IM SIEGREICHEN DEUTSCH-FRANZÖSISCHEN KRIEG VON 1870/71, IN DEM AUS DER GROßEN SCHAR DER INS FELD GERUFENEN SÖHNE WIMPFENS SECHS IHR LEBEN GEBEN MÜSSEN UND IN DER FÜR FRANKREICH VERLOREN GEHENDEN UMFASSUNGSSCHLACHT BEI SEDAN MIT DEM UNGLÜCKLICH AGIERENDEN „SEDANGENERAL“ EMMANUEL FÉLIX DE WIMPFFEN EIN ANGEHÖRIGER DES DAMALS ÜBER VIELE STAATEN EUROPAS VERBREITETEN ADELSGESCHLECHTES DER VON WIMPFFEN IN DAS BEWUSSTSEIN DER MENSCHEN UND GANZ BESONDERS DES NAMENSGLEICHEN HESSISCHEN KLEINSTÄDTCHENS WIMPFEN TRITT, ENTWÄCHST DIE VEREINIGUNG DER LÄNDER DEUTSCHLANDS DURCH DIE GRÜNDUNG DES DEUTSCHEN KAISERREICHES UNTER FÜHRUNG PREUßENS; UND IN DEREN GEFOLGE FINDEN DIE ERSTEN REICHSTAGSWAHLEN STATT UND KOMMT ES ZU EINER INITIATIVE ZUR BESEITIGUNG DES ALS URSACHE FÜR DIE STAGNATION WIMPFENS ANGESEHENEN EXKLAVENVERHÄLTNISSES DURCH DIE EINGLIEDERUNG IN DEN NACHBARSTAAT WÜRTTEMBERG BEI ZUERKENNUNG DES CHARAKTERS EINER BEZIRKSSTADT, DIE JEDOCH IN DEN ANFÄNGEN STECKEN BLEIBT.

  1. Anders als im Österreich-Preußischen Krieg von 1866 finden im siegreichen Krieg der Länder des Norddeutschen Bundes und der Staaten Süddeutschlands gegen den „Erbfeind jenseits des Rheins“ Frankreich drei der als hessische Soldaten unter der Führung des Prinzen Ludwig von Hessen in den Kampf gezogenen Söhne Wimpfens in der verlustreichen Schlacht bei Gravelotte den Tod und sterben drei solche an den Folgen der erlittenen Strapazen.

Nunmehr gilt es, an Ludwig Frohnhäusers seherisch anmutender Eintragung in der Pfarrchronik der Evangelischen Kirchengemeinde des Jahres 1866 anzuknüpfen (siehe diese Ende des Bandes 2 auf Seite 633 sowie in der letzten der dortigen Abbildungen Nr. I 2, Seite 635 unten) und damit zu zeigen, dass dieser den vier Jahre danach ausgebrochenen Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 vorausgeahnt hat. Und wie dort bereits oben auf Seite 530 berichtet, hat dieser das Vorwort seiner in der Zeit dieses Krieges erschienenen „Geschichte der Reichsstadt Wimpfen“ mit der für die Menschen dieser Zeit erinnerungsträchtigen Eintragung „Am Tage der Kapitulation Straßburgs. 1870“ versehen. Damit ist der 27. September 1870 gemeint. Über den Beginn und den Ausgang dieses für die Deutschen siegreichen Krieges erfahren wir aus der Chronikeintragung dessen Nachfolgers Stadtpfarrer und Dekan Wilhelm Scriba[1] Folgendes:

„Auf dieses Jahr kann, wie unser ganzes deutsches Volk, so auch insbesondere die Gemeinde Wimpfen nur mit dem innigsten Dank gegen Gott zurückblicken. Was der Herr Großes gethan hat dem deutschen Volk in dem Kriege gegen den Erbfeind jenseits des Rheins ist hier nicht zu verzeichnen, denn das gehört der Weltgeschichte an. Aber eine große Bangigkeit herrschte in Wimpfen, nachdem der Krieg erklärt war, denn Niemand zweifelte, daß Süddeutschland und also auch unsere Gegend, den ersten Anprall der Franzosen auszuhalten hätten und die Schrecken des Krieges erfahren würden. Als dann am 30 und 31 Juli große Truppendurchzüge mit der Eisenbahn, täglich 12 große Bahnzüge, statthatten, als die ersten Siegesnachrichten über die Schlachten bei Wörth, Spichern etc. eintrafen, da wurden die schweren Herzen wieder leichter und der Geist demüthiger Buße, der an dem Kriegsbettag am 27 Juli in feierlichem und besuchten Gottesdienst sich kundgethan hatte, durfte sich nun zu aufrichtigem Dank gegen den barmherzigen Gott heben.“

Dass der Chronikschreiber Frankreich als „den Erbfeind jenseits des Rheins“ bezeichnet und von der bangen Erwartung der Menschen berichtet, jetzt nach fast sechs Jahrzehnten der Verschonung wieder von den Schrecken des Krieges unmittelbar getroffen zu werden, geht zum einen auf die Rolle Frankreichs als Feind und Tod und Zerstörung bringender Aggressor in den Zeiten von König Ludwig XIV. und von Napoleon I. zurück. Zum anderen wurde Frankreich durch die am 19. Juli 1870 von seiner Seite gegenüber Preußen erfolgte Kriegserklärung als Verursacher des Krieges angesehen, wenngleich der Kanzler des Norddeutschen Bundes Otto von Bismarck durch seine Unterstützung der Kandidatur der Hohenzollern-Sigmaringer (katholischen) Linie auf den Königsthron Spaniens sowie durch die von ihm verkürzte und dadurch verschärfte sowie in Extrablättern verbreitete sog. Emser Depesche die Kriegserklärung durch Frankreich bewusst provoziert und somit die kriegerische Auseinandersetzung mit dem als Bedrohung empfundenen Nachbarland als Mittel der angestrebten Vereinigung der Länder Deutschlands unter preußischer Führung bei Ausschluss Österreichs ins Kalkül genommen hatte. Und dass im in den ersten Augusttagen beginnenden Krieg anstatt des allgemein befürchteten Einfalls der französischen Truppen in südwestdeutsches Gebiet erste Siegesmeldungen der von den in drei Armeen aufgegliederten und von der Pfalz aus über die Grenze Richtung Metz und Straßburg vordringenden deutschen Truppen gewonnenen Grenzschlachten (4. August: Weißenburg im Nordelsass; 6. August: Wörth am Rhein im Unterelsass sowie Spichern in Nordlothringen) eintrafen, ist im Zusammenwirken folgender begünstigender Umstände zu suchen:

  1. Die seit 1866/67 in geheimen Schutz- und Trutzbündnissen mit dem Norddeutschen Bund stehenden süddeutschen Staaten (Großherzogtum Baden, Königreich Württemberg, Königreich Bayern) traten auf die Seite des Norddeutschen Bundes, wozu auch die nicht in diesen vor allem wegen dem von Kaiser Napoleon III. an der Mainlinie Halt gebotenen Vereinigung der Länder Deutschlands einbezogenen hessen-darmstädtischen Provinzen Rheinhessen und Starkenburg (mit u. a. Wimpfen) gehörten. Somit wurden diese Provinzen laut Verordnung des Großherzogs Ludwig III. sowie der Regierung vom 22. Juli 1870 ebenfalls als im Kriegszustand befindlich erklärt. Daraufhin beschloss der Gemeinderat der Stadt Wimpfen auf der Grundlage des unmittelbar danach eingegangenen Mobilmachungsbefehls und der Bekanntgabe des Gesetzes über einzubringende Kriegsleistungen durch das Kreisamt am 27. Juli, im Falle von Einquartierungen der Gemeinde obliegende Naturallieferungen an Brot und Fleisch vorläufig selbst zu beschaffen, anstatt diese von der Militärverwaltung gegen Bezahlung zu beziehen.
  2. Die mit Erfolg angezielte Mobilmachung in kürzester Frist wurde, wie das laut Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde am 30. und 31. Juli jeweilig durchfahrende Dutzend Bahnzüge spüren lässt, insbesondere durch die seit langem vorbereitete Beförderung der Truppen mit der Eisenbahn bewerkstelligt. Nur so ist es auch zu verstehen, dass im August 1870 im nordwestlich der Stadt unweit des Nordrandes vom „Allezberg“ gelegenen ehemaligen alten Salinehaus ein Lazarett eingerichtet wurde, in dem 8 leichverwundete fremde Soldaten bis zum Spätherbst bis zu ihrer vollen Gesundung verpflegt wurden. Aus dem Bezirk Wimpfen mussten im gesamten 66 Mann Felddienst leisten, darunter großteils eigens dazu „eingezogene“ sog. Reserve- und Landwehrmänner, von denen z. B. die Frauen von LUDWIG KAUTTER, WILHELM STAUDINGER, FRIEDRICH WEYHING und KARL MÜNCH vom Tage des Ausmarsches an bis zur Rückkehr ihrer Männer eine wöchentliche Unterstützung von je 2 fl 30 kr von der Gemeinde zugewiesen bekamen. Das durch den Klingelbeutel erhobene Kirchenopfer ab August wurde für die im Kriege Verwundeten und die Angehörigen derselben bestimmt, wie überhaupt nach Angabe des Chronisten der Evangelischen Kirchengemeinde noch andere Leistungen zur Linderung der Kriegsnot sehr reichlich ausgefallen sind. Hinzu kamen noch 10 Mann, die sich „in Garnison“, d. h. in Ausbildung (Militärdienst) befanden, welche die Mehrzahl der Männer nach dem Erreichen des 20. Lebensjahres abzuleisten hatte.
  3. Keiner der deutschen Staaten besaß ein sog. Stehendes Heer (Berufsheer), sondern es bestand dort für diese überall die sog. allgemeine Wehrpflicht. Somit besaß die Mehrzahl der zum Kriegsdienst Herangezogenen eine militärische Ausbildung. Dieses System machte es möglich, in kürzester Zeit das für einen großen Krieg benötigte Massenheer aufzustellen. Ganz im Gegensatz hierzu setzte Frankreich auf ein Stehendes Heer (Kaderheer), das nach der Wehrreform vom Herbst 1866 die Zahl von 400.000 gut ausgebildeten und z. T. durch Einsatz in den afrikanischen Kolonien auch kriegserfahrenen Berufssoldaten umfasste. Zwar sollte eine ebenso starke Reserve und Nationalgarde hinzutreten. Doch blieb die ausgebildete Reservetruppe klein, so dass dieses System für die rasche Bildung eines Massenheeres nicht geeignet war. Die allgemeine Wehrpflicht verlieh im Verein mit dem Vorhandensein eines Kernes von Berufsoldaten, welche die Führungsränge einnahmen und, was die Offiziersstellen angeht, sich aus dem Adel rekrutierten, den Heeren der deutschen Staaten eine gewisse Überlegenheit.[2]
  4. Das unter dem Oberbefehl des Generals der Infanterie sowie Chefs des Generalstabes HELMUTH VON MOLTKE (* am 26. Oktober 1800 in Parchim/Mecklenburg – † am 24. April 1891 in Berlin) stehende deutsche Heer war weit besser geführt als das französische Heer. Moltke hatte wesentlichen Anteil an den preußischen Siegen in den wenige Jahre zuvor vorausgegangenen Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 und im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 gehabt, die heute zusammen mit dem nunmehr dritten Krieg Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1 die Leitbezeichnung „Die drei Einigungskriege“ führen. Moltke galt als genialer Stratege, der z. B. schon früh die entscheidende Bedeutung des modernen Massentransportmittels der Eisenbahn sowie des Nachrichtenmittels des elektrischen Telegrafen für die Beförderung und die Lenkung der großen Heere erkannt hat. Sein berühmtes Motto lautete: „Erst wägen, dann wagen.“ Während der verlangsamt-zögerliche Aufmarsch der französischen Hauptarmeen lediglich im Bereich des von der Ersten deutschen Armee verteidigten Saarlandes mit der vorübergehenden Eroberung von Saarbrücken am 02. August erfolgreiche Angriffe brachte, war es Moltkes von Erfolg gekröntes Ziel, raschestens den Angriff weiter südlich im Bereich der Zweiten und Dritten Armee über Metz/Lothringen und Straßburg/Elsass in Richtung Paris zu führen.

Dass hier mit

  • Abb. A 1: Helmuth von Moltke in der Uniform des Generals der Infanterie[3]

sogar ein Konterfei dieses viel gerühmten und viel bewunderten Feldherrn präsentiert ist, wird erst an späterer Stelle verständlich werden.

Die hessischen Truppen bildeten die 25. Division. Diese stand unter der Führung von GENERALLEUTNANT PRINZ LUDWIG (des späteren GROßHERZOGS LUDWIG IV. ab 1877) VON HESSEN und bildete zusammen mit der dem Generalleutnant von Wrangel unterstellten 18. Division das unter dem Kommando von GENERAL VON MANSTEIN stehende IX. Armeekorps, an dessen Kämpfen das hessen-darmstädtische Kontingent „rühmlichen Anteil“ nahm.[4]

Für diese und damit auch für die meisten Kriegsteilnehmer aus Wimpfen stellte die ganz besonders verlustreiche Schlacht bei Gravelotte und Saint Privat de la Montagne vom 18. August 1870 die wohl schwerste Prüfung des Deutsch-Französischen Krieges dar. Die namengebende französische Ortschaft, um welche die Hauptmasse der französischen Armee lagerte, findet sich im Département Moselle in der Region Lothringen, rund 15 km westlich der Stadt Metz. Dort griffen unter dem Oberbefehl von KÖNIG WILHELM VON PREUßEN um die 170.000 Deutsche mit 732 Geschützen rund 90.000 unter dem Befehl von MARSCHALL FRANÇOIS ACHILLE BAZAINE stehende Soldaten der französischen Rheinarmee mit 520 Geschützen an. Die schlimmen Gesamtverluste an Verwundeten und Toten dieser mörderischen Schlacht sollen auf deutscher Seite rund 900 Offziere und rund 19.000 Mann, davon 310 bzw. 3.905 Mann an Gefallenen, auf französischer Seite an Toten und Verwundeten rund 11.500 Mann gekostet haben.[5] In Anspielung auf den schweren gegenseitigen Beschuss, wo das französische Chassepotgewehr mit seiner überlegenen Reichweite und die gefürchtete französische Schnellfeuer-Wunderwaffe, die Mitrailleuse („Kugelspritze“), gegen das preußische Zündnadelgewehr sowie beidseitig unzählige Geschütze der Artillerieeinheiten aller Kaliber gegeneinander Verderben spieen, ließen in Frankreich nach diesem grausigen Schlachtengeschehen die folgenden beiden Redewendungen entstehen, die vor allem verwendet wurden, wenn es besonders heftig regnete: „Ça tombe comme à Gravelotte“ bzw. „Ça pleut comme à Gravelotte“ („Das kommt runter …“ bzw. „Es regnet wie bei Gravelotte“).[6]

Nach zähen Kämpfen, in denen die Deutschen bei nach vorgefasstem Plane herbeigeführter verkehrter Front sich in Richtung Ost über meist aufsteigendes Plateau-Gelände gegen den großteils auf den Höhen, in Fermen (alleinstehenden Bauerngehöften) und Ortschaften verschanzten Feind vorkämpfen mussten, gelang es diesen, die Franzosen zurückzuwerfen. Dadurch wurde diesen alle Wege nach Westen versperrt und konnte die Belagerung der Festungsstadt Metz begonnen werden, die fünf bis sechs Wochen später am 20. August begann und über stark fünf Wochen hinweg bis zum 27. Oktober ging und mit einer vernichtenden Niederlage der dort eingeschlossenen französischen Truppenteile endete.

Was den Einsatz der Großherzoglich-Hessischen 25. Division in der Schlacht von Gravelotte und Saint Privat de la Montagne betrifft, so findet sich dieser in Band 1 des großartigen dreibändigen Werkes des deutschen Schriftstellers THEODOR FONTANE, „Der Krieg gegen Frankreich 1870 – 1871“ ausführlich beschrieben:[7] Hiernach hatten am 18. August von den drei Brigaden derselben zwei heftige und verlustreiche Gefechte im und nördlich vom Bois de la Cusse zu bestreiten, der infolge seiner Lage zwischen dem rd. 10 km südsüdwestwärts entfernten Gravelotte und dem rd. 5 km nordnordostwärtig gelegenen St. Privat de la Montagne und damit an der linken Flanke der Mittelzone des Schlachtgeländes lag. Es handelte sich um die 49. Brigade des Majors von Wittich (bestehend aus dem 1. Hessischen Leib-Garde-Regiment unter Oberstleutnant Coulmann, dem 2. Hessischen Infanterie-Regiment unter Oberst Kraus und dem 1. Jäger-Garde-Bataillon unter Major Lautenberger) sowie um die 50. Brigade unter Oberst von Lyncker (bestehend aus dem 3. Hessischen Leib-Regiment unter Oberstleutnant Stamm, dem 4. Hessischen Infanterie-Regiment unter Oberst Zwenger und dem 2. Jäger-Leib-Bataillon unter Major Winter), dazu noch um 2 Abteilungen Hessischer Feldartillerie und dem halben Feldartillerie-Regiment Nr. 9 (5 Batterien). Das Ziel des Einsatzes war die Einnahme des von General L’Admirault verteidigten und nahe der Südostspitze des Bois de la Cusse gelegenen Ortes Amanvillers im Verein mit der 35. Infanteriebrigade (36. Magdeburgisches Füsilier- und 84. Schleswigsches Infanterie-Regiment) und einem Teil der 36. Infanterie-Brigade (85. Holsteinisches Infanterie-Regiment sowie 9. Lauenburgisches Jäger-Bataillon) unter dem bereits o. a. Generalleutnant von Wrangel.

In der

  • Abb. A 2: Kartenskizze zum Haupt-Einsatzgebiet der hessischen 49. und 50. Division in der Schlacht bei Gravelotte und St. Privat de la Montagne am 18. August 1870 mit dem im Zentrum des Kampfgebiets gelegenen Bois de la Cusse und dem diesem nahen Amanvillers (Kolorierung und ergänzende Beschriftung durch den Verfasser)[8]

lässt sich, was die Landstriche und Orte angeht, die nachstehend gegebene Schilderung des schrecklichen Schlachtengeschehens nachverfolgen. Aus einem Bericht der „Bad Wimpfener Zeitung“[9] von ausgangs April 1938 zum Tod des letzten damals sog. „Altveteranen“ des Krieges von 1870/71 FÖRSTER I. R. ADOLF GROßLAUB im Alter von 92 Jahren kann entnommen werden, dass dieser nach seinem Militärdienst der Jahre 1867 bis 1868 an den dortigen Gefechten als Angehöriger der 3. Kompanie des o. a. 2. Hessischen Jäger-Leib-Bataillons als Teil der 25. (Großherzoglich Hessischen) Division teilgenommen hat.

Die Verbände der 25. Division hatten gegen 9 Uhr früh linkerhand der oben beschriebenen Truppenteile der 18. Division die Caulre Ferme (anderswo: Cautre Ferme – siehe im Plan ganz unten links) erreicht und um 10 ½ Uhr rückten die letztgenannten Verbände, gefolgt von den erstgenannten, Richtung Verneville. Dabei umging die 25. Division fast den ganzen Südrand des Bois Doseuillons, schwenkte dann kurz vor Verneville nach links und passierte schließlich jene auf Anoux la Grange hinführende waldtorartig sich zwischen den beiden Waldungen öffnende Lichtung. Während von dort aus 5 Batterien der Divisions-Artillerie avancierten und zwischen Habonville und dem Bois de la Cusse Aufstellung nahmen, schwenkten die beiden Brigaden jetzt nach rechts Richtung Armanvillers aus. Während die 49. Brigade in den kaum 500 Schritt breiten Raum zwischen dem Wäldchen und dem nordwärtig sich hinziehenden tiefen Einschnitt der Eisenbahn Metz-Verdun vorrückte, schob sich die 50. Brigade als linke Flankendeckung der bereits im Feuer stehenden Korps-Artillerie in den Bois de la Cusse selbst.

Beide Brigaden, die eine im, die andere am Wald, hatten heiße Gefechte zu führen. Dies ist dargestellt im Uniform- und Schlachtenbild

  • Abb. A 3: Richard Knötel (1867 – 1914): Die Hessen am Bois de la Cusse (Schlacht bei Saint Privat am 18. 8. 1870)[10].

Der Schöpfer dieser Darstellung, der Schlachten- und Uniformmaler, Lithograf und Schriftsetzer RICHARD KNÖTEL (* am 12. 01. 1867 in Glogau, † am 26. 04. 1914 in Berlin) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Historienmaler. Vom Rand des Bois de la Cusse aus feuert eine Abteilung hessischer Truppen hinaus über offenes Gelände vom Plateau Amanvillers auf den französischen Feind. Ein Baumkrepierer und darunter ein fallender hessischer Soldat sowie ein getroffen am Boden liegendes Pferd deuten den schweren Beschuss und die Verluste an.

In Anbetracht der stündlich sich mehrenden Gefahr für die zur Bekämpfung des aus sicherer Deckung feuernden Gegners unentbehrbaren Artillerie-Verbände wurden zur Verstärkung der 50. Brigade von der 49. Brigade das 1. Jäger-Bataillon sowie das Bataillon des 2. Infanterie-Regiments rechts in den Wald gezogen. Wir können annehmen, dass sich unter den Beteiligten am Waldgefecht auch der o. g. Wimpfener ADOLF GROßLAUB befunden hat. Welche Wimpfener und in welchen Einheiten solche ebenfalls im oder beim Bois de la Cusse im Kampf standen, wissen wir nicht. Die der 49. Brigade verbliebenen 3 Bataillone wurden zwischen 3 und 4 Uhr von ihrem Kommandeur MAJOR VON WITTICH persönlich hin zu dem langen beidseits von einem Drahtzaun eingefassten Eisenbahnabschnitt geführt, der am Ostende des Bois de la Cusse in einen bis Amanvillers sich erstreckenden Damm von 15 Fuß Höhe überging und genau wie der Einschnitt unter starkem feindlichem Feuer stand. Die Männer dieser Brigade hatten bereits zwei Tage zuvor am 16. August in der vorausgegangenden mörderischen Schlacht bei Vionville und Mars la Tour, wo sie sich ein gutes Stück ostwärtig von den genannten Orten im Bois des Ognons neben Rezonville, rund 15 km südwärtig der jetzigen Position, festgesetzt hatten, bitteren Tribut in Gestalt des Verlustes von einem Offizier und 120 Mann an Toten und Verwundeten zahlen müssen.[11] Als gegen 4 Uhr die ebenfalls auf Amanvillers angesetzte Garde-Artillerie des auf der linken Flanke des Schlachtengeländes eingesetzten Garde-Korps vom XII. Königlich Sächsischen Armeekorps den Angriff einleitete, befahl der Kommandeur, den Eisenbahneinschnitt zu verlassen und hinter einem jenseits derselben gelegenen kleinen Gehölz Stellung zu beziehen. Von den ihm zur Verfügung stehenden 12 Kompanien hatten dies trotz der Tiefe des Einschnitts und der Steilheit der Böschung sowie des oben plötzlich einkommenden Mitrailleusenfeuers sukzessive in zugweisem Laufschritt die Hälfte geschafft, als dem Positionswechsel Halt geboten wurde. Jenseits wurde unter Leitung von OBERST KRAUS zum Schutze der hessischen Batterien das Gefecht mit den nordwestlich von Amanvillers postierten feindlichen Schützen aufgenommen. Erst als gegen abends 6 Uhr man drei der vier Infanterie-Brigaden des oben genannten Sächsischen Garde-Korps auf St. Privat la Montagne vorgehen sah, wurde MAJOR VON WITTICH erlaubt, die restlichen 6 Kompanien hinüber zu den anderen zu führen.

Nunmehr drei Bataillone stark und von der Divisions-Artillerie trefflich unterstützt, setzte der Kommandierende in dem Moment zum Sturme an, als, herkommend vom oben beschriebenen Waldtor, die zur Unterstützung des IX. Armeekorps herangezogene 3. Sächsische Garde-Brigade KNAPPE VON KNAPPSTÄDT herbeikam, welche die Queue des o. g. Sächischen Garde-Korps bildete. Gemeinsam schritt man nun um 6 ½ Uhr zum Angriff:

– am linken Flügel die 3 hessischen Bataillone (MAJOR VON WITTICH),
– im Zentrum das Garde-Schützen-Bataillon (MAJOR VON FABECK),
– am rechten Flügel: das Regiment Kaiser Alexander (OBERST VON ZEUNER).

Noch zurück blieb von der 3. Garde-Brigade das erst am Schluss herangekommene Regiment Königin Elisabeth unter OBERST VON ZALUKOWSKI.

Alle in erster Linie kämpfenden und Fühlung untereinander zu halten versuchenden Truppenteile hatten so enorme Verluste, dass der mit Elan (von den Offizieren – ebenso todesmutig wie antiquiert – zu Pferd!) vorgetragene Angriff aufgegeben werden musste. Dabei dürfte wohl die höhere bis zu 1200 m gehende Reichweite der französischen nach ihrem Erfinder genannten sog. Chassepot-Gewehre gegenüber den deutschen sog. Zündnadelgewehren mit ungefähr nur halb so großer Reichweite eine wesentliche Rolle gespielt haben. Am härtesten getroffen wurde das in der Mitte vorandringende sächsische Garde-Schützen-Bataillon. Es verlor die Hälfte der Mannschaften; alle Offiziere samt dem Kommandeur kamen zu Tode oder wurden verwundet. Ein nachgeschobener Sturmversuch des Regiments Elisabeth, der unter Hurrarufen über die zusammengebrochene Linie der ersten Angreifer hinaus vordringen konnte, brach ebenfalls zusammen. So musste ein Fähnrich die Reste aus dem Gefecht ziehen und auch die weniger dezimierten hessischen Bataillone wurden von ihrem Kommandeur zurückgeführt.

Ausschnitte des Berichts eines Offiziers des am schlimmsten mitgenommenen sächsischen Garde-Schützen-Bataillons mag den Jammer verdeutlichen:

„Vergebens sahen wir Offiziere uns um, woher das heftige Feuer auf uns eigentlich komme; kein Franzose war zu sehen. Noch gingen alle Kugeln zu kurz. Der Feind mußte die flach ansteigende Höhe vor uns besetzt haben, also mindestens 1.800 Schritt entfernt sein. Dort also war unser Ziel. Im Laufschritt vor in Tirailleurlinien, so lange der Athem hält. Der Kugelregen wurde furchtbar; die Leute begannen schon bedeutend zu stürzen; noch sahen wir den Feind nicht. Der Athem ist fort. Halt! Noch 1.000 Schritt. Keinen Schuß verschwendet. Vorwärts bis ins Kartoffelfeld dort! Halt! Jetzt ein paar Schuß! Dann weiter! – Aber schon Viele, Viele waren gefallen. ….. Weiter, weiter, die Entfernung ist noch zu groß für unsere Büchse. Heran bis auf 500 Schritt. ….. Plötzlich erschien Adjudant Wussow, dessen Pferd erschossen war, mit einer Hand voll Leute bei uns. (Wahrscheinlich war Major von Fabeck schon tot.) Da wird Hagen durch den Kopf geschossen, drei bis vier Leute neben mir ebenfalls. ….. Hinter uns auf 700 bis 800 Schritt Entfernung nichts als Todte und Verwundete. ….. Die Linien nähern sich schnell. Da wird Massow durch den linken Arm geschossen, auch die Schützenlinie wird immer dünner. Vorwärts, näher heran! Jetzt stehen wir noch 300 Schritt vor den rothen Mützen, aber nur 30 bis 40 Mann hatte ich bis hierher vorbringen können. ….. Die Leute waren brillant, völlig ruhig und todesmuthig. Jetzt hatten wir auch einen sicheren Schuß; wir konnten’s heimzahlen. Ich selbst schoß mit. Die Franzosen lösten ihre Tirailleure viermal ab, was sie leicht konnten, da sie hinter und auf der Höhe standen. Sie lagen in Schützengräben, deren sie vier hintereinander angelegt hatten. Das Feuer war kolossal. Da entsteht der Ruf an der Schützenlinie: ‚Die Patronen sind alle!’ ….. Es begann, dunkel zu werden. Da ertönte das Signal: Hahn in Ruh. ‚Nun geht’s zur Attake!’ Ich springe auf: wir müssen alle mit! Aber, o Schrecken, meinem Rufe antworten nur drei Stimmen: Alles ist todt oder verwundet. Das schlug mir so aufs Herz, daß ich das Attakiren vergaß und auf meinem Posten blieb. ….. .“[12]

Obgleich dieser höchst verlustreiche Sturm abgeschlagen wurde, räumte zu späterer Stunde zwischen 8 und 9 Uhr zum Glück der kommandierende GENERAL L’ ADMIRAULT seine um und in Armanvillers eingenommene Position. Der Grund war, dass gegen 7 ¾ Uhr St. Privat de la Montagne unter den Angriffen des XII. Sächsischen Armeekorps gefallen und damit die Entscheidung herbeigeführt war. Somit war seine rechte Flanke preisgegeben und er glaubte, seine Position dadurch nicht mehr halten zu können.

Ein Stabsarzt schreibt über sein dortiges Erleben und Tun u. a. wie folgt:

„Das Regiment beklagt allein 500 Verwundete. Ich arbeitete in dem brennenden St. Privat bis nachts um ein Uhr, ganz allein, ohne Gehülfen, die alle zerstreut lagen. Zwei Franzosen engagirte ich zur Aushülfe, und ich muß sie sehr loben; denn sie zeigten sich äußerst willig und geschickt. Den Jammer zu schildern ….. bin ich nicht im Stande. Die Franzosen zeigten gräßliche Verwundungen, die zum großen Theil durch Granatsplitter erzeugt waren. Bei vier verwundeten Franzosen schnitt ich Kugeln heraus, ….. außerdem mehrere Grantsplitter. Einer davon war ein ungefähr 1 Quadratzoll großes zerrissenes Eisenstück. Denken Sie sich die Wunde dazu, die solche Stücke nothwendig machen müssen, – die Feder sträubt sich Derartiges zu schildern.- Ich verband mit den beiden Gefangenen bis ein Uhr Nachts und machte mir dann unter den Todten ein Lager aus mehreren Bund Weizen. ….. unmuthig erhob ich mich bereits um drei Uhr Morgens vom Lager, die Tagesarbeit wieder beginnend. Viele der Schwerblessirten waren in der Nacht gestorben, ohne Hülfe, von Schmerz und Durst gequält. Zweimal übermannte mich das Entsetzen über den gräßlichen Zustand der Schwerverwundeten, die, vom Schmerz gefoltert, oft wüthend sich erhoben und darauf todt niederstürzten. Erst gegen Mittag (am 19.) kam mancherlei Hülfe und besserte sich die Lage.“

Die hier zu schildern versuchte Grauenhaftgkeit der Verwundungen und des Leids der Betroffenen bei Freund wie Feind sowie auch die ihnen zu geben mögliche völlige Unzulänglichkeit der Hilfe ist bildlich in der nachfolgend gezeigten Darstellung ungeklärter Herkunft und Hand dokumentiert:

  • Abb. A 4: Nach der Schlacht bei Gravelotte – die Barmherzigen Schwestern kamen aufs Schlachtfeld, um den Verwundeten beizustehen; Farbdruck mit Bilderklärung in Englisch und Deutsch.[13]

Die englische Version der Bilderklärung lautet: „After the Battle of Gravelotte. Sisters of Mercy arriving on the battle field to succour the wounded“ (Nach der Schlacht von Gravelotte. Auf dem Schlachtfeld, um den Verwundeten beizustehen, eingetroffene Barmherzige Schwestern). Die dramatische Szene spielt in der Tat, wie links oben der aus der aufragenden Masse der Gewehrläufe dringende dichte Pulverdampf und die brennenden Häuser darüber zeigen, in nächster Nähe des Schlachtfeldes. Wie die roten Kreuze auf weißem Grund auf der von einem Gebäude herabhängenden Fahne sowie der Armbinden ausweisen, leistet die im Zentrum des Bildes auf einem Wagen herangefahrene Gruppe Barmherziger Schwestern ihre Hilfs- und Pflegedienste im Namen und unter dem Schutz des Internationalen Roten Kreuzes. Dessen Wirken zur Linderung des im Vordergrund in realistischer Drastik dargestellten unsäglichen Leides der Verwundeten macht zwischen Freund und Feind, wie an den am Rot ihrer Hosen und/oder ihrer Käppis erkennbaren französischen Verwundeten zu sehen ist, keinen Unterschied.

Dieses ergreifende Bild stellt eine Art Fliegendes Mahn- und Werbeblatt dar, das an die Menschen appelliert, dem Beispiel der im Krimkrieg (1853/54 – 56) von der britischen Krankenschwester FLORENCE NIGTHINGALE (1820 – 1920) geleisteten Pflegehilfe für Verwundete und Kranke sowie des 1863 durch den Schweizer Philanthropen HENRY DUNANT unter dem Eindruck des in der Schlacht bei Solferino (1859) erlebten schrecklichen Elends ins Leben gerufenen Internationalen Roten Kreuzes zu folgen bzw. dieses und deren Helfer zu unterstützen.

Dass die Hilfeleistungen durch die Militärärzte und die gezeigten anderen Helfer den maßlosen Leiden der Betroffenen jedoch bei weitem nicht gerecht werden konnten, lässt sich vor allem aus den gewaltigen Verlustzahlen der vorstehend natürlich nur ausschnittmäßig schilderbaren und auf den Einsatz der hessischen Einheiten und deren nächsten Kampfnachbarn beschränkten Geschehnisse ableiten: „Ich scheue mich, nach den Verlusten zu fragen“, so schließt der Brief von KÖNIG WILHELM VON PREUßEN vom 19. August 1870 an die Königin. Seit der Völkerschlacht bei Leipzig des Jahres 1813 war keine Schlacht geschlagen worden, die größere Opfer gekostet hatte. Und THEODOR FONTANE schreibt, rückblickend auf all die bislang errungenen Siege, am 28. August 1870 an seine altvertraute adelige Freundin, die Stiftsdame Mathilde von Rohr, sarkastisch: „Welche Siege! Welche Verluste!  … noch zwei solcher Siege und – wir sind ruiniert.“
Bezogen auf die gesamte Schlacht betrugen diese:[14]

Bei einer Gesamtstärke von ca. 170.000 eingesetzten deutschen Soldaten betrugen die Gesamtverluste fast ein Achtel derselben. Die Verluste der Franzosen betrugen 595 Offiziere und 11.083 Mann an Toten und Verwundeten. Im Hinblick auf nur ca. 90.000 eingesetzte Soldaten ergibt sich ebenfalls der Verlust von einem Achtel ihrer Stärke. Genau wie KÖNIG WILHELM VON PREUßEN, der die Franzosen „einen gleich braven Feind“ nennt, lässt auch THEODOR FONTANE diesen Gerechtigkeit widerfahren, indem er am Schluss seiner Ausführungen über die Schlacht bei Gravelotte und Saint Privat die folgende Wertung trifft:
Die französische Armee, was nicht oft genug gesagt werden kann, war glänzend. Nie hat das Kaiserreich, weder das erste noch das zweite, etwas  Besseres ins Feld gestellt. Der Feind unterlag einer Macht, die ihm an Zahl, an Rechtsbewusstsein und allerdings auch an Führung überlegen war. Die Armeen selbst waren ebenbürtig.“ [15]

Als noch blutiger, insbesondere verursacht durch die antiquierten selbstmörderischen Reiterattacken, ist die zwei Tage zuvor am 16. August stattgefundene Schlacht bei Vionville und Mars la Tour anzusehen; denn diese wurde mit nur halb so großer Mannschaft ausgeführt, während die Verluste von 640 Offizieren und 15.170 Mann an Toten und Verwundeten jedoch 83 % jener der Schlacht bei Gravelotte und Saint Privat betrugen. Die beiden nur einen Tag auseinander liegenden Schlachten als Einheit sehend, erhebt THEODOR FONTANE über deren furchtbaren beidseitigen Blutzoll mit den folgenden ergreifenden liedhaften Reimzeilen erschütternde Klage:[16]

Ein weiteres in der

  • Abb. A 5: Gedicht von Ferdinand Freiligrath „Die Trompete von Vionville“[17]

gezeigtes Reimwerk über diese Schlacht wurde in das „Hessische Lesebuch für Realschulen“ unter dem veränderten Titel „Die Trompete von Gravelotte“ aufgenommen. Dieser Umstand zeigt neben dem Bemühen, hier die Heldentaten hessischer Truppen der Nachwelt ins besondere Licht zu rücken und zu verklären, dass die aufopferungsvoll-verlustreichen Schlachten bei Vionville/Mars la Tour und bei Gravelotte/Saint Privat in der Tat allgemein als eine Art Doppelschlacht betrachtet worden sind.

Dass mit den vorstehenden langen Ausführungen über dieses in weiter Ferne und in fremdem Land erfolgte Schlachtengeschehen eigentlich der Erwartung zuwiderläuft, in dieser auf die Ortsgeschichte gerichteten Betrachtung allein Geschehnisse im Bannraum Wimpfens und seiner Nebenorte zu erfahren, geschah aus den folgenden Gründen:

Nicht nur, dass wohl mehrere Dutzend Söhne Wimpfens, wovon wir leider nach nunmehr beinahe 150 Jahren Konkretes fast nichts mehr wissen und berichten können, diese Schlacht miterlebt haben und sicherlich dabei schlimme Strapazen erdulden und außer vielen ausgestandenen Ängsten vielerlei Schmerzen erleiden mussten; von dem Bangen der Angehörigen in der Heimat um ihre Lieben und deren durch den Krieg und das Fehlen der besten Hände gegebene gewaltige Arbeitsüberlastung im Einzelnen hier nicht zu reden! Für die im Felde stehenden Soldaten wie ihren Lieben in der Heimat gab es allerdings jetzt die (die Kommunikation revolutionierende) Möglichkeit, per „Correspondenz-Karte“ kostenlos Nachricht zu geben und so etwa zu erfahren, ob der im Feld stehende Sohn oder Verlobte noch lebt bzw. wie es daheim um die Angehörigen bestellt ist. Darüber hinaus blieb es in Anbetracht der geschilderten schweren Tribute an Gesundheit und Leben nicht aus, dass in dieser Schlacht auch drei Kriegsteilnehmer aus Wimpfen ihr Leben lassen mussten und drei solche an den in diesem Krieg erlittenen Strapazen gestorben sind. Dies geht aus der Pfarrchronik der Evangelischen sowie aus dem Sterberegister der Katholischen Kirchengemeinde hervor. Denn die am Anfang zitierte Eintragung in die Chronik der Pfarrgemeinde für das Jahr 1870 wird von PFARRER WILHELM SCRIBA folgendermaßen zu Ende gebracht:

(Anmerkungen:
a. Die Namen sind hier in Fettschrift herausgehoben.
b. Die in Klammer und Aufrechtschrift wiedergegebenen Textpartien stellen Einlassungen des Verfassers dar.
c. Diese Textstelle findet sich an späterer Stelle in der Abb. A 7 wiedergegeben.)

„Von Angehörigen der evangelischen Gemeinde Wimpfen, die zum Militärdienst einbeordert waren, sind folgende drei junge Männer in der Schlacht bei Gravelotte gefallen:

  1. Carl Wilh. (diese zwei Vornamen sind durchgestrichen und es folgt:) Gottlieb (es müsste aber heißen: Ludwig FriedrichMaisenhälder, Sohn von Georg Friedrich Maisenhälder, Ackermann in Wimpfen im Thal, geboren am 15 April 1846.
  2. Jacob Georg Jaeckle, Sohn von Johann Jakob Jäckle, Ackermann in Wimpfen am Berg, geboren am 14 December 1846.
  3.  Johann Jacob Henninge, Sohn von Johann Jakob Hennige, Weingärtner zu Wimpfen am Berg, geboren am 14 November 1849.“

Die Eintragung berichtet weiter: „Infolge der Strapazen des Feldzugs sind gestorben:

  1. Carl Wilhelm Schnell, Sohn von Johann Matthäus Schnell, Ackermann zu Wimpfen im Thal, geboren am 25 Juli 1846, gestorben zu Darmstadt im Lazareth am 19 September 1870 an der Ruhr.
  2. Carl Johann Kniessel, Sohn des verstorbenen Johann Friedrich Knießel, zu Wimpfen am Berg, geboren am 13 Mai 1846, gestorben dahier am 3 März 1871 an Tuberkulose der Lunge.“

Die Ruhr und die Tuberkulose, dazuhin, wie wir später noch sehen werden, auch die Pocken, breiteten sich damals wegen der im Gefolge des Krieges bei den Soldaten wie den Zivilisten aufgetretenen Perioden des Nahrungsmangels sowie der fehlenden Hygiene, der Verseuchung des Wassers und der körperlichen Überforderungen epidemisch aus und bildeten im und nach dem 1870/71er-Krieg häufige Todesursachen. Über den oben unter 5. genannten Carl Johann Knießel ist im Sterberegister – anders als in  der Kirchenchronik berichtet –  gesagt, dass er an Typhus gestorben sei. Laut Gemeinderatsprotokoll vom 17. 01. 1871 hat die Gemeindekasse für die Verpflegung des bei der Schlacht bei Gravelotte verwundeten Musketiers Christoph Schöffel sowie des aus dem Feld krank zurückgekehrten (und oben als gefallen genannten) Kanoniers Karl Knießel von Wimpfen, die vom 3. Oktober bis 24. Oktober bzw. vom 22. August bis 8. Oktober bei ihren Eltern in Privatverpflegung gewesen sind, an deren gering vermögende Eltern, nämlich die Witwe des Fr. Knießel und die des Heinrich Schöffel, vorlagsweise aus der Gemeindekasse 23 fl bzw. 10.30 fl Unterstützung gereicht. Da der Staat diese Beträge in Höhe von insgesamt 33.30 fl nicht ersetzt hat, wurden diese schließlich definitiv auf die Gemeindekasse übernommen. Durch diese Angaben sowie über den bereits an früherer Stelle erwähnten Jäger Adolf Großlaub ist uns ebenfalls überliefert, welcher der verschiedenen Waffengattungen die beiden Genannten angehörten. Dies gilt auch laut Eintrag im Sterberegister für den oben unter 1. Genannten Gardejäger im Großh. Hess. Jäger-Bataillon 2 Johann Ludwig Maisenhälder, wonach dieser am 18. 08. 1870 im Lazarett verstorben ist; allerdings wird dessen Alter dort (wohl irrtümlicherweise) mit 27 (statt mit 24) Jahren sowie dessen Vorname (wohl richtigerweise – siehe die in Abb. A 8a gezeigte Gedenktafel, wo nur „Ldg.“ = Ludwig erscheint) mit „Johann Ludwig“ angegeben. Von diesem hat sich eine in der Zeit der Ableistung seiner Militärdienstpflicht entstandene Fotografie erhalten, die in der nachstehenden

  • Abb. A 6: Ludwig Maisenhälder aus Wimpfen im Tal, geb. am 15. April 1846, in seiner Dienstzeit als Soldat[18]

gezeigt ist.

Sicherlich hat manch anderer der im Felde gestandenen, doch den Krieg im Gegensatz zu dem Vorgenannten überlebten Wimpfener Soldaten ebenfalls eine Verwundung erlitten. Doch ist nichts dergleichen mehr erfahrbar. Von den oben aufgeführten fünf zu Tode Gekommenen gehörten allein vier dem Jahrgang 1846 an.

Der Chronist beendet seinen in der

  • Abb. A 7: Eintragung in der Pfarrchronik der Evangelischen Kirchengemeinde Wimpfen über die Opfer des Krieges von 1870/71

wiedergegebenen Bericht mit der folgenden Mahnung:
Diese fünf jungen Opfer des Krieges möge die Gemeinde Wimpfen in dankbarem Andenken behalten.“ 

Zwar war das jährliche Angedenken an die Schlacht bei Gravelotte, wie das Kapitel F. Wehr- und Herrscherkult zeigen wird, immens, doch ist dabei, geht man von den umfänglichen Zeitungsberichten aus, immer ausschließlich von den heldenhaften Siegen und vor allem dem Heldengreis Kaiser Wilhelm und dem genialen Schlachtenlenker Helmuth Moltke, nicht aber weder namenmäßig, noch überhaupt von den Gefallenen und an den Strapazen Gestorbenen sowie auch nicht von den Verwundungen Davongetragenen und gar lebenslang zu Invaliden Gewordenen die Rede!

Immerhin hat, um das geforderte Andenken für künftige Generationen zu bewahren, der nach dem Deutsch-Französischen Krieg hauptsächlich unter der Initiative von ehemaligen Teilnehmern dieses Krieges 1873 gegründete „Kriegerverein Wimpfen“ zur Bewahrung der Erinnerung an diesen und vor allem an seine Opfer für künftige Generationen im Jahr 1898 aus Anlass seines 25-jährigen Stiftungsfestes zusammen mit Stadt Wimpfen zwei Gedenksteine in Form marmorner Namenstafeln gestiftet. Die sind damals am Rathaus auf dem Mauerstreifen beidseitig über dem Haupteingang angebracht worden und finden sich heute, umschlossen jetzt von einem Zierrahmen aus Sandstein, an den Flanken der sog. Kriegergedächtnisstätte am Nordrand des ehemaligen Alten Friedhofs.

Diese seien gezeigt in den

  • Abb. A 8a und 8b: Die Texttafeln der beiden im Jahr 1898 vom Kriegerverein Wimpfen zum Andenken an die Teilnehmer und Opfer des Krieges von 1870/71 gestifteten Gedenksteine.

Die Mitte der aus unten einem gekreuzten Degenpaar und darüber zwei sich kreuzenden Fahnenbündeln sowie einem Eichenlaubkranz bestehenden Drapierung wird vom Orden des von König Wilhelm von Preußen zum Beginn des Krieges 1870/71 erneuerten Eisernen Kreuzes eingenommen. Betitelt mit „DIE STADT UND DER KRIEGERVEREIN WIMPFEN DEN TAPFEREN KÄMPFERN VON 1870/71“ sind in zwei Spalten alphabetisch insgesamt 4 x 19 = 76 Nach- und Vornamen aufgeführt, darunter zuerst, betitelt mit „Gefallen und an den Strapazen gestorben“, 2 x 3 = 6 solche, dann überschrieben mit „Im Felde gestanden“, 2 x 30 = 60 solche, am Schluss, überschrieben mit „In der Garnison gestanden“, 2 x 5 = 10 solche. Außer den in der Evangelischen Kirchenchronik genannten 3 + 2 = 5 Namen Gefallener bzw. an den Strapazen des Feldzuges Gestorbener ist auf der ersten Tafel an fünfter Stelle ein weiterer und damit ein 6. dem Krieg zum Opfer Gefallener aufgeführt, nämlich:

  1. Karl Pfoh. Bei diesem handelt es sich um einen Angehörigen der Katholischen Kirchengemeinde. Deren Sterberegister weist diesen durch die folgende Eintragung als ebenfalls an den Folgen der Strapazen Gestorbenen aus: „16. August 1871 nach siebentägigem Krankenlager an Herzschlag gestorben Karl Wilhelm Pfoh, Sohn des Ignaz Melchior Pfoh, 21 Jahre und 5 Monate alt.“

Demnach sind insgesamt drei der Kriegsteilnehmer gefallen und drei an den Strapazen gestorben. Zu finden sind auch die bereits im Text erschienenen Soldaten Adolf Großlaub (in der ersten Tafel) und Christoph Schöffel (in der zweiten Tafel). Bei den jeweils drei im Felde Gestandenen namens Ohr und Schnell handelt es sich um Söhne des Ackersmannes Georg Ohr aus Hohenstadt bzw. des Steinhauers Johannes Schnell aus Helmhof, deren Familien natürlich in den Kriegsmonaten ganz besondere Sorgen und Lasten auferlegt gewesen sind.

Allen aus dem 1870/71er Krieg heimgekehrten Soldaten wurde eine Kriegs-Denkmünze überreicht, was die

  • Abb. A 9: Urkunde über die Anerkennung der Teilnahme am siegreichen Feldzuge 1870 – 1871 für den Kanonier Ludwig Ohr vom 21. Januar 1872

ausweist.
Leider kennen wir keine der Stellen, wo die Wimpfener Gefallenen und wissen wir auch nicht, auf welche Weise diese von ihrem traurigen Schicksal ereilt worden worden sind bzw. – um mit der dann über ein Dreiviertel-Jahrhundert hinweg verwendeten Bezeichnung zu reden – „den Heldentod“ erlitten haben. Ebenso wenig wissen wir, in welchem der vielen mit Kreuzen, Steinen und anderem Schmuck übersäten Totenfelder bzw. Soldatenfriedhöfe der Plateaulandschaft um Gravelotte und St. Privat die drei in französischer Erde Gebliebenen ihr Grab gefunden haben.

  1. In der für die vierte deutsche Armee siegreichen Umfassungs- und Artilleriechlacht bei Sedan erlangt der dem sog. Franzens-Zweig der ursprünglich den bürgerlichen Namen Hermann getragenen und 1658 in den Adelsstand erhobenen Familie der Von Wimpffen entwachsene französische General Emmanuel Félix de Wimpffen durch seine unglückliche Rolle des in der hoffnungslosen Endphase der fast vollzogenen Einschließung an die Stelle des durch Verwundung ausgeschiedenen Oberbefehlshabers General Mac-Mahon Getretenen sowie des Bevollmächtigten für die Führung der Übergabeverhandlungen und Unterzeichners der Kapitulationsurkunde traurige Berühmtheit und wird abschätzig mit dem Namen „Sedangeneral“ belegt.

a. Wie – ganz anders als dies die Familientradition sieht sowie namhafte Genealogen im ausgehenden 18. bis 19. Jahrhundert es nahezu übereinstimmend darstellen – aus der in den Anfängen des 15. Jahrhunderts höchstwahrscheinlich von Wimpfen als Fernkaufleute des Namens Hermann oder Hörmann nach Augsburg und ein starkes Jahrhundert später in der 4. Generation von dort nach Nürnberg ausgewandern und dort 1658 in der 8. Generation unter den Brüdern JOHANN FRIEDRICH VON WIMPFFEN (1615 – 1668) und JOHANN DIETRICH VON WIMPFFEN (1616 – 1679) den Adelsstand der Reichsfreiherren erlangen, schließlich aus den sieben Söhnen des JOHANN GEORG VON WIMPFFEN (1689 – 1767) der 10. Generation fünf sog. Zweige herauswachsen und ein Teilzweig 1797 sogar vom Kaiser in den Grafenrang erhoben wird; wie zudem im 18. und 19. Jahrhundert zahlreiche Angehörige derselben in hohe bis höchste Positionen vor allem im Militärwesen der Großstaaten Europas wie vieler Länder des Heiligen Römischen Reiches bzw. Deutschen Bundes erreichen und großen Ruhmesglanz auf den Schlachtfeldern gelangen.

Die vorstehende komplexe Überschrift lässt ahnen, dass im Fortgang der Blick abermals zunächst in die Ferne gelenkt werden soll (und muss): Und zwar auf die in den Nieder-Ardennen an der Maas unweit der belgischen Grenze gelegene Festungsstadt Sedan und die dort knapp zwei Wochen nach dem Treffen bei Gravelotte und Saint Privat am 31. August/1. September 1870 stattgefundene weitere Schlacht, aus der die überlegenen deutschen Truppen abermals siegreich hervorgingen. In dieser standen sich die dem Oberkommando von GENERAL HELMUTH VON MOLTKE unterstellte – neu aus preußischen, sächsischen, bayrischen und württembergischen Truppenverbänden der Ersten und Zweiten Armee gebildete – Vierte sog. Maas-Armee in Stärke von etwa 185.000 Mann und an die 800 Geschützen und die französische sog. Armee von Châlons (en Champagne) gegenüber, die mit ihren knapp 130.000 Mann und fast 400 Geschützen noch die einzige im Felde stehende französische Armee gewesen ist und Mitte August dem Oberbefehl von GENERAL MAC-MAHON unterstellt worden war. Es braucht hier noch nicht ausgebreitet werden, warum auf deutscher Seite eine Umgliederung der Streitkräfte stattgefunden hat und wie es dazu kam, dass die bei Reims versammelte Armee Mac-Mahon der eingeschlossenen Festung Metz keine Hilfe bringen konnte und schließlich nach aufreibenden Märschen mit mehrfachen Zieländerungen, verlorenen Gefechten sowie dem Vorspiel der Niederlage des V. Corps in der Schlacht bei Beaumont unter GENERAL DE FAILLY sich erschöpft und demoralisiert am 30. August ca. 80 Kilometer nordwestlich des Ausgangsraumes ringförmig nord- bis südostwärts um sowie in Sedan selbst zu sammeln begann. Das gilt auch für die Einzelheiten der zur Abdrängung und Umklammerung des Gegners durch die Vierte und Teile der Dritten Armee vorgenommenen berühmten Rechtsschwenkungen Richtung Nord und damit die Abkehr vom Vormarsch in Richtung der Hauptstadt Paris. Wichtig ist allerdings vorausnehmend zu sagen, dass sich bei dieser nunmehr so genannten Sedanarmee auch KAISER NAPOLEON III. mit der schicksalsschweren Folge seiner späteren Gefangennahme eingefunden hatte.

Demgegenüber erscheint die Beschreibung des als „das große Kesseltreiben“ bezeichneten Endgeschehens der Schlacht bei Sedan selbst unvermeidbar, weil die französische Armee in der letzten Phase der beinahe vollzogenen Einschließung und damit des so gut wie verlorenen Kampfes unter das Kommando des (offenbar, wenngleich mit ff geschrieben, den Namen der Stadt Wimpfen in seinem Familiennamen tragenden!) sog. Sedangenerals BARON EMMANUEL FÉLIX DE WIMPFFEN (1811 – 1884) gestellt worden und diesem die schmachvolle Aufgabe zugefallen ist, mit dem (um das jetzt schon anzudeuten: mit ihm verwandten) OBERBEFEHLSHABER GENERAL HELMUTH VON MOLTKE und dem PREUßISCHEN MINISTERPRÄSIDENTEN OTTO VON BISMARCK die Bedingungen der Kapitulation auszuhandeln und schließlich auch zusammen mit dem Erstgenannten die Kapitulationsurkunde zu unterzeichnen.

Bereits sechs Jahrzehnte zuvor hatte, wie in Band 1, S. 224, nachzulesen, bereits ein anderer Angehöriger des Adelsgeschlechts der VON WIMPFFEN, dessen Name ebenfalls jenen Wimpfens in sich trägt, europäische Berühmtheit (dieser allerdings in positivem Sinne!) erlangt: Nämlich der ebenfalls im Militärdienst – und zwar dem Österreichs – gestandene FREIHERR MAX(IMILIAN) VON WIMPFFEN (1770 – 1854), der ein Vetter des Vaters des Sedangenerals gewesen ist und sich als Generaldjudant von ERZHERZOG KARL und Chef des Generalstabes der österreich-russischen großen Armee in den Schlachten bei Aspern und Wagram (1809) ganz besonders (und in vielen anderen Schlachten mehr) ausgezeichnet hat, später sogar mit dem Orden vom Goldenen Vlies dekoriert worden ist und auf der Gedenkstätte Heldenberg Kleinwetzdorf neben dem berühmten Feldmarschall Radetzky seine Grablege gefunden hat. Und im Blick auf die hier behandelte Geschichtsepoche Wimpfens der sog. Deutschen Kaiserzeit von 1870/71 bis 1918, das sei hier schon angedeutet, wird  an späterer Stelle auch des 1875 mit seiner Familie nach Wimpfen gezogenen und auch dort 1879 gestorbenen KÖNIGLICH-WÜRTTEMBERGISCHEN KAMMERHERREN UND RITTMEISTERS A. D. FREIHERR WILHELM VON WIMPFFEN (1820 – 1879) in ganz besonderem Maße gedacht werden müssen, zumal dieser und der „Sedangeneral“, da deren Väter FRIEDRICH WILHELM VON WIMFFEN (1784 – 1845) bzw. FÈLIX DE WIMPFFEN (1778 – 1814) Brüder waren, zueinander Vettern gewesen sind .

Das Inerscheinungtreten dieser drei den Adelsnamen VON WIMPFFEN tragenden Militärpersonen, von denen der Letztgenannte sogar in seinen letzten Lebensjahren in Wimpfen gelebt hat und auch dort gestorben und zur Ruhe gebettet worden ist, macht es zweifelsfrei notwendig, zunächst die folgenden sich aufdrängenden zentralen genealogischen Fragestellungen klarzulegen:

  1. Besteht tatsächlich ein Konnex zwischen der Namengebung „Von Wimpffen“ und dem Namen des Ortes „Wimpfen“?
  2. Wie ist diese Adelsfamilie entstanden?
  3. Auf welche Weise hat sich der Aufstieg deren Glieder vor allem im Militärwesens der wichtigsten Staaten Europas sowie Länder Deutschlands vollzogen?
  4. Wie sieht die im Laufe ihres Werdens vollzogene Gliederung im Geflecht von Zweigen, Linien und Nebenlinien aus?

Die Klärung dieser Fragen ist bei der vor Jahren begonnenen Erstellung des Textentwurfes dieses Teiles 3 dadurch geschehen, dass zunächst eine komplette und somit kaum übersehbare Darstellung des Werdens und der Bedeutung derselben unter Heranziehung einer fast unüberschauren Zahl sekundärer und primärer allgemeiner wie auch örtlicher Quellen erfolgt ist. Dies zu tun, erschien mir auch deshalb unumgänglich, weil, wie oben schon angedeutet, Angehörige der Württembergischen Nebenlinie des sog. Franzens-Zweiges der Von Wimpffen sich in der Mitte 1870er und damit in der im Fokus dieser Untersuchung stehenden „Kaiserzeit“ in Wimpfen angesiedelt haben. Doch wuchs der damit gegebene sowie durch Fehlen wie durch die Fragwürdigkeit mancher der vorliegenden Untersuchungen noch verstärkte Forschungsdrang sich so aus, dass fürs Erste ein völlig überdimensionierter Part in den Text hineingepresst wurde, der schließlich dazu führte, eine – natürlich somit noch weiter anschwellende – gesonderte Abhandlung des Titels „Die Freiherren und Grafen von Wimpffen in Bezugsetzung insbesondere zum namengebenden Ort Wimpfen am Neckar in Wort und Bild“ zu erstellen, welche schließlich sogar die Fertigstellung der hier vorliegenden Arbeit sehr verzögert hat. Diese ist 2013 – 2016 entstanden und findet sich nunmehr gesondert an vierter Stelle meiner im Internet unter „wimpfen.geschichte.de“ zu findenden Arbeiten unter dem folgenden Titel dargestellt:

Auf diese Arbeit, welche die Kapitel A – Z umfasst, wird im Fortgang immer wieder Bezug genommen werden.

Somit kann sich nunmehr, entgegen dem ursprünglichen Plan und Modus, die notwendige Beantwortung der obigen Fragestellungen auf eine Zusammenschau in Form einer chronologischen Aufreihung der wichtigsten Fakten des 2 ¼ Jahrhunderte umspannenden Forschungsgeschehens beschränken, zwangsläufig natürlich eingeschlossen die von führenden Genealogen des 18. bis ausgehenden 19. Jahrhunderts wie auch von manchen dem Von-Wimpffen-Geschlechts Angehörenden aufgezeigten kolossalen Falschdarstellungen, wobei die obige viergleisige Fragestellung sich durch die Wahl der chronologischen Abfolge aufheben wird:

Hier seien eröffnend die folgenden grundlegenden Feststellungen getroffen:

Erstens: Das Adelsgeschlecht der Von Wimpffen gehört weder zu den alten, noch zu den ursprünglich rittermäßigen solchen. Denn es stimmt nicht, was diese selbst, so u. a. insbesondere FRANÇOIS LOUIS (FRANZ LUDWIG) DE (VON) WIMPFFEN (1732 – 1800) in seiner 1788 in Paris erschienen Selbstbiographie „La vie privée et militaire de Général Baron de Wimpffen“[19], und auch eine ganze Reihe maßgeblicher Genealogen des letzten Viertels des 18. bis ausgehenden 19. Jahrhunderts (so: Aubert de la Chesnaye Des Bois 1778; Ernst Heinrich Kneschke 1853; Christoph Cellarius und Julius Gerhard Goldtbeeg im „Gotha“ 1853 und 1870; Constantin von Wurzbach 1888)[20] übereinstimmend konstatieren: Das Adelshaus der Von Wimpffen habe bereits im Hohen Mittelalter, und zwar versippt mit den berühmtesten damaligen Adelsgeschlechtern Schwabens, bestanden und die spätere Reichsstadt Wimpfen am Berg und im Tal habe sich bereits ab dem beginnenden 10. bzw. 11. Jahrhundert im Besitz desselben befunden; es sei jedoch durch einen DAGOBERT VON WIMPFFEN 1044 an das Bistum Worms verkauft, schließlich von einem Wormser Domherren namens CONRAD VON WIMPFFEN die Zustimmung gegeben worden, diese 1329 an Kaiser und Reich abzutreten; und zwei Neffen des Vorgenannten hätten vergeblich versucht, diese zurückzufordern. Dieses alles ist nicht nur als urkundlich nicht belegbar, sondern als den historischen Tatsachen zuwiderlaufend anzusehen. Der Umstand, dass Wurzbach im Vorspann seines Werkes, bezogen auf diese vorgenannten frühen Träger des Namens der Von Wimpffen, sagt, dass diese „in die vorurkundliche Zeit gehören“, macht das Fehlen jeglicher Basis eines Nachweises deutlich.[21]-

Zweitens: Bei den demgegenüber im ausgehenden Hochmittelalter ab der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts (am Ende der sog. Stauferzeit) vereinzelt und vermehrt im Spätmittelalter bis zur beginnenden Neuzeit des sog. Humanismus des 15. und anhebenden 16. Jahrhunderts zu findenden Namensträgern, bei denen einem Vornamen „von Wimpfen“ oder „de Wimpina“ o. ä. angehängt ist, handelt es sich nicht um Adelsbezeichnungen, sondern um nicht mehr als Bezeichnungen der Herkunft oder auch des Ortes der jeweiligen Tätigkeit des Namensträgers. Somit erscheint es widersinnig, aus der Existenz solcher Namensträger die damalige Existenz einer Adelsfamilie des Namens Von Wimpffen ableiten zu wollen. Dieses gilt z. B. auch und gerade für den Namen des von 1222 bis 1253 in Wimpfen bzw. Hagenau im Elsass sowie der nahen Reichsburg Trifels mit den wechselnden Betitelungen Reichsvogt, Königlicher Verwalter, Schultheiß, Burggraf o. ä. sowie als Gründer des Spitals Wimpfen und Schenker an dasselbe nachgewiesenen WILHELM VON WIMPFEN (WILHEMUS DE WIMPINA) und dessen nachweisbaren Kinder. Und das trifft auch, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen, für den von Wimpfener Eltern namens KOCH abstammenden und gegen 1465 geborenen Konventsbruder und späteren Lektor des Dominikanerklosters Wimpfen sowie Gründungsrektor der Universität Frankfurt an der Oder und Verfasser der 95 den Thesen Luthers geltenden Gegenthesen namens CONRAD(US DE) WIMPINA zu. Dasselbe gilt auch für die unzähligen in den Universitäts-Matrikeln von 1385 bis 1529 unter der Nachnamensbezeichnung „DE WIMPINA“ oder in anderer Nenn- und Schreibweise wie WYMPINA oder WINPINA u. v. a. m. auftauchenden Studenten zu.[22]

Drittens: Übereinstimmend weisen die vorgenannten Genealogen alle einen SIG(IS)MUND HE(E)R(E)MANN VON WIMPFFEN (laut Aubert Des Bois: SIGISMOND-HERMANN DE WIMPFFEN) als denjenigen aus, von dem aus sich eine lückenlose Generationsfolge bis zur Gegenwart fortsetzen lasse. Dieser sei wegen seiner Tapferkeit im Kampfe von Kaiser Karl IV. 1373 (oder laut Aubert Des Bois 1363) auf dem Reichstag zu Worms zum Ritter geschlagen (beim Vorgenannten noch zum Reichsfreiherren ernannt) worden. Tatsache ist jedoch, dass laut der Liste der Hof- und Reichstage (nach neuerer Erkenntnis kann bis 1496 nur von sog. Hoftagen die Rede sein) den in die Regierungszeit von Kaiser Karl IV. (ab 1346 König, ab 1355 Kaiser, gest. 1378) fallenden 21 solchen kein einziger solcher in Worms abgehalten worden ist[23], so dass man die diesem von allen den vorgenannten Genealogen konstatierte Zuerkennung der Ritter- und Adelseigenschaft, mit der auch die Vermehrung des diesem als Kriegsmann schon zu Eigen gewesenen Widderwappens durch ein vom diesem Wappentier gehaltenen Kreuz verbunden gewesen sein soll, fraglos mehr als nur bezweifeln muss. Wie sich natürlich erst an späterer Stelle eindeutig zeigen wird, ist die Wappenverleihung an die ursprünglich den bürgerlichen Namen HERMANN oder HÖRMANN führende Familie zweifelsfrei erst 1555 in der fünften, das Adelsprädikat erst 1658 in der siebten Generation und die Wappenvermehrung mit einem Kreuze erst 1781 in der elften Generation zugekommen. Fast alle die vorgenannten Genealogen führen, um wieder zum vorgenannten SIG(IS)MUND zurückzukehren, falscherweise, wie es sich später ergeben wird, eine L(O)UISE oder auch LUDOVICA VON K(H)EIT als seine Gemahlin sowie z. T. noch eine SUSANNA VON EBLINGEN (als erste solche) aus. Außerdem konstatieren alle (ebenso falscherweise), dass dieser SIG(IS)MUND sesshafter Besitzer der Herrschaften Brixenstein, Zabietstein und Ebershausen usw. (mit Letzterem ist das gemeint, was Aubert Des Bois mit „et autres lieux“ = „und andere Orte“ umschreibt) in Schwaben gewesen sei.[24]

Viertens: Und im Weiterschreiten weist die von Aubert Des Bois in seine Gegenwart und damit bis zur Generation XIII und durch Kneschke, Cellarius-Goldtbeeg und von Wurzbach in ihre Gegenwart bis Generation XVII fortgeführte Genealogie gleichgerichtet bis hin zur Generation VIII, was die angegebenen Namen der jeweiligen Stammträger wie ggfls. der Geschwister sowie deren Lebensdaten, Tätigkeiten und die alle dem Adel zugeordneten Gattinnen betrifft, durchweg Angaben auf, die als unzutreffend konstatiert werden müssen. Dies gilt natürlich auch für die von den vorgenannten Genealogen allen Stammhaltern bis hin zur Generation VIII und damit über rund 2 ½ Jahrhunderte hinweg zugeschriebenen ungeteilten Besitz der vorgenannten drei und gar mehr Orts- und Burgherrschaften.[25] Diese Negativbewertung lässt sich insbesondere durch die 1981/84 in einem Vortrag und einer Veröffentlichung vorgestellten – insbesondere auf Nürnberger Archivunterlagen basierenden – Forschungsergebnisse der Historikerin und Publizistin Dr. Lore-Sporhan-Krempel (1908 – 1994) belegen.[26] Denn die Vorfahren der Von Wimpffen, so geht aus den zweifelsfrei stimmigen genealogischen Aussagen dieser Autorin hervor, trugen (wie oben schon angedeutet) den bürgerlich-nichtadligen Namen HERMANN oder (anders geschrieben) auch HÖRMANN. Der laut Familientradition vom Kaiser zum Ritter geschlagene SIGMUND HERMANN deren Generation I, so Sporhan-Krempel, sei kein Ritter gewesen, sondern er habe der Ehrbarkeit (auch Zweiter Stand genannt) angehört und Handel getrieben und sei zu Beginn des 15. Jahrhunderts von Wimpfen nach Augsburg gekommen; und dessen Frau sei AGNES PRACHERIN gewesen. Was diese Autorin im Weitergang auf der Basis ihrer vorwiegend sich auf Nürnberger primäres und sekundäres Urkundenmaterial stützenden genealogischen Betrachtungen über die diesem Stammträger der ersten Generation nachfolgenden solchen samt Frauen sowie Geschwistern usw. bis hin zur Generation 9 (wir bezeichnen – richtigstellend! – fortab diese Generationen zur Unterscheidung von der Zählung nach Aubert Des Bois bis Wurzbach mit arabischen Zahlzeichen) darlegt, das stimmt so gut wie voll mit jenen Angaben überein, die ca. 1750/60, also schon 1 ¼ Jahrhundert früher, der Nürnberger Zeichner und Stecher JOHANN WILHELM STÖR (1705 – 1765) in seinem den, wie er schreibt, HÖRMANN VON WIMPFFEN geltenden und ebenfalls über 9 Generationen reichenden Stammbaum von um ca. 1750/60 darlegt.[27]

Dieser sei nachfolgend zuerst in seiner Gänze, dann in einem vergrößerten Ausschnitt der untersten drei Generationsbänder gezeigt:

  • Abb. A 10a: Der unbetitelte und undatierte Stammbaum der Familie Hörmann von Wimpffen; Kupferstich des Johann Wilhem Stör (Gestalter), geboren 1705 und gestorben 1765 jeweils in Nürnberg, und Atanias (Stecher) von ca. 1750/60, versehen in der Senkrechte mit der Zählung der neun dargestellten Generationen sowie in der Waagrechte mit der Positionierung der einzelnen Glieder mittels Buchstaben, im Generationsband 9 mit vorgenommenen Ergänzungen;

  • Abb. A 10b: Die Wurzelzone des vorgenannten Stammbaumes mit darüber den Generationen 1, 2 und 3.

Dieser ebenso mächtige wie kunstvolle Stammbaum des J. W. Stör kann fortab bei der Verfolgung des Werdens der Von Wimpffen als Leitschnur gelten. Diesem sei vergleichend zur Seite gestellt:

  • Abb. A 11: Die „I. Stammtafel der Freiherren und Grafen v. Wimpffen. Aeltere Linie“ des Constantin von Wurzbach von 1888, hier zum Zwecke der Vergleichung versehen mit Generationenzählung (links nach Aubert Des Bois etc. in römischen, rechts nach Sporhan-Krempel sowie Stör in arabischen Zahlzeichen) sowie mit auf den Mittelbereich beschränkten Korrekturen in Rot und Ergänzungen in Grün, dazuhin mit Veränderungen der Position der Teilung in zwei sog. Äste durch Pfeilführungen.

Bei der Erschließung der Genealogie der HERMANN oder HÖRMANN und späteren VON WIMPFFEN wird die notwendige permanente Vergleichung dieser I. Stammtafel des Constantin von Wurzbach einerseits mit dem Stammbaum des J. W. Stör einschließlich der Angaben der Abhandung von Sporhan-Krempel andererseits zeigen, dass hinsichtlich der ersten acht Generationen einzig und allein, wenngleich mehr oder minder auch hier eingeschränkt, bei dem Stammträger der Generation I bzw. 1, d. h. nur  beim sog. Stammvater, Übereinstimmungen zu finden sein werden. Dass dabei auf die Einbeziehung der älteren Autoren-Dreiergruppe des Aubert Des Bois (1778), Kneschke (1853) und Cellarius-Goldtbeeg (1853) in der Regel verzichtet wird, dient nicht nur dem Zwecke der notwendigen Raffung des Stoffes, sondern erscheint auch unerheblich; denn diese unterscheiden sich untereinander so gut wie in nichts, was seinen Grund darin findet, dass letztlich die von Aubert Des Bois ausgehenden und von den Autoren der vorgenannten Dreiergruppe sukzessive übernommenen falschen Fakten in diejenigen des von Wurzbach münden.

Es sei nun begonnen mit der Beschreibung der

Um nunmehr die Vergleichung in Gang zu setzen, müssen wir beim Stammbaum von J. W. Stör den Blick nach unten auf den Fuß des Baumes hin zu (arabisch) 1a und in der I. Stammtafel des C. v. Wurzbach nach oben auf den Beginn der Generations-Reihung bei (römisch) I richten. Vergleicht man diese, und zwar unter Einbeziehung der nachstehend aufgeführten Angaben von Sporhan-Krempel:

Name: SIGMUND HERMANN,
Beruf: Handelsmann,
Datierung: 1512 = Einwanderung (von Wimpfen kommend) in Nürnberg,
Gattin: AGNES PRACHERIN,

so ergibt sich überraschenderweise das Ergebnis der Hinneigung des Stör eher zu Wurzbach als zu Sporhan-Krempel; denn gleich ist bei beiden sowohl der Name, hier Sigmund Hörman von Wimpffen – da Sigismund Heeremann von Wimpffen, als auch der Beruf, hier: Ritter (siehe dessen mit Rüstung, abgelegtem Helm und Wappenschild am Fuß des Baumes ruhende Gestalt) – da: Ritter (dies geht aus der hier nicht gezeigten, doch in der mit „[38]“ gekennzeichneten Lebensbeschreibung hervor, die ihn als zum Rittersmann geschlagenen Kriegsmann bezeichnet); außerdem liegen die auf die beiden Ehepartner bezogenen Datierungen nahe beieinander, hier: „† 1393“ – da: „vixit A(nno) = lebte im Jahr: 1377“. Nur der Name der Gattin geht auseinander und stimmt mit jenem von Sporhan-Krempel angegebenen überein; nämlich hier wie da: Agnes Pracherin bzw. Bracherin (ob mit „P“ oder mit „B“ beginnend, spielt keine Rolle). Dieses dem eröffnend behaupteten Zusammengehen von Sporhan-Krempel einerseits und Stör andererseits Widersprechende wird sich bei der im Fortgang sich zeigenden so gut wie totalen Übereinstimmung der beiden Autoren auflösen. Zur Entlastung von Stör ist zu sagen, dass dieser den Stammbaum zweifelsfrei im Auftrag der Von Wimpffen gefertigt und diesen wohl ehrerbietig und unterwürfig den erwarteten Gefallen getan hat, den von diesen unter allen Umständen erwünschten Nachweis (wohl besser gesagt wenigstens Anschein von einem Nachweis) der ritterschaftlichen sowie altadligen Herkunft durch diese seine imponierende Darstellung des Stammahnen als Rittersmann am Fuße des Stammbaumes zu liefern. Ungeachtet von Störs Kotau, erscheint es durchaus richtig, dass im Rahmen meiner vorgenannten Abhandlung das diesem SIG(IS)MUND der Generation I bzw. 1 geltende Kapitel B der Kurztitel „Sagenahn“[29] gegeben worden und damit die mehr als zweifelhaft erscheinende Ausweisung dieses Stammahnen als Ritter etc. herausgestellt ist. Dies geschah aber auch aufgrund des Umstandes, dass es bis jetzt noch nicht gelungen ist, die Existenz dieses laut Familienüberlieferung am Anfang der Vorfahrenkette Stehenden urkundlich und damit wirklich zweifelsfrei nachzuweisen. Dessen bislang nur ansatzweise vorgenommene Suche müsste erstrangig in der Vergangenheit des angeblichen ursprünglichen Herkunftsortes Wimpfen, aber auch in Augsburg, jenem Ort der behaupteten Einwanderung zu Anfang des 15. Jahrhunderts, erfolgen.

Wenn wir nunmehr zur Darlegung der Folgegenerationen weiterschreiten und jeweils die Angaben von Sporhan-Krempel und von Stör einerseits sowie von Wurzbach andererseits vergleichen, so stoßen wir bei den zwei Erstgenannten ganz im Gegensatz zu jenen des Letztgenannten, auf so gut wie vollste Übereinstimmung, ein Umstand, der die Richtigkeit der Angaben von Sporhan-Krempel und Stör verifizieren hilft:

Laut Sporhan-Krempel hieß einer der Söhne des Stammahnen Sigmund Hermann LEONHARD und dessen Frau BARBARA ENTZINGIN, was mit Stör insofern übereinstimmt, als bei diesem (siehe 2a) als Stammträger LIENHARD und damit eine alte Parallelform des Vornamens erscheint. Wenn beim Letztgenannten (siehe 3a) ANNA ENTZIN und somit ein völlig abweichender Vorname angegeben ist, so dürfte dies so zu erklären sein: Diese haben evtl. sogar aus derselben Quelle geschöpft; da aber üblicherweise in der Regel dem zur Welt gekommenen Kind eine ganze Reihe notierter Vornamen gegebenen worden sind, dürften daraus unterschiedliche Hauptvornamen ausgelesen worden sein. Und was den Unterschied im Nachnamen, hier ENTZINGIN und da ENTZIN, betrifft, so steht zu vermuten, dass im ersten Fall nichts anderes und nicht mehr als eine klangvollere Erweiterung der damals (und teilweise bis heute) üblichen dem Nachnamen der Frau zur Herausstellung deren Weiblichkeit angehängten Nachsilbe „in“ vorliegt. Bezeichnenderweise finden sich im Stammbaum des J. W. Stör wie bei Sporhan-Krempel alle Namen der von den Stammträgern sowie deren Brüdern erheirateten Frauen mit dieser Nachsilbe „in“ erweitert. Der nunmehr notwendige Blick in die I. Stammtafel des von Wurzbach, Generation I, stößt, wie angekündigt, generell auf totale und, worauf schon hingewiesen wurde, unstimmige Abweichungen: Stammträger KARL AUGUST, k. (kaiserlicher) Feldhauptmann, geb. 1352; als dessen dem Adel angehörige Gattinnen sind angegeben: 1) MARIA EVA VON RUSECK und 2) LISA VON WILDECK. Wie beim Vater erscheint auch hier dessen Zuordnung zum Kriegshandwerk als ein Mittel, den Wimpffen-Ahnen die Eigenschaft des rittermäßigen Adels unterzuschieben. Von den angegebenen Geschwistern, auch jenen von Sporhan-Krempel und Stör aufgeführten solchen, sei hier zwecks Stoffraffung – wie teilweise auch im Fortgang – nicht geredet.

Der Umstand, dass der Vater des Leonhard Handel trieb und, wie sich zeigen wird, die Folgegenerationen sich voll von ganz speziell als (Fern-) Handel Treibende erweisen werden, induziert die sicher erscheinende Annahme, dass auch dieser als Handelsmann tätig gewesen ist.

Bei Sporhan-Krempel wie Stör erscheinen als Stammeltern übereinstimmend die Namen HEINRICH (später genannt DER ÄLTERE) und ANNA REITERIN (siehe 3a), dagegen bei Wurzbach FRIEDRICH AUGUST, geb. 1385, verheiratet mit LUDOVICA THERESIA VON WOLFSKEHL, der „Senator der Stadt Nürnberg“ gewesen sein soll. Die Dienstfunktion eines Senators hat es jedoch im ständischen Regimentswesen der Freien Reichsstadt Nürnberg nicht gegeben; es dürfte damit die höchstgestufte Mitgliedschaft im sog. Inneren oder Kleinen oder Engeren Rat gemeint sein, was jedoch bei der festgefügten Ständeordnung Nürnbergs nur einem Angehörigen des Ersten Standes, umschrieben auch mit Patriziat, nicht einem solchen des Zweiten Standes, auch Ehrbarkeit genannt, offen stand. Hier sei bekräftigt, was Sporhan-Krempel feststellt: Die Hermann oder Hörmann waren Angehörige der Ehrbarkeit (= des Zweiten Standes) sowie Kaufleute und zwar Fernkaufleute. Die Richtigkeit dieser Eingliederung wird sich bei der Betrachtung der Folgegenerationen immer wieder bestätigen.

Wie sein Vater, so Sporhan-Krempel und Stör, hieß deren Stammvater HEINRICH (siehe 4a), deshalb auch als DER JÜNGERE erscheinend. Verheiratet war dieser laut der Erstgenannten mit ANNA DAXIN, laut dem Zweitgenannten mit URSULA DAXIN. Der ungleiche Vorname dürfte sich wiederum aus der unterschiedlichen Herauswahl aus einer urkundlichen Vornamenkette erklären. Dieser sei, so Sporhan-Krempel, 1512 nach Nürnberg ausgewandert; so dürfe man schließen, dass er etwa 1485 geboren worden ist. Die Familien-Genealogie sage, „‚er sei der erste gewesen der nach Nürnberg gekommen sei und sich ‚Hermann von Wimpffen’ genannt habe, vermutlich doch wohl zur Unterscheidung von den andern Hermännern. Diesen Zusatz übernahmen dann auch die anderen Mitglieder der Familie. Manchmal wird aber auch die Beifügung weggelassen; denn mit der Zeit wurde das ‚von Wimpffen’ immer wichtiger und ‚Hermann’ trat zurück. Er habe, so berichtet Sporhan-Krempel weiter, das Prädikat „Ehrbar“ geführt, sei 1515 dort Bürger und auch Genannter des Größeren Rats geworden, im August 1532 gestorben und auf dem St. Johannesfriedhof begraben worden. Die vorgenommene Einsicht in im Druck vorliegende Nürnberger Chronik-Unterlagen bestätigten die Richtigkeit der letztgenannten beiden Datierungen und der daran geknüpften vielerlei Umstände. Die daraus ableitbare Tatsache, dass das Von-Wimpffen-Geschlecht erst im beginnenden 16. Jahrhundert unter dem bürgerlichen Namen „Hermann“ nach Nürnberg gekommen ist, verträgt sich mit dem von Wurzbach, bezogen auf die dritte Generation, konstatierten Nürnberger Senator Friedrich August von Wimpffen des 14./15. Jahrhunderts nunmehr auch zeitlich in keiner Weise. Und was das durch von Wurzbach und der Familientradition ihren ersten beiden Stammträgern gegebene Metier des Kriegsmannes und Ritters bzw. des kaiserlichen Feldhauptmannes betrifft, so steht in der Weiterführung von Sporhan-Krempel in Bekräftigung des schon über den Erstahnen Sigmund Gesagte das völlig Andere zu lesen, nämlich dass „die Hermann Kaufleute, Fernhändler waren“. Als Beleg dient ihr nicht nur die Auswanderung des (älteren) Heinrich von (der Handelsstadt Augsburg nach der ebensolchen) Nürnberg, sondern sie verweist auch auf die folgenden in den Nachfolge-Generationen 5, 6 und 7 geschehenen (wir kommen auf insgesamt sechs) Fälle der Einheirat in Fernhändler-Familien, womit wir zeitlich weit vorausgreifen müssen:[33]

Erstens: Heinrichs Bruder HANß (siehe 4f), später DER ÄLTERE, heiratete BARBARA LINDENMAIERIN (Sporhan-Krempel: ANNA LINDERIN; wahrscheinlich stammend aus der gleichnamigen Nürnberger Fernhändler-Familie), zog nach Italien und ließ sich 1504 in Venedig nieder, d. h. in jener prachtvollen Stadt, die den Levantehandel beherrschte.

Zweitens: Die Vorgenannten hatten einen Sohn namens WILHELM (siehe 5d); dieser kehrte laut Sporhan-Krempel in die alte Heimat nach Augsburg zurück und heiratete dort im Jahr 1529 MAGDALENA SCHMUCKERIN, deren Name in der Tat auch bei Stör zu finden ist, wobei wohl SCHMÜCKERIN zu lesen steht. Im Jahr der Heirat sei Wilhelm, wie es ausdrücklich in alten Aufzeichnungen heiße, „allda in die Herrenstube gelanget“. Diese sog. Herrenstube war eine Augsburger gesellschaftliche Korporation, in der Patrizier und auch durch Heirat herrenstubenfähig gewordene Nichtpatrizier aufgenommen waren. Die SCHMUCKER, die durch Barchenttuchhandel reich gewordene weberzünftige Kaufleute waren und zu den reichsten Augsburger Bürgern mit ganz beträchtlichem auswärtigem Streubesitz in Form mehrerer arrondierter Grundherrschaften gehörten, sollen 1538, d. h. bald nach der Heirat des Wilhelm, ins Augsburger Patriziat aufgenommen worden sein, in dem sie sich aber nur kurz hätten halten können. Unabhängig von den Angaben von Sporhan-Krempel ist in der Weiterverfolgung deren Kinder im Stammbaum von Stör (siehe 6l, 6m, 6n, 6o, 6p) die folgende Fortsetzung der Einheirat in Fernkaufmanns-Familien zu finden: Der dritte Sohn (siehe 6n) CHRISTOFF (ca. 1540 – 1611) heiratet 1564 die aus Augsburg stammende SUSANNA WALTERIN (geb. 1542), die Tochter des Augsburgerr Patriziers und Bürgermeisters BERNHARD I. WALT(H)ER (1500 – 1559) und der FELICITAS WALTHER geborene REHLINGER (1504 – 1579), deren beider Familien in Zusammenarbeit mit bzw. in Diensten der im Fernhandel und Geldwesen führend tätigen Augsburger FUGGER und im Falle der REHLINGER sogar in engem Verwandtschaftsverhältnis zu diesen standen.[34]

Drittens: Die Vorgenannten hatten eine Tochter namens SYBILLA (siehe 5 c). Diese heiratete (laut Fleischmann[35] 1530 in Venedig) den dort als Fernhändler tätigen und aus einer der Ersten Geschlechter Nürnbergs stammenden sowie dort im Engeren oder Kleineren Rat sitzenden BALTHASAR DERRER (bei Stör als DÖRRER erscheinend). Diese betrieben erfolgreich ein zwischen Nürnberg, Wien und Venedig operierendes Handelsgeschäft. Später siedelten die beiden nach Nürnberg über und Balthasar wurde dort nach einer langen Karriere im Stadtregiment schließlich 1580 Vorderer Losunger und begleitete somit eines der wichtigsten dem Einzug der Steuern sowie der Finanz- und Vermögensverwaltung dienenden Ämter im Stadtregiment.

Viertens: Einer der Söhne dieses Hanß, der ebenfalls HANß (siehe 5b; dort noch mit DER JÜNGER bezeichnet) hieß, verheiratete sich laut Sporhan-Krempel mit CLARA DIOTÄT AUS CYPERN; dazu sowie bezugnehmend auch auf die anschließend erfolgenden weiteren Personenangaben:

  • Abb. 12: Bearbeiteter Ausschnitt des Stammbaums von J. W. Stör, die Generationen 4 bis 7 der Hörmann von Wimpffen betreffend.

Somit müsse man, so stellt Sporhan-Krempel fortfahrend fest, mit Recht annehmen, dass die Hermann in Venedig mit Cypern Handel trieben. Wenn man im Stammbaum Stör (siehe 5b) den Namen nachliest, stößt man allerdings auf CLARA CLAUDIANI AUS ZIPERN und damit auf einen völlig anderen Zunamen, doch immerhin auf deren von Sporhan-Krempel konstatierte Mittelmeer-Insel-Herkunft.-

Fünftens: Sporhan-Krempel gibt weiterschreitend an, dass einer deren Söhne namens LEONHARD die Ehe mit einer Italienerin eingegangen sei. Dieses bestätigt sich dadurch, dass dieser im Stammbaum Stör in der Tat links außen unter 6b als LIENHARD erscheint, dem zwei Brüder namens HANß (siehe 6c) und CHRISTOFF (siehe 6d) folgen, und des Erstgenannten Gattin sich mit PIARINA DI ALDI entziffern lässt, was in der Tat eindeutig italienisch klingt.

Sechstens: Der Sohn dieser beiden, so schreibt Sporhan-Krempel weiter, habe sich mit ANNA MARIA TUCHERIN, also wieder nach Nürnberg, verheiratet. Die Nachschau, jetzt in Generation 7, erbringt sage und schreibe vier Söhne (siehe 7b, 7g, 7l und 7n) und neun Töchter (7c, 7d, 7e, 7f, 7h, 7i, 7j, 7k, 7m), worunter bei 7l tatsächlich HANß und PHILIPINA TUECHERIN erscheinen. Laut Wolfgang Reinhard[36] findet sich denn auch, was die Angaben von Stör bestätigt, ein 1593 in Venedig wohnender und von 1599 bis 1601 dort als Mitglied der Kaufleutestube sowie 1606 dort gestorbener HANS HOERMANN mit Ehefrau PHILIPPINA GEB. TUCHER. Die TUCHER VON SIMMELSDORF gehörten zu den ganz großen Geschlechtern der Reichsstadt Nürnberg, die dort 1309 zum ersten Mal genannt und 1340 in den Engeren Rat eingezogen sind. Diese waren in europäischen Handelszentren wie z. B. in Venedig tätig gewordene Großkaufleute, die sich ganz besonders im Safranhandel hervortaten. Ihren Namenszusatz bekommen sie schließlich 1697 von Kaiser Leopold sogar als Adelsname unter Immatrikulation im Ritterkanton Gebürg der Reichsritterschaft in Franken anerkannt. Indem die Eheschließung von HANß HOERMANN mit PHILIPPINA TUCHER zwei aus jeweils einem alten Fernkaufsmanngeschlecht stammende Partner zusammenbrachte, fand deren beider über viele Generationen zurückreichende Herkunft aus solchen quasi eine Potenzierung. Bei Hanß dürfte diese lückenlos von seiner Generation 7 zurück bis zur Generation 1 gehen!

Was die wiederum abweichende Nennung des von Wurzbach betrifft, so treffen wir mit dem beim Stammträger dessen Generation IV ausgewiesenen Namen HANS I (geb. 1418, gest. 1491) zwar auf den bei Sporhan-Krempel und Stör vielerorts ab der Generation 4 bis hin zu Generation 9 zu findenden gleichen Namen. Da dessen Person mehrfach im 5. Buch des „Chronikon Alsatiae II. Edelsasser Cronik“ des Bernhart Hertzoger genannt ist, kann man davon ausgehen, dass ein solcher unter dem Namen HANS VON WIMPFFEN im Hagenau im Elsass des 15. Jahrhunderts gelebt hat. Doch lässt sich dieser in keinerlei Weise in die Genealogie der Augsburg/Nürnberger HERMANN (VON WIMPFFEN) einfügen, was im Einzelnen im vorgenannten Kapitel I. Mysteriöser Hans  meiner Abhandlung „Die Freiherren und Grafen von Wimpffen …“ nachgelesen werden kann. Und hier sei – der Einfachheit halber zusammenfassend und die angegebenen Geburts- und Todesdaten sowie (mit einer Ausnahme) auch die adligen Gattinnen etc. unbeachtet lassend – ein großer Sprung über die nächsten vier Generationen hinweg (siehe diese alle in Abb. A 11: I. Stammtafel) gemacht, dessen bei von Wurzbach als Stammträger angegebener gleichnamiger Sohn JOHANNES II. (Gen. V), Enkel JOHANNES III. (Gen. VI), dazuhin Urenkel FRIEDRICH, nach Anderen aber SEBASTIAN (Gen. VII) sowie Ururenkel JOHANN JACOB VON WIMPFFEN mit Gemahlin MARIE DOROTHEA VON SCHWARZENBERG (Gen. VIII)) ebenfalls nicht mit den von Sporhan-Krempel nachgewiesenen Stammträgern zu vereinen sind und samt Gattinnen als inexistent gewesen betrachtet werden müssen. Wir werden auf das letztgenannte (sich als irreal erweisende) Stammträger-Paar bei der Behandlung der Generationen 7 und 8 zurückkommen.

Dass der Beruf des Fernkaufmanns auch für Leonhards Großonkel DOMINICUS HERMANN oder HÖRMANN zutrifft, zu dem wir nunmehr, weiterschreitend zum Stammträger der nächsten Generation, einschließlich dessen Gattin namens URSULA GROLANDIN (siehe 5a) gelangen, das zeigen die folgenden von Sporhan-Krempel gegebenen Fakten und Daten: Ähnlich wie Wilhelm und Sybilla, die Kinder des Italienfahreres Hanß, so habe auch DOMINIK, wie sie diesen nennt und schreibt, eine „glanzvolle Heirat“ geschlossen. Am 12. Februar 1537 sei er zu St. Sebald mit URSULA GROLAND, der Tochter des NIKLAS GROLAND, getraut und im Jahr der Eheschließung auch Genannter (gemeint des Größeren Rates) geworden. Von ihm könne man mit Sicherheit sagen, dass er Fernkaufmann war; denn in den sog. „Fresslisten“, in denen eine Art Geleitsabgabe festgehalten worden sei, werde er mehrmals als ein Besucher der Frankfurter Messe ausgewiesen. Dass Sporhan-Krempel von einer glanzvollen Heirat spricht, ergibt sich daraus, dass die GROLAND (VON OEDENBERG) sich in Nürnberg schon 1305 ersterwähnt und ab 1346 im Inneren Rat finden. Sie betrieben Fernhandel und waren u. a. im flandrischen Tuchzentrum Tournai vertreten. Das der Gattin URSULA beigegebene Wappen der Groland führt im Zentrum eine fünfblättrige Rose, aus der drei Sensenklingen hervorgehen. Wie wichtig diese Eheverbindung für die Hermann von Wimpffen gesehen wurde, das geht aus dem Umstand hervor, dass im Stammbaum von J. W. Stör (siehe in Abb. A 10a) links unter der mächtigen Baumkrone eine gegenüber diesem auf den Kopf gestellte genealogische Darstellung in Rosettenform der Patrizierfamilie Groland eingebracht ist, in der am unteren Ende rechtsaußen der Vorname der URSULA (zu ergänzen: GROLAND) zusammen mit dem vollen Namen des in die Familie eingeheirateten Gatten DOMINICUS HÖRMANN und darunter beider Wappenzeichen erscheinen.-

Wie es einem Ansehen errungenen und offenbar auch vermögend gewordenen Fernhandelskaufmann geziemte, bewohnte dieser eine zwischen der Nürnberger Sankt Sebald-Pfarrei und deren Pfarrkirche oberhalb des Rathauses und neben dem Herrnmarkt gelegene und den Raum zwischen zwei Gassen füllende sowie aus Vorder-, Mittel- und Hinterhaus bestehende langgestreckte Behausung. Bereits 1533, demnach schon vier Jahre vor der sein Ansehen mehrenden Heirat, kann er sich von dem berühmten Nürnberger Bildhauer und Medailleur MATTHES GEBEL, der Mode vieler damaliger Adliger wie Patrizier folgend, eine sein Kopfprofil zeigende Medaille (Schaumünze) prägen lassen.[38]

Und etwas mehr als zwei Jahrzehnte später gelingt es ihm sogar, einen königlichen Wappenbrief zu erlangen. Dessen aufschlussreicher Text, der den mir von Dr. Hans H. von Wimpffen zur Verfügung gestellten zahlreichen Urkunden-Kopien  entnommen ist, lautet wie folgt:

  • Abb. A 13a und A 13b: Abschrift der Urkunde der Wappenverleihung vom 18. August 1555 mit angeschlossener Transkription.

Hiernach wird von „Ferdinand Von Gottes gnaden Röm. König” dem „Dominicus Herman“ ein Wappen mit einem roten oder rubinfarbenen Schild verliehen. In diesem ist – in Anspielung auf seinen Namen – eine aufrecht und vorwärts zum Sprung geschickte Gestalt eines sog. Herman (im Sinne von Hörnermann) oder Widder mit gelben Klauen und einwärts gekrümmten gelben Hörnern und roter ausgeschlagener Zunge sowie darüber einem Stechhelm gezeigt. Indem als Name nur Dominicus Herman und nicht auch die schon von seinem Vater verwendete Herkunftsbezeichnung „von Wimpffen“ erscheint, ist jeglichem Anschein der Verleihung eines Adelswappens begegnet. Denn es handelt sich bei diesem Wappen um nicht mehr als ein Bürgerwappen, so wie es damals in der Ständischen Gesellschaft Nürnbergs in Vielzahl auch den dortigen Angehörigen des sog. Ersten Standes der sog. Patrizier verliehen worden ist, wobei dem Urnamen jeweils eine Herkunftsbezeichnung beigegeben wurde, die sich in der Regel nach deren im Nürnberger oder dem sonstigen Umland gelegenen Herrensitzen richteten. Zwar gehörten die sich seit der Generation 4 „Hermann von Wimpffen“ Nennenden nur dem sog. Zweiten Stand der Nürnberger sog. Ehrbarkeit an. Doch erscheint durch ihre Tätigkeit als Fernhändler wie auch durch Einheirat in den Ersten Stand der sogenannten Patrizier (siehe vorausgehend 1529 in jenen der Augsburger SCHMUCKER, 1530 in jenen der Nürnberger DERRER bzw. DÖRRER und jetzt 1537 in jenen der Nürnberger GROLAND) deren Vermögendheit und vor allem auch Ansehen so gewachsen, dass sie für wappenwürdig befunden wurden.

Leider fehlt uns die im originären Brief der Wappenverleihung sicherlich angefügt gewesene Wappendarstellung und somit die Urform dieses Herman(n)-Wappens. Doch dürfen wir uns wohl zunächst ersatzweise mit jenem solchen behelfen, das in der Abb. A 10b zu finden ist und das, J. W. Stör, um es noch einmal klar herauszustellen, seinem „Sagenahn“, fälschlicherweise zwei Jahrhunderte vorausnehmend und freilich nur farblos in Schwarz-Weiß, in den Ritterschild gesetzt hat. Dort stößt man auch auf die im Urkundentext umschriebene Wappenzier des vom Stechhelm beidseitig ausgehenden sog. gleichfarbenen Bausches und auf die darüber sich mit nach außen offenen Mundlöchern und einem Lindenblättchen erhebenden zwei (roten) Büffelhörner sowie die beidseits von diesen ausgehenden vier Lindenäste mit, nach unten hängend, oben einem, bei den zwei mittleren zwei und dem unteren drei (gelben) Lindenblättlein sowie dazwischen dem Vorderteil wiederum „eines weißen Hermanns oder Widdergestalt“.

Als vollwertiger Ersatz kann eine um rund 2 ½ Jahrhunderte jünger als jenes Urwappen von 1555 einzustufende farbige Wappendarstellung gelten, die nach Wappenzeichen und -zier sowie Farbdetails mit Ausnahme der „rot ausgeschlagenen Zunge“ ganz genau der obigen Beschreibung der Urkunde der Wappenverleihung entspricht. Siehe dazu die

  • Abb. A 14: Das in einen kreisförmigen grünen Blattkranz auf blauen Hintergrund gesetzte und von einer Heros- und Heroinengestalt präsentierte Wappen der als Familie von Adel ausgestorbenen sog. Dänischen Linie der Freiherren von Wimpffen (Detail einer Wand- oder Urkundendarstellung ca. der Zeit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert unbekannter Herkunft).

Es verwundert, dass man bei Lore Sporhan-Krempel diesen bedeutsamen Akt der Wappenverleihung nicht erwähnt findet, was wohl damit zu erklären ist, dass sie diesen übersehen oder, darum wissend, kurzerhand auf dessen Erwähnung verzichtet hat. Dass die Wappenverleihung auch bei von Wurzbach und seinen Vorgängern nicht erscheint, hat einen tieferen Grund, nämlich: Bei diesen ist ja weder Dominicus noch sind dessen drei Vorfahren-Generationen wie dessen zwei Nachfahren-Generationen in stimmiger Art und Weise beschrieben.

Dominik fand im Nachjahr der Wappenverleihung am Dreifaltigkeitstag, d. h. am 30. Mai 1556, so Sporhan-Krempel, ein tragisches Ende, und zwar bei einer auf dem Tullnauer Weiher bei Wöhrd nächst Nürnberg mit einen Floß zusammen mit zweien seiner im Stammbaum Stör unter 6h, 6i, 6j und 6k zu findenden vier Töchter, einem jungen Gesellen aus Breslau und einer Magd unbeschwert angefangenen Lustfahrt. Wie es dazu kam, dass das Floß kenterte und alle außer der Magd ertranken, das steht in einem im Kapitel G. Wappenempfang meiner Abhandlung „Die Freiherren und Grafen von Wimpffen …“ wiedergegebenen Bericht des Nürnberger Chronisten Johannes Müllner zu lesen. Dominiks Witwe URSULA verkaufte die Behausung und Hofraithe beim Herrnmarkt 1559 an den Bürgermeister und Rat der Stadt Nürnberg für 5.113 Gulden und starb, so Sporhan-Krempel, viele Jahre später als ihr Gatte am Weinmarkt und wurde am 15. September 1570 begraben.

Nun zur Folgegeneration weiterschreitend, sind im Stammbaum Stör neben den vorgenannten vier Töchtern des Dominik und der Ursula noch drei Söhne zu finden, nämlich HEINRICH (siehe 6e), NICLAS (siehe 6f) und der Stammträger CHRISTOFF zusammen mit seiner Frau REGINA BÖHEIMIN (siehe 6a). Laut Sporhan-Krempel, die CHRISTOPH schreibt und vom ÄLTEREN spricht, ist dieser am 21. April 1552 in Sankt Sebald getauft worden und fand die Trauung mit REGINA BEHEIM am 20. Dezember 1577 statt. Deren Vater MICHAEL habe dem Inneren Rat angehört und sei oberster Bauherrr der Stadt Nürnberg gewesen. Die BEHAIM AUF KIRCHSITTENBACH (die sehr unterschiedliche Namensschreibweise tut nichts zur Sache), wie diese im Verzeichnis des Nürnberger Patriziats erscheinen, sind bereits 1285 ersterwähnt, finden sich im Inneren Rat ab 1319 und erhalten später um den Beginn des 18. Jahrhunderts sogar unter Vermehrung ihres Wappens von Kaiser Leopold I. den Adelstitel. Somit setzt sich hier das Einheiraten der Hermann (von Wimpffen) in die sog. Ersten Nürnberger Familien fort. Und die dieser Heirat wiederum beigemessene große Bedeutung findet im Stammbaum des J. W. Stör abermals ihren Niederschlag dadurch, dass auf der Gegenseite der Darstellung des Stammbaumes der GROLAND, d. h. rechtsaußen unter der Baumkrone, in einer ebensolchen Halbrunddarstellung auch der Stammbaum der BÖHEIM festgehalten ist. Dort erscheinen unten ganz rechts (das jeweils zu Ergänzende findet sich in Klammer gesetzt) CHRIST(OFF) HÖRMAN V. WIMPF(EN) und REGINA (BÖHEIM), dazu beider Wappenzeichen, nämlich der Widder und das auf gespaltenem Schildgrund schräg laufende geschlängelte Stück eines Flusses (siehe dieses Wappenzeichen auch bei 6a). Welcher Tätigkeit dieser nachgegangen ist, darüber erfahren wir nichts. Wahrscheinlich war er wie sein Vater Dominik, der langen Tradition folgend, Fernhandelskaufmann. Im „Extract Mullneri Analium” ist 1608 als das Jahr dessen Erhebung zum Genannten des Größeren Rats angegeben. Er starb laut Sporhan-Krempel im März 1619 in einem Haus beim Gelben Löwen am (Nürnberger) Bonersberg. Laut Stammbaum Stör hatten Christoff der Ältere und Regina vier Kinder, drei Töchter namens MARGARET (siehe 7c) , REGINA (siehe 7b) und SUSANNA (siehe 7q) sowie einen nach dem Vater benannten Sohn CHRISTOFF (siehe 7a). Die Töchter, so Sporhan-Krempel, seien früh verstorben: die 1579 geborene ANNA REGINA achtzehnjährig in Köln, wo sie vielleicht Verwandte besucht hatte; ihre viel jüngere, erst 1591 geborene, Schwester SUSANNA im März 1601 am Fischbach.

Überraschenderweise entpuppt sich NICLAS (siehe 6f), der bei Sporhan-Krempel NIKLAS geschrieben und laut dieser am 22. März 1539 in Sankt Selbald getauft worden ist, als der gegenüber seinem Bruder CHRISTOPH bzw. CHRISTOFF um 13 Jahre Ältere. Indem dieser, so Sporhan-Krempel, sich am 15. Juni 1568, wie auch im Stammbaum Stör zu lesen steht, mit ANNA PFINTZINGERIN, der Tochter des MARTIN PFINTZING, verheiratete, setzte sich „die Reihe der erfolgreichen Ehen fort“. Denn die PFINZING (1554 mit dem Zusatz „VON HENFENFELD”) waren im 13. und 14. Jahrhundert das größte und auch einflussreichste Geschlecht Nürnbergs gewesen und unstrittig staufisch-ministerialer Abstammung und hatten mehrfach in Nürnberg sogar das höchste Amt des Reichsschultheißen innegehabt. Deren früher Reichtum war vor allem dem Fernhandel entwachsen. Wir können davon ausgehen, dass ANNA PFINZING eine der sieben Töchter der ersten Ehefrau des MARTIN I. PFINZING (1490 – 1552) namens ANNA GEBORENE LÖFFELHOLZ (1498 – 1543) gewesen ist. Diese sieben Töchter alle unter die Haube zu bringen und diese damit vor immerwährender Jungfernschaft und gar dem lebenslangen Eintritt in ein geistliches Fräuleinstift zu bewahren, dürfte nicht einfach und so im Falle der Anna der Preis dafür die Verheiratung in den nächstniederen Stand gewesen sein. Aus dem mütterlichen Erbe hatte die Mutter das prächtige Haus „Zum Lindwurm” in markanter Lage unterhalb der Lorenzkirche (Königstraße 12) in die Ehe gebracht. Inwieweit die eingeheirateten Hermann von Wimpffen davon profitiert haben, bleibt natürlich offen. Sicher ist, dass Niklas ein Jahr nach seiner Eheschließung Genannter des Größeren Rates geworden und im selben Jahr (1569) als Assessor ans Bauerngericht und damit in ein Stadtamt gelangt ist, wo er bis zu seinem Tod im August 1597 im Alter von 58 Jahren und damit 28 Jahre tätig gewesen ist. „Er wertete“, so Sporhan-Krempel abschließend, „das ‚Image’ seiner Familie sehr auf.“ NICLAS tritt also in eine nürnbergische Amtsstellung ein, was sich in der nächsten beiden Generationen, um das vorwegzunehmen, jeweils sogar beim Stammträger fortsetzen wird.

Denn der Stammträger der Generation 7 CHRISTOFF bzw. CHRISTOPH DER JÜNGERE (siehe 7a) geht 1607 die Ehe mit ANNA MARIA SEMLER(IN), der Tochter des „ehrbaren und fürnehmen“ DIETRICH SEMLER ein. Somit gehörte dessen Familie zwar „nur“ dem Zweiten Stand der sog. Ehrbarkeit an; doch stellte diese ein angesehenes und vermögliches Glied der Nürnberger Kaufmannschaft dar. Trotzdem dürfte das Zustandekommen dieser Heirat wohl ohne eine bereits erreichte höhergestellte gesellschaftliche Positionierung derselben in der Nürnberger hierarchischen Gesellschaft nicht zustande gekommen sein. Dem Familienansehen brachte die Heirat weiteren Gewinn. Christoph erreichte nämlich wie sein Onkel Niclas später eine Nürnberger Amtsposition, nämlich die eines Unterpflegers in Gostenhof. Das heute an die Nürnberger Altstadt grenzende Gostenhof war damals ein Vorort Nürnbergs, wo ein mit Oberpfleger und Unterpfleger besetztes sog. Pflegamt bestand. Im reichsstädtischen Nürnberg des 16./17. Jahrhunderts oblag, bestimmt durch die Almosenordnung unter der Aufsicht von vier Ratsmitgliedern als Oberpfleger, neun Unterpflegern, entsprechend derselben Anzahl der Pfarreien der Stadt, zusammen mit vier vereidigten besoldeten Knechten die Erfassung und Beaufsichtigung der Almosenempfänger sowie die wöchentliche Verteilung der sog. Almosen, bestehend hauptsächlich aus Almosengeld. Die Zahl der in Nürnberg 1523 ermittelten Hausarmen betrug etwa 400. Die Klienten des Almosens waren verpflichtet, ein Zeichen zu tragen und ihre Wohnung durch einen Schild zu kennzeichnen.

Bevor wir zur Nachfolge-Generaton, weiterschreiten, sei noch darauf verwiesen, dass – wie bereits angekündigt – C. von Wurzbach in seiner der Generation 7 gleichzusetzenden Generation VIII das Stammträger-Paar völlig anders benennt, nämlich mit JOHANN JACOB, geb. 1547, und MARIA DOROTHEA SCHWARZENBERG, was meinerseits per Durchstreichen und die dazugesetzten richtigen Namen in Rot herausgehoben ist und worüber Beweiskräftiges im Rahmen der nun anstehenden Folgegeneration zu sagen sein wird.

Christoph der Jüngere und seine Frau Anna Maria, geb. Semler, der Generation 7 hatten, so stellt Sporhan-Krempel fest, elf Kinder. Mit diesen Angaben geht der Stammbaum Stör genauestens einher, der hier der Verbesserung der Lesbarkeit wegen noch einmal, begrenzt auf den oberen Hauptbereich, gezeigt werden soll. Siehe dazu die

  • Abb. A 15: Eingegrenzte und dadurch vergrößerte Darstellung sowie auf die Generationen 4 bis 9 (inklusive 10) beschränkte Darstellung des Stammbaumes von ca. 1750/60 des J. W. Stör.

Denn dort finden sich sieben Knaben (siehe 8g, 8h, 8i, 8j, 8k, 8a, 8o) und vier Mädchen (siehe 8l, 8m, 8n, 8p), also tatsächlich elf Kinder, verzeichnet. In der langen Namenreihe wird sich nicht nur deren Stammträger JOHANN FRIEDRICH (siehe 8a) mit seinen beiden Gemahlinnen SUSANNA CATHARINA FÜRLERGERIN und SUSANNA KREßIN, sondern auch dessen jüngerer Bruder JOHANN DIETRICH (siehe 8j) mit seinen ebenfalls zwei Gemahlinnen MARIA MAG(DALENA) LÖFFELHOLTZIN und MARIA BART(HOLOMEA) LÖFFELHOLTZIN als relevant erweisen.

Überraschenderweise stimmen, entgegen bisheriger Nichtübereinstimmung aller Namensangaben des Von Wurzbach (inklusive Aubert Des Bois sowie Epigonen) einerseits und Sporhan-Krempel (inklusive Stör und Waldau) andererseits, sowohl die Namen des vorstehend als Zielpersonen herausgestellen Brüderpaares als auch der vorgenanten Namen der jeweils zwei Gemahlinnen überein. Denn in der I. Stammtafel des C. von Wurzbach (zu finden in Abb. A 11) heißt es (übereinstimmend mit den dazugehörigen Biografien Nr. 29 und 28) wie folgt:

– Mittig links:
„Aelterer Hauptast:
JOHANN FRIEDRICH [29]
kais. Feldoberster
geb. 1581, gest. 13. November 1668.
1) SUSANNA KATHARINA FÜRLEGER
2) SUSANNA KREß VON KRESSENSTEIN, geb. 16. August 1622, gest. 5. Juli 1682.“

Der linksaußen neben dem Namen von Johann Friedrich angegebene Bruder SEBASTIAN, geb. 1580, lässt sich in der o. a. langen von b bis p reichenden Geschwisterreihe des Stammbaumes Stör nicht finden.

– Mittig rechts:
„Jüngerer Hauptast:
JOHANN DIETRICH [28]
kais. Feldoberster
geb. 1583
1) MARIA MADALENA v. LÖFFELHOLTZ
2) KATHARINA BARTHOLOMEA V. LÖFFELHOLTZ
3) SABINA VON CREMONI
4) ANNA VON ROSENBACH
(siehe II. Stammtafel).“

Die rechtsaußen neben dem Namen des Johann Dietrich angegebene Schwester ELISABETH, geb. 1587, lässt sich in der o. a. Geschwisterreihe des Stammbaumes Stör nicht finden.

In den unter den Einzelbiografien Nr. 29 und 28 auf der Seite 11 des Werkes des Constantin von Wurzbach zu findenden Lebensläufen, welche die Angaben des I. Stammbaumes ergänzen und die an späterer Stelle immer immer wieder zur Sprache gebracht werden, heißt es u. a. übereinstimmend, dass diese beiden Brüder JOHANN FRIEDRICH und JOHANN DIETRICH Söhne von JOHANN JACOB aus der Ehe mit MAR. (gemeint MARIA) DOROTHEA VON SCHWARZENBERG gewesen seien. Dementsprechend findet sich dieser unter Beigabe von „geb. 1547“ auch in der I. Stammtafel als Stammträger der Generation VIII. Dass dieses Paar, wie schon gesagt, der Realität entbehrt und deshalb von mir dort in Rot durchgestrichen und durch die Namen CHRISTOPH DER JÜNGERE und ANNA MARIA SEMLER ersetzt worden ist, ergibt sich fürs Erste aus Sporhan-Krempel wie auch aus Stör, bei denen die Vorgenannten ja zweifelsfrei als die Eltern des Brüderpaares JOHANN FRIEDRICH und JOHANN DIETRICH ausgewiesen sind. Dass diese Zuordnung den Tatsachen entspricht, das geht schlagend aus den nachfolgend gezeigten zwei Nürnberger Urkunden-Kopien hervor, die ich von Dr. Hans H. von Wimpffen erhalten konnte:

  • Abb. A 16a und A 16b: Die Kopien von im Stadtarchiv Nürnberg unter S I Lade 149 Nr. 6 unter vielen anderen bewahrten Urkundenabschriften, deren obere die am 12. Oktober 1645 proklamierte Eheschließung (in heutiger Sprache das sog. Aufgebot) des Johann Friedrich von Wimpffen mit Susanna Catharina Fürleger und deren untere dasjenige vom 4. April 1658 des Johann Dietrich von Wimpfen mit Maria Magdalena Löffelholtz notiert.

In beiden Urkunden-Texten steht, von mir jeweils durch rote Unterstreichung hervorgehoben, zwischen oben dem jeweiligen Gebrüder-Namen „Johann Friedrich Von Wimpfen” bzw. „Johann Dietrich Von Wimpfen” und unten dem jeweiligen Brautnamen „Susanna Catharina” bzw. „Maria Magdalena“ jeweils „Christoph Hermann Von Wimpfen ehelch. Sohn“ bzw. „Ehlicher Sohn” vermerkt, was diesen unbezweifelbar als Vater des Gebrüderpaares ausweist. Genau so sind in der Generationsreihe IX der I. Stammtafel des C. von Wurzbach die Namen und Geburtsdaten der dort an den Flanken zu findenden beiden Geschwister der Gebrüder Johann Friedrich und Johann Dietrich namens SEBASTIAN und ELISABETH als falsch zu deklarieren. Des Weiteren ist die beiden Brüdern beigegebene Berufsbezeichnnung „kais. Feldoberster“ und sind auch die diesen zugeordneten Geburtsjahre 1581 und 1583 sowie die angegebenen Ehen 3) mit SABINA VON CREMONI und 4) mit ANNA VON ROSENBACH des JOHANN DIETRICH als unrichtig anzusehen.

Denn wie aus Sporhan-Krempel „Zur Geschichte der Fam. Hermann von Wimpffen“ (1981/84) zweifelsfrei hervorgeht und an späterer Stelle noch genauer darzulegen sein wird, ist das vorgenannte in Nürnberg geborene Brüderpaar dort um eine ganze Generation später zur Welt gekommen: JOHANN FRIEDRICH, der Ältere der beiden, erst 1615 und JOHANN DIETRICH, der Jüngere der beiden, erst 1616. Und gestorben ist der Erstgenannte am 13. Dezember (nicht November) 1668 (und zwar in Nürnberg) und der Zweitgenannte am 17. November 1679 (und zwar in Durlach; Näheres dazu später)! Und was die in der I. Stammtafel des C. von Wurzbach beiden zugewiesene falsche Tätigkeitsbezeichnung „kais. Feldoberster“ betrifft, so war der Ältere Johann Friedrich im Nürnberger zivilen Ämterwesen beschäftigt, wo er schließlich den beachtlichen Rang des Losungsamtmannes erreichte. In der diesem geltenden Biografie Nr. 29 schreibt von Wurzbach zwar richtigerweise „war Losungsamtmann zu Nürnberg“, fügt aber dann, wieder total neben der Realität liegend, „und zuletzt kaiserlicher Feldoberster“ an.

Und der Jüngere Johann Dietrich war zwar zunächst Militär, brachte es aber nur bis zum Rang eines „Lieutenant“. Und später übte dieser, wie später zu zeigen sein wird, allerlei zivile Tätigkeiten aus, so zuletzt, wie selbst von Wurzbach in seiner diesem geltenden Biografie Nr. 28 aufzeigt, diejenige eines Kämmerers und Oberhofmeisters der Markgräfin von Baden-Durlach. Ganz offenkundig hat von Wurzbach dem Brüderpaar wider die Wahrheit ganz bewusst und gleichgerichtet den Anstrich höherrangiger und dazuhin adliger Militärs zu verleihen versucht. All dieses im Generationsband IX der I. Stammtafel festzustellende Fehlerhafte findet sich in Rot durchgestrichen und Fehlendes teilweise in Grün ergänzt. Dazuhin wurde es für notwendig befunden, die Zuordnungen der Generation X bzw. 9 „Aelterer Hauptast“ und „Jüngerer Hauptast“ durch rote Pfeilführungen weg von Johann Friedrich bzw. Johann Dietrich hin zu des Erstgenannten Kindern GEORG ABRAHAM und HANS KARL zu führen, was die notwendige Erklärung erst an späterer Stelle finden wird.

Richtig jedoch erscheinen bei von Wurzbach, mit Ausnahme der dem Jüngeren (siehe oben) noch zugewiesenen adligen Ehefrauen 3) und 4), die jedem der beiden Brüder zugeordneten zwei Ehefrauen, die – mit einer Ausnahme – Nürnberger Familien des Ersten Standes der sog. Patrizier angehörten, welche im 17. bzw. 16. Jahrhundert sogar in den Adelsstand erhoben worden waren und alle hochvermögend gewesen sind. Im Einzelnen sah das so aus (Näheres siehe bei Erich Scheible, 2013 – 2016, Kapitel L. Adelswerdung; dort insbesondere „Genealogische Übersicht I“):

– Die beiden Ehefrauen von JOHANN FRIEDRICH waren:

1) SUSANNA (auch SUSANNE) KATHARINA FÜRLEGER (Heirat 1645):
Diese soll 60.000 bis 70.000 Gulden in die Ehe gebracht haben. Denn die FÜRLEGER gehörten zwar wie der Ehemann „nur“ dem Zweiten Stand der sog. Ehrbarkeit an, waren aber reiche Handelsleute, die z. B. in Verona eine Handelsniederlassung besaßen und 1625 sogar den Adelstitel zuerkannt bekommen hatten.

2) SUSANNA KREß VON KRESSENSTEIN (Heirat 1660 und jetzt in der 3. Ehe stehend):
Demgegenüber gehörten die KREß (auch KRESS) dem Vordersten Stand der sog. Patrizier an, die als erfolgreiche Kaufleute 1418 erstmals ratsfähig im Sinne des Engeren oder Kleineren Rates geworden waren, aber mehr und mehr sich dem Staatsdienst als Diplomaten und als Kriegsleute zugewandt und schon 1531 vom Kaiser das Adelsprivileg mit der Namenserweiterung KRESS VON KRESSENSTEIN zuerkannt bekommen hatten. Susannas wohl von ihrer Herkunft herstammende Begehrtheit manifestiert sich auch darin, dass sie nach dem Tod von Johann Friedrich sogar noch eine vierte Ehe eingehen konnte.

– Die beiden Ehefrauen von JOHANN DIETRICH waren:

1) MARIA MAGDALENA VON LÖFFELHOLTZ (Heirat 1658) und
2) KATHARINA BATHOLOMEA VON LÖFFELHOLTZ (Heirat 1663).

Diese waren Schwestern, deren Vater im Zusammenhang mit der ersten Eheschließung als „Rat (im Sinne vom Engeren Rat) allhier“ und in der Nürnberger Vorstadt „Basteihof“ bestellter Unterpfleger tituliert ist. Somit gehörten die LÖFFELHOLTZ ebenfalls zu den Ersten Geschlechtern Nürnbergs, die im Engeren Rat seit 1418 saßen, viele Besitzungen vor allem in Form von Herrensitzen bzw. sogar Schlössern in und um Nürnberg hatten und schon 1515 in Anerkennung des Namenszusatzes VON KOLBERG AUF STEINACH den Adelsrang erlangt hatten.

Mit diesen erneuten beiden Einheiraten in Nürnberger Erste Geschlechter, jetzt in Generation 9, fand das, was der sich selbst mit „älterer Hospitalprediger“ betitelnde GEORG ERNST WALDAU in der von ihm in der Stadt seiner Tätigkeit Nürnberg im Selbstverlag herausgegebenen Veröffentlichung „Vermischte Beyträge zur Geschichte der Stadt Nürnberg“ in Heft XV des sog. Zweyten Bandes vom November 1787 des Titels „Vom Losungsamtmann Johann Friedrich von Wimpfen und dessen Familie“ im Blick auf den von Augsburg nach Nürnberg gekommenen HEINRICH HÖRMANN VON WIMPFEN, wie er schreibt, der Generation 5 im Blick auf die über diese fünf Generationern hinweg betriebene Heiratspolitik dessen Geschlechtes konstatiert hat, nämlich (die Namen sind hier durch Großbuchstaben hervorgehoben): „Seine Nachkommen haben sich bei uns bald mit den besten adelichen und rathsfähigen Familien, den DÖRRERN, GROLAND, PFINZING, BEHAIM, KREß, LÖFFELHOLTZ, TUCHER u. a. verheirathet und verschwägert.“[42] Diese von Waldau auf der Grundlage seiner Kenntnis sowie Erforschung der Nürnberger Geschlechter gewonnene Namenskette erscheint bestens geeignet, die Stimmigkeit all der bislang von Sporhan-Krempel und Stör übernommenen genealogischen Setzungen im Gegensatz zu jenen des von Wurzbach, bei dem bezeichnenderweise in den davorliegenden Generationen jeweils völlig andere Namensnennungen erscheinen, verifizieren zu helfen.-

Nunmehr die Vergleichung der Angaben des Constantin von Wurzbach mit jenen von Sporhan-Krempel und Stör über das hier behandelte Brüderpaar der Generation IX bzw. 8 weiterführend, sei eine Stelle aus der bereits angesprochenen dem JOHANN DIETRICH geltenden Biografie Nr. 28 zitiert. Diese lautet: „Ihm und seinem oben erwähnten Bruder (gemeint JOHANN FRIEDRICH) verleiht Kaiser Leopold am 13. November 1658 einen schönen Wappenbrief, welcher auf Schloss Kainberg in Steiermark verwahrt wird.“ Mit dieser Feststellung begeht von Wurzbach den einem Genealogen gar nicht anstehenden schrecklichen Lapsus, völlig zu übersehen (oder gar zu überspielen), dass es sich bei dem in der Tat vom vorgenannten Kaiser und unter genau dem vorgenannten Datum den beiden Brüdern zugekommenen Akt nicht um die bloße Zuerkennung eines Wappenbriefes, sondern um die diesen beiden auf den Antrag des Älteren JOHANN FRIEDRICH hin zugesprochene Verleihung des Adels mit gleichzeitiger sog. Besserung des 1555 dem Dominikus der Generation 5 verliehenen Widderwappens gehandelt hat.

Dieser Sachverhalt ergibt sich zweifelsfrei aus Lore Sporhan-Krempel, die in ihrer Abhandlung des Titels „Zur Geschichte der Familie Hermann von Wimpffen“ ja dem Vorgenannten (unter Einschluss seiner vier der Ehe mit der Fürlegerin hervorgegangenen Söhne) nicht weniger als 7 ½ Seiten[43] widmet und u. a. über diesen Folgendes schreibt: „In diesem Zusammenhang (gemeint sind von Johann Friedrich an verschiedene Nürnberger Kirchen erfolgte Schenkungen und Stiftungen) gehört auch ein Antrag in Wien mit der Bitte um Aufnahme in die Ritterschaft des Kantons Altmühl. Es gelang ihm. Eine Urkunde bestätigt feierlich, daß Kaiser Leopold I. dem Hans Friedrich und Hans Dietrich von Wimpffen, genannt Hermann, ein Wappen verliehen und bestimmt habe, daß die Empfänger ‚in ewige Zeiten rechtgeborene Lehens-Turniergenossen und rittermäßige Edelleut sein’. Diese Verleihung datiert vom 13. November 1658.“ Glücklicherweise konnte ich von Dr. Hans H. von Wimpffen eine Serie Kopien erhalten, die den genauen Text der vorgenannten Verleihungsurkunde wiedergeben und von mir transkribiert worden sind. Siehe hierzu:

  • Abb. A 17a, 17b, 17c: Die Kopien (auswahlweise) der Seiten 5 und 7 (mit Wappendarstellung) sowie der Schlussseite 11 des Briefes über die von Kaiser Leopold I. „den … gebrüdrn Johan Friderich vnd Johan Dietrich von Wimpfen genant Herman” verliehene Adelseigenschaft mit Wappenerweiterung vom 13. November 1658.

Der für den Normalsterblichen bestenfalls nur stellenweise entzifferbare und in Wiederholungen sowie in schwer verständlichen Amtsfloskeln schwelgende Adels- und Wappenbrief, auf dessen siebter der elf Seiten sich, wie dort gesagt, ein „vermehrt und verbessert“ Wappen dargestellt ist, findet sich in meiner Abhandlung „Die Freiherren und Grafen von Wimpffen …“ in Kapitel „L. Adelswerdung“ in Teilen in den Abb. L 6c, L 6d und L 6e gezeigt und danach ist eine lückenlose Transkriptiion aller elf Seiten angefügt, was alles zum genauen Nachlesen empfohlen sei. Hier sei nur auf das Wesentlichste verwiesen:

Erstens: Auf den (hier nicht zu sehenden) Seiten 2 bis 4 wird zunächst u. a. auf die Voreltern des Geschlechts „gnand Hermanner“ verwiesen und dem „Johan Friderich und Johan Dietrich von Wimpfen gnand Herman gebrüdere“ die alte Herkunft von Stand, adeligen Tugenden, Sitten, Wandel und Wesen sowie deren vor undenklichen Zeiten in der Freien Reichsstadt Augsburg und danach bei an die hundertfünfzig Jahre in Nürnberg als unter den Vordersten Stand geachtet (nicht im Sinne von zu diesem gehörend, sondern nur von zu diesem gerechnet!) beschrieben. U. a. wird dann über Johann Friedrich anerkennend gesagt, dass er vom Geheimen Rat der Reichsstadt Nürnberg in den Rang eines Losungsamtmannes erhoben worden sei, was nur alten geschlechtsfähigen Personen anvertraut würde. Und über Johann Dietrich wird lobend zum Ausdruck gebracht, dass er zuerst lang vor dem Frieden von Münster und Osnabrück (d. h. im Dreißigjährigen Krieg) Kaiser Ferdinand III. und danach dem König Philipp IV. von Spanien als Lieutenant Kriegsdienste in vielen blutigen Okkasionen, Scharmützeln, Belagerungen, Treffen, Einnehmungen und somit beispielhaft dem Heiligen Römischen Reich und dem Hause Österreich Devotion geleistet habe.

Zweitens: Dort, wie auch u. a. zu sehen auf Seite 5 sowie auf der Schlusseite 11, findet sich der einstige bürgerliche Urname (hier Herman statt in der Regel Hermann) als eine Art Beibezeichnung hinter dem jetzt von hinten nach vorne gerückten ehemaligen Herkunfts- und nunmehrigen Adelsnamen von Wimpfen (statt in der Regel von Wimpffen) verzeichnet. Und auf Seite 5 und im Fortgang wird konstatiert, dass die Gebrüder zu (umgesetzt in die heutige Sprache und Rechtschreibung) „recht gebornen Lehens- und Turniersgenossen und rittermäßigen Edelleuten geadelt … und der Schw. (= Schwäbischen) Gesellschaft zugesellt werden“.

Drittens: Die oben in Abb. A 17b zu findende Wappendarstellung, die in eine (hier nicht wiedergegebene) genaue Beschreibung eingebettet ist, gleicht in allen ihren Teilen (beidseitiger Bausch, Schild, Widder als Wappentier, beidseitige Büffelhörner mit Lindenast- und Lindenblättchen-Musterung), auch was die Farben betrifft, jener der Wappenverleihung an Dominicus des Jahres 1555 (siehe in Abb. A 12a und A 12b), doch mit dem Unterschied, dass der frühere einfache Stechhelm zu einem – wie es heißt – „offenen adeligen Turnierhelm mit goldfarbener Königskrone“ wird. Es handelt sich hier demnach um ein Wappen, das auf der Grundlage des früheren solchen, wie es heißt, „vermehrt und verbessert“ worden ist. Das Wappentier, der silberfarbene Widder, ist hier wieder mit „silberfarben Herman oder Widergestalt“ bezeichnet, d. h. der Ursprungsname „Herman(n)“ ist wiederum als „Hörnermann“ verstanden. Immer noch fehlt das, was von Wurzbach bereits seinem angeblichen Ritter SIG(IS)MUND falscherweise der ersten Generation zuordnet, nämlich das vom Widder gehaltene Kreuz, welches, um es noch einmal zu sagen und wie erst an späterer Stelle einsichtig werden wird, erst 1781 in das Wappen der nunmehrigen Adelsfamilie Von Wimpffen gekommen ist.

Aus dem hier zugrundegelegten Kapitel „L. Adelswerdung“ meiner Abhandlung „Die Freiherren und Grafen von Wimpffen …“ sei nunmehr die auf der Basis der Abhandlungen von Dr. Lore Sporhan-Krempel (1981/84) sowie Georg Ernst Waldau (1787) in ausführlichster Art und Weise dargestellte Chronologie des Lebensganges des JOHANN FRIEDRICH in geraffter Form wiedergegeben. Daraus wird zunächst dessen im Nürnberg des 17. Jahrhunderts erfolgter grandios anmutender ansehens- wie auch rang- und vermögensmäßiger Aufstieg und schließlich sein durch außerordentliche Hoffart und Unterschlagungen sowie Bestechungen erfolgter unrühmlicher Abstieg offenbar werden, der schließlich in der Kerkerhaft und dem dort geheimnisumwitterten Tod und im gerüchteumwobenen Verscharrtwerden endet. Dabei werden die bereits dargelegten Teilfakten, eingefügt in chronologischer Entsprechung, wiederkehren.

– September 1615: Geburt und Taufe in Nürnberg (in von Wurzbachs Biografie Nr. 29 falscherweise zu Hirschbach 1581!) als Sohn des Unterpflegers Christoph Hermann (von Wimpffen) und der dem Zweiten Stand (der sog. Ehrbarkeit) angehörenden Anna Maria geb. Semler

– 03. 11. 1645: Verheiratung mit der dem Ersten Stand (der sog. Patrizier) entstammenden reichen Nürnbergerin SUSANNA CATHARINA FÜRLEGER; damals ist er als Gegenschreiber im städtischen Leihhaus tätig

– 1646: Geburt des ersten Sohnes Johann Jacob und Bestellung zum Genannten des Größeren Rates

– 1648: Geburt des zweiten Sohnes Georg Abraham1651: Tätigkeit im Nürnberger Leihhaus (Pfandhaus). Seine Gattin wird vom Rat mit einer Strafe von 10 Gulden belegt, weil sie eine nur dem Ersten Stand zustehende goldene Haube getragen habe. Er setzt nun alle Hebel in Bewegung, um den Nachweis zu erbringen, dass seine Familie und er als dem Ersten Stand gleichgeachtet sei, indem er nicht nur konkret auf die Stellung seiner Eltern und Voreltern verweist, sondern auch in der Stadt deren Herkunft in Augsburg Auskünfte einholt. Er erreicht schließlich, dass der Rat erklärt, man lasse es zwar geschehen, dass er und die Seinen sich dem ersten Stand gemäß kleiden dürften und diesem gleich geachtet und als gerichtsfähig, jedoch nicht als ratsfähig (gemeint im Sinne des Engeren Rates) betrachtet seien.

– 1652: Geburt des dritten Sohnes Hans Christoph1654: Geburt des vierten Sohnes Hans Karl. Damals ist er weiterhin im Städtischen Leihhaus, jetzt als Kassier, beschäftigt. In diesem Jahr nehmen Bürgermeister und Rat einen Kredit bei seiner Frau und nach deren Tod bei deren Nachfahren weitere solche, bis 1667 insgesamt 15.600 Gulden, auf.

– 1655: Er kommt, so Sporhan-Krempel, „als Amtmann in die Losungsstube, wir würden etwa sagen, in die Finanzverwaltung“. Sein Titel Losungsamtmann darf nicht verwechselt werden mit dem höhergestellten und diesem vorgesetzten Amt des sog. Losungers, das nur Angehörigen der Ersten Geschlechter zugänglich gewesen ist.

– 1657: Er geriert sich ganz nach dem Muster der Ersten Familien als Stifter in St. Egidien gut dotierter Fastenmessen. Und er beabsichtigt, die sieben Kirchentüren von Sankt Sebald neu machen zu lassen, wenn er dort sein Wappen anbringen dürfe. Das wird ihm aber abgeschlagen, und so lässt er dort nur zwei Türen, die Ehetür und die Leichanschreibtür auf seine Kosten erneuern. Und er erwirbt um 10.000 Gulden das 40 km nördlich von Nürnberg gelegene stattliche Dorf mit Herrensitz Eschenbach.

– 1658: Wie oben bereits unter Einbringung der Abb. A 17a, A 17b und A 17c dargestellt, gelingt es ihm jetzt sogar, vom Kaiser für sich und seinen Bruder das Adelsprädikat des Turniergenossen und der rittermäßigen Edelleute der Gesellschaft Schwaben mit der Wappenverbesserung mittels goldener Königskrone auf dem offenen Turnierhelm zu erlangen.

– 1659: Jetzt lässt er das schöne Geländer um den Hauptaltar von Sankt Sebald für 800 Gulden aufführen. Dieses alles kann er nur finanzieren, weil die Fürlegerin über das eingebrachte Vermögen hinaus noch beträchtliche auf etliche 20.000 Gulden belaufende Lehengüter und jährliche Einnahmen beträchtlicher Mengen Gült und Zehenden hat.

– 1660: Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratet er die ebenfalls aus dem Vordersten Stand kommende schwerreiche Witwe JOHANNA KRESSIN bzw. KRESS VON KRESSENSTEIN. Dadurch wird der Erwerb weiterer Besitztümer im Nürnberger Umland befördert. Es gehören ihm jetzt schon des Weiteren die Herrensitze Finstermühl und Rothenbruck bei Neuhaus an der Pegnitz, wo im Vorjahr das aus Schloss, Hammer und Mühle bestehende, doch im Dreißigjährigen Krieg zerstörte, sog. Hammergut durch die mit ihm verwandten Nürnberger Patrizier Löffelholtz, Kress und Tetzel wieder aufgebaut wurde. Außerdem nennt er auch das kleine mittelfränkische Grünreuth und im ostwärtig an das Gebiet der Freien Reichsstadt Nürnberg angrenzenden Fürstentum und Landgericht Sulzbach einen ansehnlichen hohen und niederen Wildbann sein Eigen.

– 1661: Zehn Jahre nach dem an seine erste Gattin ergangenen Straferlass erregen der Aufwand und Prunk sowie das allzu hochgestochene Auftreten Hans Friedrichs abermals den Unwillen des Rates. Zwar belässt der diesbezügliche Ratsbescheid die frühere Erlaubnis, dass sich die Wimpfen wie die vom Ersten Stand kleiden und halten dürfen; doch habe er durch seine bisher übermächtige Pracht, seine Hoffart und seinen Übermut sich den ratsfähigen Geschlechtern nicht nur gleichhalten, sondern diesen noch etwas bevortun wollen. Dazuhin habe er noch sonderbare Monumenta und Gedächtnisse mit seinen beigefügten Wappen in die beiden Pfarrkirchen ohne Vorbewilligung der Herren Älteren und des Kirchenpflegers „eingeschlichen”. Dadurch und die gegenüber diesen und Anderen gebrauchten Anmaßungen und Anordnungen habe er nicht allein seinem anvertrauten Amt, sondern auch sich selbst böse Nachrede verschafft. Unter dem Ausdruck des Missfallens wird er ermahnt, sich seines Stands und Amts besser zu erinnern und zu fernerer Ahndung nicht weitere Ursache zu geben.

– 1662: Ungeachtet dieser Ermahnung, stiftet er auf den hohen Altar von Sankt Sebald ein schweres silbernes Kruzifix und der Spitalkirche ein hölzernes solches. Sporhan-Krempel stellt mit Recht die Frage, ob dies alles wirklich allein zur höhern Ehre Gottes, oder vielleicht doch nur zum eigenen Ruhm, geschehen sei. Und Waldau urteilt: „Man hielt ihn also billig für einen angesehenen Mann; er affectirte aber auch den rechtschaffenen, und wusste sich den Schein der liberalen Frömmigkeit zu geben.”

– 1665: Nunmehr wird ihm vom Rat nahegelegt, in Geldsachen behutsam zu sein und für sich selbst ohne Zutun und Wissen und Befehl der Herren Losunger nichts zu unternehmen, was darauf hinweist, dass man Misstrauen ob der ehrlichen Wahrnehmung seiner Amtsgeschäfte hegt.

– 1666: Als der Patrizier Jakob Christoph Waldstromer und seine Ehefrau Susanna etliche Rechte auf ihrem Hirschbacher Gut verkaufen, tritt Johann Friedrich als Käufer auf und erwirbt schließlich in Hirschbach den Herrensitz Hammerschloss um 2.000 Gulden. Ein anschauliches Bild dieser bedeutsamen Liegenschaft vermittelt der Text der Kopie des Kaufvertrages, der von „Schloß oder Herrensitz im obern Hirschbach, mit Hammerwerk, Papier-, Schlag- und Mahlmühle, mit Mauern, Türmen” spricht. Hierzu sei nachfolgend eine instruktive zeitgenössische Darstellung gezeigt:

  • Abb. A 18: Ansicht von Hammerwerk und Herrensitz Oberhirschbach, Anonymer Kupferstich aus dem frühen 17. Jahrhundert.

– 1668/1669: Trotz der Bemisstrauung entleihen die Stadtoberen bei ihm wiederum Geld, nämlich 1.400 Gulden. In Anbetracht seiner den Nürnbergern vor Augen geführten finanziellen und gesellschaftlichen Potenz kann es nicht verwundern, dass gerade von ihm ein in der Österreichischen Nationalbibliothek vorhandene Bilddarstellung desselben erhalten geblieben ist. Siehe diese in:

  • Abb. A 19: Bildnis des Johann Friedrich Hermann von Wimpffen, Bürger und Losungsamtmann in Nürnberg, Kupferstich des Nürnberger Kupferstechers Johann Friedrich Leonhard von 1772; Erstdruck spätestens im Todesjahr des Abgebildeten 1668.

Die gepflegte Haartracht, die weiße Halskrause und der wohl lange schwere Mantel mit Pelzumschlag kennzeichnen dessen Streben nach Darstellung in der Art der Vordersten Nürnberger Geschlechter.

– 1668: Doch erfüllt sich in diesem Jahr für diesen in prächtiger Robe Dargestellten sein trauriges Schicksal. Der Ablauf des dramatisches Geschehens ist im Endteil des Kapitels L. Adelswerdung meiner Abhandlung über die Von Wimpffen auf der Grundlage von L. Sporhan-Krempel und G. E. Waldau in großer Ausführlichkeit wiedergegeben und sollte dort nachgelesen werden. Davon sei hier nur das wörtlich wiedergegeben, was in der Waldau zusammenfassend, ausgehend von Johann Friedrichs Gönnertum, erklärend und wertend berichtet:

„Allein alle diese Stiftungen und andere Frömmeleien konnten seine Untreue und Schalkungen nicht bedecken, die endlich an das Tageslicht kamen, und ihm Gefängniß und Inquisition (gemeint: verschärfte Gefängnishaft) zuzogen. Er hatte sich bisher vor andern, die höheren Standes gewesen, sehr hervorgethan und noch kostbarer, als dieselben, oder ihnen doch gleich, gelebet, womit er sich, wie es unter Menschen zu geschehen pflegt, wenig Freunde gemacht, sondern vielmehr verlasset, desto genauer auf ihn zu sehen und keine Gelegenheit zu versäumen, bei welcher er möchte erniedriget und gedemüthiget werden können. Und so geschah es denn, daß er 1668. Freitags den 12. Jun. Abends ganz ongefähr durch den 4. Provisoner (Gehilfen) von der obern Losungstube hinabgeführet und bei dem Rathausvogt in Verwahrung gesetzet, den 23. Jul. aber zu Nachts auf den Wasserthurn in ein enges Gefängniß gebracht wurde. Die Inquisitions-Acta sind mir nicht zu Händen gekommen; aber aus andern guten Nachrichten ergiebt sich, daß durch viele wider Pflicht und Eid von ihm begangene schwere Verbrechen er dem Aerarium (Stadtkasse) einen beträchtlichen Schaden zugefüget habe, weswegen denn auch die Obrigkeit sich aller seiner Habe und Güter bemächtiget und solche eingezogen, jedoch seinen Söhnen ihr auf 48.595 Gulden berechnetes Vermögen herausgegeben und ihnen auch die Lehengüter überlassen hat. Während der Inquisition (gemeint: während des verschärften Arrestes) wurde er krank, und befand sich laut eines Originalbriefs seines ältern Sohnes, Georg Abrahams, den 7. Sept. schon, wie die eigenen Worte lauten, in miserablen Zustand, und ist auch noch vor Endigung der Inquisition ausser allem Zweifel natürlichen Todes im Gefängniß gestorben, den 13. Dec. 1668.”

Wie es im Einzelnen zu der Inhaftierung zunächst im Rathaus und später im sog. Wasserturm Männereisen an der Pegnitz gekommen ist, was sich während dieser alles abgespielt hat und welche Legenden sich um den auch heute noch als mysteriös erscheinenden Tod wie auch um sein im Geheimen geschehenes Begräbnis rankten, das sollte am oben angeführten Ort nachgelesen werden. Davon seien nur noch zwei Fakten herausgestellt:

Zum einen: Vier Tage nach seinem Tod wurde sein Leichnam auf Bitten der Angehörigen freigegeben. Durch ein früher als gewöhnlich geöffnetes Stadttor wurde dieser heimlich im Wagen vor Einbruch des Tages hinaus und nach dem Wimpffen’schen Herrensitz Eschenbach (nicht, wie im Umlauf, nach Hirschbach) gebracht und dieser dort ohne Sang und Klang außerhalb von Kirche und Friedhof begraben.

Zum anderen: Als dann einige Tage nach der Bekanntgabe des Todes des Johann Friedrich in Nürnberg die Nachricht umging, dass der Leichnam desselben zur Nachtzeit nach Hirschbach abgeführt worden sei, da hieß es, man habe diesen, weil auf dem Turmgefängnis kein Platz zum Köpfen vorhanden sei, erwürgt und dann von Schützen auf einem Karren fortfahren und in eine Schiefergrube werfen lassen. G. E. Waldau hat 1787, d. h. zwölf Jahrzehnte nach Johann Friedrichs Tod und heimlichem Verscharren, der immer noch grassierenden und sogar in die Literatur aufgenommenen „Volkssage“ von der Hinrichtung des Johann Friedrich durch Erwürgen dadurch zu wehren versucht, dass er in seinem Aufsatz über diesen in neun umfänglichen Abschnitten zur Ehrenrettung der Nürnberger Obrigkeit den akribischen Nachweis zu führen suchte, dass dieser nicht getötet worden sein kann, sondern diesen „kranken, gedemüthigten und beschimpften Mann ohne Zweifel ein heftiger Schlag getroffen und ihn sogleich getödtet” habe. Allerdings lässt sich Dr. Hans H. von Wimpffen durch die Masse der von Waldau als Beweis für einen natürlichen Tod Johann Friedrichs aufgeführten Argumente nicht von seiner Meinung abbringen, dass dabei Gewalt im Spiel gewesen sei.-

Dazuhin drängt es mich, noch darauf hinzuweisen, dass weder bei Aubert Des Bois, noch im Gotha, noch bei von Wurzbach und auch nicht bei Kneschke der gesellschaftliche Absturz und Tod von Johann Friedrich in der Nürnberger Kerkerhaft Erwähnung findet, d. h. alle seinem schlimmen Ende mit totalem Ausschweigen begegnen und darüber hinaus ganz im Gegensatz zu Waldau und Sporhan-Krempel dessen Lebensbeschreibung kaum – und zudem größtenteils falsch – Raum gönnen. Das geschieht sicher wohl, um diese Negativ- bis Unperson und diesen schwarzen Flecken aus der ruhm- und ehrerfüllten Genealogie derer Von Wimpffen auszuscheiden. So erwähnt z. B. Aubert Des Bois wenig mehr als seinen Namen (JEAN FRÉDERIC) und (genau wie von Wurzbach) „né en 1581“ = geboren 1581, und weist dann ohne weitere Namensnennung mit „dont la postérité est établie à Saugershausern es Saxe“ auf dessen angeblich in „Saugershausen en Saxe” (gemeint: Sangershausen in Sachsen) niedergelassene Nachkommenschaft hin, wohin man aber keinen der vier Söhne und auch niemand aus deren Nachkommenschaft hinzuverorten vermag. Obgleich JOHANN FRIEDRICH VON WIMPFFEN zweifelsfrei derjenige ist, dem sein Geschlecht die Adelserhebung verdankt, erniedrigt Constantin von Wurzbach diesen des Weiteren dadurch, dass er ihn in seiner I. Stammtafel zu nicht mehr als zum Stammvater seines sog. Aelteren Hauptastes, dafür jedoch dessen durch seine Initiative geadelten jüngeren Bruder JOHANN DIETRICH VON WIMPFFEN – wider (wie erst an späterer Stelle richtig einsichtig gemacht werden kann) die Realität – zum Gründer seines sog. Jüngeren Hauptastes deklariert. Damit wird dieser unrichtigerweise an Stelle seines älteren Bruders Johann Friedrich zu jenem Wimpffen-Spross gestempelt, aus dem in der Generation 11 vor allem die späteren sog. fünf Zweige berühmter bis berühmtester Militärs in den wichtigsten Staaten Europas und Ländern Deutschlands herauswachsen werden! Und somit steht in von Wurzbachs Biografie Nr. 28 fälschlicherweise zu lesen, Johann Dietrich sei „der Stifter des jüngeren nach ihm benannten Hauptastes der Familie Wimpffen und somit der Ahnherr aller heutigen Wimpffen in Oesterreich, Frankreich, Preußen, Bayern und Russland“,[44] was jedoch zweifelsfrei nicht für diesen, sondern für dessen Bruder Johann Friedrich zutrifft, aber erst nach und nach beim Durchschreiten mehrerer der nachfolgenden Generationen und schließlich erst nach dem vollendeten Kennenlernen der vorstehend erwähnten, wie sich zeigen wird, aus einem Dutzend Glieder bestehenden und somit überlangen Generationsreihe 11 durchblickt werden kann.

Nach diesem schlaglichtartigen Vorausblick in die Folgegenerationen gilt es, zur Generation 8 zurückzukehren und nun auch den Lebensgang des JOHANN DIETRICH darzustellen. Da Sporhan-Krempel[45] diesem nur eine Drittelseite widmet und zusätzliche über die bloßen Namenswiedergaben des Stammbaumes Stör sowie die Urkunde der Adelsverleihung hinaus verlässliche Quellen mir nur wenige vorliegen, muss diese sehr viel knapper als die des Bruders und, was seine militärischen Tätigkeiten sowie seinen späten Lebensabschnitt betrifft, mit gewissen Unklarheiten behaftet ausfallen:

– 1616: Geburt in Nürnberg (nicht wie von Wurzbach sagt 1583!); Eltern wie bei Johann Friedrich.

– Vor 1648 (d. h. Im Dreißigjährigen Krieg): Er dient laut Adelsverleihungsurkunde lang vor dem Frieden von Münster und Osnabrück zuerst Kaiser Ferdinand III., danach als Lieutenant dem König (Philippp III.) von Spanien. Laut Waldau stand er, was von dieser Urkunde teilweise abweicht, zuerst in kaiserlichen und spanischen Diensten als Lieutenant zu Ross, dann in Nürnbergischen Diensten als solcher zu Fuß. Und diesen Angaben nahestehend, doch kürzer gefassst, sagt Sporhan-Krempel, dieser habe zuerst dem Kaiser in Spanien, dann den Nürnbergern als Leutnant zu Fuß gedient.

– 1658: Verheiratung mit der dem Ersten Stand entstammenden vermögenden Nürnbergerin MARIA MAGALENA VON LÖFFELHOLTZ. Damals erscheint Johann Dietrich urkundlich, rückblickend auf seine Militärzeit und in Bestätigung desselben als ehemaliger Militär, als „der Römischen Kaiserlichen Majestät und Hochfürstlichen Durchlaucht zu Florenz gewester Lieutenant zu Ross“. Laut dem originären Stammbaum von Stör entwächst dieser Ehe nur eine Tochter namens MARIA MAGDALENA (siehe im Stammbaum des J. W. Stör bei 9b). Zwar ist aus Waldau zu erfahren, dass Johann Dietrich mehrere jung verstorbene Kinder gehabt habe; ob diese aus dieser oder der zweiten Ehe hervorgegangen sind bzw. wie diese sich auf die beiden Ehen verteilen, lässt sich dieser Aussage natürlich nicht entnehmen.1859: Er wird laut Waldau Genannter des Größeren Rats und soll sich meistens auf seinem Gut in Happurg (in der Hersbrucker Schweiz in Mittelfranken gelegen) aufgehalten haben.

– 1663: Nach dem Tod seiner ersten Frau verheiratet er sich mit deren Schwester KATHARINA BARTHOLOMEA VON LÖFFELHOLTZ. In diesem Jahr ist er in den Akten des Happurg nahegelegenen Hammerwerkes Rothenbruck bei Neuhaus an der Pegnitz als Hammerbesitzer und Hammermeister überliefert, wo 1659 die Löffelholtz und andere Nürnberger Patrizier mit ihrer Finanzkraft den kriegszerstörten Hammer wieder aufgebaut hatten. Laut dem Stammbaum Stör entwächst der zweiten Ehe der Sohn JOHANN PAULUS (siehe 9c).

Demgegenüber berichten Sporhan-Krempel und Waldau über eine aus der zweiten Ehe stammenden Tochter des Namens SUSANNA, die 1694 den RATSKONSULENTEN DR. FRIEDRICH ERNST FINCKLER bzw. CONSULENTEN FRIEDRICH ERNST FINKLER geheiratet habe; laut Waldau ist diese schon 1696 gestorben. Demzufolge wurde im Stammbaum Stör am linken Rand des Generationsbandes 9 eine entsprechende mit 9g bezeichnete Nachtragung deren beider Name im doppelten Wappenschild vorgenommen und der Abstammungszweig von dort zur Mutter Katharina Bartholomea hingeführt. Laut Nürnberger Totenbuch des Jahres 1688 ist im April des genannten Jahres die edle und tugendreiche Jungfrau ANNA CATHARINA, des Edlen gestrengen und mannfesten Johann Dietrich von Wimpfen wohledlen und hochweisen Rats und gewesenen Lieutenants selig hinterlassene Tochter, gestorben und damit noch eine dritte Tochter des Johann Dietrich belegt. Deren in den Stammbaum Stör rechts neben den Bruder Johann Paulus nachgetragener Name mit Wappenschild (siehe 9h) wurde im Blick auf die Vornamens-Gleichheit der zweiten Ehefrau zugeordnet. Somit kommt man auf insgesamt vier Kinder. Da jedoch Waldau schreibt, es seien mehrere der Kinder des Johann Dietrich jung verstorben, ist mit Sicherheit anzunehmen, das diese Liste unvollständig ist.

Nunmehr nach Belegen über die Endperiode dessen Lebens und schließlich dessen Todes suchend, was weder von Sporhan-Krempel angesprochen wird, noch aus Nürnberger Urkunden schöpfbar ist, stößt man bei von Wurzbach im Johann Dietrich geltenden Lebenslauf Nr. 28 auf die mehr als nur fragwürdige Feststellung, dieser habe, nachdem er (was richtig) längere Zeit in Nürnberg gelebt und sich dort „mit Töchtern angesehener Patrizierfamilien (vergl. die Stammtafel) vermält“ hatte, 1650 diese Stadt verlassen und sich in der Pfalz angesiedelt. Aus dem in Klammern angefügten Verweis auf seine (gemeint I.) Stammtafel ist mit Sicherheit zu schließen, dass von Wurzbach nicht allein seine dort zunächst aufgeführten und ihm nachweislich wirklich in Nürnberg angetrauten beiden Gattinnen 1) und 2) aus dem adligen und Ersten Geschlecht der Löffelholtz meint, sondern auch die dort noch vermerkten zwei weiteren Gattinnnen 3) SABINA VON CREMONI und 4) ANNA VON ROSENBACH. Die Letztgenannte erscheint übrigens auch bei Aubert Des Bois, und zwar ohne alle anderen und somit einzige solche sowie etwas anders als die angeblich im Jahre 1617 (!) in Nürnberg geheiratete MARIE DE ROSENBACH, welche die Mutter von 1. CÉSAR-AUGUSTE (geb. 1618) und JEAN-CHRISTOPHE (geb. 1620) sei. Nicht nur, dass das von Aubert Des Bois diesen beiden Söhnen zugeordnete jeweilige Geburtsjahr mit dem deren Mutter zugeordneten Heiratsjahr beinahe zusammenfällt, sondern dieses müsste ja ein tüchtiges Stück später hinter dem Jahr von Johann Dietrichs zweiter Heirat 1663 liegen. Und die Feststellung, dieser habe 1650 Nürnberg verlassen und sich in der Pfalz angesiedelt, geht mit dem vorstehend aufgezeigten bisherigen auf Nachweisen beruhenden Lebensgang des Johann Dietrich in keiner Weise zusammen, wobei der Umstand, dass die an späterer Stelle behandelte Tatsache der Niederlassung von Johann Dietrichs jüngstem Neffen HANS KARL im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken als Geheimer Rat und Oberamtmann zu Guttenberg irritierend hineinspielen dürfte. Sonach müssten die von C. von Wurzbach angesprochenen Heiraten ins Nürnberger Patriziat vor 1650 stattgefunden haben, was der vorstehend dargestellten Realität (1658 und 1663) total widerspricht. Wir müssen ja davon ausgehen, dass von Wurzbach das Bruderpaar Johann Friedrich und Johann Dietrich falscherweise für im Jahr 1581 und 1583 statt richtigerweise 1615 und 1616 und damit um eine ganze Generation früher geboren wähnte. Hiernach wäre Johann Dietrich im angeblichen Jahr seines Wechsels in die Pfalz bereits 67 Jahre alt gewesen; realiter erreichte er jedoch in diesem Jahr das Alter von erst 34 Jahren. Demgegenüber ist als glaubhaft die davor gemachte andere, dazuhin mit Cellarius-Goldtbeeg im Gotha übereinstimmende, Angabe des von Wurzbach anzusehen, wonach Johann Dietrich nach seiner Dienstzeit als kaiserlicher Feldoberster Kämmerer und Obersthofmeister der Markgräfin von Baden-Durlach geworden sei. Zwar folgen, wie gezeigt, seiner Dienstzeit als Lieutenant (nicht Feldoberster) mit Sicherheit zunächst über einen längeren Zeitraum hinweg, in den auch die beiden Heiraten fallen, nachgewiesenermaßen längere Aufenthalte und Tätigkeiten im Nürnberger Umraum (Happurg und Rothenbruck). Dennoch dürfte diese Feststellung des von Wurzbach letztendlich mit der Wirklichkeit einhergehen. Denn dafür sprechen zwei Umstände:-

Erstens: In Gene-Allnet ist als Datum und Ort von Johann Dietrichs Tod das genannt, was sich in der I. Stammtafel, Generation IX. bzw. 8, von mir in Grün, Zeichen der Bestätigung, vermerkt findet, nämlich:

– gestorben 17. November 1679 in Durlach.

Zweitens: Wenige Jahre später, und zwar 1685, sind, was an späterer Stelle genauer zu erfahren sein wird, zwei der Neffen des Johann Dietrich, nämlich HANS CHRISTOPH und HANS KARL, als in Durlach lebend, dem Herrscher- und Regierungssitz der Markgrafen von Baden-Durlach, ausgewiesen. Und 1691, also 6 Jahre später, hält sich der Erstgenannte der beiden Brüder nachweislich in Badenweiler auf, wo die Markgrafen von Baden-Durlach ein von ihnen vielbesuchtes Schlösschen besitzen, und zwar wohl, wie Sporhan-Krempel meint, als Mitglied deren Hofes.

Damit kann die Darlegung des Lebensganges von JOHANN DIETRICH als abgeschlossen gelten. Zweifelsfrei besteht bezüglich desselben noch ein großer Klärungsbedarf, der wohl nur durch Nachforschungen vor Ort, d. h. insbesondere in Fürstlich Öttingen’schen sowie Baden-Durlacher Urkundenbeständen, zu Erfolgen führen dürfte.

Damit treten wir in die bereits punktuell mehrfach angesprochene Folgegeneration ein, wo sich zeigen wird, dass bezüglich dieser ebenfalls manche Wissenslücken bestehen und damit ebenfalls erheblicher Klärungsbedarf zu folgern sein wird

Um zunächst nun zu den Lebenbeschreibungen der im Zusammenhang des vorschriebenen tragischen Lebens ihres Vaters JOHANN FRIEDRICH schon verstreut berührten vier Söhnen zu kommen, ist zunächst zusammenschauend zu sagen, dass diese alle in Nürnberg geboren worden sind, alle aus der ersten Ehe mit SUSANNA KATHARINA FÜRLEGER stammen und von diesen laut Waldau drei den Tod des Vaters überlebt haben. Aus dem von Sporhan-Krempel ausgiebig diesem Tod gefolgten schwierigen Vermögens- und Erbauseinandersetzungen ist über diese Folgendes zu schließen:

– JOHANN JACOB, der 1642 geborene Älteste, zur Zeit des Todes des Vaters nicht mehr am Leben gewesen. Nach der Inhaftierung des Vaters im Juni 1668 wurde den noch unmündigen drei Söhnen Pfleger und Vormünder gesetzt und gingen die Inventierung dessen Vermögens sowie die diesbezüglich wie anderweitig notwendigen Nachforschungen bis ins das nächste Jahr 1669 hinein. Bei dem schließlich mit den Erben geschlossenen Vergleich wurde das mütterliche aus den Händen der zweiten Gattin MARIA BARBARA KRESS VON KRESSENSTEIN gekommene Erbgut herausgegeben, das sich nach Abzug des Johann Friedrich zugefallenen Teils, auf, wie schon gesagt, 48.595 Gulden belief, jedoch abzüglich 3.000 Gulden für die Befriedigung von Passivschulden des verstorbenen Vaters. Die eingezogenen von Johann Friedrich neu erkauft gewesenen Lehen Finstermühl, Rothenbruck und Grünreuth u. a. m. wurden ebenfalls freigegeben und alle von den drei Brüdern GEORG ABRAHAM, HANS CHRISTOPH und HANS KARL (wir bedienen uns hier wie bisher der in der I. Stammtafel des von Wurzbach verwendeten Schreibweise) verkauft. Diese gaben das Bügerrecht zu Nürnberg auf und zogen laut Waldau „von dannen“, was in Anbetracht des entehrenden Geschehens verständlich erscheint und im Sommer 1679, das heißt ein starkes Jahrzehnt nach ihres Vaters Tod, geschehen ist. Was das Hammergut Hirschbach anbelangt, so wurde dieses zunächst vom Ältesten Georg Abraham den Brüdern Hans Christoph und Hans Karl um 6.100 Gulden in bar und 100 Gulden Leihkauf mit allen Rechten und Gerechtigkeiten abgekauft.

– GEORG ABRAHAM (geb. 1648), der älteste der überlebten drei Brüder, um nun allein zu diesem zu kommen, übernahm das Hirschbacher Gut und zog mit seiner Familie nach dorthin hinaus. Doch gab er dieses mit allen Rechten und Gerechtigkeiten nach einem Jahrzehnt im November 1679 an seine beiden jüngeren Brüder JOHANN CHRISTOPH und HANS KARL durch Verkauf zurück. Der Nürnberger Rat wollte diesem Verkauf zunächst nicht zustimmen, da die Käufer wegen Wegzugs nicht mehr das Nürnberger Bürgerrecht hätten. Georg Abraham erklärte, dass der Kauf schon im Mai, als seine Brüder noch in Nürnberg gewesen, abgeschlossen worden sei, und er könne dieses nicht länger behaupten, da er für seine Kinder dorthin keinen guten Präzeptor bekommen könne und er wolle diese auch nicht in die Kost nach Nürnberg tun. Schließlich stimmte der Rat im Herbst 1680 dem Verkauf denn doch unter der Bedingung zu, dass die Brüder eine Erklärung abgeben, dass das Gut nicht in fremde Hände, sondern an steuerzahlende Nürnberger Bürger falle. Georg Abraham hatte sich, wie Waldau berichtet, mit ANNA KATHARINA VIATIS (siehe im Stammbaum Stör bei 9a deren im ursprünglich leeren Frauenschild vermerkter Name), der Tochter der ANNA MARIA VIATIS, GEB. GUTHÄTERIN, und BARTHOLOMÄUS VIATIS DEM JÜNGEREN, verheiratet und somit eine beste Partie gemacht. Des Letztgenannten gleichnamiger Vater BARTHOLOMÄUS VIATIS DER ÄLTERE gilt nämlich als der hochbewunderte Erfinder des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und Gründer der 1621 im Nürnberger Rathausgewölbe (bis 1827 in Betrieb gebliebenen) „Banco publico“ sowie Besitzer eines riesigen Vermögens und des durch Größe und Dekor vielgerühmten sog. Nürnberger Viatishauses. Aus der Ehe ging die Tochter MARIA HELENA hervor (siehe im Stammbaum Stör den Nachtrag deren Namens in der am oberen Rand hinzugefügten Generationsreihe 10, bezeichnet mit 10b). Georg Abraham zog offenbar nach Nürnberg zurück; denn er wurde dort laut Waldau 1681 noch Genannter des Größeren Rates, bald hernach aber Fürstlich Öttingischer Rat und Amtmann im am Rande des Nördlinger Rieses gelegenen Ort des durch die Hochadelsfamilie von Öttingen gegründeten, doch der Reformation unterworfenen und nach dem Dreißigjährigen Krieg von dieser aufgelösten Karthäuserklosters Christgarten. Helena starb dort bereits 1684. Von der oben mitzitierten Textpartie „für seine Kinder“ muss man eigentlich erwarten, dass Georg Abraham noch mehr Kinder gehabt hat.

Folgen wir von Wurzbachs I. Stammtafel (dort Generation X bzw. 9), so war dieser nämlich (auch noch?) mit ANNA VON TRAUTTENBERG verheiratet und gingen aus der Ehe mit dieser vier Söhne, nämlich (siehe Generation XI bzw. 10) KARL BERNHARD, der Stammträger HANS CHRISTOPH, JOHANN CHRISTIAN und FRIEDRICH FERDINAND hervor. Wie dem auch sei: Unbezweifelabr richtig erscheint, dass aus Georg Abrahams Nachfahren der sog. DÄNISCHE ZWEIG der Von Wimpffen herausgewachsen ist. Als dessen Begründer ist der im I. Stammbaum des von Wurzbach in dessen Generation XIII als Stammträger aufgeführte TOBIAS PETER (geb. 7. Jänner 1767 – gest. 10. November 1813) anzusehen. Deshalb wurde dort über dessen Namen von mir der Nachtrag „Begründer des Dänischen Zweiges“ gesetzt. Dieser findet sich in der I. Stammtafel des C. von Wurzbach über die Generationsbänder XIII bis XV hinweg dargestellt. Zwar ist dieser ist als Adelszweig in der Generation XV ausgestorben, setzte sich jedoch als heute noch bestehender bürgerlicher Zweig des Namens WIMPFEN-BRAESTRUP fort. Aus der allerletzten Nennung der I. Stammtafel am Ende der Generationsreihe XV geht hervor, dass eine MARIE (VON WIMPFFEN), geb. am 24. Dezember 1852, sich mit ANDREAS BRAESTRUP vermählt hat.

Einzelheiten lassen sich im Kapitel „M. Dänischer Zweig“ meiner Arbeit über die Von Wimpffen nachlesen. Als Quelle hierfür diente mir zunächst über die Generationsbänder XII – XV des II. Stammbaum des C. von Wurzbach hinaus insbesondere dessen dem Stammvater Tobias Peter geltende Biografie Nr. 40. Deren Angaben können – im Gegensatz zu jenen inakzeptablen vorausgehenden der Generationsreihen II bis VIII und teilweise auch noch IX – infolge seines nunmehrigen Schöpfenkönnens aus zeitnah-zuverlässigen Quellen als so gut wie fehlerfrei anerkannt werden. Hinzu traten dann noch die hauptsächlich aus verlässlichen dänischen Quellen geholten Betrachtungen von Dr. Hans H. von Wimpffen insbesondere über den Stammträger der Generation XIV namens KARL WILHELM ANTON (geb. am 27. Dezember 1802 – gest. bereits am 4. April 1839) und dessen Nachkommen.

Infolge der logischerweise herzustellenden Parallelität zwischen JOHANN JACOB, dem Ältesten der vier Söhne des JOHANN FRIEDRICH, und dem Jüngsten desselben HANS KARL, der an Stelle seines Onkels JOHANN DIETRICH mittels Verschiebung durch Pfeilführung zum Ahnherren vom Jüngeren Hauptast zu deklarieren befunden worden ist, erschien es unumgänglich notwendig, GEORG ABRAHAM an Stelle seines Vaters JOHANN FRIEDRICH als Ahnherr vom Aelteren Hauptass (siehe in der I. Stammtafel die Korrektur ebenfalls durch Pfeilführung) zu klassifizieren. Inwiefern die Notwendigkeit bestand, diesen Eingriff in die I. Stammtafel vorzunehmen, wird sich erst im Durchschreiten der nächsten beiden Generationen einsichtig machen lassen.-

– HANS CHRISTOPH, bei Stör HANß CHRISTOFF und bei Waldau JOHANN CHRISTOPH (geb. 1652): Dieser muss zunächst zusammen mit seinem jüngeren Bruder HANS KARL gesehen werden. Denn diese beiden hatten laut Sporhan-Krempel und Waldau am 17. März 1878, also knapp ein Jahrzehnt nach ihrem ca. im Sommer 1669 erfolgten Verlassen Nürnbergs, in einem Brief aus Nimwegen in den Niederlanden an ihren Onkel JOHANN DIETRICH geschrieben, dass sie beabsichtigten, morgen die Reise nach England mit einem Empfehlungsschreiben Ihrer Durchlaucht des Kurprinzen zu Pfalz an Prinz Ruprecht in England antreten und von dort nach Frankreich gehen wollten. Sie hofften, es möge das harte Verfahren gegen sie und das Ihrige sich glücklich ändern und das Kaiserliche Kammergericht einsehen, wie in ihrer Sache und in der anderen mit ihrem seligen Vater gehandelt worden sei. Gemeint war der in der bezüglich ihres sowie ihres in der Haft gestorbenen Vaters Erbgutes 1669 geschlossene Vergleich, gegen den die Brüder schließlich beim Reichskammergericht einen Prozess angestrengt hatten, über dessen Ausgang jedoch Sporhan-Krempel aus den ihr vorliegenden familiären Unterlagen nichts erfahren konnte. Wo die beiden Brüder sich damals bleibend aufhielten und ob es damals wirklich zu einer solchen Reise gekommen ist, bleibt offen. Sicher ist, dass beide sich schließlich in den Dienst der Markgrafen von Baden-Durlach begeben haben, wo sie 1685 als in deren damaligem Regierungssitz Durlach lebend auftauchen. Denn von dort aus boten sie damals dem Rat der Stadt Nürnberg wieder das immer noch in ihrem Besitz befindliche Hammergut Hirschbach zum Kauf mit dem Ziel an, dass man sich von dort um einen Käufer bemühen würde. Doch kam es dazu nicht, weil vor allem in Nürnberg der Verdacht bestand, die Gebrüder von Wimpffen wollten ihr Gut statt an einen Nürnberger Bürger an Kurbayern verkaufen. Diese setzen in ihrem Gut zu Hirschbach damals einen Verwalter ein, mit dem und um den es mancherlei Streitigkeiten gab, die durch Christoph gegenüber dem Pfleger zu Velden sowie dem Nürnberger Rat per Briefe von Durlach aus Behandlung fanden. Und Anfang 1691, nachdem sich der Nürnberger Rat wieder mit dem Verkauf des immer noch im Besitz der beiden Brüder stehenden Hirschbacher Gutes befasst hatte, schrieb Christoph laut Sporhan-Krempel in der Sache aus Badenweiler, dem Kurort, wo die Markgrafen von Baden-Durlach ein von ihnen oft besuchtes Schlösschen besaßen und dieser sich höchstwahrscheinlich als Mitglied des markgräflichen Hofes aufhielt, einen Brief. Doch war 1699 das Hammergut Hirschbach immer noch im Besitz der beiden Von-Wimpffen-Brüder, bis 1703 schließlich die früheren Herren desselben, die Ebner von Eschenbach, als deren Eigentümer erscheinen, nachdem JOBST WILHELM EBNER es über die Vermittlung des Nürnberger Rates erkauft hatte. Während sich jetzt der Blick auf Hans Christoph verliert, der in Sachen Hammergut Hirschbach stets die Interessen des jüngeren Bruders Hans Karl mitgewahrt hatte, ist über denselben das zu sagen, was im nachfolgenden allein diesem geltenden Abschnitt an Weiterem ausgeführt ist.

– HANS KARL, bei Stör HANß CARL und bei Waldau JOHANN CARL (geb. 1654, beim Letztgenannten 1656): G. E. Waldau weiß über diesen, sich am Schluss auf das „Albrechtische genealogische Adelshandbuch beziehend (gemeint: Neues Genealogisches Handbuch auf das Jahr MDCCLXXVIII. enthaltend die Geschlechtstafeln des in- und ausser dem H. R. Reich blühendern Adels etc. Erster Theil. Mit Röm. Kays. und Chur = Sächs. Freyheit. Frankfurt am Mayn in Verlag des adelichen Handbuchs = Comptoirs 1778) folgendes Aufschlussreiche zu sagen (die Stellen in Aufrechtschrift stellen meinerseitige Anmerkungen dar): „Dieser jüngere Sohn, Johann Carl von Wimpfen (geschrieben also – so wie bei Waldau grundsätzlich – nur mit f statt mit ff), den 30. Oct. 1656, kam auch wirklich in Pfälzische (allerdings nicht kurpfälzische, sondern pfalz-zweibrücken’sche) Dienste, wurde Herzogl. Zweibrückischer Geheimer Rath und Oberamtmann zu Guttenberg, vermählte sich zuerst mit Kathar. von Weidmann, dann mit Eva von Zollern und pflanzte sein Geschlecht in der Pfalz fort. Sein Sohn, Johann Georg von Wimpfen, war auch Zweibrückischer Geh. Rath, und seine zum Theil noch lebende Enkel in den ansehnlichsten Kriegsposten, als Haubtleute, Obersten, Generale, Hof- und andern wichtigen Chargen (= Dienstgraden), wovon das Albrechtische genealogische Adelshandbuch S. 408 f. nachgesehen werden kann.“

Sporhan-Krempel, die als Geburtsjahr 1554 ohne Nennung des Tagesdatums angibt, aber bezüglich dessen späteren Tätigseins dasselbe Herrschaftsgebiet und die gleiche Betitelung sowie hinsichtlich der beiden Gattinnen dieselben Namen angibt, sagt am Schluss im Blick auf dessen Nachkommen Folgendes: „Seine Kinder und Enkel bekleideten hohe Posten an fürstlichen Höfen.“ Wir kommen an späterer Stelle auf diese den Nachkommen geltenden wertschätzenden Äußerungen zurück.

Mit der Vorstellung der vier Söhne des JOHANN FRIEDRICH VON WIMPFFEN sowie des sog. DÄNISCHEN ZWEIGES, dessen Entstehung über den zweitältesten Sohn und Begründer des sog. „Älteren Hauptastes“ GEORG ABRAHAM führt und der drei Generationen später aus TOBIAS WILHELM ANTON VON WIMPFFEN (1802 – 1839) herausgewachsenen ist, kann die Betrachtung der I. Stammtafel des Constantin von Wurzbach als abgehandelt gelten. Allerdings kann damit die in Gang befindliche Betrachtung der Generation 9 noch nicht als abgeschlossen angesehen werden. Denn es steht noch die genauere Betrachtung auch der Kinder dessen Bruders JOHANN DIETRICH VON WIMPFFEN aus. Im Gegenatz zu den vier Söhnen dessen Bruders führt von Wurzbach diese erst in seiner II. Stammtafel auf. Deshalb ist es notwendig, diese nachstehend – und zwar in ihrer nachbearbeiteten Form – zu zeigen:

  • Abb. A 20: Die „II. Stammtafel der Freiherren und Grafen von Wimpffen“ des Constantin von Wurzbach (1888),
    versehen nachträglich mit der in der I. Stammtafel begonnenen  Durchzählung der Generationen,
    – links nach Aubert Des Bois etc. mit Römischen Zahlzeichen,
    – rechts nach Stör etc. mit Arabischen Zahlzeichen;
    Korrekturen, so

    – Einklammerung, d. h. Ausscheidung), der am Beginn stehenden Generationsleisten IX, X (mit zusätzlicher Streichung) und XI
    und
    – Ersetzung durch zwei andere der Generationsbezeichnung 9 und 10;
    Hervorhebungen,
    so
    der fünf in der Generationsreihe XIII bzw. 11 beginnenden sog. Zweige, nämlich
    – dem a) Stanislaus Zweig mit Blau,
    – dem b) Josephs Zweig mit Gelb,
    – dem c) Franzens Zweig mit Grün,
    – dem d) Georgs Zweig mit Braun,
    – dem e) Felix
     Zweig mit Orange;  
    – der Gräflichen Linie, hervorgegangen aus Linie c), mit Rot
    Anmerkungenso
    – ganz oben rechts (zum Gründer vom d) Georgs Zweig,
    – ganz unten rechts zur Durchzählung der Generationen;
    Ergänzungen,
    so durch die Kennzeichnung
    – der Russisch-preußischen Seitenlinie,
    – des Französischen Nebenzweiges,
    – der
     Württembergischen Nebenlinie und 
    – der Wimpffen-Mollberg;
    außerdem mit
    der teilweisen Weiterführung der Generationen
    – bei den Wimpffen-Mollberg (siehe ganz oben links unter Ergänzungen bis zur Gegenwart (Generation XIXd bzw. 17d),
    – der Württembergischen Nebenlinie bis zur Generation XVIIc bzw. 15c), 
    – der Gräflichen Linie bis zur Gegenwart (Generation XIXc bzw. 17c);

    An deren Spitze ist in Erfüllung des in der Generationsreihe IX seiner I. Stammtafel dem Namen mit Personalien des JOHANN DIETRICH unten in Klammern beigefügten Weiterweisung „siehe II. Stammtafel“ die genealogische Klassifikation „Jüngerer Hauptast“ gesetzt. Dieses geschieht in der Konseqenz seiner weiter oben am Ende der Biografie Nr. 28 des JOHANN FRIEDRICH wiedergegebenen und hier der Klarheit wegen wiederholten (keineswegs stimmigen) Aussage, JOHANN DIETRICH sei „der Stifter des jüngeren nach ihm benannten Hauptastes der Familie Wimpffen und somit der Ahnherr aller heutigen Wimpffen in Oesterreich, Frankreich, Preußen, Bayern und Russland“. Richtigstellend musste diese Weiterweisung zum jüngsten Sohn HANS KARL des JOHANN FRIEDRICH hin verschoben und im II. Stammbaum somit der Name mit Personalien des an der Spitze stehenden JOHANN DIETRICH durch In-Klammer-Setzung ausgeschieden und rechts daneben HANS KARL samt Personalien gesetzt werden. Es liegt auf der Hand, dass die notwendige Erkenntnis der Richtigkeit dieses massiven Eingriffes in die I. wie II. Stammtafel sich erst im Rahmen der Behandlung der Folgegenerationen XI und letztlich auch XII der Zählung nach von Wurzbach bzw. 9 und 10 der Zählung von Stör und Sporhan-Krempel einstellen wird. Was die Begründung der ins Auge springenden plötzlich bei Generation XII bzw. 10 nicht mehr nur 1, sondern jetzt 2 betragende Differenz anbelangt, so gilt das im vorangehenden Satz Gesagte.

Vorrangig gilt es nun, die in der II. Stammtafel aufgeführten Kinder des JOHANN DIETRICH zu sichten und dann mit den diesbezüglichen Angaben des Stammbaums Stör, Sporhan-Krempel und Waldau wertend gegenüberzustellen. Es finden sich sechs Namen, darunter drei Söhne und drei Töcher in der folgender Reihung aufgeführt:

CÄSAR AUGUST (geb. 1618); JOHANN CHRISTOPH (geb. 1619, †; laut Biografie Nr. 27 unverheiratet gewesen und in kaiserlichen Kriegsdiensten gefallen, doch in welchem Jahre und in welcher Schlacht, darüber fehlten die Angaben); als Stammträger JOHANN PAUL (geb. 1625, † 1685; Gattin: SALOME VON KREITER AUF DIETSCH); MARIA MAGDALENA (ohne weitere Angaben) ; MARIA LUDOVICA (geb. 1626; vermählt mit N. GRAF VON SAYN); ANNA BARBARA (geb. 1629, gestorben als Kind).

Demgegenüber weist der Stammbaum Stör hinsichtlich der Kinder des JOHANN DIETRICH nur zwei Namen aus, nämlich den bei von Wurzbach auf dem Platz des Stammträgers an dritter Stelle zu findenden – wie er schreibt – JOHAN PAULUS (siehe 9c) und die bei von Wurzbach an der vierten Stelle stehende MARIA MAGDALENA (siehe 9b). Und Sporhan-Krempel wie Waldau berichten diesbezüglich nicht mehr als von einer weder bei von Wurzbach noch bei Stör erscheinenden Tochter desselben namens SUSANNA (siehe im Stammbaum Stör nachgetragen unter 9g). Letzteres hängt damit zusammen, dass der Forschungsschwerpunkt von Sporhan-Krempel die Generation 8 gewesen ist und dort erstrangig Johann Friedrich und dessen Nachkömmlingen galt. Von dieser Diskrepanz der Angaben her die Existenz der vier allein bei von Wurzbach erwähnten Kinder bezweifeln zu wollen, wäre falsch. Denn immerhin spricht Waldau von „mehreren jung verstorbenen Kindern“, was man wohl auf den nur mit Geburtsdatum versehenen Erstgenannten CAESAR AUGUST wie auch auf den als gefallen bezeichneten Zweitgenannten JOHANN CHRISTOPH, ebenso auf die ohne Daten bleibende Drittgenannte MARIA MAGDALENA wie die Sechstgenannte und mit als Kind gestorben bezeichnete ANNA BARBARA anwenden kann. Sicher ist, dass die im II. Stammbaum des von Wurzbach in fünf der sechs Fälle beigegebenen Geburtsjahre 1618, 1619, 1625, 1626 und 1629 nicht mehr als 2, 3, 9, 11 und 13 Jahre vom wirklichen Geburtsjahr ihres Vaters JOHANN DIETRICH 1616 entfernt liegen, was natürlich total neben der Realität liegt. Hinzu kommt erschwerend, dass von dem als Stammträger ausgewiesenen JOHANN PAUL her eine Verbindung hin zum nachweislich existent gewesenen Stammträger der Generation XII (nach von Wurzbach) bzw. 10 (nach Stör und Sporhan-Krempel) namens JOHANN GEORG (1689 – 1767) sich nicht ziehen lässt. Demgegenüber lässt sich zu diesem hin eine solche in Form der Vater-Sohn-Beziehung vom jüngsten der vier Söhne des JOHANN FRIEDRICH namens HANS KARL (HANß CARL) der Generation 9 her schlüssig nachweisen, womit dieser als der wirkliche Stammahn der laut Waldau und Sporhan-Krempel späteren zahlreichen in hohe und höchste Militär- wie Hofposten eingerückten Glieder derer von Wimpffen erkannt wird und sein Vater JOHANN FRIEDRICH die ihm gebührende Aufwertung erfährt.

Damit stehen wir bei

  • Generation 10:[47]

Hier ergibt sich zunächst die Komplikation, dass in der II. Stammtafel parallel zu dieser sich zwei Generationen eingetragen finden, nämlich XI und XII:

Generation XI:
– JOHANN GEORG I., geb. 30. Oktober 1856, † 1. Juli 1721, 1) KATHARINA WEIDMANN VON EHRENFELS, 2) EVA VON ZOLLERN
Generation XII:
– JOHANN GEORG II., geb. 2. Juli 1689, † 2. December 1767, ANTOINETTE DOROTHEA MAZILLES DE FOUQUEROLLES.
Hinzu kommt die diesem geltende Biografie Nr. 30, in der zwar, was die angegebene Abstammnung von einem Johann Georg I. her sowie der Geburtssort Mollberg und das angebliche dortige Familienbesitztum betrifft, zunächst Unrichtiges hineingepackt ist, ab der Mitte jedoch so gut wie vollkommen Richtiges zu lesen steht: Johann Georg II. (geb. zu Mollberg 2. Juli 1689, gest. zu Weißenburg 2. December 1767), vom jüngeren (Johann Dietrich’schen) Hauptaste. Der älteste Sohn Johann Georgs I. aus dessen erster Ehe mit Katharina Weidmann von Ehrenfels. Nach dem Besitzthume Mollberg, auf welchem er geboren worden, nahm die spätere ungarische Linie der Freiherren von Wimpffen das Prädicat Mollberg an. Er stand bis 1714 als Hofjunker in Diensten des Pfalzgrafen Gustav Samuel, darauf bis 1719 in jenen des Königs von Polen; dann trat er nach seinem Vater die Oberamtmannschaft zu Guttenberg und Lützelstein an und wurde zuletzt pfalzzweibrücken’scher adeliger Geheimrath. Seine Gemahlin Antoinette Dorothea Mazille de Fouquerolles, mit welcher er sich im Jahre 1719 vermählt hatte, schenkte ihm eine zahlreiche Nachkommenschaft, nämlich zwölf Kinder, darunter acht Söhne, deren mehrere wesentlich zum späteren Glanze des Hauses Wimpffen in den verschiedenen Ländern des Continents beitrugen.“

Merkwürdigerweise decken sich das von Wurzbach dem Stammträger seiner Generaton XI. JOHANN GEORG I. zugeordnete Geburtsdatum (30. Oktober 1656), ebenso die Namen der beiden Gattinnen (1. Katharina Weidmann von Ehrenfels, 2. Eva von Zollern) und auch das aus der obigen Biografie dessen Sohnes hervorgehende Berufsfeld desselben (Oberamtmann in Guttenberg-Lützelstein) fast genau mit jenen, die G. E. Waldau dem Stammträger seiner Generation 9 namens JOHANN CARL (siehe weiter oben) zuordnet, nämlich: Geburtsdatum: 30. Oktober 1656; Berufsangabe: Oberamtmann zu Guttenberg-Lützelstein; Gattinnen: 1) Katharina von Weidmann, 2) Eva von Zollern). Und auch L. Sporhan-Krempel geht mit diesen Angaben (siehe oben) einher, ausgenommen, dass sie als Geburtsjahr 1654 (ohne Nennung eines genauen Tage angibt und die komplexere Berufsbezeichnung „Herzoglich Zweybrückenscher Geheimrat und Oberamtmann zu Guttenberg“ verwendet. Wie in Kapitel „N. Umorientierung“ ausführlichst dargestellt, handelt es sich bei der Nennung dieses JOHANN GEORG I. um eine Art von nicht existent gewesenem „Lückenfüller“, dessen Grunddaten von Wurzbachs von JOHANN CARL, dem jüngsten Sohn des JOHANN FRIEDRICH, hergeholt sind. Dessen Einbringung in die Generationsfolge ist gezwungenermaßen aus dem Umstand herausgewachsen, dass von Wurzbach das Brüderpaar JOHANN FRIEDRICH und JOHANN DIETRICH und dann auch des Letztgenannten stammhaltenden Sohn JOHANN PAUL mit Geschwistern irrtümlicherweise um eine ganze Generation älter gesehen hat.

Anders verhält es sich, wie schon angeklungen, bei von Wurzbachs JOHANN GEORG II., dem man allerdings aufgrund des vorstehend Gesagten die Zählung „II.“ absprechen muss, was notwendig machte, in derr II. Stammtafel diese in Rot einzuklammern und somit auszuscheiden. Der Umstand jedoch, dass dort die übrigen Daten desselben (Geburts- und Todesdatum, Name der Gattin) wie auch die Namen und Daten der daneben angegebenen beiden Brüder desselben FRANZ LUDWIG (geb. 1693) und GUSTAV LEOPOLD (geb. 1698) unangetastet geblieben sind, lässt die Zutreffendheit derselben erkennen. Als falsch ist allerdings dessen angebliche von JOHANN DIETRICH über dessen Sohn JOHANN PAUL sowie einen nicht existent gewesenen JOHANN GEORG I. gehende Abstammung zu deklarieren. Denn dieser war, wie angezeigt, zunächst in der I. Stammtafel durch Verschiebung der Klassifikation „Jüngerer Hauptast“, dann in der beginnenden II. Stammtafel durch Einklammerungen und Ersetzungen sowie Pfeilführungen, ein Sohn von JOHANN CARL und damit ein Enkel von JOHANN FRIEDRICH und nicht, wie aus der Verfolgung des Generationenganges I. und II. Stammtafel des von Wurzbach hervorgeht, ein Urenkel des JOHANN DIETRICH. Das Verständnis für die Notwendigkeit dieser Eingriffe dürfte jetzt voll gegeben sein. Und aus der erkannten Nichtexistenz des durch von Wurzbach in die Generationsfolge unstatthaft eingeschobenen sog. JOHANN GEORG I. wächst jetzt auch das Verständnis für die bei der Vergleichung der Generationenzählung laut Wurzbach einerseits und der von Stör und Sporhan-Krempel andererseits plötzlich beim sog. JOHANN GEORG II. sich ergebende Differenz von – 2 statt bislang – 1.

Was das nunmehr genauer zu umreißende Leben des Stammträgers der Generation 10 JOHANN GEORG betrifft, so ist dieses ausführlichst in Kapitel „O. Johann Georg“ meiner Abhandlung „Die Freiherren und Grafen von Wimpffen …“ dargestellt und zum Nachlesen sehr empfohlen. Wenn von Wurzbach schreibt, dieser sei am 2. Juli 1689 auf dem Besitztum Mollberg geboren, wonach die spätere ungarische Linie der Freiherren von Wimpffen ihren Namen angenommen habe, so liegt er bezüglich des Geburtsortes, nicht des Geburtsdatums, total falsch. Als Sohn des laut Waldau Herzoglich Zweibrückischen Geheimen Rates und Oberamtmanns zu Guttenberg ist dieser am Ort dessen Amtssitzes Minfeld, einem in der Oberheinebene nördlich vom Bienwald und ca. 18 km ostnordöstlich des elsässischen Weißenburg gelegenen kleinen Ort, geboren und zwar im dortigen türmereichen ehemaligen Wasserschloss, genannt „Schloss der sieben Türme“, in dem das vom Vater geleitete zweibrücken’sche Verwaltungsamt Guttenberg-Lützelstein untergebracht gewesen ist. In diesem Landstrich der südlichsten Pfalz war seit 1680 der französische König Ludwig XIV. der oberste Souverän. Wie Wurzbach sagt, war dieser in jungen Jahren, währendem der Vater noch amtete, im Dienst als Kavalier (Hofjunker) der Pfalz-Zweibrücken-Kleeburger Landesherren, zuerst (bis 1714) des späteren Landesfürsten Gustav Samuel Leopold, dann (bis 1719) in den des als König von Polen seines Thrones enthobenen und dann nach Pfalz-Zweibrücken ins Exil gegangenen Stanislaus I. Leszczyński gestanden, um danach das Amt seines Vaters zu übernehmen. Zu dieser Zeit heiratete er die aus einer Adelsfamilie angeblich der Picardie stammende (ANTOINETTE) DOROTHEE (MAZILLE) DE FOUQUEROLLE (der Nachname im Gegensatz zu von Wurzbach nach dem Muster dessen Sohnes Franz Ludwig ohne Schluss-s geschrieben). Die laut von Wurzbach aus dieser Ehe hervorgegange zahlreiche Nachkommenschaft von 12 Kindern, darunter 8 Söhne, findet sich bei von Wurzbach in seiner quer durch die gesamte II. Stammtafel gehenden Generationsreihe XII (in Wirklichkeit laut Sporhan-Krempel und Stör 11) – und zwar jetzt fehlerfrei – dargestellt. Von Wurzbach schreibt über diese Söhne abschließend, dass „deren mehrere wesentlich zu dem späteren Glanze des Hauses Wimpffen in den verschiedenen Ländern des Continents beitrugen“. Das entspricht dem, was auch Sporhan-Krempel mit ihrer auch noch auf Johann Georgs Enkel bezogenen Aussage, es hätten „seine Kinder und Enkel hohe Posten an fürstlichen Höfen“, schreibt. Und das passt auch mit dem zusammen, was Waldau allerdings Johann Georgs Enkeln zuordnet, das aber im Endeffekt denn doch auf dessen Kinder hinauskommt. Das ergibt sich aus seinem Hinweis auf das zugrunde gelegte Albrechtische Genealogische Handbuch von 1778, in dem sich der bei von Wurzbach fehlerhafterweise in die Genealogie eingeschobene und von Waldau deshalb als existent gesehene Johann Georg I. ebenfalls aufgeführt findet. Indem er allerdings erstrangig von Nachkommen spricht, die „in den ansehnlichsten Kriegsposten, als Haubtleute, Obersten, Generale“ gestanden hätten, und dann erst von „Hof- und andern wichtigen Chargen“, gibt er richtigerweise den im Militärwesen in die Höhe Gekommenen den Vorrang.-

Wie aus der Selbstbiografie von Johann Georgs fünftältestem Sohn (siehe in der II. Stammtafel in der Mitte der Generationsreihe 11) namens FRANÇOIS LOUIS oder FRANZ LUDWIG (1732 – 1800) des Titels „La vie privée et militaire du Général Baron de Wimpffen, écrits par lui même“ (Paris 1788) hervorgeht, ist es der Vater Johann Georg gewesen, der durch seine harte spartanische Erziehung aller seiner sieben Söhne planvoll anstrebte, dass diese alle die „carriere militaire” (Militärlaufbahn) mit dem Ziel anstrebten, „haute faîte de grandeur et d’illustration” (Gipfelhöhe der Größe und Berühmtheit) zu erlangen. Wie diese Form der Erziehung vonstatten gegangen ist, dazu seien drei Stellen dieser Biografie in Übersetzung zitiert:

– „Mit fünf meiner Brüder für den Waffendienst bestimmt, wurde unsere Erziehung von Konsequenz beherrscht, und ohne uns in das Wasser des Styx (A. d. V.: Fluss in der Unterwelt, Wasser des Grauens) zu tauchen, um uns unverwundbar zu machen, mussten wir vor all den Übeln bewahrt werden, die einer zu sanften Erziehung folgen.”

„Während der Winterzeit ähnelte das Schloss, das mein Vater bewohnte, einem Kriegsschauplatz. Wir machten dort unsere militärischen Übungen; wir legten uns zum Schlafen auf die bloße Erde in einem vom Wohnbereich getrennten Haus, in den vier Winden gelegen, in einem Zimmer, wo es nichts gab, keinen Ofen, keinen Kamin, ohne Felle, ohne Pelzwerk, nichts als eine leichte Decke, und wir wälzten uns beim Verlassen des Bettes oft im Schnee.”

– „Wir waren so gesund und robust, unsere jungen Körper waren derart auf die Strapazen vorbereitet, dass wir für gar nichts anderes zugänglich waren als für diese Entbehrungen. Mit dieser körperlichen Ausstattung allein, befördert durch die Ermahnungen der Autoren unserer Tage, deren Vorschriften wir anbeteten, haben wir die jungen Leute und unsere Kameraden weit hinter uns gelassen, selbst jene, deren Erziehung wie die unsrige ebenfalls einfach und entbehrend gewesen ist.”

Johann Georgs  Erziehungsziele und -methoden zeitigten solch nachhaltige Erfolge, dass über drei und teilweise noch mehr Generationen hinweg die männlichen Glieder des Von-Wimpffen-Geschlechtes großteils hohe bis höchste Stellungen im Militär-, Hof- und auch Staatsamtswesen vieler Staaten Europas wie Länder Deutschlands erreichten. Er gab seine Berufslaufbahn erst mit 77 Jahren auf und wurde nach seinem Tod im Alter von 78 ½ Jahren in nahen nordelsässischen Weißenburg in der Kirche Saint Jean begraben. Dort ruht an seiner Seite eine Gemahlin DOROTHEE, GEB. FOUQUEROLLE.

  • Generation 11:[48]

In der Generationsreihe XIII (richtigerweise 11) der II. Stammtafel des Constantin von Wurzbach, die deren gesamte Breite einnimmt, finden sich in Fettschrift die Namen von zwölf Kindern des Johann Georg, acht Söhnen (einschließlich eines früh verstorbenen solchen) und vier Töchtern (einschließlich einer früh verstorbenen solchen), verzeichnet. Darunter sind bei vier Söhnen die von diesen im Militärwesen erreichten hohen Ränge angegeben. Die dann folgenden Lebensdaten weisen den weiten Umfang von geb. 1721 beim Ältesten (Stanislaus Gustav Ludwig) bis geb. 1744 beim Jüngsten (Felix Ludwig) auf. Fünf der sieben überlebten Söhne sind sog. Zweige entwachsen, die jeweils am Kopf derselben angezeigt sind, benannt nach den Vornamen ihrer Urheber. Deren jeweiliger genealogischer Verlauf ist von mir durch unterschiedliche Farbgebung herausgestellt worden. Diese Zweige heißen:

1. der Stanislaus-Zweig (im Stammbaum Stör blau gekennzeichnet; bei Wurzbach a) Stanislaus’ Zweig bezeichnet);
– Begründer: STANISLAUS GUSTAV LUDWIG (1721 – 1793); dieser trat nach Kriegsdiensten (so schon im Kindesalter Teilnahme am Österreichischen Erbfolgekrieg) in die Nachfolge seines Großvaters und Vaters als Erb-Oberamtmann zu Guttenberg-Lützelstein ein.

2. der Josephs-Zweig (im Stammbaum Stör gelb gekennzeichnet; bei Wurzbach b) Josephs Zweig bezeichnet);
– Begründer: JOSEPH PHILIPP (1728 – ?); über die Laufbahn dieses offenbar früh Verstorbenen ist nichts bekannt.

3. der Franzens-Zweig (im Stammbaum Stör grün gekennzeichnet; bei Wurzbach c) Franzens Zweig bezeichnet);
– Begründer: FRANZ LUDWIG (1732 – 1800); General.

4. der Georgs-Zweig (im Stammbaum Stör braun gekennzeichnet; bei Wurzbach d) Georgs Zweig bezeichnet);
– Begründer: GEORG SIEGMUND DOMINIK (1733 – 1816), kk. Feldmarschall-Lieutenant.

5. der Felix’ Zweig (im Stammbaum Stör orange gekennzeichnet; bei Wurzbach e) Felix’  Zweig bezeichnet);
– Begründer: Felix Ludwig (1744 – 1814); Französischer Generallieutenant.

Der nicht zum Zweiggründer gewordene Zweitälteste CHRISTIAN PETER (1725 – 1781) ist als Maréchal de Camp (Feldmarshall) vermerkt. KARL HERMANN (geb. 1727), der Drittälteste, war von den sieben überlebten Söhnen der Einzige, der nicht den Militärdienst aufgenommen hat, sondern, wie zu lesen steht, Canonicus (Klosterangehöriger) zu Weißenburg geworden ist. Was die in der II. Stammtafel noch aufgeführten Namen der Gattinnen derselben betrifft, so lassen sich diese in der II. Stammtafel nachlesen, was auch für die Angaben über die fünf hier übergangenen Töchter in ihrer Gesamtheit gilt. Herausgestellt sei noch, dass den Zweiggründern vom a) Stanislaus‘ Zweig, c) Franzens Zweig und d) Georgs Zweig sowie dem Zweitältesten Christian Peter jeweils Folgendes beigefügt ist: „Freih. 1781“. D. h., dass diesen im vorgenannten Jahr vom Kaiser der Erbadelsrang eines Reichsfreiherren verliehen worden ist, womit eine sog. Besserung des Wappens durch ein goldenes Kreuz, gehalten von den Vorderfüßen des Widders, verbunden war. Siehe dazu:

  • Abb. A 21: Schwarz-Weiß-Darstellung des Wappen der Von Wimpffen, so wie es durch die Verleihung des Reichfreiherren-Ranges des Jahres 1781 und der damit verbundenen sog. Wappenbesserung durch ein vom Wappentier des Widders gehaltenes goldenes Kreuz geworden ist; dazugegeben die im Genealogie-Werk des Constantin von Wurzbach des Jahres 1888 gegebene Wappenbeschreibung, in der auch die in der Darstellung fehlenden Wappenfarben angegeben sind.

Unter diesen fünf Zweiggründern ist der in der Mitte der II. Stammtafel zu findende Gründer vom c) Franzens Zweig FRANZ LUDWIG VON WIMPFFEN bzw. FRANÇOIS LOUIS DE WIMPFFEN (geb. am 2. April 1732 in Minfeld in der Südpfalz – gest. am 24. Mai 1800 in Mainz), verheiratet mit MARIE KUNIGUNDE VON GOY (1744 – 1820), derjenige, der die meisten Kinder gehabt hat, nämlich (wie im II. Stammbaum Generationsband XIVc bzw. 12c zu sehen) zwölf an der Zahl, je sechs Söhne und Töchter. Von diesen sechs Söhnen sind fünf in den Militärdienst getreten, aus denen vier sich über vielerlei Staaten Europas sowie Länder Deutschlands verbreitende Nebenlinien oder -zweige herausgewachsen sind. Somit wird verständlich, warum Sporhan-Krempel bei ihrer Herausstellung des Aufstieges der Nachfahren des JOHANN GEORG über dessen Kinder hinaus auch dessen Enkel einbezogen hat. Franz Ludwigs bereits herangezogene aufschlussreiche Selbstbiografie „La vie privée et militaire …“ von 1788 bildete die Hauptquelle von Kapitel „P. Zweiggründer Franz Ludwig“ meiner Arbeit über die Von Wimpffen, was sich zu lesen lohnt. Genau wie drei seiner Brüder, um dessen Leben hier in geraffter Form zu umreißen, wurde er schon im Kindesalter inmitten des von 1741/42 bis 1748 gegangenen Österreichischen Erbfolgekrieges in die französische Armee gegeben; ohne Namensnennung berichtet er, dass sie beim Eintritt 10, 11, 12 und 15 Jahre gewesen seien. Danach absolviert er wie diese Brüder die Offiziersausbildung, die bei allen in einem der sog. deutschen Regimenter D’Alsace, De la Marck, De Royal Deux-Ponts und De Bouillon erfolgt. 1756, d. h. zu Beginn des bis 1663 gegangenen Siebenjährigen Krieges verlässt er mit ca. 24 Jahren das Régiment d’Alsace als Sekondehauptmann und übernimmt das Kommando einer Grenadierkompanie des Régiments Royal Deux Ponts (Zweibrücken). Wie sein Leben in diesem Krieg, in dem er ein Auge verliert, mit dem Orden des Heiligen Ludwig erster Klasse ausgezeichnet wird, in Frankfurt seine o. a. hugenottische Gattin kennenlernt, 1759 im Feldlager des nordhessischen Jesberg heiratet, das lässt sich alles im o. a. Kapitel nachlesen. Auch wie er ca. 1760 ins Herzogtum Württtemberg überwechselt, wo er in den rund anderthalb Jahrzehnten seines dortigen Aufenthaltes zum Mitglied des prunkvoll-verschwenderischen Hofes von Herzog Karl Eugen wird sowie schließlich sogar ein württembergisches Regiment seinen Namen erhält und er zum Leiter des Kriegsdepartements mit doppeltem Gehalt aufsteigt, aber bald in Ungnade fällt und sich gezwungen sieht, Württemberg wieder zu verlassen. Das gilt auch für sein weiteres bizarres Leben als immer wieder neue Aufgaben als Militär nunmehr in anderen Staaten des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation Suchender und seine in den ausgehenden 1780er Jahren der beginnenden Französischen Revolution erfolgte Rückkehr in sein Heimatland Frankreich, wo er, die Verfolgungen der eskalierenden Revolution überstehend, wieder in das Heer Napoleons als Generallieutenant tritt, sich auch als militärerzieherischer Schriftsteller betätigt, 1800 in Mainz als französischer Divisionsgeneral und Präsident des militärischen Revisionsgerichts stirbt und dort auf dem Friedhof der Peterskirche begraben wird.

Mit der Betrachtung seiner Söhne sind wir in die Folgegeneration gelangt.

  • Generation 12 (einschließlich vieler Hinweise, die sich auf Folgegenerationen 13, 14 und 15 beziehen):[49]

Die besondere Bedeutung des FRANZ LUDWIG als Vater von zwölf Kindern und fünf von sechs in den Militärdienst getretenen Söhnen aus denen vier sog. Nebenlinien oder –zweige wachsen, ist in der II. Stammtafel daran zu erkennen, dass das Grün des nach ihm benannten Franzens Zweiges ab der Mitte derselben dominiert, indem das Generationsband 12c und die nachfolgenden Generationsbandbereiche 13c und 14c deren ganze Breite füllen. Hinzu tritt darunter die aus dem drittältesten Sohn FRANZ KARL EDUARD VON WIMPFFEN (1773 – 1842) herausgewachsene sog. Gräfliche Linie, die weiter unten mit ihrer Kennzeichnung in Rot ebenfalls über drei Folgegenerationen hinweg wieder die ganze Breite der Stammtafel einnimmt. Dieser wurde in Österreich-Ungarn ansässig und 1797 durch Diplom in den Grafenstand erhoben. Im Rahmen dieser Arbeit ist es unmöglich, im Einzelnen darzustellen, welche hohen Rangstufen im Militär- und Staatswesen und welchen stattlichen Besitzstand dieser und dessen Kinder, Enkel und Urenkel erreicht haben. Aus dem Ältesten GEORG VON WIMPFFEN (1760 – 1807), der vom französischen in den russischen Militärdienst wechselte, es dort bis zum Generallieutenant brachte und an einer in der Schacht bei Austerlitz empfangenen Verwundung tragischerweise in Gefangenschaft seines französischen Heimatlandes gestorben ist, wuchs die sog. Russisch-preußische Seitenlinie. Und aus dem Zweitältesten FRANZ KARL EUGEN VON WIMPFFEN (1762 – 1835), der als Einziger der Bruderreihe nicht Militär, sondern französischer Wasserbauingenieur geworden ist, ging der sog. Französische Nebenzweig hervor, der in der II. Stammtafel sogar textmäßig (siehe 13c und 14c) umschrieben ist. Und dann ist noch die in der II. Stammtafel mittig ganz rechts zu findende und sich über die Generationen 12c, 13c und 14c erstreckende sog. Württembergische Nebenlinie zu nennen, deren Begründer der Älteste der Söhnereihe des Johann Georg namens FRIEDRICH WILHELM VON WIMPFFEN (geb. 1784 in Kirn an der Nahe, gest. 1745 in Stuttgart), verheiratet mit ELISE FREIIN VON MOLTKE (1793 – 1832), gewesen ist. Dieser findet sich im Kapitel „T. Württembergische Nebenlinie“ meiner Von-Wimpffen-Arbeit ausführlichst behandelt. Diese Nebenlinie ragt aus der Sicht von Wimpfen am Neckar aus allen diesen Nebenzweigen und -linien deshalb hervor, weil des Vorgenannten ältere der beiden Töchter KATHARINA VON WIMPFFEN (geb. 1818 in Stuttgart – gestorben 1875 in München) sich im Alter dort niederzulassen und dort ein ausgedehntes arrondiertes Gut zu gründen gedachte, was sich jedoch durch ihren überraschenden Tod zerschlug. Dafür zog der ältere ihrer beiden Brüder, der ehemalige Stuttgarter Kammerherr und Rittmeister a. D. WILHELM VON WIMPFFEN (geb. 1820 in Stuttgart – gest. 1879 in Wimpfen-Hohenstadt auf dem Feld bei der Jagd), mit Familie im Jahr des Todes der Schwester (1875) nach dorthin und bezog deren dort erworbenes und am Beginn des Burgviertels neben dem Rathaus gelegenes Hausanwesen (späteres Haus Breuninger, heute: Burggasse 1). Sein überraschender Tod durch Herzschlag brachte es mit sich, dass seine Gattin AMALIE (AMELIE) VON ROUX-DAMIANI (geb. 1837 in München, gest. 1925 in Graz) mit ihren beiden Kindern SOPHIE (geb. 1861 in Stuttgart, gest. 1907 in Reval) und MAXIMILIAN (geb.1863 in Stuttgart, gest. 1917 in Wien) in den Anfängen der 1880er Jahre nach Österreich wegzog. Diesen wenigen Wimpfener Jahren derselben ist das Kapitel „W. Wilhelm von Wimpffen“ meiner Arbeit über die Von Wimpffen gewidmet, das sich hier an späterer Stelle im gleichgenannten Kapitel „G. Zuzug des Wilhelm von Wimpffen“ fast unverändert übernommen findet. Dort wird auch von dem denkwürdigen Besuch des über die Mutter des Wilhelm von Wimpffen verwandten Generalfeldmarschalls HELMUT VON MOLTKE in Wimpfen im Jahr 1876 sowie über die 1880 in Wimpfen im Beisein zahlreicher Angehöriger des Geschlechtes derer Von Wimpffen vollzogene und später aufgelöste unglückliche Eheschließung der o. a. SOPHIE VON WIMPFFEN (geb. 1861 in Stuttgart, gest. 1907 in Reval) mit dem baltischen Baron THEODOR ENGELHARD RUDOLPH VON UNGERN-STERNBERG (geb. 1857, zwischen 1918 und 1923 in Russland verschollen) zu reden sein. Hinzu tritt die Darstellung des Lebens und Sterbens des aus dieser Ehe hervorgegangenen und sowohl als Befreier der (äußeren) Mongolei vom Joch Chinas als auch „Blutiger Baron“ in die Geschichte ebenso ruhmvoll wie unrühmlich eingegangenen unguten älteren Sohnes namens ROBERT VON UNGERN STERNBERG alias ROMAN UNGERN VON STERNBERG (geb. 1885, hingerichtet 1921 durch Erschießen), dem in meiner Von-Wimpffen-Abhandlung das Kapitel „X. Robert alias Roman“ gewidmet ist. Außerdem wird im vorbeschriebenen Kapitel „G. Wilhelm von Wimpffen“ auch noch kurz aufzuzeigen sein, wie durch die Heirat der jüngeren Schwester des Wilhelm von Wimpffen namens PAULINE VON WIMPFFEN (geb. 1822 in Stuttgart, gest. 1900 in Mainz) mit ADOLF FELIX GRAF WIMPFFEN (1805 – 1880) außer der blutsmäßigen jetzt auch eine heiratsmäßige und damit sozusagen doppelgleisige Verwandtschaft zwischen der Württembergischen Nebenlinie der Freiherren von Wimpffen und den Grafen von Wimpffen zustandegekommen ist (Näheres siehe in meiner vorgenannten Arbeit in Kapitel „U. Verwandtschaftliche Verknüpfungen“). Nicht übersehen werden darf die dem k. k. Obersten DAGOBERT (1765 – 1836), dem zweitältesten der drei Söhne des Begründers des d) Georgs Zweiges GEORG SIEGMUND DOMINIK (1735 – 1816), entwachsene und in Ungarn sesshaft sowie hochvermögend gewordene Linie der Wimpffen-Mollberg, der auch DR. HANS HERMANN FREIHERR VON WIMPFFEN (geb. am 13. 11. 1934 in Budapest) entstammt, welcher in den beginnenden 1980er Jahren Wimpfen am Berg zu seinem Wohnsitz auserkoren hat. Siehe diesen in der II. Stammtafel ganz oben links unter „ERGÄNZUNG“ als Angehöriger der Generation 17d aufgeführt; dessen Herkunft und Werden ist am Ende von Kapitel „Y. Georgs Zweig“ ausführlich dargestellt.

—–

[1] Pfarrchronik der Evangelischen Kirchengemeinde Wimpfen, 1870, S. 77
Siehe auch: Haberhauer, Günther, 2011, S. 31 – 32

Anmerkung: Der Einfachheit halber werden künftig Belege für Textteile, die der Pfarrchronik der Evangelischen Kirchengemeinde entnommen sind und seit Januar 2011 auch als Transkription auf CD und Ausdrucke vorliegen, hier nicht mehr angegeben.

[2] Jordan, Alexander u. a. m. , 2010, S. 10

[3] Entnommen: Jordan, Alexander u. a. m. , 2010, S. 8

[4] Meyers Großes Konversationslexikon 1907, Band 9; Stichwort: Großherzogthum Hessen/Geschichte, S. 272

[5] Fontane, Theodor, 1873, S. 339 und 340

[6] Aus: Wikipedia.org.wiki/Schlacht bei Gravelotte, 12. 12. 2011

[7] Fontane, Theodor, 1873, S. 305 – 313 (Zwischenüberschrift: Der Kampf im Zentrum. Unterüberschrift: Die 25. Division im Bois de la Cusse und nördlich des Wäldchens)

[8] Aus: Fontane, Theodor, 1887, zusammengesetzt aus den Darstellungen der S. 306, 308 und 299

[9] Bad Wimpfener Zeitung vom 28. April 1938
siehe auch: Haberhauer, Günther, 1999, S. 299

[10] Aus: Historische Uniformen.de/Gemaelde.htm – 06. 01. 2012

[11] Fontane, Theodor, 1873, S. 276, 277, 283

[12] Fontane, Theodor, 1873, S. 311 – 313

[13] Aus: Wikimedia Commons File: Sisters of Mercy at the Battle of Gravelotte.jpg am 22. 09. 2011

[14] Fontane, Theodor, 1873, S. 339, 340, 283

[15] Fontane, Theodor, 1873, S. 340

[16] Fontane, Theodor, 1873, S. 339

[17] Vorlage zur Verfügung gestellt von Otto Maisenhälder

[18] Vorlage zur Verfügung gestellt von Otto Maisenhälder

[19] Siehe dazu: Erich Scheible, 2013 – 2016; dort Kapitel P. Zweiggründer Franz Ludwig

[20] – Aubert (de la Chesnaye) des Bois, François-Alexandre:
Dictionaire de la noblesse, contenant les généalogies, l’histoire et la chronologie des familles nobles de France, l’explication des leurs armes et l’état des grandes terres du royaume; Band 12, (1770 –) 1778
– Cellarius, Christoph; Goldtbeeg, Julius Gerhard:
Genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1853; 1853 Gotha; dort: Wimpffen, S. 539 – 550
– Kneschke, Ernst Heinrich:
Deutsche Grafenhäuser der Gegenwart in heraldischer, historischer und genealogischer Hinsicht, Band 2, 1853 Leipzig
Neues allgemeines Deutsches Adelslexikon, Band IX, 1870 Leipzig
– Wurzbach, Constantin von (Herausgeber):
Die Freiherren und Grafen von Wimpfen. Separatdruck aus C. von Wurzbach’s biographischem Lexikon des Kaiserthums Oesterreich LVI. Band. Mit zwei Stammtafeln. 1888 Wien. Aus der kaiserlich-königlichen Hof- und Staatsdruckerei

[21] Siehe darüber insbesondere in: Erich Scheible, 2013 – 2016, Kapitel Z. Rück- und Weiterschau

[22] Siehe darüber ebenfalls in: Erich Scheible, 2013 – 2016, Kapitel Z. Rück- und Weiterschau

[23] Siehe in Wikipedia, Liste der Hof- und Reichstage des Heiligen Römischen Reiches; dort taucht Worms als Ort eines sog. Hoftages, bezogen auf das 14. Jahrhundert, überhaupt nicht auf.

[24] Siehe darüber Genaueres in: Erich Scheible, 2013 – 2016, Kapitel B. Sagenahn sowie Kapitel Z. Rück- und Weiterschau

[25] Siehe darüber insbesondere wieder in: Erich Scheible, 2013 – 2016, Kapitel Z. Rück- und Weiterschau

[26] Lore Sporhan-Krempel, Zur Geschichte der Familie Hermann von Wimpffen; Vortrag, gehalten am 3. 4. 1981 bei der Gesellschaft für Familienforschung in Franken e. V.; in: Blätter für Fränkische Familienkunde, 12. Band, Heft 2, Oktober 1984, S. 57 – 68 (im Fortgang ist die vorliegende Quelle in der folgenden Kurzform genannt: Erich Scheible, 2013 – 2016)

[27] Stör, J. W. (Johann Wilhelm) und Atanias (Stecher): Unbezeichneter, unbetitelter und undatierter Stammbaum der sog. Familie Hörmann von Wimpffen, Kupferstich von Johann Wilhelm Stör (Gestalter), geb. 1705 und gest. 1765 in Nürnberg, und Atanias (Stecher) von ca. 1750/60, signiert mit „Atanias sculpcit – J. W. Stör excudit”

[28] Näheres siehe bei: Erich Scheible, 2013 – 2016, Kapitel B. Sagenahn

[29] Siehe dazu in: Erich Scheible, 2013 – 2016, Kapitel B. Sagenahn

[30] Näheres siehe in: Erich Scheible, 2013 – 2016, Kapitel B. Sagenahn

[31] Siehe Näheres in: Erich Scheible, 2013 – 2016, Kapitel C. Leonhard und Heinrich

[32] Siehe Näheres in: Erich Scheible, 2013 – 2016, Kapitel D. Auswanderer Heinrich

[33] Siehe Genaueres darüber in: Erich Scheible, 2013 – 2016, Kapitel E . Sybilla und Wilhelm; Kapitel F. Südfernhändler

[34] Nachzulesen in: Erich Scheible, 2013 – 2016, Kapitel H. Kaufbeuren-Augsburger Hörmann

[35] Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg. Die Herrschaft der Ratsgeschlechter vom 13. bis zum 18. Jahrhundert (3 Bände), 2008; hier: Band 2 (Ratsherren und Ratsgeschlechter), S. 346

[36] Wolfgang Reinard (Herausgeber), Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts. Prosopographie wirtschaftlicher und politischer Führungsgruppen 1500 – 1620, Band 1 und Band 2, 1996 Berlin; hier: Band 1, Nr. 397

[37] Siehe Näheres in: Erich Scheible, 2013 – 2016, Kapitel G. Wappenempfang

[38] Siehe diese in: Erich Scheible, 2013 – 2016, Kapitel G. Wappenempfang, dort Abb. 21

[39] Siehe Näheres in: Erich Scheible 2013 – 2016, Kapitel J. Christoph und Niclas

[40] Siehe Näheres in: Erich Scheible 2013 – 2016, Kapitel K. Unterpfleger Christoph

[41] Siehe Näheres in: Erich Scheible 2013 – 2016, Kapitel L. Adelswerdung

[42] Siehe dort auf S. 372

[43] Siehe dort ab Mitte von S. 60 – S. 68 oben

[44] Wurzbach, Constantin von, 1888, S. 11

[45] Sporhan-Krempel, Lore, 1984, S. 68

[46] Siehe Näheres in: Erich Scheible, 2013 – 2016, teilweise bereits in Kapitel L. Adelswerdung (dort insbesondere in „Genealogische Übersicht I“ und „Genealogische Übersicht II“; dann des Weiteren auch in Kapitel M. Dänischer Zweig und schließlich vollends in Kapitel H. Umorientierung

[47] Siehe Näheres in: Erich Scheible, 2013 – 2016, Kapitel N. Umorientierung sowie Kapitel O. Johann Georg

[48] Siehe Näheres vor allem in: Erich Scheible, 2013 – 2016, Kapitel O. Johann Georg sowie Kapitel P. Zweiggründer Franz Ludwig

[49] Siehe Näheres vor allem in: Erich Scheible, 2013 – 2016, Kapitel P. Zweiggründer Franz Ludwig sowie Kapitel O. Johann Georg, außerdem alle nachfolgenden Kapitel von Q bis Y