M. Dänischer Zweig

Wie aus dem zweitältesten Sohn des Johann Friedrich namens GEORG ABRAHAM VON WIMPFFEN (geb. 1648) der Generation 9 (bei Wurzbach X) über seinen Urenkel TOBIAS PETER (1767 – 1813) der sog. Dänische Zweig derer Von Wimpffen herauswächst, welcher 1867 mit FRIEDRICH OTTO (1849 – 1867) in der männlichen Erbfolge zwar ausstirbt, doch in Dänemark unter dem Namen WIMPFFEN BRAESTRUP weiterbesteht.

Bevor wir nun das weitere Schicksal des Letztgenannten unter sukzessiver Ausschöpfung der II. Stammtafel des Constantin von Wurzbach darzustellen suchen, erscheint es angebracht, vorrangig noch einmal dessen I. Stammtafel in ihrer Gänze dadurch vollends abzuhandeln, dass die in ihrer unteren Hälfte dargestellte Fortentwicklung des sog. Aelteren Hauptastes mit dem Werden und Wirken des in der Generation XIII aus diesem herausgewachsenen sog. Dänischen Zweiges derer Von Wimpffen aufgezeigt wird. Somit sei diese hier noch einmal gezeigt, und zwar so, wie sie in ihrer veränderten (korrigierten und erweiterten) Form bereits in der Abbildung L 2 des Vorkapitels L. Adelswerdung erschienen ist:

  • Abb. M 1: Die I. Stammtafel der Freiherren und Grafen von Wimpffen. Aeltere Linie; entnommen dem 1888 erschienenen genealogischen Standardwerk des Constantin von Wurzbach „Die Freiherren und Grafen von Wimpffen … Mit zwei Stammtafeln”; wiedergegeben in der bereits an früherer Stelle gezeigten durch Ergänzungen und Korrekturen veränderten Form.

Beim fürs Erste empfohlenen Überblicken der dort dargestellten Generationen I – XV sollte man sich das vergegenwärtigen, was schon in den vorangegangenen Kapiteln größtenteils dargelegt wurde und im Fortgang vollends ergänzend gesagt werden wird, nämlich: Während die dort für die Generationen I bis IX angegebenen Namens-, Berufs- und Zeitdaten sowohl der männlichen wie weiblichen Glieder – ausgenommen: vielleicht den Vornamen SIGISMUND der Gen. I; mit Sicherheit die Vor- und Nachnamen JOHANN FRIEDRICH und JOHANN DIETRICH VON WIMPFFEN und deren Gattinnen 1) und 2) der Generation IX –  durchweg als unzutreffend bezeichnet werden müssen, können sämtliche Angaben bezüglich der Glieder der Generationen X – XV (und damit auch bezüglich des unter XIII – XV zu findenden sog. Dänischen Zweiges), Kleinigkeiten ausgenommen, als stimmig angesehen werden. Dieses muss, auch wenn bezüglich der in Constantin von Wurzbachs I. Stammtafel präsentierten Generationen I bis VIII und teilweise auch noch IX kaum Stimmiges zu finden ist, nicht wundernehmen und findet seine Erklärung natürlich erstrangig aus dem mit zunehmender Zeitnähe gegebenen Vorhandensein zuverlässiger Quellen.

Wenngleich Waldau, um nunmehr auf die Generationsreihe X zu verweisen und somit zum hier zur Behandlung gelangenden sog. Dänischen Zweig hinzuführen, was den zweitältesten Sohn des JOHANN FRIEDRICH namens GEORG ABRAHAM betrifft, nur von dessen Ehe mit ANNA KATHARINA VIATIS und deren Tochter MARIA HELENA zu berichten weiß und dazuhin feststellt, er wisse nicht, ob die beiden älteren Brüder Georg Abraham und Johann Christoph sich auch in der männlichen Linie fortgepflanzt hätten, kann er die folgende aufschlussreiche Angabe über eventuelle spätere Nachkommen der Generationen XII und XIII derselben machen (zum Zwecke ihrer Hervorhebung sind die Zielnamen, auch die an späterer Stelle aufgeführten solchen, von mir in Großbuchstaben wiedergegeben): „In unserer Nachbarschaft, dem Sulzbachischen Städtgen oder Marktflecken Königstein (heute: Markt Königstein in der Oberpfalz/Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst), lebt noch ein HERR VON WIMPFFEN von dieser Familie, der eine geborne ALTIN zur Gattin, einen Sohn in Dänischen Kriegsdiensten und eine Tochter hat; ich kann aber nicht sagen, ob er von der JOHANN CARLISCHEN BRANCHE (gemeint ist der Jüngste der Geschwister namens JOHANNES oder HANS CARL) ist, oder ob er von einem der älteren Brüder (gemeint sind: JOHANN CHRISTOPH und GEORG ABRAHAM; vom schon vor dem Vater verstorbenen Ältesten der ursprünglich vier Brüder namens JOHANN JACOB ist bei keinem der Chronisten mehr die Rede) herkommt.” Dieser in Königstein lebende „Herr von Wimpffen” ist mit Sicherheit mit dem im I. Stammbaum von Wurzbach in der fünfteiligen Generationsreihe XII an dritter Stelle als Stammhalter zu findenden CHRISTOPH WILHELM VON WIMPFFEN identisch. Das geht aus dem Umstand hervor, dass dieser sich dort tatsächlich mit der von Waldau angegebenen „Altin”, nämlich CLARA VON ALT, verheiratet findet und deren an mittlerer Stelle der nachfolgenden Generationsreihe XIII der drei Söhne zwischen JOHANN CHRISTOPH und JOHANN GOTTFRIED zu findender Sohn namens TOBIAS PETER laut Wurzbachs Lebensbeschreibung Nr. 40 in der Tat in dänische Kriegsdienste getreten ist. Dort heißt es nämlich: „TOBIAS PETER (geb. zu Königstein in Franken 7. Jänner 1767, gest. 10. November 1813), vom älteren (JOHANN FRIEDRICH’SCHEN) Hauptaste. Ein Sohn CHRISTOPH WILHELMS aus erster Ehe mit CLARA VON ALT, ist der Stifter des dänischen noch heute in Dänemark blühenden Zweiges der Wimpffen. Glaubensrücksichten (gemeint ist wohl sein ausgeprägt protestantischer Glaube) veranlaßten ihn, mit seiner Familie sein fränkisches Stammland zu verlassen und nach Dänemark zu übersiedeln, wo er königlicher Major und Oberlandweginspector im Herzogthume Holstein wurde, aber im schönsten Mannesalter von erst 46 Jahren starb. Aus seiner Ehe mit NICOLINE, Tochter des BISCHOFS BLOCH (geb. am 22. Oktober 1769, gestorben 1850), hatte er zwei Söhne und zwei Töchter, die alle aus der I. Stammtafel ersichtlich sind. Von den Söhnen pflanzte nur der ältere, FERDINAND FRANZ, königlich dänischer Kämmerer und Oberforstmeister des Herzogthums Jütland, diesen dänischen Zweig fort.”

Die Bedeutung dieses TOBIAS PETER, der in der I. Stammtafel von Wurzbach in der Mitte als Stammhalter der Generationareihe XIII zwischen seinen Brüdern JOHANN CHRISTOPH und JOHANN GOTTFRIED und über dem o. a. Namen seiner Ehefrau NICOLINE BLOCH mit jeweiligen Lebensdaten erscheint, wurde nachträglich durch die dazugegebene Beschriftung „Begründer des Dänischen Zweiges” herausgestellt. Die Namen, Personalien und Lebenswege der von Wurzbach angesprochenen zwei Söhne und zwei Töchter seien hier in etwas geänderter Folge als in der Generationsreihe XIV der I. Stammtafel aufgeführt:

1) Das älteste Kind, der am 27. Dezember 1802 geborene Sohn, hieß nicht, KARL WILHELM JOHANN, wie Wurzbach angibt, sondern laut Dr. Hans H. von Wimpffen richtigerweise, deshalb in Rot korrigiert, KARL WILHELM TÖNNE = KARL WILHELM ANTON. Dieser ist bereits am 4. April 1839 gestorben, d. h. schon mit rund 36 ¼ Jahren, und zwar kinderlos. Dessen schon in mittlerem Alter geendetes, doch erfülltes und mannigfach beeindruckendes Leben lässt sich in der Website von Dr. Hans H. von Wimpffen, Rubrik „Biographien”, unter dem Titel „Carl Wilhelm Anton Freiherr von Wimpffen” nachlesen und verdient es, hier wenigstens in Kurzfassung wiedergegeben zu werden:
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Kiel und vor allem in Göttingen wird dieser Amtssekretär in der dänischen Amtsstadt Hadersleben (Schleswig) und 4 ½ Jahre vor seinem frühen Tod durch Lungenentzündung in die Tätigkeit als Hardesvogt (Amtmann einer Harde, des Leiters von Gerichtsverfahren unter Beiziehung von Schöffen und Beisitzern bei Beteiligung der Gemeinde meist unter freiem Himmel). Er war auch Autor zahlreicher juristischer Abhandlungen, darunter historischen Büchern über die staatsrechtlichen Verhältnisse der Herzogtümer Schleswig und Holstein, außerdem wichtiger Förderer eines Kinderheims für verwaiste und verwahrloste Kinder. Sein Name „CARL WILHELM ANTON VON WIMPFFEN” findet sich auf dem 1863 an der höchsten Stelle Schleswigs auf Skamlingsbanken errichteten und nach der Sprengung 1864 im Preußisch-Österreichischen Krieg wiedererrichteten 16 Meter hohen Gedenksäule aus 25 Granitblöcken eingemeißelt, die 18 verdienten Persönlichkeiten gewidmet und zur Touristenattraktion geworden ist.

2) Es folgt der zweite Sohn FRIEDRICH FERDINAND FRANZ, geb. am 31. März 1805, gestorben am 31. Januar 1893, verheiratet in erster Ehe mit JELA (= IDA) SOPHIA (FRIDERICA) JOHANNSEN aus Hadersleben, gestorben 1850, in zweiter Ehe mit KATHARINA SANDHOLT, gestorben schon 1853.

3) und 4) Es folgen diesen zwei Söhnen die zwei Töchter SUSANNE LUISE CHRISTINE, geboren am 20. Juli 1807 und gestorben 1872, und CLARA WILHELMINE MARGARETHE, geboren am 07. Juni 1809, die beide, wie es in Generationsreihe XIV zu lesen steht, „Canonissin (Stiftsdame) zu Roeskilde” (Roskilde auf Seeland) geworden sind.

Somit gehen Nachkommen nur aus dem zweitältesten Sohn FRIEDRICH FERDINAND FRANZ hervor, und zwar (siehe in der I. Stammtafel die letztaufgeführte Generation XV mit den dort angegebenen Daten):

Aus der ersten Ehe mit IDA SOPHIA FRIDERICA sechs solche, nämlich die drei Töchter
1) LUISE WILHELMINE ELISABETH, geboren am 30. Januar 1842, und
2) FANNI CHARLOTTE, geboren am 22. September 1843,
die beide, ähnlich wie zuvor ihre vorgenannten beiden Tanten, „Conventualin” (Klosterangehörige) in Roeskilde werden; außerdem
3) AMALIE KAROLINE, geboren am 19. April 1847, und
4) LUISE, die offenbar bei der oder bald nach der Geburt verstorben ist; außerdem die zwei Söhne
5) KARL FRIEDRICH MAXIMILIAN, geboren am 14. April 1845 und gestorben schon 1853, sowie
6) FRIEDRICH OTTO, geboren am 4. Dezember 1849, gestorben schon 1867.
Während alle diese in Anbetracht ihres Eintritts ins Stift oder Kloster bzw. ihres frühen Todes nachkommenlos geblieben sind, verheiratete sich das einzige Kind aus dessen zweiter Ehe mit KATHARINA SANDHOLT, die Tochter
6) MARIE („MIMMI”), geboren am 24. Dezember 1852, mit ANDREAS COSMOS BRAESTRUP, der Polizeimeister und Stadtvogt im an der Nordostspitze der Insel Seeland gelegenen Helsingör war. Diese führten fortab den Namen WIMPFFEN BRAESTRUP (also ohne das Adelsprädikat „von”) und pflanzten sich bis in die Gegenwart zu MIKAEL WIMPFFEN BRAESTRUP weiter, der mit seiner Frau BIRTHE ELENA, die Kinder LUISE und JAKOB hat.

Damit galt und gilt der sog. Dänische Zweig mit dem Tod des bis 1867 überlebten Bruders der MARIE bzw. MIMI WIMPFFEN BRAESTRUP namens FRIEDRICH OTTO VON WIMPFFEN strenggenommen als Adelsgeschlecht ausgestorben. Durch Dr. Hans H. von Wimpffen ist uns von den beiden ins Kloster oder Stift gegangenen ältesten Töchtern des FRIEDRICH FERDINAND FRANZ VON WIMPFFEN ein Foto zugänglich geworden, das die Frömmigkeit des aus Glaubensüberzeugungen hervorgegangenen Dänischen Zweiges der Von Wimpffen spüren lässt:

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  • Abb. M 2: Fotografie der Conventualinnen in Roskilde gewordenen zwei Schwestern, links Freiin Louise (Wilhelmine Elisabeth) von Wimpffen (geb. 1842) und rechts Fanny (Charlotte) von Wimpffen (geb. 1843), die ältesten Kinder des Friedrich Ferdinand Franz von Wimpffen (1805 – 1892).

Mit dem vorstehenden Exkurs zum Dänischen Zweig erscheint die Erschließung der I. Stammtafel des Constantin von Wurzbach (siehe Abb. 14 und 41a) zwar abgeschlossen. Doch ist bis jetzt noch nicht einsichtig gemacht, warum dort gegenüber der in Abb. 8 gezeigten Ursprungsfassung, abgesehen von dem bereits begründeten Differieren der Zählung der Generationen (links in römischen Ziffern diejenige nach Wurzbach – rechts in arabischen Ziffern diejenige nach Stör und Sporhan-Krempel) in den Generationsreihen IX/8 und X/9 noch die folgenden Änderungen vorgenommen worden sind:

– Zum einen die durch Pfeilführungen vorgenommene Verschiebung der ursprünglich dem Brüderpaar JOHANN FRIEDRICH und JOHANN DIETRICH der Generationsreihe IX bzw. 8 zugeordneten Klassifikationen „Aelterer Hauptast” und „Jüngerer Hauptast” hin zum zweitältesten sowie jüngsten der vier Söhne des JOHANN FRIEDRICH namens GEORG ABRAHAM und HANS KARL der Generationsreihe X bzw. 9.
– Zum andern die durch zwei Pfeilführungen bewerkstelligte Verschiebung des dem Namens- und Faktenkomplex des JOHANN DIETRICH unten beigefügten Hinweises „(Siehe II. Stammtafel)” hin zu HANS KARL der Generationsreihe X bzw. 9 und somit zum besagten jüngsten Sohn des JOHANN FRIEDRICH hin.

Doch es wird noch der nachfolgenden zwei bis drei Kapitel N. Umorientierung bis O. Johann Georg oder gar P. Zweiggründer Franz Ludwig bedürfen, in deren Abfolge auch in der somit hier angesprochenen II. Stammtafel des Constantin von Wurzbach der Abb. 34 innerhalb der dort in den Anfängen aufgeführten Generationsreihen IX bzw. 8 bis hin zu XII bzw. 10 noch einschneidende Korrekturen zur Sprache kommen müssen, bis der volle Sinn all der vorgenommenen Veränderungen der von Wurzbach und seinen Vorläufern hier wie da dargebotenen fehlerhaften Setzungen voll durchschaut und zweifelsfrei widerlegt werden kann.

Jetzt gilt es, die bereits im vorhergehenden Kapitel L. Adelswerdung darzustellen begonnenen Wege der beiden jüngeren der vier Söhne des JOHANN FRIEDRICH VON WIMPFFEN namens JOHANN (HANS) CHRISTOPH und JOHANN (HANS) KARL weiterzuverfolgen.