Ergänzende Rückschau

Bevor zum Zweck der gebotenen Überleitung die Endsätze des Bandes 2 aufgenommen werden, die eine Brücke zu den örtlichen wie allgemeinhistorischen Ereignissen des Jahres 1870/71, d. h. ganz zu Anfang des im anstehenden Fortsetzungs-Teil 3 zu behandelnden Zeitraumes, stattgefundenen Deutsch-Französischen Krieges und die daraus erwachsene Bildung der deutschen Reichseinheit zu schildern, soll zunächst eine überleitende Rückschau vorgenommen werden. Diese soll in chronologischer Folge zusammenfassend jene kulturellen und verkehrsmäßigen Errungenschaften bzw. die damit zusammenhängenden Ereignisse noch einmal herausstellen, welche nach dem Preußisch-Österreichischen Kriege von 1866 und der aus diesem gewachsenen Gründung des sog. Norddeutschen Bundes unter der Führung Preußens in der hessischen Exklave Wimpfen trotz ihrer eher hemmenden denn fördernden Isolierung vom „Mutterland“ Hessen Einzug halten konnten:

– Vom 31. März 1869 ab erschien jetzt wöchentlich dreimal der „Wimpfener Bote. Intelligenz- und Unterhaltungs-Blatt für den Kreis Wimpfen und die Badeorte Jagstfeld, Offenau und Rappenau“ (siehe Band 2, S. 538/539, 590 – 592).

– Am 5. August 1869 konnte nach mehr als zweijähriger Bauzeit im bahnhofnahen Gasthof „Ritter“ die Einbeziehung Wimpfens in das Eisenbahnnetz festlich begangen werden (siehe Band 2, S. 596 – 625).

– Anfang 1870 erfolgte die Veröffentlichung der Orts- und Kunstgeschichte „Wimpfen am Neckar“ des Privatgelehrten und frühen Meisterfotografen August von Lorent mit angeschlossener umfangreicher fotografischer Dokumentation der Stadt Wimpfen (siehe Band 2, S. 531 – 538, 582 – 589).

– Nach fast einjähriger Schließung zum Zweck ihrer durchgreifenden Renovierung konnte am 6. April 1870 die Evangelische Stadtkirche feierllich wiedereröffnet werden (siehe Band 2, S. 506 – 511).

– Ausgangs des Jahres 1870 erschien die von Pfarrverwalter Ludwig Frohnhäuser geschaffene „Geschichte der Reichsstadt Wimpfen …“ (siehe Band 2, S. 526 – 531, 580/581).

Außerdem empfiehlt es sich, in nachträglicher Ergänzung noch eine Reihe aufschlussreicher Bilddokumente anzufügen, die dem in Band 2 behandelten Zeitraum entsprungen sind, von denen Nr. 5 und 6 vom Stadtarchiv Bad Wimpfen jedoch erst im Jahr 2009 und damit nach dem Erscheinen desselben erworben worden bzw. Nr. 7a, 7b und 7c mir leider erst in jüngster Zeit zu Gesicht gekommen sind:

  • Abb. 5: Caspar Obach (1807 – 1865), Blick von Südwesten her über den im Lagerbuch von Wimpfen im Tal als „der Kirchhof“ bezeichneten Kreuzgarten des ehemaligen Ritterstifts St. Peter hin zum nordwärtigen Flügel des Kreuzganges mit dem legendenumwobenen Weißdornbaum; Nachdruck einer unten rechts mit „C. Obach“ signierten und auf dem Rand des Druckbogens mit „Kreutzgang im Kloster bey Wimpfen am Berg“ und links mit „1827“ beschrifteten und mit Stift nachbehandelten Lithographie.

Genau wie auf der in Band 2, S. 557, Abb. G 8, gezeigten Fotografie der ausgehenden 1860er Jahre von AUGUST VON LORENT nimmt die Mittelzone dieser um die mehr als 30 Jahre älteren stimmungsträchtigen Zeichnung der von HEID 1836 beschriebene gewaltige sagenumwobene Weißdornbaum ein (Näheres darüber siehe in Band 1, S. 179). Während auf der vier Jahrzehnte jüngeren Fotografie von LORENT im hohen Grasbewuchs des Kreuzgarten-Vierecks keine Grabstellen mehr auszumachen sind, springt hier links vorne eine Gruppe von drei gereihten hölzernen Grabkreuzen und mittig bis rechts eine solche von fünf verstreuten solchen ins Auge. Sämtliche sind mit den typischen als Wetterschutz wie Zierat dienenden Rund- bzw. Winkelbrettern überdacht. Außen rechts kniet an einer der Grabstellen betend eine Frau. Zwischen dem Stamm des Weißdorn- und eines nahestehen kleineren Nadelbaumes liegt eine Totentrage. Dieses berührt die Aussage von LORENT[1], dass im dortigen Kreuzgarten der letzte Tote im Jahr 1840 in der Person des katholischen Försters Wolfgang Zotz aus Wimpfen im Tal (laut Eintragung im Sterbebuch von Pfarrer Ignaz Como gestorben am 20. Februar und begraben am 23. Juni nachmittags um drei Uhr nach christlichem Gebrauche) begraben worden sei. Die Eindatierung des Bildes in das Jahr 1827 passt auch zum Lebensgang des Künstlers[2]. Denn der Vedutenmaler Caspar Obach (* 1807 in Zürich, + 1865 in Stuttgart), dessen überkommenes meisterhaftes Werk von in die Naturumgebung stimmungsvoll eingebetteten und meist mit originärer Menschenstaffage belebten Architektur-, sowie Orts-, Burg- und Schlossobjekten des neckar- und ganz besonders des oberschwäbischen Raumes fast unübertroffen zahlreich ist, hatte sich nach seiner Ausbildung in seiner Heimatstadt bei Heinrich Füßli ab 1825 für dauernd in Stuttgart als Lehrer und Zeichenlehrer am dortigen Lithographischen Institut niedergelassen. Die von den Kunstsachverständigen gepriesene Zuverlässigkeit und Feinheit der Zeichnung, mit dem seine Aquarelle und Lithografien sowie Handzeichnungen versehen sind, tritt auch auf diesem insbesondere für die Darlegung des Schicksals dieses Kreuzgartens in den Jahrzehnten nach der Auflösung des Ritterstifts Sankt Peter wertvollen Blatt in der Wiedergabe des hier üppig wuchernden Pflanzenwerks (Bäume, Sträucher, Gräser im Gartenviereck; in der Mauernische und an einer der Maßwerkarkaden emporkletternder Efeu) in Erscheinung.

Das in der

  • Abb. 6: Peter Francis Peters (1808 – 1903), Blick die (Vordere) Steige mit den angrenzenden Gebäuden der Saline Ludwigshall hinauf zur neckarseitigen Silhouette von Wimpfen am Berg; Aquarellierte Zeichnung, entstanden vermutlich 1857,

gezeigte zwei bis drei Jahrzehnte jüngere Aquarell stammt ebenfalls von einem namhaften Meister, dessen Lebensgang und Schaffensweise bereits in Band 2 in den Begleitsätzen der Abb. B 16, Seite 228, dokumentiert ist. Während dieses Werk mit „P. F. Peters 1857“ bezeichnet ist, findet sich hier weder eine Signatur noch eine Datierung. Wir dürfen aber annehmen, dass diese instruktive Darstellung zur selben Zeit, d. h. anlässlich desselben Besuches des Jahres 1857 und damit in etwa ein Jahrzehnt vor dem Bahnbau der Jahre 1866/69 entstanden ist. Somit zeigt sich die als Zugangsweg nach Wimpfen am Berg dienende (Vordere) Steige oben zum Hang des Eulenberges hin noch frei von der Bahndamm-Aufschüttung und der Hang des Eulenberges und der Hälde noch unberührt vom zerstörenden Einschnitt der Bahnlinie. Vorne links in der tiefstgelegenen Zone des Weges taucht der Morschbach in die geländerbewehrte Wegunterführung ein und ist rechts zum Neckar hin ahnend dessen Mündung sowie der mit zwei masttragenden Neckarschiffen besetzte sog. Lauer (Schiffslände) auszumachen. Die Anfangszone der Steige wird uferseitig vom langgezogenen Salinemagazin und bergseitig von zwei großen walmbedachten Hausanlagen begleitet (Verwaltungs- und Wohngebäude der Saline Ludwigshalle, das obere das Salzsteueramt beherbergend, das untere die frühere Lang’sche Wirtschaft). Wo die Steige bergwärts abzuknicken beginnt, kommt uferwärts, erkennbar an den beiden Geländerläufen, der sog. Salinenwasserleitungsweg ein. Ein Stück unter dem Roten Turm mit Burgmauer und davor stehendem Gartenpavillon überragt den Baum- und Strauchbewuchs des Eulenberhanges eine einsam stehende Hofraithe (Wohngebäude mit Brennofen). Bei dem neckarabwärts ein Stück über dem Neckarufer sich abzeichnenden kleinen Giebelgebäude handelt es sich um das Pumphäuschen, welches das Mathildenbad mit Neckarwasser zur Befüllung der Badeanlagen versorgte. Der Blaue Turm trägt den ihm 1851/52 nach dem Brand von 1848 verliehenden steinernen neugotischen Helmaufbau.

Es folgen drei vom Stadtarchiv Bad Wimpfen aus den Beständen der ehemaligen Saline Ludwigshalle übernommene Planunterlagen, die sich alle auf den Eisenbahnbau beziehen und somit ca. 1865 entstanden sein dürften:[3]

  • Abb. 7a: „Uebersichts Karte der Linie Jagstfeld – Rappenau“; Gesamtplan der Gemarkungen Wimpfen am Berg, Wimpfen im Tal und teilweise auch Hohenstadt mit einem in Rot eingezeichneten Planungsvorschlag der Eisenbahnlinie, deren Führung im Teilbereich Hohenstadt-Fleckinger Mühle eine andere ist als diejenige der Endausführung; gefertigt von „Techn. Bureau – Widtal“, datiert mit „pro Copia Schneidler, 23. 5. (18)64“; die fehlende Beschriftung der Wegführungen, Bäche und Nachbargemarkungen hier durch den Verfasser ergänzt.

Anmerkung: Die Karte ist nach Süden ausgerichtet; Westen befindet sich demnach rechts.

Der Vergleich des heutigen, d. h. des beim Bahnbau der Jahre 1868/69 realisierten, Verlaufs der Bahntrasse (siehe dazu in Band 2 die Abb. H 3, S. 620) mit demjenigen dieser Planzeichnung von West nach Ost zeigt zunächst im Bereich um die Rappenauer Markungsgrenze eine Übereinstimmung (Ein- und Wiederaustritt derselben am Markungsvorstoß „Bei den Forlen“ – Wiedereintritt am „Rappenauer Feld“ mit Überschneidung vom „Bonfelder Weg“). Anstatt aber, wie später realiter geschehen,
– bis zum „Riedbach“ hin geführt zu werden,
– dann diesen am „Hackmesser“ zu überqueren
– und diesem jenseits zu folgen,
– dann bei den „Riedwiesen“ und „Riedäckern“ wieder auf die andere Bachseite zu wechseln
– und in nächster Nähe von Hohenstadt über die Gewanne „Die Seegärten“, „Im Steffen“, „Im Ort“, „Die Seewiesen“, „Die Hofwiesen“, „In den Wettgärten“ und „Die Kirchwiesen“ hin
– zu den Weinbergen „Im Sommerberg“ zu ziehen
– und schließlich über die „Mühlwiesen“ unterhalb der „Fleckinger Mühlen“ über einen hohen und langen Bahndamm das „Erbachtal“ zu überqueren und so auf der Gemarkung von Wimpfen am Berg die „Helde“ zu erreichen, nimmt diese den folgenden anderen Weg: Nach der Überquerung vom „Bonfelder Weg“ biegt diese weniger stark Richtung Süd zum „Riedbach“ hin aus, bleibt also zunächst diesseits desselben.
– Beim Weitergang in flachem Bogenschlag Richtung Hohenstadt sich zunächst von diesem entfernend,
– dann aber diesem wieder näherkommend und dabei die Anfangszone (Abknickung) der „Houl“ („Heidelberger Weg“) kreuzend
– und dann den „Riedbach“ schräg ein Stück oberhalb der Weggabelung „Weg von Hohenstadt nach Wimpfen“ und „Heidelberger Weg“ überschreitend,
– schließlich – grob gesehen – westwärtig ungefähr dem leichten Bogenschwung des erstgenannten der beiden vorgenannten Wege zu folgen,
– dann nahe der Abzweigung vom „Hohenstadter Pfad“ am Gewann „In dem vorderen Hohenstadter Berg“ unweit vom „Unteren Erbachhof“ in die obere Zone vom unteren „Erbachtal“ einzutreten und
– nunmehr in spitzen Winkel den „Erbach“ zu überqueren, erreicht diese andere Streckenführung jenseitig des Erbaches den nordwärtigen Hangbogen vom „Winterberg“ und damit die Gemarkung Wimpfen am Berg und im Anschluss die „Helde“.
Ab dort deckt sich dann die Strecke dieses unausgeführt gebliebenen Planungsvorschlages mit jener des realisierten Planes voll und ganz. Übereinstimmung besteht auch bezüglich der Lage des Bahnhofes zwischen dem Ostfuß vom „Eulenberg“ und dem Westfuß vom „Altenberg“ (siehe dort die Eintragung in Rot „Station“).
Man kann wohl davon ausgehen, dass diese sehr viel früher, d. h. weiter oben, angesetzte unumgänglich notwendige Überquerung der Talung vom „Erbach“ trotz der extrem spitzwinkligen – statt dem rechten Winkel angenäherte – Führung den Vorteil eines vergleichweise mehr oder minder niedrigeren und kürzeren Bahndammes gebracht hätte. Auch wäre dadurch den „Fleckinger Mühlen“ die radikale Abschnürung von der Neckartalaue erspart geblieben. Andererseits wären jedoch vor der Dammführung im Höhenbereich „Heidelberger Weg“ – „Im vorderen Hohstädter Berg“ ein langer und tiefer Geländeeinschnitt mit Überbrückung für den „Weg von Hohenstadt nach Wimpfen“ notwendig gewesen. Was letztlich den Ausschlag für die Querung des untersten Erbachtal-Bereiches gegeben hat, dürfte sich wohl nur durch Recherchen in den Beständen des Generallandesarchivs Karlsruhe klären lassen. An der Planzeichnung der Abb. 7a erscheint auch das Übrige von Interesse; nämlich:

– der deutlich wiedergegebene Verlauf der Gemarkungsgrenze einschließlich der durch Kurzstrichelung ausgewiesene Abgrenzung der Teilgemarkungen Wimpfen im Tal bzw. Hohenstadt gegenüber Wimpfen am Berg;

– das fast vollständig eingezeichnete – im Blick auf die Wegerschließung der land- und forstwirtschaftlichen Flächen dürftige – damalige Wegenetz;

– die Bachläufe;

– die durch braune Strichelung wiedergegebene Morphologie (Höhen- und Hangbereiche, Talungen).

Die im Blick auf den Zweck der Planzeichnung unwichtige Bennennung der dargebotenen Objekte wurde von mir deshalb eingebracht, weil es keinerlei aus dem betrachteten Zeitraum von 1870 – 1918 stammende genaue Kartendarstellungen gibt, in denen die vorstehenden Grenz-, Weg- und Geländeobjekte in ihrer Gesamtheit wiedergegeben sind.

Was die nachfolgenden im Blick auf die Einrichtung der Eisenbahnstation Wimpfen erstellten beiden Planskizzen anbelangt, so stimmen diese mit der Realisation der Jahre 1868/69, insbesondere, was die notwendigen Veränderungen der Führung der althergebrachten sog. Steige betrifft, in keiner Weise überein überein. Siehe hierzu:

  • Abb. 7b: Unsignierte und undatierte Grobskizze betr. die „Station Wimpfen“ mit anliegender Gleisführung Richtung „Im Eulenberg“ (westwärts) und „(Innere) Saline Ludwigshalle“ (ostwärts) sowie die durch die Aufschüttung und Planierung des dazwischen liegenden abschüssigen Geländes für notwendig erachtete, doch in dieser Form unausgeführt gebliebene Änderung der Führung der „(Vorderen) Steige“ (Vorentwurf ohne Unterführung – ca. 1865); Beschriftung der maßgeblichen Objekte durch den Verfasser;

  • Abb. 7c: Unsignierte und undatierte Entwurfsskizze betr. die Eisenbahnstation Wimpfen mit anliegender Gleisführung Richtung „Im Eulenberg“ (westwärts) und (Innere) „Saline Ludwigshalle“ (ostwärts) sowie die durch die notwendige Aufschüttung und Planierung des dazwischen liegenden abschüssigen Geländes für notwendig erachtete, doch in dieser Ausführung unausgeführt gebliebene Änderung der Führung der „(Vorderen) Steige“ (Endentwurf mit Unterführung; ca. 1865); Beschriftung der maßgeblichen Objekte durch den Verfasser.

Wenn deren Name hier sowie auch weiter oben in der Betitelung der Abb. 6 in Klammer „Vordere Steige“ (anderswo manchmal auch „Äußere Steige“) sowie dem immer schon auch bergwärtig vorhandenen schmäleren Wegbruder der Name „Hintere Steige“ oder manchmal auch „Innere Steige“ vorangestellt wird, so geschieht dies nur der klaren Unterscheidung wegen. Wenn die Wimpfener von der „Steige“ sprachen, so meinten sie früher stets die direkt vom Neckarufer beim Lauer hochführenden steile Lebensader einschließlich des nach der Vereinigung der beiden Wegäste unterhalb vom Gasthaus „Ritter“ nach oben zum Untersten Stadttor („Layerthor“) bis hin zum „Unteren Stadttor“ hinaufziehenden Endastes derselben. Deren bergwärtig abbiegender Mittelteil wurde nun durch den Bau der Eisenbahn zugedeckt, der eine Abgrabung des Fußes vom „Eulenberg“ und die Aufschüttung eines Plateaus davor zur „Morschbach“ hin notwendig machte, ein Umstand der in den Abb. 7a und 7b deutlich wird.

Offenbar hingen die Herzen der Wimpfener so sehr an ihrer (gemeint „Vorderen“) „Steige“, dass man zunächst den Plan hegte, die alte Funktion derselben durch die Schaffung einer durch die Dammaufschüttung stoßenden Unterführung zu erhalten, was in der Abb. 8b planerisch dargestellt ist. Die im Gegensatz zum Vorplan der Abb. 8a in feinster Strichführung gekonnt wiedergebende Zeichnung der Abb. 8b, in der auch die vom „Eulenberg“ im Westen über die „Morschbach“ zum „Alten Berg“ im Osten geführte doppelte Gleisführung eingebracht und der „Rote Turm“ merkwürdigerweise mit „Eulen Thurm“ beschriftet ist, lässt die Hand eines auswärtigen Fachmannes vermuten. Wie dem auch sei: Diese Lösung kam (sicher nicht zuletzt der Kosten wegen) nicht zum Tragen. Wie wir heute noch sehen können, wurde die „(Vordere) Steige“, die wenig oberhalb des neckarseitig einmündenden sog. Wasserleitungswegs vom hohen Bahndamm zugedeckt wurde, dem Fuß des Bahndammes entlang als besserer Fußweg so weit hochgeführt, bis dessen Krone erreicht war, wo diese nun, in hangwärtiger Abknickung, einen sog. Bahnübergang darstellend, die Bahngeleise überquerte und dann in doppeltem Bogenschwung, vorbei am durch die Abtragung von Teilen des dem Bahnbau im Weg gestandenen und nun sein nacktes Muschelkalk-Felsgestein zeigenden Eulenbergabhang, hin zum unverändert gebliebenen oberen Abschnitt der „Steige“ geführt wurde. Auf der mussten nunmehr die von oben durch das Unterste Stadttor aus der Stadt kommenden Fuhrwerke ihren Abwärtsweg über die „Innere Steige“ nehmen, über die nunmehr auch die von untem aus dem Tal kommenden solchen einkamen. Wenn auch der beim „Ritter“ von der „Steige“ abzweigende Umgehungsweg, der von Alters her der „Kaltelochweg“ hieß und jetzt auch als „Neuer Weg“ erscheint, nach dem Eisenbahnbau Verbesserungen erfuhr, wurde dieser nach wie vor von den Fuhrwerken wenig benutzt, weil er für die Einheimischen wie die Durchfahrenden Umwege bescherte und der weiter oben anschließende steile enge „Schiedweg“ zudem für den Durchgangsverkehr weiterhin untauglich blieb.

Die auf den so gut wie unbeschrifteten beiden Skizzen angebrachten Kennzeichnungen der Gewannzonen sowie der herkömmlichen wie neu entstandenen Wegführungen, alten und neuen Baulichkeiten, Wasserführungen etc. sollen als Orientierungshilfe dienen.

Von der an den Schluss der Nachtragungen gestellten

  • Abb. 8: Max Bach (1841 – 1914): „Wimpfen am Neckar nach Photographien von Lorent“; Sammelbild, bestehend aus einem Zentralbild (Ansicht von Wimpfen am Berg) mit neun umgebenden Nebenbildern (kunsthistorischen Bauwerken bzw. Bauteilen, Detailansichten); Bleistiftzeichnung, vom Anfang der 1870er-Jahre nach dem Eisenbahnbau stammend,

konnte in Band 2 unter Abb. Nr. G 29 (S. 579) lediglich eine zusammengestückelt-unscharfe Ablichtung wiedergegeben werden. Inzwischen haben die Städtischen Museen Heilbronn, in dessen Beständen sich dieses Blatt findet, dem Stadtarchiv Bad Wimpfen eine objekttreue Kopie zur Verfügung gestellt. Auf Erklärungen kann hier verzichtet werden, nachdem dieses Bildobjekt in Band 2, S. 524/525, ausgiebig beschrieben und auch über dessen Schöpfer MAX BACH dort das Notwendige gesagt ist. Dieses hier noch einmal zu zeigen, empfiehlt sich auch deshalb, weil es bereits in die Anfänge des in diesem Band behandelten Zeitraums weist und somit als so etwas wie ein Auftakt der Vorstellung der in den hier behandelten fünf Jahrzehnten Ortsgeschichte fort und fort dem exzellenten Stadtbild aus der Hand namhafter Zeichner und Maler gewidmeten Dokumentationen gelten kann.

—–

[1] Lorent, August von, 1870, S. 303

[2] Schefold, Max, 1956, S. 84, 85, 91, 103, 112, 115, 124, 130; dazu 21 Abbildungen
Nagel, Gert K., 1986, S. 90; dazu 3 Abbildungen

[3] Diese drei Planzeichnungen verdanke ich dem Spürsinn und der Kooperationsbereitschaft von Richard Müller (Jahrgang 1929), Hohenstädter Straße 9, Bad Wimpfen.