2019un des deux peuples dispara\u00eetrait comme nation de la carte de L\u2019Europe.\u201c &#8211;\u00a0<\/em>\u00dcbersetzt: <em>\u201eGraf Bismarck, alsdann auf den Frieden zu sprechen kommend, erkl\u00e4rte mir sehr zur\u00fcckhaltend, dass Preu\u00dfen die Absicht habe, nicht allein eine Kriegsentsch\u00e4digung in H\u00f6he von 4 Milliarden zu fordern, sondern noch die Abtretung des Elsass und Deutsch-Lothringens, \u201aeinzige Garantie f\u00fcr uns\u2019, f\u00fcgte er bei\u201a \u201adenn Frankreich bedroht uns unaufh\u00f6rlich, und es w\u00e4re notwendig, dass wir zum festen Schutz eine t\u00fcchtige vorgeschobene strategische Linie h\u00e4tten.\u2019 Ich erwiderte, dass man ohne Zweifel die Milliarden durchsetzen k\u00f6nne, aber nie wird man ein St\u00fcck eines Gebietes ohne verbissenes Ringen abtreten; und wenn Frankreich unterliegen und sich, um den Frieden zu erlangen, Elsass und Lothringen abzutreten gezwungen sehen m\u00fcsste, w\u00fcrde dieser Friede nichts anderes als eine andauernder z\u00e4her Waffenstillstand sein, welcher vom Kind bis zum Greis den Umgang mit Waffen lehren w\u00fcrde, um binnen kurz oder lang wieder einen f\u00fcrchterlichen Krieg zu beginnen, der eines der beiden V\u00f6lker als Nation von der Karte verschwinden lie\u00dfe.\u201d &#8211;<\/em><\/p>\n<p>Fontane hat diese Partie vereinfachend und verk\u00fcrzend folgenderma\u00dfen dargebracht: <em>\u201eGraf Bismarck schlo\u00df dann, auf das politische Gebiet \u00fcbergehend, damit, da\u00df, au\u00dfer einer Geldentsch\u00e4digung von vier Milliarden, nur in Abtretung von <u>Elsa\u00df und Lothringen<\/u> eine wirkliche Friedensgarantie gegen das uns best\u00e4ndig bedrohende Frankreich zu finden sei.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Man muss sich wundern, dass dieser f\u00fcr Frankreich besonders folgenschwere (nat\u00fcrlich erst im Vorfrieden zu Versailles vom 26. Februar 1871 formell best\u00e4tigte) Passus bei d\u2019Orcet fehlt, zumal Wimpffens Bericht sonst eindeutig k\u00fcrzer gehalten ist. Dass Wimpffens Ahnung der Folgen harter Kapitulationsbedingungen und gerade einer Abtretung des Elsass\u2019 und Lothringens richtig waren, das zeigt uns die dadurch entstandene schwere in permanente Revanchegedanken gem\u00fcndete Verletzung der franz\u00f6sischen Seele. Freilich kamen f\u00fcr Wimpffen diese Geld- und Gebietsforderungen Bismarcks nicht unverhofft; denn diese waren von diesem bereits bald nach dem Beginn des Krieges \u00f6ffentlich angesprochen und seitdem immer wieder in den Zeitungen Deutschlands wie Frankreichs mit Leidenschaft kontr\u00e4r\u00a0behandelt worden.<\/p>\n<p>Nunmehr sei der Bericht von d\u2019Orcet forgesetzt:<br \/>\n\u201e<em><u>General v. Wimpffen<\/u> suchte hierauf geltend zu machen, da\u00df Graf Bismarck ein fr\u00fcheres Frankreich, etwa das Frankreich von 1815, geschildert habe. Alle diese Dinge h\u00e4tten seitdem eine gro\u00dfe Wandlung erfahren; Jeder strebe nach Wohlleben, nicht nach Ruhm und Krieg, und der Wunsch der Nation ginge in der That dahin, eine Verbr\u00fcderung der V\u00f6lker zu proclamiren. Ein Blick auf England beweise am besten, wie sehr das gegenw\u00e4rtige Frankreich von dem vergangenen verschieden sei. Die Engl\u00e4nder seien jetzt die besten Freunde der Franzosen. So w\u00fcrde sich auch das Verh\u00e4ltni\u00df zwischen Frankreich und Deutschland gestalten, wenn Deutschland verst\u00e4nde, edelm\u00fcthig zu sein.<\/em><\/p>\n<p><em>An dieser Stelle griff <u>Graf Bismarck<\/u>, nachdem er schon vorher durch Mienen und Bewegungen seine Zweifel an den Auslassungen General v. Wimpffens ausgedr\u00fcckt hatte, abermals das Wort. \u201aIch kann das nicht zugeben, General, da\u00df sich diese Dinge bei Ihnen zum Besseren ge\u00e4ndert h\u00e4tten. Es war auch diesmal wieder Frankreich, welches den Krieg wollte; lediglich um der Ruhmesmanie der Nation zu schmeicheln und dadurch mittelbar die ersch\u00fctterte Dynastie zu befestigen, lediglich aus diesem Grunde wurden wir durch den Kaiser provocirt. Wir wissen sehr wohl, da\u00df ein vern\u00fcnftiger, in seinem Kerne gesunder Bruchtheil Ihres Volkes diesen Krieg <u>nicht<\/u> wollte; aber auch diese ruhigeren Elemente gaben schlie\u00dflich ohne sonderliches Widerstreben nach. Wir wissen auch, da\u00df es nicht die <u>Armee<\/u> war, die vor allem zum Krieg dr\u00e4ngte, es war vielmehr <u>die<\/u> Partei, die in Ihrem Land die Regierungen macht und st\u00fcrzt. Das Stra\u00dfenvolk und die Journalisten (und dies letztere Wort betonte er), <u>die<\/u> sind es, denen wir eine Lektion ertheilen m\u00fcssen. Und dessentwegen m\u00fcssen wir nach Paris. Wer will denn vorausbestimmen, wie sich die Dinge bei Ihnen entwickeln werden? Vielleicht bildet sich eine jener Regierungen, die ihre Aufgabe darin setzen, <u>nichts<\/u> zu respektiren; vielleicht w\u00e4chst \u00fcber Nacht ein Gouvernement auf, das willk\u00fcrlich Gesetze macht und streicht, das die zwischen uns festgestellte Capitulation nicht anerkennt und die Offiziere zwingt, oder doch zu zwingen trachtet, ihr uns gegebenes Wort zu brechen. Dies ist von Wichtigkeit. Ein solches Gouvernement wird zum Aeu\u00dfersten schreiten, auch in seinem Widerstande gegen uns. Man wird neue Armeen herzustellen beflissen sein und <u>junge<\/u> Soldaten aufzubringen, das wird gelingen; aber was <u>nicht<\/u> gelingen wird, das ist, so lange die alte Armee kriegsgefangen bleibt, die Herstellung eines Offiziercorps. Wir wollen einen Frieden, einen dauerhaften Frieden; um ihn zu erlangen, ist es n\u00f6thig Frankreich in die Unm\u00f6glichkeit ferneren Widerstandes zu versetzen. Das Gl\u00fcck der Schlachten hat uns die besten Soldaten, die besten Offiziere der franz\u00f6sischen Armee \u00fcberliefert; sie in Freiheit zu setzen, um sie aufs Neue gegen uns marschiren zu sehen, w\u00e4re Wahnsinn. Es w\u00fcrde den Krieg verl\u00e4ngern und dem Interesse beider V\u00f6lker widersprechen. Nein, General, alle Theilnahme, die uns Ihre pers\u00f6nliche Lage einfl\u00f6\u00dft, alle gute Meinung, die wir Ihrer Armee hegen, &#8211; beides darf uns nicht bestimmen von den Bedingungen zur\u00fcckzutreten, die wir gestellt haben.\u2019 <\/em><\/p>\n<p><em>\u201aWohlan denn\u2019, erwiderte <u>General v. Wimpffen<\/u>, \u201ada es mir in gleicher Weise unm\u00f6glich ist, diese Bedingungen zu acceptiren, so m\u00f6ge der Kampf aufs Neue beginnen.\u2019<\/em><\/p>\n<p><em>An dieser Stelle nahm <u>General v. Castelnau<\/u> das Wort. Er bemerkte mit z\u00f6gernder Stimme: \u201aIch halte den Augenblick f\u00fcr gekommen, mich meines Auftrags zu entledigen. Der Kaiser hat mich beauftragt, Sr. Majest\u00e4ft dem K\u00f6nig Wilhelm zu bemerken, da\u00df er ihm seinen Degen ohne Bedingung geschickt und sich durchaus pers\u00f6nlich Ihm ergeben habe, aber nur in der Hoffnung, da\u00df dies den K\u00f6nig bewegen werde, der franz\u00f6sischen Armee eine ehrenhafte Capitulation zu bewilligen.\u2019<\/em><\/p>\n<p><em>\u201aIst das alles?\u2019 fragte <u>Herr v. Bismarck<\/u>. \u201aJa.\u2019 \u201aAber <u>welcher<\/u> Degen ist es, den der Kaiser \u00fcberreicht hat? Ist es der Degen <u>Frankreichs<\/u> oder <u>sein<\/u> Degen? Im ersteren Falle k\u00f6nnten die Bedingungen bedeutend verringert werden und Ihre Sendung w\u00fcrde von der gr\u00f6\u00dften Wichtigkeit sein.\u2019 \u201aEs ist einfach der Degen des Kaisers.\u2019 \u201aIn diesem Falle\u2019, bemerkte rasch und fast mit Freudigkeit <u>General v. Moltke<\/u>, \u201a\u00e4ndert es nichts an den Bedingungen.\u2019 Und er f\u00fcgte hinzu: \u201aDer Kaiser wird f\u00fcr seine Person alles erhalten, was ihm belieben wird zu verlangen.\u2019<strong>*<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>*<\/strong> Die am Seitenende in Kleinstschrift angef\u00fcgte Fu\u00dfnote lautet folgenderma\u00dfen: <em>\u201eCapit\u00e4n d\u2019Orcet macht hier eine Anmerkung, in der es hei\u00dft: \u201aEs schien mir eine gewisse Meinungsverschiedenheit (une secr\u00e8te divergence d\u2019opinion) zwischen Graf Bismarck und General v. Moltke obzuwalten, die dahin ging, da\u00df jenem eine Beendigung des Krieges nicht ungelegen gewesen w\u00e4re, w\u00e4hrend dieser (Moltke) die Fortsetzung des Kampfes w\u00fcnschte.\u2019\u201d<\/em><\/p>\n<p><em>Auf diese Worte General v. Moltke\u2019s wiederholte <u>v. Wimpffen<\/u> nur: \u201aSo werden wir denn die Schlacht wieder aufnehmen. Um 4 Uhr fr\u00fch l\u00e4uft der Waffenstillstand ab.\u2019<\/em><\/p>\n<p>(<u>Moltke<\/u>): <em>\u201aIch werde um diese Stunde das Feuer auf die Stadt wieder er\u00f6ffnen lassen.\u2019<\/em><\/p>\n<p><em>Die Unterhandlungen waren am Ende; Alles schien gescheitert; die Pferde wurden befohlen. Niemand sprach; es war ein eisiges Schweigen.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Hier sei der Bericht des Rittmeisters d\u2019Orcet abermals unterbrochen, um auf die nachstehend eingef\u00fcgten drei Abbildungen hinzuweisen, welche die damals von der ganzen damaligen Welt beachteten n\u00e4chtlichen Kapitulationsverhandlungen nachempfindend festhalten:<\/p>\n<p><strong>\u00a0<a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/083.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"zoooom alignnone wp-image-123 size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/083-1014x1024.jpg\" alt=\"083\" width=\"660\" height=\"667\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/083-1014x1024.jpg 1014w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/083-297x300.jpg 297w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/083-768x775.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/083.jpg 1249w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. V 5a: \u201eDie Capitulation von Sedan\u201d. Graf Moltke und General Wimpffen im Jagdschloss Donchery in der Nacht vom 1. zum 2. September 1870. Gedenkblatt zur f\u00fcnfundzwanzigsten Wiederkehr des Tages von Sedan. 1870 \u2013 September \u2013 1895 (nach dem gleichnamigen verschollenen Gem\u00e4lde von Anton von Werner, \u00d6l auf Leinwand, 3,20 x 4,20 m; 1885, Diorama im Sedan-Panorama); Eduard Thiele, Kunstverlag, Dresden; Blattgr\u00f6\u00dfe 28 x 30 cm, Bildgr\u00f6\u00dfe 17 x 22 cm<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>\u00a0<a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/084.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"zoooom alignnone wp-image-124 size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/084-1024x707.jpg\" alt=\"084\" width=\"660\" height=\"456\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/084-1024x707.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/084-300x207.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/084-768x531.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/084.jpg 1983w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abb. V 5b: Die Kapitulations-Verhandlungen von Sedan. Schwarz-Wei\u00df-Druck; in: Arthur Mennell und Bruno Garlepp, Bismarck-Denkmal f\u00fcr das Deutsche Volk, Neudruck ohne Jahreszahl (Erstdruck 1895 zu Otto von Bismarcks 80. Geburtstag) Chicago. Berlin. London. Paris. Melbourne, 20 cm x 28,5 cm (nach der von Anton von Werner ca. 1890 erstellten Neufassung des vorgenannten Gem\u00e4ldes des Jahres 1885)<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/085.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"zoooom alignnone wp-image-125 size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/085-1024x711.jpg\" alt=\"085\" width=\"660\" height=\"458\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/085-1024x711.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/085-300x208.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/085-768x533.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/085.jpg 1281w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abb. V 5c: Die Kapitulationsverhandlungen von Sedan, Gem\u00e4lde von Clara von Wimpffen, geb. Both von Botfalva und Bajna, geb. 1907 in Iklad-Domony\/Ungarn \u2013 gest. 2000 in Bakons\u00e1g\/Ungarn<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Anton von Werner (geb. 1843 in Frankfurt\/Oder \u2013 gest. 1915 in Berlin), dessen zwei vorstehend aufgef\u00fchrte Kolossal-Historiengem\u00e4lde den abgebildeten beiden Druckdarstellungen jeweils als Vorlage gedient haben, war der im Deutschen Kaiserreich bestgefragte Historienmaler, der es verstand, in meisterhafter Weise in einer h\u00f6chst realistischen Manier die gro\u00dfen historischen nationalen Ereignisse und Begleitgeschehnisse sowie zeitgen\u00f6ssische gro\u00dfe Pers\u00f6nlichkleiten der Politik und Gesellschaft darzustellen und diese den Menschen pr\u00e4gend in wilhelminisch-nationalem Geist zu vermitteln. Deshalb galt er auch als ein sogenannter Kunstpolitiker und fanden gerade die vorgenannten beiden Gem\u00e4lde \u00fcber die gesamte Zeit des Deutschen Kaiserreiches mittels Nachdrucks in Form von in den b\u00fcrgerlichen Wohnungen aufgeh\u00e4ngten gerahmten sowie in nationale Buchwerke aufgenommenen Schwarz-Wei\u00df-Kunstdrucken gewaltige Verbreitung. Man beachte auf den beiden Druckdarstellungen die unten platzierten Namen und R\u00e4nge der s\u00e4mtlichen den Beschauern vermittelten Handlungstr\u00e4ger. Die erstgenannte \u00e4ltere der beiden Darstellungen zeigt im Scheine einer Petroleumlampe und zweier Kerzen den franz\u00f6sischen obersten General und Verhandlungsf\u00fchrer EMANUEL F\u00c8LIX DE Wimpffen zusammengesunken in der Pose der Niedergeschlagen-, Unterlegen- und Verzweifeltheit auf seinem Stuhl am Verhandlungstisch sitzend, w\u00e4hrend die beiden preu\u00dfisch-deutschen Kontrahenten, OTTO VON BISMARCK und HELMUTH VON MOLTKE, hochaufgerichtet, stolzblickend stehend wie auch die Schar deren Begleiter auf den Ungl\u00fccklichen niederblicken. Und von den die \u00f6de Langwand des Raumes belebend f\u00fcllenden beiden kleinen Portraitbildern her m\u00fcssen quasi Kaiser Napoleon III. und Kaiserin Eug\u00e9nie der hier sich vollziehenden Erniedrigung der \u201eGrande Nation\u201c zusehen. Als dieses im Mai 1885 und damit bald nach dem 70. Geburtstag des Reichskanzlers Bismarck vollendete Gem\u00e4lde bald darauf im Rahmen des dreiteiligen m\u00e4chtigen Dioramas \u201ela nuit\u201d (gemeint: Die Nacht der Kapitulation) im Mittelgeschoss des Berliner Panoramageb\u00e4udes der Welt\u00f6ffentlichkeit triumphierend pr\u00e4sentiert wurde, gab es nicht allein hohes Lob, sondern zum Teil auch harsche Kritik, nat\u00fcrlich ganz besonders von Seiten Frankreichs. So schrieb das Pariser Blatt \u201eLe soleil\u201d ausgangs Oktober 1885 u. a. erbost: <em>\u201e &#8230; C\u2019est \u00e9c\u0153rant. Celui que le peintre a le plus mal trait\u00e9, c\u2019est le g\u00e9n\u00e9ral de Wimpfen. On dirait d\u2019un homme, qui a perdu tout courage et toute dignit\u00e9, d\u2019un bandit, que l\u2019on va prende.\u201d [\u201eEs ist herzlos. Derjenige, welchen der Maler am schlimmsten dargestellt hat, das ist General de Wimpffen. Man m\u00f6chte sagen wie ein Mensch, der jeden Mut und jede W\u00fcrde verloren hat, wie ein Bandit, den man fassen (h\u00e4ngen) will.]\u201d<\/em> Selbst der Kaiser hat den Maler schlie\u00dflich ermuntert, das Bild \u201eabzumildern\u201d. So kam es zu der dem zweitgezeigten Druck zugrundliegenden Neufassung: Diese h\u00e4lt jenen Augenblick fest, da die von De Wimpffen angestrebte Gew\u00e4hrung des Abzugs der Truppen in Waffen in einen noch zu bestimmenden Bereich mit der Versicherung, sich an keinen K\u00e4mpfen mehr zu beteiligen, abgelehnt worden ist und so die Verhandlungen zu scheitern drohen und dieser sich somit erhebt und zum Gehen anschickt. Zu beachten ist, dass hier jetzt die franz\u00f6sische Seite weniger gedem\u00fctigt dargestellt ist und Bismarck am Tische Platz genommen hat und so eher als weiser besonnener Staatsmann denn auf die Feinde gebieterisch und \u00fcberlegen Herabblickender erscheint. Auch finden sich die Bilder des Kaiserpaares entfernt und an ihre Stelle das von Napoleon I. gesetzt. Was die dritte gezeigte Darstellung betrifft, die aus der Hand der oben bereits erw\u00e4hnten Malerin Clara von Both-Wimpffen stammt, so hat diese nachempfindend und nachkorrigierend im Sinne der Angleichung an die damalige Realit\u00e4t das Bild Napoleons I. entfernt, General Moltke ebenfalls in Sitzstellung gebracht und dies so erkl\u00e4rt: Mit Sicherheit war ein solches Bild damals im Raum nicht vorhanden und es ist nicht anzunehmen, dass die Beteiligten stundenlang standen.<\/p>\n<p>Jetzt sei der Bericht des Rittmeisters D\u2019Orcet zu Ende gef\u00fchrt:<br \/>\n<em>\u201eIn diesem Augenblick nahm <u>Graf Bismarck<\/u> noch einmal das Wort: \u201aJa, General, Sie verf\u00fcgen \u00fcber tapfere Soldaten und Ihre erneuten Anstrengungen werden uns neue, herbe Verluste verursachen; aber wozu kann es dienen? Morgen Abend werden Sie nicht weiter sein wie heute und nur das Bewu\u00dftsein wird Sie begleiten, das Blut Ihrer und unserer Soldaten nutzlos vergossen zu haben. Soll eine momentane Verstimmung \u00fcber das Schicksal dieser Conferenz entscheiden! General v. Moltke wird Ihnen, wie ich hoffe, den Beweis f\u00fchren, da\u00df jeder Widerstand von Ihrer Seite vergeblich ist.\u2019<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>Man setzte sich wieder. <u>General v. Moltke<\/u> nahm das Wort: \u201aIch best\u00e4tige aufs Neue, da\u00df ein Durchbrechungsversuch nie und nimmer gelingen kann; denn abgesehen von unserer gro\u00dfen Ueberlegenheit an Truppen und Artillerie, verf\u00fcgen wir auch \u00fcber Positionen, von denen aus wir im Stande sind, Sedan in zwei Stunden in Brand zu schie\u00dfen.\u2019<\/em><\/p>\n<p><em>\u201aO, diese Positionen sind nicht so stark, wie Sie sie schildern,\u2019 unterbrach <u>v. Wimpfen<\/u>.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>\u201aSie kennen nicht die Topographie der Umgebung von Sedan,\u2019 fuhr <u>General v. Moltke<\/u> fort, \u201aund hier ist so recht ein Fall gegeben, um die Einbildungen Ihrer Nation an einem Musterbeispiel zu zeigen. Bei Beginn des Feldzuges sind Karten von <u>Deutschland<\/u> an alle Offiziere der franz\u00f6sischen Armee vertheilt worden und so haben Sie sich selber des Mittels beraubt, in entscheidenden Momenten sich im eigenen Lande zurechtfinden zu k\u00f6nnen. Es ist, wie ich gesagt habe: unsere Positionen sind nicht nur sehr stark, sie sind unangreifbar.\u2019<\/em><\/p>\n<p><em><u>General v. Wimpffen<\/u><\/em><em> fand keine Antwort; er f\u00fchlte zu sehr die Wahrheit dessen, was gesagt worden war. Nach einer Pause bemerkte er: \u201aIch w\u00fcrde gern von dem Anerbieten Nutzen ziehen, das Sie mir, General, bei Beginn unserer Unterredung gemacht habe; gestatten Sie mir, zur Kenntni\u00dfnahme Ihrer Positionen einen meiner Offiziere absenden zu d\u00fcrfen. Nach seiner R\u00fcckkehr will ich meine Entscheidungen treffen.\u2019<\/em><\/p>\n<p><em>\u201aSchicken Sie Niemanden, es ist nutzlos,\u2019 erwiderte <u>General v. Moltke<\/u> trocken, \u201aSie k\u00f6nnen mir glauben. Ueberdies bleibt nicht viel Zeit zu Ueberlegungen. <strong>Es ist<\/strong> <strong>Mitternacht<\/strong>, <strong>um 4 Uhr fr\u00fch<\/strong> l\u00e4uft der Waffenstillstand ab und ich kann Ihnen keine l\u00e4ngere Frist bewilligen.\u2019 <\/em><\/p>\n<p><em>\u201aUnter allen Umst\u00e4nden kann ich eine so wichtige Entscheidung nicht allein treffen,\u2019 replizirte <u>Wimpffen<\/u>, ich mu\u00df meine Generale zu Rathe ziehen. Wo soll ich Sie zu dieser Stunde in Sedan finden; eine bestimmte Antwort bis um 4 Uhr zu geben, ist unm\u00f6glich; eine kurze Verl\u00e4ngerung des Waffenstillstandes scheint mir unerl\u00e4\u00dflich zu sein.\u2019<\/em><\/p>\n<p><em>Als <u>General von Moltke<\/u> dies verweigerte, neigte sich <u>Graf Bismarck<\/u> etwas nach rechts und fl\u00fcsterte ihm einige Worte zu, die wahrscheinlich darauf hinwiesen, da\u00df der K\u00f6nig erst um 9 Uhr eintr\u00e4fe, und da\u00df es n\u00f6thig sein werde, dies Eintreffen abzuwarten. Gleichviel, <u>General v. Moltke<\/u> wandte sich nach diesem kurzen, in ged\u00e4mpfter Stimme gef\u00fchrten Zwiegespr\u00e4ch an v. Wimpffen, um ihm mitzuteilen, da\u00df der Waffenstillstand bis 9 Uhr verl\u00e4ngert werden solle.<\/em><\/p>\n<p><em>Hiernach war die Conferenz im Wesentlichen beendet; was noch gesprochen wurde, betraf einige Details, f\u00fcr den Fall eines Zustandekommens der Capitulation. Im Prinzip (diesen Eindruck gewann ich) war, als die Unterredung schlo\u00df, die Capitulation seitens des Generals v. Wimpffen <u>angenommen<\/u>. Da\u00df er den sofortigen Abschlu\u00df vermied, geschah einerseits um den Schein zu retten, andererseits um die Verantwortlichkeit dadurch nach M\u00f6glichkeit zu verringern, da\u00df er die \u00fcbrigen Generale zu Mittr\u00e4gern dieser erdr\u00fcckenden Last machte.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Damit bleibt die denkw\u00fcrdig gewordene \u201eConferenz von Donchery\u201d f\u00fcr General von Wimpffen unter den zweifellos stimmigen und damit zwingend-erdr\u00fcckenden Argumenten Moltkes und Bismarcks so gut wie ohne Erfolg. Wimpffen begibt sich zum Schloss Sedan und dort wird gegen <strong>nachts 1 Uhr des 2. September <\/strong>der Kaiser, der seit Tagen ruhelos und ob der Missachtungen durch seine Gener\u00e4le sowie die sich abzeichnende totale milit\u00e4rischer Niederlage ein gebrochener Mann ist, \u00fcber die hart erscheinenden Bedingungen unterrichtet. Dieser erkl\u00e4rt, auf das Gespr\u00e4ch von Monarch zu Monarch bauend, er wolle <strong>um 5 Uhr fr\u00fch<\/strong> das deutsche Hauptquartier aufsuchen und werde dann sehen, ob der K\u00f6nig von Preu\u00dfen g\u00fcnstiger gesonnen sei. Und so wird GENERAL REILLE zu BISMARCK geschickt, der um\u00a0<strong>6 Uhr morgens<\/strong> von Reille\u00a0aus dem nur kurzen Schlaf gerissen wird. Ungewaschen und unfrisiert reitet dieser Richtung Sedan und findet den KAISER NAPOLEON auf der von dort kommenden Landstra\u00dfe in einer offenen Kutsche zusammen mit je drei mitfahrenden bzw. mitreitenden Adjudanten. Absitzend und dann h\u00f6flichst den Kaiser nach seinen Befehlen und ob er vom K\u00f6nig etwas erhalten h\u00e4tte fragend, erkl\u00e4rt dieser, er habe diesen noch nicht gesehen und auch von diesem nichts erhalten und w\u00fcnsche den K\u00f6nig zu sehen. Da der K\u00f6nig sich aber immer noch im ca. 20 km s\u00fcdwestlich von Sedan gelegenen Vendresse aufh\u00e4lt und dem Kaiser nicht begegnen will, um f\u00fcr den Fall eines ergebnislosen Verstreichens des Ultimatums die Wiederaufnahme des Kampfes befehlen zu k\u00f6nnen, denkt Bismarck nicht daran, diesem die M\u00f6glichkeit eines Gespr\u00e4chs mit dem K\u00f6nig einzur\u00e4umen. So erkl\u00e4rt er diesem Folgendes: <em>\u201eDann bleibt es also bei den alten Bedingungen. Diese werden die Basis der Kapitulation bilden.\u201d <\/em>Und er bietet ihm Quartier im Hauptquartier Donchery an. Auf dem Weg dorthin ergibt es sich, dass der total ersch\u00f6pft bis krank erscheinende Kaiser pl\u00f6tzlich kurz vor Donchery Rast zu machen verlangt und es somit zu der in vielerlei Darstellungen wiedergegebenen legend\u00e4ren Gespr\u00e4chsrast NAPOLEON &#8211; BISMARCK vor dem einsam gelegenen armseligen sog. Maison du Tisserand (Weberh\u00e4uschen) und schlie\u00dflich noch in einer kleinen kargen Kammer desselben kommt. Als nach einer Stunde die Meldung eintrifft, dass dem Kaiser Unterkunft im zwischen Donchery und Sedan auf einem H\u00fcgel gelegenen Schloss Bellevue bei Fr\u00e9nois bereitet werden k\u00f6nne, geleitet Bismarck den Kaiser, begleitet von einer Ehrenformation K\u00fcrassiere dorthin.<\/p>\n<p>Da Wimpffen, um nunmehr zu diesem zur\u00fcckzukehren, im nach dem <strong>n\u00e4chtlichen<\/strong> Gespr\u00e4ch mit dem Kaiser\u00a0<u>aufgesuchten Hotel<\/u> keinen Schlaf findet, durchl\u00e4uft er ruhelos <u>die Stadt <\/u>und kommt <strong>der Morgen<\/strong> heran. <strong>Um 7 Uhr<\/strong> versammelt sich der aus den anderen Korps-Kommandeuren DUCROT, DOUAY\u00a0und LEBRUN\u00a0sowie den zwei Divisions-Generalen und Kommandeuren der Artillerie und des Genie-Korps zusammengesetzte Kriegsrat, um \u00fcber die gestellten Bedingungen abschlie\u00dfend zu beraten. Dieser erkennt nach dem zusammenfassenden Bericht Wimpffens vor allem im Blick auf die fehlende Munition, Nahrung und Kommunikation sowie die \u00dcberf\u00fcllung der Stadt und die Umstellung durch die feindliche Artillerie der Forderung der Kapitulation (Waffenniederlegung, Kriegsgefangenschaft der Soldaten wie der Offiziere, die ihre Degen und Epauletten behalten d\u00fcrfen) sich den Forderungen nicht zu verschlie\u00dfen. Die Unterschrift zum erstellten Protokoll, in dem die gestellten Bedingungen des Feindes unter Angabe der Gr\u00fcnde Anerkennung finden, wird allerdings von den beiden Divisions-Generalen mit der Begr\u00fcndung, diese seien unehrenhaft, verweigert. Noch <strong>vor 9 Uhr<\/strong> erh\u00e4lt das deutsche Hauptquartier Kenntnis von der Annahme der Kapitulation und deren Bedingungen, so dass der Wiederbeginn des Bombardements unterbleibt. <strong>Etwa um 9 Uhr<\/strong> kommt GENERAL VON MOLTKE dem K\u00d6NIG WILHELM auf der Chaussee von Vendresse, nach dem Ort des Hauptquartiers Donchery entgegen, legt diesem den Kapitulations-Entwurf vor und bekommt dessen Zustimmung.<\/p>\n<p>Jetzt ist aber noch der genaue endg\u00fcltige Wortlaut der Kapitulation festzulegen. Dazu begibt sich Wimpffen <strong>um 10 Uhr <\/strong>zum <u>bei Fr\u00e9nois gelegenen Schl\u00f6sschen Bellevue<\/u>, wohin sich die preu\u00dfischen Generale von Donchery aus begeben haben. Als er <strong>gegen 10 \u00bc Uhr <\/strong><u>die H\u00f6he von Fr\u00e9nois<\/u> erreicht, begegnet er dort KAISER NAPOLEON, der sich ja ebenfalls, begleitet von der Ehrenformation, nach dorthin aufgemacht hat.<\/p>\n<p>Daraufhin setzt er seinen <u>Weg Richtung Schloss Bellevue bei Fr\u00e9nois<\/u> fort. <u>Dort<\/u> trifft er auf seine preu\u00dfischen Widerpartner der Verhandlungen der Nacht. <strong>Um 12 Uhr<\/strong> ist alles geregelt, die Kapitulation abgeschlossen und das zweisprachige Protokoll mit \u201eGegeben zu Fr\u00e9nois, am 2. September 1870\u201d bzw. \u201eFait Fr\u00e9nois, le 2 septembre 1870\u201d sowie \u201ev. Moltke\u201d \u2013 \u201ev. Wimpffen\u201d unterzeichnet. Dessen Text (deutscher Teil) lautet:<\/p>\n<p><em>\u201eProtokoll.- Zwischen den Unterzeichneten, dem Generalstabschef des K\u00f6nigs Wilhelm von Preu\u00dfen, Oberfeldherren der deutschen Armeen, und dem General en Chef der franz\u00f6sischen Armee, Beide mit Vollmachten von Ihren Majest\u00e4ten, dem K\u00f6nig Wilhelm und dem Kaiser Napoleon versehen, ist die nachstehende Convention abgeschlossen worden:<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8211; Art. 1. Die franz\u00f6sische Armee unter dem Oberbefehl des Generals v. Wimpffen, giebt sich, da sie gegenw\u00e4rtig von \u00fcberlegenen Truppen bei Sedan eingeschlossen ist, kriegsgefangen.<br \/>\n<\/em><em>&#8211; Art. 2. In R\u00fccksicht auf die tapfere Verteidigung dieser franz\u00f6sischen Armee werden alle Generale, Offiziere und im Range von Offizieren stehenden Beamten hiervon ausgenommen, sobald dieselben ihr Ehrenwort schriftlich abgeben, bis zur Beendigung des gegenw\u00e4rtigen Krieges die Waffen nicht wieder zu ergreifen und in keiner Weise<\/em> <em>den Interessen Deutschlands zuwider zu handeln. Die Offiziere und Beamten, welche diese Bedingungen annehmen, behalten ihre Waffen und ihre ihnen pers\u00f6nlich geh\u00f6rigen Effecten.<br \/>\n<\/em><em>&#8211; Art. 3. Alle Waffen und Kriegsmaterial, bestehend in Fahnen, Adlern, Kanonen, Munition etc., werden in Sedan einer von dem franz\u00f6sischen General eingesetzten militairischen Commission \u00fcbergeben, die sie sofort den deutschen Commiss\u00e4ren \u00fcberantworten wird.<br \/>\n<\/em><em>&#8211; Art. 4. Die Festung Sedan wird in ihrem gegenw\u00e4rtigen Zustande und sp\u00e4testens am 2. September Abends zur Disposition Sr. Majest\u00e4t des K\u00f6nigs von Preu\u00dfen gestellt.<br \/>\n<\/em><em>&#8211; Art.\u00a05. Die Offiziere, welche nicht die im Art. 2. erw\u00e4hnte Verpflichtung eingegangen sind, sowie die Truppen, werden entwaffnet und geordnet nach ihren Regimentern oder Corps in militairischer Ordnung \u00fcbergeben. Diese Ma\u00dfregel wird am 2. September anfangen und am 3. beendet sein. Es werden diese Detachements auf das Terrain gef\u00fchrt, welches durch die Maas bei Iges begrenzt ist, um den deutschen Commiss\u00e4ren durch die Offiziere \u00fcbergeben zu werden, welche dann ihr Commando ihren Unteroffizieren abtreten.<br \/>\n&#8211; Art.\u00a0<\/em><em>6. Die Stabs\u00e4rzte sollen ohne Ausnahme zur Pflege der Verwundeten zur\u00fcckbleiben.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Gegen\u00fcber dem Ergebnis der in der Nacht verhandelten Kapitulationsbedingungen enth\u00e4lt dieser Text in Art. 2 und indirekt auch Art. 5 die Bewilligung der Entlassung der Offiziere auf ihr schriftliches Ehrenwort, was am Schluss des gro\u00dfen Berichts Bismarcks an den K\u00f6nig von Preu\u00dfen vom 2. September \u00fcber seine Begegnung mit dem Kaiser Napoleon folgenderma\u00dfen gewertet wird: \u201e<em>Die Bewilligung der Entlassung der Offiziere auf ihr Ehrenwort wurde mit lebhaftem Dank entgegenommen, als ein Ausdruck der Intentionen Ew. Majest\u00e4t, den Gef\u00fchlen einer Truppe, welche sich tapfer geschlagen hatte, nicht \u00fcber die Linie hinaus zu nahe zu treten, welche durch das Gebot unserer politisch-milit\u00e4rischen Interessen mit Nothwendigkeit gezogen war. Diesem Gef\u00fchle hat der General v. Wimpffen auch nachtr\u00e4glich in einem Schreiben Ausdruck gegeben, in welchem er dem General v. Moltke seinen Dank f\u00fcr die r\u00fccksichtsvollen Formen ausdr\u00fcckt, in denen die Verhandlungen von Seiten desselben gef\u00fchrt worden sind.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Jetzt steht einem Zusammentreffen zwischen dem siegreichen K\u00d6NIG WILHELM und dem gefangenen KAISER NAPOLEON, die sich drei Jahre zuvor auf dem H\u00f6hepunkt dessen Macht anl\u00e4sslich der gro\u00dfartigen Weltausstellung in Paris zuletzt begegnet sind, nichts mehr im Wege. Doch verbietet es sich, hier \u00fcber das Tun und Ergehen des nun mit dem Schm\u00e4hwort \u201eSedangeneral\u201d behafteten Emmanuel-Felix de Wimpffen hinaus N\u00e4heres \u00fcber das beide gro\u00dfe Monarchen bewegende etwa viertelst\u00fcndige Wiedersehen im Mittelsaal des Schl\u00f6sschens zu berichten. Das gilt auch f\u00fcr das weite Feld der ungeheuren Wirkung des \u201eTages von Sedan\u201d, der \u00fcber den Weg in die Gefangenschaft des franz\u00f6sischen Monarchen nach Schloss Wilhelmsh\u00f6he bei Kassel hinaus auch die Gefangennahme von um die 100.000 Soldaten, 39 Generalen, unter diesen die beiden Oberfeldherren Mac-Mahon und Wimpffen und s\u00e4mtliche Corpsf\u00fchrer und Division\u00e4re, dazu von 230 Stabsoffizieren, 2.095 Subalternoffizieren (500 Offiziere werden denn doch auf Ehrenwort entlassen) brachte. Dazu kamen an Kriegsbeute 12.000 Pferde, 350 Feldgesch\u00fctze, 70 Mitrailleusen, Troph\u00e4en (wie es hei\u00dft), \u00fcberaus vieles Armeematerial u. v. a. m. Nicht zu \u00fcbergehen: Der bittere, doch angesichts des glanzvollen Sieges als m\u00e4\u00dfig eingesch\u00e4tzte Preis auf der deutschen Siegerseite von etwa 9.500 \u201eVerlusten\u201d (Toten und Verwundeten). Kaum auch zu reden, von dem schlimmen Bild, dem Leid und der Not, das die St\u00e4tten der K\u00e4mpfe um Sedan und besonders auch die Stadt selbst mit ihren vielen Verletzten und Toten auch unter der Zivilbev\u00f6lkerung nach dem Schweigen der Waffen als Resultat des Schlachtgeschehens bot.<\/p>\n<p>EMMANUEL F\u00c9LIX DE WIMPFFEN\u00a0kehrt nach Abschluss der Unterzeichnung der Kapitulation in Schloss Bellevue <u>nach Sedan zur\u00fcck<\/u>. Folgt man seinen Aufzeichnungen, so haben sich Offiziere und Mannschaften in die deprimierenden Dinge geschickt; er habe kein bitteres Wort geh\u00f6rt. In Wirklichkeit befindet sich die Armee in v\u00f6lliger Desorganisation und ist alle Disziplin aufgel\u00f6st. Es geht drunter und dr\u00fcber. Ein Bericht \u00fcber das w\u00fcste Schauspiel jener Stunden der v\u00f6lliigen Demoralisation, Aufl\u00f6sung jeglicher Disziplin, Ausbr\u00fcche der Wut und Gewalt \u00fcber die verlorene Schlacht etc. w\u00fcrde noch viele weitere Seiten f\u00fcllen. Wimpffen sieht sich jedoch jetzt seiner Funktion und Pflichten als General und Oberbefehlshaber der Armee von Sedan enthoben und verabschiedet sich von seinen Truppen <strong>am Nachmittag <\/strong>\u00fcber einen Aufruf. Dieser lautet:<\/p>\n<p><em>\u201eP r o c l a m a t i o n.<br \/>\n<\/em><em>Soldaten! Gegen sehr \u00fcberlegene Kr\u00e4fte habt Ihr Euch gestern geschlagen. Von fr\u00fchem Morgen an bis in die Nacht habt Ihr dem Feinde mit gr\u00f6\u00dftem Muthe Widerstand geleistet und Eure letzte Patrone verschossen. Ersch\u00f6pft vom Kampfe, habt Ihr der Aufforderung Eurer Generale und Offiziere, Euch bis Montmedy durchzuschlagen und dem General Bazaine die Hand zu reichen, nicht nachkommen k\u00f6nnen. Zweitausend nur sammelten sich, um einen letzten Versuch zu wagen. Sie konnten \u00fcber Balan nicht hinaus und kehrten nach Sedan zur\u00fcck, wo Euer General sich mit Schmerz \u00fcberzeugen mu\u00dfte, da\u00df weder Magazine noch Munition vorhanden seien.- Man konnte nicht daran denken, einen Platz zu vertheidigen, dessen ganze Lage ihn unf\u00e4hig machte, einer zahlreichen und gewaltigen feindlichen Artillerie zu widerstehen.- Die innerhalb der Mauern der Festung vereinigte Armee vermochte diese weder zu verlassen, noch sie zu vertheidigen; ohne Lebensmittel, sei es f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung, sei es f\u00fcr die Truppen, mu\u00dfte ich den traurigen Entschlu\u00df fassen, mit dem Feinde zu unterhandeln.- Mit Vollmachten seitens des Kaisers ins feindliche Hauptquartier geschickt, konnte ich mich nicht entschlie\u00dfen, die mir gestellten Bedingungen anzunehmen. Diesen Morgen erst, durch ein Bombardement bedroht, auf das wir au\u00dfer Stande gewesen w\u00e4ren zu antworten, entschlo\u00df ich mich zu neuen Schritten und habe Bedingungen erhalten, in denen nach M\u00f6glichkeit jene verletzenden Formalit\u00e4ten vermieden, die, nach Kriegsbrauch, bei \u00e4hnlichen Gelegenheiten dem Besiegten auferlegt werden.- Es bleibt uns, Offizieren wie Soldaten, nichts anderes \u00fcbrig, als uns mit Ergebung in die Dinge zu finden, gegen die ein Ank\u00e4mpfen unm\u00f6glich ist, da wir, um es zu wiederholen, ohne Munition und ohne Lebensmittel sind.- Mir verbleibt allein der Trost, ein unn\u00fctzes Massacre vermieden und dem Vaterlande Soldaten erhalten zu haben, von denen es in Zukunft noch gute und gl\u00e4nzende Dienste gew\u00e4rtigen mag.<br \/>\n<\/em><em>Sedan, den 2. September 1870<br \/>\n<\/em><em>Der General en Chef v. Wimpffen.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Als die Proklamation angeschlagen wird, haben bereits Zust\u00e4nde Platz ergriffen, welche die Annahme nahelegen, dass diese von den Wenigsten gelesen worden ist. Wimpffen dankt auch in einem kurzen Schreiben der Einwohnerschaft Sedans f\u00fcr ihre grenzenlose Gastfreundschaft und hebt die harten Entbehrungen hervor, die dieser durch die Versorgung der Verwundeten und Kranken auferlegt ist.<\/p>\n<p><strong>Am 3. September<\/strong> richtet von Wimpffen an General von Moltke folgendes lange Schreiben, in dem er um die Erlaubnis bittet, seine Kriegsgefangenschaft in W\u00fcrttemberg verbringen zu d\u00fcrfen. Dieses lautet:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>\u201eIch habe die Ehre zu Ihrer Kenntni\u00df zu bringen, da\u00df ich als General en Chef einer kriegsgefangenen Armee die Pflicht zu haben glaube, das Schicksal dieser Armee zu theilen. So bitte ich denn Ew. Exzellenz, mich als Kriegsgefangenen ansehen und den Ort bestimmen zu wollen, wohin ich mich in Deutschland zu begeben habe. Wenn wir \u00fcber die verschiedenen deutschen Staaten vertheilt werden sollten, so w\u00fcrde ich es als eine Verg\u00fcnstigung ansehen, nach dem K\u00f6nigreiche W\u00fcrttemberg geschickt zu werden. \u2013 Ich hoffe, da\u00df Sie vier Offizieren, die meiner Person attachirt sind, gestatten werden, die Gef\u00e4hrten meines Ungl\u00fccks zu sein. Es sind:<br \/>\n<\/em><em>&#8211; Graf <u>d\u2019 Ollone<\/u> , Capitaine im 12. J\u00e4ger-Bataillon;<br \/>\n<\/em><em>&#8211; <u>Daram<\/u><\/em><em>, Lieutenant im 92. Linien-Regiment;<br \/>\n<\/em><em>&#8211; <u>Desgrandchamps<\/u><\/em><em> , Lieutenant im 6. Husaren-Regiment;<br \/>\n<\/em><em>&#8211; Marquis <u>de Laizer<\/u> , Offizier in der Mobilgarde, Auditeur im Staatsrath.-<br \/>\n<\/em><em>Jeder dieser Offiziere w\u00fcrde von einem Diener begleitet sein; ich selbst habe einen Secretair und eine Ordonnanz.- Ich bitte Ew. Exzellenz, mich alle Ma\u00dfnahmen in Betreff meiner Reise sowie in Betreff der Reise meines Gefolges wissen lassen zu wollen. Die Convention hat mit R\u00fccksicht auf solche Offizierspferde, die Privateigenthum der betreffenden Offiziere sind, keine Festsetzung getroffen; ich glaube indessen, was mich pers\u00f6nlich angeht, zweier alter Pferde von mir Erw\u00e4hnung thun zu d\u00fcrfen, die alle Strapazen mit mir durchgemacht haben, in Italien und neuerdings noch in Afrika und Frankreich. Es sind dies alte Thiere, unf\u00e4hig noch im Kriegsdienst verwandt zu werden, und so bitte ich denn, sie mir lassen zu wollen.- Ich habe die Ehre, Ihnen f\u00fcr die Wohlgewogenheit zu danken, die Sie nicht aufgeh\u00f6rt haben, mir in den Beziehungen zwischen uns (schmerzlich wie dieselben f\u00fcr mich waren) zu bezeigen.- Sobald ich Ihre Entschlie\u00dfungen kenne, werde ich Alles thun, denselben zu entsprechen.-<br \/>\n<\/em><em>Empfangen Ew. Exzellenz die Versicherung etc. \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<\/em><em>\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/em><em>v. Wimpffen, Divisionsgeneral.\u201d<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>e. General Emmanuel F\u00e9lix de Wimpffen darf, seinem Wunsch entsprechend, die f\u00fcnf Monate seiner Kriegsgefangenschaft in Stuttgart hinter sich bringen, w\u00e4hrend der er sich intensiv dem Studium der deutschen Schulerziehung widmet und woraus er die Grundz\u00fcge seiner nach seiner R\u00fcckkehr nach Frankreich herausgebrachten Rechtfertigungsschrift \u201eSedan, par le G\u00e9n\u00e9ral de Wimpffen\u201d entwickelt.<\/strong><\/p>\n<p>Die Affinit\u00e4t des EMMANUEL F\u00c9LIX DE WIMPFFEN zu Stuttgart und dar\u00fcber hinaus zum K\u00f6nigreich W\u00fcrttemberg geht sicherlich darauf zur\u00fcck, dass, hier sei r\u00fcckblickend vor allem auf die Kapitel P und T verwiesen, im Zeitraum von 1762 \u2013 1774 sieben der elf Geschwister seines Vaters, d. h. seiner Oheime und Tanten, in Stuttgart oder in Ludwigsburg geboren sind, dazuhin im Zeitraum von 1761 bis 1865 sieben enge m\u00e4nnliche Verwandte von ihm im Herzogtum bzw. ab 1806 K\u00f6nigreich W\u00fcrttemberg milit\u00e4rische und\/oder auf Hof\u00e4mter bezogene Karriere gemacht und vielfach hohe bis beinahe h\u00f6chste \u00c4mter bekleidet hatten, von denen zwei sogar in Stuttgart gestorben waren. Nicht zu vergessen zwei weibliche solche, und zwar Kusinen desselben, die zumindest durch ihre Geburt in Stuttgart, davon in einem Fall zudem zeitweilige T\u00e4tigkeit als Kammerfrau am dortigen Hofe mit der w\u00fcrttembergischen Residenz verbunden waren. Wenn diese alle nachfolgend mit Ausnahme von Nr. 1 ohne genauere Lebensbeschreibung nur unter Nennung von nur wenig mehr als dem Verwandtschaftsverh\u00e4ltnis und Namen, der Lebenszeit und des in W\u00fcrttemberg erreichten Ranges aufgef\u00fchrt werden, so deshalb, weil deren aller Vita bereits in den vorgenannten Kapiteln behandelt worden ist sowie teilweise noch im Folgekapitel W. Wilhelm von Wimpffen im Rahmen der Schilderung der mit Wimpfen am Neckar verkn\u00fcpften Lebensumst\u00e4nde des Vetters des Emmanuel F\u00e9lix namens WILHELM VON WIMPFFEN (siehe diesen unten unter Nr. 8) zur Sprache kommen wird.<\/p>\n<ol>\n<li>Sein bereits ausgiebigst in Kapitel P. Zweiggr\u00fcnder Franz Ludwig vorgestellter Gro\u00dfvater v\u00e4terlicherseits FRANZ LUDWIG (1732 \u2013 1800), der Begr\u00fcnder des c) Franzens-Zweiges, war in jungen Jahren vom franz\u00f6sischen in den w\u00fcrttembergischen Milit\u00e4rdienst getreten, wo er von ca. 1761 bis 1776 verblieben, Angeh\u00f6riger des engsten Kreises der H\u00f6flinge geworden war und es bis zum Leiter des Kriegsdepartements (Kriegsratspr\u00e4sidenten) gebracht hatte. Diesem war sogar die hohe Ehre der Verleihung seines Namens an eines der w\u00fcrttembergischen Regimenter zuteil geworden. In diesem Zeitraum waren zwei von dessen sechs S\u00f6hnen sowie f\u00fcnf von dessen sechs T\u00f6chtern, d. h. zwei der Oheime und f\u00fcnf der Tanten v\u00e4terlicherseits des Emmanuel F\u00e9lix von Wimpffen, in Stuttgart bzw. Ludwigsburg zur Welt gekommen; und die zwei \u00e4ltesten der Oheime desselben namens FRANZ GEORG (geboren 1760) und FRANZ KARL EUGEN (geboren 1762) waren dort sogar in die Vorg\u00e4ngerin der ber\u00fchmtenm \u201eHohen Carlsschule\u201d aufgenommen gewesen.<\/li>\n<li>Der Sohn seines \u00e4ltesten Gro\u00dfonkels STANISLAUS (1721 \u2013 1793), d. h. der Gro\u00dfvetter von Emmanuel F\u00e9lix desselben Namens FRANZ LUDWIG (1752 \u2013 1823), hatte es bis zum Major und Ersten Kammerherren der K\u00f6niginwitwe CHARLOTTE MATHILDE gebracht und war sogar in Stuttgart verstorben (siehe in Kapitel T. W\u00fcrttembergische Nebenlinie).<\/li>\n<li>Der n\u00e4chstj\u00fcngere Sohn desselben Gro\u00dfonkels STANISLAUS namens GERMAIN bzw. HERMANN (1754 \u2013 1820), d. h. ein weiterer Gro\u00dfvetter des Emmanuel F\u00e9lix, hatte nach der im August 1792 erfolgten Absetzung und Einkerkerung des Monarchen und dessen Familie seinem Land den R\u00fccken gekehrt und war schlie\u00dflich um 1800 ebenfalls in milit\u00e4risch-diplomatische Dienste des Herzogs von W\u00fcrttemberg getreten, doch von Kaiser Napoleon 1812 wieder nach Frankreich zur\u00fcckbeordert worden (siehe in Kapitel P. Zweiggr\u00fcnder Franz Ludwig und T. W\u00fcrttembergische Nebenlinie).<\/li>\n<li>Des Letztgenannten j\u00fcngster Bruder CHRISTIAN FRIEDRICH (1756 \u2013 1824) war (siehe in Kapitel T. W\u00fcrttembergische Nebenlinie) zun\u00e4chst als Gardelieutenant und Hofjunker in herzoglich-w\u00fcrttembergische Dienste getreten, jedoch bald in kaiserlich-\u00f6sterreichische Milit\u00e4rdienste \u00fcbergewechselt und hatte sich dann in B\u00f6hmen niedergelassen.<\/li>\n<li>Der j\u00fcngste Onkel des Emmanuel F\u00e9lix namens FRIEDRICH WILHELM (1784 \u2013 1845), der Begr\u00fcnder der w\u00fcrttembergischen Nebenlinie des Franzens-Zweiges, dessen Leben bereits in Kapitel T. W\u00fcrttembergische Nebenlinie umrissen wurde, war fr\u00fch in w\u00fcrttembergische Dienste getreten und hatte in Stuttgart die Funktionen eines wirklichen Kammerherren, Generalmajors und Adjudanten des K\u00f6nigs Wilhelm I. von W\u00fcrttemberg erlangt. Wie sein Vetter FRANZ LUDWIG war er in Stuttgart verstorben.<\/li>\n<li>Der \u00e4ltere der zwei in Stuttgart geborenen S\u00f6hne seines unter Nr. 5 umrissenen \u00e4ltesten Onkels v\u00e4terlicherseits Friedrich Wilhelm namens WILHElM (1820 \u2013 1879), d. h. Vetter des Emmanuel F\u00e8lix, hatte es zwar nur bis zum Rittmeister und w\u00fcrttembergischen Kammerherren gebracht. Er und sein j\u00fcngerer Bruder<\/li>\n<li>DAGOBERT (1821 \u2013 1881), d. h. der andere Stuttgarter Vetter des Emmanuel F\u00e9lix, waren Jugendgespiele von KRONPRINZ, ab 1864 K\u00d6NIG, KARL und somit in die Stuttgarter Hofgesellschaft fest integriert gewesen. Der Letztgenannte hatte den Rang eines Majors, Adjudanten sowie Reisemarschalls des Kronprinzen Karl, dazu wie sein Bruder eines w\u00fcrttembergischen Kammerherren erreicht. Freilich \u00a0hatten die beide 1864\/65, d. h. ca. anderthalb Jahrzehnte vor der Hinwendung ihres franz\u00f6sischen Vetters nach Stuttgart, ihre T\u00e4tigkeit im Milit\u00e4r- und Hofwesen des K\u00f6nigreichs W\u00fcrttemberg durch Zurruhesetzung bzw. Aufgebenm\u00fcssen eingestellt und waren von ihrem Wohnsitz Stuttgart nach M\u00fcnchen gewechselt\u00a0(Ausf\u00fchrliches \u00fcber diese beiden in den Kapiteln T. W\u00fcrttembergische Nebenlinie und W. Wilhelm von Wimpffen).<\/li>\n<li>Von den beiden ebenfalls in Stuttgart geborenen T\u00f6chtern des FRIEDRICH WILHELM, d. h. Kusinen des Emmanuel F\u00e9lix, KATHARINA (1818 \u2013 1875) und PAULINE (1822 \u2013 1900) war die letztgenannte in den 1840er Jahren vor ihrer Heirat mit dem Grafen GUSRAV ADOLF FELIX VON WIMPFFEN (1805 \u2013 1880) im Stuttgarter Schloss wohnende Hofdame (siehe dar\u00fcber in Kapitel T. W\u00fcrttembergische Nebenlinie) gewesen.<\/li>\n<li>Ab ausgangs der 1820er Jahre bis zu ihrem Tod 1855 hatte die f\u00fcnft\u00e4lteste der sechs Schwestern des unter Nr. 5 beschriebenen FRIEDRICH WILHELM und Tante des Emmanuel F\u00e9lix, das FREIFR\u00c4ULEIN AMALIE (1774 &#8211; 1855), in Stuttgart zun\u00e4chst bei ihrem vorgenannten Bruder und sp\u00e4ter unter Nr. 6 zu findenden Neffen WILHELM gewohnt (siehe dar\u00fcber ebenfalls in Kapitel T. W\u00fcrttembergische Nebenlinie).<\/li>\n<\/ol>\n<p>General von Moltke entspricht, um nun wieder zum weiteren Schicksal des \u201eSedangenerals\u201d zur\u00fcckzukehren, noch am selben Tag durch ein Schreiben allen seinen W\u00fcnschen und versieht ihn mit einem weiteren solchen, das ihm und seinen Begleitern freien Weg als Kriegsgefangener \u00fcber Belgien und Aix-la-Chapelle nach Stuttgart bescheinigt und Anweisung erteilt, diesem auf seinem Weg keinerlei Schwierigkeiten zu bereiten. Und so brechen Wimpffen und sein Gefolge bereits am 4. September 1870 aus dem v\u00f6llig aus den Fugen geratenen <u>Sedan nach Stuttgart<\/u> auf. Sie \u00fcbernachten <u>im belgischen Dorfe Fays-sur-Veneurs<\/u>, wo der Ungl\u00fcckliche am 5. September seinen ersten umfangreichen Bericht an den Kriegsminister \u00fcber die Schlacht bei Sedan und die Kapitulation abfasst und seinem Freund eine Kopie davon schickt. Dem Letztgenannten sendet er am 6. September von <u>Aix-la-Chapelle<\/u> aus einen erg\u00e4nzenden Brief, der am Schluss die folgende ebenso erbitterte wie wohl h\u00f6chst fragw\u00fcrdige Feststellung trifft:<br \/>\n<em>\u201eSi l\u2019Empereur avait r\u00e9pondu \u00e0 mon appel, il est plus que probable q\u2019une partie au moins de l\u2019arm\u00e9e ne serait pas prisonni\u00e8re, et moi je n\u2019aurais pas eu cette tache d\u2019une capitulation.\u201d\u00a0<\/em>Frei \u00fcbersetzt:<em> \u201eWenn der Kaiser auf meinen Appell reagiert h\u00e4tte, w\u00e4re es mehr als wahrscheinlich, dass wenigstens ein Teil der Armee sich nicht in Gefangenschaft bef\u00e4nde, und ich h\u00e4tte nicht diesen Schandfleck einer Kapitulation auf mich geladen.\u201d<\/em><\/p>\n<p>\u00dcber Aachen geht die Reise weiter <u>nach Stuttgart<\/u>, dem Ort, der ihm, entsprechend seinem Wunsch, von Generalstabschef Helmuth von Moltke als derjenige seiner Gefangenschaft zugewiesen worden ist. Die in der<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/086.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-126 \" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/086.jpg\" alt=\"086\" width=\"511\" height=\"527\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/086.jpg 414w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/086-291x300.jpg 291w\" sizes=\"(max-width: 511px) 100vw, 511px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. V 6: Bericht in \u201eSchw\u00e4bische Kronik, des Schw\u00e4bischen Merkurs zweite Abtheilung. III. Blatt\u201d vom 11. September 1870 \u00fcber die Ankunft und Unterbringung von General von Wimpffen mit seiner neunk\u00f6pfigen Begleitung in Stuttgart <\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>gezeigte Meldung l\u00e4sst erkennen, dass dessen Ankunft dort am <u>Abend des 9. September<\/u> erfolgt und die gesamte Offiziersschar dort im bestrenommierten <u>Hotel Marquardt<\/u>, gelegen Ecke K\u00f6nigstra\u00dfe\/Schlossstra\u00dfe, untergebracht worden ist, das z. B. zur Jahreswende 1863\/64 Richard Wagner als Quartier gedient hatte (Marquardtbau 1944 kriegszerst\u00f6rt und 1947\/48 wieder aufgebaut; heute Bolzstra\u00dfe; dort u. a. die \u201eKom\u00f6die im Marquardt\u201d). Unter den genannten neun begleitenden Offizieren befinden sich auch drei der vier im Brief an General von Moltke als Begleiter gew\u00fcnschten Offiziere; es fehlt nur Lieutenant Desgrandchamps. Leider wird die Hoffnung betrogen, Weiteres \u00fcber den Ablauf dieser rund 5 Monate in Stuttgart vollzogenen Gefangenschaft aus diesem auf die Ereignisse des engeren Raumes gerichteten Blattes oder dem weitgesteckt berichtenden \u201eSchw\u00e4bischen Merkur\u201d zu erfahren. Offenbar bestand in der \u00d6ffentlichkeit kein Interesse oder gar Abneigung, sich mit dem nat\u00fcrlich als Todfeind gesehenen franz\u00f6sischen h\u00f6chsten Offizier und seinen Begleitern weiterhin zu befassen, zumal ja der Krieg trotz des gl\u00e4nzenden Sieges in der Schlacht bei Sedan sorgenbeladen weiterging. Letzteres ist zu sp\u00fcren aus den der Meldung angeh\u00e4ngten S\u00e4tzen \u00fcber die gleichzeitige Ankunft verwundeter deutscher sowie die R\u00fcckkehr einer mit Gefangenen angekommenen Gruppe bayrischer Soldaten zu ihren in Frankreich weiter im Kampf stehenden Regimentern.<\/p>\n<p>Umgekehrt h\u00fcllt sich EMMANUEL F\u00c8LIX DE WIMPFFEN ebenfalls, was die \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde der Monate der Gefangenschaft angeht, in etwa zwei Jahre danach in Paris erschienenen 76-seitigen Schrift, deren Titel in der nachfolgenden<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/087.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-127 size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/087-660x1024.jpg\" alt=\"087\" width=\"660\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/087-660x1024.jpg 660w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/087-193x300.jpg 193w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/087-768x1191.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/087.jpg 826w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. V 7: Souvenirs de captivit\u00e9. De l\u2019instruction en Allemagne par un officier g\u00e9n\u00e9ral &#8211; Paris E. Lauchaud Libraire-\u00c9diteur 4, Place du theatre &#8211; Fran\u00e7ais, 4 \u2013 1872 (Erinnerungen an die Gefangenschaft. Von der Ausbildung in Deutschland von einem Offizier General \u2013 Paris E. Lachaud, Buchherausgeber, Place du Theatre Fran\u00e7ais, 4 \u2013 1872)<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>dargelegt ist, fast v\u00f6llig in Schweigen. Aus dem Vorwort derselben ist zu schlie\u00dfen, dass der Milit\u00e4r aus Passion und famili\u00e4rem Herkommen EMMANUEL F\u00c9LIX DE WIMPFFEN nach dem (wie er sagt) <em>\u201eDesaster\u201d<\/em>\u00a0der milit\u00e4rischen Niederlage seines Vaterlandes m\u00e4chtigst von der Frage umgetrieben wurde, warum es Preu\u00dfen, seines Landes <em>\u201egl\u00fchendstem Feind\u201d<\/em>, und den anderen deutschen Staaten m\u00f6glich gewesen war, <em>\u201edie Gr\u00f6\u00dfe und \u00dcberlegenheit der Nation durch die St\u00e4rke der Waffen zu erreichen\u201d\u00a0<\/em>und <em>\u201eein Volk wie das unsere zu besiegen\u201d. <\/em>Und so entschloss er sich, <em>\u201edie Mu\u00dfe einer schmerzlichen Gefangenschaft dem gr\u00fcndlichen Studium der Sitten und Institutionen unserer Sieger zu widmen\u201d, <\/em>und dies in der Weise, dass er versuchte, <em>\u201eein getreues Abbild der \u00f6ffentlichen Bildung, der sittlichen und k\u00f6rperlichen Erziehung der breiten Masse und der gehobenen Schichten der Gesellschaft in Deutschland aufzuzeigen\u201d. <\/em>Die von ihm <em>\u201ebei ausreichender Kenntnis der Landessprache im Verstehen und Sichverst\u00e4ndlichmachen\u201d\u00a0<\/em>unternommenen Besichtigungen einer gro\u00dfen Zahl von Bildungseinrichtungen, so Primarschulen (gemeint: Volksschulen), Gymnasien, Berufs- und Polytechnischen Schulen, dazu sogar Gef\u00e4ngnisschulen, werden, was den weltlichen und religi\u00f6sen Unterricht, die Erziehung, die Lehrer, die Schulgeb\u00e4ude etc. angeht, ausf\u00fchrlich und vergleichend mit Frankreich beschrieben und beurteilt. Doch bleiben die Namen der besuchten Schulen v\u00f6llig und die Orte derselben fast ausschlie\u00dflich ungenannt und somit vollst\u00e4ndig in der Anonymit\u00e4t. Nur an zwei Stellen (S. 53 und 58) wird auf <em>\u201eS&#8230;.\u201d<\/em>\u00a0(gemeint: Stuttgart) als den Ort einer der dort besuchten Schuleinrichtungen hingewiesen und nur einmal (S. 68) durch die Wendung <em>\u201ePendant ma captivit\u00e9 \u00e0 S&#8230;.\u201d<\/em>\u00a0verschl\u00fcsselt auf die Stadt Stuttgart als Ort der Gefangenschaft (Pr\u00e9face, S. 3) durch die Wendung <em>\u201eIntern\u00e9 dans une des grandes villes de la Conf\u00e9d\u00e9ration d\u2019Allemagne\u201d (interniert in einer der gro\u00dfen St\u00e4dte des Deutschen Reiches) <\/em>hingewiesen. Seinen dortigen Aufenthaltsort, das Hotel Marquardt, das ihn und seine zahlreichen Begleiter in schwieriger Zeit aufzunehmen und zu verk\u00f6stigen hatte, erw\u00e4hnt er mit keinem Wort. Lediglich dem Wohnquartier, in dem sich dieses Hotel befindet, erteilt er auf Seite 53, bezugnehmend auf eine der von ihm besuchten auf die Berufsausbildung gerichteten Schulen, die folgende Lobspendung: <em>\u201eDans un des beaux quartiers de la ville, qui m\u2019avait \u00e9t\u00e9 assign\u00e9 pour r\u00e9sidence pendant ma captivit\u00e9 se trouve une de ces \u00e9coles.\u201d<\/em>\u00a0<em>(In einem der sch\u00f6nen Quartiere der Stadt, die man mir als Wohnsitz w\u00e4hrend meiner Gefangenschaft angewiesen hatte, befindet sich eine dieser Schulen.)<\/em><\/p>\n<p>Angek\u00fcndigt unten auf S. 73 durch den Satz <em>\u201eSuivant les consid\u00e9rations que je viens d\u2019\u00e9mettre, j\u2019arrive aux conclusions suivantes\u201d (Den<\/em> nachstehend ausgebreiteten Erw\u00e4gungen folgend<em>, komme ich zu folgenden Schlussfolgerungen<\/em>), stellt der Autor f\u00fcnf Leits\u00e4tze einer nach seinen Erkenntnissen in Frankreich anzustrebenden Unterrichtung und Erziehung heraus. In diesen spricht er sich unter Verweis auf das deutsche Vorbild f\u00fcr die Wahl und Anstellung der Lehrkr\u00e4fte (Laien wie Geistlichen) durch die Gemeinden und die Gleichschaltung ihrer Examen und \u00dcberpr\u00fcfung sowie deren gute Bezahlung aus, dazu f\u00fcr die Einf\u00fchrung der Schulpflicht, au\u00dferdem die Aufgabe der Kasernierung (gemeint: der Internatsunterbringung) der Sch\u00fcler durch deren Belassung in der Familie. Hier sei im Wortlaut nur der letzte seiner appellativ gefassten Vorschl\u00e4ge aufgef\u00fchrt, der den Schluss des Buchtexters bildet:<br \/>\n<em>\u201e5<sup>0<\/sup> Dans les \u00e9tablissements de l\u2019\u00c8tat, dans les \u00e9coles professionelles, dans l\u2019instutitions des particuliers, des \u00e8tudes th\u00e9oriques d\u00e9veloppant les facult\u00e9s physiques, de fa\u00e7on \u00e1 ce qu\u2019\u00e0 vingt ans, \u00e0 vingt et un ans au plus tard, le jeune homme soit apte au m\u00e9tier des armes et d\u00e9j\u00e0 fa\u00e7onne au maniement du fusil, \u00e0 la marche, et avant tout: ROMPU A LA DISCIPLINE. \u00a0 \u00a0 \u00a0 <\/em><em>FIN.\u201d\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Zu Deutsch<em>: \u201e5. In den staatlichen (Schul-)Einrichtungen, in den beruflichen Schulen, in den Privatschulen theoretische Schulausbildung mit Entwicklung der k\u00f6rperlichen F\u00e4higkeiten in der Art und Weise, dass der junge Mensch mit 20 oder sp\u00e4testens 21 Jahren f\u00e4hig ist f\u00fcr den Waffendienst und geformt f\u00fcr die Handhabung des Gewehrs, das Marschieren und vor allem:\u00a0<\/em><em>BEWANDERT IN DER DISZIPLIN. \u00a0 \u00a0 \u00a0 ENDE.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Mit diesem Vorschlag begibt er sich genau in jene Spur, welche die Menschenerziehung nach preu\u00dfischen Muster im neugegr\u00fcndeten Deutschen Reich verst\u00e4rkt einschl\u00e4gt und die EMMANUEL F\u00c8LIX DE WIMPFFEN im Vorwort seiner Betrachtungen folgenderma\u00dfen umschreibt: <em>\u201eDans l\u2019Allemagne, et surtout dans la partie nord, toute institution, m\u00eame civile, a pour objectiv l\u2019instruction militaire. Former des g\u00e9n\u00e9raux capables, des officiers instruits, des soldats disciplin\u00e9s et robustes, tel est le but.\u201d<\/em>\u00a0<em>(In Deutschland, und besonders im n\u00f6rdlichen Teil, hat jede, selbst zivile, Einrichtung, wirkliche milit\u00e4rische Schulung, um allgemeine Bef\u00e4higungen, geschulte Offiziere, disziplinierte und robuste Soldaten zu formen, solches ist der Zweck.) <\/em>Man gewinnt den Eindruck, dass der \u201eSedangeneral\u201d von seines Volkes und seiner eigenen Niederlage traumatisiert und somit wie besessen nach den Gr\u00fcnden derselben wie auch nach Abhilfe sucht. Dar\u00fcber hinaus beginnt er jedoch schon von Stuttgart aus mit der gleichen Leidenschaft, die Rechtfertigung seines Handelns zum Ende des Schlachtengeschehens von Sedan zu betreiben.<\/p>\n<p>Und so schreibt er im Vorwort seiner sp\u00e4ter noch genauer vorzustellenden und nicht weniger als 382 Seiten umfassenden weiteren Schrift des Titels \u201eSedan. Par le G\u00e9n\u00e9ral de Wimpffen\u201d, Paris Libraire Internationale 1871, folgendes hier nur \u00fcbersetzt Wiedergegebene: \u201e<em>Schon in den ersten Augenblicken meiner Gefangenschaft in Stuttgart entschloss ich mich, meine Freizeit mit der Zusammenstellung des notwendigen Materials f\u00fcr eine wahrheitsgetreue Geschichte der ersten ungl\u00fccklichen Ereignisse des Krieges mit Preu\u00dfen zu nutzen. Diese Ordnungsarbeit lie\u00df mich einer Masse sehenswerter Dokumente gegen\u00fcberstehen.\u201d<\/em>\u00a0So kommt es zun\u00e4chst dazu, dass er in Stuttgart Briefe sowie Berichte zur Thematik \u201eSchlacht bei Sedan\u201d schreibt und verschickt. Und in der Tagespresse versucht er nachzuweisen, dass er in dieser das Ziel verfolgt habe, sich durch den Ausbruch Richtung S\u00fcdost \u00fcber Bazailles-Carignan durchzuschlagen. Und er erhebt den Vorwurf, dass es vor allem Kaiser Napoleon gewesen sei, der durch sein Nein zu seiner Bitte, er m\u00f6ge in die Mitte seiner Truppen kommen und diese w\u00fcrden es sich zur Ehre anrechnen, den Durchweg zu \u00f6ffnen, dazuhin dessen Befehl, die wei\u00dfe Fahne auf den W\u00e4llen aufzuziehen, sein Vorhaben verhindert habe. Demgegen\u00fcber wird Wimpffens diesbez\u00fcgliches Billet an den Kaiser von 1 \u00bc Uhr des 1. September in der Presse <em>\u201emit mehr oder weniger Recht\u201d<\/em>, wie Fontane meint, ins L\u00e4cherliche gezogen. Und der seines Landes verwiesene Kaiser Napoleon wehrt sich in einem Schreiben vom 3. Oktober 1870 vom Platz seiner Gefangenschaft Wilhelmsh\u00f6he bei Kassel aus wie folgt:<\/p>\n<p><em>\u201eJ\u2019ai lu votre rapport officiel sur la bataille de Sedan. Il contient deux assertions que je dois relever<\/em>.<br \/>\n<em>-Si je n\u2019ai pas r\u00e9pondu \u00e0 votre appel pour faire une trou\u00e9e vers Carignan, c\u2019est qu\u2019elle \u00e8tait impraticable, comme l\u2019exp\u00e9rience vous l\u2019a prouv\u00e9, et la tentative, je le pr\u00e9voyais, ne pouvait avoir d\u2019autre r\u00e9sultat que de co\u00fbter la vie \u00e1 un grand nombre de soldats.<br \/>\n<\/em><em>-Je n\u2019ai consenti \u00e1 faire arborer le drapeau blanc, que lorsque, de l\u2019avis de tous les chefs de corps d\u2019arm\u00e9e, toute r\u00e9sistance \u00e9tait devenue imposible. Je n\u2019ai donc pas pu contrarier vos moyens d\u2019action.<br \/>\n<\/em><em>Croyez, g\u00e9n\u00e9ral, \u00e0 mes sentiments. \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0NAPOLEON&#8220; \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/em><\/p>\n<p>Zu Deutsch: <em>\u201eIch habe ihren amtlichen Bericht \u00fcber die Schlacht von Sedan gelesen. Er enth\u00e4lt zwei Behauptungen, die ich richtigstellen muss:<br \/>\n<\/em><em>-Ich habe auf Ihre Aufforderung, einen Durchbruch nach Carignan zu machen, nicht geantwortet, weil es mir undurchf\u00fchrbar erschien, wie die Erfahrung es Ihnen bewiesen hat, und der Versuch, wie ich es vorausgesehe hatte, kein anderes Resultat haben konnte, als einer gro\u00dfen Anzahl von Soldaten das Leben zu kosten.\u201c<br \/>\n<\/em><em>-Ich habe nicht zugestimmt, die wei\u00dfe Fahne zu hissen, als nach der Meinung aller Korpschefs jeder Widerstand unm\u00f6glich geworden war. Folglich habe ich Ihre Pl\u00e4ne nicht durchkreuzen k\u00f6nnen.-<br \/>\n<\/em><em>Mit dem Ausdruck vorz\u00fcglichster Hochachtung, mein General \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0NAPOL\u00c9ON\u201d<\/em><\/p>\n<p>Wimpffen will nach seinen Aussagen im Vorwort des erw\u00e4hnten Buches urspr\u00fcnglich nur an die Sammlung der mit der Schlacht bei Sedan zusammenh\u00e4ngenden zahlreichen Schriftunterlagen gedacht haben. Doch sieht er sich, nachdem er nach f\u00fcnfmonatiger Gefangenschaft in Stuttgart etwa Mitte Februar wieder heimkehren kann, aus zwei Gr\u00fcnden veranlasst, nun doch mit einem Buch an die \u00d6ffentlichkeit zu treten:<\/p>\n<p><u>Grund 1<\/u>: Sein gro\u00dfer erster Bericht \u00fcber die Schlacht von Sedan vom 5. September 1870 an den Kriegsminister hat &#8211; entgegen seiner Erwartung &#8211; offiziell keine Ver\u00f6ffentlichung gefunden und er findet diesen wichtigen Schriftsatz bei seiner Vorbeikunft in Versailles im Ministerium am 19. M\u00e4rz 1871 nicht oder nicht mehr vor. Am Verschwinden desselben soll, wie Wimpffen erfahren haben will, der von ihm aus dem Oberbefehl der Sedanarmee verdr\u00e4ngte General Ducrot die Hand im Spiel gehabt haben. Hierzu muss man wissen, dass dieser nach der Schlacht bei Sedan sein Ehrenwort gegeben hat, sich in Pont-\u00e0-Mousson zu stellen und dieses auch eingehalten hat, aber dort danach in der Verwirrung auf dem \u00fcberf\u00fcllten Bahnhof geflohen und dann Oberkommandierender einer neugebildeten franz\u00f6sischen Armee und im Februar 1871 Mitglied der Nationalversammlung mit gro\u00dfem Einfluss geworden ist.<\/p>\n<p><u>Grund 2<\/u>: Seit seiner etwa Ende Januar erfolgten Entlassung als Kriegsgefangener und R\u00fcckkehr nach Frankreich bzw. bald darauf wieder nach Algerien (Wohnsitz Mustapha bei Algier) habe er vergeblich versucht, Gunstbezeigungen durch den Kriegsrat zu erfahren, die seine F\u00fchrung (in der Schlacht bei Sedan) h\u00e4tten anerkennen k\u00f6nnen. Er habe keinerlei Antwort auf seine berechtigte Bitte bekommen. Der Regierungschef habe vor der Kammer und damit vor dem Land die Kommandanten und Chefs der Armee von Metz und von Ch\u00e2lons glorifiziert. Aber niemand habe ein Wort zu seiner Rechtfertigung h\u00f6ren lassen. Er findet, dass diese Situation nicht mehr erlaube, Schweigen zu bewahren und er glaubt, einfach und wahrhaftig die Ursachen, die das unvermeidliche Desaster von Sedan herbeigef\u00fchrt haben, darlegen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Und so fertigt er eine Art Rechtfertigungsschrift, die 1871 in Paris erscheint und deren Titel oben bereits aufgef\u00fchrt worden ist. Unter dem Titel f\u00fcgt er drei Zeilen bei, die seine auf den Zweck des Buches zielende Devise pr\u00e4sentieren: \u201eQuorum pars magna fui.- VIRG. \u00c9n\u00e9ide. &#8211; Suum cuique\u201d, \u00fcbersetzt aus dem Lateinischen (Anfangs- und Endteil) und dem Franz\u00f6sischen (Mittelteil): \u201eWorin ich eine gro\u00dfe Rolle spielte (oder auch: \u201aWozu ich zu bedeutendem bzw. wesentlichem Teil mittrug\u2019 bzw. \u201aWovon mir gro\u00dfer Anteil zukommt\u2019) Vergil. Aeneis &#8211; Jedem das Seine.\u201d Siehe dazu die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/088.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-128 size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/088-563x1024.jpg\" alt=\"088\" width=\"563\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/088-563x1024.jpg 563w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/088-165x300.jpg 165w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/088-768x1397.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/088.jpg 903w\" sizes=\"(max-width: 563px) 100vw, 563px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. V 8: Das Titelblatt von Emmanuel F\u00e9lix de Wimpffens Rechtfertigungsschrift<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der erste Teil dieser Devise ist, wie er konstatiert, der Aeneis, dem zw\u00f6lfteiligen Heldenepos des r\u00f6mischen Dichters Vergil, entnommen, und zwar der 6. Zeile des 2. Buches (Aeneis 2.6), die zum \u201eGef\u00fcgelten Wort\u201d geworden und dann zu verwenden ist, wenn es gilt, seine Mitwirkung bzw. seine Verdienste an einer Sache zu reklamieren. Dieses wird durch den aus den antiken philosophischen Theorien der Moral und Politik hergeleiteten Endteil \u201eSuum cuique\u201d bekr\u00e4ftigt. Letzteres ist im Doppelsinn gemeint, d. h. im Sinne sowohl des Individuums als auch der Gesellschaft: Jeder soll das Seine (ihm M\u00f6gliche) tun, aber Jedem soll auch das Seine (Verdiente) zukommen. Zweifellos f\u00fchlt sich der Sedangeneral bez\u00fcglich seines Handelns in der Schlacht bei Sedan gegen\u00fcber den Mitgener\u00e4len unverdient kritisiert und zur\u00fcckgesetzt und will dies konkret durch seine Ver\u00f6ffentlichung anmahnen.<\/p>\n<p>Auf den nicht weniger als 377 Seiten des Kerntextes holt er zum Zecke seiner Rechtfertigung weit aus, bezieht auch er\u00f6ffnend die r\u00fchmlichen Erinnerungen und Urkunden aus seiner Zeit davor als Gouverneur in Oran sowie so vollst\u00e4ndig wie m\u00f6glich die Vorgeschichte der Schlacht von Sedan mit ein, dazu eine gro\u00dfe Anzahl von mit dieser zusammenh\u00e4ngenden Brief- und Urkundentexten, worauf sich Theodor Fontane zwei Jahre sp\u00e4ter bei der Abfassung seines Buchtextes vielfach beziehen wird. Der Text gipfelt in dem von den Milit\u00e4rs beider Seiten und ganz besonders von General Ducrot beanstandeten und sich auf die Sinnhaftigkeit seiner viel bestrittenen und umstrittenen Durchbruchsthese beziehendes Satzpaar:<br \/>\n<em>\u201eMeine Angreifer und Verleumder, wie sie besonders in der Umgebung des Kaisers waren, haben ein nobles Unternehmen, wie ich es vorhatte, zu einer <u>Thorheit<\/u> stempeln wollen. Nichtsdestoweniger bin ich auch <u>jetzt<\/u> noch \u00fcberzeugt, da\u00df ein mit 15- oder 20,000 Mann unternommener Angriff auf die feindliche Linie von Erfolg gekr\u00f6nt gewesen w\u00e4re.\u201d<br \/>\n<\/em>Indem er dar\u00fcber hinaus aber insbesondere Beschuldigungen gegen\u00fcber General Ducrot und den Kaiser erhebt, f\u00e4llt das erwartete Echo negativ aus und beschw\u00f6rt er heftige Kritik herauf.<\/p>\n<p>Der sich beschuldigt und in seiner Ehre schwer angegriffene GENERAL DUCROT\u00a0ver\u00f6ffentlicht umgehend noch 1871 eine Verteidigungsschrift von 169 Seiten, deren gleichartig gehaltene Titelfassung \u201eLa journ\u00e9e de Sedan, par Le G\u00e9n\u00e9ral Ducrot\u201d die Bezugsetzung auf Wimpffens Werk von vorneherein deutlich zu machen versteht. Dieser sieht sich durch Wimpffen, wie er im Vorwort vom 18. September 1871 darlegt, in f\u00fcnffacher Hinsicht ungerechtfertigt beschuldigt:<\/p>\n<ol>\n<li>Er habe einen Mangel an Ehrenhaftigkeit dadurch gezeigt, dass er seinen Einfluss bei Kriegsminister General Trochu dahingehend geltend gemacht habe, die Ver\u00f6ffentlichung seines Berichts \u00fcber die Schlacht von Sedan zu vereiteln.<\/li>\n<li>Er habe durch falsche Man\u00f6ver das Tagesgeschick gef\u00e4hrdet und so das verh\u00e4ngnivolle Desaster von Sedan vorbereitet.<\/li>\n<li>Er habe das Schlachtfeld vor der Zeit verlassen.<\/li>\n<li>Er habe sich geweigert, den Anordnungen des Chefgenerals zu gehorchen, alsdann habe er Hilfe abgelehnt.<\/li>\n<li>Er habe den Kaiser aufgefordert, die Parlament\u00e4rfahne zu hissen und zu kapitulieren.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Abschlie\u00dfend dr\u00fcckt Ducrot in seiner Vorbetrachtung die &#8211; mit einem gewissen Zynismus gew\u00fcrzte &#8211; Erwartung aus, dass die Verantwortung dieser bedauerlichen Polemik auf jenen zur\u00fcckf\u00e4llt, der diese wachgerufen hat&#8230;., \u201e<em>comme l\u2019a dit le g\u00e9n\u00e9ral de Wimpffen <\/em>(so wie es General von Wimpffen gesagt hat): <em>suum cuique\u201d<\/em>\u00a0(Jedem das Seine).<\/p>\n<p>Es ist hier leider weder der Platz noch der Ort, die aus der Sicht des Autors zu seiner Entlastung dargestellten Vorg\u00e4nge sowie zahlreichen Schrifts\u00e4tze um die Schlacht bei Sedan hier auszubreiten. Eine Haltungs\u00e4nderung Wimpffens hat Ducrots Schrift nicht erreicht, im Gegenteil. Noch 1871 und 1872 in durchgesehener und korrigierter 2. Auflage erscheint eine 75-seitige Erwiderungsschrift unter dem Titel \u201eLe G\u00e9n\u00e9ral de Wimpffen. R\u00e9ponse au G\u00e9n\u00e9ral Ducrot par un officier sup\u00e9rieur\u201d, Paris. Libraire Internationale, aus der Feder eines nicht mit Namen genannten \u201eCamarade d\u2019\u00e9cole\u201d (Schulkameraden). Die knappe H\u00e4lfte (S. 3 \u2013 32) derselben nimmt eine als biographisch wertvoll anzusehende Lebensbeschreibung ein (Premi\u00e8re partie: La vie militaire du G\u00e9n\u00e9ral de Wimpffen), die oben im er\u00f6ffnenden Lebensgang nat\u00fcrlich nur ansatzweise ausgesch\u00f6pft werden konnte. Dann folgt eine weitere knappe H\u00e4lfte mit Bemerkungen zur Ver\u00f6ffentlichung desselben (Seconde partie: Observations sur l\u2019opuscule du G\u00e9n\u00e9ral de Wimpffen, S. 33 \u2013 64), welche auf die f\u00fcnf Beschuldigungen und die Entgegnungen hierzu ausgerichtet ist. Den Rest bilden einige Briefe Wimpfens an den Freund (S. 65 \u2013 75). 1875 folgt eine Neuflage von Ducrots \u201eLa Journ\u00e9e &#8230;\u201d und 1887 aus den nachgelassenen Papieren Wimpffens eine weitere Rechtfertigungs-Schrift unter dem Titel \u201eLa bataille de Sedan, les v\u00e9ritables coupables\u201d (\u201eDie Schlacht bei Sedan, die wahrhaft Schuldigen\u201d). Diese erscheint 1889 in Augsburg auch in einer deutschen Ausgabe. Also, und die Beif\u00fcgung \u201ewahrhaft\u201d belegt dies schlagend, eine Kette gegenseitiger Beschuldigungen ohne vers\u00f6hnliches Ende.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>f. Theodor Fontane sch\u00e4tzt in seinem Werk \u00fcber den Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg den \u201eSedangeneral\u201d r\u00fcckblickend zwar als guten und tapferen Divisiongeneral ein, spricht ihm aber die F\u00e4higkeit der Lenkung einer gro\u00dfen Schlacht ab. <\/strong><\/p>\n<p>Um abschlie\u00dfend die \u201ewahrhafte\u201d Einsch\u00e4tzung der Pers\u00f6nlichkeit des Emmanuel F\u00e9lix de Wimpffen und seiner Handlungsweise in den letzten beiden Tagen der Schlacht bei Sedan als Befehlshaber des 5. Korps (an der Stelle von General Failly) sowie Oberbefehlshaber der Armee von Sedan (an der Stelle von Marschall Mac-Mahon bzw. von General Ducrot) zu finden, kehren wir zu Theodor Fontanes Buch zur\u00fcck. Wichtig erscheint, dass dieser Wimpffens Rechtfertigungs- und Ducrots Verteidigungsschrift und des Erstgenannten Erwiderungsschrift gekannt und die ma\u00dfgeblichen Inhalte derselben bei der Abfassung seiner Betrachtungen \u00fcber die Schlacht bei Sedan und \u00fcber den Sedangeneral eingearbeitet hat. Ergebnis einerseits seiner akribischen Kenntnis der Fakten, andererseits seiner in seinen sp\u00e4teren Romansch\u00f6pfungen evident gewordenen herausragenden Begabung, den Handlungs- und Zeithintergrund von Menschen zu ersp\u00fcren und in unnachahmlicher Sprache zu schildern, schlie\u00dft er seine Betrachtungen zu den Ereignissen um Emmanuel F\u00e9lix de Wimpffen mit einer meisterlichen umf\u00e4nglichen Einsch\u00e4tzung von dessen Pers\u00f6nlichkeit (man k\u00f6nnte sagen mit einem Psychogramm) auf dem Handlungshintergrund des 28. August bis 2. September 1870 folgenderma\u00dfen ab (die von Fontane zum Zwecke der Hervorhebung gesperrt wiedergegebenen Partien sind hier der Einfachheit halber <u>unterstrichen<\/u>):<\/p>\n<p><em>\u201eGeneral von Wimpffen war ein <u>tapferer Soldat<\/u>. Mehr denn das, er war ein guter Repr\u00e4sentant <u>militairischer Ehre<\/u> und untadeliger Gesinnung. Seine Widersacher haben ihm auch das bestreiten wollen; gewi\u00df mit Unrecht. Ducrot &#8211; pers\u00f6nlich erbittert und von jener Leidenschaftlichkeit des Charakters, der ein gerechtes Urtheil \u00fcberhaupt schwer f\u00e4llt &#8211; hat ihn unbedingt zu hart behandelt als er ihm vorwarf, um 9 Uhr Vormittags, wo die Dinge in Bazeilles eher gut als schlecht standen, aus <u>Eitelkeit<\/u> und <u>Gro\u00dfmannssucht<\/u> das Commando an sich gerissen zu haben. Er glaubte momentan an die M\u00f6glichkeit eines Sieges; gewi\u00df. Aber es lag ihm an <u>diesem<\/u>, nicht an der Indentificirung seiner Person mit diesem Siege. Folgen wir ihm durch die letzten Augusttage.- Von dem Momente seines Eintreffens in Sedan, ja schon vorher, von der Stunde seiner Pariser Abreise an &#8230; , gab er die mannigfachsten Beweise psychischen und moralischen Muthes, rascher Entschlu\u00dfkraft, lebhaften Geistes, starken Vaterlandsgef\u00fchls. Im Fluge orientirte er sich, griff im Gro\u00dfen und Kleinen energisch ein, ermuthigte die Schwachen und best\u00e4rkte die Starken in ihrem Widerstande. Die Art, wie er sich in Reims des Husarendetachements versicherte, wie er den Maire von Signy-L\u2019Abbaye belobte und pers\u00f6nlich erfahrene Unbequemlichkeit verga\u00df, wie er am 30. die Beaumont-Fl\u00fcchtlinge sammelte, am 31. bei seinem Corps sich einf\u00fchrte, und die Nacht darauf, auf platter Erde schlafend, das Loos des einfachen Soldaten theilte, die Energie, mit der er im entscheidenden Moment das Commando ergriff, gegebene Befehle annullirte, Bedenken beschwichtigte, Widerspruch bek\u00e4mpfte, um dann, in verzweifelten K\u00e4mpfen, erst mit Vielen, dann mit Wenigen den Durchbruch und dadurch die Rettung der Armee zu versuchen, endlich die Entsagung, die er \u00fcbte, als er seinen Namen unter die Unterwerfungsurkunde setzte, \u2013 all das hat in unsern Augen Anspruch auf Achtung bei Freund und Feind. Er war charaktervoll, soldatisch feurig, so lange es noch zu k\u00e4mpfen gab, ehrenvoll und opferbereit, als das Ungl\u00fcck hereingebrochen, das Unvermeidliche an ihn herangetreten war; in diesem Sinne hat er Anspruch auf die Worte, die General v. Moltke und Graf Bismarck brieflich an ihn gerichtet haben: \u201aIm Augenblick, wo Ew. Exzellenz den Oberbefehl \u00fcbernahmen, wurde die Armee von Sedan, welche sich bis zum Schlusse tapfer geschlagen hat, von uns als eine vollst\u00e4ndig verzweifelte betrachtet.\u2019 *<\/em>) Rand-Anmerkung des Autors: \u201a<em>Die Frage, ob ein Entschl\u00fcpfungsversuch \u00fcber Illy nicht besser gewesen w\u00e4re, als ein Durchbruchsversuch \u00fcber Bazeilles, wird hier seitens Generals v. M. nicht ber\u00fchrt. Die Lage war um 8 Uhr verzweifelt, gewi\u00df; aber der eine kommt aus verzweifelten Lagen besser heraus als der andre<\/em>.\u2019 Fortsetzung des laufenden Textes:\u00a0<em>\u201aEw. Exzellenz kann sich das Zeugni\u00df ablegen, da\u00df kein Oberbefehlshaber f\u00fcr seine Armee bessere Bedingungen erhalten h\u00e4tte, als die, welche aus pers\u00f6nlichen R\u00fccksichten f\u00fcr Ihre Person bewilligt wurden. Ich w\u00fcrdige mit Erkenntlichkeit die wohlwollenden Ausdr\u00fccke, mit denen sich Ew. Exzellenz betreffs meiner in Ihrer Ver\u00f6ffentlichung ausgedr\u00fcckt haben.- Aehnlich schrieb Bismarck &#8230; \u2019\u201d &#8211;<\/em><\/p>\n<p>Hier sei die Wiedergabe von Fontanes Text unterbrochen und darauf hingewiesen, dass dieser jetzt nur den Schlusssatz eines Dankesbriefes zitiert, den Bismarck an Wimpffen gerichtet hat, nachdem dieser ihm ein Exemplar seines Werkes \u201eLa bataille de Sedan &#8230;\u201d geschickt hatte. Dieses wertvolle in franz\u00f6sischer Sprache gehaltene und nachfolgend gezeigte Dokument ist vor kurzem von seinem jetzigen Besitzer, Dr. Hans H. von Wimpffen, im Rahmen seiner gro\u00dfen Dokumentation im Internet \u201ewimpffen.hu\u201d der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht worden ist. Dieser Dankesbrief wurde nach der Auffindung im Nachlass des 2009 verstorbenen gro\u00dfen Politikers der Nachkriegszeit Otto Graf Lambsdorff der Familie von Wimpffen von dessen Gattin Gr\u00e4fin Alexandra Lambsdorff, geb. von Quistorp, geschenkt. Nach Wurzbach befand sich dieser wie auch der in Fontanes Text teilweise in \u00dcbersetzung wiedergegebene Brief Moltkes (siehe oben) fr\u00fcher im Archiv der gr\u00e4flichen Wimpffen-Linie des Schlosses Kainberg in der Steiermark, wohin diese wohl deshalb gelangen konnten, weil Emmanuel F\u00e9lix de Wimpffen keine Nachkommen hatte.<br \/>\nSiehe diesen nun nachfolgend in der<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/089.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-129 size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/089-609x1024.jpg\" alt=\"089\" width=\"609\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/089-609x1024.jpg 609w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/089-178x300.jpg 178w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/089-768x1292.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/089.jpg 815w\" sizes=\"(max-width: 609px) 100vw, 609px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. V 9: Dankesbrief des Grafen Bismarck an General Emmanuel F\u00e9lix de Wimpffen f\u00fcr die Zusendung seines Buches \u00fcber die Schlacht von Sedan vom 9. Januar 1872<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Und nunmehr hier der gesamte Brieftext, und zwar zun\u00e4chst in der Originalsprache, dann in der \u00dcbersetzung:<br \/>\n<em>\u201eSon Excellence Monsieur le G\u00e9n\u00e9ral Comte de Wimpffen.- Berlin, le 9 Janvier 1872.- Monsieur le Comte, J\u2019ai re\u00e7u la lettre que vous m\u2019avez fait l\u2019honneur de m\u2019adresser en date du 20 dernier de m\u00eame que votre livre sur les \u00e9v\u00e9nements de Sedan. Je vous remer\u00e7ie, mon G\u00e9n\u00e9ral, du souvenir bienveillant que vous gardez de nos entretiens et je me suis r\u00e9jouie, en lisant votre relation de cet esprit de justice qu\u2019elle respire. Mes sympathies resteront toujours requises \u00e0 un g\u00e9n\u00e9ral qui, ayant fait des preuves ailleurs, ne fut appel\u00e9 sur le terrain qu\u2019au moment o\u00f9 le sort des armes se trouvait d\u00e9j\u00e0 jet\u00e9 de mani\u00e8re \u00e0 ne plus laisser de chance \u00e0 sa bravour et \u00e0 son genie. Veuillez agr\u00e9er Monsieur le G\u00e9n\u00e9ral, l\u2019assurance de ma haute consid\u00e9ration. \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 v. Bismarck&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eSeiner Exzellenz Herrn General Graf von Wimpffen.<\/em> &#8211;<br \/>\n<em>Berlin, am 9. Januar 1872 &#8211; Herr Graf, Ich habe den Brief, den Sie mir zu schicken die Ehre gegeben haben, unter dem 20. letzten Monats, ebenso Ihr Buch \u00fcber die Ereignisse von Sedan erhalten. Ich danke Ihnen, Herr General, f\u00fcr die wohlwollende Erinnerung, die Sie an unsere Zusammenk\u00fcnfte bewahrt haben, und es ist mir eine Freude, Ihren einen solchen Geist der Gerechtigkeit atmenden Bericht zu lesen. Meine Sympathien verbleiben immer einem General, der, nachdem er anderw\u00e4rts seine Proben abgelegt, auf das Terrain erst im Augenblick berufen wurde, wo das Los der Waffen bereits entschieden hatte. Empfangen Sie, Herr General, die Versicherung meiner gro\u00dfen Hochachtung.\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 v. Bismarck \u00a0\u00a0<\/em><em>\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/em><\/p>\n<p>Nunmehr sei Fontanes Text fortgesetzt:<br \/>\n<em>\u201eSo viel \u00fcber Wimpffen den tapferen Soldaten, den Mann von Ehre und Gesinnung. Anders freilich stellt sich das Urtheil, wenn wir den <u>Feldherrn<\/u> Wimpffen ins Auge fassen und nach der <u>Einsicht<\/u> fragen, die er am Tage von Sedan zu erkennen gab. Hier erschienen uns alle gegen ihn erhobenen Angriffe als berechtigt, und der Verurtheilung zustimmend, die er durch die verschiedensten Stimmen erfahren hat, finden wir es unbegreiflich, da\u00df er sich bei Bazeilles <u>durchk\u00e4mpfen<\/u> wollte, w\u00e4hrend bei Illy noch ein <u>freier Abzug<\/u> in der M\u00f6glichkeit lag. Dies letztere hat Wimpfen freilich bestreiten wollen und sein mehr citirtes Buch ist vorwiegend zu dem Zwecke geschrieben worden, die Unm\u00f6glichkeit dieses Abzuges zu beweisen. Aber er ist mit dieser Beweisf\u00fchrung v\u00f6llig gescheitert. Seine Zeitangaben sind s\u00e4mmtlich falsch.\u201c<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Siehe dazu die nachfolgende Kartenskizze des Schlachtfeldes von Sedan, in der Emmanuel F\u00e9lix de Wimpffen den Namen und den jeweiligen Standorten der verschiedenen preu\u00dfischen, bayrischen und w\u00fcrttembergischen bzw. franz\u00f6sischen Korps und sonstigen Einheiten sowie dem Datum (31. August bzw. 1. September) noch die Uhrzeit hinzugibt:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/090.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"zoooom alignnone wp-image-130 size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/090-1024x735.jpg\" alt=\"090\" width=\"660\" height=\"474\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/090-1024x735.jpg 1024w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/090-300x215.jpg 300w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/090-768x551.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/090.jpg 1921w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. V 10: Kartenskizze \u201eChamp de Bataille de Sedan\u201d aus dem Werk \u201eSedan par le G\u00e9n\u00e9ral de Wimpffen\u201d (Paris 1871)<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Und wieder sei der Text Fontanes fortgesetzt:<br \/>\n<em>\u201eEr l\u00e4\u00dft bereits um 5 Uhr fr\u00fch unser XI. Corps bei Fleigneux und St. Menges, unser V. Corps bei Vrigne aux Bois stehen, was entweder eine gro\u00dfe Unkenntni\u00df verr\u00e4th oder einen nicht statuirbaren Hang bekundet, die Tathsachen nach pers\u00f6nlichem Bed\u00fcrfni\u00df zu modeln. Um 5 Uhr fr\u00fch standen beide Corps bei Donchery noch am linken Ufer der Maas; erst um 6 Uhr waren die Br\u00fccken passirt; erst um 8 standen sie in H\u00f6he von Vrigne aux Bois, erst um 10 zwischen St. Menges und Fleigneux. Und zwar h\u00f6chstens in St\u00e4rke von zwei Divisionen. Das ergiebt eine Differenz von <u>f\u00fcnf Stunden<\/u>. Mit Recht schreibt Oberst Borbst\u00e4dt: \u201aW\u00e4re der Feind zwischen 9 und 10 Uhr energisch vorgegangen, so w\u00e4re es vielleicht m\u00f6glich gewesen, die preu\u00dfischen T\u00eaten in das D\u00e9fil\u00e9e von St. Albert zur\u00fcckzuwerfen und das Abfahren der Artillerie-Linie zu erzwingen, was auf den Gang der ganzen Schlacht und die Entwicklung der auf einer Stra\u00dfe marschirenden preu\u00dfischen Marschkolonnen von entschiedenem Einflu\u00df gewesen sein w\u00fcrde.\u2019 Es ist <u>nachtr\u00e4glich<\/u> f\u00fcr jeden, der sehen will, &#8211; also f\u00fcr jeden mit alleiniger Ausnahme des Generals v. Wimpffen &#8211; ein unbestreitbares Factum, da\u00df um 9 Uhr ein Entkommen der Armee mindestens noch innerhalb der M\u00f6glichkeit lag, da\u00df aber unter allen Umst\u00e4nden ein <u>Abzugs<\/u>versuch \u00fcber Illy hinaus besser gewesen w\u00e4re, als ein <u>Durchbruchs<\/u>versuch bei Bazeilles; &#8211; es fragt sich nur, ob General Wimpffen verpflichtet war, schon damals am Schlachttage selbst, eine Einsicht zu besitzen, \u00fcber die wir <u>nachtr\u00e4glich<\/u> Alle verf\u00fcgen. Wir m\u00fcssen auf diese Frage antworten: ja, er war dazu verpflichtet. Er hatte sich am 30. mit eigenen Augen davon \u00fcberzeugt, da\u00df von S\u00fcden und S\u00fcdosten her unsererseits ganze Armeen heranr\u00fcckten, die stark genug gewesen w\u00e4ren das franz\u00f6sische V. und VII. Corps vor sich her zu treiben und unterst\u00fctzende Brigaden des I. und XII. Corps zu werfen. Meldungen hatten ihm inzwischen best\u00e4tigt, da\u00df bei mannigfachen von Mouzon und Carignan her auf Sedan f\u00fchrenden Stra\u00dfen von den Unseren \u00fcberdeckt seien, er wu\u00dfte also, nach Allem was er geh\u00f6rt und gesehen, mit Sicherheit wissen, da\u00df an seiner Front (nach Osten zu) feindliche Massen vor sich habe. Und trotz alledem hielt er an der Vorstellung fest, da\u00df Alles damit gethan sein w\u00fcrde, die <u>Baiern in die Maas zu werfen<\/u>. Diese Redewendung kehrt in seinen eigenen Aufzeichnungen best\u00e4ndig wieder. Er sah nicht \u00fcber das N\u00e4chstliegende hinaus; sein geistiges Auge reichte nicht weiter als sein physisches. Er sah immer nur die Baiern und betrachtete die ganze Schlacht als eine Art Zweikampf zwischen dem franz\u00f6sischen Corps Lebrun und dem bairischen Corps v. d. Tann. Er schlug nicht eine Schlacht bei <u>Sedan<\/u>, er schlug nur eine Schlacht bei <u>Bazeilles<\/u> und hielt, bis es zu sp\u00e4t war, die Vorstellung aufrecht, da\u00df ein Sieg an letztgenanntem Orte (Bazeilles) \u00fcberhaupt den Sieg bedeuten werde. Er wollte nicht den Abzug \u00fcber Illy; die Frage ob \u201aausf\u00fchrbar oder nicht\u2019 lag damals seiner Seele noch v\u00f6llig fern; er wollte einfach <u>siegen<\/u>, und dieser Sieg, so vermeinte er, war da, wenn die Baiern in die Maas geworfen w\u00fcrden. In diesem Allem sprach sich eine Beschr\u00e4nktheit aus, seine Unf\u00e4higkeit, Gro\u00dfes zu umfassen; &#8211; die Schlacht war f\u00fcr ihn jedesmal an der Stelle, wo er pers\u00f6nlich stand. Er sah sich pl\u00f6tzlich in Verh\u00e4ltnisse hineingestellt, die erheblich \u00fcber sein geistiges Verm\u00f6gen hinauslagen; er war ein Divisionsgeneral, kein Feldherr, der Riesenschlachten schl\u00e4gt. Kleine Anschauungen \u00fcbertrug er auf gro\u00dfe Dinge, afrikanische Erfahrungen auf europ\u00e4ische Verh\u00e4ltnisse. Zu <u>verlangen<\/u> war von ihm die Einsicht, da\u00df mit dem \u201a<u>in die Maas werfen<\/u>\u2019 des I. bairischen Corps ein Entkommen auf Montmedy auch noch nicht ann\u00e4hernd gesichert war, zu <u>verlangen<\/u> war die Einsicht, da\u00df hinter und neben den Baiern andere und immer wieder andere standen, die, in Front und Flanke zufassend, von seinen Durchbruchskolonnen nicht viel \u00fcbrig gelassen haben w\u00fcrden. Aber von diesen Erw\u00e4gungen scheint ihm bis zu dem Momente, wo er die Dinge <u>leibhaftig sah<\/u>, auch nicht eine gekommen zu sein. Er tappte hinein, guten Glaubens, da\u00df er ein Auserw\u00e4hlter sei und mu\u00dfte sich 12 Stunden sp\u00e4ter davon \u00fcberzeugen, da\u00df er nur auserw\u00e4hlt worden sei, eine ungeheure Niederlage zu unterzeichnen. Mit gutem Willen und Feuereifer werden keine modernen Schlachten gewonnen. Sein Fehler war gewesen, da\u00df er geglaubt hatte, mit Gaben zweiten Ranges da auskommen zu k\u00f6nnen, wo Gaben ersten Ranges n\u00f6thig waren. Er war energisch und decidirt; zwei milit\u00e4rische Tugenden, wie nicht bestritten werden soll. Aber ununterst\u00fctzt durch entsprechende Erkenntni\u00df, k\u00f6nnen sie verh\u00e4ngni\u00dfvoll werden. An Warnungen hatte es nicht gefehlt. Um 9 Uhr ritt Ducrot an ihn heran: \u201aIch komme nicht, General, um Ihnen das Commando zu bestreiten; &#8230; aber lassen Sie mich Ihnen bemerklich machen, da\u00df ich <u>mich seit fast anderthalb Monaten den Preu\u00dfen gegen\u00fcber befinde, da\u00df ich ihre Operationsart besser kenne<\/u>, da\u00df ich die Situation und das Terrain studirt habe und da\u00df es mir nach Allem unzweifelhaft ist, da\u00df der Feind Miene macht, uns <u>einzuschlie\u00dfen<\/u>.\u2019 So Ducrot. Jeder empfand ein Gleiches, nur Wimpffen nicht.- So brach es denn herein.- Tapfer, patriotisch und ehrenhaft, und im Ungl\u00fcck sogar w\u00fcrdevoll und edel geartet, ist General Wimpffen nicht frei zu sprechen von dem Vorwurf, dies Ungl\u00fcck selbst zum gr\u00f6\u00dferen Theil herbeigef\u00fchrt zu haben. Ein \u00fcberraschender <u>Mangel an Einsicht<\/u> und ein <u>eigensinniges Verharren im Irrthum<\/u>, die beide seine Haltung am Tage von Sedan charakterisiren, haben die Katastrophe verschuldet oder doch wenigstens erst perfekt gemacht.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Ein verst\u00e4ndlicherweise milderes Urteil trifft vier Jahrzehnte nach dem ungl\u00fccklichen Geschehen MAX FREIHERR VON WIMPFFEN (1863 \u2013 1917), der Sohn des oben bereits mehrfach erw\u00e4hnten Vetters des Sedangenerals WILHELM VON WIMPFEN, der in einem in der \u201eWimpfener Zeitung\u201d ver\u00f6ffentlichten Brief an deren Redaktion aus Wien vom 18. September 1911 u. a. Folgendes schreibt: <em>\u201eObwohl in Frankreich geboren und mit Leib und Seele Franzose hatte Felix Wimpffen seine deutsche Abstammung nicht vergessen. Er geh\u00f6rte zu jener kleinen Gruppe franz\u00f6sischer Patrioten, die von freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschen und Franzosen die gedeihlichsten R\u00fcckwirkungen auf die Entwicklung beider V\u00f6lker erhoffte. Als gebildeter und t\u00fcchtiger Offizier kannte er die Kraft der deutschen Wehrmacht, wu\u00dfte, da\u00df die Franzosen milit\u00e4risch den Siegern von K\u00f6niggr\u00e4tz nicht gewachsen waren, und sah den schlimmen Ausgang des Krieges voraus. Darin eben liegt das Tragische seines Schicksals, da\u00df er, der Gegner dieses Krieges, im letzten Akte des Sedandramas zu einer Zeit, da die franz\u00f6sische Armee rings umstellt und die Entscheidung bereits gefallen war, die f\u00fchrende Rolle \u00fcbernehmen mu\u00dfte. Allerdings w\u00e4re es kl\u00fcger gewesen, die Vollmacht, die ihm den Oberbefehl nach Mac-Mahon \u00fcbertrug, nicht geltend zu machen; ehrenvoller aber war es &#8211; wie er es tat &#8211; die Klugheit, d. h. die R\u00fccksicht auf die eigenen Person in der verzweifelten Lage beiseite zu setzen und den Versuch einer Rettung mit der Waffe zu wagen. Als Wimpfen das Kommando \u00fcbernahm, bot ein Durchbruch nach Paris dieselben Schwierigkeiten wie ein Durchbruch nach Metz. Der Durchbruch nach Metz war die dem General von der Pariser Regierung gesetzte Aufgabe und ein Vormarsch daher dem franz\u00f6sischen Temperament mit seinem Elan gelegener als ein R\u00fcckzug nach Paris. Deshalb entschied sich Wimpffen f\u00fcr den Durchbruch nach Metz. Gl\u00fcckliche Zuf\u00e4lle h\u00e4tten vielleicht sein Unternehmen zu einem teilweisen Erfolg f\u00fchren k\u00f6nnen, die Disziplinlosigkeit h\u00f6herer Offiziere lie\u00df es aber nicht einmal zu einem durchgreifenden Versuche kommen.<\/em> \u2013 <em>General von Wimpffen hat seine Pflicht erf\u00fcllt, das war auch Moltkes Urteil. Moltke, der mit der Familie Wimpffen verwandt war, hatte mit seinem Gegner besonderes Mitgef\u00fchl.\u201d<\/em><br \/>\nMax von Wimpffen stellt sich also eindeutig auf die Seite seines Gro\u00dfvetters und somit gegen die kontr\u00e4re Einsch\u00e4tzung dessen Hauptgegners Ducrot.<\/p>\n<p>Bei allem Fehler Wimpffens, sich auf den Durchbruch im S\u00fcdwesten Richtung Carignan zu versteifen, ist denn doch Folgendes zu seiner teilweisen Entlastung zu sagen: Der Kardinalfehler, der die Einkreisung und Gefangennahme der Armee von Chalons bei und in Sedan provoziert hatte, war zuvor von MARSCHALL MAC-MAHON\u00a0begangen worden. Dieser hatte den dort versammelten Truppen am Nachmittag des 31. August Halt geboten mit dem Ziel, diese durch ein oder zwei Tage der Rast sich erholen und reorganisieren zu lassen, anstatt diesen den Weitermarsch in Richtung M\u00e9zi\u00e8res nach Nordwesten zu befehlen. Hinzu kommt, dass der als \u201eSedangeneral\u201d absch\u00e4tzig in die Geschichte eingegangene EMMANUEL F\u00c9LIX\u00a0DE WIMPFFEN gro\u00dfe kluge politische Weitsicht dadurch bewiesen hat, indem er bei den n\u00e4chtlichen Kapitulationsverhandlungen zu Donchery dem GRAFEN OTTO VON BISMARCK die schlimmen Folgen einer Annexion von Elsass-Lothringen in Gestalt der Erzeugung neuer Feindschaft und eines neuen Krieges zum Zwecke der R\u00fcckgewinnung desselben durch Frankreich eindringlich vor Augen zu f\u00fchren gesucht hat. \u201eNie davon reden, immer daran denken!\u201d hie\u00df es fortab in Frankreich, bis dann 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach und der erzeugte Hass sich Bahn brach und nach seinem f\u00fcr Frankreich siegreichen Ende im Versailler Vertrag sich Befriedigung mit Ergebnis der Fortsetzung Todfeindschaft und des Zweiten Weltkrieges verschaffte.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>g. In den Jahren seines Ruhestandes f\u00fchrt Emmanuel F\u00e9lix de Wimpffen in mehreren ver\u00f6ffentlichten milit\u00e4rischen Schriften seiner Nation die von ihm nach der Niederlage dringendst f\u00fcr notwendig befundene Armeereform im Sinne der Schaffung optimaler Waffen- und Wehrst\u00e4rke vor Augen.<\/strong><\/p>\n<p>Emmanuel F\u00e9lix de Wimpffen wird im April 1872 aus seiner Milit\u00e4rt\u00e4tigkeit als Divisionsgeneral mit einer Pension von 9.000 Francs verabschiedet und zieht sich nach Mustapha bei Algier zur\u00fcck. Als Grand-Officier de la L\u00e9gion d\u2019honneur steht ihm j\u00e4hrlich noch der zus\u00e4tzliche Genuss von 2.000 Francs zu. \u00dcber die schon genannten mit der Schlacht bei Sedan zusammenh\u00e4ngenden Ver\u00f6ffentlichungen hinaus erscheinen von ihm in der Zeit des Ruhestandes noch die folgenden weiteren milit\u00e4rischen Schriftwerke, die alle auf die ihm nach dem verlorenen Krieg notwendig erscheinenden Armeereformen gerichtet sind:<\/p>\n<p>&#8211; La situation de la France et les r\u00e9formes n\u00e9cessaires, Paris 1873 (108 S.)<br \/>\n&#8211; La Nation arm\u00e9e par le G\u00e9n\u00e9ral de Division de Wimpffen, Paris 1876 (273 S.)<br \/>\n&#8211; L\u2019\u00c9tat-major, son r\u00f4le dans l\u2019arm\u00e9e, Paris 1879<\/p>\n<p>Die zweitgenannte Schrift wird einige Jahre nach ihrem Erscheinen Hauptgegenstand der nachfolgend gezeigten Farb-Karikatur des \u201eSedangenerals\u201d, an die des Gesichtsvergleichs wegen eine in der Biblioth\u00e9que nationale de France verwahrte Fotografie desselben sowie eine zeichnerische Darstellung (Brustbild) angeschlossen wird:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/091.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"zoooom alignnone wp-image-131 size-large\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/091-660x1024.jpg\" alt=\"091\" width=\"660\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/091-660x1024.jpg 660w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/091-193x300.jpg 193w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/091-768x1192.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/091.jpg 1048w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. V 11: Le G\u00e9n\u00e9ral de Wimpffen, Zeichnung von Andr\u00e9 Gill auf der Titelseite der literarisch-satirischen Pariser Zeitschrift \u201eLes Hommes d\u2019aujourd\u2019hui\u201d (Die Menschen von heute) Nr. 40 (des Jahres 1879), die erstrangig auf die von diesem 1876 ver\u00f6ffentlichte Schrift \u201eLa Nation arm\u00e9e par le G\u00e9n\u00e9ral de Division de Wimpffen\u201d abhebt und eine Beischrift des Autors aufweist (ver\u00f6ffentlicht im Internet durch das \u201eCentre de recherche et d\u2019 Histoire de XIXe si\u00e8cle\u201d)<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/092.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-132\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/092-733x1024.jpg\" alt=\"092\" width=\"660\" height=\"922\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/092-733x1024.jpg 733w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/092-215x300.jpg 215w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/092-768x1073.jpg 768w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/092.jpg 1257w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Abb. V 12: Dreiviertel-Foto von Emmanuel F\u00e9lix de Wimpffen in ordensgeschm\u00fcckter und degenbewehrter Gala-Uniform in etwa der ersten H\u00e4lfte der 1870er Jahre, verwahrt in der Biblioth\u00e8que nationale de France<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-3315\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Scan-61-827x1024.jpeg\" alt=\"\" width=\"411\" height=\"509\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Scan-61-827x1024.jpeg 827w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Scan-61-242x300.jpeg 242w\" sizes=\"(max-width: 411px) 100vw, 411px\" \/><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Abb. V 13: Zeichnerische Darstellung des Emmanuel F\u00e9lix de Wimpffen in Zivilkleidung, beschriftet mit\u00a0\u201eGeneral de Wimpffen\u201c, in einer in Englisch gehaltenen Darstellung der Schlacht bei Sedan unbekannten Datums<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Karikatur stellt dessen h\u00f6chst realistisch wiedergegebenes bebartetes Haupt gro\u00df heraus, w\u00e4hrend der mit einem schwarzen Frack und einer roten Hose bekleidete K\u00f6rper sich nach unten wachsend minimiert, womit dem Dargestellten ein Anstrich der Respektlosigkeit bis L\u00e4cherlichkeit gegeben ist. Die \u00fcberkreuzten H\u00e4nde halten in der Rechten einen fast k\u00f6rperhohen S\u00e4bel (Anspielung auf seinen Status des Milit\u00e4r) und in der Linken einen ebensolchen Federkiel (Anspielung auf seine eifrige milit\u00e4rschriftstellerische T\u00e4tigkeit). Durch die sich ergebende \u00dcberkreuzung der gro\u00df zur Schau gestellten beiden Symbolgegenst\u00e4nde S\u00e4bel und Federkiel will der Zeichner wohl verschl\u00fcsselt andeuten, dass der Abgebildete als (\u00fcber)eifrig schreibender Milit\u00e4r f\u00fcr seine nach dem Abzug der deutschen Besatzung des Jahres 1873 sich mit der notwendigen Neuorientierung und Neuordnung schwer tuenden Nation durch seine Intentionen insofern \u201ezum Kreuz\u201d werden k\u00f6nnte, als dessen Appell zur Verst\u00e4rkung der Waffenr\u00fcstung drohten, f\u00fcr Frankreich Ungemach bis Ungl\u00fcck heraufzubeschw\u00f6ren.- Die <u>Beischrift der heutigen Herausgeber<\/u> lautet bezeichnenderweise:<br \/>\n<em>\u201eG\u00e9n\u00e9ral du Second Empire avec ses victoires et ses d\u00e9faites, augment\u00e9es d\u2019une \u0153vre d\u2019essayiste (La Nation arm\u00e9e, 1876).\u201d &#8211; <\/em>Zu Deutsch: <em>\u201eGeneral des Zweiten Kaiserreiches mit seinen Siegen und seinen Niederlagen, vergr\u00f6\u00dfert durch ein Schriftwerk (Die waffenger\u00fcstete Nation, 1876).\u201d<br \/>\n<\/em>In der linken Mittelzone des Blattes ist die folgende aus der Hand des Abgebildeten stammende &#8211; sein Schriftwerk kommentierende &#8211; <u>Anmerkung<\/u> zu finden:<br \/>\n<em>\u201eVivre au milieu des Soldats et aller \u00e0 la bataille a \u00e9t\u00e9 ma plus grande passion. Je n\u2019ai pris la plume que pour propager mon exp\u00e9rience acquise par une laborieuse carri\u00e8re et consacr\u00e9e par de nombreux combats. Mon but est de stimuler nos organisateurs militairs, afin qu\u2019ils fassent de la France une nation arm\u00e9e. Le gal <\/em>(= Abk\u00fcrzung f\u00fcr G\u00e9n\u00e9ral) <em>de Wimpffen.\u201d<\/em><br \/>\nFrei \u00fcbersetzt: <em>\u201eLeben in der Mitte der Soldaten und in die Schlacht gehen, das ist meine gr\u00f6\u00dfte Leidenschaft gewesen. Ich habe die Feder nicht ergriffen, um meine durch eine m\u00fchevolle Karriere erworbenen und durch zahlreiche Gefechte geweckten Erfahrungen hervorzukehren. Mein Zweck ist es, unsere Milit\u00e4r-Organisateure anzuregen, aus Frankreich eine waffenger\u00fcstete Nation zu machen. General de Wimpffen.\u201d<br \/>\n<\/em>Man sieht, dass der auf diese herabsetzende Weise der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentierte betagte General dem Spott nicht besser als mit der in heiligem Ernst ausgebreiteten Bekr\u00e4ftigung der seiner Schrift zugrundegelegten Intention der Steigerung der Wehrhaftigkeit zu begegnen versteht.<\/p>\n<p>Aus der Sicht des knapp dreieinhalb Jahrzehnte sp\u00e4ter ausgebrochenen Ersten Weltkriegs erscheint sein Appell der Erziehung seiner Nation zur Wehrhaftigkeit insofern gerechtfertigt, als es Frankreichs Soldaten damals gelingt, den Orkan des Angriffs nach dem sog. Schlieffenplan \u00fcber Belgien in Frankreich einbrechenden und an einen raschen Sieg glaubenden deutschen Armeen im Marne-Raum durch die Entschlossenheit, jeden Meter franz\u00f6sischen Bodens mit Aufbietung aller Kr\u00e4fte zu verteidigen, aufzuhalten und mit der Hilfe von Gro\u00dfbritannien und schlie\u00dflich den Vereinigten Staaten von Nordamerika der Abwehr Dauer zu verleihen.<\/p>\n<p>Er stirbt, ohne Kinder zu hinterlassen und nachdem seine Gattin ihm bereits 5 \u00bd Jahre vorausgegangen ist, in seinem Wohnsitz in Paris, Boulevard Poisonni\u00e8re Nr. 28, am 25. Februar 1884 an einem Schlaganfall im Alter von 72 \u00bd Jahren und wird dort auf dem Friedhof P\u00e8re Lachaise (division 47, angle chemin du Tertre) begraben. Die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/093.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-133\" src=\"http:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/093.jpg\" alt=\"093\" width=\"705\" height=\"700\" srcset=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/093.jpg 705w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/093-150x150.jpg 150w, https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/093-300x298.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 705px) 100vw, 705px\" \/><br \/>\n<\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong><strong>Abb. V 14: Die B\u00fcste des steinernen Grabmonuments von General Emmanuel F\u00e9lix de Wimpffen<\/strong><\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>zeigt ihn, seinem Wirken und Wesen entsprechend, uniformbewehrt und\u00a0ordendekoriert.\u00a0Aus der Ordenspracht sticht wieder der doppelte Ordensstern des Grand Officier de la L\u00e9gion d\u2019honneur am Hals am Band und auf der Brust ins Auge. Hinter der auf einer kranzgeschm\u00fcckten hohen Runds\u00e4ule stehenden B\u00fcste erhebt sich ein schmuckloser hoher Grabstein, auf dessen oberem Halbrund in gro\u00dfen Lettern die Inschrift \u201eAFRIQUE \u2013 ARM\u00c8E \u2013 ITALIE\u201d eingelassen ist. Damit sind die Pl\u00e4tze seines ruhmreichen Tuns herausgestellt, nicht jedoch der Ort seiner Niederlage Sedan, der ihm besonders gro\u00dfe, wenngleich traurige, Ber\u00fchmtheit eingebracht hat. Aus seinen nachgelassenen Papieren gab Emile Corra heraus:<br \/>\n&#8211; \u201eLa bataille de Sedan, les v\u00e9ritables coupables: Histoire compl\u00e8te et militaire d\u2019apr\u00e9s des mat\u00e9riaux in\u00e9dits, \u00e9labor\u00e9s et coordonn\u00e9s&#8220;; Paris Paul Ollendorff, 1887; in Deutsch Augsburg 1889.<br \/>\nUnd von den nachgelassenen Papieren gab H. Galli\u00a0diejenigen heraus, die sich auf seinen erfolgbringenden Einsatz im Krim- und Italienkrieg beziehen, unter dem Titel<br \/>\n&#8211; \u201eNotes et correspondences de campagne: Crim\u00e9e \u2013 Italie\u201d, Paris 1892.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich konnte die da und dort sporadisch in die vorliegenden Betrachtungen einbezogene j\u00fcngste 31-seitige Untersuchung des Jahres 2012 von Jean-Pierre Allart<br \/>\n&#8211; \u201eLe g\u00e9ner\u00e1l de Wimpffen (1811 \u2013 1884). L\u2019autre homme des Sedan\u201d, die Dr. Hans H. von Wimpffen wohl mit Recht als \u201edie beste Arbeit\u201d<em>\u00a0<\/em>\u00fcber diesen bezeichnet, hier nicht mehr als nur bruchst\u00fcckhaft eingearbeitet werden.<\/p>\n<p>Wenn nunmehr der Abschluss der Schilderung des Lebens des sog. Sedangenerals sich der Zitierung deren letzten Abschnittes bedient, so um mit des vorgenannten Autors dort ausgedr\u00fcckter Wertung einherzugehen, die bereits im Titelschluss (\u201eL\u2019autre homme de Sedan\u201d) anklingt:<br \/>\n<em>\u201eWenn, auch heute noch, General Wimpffen als der Mann gilt, der 1870 die Kapitulation von Sedan unterzeichnet hat, so darf man sein Dasein nicht allein auf den Tag des 1. September einschr\u00e4nken. Denn dieser war einer jener Militairs, die zur Kolonisation Algeriens beitrugen und der auf den europ\u00e4ischen Schlachtfeldern der Krim und Italiens Ruhm erwarb. Seine republikanischen Empfindungen, die jene eines aufrichtigen Menschen sind, haben ihm manche Ent\u00e4uschung bereitet, und wenn er auch ein Mensch seiner Zeit bleibt, so hat er es verdient, besser bekannt zu sein.\u201d<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie dem bei der Kolonisierung und in der Verwaltung Algeriens hohe Verdienste und Auszeichnungen erlangten \u00e4ltesten der franz\u00f6sischen Generale\u00a0EMMANUEL F\u00c9LIX DE WIMPFFEN \u00a0(1811 \u2013 1884) der Generation 13, dem einzigen Sohn des viert\u00e4ltesten Sohnes des Franz Ludwig von Wimpffen namens\u00a0F\u00c9LIX DE WIMPFFEN \u00a0(1778 \u2013 1813), im Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg von 1870\/71 in der letzten Phase der &hellip; <a href=\"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/thema\/sedangeneral\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V. Sedangeneral<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":2,"menu_order":23,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/317"}],"collection":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=317"}],"version-history":[{"count":129,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/317\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4112,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/317\/revisions\/4112"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wimpfen-geschichte.de\/von_wimpffen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=317"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}