H. Kaufbeuren-Augsburger Hörmann

Wie durch die Heirat von einem der Söhne des nach Augsburg zurückgegangenen und die MAGDALENA SCHMUCKER geheirateten WILHELM HERMANN (Generation 5) namens CHRISTOPH (Generation 6, geb. ca. 1540, gest. 1611) mit der Augsburger Patriziertochter SUSANNA WALT(H)ER des Jahres 1564 sich abermals der Blick auf die alte Heimatstadt der HERMANN (VON WIMPFFEN) Augsburg und die dort zu findenden mit den nürnbergischen solchen namens- und höchstwahrscheinlich blutsverwandten HÖRMANN (HOERMANN) sowie zwangsläufig auch auf die ostschwäbische Schwesterreichsstadt Kaufbeuren richtet, wo die HÖRMANN durchgängig zwar schon spätestens ab dem Beginn des 15. Jahrhunderts nachzuweisen, doch als Erste klar der ab 1503/04 dort als sog. Stadtamann tätige HANS HÖRMANN (1467 – 1529) sowie dessen ältester Sohn GEORG (1491 – 1552) fassbar sind; und wie der Letzgenannte durch seine Heirat mit BARBARA REIHING im Jahr 1512 in eine in der Kaufleutestube von Augsburg sitzende ranghohe Familie und gleichzeitig dadurch in die Verwandtschaft sowie 1519 auch in den Dienst des führenden Augsburger Bank- und Fernhandelshauses der Fugger gelangt, dort zu deren Hauptfaktor aufsteigt, 1528 durch König Karl V. sogar in den erblichen Adelsstand erhoben wird, dann in die Augsburger Herrnstube und Kaufleutezunft einrückt und der Erwerb der Grund- und Gerichtsherrschaft des nahegelegenen Edelsitzes Gutenberg in den Jahren 1537/44 der Familie den Namenszusatz „VON UND ZU GUTENBERG” einbringt; wie dieser schließlich beim Tod seinem Hause in Augsburg, Kaufbeuren und in zahlreichen Ortschaften einen reichen, Geld-, Haus- und Güterbesitz hinterlässt und wie dann dessen vier Söhne HANS GEORG (1513 – 1562), der als Erster der Familie Augsburg zu seinem bleibenden Wohnsitz wählt, CHRISTOPH (1514 – 1586), LUDWIG (1515 – 1588) und zuletzt auch ANTON (1522 – 1594) ebenfalls in die Dienste der Fugger treten und alle – außer Christoph – 1549 in Augsburgs Großen Rat gelangen.

Wenn nun noch nicht der fällig erscheinende Blick auf den Stammträger der Generation 6 gerichtet wird, sondern ein umfängliches Kapitel eingeschoben wird, das sich zunächst mit dem Enkel des „Italienfahrers“ HANß und der LINDERIN oder LINDEMAIRIN (siehe bei Stör 4f) bzw. (siehe 5d) drittgenannten Sohn des nach Augsburg zurückgekehrten und die MAGDALENA GEB. SCMUCKER geheirateten WILHELM HERMANN namens (siehe 6n) CHRISTOFF (sonst überall geschrieben CHRISTOPH) und dessen Gattin SUSANNA WALTERIN und damit ganz speziell mit der Herkunftsstadt der Nürnberger (laut Sporhan-Krempel) HERMANN bzw. (laut Stör) HÖRMANN Augsburg sowie schließlich fast noch mehr mit deren Schwesterreichsstadt Kaufbeuren und den dortigen älteren ebensolchen Namensträgern beschäftigt, so hat das folgenden Grund: Überraschender- und hilfreicherweise hat mir, die Untersuchung schien fast abgeschlossen, Frau CHRISTINE TEUCHERT, GEB. ZOTZ, Marktoberdorf/Ostallgäu, einige aus dem Internet (Bernd Michaelis-Hauswaldt über Geneanet) gewonnene Unterlagen über „die Hörmann”, wie sie ankündigte, geschickt. Aus diesen erfuhr ich zunächst über die vorgenannten beiden Zielpersonen folgendes Weiterbringende: CHRISTOPH HÖRMANN (dort also mit „ph“ und „ö” geschrieben) ist geboren ca. 1540 und gestorben 1611, und SUSANNA WALTHER (hier geschrieben mit „th”), geboren ca. 1542, die sich mit diesem am 24. April 1564 verheiratete, war eine Tochter des Augsburger Patriziers und Bürgermeisters BERNHARD I. WALTHER (geb. am 27. Juni 1500 und gest. im Dezember 1559 jeweils in Augsburg) und der FELIZITAS WALTHER GEB. REHLINGER (geb. 1504 und gest. am 8. Dezember 1579 jeweils in Augsburg). Siehe dazu:

  • Abb. H 1: Ausschnitt des Stammbaumes von J. W. Stör, der sich auf den der Generation 5 entstammenden WILHELM (siehe 5 d) und seine Gattin MAGDALENA SCHMUCKER aus Augsburg sowie deren – die Mitte unter ihren fünf Söhnen einnehmenden – Sohn CHRISTOFF (siehe 6n) mit Gattin SUSANNA WALTERIN aus Augsburg bezieht.

Mit dieser Ehe, so ist aus diesen Angaben zu schließen, setzte sich also das Erheiraten der Nürnberger HERMANN oder HÖRMANN VON WIMPFFEN von vermögenden Töchtern sowie Einheiraten in betuchte und dem Patriziat angehörende einflussreiche Kaufmannsfamilien fort. Diese aus den Unterlagen von Frau Teuchert geschöpften Erkenntnisse veranlassten mich, nach Weiterem zunächst in dem bereits in den vorausgegangenen Kapiteln mehrfach schon erfolgreich zu Rate gezogenen Werk
– Wolfgang Reinhard  (Herausgeber), Augsburger Eliten des  16. Jahrhunderts, Proposographie wirtschaftlicher und politischer Führungsgruppen 1500 – 1620 (1996)“ zu suchen:
Ich fand, dass die REHLINGER aus altem patrizischem Landadel stammten, vielfach Hochschulbildung besaßen und über Ingolstadt nach Augsburg gekommen waren und von dort aus Handels- und insbesondere auch Wechselgeschäfte nach allen Richtungen hin z. B. mit und in Amsterdam, Hamburg, Basel, Rom, Pisa, Padua, Venedig, Neapel, London, Spanien, Portugal, Frankreich (so Paris, Lyon, Straßburg), Breslau, Pressburg betrieben, wobei Waren bis hin zu Gobelins und Rohstoffe unterschiedlichster Art (so bei den Textilien auch Seide), Gewürze aller Sorten mit Kontakten mit der Niederländisch West- und Ostindischen Companie oder auch nach Brasilien und vor allem auch Bergbauprodukte vom Silber und Kupfer bis hin zu Quecksilber und Zinnober unter Beteiligung an Handels- oder Minenunternehmen in Schwaz/Tirol, Idrija/Slowenien oder Neusohl/Slowakei gehandelt worden sind. Und die patrizischen REHLINGER finden sich zu Hauf als Mitglieder des Augsburger Kleinen und/oder Großen Rates, als Bürgermeister, Richter der verschiedensten Art sowie Kaiserliche Räte u. a. m. aufgeführt. Wichtig zu wissen ist, dass (siehe bei W. Reinhard unter der Lfdnr. 238) ANNA REHLINGER (geb. 1511 in Augsburg und gest. bereits 1548 in Schwaz/Tirol) den wechselnd in Venedig, Breslau, Ofen, Rom, Schwaz (Tirol) und Wien und anderen führenden Handelsstädten mehr tätig zu findenden Augsburger „Fürst der Kaufleute” ANTON FUGGER (geb. 1493 und gest. 1560 jeweils in Augsburg und dort 1538 ins Patriziat aufgenommen) geheiratet hat. Hierdurch fand sich die vorstehende Feststellung der hohen Vermögendheit der Erheirateten und deren verwandtschaftliche Einbindung in hohe bis höchste einflussreichste patrizische Kreise bestätigt. Und über die weitverzweigte Augsburger Patrizierfamilie der WALT(H)ER war dort und darüber hinaus aus der speziellen Fugger-Literatur, insbesondere in
– Richard Hipper, „Die Beziehungen der Faktoren Georg und Christoph Hörmann zu den Fuggern” (1926),
zu erfahren, dass z. B. ein in der Augsburger Kaufleutestube der Jahre 1557 – 1580 nachgewiesener LUDWIG WALT(H)ER (gest. 1580) in Venedig 1569 ein ansehnliches Handelsgeschäft geführt hat und ein JOBST WALT(H)ER 1546 Faktor (= Leiter der Handelsfirma) der Fugger in Sevilla und von ca. 1442 bis 1559 Bevollmächtigter der Fugger in Madrid gewesen und dann dort von einem aus einer Kaufbeuren Familie entwachsenen CHRISTOPH HÖRMANN (1514 – 1586) abgelöst worden ist, der natürlich weder von seiner familiären Herkunft, noch von seiner Lebenszeit her mit dem oben genannten gleichnamigen CHRISTOPH HÖRMANN (geb. ca. 1540 und gest. 1611) identisch sein kann und an späterer Stelle zusammen mit seinen drei Brüdern zu betrachten sein wird. In der sog. Augsburger Prosopographie unter den Lfdnrn. 1373, 1375, 611, 494, 580, 301, 549, 749, 783, 739 und 1375 erscheint der Nachname des mit SUSANNA WALTHER verheirateten CHRISTOPH HÖRMANN wie bei Stör mit „ö“, doch unter den Lfdnrn. 460, 1374 und 1380 auch als HOERMANN (also weder mit „e” noch mit „ö”, sondern mit „oe”) geschrieben. Die unterschiedliche Schreibweise dürfte sicherlich auf die verschiedenartige Schreibweise der benützten Aktenvorlagen zurückzuführen sein, die sich vielleicht auch aus der wechselnden Namenschreibweise des Namensträgers selbst ergeben haben könnte. Möglicherweise ist dieser Gatte der SUSANNA WALTHER und Sohn des von Nürnberg nach Augsburg zurückgekommenen WILHELM HÖRMANN identisch mit dem in der Proposographie unter der Lfdnr. 246 als bis zum Jahr 1585 als Faktor der Fugger in Tirol tätig gewesen aufgeführten gleichnamigen CHRISTOPH HÖRMANN, von dem in den angefügten Anmerkungen ausdrücklich gesagt ist, dass dieser mit dem langjährigen Spanien-Faktor der Fugger – gemeint damit der oben angeführte und an späterer Stelle behandelte CHRISTOPH HÖRMANN (1515 – 1586) – aller Wahrscheinlichkeit nach nicht identisch sei. Dafür spricht auch die Annahme, dass dieser sowohl von seiner Herkunft wie von seiner Heirat her in Kaufmannsfamilien Eingebundene sicherlich die sich ihm in diesem Metier in Augsburg durch das Verwandtsein mit den Groß- und Fernkaufmannsfamilien WALT(H)ER, REHLINGER, REIHING und schließlich auch FUGGER sich bietenden großen Chancen genutzt und lebenslang betrieben hat. Laut Lfdnr. 910 bei Z5/Z51/Z52 erhält ein CHRISTOPH HÖRMANN 1571 eine Handelsvollmacht des Augsburger Mitgliedes der Kaufleutestube und weitgespannte umfängliche Geschäfte tätigende HANS ÖSTERREICHER III. (1529 – 1590), die Ungarn und Böhmen betreffen. Und laut Lfdnr.1088 bei Z6/Z61/Z62 steht ein CHRISTOPH HÖRMANN 1576 im Geschäft mit dem Augsburger Patrizier KONRAD ROT III. (gest. 1610), wobei es um Gewürzhandel geht. Es ist anzunehmen, dass die zwei letztbeschriebenen Handelstätigkeiten sich wohl nicht auf die Person des aus Kaufbeuren stammenden Faktors der Fugger CHRISTOPH HÖRMANN (1515 – 1586), sondern eher auf die Person des vorbeschriebenen (aus Nürnberg stammenden) Gatten CHRISTOPH der SUSANNA GEB. WALTHER bezogen sind.

All diese zusätzlichen Erkenntnisse bildeten trotz ihrer verwirrenden Komplexität den Anlass, nach weiteren Augsburger und Kaufbeurener Angehörigen der sog. HÖRMANN/HOERMANN zu suchen, was mich noch als ganz spezielle Quellen die folgenden zwei aufschlussreichen Abhandlungen finden ließ:
– Luitpold Brunner, „Aus dem Bildungsgange eines Augsburger Kaufmannssohnes vom Schlusse des 16. Jahrhunderts” (1874)
sowie ergänzend
– Thomas Max Safley, „Die Fuggerfaktoren Hörmann von und zu Gutenberg. Werte und Normen einer kaufmännischen Familie im Übergang zum Landadel” (1996).
Diese weisen aus, dass die Hörmannische Familie zumindest schon in den Anfängen des 15. Jahrhunderts erkennbar unter den Bürgerlichen der Stadt Kaufbeuren und der Führungsschicht dieser Stadt angehörend erscheint. Vom erstgenannten Verfasser ist im Eröffnungskapitel „I. Genealogische Einleitung” seiner Abhandlung allerdings einschränkend gesagt, es seien diese Kaufbeurener Hörmann „nur in bezug auf die (von diesem leider nicht aufgeführten) Ahnfrauen ergriffen”. Die männlichen Abkömmlinge derselben lassen sich somit vornamenmäßig erst ab dem ausgehenden 15. Jahrhundert über die Person des ab 1503/04 als dortiger „Stadtamann” (Leiter des mit 15 Richtern besetzten Stadtgerichts) fungierenden HANS HÖRMANN exakt fassen. Dieser ist laut rootsweb „Süddeutsche Patrizier” im Juli 1467 in Kaufbeuren geboren und dort am 29. Januar 1525, laut Luitpold Brunner dort (wohl richtigerweise) erst 1529 gestorben. Immerhin spricht für die bereits spätestens im ausgehenden 16. Jahrhundert an diesem Ort gewonnene Spitzenstellung der Familie die von Brunner erwähnte Familientradition, wonach Kaiser (seit 1452 bis 1493) Friedrich III. in diesem Zeitraum in besagter Stadt im Hause des Hans Hörmann zweimal gewohnt habe, zuerst „im hinteren Stüblein und Kammer” und 1484 „im neuen Gemach”, außerdem dass die Patenschaft der Hörmannischen Kinder von hohen Personen wie den Äbten von Irsee und Steingaden übernommen worden sei. Und dessen bald nach ihm verstorbener Bruder GEORG HÖRMANN sei als Chorherr zu Sankt Moritz in Augsburg gestorben, woraus deren Verbindung mit der großen Schwesterreichsstadt Augsburg deutlich wird. Überdies geht deren damals in Kaufbeuren erreichte führende Bedeutung auch aus der Tatsache hervor, dass die (wohl früh verwitwete) Mutter des Hans namens DOROTHEA GEB. LIEBERIN sich 1488 in zweiter Ehe mit dem reichen Bürgermeister zu Kaufbeuren GEORG SPLEISS verheiratet hat. Die dem Stiefvater bzw. Stiefgroßvater durch Hans und dessen Kinder gezollte Liebe und Ehrfurcht bildete den Anlass dafür, dass dieser reiche Erwerbungen von später auf diese überkommenen Landgütern tätigte und mit Bewilligung des Kaisers Maximilian 1494 diesen die Führung der im spleissischen Wappens (siehe dieses später in der Abb. H 7) vorhandenen goldenen Mondsichel und gleichfarbigen Sternes in schwarzem Felde erlaubte.

Der älteste Sohn des vorbeschriebenen HANS HÖRMANN hieß GEORG (auch JÖRG) HÖRMANN, geb. in Kaufbeuren, und zwar laut Brunner sowie laut dessen Lebensabrisses in
– Georg Wilhelm Zapf, „Reisen in einzelne Klöster Schwabens, durch den Schwarzwald und in die Schweiz im Jahr 1781, worin Bibliotheken, Alterthümern, Geschichte und vom Zustand der Litteratur Nachricht gegeben wird … , Erlangen bey Johann Jakob Palm 1786”,
auch laut der Gedenktafel für diesen in Kaufbeuren am 26. Februar 1491 und nach übereinstimmender Darstellung all der vorgenannten anderen Quellen gestorben am 11. Dezember 1552 in Kaufbeuren. Diesem schenkte der reiche Stiefgroßvater bereits 1501 wegen seiner „unterwürfigen, dienstlichen und gehorsamen Kindheit” einen großen Bauernhof im nahen Untergermaringen und erweiterte damit dessen Ansehen und vermögensmäßigen Hintergrund in entscheidender und bleibender Weise. Nach der Ausbildung in den „freien Künsten” an der württembergischen Universität Tübingen – untrügliches Zeichen der Hochgestelltheit wie des Strebens der Familie nach Einfluss über den Weg bester Bildung – verheiratete dieser sich mit 21 Jahren am 21. Juni 1512 mit der Augsburger Patriziertochter BARBARA REIHING, deren auch als REYHING erscheinende einflussreiche Familie war männlicherseits in der Kaufherrenstubengesellschaft und im Kleinen Rat von Augsburg vertreten, betrieb dort ihre einflussreiche Politik und pflegte umfängliche gesellschaftliche Kontakte. Deren Handelstätigkeiten gingen weitgespannt nach Ulm, Frankfurt a. M. und reichten wie bei der oben beschriebenen Patrizierfamilie der REHLINGER bis Spanien und die Niederlande. Die von GEORG (JÖRG) HÖRMANN erheiratete BARBARA REIHING war laut Luitpold Brunner über ihre Mutter VERONIKA GEB. IMHOF(F), die Tochter des aus einem alten Nürnberger und nun auch neu in Augsburg niedergelassenen Patrizier- und Fernhandelsgeschlecht stammenden Zunftmeisters der Salzfertiger PETER IMHOF(F) (1444 – 1528), mit dem bereits oben umschriebenen „Fürsten der Kaufleute“ ANTON FUGGER (1493 – 1560), dessen Bankier- und Handelsfamilie im Begriff war, zur reichsten solchen der damaligen Handelswelt aufzusteigen, insofern verwandt, als dessen Mutter REGINA GEB. IMHOF(F) eine Schwester des vorgenannten PETER IMHOF(F) gewesen ist. Diese Verwandtschaftsverbindung, die Anton Fugger in seinen späteren zahlreichen Briefen an GEORG HÖRMANN die Anrede „Lieber Schwager Jörg” gebrauchen ließ, soll der Hauptgrund dafür gewesen sein, dass der Besagte 1519 in die Fuggersche Handelsgesellschaft als Kaufmann eintreten konnte. Somit erscheint dieser in der Prosopographie der Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts (siehe Lfdnr. 455, 457, 459) als „Fuggerangestellter”. Für diese betreute er zunächst ab 1520 das Antwerpener Handelsbüro der Fugger und ab 1524 mit 33 Jahren war er sog. Haupt- oder auch Groß-Faktor (eine Art Haupt-Geschäftsführer oder Oberverwalter) derselben und als solcher Berater und Mitgesellschafter deren ausgedehnten Tiroler Bergbaus am Fuße des Karwendel- und Inntalrandes mit Hauptaufenthalt in Schwaz, dem montanistischen Zentrum des damaligen Europa, und damit als bereits schon für den gesamten Silber- und Kupferbergbau der Fugger Zuständiger tätig. In der Augsburger Proposographie unter der Lfdnr. 238, die sich auf ANTON FUGGER bezieht, erscheint GEORG HÖRMANN bei T10/T101/T102 als „Faktor/Schwaz u. a. 1525 – 1550“. Dort wurden von mehreren tausend Knappen im Labyrinth unzähliger in ihrer Gesamtheit hundert und mehr Meilen messender Stollen aus dem vielfarbig schimmernden Gestein große Mengen Silber- und natürlicherweise unverhältnismäßig sehr viel größere Mengen an Kupfererz gewonnen. Dadurch konnte Schwaz damals hinter der Stadt Wien zum größten Ort Österreichs emporwachsen. Das ist dort heute noch an der 1502 eingeweihten Pfarrkirche zu „Unserer lieben Frau” abzulesen, welche die größte Hallenkirche Tirols mit einem Altar des berühmten Veit Stoß ist und vier Schiffe mit zwei gleichrangigen Hauptschiffen (ursprünglich links für Bürger und rechts für Knappen) besitzt. Und im dortigen Schau-Silberbergwerk wird heute noch diese außergewöhnliche Vergangenheit der Stadt offenbar. Der Kristallisationspunkt der dortigen Tätigkeit des Georg Hörmann dürfte das 1500 – 1509 erbaute sog. Handelshaus (heute Rathaus) gewesen sein, dazuhin das um 1525 entstandene sog. Fuggerhaus, von dem aus dessen Dienstherr ANTON FUGGER 1546/47 im Schmalkaldischen Krieg seine Weltfirma geleitet hat.

Aus der vollen Zufriedenheit und Zuwendung der mit ihm verschwägerten Fugger sowie der Beteiligung unter Einsatz seines ganzen Vermögens an ihren Geschäften, an denen er mit fünf Prozent beteiligt war, wuchsen ihm steigende Einnahmen zu und mehrte sich sein und seiner Familie Ansehen. Den weiteren Aufstieg belegt dessen Aufnahme in die Augsburger Herrenstube und Kaufleutezunft des Jahres 1528. Die vielschichtige Tätigkeit dieses GEORG (JÖRG) HÖRMANN schloss später sogar auch die berufsmäßige Erziehung der drei jüngeren der vier Söhne des älteren die Mitleitung des Hauses innehabenden Bruders des ANTON FUGGER namens RAYMUND FUGGER ZU KIRCHBERG UND WEISSENHORN (1489 – 1535) und seiner Gattin (Heirat 1513) KATHARINA GEB. THURZIO VON BETHLEMFALVA (1488 – 1535), nämlich HANS JAKOB FUGGER (1516 – 1575), GEORG II. FUGGER (1518 – 1569), CHRISTOPH I. FUGGER (1520 – 1579) und  ULRICH III. FUGGER (1526 – 1584). Somit konnte Georg Hörmann sich in Augsburg wie auch in Kaufbeuren natürlich nur sporadisch aufhalten. In Augsburg besaß er eine in der Katharinengasse (später Nr. 14) gelegene Stadtresidenz, ebenso eine solche im ihm noch und bleibend als Hauptwohnort geltenden Kaufbeuren. Denn dort, um hier eine der vielen über Frau HELGA ILGENFRITZ erfahrenen Hörmann-Fakten einzubringen, gibt es heute noch das sich zentral beim Rathaus zwischen der unteren Kaiser-Max-Straße (dem früheren Markt) und der Ludwigstraße (der früheren Hinteren Gasse) erstreckende sog. Hörmannhaus, ehedem ausgestattet mit rund 80 Zimmern. Dieses um 1525 mit Hilfe der Familie Fugger tiefgreifend umgebaute und damals mit einem heute noch vorhandenen repräsentativen aus der Zeit des Georg Hörmann stammenden Renaissance-Hauptportal geschmückte Hörmann-Palais, wie es von den Kaufbeurenern auch stolz genannt wird, diente für kurze Zeit, als in Augsburg um 1529 eine pestartige Seuche grassierte, sogar als Ausweich-Sitz der gesamten Geschäftsleitung der Firma Fugger. Dieses vom Rat der Stadt Kaufbeuren, wenngleich nach einigem Widerstreben, nachdem angeblich (König, später Kaiser) Karl V. dies ihm in einem eigenhändigen Schreiben zugesagt hatte, zu seinem Freisitz erklärte „‚Hörmann-Palais’ in Kaufbeuren wurde”, wie es in einem örtlichen Zeitungsbericht des Jahres 2016 heißt, „im Verlauf der Zeit immer wieder Schauplatz hochrangiger Verhandlungen zwischen der Firma Fugger und Vertretern aus dem europäischen Ausland.” Siehe zur Veranschaulichung der vorbeschriebenen historischen Objekte seien gezeigt:

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  • Abb. H 2: Die in Kaufbeuren am sog. Hörmannhaus oder auch Hörmann-Palais beim Rathaus zum Gedenken an ihren namhaften Sohn Georg Hörmann (dort laut der Inschrift geboren am 26. Februar 1491 und gestorben am 11. Dezember 1552) angebrachte Gedenktafel; Fotografie von Frau Christine Teuchert, geb. Zotz, Marktoberdorf, vom Sommer 2015.

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  • Abb. H 3: Das Hauptportal vom Kaufbeurener Hörmann-Palais; aus einem Bericht der „Allgäuer Zeitung” vom 01. 10. 2016 entnommene Fotografie.

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  • Abb. H 4: Die der Kaiser-Max-Straße zugewandte Vorderfront vom Kaufbeurener Hörmann-Palais; Fotografie, stammend aus einer vom Ortsverband Kaufbeuren des Deutschen Evangelischen Frauenbundes herausgegebenen Informationstext von 2016.

    Karl V. erhob Georg Hörmann bereits 1528 (bestätigt auf dem Reichstag in Augsburg am 12. Juli 1530)
    „nebst allen Leibeserben wegen der ihm vielfach geleisteten Verdienste in den Stand des Adels der recht edelgebornen Lehens- und Turniergenossen und rittermäßigen Edelleute, befreite ihn von allen Gerichten ausser den kaiserlichen, gab ihm das Recht der Freizügigkeit, der Wahl eines beliebigen lokalen Zunamens und eine reichere Ausstattung des bisherigen oben erwähnten Wappens”.

    Wohl aus diesem Anlass gab dieser, nun 39 Jahre alt, bei dem damals in die Malerzunft Augsburgs aufgenommenen hauptsächlichen Bildnismaler CHRISTOPH AMBERGER sein Portrait in Auftrag. Was Vorzügliches aus dem ersten Jahr dessen Meisterschaft in Augsburg entstand, wurde in Unkenntnis sowohl der Person des Abgebildeten als auch des Bildschöpfers von der Fachwelt des 19/20. Jahrhunderts mit Kurfürst Moritz von Sachsen und Hans Holbein d. J. in Verbindung gebracht, bis Stilvergleiche von 1938/39 und 1979 es zweifelsfrei den beiden Vorgenannten zuwiesen. Siehe dieses in

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  • Abb. H 5: Bildnis des Jörg Hermann (1491 – 1552), Gemälde (auf Tannenholz 98,6 x 77,4 cm) von Christoph Amberger (geb. ca. 1505, gest. 1562 oder 1563 in Augsburg) von 1530; bezeichnet an der Wandvorlage oben links: AN.M.DXXX.AETATIS SUA XXXIX (= anno 1530. Seines Alters 39); seit 1969 durch Ankauf in der Staatsgalerie Stuttgart, Inv.Nr. 3071; Schwarz-Weiß-Druckvorlage, entnommen dem Katalogband: Welt im Umbruch. Augsburg zwischen Renaissance und Barock, Band II: Rathaus. Ausstellung der Stadt Augsburg … anläßlich des 450. Jubiläums der Confessio Augustana … (1980), S. 100 Nr. 448.

Die Erklärung dieses aussagekräftigen Gemäldes lautet u. a.:
„Der Dargestellte ist bis über die Hüften sichtbar. Er hält in der mit Wappenring geschmückten linken Hand eine Nelke. Die Pelzschaube kennzeichnet den Patrizier, der erweiterte Bildausschnitt und der antikisierende Pilaster machen darüber hinaus seinen gesellschaftlichen Anspruch deutlich. An malerischer Breite und Wucht der Persönlichkeit ist dieses Werk aus dem ersten Jahr der Ambergschen Meisterschaft ein Markstein innerhalb der Augsburger Portraitmalerei.”

Wichtig zu wissen, dass der Abgebildete, streng genommen, eigentlich dem Augsburger Ersten Stand der sog. Patrizier gar nicht angehört hat, aber weil er in diesen eingeheiratet hatte und Träger eines großen Vermögens und jetzt auch als Angehöriger des Erb- und Reichsadels sich als diesem zumindest gleichgestellt betrachten konnte, somit – wie von vorneherein seine aus diesem stammende Gattin – die Kleidung des Ersten Standes zu tragen berechtigt gewesen ist. Aufsteiger der Art des Georg Hörmann pflegte man dort gern – und so erscheinen diese auch in der genealogischen Literatur – als „Mehrer der Gesellschaft” (kurzgesagt „Mehrer“) zu klassifizieren, deren gesellschaftlicher Status immerhin den zweiten Rang zwischen jenem ersten Rang des Patriziats und dem dritten Rang der Angehörigen der Kaufleutezunft einnahm. Das hohe Ansehen und die finanzielle Potenz Georgs drückt sich des Weiteren darin aus, dass zu etwa gleicher Zeit von diesem auch Portraitzeichnungen aus der Hand desselben Meisters entstanden sind, von denen die nachstehend gezeigte auf unsere Zeit überkommen konnte:

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  • Abb. H 6: Georg Hörmann (1491 – 1552), unbezeichnete dem Jahr 1531 und Christoph Amberger (ca. 1505 – 1562 oder 1563) zugeschriebene Rundzeichnung (Durchmesser 32,5 cm; mit schwarzer farbiger Kreide, grünlich braun laviert, weiß getönt; später mit schwarzer Kreide und Aquarellfarben überarbeitet); Sammlung Sir Thomas Lawrence, London; Schwarz-Weiß-Druckvorlage, entnommen dem Katalogband: Welt im Umbruch. Augsburg zwischen Renaissance und Barock, Band II: Rathaus. Ausstellung der Stadt Augsburg … anläßlich des 450. Jubiläums der Confessio Augustana … (1980), S. 213 Nr. 590.

Die Bilderklärung lautet u. a. wie folgt:
„Die Zuweisung der Zeichnung an Christoph Amberger (sie war Hans Holbein d. J. zugeschrieben) und die Identifizierung des Dargestellten als Georg Hörmann erfolgte durch Kurt Löcher. Eine in Technik, und Stil verwandte Zeichnung, die den Dargestellten in gleicher Profilhaltung zeigte, befand sich im Berliner Kupferstichkabinett (im Krieg verschollen) und war Ausgangspunkt für eine Neubestimmung. Auf ihrer Umschriftleiste war dieser als GEORGIUS HERMANN ausgewiesen. Die Berliner Zeichnung war 1531 datiert.”

Man muss sich an der vorstehenden zwar der gleichen Person geltenden, doch zwischen „Hermann” und „Hörmann” wechselnden Namensbezeichnung bzw. Schreibweise nicht stoßen, geschah dies doch auch schon z. B. bei der oben umschriebenen Person des Christoph Hermann (nach Sporhan-Krempel) bzw. Christoph Hörmann (nach Stör) bzw. sogar Christoph Hoermann (laut in gewissen Fällen der Prosopographie). Und dies darf auch in späteren solchen Fällen unbeanstandet geschehen, weil sich sowohl die Namensangehörigen selbst als auch die Schreiber deren Zeit wie die späteren Genealogen dieser unterschiedlichen Namensschreibweise ohne Bedenken oder Beanstandung bedient haben. Darüber hinaus sind, weiteres Zeichen des Dargestellten Wohlhabenheit und Eigenstolzes, von diesem eine Reihe von Schau- und Gedächtnismünzen mit Bildnis und/oder Wappen, dazuhin auch etliche seiner Frau BARBARA GEB. REIHING sowie einzelner anderer Hörmannischer Familienmitglieder (wie z. B. von einem seiner Söhne namens LUDWIG) geprägt worden, die der an späterer Stelle umrissene Kaufbeurener KANZLEIDIREKTOR WOLFGANG LUDWIG HÖRMANN VON UND ZU GUTENBERG (1713 – 1795) in seine Sammlung aufgenommen hat.

Wie auf der oben gezeigten Gedenktafel vermerkt, erhob König (und späterer Kaiser) Ferdinand (I.) Georg Hörmann 1534 zu seinem Rate. Und ganz wichtig, noch zu wissen, dass dieser mit seiner Ehefrau 1542 zum Protestantismus (Luthertum) gemäß der Confessio Augustana übergetreten ist, worüber an späterer Stelle noch Aufschlussreiches zu erfahren sein wird. Seinen wachsenden Reichtum nutzte er vor allem zur weiteren Erwerbung von ansehnlichem Grundbesitz. So kaufte er von 1537 bis 1543/44 von den Brüdern Honold in Memmingen deren Güter im ca. 15 km nordöstlich von Kaufbeuren gelegenen Dorf Gutenberg, des einstigen Edel- und Burgsitzes der Ritter von Gutenberg (heute Ortsteil der Gemeinde Oberostendorf/Ostallgäu), der über Gutenberger Ministeriale, dann Augsburger sowie anderwärtige Bürgerfamilien schließlich in den Besitz der vorgenannten Patrizierfamilie Honold und letztendlich durch deren Erbteilungen in die Hand mehrerer ihrer Glieder gekommen war. Nach und nach in den vorgenannten Jahren machte er diesen Ort, ihn von kemptischer und kemnater Lehenschaft lösend, mit voller niederer Gerichtsbarkeit und Kirchensatz ganz zu seinem Eigen. Kraft eines 1545 von ihm aufgestellten Testaments bekam Gutenberg den Status eines Familienfideicommiss’, der insgesamt als Stammgut der männlichen Mitglieder der Familie ungeteilt und unveräußert erhalten bleiben musste und woran immer nur ein männliches Familienmitglied das Nießbrauchrecht innehatte. Dies dürfte sich hauptsächlich damit erklären, dass die Adelsstellung und der Besitz nicht entfernt ausreichten, die wachsende Sippe standesgemäß zu ernähren und zu unterhalten.

Aus diesem neuen historisch namhaften Besitztum leitete er gleichzeitig den lokalen Zunamen ab, dessen Führung ihm durch die Adelsverleihung zugestanden worden war, wodurch 1543 der Name „HÖRMANN VON UND ZU GUTENBERG” (oder auch, wie immer wieder für Ort wie Adelsfamilie zu lesen steht, GUTTENBERG) wurde. Das dem nunmehrigen erweiterten Adelsnamen zugehörige Wappen in seiner durch die Adelsverleihung zugestandenen „reicheren Ausstattung” sei gezeigt in
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  • Abb. H 7: Das Wappen der (wie darüber geschrieben steht) Reichsfreiherren Hörmann von und zu Guttenberg; Schwarzweiß-Darstellung im „Wappenbuch des gesammten Adels des Königreichs Bayern”, Band 6, 1822, Tafel 20, des Nürnberger Heraldikers, Kupferstechers und Verlegers Konrad Tyroff (1771 – 1826).

Auf seinem senkrecht zweigeteilten Schild erscheint auf der linken Flanke die spleissische (goldene) Mondsichel und auf der rechten Flanke an der Herzstelle der ebensolche (goldene) Stern auf schwarzem Grund und diesem aufliegend ein auf eine Freiherrenkrone gesetzter Turnierhelm mit insbesondere einem Flügelpaar als Helmzier, das ebenfalls die vorgenannten beiden spleissischen Wappeninsignien trägt. 1544 erwarb Georg auch die Burg- und Schlossherrschaft Waldeck an der Iller bei Memmingen als Mannlehen, behielt diese aber nur vorübergehend, nebst dem Dorfe Kaltenbrunnen (gemeint damit wohl das heutige ostallgäuische Kaltenbrunn bei Obergünzburg), die König Ferdinand 1545 ihm von der gräflich kirchbergischen Lehenschaft befreite, außerdem eine ganze Reihe von stattlichen Gütern, so vor allem in den ostallgäuischen Orten Germaringen (siehe oben), Beckstetten und Geisenhofen sowie im tirolischen Westendorf.

Um nunmehr auch Georg Hörmanns bereits in der Inschrift der oben gezeigten Gedenktafel anklingenden Wohltätigkeitssinn, seine Geistigkeit sowie sein Bildungsstreben und seinen hohen Bildungsgrad zu illustrieren, sei ein Ausschnitt aus den genealogischen Angaben des Luitpold Brunner zitiert, der an dessen vielen Orts- und Gütererwerbungen anknüpft:
„Ueber solchen Käufen vergass Georg der Wohltätigkeit nicht und stiftete den Armen dauerndes und ergiebiges Almosen zu Schwaz und in der Pfründe zu Kaufbeuren, wo der eigene Freisitz, den ihm der Rath nach einigem Sträuben auf Kaiser Karls eigenhändiges Schreiben hin gewährt hatte, fortwährend in bestem Stande erhalten wurde, wenn auch erstere Stadt Georgs gewöhnlicher Aufenthalt blieb. In dem ruhelosen Drängen der merkantilen und politischen, häufig im Dienste des Königs Ferdinand geforderten Thätigkeit wahrte sich Georg bis zum Lebensende die von früher Jugend auf durch sorgfältigste Bildung gewonnene Liebe zu den Wissenschaften und klassischen Studien, stand, der lateinischen und griechischen Sprache in hohem Grade mächtig, in Briefwechsel mit hervorragenden Gelehrten, wie Melanchthon, mit dem niederländischen Juristen Viglius (von Aytta Zuichemius), den Karl V. von der Professur zum Amte des Präsidenten des obersten Rathes in Brüssel erhob, ferner mit Konrad Peutinger u. a. und stellte literarischen Arbeiten seine reichen Geldmittel grossmüthig zu Diensten. Unter denen, welche ihm als Mäcenas in Wort und Schrift dankbar huldigten, ist auch die damals mit Recht als die gelehrteste Frau gepriesene und bewunderte, mit der Literatur von Rom und Hellas auf das innigste vertraute Olympia Fulvia Morata aus Ferrara, seit 1548 Gemahlin des deutschen Gelehrten Grundler, zu erwähnen, welche, nachdem sie wegen des Confessionswechsels Italien, wo sie öffentlich klassische Literatur docierte, hatte verlassen müssen, in Georgs Häusern in Kaufbeuren und Augsburg längere Zeit hindurch ein freundliches Asyl und sodann die nöthigen Mittel zur Weiterreise fand. Am meisten aber lag Georg die tüchtige Bildung seiner mit Barbara Reyhing von Augsburg erzeugten Söhne am Herzen, von welchem bei seinem Tode noch 4 lebten.” 

Was den im Rahmen des vorstehend geschilderten regen Briefwechsels des Georg Hörmann mit vielen Geistesgrößen des Humanismus des 16. Jahrhunderts erwähnten solchen mit Philipp Melanchthon, dem neben Martin Luther wichtigsten deutschen Reformator, außerdem die angefügte Schilderung der Asylgewährung für eine wegen ihres Übertritts zum Protestantismus verfolgungsgefährdete aus Ferrara Richtung Süddeutschland geflohene italienische hochgelehrte Dame betrifft, so hängen diese Lob erntenden Handlungsweisen mit dessen und seiner Gattin bereits erwähntem Übertritt des Jahres 1542 zum Luthertum zusammen. Dieser im Blick auf dessen Abhängigkeit vom Katholizismus tief geprägten und in Treue ergeben bleibenden Familienverbund der Fugger zunächst verwundernde Schritt lässt sich, wie aus den von Frau HELGA und Herrn KARL ILGENFRITZ zugegangenen Skripten hervorgeht, damit erklären, dass dieser von diesen mit außergewöhnlicher Toleranz deshalb hingenommen worden ist und er seinen lutherischen Glauben unbeeinträchtigt ausüben konnte, weil er die Geschäftskontakte insbesondere mit jenen deutschen Herrschern und Ländern, die sich nach 1517 der Reformation angeschlossen hatten, bereits vor seinem Übertritt zum Protestantismus aufrecht erhalten und befördert und damit so etwas wie den bereits protestantisch beeinflussten Zweig der Fugger dargestellt hatte. Auch sein Zögling ULRICH III. FUGGER (1526 – 1584), der mehr Humanist als Kaufmann war und seine ursprüngliche Tätigkeit als päpstlicher Kämmerer in Rom aufgegeben hat, kehrte nach Deutschland zurück und konvertierte zum evangelisch-lutherischen Glauben. Dass Georg Hörmann der vielbewunderten Humanistin der Renaissancezeit und 1548 am Hof von Ferrara wegen ihres Übertritts zum Protestantismus in Ungnade gefallenen OLYMPIA FULVIA MORATA (geb. 1526 in Ferrara – gest. am 26. Oktober 1555 in Heidelberg) Hilfe in ihrer Bedrängnis der Verfolgung Asyl auf ihrer Flucht mit dem Ziel des Stammlandes der Reformation in der Hoffnung auf Schutz vor Verfolgung bot, hängt nicht allein mit dessen angenommenen Protestantismus zusammen. Sondern dieses erbot sich auch dadurch, dass er durch seine großkaufmännische Tätigkeit im Dienste der Fugger über die Möglichkeiten verfügte, der mit ihrem Gatten Dr. ANDREAS GRUNDLER und ihrem achtjährigen Bruder EMILIO am 12. Juni 1550 aus dem oberitalienischen Ferrara nach Norden über die Alpen und speziell des zentrale Tirol Geflohenen unterwegs Quartiere in den Firmenniederlassungen der Fugger als eine Art Fluchthelfer zu bieten und die Hand über diese zu halten. Das so zunächst in Kaufbeuren im Hörmann-Palais und später in Augsburg den Glaubensflüchtlingen gebotene Asyl konnte nur vorübergehend sein und ging über Würzburg und Schweinfurt unter neuen Bedrohungen nach Heidelberg, wo die sich und die Ihren mit Privatunterricht Durchschlagende schon 1555 mit nur 29 Jahren an Tuberkulose starb und wenige Wochen später auch ihr Gatte und ihr Bruder der dort grassierenden Pest erlagen.

Auf der Südseite der Pfarrkirche Sankt Margareta in Gutenberg hat Georg Hörmann 1546 eine Kapelle, die „Hörmannkapelle”, wie diese heute noch heißt, mit einer darunterliegenden Gruft als Familienbegräbnisstätte errichten lassen, die durch umfangreiche Baumaßnahmen am Ende des 18. Jahrhunderts stark verändert worden ist, bis man dann aber 2012 versucht hat, dem sakralen Raum seine alte Würde wiederzugeben. Dort ist Georg Hörmann, der seine rastlose Arbeit im Dienste der Fugger 1550 hatte aufgeben und sich zur Ruhe setzen können, nach seinem ca. zwei Jahre später laut Brunner und Zapf in Augsburg  wohl richtigerweise nach seinem am 11. Dezember (laut rootsweb am 10. Dezember) 1552 in Augsburg erfolgten Tod bestattet worden. Unter den zahlreichen Schuldnern, die er hinterließ, befand sich auch König Ferdinand mit einer Schuld von 21.000 Gulden.

Die beim Tod des Georg Hörmann noch lebenden vier seiner sieben Söhne HANS GEORG oder auch HANS JÖRG, CHRISTOPH, LUDWIG und ANTON traten sämtliche ebenfalls ganz oder zeit- bzw. teilweise in Fugger’sche Dienste. Dieses lässt verstehen, dass deren Vater Georg heute in Kaufbeuren als der Begründer einer Art Faktoren-Dynastie der Hörmann innerhalb der Firma Fugger bezeichnet wird. Es folgen deren Lebensabrisse:

– Der älteste Sohn des GEORG oder JÖRG HÖRMANN namens HANS GEORG (1513 – 1562) ist nachweislich der Erste aus dem Hause der Kaufbeurer Hörmann gewesen, der seinen ständigen Wohnsitz in Augsburg wie später auch sein Vater und seine drei Brüder genommen hat. So ist erklärt es sich, dass in Augsburg ab ca. dem 16. Jahrhundert (siehe im Register der Prosopographie der Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts) neben dem ursprünglichen (nur ein einziges Mal unter der Lfdnr. 397 erscheinenden) Namen HANS HERMANN (dem aus Nürnberg zurückgekommenen Gatten der PHILIPINA TUCHER), mehrere (und zwar fünf unter den Lfdnrn. 455, 456, 457, 458 und 449), der aus Kaufbeuren Zugewanderten der Namensschreibweise HÖRMANN sowie einer (siehe Lfdnr. 460) der Namensschreibweise HOERMANN aufzufinden sind. Von diesem HANS GEORG, so Safley, sei nur wenig und hauptsächlich Schlechtes bekannt; er sollte sich den Studium widmen, liebte aber eher Wein, Weib und Gesang und bekam Ärger mit seinem ebenso strebsamen wie pflichtbewussten Vater. 1538 heiratete dieser, was wiederum bestens zur bisherigen Heiratsstrategie der Hörmann passt, RADIGUND oder auch RADEGUNDIS HERWART, Tochter des ERASMIUS HERWART (geb. 1485), dessen Familie zu den ältesten Patrizierfamilien Augsburgs gehörte und dort im 15./16. Jahrhundert oftmals Mitglieder im Großen und Kleinen Rat, Richter, Bügermeister und andere in hohen Stadtämtern Tätige stellte wie auch vornehmlich u. a. in Spanien neben den Vertretern der Fugger tätige Großkaufleute hervorbrachte. Erasmus Herwart war auch, ebenso andere Herwart an Bergbauunternehmen beteiligt. Laut Brunner soll der besagte Hans Georg Hörmann wie der Vater im Dienste der Fugger – und zwar hauptsächlich in Augsburg – gestanden haben; laut Safley hat dieser sich zwar dort aller Wahrscheinlichkeit nach aufgehalten, doch gebe es über seine – hauptsächlich im Ausland verbrachten – Tätigkeiten keine sicheren Hinweise. In der Prosopographie (siehe Lfdnr. 457) ist hingegen nicht nur ausgesagt, dass er das Augsburger Bürgerrecht besaß, sondern 1539 – 1548 als Mitglied der Augsburger Kaufmannszunft, 1548 als dortiger Richter, ab 1549 dort als sog. Mehrer geführt sowie sich nachweislich von 1549 – 1562 als Mitglied des  Augsburger Großen Rates und Mehrer vermerkt findet. Und in der Proposographie unter Lfdnr. 238 – wieder bezogen auf ANTON FUGGER (1493 – 1560) – erscheint er bei T089/T0891/T0892 als Kassier von ca. 1547 – 1560, wodurch dessen oben konstatierte Diensttätigkeit in Augsburg bei den Fuggern Bestätigung findet.

– Über den Zweitältesten CHRISTOPH (1514 – 1586) wurde anfangs schon gesagt, dass dieser 1559 in Madrid JOBST WALTHER als Faktor der Fugger abgelöst hat. Jener war damals, so Brunner, schon zum obersten Verwalter der spanischen Handelsangelegenheiten der Fugger aufgestiegen, blieb als der „spanische Hörman” lange Zeit dort und soll erst am Ende seines Lebens in die Lechstadt Augsburg zurückgekehrt sein. Wenn er in der Augsburger Prosopographie (siehe Lfdnrn. 455, 457, 459) als Zweiter in der Reihe der vier Brüder genannt ist, so im Gegensatz zu den anderen immer ohne Ehefrau. Unter Lfdnr. 246 – bezogen auf ANTON FUGGER (1493 – 1560) – ist CHRISTOPH HÖRMANN, nachdem zuvor bei T079/T0791/T0792 der früher schon erwähnte JOBST WALTHER als Faktor/Spanien von ca. 1542 – 1555 aufgeführt ist, bei T080/T0801/T0802 als Faktor/Spanien von 1538 – 1560, unter Lfdnr. 246 – bezogen auf MARKUS III FUGGER (1529 – 1597) – bei T7/T71/T72 als Faktor/Spanien von 1563 – 1574 notiert, wodurch dessen oben konstatierter Aufstieg im Dienste der Fugger Bestätigung findet. Laut Lfdnr. 675/Z2-Z21-Z22 der Proposographie erteilt diesem auch der Augsburger Mehrer HANS LANGNAUER III. 1570 und 1571 Spanien betreffende Handelsvollmachten. In einem Brief an OCTAVIAN II. FUGGER des Jahres 1580 gratuliert Christoph diesem euphorisch zu seiner Aufnahme in den Kleinen Rat Augsburgs und erklärt, dass nun eingetroffen sei, was er ihm vor Jahren prophezeit habe. Er stirbt am 31. Mai 1586 in Augsburg und wird dort in der Dominikanerkirche Sankt Magdalena begraben.

– LUDWIG (1515 – 1588), der gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Anton die Verwaltung der Familienbesitztümer in den Händen hatte, soll für die Fugger hauptsächlich im Ausland tätig gewesen sein. Laut der Prosopographie (siehe die Lfdnr. 459) ist dieser 1538 und 1540 in Neapel tätig gewesen und von 1545 – 1548 als Mitglied der Augsburger Kaufleutezunft und von 1549 – 1588 als Mitglied des Augsburger Großen Rates sowie als sog. Mehrer vermerkt. Er heiratete 1543 REGINA HAUG, eine Tochter des in Augsburg eine Handelsgesellschaft führenden und auch im Auslandshandel tätigen sowie als Mitglied der Salzfertigerzunft (1503 – 1549) und der Kaufleutestube (1541 – 1549) nachweisbaren ANTON I. HAUG (1474 – 1549) und seiner Frau ANNA geborene BIMMEL. Deren Familien, obgleich nicht zu den Patriziern gehörend, wurden zu den reichsten und bedeutendsten solchen von Augsburg gezählt. Im Alter soll er in Kaufbeuren gewohnt haben. In der Hörmannischen Gruft in Gutenberg erinnert an diesen die Kopie eines kunstgeschichtlich bedeutsamen Bronzeepitaphs, dessen Original 1894 an das Kaufbeurer Stadtmuseum abgegeben worden ist.

– Über ANTON (1522 – 1594), den Jüngsten der vier Brüder, erfahren wir aus Brunner, ergänzt durch die ihn ausdrücklich als „Protestant” ausweisende Prosopographie (Lfdnr. 455), kurzgefasst Folgendes: Er wurde laut Brunner am 13. Februar, laut Prosopographie am 1. September 1522 in Gundelfingen geboren, wohin seine Mutter mit ihrem Bruder wegen der in Augsburg herrschenden Pest geflohen sei. 1534 mit 12 Jahren wurde er mit einem Präzeptor zu weiteren klassischen Studien für ca. 5 Jahre nach Prag gegeben, von wo aus er mit seinem Vater in lateinischer und böhmischer Sprache korrespondierte. Dann gab man ihn für ca. 3 Jahre von 1539 bis 1542 nach Lyon in die Schreibstube des Italieners Raffael insbesondere zur Vorbereitung zum Handelsstande. 1542 mit ca. 21 Jahren nach Augsburg zurückgekehrt, trat er, seinem Vater folgend und wie bereits seine drei älteren Brüder, in hauptsächlich zu Augsburg geleisteten Fuggerischen Dienst, war aber auch lebenslang Gesellschafter des Augsburger Kaufmannes und Kaiserlichen Rates (1551) MATTHÄUS II. MAN(N)LICH (1499 – 1559) bzw. dessen Erben. 1544 vermählte er sich mit SUSANNA MAN(N)LICH, der ältesten Tochter des Vorgenannten, dessen Besitz- und Gesellschaftsstatus dem des o. g. Anton Haug entsprach. Denn er findet sich in der Proposographie (Lfdnr. 782) als Mitglied der Krämerstube und Kaufleutestube Augsburgs von 1541 – 1559, als Richter von 1538 – 1541 sowie als Eherichter von 1543 – 1548, als Mitglied des Großen Rates von 1549 – 1559, als Stubenmeister der Kaufleutestube 1550, 1554, 1557 und 1559. Anton ließ sich in Augsburg in die Zunft der Kaufleute (nachgewiesen 1545 – 1548) und in die Gesellschaft auf der Bürgerstube eintragen; ab 1548 erscheint er als sog. Mehrer. Bereits 1555 (nur 33 Jahre alt) vermag er dort die aus seinem eigenen Vermögen, dem Heiratsgut der Frau und seinem Gehalt gewonnene Summe von 20.204 Gulden anzulegen und später enorme Beträge an das Handelshaus der Fugger, Kooperationen, Personen und an die Stadt Nürnberg auszuleihen. Seine ununterbrochenen Aufzeichnungen weisen ihn als ehrlichen, klug und redlich für sich und seinen Stand sowie seine Familie sorgenden und überdies fortdauernd ungeschwächt der Liebe für Kunst und Wissenschaft huldigenden Mann aus, der zum wachsenden materiellen Wohlstand seines Hauses beiträgt, mehrere Häuser besitzt und auch der Stadt Dienste leistet, so 1564 als Oberviertels-Hauptmann, sodann als einer der vier Strafherren und 1575 als Gassenhauptmann. Seine Hausfrau Susanna verliert er zu seinem großen Schmerz schon 1585 und er lässt diese in der kurz vorher erkauften Gruft in der sog. finstern Gräbd des Augsburger Domes bestatten. Er selbst stirbt mit 72 Jahren am 24. März 1594 in Augsburg.

Drei der vorgenannten vier Söhne des GEORG HÖRMANN, ausgenommen blieb nur der am stärksten abwesende CHRISTOPH, wurden also 1549 in Augsburg, Zeichen deren Ortswechsels von Kaufbeuren nach Augsburg und deren  dortigen Aufgestiegenseins, in den sog. Großen Rat aufgenommen, womit ihnen faktisch die Zugehörigkeit zum Zweiten Stand Augsburgs, nicht zum Ersten Stand der allein ratsfäig im Sinne des sog. Kleinen Rates anerkannten Patrizier, bescheinigt war. Welch bedeutsame Rolle Georg Hörmann und seine Söhne, um nunmehr zu resumieren, mitbestimmt letztlich durch die günstige Verkehrslage und Ausrichtung ihrer Heimatstadt Kaufbeuren auf die Nachbarreichsstädte Augsburg und Memmingen, im damaligen Handelswesen des süddeutschen Raumes und darüber hinaus auch als Beförderer der Annahme der Confessio Augustana durch die Reichsstadt Kaufbeuren im Jahr 1545, d. h. drei Jahre nach dem Übertritt des Georg Hörmann von und zu Gutenberg zum Protestantismus, spielten, findet sich in der wissenschaftlichen Veröffentlichung der Universität Cambridge des Jahres 2009 von Christopher W. Close des Titels „The Negotiated Reformation. Imperial Cities and the Politics of Urban Reform 1525 – 1550” durch die folgenden hier in geraffter Übersetzung wiedergegebenen Passagen der Seiten 39 und 40 charakterisiert:
„Am Wertach-Fluss gelegen etwa 60 km südlich von Augsburg lag Kaufbeuren an der Straßenkreuzung von zwei wichtigen Handelsrouten; eine davon lag an der Nord-Süd-Verbindung von Augsburg zum nördlichen Italien und den Bergwerken Tirols und eine erstreckte sich ostwestlich zwischen den Schweizer Kantonen, Memmingen und Bayern. … Die wichtigste soziale Verbindung zwischen diesen Städten kam durch die Familie Hörmann von und zu Gutenberg zustande. Die Hörmanns waren eine der wichtigsten Handelsfamilien im südlichen Deutschland. Sie waren Eingeborene in Kaufbeuren, hatten aber Geschäftsstellen auch in Memmingen und Augsburg. Im Jahr 1528 war Georg Hörmann, ein Verwalter des in Augsburg beheimateten Fugger-Bankhauses, vom Herrscher Karl V. in den Adelsstand erhoben worden und hatte seinen Hauptwohnsitz in Augsburg eingerichtet. Sein Sohn Ludwig lebte sowohl in Augsburg als auch in Kaufbeuren. Zusammen mit seinem Bruder Anton bearbeitete er die Familiengeschäfte, die Besitz in Augsburg und Kaufbeuren beinhalteten und die Lordschaft über das Dorf Gutenberg. Die Verbindungen zwischen den drei Städten, die von der Hörmann-Familie gefördert wurde, gestalteten den Kurs von Kaufbeurens Reformation.” Letztere Feststellung erfährt in der Weiterführung des Textes zwar noch eine konkretisierende Belegung, auf deren Darlegung wohl jedoch verzichtet werden kann.

Von den vier zur Welt gekommenen Söhnen des ANTON HÖRMANN soll, um wenigstens noch ansatzweise die Genealogie der Kaufbeuren-Augsburger HÖRMANN weiterzuführen und deren in Augsburg errungene herausragende Position zu illustrieren, das Mannesalter nur KARL (1550 – 1582) erreicht haben. Dieser wurde, stets geschult von eigenen „Präzceptoren”, um „gute Sitten und Tugenden zu lernen”, mit 13 Jahren weg von Augsburg nach Jena in Thüringen, mit 15 Jahren nach Frankreich zum Erlernen des Französischen und Kennenlernen der Rechtsinstitutionen, dann 1568 mit 18 Jahren nach Nürnberg zur Erlernung der Handelsschaft mit insbesondere dem Rechnen und Buchhalten sowie zu klassischen Studien und schließlich 1569 als Diener in das ansehnliche Geschäft des SEBASTIAN PFAFFENBERGER und LUDWIG WALTER nach Venedig insbesondere zum Erlernen des Italienischen geschickt. Nach Augsburg zurückgekehrt, heiratete er (siehe in der Proposographie Lfdnr. 455) 1571 SOPHIA HEEL, die Tochter des kaiserlichen Rates DR. JURIS KONRAD HEEL. Er stirbt bereits am 29. November 1582 und wird in der Hörmannischen „anderen Gruft” bei Sankt Anna begraben. Antons vier Töchter machten alle standesgemäß angemessene hohe Partien: So heiratete MARIA 1566 den hochangesehenen kaiserlichen Rat und Hofzahlmeister DAVID HAG (in der Prosopographie wohl richtigerweise als DAVID HAUG erscheinend), EUPHROSINA 1576 den einer Mehrer-Familie angehörenden JEREMIAS SEIZ, REGINA 1577 den genau so zu den Mehrern gerechneten SIXT ADELGAISS; SIBILLA ehelichte 1579 ANTON den Augsburger Patrizier FELIX WELSER (1556 – 1613), dessen Augsburger Handelshaus damals ja Weltgeltung besaß und in Ingolstadt die Hochschule besucht hat und in Augsburg in seinen beiden letzten Lebensjahrzehnten die folgenden hohen Amtsfunktionen innehatte: 1593 – 1613 Großer Rat, 1597 – 1604 Mitglied des Stadtgerichtes, 1597 – 1613 Kirchenpfleger-Adjunkt.

Zwar ließe sich fortführend und insbesondere über die sich ungebrochen fortpflanzenden Nachkommen des LUDWIG HÖRMANN Weiteres sagen. Wenn aber jetzt die Darlegung der Hörmannischen Genealogie abgebrochen wird, so geschieht das unausweichlich deshalb, weil wir uns zeitlich von der erstrangig ja gesehenen Notwendigkeit des Suchens nach einer eventuellen Spur jenes ersten Gliedes der NÜRNBERGER HERMANN, das Sporhan-Krempel in der Person des laut dieser ca. 1485 geborenen und 1512 in Nürnberg eingewanderten Fernhändlers namens HEINRICH HERMANN bestimmt hat, auf der Zeitleiste dann noch weiter, als dies bislang schon aus bloßem Interesse an diesem „Kaufbeuren-Augsburger Hörmann-Ableger” geschehen ist, entfernen. Doch seien abschließend wenigstens noch die wenigen Spuren aufgeführt, die in der Gegenwart noch im Orte Gutenberg, Gemeinde Ostendorf, an die fast genau drei Jahrhunderte gedauerte Patrimonialgerichtsbarkeit der HÖRMANN VON UND ZU GUTENBERG außer der dortigen Hörmannkapelle erinnern. Dazu muss man wissen, dass dieser Ort zwar bis zur Ablösung derselben und Übernahme durch das Königreich Bayern in den 1830er Jahren trotz der wohn- und tätigkeitsmäßigen Bevorzugung der nahen Stadt Kaufbeuren als ökonomisches und politisches Zentrum der Hörmann sowie der im Laufe dieses Zeitraumes erfolgten Zerstreuung der Sippenmitglieder auf zahlreiche andere südwestdeutsche Städte wie Augsburg, Memmingen, Nördlingen, Lindau, auch Nürnberg, ja sogar Straßburg u. a. m. als Stammsitz der Familie galt. Doch wurde im Jahre 1670 selbst in Kaufbeuren wegen Verschuldung im Zuge des Dreißigjährigen Krieges zunächst das Fideikommisshaus der Hörmann und das Recht auf ihren dortigen Freisitz verkauft und immer weniger kümmerte man sich um das landwirtschaftliche Gutenberger Gut, das sowieso nicht so sehr ihrem erstrangig dem Handels- und Ämterwesen und so gut wie gar nicht der Landwirtschaft geltenden Interesse entsprach. Ein tüchtiger und erfolgreicher Urururenkel des Adelsstammvaters GEORG namens WILHELM GOTTFRIED VON HÖRMANN, der in den 1690er Jahren nach Nürnberg ausgewandert war und dort ein sehr erfolgreich betriebenes und von seinen Söhnen weitergeführtes Handelsunternehmen gegründet und um 1700 im an Nürnberg grenzenden Weiler Schniegling an der Pegnitz den schlösschenartigen „Hörmannschen Sitz” eingerichtet hat, ließ zwar 1730/31 von dort aus auf eigene Kosten in Höhe von ca. 8.000 Gulden das am Nordende des Dorfes gelegene heruntergekommene Schloss Gutenberg abreißen und in französischem Stil gleich wieder neu aufbauen. Doch ist dieses 1823 schon wieder abgebrochen worden, nachdem die Hörmann allen ihren dortigen Grundbesitz verkauft hatten. Heute erinnert daran dort nur noch eine Gedenktafel über der Hofeinfahrt des Anwesens Hörmannstraße 28 an dieses und gleichzeitig auch dieser Straßenname an dessen und des Ortes einstiges Herrschaftsgeschlecht.

Angefügt seien noch wenige knappe Notizen über das weitere Schicksal der HÖRMANN VON UND ZU GUTENBERG überhaupt:

Bei Anlegung der Adelsmatrikel des Königreichs Bayern wurde in dieselbe der nachweislich diesen entwachsene GEORG MATTHIAS VON HÖRMANN, geb. 1782, aufgenommen, damals Herr auf Senftenau, eines stattlichen Herrensitzes mit einem Wasserschloss und Park bei Lindau, das heute im Besitz dieser Stadt steht. Geht man vom Titel der genealogischen Untersuchung von
– Friedrich Bauser „Über den verwandtschaftlichen Zusammenhang der in Bayern, Württemberg und Österreich noch blühenden Familie der Freiherren von Herman auf Wain und der Hörmann von Hörbach mit der ausgestorbenen Patricierfamilie der Hörmann von und zu Gutenberg” (1917); in: Württembergische Vierteljahreshefte für Landesgeschichte, N. F. 26, 1917, S. 448 – 457)
aus, so bestanden die Hörmann von und zu Gutenberg als Familienverband spätestens in den Anfängen des 20. Jahrhunderts nicht mehr. Doch gibt es heute nachweislich immer noch Personen, die den Namen HÖRMANN VON UND ZU GUTTENBERG führen. Überraschend ist die Tatsache, dass
– E. H. Kneschke in „Neues Allgemeines Deutsches Adels-Lexikon, 4. Band, 1863” außer den „Hörmann von und zu Guttenberg” fünf Adelsnamen- und Adelstitel-Varianten aufführt, in deren Kern „Hörmann” bzw. „Hermann” bzw. auch „Herman” steckt, was die enge (im Einzelnen hier nicht angesprochene und in der Regel auch nicht konkret klärbare) Verwandtheit andeutet. Diese sind:

– 1. HERMANN, auch HERMAN, AUF WAIN, FREIHERREN: Diese stellen ein ursprüglich aus (der ehemaligen Nachbarreichsstadt Kaufbeurens) Memmingen an der Aach stammendes Patriziergerschlecht dar, von dem angeblich zwei Brüder namens GEORG und HANS HERMANN nach Österreich gekommen sein und dort zunächst den rittermäßigen Adelsstand erlangt haben sollen. Nachkommen derselben wurden 1715 in den erbländisch-österreichischen Freiherrenstand erhoben, die zwar ausstarben, aber deren Adelsstatus an die Memminger Verwandten überging, denen sogar im Fortgang der Generationen im Jahr 1750 der Reichsadelsstand bzw. dem aus deren Sippe stammenden Bürgermeister von Memmingen TOBIAS HERMANN 1740 das Prädikat VON HERMANNSTEIN verliehen wurde. Der aus derselben Memminger Hermann-Sippe stammende FREIHERR BENEDICT VON HERMANN (geb. 1689 in Memmingen, gest. 1782 in Venedig), Handelsherr zu Venedig, wurde, nachdem er die ehemalige reichsunmittelbare zum Gebiet der Reichsstadt Ulm gehörige und im Grenzraum des Herzogtums Württemberg zum Königreich Bayerrn hin gelegene Herrschaft Wain für 500.000 Gulden erworben und diese zum Fideikomiss bestellt hatte, 1774 ebenfalls in den reichs- und erbländisch-österreichischen Adelsstand erhoben, was dem Geschlecht den Beinamen AUF WAIN einbrachte. In deren rund 25 km südlich von Ulm gelegenen Herrschaftsort Wain entstand 1877 – 1880 das nach den Plänen des Münchener Hofarchitekten Lorenzo Quaglio in klassizistischem Stil erbaute Schloss Wain mit davor terrassenförmig angelegtem Schlossgarten, heute Sitz des Freiherrlich Herman’schen Forst- und Bauamtes. Aufschlussreich ist deren Wappen: Im der Länge nach geteilten Schild mit unten eingepfropfter gebogener Spitze ist die rechte Hälfte durch einen roten Querbalken geteilt. Oben findet sich in Gold ein aufwachsender, einwärts gekehrter schwarzer Widder; das untere Feld ist rot-silbern geschacht. Die linke Hälfte zeigt auf einem vielhügeligen Berge einen einwärts gekreuzten, in den Vorderklauen einen goldenen Zepter haltenden goldenen Greif und in der goldener Spitze zwei gekreuzte, die Spitzen nach oben kehrende silberne Pfeile, rechts und links von je einem goldenen Sterne begleitet. Aus dem in diesem Wappen enthaltenen, wenngleich schwarzen und nicht wie im Wappen des DOMINICUS VON WIMPF(F)EN GENANNT HERMAN weißen, Widder möchte man allzugerne ableiten, dass zwischen den beiden insofern Blutsverwandtschaft besteht, als diese zumindest den gleichen Vorfahren entwachsen sind, was natürlich unbeweisbares Wunschziel bleibt. Hier sei nur noch darauf hingewiesen, dass das vorbeschriebene Adelsgeschlecht noch heute besteht und der Stammhalter BENEDIKT-JOACHIM XVIII. GERD HUBERTUS ERNST MORITZ VON HERMANN AUF WAIN (geb. 1941) heißt.

– 2. HÖRMANN; EDLE: In Niederösterreich wurde 1702 die Person des Regimentsrats JOHANN LEOPOLD EDLER VON HÖRMANN, HERR ZU CHORHERRN, der ein Sohn des niederösterreichischen Regierungskanzlers JOHANN CHRISTOPH HÖRMANN gewesen ist, unter die neuen Ritterstandsgeschlechter aufgenommen. Dessen Geschlecht schloss bereits 1743 mit dessen Sohn, dem Regierungsrat zu Grätz JOSEPH JULIUS EDLER VON HÖRMANN, HERR ZU CHORHERRN UND KIHRLING.

– 3. HÖRMANN, ERBLÄNDISCH-ÖSTERREICHISCHER ADELSSTAND: Über diesen Zweig lässt sich nur sagen, dass ein diesbezügliches Diplom 1758 an den Äußeren Rat in Wien namens JOHANN CORNELIUS HÖRMANN vergeben worden ist.

– 4. HÖRMANN VON HÖRBACH, ERBLÄNDISCH-ÖSTERREICHISCHER ADELSSTAND: 1785 erhielt der Gerichtsschreiber der Herrschaft Hörtenberg in Tirol namens JOSEPH HÖRMANN das dementsprechende Diplom. Von den Enkeln wurden bei Anlegung der Adelsmatrikel des Königsreiches Bayern die folgenden Brüder eingetragen: Der königlich-bayrische Legationsrat in München JOSEPH (geb. 1778), der königlich-bayrische Polizeikommissar zu Aschaffenburg ANTON (geb. 1785) und der königlich-bayrische Lieutenant FRANZ HÖRMANN VON HÖRBACH (geb. 1789). Nachfolgend bekannt wurde der österreichische Schriftsteller und Bibliothekar sowie spätere Direktor der Universitätsbibliothek Innsbruck LUDWIG HÖRMANN VON HÖRBACH (geb. 18347 in Feldkirch, gest. 1924 in Innsbruck), dessen Forschungen und Werke dem alpenländischen und speziell dem tirolischen und vorarlbergischen Volkstum sowie Landschaftsraum auswahlweise in folgenden Werken galten: Tiroler Volkstypen (1877), Wanderungen durch Tirol und Vorarlberg (1889), Haussprüche in den Alpen (1890), Grabschriften und Marterln (Folge: 1890, 1891, 1896), Volkstümliche Sprichwörter und Redensarten aus den Alpenlanden (1891), Vorarlberger Volkstrachten (1904), Tiroler Volksleben (1909). Der Jurist WINFRIED HÖRMANN VON HÖRBACH (geb. 1821 in Mainz, gest. 1896 in München) stieg im Königreich Bayern bis zum Staatsminister im Kabinett Hohenlohe (1868/69) auf, war dann Regierungspräsident von Schwaben und Neuburg (1870 – 1887) und übte daneben Mandate der Liberalen im Reichstag (1870) und in der 2. Kammer des Bayrischen Landtags (1871 – 1883) aus. Das Wappen seines Geschlechtes sei gezeigt in der

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  • Abb. H 8: Das Wappen der urspünglich erbländisch-österreichischen Adelsfamilie Hörmann von Hörbach.

Wie bei den Hörmann von und zu Gut(t)enberg besteht hier, was die Schild- und die Helmzierzeichen betrifft, keinerlei Übereinstimmung mit dem Urwappen von 1555 des DOMINICUS VON WIMPF(F)EN, wohl Zeichen des in den inzwischen vergangenenen um die drei Jahrhunderten geschehenen Erlöschens des Wissens um die verwandtschaftlichen Bande.

– 5. HÖRMANN VON WILLERSDORF (WÜLLERSDORF) UND URBAIR, EDLE UND RITTER, ERBLÄNDISCH-ÖSTERREICHISCHER ADELS- UND RITTERSTAND: 1791 erhält der mährische Kreisschulkommissär HÖRMANN das Adelsdiplom mit dem Prädikat EDLER VON WILLERSDORF UND URBAIR, 1859 der K. u. K. OBERFINANZRAT M. HÖRMANN VON WILLERSDORF UND URBAIR das Ritterdiplom. Zu diesem Geschlecht gehörte BERNHARD VON WILLERSDORF UND URBAIR, der Führer der K. u. K. Fregatte Novara, die 1857 zur Reise um die Welt abgesandt worden ist.

Es erscheint im Rückblick auf das nunmehr dem Abschluss entgegengehende Kapitel H. Kaufbeuren-Augsburger Hörmann schon sehr beachtlich, welchen raschen Aufstieg die Kaufbeurener Hörmann genommen haben, indem diese bereits 1528 und damit 1 ¼ Jahrhundert früher in den Adelsstand erhoben worden sind als die, wie sich in Kapitel L. Adelswerdung im Einzelnen zeigen wird, erst 1658 geadelten Augsburg-Nürnberger Hermann und nunmehrigen VON WIMPFFEN. Beachtenswert erscheint auch im Zuge deren Verzweigung und Ausbreitung hin nach Augsburg sowie in den süddeutsch-österreichischen Umraum im Laufe von an die vier Jahrhunderten und mehr zahlreiche Ableger ebenfalls in allerlei Adelspositionen und berufliche Rangstellungen gelangt sind, worunter – siehe oben – ein Ururenkel des STAMMVATERS GEORG namens WILHELM GOTTFGRIED VON HÖRMANN ausgangs des 17. Jahrhunderts und damit zu einer Zeit, da die in Nürnberg groß gewordenen HERMANN VON WIMPFFEN gerade ihre Zelte abgeschlagen hatten, dort Einzug gehalten und ein erfolgreiches Handelsunternehmen gegründet hat, das allerdings schon nach einem starken Jahrhundert von den Nachkommen wieder aufgegeben worden ist. Siehe Genaueres darüber im ausgehenden Kapitel L. Adelsdwerdung! Dieses alles war der Grund, den Kaufbeurener Hörmann hier ein ganzes langes Kapitel einzuräumen. Allerdings war ursprünglich noch beabsichtigt, mit Hilfe des Leiters des Stadtarchivs Kaufbeuren Dr. Stefan Fischer die folgenden dort verwahrten grundlegenden Dokumentationen des einstigen Reichsstädtisch-Kaufbeurener Kanzleidirektors WOLFGANG LUDWIG HÖRMANN VON UND ZU GUTENBERG (1713 – 1795) herbeizuziehen:

– „Ehrenspiegel, Ehren Denckmahl und Stammen-Register des Adelichen Geschlechts derer Hörman von und zu Gutenberg …… ”, 1770, Stadtarchiv Kaufbeuren B 89, HS 178 (sog. Familienchronik der Hörmann von und zu Gutenberg). Es ist anzunehmen, dass sich dieses Werk mit dem folgenden in der Literatur zur Stadtgeschichte von Augsburg angegeben solchen deckt: „Die Familienchronik im Hausarchiv der Hörmann in Kaufbeuren/Krün”, wobei mein Versuch der Suche nach diesem sog. Hausarchiv bis jetzt keine Erfolge gezeitigt hat. Merkwürdigerweise lässt sich das dem Ortsnamen von Kaufbeuren beigegebene „Krün” allein als Ort in den bayrischen Alpen (Karwendel) bei Mittenwald identifizieren.

– „Sammlung derer fürnehmsten Merckwürdigkeiten und Geschichten der H. R. Reichs freyen Statt Kaufbeuren … von Wolfgang Ludwig Hörmann von und zu Gutenberg”, 3 Bände. Dieses offenbar bislang nicht oder nur zum Teil transkribierte kostbare Werk ist dem umfangreichen Evangelischen Kirchenarchiv der Dreifaltigkeitskirche Kaufbeuren wider die Regel der späteren Unterbringung an zentralem Archivort erhalten geblieben. Dessen „Erster Theil” reicht, wie es im erweiterten Titel heißt, „von dem Jahr 842 biß auf das Jahr 1599” und dieser könnte somit auch bislang unausgeschöpft Gebliebenes über die frühesten Kaufbeurener Hörmann enthalten, zumal die Wertung dieses Werkes im „Historischen Lexikon Bayerns” des Titels „Kaufbeuren, Reichsstadt” folgendermaßen lautet: „Eine chronikalische Darstellung der Stadtgeschichte, deren Verfasser nach vergleichsweise modernen wissenschaftlichen Methoden arbeitete und dem das reichssstädtische Archiv noch ohne die späteren Verluste zur Verfügung stand, so dass viele Quellen nur über die Zitation des W. L. Hörmann auf die Nachwelt gekommen sind.”
Leider muss ich auf eine Besorgung dieser Dokumentation sowie Durchsicht zum Zweck der Suche nach Spuren der frühesten bis frühen Hörmann in Anbetracht meines fortgeschrittenen Alters verzichten.

Dazuhin hat sich im Evangelischen Kirchenarchiv Kaufbeuren auch noch ein zweites großes originelles Werk des vorgenannten großen Kaufbeurener Chronisten erhalten, das ebenfalls Fakten über dessen früheste bis frühe Hörmann-Vorfahren enthalten könnte:

– „Sammlung der merckwürdigsten Geschichten das Kirchen- und Religions-Weesen in des H. R. Reichs freyen Statt Kauffbeuren betreffend von den ältesten Zeiten biß auf das Jahr 1757 mit möglichstem Fleiß zusammengetragen von Wolfgang Ludwig Hörmann von und zu Gutenberg”.

Außerdem, so teilte mir der Leiter des Stadtarchivs Augsburg Dr. Stefan Fischer in einem ersten Mail-Kontakt vom 11. 09. 2015 mit, könnte auch die Durchsicht der folgenden Regestenwerke, in denen die Urkunden von Kaufbeuren dokumentiert sind, diesbezüglich von Nutzen sein:

– „Richard Dertsch, Urkunden der Stadt Kaufbeuren 1240 – 1500, Augsburg 1955″;

– „Stefan Dieter, Urkunden der Reichsstadt Kaufbeuren 1501 – 1550, Thalhofen a. d. Gennach 1999”.

Nicht nur, dass eine versuchte Weiterführung des Kontaktes zu Dr. Fischer nicht zustande gekommen ist, sondern ich bin in der Zwischenzeit auch durch das Studium und die Einarbeitung der mir jüngst zugänglich gewordenen und vorstehend vielfach sowie schon in vorausgegangenen Kapiteln zitierten zwei Bände umfassenden und hier noch einmal ihrer hohen Informativität wegen herausgestellten Dokumentation von

– Wolfgang Reinhard (Editor), „Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts: Proposographie wirtschaftlicher und politischer Führungsgruppen 1500 – 1620”, 1996 Berlin,

zu der Überzeugung gekommen, dass es mit der bisher verarbeiteten Literatur sowie den zugrundegelegten gedruckten Quellen und urkundlichen Materialien sein Bewenden haben kann. Denn, wie schon mehrfach angedeutet, besteht letztlich denn doch mangels noch vorhandener älterer in das 15. Jahrhundert und gar weiter zurückreichenden Quellenmaterials sehr wenig Hoffnung, in Augsburger wie Kaufbeurener Archivbeständen Weiteres über die Hermann bzw. HERMANN/HÖRMANN und somit vor allem auf die Spur des von Wimpfen am Neckar nach dorthin ausgewanderten Zielahnen dieses Nachnamens aufspüren zu können.

Ich möchte es nicht versäumen, auf die im Endbereich des letzten Kapitels Z. Rück- und Weiterschau im Einzelnen dargestellte und als discriminierend empfundene Wertung dieses Kapitels H. Kaufbeuren-Augsburger Hörmann „konfus“ seitens des Historikers KLAUS GRAF (geb. 1958) hinzuweisen.